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Horizonterweiterung, New York, 2007, Farbfotografie, 90 x 120 cm, Auflage 4

Die Arbeit Bergwelten aus dem Jahr 1999 umfasst zehn Schwarz-Weiss-Aufnahmen und steht am Anfang eines Schaffens, das sich kontinuierlich und beharrlich mit der Wahrnehmung von Landschaft auseinandersetzt. Stephan Schenk näherte sich damals, nachdem er aus Süddeutschland nach Lüen im Schanfigg gezogen war, der unvertrauten, schroffen Berglandschaft durch die künstlerische Auseinandersetzung – fasziniert von den Naturgewalten, von einem rundum eng begrenzten und extrem hoch situierten Horizont, von der wuchtigen und bedrohlichen Gegenwart der Elemente, von Fels, Schnee und Wasser, und von einer Existenzform, die sich auf ein Leben am Abgrund eingerichtet hat. Die zehn Aufnahmen, die eine Bergwirklichkeit jenseits von Postkartenidylle und hehrer Erhabenheit zeigen, unterliegen einer formal strikten Konzeption. Stets ist der Horizont derart hoch angesetzt, dass dem Himmel bloss noch ein schmaler Streifen Raum bleibt. Die Ansichten erschliessen nicht wie gewohnt kulissenhaft die Tiefe des Raumes, sondern offenbaren sich als grosse, in sich geschlossene Flächen: Felsfluh, Schneewand, Klamm, Geröllfeld. So wie Nah- und Fernsicht unvermittelt aufeinander-

prallen, so abrupt begegnen sich Natur und Zivilisation: die eng zusammengerückten Häuser des Bergdorfes an der obersten Kante des Schneefeldes, die Staumauer über der wildromantischen Schlucht mit Fels, Eis und Wasser, die Brücken über tiefen Abgründen oder die kleine Siedlung hart an der gefransten Kante zwischen beschaulicher Wiese und jähem Abbruch zur Tiefe. Nach den Bergwelten folgte die Arbeit Übergänge und schliesslich die drei grossen, langfristig angelegten Projekte Aussicht mit Zimmer, Wälderpanoramen und Horizonterweiterung. Bei den zahlreich festgehaltenen Aussichten auf Landschaften aus aller Welt – in Australien ebenso wie Arosa, in Paris wie auf Long Island – fügen sich die seitlich an den Bildrändern und stets exakt auf der Bildmittelhöhe situierten Punkte des sich dehnenden Horizonts zu einer «Horizonterweiterung», zumal wenn die einzelnen Bildtafeln sich zu einem weiten Bilderfries fügen. Als eine Hinterfragung unserer Wahrnehmung von «Welt» erweisen sich auch die 360°-Panoramen berühmter und bekannter Wälder, die sich aus segmentierten, überlappenden Einzelbildern

Kunstmagazin 2013  

Beiträge über das Kunstschaffen in Graubünden und Liechtenstein

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