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TEXT: JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: JOHANNES MAYERHOFER, THOMAS WIESER, PETER RICHTER, TAMARA BARTL FOTOGRAFIE

kurzzeitig auch gelang. Der Pachtvertrag für das Gelände wurde von der Gemeinde Heidenreichstein aber letztlich nicht verlängert. Die Schließung des Avalon Exil, des letzten AvalonRefugiums in Krems im Jahre 2009, besiegelte das Ende des Avalon-Vereins in Niederösterreich.

Wie etwa Lesungen bei Lagerfeuer an manchen Nachmittagen“, berichtet Christian Rabl. Soweit der gute Ruf des Avalon Allentsteig als Hort der Jugendkultur reichte, von sofern kamen auch Bands wie Publikum, was den Veranstaltungsort zu viel mehr als nur einem Ankerpunkt einer lokalen Szene machte. Unter den Acts fanden sich namhafte Gruppen wie die nordirische Rockband Therapy?, das österreichische Duo Attwenger und ja: Sogar die Sportfreunde Stiller verschlug es 1998 nach Allentsteig, 2008 dann nochmal ins Avalon Exil, einem Ableger in Krems an der Donau. Der Umstand, dass der Verein Avalon – ein Projekt, das mit anarchistisch-rebellischem Spirit betrieben wurde – den Landeskulturpreis 2000 des ansonsten stockkonservativen Mutterlandes Niederösterreich erhielt, unterstrich auf geradezu ironische Art und Weise seine Bedeutung. Mit langfristiger Unterstützung und Wertschätzung durch die Politik war es das dann aber auch schon gewesen. „2001 wurden unsere Förderungen dann deutlich gekürzt“, heißt es von Vereinsseite. Hinzu kamen mediale Berichte über angeblichen Drogenmissbrauch bei Veranstaltungen – besonders kurios etwa der Fund „einer Nadel“, den die

örtliche Polizei nicht bestätigen konnte –, starke Einschränkungen der zugelassenen Besucherzahlen und erhöhte Sicherheitsauflagen durch die Bezirkshauptmannschaft Zwettl. Das Ergebnis: Planungsunsicherheit, erhöhte Kosten, nervliche Zermürbung aufseiten des Avalon-Teams. 2005 war dann Schluss, Allentsteig war Geschichte. Zwar versuchten Chris Rabl und sein Team im Jahr darauf im Heidenreichsteiner Erlebnispark „Anderswelt“ ein Re-Opening zu organisieren, was

Das „schrottigste“ Open-Air-Festival Österreichs Auch wenn das Avalon der mit Abstand wichtigste sub-, jugend- und musikkulturelle Pfeiler der Region Waldviertel war, so war es eben nur ein Pfeiler. Was die Belebung der Rockmusik im nördlichen Niederösterreich angeht, haben Peter Richter und der 1994 vom begeisterten Heavy-MetalFan Alexander Miloczki ins Leben gerufene Musikförderungsverein „Free Eagles“ einiges geleistet. Nach einer Reihe von Rockparties ging mit „Rock am Schrott“ im Sommer 2005 erstmals eines der veranstaltungstechnisch kuriosesten Open-Air-Feste Österreichs über die Bühne. Der Name lässt sich leicht herleiten, denn zum Zwecke des Events wurde der Schrottplatz in Irnfritz (Bezirk Horn) kurzerhand zum Festivalgelände umfunktioniert. Gespielt wurde also zwischen Bergen von Elektroschrott und anderen Abfällen. Wie so viele herausragende Projekte wurde auch diese besondere FestivalVeranstaltung durch eine Mischung aus Leidenschaft und guten Kontakten

LEGENDÄR. Das Avalon in Allentsteig, Ankerpunkt einer internationalen Musik- und Kulturszene im Waldviertel, schloss vor 14 Jahren seine Tore.

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 70  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content. Dies alles aus der Region, f...

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