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MFG EDITORIAL

der Geist auf der Flasche von Johannes Reichl

So sah sie also aus, die manifest gewordene positive Veränderung des St. Pöltner Selbstbewusstseins in den letzten 10 Jahren: Eine EGGER Bierflasche am Podium der Gesprächsrunde anlässlich 10 Jahre plattform2020 und Stadtentwicklungs GmbH. Wie das? Nun, zum einen wurde dem EGGERGeschäftsführer bei seinem Antrittsbesuch beim Bürgermeister anno dazumal noch ein „Wieselburger“ kredenzt anstelle der St. Pöltner Marke – heute undenkbar, schon im Rathausfoyer wird stolz auf „unser“ Bier verwiesen. Zum anderen „verheimlichte“ EGGER lange seine Herkunft aus St. Pölten und druckte lieber das unverfängliche Unterradlberg als Abfüllort auf seine Produkte, um ja nicht – wie’s schien – am ehemals negativen Image der Stadt anzustreifen. Aber auch das ist Schnee von gestern. Heute prangt „St. Pölten-Unterradlberg“ auf den Etiketten. Ja, liebe Mitbürger, wir sind eine Braustadt! Was sich also geändert hat, und dafür steht diese Bierflasche so wunderschön symbolisch, ist die Bekenntniskultur zur Stadt, was sich an einer Reihe von Indikatoren ablesen lässt. Während man zu meiner Jugendzeit etwa auf die Frage „wo kommst du her?“ noch verlegen ein nebuloses „aus der Nähe von Wien“ hervor druckste, weil man sich vom Gegenüber nicht „ah, das is das öde Provinzkaff mit dem Ostblock-Bahnhof, wo‘s beim Vorbeifahren immer nach faulen Eiern riecht“ um die Ohren hauen lassen wollte, tun sich die Kids heute – zurecht – um vieles leichter. Die Stadt hat durch eine vorausschauende Politik in vielem aufgeholt und ist schlicht cooler, urbaner geworden (FH, Seenerlebnis, Szene, Öffis, Schanigärten, KEINE Glanzstoff mehr ...). Daher wird man von Auswärtigen nicht mehr automatisch verbal abgewatscht, sondern erntet immer öfter ein anerkennendes „Ah geil, das ist ja dort, wo’s Frequency und Beatpatrol stattfinden – da war ich letztes Jahr auch.“ Dem Selbstbewusstsein ist das beileibe nicht abträglich. Auffallend ist auch, dass die Bürger viel selbstinitiativer geworden sind. War früher an allem, was nicht passierte, automatisch die Politik und die böse Stadt

schuld – eine sehr bequeme Ausrede für ewige Suderanten, die ohnedies nichts auf die Reihe brachten – nehmen die Bürger heute vieles selbst in die Hand. Die Politik kann sich aktuell etwa noch nicht zu einem Ja oder Nein in Sachen Kulturhauptstadtbewerbung durchringen? Auch gut, dann gehen wir das halt selbst an und entwickeln ein Konzept – wird schon irgendetwas (und das ist positiv gemeint) rauskommen, selbst wenn sich die offiziellen Stellen aus vielleicht nachvollziehbaren und vernünftigen Gründen letztlich gegen eine Bewerbung entscheiden sollten. Ebenso ist an allen Ecken und Enden ein unglaublicher Pioniergeist zu verspüren. Während anderswo die Großhandelsketten die letzten kleinen Läden killen, sprießen in St. Pölten ebensolche aus dem Boden und machen die Stadt bunter: Kaffeeröster, Suppenmacherinnen, Bio-Läden, Designer, trendige Gastronomiebetriebe, aber auch Spieleclubs, Urban Gardening, Kulturinitiativen – alles made in STP. St. Pölten ist also, wie es die Agentur Wagner Steinperl so treffend auf den Punkt bringt, ein „geiles Kaff“ geworden! Dass dieser Claim mittlerweile als offizielle Werbebotschaft bei passender Gelegenheit, wie etwa dem Frequency, eingesetzt wird, ist nur ein weiteres Indiz für ein neues, gestiegenes Selbstbewusstsein, das auch selbstironisch mit den eigenen Unzulänglichkeiten spielen kann, die in Wahrheit aber mittlerweile unsere Stärken sind. Zwar gehen manche noch immer reflexartig wie ein Germteig auf, wenn jemand auch nur ansatzweise die Worte „kleinkariert“ oder „Provinz“ in den Mund nimmt, und es kommt auch vor, dass wir bisweilen nach wie vor Marketing mit Propaganda verwechseln und wie eifernde Volksschüler herunterleiern, wie super wir nicht sind, die Größten, die Besten, die Schönsten, die Fittesten – aber parallel dazu macht sich zusehends Gelassenheit breit. Wir wissen, wer wir sind und was wir an uns haben. Und gefällt einem die Stadt nicht, ist sie ihm zu eng, zu spießig, zu kleinkariert – so ist das auch völlig legitim. Das ist nämlich sein Bier, nicht unseres!

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@ dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Christina Bauer Redaktionsteam: Christina Bauer, Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Dominik Leitner, Michael Müllner, Michael Reibnagel, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Dominik Leitner, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Johannes Reichl, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Elias Kaltenberger, Matthias Köstler, Hermann Rauschmayr Coverfoto: Andreas Reichebner Art Director & Layout: Mr. Shitakii Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT

Urban 6

KULTUR 40

SZENE 52

SPORT 70

URBAN

8 von lauen lüftlern und richtigen windmachern 14 Paartherapie 18 kulturhauptstädte revisited 22 zerrissene Herzen 28 wirt sein ist kein genuss 34 FH St. Pölten - wir ham‘ den blick in der zukunft

KULTUR 42 46

seismograph am puls der zeit die wahrheit ist (n)irgendwo da draussen

SZENE 54 60

Sonnenpark Pokémon vs. brettspiele

SPORT

70 NUR WER ZAHLT, SCHAFFT AN

6 IN WAS FÜR EINER STADT 7 SHORTCUTS URBAN 40 SHORTCUTS KULTUR 52 SHORTCUTS SZENE 74 KRITIKEN 75 VERANSTALTUNGEN

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… in der so mancher ein Schnoferl zog, als Bestseller-Autorin Vea Kaiser im Vorjahr in ihrem Roman „Makarionissi“ von „rosabäckigen, dicklichen und oft miserabel gekleideten St. Pöltnern, die aussahen, als wären sie gerade erst aus dem Stalldienst entlassen worden“ schrieb. Den literarisch-fiktiven Kontext ignorierte man wehleidig, ebenso Kaisers Beteuerung, dass sie die Stadt, wo sie zur Schule gegangen ist, eh lieb hat. Das bewies sie zuletzt auch in ihrer freizeit-KURIER-Kolumne anlässlich 30 Jahre Landeshauptstadt: „30 ist das neue 20, also müssen deine Bürgersteige nicht mehr um 18:00 schlafen gehen, Du darfst sogar mit Fremden sprechen, wenn die wilden Partypoeple aus ganz Europa zu den Festivals strömen. Den Pubertätswimmerln entronnen, bist Du eine strahlende Schönheit geworden und jetzt, wo Du das Flirten gelernt hast, ziehen sogar lässige Menschen von überall her in Deine Hood! Du bist die Generation Y der Landeshauptstädte, Du bist das neue Hipster-Town von Österreich. Und wer’s nicht glaubt, der möge St.P nicht nur passieren, sondern anhalten und sich bei Craft Beer oder Matcha Tee davon überzeugen, wie lässig St. Pölten erwachsen wird.“ Das nennen wir mal Glückwünsche!

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… in der Besucher des Rathausplatzes beim Blick auf die Dreifaltigkeitssäule zuletzt rätselten, was es denn mit dem „Mann mit dem Hut“ auf sich hat, prangte doch am Kopf des Heiligen Sebastian ein Verkehrshütchen. War das etwa ein Ersatz für den nicht mehr vorhandenen goldenen Pfeil, den er ehemals in Händen hielt? Ein Regenschutz? Oder doch eher nur ein „Vandalenakt“, der aber originell und ohne Sachbeschädigung daherkam. Weniger lustig waren dahingegen die Schmierereien auf den Schaufenstern des FORUM Einkaufszentrums, auf denen „ÖSTERREICH - FUCK YUO“ prangte. Da fühlte man sich sogleich an Monthy Pythons „Leben des Brian“ erinnert und hätte die offenbar dämlichen Missetäter gern am Ohr gepackt und mit ihnen die Rechtschreibung von „you“ geübt. Kreativ sind aber – zum Glück – nicht nur die Vandalen, sondern auch die Gewerbetreibenden. So wirbt aktuell etwa die Gärtnerei Müller in der Wiener Straße auf einem Großplakat: „Schenken Sie Ihrer Frau wieder einmal Blumen, bevor es ein ANDERER tut!“ Wobei ... vielleicht war das ja gar nicht als Scherz gemeint, liebe Männer, sondern als ernstgemeinte Warnung ...

… in der in einem NÖN Kreuzworträtsel als Auflösung auf die Frage „Wahrzeichen von St. Pölten“ doch glatt „Klangturm“ angegeben wurde. SKANDAL! Da klingelte rasch das Telefon in der Redaktion, denn natürlich ist das Wahrzeichen von St. Pölten … ja, was eigentlich? Offiziell das Rathaus, nur wussten das – wie eine NÖN Redakteurin in Blitzumfrage recherchierte – genau 0 der befragten Stadtbürger, wobei auch der Klangturm nicht viel besser abschnitt. Die meisten, älteren, Semester tippten auf den in der Volksschule eingebläuten Passauer Wolf (um dessen Wiederbelebung sich anscheinend nur mehr die SKN Wolfbrigade annimmt). Vielleicht sollte man aber überhaupt über ein neues Wahrzeichen nachdenken – wie wärs etwa mit Schussstiefeln von Stürmerlegende Franz „Bimbo“ Binder, der Originalpatitur von Lolitas Schlagerhit „Seemann“ oder dem ersten Schwammerl, das Hugo Portisch gepflückt hat? Aktueller würden sich etwa auch ein Dixie Klo als Symbol für das Frequency Festival oder ein Rasenziegel vom Sonnenpark anbieten. Oder aber, man verständigt sich gleich auf etwas Ideelles – diesbezüglich plädieren wir für Michi Steiners „Spirit St. Pölten“! Der sollte alle erfassen!

Fotos: Polytor, René Voak, Bruno - Fotolia.com, zynkevic - Fotolia.com, Johannes Reichl, zVg

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

meine Bettler

Hebi

SOUTHPARK

Ein bisschen dürfte sich Helmut Meder wie in der „Unendlichen Geschichte“ vorgekommen sein. Bereits 2006 kaufte er mit seiner Privatstiftung das 27.000m² große Merkur- und ehemalige Dampfbäckereigelände und wollte dort mit Partnern ein Einkaufszentrum errichten „was aber letztendlich an den hohen Forderungen von Baumeister Julius Eberhardt für den angemieteten unteren Parkplatz in der Rödlgasse scheiterte.“ Jetzt, zehn Jahre später, wurde endlich eine Lösung gefunden. „Die Merkur Warenhandels AG errichtet mittels Superädifikat auf dem Dampfbäckereigelände ein völlig neues Fachmarktzentrum mit über 8.000m² Verkaufsfläche.“ In diesem werden sich die bisherigen Mieter wiederfinden. Steht der Bau, was 2018 soweit sein soll, wird der alte Merkur abgerissen und ebendort ein Restaurant sowie 431 PKW-Abstellplätze samt neun E-Ladestationen errichtet. Zugleich wird dann ein anderes Meder-Projekt starten. 2015 hat seine Privatstiftung oben genannten Parkplatz in der Rödlgasse (9000m²) erworben und wird dort ein zweigeschossiges Fachmarktzentrum „mit mindestens zehn Geschäften“ samt Parkplatz und Tiefgarage umsetzen. Am Nachbargrundstück werden übrigens auf Sicht Wohnungen der Wohnungsgenossenschaft St. Pölten entstehen, die in Kürze ihr Junges WohnenProjekt neben dem VAZ startet. Der Süden lebt auf – welcome to Southpark!

City Centers am Neugebäudeplatz haben nicht nur die Garage bereits attraktiviert und den Zufahrtsbereich neu gestaltet – 340 öffentliche Parkplätze stehen hier zur Verfügung. Stefan Linder und Michael Miksch wollen auch die ehemaligen Geschäftsflächen neu beleben. Ein Nahversorger liebäugelt damit, sich auf einem Teil der 9.000m² anzusiedeln. Und: Auch der vor einigen Jahren mit über 1.000 Unterschriften von einer Facebook-Gruppe geforderte Die Hoffnung stirbt zuletzt Indoor-Spielplatz könnte am NeugeJetzt könnte es doch noch etwas wer- bäudeplatz realisiert werden. „Ein Beden mit einem Indoor-Spielplatz in St. treiber zeigt großes Interesse“, bestäPölten. Denn die neuen Eigentümer des tigt Miksch auf unsere Nachfrage.

Haydn, Mozart, Brahms komponierten „alla zingarese“, desgleichen Ohrwurmzüchter wie Bizet oder Johann Strauss. Noch in unseren Menüs findet sich sprachpolitisch höchst Unkorrektes aus dem GipsyMilieu. Ging’s den Roma und Sinti vielleicht gar besser, als man sie noch Zigeuner nennen durfte? Als man noch staunenden Respekt vor ihrer Ethnie hatte? Einiges hat sich da verändert in den letzten 150 Jahren. Nicht erst in den mörderischen „tausend Jahren“ mittendrin. Da schwärmen sie nun aus, „malerisch verlumpt“ (Raimund, Verschwender) an die strategischen Punkte unser Shoppingmeilen und werden den einen zur Belästigung, den anderen zur Mahnung und manchen auch zum Mitmenschen. Auf den Nerv gehen mir persönlich die gesunden jungen Männer ohne jeglichen Beschäftigungsehrgeiz, wenn sie vor mir knien. Schwermütig stimmen mich jene im Clownskostüm - Ridi, pagliaccio. Lache, Bajazzo … Und ein heiliger Zorn befällt mich, wenn ich gegen Mittag smarte junge Roma die armen Mutterln abkassieren sehe, die seit der Früh bei jedem Wetter in der Kremser Gasse für sie auf dem Boden sitzen. Aber ich hab auch „meine“ Bettler: Den stillen, alten Herrn etwa an der Ecke Marktgasse/Rathausplatz. Aus Wien reist er, von der Schwermut her passend in die Welt Joseph Roths , täglich an. Inzwischen kennen wir einander, wiewohl seinem Murmeln kaum ein deutsches Wort zu entnehmen ist. Aber wir grüßen uns. Kreuzfidel ist dafür mein Zweiter. Den ganzen Tag über. Der Sunnyboy am Scharfen Eck. Augustin nennen ihn die Leute. Aber er möchte entgegen aller Correctness „Coffee“ genannt werden. Zigeuner ist der keiner, nur ein solcher im österreichischen Idiom halt – ein Hallodri, dem man nicht bös sein kann.

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Von lauen Lüftlern und richtigen Windmachern Die Uhr tickt. Möchte St. Pölten sich für die europäische Kulturhauptstadt 2024 bewerben, sollte man langsam in die Gänge kommen. Von der Politik ist hierzu bisher aber weder ein dezidiertes Ja noch Nein zu vernehmen. Dafür machen sich jetzt die Bürger auf den Weg.

N

arrenkastl schauen, Luftschlösser bauen – und a bissl trama!“, sang die John Fox Band anno 1985. Ein derart – bei Fox durchaus positiv gemeintes – den Träumen-Nachhängen unterstellt Landeshautpmann Erwin Pröll aktuell den Bürgermeistern von St. Pölten und Krems in Sachen Kulturhauptstadt. Ohne sich lange in den

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Details unseres Fragenkatalogs zu verlieren, lässt der LH pauschal ausrichten: „Ähnlich wie bei der Vergabe einer NÖ Landesausstellung lässt sich ein Projekt ‚Europäische Kulturhauptstadt‘ erst dann beurteilen, wenn ein konkretes Konzept vorliegt. Bei bisher jeder Landesausstellung wurde vom Bewerber, und war die Gemeinde noch so klein, ein inhaltliches und finanzielles Konzept vorgelegt, auf dessen Basis eine Beurteilung möglich war. Bislang liegen uns außer Lippenbekenntnissen weder seitens der Stadt St. Pölten noch seitens der Stadt Krems Konzepte mit inhaltlichen oder finanziellen Vorstellungen für die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt vor, die von Landesseite her bewertet werden könnten.“ Kurzum – die Städte seien um Zug, wobei Pröll den Spieß frei nach dem Motto „Frag nicht was

das Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“ umdreht: „Viel wichtiger wäre es, dass die genannten Städte ein starkes Kommitment zu den bestehenden Institutionen ablegen. Denn diese wurden, angefangen

von den Einrichtungen im Kulturbezirk St. Pölten bis hin zur Kunstmeile Krems, allesamt von Landesseite her errichtet und deren Betrieb wird auch hauptsächlich durch das Land Niederösterreich finanziert. Wir fordern die Bürgermeister dazu auf, ihre Basisaufgaben zu erledi-


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: CYNOCLUB - Fotolia.com, NLK, Hermann rauschmayr

gen, bevor über die Medien weiterhin Luftschlösser gebaut werden.“ Ungeteilte Begeisterung für das Projekt „Kulturhauptstadt“ sieht definitv anders aus, wenngleich dem Landeshauptmann auch kein dezidiertes Nein über die Lippen bringt. Über die Hintergründe der offensichtlichen Zurückhaltung des Landes, das in den letzten Jahrzehnten in Sachen Kulturgroßprojekten ansonsten nicht gerade mit Zurückhaltung glänzte (sehr zum Wohle der Kulturszene nebstbei erwähnt), kann man nur spekulieren. Die einen vermuten, dass Niederösterreich nach den letzten kulturellen Kraftakten (manche sehen darin auch Kraftmeiereien) Landesgalerie Krems (Kostenpunkt 35 Millionen Euro) und Haus der Geschichte St. Pölten (Kostenpunkt drei Millionen Euro, jeweils ohne Betriebskosten) schlichtweg finanziell ausgelutscht ist und kein Geld mehr für eine teure Kulturhauptstadt hat. Billig ist die Sache ja tatsächlich nicht: Graz und Linz etwa budgetierten rund 60 Millionen Euro. Nachdem in Österreich in der Regel die Kosten zwischen Stadt, Bund und Land gedrittelt werden, verblieben bei jedem Protagonisten gute 20 Millionen Euro, wenngleich es manch Stadt auch schon billiger umsetzte. F ü r

EINSAM, ZWEISAM, DREISAM. Nur wenn diese drei Herren (BGM Stadler, LH Pröll, BGM Resch, v.l.n.r.) gemeinsam JA zur Kulturhaupstadt sagen, wird eine Bewerbung realistisch.

die dünner gewordene Finanzluft des Landes spräche auch der nun aufgetauchte Wunsch, dass sich die Städte (finanziell) stärker als bisher in die Landeskultureinrichtungen einbringen sollen. Diesbezüglich wird freilich gemutmaßt, dass das Land in der Sache einen taktischen Hebel aufbaut: Erst wenn sich die Städte zur stärkeren Beteiligung entschließen, könne man auch über die Kulturhauptstadt ernsthaft weiterreden. Wie gesagt, alles nur Kaffeesudlesen, denn die involvierten Protagonisten geben sich zugeknöpft. So lässt etwa Landeskulturchef Hermann Dikowitsch, ansgesprochen auf die konkreten Forderungen des Landes an die Stadt St. Pölten, lapidar wissen: „Dem Gesagten ist nichts hinzuzufügen.“ Auch St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler – an sich eher als rationaler Pragmatiker denn Traummännlein bekannt – hat in Sachen Kulturhauptstadt St. Pölten schon enthusiastischer geklungen. Meinte er 2013 gegenüber „THE GAP“

noch zuversichtlich „Wenn ich bis dahin auch die Gemeinde überzeugen kann, werde ich das tun [Bewerbung, Anm.], weil ich darin eine nachhaltige Chance sehe, die Stadt imagemäßig und kulturell zu positionieren. Wenn man sich innerhalb Österreichs etablieren möchte, braucht man eine Veranstaltung wie die Kulturhauptstadt: um ernst genommen zu werden.” Heute fällt die Einschätzung deutlich zurückhaltender aus: „In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen seitens der EU geändert, die Ausschreibungskriterien, damit auch die Kulturhauptstadt-Idee an sich. Es geht weg von Großprojekten hin zu Themen, es können noch mehr Städte Kulturhauptstadt werden – dies zumeist im Kontext einer gesamten Region, wodurch die Idee ein bisschen inflationär geworden ist und kein absolutes Alleinstellungsmerkmal mehr darstellt. Letztlich stecken so viel Engagement, so viel Finanzkraft drinnen – da muss man sich eine Bewerbung sehr genau überlegen, um

Ein Konzept erstelle ich dann, wenn sich alle zur Kulturhauptstadt bekennen, erst dann nehme ich Geld dafür in die Hand! Bürgermeister Matthias STadler

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auch Nachhaltigkeit zu gewährleisten.“ Zwar glaubt Stadler nach wie vor, „dass die Kulturhauptstadt eine Chance für die Stadt und die Region sein könnte, aber wenn man das möchte, müssen sich auch alle politisch dazu bekennen. St. Pölten allein kann das nicht stemmen!“ Den Vorwurf des (damit wohl angesprochenen) Landes, es liege gar kein Konzept seitens der Stadt vor, kann er nicht nachvollziehen: „Diese Diskussion halte ich für gekünstelt – ein Konzept erstelle ich dann, wenn sich alle zur Kulturhauptstadt bekennen, dann erst nehme ich auch Geld dafür in die Hand. Und da geht’s im Übrigen nicht nur ums Land, sondern auch um den Bund und die EU. Außerdem“, fügt Stadler schmunzelnd hinzu „das schaue ich mir an, dass ich mit einem fixfertigen Konzept zu Land und Bund hingehe und sage ‚soviel Geld brauchen wir‘ und dann passiert das auch. Dann müsste ich meine bisherige Strategie in Verhandlungen grundlegend ändern.“ Dass gerade die Verhandlungen an anderer Front, Stichwort Beteiligung an Landeskultureinrichtungen, ein uneingeschränktes Landesbekenntnis zur Kulturhauptstadt blockieren, hält Stadler für unwahrscheinlich. „Wir zahlen seit Jahrzehnten für die Kultureinrichtungen mit – für den Klangturm, das Festspielhaus, die Bühne im Hof. Ehemals wurde ein Betrag festgelegt, nach den realistischen Möglichkeiten der Stadt. Und beim Landestheater ist es so, dass das Gebäude in unserem Besitz steht und wir die Mieteinnahmen wieder ins Theater reinvestieren – zuletzt wurde damit etwa das Foyer in gutem Einvernehmen umgebaut.“ Dass tatsächlich verhandelt wird, bestätigt Stadler „aber da geht es nicht nur um die Kultur, etwa auch den zugesagten Ausbau des DOK Zentrums, sondern um ein größeres Finanzierungspaket, das mehrere Projekte umfasst.“ Diesbezüglich vertraut Stadler aufs Land „das sich immer dazu bekannt hat, dass St. Pölten seine zentralörtlichen

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DER WEG IST DAS ZIEL. Susanne Rebecca Wolfram (l.) und Michaela Steiner (r.) glauben an St. Pölten als Kulturhauptstadt 2024 und die positiven Effekte allein durch die Bewerbung.

Funktionen wahrnehmen kann und genau weiß, was wir uns leisten können und was nicht“, zugleich wünscht er sich „Gleichbehandlung. Zahlreiche Städte – neuerdings auch Wiener Neustadt – erhalten etwa Bedarfszuweisungen des Landes. Da muss schon alles auch in Relation zu den anderen stehen. Wir sind jedenfalls gesprächsbereit.“ Gespräche gibt es übrigens – so Stadler im Hinblick auf die Idee einer Bewerbung mit Krems – in der Region schon längst. „Wir wollen noch

näher zusammenrücken im Zentralraum, wobei es auch da nicht nur um Kultur, sondern ebenso um Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Tourismus geht.“ Bei der letzten Zusammenkunft der Bürgermeiser habe man sich darauf verständigt, eine Studie in Auftrag zu geben, welche Ziele und Chancen für die Zukunft des Raumes erarbeiten soll. Diese könnte in ca. sechs Monaten vorliegen, „und wer weiß, vielleicht wird da von den Experten auch die Kulturhauptstadt als Thema empfohlen. Aber jetzt im


Von lauen Lüftlern und richtigen Windmachern

Vorhinein ohne Basis halbe Sachen zu machen und Erwartungen zu wecken, die dann nicht zu halten sind und damit nur Frustration zurücklassen, auf dieses Spiel lasse ich mich sicher nicht ein. Wenn man die Kulturhauptstadt möchte, müssen alle voll dahinterstehen, sonst macht eine Bewerbung keinen Sinn.“ Aus dem Bauch heraus Sind wir damit also schon wieder am Ende der Bewerbungsambitionen angekommen, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben? Nicht unbedingt! Denn während die Politik in der Causa jeweils auf den anderen zeigt, „der soll zuerst!“, haben ein paar kulturaffine St. Pöltner – die sogenannte Zivilgesellschaft, wenn man so will – das Heft selbst in die Hand genommen und verfahren frei nach dem Motto „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht.“ Als eine Art Doppelspitze, die sich freilich als Primus inter pares versteht, ist zuletzt das Duo Michaela Steiner und Susanne Rebecca Wolfram in Erscheinung getreten. Getroffen haben die beiden Damen einander erstmals bei der Ausstellung „Kulturhauptstadt 2024“ im Juni in der NDU Factory am ehemaligen Glanzstoff Areal – und fingen Feuer: nicht nur für die KulturhauptstadtIdee, sondern auch füreinander. Für Michaela Steiner war diese Ausstellung eine Art Erweckungserlebnis, sich, nach zahlreichen kulturellen Engagements in der Vergangenheit, wieder aktiv in ein ganz konkretes St. Pöltner Kulturprojekt zu stürzen. Zudem „kam als zusätzliche Motivation Paul Gessls Sager von der angeblichen Provinzialität St. Pöltens hinzu. Das ist schon ein Stachel, der

mich antreibt, ebenso wie 1.600 Unterschriften, die ich 2014 anlässlich der geplanten Absiedlung der Kunst aus dem Landesmuseum St. Pölten nach Krems gesammelt habe. Diese erachte ich schon als ernstzunehmende Rückendeckung für eine Bewerbung St. Pöltens.“ Susanne Wolfram wiederum ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Seit 18 Jahren ist sie im Kulturbetrieb tätig, u.a. war sie langjährige Leiterin der Kulturvermittlung im Festspielhaus St. Pölten, in ihrer Dissertation setzt sie sich mit der Frage der kulturellen Teilhabe und kulturellen Identitätsstiftung u. a. am Beispiel des Festspielhauses St. Pölten auseinander! Genau in diesem Sinne versteht sie auch den Kulturhauptstadt-Gedanken und seine idealtypische nachhaltige Langzeitwirkung, weshalb auch bei ihr – als sie von der Ausstellung in St. Pölten erfuhr – der Groschen fiel. In der Materie „Kulturhauptstadt“ ist sie zudem durch die Zusammenarbeit mit Airan Berg (siehe S. 20) bewandert, der als künstlerischer Leiter der Darstellenden Kunst von Linz09 fungierte und zuletzt die komplette KulturhauptstadtBewerbung von Lecce abwickelte. Rund um die Damen hat sich – als harter Kern, wenn man so möchte – vorerst ein feines Grüppchen bekannter St. Pöltner Kulturafficionadas zusammengefunden. Darunter finden sich etwa Christoph Lind, Heribert Weidinger, Andy Fränzl, Jakob Redl, Ramona Scheiblauer oder Klaus-Michael Urban. Die Politik lasse man „zunächst bewusst außen vor“, so die Damen. Den Bürgermeister habe man zwar informiert, und auch im Landhaus ist die Initiative kein Geheimnis – das wars dann aber auch schon. Aktuell arbeitet man

Wir werden so nachhaltige und stichhaltige Argumente FÜR die Bewerbung liefern, dass die Politik daran gar nicht vorübergehen kann! SusannE Wolfram

Europäische Kulturhauptstadt 1985 auf Initiative der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri ins Leben gerufen, blicken die Kulturhauptstädte auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Immerhin hat sich diese Initiative zum ehrgeizigsten europäischen Kulturprojekt und zur bekanntesten Kultur­ initiative der EU entwickelt. Da sie stark auf die Einbindung des regionalen Publikums ausgerichtet sind, spielen Kulturhauptstädte auch für den Tourismus eine große Rolle. Zudem tragen eine langfristige Kulturstrategie und Investitionen in die Infrastruktur zur nachhaltigen Entwicklung der Städte bei. Ziel dieser EU-Initiative ist es, den Reichtum und die Vielfalt der europäischen Kulturen aufzuzeigen sowie das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger über andere Kulturen und füreinander zu verbessern. Die Kulturhauptstädte sind Botschafter eines gemeinsamen, toleranten und offenen Europas. […]

EU-Rechtsgrundlage und Prozedere Jedes Jahr teilen sich zwei Städte aus den EU-Mitgliedstaaten nach einer festgelegten Reihenfolge den Titel. Ab 2021 können sich auch EU-Kandidatenländer alle drei Jahre beteiligen. […] Das sechsjährige und mehrstufige Auswahlverfahren wird von einer EU-Jury begleitet. Am Anfang steht eine nationale Ausschreibung. Die in die engere Auswahl gekommenen Städte müssen ihre Konzepte konkretisieren. Auf Basis der Empfehlung der EU-Jury ernennen die Mitgliedstaaten ihre Kulturhauptstadt rund vier Jahre im Voraus, damit die Vorbereitungen rechtzeitig starten können. Als Würdigung an die Initiatorin wird eine EU-Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro pro Stadt als „Melina Mercouri Preis“ vergeben.

Europäische Kulturhauptstadt 2024 in Österreich Die Kulturhauptstädte www.graz03.at und www.linz09.at waren überaus erfolgreich und gaben wichtige Impulse für die Stadt- und Regionalentwicklung. Österreich kommt 2024 gemeinsam mit Estland und einem EU-Kandidatenland wieder zum Zug. Die Ausschreibung des Bundeskanzleramts wird 2017 veröffentlicht. Die Auswahl erfolgt durch die europäische Expertenjury. Die Bewerberstädte müssen eine langfristige Kulturstrategie, ein maßgeschneidertes Programm mit europäischer Dimension und Bürgerbeteiligung vorsehen sowie über ein solides Management verfügen.

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Zeitplan 2017 Ausschreibung

2018 Shortlist der EU-Jury

2019 Auswahl der EU-Jury und Ernennung

2020 – 2023 Monitoring der Vorbereitungen

2024 Kulturhauptstadt Jahr in Österreich

völlig frei und selbstbestimmt, es gibt keinen öffentlichen Auftrag, keine diesbezüglichen Vorgaben, es fließt auch kein Steuergeld. All dies würde dem selbstgesteckten Ansatz von einer Kultur von unten aber ohnedies zuwiderlaufen. Tatsächlich möchte man das Pferd nämlich von hinten, von der Basis her aufzäumen. Ein Aspekt, der übrigens den neuen Ausschreibungskriterien zur Europäischen Kulturhauptstadt geradezu idealtypisch entsprechen würde, wie Wolfram weiß. „Im Grunde genommen waren die meisten Bewerbungen bisher immer von politischen Initiativen getragen, es ging also in der Regeln von oben nach unten. Wir gehen es hingegen tatsächlich von der Basis aus an.“ St. Pölten also als Lackmustest einer idealtypischen Bewerbung? Warum nicht? Dass es letztlich ohne Politik nicht gehen wird bzw. gar nicht gehen kann, dessen sind sich die Aktivisten durchaus im Klaren, zuwarten wollen sie deshalb aber auch nicht oder auf ihrem eingeschlagenen Weg innehalten. Dieser erfolgt im Übrigen nicht blindlings, sondern – und damit kommt ein relevanter Aspekt der Professionalisierung ins Spiel – auf Basis einer ganz klaren Roadmap. Diese führt zunächst ergebnisoffen durchs (un)bekannte St. Pöltner Kulturland und soll am Ende des Tages in einer konkreten Bewerbung im Frühjahr 2018 durch die Stadt St. Pölten münden.

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Der Weg ist das Ziel Zwei Arbeitstreffen der Kerngruppe gab es bereits, weitere folgen. In der ersten Phase bis Ende des Jahres möchte man die grundsätzlichen Aspekte der Bewerbung herausarbeiten – was verlangen also überhaupt die EU-Statuten, welche Erfahrungswerte gab es in den bisherigen österreichischen Kulturhauptstädten Linz und Graz, was blieb dort von der Kulturhauptstadt an Nachhaltigem über, welche Chancen und Risiken sind mit einer Bewerbung verbunden, welche Rolle spielt sie für die Identifikation vorort, wie gelingt die Einbindung der hiesigen Kulturszene, etc. Dass es dabei nicht nur um Kultur im engeren Sinne, sondern um die Stadt insgesamt geht, liegt auf der Hand: Kultur, Wohnen, Bildung, Arbeit, Gastronomie – all dies soll in verschiedenen Arbeitskreisen im Hinblick auf die Kulturhauptstadt 2024 aufgearbeitet werden, wobei man in der ersten Phasen insbesondere auch internationale sowie nationale und regionale Experten zum Erfahrungsund Meinungsaustausch einladen möchte – etwa aus der Stadtplanung, aus dem (Groß)Eventbereich, aus der Bevölkerung etc. Alle Prozesse sollen laufend öffentlich dokumentiert werden. Im weiteren Verlauf soll in prototypischen Workshops „die Erzählung,

der rote Faden für die Bewerbung herausgearbeitet werden“, so Wolfram. Dies aber eben nicht elitär von oben vorgegeben, sondern „das muss aus dem Bauch der Stadt kommen.“ Kurzum, die Aktivisten möchten die Bevölkerung soweit als möglich in all ihren Facetten, Milieus, Weltbildern etc. mit einbinden und im Ergebnis auch abgebildet sehen. „Wir möchten herausspüren, was die Anliegen der Menschen sind.“ Für Wolfram steht dabei vor allem das Ideal der kulturellen Teilhabe im Vordergrund. „Die Bürger finanzieren über Ihre Steuergelder die Kultureinrichtungen, aber nur 8% nutzen sie statistisch betrachtet auch. Da ist eine Diskrepanz, die auf Sicht zu einer Legitimationskrise der Kultureinrichtungen führen könnte. Oder wir schaffen es, dass sich die Menschen damit identifizieren, dass sie sich interessieren, weil sie teilhaben können und abgeholt werden. Mit einem Projekt wie der europäischen Kulturhauptstadt kann genau das gelingen!“ Begeistert erzählt sie über die Erfahrungen aus der von Armut und Niedergang gebeutelten Bewerberstadt Lecce in Italien, die zwar nicht den Zuschlag bekam, wo aber alleine der Bewerbungsprozess extrem viel Positives bewirkt hat. „Da wurde ein Identifikationsprozess in Gang gesetzt, Kultur wurde zu einer Art ‚Nahrungs-


Von lauen Lüftlern und richtigen Windmachern

mittel‘, es wurde wieder Hoffnung geschöpft, neuer Mut gefasst, neue Wege beschritten.“ Kurzum, Kultur wurde aus dem Elfenbeinturm herausgeholt und gewann gesellschaftliche Relevanz. „Das sehe ich ja auch in meiner Tätigkeit als Kultuvermittlerin. Da geht’s nicht nur um die glänzenden Kinderaugen, sondern auch darum, was die Teilhabe an Kultur auch bei den Erwachsenen bewirkt; wie das ganz konkret ins Leben reinfruchtet, wie zum Beispiel in Lecce der nachbarschaftliche Zusammenhalt wieder gestiegen ist durch das Projekt.“ Gerade die offensive Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen, das Reinhören in das offensichtliche Gären im Bauch der Bevölkerung hält auch Michaela Steiner für immens wichtig. „Nach dem BREXIT und zwei Bundespräsidentenwahlen sind die Gegensätze zwischen jung/alt, arm/reich, Land/Stadt

eklatant und beunruhigend. Eine Annäherung durch einen Diskussions- und Bewerbungsprozess wäre in den nächsten zwei Jahren eine gesellschaftspolitische Herausforderung, die uns allen gut tun würde. Auch erwarte ich mir dadurch einen weiteren Image- und Identifikationsschub für den St. Pöltner Spirit.“ Und zwar, darin sind sich beide Damen einig, selbst wenn die Politik am Ende des Tages nicht mitziehen sollte, es also zu gar keiner Bewerbung kommt. „Dieser Prozess ist sicher keine vertane Liebesmüh, sondern für die Stadt als solche wertvoll und wird ohne Zweifel Früchte tragen“, ist Wolfram vom Mehrwert überzeugt, und Steiner bekräftigt: „In diesem Sinne ist tatsächlich der Weg das Ziel.“ Wobei beide natürlich auf eine Bewerbung hoffen. „Wir möchten mit unserem Ergebnis der Politik eine konkrete Basis liefern, auf der sie eine gute Bewerbung durchführen

kann“, so Wolfram, „und wir werden so nachhaltige und stichhaltige Argumente FÜR die Bewerbung liefern, dass die Politik daran gar nicht vorübergehen kann!“ Fast poetisch fügt sie hinzu: „Letztlich wollen wir Wind unter den Flügeln der Politik machen!“ Ob dieser ausreichen wird, die durch manch sphärische Querelen bisweilen erlahmten politischen Schwingen tatsächlich zu heben, wird sich weisen. Dass er ausreichen kann, um in St. Pölten im positivsten Sinne Wind zu machen und etwas zu bewegen, das ist der Initiative jedenfalls zu wünschen. Und eines darf man auch nicht vergessen: Aus vielen vermeintlichen Luftschlössern wurden schließlich am Ende des Tages wirkliche – und zwar gerade weil man sich zuvor Zeit zum Träumen genommen hatte. Oder, anders formuliert: Wer nicht nach den Sternen greift, hat den Boden unter den Füßen schon verloren und wird nie vom Fleck kommen.

Ich erwarte mir durch den Prozess einen weiteren Image- und Identifikationsschub für den Spirit St. Pölten. Michaela Steiner MFG 09.16

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MFG URBAN

Paartherapie Freunde, so scheints, werden NÖKU-Boss Paul Gessl und die St. Pöltner Kulturszene auch nicht mehr. Hat man dem NÖKU-Boss zuletzt die Absiedlung der Kunstsektion des Landesmuseums nach Krems angekreidet (wobei er der falsche Adressat ist), machen ihm manche noch immer das institutionelle Ende der Operette in der Hauptstadt anno dazumal zum Vorwurf, so brachte er mit seinen Ausführungen im letzten MFG zur etwaigen Bewerbung St. Pöltens als Europäische Kulturhauptstadt abermals bei so manchem das Blut in Wallungen:

D

er Terminus ‚EU-Kulturhauptstadt impliziert, dass eine Stadt auch wirklich Kulturstadt sein möchte. Diesen Willen orte ich in der Landeshauptstadt aber – wenn ich mir das kulturpolitische Engagement anschaue – nicht wirklich. Anspruch und Realität klaffen da auseinander, es fehlt an Visionen. […] In St. Pölten, wo es an sich schon so viel gibt und so viel Vorarbeit geleistet wurde, gibt es kein wirkliches Kommitment zu den Institutionen. Stattdessen gefällt man sich in einer Art Märtyrerrolle, redet von ‚denen da drüben‘, vom ‚starken Land‘ und der angeblich ‚schwachen Stadt‘. […] Diese Kleinkariertheit, dieses hemmende Sicherheitsdenken muss endlich überwunden werden. Nur dann, auf Basis einer fundierten Ist-Analyse und einer Vision, wo man überhaupt hinmöchte, macht eine Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt Sinn. Ich bin gerne bereit, auf diesem Weg zu helfen, aber das muss man wollen.“ Was offensichtlich als Breitseite gegen das offizielle St. Pölten gedacht war – so möchte das Land dem Vernehmen nach eine (auch finanzielle) Beteiligung der Stadt am Landestheater – bekamen aber vor allem die St. Pöltner Bürger, insbesondere Kultu­ r­aktivisten in die falsche Kehle. So reagierte der ehemalige Hauptstadtplaner Norbert Steiner mit einem offenen Brief, in

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dem er die positive Entwicklung St. Pöltens hervorstrich und Richtung Gessl monierte: „Irgendwie fühlt man sich bei solchen Kommentaren dreißig Jahre zurückversetzt, als es noch Mode vor allem bei den Kulturbeamten des Landes war, in diesem Jargon über die Provinzstadt St. Pölten zu lästern. […] Offen gesagt, ist der Kulturbezirk nicht mit oder durch die Kulturabteilung des Landes realisiert worden, sondern trotz anderer Ambitionen der Kulturbeamten entstanden. Und leider sehe ich die Tätigkeiten deiner Kulturbetriebsgesellschaft in dieser Tradition, auch ihr habt Probleme mit der Landeshauptstadt. Da wird mehr abgeschafft als kreiert – ich erinnere an die Auflösung der abc dance company, die Einstellung der Aktivitäten im Klangturm, die Abschaffung des schönen und eleganten Sommerballs im Festspielhaus und zuletzt die gewaltsame Übersiedlung der erst vor zwölf Jahren in St. Pölten feierlich eröffneten Landesgalerie nach Krems. Auch sonst spürt man eine


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Jeanette Dietl - Fotolia.com

ausgeprägte Abwehrhaltung und Ausdünnungspolitik der Kulturbetriebsgesellschaft, aber auch seitens der NÖ Kulturverwaltung, wenn es um die verschiedensten Versuche geht, weitere kulturelle Aktivitäten und Akzente in der Landeshauptstadt zu setzen.“ In diesem Sinne argumentierte auch Peter Bylica, ehemals Kommu-

nikationschef der Landeshauptstadtplanungsgesellschaft, der von „Gessls miesem Geburtstagsgeschenk für die Landeshauptstadt“ sprach und dem Kulturmanager vorwarf: „Deine Statements im MFG, werter Freund Gessl, sind ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für St. Pöltner Kulturinitiativen im Interesse unseres Bundeslandes engagieren.“ Weniger markig, dafür mit einem Augenzwinkern kommentierte der St. Pöltner Autor, Journalist und Veranstalter Thomas Fröhlich den vermeintlichen Angriff. Unter dem Titel „Endlich“ ließ er wissen: „Da hat’s uns kleinkarierten und kommitmentabstinenten St. Pöltnerinnen und Pöltnern rechtzeitig zum 30-JahrJubiläum wieder einmal jemand so richtig reingesagt: Kulturaktivitäten und -initiativen außerhalb landesfürstlicher Huld? Alles Lug und Trug! Seien wir ehrlich: Ohne die Kulturbetriebsgesellschaft säßen wir wahrscheinlich immer noch in unseren Höhlen und trachteten danach, mit stumpfem Werkzeug primitive Bilderreihen ins Gestein zu schlagen (Mammuts, Geschlechtsteile, RTL II-Logos). Doch wir geloben Besserung. Und werden vielleicht auch endlich zu dem, was unsere neuen Vorbilder jetzt schon auszeichnet und wozu auch wir uns berufen fühlen: großkotzig statt kleinkariert. In tiefster Dankbarkeit, Thomas Fröhlich“

Ist damit alles Porzellan zerschlagen? Das wäre dann doch ein bisschen übertrieben und dann wirklich kleinkariert, zumal die Wahrheit wie so oft wohl irgendwo in der Mitte liegt. Selbstverständlich hat die Stadt dem Land in Sachen Kultur immens viel zu verdanken, umgekehrt wäre sie ohne das Land aber auch keine kulturelle Wüste, dazu ist die hier situierte Szene viel zu aktiv und innovativ. Wahr ist auch (wobei das kein Gegeneinanderaufrechnen ist, sondern beiden politischen Seiten schlecht zu Gesicht steht und von einer reaktionären Grundhaltung zeugt), dass nicht nur das Land die Kunst des Drüberfahrens versteht, wie etwa im Falle des nicht öffentlichen Diskurses in Sachen Kunstabzug, sondern ehemals auch die Stadt Pölten das Stadttheater im Zuge des Krankenhausdeals mit dem Land einfach mitverscherbelte – auch hier wurde man erst im Zuge einer Pressekonferenz vor vollendete Tatsachen gestellt. Damit ist die Stadt ebenfalls – weil sie es freilich finanziell nicht mehr schultern konnte und das Land dies in Folge ebenso nicht wollte – in der Wurzel mitbeteiligt am Ende des Stadttheater-Orchesters und somit der Operette in St. Pölten. Künstlerisch betrachtet hat die Fokussierung aufs Sprechtheater dem Haus im Übrigen beileibe nicht geschadet – es zählt heute zu den renommiertesten Bühnen der Republik. Wobei die Finanzen natürlich immer eine Rolle spielen (wenn man angesichts eines 35 Millionen schweren Landesgalerie-Neubaus ohne Not bisweilen auch seine Zweifel hegen mag). Der „Frühlingsball“ etwa war mondän, keine Frage, aber auch schweineteuer und warf die Frage der (künstlerischen) Relation auf. Der Klangturm wiederum hat seine bisherige durchwachsene Vita zu einem Gutteil schlicht

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MFG URBAN

seiner von Beginn an falschen (und zwar auch im wörtlichen Sinne) Grundkonstruktion zu „verdanken“. Dass er zuletzt bei einem Kreuzworträtsel der NÖN dennoch als das offizielle Wahrzeichen St. Pöltens ausgegeben wurde, zeugt zumindest von einem gelungenen Marketing. Das St. Pöltner Wahrzeichen, meine Lieben, ist aber noch immer das Rathaus. ABER – und das ist ja im Ansatz positiv – der Klangturm sollte symbolisch das Wahrzeichen für das „neue“ St. Pölten sein. Was manche freilich fehlinterpretierten, war die Annahme, dass er quasi für eine eigene Reichshälfte steht. Mitnichten – beide Wahrzeichen repräsentieren ein und dieselbe Stadt, daher sollte man im gegenseitigen Umgang nach 30 Jahren bitteschön endlich ohne Untergriffe auskommen bzw. die Gemeinsamkeit begreifen. Einer, der sich genau darum bemüht und als Brückenbauer verdient gemacht hat, ist der Präsident des Fördervereins Kulturbezirk Lothar Fiedler. In seinem Verein versammelt er als ordentliche Mitglieder zahlreiche Landeskultureinrichtungen,

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PAARTHERAPIE

Wenn Stadt und Land an einem Strang ziehen, kann das etwas werden! Lothar Fiedler ebenso aber rund 600 außerordentliche, nämlich kulturinteressierte Bürger der Stadt und des Landes, denen es schnurzegal ist, welcher Urheber hinter der jeweiligen Institution steht – für sie sind das St. Pöltner Einrichtungen. Fiedler hat diesbezüglich einen weiteren bedeutenden und vertiefenden Schritt gesetzt. In den letzten Jahren holte er nämlich nicht nur die InnenstadtKulturinstitutionen Landestheater und Bühne im Hof mit an Bord des Vereins, sondern – was noch symbolträchtiger ist – mit dem Stadtmuseum erstmals auch eine reine Stadteinrichtung. Mittlerweile denkt er laut über einen neuen Namen für den Verein nach, der beiden Seiten – derselben Medaille wohlgemerkt – gleichermaßen gerecht wird (s.S.48). Von der Sinnhaftigkeit einer Bewerbung zur Kulturhauptstadt ist Fiedler übrigens überzeugt. „Ich denke, das ist eine echte Chance für die Stadt und Niederösterreich – alleine das Antreten könnte schon viel

in Bewegung setzen, von der medialen Präsenz ganz zu schweigen. Ich weiß auch gar nicht, ob der finanzielle Aufwand so überbordend sein müsste. Die Gelder für Krems sind ja im Grunde auf Schiene, und für St. Pölten müsste man halt u.a. eine Zulage für die versprochenen Aufwertungen im bildenden Bereich schaffen, also etwa für das NÖ DOK Zentrum im Stadtmuseum. In einem Verbindungskomitee sollten dann alle Akteure und Orte – z.B. auch Krems und andere, wenn man es regional aufzieht – dabei sein. Die Landesausstellungen waren ja auch schon des Öfteren disloziert und trotzdem ein guter Erfolg. Wenn Stadt und Land da also an einem Strang ziehen, kann das auch etwas Tolles werden! Gemeinsam ist man ja bekanntlich stärker.“ Letztgesagtem ist im Grunde genommen nichts mehr hinzuzufügen. Alle mögen also ihre smoking guns wieder getrost einstecken und sich entspannen. Und wer weiß: Vielleicht ist ja gerade – so grotesk das auf den ersten Blick hin klingen mag – die Bewerbung zur Kulturhauptstadt die lang­ ersehnte Chance, um die in manchen Kreisen nach wie vor bestehenden Ressentiments endgültig zu überwinden. Eine Art Paartherapie, im Zuge derer die aktive Zusammenarbeit am gemeinsamen Projekt die eigene jeweilige Kleinheit überwindet und in einem großen, selbstverständlichen WIR aufgeht. Wie heißts so schön in der Europahymne: „Alle Menschen werden Brüder“ (und natürlich Schwestern und Geschwister)! Dann werden wir das im kleinen St. Pölten doch bitteschön allemal schaffen!


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MFG URBAN

Kulturhauptstädte revisited

2024 wird Österreich bereits zum dritten Mal die Kulturhauptstadt Europas stellen. Wie war das damals – in Graz und Linz – eigentlich? Und lohnt es sich heutzutage überhaupt noch? 

S

pricht man mit Beteiligten der beiden bisherigen österreichischen „Kulturhauptstädte Europas“,  so kommen sie auch Jahre danach noch ins Schwärmen. Trotz aller Hochs und Tiefs war es für Graz 2003 und Linz 2009 wichtig, einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ihre Kultur und vor allem ihre Stadt von der schönsten Seite zu präsentieren. Doch zwischen 2009 und 2024 liegen ganze 15 Jahre, in denen sich die Ansprüche für Kulturhauptstädte massiv verändert haben. Wachstumsschub für Graz  Vor allem für die steirische Landeshauptstadt, so scheint es, war die Ausrichtung im Jahr 2003 der Grundstein für eine sichtbar positive  Entwicklung. Zehn Jahre zuvor richtete man bereits den „Europäischen Kulturmonat“ aus. Dieter Hardt-Stremayr, heutiger Tourismuschef der Stadt und schon während Graz03 aktiv, nennt diesen Kulturmonat als Ausgangspunkt für die Politik, sich als Kulturhauptstadt bewerben zu wollen. 1998 bekam Graz schließlich,

ohne Gegenkandidaten aus Österreich wohlgemerkt, den Titel von den Kulturministern der EU verliehen.  Beliefen sich die Gesamtkosten für dieses eine Jahr auf 58,6  Millionen Euro (welche ungefähr zu je einem Drittel von Stadt, Land und Bund übernommen wurden), so geht HardtStremayr davon aus, dass die Bewerbung selbst relativ kostengünstig war, „da es sich um ein recht einfaches inhaltslastiges  Papier ohne detaillierter Erläuterung von Projekten  gehandelt hat.“ Nach der erfolgten Zusage begann man dann mit der Planung und Umsetzung neuer Ideen: Gebäudekonstruktionen wie die Murinsel und das Kunsthaus zählen bis heute  zu den jungen Sehenswürdigkeiten – wobei die Insel laut Berichten meist nur spärlich besucht ist. Vorbildliches Linz  Auch für Linz stand relativ früh fest, dass man sich um den Titel Kulturhauptstadt bemühen wolle. Zehn Jahre bevor Linz09 Realität wurde, fand man bereits im Linzer Kulturentwicklungsplan die Bewerbung als

SCHATTENSPIELE. Der steirische Künstler Markus Wilfing erschuf einen dreidimensionalen Uhrturmschatten – nach dem Kulturhauptstadtjahr wurde dieser jedoch rasch verkauft.

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Ziel vor. Für Kulturmanager Thomas Diesenreiter  war vor allem das baldige  starke  Kommitment  von Stadt und Land gut, um die lange Vorlaufzeit zu nutzen und strategisch die zahlreichen Baustellen anzugehen. Die Finanzierung wurde schließlich wieder nach österreichischem Prinzip gedrittelt: je 20 Millionen übernahmen Stadt, Land und Bund. Für Airan Berg, den künstlerischen Leiter für Darstellende Kunst bei Linz09, zählt die Arbeit rund um diese Kulturhauptstadt zu einer seiner „schönsten beruflichen Zeiten“. Zwar spürte er anfangs ein großes Misstrauen seitens der  Öffentlichkeit und Druck von  Presse, Tourismus und Politik – aber seiner Ansicht nach hat Linz09 dies gut gemeistert. Allein schon der Eröffnungschor mit 400 Menschen aus der Bevölkerung sei ein Beweis, dass man es geschafft habe, die Kultur in den Mittelpunkt der Bürger zu bringen. Und er erklärt auch, dass viele Dinge, die Linz damals erstmals umgesetzt hat, danach von nachfolgenden Kulturhauptstädten explizit verlangt wurden. Der Unmut der freien Szene Thomas Philipp, ein Linzer Sozialund Kulturwissenschaftler, spricht von Linz09 als „Publikums- und Gäs­ teerfolg“. Bereits im August 2009, so eine Spectra-Umfrage, hatten 50% der Linzer, 30% der oberösterreichischen Bevölkerung und 7,5% der Österreicher zumindest eine Veranstaltung besucht. Philipp und auch Diesenreiter berichten aber vom Unmut der freien Kulturszene im Vorfeld und auch während des Kulturhauptstadtjahres. Die erhofften Fixplätze für lokale Künstler gab es nicht. Berg hingegen stellt klar: Es war nicht möglich, alle zufriedenzustellen. Manchmal stimmte die Chemie nicht,


TEXT: Dominik Leitner | Fotos: Pertlwieser, Robert Striegl, Andreas Wind, Harry Schiffer, Graz 2003 GmbH/zvg

RAUSCHWANDERUNG. Eine Mischung aus Dachwanderung, einem großes Kunsterlebnis und einer Fahrt im Riesenrad bot der Höhenrausch bei Linz09. Und war damit so erfolgreich, dass bis heute in Linz in die Höhe gerauscht wird.

mal waren es fehlende Mittel oder einfach die falschen Ideen. Philipp fasst zusammen: „Der allergrößte Teil der freien Kulturszene war mit Sicherheit froh darüber, dass das einjährige Spektakel vorbei war.“ Im Nachhinein gesehen flossen aber 10-15% der Programmkosten in Projekte der freien Szene Linz bzw. in Kooperationsprojekte mit ihr. Das ist verglichen mit den rund 3% aus dem Linzer Kulturbudget, die durchschnittlich pro Jahr für die freie Szene reserviert sind, sehr viel mehr.

Auch in Graz gab es Kritik von Seiten der freien Szene. So hat z.B. Margarethe Makovec, eine Vertreterin der Szene bei Graz03, die Projektlastigkeit in diesem einen Jahr bemängelt. Statt längerfristige programmatische Veränderungen bei der städtischen Kulturpolitik herbeizuführen, konzentrierte man sich rein auf Projekte. Auch Tourismuschef Hardt-Stremayr erinnert sich an die skeptische, kritische oder enttäuschte Haltung zu Beginn des Jahres – immerhin mussten 500 von rund 600 Projekten ab-

Der allergrößte Teil der freien Kulturszene war mit Sicherheit froh darüber, dass das einjährige Spektakel vorbei war. Thomas Philipp

gelehnt werden. Positive und nicht ganz so positive Entwicklungen Neben den kulturellen Entwicklungen in Folge der Kulturhauptstadtaustragung kann sich v. a. der Tourismus freuen. Graz kann nach rund 480.000 Nächtigungen im Jahr 1995 nunmehr auf über eine Million zwanzig Jahre später verweisen. In einem Interview mit dem FAZITMagazin ist Altbürgermeister Alfred Stingl, der auch im Aufsichtsrat der Kulturhauptstadt saß, überzeugt, dass dies ohne Graz03 nicht so rasch passiert wäre. Die internationale Bekanntheit wurde durch zahlreiche Medienberichte stark erhöht. Das

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MFG URBAN

Linzer Filmfestival „Crossing Europe“ hat ebenfalls seinen Ursprung in Graz, als 03er-Special des dortigen Diagonale-Festivals. Doch es gibt Kritik: Der Graz03-Geschäftsführer erklärte zehn Jahre später in einem ORF-Interview, dass man die Marke, die man 2003 aufgebaut hat, in den Jahren danach hat „verkümmern lassen, freundlich gesagt.“ Auch in Linz konnte ein Anstieg der Nächtigungszahlen verzeichnet werden. Die Stadt profitiert bis heute noch vom renovierten Ars Electronica Center und auch das 2012 eröffnete Musiktheater ist eine Nachwirkung von Linz09. Die „Höhenrausch“-Attraktion lockt auch im 7. Jahr zahlreiche Besucher in die oberösterreichische Landeshauptstadt. Die freie Szene in Linz kämpft aber seit 2009 regelmäßig gegen Kürzungen, selten mit Erfolg. Empfehlungen eines Kenners Airan Berg wurde nach seiner Arbeit bei Linz09 für die Bewerbung von Lecce 2019 angeworben. Wie Berg es beschreibt, sah der Bürgermeister der süditalienischen Stadt diese

Kulturhauptstädte revisited

TURBO für den Tourismus Ganz eindeutig lässt sich der Effekt der Kulturhauptstadt in den Nächtigungszahlen von Linz und Graz ablesen - mit Langzeitwirkung.

Linz

Graz

2000

620.922

2001

619.800

2002

683.620

2003

583.903

839.894

2004

647.482

717.963

2005

686.926

729.029

2006

685.167

738.295

2007

675.834

779.618

2008

674.119

796.560

2009

738.555

788.233

2010

693.011

824.294

2011

741.886

907.964

2012

793.315

943.817

2013

775.396

984.780

2014

755.514

1.029.022

2015

777.292

1.080.409

Bewerbung als mögliche „Rettung“ – und holte Berg erst vier Monate vor Ende der ersten Frist an Bord. Durchsetzen konnte sich Lecce nicht, aber Berg konnte so zumindest weitere Erfahrungen sammeln, die er im Gespräch auch gerne teilt: Man sollte am besten eineinhalb bis zwei Jahre vorher beginnen, sich nicht nur mit Inhalten zu beschäftigen, son-

dern gleich die geplanten Strukturen abzuklären. Sollte man sich z.B. für 2024 bewerben wollen, so sei es empfehlenswert, nicht nur eine Bewerbung zu erstellen, sondern vielmehr einen Kulturentwicklungsplan für die Jahre 2020-2030 auszuarbeiten. Gelingt die Bewerbung, so wirkt eine Kulturhauptstadt schließlich wie ein Sprungbrett und Beschleuniger, um diese Ziele zu erreichen. Die Kosten für die Bewerbung heutzutage liegen laut Berg bei 150.000 bis 250.000 Euro für die erste Runde. Sollte man in Runde zwei weiterkommen, wären noch einmal 500.000 Euro notwendig. Das ist eine Menge Geld im Vorfeld, aber Berg ist sich sicher: „Es lohnt sich, auch die Bewerbung lohnt sich. Wenn man sie gut macht, kann man schon viel erreichen!“

Es lohnt sich, auch die Bewerbung lohnt sich. Wenn man sie gut macht, kann man schon viel erreichen! Airan Berg 20


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MFG URBAN

Zerrissene Herzen In St. Pölten wächst inzwischen die dritte Generation von Menschen mit türkischem Background heran. Mit der Türkei verbinden sie häufig nur noch die Erinnerungen der Eltern, dennoch verlieren Fragen nach Identität und Herkunft nicht an Bedeutung. Die Demonstrationen sowohl für als auch gegen Erdogan, die in Wien regen Zulauf fanden, sind ein Beleg dafür. In einer Spurensuche nähert sich das MFG der St. Pöltner Community an und fragt nach Bezugspunkten und Konfliktlinien in der Stadt.

A

li Firat ist Gemeinderat in St. Pölten und der einzige politische Vertreter der Stadt mit Wurzeln in der Türkei. Seine Großeltern kamen aus einem Kurdengebiet im Osten des Landes und gehörten zur ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter, die über ein Abkommen zwischen der Türkei und Österreich ins Land kamen. Wie der Name suggeriert, wurden diese Übereinkünfte als vorübergehende Maßnahme betrachtet, entsprechend wenig standen damals Fragen der Integration auf dem Tapet. Das ist inzwischen über sechzig Jahre her, die Bindung vieler Junger zur Türkei besteht allerdings weiterhin – auch wenn die dritte Generation überwiegend österreichische Staatsbürger sind. Firat ist als Politiker zugleich das Sprachrohr vieler Migranten, was v.a. eine Zahl belegt: 923. So viele Vorzugsstimmen erhielt er bei den letzten Wahlen und wurde damit innerhalb der SPÖ nur von Bürgermeister Matthias Stadler geschlagen – sämtliche Oppositionspolitiker ließ er hinter sich. Die jüngsten politischen Ereignisse in der Türkei bewegen auch ihn. Probleme, etwa in Bezug auf den Kurdenkonflikt, ortet er in St. Pölten aber nicht. „Türken und Kurden treffen sich etwa bei Hochzeiten, aus meiner Sicht passt das Miteinander“, ist Firat überzeugt. Auch nach dem Putschversuch in der Türkei seien ihm vermehrte Konflikte im Zuge seiner Tätigkeit als Gemeinderat nicht aufgefallen, jedenfalls aber werde die türkische Politik auch in Österreich diskutiert. 22

Der lange Arm des Präsidenten Ins öffentliche Bewusstsein rückte dies bereits im letzten Wahlkampf, als der türkische Präsident auch in Österreich und Deutschland um die Stimmen von Auslandstürken warb. Er mobilisierte dabei mehr Menschen als mancher heimische Politiker. Auf unserem Streifzug durch die St. Pöltner Community geben sich beim Stichwort Politik viele zurückhaltend. Gülsen Özedemir ist alevitische Kurdin und betreibt ein Restaurant in der Herzogenburgerstraße und meint etwa, dass Meinungsverschiedenheiten schon diskutiert würden, man aber insgesamt aufpassen müsse, was man sagt. Für die Demonstrationen der vergangenen Wochen bringt sie kein Verständnis auf: „Ich weiß nicht was das Ziel von den Leuten ist. Eine Demo in Österreich schadet mehr als sie bringt.“ Unverständnis zeigt sie auch für die Macht Erdogans, die scheinbar bis nach Europa reicht. „Viele sind für ihn – auch in Österreich. Politiker sind zu 90 Prozent schuld an den Konflikten, ich wünsche mir einfach Frieden, auch Kurden und Türken in der Türkei wollen Frieden.“ Zugehörig fühle sie sich beiden Ländern, während sie Österreich als Heimatland bezeichnet, sind für die Verbindung zur Türkei v.a. familiäre Bindungen ausschlaggebend. Zum Abschluss gibt sie uns noch ihren Leitspruch mit auf den Weg: „Der Mensch ist wichtig, die Religion oder Herkunft ist egal.“ Gleich auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Lebensmittelgeschäft, das von sunnitischen Kurden

geführt wird. Cihat Bilgic, der stellvertretende Geschäftsführer des Familienunternehmens, lädt uns in sein Büro ein. Sein Großvater wanderte nach Deutschland ein, mit drei Jahren kam Bilgic nach Österreich und begann nach einer Lehre im Familienbetrieb. Im Sommer reist er meist in die Türkei, wo noch ein Teil seiner Familie lebt. Ein klares Bekenntnis zu einem Heimatland fällt ihm schwer: „Mein Herz ist zerrissen. Ich bin hier Ausländer, in der Türkei aber ebenso. Ich bin genau dazwischen.“ Zurück in die Türkei zu gehen kommt für ihn nicht in Frage. „Ich kann nicht zurück, ich habe hier den Großteil meines Lebens verbracht und kann nicht alles abbauen. Viele bleiben wegen der Arbeit da“, ist Bilgic überzeugt. Zur politischen Situation und den Demos möchte er sich

Putsch und folgen In der Nacht des 15. Juli erschütterte ein Militärputsch die türkische Republik. Er forderte zahlreiche Leben auch von Zivilisten und scheiterte u. a. auch am Widerstand der Menschen auf der Straße. Der Putsch ist nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe innenpolitischer Konfliktherde. Neben der wieder virulent gewordenen Auseinandersetzung mit der Kurdischen Arbeiterpartei, der PKK, sorgten auch Anschläge des Islamischen Staates für Unruhe im Land. Die Türkei reagiert vor allem mit militärischen Gegenschlägen, zuletzt kam mit der Bekämpfung syrischer Kurden eine neue Front hinzu. International geriet der türkische Präsident nach dem Militärputsch wegen einer beispiellosen Verhaftungswelle in Kritik, die auch vor Anwälten, Richtern und Journalisten nicht Halt macht.


MFG URBAN

HEIMAT. Gülsen Özdemir fühlt sich in beiden Ländern heimisch, mit der Türkei verbindet sie vor allem Familie.

nicht äußern, Probleme nimmt er so nicht wahr: „Ich bin sunnitischer Kurde, habe keine Probleme mit Türken oder anderen Religionen, gehe auch ins alevitische Kulturzentrum oder in Kirchen.“ Kurdenkonflikt Generell fällt in St. Pölten auf, dass viele Restaurants kurdische Besitzer haben, in der Stadt lebt eine vergleichsweise große Community, die großteils entweder dem Alevitentum oder dem sunnitischen Islam zugehörig ist, auch wenn die Religion im Alltag oft keine vordergründige Rolle spielt. Dass politische Ereignisse in der Türkei auch in Niederösterreich Widerhall finden, erklärt der Co-Vorsitzende des Kurdischen Vereins in St.

VEREINE In Österreich und Deutschland entstanden in den Jahrzehnten nach den ersten Gastarbeiteranwerbungen zahlreiche türkische Vereine, die sowohl religiöse wie kulturelle Zwecke verfolgten und für die Aufnahmeländer und Gemeinden zudem als Ansprechpartner dienten. In St. Pölten bestehen derzeit vier größere Vereine mit Bezug zur Türkei. Der Osman Pasa Kulturverein und der Islamische Kulturverein Mevlan, die beide auch eine Moschee betreiben, außerdem die Föderation Alevitischer Gemeinden in St. Pölten und ein Kurdischer Verein, der seit 2005 besteht.

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Pölten Ali Ekber Firat. Mit etwa 300 Mitgliedern steht er für die Interessen der kurdischen Bevölkerung ein und ist v.a. in der Kulturarbeit aktiv. „Unser Hauptanliegen ist es, unsere kurdische Kultur zu verteidigen und die türkische Assimilation rückgängig zu machen!“ Dabei sei man notwendigerweise stark an die politischen Geschehnisse in der Türkei gebunden. Um das zu verstehen, muss man sich die Entstehung des türkischen Staates vor Augen führen. Religion wurde unter Atatürk, der nach wie vor hohes Ansehen in Teilen der türkischen Bevölkerung genießt, nach westlichem Vorbild weitgehend aus der Politik zurückgedrängt. Während das religiösen Minderheiten zum Teil größeren Spielraum ermöglichte, fand zugleich eine radikale Nationalisierung der Türkei statt, die ethnische Unterschiede innerhalb der Bevölkerung negierte. Im Bezug auf die kurdische Bevölkerung fand diese Politik einen ihrer Höhepunkte im Massaker von Dersim, das über zehntausend Kurden das Leben kostete. Ekber Firat beschreibt die zentralen kurdischen Werte als im Einklang mit den Menschenrechten, Frauenrechten und der Demokratie stehend. Den Gegensatz mit der Türkei sieht er auch in Österreich weiterbestehen: „Der innere Hass ist groß, aber derzeit kommt er nicht auf

die Straße. Es kann aber sehr schnell auch zum Konflikt kommen“, ist er überzeugt und weiter: „Es gibt ganz wenige Türken in Österreich, die parteilos sind, die meisten sind entweder nationalistisch oder extrem religiös, es gibt eine sehr starke Vermischung der beiden Extreme.“ Ob eine solche Sichtweise zur Lösung vorhandener Konflikte beiträgt, ist fraglich, zumal sich die Ressentiments in den Gesprächen mit anderen Kurden nicht derart stark zeigten. Auf der Gegenseite sorgt außerdem die PKK mit Anschlägen auf militärische wie zivile Ziele in der Türkei für eine weitere Eskalation der Situation. In Wien zeigte sich anhand Übergriffen türkischer Demonstranten auf ein


TEXT: Sascha Harold | Fotos: Hermann Rauschmayr

kurdisches Lokal im August eine Facette dieser Gewaltspirale. Im Osman Pasa Kulturverein sind derartige Spannungen kein Thema. „Politik hat bei uns nichts verloren“, teilt der Obmann Esref Cacmac gleich zu Beginn mit. Seit 16 Jahren besteht der Verein, der neben einer Moschee auch kulturelle und sportliche Angebote macht und verschiedene Hilfseinsätze unterstützt. 90 bis 95 Prozent der Mitglieder haben türkische Wurzeln, sunnitische Kurden und Türken beten in der Moschee aber ohne Probleme Seite an Seite. Auch der Einfluss türkischer Politik findet zumindest auf die Vereinsfunktionäre nicht statt. „Ich kann Menschen nicht verbieten auf Demons-

trationen zu fahren, kann aber sagen, dass direkt aus dem Verein niemand dabei unterstützt worden ist!“ In Dialog treten Stadtrat Dietmar Fenz, der für die Stadt in Integrationsangelegenheiten aktiv ist, sieht die Situation ähnlich entspannt: „Der Austausch mit den türkischen Vereinen ist gut, ich selbst habe auch Kontakte zu Einzelpersonen, da gibt es keine Probleme.“ Obwohl es in St. Pölten keine Demonstrationen mit Bezug zur türkischen Politik gegeben hat, sind auch aus der Landeshauptstadt vor allem Junge zu den Wiener Kundgebungen gereist, die Identifikation mit der Türkei scheint also nach wie vor

groß zu sein. Gefragt nach den Gründen zeigt sich Fenz ratlos und vermutet Vereine mit direktem Kontakt zur Türkei als entscheidend. „Anders kann ich mir das nicht erklären, dass da jemand extra nach Wien fährt. Bei uns in St. Pölten haben wir das aber gar nicht, dass einzelne Vereine Stimmung machen.“ Ob es an integrationspolitischen Versäumnissen der Vergangenheit liegt, dass die Identifikation mit einem Land, das viele nur noch aus Erzählungen kennen, derart stark ist? Für Ugur Calcan, Eigentümer eines Lokals beim Hauptbahnhof, ist es jedenfalls ein Teil des Problems: „Keiner kümmert sich um die Jungen! Die Eltern sparen auf ein Haus in

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Zerrissene Herzen

neu im leben

Michael Müllner

Foto: David Farrugia - Fotolia.com

An authentischen Erfahrungsberichten und gutgemeinte Ratschlägen hat es nicht gemangelt. Aber es liegt wohl an der „Komplexität“, dass man selber erleben muss, um zu begreifen, was meine Frau und ich gerade erfahren: Wir haben ein Baby! Nach ein paar Wochen kann ich sagen, ja all die ehrlichen Berichte treffen zu. In all ihren Versuchen, das Anstrengende und Fordernde nicht zu kaschieren. Aber auch in allen Versuchen, das zu beschreiben, was für mich ein gutes Leben ausmacht. Dass man sein eigenes Leben öffnet für die Bedürfnisse eines anderen. Nicht nur für die Frau, die man sich ja selber gesucht hat und die man ja freien Stückes geheiratet hat. Sondern auch für dieses angstfreie, unvoreingenommene, neugierige Wesen, das da plötzlich wie durch ein Wunder mitten im Leben seinen Thron besteigt und gütig, nötigenfalls aber auch eisern, noch wortlos regiert: Hunger! Windel wechseln! Aufheben! Drehen! Herumgehen! Hand geben! Schnuller geben! Tief in die Augen schauen lassen! Und das ist es wohl. Wenn du deinem Kind in die Augen siehst und du eine Vorstellung davon bekommst, was er nicht nur dir bedeutet, sondern was du ihm bedeutest. Dass du nun Vater bist und du von nun an gemeinsam mit diesem großartigen Geschenk wachsen wirst. Dass dein Leben nun Sinn macht, eben nicht nur für dich, sondern auch für ihn. Das ist es wohl – das Schönste am Vatersein. Gleich gefolgt von unvergesslichen Eindrücken wie: Handhalten, während die Frau das Wunder der Geburt meistert, Nabelschnur durchschneiden, mit jedem Atemzug das Blau aus dem frischgeborenen Körper weichen sehen, die ersten Nächte gemeinsam durchmachen, beim Wickeln anpinkeln lassen, das Spital verlassen und vier Generationen am Tisch sitzen sehen. Die Demut des Lebens spüren. Schätzen.

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INTEGRATION. Der Staat, aber auch die Eltern türkischer Jugendlicher müssten mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen, findet Ugur Calcan.

der Türkei und die Kinder werden allein gelassen.“ Er selbst hat seine Wurzeln in der Osttürkei, ist in Istanbul aufgewachsen und erst mit 16 Jahren nach Österreich gekommen. Dennoch fühlt er sich hier zuhause. „Ich war nach 30 Jahren zum ersten Mal in Ersingan und habe meine Oma besucht. Dieses Jahr habe ich das Gefühl gehabt, dass ich dort nicht mehr hingehöre. Der Moment, als ich über die österreichische Grenze zurückgekommen bin, war ein schönes Gefühl“, erzählt er. Außer der Sprache und einzelnen Familienmitgliedern verbindet ihn nichts mehr mit der Türkei. Auch die türkische Kultur in Österreich sei bereits anders als jene in der Türkei. „Die jungen Demonstranten haben keine Ahnung von der Türkei. Die dritte Generation, die jetzt aufwächst, ist

eine andere Volksgruppe“, meint er. Als Beispiel erzählt er von Jugendlichen, die erst mit der Türkei-Fahne zu einem Fußballspiel fahren und am nächsten Tag auf einer Pro-Kurdistan Demonstration marschieren. Bei den Vereinen, die die türkische Szene stark prägen, bestehe außerdem zu wenig Kontrolle. Für St. Pölten gilt das nur eingeschränkt, weil alle Vereine bekannt sind, aber in größeren Städten könnten kleinere Vereine Probleme bereiten. Den Konflikt zwischen Türken und Kurden sieht er dagegen weniger dramatisch. „Im Internet liest man von den Konflikten, aber auf der Straße gibt es eigentlich keine Probleme. Es sind ja alle gemeinsam aufgewachsen in der Herzogenburgerstraße oder am Mühlweg. Da ist egal, ob du Kurde oder Türke oder Alevit bist.“


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Wirt sein ist kein Genuss „Behördliche Auflagen, zu hohe Abgaben und unwillige Mitarbeiter lassen die Wirte strudeln!“ Sagen die Wirte. „Zu geringe Bezahlung und unangenehme Arbeitsbedingungen machen die Service-Jobs ungenießbar!“ Sagen die Service-Kräfte. Kammern, Gewerkschaft und Behörden geben ihren Senf zur heißen Diskussion um unzählige Vorschriften und existentielle Probleme dazu, an denen sich Gastronomen die Finger verbrennen. Eine schwer verdauliche Mischkulanz.


TEXT: Beate STeiner | Fotos: Beate STeiner

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as macht keinen Spaß mehr.“ Eben noch hat Michele Madonna mit geübten Handgriffen Pasta, Fritto Misto, Gemüse und Fleisch auf Tellern drapiert, die Speisen seiner Tochter zum Servieren übergeben – mit offensichtlicher Freude am Kochen und Gäste verwöhnen. Jetzt wird er an die Schattenseiten des Gastro-Unternehmertums erinnert. Gleich mehrere eingeschriebene Briefe sind ihm in den letzten Tagen in sein Lokal „Pepe Nero“ auf dem Herrenplatz geflattert: Ein seiner Ansicht nach ungerechtfertigter Strafbescheid, Auflagen da, Vorschriften dort. Bürokratische Schikanen, die den emsigen Wirt wirklich aufregen. „Das macht keinen Spaß mehr“, sagt er. Wenig Freude hat derzeit auch Marco Kasic. Dem „Palatschinken Pinocchio“ am Domplatz machen allerdings äußere Umstände und eine Art höhere Gewalt das Leben schwer. Direkt vor seinem hübsch renovierten neuen Geschäft graben derzeit die Archäologen: „Fünf Tage, nachdem ich aufgesperrt habe, ist die Grabungsstelle hierher übersiedelt – das hab ich leider nicht gewusst. Der Zaun reicht fast bis zu meinem Geschäft. Da sieht mich keiner mehr.“ Jetzt, wo er „nach längerem Warten“ die behördliche Genehmigung für Stehtische bekommen hat und auch eine Markise anbringen darf, hofft er auf das Ende der Ferien und mehr Gäste, die sich zu seinen hauchzarten und g’schmackigen süßen und pikanten Palatschinken verführen lassen: „Vor allem Schüler schätzen meine Crêpes.“ Marco Kasic und Michele Madonna geht es wie den meisten ihrer Branchen-Kollegen: „Auflagen und Abgaben, wohin man schaut“, klagen sie. Das mag nicht nur daran liegen, dass viele Wirte für den administrativen Aspekt der Unternehmertätigkeit weniger Interesse haben als am Gästeverwöhnen. Denn das Einhalten der baubehördlichen und gewerbebehördlichen Vorschriften kostet nicht nur viel Zeit und Know-how, wie Behördenleiter Martin Gutkas im Interview bestätigt. Aufsperren und Betreiben einer Gastwirtschaft kostet auch viel

Nur Blaulichtorganisationen sollten von Auflagen befreit sein. LEO GRAF Geld, mehr als in anderen Branchen. Gastronomiebetriebe müssen in Sanitärbereiche, Lüftungsanlagen, Elektrotechnik, Brandschutz, Lärmexpertisen und vieles mehr investieren und regelmäßig durch – teure – Gutachten beweisen, dass alles noch funktioniert und den Vorschriften entspricht. Wirte-3100-Obmann Leo Graf bestätigt den „ziemlichen Aufwand, der mit wiederkehrenden Kosten verbunden ist.“ Die können für kleine Wirtschaften mit wenig Rücklagen schon mal existenzbedrohend sein, vor allem wenn noch neue Gesetze dazukommen, Stichworte: Registrierkassa mit Belegerteilungspflicht, Raucherschutz, Allergenverordnung. Für den Fall, dass Strafbescheide zugestellt werden, die für den Bestraften nicht einsichtig sind, hat Wirtschaftskammer-Funktionär und Sparten-Obmann Mario Pulker für die Kollegen einen Tipp parat: „Nicht einzahlen! An die Wirtschaftskammer wenden. Alles überprüfen lassen, auch wenn es das Rauchverbot betrifft.“ Die Kammer beschäftige Top-Spezialisten. „Ich habe schon zigmal erlebt, dass hinter Strafen keine Rechtsgrundlagen waren und die Beamten blass wurden. Untertänigkeit ist falsch am Platz.“ Unbekömmliche Zutaten fürs Wirte-Sein • Die Registrierkassa – Abrechnung mit Pro & Contra und Beleg: „Die Registrierkassa war eine Einmalinvestition und ist nicht mehr wirklich Thema“, meint Leo Graf: „Das war schon immer Voraussetzung für die Abrechnung in der Gastronomie.“ Er wehre sich nur gegen den Pauschalverdacht, der bei der verpflichtenden Einführung des Systems im Raum stand, dass nämlich Wirte ohne Kassen Steuern hinterziehen würden. Gastronomen, für die die Belegpflicht quasi Mundraub ist, weil sie Cappuccino & Co. nicht mehr am Fiskus vorbeischummeln können, sehen das naturgemäß anders, sind sie doch doppelt

geschädigt: Sie können die vom Gast bezahlten Schwarzgeld-Euros nicht mehr geringfügig angestellten Mitarbeitern (für die sie nur geringfügig Abgaben zahlen) als inoffiziellen Lohnbestandteil weiterreichen. Dieser Mix aus Umsatz-Manipulation und Beitragshinterziehung sollte mit der Einführung der Registrierkassa bekämpft werden. Ehrliche Gastronomen brachten diese Verdächtigungen natürlich zum Kochen. Bei allen sorgt die Kassa für Aufregung, wenn bevorzugte Gruppen sie nicht verwenden müssen – das ist ein besonderes Reizthema. Eines nämlich, bei dem sich Gastronomen schnell ungerecht behandelt fühlen. Weil in ihrem Betrieb Auflagen vorgeschrieben sind, die für unterschiedliche Vereine nicht gelten. Diese sind völlig frei von Kontrollen, wenn sie ihre Feste veranstalten, obwohl sie de facto als Gastronomiebetriebe tätig sind. So nehmen sie den Wirten Krügerl um Krügerl und Grillhenderl um Grillhenderl weg und sorgen dafür, dass die Kassa im offiziell versteuernden Betrieb kaum registriert und weniger Belege ausdruckt. In Kantinen von Sportvereinen oder bei ortsüblichen Festen von PolitParteien, zum Beispiel, müssen keine Kassen installiert werden, was auch steuerliche Vergünstigungen bringt und Gaststättenbetreibern sauer aufstößt. „Nur Blaulichtorganisationen sollten von den Abgaben und Auflagen befreit sein“, meint Wirte-Vertreter Leo Graf, „alle anderen nehmen die­se Privilegien zu unrecht in Anspruch und schädigen die Gastronomie.“ • Mit Rauch und ohne: Umsatzschädigung befürchteten Lokalbesitzer auch vom Tabakgesetz. Und sie sind verärgert über die seit 2009 herrschende Unsicherheit über ein mögliches totales Rauchverbot. Viele Wirte haben in Raucherbereiche und Lüftungsanlagen investiert, mit unbefriedigendem Ergebnis, weil sie trotzdem mit Anzeigen konfrontiert sind, und die Investitionen letztendlich zwar teuer aber MFG 09.16

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St. Pöltens Behördenleiter Martin Gutkas

„Manchmal wird lieber eine Studie bezahlt als eine BaumaSSnahme gesetzt“ Was sind denn die größten Hindernisse, die ein Gastronom überwinden muss, bevor er aufsperren kann? Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass viele künftige Gastgewerbetreibende ohne bis ins letzte durchdachtes Betriebskonzept ein Lokal mieten und erst im Laufe des Genehmigungsverfahrens dann ihre Vorstellungen präzisieren und sehr oft feststellen, dass das gemietete Lokal für einen solchen Betrieb ungeeignet ist.

Was haben die künftigen Wirte da zum Beispiel übersehen? Hier spreche ich vor allem von innerer Lärmübertragung durch Hohlräume in den Mauerwerken, etwa alte Kamine, fehlende lärmtechnische Entkopplung von Wänden und Böden, fehlende Abluftleitungen. Dadurch wird aber eine Musikanlage schwierig und teuer, genauso wie Betriebszeiten bis in die Nacht.

Was müssen Möchtegern-Lokalbesitzer also beachten? Vor der Entscheidung für ein Lokal sollte genau überdacht werden, welche Art von Betrieb man einrichten will, wer die Kunden sein werden. Braucht man einen Gastgarten, habe ich die Fläche für einen Gastgarten, wohnen Leute über meinem künftigen Lokal, habe ich die Möglichkeit Abluftleitungen zu führen, in welchen Zeiten möchte ich mein Lokal betreiben?

Wo bekommen Gastro-Gründer Unterstützung? Die Wirtschaftskammer unterstützt Gründer mit Beratung und Beratungsschecks, wo man auf diese Dinge hingewiesen wird. Diese Beratung sollte unbedingt in Anspruch genommen werden, erspart sie doch oftmals Frust und Geld, da die Tauglichmachung eines ungeeigneten Lokals sehr teuer sein kann. Liegen die notwendigen Unterlagen vollständig vor, geht auch das Genehmigungsverfahren rasch, viel Zeit braucht nur das Nachfordern von Plänen und Beschreibungen sowie der Versuch, notwendige Adaptierungen nicht machen zu müssen. Manchmal wird lieber eine Studie bezahlt als eine Baumaßnahme gesetzt, die letztlich auch nicht mehr kostet als die Studie.

Wie oft wird interveniert, weil die Wirte Vorschriften nicht akzeptieren? Gastgewerbebetriebe werden regelmäßig überprüft, nur in absoluten Ausnahmefällen muss der Betrieb gesperrt werden. Anzeigen, dass Missstände vorliegen, sind selten, kamen in den letzten Jahren hauptsächlich von Rauchersheriffs. Diesen wird natürlich nachgegangen und ein dem Gesetz entsprechender Zustand hergestellt. Wichtig ist natürlich, dass der Wirt auf seine Umgebung Rücksicht nimmt, dann akzeptiert die Umgebung auch die Notwendigkeit des Wirtes.

vielleicht doch umsonst waren. Andere Gastronomen haben Zwischenlösungen hinterfragt und gleich auf „rauchfrei“ gesetzt, ohne rauchende Gäste ködern zu wollen. Wieder andere haben sich durch die Vorschriften laviert. „Bei diesem Thema spielt sehr viel Emotion mit. Keiner will der Dumme sein, der sich an Gesetze hält, während andere durchkommen, wenn 30

sie sich um nichts scheren“, weiß Michael Müllner, Betreiber des NXPBowling-Centers. • Karte mit Kennung: Nach dem Rauchergesetz kamen die Gaststätten in den Genuss der Allergenkennzeichnung. Die stellt zwar für Betriebe mit laufend wechselnder Karte einen ziemlichen Aufwand dar – immerhin müssen alle Zutaten in den Speisen kon-

trolliert und dokumentiert werden. „Die Umsetzung ist aber auch relativ Gastronomen-freundlich, weil der Gast auch mündlich über Allergene informiert werden kann“, so Michael Müllner. • Weg mit den Hindernissen: Nicht wirklich heiß gelaufen sind die Gastronomen bei den Vorschriften zur Barrierefreiheit. Seit Anfang des Jahres müssen in Österreich Dienstleistungen und Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, barrierefrei angeboten werden. In der Gastronomie bedeutet das, dass Rollstuhlfahrer nicht nur ohne Hilfe ins Lokal kommen können, sondern auch, dass der Sanitärbereich für sie nutzbar ist. Wenige heimische Gastronomen haben da extra investiert. Das mag daran liegen, dass manche Umbauarbeiten „unzumutbar“ waren – also zu teuer oder technisch nicht machbar. Das kann aber auch daran liegen, dass bei Verstößen gegen das Behindertengesetz keine Verwaltungsstrafen vorgesehen sind. Allerdings können Behinderte den Gastwirt auf dem Zivilweg klagen, wenn sie sich diskriminiert fühlen. Die Wirtschaftskammer versucht derzeit, ihre Betriebe zu diesem Thema zu sensibilisieren. Denn nicht nur Rollstuhlfahrer, auch Mamis und Papis mit Kinderwägen tun sich leichter, wenn in einem Lokal keine Barrieren lauern. Genau so wie Gehbehinderte, die lieber Toiletten aufsuchen, die nicht nur über steile Stufen erreichbar sind. • Luftige Steuern: Für – an Schönwettertagen – umsatzfördernde Gastgärten müssen die Gastronomen natürlich zahlen. Und kämpfen untereinander und mit der Behörde um jedes Tischerl und jeden Sessel. Am Herrenplatz könnte es übrigens eine Umverteilung der Sitzplätze geben, weil nächstes Jahr der ehemalige „Schwarze Adler“ wieder als Eissalon öffnet: „Die Aufteilung erfolgt durch die Gastronomen“, sagt Martin Petermann vom Magistrat. „Uns ist es egal, ob der Sessel gelb oder rot ist und zu welchem Tisch welches Lokal serviert. Die Stadt tritt nur bedarfsweise als Vermittler auf.“ Übrigens: Was in Wien für auf-


Wirt sein ist kein Genuss

gungssteuer zum Beispiel für Wuzzler und Billardtische. • Inspektor gibt’s schon: Zeitaufwendig sind die Hygiene-Anforderungen, die Gaststätten erfüllen müssen. Die Betriebe müssen immer wieder evaluieren. „Gastronomen müssen ihre Eigenkontrollen dokumentieren, zum Beispiel Kühltemperaturen kontrollieren, Mitarbeiter in Hygiene schulen, Reinigungspläne niederschreiben“, erklärt Gabriele Bertl, Leiterin des Marktamtes. „Damit kann man sich bei Belieben mehrere Stunden pro Arbeitswoche beschäftigen“, sagt Michael Müllner. Damit der Lebensmittel-Inspektor nichts zu beanstanden hat. „Wir sind in diesem Bereich sehr viel beratend unterwegs“, versichert Gabriele Bertl, „nur bei mehrmaliger Ermahnung kommt es ab und zu zu Anzeigen.“

MICHELE MADONNA. Der Italiener bekommt in seinem Lokal Unterstützung von seinen Kindern, weil Arbeitskräfte in der Gastronomie sehr schwer zu bekommen sind.

geregte Meldungen sorgt, weil es endlich genehmigt werden könnte, ist in St. Pölten selbstverständlich: Die Öffnung der Schanigärten auch im Winter: „Wir haben nur die Auflage, dass bei Schneefall der Gastgarten so weit wegzuräumen ist, dass die Schneeräumung nicht behindert wird“, sagt Behörden-Leiter Martin Gutkas. Wirte können also für jeden Monat um einen Schanigarten ansuchen, bekommen eine Genehmigung, wenn sie die Auflagen erfüllt haben. Einer OutdoorVersorgung der Gäste rund ums Jahr steht daher nichts im Wege. Außer

vielleicht frostige Temperaturen. Da kann es schon mal vorkommen, dass einem Lokalbesitzer vor der Genehmigung eine Strafe zugestellt wird, weil er sein Interieur zu früh nach draußen geräumt hatte. So wurde Cafetier Helmut Pusch ins Rathaus zitiert, weil er nur von März bis November um einen Schanigarten angesucht, aber schon im Februar Freiluftplatzerl angeboten hatte. • Da ein Euro, dort ein Euro: Betriebe müssen AKM-Gebühr zahlen, wenn Musik läuft. Außerdem casht die Behörde Tourismusabgaben und Vergnü-

Kein Bock auf Gastro-Jobs Neben all den finanziellen und arbeitsintensiven Herausforderungen haben die Gastronomen noch ein großes Problem: Es gehen ihnen die Mitarbeiter aus. Ulli Wagner, zum Beispiel, sucht einen Koch für ihre Gaststätte Figl, der Lehrling von Restaurant-Galerie-Chef Robert Langeneder hat die Ausbildung abgebrochen, „Pepe Nero“ Michele Madonna hat seinen Abwäscher wegen fehlender Leistungsbereitschaft gekündigt und Caterer Wolfgang Wutzl wirbt auf seiner Homepage um zusätzliche Mitarbeiter. Ganze 97 Stellen in der Branche Fremdenverkehr sind derzeit offen in der Region St. Pölten. Gleichzeitig waren noch nie so viele Arbeitslose in diesem Berufszweig gemeldet. Ende Juli verzeichnete das AMS St. Pölten 496 arbeitslose FremdenverkehrsMenschen, um 29 mehr als im Juli 2015. Warum keiner der fast 500 arbeitslosen Gastro-Experten einen der fast 100 freien Jobs annimmt, erklärt AMS-Leiter Thomas Pop mit den Arbeitsbedingungen, vor allem mit den Arbeitszeiten in Lokalen: „Arbeits-

Keiner will der Dumme sein, der sich an Gesetze hält, während andere durchkommen, wenn sie sich um nichts scheren. Michael Müllner MFG 09.16

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MARKO KASIC. Der Palatschinken-Pinocchio kämpft am Domplatz-Eck mit viel persönlichem Engagement ums gastronomische Überleben. Von Montag bis Samstag steht er in seinem kleinen Geschäft und serviert Crêpes in süßen und pikanten Variationen.

los sind oft Wiedereinsteigerinnen mit kleinen Kindern, die Teilzeit arbeiten würden, aber am Abend nicht verfügbar sind. Viele wollen die Wochenenden oder die Abende frei haben.“ Dafür kein Verständnis hat Wolfgang Stix, mit seinem Bahnhofsbräu in Ober-Grafendorf und auch mit seinem Naturkosmetik-Unternehmen ebenfalls betroffen von unwilligen Jobsuchenden: „Von 20 Bewerbern kann ich einen nehmen!“ Von ähnlichen Erfahrungen berichtet „Pepe Nero“ Michele Madonna: „Ich hab einen Tellerwäscher gebeten aufzukehren. Er hat verweigert mit der Begründung, das sei nicht sein Job. Ich habe ihn – noch in der Probezeit – gekündigt. Er hat sofort bei der Arbeiterkammer angezeigt, dass ich ihn ungerechtfertigt entlassen hätte. Ich denke, der wollte nicht arbeiten.“ Der achtfache Vater weiß sich zu helfen: „Meine älteren Kinder helfen mit.“ Madonna 32

arbeitet bis zu 17 Stunden am Tag, steht am Herd, wenn der Koch Pause macht und serviert, wenn Not an Servierkräften ist. Wolfgang Stix macht zwei Tatsachen für fehlendes Interesse am GastroWerken verantwortlich: Einerseits die Möglichkeit, dass Arbeitslose dazuverdienen können: „Immer wieder verlangen Interessenten, dass ich sie nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 415 Euro anmelde, damit das Arbeitlosengeld nicht reduziert wird.“ Und andererseits das „überhöhte Arbeitslosengeld. Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz schon gehört hab: ‚Um die 200 Euro, die ich mehr verdiene, wenn ich zu ihnen komme, geh ich nicht arbeiten.“ Den Vorschlag der Gewerkschaft, die Betriebe müssten halt mehr zahlen, findet der Unternehmer unre-

alistisch: „Dann würde das Schnitzl statt 9,90 Euro 19,90 Euro kosten – wer bestellt das dann noch?“ Denn wegen des großen bürokratischen Aufwands und der hohen Nebenkosten seien keine höheren Löhne möglich: „Wenn ich zwei Euro drauflege, kommt beim Dienstnehmer ein Euro an – den Rest fressen Steuern und Lohnnebenkosten.“ Unternehmer Wolfgang Stix bekommt Unterstützung von Nieder­ österreichs oberstem Wirte-Vertreter. Sparten-Obmann Mario Pulker hat auch die Erfahrung gemacht, dass es „zu einfach ist, nicht zu arbeiten. Manche Fachkräfte gehen auf Saison, sind dazwischen arbeitslos gemeldet und verdienen nebenbei bei Festen.“ Und: „Wir können nicht mehr zahlen, wir sind zum Beispiel im oberen

Fehlende Planbarkeit halten Mitarbeiter nicht gut aus. andreas gollner


Wirt sein ist kein Genuss

Lehrlinge dringend gesucht Er bedient seine Gäste auch nach 25 Jahren als Wirt noch immer gern und freundlich – regelmäßig derzeit allerdings nur mehr mittags, abends nur nach Voranmeldung, weil er sich nicht mehr ärgern will: Galerie-Gastronom Robert Langeneder hat in seinem Haubenlokal unzählige Lehrlinge aus-

gebildet. Die letzte hat die Lehrstelle geschmissen, macht jetzt im Wifi das einjährige Pendant zur Lehre. Dafür hat Langeneder kein Verständnis: „Wir finden keine Leute und die Wirtschaftskammer nimmt uns die Lehrlinge weg.“ Das duale Ausbildungssys­ tem mit Schule und Praxis habe sich bewährt, mache die Leute berufstauglich. „Der Staat soll den ausbildenden Betrieben das Geld geben, das er für diese einjährige ‚Lehre’ verwendet“, fordert der Haubenwirt. Der im übrigen in den letzten Jahren eine Erfahrung gemacht hat, die er mit zahlreichen Kollegen teilt: „Das Grundproblem, dass wir keine Mitarbeiter finden, ist ein gesellschaftliches. Viele Jugendliche können sich in den Arbeitsprozess nicht eingliedern, weil sie nie gefordert wurden.“ Wirte-Innungsmeister Pulker, der in Abschlussklassen um Lehrlinge wirbt, formuliert das so: „Manchmal fehlt den Leuten schon der Biss.“ Und weil das auch bei Praktikanten der touris­ tisch ausgerichteten Schulen der Fall sei, hat Ulli Wagner, Eigentümerin der Gaststätte Figl, ein Konzept aufgesetzt. „Das schulische Pflichtpraktikum ist eigentlich ein unternehmerisches Pflichtpraktikum“, argumentiert sie. Minderjährige stünden in der Obhut des Unternehmers, „der ihnen sogar grüßen lernen muss!“ Sie dürften zwar bis um ein Uhr fortgehen, aber nur bis 20 Uhr arbeiten und würden in der Schule nicht auf die Praxis vorbereitet. Daher sei die kollektivvertragliche Entlohnung bei Praktikanten nicht gerechtfertigt: „Kaum ein Betrieb kann sich Praktikanten leisten, weil die Relation zwischen dem Können der Schüler und dem Zeit- und Kostenaufwand für einen Betrieb nicht passt.“ Daher würden Praktikumsplätze und ausgebildete Fachleute immer weniger. Sie könne sich ein über das ganze Jahr verteiltes schulisches Pflichtpraktikum vorstellen, etwa einen Tag im Monat, bei dem die Schüler über die Schule versichert sind. Ulli Wagner: „Ich denke, dann würden die Betriebe wieder gern Plätze für ein Praktikum bereitstellen.“ Und so für Nachwuchskräfte in der Branche sorgen.

wert schätzen

Beate Steiner Samstagvormittag am Markt. „Wollen S’ nix verdienen?“ keift die zwidere Alte in Richtung der beiden Standlerinnen, die emsig und freundlich pralle rote Paradeiser und leuchtend lila Kriecherl abwiegen und zarten grünen Salat über die Theke reichen. „Wollen S’ nix verdienen?“ Die muffige Ansage passt gar nicht zum appetitlich aufbereiteten Stand mit seinen frischen Delikatessen: selbst gepflanzte und geerntete knackige Karotten, selbst gezogene duftende Zwiebeln, selbst gepflückte saftige Apferl und vieles mehr. Klar, dass die Bäuerin ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf der selbst produzierten Lebensmittel verdient. Aber einen wertschätzenden Umgang ihrer Kunden hat sie sich ebenfalls verdient – sie als Person und auch ihr gepflegtes Gemüse. Solch missachtende Töne sind nicht nur am Markt zu hören, sondern überall dort, wo „serviciert“ wird: Die Käuferin sekkiert die geduldige Verkäuferin, der frustrierte Gast den devoten Kellner. Schon nachvollziehbar, dass sich immer weniger junge Menschen zum Beispiel Jobs in der Gastronomie antun wollen, wenn diese solch wenig anziehendes Image haben: Immer freundlich bleiben trotz unfreundlicher Arbeitszeiten, trotz unverschämter Kunden und manchmal auch unausstehlicher Chefs. Kein Wunder also, dass die meisten Absolventen der Tourismus-Schulen gar nicht andenken, in der Gastronomie zu arbeiten. Kein Wunder auch, dass immer weniger Lehrlinge sich zum Gastronomie-Fachmenschen ausbilden lassen, immer mehr gelernte Kellner in anderen Berufen glücklich werden. Motto: „Wenn mich die Gäste nicht gern haben, dann können sie mich gern haben.“ Also, liebe Leute: Lieb sein zum Kellner und zur Kellnerin, sonst müsst ihr Euer Bier bald selber zapfen.

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Foto: hoda Bogdan - fotolia.com

Drittel bei der Lehrlingsentschädigung, ein Koch bekommt 1.800 Euro netto. Man muss das im lebenslangen Vergleich durchrechnen. Was ein Koch vom ersten Lehrtag an verdient hat, kann ein Akademiker nach Abschluss des Studiums kaum mehr aufholen.“ Arbeiterkammer und Gewerkschaft sehen die Schwierigkeiten in der gastronomischen Arbeitswelt naturgemäß anders. „Die Problemfelder in der Gastronomie sind vor allem die Arbeitsbedingungen und die Höhe der Löhne“, argumentiert Jürgen Figerl, Wirtschaftsexperte der Arbeiterkammer. Lage und Länge der Arbeitszeit, höhere Kundenfrequenz und anspruchsvolle Kunden seien ebenfalls schwierig zu bewältigen, genau so wie die schlechte Vereinbarkeit zwischen Beruf und Freizeit beziehungsweise Familie. „Wenn ich am Montag nicht weiß, ob ich am Mittwoch Dienst habe, verursacht das Stress“, weiß Andreas Gollner, Fachbereichssekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Vida. Fehlende Planbarkeit ist das, was Mitarbeiter nicht gut aushalten, betont Gollner, nicht die Arbeitszeit am Wochenende und am Abend. Nicht attraktiv seien auch „geteilte Dienste“ – mittags und abends Arbeit, dazwischen Freizeit, mit der man aber nicht viel anfangen kann. Natürlich sei auch die Bezahlung nicht die beste und das Trinkgeld werde immer weniger. Ganz besonders leiden würden die Mitarbeiter im Gastgewerbe aber unter dem nicht wertschätzenden Umgang, der in Dienstleistungsbetrieben oft gepflogen wird, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch zwischen Gast und Servicekraft. „Ein positives Betriebsklima bringt auch mehr Gäste“, ist Andreas Gollner überzeugt.

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„Wir ham‘ den Blick in der Zukunft!“ So kann man sich täuschen. Als ich an einem trägen Augusttag bei 30 Grad im Schatten eine verwaiste Fachhochschule erwarte, weil die Studenten im mehr oder weniger wohlverdiensten Urlaub weilen, laufen mir in der Aula zahlreiche Kinder über den Weg – die Teilnehmer der VIFKIDSAkademie, eine Ferienaktion der Stadt St. Pölten, im Zuge derer die Youngsters erstmals Hochschulluft schnuppern. Wen es von ihnen dereinst wohl hierher als Student verschlagen wird?

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eschäftsführer Gernot Kohls Weg führte ihn erst im Erwachsenenalter 2001 an die FH St. Pölten, dafür gleich als Vortragenden. Wenn man ihn fragt, wie sich die FH – die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum begeht – seit seinem Einstieg verändert hat, bringt er schmunzelnd einen Vergleich. „Als ich 2001 begonnen habe, gab es eine Begrüßung durch die gesamte Belegschaft in der Kaffeeküche, die kleiner war als mein Büro.“ Wollte man heute einen Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft willkommen heißen, müsste man wohl in den Audimax ausweichen: 300 hauptberufliche und 600 ne-

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benberufliche Mitarbeiter stehen mittlerweile unter Kohls Fittichen. Von den Studenten ganz zu schweigen: Als die Fachhochschule, oder genauer die Gesellschaft zur Durchführung von FH Studiengängen 1996 ihren Betrieb aufnahm, zählte die Institution gerade einmal heiße 60 Studenten! Heute liegt die Zahl bei 2.600, Tendenz weiter steigend. „Es geht Richtung 3.000“, wie Kohl bestätigt. Die helle Vielfalt. Dem ersten Studiengang „Telekommunikation und Medien“ sind über die Jahre sukzessive weitere gefolgt. Heute ist die FH St. Pölten in sechs so-


TEXT: johannes Reichl | Fotos: Hermann rauschmayr

genannte Departments untergliedert und bietet neben 17 Studiengängen auch zahlreiche Lehrgänge an, „wobei ca. 50% der Studierenden im Schwerpunkt Medien unterwegs sind.“ Während manche Departments wie etwa Sozialarbeit und Gesundheit durch externe Entwicklungen (die ehemaligen Akademien wurden zu Hochschulen aufgewertet) hinzukamen, oder – wie im Falle von „Bahntechnologie und Mobilität“ – stark in Kooperation mit der Stadt und den ÖBB entwickelt wurden, „weil St. Pölten hier eine Tradition hat“, sind das Department „Informatik und Security“ oder „Medien und Digitale Technologien“ ureigenste Kreationen. Mit all diesen Angeboten konnte man den Akkreditierungsrat, der beschließt, ob ein Studiengang überhaupt zugelassen wird, überzeugen. Kohl ist diesbezüglich zurecht stolz darauf, dass man in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Fachhochschulen – und da draußen tobt wahrlich ein harscher Krieg zwischen den FH‘s um Studiengänge und Studenten – auch überproportional viele Studienplätze einheimsen konnte. „Mit unseren Angeboten, wie zuletzt etwa Digital Entrepreneurship das mit 2017 startet, Anm. oder etwa Smart Engineering haben wir es gut getroffen. Wir liegen am Puls der Zeit, da deckt sich vieles auch mit den Zielen der Bundesregierung, etwa im Hinblick auf die Start-upOffensive und dergleichen“, skizziert Kohl den Erfolgsweg der FH St. Pölten. Zu den großen Stärken St. Pöltens zähle, „dass wir vielfach breiter gefächert sind als andere FHs“, zudem werde der Forschung große Bedeutung eingeräumt und – was Kohl seiner Hochschule schon sehr früh als strategische Grundausrichtung eingeschrieben hat – „wir legen hohen Wert auf Interdisziplinarität und Durchlässigkeit.“ Spitz formuliert könnte man sagen, die FH St. Pölten will keine Fachtrottel ausbilden, sondern jeder Student soll auch in den Schnittstellen zu den anderen Departments andocken. Diesbezüglich hat die FH drei Kernbereiche oder Lebenswirklichkeiten definiert, die sich durch sämtliche Departments ziehen: Der Kreis „Medien, Information und Kommunikation“, weiters „Gesellschaft im digitalen Zeitalter“ und drittens „Integrierte Mobilität“. Als Beispiel für die Interdisziplinarität nennt Kohl z.B. ein Lernprogramm im Bereich der sogenannten Ganganalyse, eine Diagnose-Methode zur Feststellung von Problemen des Bewegungsapparates. Im Bereich der Gesundheit, genauer der Physiotherapie angesiedelt, hat man in der Schnittstelle zur IT & Medientechnik auch eine eigene Lernsoftware unter dem Titel „GAIT Score“ entwickelt, an der die Studenten durch digitale Anwendung diagnostizieren lernen. „Umso besser und richtiger man liegt, desto weiter steigt man auf, ins jeweils nächste Level, d.h. man eignet sich spielerisch Wissen an, wofür man normalerweise jahrelang direkt am Patienten arbeiten müsste, um eine derartige Erfahrung zu sammeln.“ Ein anderes Schlagwort diesbezüglich ist „digital healthcare“, das an der FH groß geschrieben wird „weil die Technik

im Gesundheitsbereich immer wichtiger wird. Da kommt viel auf uns zu, von Apps über Medienanwendungen bis hin zu speziellen Tools“, ist Kohl überzeugt. Kurz gesagt: Wer sich heute im Gesundheitsbereich ausbilden lässt, muss ebenso Fähigkeiten in der digitalen Anwendung und in Fragen der Kommunikation aufweisen. Die FH kann diese Interdisziplinarität durch ihr Angebot ideal anbieten, wobei für Kohl die eigentliche Herausforderung im Hinblick auf die Fortentwicklung der Bildungsinstitution darin besteht „die Studenten auf das vorzubereiten, was sie in fünf Jahren nach dem Studium brauchen.“ Kurzum – um es mit FALCO zu formulieren: „Wir ham‘ den Blick in der Zukunft.“ Kohl verlässt sich dabei nicht nur auf sein Bauchgefühl und seine eigenen Erfahrungen bzw. jene seiner Kollegenschaft, sondern ebenso notwendig sind die Einbindung der Wirtschaft und der Wissenschaft. Zur Entwicklung von Studiengängen wird etwa an der FH stets ein „großes Entwicklungsteam“ genau aus diesen Gamblern zusammengestellt, um zu gewährleisten, dass man einerseits nicht am Bedarf der Wirtschaft und Industrie vorbeiproduziert, andererseits aber auch auf wissenschaftlichen Grundlagen und Prognosen fußend Entwicklungen vorwegnehmen und integrieren kann. Dass die FH ihre Sache diesbezüglich offensichtlich nicht so schlecht macht, beweisen nicht nur bereits erwähnte überproportional zugelassene Studienplätze, sondern vor allem auch das Faktum, dass St. Pöltner FH-Absolventen am Arbeitsmarkt begehrte Arbeitnehmer sind. Ohne Forschung geht’s nicht. Forschung wird aber selbstredend nicht nur von außen geholt, sondern Kohl bekennt sich ganz klar zur FH als Forschungsstätte. „Ein Hochschulstudium braucht Forschung“, stellt er diesbezüglich unmissverständlich klar, auch wenn dies von den Universitäten, denen die Forschungstätigkeit der Fachhochschulen zusehends ein Dorn im Auge ist, nicht gern gehört wird. Zwar gibt es vom Gesetzgeber her eine

MEDIEN-AFFIN. Über 50% der Studierenden sind im Sektor „Medien“ unterwegs, das Angebot ist aber mittlerweile vielfältigst.

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AUF DER ÜBERHOLSPUR. Praxis wird auf der FH seit jeher großgeschrieben, DI Kohl bekennt sich aber ebenso klar zur Forschung.

Art Trennung – die Grundlagenforschung soll an den Universitäten erfolgen, die angewandte, wenn man es so nennen möchte, auch an den FHs – „aber in Wahrheit verschwimmen die Grenzen und der Konflikt als solcher erscheint mir eher künstlicher Natur zu sein, wo es schlicht um die Verteilung der Mittel geht.“ Also ums schnöde Geld. Kohl möchte den Unis in diesem Konnex auch gar nichts wegnehmen, würde sich vom Gesetzgeber aber einen rationalen Zugang in dem Sinne wünschen, „dass die grundsätzliche Frage ja lauten sollte, welche jeweilige Institution die Forschungsaufgabe am sinnvollsten und bes­ ten erfüllen kann. Das wird in einem Fall eine Universität sein, in einem anderen – ich denke da auch an Bereiche, die so gar nicht an den Universitäten gelehrt werden – eben eine Fachhochschule.“ Konsequent fordert er in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit eines Doktoratsstudiums an den FHs – bislang rein den Universitäten vorbehalten. „Es gibt Bereiche, wo wir locker mit der Uni-Ausbildung mithalten können, wo viele Lehrende habilitiert sind. Und es gibt auch seitens der Industrie die konkrete Forderung nach einem wirtschaftsnahen professional doctorate, wie es bereits in anderen Ländern besteht. Wir stellen uns diesbezüglich gerne jeder Evaluierung und Akkreditierung, damit die hohen Kriterien erfüllt werden.“ Letztlich gehe es in der Frage Uni gegenüber FH ohnedies um eine nationale Gesamtstrategie – diesbezüglich würde das Ministerium bereits an Plänen für die Hochschule der Zukunft arbeiten, „wie sollen also die Fächer sinnvoll aufgeteilt, wo die Studienplätze angesiedelt werden.“ Kohl hofft auf nüchterne Zugänge abseits jedweder Standesdünkel. Dass in Österreich in Sachen Fachhochschulbildung jedenfalls noch Luft nach oben ist, untermauert er mit konkreten Zahlen. „Europaweit, etwa in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz etc., liegt der Anteil der Studierenden an FHs bei 30-40%. Bei uns in Österreich liegt er aktuell bei ca. 13%!“

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Campus der Zukunft. Tendenz freilich – ein Blick auf St. Pölten genügt – steigend, weshalb die FH schon wieder aus allen Nähten platzt und ein Zubau zum erst 2007 eröffneten Campus nottut. Die 30 Millionen Euro teure Erweiterung wurde per einstimmigem Gemeinderatsbeschluss schon auf Schiene gebracht, aktuell läuft der Architektenwettbewerb. „Vom Zeitplan her möchten wir 2019 den Zubau beziehen, wobei es nicht darum geht, einfach nur dazu zu bauen, sondern wir wollen den Campus der Zukunft gestalten“, hält Kohl fest. Was auf den ersten Blick hin vielleicht wie ein nettes Schlagwort aus dem Marketing-Handbuch klingt, ist an der FH handfest hinterlegte, zum Teil sogar schon umgesetzte Strategie. „Wir haben ein großes internes Projekt laufen, bei dem wir die Mitarbeiter und Studierenden im Zuge von Zukunftsworkshops um ihre Inputs gebeten haben.“ Außerdem ist man auf Factfinding Mission in anderen Hochschulbauten unterwegs. Prinzipiell geht es darum, sich von starren, wenn man so will rückwärtsgewandten Vorstellungen eines klassischen Lehrgebäudes zu lösen. So wurde klar, dass der Arbeitsplatz der Zukunft mit viel höherer Mobilität verbunden sein muss. „Manchmal braucht man Ruhe und damit einen Ort, wohin man sich zurückziehen und allein arbeiten kann, ein anderes Mal tut hingegen Kommunikation not, wo es also offene Bereiche geben sollte.“ Das neue Ge-


„Wir ham‘ den Blick in der Zukunft!“

bäude soll beides bewerkstelligen, die Mitarbeiter bewegen sich darin flexibel und sind nicht nur mehr an einen einzigen Arbeitsplatz gebunden. Kohl redet diesbezüglich im Übrigen nicht aus der Theorie, sondern kann schon Erfahrungen aus der Praxis vorweisen. „Unsere Raumsituation erforderte, dass ein Department komplett ausgelagert werden musste – das betraf damals die Sozialarbeit. Die Mitarbeiter waren damit im ersten Moment wenig glücklich, so nach dem Motto ‚Warum gerade wir?‘ Wir haben sie dann aber in die Planungen miteinbezogen, wie sie am Ausweichstandort die Büros gestalten möchten, was für sie Sinn macht. Und siehe da – bei der jüngsten Mitarbeiterbefragung waren just die Mitarbeiter dieses Departments am zufriedensten mit den Arbeitsbedingungen. Diese konkreten Erfahrungen werden natürlich in die Beauftragung mit einfließen.“ Was für die Mitarbeiter gilt, hat nicht minder Relevanz für die Studierenden. Schon jetzt sorgt das in einigen Bereichen gelebte „Blocklehrsystem“ der FH für Anerkennung und auch „Abkupfern“ durch andere Bildungseinrichtungen. So hat man sich in manchen Bereichen vom klassischen Stundenplan komplett gelöst und arbeitet dahingegen über mehrere Wochen an nur einem Gegenstand oder Projekt. „Dadurch, wie Evaluierungen belegen, schneiden die Studenten bei den Prüfungen besser

ab – weil sie offensichtlich fokussierter sind, Zusammenhänge besser begreifen – es bleibt einfach mehr hängen.“ Im Wechselspiel zu neuen didaktischen Wegen, welche immer seltener dem Paradigma des klassischen Frontalunterrichts folgen, müssen selbstverständlich auch die räumlichen Bedingungen angepasst werden. Kohl spricht diesbezüglich vom „inverted classroom“. So erfolgt der Theorieunterricht vielfach mittlerweile im Selbststudium zuhause – etwa in Form von Videos, im Zuge dessen sich die Studierenden im eigenen Tempo ein erstes Grundrüstzeug aneignen. An der FH selbst wird dann in Labors anhand von konkreten Fallbeispielen gemeinsam die Materie vertieft. Der konventionelle Klassenraum mit Katheder an der Front ist damit obsolet – die Tische sind mobil, um flexibel jeweils verschiedene Kleingruppen bilden zu können, der Vortragstisch rückt in die Mitte. Diese „Bildungsräume“ sind aber nicht nur auf die Seminarräume im engeren Sinne beschränkt, sondern der Campus der Zukunft soll in seiner Gesamtheit zum Le(h)rnraum werden und verfügt deshalb auch über Lerncafés und Lernlabore. „Das gesamte Umfeld soll dem Lernen in höchstem Maße förderlich sein“, so Kohl. Schon jetzt hat man deshalb die FH für die Studenten „24 Stunden an 365 Tagen geöffnet.“ Mit ihrer Card können die Studierenden die diversen Labore auch während ihrer Freizeit zum Forschen und Experimentieren nutzen – mit hohem Mehrwert für Studierende wie FH gleichermaßen, haben doch derart entstandene „Privatprojekte“ schon manch Preis abgestaubt. Als ich die FH verlasse, haben sich die VIF-Kids gerade zum Gruppenfoto versammelt. Geschätzte 100 Kinder – unser, um es einmal etwas nüchtern soziologisch auszudrücken, Humankapital der Zukunft. Dass man in der FH aktuell die Weichen auch für einen Teil dieser Kinder stellt, auf dass sie dereinst ihr Potenzial bestmöglich ausschöpfen können, ist für mich als Vater eines bald siebenjährigen Sohnemannes, der gerade erst das Abenteuer Schule in Angriff nimmt, ein absolut beruhigendes Gefühl.

VIFKIDS. Manches dieser Kinder wird wohl dereinst die FH St. Pölten besuchen, wo man gerade den Campus der Zukunft plant.

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„Wir ham‘ den Blick in der Zukunft!“

Steuermann mit Weitblick Gernot Kohl ist Baujahr 1970 und wurde in Waidhofen/Ybbs geboren, verbrachte aber seine Volksschulzeit in Eisenerz, wohin die Familie zog „weil der Papa dort Förster war.“

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it 14 Jahren verschlug es ihn zurück in die alte Heimat, besuchte er doch die HTL für Maschinenbau in Waid­ hofen und lebte fortan überwiegend „im Kolpingheim, weil die Fahrtstrecke in eine Richtung nach Eisenerz über zweieinhalb Stunden bedurfte.“ Sehr von Heimweh geplagt wurde der Junior aber nicht wirklich, wenn man es richtig heraushört. „Im Nachhinein würde ich es wieder genauso machen. Mir hat das Internatsleben getaugt, wir hatten eine tolle Klassengemeinschaft.“ Zudem war Kohl ein sehr guter Schüler, was die Schulzeit auch aus dieser Sicht stressfrei gestaltete. „Ich hatte immer lauter Einser.“ Außerdem jobbte er bereits während der Schulzeit, u.a. als Portier im Kolpingheim. Nach der Matura stand Kohl vor der Frage, welchem seiner Interessen er den Vorzug geben sollte: der Technik oder der Wirtschaft. Er entschied sich quasi für beides und inskribierte sowohl an der TU Wien Maschinenbau als auch an der Wirtschaftsuni Betriebswirtschaftslehre. „Aber nach ein paar Monaten wurde mir klar, dass beides gleichzeitig nicht geht.“ Da ihn der Massenbetrieb an der WU eher abschreckte, verlegte sich Kohl ganz aufs WU-Studium „auch weil es im zwei Abschnitt die Option gab, sich in Wirtschaftsingenieurswesen zu vertiefen.“ Schon unmittelbar nach Absolvierung des ersten Studienabschnittes lud ihn ein Uni-Assistent ein, seine Diplomarbeit zu beginnen. Konkret ging es um eine Kooperation zwischen TU und einem Unternehmen in Sachen Qualitätssicherungssystem – „hierfür war ich vier Monate direkt im Unternehmen tätig, das war mein konkreter Einstieg ins Arbeitsleben“.“Aus dem er auch

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nicht mehr herauskommen sollte – fortan gehörte das Arbeiten fix zum Alltag. Ein besonderes Erlebnis war diesbezüglich ein viermonatiger Trip mit Studienkollegen in die USA „im Zuge dessen wir Reisen für amerikanische Studenten nach Europa verkauften – wir wurden pro Abschluss bezahlt.“ Die Jungs grasten das Land von Chicago abwärts ab, Uni für Uni, affichierten Plakate. „Wir sind rund 40.000 Kilometer gefahren und haben viel gesehen – das war eine spannende Phase!“, schwelgt Kohl. Spannend bleibt es aber auch nach seiner Rückkehr. Kohl heuert halbtags bei Landis & Gyr an, nebenbei schließt er sein Studium ab. Ebenfalls parallel dazu begann er seine Vortragstätigkeit, etwa am WIFI zur ISO 9.000. Und auch der Zivildienst, den er in einem Spital ableistet, ging sich irgendwie aus, „ich musste dafür die anderen Sachen nicht aufgeben!“ 1998 gründete Kohl mit zwei Partnern eine eigene Unternehmensberatungsfirma. „Das war eine extrem intensive Zeit. Ich hab sicher 3.500, 3.600 Stunden im Jahr gearbeitet, weil wir immer irgendwo anders hin mussten – einmal nach Deutschland, dann wieder nach Russland, Serbien etc.“ Obwohl es prächtig läuft „und ich gewaltig verdient habe“, zieht Kohl – mittlerweile verheiratet – die Reißleine. „Ich war bis 2001 dabei – die Firma selbst gibt es noch immer. Aber es ist unser erstes Kind gekommen, und mir wurde klar, dass ich dieses Leben auf Dauer nicht weiterführen möchte.“ In Sachen Familylife wohl der richtige Schritt „denn beide ehemaligen Kollegen sind mittlerweile geschieden“, lacht Kohl. In Folge intensiviert er seine Vortragstätigkeit mit Hauptfokus Qualitätsmanagement, lehrt an der Donau Uni Krems, am WIFI, an der TU

Wien und stolpert 2001 auch über ein Inserat der FH St. Pölten „wo nebenberuflich eine Stelle als Lehrbeauftragter ausgeschrieben war.“ Beim Vorstellungsgespräch sitzt Kohl einem gewissen Matthias Stadler, damals FH-Prokurist, gegenüber, der ihn am liebsten gleich Fulltime engagieren möchte. Und auch wenn Kohl zunächst nur mit 20 Stunden als Lehrbeauftragter im Studiengang Medienmanagement beginnt, wird die Verpflichtung schleichend mehr. Als die FH ein Qualitätssicherungssystem implementieren möchte, ist selbstredend Kohl der prädestinierte Mann als Referatsleiter dafür, und als der Studiengangsleiter der Medienmanager abhandenkommt, übernimmt Kohl interimistisch auch dessen Job „womit ich voll drinnen war.“ Spätestens mit Übernahme der Geschäftsführung 2004 ist es dann sowieso endgültig um Kohl in Sachen FH geschehen. Seither führt er den Bildungs-Tanker durch die nicht immer leichten Hochschulgewässer, verblüfft dabei aber mit souveräner und erfolgreicher Steuerung. Privat hat der zuvor lange in Wien wohnende Kohl im Übrigen auch mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen seit 2006 in St. Pölten angelegt „und darüber bin ich sehr froh, weil einfach das Umfeld hier passt und die Stadt für eine Familie absolut lebenswert ist.“


MFG ADVERTORIAL

MAGISTRAT ST. Pölten

10 Jahre „Plattform“ und St. Pölten Marketing GmbH

Als St. Pölten in Bewegung kam Bei „Talks & Grill“ begingen Plattform stp2020 und die St. Pölten Marketing GmbH ihren 10. Jahrestag. 10 Jahre, in denen die beiden Einrichtungen – entstanden in Folge des Aufbaus der Wirtschaftsservicestelle ecopoint – viel mitinitiiert und mitgestaltet haben. Jahre, in denen die Innenstadt insBesonders und St. Pölten um vieles stärker geworden ist: um Tausende Einwohner (und Studierende), um 25 Prozent mehr an Betrieben, jährlich um rund 7 Millionen Euro an Budgetkraft … St. Pölten wächst weiterhin überdurchschnittlich. Unser Auftrag ist es, die Chancen zu nützen und mögliche Schattenseiten rechtzeitig hintanzuhalten“, bringt Bürgermeister Matthias Stadler die Herausforderung auf den Punkt. Und im Zusatz: „Genau darin liegt für St. Pölten der enorme Wert von Plattform und Marketing GmbH!“ Eine Gemeinsamkeit, die auch im kurzweiligen Programm des Abends ihren Ausdruck fand: Seite an Seite stellten sich Bürgermeister, Plattform-Obmann Dr. Josef Wildburger, Marketing GmbH-Chef DI (FH) Matthias Weiländer und prominente Wirtschaftstreibende aus St. Pölten wie Franz König (Nico), Bernhard Prosser (Egger Bier), Johannes Reichl (mfg das Magazin) und Mario Winkler (Immo Central) den Themen und Fragen des Top-Journalisten Hubert Wachter: 1. Vom Nebeneinander zum Miteinander in Wirtschaft & Stadt? 2. Vom Industrie-Ausläufer zum Modernisierungs-Teilhaber? 3. Vom Dornröschen zum Tapferen Schneiderlein bei Immobilien & Werten? 4. Von der Verlegenheit zum Stolz, St. Pöltner/in zu sein? „Die Plattform stp2020 hat vor 10 Jahren die Kräfte von Stadtverwaltung und Wirtschaft gebündelt – und damit konnte die Erfolgsgeschichte St. Pölten ihren Anfang nehmen“, verdeutlicht Obmann Josef Wildburger. In Folge festigte sich rund um die ab 2004 entwickelte

Wirtschaftsservicestelle ecopoint rasch eine effiziente Struktur, um die Stadtentwicklung in Bewegung zu bringen – und auch professionell umzusetzen. Meilensteine wie die Erarbeitung langfristiger Zielvisionen für die Stadt und der Masterplan für die Innenstadt entstanden daraus. „Der deutliche Anstieg der Kommunalsteuer-Einnahmen bald nach der Gründung der Plattform macht klar, warum wir diesen Weg gewählt haben – und warum wir ihn weitergehen wollen!“ ergänzt Wildburger. Die Marketing GmbH – als gemeinsame „Umsetzungsagentur“ von Plattform und Stadt – hat diesen Schub erst möglich gemacht: Indem sie für die insBesondere Innenstadt wie für den Gesamtstandort Strategien in Ideen übersetzt und realisiert, Sponsoren akquiriert und Aktivitäten organisiert hat. Zufrieden zeigt sich Geschäftsführer Matthias Weiländer vor allem mit der ständig weiter steigenden Professionalisierung der Arbeit: „Wir haben gelernt, aus beschränkten Budgets sehr viel für die Stadt, ihre Betriebe und die Bewohner herauszuholen!“ Das Vorzeigemodell St. Pölten wird zunehmend herumgereicht, so erleben es sowohl Wildburger als auch Weiländer. Woran sie das festmachen? Beide Herren verbuchen seit einigen Jahren zunehmend häufige Einladungen, um die „Case Study St. Pölten“ auf Fachtagungen national wie international – darunter auch in Berlin – zu präsentieren.

Plattform stp2020 Obm. Josef Wildburger und Obm. Stv. Ulli Wagner sowie Marketing GmbH GF Matthias Weiländer mit ihren Gesprächspartnern beim „Talks & Grill“, das Journalistenlegende Hubert Wachter moderierte. Angestoßen wurde selbstredend mit St. Pöltner Bierköstlichkeiten von EGGER. MFG 09.16

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SHORTCUT KULTUR

Markig

Thomas Fröhlich Die katalanische Stadt Sitges liegt etwa 60 Kilometer von Barcelona entfernt, hat geringfügig weniger Einwohner als St. Pölten und erfreut sich des Rufes eines Ortes, in dem Jazz-, Klassik- und Filmfestivals einander mit farbenfrohen (Gay) Parades abwechseln. Dazu verfügt es über vier große Museen, zahlreiche namhafte Galerien und eine beeindruckende historische wie zeitgenössische bildende Kunstszene. Was das mit St. Pölten zu tun hat? Einiges. Vergleicht man beide Städte, drängen sich Parallelen auf: etwa die Nähe zur Großstadt (hier Wien, dort Barcelona), landschaftliche Schönheit im Hinterland (Wachau, Garraf) und ein reges kulturelles Leben. Gut, mit einem Strand kann St. Pölten nicht aufwarten, dafür mit einem traumhaften Seenerlebnis. In Sitges hat man es allerdings geschafft, sich selbstbewusst als Kunst/ Lifestyle-Marke zu etablieren: In Cineastenkreisen etwa erntet man neidische Blicke, wenn man von einem geplanten Besuch des Festival Internacional de Cinema de Catalunya, dem größten europäischen Festival des Fantastischen Films, spricht.

Foto: madgooch - Fotolia.com, America‘s got Talent, zVg

Nicht nur im Hinblick auf eine Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt wäre etwas Markenbewusstsein auch in St. Pölten angeraten. Die ausgetrommelte Tatsache, dass unsere Stadt „wächst“, trägt allein wohl kaum zu nachhaltiger urbaner Identität bei. Michaela Steiner arbeitet derzeit in Privatinitiative mit einem tollen Team an einem tragfähigen Konzept – und es bleibt zu hoffen, dass sie die politische Unterstützung erfährt, die’s braucht. Zurufe aus dem Umfeld der Landesregierung, die St. Pölten in Bausch und Bogen als „kleinkariert“ und „ohne Committment“ bezeichnen, sind hingegen so notwendig wie ein Kropf.

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It’s magic

Magierweltmeister sind sie seit letztem Jahr, nun entern Thommy Ten & Amélie, beide in St. Pölten geboren, die USA. Bei der NBC Castingshow „America’s got talent“ sind sie mittlerweile bis ins Semifinale vorgedrungen. „Diese Möglichkeit, ganz Amerika deine Leidenschaft zu präsentieren, ist einmalig“, schwärmt Thommy und fügt angesichts bis zu 16 Millionen Zusehern hinzu: „Mitten in Hollywood in einer der größen TV Shows Amerikas auftreten zu können, ist definitiv nicht alltäglich!“ Wohl auch nicht, Juroren wie Mel B oder Heidi Klum in Bann zu ziehen, was aber bislang mit Bravour gelingt. „Wir werden auf der Straße angesprochen, manchmal bleiben sogar Autos stehen!“, schmunzelt Thommy und verrät schon den nächsten Coup. „Diesen Winter werden wir sechs Wochen am Broadway in New York auftreten. Mitten am Times Square im Lunt Fontain Theatre.“ Möglicherweise die ersten St. Pöltner überhaupt am Broadway. Vorher beehren Sie aber ihre Heimat, am 1. Oktober das VAZ St. Pölten. Hat doch was: Hollywood – New York – St. Pölten … magisch!

Sherlock-Stammtisch Seit seinem ersten literarischen Auftritt vor 129 Jahren hat Sherlock Holmes Unsterblichkeit erlangt, obwohl – oder weil – er eine sehr ambivalente Gestalt ist, die Gerechtigkeitssinn, Arroganz, Mut und die Liebe zu berauschenden

Substanzen zu verbinden weiß. Am 21. September findet nunmehr im Vinzenz Pauli ab 18.30 Uhr der I. St. Pöltner Sherlock Holmes-Stammtisch statt, organisiert von Thomas Fröhlich (Deutsche Sherlock Holmes-Gesellschaft). „Das bedeutet ein gemütliches und zwangloses Beisammensein für alle an Holmes, Literatur, viktorianischem Lifestyle etc. Interessierten“, so Fröhlich. Als Gast ist übrigens der preisgekrönte Fotograf Gerald Axelrod eingeladen, dessen Buch „Sherlock Holmes und der Fluch von Baskerville“ soeben erschienen ist. Sherlockianische oder viktorianische Kleidung (Steampunk!) ist gern gesehen, aber kein „must“. Das Spiel kann beginnen…


ADVERTORIAL FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN / BÜHNE IM HOF

Bunter Herbst im Festspielhaus

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in reicher Strauß an Veranstaltungen erwartet die BesucherInnen in diesem Herbst im Festspielhaus St. Pölten. Von klassischem Ballett über Flamenco und zeitgenössischem Circus bis hin zu Rock´n´Roll und Soul!

Den Auftakt macht die frankokanadische Circus-Gruppe Les 7 doigts de la main (30.9. & 1.10.) mit ihrer atemberaubenden Show „Cuisine & Confessions“. In einer dampfenden Küche laufen die „sieben Finger einer Hand“ zu akrobatischen Höchstleistungen auf, es wird gebacken und getanzt, gelebt und geliebt. Serviert wird zeitgenössischer Circus für die ganze Familie auf höchstem Niveau. Eine Familienband lässt am 2. Oktober den guten alten Rock´n´Roll wieder aufleben. In der Tradition legendärer MusikerInnen wie Louis Armstrong, Ray Charles oder Nina Simone haben sich die Londoner Geschwister Kitty, Daisy & Lewis ganz dem Rockabilly, Swing und Bluegrass verschrieben. Flamenco in seiner reinsten Form verkörpert Farruquito, Erbe der berühmten Farruco-Dynastie. Seine präzise Technik sowie sein fesselndes Charisma machen den Abend „Pinacendá“ am 5. November zu einem herausragenden Tanzereignis. Gemeinsam mit seinen Musikern begibt sich der Flamenco-Star auf einen Streifzug durch jede der acht andalusischen Provinzen und verneigt sich so vor seiner Heimat. Mit Haut und Haar lebt die aufregende Newcomerin Kovacs, wie ihre Vorbilder Billie Holiday und Janis Joplin, für die Musik. In ihrer niederländischen Heimat längst ein Superstar, bringt die Sängerin mit ihrer außergewöhnlich dunklen Stimme am 5. November abgrundtiefen Soul ins Festspielhaus. In seiner Produktion „Y Olé!“ bringt der französische Choreograf José Montalvo am 26. November Flamenco mit klassischem Ballett, afrikanischem Tanz und Hip-Hop zusammen. Ein choreografischer Glücksmoment voller Lebensfreude, in welchem sogar „Le Sacre du Printemps“ jeden Schrecken verliert. Märchenhaft schön zeigt sich das Festspielhaus pünktlich zur Adventzeit: In der Interpretation des Chinesischen Nationalballetts wird am 10. und 11. Dezember das wohl schönste Weihnachtsballett, Tschaikowskis „Der Nussknacker“, in die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr verlegt. Ein fantastisches, bildgewaltiges Spektakel für Groß und Klein. TICKETS bei niederösterreich kultur karten, 02742 / 90 80 80 600, karten@festspielhaus.at www.festspielhaus.at

Tatort Bühne im Hof „Inspektor gibt’s kan!“ Dieser Satz ist in den österreichischen Allgemein-Wortschatz eingegangen, ausgesprochen vom coolsten TVKommissar, der je über Österreichs Bildschirme flimmerte: Major Adolf Kottan. Vor 40 Jahren hoben Helmut Zenker und Peter Patzak den KultKieberer aus der Taufe, um damit auch in den Abgründen der österreichischen Seele zu wühlen! Nun hat sich Nestroy-Preisträger Nikolaus Habjan des Stoffes angenommen und lässt in einer Ko-Produktion mit dem Rabenhof Theater Wien seine genialen Puppen am 14. und 15. Dezember auch in der Bühne im Hof tanzen. Selbstredend, dass bei „Kottan ermittelt“ alle Kultcharaktere der Serie vorkommen. In einem grotesken Set, zwischen „American Horror Stories“ und dem „Dritten Mann“ angesiedelt, sind sie dem „Hannibal Lector“ aus Hernals auf den Fersen – wenn sie nicht gerade in „Kottans Kapelle“ musizieren. Schlicht genial! Bereits einige Wochen vorher, am 26. November, beehrt ein anderer berühmter Fernsehkommissar – ganz in zivil – die Bühne im Hof. Der hinter dem Münchner Tatort-Kommissar Batic stehende Schauspieler und Musiker Miroslav Nemec liest aus seiner Autobiografie „Miroslav Jugoslav“, wobei der geniale Musiker selbstredend auch zur Gitarre greifen wird. Nemec erinnert sich an den kroatischen, in PatchworkFamilienverhältnissen zwischen Zagreb, Adria, Ober- und Niederbayern aufwachsenden Lausbuben der Kindheit, an die Lehrjahre während des Musik- und Schauspielstudiums in Salzburg und Zürich sowie an die Theaterarbeit an zahlreichen Bühnen. Ein prall gefülltes Leben voll herrlicher und witziger Anekdoten. www.buehneimhof.at

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MFG KULTUR

Marie Rötzer

Seismograph am Puls der Zeit

Mit ihrem Erstlingsprogramm, in dem es um Flucht, Heimat, Identität bis hin zur Frage unseres Verhältnisses zur Türkei geht, liegt die neue künstlerische Leiterin des Landestheaters, Marie Rötzer, derart am Puls der Zeit, dass es fast schon unheimlich ist. Insbesondere, wenn man weiß, dass es in Grundzügen bereits Anfang 2015 entstand, als wir uns hierzulande noch auf der Insel der Seligen wähnten. Sie beginnen Ihre erste Saison mit einem Stück über ein Flüchtlingsschicksal: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall.“ Hat sich das angesichts der vorjährigen Entwicklungen aufgedrängt? Bevor es im Sommer des Vorjahres zur ersten großen Flüchtlingsbewegung kam, hatte ich mir im Vorfeld überlegt, welche Themen und Inhalte für St. Pölten und Niederösterreich passen könnten, und bin dann schnell auf den wunderbaren Roman von Ilija Trojanow gekommen. Es geht darin um die Flucht einer Familie in den vermeintlich Goldenen Westen sowie die darauffolgende Desillusionierung. Das Ganze mündet aber zuletzt – was für das Theater dankbar ist – in eine wunderbare 42

Fantasiereise, die den Protagonisten Alex und seinen Taufpaten rund um die Welt führt. Und erst auf dieser emanzipiert er sich, erfährt eine Art Befreiungsprozess und findet seine eigenen Wurzeln. Hilft nur die Flucht in die Fantasie, um derlei Erfahrungen zu überstehen – und ist es wichtig, die Zuschauer damit zu konfrontieren? Wenn man nicht in Not ist, kann man kaum nachvollziehen, was das wirklich heißt: flüchten müssen, die Heimat verlassen, eine neue Heimat suchen. Natürlich lesen wir davon in den Zeitungen, sehen die Bilder im Fernsehen, und verbinden oft Gefühle der Ohnmacht damit. Und da ist das Theater ein Ort, der uns

individuelle Schicksale besser und unmittelbarer vermitteln kann. Zugleich hat mir bei Trojanow gefallen, dass sein Buch weder Anklage erhebt noch vor Moral oder Pathos trieft. Ganz im Gegenteil, er schildert in seiner wunderbar poetischen Sprache viele Szenen – etwa den Alltag im Flüchtlingslager – voller Humor. Das ist das pralle Leben! Und da ist diese schöne Botschaft am Ende, dass man keine Angst vor einer grenzenlosen Welt haben soll. Das trifft doch genau den Nerv unserer Zeit. Begreifen Sie das als eine Grundaufgabe des Theaters, dieses Fühlen am Puls der Zeit? Ich verstehe Theater nicht als Erziehungs- oder Moralanstalt, wo


TEXT: johannes reichl | Fotos: matthias köstler

mit dem erhobenen Zeigefinger gewunken wird. Im Theater geht es ja nicht um eine Heilslehre oder einen Bildungsauftrag wie bei einer Volkshochschule, sondern es geht vor allem um ein sinnliches Erlebnis. Ich glaube aber sehr wohl, dass man aus einem Theater als ein anderer Mensch herauskommt als man hineingegangen ist. Wobei es ja am spannendsten wird, wenn das Gesehene im Unterbewusstsein nachwirkt und sich dadurch unmerklich das Bewusstsein, der Blick auf die Welt, verändert. Im Grunde, so geht es mir zumindest, erlebt man ja Stellvertretergeschichten. Man wird mit dem Unbekannten, mit dem Fremden konfrontiert, kann sich in andere Rollen denken, einen anderen Blickwinkel einnehmen und das Dargebotene auch aus dieser neuen Perspektive reflektieren. Ein bisschen wie bei einer Therapiesitzung, wo man begreift, dass das Leben vielfältig und vielschichtig ist, es also nicht nur die eine Tür gibt, sondern vielleicht auch noch eine zweite und dritte. Ein weiterer zentraler Themenkreis Ihrer ersten Spielzeit dreht sich um „Heimat“. Das ist nicht minder aktuell, wenn wir uns anschauen, wie die zwei Präsidentschaftskandidaten aktuell um die Deutungshoheit gerade dieses Begriffs buhlen. Warum erlebt „Heimat“ eine solche Renaissance? Ich glaube, das hängt zum Teil damit zusammen, weil es in unserer modernen Welt der Mobilität, der Digitalisierung, des Internets diesen einen fixen Bezugspunkt, wie man ihn früher kannte, oft nicht mehr gibt. Viele arbeiten anderswo, müssen wegziehen, die Welt ist stetig in Bewegung – dadurch ist der Begriff „Heimat“ in seiner Gesamtheit nicht mehr haltbar, was viele Menschen auch als bedrohlich empfinden. Ich habe mich mit der Frage, was für

mich Heimat ist, intensiv auseinandergesetzt, weil ich nach zehn Jahren in Deutschland jetzt wieder nach Österreich zurückgekehrt bin. Dabei habe ich festgestellt, dass es nicht nur eine Heimat, sondern viele verschiedenen Heimaten geben kann. Für mich hängt das vor allem mit Menschen zusammen, Heimat ist auch immer da, wo Freunde und Familie sind. Für einen anderen, das kann ich auch nachvollziehen, kann es auch eine Landschaft sein. Letztlich ist Heimat aber schwer zu definieren und im Grunde genommen für jeden etwas anderes. Diese Heterogenität spiegelt sich ja auch in Ihrem Programm wider, durch das sich Heimat wie ein roter Faden zieht. Es scheint, als würden Sie sich an dem Begriff geradezu abarbeiten. Ein Spielplan soll immer eine Art Rhizom sein, ein Geflecht, wo ein Thema ins andere übergeht und miteinander zusammenhängt. In unseren Stücken begegnen wir Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, und sich an einem anderen Ort ein besseres Leben erhoffen. Es gibt aber auch solche, wie etwa in „Roppongi“ von Josef Winkler, die ganz bewusst aus der Heimat ausbrechen, weil sie ihnen zu eng geworden ist. Im „Goldenen Vlies“ wiederum begegnet uns mit Medea eine Frau, die aus Liebe ihre Heimat verlässt, alles aufgibt – auch ihren Status als Königin – und in der Fremde dennoch keine neue Heimat finden kann.

damit für ein Vagabunden-Leben entscheide. Wenn man am Theater arbeitet, gibt es keinen längerfristig festen Wohn- und Lebensort, sondern man reist von einer Station zur nächsten. Es gibt aber glücklicherweise so etwas wie eine große Theaterfamilie. Eine besondere, aus seiner Sicht idealtypische Welt hat auch Thomas Morus in „Utopia“ entworfen und damit gleich ein ganzes literarisches Genre begründet. Aber gibt es sie tatsächlich, diese Orte, oder ist die Utopie immer schon von vornherein zum Scheitern verurteilt? Ich glaube, es gibt diese Orte, wo verschiedene Kulturen, Ethnien, Lebensweisen friedlich koexistieren. Für mich waren das immer Städte – insbesondere vor 9/11 – wie London, New York, lange Zeit auch Paris. Diese Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens hat mich immer fasziniert. Da hat man sich keine Gedanken gemacht, dass jemand eine andere Kultur hat, eine andere Hautfarbe. Im Gegenteil. Man geht in ein indisches Lieblingsrestaurant, lässt sich beim türkischen Friseur die Haare schneiden und holt seine Zeitung beim pakistanischen Kiosk. Für mich ist das eine schöne Form des Zusammenlebens. Für derlei Utopien scheint aber aktuell kein guter Boden zu sein

Wie war das in Ihrem ganz persönlichen Fall – Sie kommen ja aus Mistelbach, quasi aus der Provinz, und sind dann in die weite Welt hinausgezogen. Ich bin zunächst zum Studium nach Wien gegangen. Als ich mich dann für den Theaterberuf entschieden habe, war mir klar, dass ich mich

Ich glaube aber sehr wohl, dass man aus einem Theater anders herauskommt als man hineingegangen ist. Marie Rötzer MFG 09.16

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MFG KULTUR

– wir erleben eher ein Rückschlagen des Pendels in Nationalismus, Abgrenzung, Rückwärtsgewandtheit. Kämpft das Theater da nicht in gewisser Weise gegen das Ende der Utopie an? Mir kommt vor, dass sich mit dem Mauerfall der Kapitalismus auf allen Ebenen und als einziges Denkmus­ ter durchgesetzt hat. Heute fehlt es vielfach an Utopien und Gegenentwürfen, dabei wäre es wichtig, auch andere Wege und Alternativen zumindest durchzudenken. Diesbezüglich kommt dem Theater eine durchaus wichtige Rolle zu, weil man hier diese anderen Welten und Zugänge eben spielerisch ausprobieren kann. Bei unserer Utopia-Aufführung bildet Thomas Morus Buch, das er 1516 verfasste und darin bereits die Werte der Aufklärung wie Freiheit, Gleichheit, Toleranz vorwegnahm, das Herzstück. Zugleich knüpfen wir aber auch an der Gegenwart an, werden uns im Vorfeld mit heutigen Utopien auseinandersetzen und Menschen in Niederösterreich besuchen, die alternative Lebensentwürfe und -modelle leben. Für Auseinandersetzungen wird wohl auch das Stück „Die Eroberung des Goldenen Apfels“ sorgen, wo es u.a. um die Türkenbelagerungen geht – topaktueller hätte das Stück ja angesichts des angespannten Verhältnisses zur Türkei nicht ausgewählt werden können. Ja, das war fast schon ein bisschen unheimlich, weil wir das Theaterprojekt lange vor dem EU-Türkei-Deal überlegt haben, und noch viel länger vor dem gescheiterten Putsch und den daraus resultierenden Folgen. Hakan Savas Mican, der türkischstämmig ist und in Berlin lebt, hat sich viele Gedanken zu diesen Themen, zu Heimat und Fremde gemacht, und wir haben überlegt, was hier in St. Pölten spannend sein könnte und sind auf die Türkenbelagerungen gekommen. Wien wurde von den Osmanen als der „Goldene Apfel“ bezeichnet, den man begehrte, den man aber zuletzt 44

Es geht um kulturelle Vielfalt, darum, seine Herzen zu öffnen und sich auf Neues einzulassen, neue Blickwinkel zuzulassen. Marie Rötzer doch nicht einnehmen konnte. Die Osmanen zogen wieder ab, haben aber Spuren hinterlassen wie das Kipferl, den Kaffee, die wir heute als Bereicherung empfinden. Aktuell wird aber nicht über die Kipferl diskutiert, sondern da begegnet man einander zusehends mit Misstrauen, auch hierzulande. Die Frage ist, was bedeutet dieses historische Erbe für uns heute, was die Einladung der Gastarbeiter in

den 60‘ern, was die aktuellen Entwicklungen? Wie steht es um unser Zusammenleben? Gibt es den viel zitierten clash of civilizations tatsächlich, oder wird er nur herbeigeredet? Was empfinden wir als Bereicherung dieser Beziehung, wo erodiert das Zusammenleben vielleicht, und welche Ängste bestehen auf der jeweiligen Seite? Mican wollte für sein Stück in die Archive gehen, um Dokumente aus der Zeit der Türkenbelagerung zu sichten, ebenso aber auch Briefe


Seismograph am Puls der Zeit

Umwälzungen, die im Grunde auf allen Ebenen zu spüren sind. Sie waren zuletzt in Großstädten wie Hamburg oder Berlin tätig, sind nun im kleinen St. Pölten. Macht das inhaltlich einen Unterschied? Also prinzipiell baut man eine Verbindung zu der Stadt auf , in der man wirkt – auch mit ganz spezifischen Themen. Zum anderen sind aber durch die Globalisierung, durch unsere Mobilität die Themen und Herausforderungen tatsächlich vielfach nicht mehr so unterschiedlich. Weder zwischen Groß- und Kleinstadt, noch zwischen Stadt und Land. Was ich prinzipiell für wichtig erachte – und das ist meine ganz persönliche Utopie von Theater – ist die Schaffung von Denk- und Spielräumen, wo Grenzen überwunden werden. Deshalb finde ich es so wichtig, dass auch internationale Künstler, Menschen aus anderen Kulturkreisen hierherkommen und uns ihren Blick auf die Welt vermitteln, der oft ein ganz anderer sein kann als der unsere. Es geht um kulturelle Vielfalt, darum, seine Herzen zu öffnen und sich auf Neues einzulassen, neue Blickwinkel zuzulassen – in diesem Sinne verstehe ich das Landestheater durchaus auch als ein Fenster zur Welt. Ein solches Fenster könnte auch die Bewerbung St. Pöltens zur Eu-

ropäischen Kulturhauptstadt 2024 sein. Was halten Sie davon? Ich hab die Kulturhauptstadt ja schon einmal miterlebt, und zwar 2003, als ich am Schauspielhaus Graz engagiert war. Damals war die ganze Stadt in Bewegung, es hat sich kulturell enorm viel bewegt, ebenso aber auch in punkto Tourismus, Image und medialer Wahrnehmung. Vor allem aber wurde Nachhaltiges geschaffen, zum Beispiel das Literaturhaus oder Kunsthaus, die heute noch immer bestehen. Außerdem wehte ein richtiger Weltgeist durch die Stadt, die Besucher kamen aus aller Welt, ebenso waren aber auch die Grazer und Steirer selbst mit dabei. Ich bin überzeugt, dass die Kulturhauptstadt auch für St. Pölten ein schönes, großes Fest werden könnte. St. Pölten ist in Ihren Augen also schon so weit? Ich bin absolut überzeugt, dass St. Pölten und Niederösterreich die Potenz für eine solche Herausforderung haben. Im Land ist ja durch die Zusammenführung der verschiedenen Kulturinstitutionen enorm viel passiert, man hat ganz bewusst nicht nur auf die Landschaft, auf Wein etc. gesetzt, sondern auch der Kultur ganz explizit einen wichtigen Stellenwert eingeräumt, und das hat sich auch überregional herumgesprochen. Anfang der 90er waren Sie – damals noch am Stadttheater unter Peter Wolsdorff – schon einmal als Dramaturgin in St. Pölten beschäftigt. Haben Sie die Stadt jetzt bei Ihrer Rückkehr wiedererkannt? Die Stadt ist heute viel offener, lebendiger, multikutureller. Es gibt zahlreiche Cafés, die voll sind, es gibt Galerien, drei große Bühnen und kleinere Veranstalter, Museen, viele gute Restaurants. Das gesamte Stadtbild hat sich verändert: Es ist viel bunter als früher, man sieht junge und alte Leute, viele Familien und Leute mit verschiedenen Herkünften. Das genieße ich sehr. Und ich hoffe, dass wir viele dieser Menschen fürs Theater begeistern können!

Rituale

Tina Reichl Ich beginne jeden Schultag mit einem kleinen Gedicht, das ich mit meinen Schulkindern gemeinsam aufsage: „Ich wünsch dir einen schönen Tag, und dass dich heute jeder mag …“ Ich liebe Rituale, vor allem im Urlaub. Ohne meinen Mann würde ich immer wieder an den gleichen Ort reisen, ins gleiche Hotel, in die gleiche Bar gehen. In Verona vor der Oper immer in diese mittelmäßige Pizzeria; in Venedig immer einmal den Canal Grande mit dem Vaporetto entlangfahren. Das hab ich schon als Kind mit meinen Eltern immer gemacht. Und wenn ich traurig war oder einfach nur gelangweilt, hab ich mir immer „Ghostbusters“ angesehen. Das klingt jetzt alles irrsinnig langweilig, aber es gibt einem eben diese gewisse Sicherheit! Man weiß, was man bekommt, wo man parkt, was man sieht. Nein, das klingt nicht nur, das IST irrsinnig langweilig! Und darüber schreib ich auch noch eine Kolumne? Das ist ja furchtbar! Jetzt reichts! Ich breche aus diesem Ritualwahnsinn aus! Nächstes Jahr geht’s auf einen Abenteuerurlaub an Orte, an die ich noch nie reisen wollte. Ab sofort lasse ich mich nicht mehr von Gewohnheiten fesseln. (hier bitte im Geist „Thunderstruck“ von AC/DC einfaden und lauter drehen!) Die Zeit des „Chipsy-sagens“, nur weil jemand zufällig gleichzeitig das gleiche Wort gesagt hat, ist vorbei! Ich erfinde mich neu! I foa mim Radl noch Rio! Ich tanze im Regen ohne mir vorher einen Regenponcho anzuziehen! Jawoll! Ich fahre nach Salzburg und gehe provokant NICHT ins Müllnerbräu! Ich ordere statt des Aperol Sprizz einfach mal einen Gin! Einfach so, weil Gin schön klingt! (jetzt volle Lautstärke) „Schatz? Schreibst du noch an deiner Kolumne? Komm jetzt zu uns, Max möchte sich wieder Ghostbusters anschauen! Wir warten nur noch auf dich!“ (Stopptaste) Ich komme!

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Foto: zVg

junger Dschihad-Sympathisanten einflechten. In der Zwischenzeit hat sich aber so enorm viel getan, gab es den Putsch in der Türkei und einen richtiggehenden Paradigmenwechsel: Eben war die Türkei noch EU Beitrittskandidat, jetzt erleben wir – wie es zumindest die Medien vermitteln – dass Grundrechte verletzt werden, dass Künstler, Journalisten, Richter und Bürger ins Gefängnis kommen. Das stellt uns als Theater vor die Frage, wie wir damit umgehen, wie wir diesen gesellschaftlichen Prozess widerspiegeln sollen. Da wird die Funktion der Kunst als Seismograph gesellschaftlicher Umwälzungen, die auch in die Wunden der Gesellschaft greift, regelrecht spürbar.

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MFG KULTUR

Hermann F. Fischl

Die Wahrheit ist (n)irgendwo da drauSSen. Seine größtenteils schwarzweißen Fotografien zeigen uns einen Ausschnitt unserer Wirklichkeit … oder doch etwas ganz anderes? Wir baten den St. Pöltner Künstler Hermann F. Fischl, der im Oktober seinen 65. Geburtstag feiert, zum klärenden Gespräch.

D

a sind diese Stromleitungen, die über unseren Köpfen ganz St. Pölten durchziehen: schwarzweiße Momentaufnahmen, die Strukturen offenlegen, gleichsam eine neue, parallele Stadtgeografie entwickeln. Oder diese Spiegelungen im Wasser und auf dem Kopfsteinpflaster eines nächtlichen Venedig, die ein Eigenleben zu besitzen scheinen. Und diese jungen Schwarzafrikaner, die an einem Zaun sitzen und trotzdem grinsen … Stopp! Halt! Wieso grinsen die? Ich meine, an einem Zaun angelangt …? „Da könnte man jetzt eine Flüchtlingssituation reininterpretieren, was wahrscheinlich derzeit auch flächendeckend passieren würde, täte ich das kommentarlos ausstellen.“ Was der bildende 46

Künstler Hermann F. Fischl aber sowieso nicht tut. „In dem Fall sind das einfach Arbeiter am Lido, die dort einen Zaun ausbessern. Aber ohne zusätzlichem Text kann das natürlich keiner wissen.“ Er hält sowieso nicht viel von dokumentarischer Fotografie: „Ein Bild zeigt immer nur einen subjektiv gewählten Ausschnitt – das kann gar nie die ‚Wahrheit‘ sein.“ Aber sagt nicht ein Bild bekanntlich mehr als tausend Worte? „Nein“, meint Fischl resolut. Und an (Pseudo-)Realitätswiedergabe sei er auch gar nicht interessiert: „André Heller sagte einmal, ‚Fotografie ist die Beschlagnahme des Ereignisses und die Übergabe an mein Assoziationsdepot.‘ Schöner kann ich das auch nicht ausdrücken.“ Seine The-

mentrigger seien auch eher Literatur, Musik, optische Reize im weitesten Sinne. „Tagesaktualitäten inspirieren mich künstlerisch so gut wie nie.“ Fischls Annäherung an die Fotografie geschieht auf zweierlei Weise, „wobei das ‚Ereignis‘ entweder von mir gesucht oder durch vorherige Sensibilisierung einfach gefunden und persönlich ‚geblickwinkelt‘ wird – keine wie auch immer geartete Dokumentation, die ja medienimmanent unmöglich ist.“ Die Ästhetik sei wichtig, aber oft nur Oberfläche, darunter gebe es meist eine Metaebene. Fotografiert wird analog, digital – „es ist ein Werkzeug, sonst nichts.“ Von Purismus in die eine oder andere Richtung hält er nicht viel. „Ich steh‘ auch auf Polaroid, weil die Bilder Unikate sind, was ja auch schön ist.“ Wenn man ihn so ansieht, glaubt man ihm eins ja überhaupt nicht: dass er am 3. Oktober dieses Jahres seinen 65. Geburtstag feiert. Regelmäßig durchmisst er, oft gemeinsam mit seiner Gattin, die Stadt auf einem der -zig Fahrräder, die in seinem Atelier in der Wiener Straße untergebracht sind. Dort befindet sich auch die Auslagengalerie Fischl-Friebes. Fotografieren scheint fit zu halten Begonnen hat das alles in den 1950er/60er-Jahren. „Mein Großvater hat sehr viel fotografiert. Ich habe schon während meiner ersten Lebensjahre eine Kamera gekriegt und Dias gemacht. Damals hat sich mein Bildsinn entwickelt.“ 1968/69 kam Fischl an „die Grafische“ in Wien. „Vorher schon stellte ich gerne ‚Länderschauen‘ zusammen.“ Wobei das Reisen an sich nicht das Wichtigste sei. „Das woanders Sein, eine andere Situation annehmen“, das faszinie­re ihn seit jeher. „Durch diese Dislozierung entdeckt man immer wieder Kraftorte. Venedig ist ein solcher.“ An die Grafische sollte er als Lehrender auch wieder zurückkehren. „Ich habe dort eine eigene AV-Abteilung aufgebaut.“ Als die Digitalisierung an die Tür klopfte, übernahm die Abteilung Tests für Firmen, was auch seinen Studenten zugutekam:


TEXT: Thomas Fröhlich | Fotos: ELIAS KALteNBERGER

„Wir kriegten damals nahezu unerschwingliche Software günstiger.“ Lehre und Kunst – wie geht das zusammen? „Lehre kann unheimlich bereichernd sein – es gibt seitens der Studierenden sehr viel Input. Andererseits bist du in viele Projekte involviert, die dir Zeit für Eigenes nehmen.“ In Summe habe sich beides aber gegenseitig befruchtet. „Obgleich ich jetzt auch froh bin, mich in der Pension ausschließlich auf meine Kunst konzentrieren zu können.“ Zahlreiche Einzelausstellungen sowie die Teilnahme an KünstlerbundWerkschauen, etwa in Tokio, belegen das recht anschaulich. Multimediaproduktionen wie „Sancto Ypolito – Symphonie einer Stadt“ runden ein abwechslungsreiches Portfolio ab. Apropos Künstlerbund: Mitglied wurde er 2011 auf Einladung durch Obmann Ernest A. Kienzl. Mit Letzterem verbindet ihn eine schon längere Bekanntschaft, hatte er doch

Ich glaube nicht an die Wahrheit des Bildes oder der Fotografie. Hermann F. Fischl mit ihm in den späten 1960ern die Band EXP gegründet. „Der Name rührt von einer Hendrix-Nummer – ich selbst habe allerdings das Schlagzeug bevorzugt.“ Fischls Lyrics (etwa „Wir sind die Gammler!“ – eine stilistisch zwischen hippiesker Avantgarde und heftigem Rock gelegene Selbsteinschätzungs-Hymne) stießen zwar im damals wenig urbanen St. Pölten vielleicht nicht ausschließlich auf Gegenliebe, brachten aber gegenkulturellen Lifestyle auf den Punkt. In der Organisation der „St. Pöltner Restwochen“, einer ziemlich frechen Alternative zum damals etablierten Kulturbetrieb Mitte der 1970-er Jahre, machten die beiden ebenfalls gemeinsame Sache. Literarisch ist Fischl regelmäßig tätig – mit der (oder dem) geheim-

nisvoll-geschlechtslosen „judygal“ hat der Highsmith-Fan ein fiktives, in seinen sarkastisch-stimmungvollen Texten immer wiederkehrendes Alter Ego entwickelt. Warum er eigentlich so gerne in Schwarzweiß arbeitet? Fischl erläutert das anhand seiner Venedig-Bilder: „Es sind zumeist Orte der Einsamkeit, speziell in der Nacht. Da gibt’s auch wenig Farbe.“ Warum er Kunst macht? „Kunst ist ein Ausdrucks-, ein Kommunikationsmittel, eine verständliche Sprachmöglichkeit an die Welt und zugleich (m)ein innerer Erdteil. Ein Angebot, nicht das Hinausposaunen der eigenen Befindlichkeit.“ Ein Fotograf – zum Nachlesen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Des Bildes sowieso. MFG 09.16

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FÖRDERVEREIN Kulturbezirk

Freunde Kulturbezirk und Innenstadt St. Pölten Im Förderverein haben wir nun Jahr für Jahr gut gewirtschaftet und konnten somit diverse Projekte in unseren Partnerbetrieben fördern. Sämtliche Mitglieder des Vorstandes führen ihre Tätigkeit unentgeltlich aus, es gibt auch keinerlei Werbeausgaben wie „Geschäftsessen, Einladungen etc.“ Wo konnten wir einsparen? Beim Buffet! Unser Motto ist: „Nicht übertreiben, wir kommen ja nicht zum Essen – aber alle sollen Durst und Hunger stillen können nach einem langen Abend“. Jeglicher Überschuss wird für unsere Mitglieder oder für förderungswürdige und notwendige Projekte unserer Partnerbetriebe verwendet, wobei wir solche zur Förderung von Jugendlichen nach vorne reihen. Genauso wollen wir unser Mitglieder-Angebot verbessern! Bei unverändert hochwertigem Basisangebot wollen wir für die höherwertigen Mitgliedsangebote noch besonders attraktive Zusatzleis­tungen aufstellen. Ich sage es ganz offen: Wir wollen eine deutliche Zunahme zur Aufstockung auf zumindest „Beste FreundIn“, vordringlich nicht um unser Budget aufzubessern, sondern um mehr Menschen Appetit auf diese hochwertige Kultur zu machen, die uns „zu Hause“ in Lothar Fiedler (r.) im Jahr 2015 mit Stadtmuseums-Leiter St. Pölten geboten wird! Erste Thomas Pulle. Das Stadtmuseum wurde im Vorjahr in die Gedankensplitter: Fördervereins- Fördervereins-Familie aufgenommen. reisen, Probenbesuche bei den Tonkünstlern, im Landestheater, im Festspielhaus, Yoga im Theater, im Atelier eines Künstlers, Besuch der Salzburger Festspiele mit Bettina Hering und andere mehr. Was wir auch noch andenken, ist eine Anpassung unseres Vereins-Titels, um die Verbindung zur Innenstadt mit Landestheater, Bühne im Hof und Stadtmuseum abzubilden, wie beispielsweise: Freunde Kulturbezirk und Innenstadt St. Pölten. Ihr Lothar Fiedler (Präsident Förderverein Kulturbezirk)

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Das HERBSTprogamm 22. September 2016 19.30 Uhr, Latndestheater DIE WELT IST GROSS UND RETTUNG LAUERT ÜBERALL nach dem Roman von Ilija Trojanow

02. Oktober 2016 18.00 Uhr, Festspielhaus KITTY, DAISY & LEWIS

29. Oktober 2016 11.30 Uhr, Landestheater PROBENBESUCH MIO, MEIN MIO von Astrid Lindgren

11. November 2016 19.30 Uhr, Bühne im Hof ERIKA PLUHAR BOSSA QUARTETT

24. November 2016 18.00 Uhr, Museum Niederösterreich Präsentation HAUS DER GESCHICHTE NIEDERÖSTERREICH – WORK IN PROGRESS

02. Dezember 2016 19.30 Uhr, Festspielhaus DRESDNER PHILHARMONIE. JULIA FISCHER

22. Dezember 2016 19.30 Uhr, Landestheater SCHÖNE BESCHERUNGEN von Alan Ayckbourn

Mitglied werden und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter 02742/908080-600 foerderverein@kulturbezirk.at


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Aus Dr. Kurt PreiSS, Krems 1945 – 1955

Ein überraschendes Ende

Dr. Kurt Preiß mit Gattin Maria (1.u.2. v.r.) bei einer Ehrung von Frau Johanna Röder, Witwe von Bgm. Röder, aufgenommen Mitte der 1980er-Jahre, links außen der damalige Vzbgm Ewald Sacher, jetzt Obmann des NÖ Kulturforums und Präsident der Volkshilfe NÖ.

„Trotz innerhalb der SPÖ herrschender persönlicher Spannungen … waren die Kremser Sozialdemokraten sehr optimistisch. Sie setzten vor allem darauf, dass in der Ära Röder etwa auf dem Bausektor so viel wie noch nie zustande gebracht worden war. … Als die Sozialisten die Verwaltung der Gemeinde im Jahre 1950 verantwortlich übernahmen, war sehr wenig auf dem Gebiet des Bauwesens geschehen. Ein unfertiges Parkhotel war in Bau, ein Brückenneubau nicht fertiggestellt – das war schon alles. Die neue Gemeindeverwaltung nahm gleich eine rege Bautätigkeit in Angriff, wodurch viel Geld und Arbeit nach Krems gebracht wurden. … Das ergibt … ein Bauvolumen von 65 Millionen Schilling. Zählt man die (Wohn-)Bauten der GEDESAG (gemeindeeigene Wohnungs-AG, Anm. E.S.) dazu, ergibt dies eine Höhe von 75 Millionen Schilling. … Wir verweisen nur auf den Bau der Arbeiterkammer, Umbau der Kaserne, Umbau der Rehberger Bundesstraße, Bau der Wachaustraße zwischen Förthof und Rothenhof, Bauten der Tabakregie, der DDSG, der Österreichischen Bundesbahnen und viele andere. Die sozialistische Gemeindeverwaltung hat durch ihre Initiative nicht nur die Bau- und Wohnbedürfnisse der Bevölkerung erfüllt, sie hat – und auch das ist besonders hervorzuhe50

ben – wesentlich zur Arbeitsbeschaffung und zur wirtschaftlichen Hebung der Stadt beigetragen. … Die ÖVP, deren Anhänger und Vertreter in diesen fünf Jahren recht oft und recht deutlich ihre Frustration über den Machtverlust in der „bürgerlichen Metropole“ Krems (die in der NS-Zeit als Gauhauptstadt vorgesehen war, Anm. E.S.) ausgelebt hatten, suchte ihr Heil in einer völlig neuen Wahlkampfkonzeption, welche dem Zeitgeist der Besatzungsära scheinbar adäquat war. StR Rudolf Paradeiser (ÖVP, Anm. E.S.) … geriet unter Beschuss, weil er angeblich bei Grundstücksgeschäften und Bauaufträgen Provisionen in einer Gesamtsumme bis zu 1 Million … übernommen hatte, welche teils der ÖVP, teils ihm selbst zugeflossen sein sollten. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen schalteten sich Landeshauptmann Steinböck und dessen Stellvertreter Kargl ein, um den Schaden (für die ÖVP, Anm. E.S.) in Grenzen zu halten. ... Diese Pannen um einen kampferprobten gestandenen Parteifunktionär gaben zugleich den Bestrebungen, eine Art Bürgerblock zu versuchen, für dessen Imagepflege moderne, an amerikanische Wahlkampfstrategien angelehnte Methoden angewendet werden sollten, ungeahnten Auftrieb. Diesbezüglich bestanden übrigens in Krems lokale Traditionen, wo

wiederholt christlich-konservative Kreise mit „großdeutsch-nationalen“ Gruppierungen als „Wirtschaftspartei“ o. ä. gemeinsam kandidiert und Erfolge erzielt hatten. (Gemeint ist die Koalition der Christlich-Sozialen mit der NSDAP im Jahr 1933 in Stein, wo man erstmals einen Nationalsozialisten, den späteren NS-Oberbürgermeister Franz Retter zum Stadtoberhaupt gemacht hatte. Anm. E.S.) … Die Impulse zu einem neuen, ganz andersartigen Aufruf gingen von einem Mann aus, der in der politischen Arena zunächst völlig unbekannt war: Dr. Franz Wilhelm. Er entstammte der in Krems hoch angesehenen und als “Patrizier“ anzusprechenden Familie Wilhelm. … (Die ÖVP kandidierte mit Wilhelm an der Spitze als ÖVP-Wahlgemeinschaft und führte einen aggressiven, populistischen Wahlkampf gegen Röder. Anm. E.S.) … Der Wahlkampf wurde von der ÖVP-Wahlgemeinschaft am aufwendigsten und professionellsten geführt. … Im „Volkswillen“ (damalige SPÖ-Regionalzeitung, Anm.E.S.) vom 23. April 1955 gibt es ziemlich heftige Angriffe gegen Dr. Wilhelm. Unter dem Titel „Wer bezahlt die Wahlpropaganda der Wahlgemeinschaft?“ … Noch selten hat ein Wahlkampf alle Gemüter so bewegt, wie die Gemeinderatswahl am 24. April 1955. … Die Wahl endete mit einem Erfolg der ÖVPWG: ÖVP-WG 20 Mandate (+4), SPÖ 16 (-2), VO („Volksopposition“= KPÖ, Anm.E.S.) 4 (-2). … Im Vertrauen auf die Ehrlichkeit der Beteuerungen des neuen Favoriten, es werde eine

Krems 1955: Bgm. Wilhelm Röder (SPÖ) und sein Nachfolger Dr. Franz Wilhelm (ÖVP-WG)


Kultur vor der Haustür – NÖ Kulturforum

abgeschlossen.“ (Ende Zitat des Textes von Dr. Kurt Preiß, Anm. E.S.) Die ÖVP-Wahlgemeinschaft hielt ihr Zusammenarbeitsversprechen nicht lange. Schon 1957 wurde der Gemeinderat wegen des Streits um den neuen Kasernenstandort außerhalb von Krems, in Mautern, vorzeitig aufgelöst und koalierte bis 1977, als ÖVP-Bgm. Wittig die Absolute erzielte, mit den Freiheitlichen. (Anmerkungen E.S.: Ewald Sacher)

Prof. Ewald Sacher, Obmann des NÖ Kulturforums

faire Zusammenarbeit mit der SPÖ geben, wählten die SPÖ-Gemeindemandatare bei der Bürgermeisterwahl, den ungeschriebenen Gesetzen der demokratischen Überzeugung folgend, den Vertreter der stärksten Gruppierung … Dr. Franz Wilhelm zum Bürgermeister. … Damit war zugleich die Ära Röder, ein wesentliches Kapitel der Kremser Stadtgeschichte,

Dr. Kurt Preiß war nicht nur ein Mitbegründer und langjähriger Wegbegleiter des NÖ Kulturforums, sondern auch für mich persönlich. Ich durfte ihm als Vizebürgermeister und Nationalrat nachfolgen. Seine Ideen für eine regionale, vermittelnde und verbindende Kulturarbeit, der sich das Kulturforum verschrieben hat, verfolge ich mit dem Team des NÖ Kulturforums unverdrossen weiter. Dass sich humanistische, soziale Gesinnung, Einsatz für chancengerechte Bildungs- und Sozialpolitik nahezu selbstverständlich mit unserer Auffassung von Kulturarbeit paart, liegt dermaßen auf der Hand, dass wir diese unverdrossen fortzusetzen haben.

5. Todestag von Dr. Kurt PreiSS, Mitbegründer des NÖ Kulturforums Vor fünf Jahren, Anfang Juli 2011, verstarb in Krems der Mitbegründer des NÖ Kulturforums, HR Dr. Kurt Preiß. Er ist vielen Menschen in seiner Heimatstadt und weit darüber hinaus im Land als vielfach engagierter Pädagoge, Humanist und SPÖ-Politiker in guter Erinnerung geblieben. Das NÖ Kulturforum gedenkt seiner mit diesen kurzen Erinnerungen. Kurt Preiß war geborener Kremser, er stammte aus einer bescheidenen Weinhauerfamilie. Er absolvierte sein Hochschulstudium in Wien und promovierte zum Doktor der Philosophie. Er war ein anerkannter Altphilologe und auch Historiker. Sein ganzes Leben war geprägt vom Humanismus und von hoher Sozialkompetenz. Er war Mitbegründer der Kremser Humanistischen Gesellschaft. Bis zu seiner Pensionierung war er Direktor des BRG Ringstraße. Dr. Kurt Preiß übte das Amt des Kremser Vizebürgermeisters 10 Jahre lang, von 1972 bis 1982, aus. 1982 wurde er für die SPÖ in den Nationalrat berufen, dem er bis 1993 angehörte. In seine Zeit als Kremser Vizebürger-

meister fielen zahlreiche Impulse, die bis heute spürbar sind. Die Generalsanierung des Gymnasiums Piaristengasse, des BRG Ringstraße und der Neubau der HTBLA sind nicht zuletzt seinem Einsatz als Parlamentarier zu verdanken. Fest eingeschrieben in die Geschichte des Bildungswesens in NÖ sind die Anstrengungen von Dr. Preiß für die Errichtung der NÖ Landesakademie als Vorstufe der heutigen Donau-Universität, deren Etablierung er als Nationalratsabgeordneter unermüdlich vorantrieb. Im Sozialbereich ist sein Einsatz für die Volkshilfe zu würdigen, die er in Krems gemeinsam mit seiner Gattin Maria ab den Siebzigerjahren als wichtige Sozialorganisation in der Stadt aufbaute. Er wirkte auch ein Jahrzehnt lang als Vizepräsident der Volkshilfe NÖ. Das NÖ Kulturforum kann Dr. Kurt Preiß zu seinen Mitbegründern bzw. langjährigen Partnern zählen. Bis heute sind seine lokalhisto-

Schriftenreihe „Aus Freude – Impulse zur Kreativität“ bringt 6. Band:

„Ausflug nach Phantasia“ von Bernhard Schaffer

Die Schriftenreihe des NÖ Kulturforums unter dem Titel „Aus Freude – Impulse zur Kreativität“ wächst weiter an. In der letzten Ausgabe von mfg haben wir die ersten 5 Ausgaben vorgestellt. Nunmehr ist über die Sommermonate ein sechster Band hinzugekommen: Bernhard Schaffers „Ausflug nach Phantasia“. Im kommenden Herbst wird die Serie weiter fortgesetzt. Als nächster Band der Reihe „Aus Freude – Impulse zur Kreativität“ wird vom NÖ Kulturforum aus Anlass des 80-Jahr-Jubiläums des ESV Fotoclubs St. Pölten, der zum Kulturverein der österreichischen Eisenbahner gehört und 1936 gegründet wurde, ein Katalog herausgegeben. Alle Ausgaben der Schriftenreihe sind unter kulturforum@aon.at gegen Ersatz der Portokosten zu beziehen. rischen und zeitgeschichtlichen Werke über die Stadt Krems allen Insidern ein Begriff, wie z. B. der 1997 erschienene Band „Von der Befreiung zur Freiheit, Krems 1945 – 1955“. Leider sind seine Bücher weitestgehend vergriffen. Der Verein zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Raume Krems, den er ebenfalls gründete, bemüht sich um eine allfällige Neuauflage bzw. Fortsetzung seiner Arbeit. MFG 09.16

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SHORTCUT SZENE

kein Vergnügen

Dominik Leitner

Foto: Public Domain, zVg/Festspielhaus, zVg/gabarage

Eine Veranstaltung, die vergnügen und unterhalten soll, nannte man in früher Vorzeit offenbar eine „Lustbarkeit“. Der Begriff ist aber meist nur mehr jenen ein Begriff, die sich selbst Veranstalter nennen dürfen. Denn bis heute gibt es in Österreich die sogenannte „Lustbarkeitsabgabe“. Um mit der Zeit zu gehen, verpasste man dieser Abgabe die etwas pervers anmutende Bezeichnung „Vergnügungssteuer“. Doch wie lange ist der Spaß noch steuerpflichtig? In Oberösterreich hat das Land die Abgabe Anfang des Jahres abgeschafft, mit Ausnahme von Wett-Terminals und Spielapparaten – die Gemeinden selbst dürfen nun entscheiden, ob sie das Geld überhaupt noch einnehmen wollen. In Wien wird seit Juni dieses Jahres über eine komplette Abschaffung diskutiert. Niederösterreich selbst hat bereits 2011 diese Abgabe abgeschafft, überlässt es wie OÖ aber weiter den Gemeinden. Doch nun fordert die Junge Volkspartei die Abschaffung in der Bundeshauptstadt. Die Abgabe, die es übrigens seit dem Jahr 1922 gibt und deren Höhe von jeder einzelnen der rund 2.100 Gemeinden autonom festgelegt werden kann, hat in Wahrheit schön langsam ihren Zenit überschritten. Denn die Mehrkosten, die Veranstalter zu tragen haben, werden schluss­ endlich vom Kinokartenkäufer, vom Konzertbesucher und Billardspieler selbst bezahlt. Kommen z.B. zu einem Kabarett nur fünf Besucher, so muss der Veranstalter trotzdem auf alle fünf Eintrittskarten 18% Abgabe leisten. Die Stadt gewinnt weiterhin, selbst wenn die Veranstaltung ein voller Verlust war. Würde St. Pölten damit die Hälfte des gesamten Stadtbudgets schupfen, könnte man natürlich verstehen, warum daran festgehalten wird. Aber es sind 0,2% des ordentlichen Budgets. Tendenz: sinkend.

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QUER STADT EIN

Von 29. Oktober bis 1. November lädt das Festspielhaus wieder zum Jugendklub und schafft einmal mehr Raum für aktive Begegnung und den Austausch in Tanz, Musik, Theater, Medien und Urban Arts. „Dieses Jahr bewegen sich die Workshopteilnehmer dabei unter dem Motto ‚Quer Stadt Ein‘ noch einen Schritt weiter in den öffentlichen Raum hinein und versprühen ihre Energien an allen Ecken und Enden der Stadt“, verrät Kulturvermittler Josef Winkler. Zum Festivalauftakt sorgen die zwei heimischen Newcomer-Popbands Fijuka und Leyya für Stimmung. In den Workshops teilen u.a. prominente Gäste wie Longboarderin Jasmin Meshkat im Tanz oder Bauchklang-Mitbegründer Gerald Huber-Weiderbauer beim Beatboxen und Songwriting ihre Erfahrungen. Zudem kann man mit Spraydosen und Staubmasken bewaffnet seiner Kreativität freien Lauf lassen, Theater spielen oder Radio- & Filmemachen. Zum Abschluss präsentieren die Teilnehmer ihre Ergebnisse im Zuge einer Preview in der Bühne im Hof am 31. Oktober sowie am 1. November beim Festivalabschluss im Festspielhaus. Anmeldung per Mail an jugendklub@festspielhaus.at!

gabarage goes St. Pölten! „Egal ob für Privatkunden oder Unternehmen, wir re-designen aus unterschiedlichen Materialien und Produkten seit über 14 Jahren neue Designprodukte!“, verrät der Leiter des neuen St. Pöltner Standortes von gaba-

rage – upcycling design in der Marktgasse. Damit hält quasi ein künstlerisches Sozialprojekt Einzug, denn an seinen Standorten in Wien beschäftigt garbarage Menschen mit einer chronischen Suchterkrankung und begleitet sie auf ihrem Weg zurück in ein geregeltes Leben. In St. Pölten wiederum möchte man den Fokus auf Jugendliche legen, die u.a. aus prekären Verhältnissen kommen, Schwierigkeiten in ihrer Schulkarriere aufweisen oder keine Ausbildungs- bzw. Lehrstelle finden. „Sie werden auf ihrem Weg unterstützt und individuell gefördert!“ Und produzieren so ganz „nebenbei“ aus alten Dingen verdammt coole Sachen, die hoffentlich bald das Stadtbild und die eigenen vier Wände bereichern!


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NDU

Einzigartig kreativ

Das Bachelorstudium Design, Handwerk & materielle Kultur Fast Facts zum Studium „Design, Handwerk & materielle Kultur“

Das Semesterprojekt „Ich für dich“ von Silvia Stocker

„Ich wollte endlich etwas mit den Händen erschaffen.“ Diesen Satz hört man von vielen Studierenden des Studiengangs Design, Handwerk & materielle Kultur der New Design University (NDU), wenn sie erklären, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben. Hier lernen sie nicht nur, Produkte zu entwerfen sondern auch entsprechende Prototypen selbst herzustellen. Die Materialien, die dabei zum Einsatz kommen, sind ganz unterschiedlich: Mal ist es Holz, dann Keramik, Metall oder Kunststoff. Der Anwendungs- oder Arbeitsbereich reicht von Materialforschung, über Möbelbau und -design bis hin zur Gestaltung von Low- oder High-Tech Produkten.

Praxisorientiertes Studium – auch ohne Matura

Erwünscht sind somit auch Interessenten mit einer handwerklichen Ausbildung und/oder einer Lehre. Ehemalige Kft-Mechatroniker, Tischler oder Zahntechniker ohne Matura, die ihrem handwerklichen Geschick durch ein Kreativstudium eine neue Perspektive geben wollen, sitzen in den Lehrsälen. Während sie ein wissenschaftliches Modul besuchen, erlernen Studierende mit Matura ohne handwerkliche

Kenntnisse ein Modul für Holz- oder Metallverarbeitung. Ein großes Augenmerk der NDU liegt auf einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Umgebung. Immer wieder werden die Studierenden vor reale Problemstellungen gestellt und bekommen so wertvolle Einblicke in die Praxis. Im letzten Jahr waren es zum Beispiel Miraplast, Kromag oder das Wilhelmsburger Geschirrmuseum. Letzteres hat es Absolventin Silvia Stocker besonders angetan: Während ihres Studiums spezialisierte sie sich auf Keramikverarbeitung und konnte Knowhow und Produktionsräume des Museums für ein Semesterprojekt und ihre abschließende Bachelorarbeit nutzen.

Abschluss: Bachelor of Arts (BA) Studiendauer: 6 Semester Organisationsform: Vollzeitstudium Kosten: € 495,- monatlich oder € 2.950,im Semester Studiengangsleiter: Univ. Prof.(NDU) Mag.art. Hans Stefan Moritsch Aufnahmetermine für WS 17/18: Sa., 28.01.2017, Sa., 10.07.2017, Sa., 02.09.2017 Informationen unter www.ndu.ac.at oder Tel. 02742 890 2418

blikum der Mailänder Möbelmesse mit einer studentischen Lampenkreation überzeugte, die er in der Zwischenzeit auch schon einige Male verkaufen konnte. Noch vor seinem Abschluss wagte Thomas, der übrigens eine abgeschlossene Lehre als Werkzeugmacher hat, den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine handgefertigten Premium-Keramikfliesen finden sich bereits in Cafés oder Spas im In- und Ausland. Durch die Unternehmerprüfung und betriebswirtschaftlichen Fächer werden Studierende der NDU auch für diesen Karriereweg vorbereitet.

Die ersten 13 Absolventen

Neben Silvia Stocker schlossen diesen Sommer zwölf weitere Jungdesigner das 6-semestrige Bachelorstudium an der New Design University ab. Studiengangsleiter Stefan Moritsch ist selbst etablierter Designer und hat die erste Studienkohorte durch die drei Jahre begleitet. Unter ihnen ist auch der gebürtige Vorarlberger Thomas Rösler, der 2015 das internationale Pu-

Silvia Stocker mit Direktor Manfred Schönleitner (Wilhelmsburger Geschirrmuseum). MFG 09.16

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MFG KULTUR

Die Sonne geht im Park nicht unter Es war eine helle Freude bei den Kulturinitiativen „Sonnenpark“ und LAMES, aber auch bei der Initiative „Sonnenpark bleibt!“, als es im Juni dieses Sommers von Seiten der Stadt endgültig hieß, das fünf Hektar große Areal im Süden der Stadt, am Spratzerner Kirchenweg 81-83 nun doch nicht verkaufen zu wollen. Jetzt geht es um Vereinbarungen zwischen den Kulturvereinen und der Stadt. Quo vadis, Sonnenpark?

A

ls ich die Botschaft via Medien vernommen hab, dass der Vertrag mit der Genossenschaft rückabgewickelt wird, kam es mir im ersten Moment eher surreal vor! Nach 15 Jahren mit dem Mantra ‚Save the Place‘ fühlt es sich etwas eigenartig an, dass es jetzt scheinbar nicht mehr notwendig ist zu betonen, dass man diesen Platz retten sollte!“, gibt sich Andreas Fränzl von „la musique et sun“, sprich LAMES, durchaus glücklich. Zum besseren Verständnis drehen wir das Rad der Zeit aber kurz einmal ein paar Jährchen zurück. Es ist das Jahr 1999 und die Stadt St. Pölten stellte den wild-wuchernden Naturort (Zitat LAMES) dem Kunst- und Kulturverein LAMES zur Verfügung. Eine Vielzahl an Veranstaltungen, Kunstproduktionen und Aktionen wurde über die Jahre hinweg in diesem Natur- und letztlich auch Kul-

ZUKUNFT. Andreas Fränzl von LAMES möchte das Programm weiter ausbauen.

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turpark umgesetzt. Zeitgleich begann Markus Weidmann-Krieger mit der Gestaltung der Grünflächen. „Mich hat immer angetrieben, einen gemeinsamen Grünraum im Rahmen eines Bevölkerungsprojektes einzurichten, für Vielfalt der Natur in der Stadt zu sorgen“, so Weidmann. 2006 wurde das Grünland zu Bauland, 2007 entschied der Gemeinderat, Teile des Areals an die Allgemeine Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft zu verkaufen. Jahre der Unsicherheit und des Kampfes für die Aufrechterhaltung des „Sonnenparks“ folgten, 2011 wurde der Verein Sonnenpark gegründet und in letzter Zeit machten neben den Kultureinrichtungen der ersten Stunde auch eine Initiative „Sonnenpark bleibt!“ gegen ein geplantes Wohnbauprojekt und für die Erhaltung des Sonnenparks Stimmung. Zuletzt heftete sich die Volkspartei unter Vizebürgermeister Matthias Adl diese Agenda auf das Wahlkampffähnchen. Es bleibt Bauland Im Juni 2016 dann die Überraschung, der Finanzausschuss der Stadt St. Pölten hob den Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2007 auf. Allerdings bleibt der Park als Bauland gewidmet, und der Allgemeinen Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft wurde für den Fall einer zukünftigen Veräußerung ein Vorverkaufsrecht eingeräumt. So weit so gut. Erleichterung herrscht gegenwärtig bei den Kämpfern für den Sonnenpark. Nun müssen klare Vertragsbedingungen

geschaffen werden. Markus Weidmann-Krieger erwartet sich ein brauchbares Modell mit eindeutigen Ansprechpartnern, hat aber auch leichte Sorge, wie die Stadt zukünftig mitgestalten möchte: „Unserem Projekt liegt ja eine gewisse Grundautonomie inne, diese und den freien Geist dahinter möchten wir nicht verlieren.“ Diese Bedenken zerstreut Bürgermeister Matthias Stadler, der für sich in Anspruch nimmt, sich in den letzten Jahren schützend für die Protagonisten rund um den Sonnenpark eingesetzt zu haben: „Wir werden uns als Stadt nicht wesentlich einmischen, wir kennen ja die Beteiligten beim Sonnenpark und LAMES.“ Auch in die freie Gestaltung des Naturparkes will man nicht eingreifen. „Für uns ist es wichtig, längerfristig zu planen und nach den vielen Aufbaujahren mit einigen Unsicherheiten in eine konstruktive Phase ein-


TEXT: Andreas Reichebner, Michael Reibnagel | Fotos: Elias Kaltenberger, Sebastian Wegerbauer

zutauchen, auf gleicher Augenhöhe und mit innovativen Ansätzen. Wir sehen es als große Chance, unser Modell auszubauen, damit auf die Zeichen der Zeit einzugehen und für die Stadt St. Pölten ein bedeutender und fixer Ort für Kunst, Kultur, Natur und Kommunikation zu werden. Die Gegebenheiten dafür sind ideal und die nötige Vorarbeit dafür wurde von den Vereinen geleistet. Um dieses Ziel zu erreichen, liegt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde auf der Hand. Ein langfris­ tiger Vertrag wäre die entsprechende Grundlage für solch ein Vorhaben“, umreißt Andreas Fränzl kurz die Wünsche des Kunstvereines LAMES. In dieselbe Kerbe schlägt Markus Weidmann-Krieger vom Sonnenpark. Er sieht sich schon seit Jahren einem erheblichen Arbeitsaufwand gegenüber, ob das nun bei den Instandhaltungen des Grünraumes ist, mit vielen organisatorischen Auf-

gaben, etwa der Konfrontation mit behördlichen Auflagen, den Baubewilligungen, der Begegnung mit den Nachbarn usw. …, „es ist schon ein hoher Aufwand z.B. ein Gewächshaus zu installieren oder andere Projekte, wie die Überprüfung oder Neugestaltung der Brücke über den Mühlbach abzuwickeln.“ Oft sieht er sich auch mit Müll und Überbleibseln der verschiedenen Kunstaktionen allein gelassen. Auch diese Dinge müssten innerhalb der Vereine in einer zukünftigen Lösung integriert sein. „Ein Entgegenkommen und die Wertschätzung für unsere Arbeit und dass die groben Strukturen so bleiben können“, würde er sich erhoffen und „dass man längerfristig planen kann, denn für Förderungen beim Land,

Bund und der EU brauchst du die Gemeinde ganz hinter dir.“ „Ganz klar ist, dass man Vereinbarungen beschließen wird. Ob das ein Pachtvertrag oder eine Nutzungsvereinbarung sein wird, das lassen wir gerade rechtlich prüfen. Es gibt unsererseits Überlegungen, wie man das konstruieren soll, wo jeder der Partner seine Vorstellungen einbringen kann“, so Stadler, dem es dabei vor allem um die Rechtssicherheit geht, „damit wir bei etwaigen Klagen nicht überbleiben.“ In der Vergangenheit sah man sich des Öfteren mit Klagen der Volksanwaltschaft, der Staatsanwaltschaft und der Nachbarschaft, die aber im Großen und Ganzen abgewiesen wurden, konfrontiert. „Wir sind in gutem Austausch mit dem Magistrat, was Auflagen und Sicherheitsfragen anbelangt. Ein Vertrag mit der Stadt würde sicher helfen, die Verantwortungsbereiche noch deutlicher zu machen“, so Fränzl und Weidmann-Krieger unisono. Dabei wird es wahrscheinlich auch notwendig sein, einen Trägerverein zu gründen, der als direkter Vertragspartner mit der Stadt agiert. „Bei den Gesprächen im Herbst wird man auch auf die zeitliche Komponente, die für Förderungen erheblich ist, eingehen“, so Stadler, „an zwei oder drei Jahren wird es nicht scheitern,“, gibt aber zu bedenken, dass Gemeinden auf längerfristige Verpachtungen und Verträge in einer schnelllebigen Zeit nur mehr bedingt eingehen, „wir müssen schauen, wie weit wir uns bewegen können, um auch die Interessen der Stadt und der Bevölkerung zu wahren, schließlich haben wir ja nicht aus Jux und Tollerei den Verkauf rückabgewickelt.“ „Wir wollen weiterhin spannende Projekte wie das Klimalabor verwirklichen und gemeinsam mit der Bevölkerung, die wir ja jetzt schon immer wieder einladen, ihre Ideen einzubringen, gestalten“, so Weid-

Kulturpolitik ist auch dazu da, Vielfalt zu unterstützen, auch bei einem vermeintlichen Minderheitenprogramm. BGM matthias Stadler MFG 09.16

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MFG KULTUR

Die Sonne geht im Park nicht unter

GRUND Eine weitere Initiative, die eng mit dem Sonnenpark verbunden ist und einen Teil des weitläufigen Areals mit sozialem Engagement nutzt, ist das Gartenprojekt GRUND. Die Idee dahinter war und ist es, einen interkulturellen Gemeinschaftsgarten zu etablieren. Entstanden im Wintersemester 2013/14 als Bachelorprojekt des Studiengangs Soziale Arbeit, ist GRUND von Jahr zu Jahr gewachsen. „Bei uns findet Integrationsarbeit statt. Unsere Gärtner – derzeit nehmen etwa 20 Personen teil – finden Anschluss und es kommt dabei zu zwischenmenschlichem Austausch“, erklärt Jörg Eigenbauer, einer der Projektgründer und ehrenamtlicher Sozialarbeiter. Das Projekt richtet sich dabei an Asylsuchende, aber auch jene, die bereits ein positives Verfahren hinter sich haben. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus Syrien, dem Iran, aber auch Russland. „Wie alle anderen sind auch wir sehr froh über die Entscheidung der Stadt. Das nimmt uns die Unsicherheit und wir blicken positiv in die Zukunft“, so Jörg Eigenbauer.

mann-Krieger, in der Hoffnung auch einmal für die aufwendige Arbeit fair entlohnt zu werden. „Der Sonnenpark als Naturraum in Kombination mit den zwei Vereinshäusern und einem abwechslungsreichen Kulturprogramm hat eine Qualität, die man meiner Einschätzung nach nur selten wo findet und es ist noch einiges Ausbaupotential vorhanden. Wir müssen allerdings auch darauf achten, dass die Magie des Ortes in der nächsten Phase unbedingt erhalten bleibt! Dabei ist es wichtig, die Balance zu wahren zwischen Freigeistigkeit und Struktur. Teile dieser Struktur gilt es innerhalb der nächsten Zeit gemeinsam mit der Stadt weiter auszuformulieren. Um ein Projekt in dieser Größenordnung zu schaukeln, braucht es natürlich auch noch mehr Kräfte, die über die Ehrenamtlichkeit hinaus wirken. Irgendwann werden sich die Menschen wahrscheinlich nicht mehr vorstellen können, dass man einmal vorhatte, den Sonnenpark zu verbauen!“, blickt Fränzl in eine vielleicht rosige Zukunft. www.sonnenpark-stp.at www.lames.at 56

DER PARK. Im Laufe der Jahre hat Markus Weidmann-Krieger im Sonnenpark ein drei Kilometer langes Wegenetz erarbeitet; künstlerische Interventionen treffen auf unberührte Natur.


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Pokémon killed the „Mensch ärgere dich nicht“? In diesem Sommer fanden Pikachu und Co. ihren Weg auf die Smartphones und lösten weltweit einen Hype aus, was v.a. eines zeigt: Handyspiele sind ein absoluter Wachstumsmarkt und die elektronische Spielebranche erzielt gewaltige Umsätze. Wird dadurch traditionellen Brettspielen das Wasser abgegraben?

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ohannes Forstreiter und Bernhard Witschka fühlen sich in beiden Welten wohl, in der digitalen Spielewelt wie auch in der Welt der Brettspiele. Die beiden veranstalten das „Djinn Gießkann Brettspiel Bonanza“, wo sie sich einmal im Monat mit Gleichgesinnten treffen, um miteinander Brettspiele zu spielen. Anderthalb Jahre gingen sie mit der Idee schwanger, etwas in diese Richtung zu organisieren. „Für viele Spiele braucht man eine große Anzahl an Personen“, erläutert Bernhard einen 60

der Beweggründe für die Treffen, die bisher bereits viermal stattfanden. Etwa 15 bis 25 Personen spielen dabei mit- und gegeneinander. Zunächst kamen vor allem Bekannte, dann relativ schnell auch neue Gesichter. Mit dem Vinzenz Pauli in St. Pölten fanden sie zudem eine optimale Location, wo neben dem Spielen auch die Verpflegung nicht zu kurz kommt. „Im Gegensatz zu virtuellen Spielen, wo du Software und passende Hardware brauchst, was oft auch viel Geld kostet und du auch pausenlos

updaten musst, kannst du Brettspiele ganz schnell spielen. Du kannst sie auch relativ schnell selber variieren und modifizieren“, skizziert Johannes die Vorzüge. Man sei bei virtuellen Spielen doch relativ limitiert und an Regeln gebunden. „Wir sind der virtuellen Welt aber nicht abgeneigt, im Gegenteil: Wir spielen seit Ewigkeiten PC oder Playstation.“ Im Gegensatz zu früher gäbe es aber immer seltener die klassischen SplitscreenSpiele, die man auf der Couch gemeinsam gespielt habe, wie etwa die altbekannten Nintendo-Klassiker, wie Bernhard bemerkt: „Bei heutigen Multiplayer-Spielen sitzt du oft alleine zu Hause und kommunizierst nur über Head-Set.“ Im Gegensatz zu den Brettspiel-Abenden sei das


TEXT: Gotthard Gansch | Fotos: Matthias Köstler, Johannes Forstreiter

zwar unkomplizierter und organisatorisch wesentlich einfacher, aber „so viel gelacht wie dort habe ich beim PC-Spielen schon lange nicht mehr“. Johannes schlägt in dieselbe Kerbe: Zwischen den beiden Welten gäbe es für ihn keinen Favoriten, aber Brettspiele machten mehr Spaß. „Es ist nur ein großer Aufwand, einen passenden Termin zu finden.“ Mana mag man eben Gespielt werden bei diesen BrettspielAbenden verschiedenste Spiele. Johannes erzählt: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass vielen Spiele gefallen, wo man gemein sein kann, wo auch ein gewisser schauspielerischer Aspekt wichtig ist.“ „Und wo man rhetorische Skills braucht, Lügen muss“, ergänzt Bernhard. Beliebt seien etwa Hidden Role Spiele, bei denen zwei Teams herauszufinden versuchen, wer die Bösen sind (Werwolf ist ein bekannter Vertreter dieses Genres). Für große, sehr aufwendige Spiele, die viel Zeit, viel Wissen und große Räumlichkeiten benötigen (z.B. Warhammer), gibt es nur in Wien eigene Communities. Die beiden planen für die Zukunft auch Themenabende – passende Namen haben sie sich schon ausgedacht: Der Abend zum Thema Magie wird „Mana mag man eben“ heißen, die „Dice-Bucket-Challenge“ dreht sich ums Würfeln und verschiedenste Kartenspiele werden bei „Mischen impossible“ im Zentrum stehen. Falls jemand noch viel öfter spielen will, kann er sich auch an die BrettSpielGruppe St. Pölten wenden, die sich zweiwöchentlich an einem Donnerstag im Naturfreunde Bootshaus trifft. Innerstädtisches Jagen Johannes spielt aber auch Pokémon Go, wenngleich er bisher kaum dazugekommen ist: „Es ist aber schon lange her, dass ich wirklich ein Spiel tagelang gezockt, dass ich wirklich die ganze Zeit durchgesüchtelt habe.“ Er hat im Urlaub und ein bisschen zu Hause gespielt. „Das Spiel ist vor allem unfassbar nostalgisch. Und es spricht genau den Sammler in mir

KLASSIKER. Brettspiele sind noch immer Klassiker der Spielebranche. Johannes und Bernhard können bei ihren Treffen aus einem reichen Schatz an Spielen wählen.

an“, freut er sich. Da muss ich ihm nickend zustimmen. Für einen schnellen Spielfortschritt sollte man jedoch in der Innenstadt wohnen oder diese zumindest häufig besuchen: Urbane Gegenden sind nämlich in Pokémon Go bevorteilt, weil einerseits die Dichte an PokéStops und Arenen (s. Kasten S.62) eine weitaus größere ist, andererseits (zumindest bis jetzt) dort auch mehr und seltenere Pokémon auftauchen. Dort, wo sich viele derartige PokéStops befinden, und auch in Parks, sind immer wieder Pokémon Go-Spieler anzutreffen. In St. Pölten kristallisierten sich hierbei v.a. der Sparkassen-Park, das Regierungsviertel inklusive Hammerpark sowie die Innenstadt, allen voran die Ecke beim Subway, als Pokémon-Hotspots

heraus. Beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit traf man dort mehrere Spieler gleichzeitig an – deren Blick meist gen Bildschirm gerichtet. Poké-Stop! Mittlerweile flauen der Boom und das Interesse am virtuellen Jagen jedoch wieder ab. Das ist nicht nur Johannes, Bernhard und mir aufgefallen, das zeigen etwa auch die Nutzerzahlen und die Download-

BRETTSPIEL-Aficionados Djinn Gießkann Brettspiel Bonanza www.facebook.com/brettspielbonanza

BrettSpielGruppe St. Pölten Kontakt: iwant2play@spiele-gazette.cc

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MFG Szene

Pokémon killed the „Mensch ärgerE dich nicht“?

Pokémon Go: Der Bruch mit der Unternehmensphilosophie Vor genau 20 Jahren erblickten die Pokémon (engl. Pocket Monsters) in Japan die Welt. Neben Mario, Donkey Kong und Zelda zählen die virtuellen Taschenmonster zu den Steckenpferden des Nintendo-Konzerns. In Europa erschienen die rote und die blaue Edition, die erste Generation der Serie, erst drei Jahre später (1999). Seit damals erfreut sich das Pokémon Universum großer Beliebtheit. Nintendo war dabei schon immer für stationäre Videospielkonsolen (z.B. NES, Super Nintendo, Nintendo 64, Gamecube, Wii) wie auch für Handheld-Konsolen (etwa Game Boy und Nintendo DS) bekannt. Nahezu alle Titel von Nintendo erscheinen exklusiv für die hauseigenen Konsolen. Dahinter steckt wohl die Befürchtung, dass sich die Konsolen nicht mehr so gut verkauften, wenn die Titel auch für andere Plattformen, für PC oder auf dem Smartphone erscheinen würden. Dieses Credo wurde nun von Nintendo über Bord geworfen. Mit „Pokémon Go“ wagt man die ersten Schritte in den einträglichen und stark wachsenden Markt der Spiele-Apps für Smartphones. Noch vor Spielstart am 16. Juli (Österreich) entstand ein Riesenhype um das Spiel. Das Game zählt bereits jetzt zu den erfolgreichsten Apps, verdoppelte kurzzeitig sogar Nintendos Aktienkurs und sorgt dafür, dass strawanzende, aufs Handy starrende Menschen zu einem alltäglichen Bild in den Städten geworden sind.

Spielprinzip von Pokémon Go Auf dem Smartphone sieht man eine virtuelle Landkarte wie in GoogleMaps. Die eigene Spielfigur wird dabei dort platziert, wo man sich selbst gerade befindet. Bewegt man sich in der realen Welt, bewegt sich auch die Spielfigur in dieselbe Richtung. Die virtuellen Pokémon werden per Zufalls­ prinzip in der Spielwelt verteilt. Trifft man auf ein Pokémon, kann dieses durch einen Pokéball gefangen werden. Durch eine Wischgeste auf dem Smartphone wird ein derartiger Ball geworfen. Im Gegensatz zu den anderen Spielen der Pokémon-Reihe müssen dabei die Monster nicht vorher im Kampf geschwächt werden. Sehenswürdigkeiten oder spezielle Punkte werden dabei entweder als Pokéstops gekennzeichnet, bei deren Besuch man Spielgegenstände wie besagte Pokébälle oder Eier erhält, oder als Arenen, bei denen PokémonKämpfe absolviert werden können. Eier werden ausgebrütet, wenn man eine gewisse Wegstrecke (2, 5, 10 km) in Geh- oder Laufgeschwindigkeit zurückgelegt hat. Daraus schlüpfen dann wiederum Pokémon, die sofort in den eigenen Besitz übergehen.

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NOMEN EST OMEN. Bei Pokémon Go wandert man durch die Straßen auf der Suche nach dem virtuellen Vieh. Dabei trifft man an neuralgischen Punkten immer wieder Gleichgesinnte.

statistiken, wie unlängst die Nachrichtenagentur Bloomberg auf Basis von Marktforschungsdaten bekannt gab. Nach einiger Zeit geht die Lust am Fangen und Suchen tatsächlich verloren, wie ich das auch am eigenen Leib erfuhr. Begünstigt durch den anfänglichen Hype, das schöne sommerliche Wetter und durch die freien Ferientage versuchten sich zunächst noch viele am Jagen der virtuellen Monster. Zu Beginn sah man noch Mittzwanziger, die mit der ersten Generation von Pokémon groß geworden sind, Teenager, die wohl die nachfolgenden Generationen kennengelernt haben, und auch vereinzelt Ältere, die durch die Stadt schlenderten. „Immer dieselben Pokémon, immer dasselbe

Spielprinzip, wenig Neues, zu wenige Funktionen“, fasst Johannes seine Ernüchterung zusammen. „Aber wenn man bedenkt, dass das Spiel noch nicht annähernd fertig sein soll, bin ich guter Dinge“, so Johannes weiter. Vonseiten Nintendos bzw. Niantic betont man nämlich, dass man erst wenige der insgesamt geplanten Funktionen veröffentlicht habe. Bisher kümmerte man sich vor allem um die Serverstabilität, die anfangs gar nicht gegeben war. Ob man aber dann bereits verlorene Spieler wieder zurückholen kann und ob das Ferienende und der Herbstbeginn nicht zusätzlich Nutzer kosten werden, wird sich weisen. Sonst muss man eben wieder „Mensch ärgere dich nicht“ aus dem Kasten kramen …


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20 Jahre Fachhochschule St. Pölten Die Fachhochschule St. Pölten wurde vor 20 Jahren mit einem Studiengang gegründet – heute ist sie Anbieterin von insgesamt 17 Bachelor- und Master-Studiengängen sowie eines breiten Weiterbildungsangebotes. Wachstum. Im Jahr 1996 wurde die Fachhochschule mit dem einzigen Studiengang „Telekommunikation und Medien“ gegründet und im darauffolgenden September konnte der Studienbetrieb in der Herzogenburger Straße mit 65 Studierenden aufgenommen werden. Mit der Gründung der Fachhochschule wurde damals ein Meilenstein in der niederösterreichischen Bildungslandschaft gesetzt. Über die Jahre erfolgte ein stetiges Wachstum, sodass im Jahr 2007 der neue FH Campus in der Matthias Corvinus-Straße bezogen wurde und die damals 1.400 Studierenden fortan in modernst ausgestatteten Labors und Hörsälen ausgebildet wurden. Zukunft. Seit Bezug des neuen FH Campus stieg die Anzahl der Studierenden auf rund 2.600 Personen an. Das Studienangebot wurde in den letzten Jahren auf 17 Bachelor und Master Studiengänge und ein breites Weiterbildungsangebot in den Themenfeldern Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologie & Mobilität, Gesundheit und Soziales erweitert. Die beiden

cm…k o R r a B m a r ro g s p i e lt P

neuen Studiengänge „Smart Engineering“ und „Gesundheits- und Krankenpflege“ komplettieren das Angebot seit 2015. Ebenfalls neu ist der Weiterbildungslehrgang „Sozialarbeit mit AsylwerberInnen und Konventionsflüchtlingen“, der PraktikerInnen der Sozialen Arbeit wichtiges Spezialwissen liefert. Eine weitere Steigerung der StudierendenAnzahl ist in der Strategie der Fachhochschule verankert. Damit steigt auch der Raumbedarf in den nächsten Jahren, weshalb ein Zubau am bestehenden FH Campus in Planung ist. Rechtzeitig vor Beginn des Wintersemesters 2018 bzw. des Sommer- oder Wintersemesters 2019 soll der Ausbau fertiggestellt sein.

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Seit 1995 ist die WILDSTYLE & TATTOO MESSE – Europas erfolgreichstes Tattoo Projekt – mittlerweile unterwegs und feierte 2015 das 20-jährige Jubiläum! Am 29. und 30. Oktober gastiert der Jahrmarkt der Freaks wieder im VAZ St. Pölten.

Mit Tattoos, Piercing, extravaganter Mode, Clubwear, Schuhe, Schmuck, Accessoires, Dessous, Metal- & Rockabilly Style und wie immer mit einem ebenso spektakulären und gleichermaßen einzigartigen NonStop Showprogramm – gestaltet von Freaks, Artisten, Akrobaten und Showgirls mit einzigartigen Stunts und Attraktionen – wird die Wildstyle auch 2016 das Publikum begeistern. Als Stargäste sind unter anderem Alex „The Mexican Werewolf“, Kiros Hadgu „The Twisted Man“ – der elastischste Mensch der Welt – und Reverend B. Dangerous mit seiner durchgeknallten Freakshow mit von der Partie. Auch die Freakshow Legende & weltweite Tattoo Ikone „The Enigma“ kommt nach St. Pölten.   www.wildstyle.at

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„Genuss aus aller Welt“ ist das Motto des „EURO-

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Sparkasse niederösterreich mitte west ag

Studenten stehen auf George „Seien wir ehrlich. Wer als Student in die weite Welt hinauszieht, möchte ja nicht ewig an Mamas & Papas Rockzipfel hängen, schon gar nicht in Sachen Finanzen. Ich will Herr über mein eigenes Geld sein, und da muss natürlich ein passendes Konto her“, erklärt Jonas, der im Herbst an der Wiener Uni sein Publizistikstudium angeht. Warum gerade das Studentenkonto der Sparkasse Niederösterreich Mitte West AG das „passende“ war, liegt für Jonas auf der Hand: „Die sind einfach unschlagbar!“ „Ich hab die Angebote der verschiedenen Ins­ titute miteinander verglichen, und da war rela­ tiv rasch klar – ich eröffne ein Studentenkonto bei der Sparkasse.“ Die Gründe könnte man vielleicht mit einer Art „KinderüberraschungsEffekt“ erklären. „Du bekommst ja nicht nur ein schnödes Konto, womit du halt deinen Zahlungsverkehr tätigst, sondern in Wahrheit sind es gleich mehrere Produkte in einem mit vielen unterschiedlichen Vorteilen“, so Jonas. Dass er obendrein noch von jungen, dyna­ mischen Mitarbeitern wie Michelle Wagner betreut wird, also Menschen seiner Lebens­ welt, ist ein zusätzlicher positiver Nebeneffekt. Einen anderen, handfesteren führt Michelle ins Treffen. „Unser Studentenkonto kostet ge­ genüber einem herkömmlichen Konto nichts, außerdem ist beim Studentenkonto eine hö­ here Verzinsung üblich.“ Klingt doch schon mal sehr überzeugend. Ebenso wie die weiteren Funktionen der Kon­ tokarte. „Ich sag nur ISIC“, meint Jonas, und zeigt auf das diesbezügliche Logo auf seiner Kontokarte. Michelle erklärt wieder, was das genau heißt bzw. was man damit machen kann. „Zum einen kann man mit der Karte na­ türlich bargeldlos bezahlen oder Bargeld am Bankomaten abheben. Das zusätzlich Beson­ dere ist aber, dass unsere BankCard zugleich ein internationaler Studentenausweis ist – da­ für steht ISIC! Damit kommt der Kontoinhaber weltweit in den Genuss von etwa 42.000 Ver­ günstigungen!“ Jonas erzählt, dass er unter Vorweis der Karte etwa zuletzt bei „Forever 21“ in Wien 10% Ermäßigung auf seine neuen Klamotten bekam, außerdem hat er sich vor­ gestern Kopfhörer von Panasonic zugelegt

„und dafür 35% weniger bezahlt!“ Ermäßi­ gungen gibt es zudem noch in diversen Res­ taurants, Kulturbetrieben, auf Software und vieles mehr. „Kurzum, damit werde ich mir noch viel Geld sparen“, grinst Jonas zufrieden. „Diese Karte“ – Jonas zeigt auf die ÖBB Vorteilscard, die in seiner Geldbörse gleich unter seiner Bankcard steckt – „hab ich übri­ gens auch von der Sparkasse. Das war mein Einstandsgeschenk zur Kontoeröffnung.“ Auch diesbezüglich lässt sich die Sparkasse also offensichtlich nicht lumpen. Alternativ kann man auch einen 20 Euro Gutschein für ein ÖAMTC Fahrtechniktraining bekommen, oder es gibt 20 Euro als Geschenk aufs Konto. Und wer denkt, damit sei das Ende der Fahnenstange schon erreicht – weit gefehlt. Studentenkontoinhaber bei der Sparkasse haben zudem regelmäßig die Chance auf coole Gewinne. Aktuell wird etwa jede Wo­ che ein 500 Euro Reisegutschein verlost, bei Kontoeröffnung spielt man zudem um den Gewinn von 1x2 Flugtickets zu einer Des­ tination seiner Wahl mit. Und, was für Jonas ganz entscheidend war, „dann ist da noch die Sache mit George.“ So heißt das moderne On­ linebanking der Sparkasse, dessen Einzigar­ tigkeit Jonas gleich einmal auf der Handyapp

vorführt. „Du kannst das Ding richtig persona­ lisieren – schau mal, wie ich aussehe“, grinst er und präsentiert als sein Konterfei ein Po­ kémon-Monster. „Natürlich kannst du damit aber alle Bankgeschäfte abwickeln“, erläutert Michelle, „wobei bei George alles viel intui­ tiver vonstatten geht, da haben wir uns sehr stark an diversen Social Media Plattformen orientiert.“ „Was mir zum Beispiel voll taugt“, bestätigt Jonas, „George merkt sich alle Vor­ gänge, ich muss also bei einer wiederholten Überweisung nicht jedes Mal alles neu ein­ geben. Oder ich suche per Schlagwort wie in einer Suchmaschine nach einem bestimmten Zahlungseingang.“ Ein automatisches Adress­ buch, der direkte Kontakt zum Bankbetreuer sowie ein Shop runden das Angebot ab. Bleibt zuletzt noch die Frage, wie man zu einem Studentenkonto kommt? „Das ist einfach“, so Michelle. „Man kommt mit der Inskriptionsbestätigung, einem Passfoto und einem Ausweis entweder direkt in eine un­ serer Filialen vorbei, oder man wickelt das Ganze von zuhause auf studenten.sparkasse. at ab.“ Kurzum, liebe Studenten – ihr seid nur ein paar Klicks vom Rendez-Vous mit George und dem wohl besten Studentenkonto Öster­ reichs entfernt!

studenten.sparkasse.at | mygeorge.at | www.isic.at MFG 09.16

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MFG SPORT

Nur wer zahlt, schafft an beim SKN

Seit Juli ist der SKN St. Pölten offiziell schuldenfrei. Über die Höhe des Budgets schweigt der Verein. Rund vier Millionen Euro werden kolportiert. Neu ist, dass das Präsidium von „strategischen Partnern“ aus der Wirtschaft und Politik abgewählt werden kann. Dafür gibt es jedes Jahr einen zusätzlichen Geldfluss im sechsstelligen Bereich.

A

bstiegskampf in der Bundesliga. Arbeitsrechtliche Streitigkeiten vor Gericht. Transferpoker. Sponsorentermine. Organisatorisches. Trotzdem findet General Manager Andreas Blumauer zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Sturm Graz Zeit für’s MFG-Magazin, schließlich geht’s um sein Lieblingsprojekt, die SKN-Strukturreform. „Neun Uhr Vormittag“ schlägt er vor. Um neun Uhr Früh herrscht dann tatsächlich schon geschäftiges Treiben in der NV Arena. Mit Ausnahme vom urlaubenden Sportdirektor Frenkie Schinkels ist der Bürotrakt voll besetzt. In der Mitte des Eingangsbereichs, wo einst ein Wuzzler stand, thront nun der Meisterteller. Das Dienstzimmer teilt sich Blumauer mit dem „Betreuer der Partner und Sponsoren, Verkauf“ Jörg Egger. Beim small talk über die sportliche Situation des Vereins am Come Together Table beweist Blumauer Fachwissen, kennt die gesundheitlichen Situationen einzelner Spieler genau wie auch die positionsbezogenen Einsatzmöglichkeiten. Schließlich unterschreibt er die Verträge. Schinkels vermittelt die Spieler, ist jedoch nicht zeichnungsberechtigt. Endlich schuldenfrei Einen stolzen Blick bekommt der ehemalige LASK-Finanzvorstand, wenn es ums Geld geht. Seit Juli ist der SKN nämlich „den Rucksack mit den Altlasten der Vorgänger-Klubs endlich los und schuldenfrei“, wie Obmann Gottfried Tröstl in einer Pressekonferenz höchstpersönlich verlautbarte. Kurz zuvor war der Rückkauf des Voithplatzes (den seine Vorgänger bis 70

NEUE WEGE. SKN-Generalmanager Andreas Blumauer hat den Schulden-Rucksack weggekickt und setzt in Zukunft auch auf strategische Partner.


TEXT: Thomas Schöpf | Foto: SKN/Bernhard Herzberger

2026 gepachtet hatten) und der Verkauf von Flügelflitzer Cheikhou Dieng an den türkischen Europacup-Starter Medipol Başakşehir, den dessen Manager Horst Zangl abwickelte, um kolportierte 500.000 Euro über die Bühne gegangen. Frisches Geld kam aber auch aus einer Quelle, die Blumauer freilegte. Vereinsmitglieder, die mitbestimmen wollen, müssen beim SKN nun 50.000 Euro „Einschreibgebühr“ zahlen und danach jährlich 10.000 Euro Mitgliedsbeitrag. Die „strategischen Partner“ aus Wirtschaft und Politik dürfen dafür unter anderem über die Besetzung des Präsidiums (Obmann, Stellvertreter, Kassier und Schriftführer) bestimmen. Blumauer und Schinkels genießen unbefristete Verträge bei der „SKN St. Pölten Spielbetrieb und Wirtschaftsbetrieb GmbH“. Bei den vierteljährlichen Versammlungen der Mitglieder muss Blumauer Bericht ablegen: „Die Partner können sich auch selbst einbringen. Das heißt, wenn sie irgendwo

Verbesserungsmöglichkeiten sehen, können wir das gleich gemeinsam besprechen und angehen.“ 13 Partner haben sich mittlerweile gefunden (in aller Regel Geschäftsführer bestehender Sponsoren), also sind schon 650.000 Euro an Einschreibgebühren geflossen. Zunächst waren nur niederösterreichische Firmen willkommen, die Tore sind nun aber weiter geöffnet. „Mit Sponsoring hat das nichts zu tun“, betont Blumauer, obwohl den Firmen diverse Werbemittel eingeräumt werden. Die Milchmädchenrechnung, dass nächstes Jahr vielleicht nur mehr 130.000 Euro frisch fließen, sei nicht zulässig. Mit dem Budget – über dessen Höhe der Verein seit dem Aufstieg schweigt – habe das ebenso wenig zu tun. Wichtig für die „strategischen Partner“ sei vor allem die Vernetzung, die im Rahmen der

Spiele und bei den Versammlungen im Business Bereich der NV Arena stattfindet und das Stimmrecht über neue Mitglieder. Fachliche Unterstützung liefert ein Sportbeirat, für den z.B. Ex-ÖFBTeamchef Josef „Pepi“ Hickersberger gewonnen werden konnte, und ein Wirtschaftsbeirat. Ob strategische Partner wie „Neuhauser Kulinarium“, „Wutzl Gastro GmbH“ oder „Dockner/Huber Winzergemeinschaft“ – die den SKN schon länger mit ihren Köstlichkeiten beliefern – gegenüber neuen Mitgliedern aus dem GastroBereich offen sind, wird sich weisen. Noch dazu wo hier Einstimmigkeit vorliegen muss! Klar ist, der gemeine Fan hat beim SKN nichts mitzubestimmen, was im österreichischen Fußball allerdings nichts Außergewöhnliches ist.

Die Partner können sich auch selbst einbringen. andreas Blumauer

unser CuP-HeimsPiel in der nV ArenA:

dienstag, 20. sept. 2016

sKn : sV ried mit sOnderPreistAriFen Für Kinder, JugendliCHe und studenten! Mehr Informationen gibt’s auf www.skn-stpoelten.at

Die genaue Beginnzeit (zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt) entnehmen Sie bitte den Medien.

MFG 09.16

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MFG SPORT

Der Voithplatz – eine 65-jährige FuSSballgeschichte wird planiert

Ende August musste der SKN St. Pölten den Voithplatz räumen, der nun wieder im Firmenbesitz ist. Das letzte Kapitel einer 65-jährigen Fußballgeschichte. Künftig sollen dort Wohnungen entstehen.

M

it einem 18:1-Kantersieg des BSV Voith gegen SC Rabenstein wurde der Voithplatz 1951 eröffnet. Das letzte Tor erzielte die Ungarin Lilla Sipos beim 6:0 des FSK St. Pölten-Spratzern gegen SKV Altenmarkt vor 250 Zuschauern am 11. Juni 2016, während am St. Pöltner Rathausplatz schon etwas mehr Fußballbegeisterte beim Public Viewing der EM-Partie England gegen Russland entgegen fieberten. Der letzte Hausherr SKN St. Pölten hatte sich schon im Mai 2012, ebenfalls standesgemäß mit einem 3:1-Sieg gegen Austria Lustenau (Erste Liga), vom Voithplatz verabschiedet. 3.650 Fans pilgerten damals zum „aufgeschütteten Steinhaufen“, wie VSE-Kultkicker Alfred Tatar – nun Analytiker bei „Sky“ – seine ehemalige Wirkungsstätte bezeichnet. Daniel Lucas Segovia gelang ein Doppelpack

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und Langzeit-Coach Martin Scherb stach sein Gegenüber Helgi Kolvidsson aus, der wiederum diesen Sommer als Assistent der Teamleitung beim EM-Höhenflug der Isländer mittendrin war. Zum Abschluss gab’s noch einmal „Preise wie vor 30 Jahren“. Die Letzten verließen um sechs Uhr früh mehr oder weniger angeschlagen die nicht abgesperrte Kultstätte. Ab vier Uhr waren alle noch vorhandenen Getränke gratis, weil das Personal schon genug hatte. Von Weltstars und Nieten Geschichten wurden am Voithplatz in 65 Jahren zahlreiche geschrieben. Die sportliche Blütezeit erlebte er 1988 bis 1994, als der VSE St. Pölten unter Präsident Helmut Meder in der Bundesliga mitkickte und vor allem im Aufstiegsjahr mit Spielmacher Mario Kempes, dem Drei-Mann-Sturm

Ernst Ogris, Franz Zach und Slobodan Brankovic und dem beinharten Manndecker-Duo Leopold Rotter und Hans-Peter Frühwirth die Massen anlockte. 7.091 lautete im Grunddurchgang 1988/1989 der offizielle Zuschauerschnitt, Rapid wollten damals durchschnittlich 3.991 daheim sehen. Lediglich der FC Tirol unter TrainerLegende Ernst Happel mit Spielern wie Bruno Pezzey, Hansi Müller oder Peter Pacult war hierzulande mit 10.227 Besuchern ein noch größerer Magnet. Kempes – Weltmeister mit Argentinien und WM-Torschützenkönig 1978 und Gewinner des Cups der Cupsieger mit Valencia 1980 – ist nur an zwei Spielstätten häufiger aufgelaufen als an jener am Spratzerner Kirchenweg: im Estadio de Mestalla de Valencia und im Estadio Gigante de Arroyito, der Heimstätte von Rosario Central. Eine Arena trägt mitt-


TEXT & FOTOS: Thomas Schöpf

Der Bundesliga-Rekordspieler des VSE heißt allerdings Hans-Peter Frühwirth, kommt aus dem Burgenland, und lief 176 Mal in der höchsten heimischen Spielklasse für die Voith Schwarze Elf auf, deren Name den Ursprung im schwarzen Kragen der ersten Dress nach dem zweiten Weltkrieg hatte. Der BSV Voith hielt sich Anfang der 60er-Jahre immerhin mehrere Jahre in der damaligen zweithöchsten Spielklasse, der Regionalliga Ost. Der einzige Spieler, der sowohl für den VSE, FCN und SKN St. Pölten die Schuhe schnürte, ist Gärtner Thomas Nentwich. Den prominentesten Kurzeinsatz verzeichnete Laurentiu Reghecampf, der im Frühjahr 1994 unter Trainer Willi Kaipel eine Minute gegen die Austria auflaufen durfte (auswärts) und als nicht bundesligatauglich befunden wurde. In Deutschland bewies er dann bei Energie Cottbus und Alemannia Aachen jahrelang das Gegenteil, mittlerweile trainiert er den rumänischen Topklub Steaua Bu-

ABSCHIED AUF RATEN. Der

mehr alt als ehrwürdige VoithPlatz blickt auf eine schöne Vergangenheit zurück, Fußball gespielt wird aber mittlerweile in der modernen NV-Arena (r.) Heute nutzen nur noch einige Hobbygolfer den Rasen zum Schlagenüben – doch auch das wird bald Geschichte sein. Es sollen Wohnungen enstehen.

karest. Der farbige Nordire Roy Essandoh brachte es immerhin auf drei Einsätze in der zweiten Liga für den VSE, wurde dann wegen einer Knieverletzung heimgeschickt und sorgte in England tagelang für Schlagzeilen, als er im FA-Cup-Bewerb den damaligen Drittligisten Wycombe Wanderers als Joker zum 2:1-Sieg gegen Premier-League-Club Leicester City ins Halbfinale köpfte. Essandoh hatte erst tags zuvor einen Vertrag bekommen, nachdem er sich auf ein Inserat (!) des Klubs gemeldet hatte und wurde anschließend ins nordirische Nationalteam einberufen. Vom VSE ins Nationalteam schafften es Leopold Rotter und Frenkie Schinkels (Kopfballtor gegen die Niederlande beim 3:2-Auswärtssieg unter Ernst Happel), dazu stand Heimo Vorderegger einmal „auf Abruf“ bereit. In den Europacup schaffte es nur der SKN, allerdings erst nach dem Wechsel in die NV Arena. Dafür trug die Admira 1982 ein Intertoto-Heimspiel hier aus. Gegen den schwedischen Klub IFK Norrköping kamen 3.500 Zuschauer, darunter Helmut Meder. Der sofort erkannte, was in St. Pölten möglich sein kann.

Künstlerfest 2016

Roul Starka Zum alljährlichen Künstlerfest bekam ich das Thema „Future“. Nicht etwa „Zukunft“, nein, „Future“. Was man nicht sehen oder hören kann, ich schreibe das alles zunächst mit Füllfeder in mein Moleskine. Ob „in mein Moleskine“ oder „in meinen Moleskine“ wird man in der Zukunft nur mehr wenig diskutieren. Leider. Und der guten „Future“ wird es komplett wurscht sein, weil die geht grad mit Taucherbrille einkaufen und lässt sich zwischen Pokemonstern virtuell beraten. „Future“ klingt auch irgendwie nach Shades Of Grey auf E-Book. Das moderne Zusammenleben, glücklich auf der Wiese zwischen Regierungsviertel und Hundeauslaufzone. Die Future ist schon da, alles joggt mit App und Selfie und Navi. Das Wort Future droht mir auch mit noch mehr „praktisch“ und „gesund“. Unsere ungesündeste Erfindung ist das Auto, 3000 Tote weltweit täglich – der Pfuigack aber ist meine Zigarette. Und das Schädlichste seit der Erfindung der Menschheit? Die Religionen. Allah ist groß, Krampus und Nikolaus sind größer. Ein Schwanzmessen Ende nie, getarnt als Erleuchtung mit Recht auf Rufzeichen. Wenn da die Future helfen könnte, wäre ich ihr dankbar. Ihre sozialen Netzwerke könnten es. Doch was auch immer wir erfinden, das Wichtigste wird bleiben, wieviel Liebe Eltern einem Kind mitgeben können. Wie das Geschlecht der Eltern beschaffen ist, soll egal sein – ich plädiere für alle Regenbogen-Adoptionsmöglichkeiten. Und im Sinne der Gleichberechtigung soll die Rubrik männlich/weiblich auf allen Formularen und Dokumenten fehlen. „Person“ und fertig. Solange wir die Genesis nicht gendern, ist alles für die Katz, liebe Future. Und eine Person sprach: „Es werde Licht!“

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Foto: kerenby - Fotolia.com

lerweile seinen Namen, das Estadio Mario Alberto Kempes in Cordoba. Ja genau, das ist dort, wo Österreich 1978 Deutschland, Sie wissen schon.

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, Dr. Ray B. (von links nach rechts)

Mozes And The Firstborn Nostalgisch waren Mozes And The Firstborn schon auf ihrem ersten Album. Jetzt verlassen sie die Garage und spielen Indie-Rock in seiner schönsten Form. „Great Pile Of Nothing“ ist ein herausragend schönes Album. Songs wie „Crawl“ brillieren durch Atmosphäre und „OC/ DC“ klingt, als hätten die Niederländer ihre liebste Weeezer-Platte hervorgekramt. Ein Album, das mit seinem Charme und seiner Wärme sicherlich viele Herzen erobert.

Kurt Ostbahn

2014 live auf der Kaiserwiese

Eigentlich war er schon in Pension, der Herr Dr. Kurt Ostbahn, aber das wollten die Fans partout nicht akzeptieren, so dass er seit geraumer Zeit wieder auf der Kaiserwiese im Wiener Prater ordiniert. Und wie! Kurti-Konzerte zählen noch immer zum Besten, was es hierzulande live zu erleben gibt. Dank e&a Records ist dieses Mysterium per Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2014 konserviert. Nach den Eigenekompositionen sind auf Vol. 3+4 diesmal die Fremdkompositionen dran. Genial!

ZUM SCHAUEN

Manshee, C. Schuhmacher

1-1800 DINOSAUR TRIM

Niemand Geringerer als James Blake war es, der sich mit dem Kolletiv „1-1800 Dinosaur“ ein kreatives Vehikel geschaffen hat, das nun mit dem „Debutalbum“ am Start steht. Getragen wird das Ganze von der unverwechselbaren Stimme von Rapper und MC TRIM: Auch wenn Grime in seinen Adern pulsiert, erinnert seine sonor-unverkrampfte Delivery an die Roots Manuvas. Trims Raps verweben die fünf Dinosaurierkollegen zu einem luftigen und verspielten Klangteppich.

Outer Edges NOISIA

Relativ überraschend haben die Großmeister aus Holland kurz vor Sommer ein neues Album angekündigt. Es besticht nicht nur durch seine produktionstechnische Finesse, es ist eine brillante Synthese gelungen, die den momentan modernen glitchey Minimalismus virtuos ins Dancefloor-Gedonner einbindet. Dieses Album wird ein Blueprint für die ganze Szene in Zukunft sein. Wer mal rein hören will, dem lege ich besonders die Tracks „Get deaded“ und „Vigilantes“ ans Herz.

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

Black Palms Orchestra Sad Moon Rising

FM4/House of Pain-Mann Christian Fuchs (Bunny Lake, Fetish 69, Buben im Pelz etc.) präsentiert sein erstes Mehr-oder-weniger-Soloprojekt: Melancholisch-gewitztes Kopfkino, so, als hätte David Lynch einen existenzialistischen Western in den steirischen Wäldern gedreht: Chris Isaac und Angelo Badalamenti lassen von Ferne mit wabernden Gitarren und verregneten Trompeten grüßen. „Last Summer Forever“ – Trostlosigkeit kann so schön sein.

The Kyle Gass Band

Thundering Herd

Vielen dürfte Kyle Gass als Mitglied des kongenialen Duos Tenacious D bekannt sein. Dass er auch ohne Jack Black großartige Musik abliefert, beweist das zweite Album der nach ihm benannten Band. Thundering Herd wartet dabei mit Classic Rock auf. Auch Ausflüge in bluesige und jazzige Gefilde sind zu finden. Garniert wird das Ganze von einer ordentlichen Prise Humor.

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

One More Time ...

No Man´s Sky

Das Buch vom Süden

... with Feeling war ursprünglich als schlichtes Performance Konzept gedacht. Je tiefer Dominik in die tragische Entstehungsgeschichte und die Aufnahmen für das neue Album eintauchte, desto größer wurde die Tragweite des Projekts. Neben den Filmauftritten darf man sich auf Interviews und weiteres Filmmaterial sowie auf die Schilderungen und tiefsinnigen Improvisationen von Nick Cave freuen.

Über kein anderes Spiel wurde in jüngster Vergangenheit mehr berichtet als über das Weltraum-Simulationsspiel „No Man´s Sky“. Das erkundbare Universum umfasst 18 Trillionen Planeten. Wenn man rund um die Uhr jeden Planeten nur eine Sekunde anschauen würde, würde es knapp 570 Milliarden Jahre dauern, bis man fertig wäre. Jeder Planet hat seine eigene Geschichte. Die Entdeckungsreise kann beginnen.

Julian Passauer verbringt die Kindheit wohlbehütet in einer Dachwohnung des Schlosses Schönbrunn. Als jungen Mann zieht es ihn in die Ferne, auf einem Frachtdampfer umrundet er Afrika. Er bringt es zu einem höchst erfolgreichen Pokerspieler, ehe er der uralten Sehnsucht des Mitteleuropäers nach dem Süden erliegt: Frei von Alltagsmühen lässt er sich auf einem Anwesen am Gardasee nieder.

TSCHICK

The Division

Mächtig senil

Maik kann sich eigentlich über die Sommerferien nicht beschweren: alleine in der elterlichen Villa mit Pool! Dennoch droht dem Außenseiter die große Langeweile. Doch dann kreuzt Tschick mit einem geklauten Auto auf. Die zwei Freunde brechen ohne Karte, Kompass und Ziel auf ... Gelungene Umsetzung des Bestsellers von 2010: ein packender Roadmovie!

„Tom Clancy‘s The Division“ ist ein online basierter Taktik-Shooter, den man zusammen mit Freunden zocken sollte. Die herausfordernden Heists und die Vielzahl an Sammelbaren lässt jedes RPG Herz höher schlagen. Die Kulisse von New York im postapokalyptischen Zustand ist zwar nicht am technischen Niveau, aber das Deckungssystem und die nervenaufreibenden Gefechte lassen über dieses kleine Manko leicht hinwegsehen.

Auf einer Datscha pflegt Nikolai den einst mächtigsten Mann Russlands- Wladimir P. ist dement. Nikolai macht seine Arbeit zuverlässig und gewissenhaft. Doch dann gerät sein geliebter Neffe in die Mühlen der korrupten Justiz und Nikolai muss sich der Frage stellen, ob er seinen Neffen opfert oder sich dem von Putin geschaffenen System anpasst und sich wie alle anderen zum eigenen Vorteil bereichert.

Andrew Dominik

Fatih Akin

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Hello Games

Ubisoft

André Heller

Michael Honig

Fotos: zVg

Great Pile Of Nothing


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

die grosse nina proll show - Vorstadtlieder In „Braunschlag“ und als „Vorstadtweib“ erreichte die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin Nina Proll hohe Popularität. Doch ihre wahre Leidenschaft gilt der Musik. In ihrer Soloshow „Vorstadtlieder“ steigt Nina in die Bars und Spelunken der Vorstadt, gräbt in Vergessenheit geratene Chansons und Lieder aus, um sie in neuem musikalischem Gewand zu präsentieren. Die Thematik beschäftigt sich mit der Vorstadt und ihren Bewohnern. Begleitet von einer Acht-Mann-Band und vier Tänzern bietet Nina ein buntes Programm. 17. November 2016



06.10. - 30.10.

Blätterwirbel

Der Oktober steht in St. Pölten traditionell wieder ganz im Zeichen der Literatur. Beim „Blätterwirbel“, der 2006 zum ersten Mal stattfand, kommen die Fans des geschriebenen und gesprochenen Wortes wieder an verschiedensten Orten der Stadt auf ihre Kosten. U.a. mit Sigrid Löffler, Eva Menasse, Wolfram Setz, Stefan Slupetzky, Andreas Gruber uvm. literatur

26.10.

09.10.

Jeden Sommer finden wechselweise an den Kathedralen von Chichester, Salisbury und Winchester das Kirchenmusik-festival „Southern Cathedrals Festival“ statt. Für diese Sommerfestspiele hat Leonard Bernstein die „Chichester Psalms“ in hebräischer Sprache geschrieben. Innigkeit und die Liebe zur jüdischen Religion werden dabei ausgestrahlt.

st. pölten

Festival

Dom St. Pölten

THE CURE

04.11.

PEPE LIENHARD

Die Band rund um Robert Smith spielte einige hochkarätige Shows in London und war Headliner auf allen wichtigen Festivals. Auf ihrer Europatournee werden von Robert Smith, Simon Gallup, Jason Cooper, Roger O‘Donnell and Reeves Gabrels die besten Songs aus 37 Jahren Bandgeschichte ebenso zu hören sein wie noch unveröffentlichte Songs. Marx halle Wien

Konzert

05.11.

MAIGEBORN TRIO

15.11.

Spätestens bei der dritten Nummer hat man sich ins Tirolerische eingehört, so flüssig finden hier eingängige RockPop-Nummern mit sinnvollen Texten zusammen. Da ist man schnell „daham“! Schwer genug auf Deutsch gute Popmusik zu schreiben, aber Bernhard Seiwald gelingt es abseits von Betroffenheitspop oder Bedeutungslosigkeit, gute Texte zu schreiben. BArrock

15.10.

The Rats are back

Vier charmante Österreicher Norbert Oberhauser, Volker Piesczek, Eric Papilaya und Big Band-Leader Pepe Schütz haben es sich zur Aufgabe gemacht, Swing in neuem Glanz auf Österreichs Bühnen zu präsentieren. 2016 besticht das österreichische Rat Pack nicht nur mit Entertainment- Klassikern, sondern auch mit neu arrangierten Rock- & Pop- Klassikern. Konzert

Bühne im Hof

26.10.

Starka und Wöber

„Am Anfang war das Lied“, unter diesem Motto machen St. Pöltens wohl bekannteste Liedermacher am Klavier „gemeinsame“ Sache bzw. laden zu einer Art Doppelconference ein: Roul Starka trifft auf Martin Wöber. Das heißt nicht nur Lieder mit Tiefgang, sondern beide werden auch literarisch in Erscheinung treten und Tagebuchtexte lesen. Konzert

Frei:raum

Seit Jahrzehnten zählt die Big Band des Vollblutmusikers Pepe Lienhard zu den beliebtesten Swing-Formationen. Mit Swing Live können sich Liebhaber des großen Big Band Sounds auf Evergreens von Größen wie Glenn Miller freuen - und auf eine ganz persönliche Hommage an den unvergesslichen, langjährigen und geschätzten Freund Udo Jürgens.

Konzert

Konzert

Chichester Psalms

VAZ St. pölten

THE PIXIES

Schon in den 80erJahren wurden die Pixies mit Hits wie „Where is my Mind“ zu Legenden. Drei Jahrzehnte, eine Trennung und eine Wiedervereinigung später begeistern die Indie-Rocker aus Boston noch immer mit ihren ausdrucksstarken Songs und Live-Auftritten. Sie präsentieren neben ihren legendären Hits auch das aktuelle Album „Head Carrier“. Konzert

wiener stadthalle

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MFG

Fotos: Luiza PUIU, Hanna Partaj

AUSSENSICHT

ST. Pölten – EUROPÄISCHE KULTURHAUPTSTADT 2024? GEORG RENNER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“

„Keine 30 Minuten vor Wien eine Kulturhauptstadt wäre sinnlos.“

„Da ist mir immer noch lieber, alle Welt glaubt, St. Pölten stinkt.“

Es klingt ja verführerisch: St. Pölten wird gemeinsam mit der Region NÖ Mitte Europäische Kulturhauptstadt 2024. Im Vorfeld sprießen EU-, Bundes- und Landesförderungen, wir bekommen neue Ausstellungsräume, spektakuläre Architektur und ein Jahr lang Besucher aus der ganzen Welt. St. Pölten, endlich auf dem Weg, sein düsteres Image zu korrigieren. Aber ehrlich: Ist denn das sinnvoll? Der Sinn der Heraushebung eines Ortes als Kulturhauptstadt liegt v. a. darin, für eine langfristige Entfaltung der lokalen Kulturszene Impulse zu geben. Also lautet die erste Frage, wie es um die Szene bestellt ist: Hat St. Pölten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ein eigenständiges Kulturleben entwickelt, genug, um die eigene Bevölkerung und jene der Region zu begeistern? Ja, zweifellos. Aber: Hat St. Pölten genug davon, um europaweit zu strahlen, um langfristig ein Publikum auch jenseits der Grenzen Österreichs anzusprechen? Bei aller Liebe zu Prandtauer und Bühne im Hof, zu Sonnenpark und Bauchklang und Paradiso, wird man die Frage verneinen müssen. Jetzt könnte man das bis 2024 wahrscheinlich ändern, indem man die lokale Szene mit Förderinfusionen bis zur Unkenntlichkeit aufpumpt; indem man große Namen herlockt, das Festspielhaus besser anschließt, Stadtsaal-Konzerte popularisiert, Indie-Szene aufbuttert. Aber selbst, wenn man die Frage, wo das Geld herkommen würde – Swap-Vergleich, hallo? – einmal hintanstellen würde: Wäre es denn wirklich sinnvoll, hier, keine 30 Minuten von der Weltstadt Wien entfernt, ein internationales kulturelles Zentrum aus dem Boden zu stampfen? Dazu kann man nur sagen: Nein. St. Pölten sollte seine Rolle kennen: Als regionales Ballungszentrum, als Stadt mit hoher Lebensqualität. Aber hier auf den Aufbau weiterer Kulturstätten mit internationalem Anspruch zu setzen, wäre fahrlässig. Wichtiger als hier um viel Geld eine Potemkinsche Kulturhauptstadt aufzustellen wäre, die Synergie mit Wien besser zu nutzen – zum Beispiel, mit den ÖBB über einen Nacht- oder Wochenendzug für Konzert- oder Theaterbesucher zu verhandeln. 76

JAKOB WINTER

Der Wilhelmsburger ist Redakteur des Nachrichtenportals NZZ.at

Vor ein paar Wochen in einer Wiener Bar. Illustre Runde, belanglose Gespräche. Wie wir genau auf St. Pölten gekommen sind – ich weiß es nicht mehr. „Bitte, warst du schon einmal in St. Pölten?“, fragt eine Bekannte, höhnisch grinsend. Bevor ich etwas erwidern kann, fährt sie fort: „St. Pölten ist Pampa, da ist nichts. Es stinkt, es …“ – „Ich bin aus St. Pölten“, unterbreche ich. Auf kollektives Gelächter folgt betretenes Schweigen. Ich fühle mich bemitleidet. Es stinkt. Es ist schirch und öd. Ein paar Industrieanlagen, rundherum tiefste Provinz. So wird über St. Pölten gesprochen – außerhalb des Stadtgebiets. St. Pölten ist längst besser als sein Ruf, gemütlich und urban zugleich. Ungeachtet dessen ist das Image der Stadt in Restösterreich konstant miserabel. Ein Blick nach Linz gibt Hoffnung: Die Stadt hatte lange mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen, sie galt als triste Betonwüste, als Heimstätte der Stahlindustrie. Linz ist zwar heute immer noch als Stahlstadt bekannt, steht aber auch für junge Künstler, für Kultur, für Inspiration. Linz hat hart an einer Imagekorrektur gearbeitet, das Kunstmuseum Lentos und das Ars Electronica Festival sind Zeugen davon. Nicht unwesentlich für die Neuerfindung der Stadt: Linz war im Jahr 2009 europäische Kulturhauptstadt, das Prestige wirkt bis heute nach. Insofern spricht vieles dafür, dass sich auch St. Pölten als Kulturhauptstadt bewirbt. Neben den großen Spielstätten verfügt die Stadt über eine erlesene Kulturszene, die viel Kreativität und Herzblut beweist, wie die Initiativen im und rund um den Sonnenpark beweisen. Allein: Die Finanzierung für das Mammutprojekt Kulturhauptstadt ist fraglich. Im Angesicht von Großveranstaltungen neigt die öffentliche Hand dazu, sich finanziell zu übernehmen. Seit der Fußball-Euro 2008 steht etwa in Klagenfurt ein sündteures Stadion, das niemand braucht. Kurzum: Ja zur Bewerbung – aber nicht um jeden Preis. Solide Finanzierung und nachhaltige Konzepte sind Basisvoraussetzung. Schließlich will ich mir zukünftig nicht anhören müssen, wie abgewirtschaftet St. Pölten ist. Da ist mir immer noch lieber, alle Welt glaubt, St. Pölten stinkt.


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NEUES WAHRZEICHEN GESuCHT. Nachdem die NÖN mittels gefinkelten Kreuzworträtsel-Schachzuges gnadenlos aufdeckten, dass viele Bürger nicht wissen, dass das Rathaus das offizielle Wahrzeichen St. Pöltens ist, hat der Magistrat prompt reagiert und eine Agentur mit der Suche nach Alternativen beauftragt. Erste Entwürfe lassen auf eine stärkere Emotionalisierung und Personalisierung schließen ...

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10.12.16 ST. PÖLTEN VAZ 11.12.16 WR. NEUSTADT ARENA NOVA

MICHELLE Live 2017 09.02.17 ST. PÖLTEN VAZ KARTEN BEI ALLEN OETICKET-VERKAUFSSTELLEN | HOTLINE: 01 – 96 0 96 234 | WWW.OETICKET.COM TICKETS & INFOS: WWW.SHOWFACTORY.AT


GÜNSTIGES

95 Jahre gegründet 1921

Gründer

Hubert Schnofl

MIT DER WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT ST. PÖLTEN

AKTUELLE Wohnhausanlagen • St. Pölten - Süd (Nähe VAZ) Junges Wohnen Karl Pfeffer-Gasse HWB-ref= ≤ 26 kWh/m2a, fGEE 0,75

• Weinburg, Mohnblumengasse Reihen- und Doppelhäuser Wohnungen mit Eigentumsoption

• St. Pölten - Stattersdorf, Valkastraße Doppelhäuser mit Eigentumsoption

• Hainfeld, Traisner Straße/Nelkenweg Wohnungen mit Eigentumsoption

HWB-ref= ≤ 29 kWh/m2a, fGEE 0,7

HWB-ref= ≤ 24 kWh/m2a, fGEE 0,8

HWB-ref= ≤ 30 kWh/m2a, fGEE 0,7

• St. Pölten - Harland, Doppelhäuser Rosa Jochmann-Straße (in Planung) • St. Pölten - Süd, Handel-Mazzetti-Straße Wohnungen mit Eigentumsoption HWB-ref= ≤ 21 kWh/m2a, fGEE 0,8

Allgemeine gemeinnützige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT e.Gen.m.b.H. in St.Pölten

Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

www.wohnungsgen.at Tel.: 02742/77288-0 Fax: 02742/73458 wohnungsberatung@wohnungsgen.at

Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

MFG - Das Magazin / Ausgabe 59  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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