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Relief. Aus der Distanz wirken sie in ihrer Schemenhaftigkeit wie verschüttet geglaubte Erinnerungen, die allmählich wieder an die Oberfläche zurückkehren und uns, aus einer zeitlosen Dimension zu uns herüber schauend, mit ihren Blicken mustern, als könnten sie nicht begreifen, warum wir auf unserer Seite geprägt sind von einem vom Verrinnen der Zeit bestimmten Denken und Handeln. Eine gespenstische Faszination für das Vergängliche – ohne jegliche Morbidität künstlerisch vermittelt. Der Künstler selbst versteht seine Malerei als rein ästhetisches Projekt und findet darum auch keinen Anstoss daran, wenn seine Bilder mitunter nur als «schön» oder «harmonisch» oder «dekorativ» wahrgenommen und nicht mit einer durch bildungsbürgerliche Furcht vor flapsigen Fehlinterpretationen erzeugten,

stummen und ratlosen Anerkennung bedacht werden. Auch handwerkliche Fertigkeit soll Kunst für sich in Anspruch nehmen dürfen, ohne dabei als Kunsthandwerk abgetan zu werden, ist Roth überzeugt. Dabei darf man nicht ausser Acht lassen, dass Walti Roth als «Autodidakt mit drei Jahren Kurserfahrung an der Schule für Gestaltung in Zürich» vor seinem künstlerischen Schaffen bereits eine längere Berufslaufbahn als Koch, Hotelleriefachmann und als Steward bei der damaligen Swissair vorzuweisen hatte. Bei der Schweizer Fluglinie hatte er die Gelegenheit, die grosse, weite Welt in kleinen Häppchen kennenzulernen. Als Künstler versucht er nun, in grossformatigen Bildern, einen kleinen Ausschnitt der Welt zu begreifen, die jeder Mensch unterschiedlich wahrnimmt.

Kunstmagazin 2013  

Beiträge über das Kunstschaffen in Graubünden und Liechtenstein

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