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MFG SZENE möglich. „Wir hatten das Glück Gottfried Stark, den Betreiber des Recyclingparks, schon längere Zeit zu kennen. Er hält viel auf Rockmusik und hat uns den Platz zur Verfügung gestellt“, erzählt Richter. So originell der Eindruck des Festgeländes, so professionell gingen Richter und sein 40 bis 50 Köpfe umfassendes Vereinsteam bei der Organisation vor. „Also g’schaut haben wir schon immer auf alles. Von den Getränken und der Verpflegung, bis hin zu vernünftiger bühnen-, sound- und lichttechnischen Ausstattung. Thomas Dvorak und seine Firma Event-Styling haben das immer für uns gemacht“, so der ehemalige „Rock am Schrott“-Initiator. Nur sechs Jahre nach dem Ende des Avalon, segnete jedoch auch Rock am Schrott das Zeitliche. Die Gründe: Horrender Aufwand und am Ende des Tages oft rote Zahlen. „Man muss beispielsweise eine Reihe von Auflagen erfüllen, Sicherheitsvorkehrungen, Absprachen mit der Feuerwehr und so weiter. Und finanziell kamen wir letztlich in den roten Bereich. Und dazu kommt noch, dass wir meistens nur Pech mit dem Wetter hatten und es ziemlich verregnet war“, so Richter. Beim Ansehen diverser Videos des Festivals, welche auf Youtube zu finden sind, fällt außerdem ein Kuriosum auf: Dem professionellen und teuren Setting des Festes stand in der Regel ein Line-Up aus völlig unbekannten Bands

gegenüber. Ihnen eine vernünftige Bühne zu bieten war das hehre Motiv des Vereins. „Aber es ist halt schwer, eine Masse an Publikum zusammen zu bekommen, wenn es sich um kleine Bands handelt“, resümiert der 52-Jährige. Hand aufs Herz: Wer hat jemals schon von den Gruppen Mississippi Queen oder EMEX gehört? Aufgegeben haben Richter und die „Free Eagles“ allerdings nicht, denn Rock am Schrott war weder der Anfang noch das Ende. „Wir sind dann wieder zu unseren kleineren Rockpartys übergegangen, wie wir sie schon seit 1994 immer wieder geschmissen haben. Die finden einmal jährlich im Meierhof in Raabs an der Taya statt und auch da gibt’s stets Live-Bands“, erzählt Richter, dessen Herz eigentlich eher für Austro-Pop der Marke Ostbahn Kurti schlägt. Sein Verein veranstalte immer wieder auch AustroPop-Veranstaltungen, da sähe auch die Abendkasse meist wesentlich besser aus. „Mit dem Geld, das wir da einnehmen, finanzieren wir dann die Rock-Shows wo gerade einmal die Hälfte an Publikum auftaucht.“ „Kulturstadt“ Krems mit prekärer Subkultur Krems a. d. Donau wird eher als „Tor zur Wachau“, denn als südlichste Stadt des Waldviertels gesehen. Aber abseits der geografischen Verortung brüstet sich die Stadt vor allem mit

ROCK AM SCHROTT. Einige Crew-Mitglieder des Vereins „Free Eagles“ am Schrottplatz Irnfritz, dem Gelände des „Rock am Schrott“-Festivals.

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einem: dem Titel als „Kulturstadt“. „Das gilt vielleicht für die etablierten Kultureinrichtungen, wie die Kremser Kunstmeile. Was aber Subkultur im Musikbereich angeht, da gibt es noch einiges an Aufholbedarf“, befindet Thomas Wieser im Gespräch mit dem MFG-Magazin. Er ist der Obmann des Kremser Jazzkellers, welcher unscheinbar inmitten der ehrwürdigmärchenhaften Kremser Altstadt liegt. So unscheinbar, dass selbst Kremser, die inmitten des Stadtzentrums wohnen, bestenfalls von ihm gehört haben, aber nicht in der Lage sind, Ortsunkundigen den Weg zu weisen. Wieser, der dem Kulturbeirat der Stadt angehört, betont zwar, dass der lokale Politik- und Kulturbetrieb nichts gegen eine lebendige Subkultur habe. Allerdings fehle es diesbezüglich noch ein wenig an Erfahrungswerten und Hintergrundwissen. Seit dem Ende des Avalon Exil im Jahre 2009 ist der Jazzkeller das letzte Lokal, welches in Krems eine Bühne für Live-Shows im kleinen Rahmen bietet. Doch die Geschichte „vom Kölla“ (wie er von seinen treuen Besuchern gerne lapidar betitelt wird) reicht viel weiter zurück: Dieses Jahr feiert der Jazzkeller seinen 51. Geburtstag. „Wir sind kein kommerzielles, sondern ein Vereinslokal des 1. Kremser Jazzvereines. Als solches haben wir einen besonderen Anspruch, was das Programm und die Vielfalt angeht“, erklärt der 41-Jährige. Doch das ist nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal zu konventionellen Fortgeh-Spelunken. Das Jazzkeller-Team hält nicht viel von einer allzu strikten Trennung zwischen Anbietern und Nachfragern. Oder weniger ökonomisch gefachsimpelt: Die Besucher können das Programm teilweise mitgestalten. So etwa beim sogenannten „Styleclash“. Egal ob Elektro, Hip Hop oder klangoriginelle Experimental-Musik: Die Besucher können sich für je eine halbe Stunde selbst als DJ austoben. So blumig all die Schilderungen auch klingen mögen, grenzt es doch an ein Wunder, dass der Jazzkeller Krems als Hort alternativen Fortgeh- und Musikerlebnisses heute überhaupt noch existiert. So wurde die jüngste Ver-

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 70  

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