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TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, MAGISTRAT ST. PÖLTEN/ZVG, OLN

MASTERMIND. Gemeinsam mit Alexander Schmidbauer versucht der Leiter der St. Pöltner Stadtplanung Jens de Buck dem zunehmenden Verkehr Herr zu werden und die Stadt verkehrstechnisch zukunftsfit zu machen. Grundlage dafür bildet das Generalverkehrskonzept 2014. und outet sich als gemäßigter Erneuerer. Das Phänomen, und genau darauf zielt die Verordnung auf Sicht ab, dass etwa junge Menschen zusehends auf den Privat-PKW „verzichten, wenn die Öffis gut sind“, bahne sich zwar auch in St. Pölten in Zentrumslagen an, sei aber eben noch nicht Mainstream. „Mein Sohn etwa studiert in Wien und wohnt in St. Pölten – der würde im Traum nicht draufkommen, das Auto zu nehmen, weil er mit Rad und Öffis super über die Runden kommt.“ Zwischen Ideal und Realismus Kurzum, die Geschwindigkeit des Mobilitätswandels scheint auch eine Generationenfrage und des damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandels zu sein. Während für die Älteren das Auto nämlich nach wie vor vielfach

Ausdruck des eigenen Status ist, finden es Junge gerade umgekehrt hipp, just auf selbiges zu verzichten und auf Rad, Öffis und die eigenen Beine zu vertrauen. Und bedarf es doch einmal eines fahrbaren Untersatzes, wird dieser gemietet – Stichwort Carsharing, das, wenn auch schleppend, auch in St. Pölten zumindest schon als Angebot vorhanden ist. Der Verkehrsplaner muss mit diesen teils widersprüchlichen Gegebenheiten nolens volens arbeiten. Er weiß um das wissenschafliche Ideal, muss dieses jedoch mit den Ansprüchen der Realität kompatibel gestalten, damit die Bürger nicht auf die Barrikaden steigen. „Verkehrsplanung ist zukunftsgewandt, das heißt ich möchte den Verkehr zukunftsfit gestalten. Grenzwertig ist das insofern, weil ich aus einer autofixierten Gegenwart he-

raus eigentlich genau diese Fixierung zurückdrängen möchte. Schreibe ich umgekehrt aber die gegenwärtigen Gegebenheiten einfach nur fort, wird der Wandel nicht stattfinden.“ Wem gehört der Raum? Überspitzt formuliert könnte man schließen: Der Wandel muss (und wird) gewissen Nutzern auch weh tun bzw. kollidiert er mit eigenen Vorstellungen, weshalb es für die Verkehrspolitik vor allem „Mutes, eines langen Atems und auch guter Nerven braucht“, wie de Buck überzeugt ist. Gerade etwa das Thema „Stellplatz“ bringt die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis „schön“ zum Vorschein und offenbart auch eine weitverbreitete Heiliger Florian Mentalität: „Oh heiliger St. Florian verschon‘ mein Haus, zünd andre an!“ MFG 06.19

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 70  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content. Dies alles aus der Region, f...

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