Page 14

MFG URBAN INTERVIEW ANDREAS DOCKNER MFG traf Ex-Bürgermeister Andreas Dockner zu einem ausführlichen Gespräch. Wie kam es zu seinem politischen Abgang? Wie erlebte er die Ermittlungen und das Strafverfahren? Wie erklärt er heute die einzelnen Vorwürfe? Und wie empfindet er das Urteil? Wie kamen Sie in die Politik?

Ich habe nach Obritzberg geheiratet. Es hat mich genervt, dass alle nur jammern, aber keiner etwas anpackt. Die Politiker hatten keine Visionen, keine Zukunftsperspektive für den Ort, man hat nur dahingewurstelt. Da wollte ich etwas weiterbringen. In der Kommunalpolitik kann man wirklich etwas bewegen. Und am meisten kannst du bewegen, wenn du als Bürgermeister tätig bist. Drei Jahre war ich geschäftsführender Gemeinderat, danach ab 2007 für sieben Jahre Bürgermeister.

Welche großen Vorhaben konnten Sie umsetzen?

Wir haben mit dem Kanalbau begonnen. Da raunzten viele, weil das Geld kostet. Aber zugleich haben wir jeden Gemeindebürger entkriminalisiert. Die Gesetze wurden oft nicht eingehalten, man hat die Abwässer irgendwohin geleitet. Mit dem Kanalbau hatte dann alles seine Ordnung. Ich erinnere mich auch gut an den Neubau des Kindergartens bei der Volksschule. Das war umstritten, weil wir dafür zwei veraltete, kleine Kindergärten schließen mussten. Was es da für Diskussionen gab, auch in der Partei. Ich habe aber die Meinung vertreten, dass wir da etwas für die Menschen machen, für die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde. Sowas muss man erklären, dann versteht das auch jeder und der Wähler honoriert das. Wir haben konkret zwei Mandate dazugewonnen bei der nächsten Wahl.

Wie kam es, dass Sie Ihr Amt verloren haben?

Im September 2013 hatte ich akute gesundheitliche Probleme und lag im Spital. Ein viraler Infekt hatte sich auf mein Herz geschlagen, weil ich im Frühjahr eine Grippe übergangen hatte. Bis heute habe ich eine Herzinsuffizienz und bin angeschlagen. Damals hatten die Bauernbund-Mandatare in meiner Fraktion die wahnsinnige Idee, gegen mich mobil zu machen. Quasi der Feind im Inneren. Sie haben zu mir gesagt, ich solle freiwillig zurücktreten, sonst würden sie Schmutzwäsche waschen. Ich hatte damals private Probleme mit meiner Scheidung. Ich dachte mit dem „freiwilligen“ Rücktritt hätte ich dann Ruhe.

Tatsächlich kam es zu Vorwürfen um Ihre Amtsführung.

Ein paar Wochen nach meinem Rücktritt habe ich aus der Zeitung erfahren, dass mich mein Nachfolger als Bürgermeister sowie die Amtsleiterin angezeigt haben. Angeblich hätte ich 100.000 Euro unterschlagen. Vor der Anzeige hatten sie mich gar nicht gefragt, mir keine Möglichkeit gegeben etwas aufzuklären. Die St. Pöltner Staatsanwaltschaft hat dann schnell alles an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschat abgetreten, im Jänner 2014 gab es Ermittlungen, Hausdurchsuchungen. Da glaubst du, du bist im falschen Film. Ich konnte überhaupt nicht nachvollziehen, wieso so gegen mich gearbeitet wurde, mit Anzeigen, aber auch über die Medien. Vielleicht hatten sie Angst, dass ich mit einer eigenen Liste ein Comeback versuchen würde. Diese Ambition hatte ich aber nie.

Ausgangspunkt dieses Unterschlagungsvorwurfes wa-

14

ren ja Spekulationsgeschäfte, die Sie als Bürgermeister für die Gemeinde verantwortet haben. Im Ermittlungsverfahren haben sich keine Fakten ergeben, die zu einer Anklage betreffend der SWAP-Thematik geführt hätten. Medial ist es schwierig diese komplexen Sachverhalte verständlich darzustellen.

Ja, die SWAP-Causa war am Anfang. Dabei war die schwarze Null der Gemeinde unterm Strich sogar mein Verdienst. Man muss in der Politik zwei Dinge unterscheiden: Wenn die Gemeinde ein Auto ankauft, dann können dabei alle Bürger mitreden. Das ist was Greifbares, das hat man selber gemacht. Wenn du aber einen SWAP abschließt oder einen Kanal ausschreibst, dann sind das zu viele Nullen, dann ist das für die Menschen nicht mehr greifbar. Da brauchen sie dann einfach Vertrauen in Politiker. In meinem Fall war rund ein Drittel der ganzen Ermittlungsarbeit diese SWAP-Sache. Eingestellt wurde sie, weil ich nichts unterschlagen habe, ganz einfach. Ich habe mit den damaligen Partnern sogar nachverhandelt, damit die Gemeinde besser aussteigt. Im Endeffekt war für mich die Anklageschrift dann schon der erste große Erfolg, weil viele Vorwürfe darin schon mal weggefallen sind.

Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin nach Krems gezogen und habe eine neue Beziehung. Privat war es in den letzten Jahren schwierig, das Ermittlungsverfahren hat fünf Jahre gedauert, da hängt man in der Luft, bekommt keinen Job. Ich habe ja auch meinen Job in der Landwirtschaftskammer im Zuge dieser Querelen verloren. Das Ganze ist auch ein riesiger Beziehungskiller, das muss man auch klar sagen. Der größte Halt sind meine Kinder.

Sind Sie wieder berufstätig? Vor Gericht haben Sie angeführt von der Notstandshilfe zu leben und ohne Vermögen zu sein. Darum geht das Gericht bei der Strafhöhe auch von einem Tagsatz von sechs Euro aus. Ja, ich arbeite wieder geringfügig. Einerseits bei einem Obstund Weinbaubetrieb, dem es egal ist, was mir vorgeworfen wird und was ich getan habe. Bei dem zählt die Leistung und ich komme ja aus dem Weinbau. Außerdem bin ich geringfügig angestellter Geschäftsführer bei einer Baufirma, dort kümmere ich mich um das Kaufmännische. Zwei der drei meiner Geschäftspartner dort sind übrigens mitangeklagt gewesen.

Nicht der beste Umgang, könnte man sagen …

Die beiden wurden freigesprochen, ich wurde in diesem Anklagepunkt freigesprochen. Da spricht nichts dagegen.

Im Endeffekt war für mich die Anklageschrift schon der erste große Erfolg. ANDREAS DOCKNER

Profile for MFG

MFG - Das Magazin / Ausgabe 70  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content. Dies alles aus der Region, f...

MFG - Das Magazin / Ausgabe 70  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content. Dies alles aus der Region, f...

Advertisement