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Der Mfg-Weihnachtsonkel empfiehlt den Klassiker unterm Christbaum


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MFG EDITORIAL

Ein Grund zum Gruseln? von Johannes Reichl

Und wieder ist Freitag der 13. Okay, so schlimm wird es hoffentlich doch nicht werden, aber die nächstjährigen Gemeinderatswahlen werfen bereits mehr als ihre Schatten voraus und man befürchtet, dass es in Sachen Stil und Polemik wieder gruselig werden könnte. Dabei ist noch nicht einmal bekannt, wann überhaupt gewählt wird, weil der Bürgermeister auf diese Frage – meist mit einem leicht verschmitzten Lächeln – meint, das wisse man noch nicht – also kurzum, er weiß es noch nicht bzw. noch wahrscheinlicher, er wills uns noch nicht verraten. Deshalb gibt es offiziell auch noch gar keinen Wahlkampf, wie alle Parteien treuherzig beteuern, nur komischerweise führen ihn alle schon. Wie ist sonst zu erklären, dass sich bereits die überparteiliche Plattform „Initiative miteinander“ für den Bürgermeister getroffen hat und die Genossen fleißig am Klinken putzen sind, während sich die anderen Parteien in Initiativen, Stammtischen und Ausflügen übertrumpfen. Oder, dass bei manch Partei schon jetzt die Nerven blank liegen, die ÖVP etwa einer Journalistin den Zutritt zu einer Pressekonferenz verwehrte, weil sie immer so böse schreibe und sowieso ihrem auf städtischer Seite fuhrwerkenden Bruder alles brühwarm verrate – nur dass das Informieren ja an sich eh Sinn und Zweck von Pressekonferenzen ist? Oder, dass die SPÖ eine Panikattacke bekam, als sich die ÖVP die schnellere Umsetzung eines Rückhaltebeckens am Harlanderbach auf die Fahnen heftete – so schnell konnte der Redakteur gar nicht schauen, klingelte schon das Beschwerdetelefon. Wie überhaupt die Sache mit der „Urheberschaft“ jetzt wieder penetrant mühsam wird. Wenn der Bürgermeister etwa eine Wohnbauoffensive präsentiert, reklamiert die ÖVP allen Ernstes die Urheberschaft für sich, weil sie ja schon vor einem Jahr ein Plakat (!) zu dem Thema affichiert hat. Wobei SPÖ und ÖVP sowieso keine Freunde mehr werden, dazu genügt ein Blick auf die Sprachdiktion, wird der Bürgermeister in ÖVP-Aussendungen doch konsequent mit leicht despektierlichem Unterton als „Herr Stadler“ angesprochen – ein „der Bürgermeister“

wäre schon zu viel der Ehrerweisung. Die Roten ihrerseits kanzeln wieder alles, was von der Opposition kommt, nonchalant als „billige Publicity“ ab. Dass diese umgekehrt Angst hat, dass jüngst beschlossene Marketingbudgets im nächsten Jahr zu Bürgermeister- und damit SP-Spitzenkandidat-Propaganda entfremdet werden könnten, ist auch nicht so abwegig. So fällt etwa frappant auf, dass der unregelmäßig stattfindende Pensionistenausflug, wo sich die glücklichen Senioren ein persönliches Erinnerungsfoto mit dem Bürgermeister abholen dürfen, just immer vor Wahlen stattfindet. Dass – nachdem es bereits heuer nach Mariazell ging – jetzt gar vor der Wahl noch ein weiterer folgen soll, wäre schon hart an der Grenze zur Unverfrorenheit, immerhin löhnt der Steuerzahler das Vergnügen, auch wenn einem rasch das Totschlagargument „Unseren armen Pensionisten wird man das ja wohl vergönnen“ um die Ohren geknallt wird. Spannend sind die Ziele. Meinte die ÖVP bei der letzten Kommunalwahl noch ein bisserl mutlos, dass der Angriff auf die Absolute kein Ziel sei, so möchte man diesmal zumindest „stärker werden.“ Auch FPÖ und Grüne wollen dazugewinnen, und die NEOS als Newcomer die 5%-Hürde überspringen. Wer nun gut im Rechnen ist, versteht darob die Angst der SPÖ – die mit knapp 7% abgesicherte Absolute Mehrheit könnte wackeln, und spätestens seitdem in Wr. Neustadt eine Regenbogenkoalition die ehemals absolut regierenden Roten auf die Oppositionsbank hievte, schiebt man auch hierzulande ein bisserl Panik und fordert daher – Onkel Erwin lässt grüßen – „klare Verhältnisse.“ Ansonsten steht zu befürchten, dass es ein inhaltlich eher blutleerer Wahlkampf wird, denn die einzigen Themen, die bislang penetrant politisch diskutiert werden sind Domplatz und LUP. Aber wer weiß, vielleicht gibts ja noch Überraschungen – immerhin haben die Grünen weitere Aktionen angekündigt, die sie aber noch „streng geheim halten.“ Ein Grund zum Gruseln? Naja, so schlimm wird’s schon nicht werden, denn immerhin steht eines fest: An einem Freitag dem 13. wird bestimmt nicht gewählt.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Dominik Leitner, Siegrid Mayer, Michael Müllner, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Dominik Leitner, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Felicitas Hueber, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Johannes Reichl, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Elias Kaltenberger, Matthias Köstler, Hermann Rauschmayr Coverfoto: andreas130 - Fotolia.com Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT

Urban 6

KULTUR 46

SZENE 64

SPORT 72

URBAN

8 WAHLEN – Die ersten Vorboten 12 Domplatz – NEUGEBÄUDEPLATZ 16 Integriertes Wohnen 18 Scheibchenweises Wachsen 22 Aus dem Orchestergraben 26 BIOBLO MACHT KINDER FROH 30 VISION RUN – Ausgelaufen 32 Unser Mann in Paris 36 Eine Frage der Ehre 40 HÖHERE BILDUNG

KULTUR

48 Mr. SpoKk in der Musikschule 52 Über Schuhe und junge Hunde 58 Alles ist Geschichte 60 Von der Kunst, sich nicht ganz auszuziehen

6 IN WAS FÜR EINER STADT 7 SHORTCUTS URBAN 46 SHORTCUTS KULTUR 64 SHORTCUTS SZENE 76 KRITIKEN 77 VERANSTALTUNGEN

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… in der zuletzt großer Aufruhr herrschte. So offenbarte sich nach dem Aufstellen des Weihnachtsbaumes am Rathausplatz ein großes Loch im Baum! Sofort machte sich Panik breit, die aber durch das Aktivieren des Baum-Notfallplanes der Abteilung 2412 rasch ausgeräumt werden konnte, wo man bishin zur Liedgestaltung an alles gedacht hatte: So sollte der nunmehr unpassende Klassiker „Oh Tannenbaum“ einer Adaptierung des Gassenhauers von Rainhard Fendrich und Reinhard Mey „Da ist ein Loch in der Tanne“ weichen. Während Puristen hausintern darauf verwiesen, dass es sich beim 19m-Lackl um eine Fichte handle und sie daher für „Diese Fichte ist nicht dichte“ eintraten, konnte in der Zwischenzeit die Stadtgärtnerei den Schaden beheben, indem sie einfach einen neuen Ast hinzufügte! So wird nun doch „Oh Tannenbaum“ erklingen, wobei heuer – als kleines Dankeschön – die Textzeile „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, die Gärtner flicken dich, das ist ein Traum!“ eingebaut wird. Auf die Fichte wurde nicht mehr eingegangen.

… in der sich die Gemeindebediensteten ab sofort in der „younion – Die Daseinsgewerkschaft“ wiederfinden, was Vorsitzender Christian Meidlinger als „Meilenstein unserer Organisation“ bezeichnete. Da hat er wahrlich recht: Was sind dagegen schon historische Errungenschaften wie die Kranken- und Pensionsversicherung, der acht Stunden Arbeitstag oder die 40-Stundenwoche! Da stellt ein schneidiger, anglisierter Name (um den internationalen Anspruch zu unterstreichen) schon ein ganz anderes Kaliber dar, noch dazu wo er so wunderschön selbsterklärend ist, wie Meidlinger ausführte: „Die Formel ist ganz einfach: you (du) + union (Gewerkschaft) = younion.“ Na brack! Ob man den Zusatz Daseinsgewerkschaft gewählt hat, weil man ob derart großer Würfe um die Daseinsberechtigung fürchtet, ging aus der Aussendung übrigens nicht hervor. Dafür reiben sich angeblich schon die Anwälte, die Wellensteyn gegen Wellenstein (s. S. 66) vertraten, die Hände: Die akustische Ähnlichkeit zwischen younion und UNION ist frappant ...

… in der die Fans des SK Rapid Wien auf die Barrikaden steigen. So wurde der Spielplatz Höhe Rilkeplatz in violett, also den Klubfarben von Austria Wien gestaltet. „Des is a Affront gegen olle Grünweißen!“ Wie man angeglich von Seiten der Stadtverwaltung beruhigt, handelt es sich aber nur um einen Pilotversuch. In Folge sollen auch weitere Spielplätze der Stadt in den jeweiligen Klubfarben von österreichischen Spitzenklubs angemalt werden. Ja, angesichts der außergewöhnlichen Erfolge der Nationalmannschaft überlegt man als Ausnahme sogar einen Spielplatz in Rot-Weiß-Rot zu gestalten, wobei die Rutsche als Hommage an unseren Schweizer Teamtrainer Marcel Koller in rot mit weißem Kreuz gestaltet werden könnte. Protest kam übrigens auch vom SKN St. Pölten, weil man in dem Konzept nicht berücksichtigt ist, da nur Mannschaften der Obersten Liga Pate stehen. Trainer Sir Karl Daxbacher nimmts sportlich: „Das könnte das letzte, entscheidende Motivationsfünkchen für die Burschen sein, um endlich den Aufstieg zu schaffen!“

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In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Götterdämmerung

Hebi

ENTDECKUNG

St. Pöltens Platz in der Geschichtsschreibung ist überschaubar bis bescheiden. Nun könnte man sich aber – zumindest im Bereich der Medizin – einen bis auf weiteres gesichert haben, auch wenn noch offen ist, ob man sich den unbedingt groß auf die Fahnen heften möchte: So scheinen Forscher der MedUni Wien – wie das Nachrichtenmagazin PROFIL berichtet – anhand von Skeletten, die im Rahmen der archäologischen Arbeiten am Domplatz untersucht wurden, herausgefunden zu haben, dass diese morphologische Spuren der Geschlechtskrankheit Syphilis aufweisen. Dies ist deshalb historisch relevant, weil bislang davon ausgegangen wurde, dass Christoph Columbus die Geschlechtskrankheit nach der Entdeckung Amerikas, also nach 1492, von Übersee nach Europa eingeschleppt haben soll. Die St. Pöltner Syphilis-Kranken lebten allerdings bereits im 14. Jahrhundert! Alles Böse ist also doch nicht nur von den „bösen Wilden“ gekommen, und die Ausgrabungen am Domplatz sind auch nicht – wie manche kritisieren – „nur fürn Hugo!“

Geriatrie Kindergarten kommt Nächstes großes Wohnprojekt in der Landeshauptstadt: Die Hypo Noe Immobilien hat St. Pölten als LebensStadt entdeckt und realisiert zwischen Rennbahnstraße, Eybnerstraße und Klostergasse auf 18.000 Quadratme-

tern ein riesiges Vorhaben mit 300 Wohnungen. Das Besondere daran: Dieses Wohnprojekt „Leben am Fluss“ verfolgt auch die Idee des Generationenwohnens. So wird es hier einen „Geriatrie-Kindergarten“ geben, den ersten in Niederösterreich, bei dem Senioren und Kinder gemeinsam den Tag verbringen. Ebenfalls geplant am östlichen Rand der Innenstadt sind eine Seniorenresidenz und ein Ärztezentrum. Umgesetzt werden soll „Leben am Fluss“ in den nächsten Jahren in vier Bauabschnitten. Start in der Rennbahnstraße wird schon 2016 sein, im Jänner werden dafür erste Gebäude abgerissen. Für die weiteren Bauabschnitte soll es einen Ideenfindungsprozess geben.

Erwin Pröll wird nächstes Jahr 70. Für eine letzte Karriere müsste er jetzt bald anfangen. Soll er das? Unglaubliche 35 Jahre ist er inzwischen Regierungsmitglied. Aber quo usque, wie der gebildete Engländer sagt? Derzeit steht Pröll auf der Zinne des Tempels (Mt 4,5-7, Lk 4,9-12) und der Teufel rät ihm zu einem Köpfler Richtung Hofburg. Dort aber will das Volk keine Politiker mit operativem Impetus, schon gar keine Machertypen. Was imperial Abgeklärtes, was Staatsnotarielles wird dort erwartet. Und zu bedenken wäre wohl auch, dass es selbst für „Schwarze“ der westlichen und südlichen Bundesländer keinen ärgeren Gottseibeiuns für das Vaterland gäbe als einen Macher aus Niederösterreich ... Pröll hat wie kaum ein anderer beigetragen zur kulturellen Identität des Landes, hat auf europäischer Ebene die Regionen als wahren Lebensraum der Menschen gefördert. Visionäre Kultur und ein Europa der Regionen, das wären echte Herausforderungen für einen, der sich jetzt noch nicht zurücklehnen will. Klaus Küng wird nicht mehr lang Diözesanbischof sein, er hat seinen Rücktritt eingereicht. Ruhe hatte er zu bringen nach den turbulenten Jahren von Kurt Krenn, der sich als einladender Gastgeber für klerikale Problemfälle aus dem ganzen deutschen Sprachraum hervortat – manche davon sind noch immer als „Kirchenleerer“ im Einsatz. Küng ist Mitglied des Opus Dei in Österreich, gewissermaßen der Spanischen Hofreitschule des Apostolats. Er hat sich diesbezüglich in seinen 11 Bischofsjahren weise zurückgehalten, ja für manche Ältere aus der Katholischen Aktion sogar zu stark auf eine meditativ-defensive, selbstgenügsame „Grüppchenkirche“ gebaut. Lassen wir uns in beiden Fällen überraschen. „Fürchtet euch nicht!“ (Lk 2, 8-20)

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MFG URBAN

Die ersten Vorboten In St. Pölten wird nächstes Jahr ein neuer Gemeinderat gewählt. Die Parteien bringen sich dafür bereits in Stellung und kämpfen um die Themenführerschaft. Doch welche Themen sind den Parteien wichtig, wer kandidiert? Ein Blick auf den bevorstehenden Wahlkampf.

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as erste Säbelrasseln hat begonnen: In letzter Zeit mehren sich Veranstaltungen und Initiativen der verschiedenen Parteien. Einen konkreten Wahltermin gibt es dabei noch gar nicht, worüber sich etwa die ÖVP echauffiert: „Zwar hat sich die SPÖ immer noch nicht durchgerungen einen Wahltermin festzusetzen, aber wir sind gerüstet“, so Florian Krumböck, Pressesprecher der ÖVP. Der rote Stadtrat Robert Laimer entgegnet: „Die Statutarstadt St. Pölten wählt im Zeitraum April bis Oktober 2016!“ An ein Szenario wie in Wiener Neustadt, als eine „bunte Koalition“ den bisher mit absoluter Mehrheit re8

gierenden roten Bürgermeister stürzte, glaubt in St. Pölten hingegen niemand. „St. Pölten ist nicht Wr. Neustadt und Wr. Neustadt nicht St. Pölten“, so Laimer. Auch glaubt er nicht an ein rotblaues Duell, zu welchem etwa die Gemeinderatswahl in Wien hochstilisiert wurde. Die SPÖ In St. Pölten stellt die SPÖ bekanntlich mit Matthias Stadler den Bürgermeister, der bisher bei beiden Gemeinderatswahlen unter seiner Ägide jeweils die absolute Mehrheit erreichte. Auch bei der bevorstehenden

Wahl will man mit Stadler als Spitzenkandidaten die absolute Mehrheit verteidigen: „Die SPÖ St. Pölten mit Bürgermeister Matthias Stadler will so viele Stimmen wie nur möglich machen. Klare Verhältnisse führen zu klaren Entscheidungen“, gibt Laimer die Ziele aus. Er verweist darauf, dass St. Pölten in der Ära Stadler wesentlich urbaner und attraktiver geworden ist. So sei etwa der historische Stadtkern mit dem Ausbau der Fußgängerzone belebt worden und auch die verbesserungswürdige Linzerstraße werde nun mit Wohnbau und Geschäftslokalen neu formatiert. Auch der Dom-


TEXT: Gotthard Gansch | Fotos: Ilka Burckhardt - Fotolia.com

die Handschrift des „modernen Sozialdemokraten Matthias Stadler zeigen“, fasst Laimer zusammen. Die ÖVP Vizebürgermeister Matthias Adl genießt das Vertrauen der Partei und wird somit auch als Spitzenkandidat in die Wahl gehen. Ziel sei es, stärker zu werden, so Krumböck: „Man soll sich nichts vormachen: Die SPÖ wird auch nach der Wahl den Bürgermeister stellen. Die entscheidende Frage ist, unter welchen Rahmenbedingungen dieser Bürgermeister agieren wird. Mit einer starken Volkspartei wird auch in Zukunft Tempo gemacht und auf Entscheidungen gedrängt.“ In St. Pölten laufe vieles gut, „aber für uns ist ‚gut‘ einfach nicht genug.“ Dabei setzt man vor allem auf zwei Kernthemen, so fordert die ÖVP endlich Pläne für Domplatz und Sonnenpark sowie einen besseren und günstigeren LUP: „Das bedeutet bessere Anbindung von Stadtteilen, Sonn- und Feiertagsverkehr, mehr Service und vor allem günstigere Jahrestickets.“ Für den Domplatz will man einen Platz, „der mehr kann, und von dem alle St. Pöltner profitieren, nämlich als Marktplatz für regionale bäuerliche Produzenten, Platz für Veranstaltungen und als Parkplatz“. Eine „rot-grüne Betonwüste“ bringe keinen einzigen Kunden mehr in die Innenstadt. platz werde noch stärker frequentiert, der Wochenmarkt solle zukünftig ausgebaut und noch attraktiver werden. Sämtliche Stadtteile seien bestens mit dem LUP am öffentlichen und umweltfreundlichen Busverkehr angebunden. Laimer verweist auch auf das ehemalige Glanzstoff- und das NÖCentral-Areal, die große und vielversprechende Zukunftsprojekte darstellten. Die Stadt wachse zudem stetig, aber qualitativ: „Ein rasantes Wachstum würde die noch im Durchschnitt befindlichen Grundstückspreise erheblich erhöhen.“ Die dynamische Entwicklung, die Modernität und der Imagewandel der Stadt würden klar

Die FPÖ Als Obmann der FPÖ St. Pölten geht Klaus Otzelberger auch als Spitzenkandidat in die Wahl und will das historisch beste Ergebnis erreichen: „Dann kann die SPÖVP uns auch nicht mehr ausgrenzen und damit womöglich den Wählerwillen umgehen.“ Konkrete Themen gibt es bisher noch nicht, verrät Otzelberger: „Womit wir dann schwerpunktmäßig in die Wahl gehen, wird nicht zuletzt die aktuelle Situation in unserer Stadt mitbestimmen.“ Man wolle dabei nicht alles an-

ders, aber vieles besser machen. Man habe viele Bürgeranfragen und Bürgergespräche geführt und wisse daher gut Bescheid, wo der Bevölkerung der Schuh wirklich drücke. Otzelberger meint dabei speziell die Bereiche Soziales, Sicherheit, Arbeitsplatz und Wohnen – „Bereiche, in denen sich die Wähler zunehmend verlassen von der SPÖ fühlen.“ Auch ein blaues Kernthema könnte bedient werden: „Man wird sich auch die Flüchtlingssituation bis dahin ansehen müssen.“ Es soll auch weiterhin Bürgergespräche und Bürgerstände geben. Otzelberger bemerkt jedenfalls bereits die Vorboten der Wahl: „Der Kampf mit SPÖVP hat übrigens längst begonnen, wenn man die Medienberichterstattung verfolgt.“ Man wolle jedenfalls die Möglichkeit erhalten, Vorschläge in der Stadtregierung umzusetzen. „Wir grenzen unsererseits auf jeden Fall niemand von vornherein aus und hoffen, dass auch in den anderen Parteien zunehmend die Sachpolitik in den Fokus rückt“, so Otzelberger abschließend. Die Grünen Nicole Buschenreiter wird als Spitzenkandidatin für die Grünen in St. Pölten an den Start gehen, die drei Mandate anvisieren. Man wolle Menschen, die sich für die Grüne Bewegung interessieren, erreichen – auch die Menschen, die beim letzten Mal nicht Grün oder gar nicht gewählt haben, skizziert Pressesprecherin Monika Krampl das Ziel. „Wir haben nicht vor, unsere Energie in ein Gegeneinander zu investieren, daher auch nicht das Vorhaben, die Absolute der SPÖ brechen zu wollen.“ So laute einer der Leitsätze „Gemeinsam statt Gegeneinander“, weshalb es nach der Wahl bei allfälligen Koalitionsgesprächen „wohl von der Gesprächsbereitschaft der einzelnen Fraktionen abhängt und den möglichen inhaltlichen Übereinstimmungen.“ Inhaltlich wollen sich die Grünen dabei jedenfalls allen Bereichen verschreiben, die zum MFG 11.15

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MFG URBAN

Die Furcht

Michael Müllner

Foto: Rawpixel.com - Fotolia.com

Es heißt, das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst. Das mag dieser Tage optimistisch klingen, vielleicht sogar naiv. Die Wahrscheinlichkeit von einem Terroristen im Café, Konzert oder Fußballstadion erschossen zu werden ist lächerlich gering. Vor viel wahrscheinlicheren Gefahren fürchten wir uns ja auch nicht. Warum also sollten wir also Terroristen in die Hände spielen und ihr Werk mit unserer Furcht belohnen? Rund 80.000 Menschen, großteils junge Männer aus Syrien, Afghanistan und Irak, werden heuer in Österreich einen Asylantrag stellen. Viele versuchen ihre Familien nachzuholen und sich in Österreich mit einem Neuanfang zu integrieren. Mehr Wirtschaftswachstum, echte Chancen für ein entwickeltes Land, das mit echter Willkommenskultur die hellsten Köpfe lockt und mit fordernden Integrationsauflagen innere Zustimmung sichert. Stattdessen herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft die Furcht, dass diese Integration zum Scheitern verurteilt ist. Kein Wunder bei einer Regierung, die seit Jahrzehnten im Bildungsbereich keine echten Reformen umsetzt und somit Eltern das Fürchten lehrt, ihre Kinder würden beim Start ins Leben um die besten Chancen betrogen. Kein Wunder bei einem Staatswesen, das sich zu oft mit sich selbst beschäftigt und Bürger mit dem Amtsschimmel das Fürchten lehrt. Kein Wunder bei einem Gesundheitswesen, das dank automatischen Lohnabzugs zwar wie geschmiert finanziert wird, jedoch dem Versicherten wochenlang das Fürchten lehrt, wenn er auf eine klärende Computertomographie warten muss. („Es sei denn, sie zahlen privat.“) Doch für dieses Fürchten können wir weder den Flüchtlingen, noch „der EU“ die Schuld geben. Die Lösungskompetenz dabei liegt bei uns. Wenn wir das richtig einordnen, bleibt kein Platz für Angst. Aber sehr viel Arbeit.

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Die ersten Vorboten

Thema „Lebensraum in der Stadt“ gehören. Leistbares Wohnen, Energieeffizienz als auch öffentlicher Verkehr stehen ebenso auf ihrer Agenda wie regionale, nachhaltige Ernährung. „Da wir der Überzeugung sind, dass Partizipation und Öffentlichkeitsbeteiligung zu einer effektiveren Politik beiträgt, werden wir uns auch dafür einsetzen“, so Krampl weiter. Daher sollen auch die von den Grünen gegründeten Plattformen „Grüne Stadtgespräche“, „Grüne Plaudereien“ und Exkursionen zu landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung von St. Pölten weitergeführt werden. Die NEOS Ein neuer Mitbewerber betritt mit den NEOS das politische Parkett. „Deklariertes Ziel ist der Einzug in den Gemeinderat, mindestens 5% der Stimmen sowie das Brechen der absoluten Mehrheit der SPÖ“, gibt Ulrich Mayer, Regionalkoordinator für St. Pölten und Gemeinderat in Michelbach, als Marschrichtung vor. Eine Entscheidung über den Spitzenkandidaten wird Anfang des Jahres gefällt. Ein Kernteam von zehn Personen arbeite aber gerade am Wahlprogramm, das ebenso Anfang nächsten Jahres präsentiert werde, betont Mayer. Auch seien Aktionen in der Stadt noch in Planung. Wesentliche Forderungen kristallisieren sich aber bereits jetzt heraus, so fordern die NEOS „volle Transparenz in allen Belangen der Stadtverwaltung, verstärkte Bürgerbeteiligung bei Verwaltung (Bürgerbudget) und Stadtplanung (Sonnenpark, Domplatz …) und der Fokus auf eine wirtschaftlich und gesellschaftlich nachhaltige Entwicklung der Stadt.“ Der SWAP-Skandal schwebe noch immer wie ein Damoklesschwert über der Stadt, so Mayer: „Aber anstatt Transparenz herrscht Stillschweigen. Durch die Sonderstellung als Statutarstadt kann der Bürgermeister schalten und walten wie er will und tut das auch, indem er nur nicht-amtsführende Stadträte einsetzt.“ Ein Mehr an Transparenz

sollen etwa Livestreaming von Gemeinderatssitzungen, Offenlegung der Schuldenstände der Stadt und die Bilanzen der ausgelagerten städtischen Betriebe bringen. Die nicht-amtsführenden Stadträte sollen in Verbindung mit dem Proporzsystem in der Stadtregierung überhaupt abgeschafft werden. Man würde begrüßen, wenn in Zukunft nicht nur eine Partei St. Pölten alleine regierte, man könne sich auch eine „bunte“ Koalition vorstellen. Man schließe aber eine derartige Zusammenarbeit mit der FPÖ aus. Die KPÖ und Listen Der Landesparteivorsitzende der KPÖ, Erich Stöckl, nimmt zwar nach eigenen Angaben vermehrt Wünsche nach einem Antreten bei der Wahl wahr, muss aber absagen: „Aus derzeitiger Sicht wird es bei der Gemeinderatswahl in St. Pölten keine Kandidatur der KPÖ geben. Aus beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Gründen sehen die sich derzeit als Kandidatinnen oder Kandidaten in Frage kommenden Menschen nicht in der Lage das ernsthaft anzugehen.“ Zudem ist noch nicht bekannt, inwiefern weitere Listen wie auch bei den Wahlen zuvor antreten werden.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2011 und 2006

2011

2006

ÖVP

25,29

24,22

SPÖ

56,76

59,61

FPÖ

10,71

5,68

Grüne

4,88

7,21

Nonner

n.a.

2,41

GPÖ

n.a.

0,39

ISIK

n.a.

0,48

FSP

0,69

n.a.

WIR

1,18

n.a.

CPÖ

0,49

n.a.

(Liste Herbert Nonner, Gerechtigkeit-Partei Österreich, Liste Mehmet Isik, Bürgerliste für St. Pölten, Unabhängige Bürgerplattform Wir für St. Pölten, Christliche Partei Österreichs – n.a. nicht angetreten. Quelle: Land NÖ)


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MFG URBAN

Alles dreht sich um den Domplatz Die geplante Garage am Neugebäudeplatz schafft zusätzliche Stellflächen und wird von manchen durchaus auch als Ersatzparkplatz für den Domplatz betrachtet, was die Glaubensfrage „parking or no parking“ einmal mehr aufblubbern lässt.

D

ie ehemaligen Gewerbeflächen unterhalb der Wohntürme werden revitalisiert: 640 Autos sollen hier im stillgelegten Einkaufszentrum Platz finden. NV Immobilien entwickelt das Millionen-Projekt am Rande der Altstadt, gemeinsam mit der Palais Fanto Verwaltungsgesellschaft. „Vor allem Kurzparker werden hier zwischen Altstadt und Regierungsviertel Abstellmöglichkeiten finden“, sagt Manfred Wohlmetzberger, Direktor von NV Immobilien. Die Garage im Untergeschoß der kürzlich sanierten Wohntürme wird ebenfalls erneuert und soll weiterhin überwiegend den Wohnungseigentümern und deren Mietern zur Verfügung stehen. „Durch diese Investition in Millionenhöhe wird die Liegenschaft einen erheblichen Mehrwert erfahren“, 12

wirbt Architekt und Miteigentümer Franz Arzberger um die Zustimmung der Wohnungseigentümer. Denn von deren Zustimmung wird es abhängen, ob und wie schnell das Projekt umgesetzt werden kann. Ihr Vorteil: „Freundliche und helle Hauszugänge und Passagen zu den Liften und zum Wohnbereich und natürlich eine Wertsteigerung ihrer Eigentumswohnungen“, so die Planer. Der geforderte Ersatzparkplatz für den Domplatz? Als zusätzliche Autoabstellmöglichkeit in der Innenstadt ist die geplante Neugebäudeplatz-Garage natürlich neben anderen Zukunftsgaragen (etwa zwischen Fuhrmannsgasse und Herrenplatz) auch möglicher ErsatzParkfläche für Domplatzparkplätze. So sieht Bürgermeister Matthias

Stadler die Neugebäudeplatz-Garage als „Schlüsselprojekt für den Osten der Innenstadt“, und für Plattform2020-Obmann Josef Wildburger ist eine attraktive Großgarage am Neugebäudeplatz optimal: „Sie wertet die Wiener Straße im östlichen Bereich sowohl als Wohn- als auch als Handelslage massiv auf. Sie ist im Zentrum der innerstädtischen Verbindung Regierungsviertel – Altstadt gelegen, an der Kulturachse, leicht zu finden, leicht erreichbar – besser geht’s nicht.“ Der Masterplan-Erfinder sieht den Domplatz als Turbo für die Altstadtentwicklung – nicht verstellt mit Autos, sondern belebt mit Menschen, Markt und Gastro. Das sehen die Oppositionsparteien im St. Pöltner Gemeinderat aus unterschiedlichen Gründen etwas anders. VP-Vizebürgermeister Matthias


TEXT: beate steiner | Fotos: Nikita Kuzmenkov - Fotolia.com, elias kaltenberger, beate steiner

Adl steht hinter jenen besorgten Innenstadtkaufleuten und auf dem Standpunkt „Nix ist fix“: „Die Gespräche mit den Wohnungseigentümern am Neugebäudeplatz stehen noch aus, ebenso eine entsprechende Verkehrsplanung für Zu- und Abfahrten sowie die Vorlage technischer Konzepte. So zu tun, als ob die Parkplätze im kommenden Jahr zur Verfügung stehen, ist unrealistisch und unredlich.“ Adls VP-Kollege und Wirtschaftsbundobmann Mario Burger begrüßt zwar die Garagenidee („Jedes zusätzliche Parkhaus in der Stadt ist positiv zu bewerten“), denn die innerstädtischen Parkplatzkapazitäten würden erhöht und die Fahrzeuge raumeffizient untergebracht. Aber als Autofahrer-Alternative zum Domplatzparkplatz ist der Neugebäudeplatz für Burger nur eingeschränkt tauglich: „Der Weg ist doch relativ weit – die Landhausgarage wurde bis dato ja auch kaum als alternative Innenstadt-Parkmöglichkeit wahr- bzw. angenommen.“ Auch der FP ist der Weg zu weit: „Ein autofreier Domplatz ist nur möglich, wenn es alternative zentrale Parkmöglichkeiten in der Innenstadt gibt, zum Beispiel eine erweiterte Rathausplatzgarage bis zum Karmeliterhof“, sagt Wirtschaftssprecher Martin Antauer. Ganz anders und für einen autofreien Domplatz argumentieren die Grünen: Sie zweifeln die Notwendigkeit zusätzlicher Autoabstellplätze in der Stadt an, und: Für die Achse Innenstadt – Kulturbezirk bedürfe es neuer Ideen, um einen Anreiz zu schaffen, den Weg zwischen diesen beiden Polen auch zu gehen. „Eine Flaniermeile oder kulturelle Hot Spots zwischen hier und dort laden sicher mehr zur Nutzung ein als eine Tiefgarage genau dazwischen. Schon seit Jahren zeigt sich, dass Menschen, die mit dem Auto ins Regierungsvier-

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Hoch hinaus. Die ehemaligen, seit Jahrzehnten dahindarbenden Geschäftsflächen unterhalb der drei Wohntürme am Neugebäudeplatz sollen zur Garage umfunktioniert werden.

tel anreisen, nur die Tiefgarage kennenlernen, kaum aber St. Pölten“, sagt Grünen-Gemeinderätin Nicole Buschenreiter. Die Kulturachse zwischen den Hauptstadt-Territorien Diese Flaniermeile mit kulturellen Hotspots, die Buschenreiter anspricht, ist im Masterplan zur Stadt­ entwicklung als „Kulturachse“ geplant – und die ist untrennbar mit der Neugestaltung des Domplatzes verbunden. Die Kulturachse soll als fußläufige Verbindung zwischen dem Regierungsviertel und dem Rathausplatz als attraktiver Weg gestaltet werden. Wo diese Kulturachse genau laufen soll und wie sie zur bespielten Einheit und mit Leben erfüllt werden kann, darüber debattierten Betroffene aller kulturellen Einrichtungen beim Partizipationsprozess, der den Masterplan in die Realisierung begleitet. Erste Ideen: gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen, Kunst im öffentlichen Raum, Attraktivierung der anliegenden Gebäude und auch der Promenade. „Das hat großes touri-

stisches Potenzial und könnte auch international Aufsehen erregen“, ist Josef Wildburger überzeugt. Denn diese Kulturachse würde neben den politischen Zentren der Landeshauptstadt auch die Zentren der Kunst verbinden, also ein historisch und architektonisch interessanter Pfad sein. Wie die Wiener Straße optisch davon (und von der NeugebäudeplatzGarage) profitiert, steht noch nicht fest, erklärt Stadtbaudirektor Kurt Rameis. Was es für eine funktionierende Kulturachse unbedingt braucht, ist allerdings ein übersichtliches Leitsystem. „Das bestehende ist verbesserungswürdig, es verschwindet in der Flut von Stelen, Plakaten. Es muss viel stärker ins Auge stechen“, sagt dazu etwa Lothar Fiedler. Der Präseident des Fördervereins Kulturbezirk findet auch Gefallen an der geplanten Neugebäudeplatz-Garage: „Zusätzliche Pkw-Stellplätze sind nach wie vor ein Gewinn für die Belebung der Stadt, noch dazu am Weg von der Innenstadt zum Kulturbezirk. Auch für die Belebung des Domplatzes ist das von Vorteil.“

„Es müssen attraktive Möglichkeiten zum Parken geschaffen werden, auch am Domplatz – weil sonst bringt man die um, die hier ihr Geld verdienen.“ Daniel Zinner MFG 11.15

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MFG URBAN

Alles dreht sich um den Domplatz

Amen

Beate Steiner

Foto: Sergey Nivens - Fotolia.com

7. Oktober 1996, 7 Uhr morgens – das erste Auto fährt in die Parkgarage unterm Rathausplatz. Dem Bau des 50-Millionen-Schilling-Projekts sind damals heftige Proteste vorangegangen. Die Garagengegner befürchteten einstürzende Rathausbauten, geschlossene Geschäfte rund um den Platz, eine ausgestorbene Pflasterwüste im Stadtzentrum. 2015 ist der Rathausplatz gesäumt von florierenden Geschäften, vielen Schanigärten, und er ist an mehr als 200 Tagen im Jahr bespielt mit Musik, Kino, Gastro, Sportevents usf. Sommer 2011 – die Stadt wird mit dem Walk Space Award ausgezeichnet für die vorbildliche Erweiterung der Fußgängerzone vom Bahnhofsvorplatz über die nördliche Kremser Gasse, die Brunngasse und die Franziskanergasse. Vorangegangen sind dem Projekt – eh schon wissen – Proteste. Die Fußgängerzonen-Gegner fürchteten sich vorm autolosen Anblick dieser Straßenzüge, befürchteten runtergelassene Rollläden vom Bahnhof bis zum Rathausplatz. Heute hat sich an diesem beliebten Rundweg der frequenzorientierte Drogeriemarkt Müller angesiedelt, das nebenliegende EKZ Promenade ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und kleine Anbieter profitieren. 2015 – der Domplatz soll neu gestaltet werden. Das Amen bei gebetsmühlenartigen Präsentationen, Vorschlägen, Vorstellungen – richtig: Proteste, weil „die Innenstadt stirbt aus!“, wenn gewohnheitsmäßige Domplatzparker und Parkpickerl-bevorzugte Anrainer ihr Fahrzeug dort nicht mehr abstellen dürfen. 2020 – der neu gestaltete Domplatz versteckt sich vor den Navis. Weil er jetzt Dauer-Auto-los lebt – und damit die Altstadt aufblüht. Denn: Nichts ist von Dauer, nur die Veränderung. Hoppla – dass Eigeninteressen mit Zähnen und Klauen und gedrehten Worten verteidigt werden wollen, wird wohl in Ewigkeit bleiben. Amen.

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Mehr Park-Platz. Insgesamt 640 Parkplätze soll die neue Garage bieten – gleich auch Ersatz für einen etwaigen parkplatzfreien Domplatz?

Der Kampf um den Dom(Park?) platz geht weiter Während für Plattform-Obmann Josef Wildburger klar ist, dass ein mit Markt und Menschen belebter Platz auch die Wirtschaft ankurbelt und fast mantraartig betont: „Ein Euro am Markt bringt zwei Euro in den umliegenden Betrieben!“, fürchten viele Anrainer um ihren bequemen nahen Dauerparkplatz (60 Parkpickerl-geschützte Autos werden so durchschnittlich am Tag dort gezählt, Anm.) und Innenstadtkaufleute um ihre Kundschaft, die gewohnt ist, mit dem Auto bis vor den Dom durchzurollen. „Jemand, der bei mir seine Brille abholt, braucht dazu fünf Minuten, wenn er am Domplatz parkt, fünf Minuten länger, wenn er sich einen Garagenplatz nimmt“, argumentiert etwa Optiker Roland Bacik. Die Geschäftsleute haben 190 Unterschriften für einen Dom-ParkPlatz gesammelt, Initiator Jörg Eibl will diese demnächst dem Bürgermeister übergeben.

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Waffenhändler Eibl diskutiert das Park-Thema leidenschaftlich und ist überzeugt, dass seine Kunden weiterhin ihr Auto am Domplatz abstellen, auch wenn neben seinem Geschäft die Neugebäudeplatz-Garage entsteht. Daniel Zinner, Betreiber eines Modeshops in der Marktgasse, sieht die Innenstadt gar am Aussterben, bevor noch die Parkplätze weg sind und meint: „Es müssen attraktive Möglichkeiten zum Parken geschaffen werden, auch am Domplatz – weil sonst bringt man die um, die hier ihr Geld verdienen.“ Diese Angst hat Maßschneiderin Monika Kerndl nicht, sie freut sich auf die Garage am Neugebäudeplatz: „Das wird der Wiener Straße guttun!“ Galerist Karl-Heinz Maringer pflichtet ihr bei: „Der Domplatz sollte kein Parkplatz bleiben, da bin ich fest davon überzeugt. Solange dort Ladeflächen eingerichtet sind, brauchen die Kaufleute keine Angst um ihre Kundenfrequenz haben.“

„Der Domplatz sollte kein Parkplatz bleiben, da bin ich fest davon überzeugt. Solange dort Ladeflächen eingerichtet sind, brauchen die Kaufleute keine Angst um ihre Kundenfrequenz haben.“ Karl-Heinz Maringer


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Integriertes Wohnen

Dieses Monat ließ der von der Regierung beauftragte Flüchtlingskoordinator Christian Konrad mit der Idee aufhorchen, dass Wohnbau-Genossenschaften zur Schaffung von Wohnraum für Asylwerber und Flüchtlinge beitragen sollen. Auch Norbert Steiner, Obmann der in St. Pölten ansässigen „Alpenland“, war bei der Veranstaltung der ARGE Eigenheim dabei.

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ür die Alpenland ist dieser Ansatz, wenngleich in anderer Form, nicht völliges Neuland. So steht unmittelbar der Einzug von sechs syrischen Flüchtlingsfamilien in eine Reihenhausanlage der Alpenland in Pöggstall bevor – ein Projekt, das bereits vor gut einem Jahr seinen Ausgang nahm. „Damals ist der leider viel zu früh verstorbene Superintendent Paul Weiland an mich herangetreten mit der Bitte, ob wir nicht der Diakonie bei der Schaffung von Start16

wohnungen für Flüchtlinge helfen können.“ Das Projekt in Pöggstall bot sich – da noch nicht vollends belegt – aus Sicht Steiners ideal an, auch wenn einem zunächst ein rauer Wind entgegen blies. „Es gab bald einen ersten Artikel in HEUTE mit dem üblichen Ängste schürenden Wortschatz“, erinnert er sich, und auch ein Transparent mit der Aufschrift „Schluss mit Asylwahnsinn“ prangte irgendwann an einem Zaun. Besonders sauer stieß Steiner aber ein Kommentar in der

„Presse“ auf, in welchem der gemeinnützigen Genossenschaft als Pars pro Toto für alle Genossenschaften vorgeworfen wurde, sie würde ein Objekt, das am Markt aufgrund zu hoher Mieten nicht nachgefragt werde, jetzt eben auf andere Weise lukrativ verwerten. „Ein Lehrbeispiel, wie man Fremdenfeindlichkeit schürt“, ließ die Autorin wissen und suggerierte damit, dass Flüchtlinge auf Kosten von Österreichern bevorzugt werden. Ein Vorwurf, den Steiner nicht auf sich


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: ZVG/ALPENLAND

sitzen ließ und in einem Leserbrief von einer Polemik sprach „die wir in ihrer unzureichend recherchierten und tendenziösen Form einer Qualitätszeitung wie der ‚Presse‘ nie zugetraut hätten.“ In seiner Antwort stellte Steiner klar, dass es sich um ein Projekt „Integriertes Wohnen“ handelt, „bei dem ca. ein Drittel der Wohnungen hilfsbedürftigen anerkannten Flüchtlingsfamilien angeboten werden. Diese Personen sind den Österreichern gleichgestellt und haben daher dasselbe Anrecht auf geförderte Wohnungen wie Inländer“, erläuterte er die Gesetzeslage. Es spricht für den Qualitätsanspruch der „Presse“, dass sie Steiners Replik gänzlich abdruckte. Steiner räumt heute ein, dass man bei der Anbahnung des Projektes (wofür man letztlich Mieter wie Bevölkerung gewinnen konnte), „sicher Fehler in der Kommunikation beging, weil wir zu wenig herausgearbeitet hatten, dass es um Integration geht! Wir schaffen ja kein Ghetto, sondern die Flüchtlingsfamilien sind in eine Gesamtsiedlung mit österreichischen Nachbarn eingebettet!“ Und genau darin sieht er auch eine neue, wohl länger auf die gemeinnützigen Genossenschaften zukommende Aufgabe: Leistbaren Wohnraum für die geflüchteten Mitbürger zu schaffen und damit einen aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten. Auch im Segment Wohnraum für Asylwerber hilft man im Einzelfall – aktuell stellt man etwa einzelne Wohnungen in Blindenmarkt und

Wohnraum. In dieser Reihenhausanlage der Alpenland in Pöggstall werden sechs Flüchtlingsfamilien unterkommen.

Matzleinsdorf-Zelking bereit. „Mieter sind in diesen Fällen aber nicht die Asylwerber, sondern der Verein Wohnen.“ Die prinzipielle Schaffung von Massenquartieren für Asylwerber in Form von Fertigteilhausanlagen – wie zuletzt ventiliert – die anfangs vielen Personen Platz bieten und späterhin zu Wohneinheiten umgebaut werden können, ortet Steiner „aber bei der öffentlichen Hand. Den Fokus der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaften sehe ich im Schaffen von langfristigen Wohnmöglichkeiten für anerkannte Flüchtlinge, die nicht mehr in der Grundversorgung sind.“ Steiner ist auch überzeugt, dass „durch die Power von Leuten wie Konrad die noch notwendigen, winterfesten Quartiere rechtzeitig geschaffen werden.“ Sorgen bereiten ihm eher die vielen Freiwilligen und

NGO’s. „Das Rote Kreuz etwa, das auf Katastrophenfälle eingestellt ist, zeigt Überlastungserscheinungen, weil diese ‚Katastrophe‘ keine punktuelle ist, sondern uns noch lange begleiten wird. Die Leute sind extrem gefordert und brauchen unsere Unterstützung.“ Umso unverständlicher empfindet er daher jüngste Aussagen des Finanzministers, v.a. auch die Kleinstbeschäftigten und Freiwilligen ins Visier des Fiskus zu nehmen. „Das halte ich in der aktuellen Situation für absolut kontraproduktiv.“ Wichtig sei vielmehr breite Solidarität und ein nationaler Schulterschluss „Und da leisten eben auch wir als Alpenland unseren, wenn vielleicht auch kleinen Beitrag. Aber wenn jeder etwas tut, bringt man auch etwas weiter! Ich gehöre jedenfalls zu der Partie, die sagt: ‚Wir schaffen das!‘“

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Scheibchenweises Wachsen St. Pölten möchte wachsen – und dadurch endlich „groß“ werden. Zwei große Projekte, die „Glanzstadt“ auf dem alten Glanzstoffgelände sowie die Verwertung der WWE-Gründe sind für die kommenden 20 Jahre angedacht. Dabei bemerkt man ein verstärktes Interesse an der Landeshauptstadt: Bei einem europaweiten Architekturwettbewerb trumpfte St. Pölten mit 27 Einreichungen auf.

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or fast sieben Jahren schloss die Glanzstoff Austria ihre Pforten – und seither diskutiert man über die Zukunft des rund 21 Hektar großen Areals. Immer wieder tauchten neue Ideen, Pläne oder auch konkrete Nutzungen für das Gelände bzw. die Fabrikshalle auf: Von 2012 weg mietete sich die New Design University (NDU) für drei Jahre ein, 2014 kam schließlich sogar die Idee eines Filmstudios auf. Seit einem Jahr kennt man aber die geplante Zukunft des Glanzstoffareals: Die so genannte „Glanzstadt“ soll nicht nur neuen Wohnraum bieten; in Wahrheit arbeitet man hier an einem komplett neuen Stadtteil. Wir fragten nach dem Status quo der Projekte und wie es jetzt eigentlich weiter geht. Projekt Glanzstadt Der „Masterplan“ zur Glanzstadt sieht Umfangreiches vor: In den denkmalgeschützten, alten Glanzstoffhallen will man ein Kreativquartier entstehen lassen, im östlichen Teil Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe ansiedeln und

so für bis zu 1.000 Arbeitsplätze sorgen und im westlichen Teil schließlich 1.000 bis 1.300 Wohneinheiten. Doch bevor auch nur ansatzweise mit Arbeiten auf dem Gelände begonnen werden kann, muss der Flächenwidmungsplan geändert werden. Norbert Steiner, ehemaliger NÖPLAN Boss, war federführend bei der Entwicklung des Stadteilkonzeptes und erklärt den bevorstehenden Ablauf: Nach einer strategischen Umweltprüfung und der Erarbeitung eines teilräumlichen Entwicklungskonzeptes wurde beantragt, auf dieser Basis den Flächenwidmungsplan von Bauland Industriegebiet auf Bauland Wohn- und Kerngebiet zu ändern. „Dieses Änderungsverfahren läuft derzeit und soll im Frühjahr 2016 abgeschlossen werden.“ Millionenschweres Investment Da im bisherigen Flächenwidmungsplan das gesamte Areal (durch den damals noch laufenden Betrieb des Unternehmens) als Industriegebiet eingeplant war, ist es erst später möglich, mit dem Bau von Wohnungen zu

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beginnen. Die Planungen für die erste Ausbaustufe sollen zeitgleich mit dem Flächenwidmungsplan abgeschlossen sein. Laut dem St. Pöltner Stadtplaner Jens de Buck könnte bereits 2017 mit einer ersten Bebauung begonnen werden. Der gesamte Ausbau wird aber, so der Plan der Glanzstadt-Projektentwickler, wohl 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen. Genaue Kosten kann Steiner verständlicherweise noch nicht nennen, er geht aber von einem Gesamtinvestment in dreistelliger Millionenhöhe aus. Das Anfang 2014 medienwirksam überlegte Filmstudio auf dem Areal steht übrigens offenbar nicht mehr zur Diskussion: Weder Stadt noch Land konnten auf Anfrage von neuen Konzeptideen berichten. Der bekannte Dokumentarfilmer Kurt Mündl, der gerade seinen Unternehmenssitz nach St. Pölten verlegt hat, kann der Idee aber nach wie vor viel abgewinnen: „Ich werde versuchen dazu beizutragen, dass die Landeshauptstadt zur Filmhauptstadt wird. Ich wünsche der Glanzstadt, dass dort Studios entste-


TEXT: Dominik Leitner | Fotos: Elias Kaltenberger, ZVG

hen, aber es wird nicht so einfach sein, dass es dann eine Auslastung hat.“ WWE-Gründe: Wer gewinnt? Doch nicht nur das Glanzstoff-Areal selbst ist für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Vor 21 Jahren hat die „Wohn- und WirtschaftsparkEntwicklungsgesellschaft“ eine acht Hektar große Fläche von der damaligen Glanzstoff abgekauft. Die heute als WWE-Gründe bekannte Fläche südlich des Viehofner Sees im Bereich zwischen der Austraße, der Dr. DochGasse und der Traisen war Teil des EUROPAN13-Architekturwettbewerbs. Dieser richtet sich dezidiert an junge Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner unter 40 Jahren. Seit 1989 versucht man alle zwei Jahre einen neuen Zugang zu Urbanismus zu finden – und St. Pölten ist bei der dreizehnten Auflage das erste Mal mit dabei. Der diesjährige EUROPAN stand unter dem Motto „Die anpassbare Stadt“. Mit 27 Einreichungen konnte St. Pölten fast alle anderen teilnehmenden Städte aus Österreich weit hinter sich lassen: Für Bruck an der Mur interessierten sich 18, für Linz 16 und für Wien 10 Architekten. Einzig Graz konnte mit 34 Einreichungen noch mehr Architekten ansprechen. EU-

ROPAN Österreich ist erfreut und führt das Interesse an St. Pölten vor allem auf „die besondere Qualität des Standortes“ zurück. Leider war es bis Redaktionsschluss nicht möglich, erste Pläne und Überlegungen zu zeigen – die erste Bekanntgabe der Ergebnisse findet am 4. Dezember auf www.europan.at statt. 500 neue (architektonisch hoffentlich ansprechende) Wohnungen sollen auf den WWE-Gründen gebaut werden. Vor einigen Jahren, so Stadtentwickler de Buck, habe man begonnen, eine Grundsatzstudie zu entwickeln, „welches Potential der Standort haben könnte“ – das Ergebnis war die Teilnahme am EUROPAN-Wettbewerb. Bis wann dort gebaut werden kann, steht noch in den Sternen: De Buck erklärt, dass nicht nur von Planungsseite noch vieles zu tun sei, sondern auch die Frage der Altlasten bis heute noch nicht geklärt sei. Das Umweltbundesamt hat zwar bereits eine Vorstudie gemacht und die Ergebnisse bis Sommer 2015 versprochen, bei de Buck sind

diese bislang aber nicht angekommen. Eine weitere Herausforderung sei es zudem, eine „gemeinsame Sprache“ innerhalb der Eigentümergesellschaft über die Zukunft der Gründe zu finden. Neben den zwei großen Projekten beschäftigt sich die Stadtplanung natürlich mit zahlreichen anderen Überlegungen über die Zukunft St. Pöltens. Jens de Buck sieht in den letzten Jahren eine viel stärkere Dynamik, dies v. a. durch die verbesserte Zuganbindung in Richtung Wien. Für die weitere Entwicklung der Stadt liegt der Fokus auf der Nutzung von gewidmeten Bauland-Reserveflächen und einer damit einhergehenden „Verdichtung der Stadt“. Diese Verdichtung ist maßgeblich relevant, um auch im Bereich der Verkehrsentwicklung Fortschritte zu erzielen. Für de Buck ist auch die Zone zwischen dem St. Pöltner Hauptbahnhof und dem Krankenhaus von großer Bedeutung. „Sie hat hohes Potential!“ Ziel sei es, dadurch „scheibchenweise von innen nach außen zu wachsen.“

Glänzend. Die Verbauung des Glanzstoffareals (Studie s.u.) sowie der WWE Gründe (r.) soll der missing link im Stadtbild schließen.

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TEXT: Michael Müllner | Foto: Thaut Images - Fotolia.com

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

An zwei Fronten streitet die Stadt St. Pölten seit Jahren geduldig um Millionen. An einer gibt’s nichts Neues. An der anderen ist jedoch ein Ende in Sicht. St. Pölten gegen Raiffeisen Bei der unsicheren SWAP-Klage gegen die Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien (RLB) hat es die Stadt nicht eilig. Seit 18 Monaten gab es keinen Verhandlungstermin. Im Mai 2014 gerieten St. Pöltens Rechtsanwalt Lukas Aigner und Richter Martin Ogris aneinander, in kritischen Äußerungen des Handelsrichters sah Aigner die mangelnde Objektivität des Richters – und beantragte diesen abzusetzen und mit einem Ersatzrichter weiterzumachen. Ein Ablehnungssenat stellte jedoch fest, dass der Richter nicht parteiisch gehandelt habe, Aigner ging in die nächste und letzte Instanz – und hatte auch dort das Nachsehen. Unterdessen stellte die Stadt die Zahlungen an die Bank aus diesem strittigen Geschäft ein, worauf die Bank mit einer Klage reagierte. Beide Klagen (Stadt gegen Bank und Bank gegen Stadt) wurden vernetzt, da bei inhaltlich gleichgelagerten Fällen auch der gleiche Richter beide Klagen entscheiden soll. Auch hier deponierte St. Pölten sein Misstrauen gegen den

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Richter – und beantragte einen Richtersenat statt dem üblichen Einzelrichter. Viel Geplänkel, aber seit eineinhalb Jahren wurde in der Causa-Prima der St. Pöltner Stadtpolitik nicht öffentlich verhandelt. Nun hätte es endlich wieder weitergehen sollen, doch die beiden geladenen Zeugen, eine Mitarbeitern der RLB sowie St. Pöltens Magistratsdirektor Thomas Dewina, brauchten am 24. November nicht nach Wien zum Handelsgericht fahren – wegen Terminkollisionen wurde auf Antrag der Parteien der Termin wieder abberaumt: „Einen neuen Termin wird es erst im Jänner 2016 geben“, erfährt man dazu aus dem Handelsgericht. Kommt Zeit, kommt Rat. St. Pölten hat also an dieser Front keine Eile, vor der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr wird Bürgermeister Matthias Stadler seinen Wählern ein erstinstanzliches Urteil wohl weder erklären müssen, noch wird er sich dafür feiern lassen können. St. Pölten gegen den Bund Etwas schneller könnte es dem Bür-

germeister jedoch in einer anderen Streitfrage gehen. Seit zwei Jahrzehnten streiten Gemeinden mit dem Bund. Der Krankenanstalten-Zusammenarbeitsfonds (KRAZAF) wurde 1996 aufgelöst, beim Übergang auf das neue System entstand eine „Lücke“ in Form von Beiträgen, die den Gemeinden (als damaligen Spitalserhaltern) nicht ersetzt wurden. Jahrelang war im österreichischen Behördendschungel nicht klar, wer nun für diesen Streitfall zuständig ist. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Wien sorgt nun in zweiter Instanz für die begründete Hoffnung, dass der Streit sich dem Ende zuneigt und der Bund auf ein letztmögliches, außerordentliches Rechtsmittel verzichtet. Die Stadt Hainburg hatte einen Musterprozess gegen den Rechtsnachfolger des Fonds angestrengt und nun in zwei Instanzen gewonnen. Da die rechtliche Ausgangslage bei St. Pölten gleich gelagert ist, darf die Stadt bei einer Klagseinbringung auf einen Geldregen von 20 Millionen zuzüglich Zinsen für das Stadtbudget hoffen.


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Aus dem Orchestergraben

Was für ein Zeichen! Die Wiener Philharmoniker, in Musik gegossener Nationalstolz jeden Österreichers, kaufen in St. Aegyd ein altes Gasthaus, um dort das „Wiener Philharmoniker Haus für Asylsuchende“ zu gründen! Über die Hintergründe sprachen wir mit Projektleiter Norbert Täubl, seines Zeichens Klarinettist des Orchesters, und eines zeigte sich: Da ist nicht nur ein Künstler, sondern vor allem ein Mensch, der nicht nur – stellvertretend für seine Kollegen – etwas sagen will, sondern vor allem auch etwas zu sagen hat. Mögen ihm viele zuhören! Wie bzw. wann ist das Projekt Asylhaus eigentlich entstanden? Der Verein ist im Sommer, als sich die Krisensituation zuspitzte, zu dem Entschluss gekommen, dass wir auch etwas auf die Beine stellen sollten. Es kristallisierte sich dann relativ rasch die Idee heraus, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, und zwar aktiv und längerfristig. Zugleich war uns aber ebenso schnell bewusst, dass wir zwar aufgrund unser Popularität gut im Geldauftreiben sind, dass wir ein solches Haus aber nicht selbst führen können, sondern 22

dafür einen kompetenten Partner mit dementsprechendem Know-how brauchen – so kam es zur Kooperation mit der Diakonie, für die wir das Haus ankaufen. Fündig geworden ist man standortmäßig in St. Aegyd – warum gerade dort? Das war Zufall. Ich hab mich im Bekanntenkreis umgehört, ob jemand ein geeignetes Objekt weiß, und da hat man mir gesagt, dass die Familie Stiefsohn in Pension geht und ihr Gasthaus zum Verkauf steht. Das ist

ein Haus, das ich noch aus meiner Kindheit gut kenne – ich bin ja in St. Aegyd aufgewachsen – und es ist aufgrund seiner räumlichen Begebenheiten ideal für unsere Zwecke zu adaptieren. In Folge haben wir mit der Familie Stiefsohn Gespräche geführt, weiters natürlich mit der Gemeinde, die gleichfalls Unterstützung signalisiert hat und hinter dem Projekt steht, was ja am wichtigsten ist, ebenso wie die Bevölkerung. Erst dann – als alles auf Schiene war – wurde das Ganze im Verein am 23. September beschlossen.


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Matthias Köstler, ZVG

Wie kann man sich die Sitzung vorstellen – gabs da Einwände und wilde Debatten? Überhaupt nicht. Der Beschluss fiel einstimmig aus und wurde mit Applaus bedacht, einfach weil alle überzeugt sind, dass das eine gute Sache ist. Die nächste Frage war in Folge, wie wir das Geld aufstellen. Wir hätten natürlich irgendwo zweimal ein Benefizkonzert spielen können und hätten das Geld beisammen gehabt, aber das wollten wir nicht, sondern wir wollten ganz bewusst ein Zeichen setzen: Wir haben daher selbst eine Grundeinlage getätigt, als Verein, ebenso haben einzelne Mitglieder gespendet, und auch eine koreanische Firma hat sich eingebracht, so dass wir rasch ein Startkapital von rund 50.000 Euro beisammen hatten. Nun kann man – direkt an die Diakonie unter dem entsprechenden Kennwert – für das Projekt spenden. Als dritter Baustein ist vor Kurzem eine Crowdfunding-Aktion gestartet – das ist auch für uns selbst ein neuer Weg, von dem wir gespannt sind, wie er funktioniert. Schließlich gibt es am 5. Dezember im Festspielhaus St. Pölten, das uns dafür dankenswerter Weise das Haus und diverse Dienstleistungen zur Verfügung stellt, ein Benefizkonzert zugunsten des Projektes. (Infos siehe Kasten, Anm.) Der direkte Ankauf eines Hauses zu sozialen Zwecken ist für die Philharmoniker aber auch eine neue Dimension des Engagements, oder? Ja, das ist durchaus Neuland für uns, vor allem insofern, dass wir bis jetzt Geld sozusagen immer „nur“ abgeliefert haben und den Leuten, denen wir es übergaben, vertraut haben, dass sie damit etwas Gutes machen. Diesmal sind wir aber viel unmittelbarer beteiligt und gefordert – durch unsere Patenschaft werden wir das Projekt

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Asylhaus auf lange Sicht aktiv begleiten. Was gleich geblieben ist, ist der generelle Anspruch, dass wir als Orchester für eine gewisse Qualität stehen, die wir auch in jenen Bereichen nachhaltig leben wollen, die sozusagen „nur“ Nebenfronten unseres Wirkens darstellen. Uns geht es also sicher nicht um billige PR, sondern wir möchten mit diesem Projekt wirklich helfen – und zwar gescheit und auf solide Art und Weise. Außerdem möchten wir vielleicht ein Muster geben, wie derartige Projekte funktionieren können: Dass man also Kompetenz mit Geld ausstattet, das Ganze von der Bevölkerung akzeptiert und mitgetragen wird, und so auf Sicht etwas Überlebensfähiges und Nachhaltiges entstehen kann.

klaren lässt und sich denkt „das wird schon irgendwie vorbeigehen.“ Nur, das geht eben nicht vorbei, man muss schon klar Farbe bekennen und aktiv werden – wir hoffen halt, dass auch unser Schritt da ein bisschen mithilft, Bewusstsein zu schaffen.

Es gibt ja bisweilen die Koketterie von Künstlern, die sich engagieren, aber zugleich bezweifeln, ob sie wirklich etwas bewirken können. Wie beurteilen Sie das? Also das glaube ich nicht, man kann durchaus etwas anstoßen – und genau das tun wir mit diesem Schritt, weil wir es als öffentliche Institution in gewisser Weise auch als gesellschaftliche Verpflichtung betrachten, uns zu positionieren. Was mir eher auffällt ist, dass unsere Volksvertreter, die Verantwortlichen leider viel zu wenig Stellung beziehen. Die schleichen eher nur herum, trauen sich keine klaren Aussagen zu treffen – die einzige Ausnahme bildete bislang eigentlich Bürgermeister Michael Häupl, der uneingeschränkt gesagt hat „da tua ma wos!“ Die anderen verstecken sich hingegen hinter geschliffener PR. Das ist aber ein Riesenproblem, denn gerade die Vorbildwirkung der Verantwortlichen, von „denen da oben“, wäre wichtig, würde den Menschen Mut machen, Orientierung geben. Wenn da aber nichts kommt, entsteht unweigerlich Verunsicherung in der Bevölkerung – das ist wie in einer Familie, wenn der Papa auch alle im Un-

Haus für Asylsuchende

„Musik kennt keine Grenzen. Sie dringt durch alle Zäune, ja selbst durch Mauern.“

Die Wiener Philharmoniker kaufen in St. Aegyd das ehemalige Gasthaus Stiefsohn an, um dort ein Asylwohnhaus zu etablieren. Betreiben wird es die Diakonie, die Philharmoniker werden ihre Patenschaft aber auch nach dem Kauf aktiv weiterführen, u.a. in Form von Benefiz-Kammerkonzerten u.ä. Insgesamt sollen bis zu 16 Personen (vier Familien) in vier Wohneinheiten unterkommen. Der ehemalige Gastraum soll u.a. für Sprachkurse und als Ort der Begegnung dienen. Die Projektsumme beträgt rund 250.000 Euro (Adaption, Umbau, Kaufpreis). Wer das Projekt der Philharmoniker unterstützen möchte, hat dazu mehrere Möglichkeiten: 1) Sie spenden der DIAKONIE (Diakonie Flüchtlingsdienst, IBAN: AT97 2011 1287 2204 5678, Spendenzweck: Wiener Philharmoniker Haus). 2) Sie besuchen das Benefizkonzert am 5. Dezember im Festspielhaus St. Pölten (s. Kasten). 3) Sie beteiligen sich am Crowdfunding, das bis 7. Jänner läuft, unter https://wemakeit. com/projects/wiener-philharmoniker-haus Mit dabei sein kann man bereits ab 20 Euro, für die man eine Stofftasche mit einem Slogan erhält. Für 40 Euro gibt es Karten zu Generalproben des Orchesters, für 100 Euro ist man zur Eröffnung des Hauses eingeladen. Weiters gibt es u.a. VIP-Tickets für das Sommernachtskonzert (200 Euro) und Stehplatzkarten für das Neujahrskonzert (500 Euro). Auch Tagesausflüge gemeinsam mit naturbegeisterten Philharmonikern stehen zur Auswahl (250 Euro). Für 2.500 Euro kann man eine von vier Patenschaften für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen.

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Unterbringung Asylwerber NÖ, Status 19.11.2015 Seit unserer letzten Ausgabe (September), als die Kritik an zu wenig Plätzen und zögerlichen Gemeinden am höchsten war, konnten in Niederösterreich 114 neue Quartiere geschaffen werden. Angesichts nach wie vor steigender Asylwerberzahlen ist das auch unbedingt notwendig: So wurden im September 1.293, im Oktober 1.516 und im November (Stand 19.11) bisher 918 Personen in die NÖ Grundversorgung übernommen. Insgesamt werden derzeit 13.188 Asylwerber durch Bund und Land in Niederösterreich betreut, 10.844 davon befinden sich in der Grundversorgung des Landes. Davon sind wiederum rund 65 % in organisierten Quartieren und 35 % privat untergebracht. Die Zahl der unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge in der Grundversorgung liegt derzeit bei 770. Hatten bis Ende April erst 34% der niederösterr. Kommunen Asylwerber aufgenommen, so sind es mittlerweile 59%! 4.000 neue Plätze wurden geschaffen, bis Jahresende sollen noch rund 2.000 weitere folgen, so dass Niederösterreich mit Ende des Jahres bis zu 13.000 Plätze zur Verfügung stellen kann.

BENEFIZKONZERT 5. Dezember

Am 5. Dezember findet im Festspielhaus ein Benefizkonzert zugunsten des „Wiener Philharmonikerhauses für Asylsuchende“ statt. Dieses wird von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, Solotänzern des Staatsopernballetts, Michael Schade, Valentina Naforniţa uvm. bestritten. „Das Programm wird ein ur­österreichisches sein, von Mozart bis Schubert, ebenso – dem völkerverbindenden Gedanken entsprechend – wird es aber zum Beispiel auch Balkanmusik, einen Derwischtanz und ähnliches geben!“, verrät Norbert Täubl, der zudem auf einen Grundgedanken verweist. „Der Abend soll symbolisch für einen Fluchtweg stehen, wird sozusagen im Dunklen, Düsteren beginnen und sich zur Helligkeit, zum Licht hin bewegen, wo alles gut ausgeht!“ Tickets gibt es im Festspielhaus St. Pölten, www.festspielhaus.at

Bewusstsein wofür? Dass man einen normalen menschlichen Standpunkt einnehmen kann, ja muss, ohne Angst zu haben, dass das sozusagen nicht gut ankommt oder falsch sein könnte. Wir reden in letzter Zeit immer groß von unseren Werten – dann müssen wir uns aber bitteschön auch ganz klar dazu bekennen und sie leben – und die umfassen eben Menschlichkeit, Solidarität, christliche Grundsätze wie Nächstenliebe. Da kann ich doch nicht zuschauen angesichts des Leides direkt vor unseren Augen – oder so tun, als müssten das andere lösen, die Türken, die Amis, die EU, wer auch immer. Da ist auch jeder Einzelne gefordert. Menschlichkeit kann nicht falsch sein Umgekehrt bildet ja gerade die „Wertedebatte“ die Projektionsfläche für Ängste, demnach wir uns eben sozusagen abschotten müssen, weil es sonst zu einem Clash der Kulturen kommen könnte. Also wir sind der Überzeugung, dass die Herausforderungen zu bewältigen sind. Wir selbst sind ja ein gutes Beispiel. In unserem Orchester sind nicht nur Österreicher, sondern wir haben Mitglieder aus Australien, Albanien, Neuseeland etc. 40 bis 50 Kollegen haben Migrationshintergrund, es gibt 20 verschiedene Reisepässe – und trotz-

dem sind wir eine gewachsene Einheit und das Zusammenleben funktioniert gut. Das ist kein Widerspruch! Man braucht keine Angst vor einem „Werteverlust“ haben. Gerade weil wir als Philharmoniker Werte und eine lange Tradition besitzen, die auch die jeweils neuen Mitglieder akzeptieren, und gerade weil wir uns dieser Tradition auch ganz selbstverständlich bewusst sind, bringt uns etwas Neues nicht aus der Ruhe oder macht uns Angst. Wir müssen uns nicht zur Wehr setzen gegen DAS andere, sondern wir begreifen gerade umgekehrt, dass das Vorhandene durch diese neuen Aspekte und Einflüsse bereichert und befruchtet wird. Das erst macht unsere besondere Qualität aus, dass Kollegen Dinge miteinbringen, die bei uns so gar nicht beheimatet sind. Tradition lebt letztlich davon, dass sie belebt wird – sonst wären wir ein Museum und kein lebendiger Organismus. Ist Musik diesbezüglich vielleicht ein besonderer Nährboden, der als exemplarisches Muster dienen könnte, wie Völkerverständigung und Integration funktionieren können? Feststeht: Musik kennt keine Grenzen. Sie dringt durch alle Zäune, die manche jetzt aufziehen möchten, ja selbst durch Mauern! Das ist eine Sprache,

MULTIKULTI. Über 40 Mitlglieder der Wiener Philharmoniker haben Migrationshintergrund, im Orchester schwirren 20 verschiedene Pässe umher.

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Aus dem Orchestergraben

uns auch bewusst machen, dass die Flüchtlinge eben genau davor fliehen, weil sie in ihrer Heimat tagtäglich diesen Wahnsinn erleben.

EINLADUNG. Die Wr. Philharmoniker laden zur Unterstützung ihres Hauses für Asylsuchende ein. Eine Möglichkeit zu spenden ist das Benefizkonzert am 5. Dezember im Festspielhaus.

die auf der ganzen Welt verstanden wird und zur Verständigung dient. Sie ist auch oft sehr emotional und daher etwas, das uns miteinander verbinden kann – und das meine ich gar nicht nur in einem prosaischen Sinne, sondern durchaus ganz konkret: Wir als Musiker leben und erleben dieses Phänomen auf einer normalen menschlichen Ebene immerzu – wir sind gut 100 Tage im sogenannten Ausland unterwegs! Vielleicht haben wir daher auch eine andere Affinität zu dem Thema, einen anderen Blickwinkel. Und ich glaube es ist wichtig, dass wir diesen auch weitergeben und vermitteln, auch darauf hinweisen, dass Zusammenleben möglich ist. Man muss dafür nur – das ist das Gebot der Stunde – eine gute Basis schaffen. und diesbezüglich sind die Verantwortlichen gefordert. Ich hoffe jedenfalls, dass man nicht Fehler wie in der Vergangenheit begeht, als durch mangelnde Integration zum Teil Ghettos entstanden sind, sondern dass man die Neuankömmlinge willkommen heißt, mitnimmt, integriert. So betrachtet muss man die aktuelle Krise auch als Chance begreifen, gleich jetzt die richtigen Weichen für ein gutes Zusammenleben in Zukunft zu stellen. Sie haben die Reisetätigkeit der Philharmoniker angesprochen.

Europa steht gerade geschockt unter dem Eindruck der Anschläge in Paris. Wie gehen eigentlich die Philharmoniker mit dieser Bedrohung um – schwingt da auf Reisen manchmal eine gewisse Angst mit, selbst Opfer zu werden? Also mich persönlich hat das nie sonderlich beeindruckt, aber natürlich gibt es Kollegen, die bisweilen Angst haben oder Ressentiments und sagen: „Da fahr ich nicht hin!“ Terror gab es aber immer schon, das ist nicht die erste Bedrohung. Ich erinnere mich an die Wellen in den 70er- und 80erJahren, oder später während der Irakkriege, als Konzerte von uns in den USA abgesagt wurden. Wir spielten auch während der 2. Intifada in Jerusalem. Wir wissen also, dass es keine heile Welt gibt, und es gibt immer wieder Momente, wo einem der Gedanke durch den Kopf geht: „Das könnte mein letzter Flug sein.“ Aber wenn es so käme, dann wäre es wohl Schicksal. Ich habe jedenfalls auf unseren Reisen viele Dinge erlebt und gesehen. Der Terror ist schlimm und die Anschläge in Paris, wo wir jetzt in Europa hautnah diese Gräuel erlebt haben, sollte

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Vielleicht noch eine persönliche Frage zum Abschluss – Sie sind ja wie das fleißige Eichhörnchen für die Aktion unterwegs. Hat dieser Prozess auch mit Ihnen selbst etwas „gemacht“? Also ich habe von der Auseinandersetzung innerlich sicher profitiert. Man schreibt viele Leute an, redet viel, stellt manches in Frage, sieht manches neu. Entscheidend ist, dass jeder von uns die Möglichkeit hat zu helfen, wobei gerade das Geben etwas ist, das in unserer Gesellschaft leider ein bisschen verloren gegangen zu sein scheint. Wir sind alle auf uns selbst fokussiert, jeder schaut, wie er selbst zu mehr kommt, mehr kaufen kann. Aber ich denke, es gibt da ein Maß, über das man nicht hinausgehen sollte, weil man sonst die Bodenhaftung verliert. Man sollte also durchaus hinterfragen, ob ich das wirklich alles „verdiene“, was ich verdiene, oder ob ich das wirklich alles so unbedingt brauche, von dem ich glaube, dass es wichtig ist – das zweite Auto, das vierte Fahrrad, was auch immer. Oder ob ich meinen Reichtum nicht auch teile mit Menschen, die nicht einmal das Notwendigste haben – nicht genug zu essen, kein Dach über dem Kopf, keine Perspektive. Mir fällt dazu eine persönliche Geschichte ein: Ich kann mich noch gut erinnern, als ich als Kind erfuhr, dass es kein Christkind gibt. Da war ich sehr traurig im ersten Moment. Als ich dann aber beim nächsten Weihnachtsfest zum ersten Mal selbst meinen Eltern etwas schenken konnte, war das eine ganz neue Erfahrung für mich, die mir Riesenspaß und Freude bereitet hat. Etwas schenken zu können, es gern zu tun, ist mindestens genauso schön, wie selbst beschenkt zu werden!

„Der Beschluss fiel einstimmig aus und wurde mit Applaus bedacht.“ MFG 11.15

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MFG URBAN

BAU WAS! Stefan Friedrich (l.) und Hannes Frech (r.) haben gut lachen – ihre BIOBLO Bausteine gehen aktuell durch die Decke und sorgen für Furore in den Kinderzimmern.

MISTER BIOBLO MACHT KINDER FROH

Wie hat einmal LEGO in grauer Vorzeit angefangen, dieser kleine Kunststoffbaustein, bevor er die Welt eroberte und sich zum Spielimperium mit Kinofilmen und Themenparks auswuchs? Dieser Gedanke kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man mit dem St. Pöltner Hannes Frech über seine BIOBLO Bausteine plaudert. Ein Start-up, das gerade die Kinderzimmer erobert.

D

er Rummel um die Bausteine ist in den letzten Wochen rapide angestiegen. Zahlreiche Medien haben sich auf das innovative Spielzeug gestürzt – NÖN, Heute, ORF oder zuletzt die Kronenzeitung – so dass an Hannes Frechs Arbeitsstätte, dem Institut für Naturstofftechnik (IFA) der BOKU mit Sitz in Tulln, neuerdings Omas beim Portier vorstellig werden und BIOBLO kaufen möchten. „Das ist schon ein Wahnsinn“, lacht Frech über den Hype, den er auch ganz unmittelbar zu spüren bekommt: Seitdem in einer Zeitung versehentlich seine Privatnummer anstelle jener der Firma abgedruckt wurde, ist sein 26

Handy im Dauerklingelmodus. „Die Anrufer möchten BIOBLO bestellen, es ergeben sich dann aber ganz nette, sehr persönliche Gespräche, im Zuge dessen mir die Leute sagen, wie super sie die Idee finden.“ Kunststoff ohne Künstlichkeit Und die hat es tatsächlich in sich, denn BIOBLO sind nicht irgendwelche Kunststoffbausteine, sondern solche, die – aus Sicht des Laien – die Quadratur des Kreises schaffen: Der Kunststoff besteht praktisch zu 100% aus natürlichen Stoffen! Da finden sich weder die schwer ins Gerede geratenen Weichmacher, die immer wieder

Billigware aus China in überhöhten Dosen aufweist, und auch nicht das „böse“ Erdöl – die klassische Ingredienz von Kunststoff. Vielmehr sind BIOBLO ein Gemisch aus Holzmehl und Biokunststoff auf Zuckerrohrbasis, „bestehen also zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen!“ Dass gerade Frech ein solches Spielzeug erfunden hat, ist dabei kein Zufall, denn das Forschen und Entwickeln von innovativen Werkstoffen, die einen möglichst hohen Naturstoffanteil in sich tragen und trotzdem – denn das ist die Krux – für industrielle Fertigung, für diverse Formen, die man etwa im Spritzgussverfahren umsetzt,


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: zvg/bioblo

verwendbar sind, gehört zu seinem Kerngeschäft am IFA. „Das ist eine extrem spannende Herausforderung“, lässt er wissen, und vor allem eine, die nicht langweilig wird, weil je nach Partner immer wieder neue Projekte und Herausforderungen am Tisch des gelernten Kunststofftechnikers landen. „Firmen kommen mit verschiedenen Vorstellungen und wir schauen, ob wir das Unmögliche möglich machen können.“ Da Frech ein prinzipiell experimentierfreudiger Geist ist, wirbeln aber auch privat die Ideen durch seinen Kopf, wobei er kein schnöder Theoretiker ist, sondern immer den Zug zur Anwendung hat. Als seine Tochter ins „baufähige“ Kindesalter kam, war es daher fast logisch, dass er sich plötzlich den Kopf über geeignetes und inspirierendes Spielzeug für die kleine Julia zerbrach. „Ich hab sie beim Spielen beobachtet und dachte mir, da muss es doch noch etwas Spannenderes, Dynamischeres geben, als diese ein bisserl faden Holzbauklötze.“ Nach dem Motto, selbst ist der Herr Papa, heckte er daraufhin einen Baustein aus BioKunststoff aus – BIOBLO war geboren. „Außerdem dachte ich mir, warum soll ich teures Geld für Holzklötze ausgeben, wenn ich selbst etwas produzieren kann“, lacht er. Das Erstinvestment war dann freilich doch höher – für das Prototypenwerkzeug berappte Frech gute 1.500 Euro. Dieses zauberte dafür neuartige, bunte Steine hervor, die noch dazu in coolem Design daherkamen, wobei hierfür v.a. ein „schnöder“ wirtschaftlicher Aspekt Geburtshelfer war: „Ein voller Stein ist etwa drei mal so teuer in der Produktion“, so Frech. „Ich suchte daher nach einer Struktur, die möglichst wenig Material verbraucht und trotzdem stabil genug ist, um damit gut bauen zu können.“ Wie so oft, lieferte die Natur die Vorlage – Frech schaute sich für BIOBLO die Wabenform der Bienenstöcke ab. Aus eins mach drei Die Steine kamen jedenfalls nicht nur bei der Tochter, sondern alsbald auch bei den Kindern von Freunden und Bekannten bestens an. Auch bei ersten

Helle Vielfalt. Ein Stein, unzählige Möglichkeiten. BIOBLO erobern aktuell die Kinderzimmer. Erhältlich sind die Bausteine unter www.bioblo.com sowie bei ausgewählten Fachhändlern.

öffentlichen Auftritten schlugen die BIOBLOs bei den Kids voll ein, „ich glaube, weil sie einfach die Fantasie anregen und man sie nicht großartig erklären muss – sie sprechen für sich selbst.“ Frech stellte das Spielzeug in Folge auch einigen Spielzeugfirmen vor, „die sich interessiert zeigten, zu einer Vereinbarung kam es letztlich aber doch nicht“, was er auf ein damals fehlendes durchstrukturiertes Grundkonzept zurückführt. „Ich bin halt Techniker, es mangelte im Zuge der Präsentation am Gesamtauftritt, beginnend bei der Verpackung bis hin zu einem klaren Entwicklungs- und Businessplan.“ So schlief BIOBLO in Folge wieder etwas ein, und wer weiß, vielleicht wäre die Geschichte des innovativen Bausteins an dieser Stelle schon wieder zu Ende gewesen (wie es vielen visionären Start-ups passiert, denen oft das letzte gewisse Etwas zum wirklichen Durchbruch fehlt), wenn es nicht der Zufall (oder das Schicksal) fügte, dass vor ca. einem Jahr Stefan Friedrich am IFA vorstellig wurde. Dieser kam aus der Werbung, hatte erfolgreich für große Agenturen gearbeitet sowie Kampagnen für Bigplayer wie McDonalds, Ottakringer oder KIKA kreiert, war der Werbebranche aber etwas überdrüssig und wollte daher etwas Bodenständigeres angehen. „Er wollte

eigentlich nur Recherchen für eine Produktidee anstellen, die im Bereich der Möbelherstellung angesiedelt war. So landete er bei uns am IFA.“ Im Zuge der ersten Gespräche kristallisierte sich aber rasch heraus, dass die Entwicklung eines Prototyps extrem hohe Investitionskosten verschlingen würde, die Friedrich schlicht nicht stemmen konnte. Bei Frech hingegen fiel der Groschen: „Ich hab Stefan dann erzählt, dass ich da ein anderes Produkt hätte, das im Grunde genommen fast fertig ausgefeilt ist, dass mir dazu aber das Know-how für Konzeptionierung und Vermarktung fehlt.“ Nachdem die Bausteine den Crashtest bestanden – Friedrich nahm sie zu seinen drei Kindern im Alter zwischen drei und acht Jahren mit nach Hause und sorgte damit für Begeisterung – stieg der Werbeprofi in das Projekt mit ein. Er gab den Bioblos ihren heutigen Namen und holte seinerseits den Designer Dietmar Kreil an Bord, der das Logo entwarf. Aus Frechs One-Man-Show war somit ein Trio geworden, das gemeinsam eine GmbH gründete und in den kommenden Monaten den Marktauftritt vorbereitete. Und was für einen: Hält man heute etwa die Broschüren in der Hand, erkennt man sofort, dass hier Profis am Werk sind. Alles atmet die Grundbotschaft von BIOBLO, „nicht das xte MFG 11.15

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Plastikspielzeug zu sein, sondern ein inspirierendes und besonderes aus einem neuen, biologischen Material!“ Das reicht vom ansprechenden Webshop über die Farbenfroheit bis hin zum Druck der Werbematerialien auf 100% Recyclingpapier. Dass BIOBLO made in Austria ist, versteht sich ohnedies von selbst. „Dass wir etwa in China produzieren, würde schlicht nicht zum Produkt und unseren Vorstellungen passen!“ Auf der Überholspur Das Facelifting, wenn man es so nennen möchte, wirkte jedenfalls wie ein Turbo: BIOBLO avancierte, etwa bei den Kindersommerspielen in Herzogenburg oder den Spielefesten auf der Schallaburg, rasch zum Rising Star. Und endlich klappte es auch mit der Listung. Einer der größten KindergartenZulieferer Deutschlands „spielwelle“, „der über 35.000 Kindergärten zu seinen Kunden zählt!“, nahm BIOBLO in sein Sortiment auf. Mittlerweile hat auch der Tullner Bürgermeister BIOBLO für seine Kindergärten anschaffen lassen, ebenso werden bereits in manch Volksschulen die spannendsten BIOBLO-Gebilde kreiert, so dass Frech hofft, dass das Spielzeug alsbald auch in den Kindergärten und Volksschulen seiner Heimatstadt vertreten ist. Pädagogisch wertvoll ist es allemal, wie

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auch der „Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug“ urteilte, weshalb man hochoffiziell dessen SPIELGUTEmpfehlungssiegel tragen darf. Und noch eine Auszeichnung heimste man heuer bereits ein: den international ausgeschriebenen „Green Product Award“! Kein Wunder also, dass BIOBLO aktuell so richtig durch die Decke geht – mit dementsprechenden neuen Herausforderungen für Frech und seine Kompagnons. „Wir erkennen immer mehr, dass neben dem Webshop auch ein Bedürfnis nach stationären Kaufmöglichkeiten besteht, weshalb wir uns neue Vertriebswege überlegen müssen.“ So versucht man verstärkt ins Sortiment diverser Spielzeugfachhandelsgeschäfte aufgenommen zu werden. (In St. Pölten – ein kleiner Tipp – kann man BIOBLO beim „supperiör“ in der Marktgasse erstehen.) Außerdem wird wohl auch die aktuelle „do it yourself“-Methode auf Sicht nicht haltbar sein. „Jetzt übernehmen wir ja die gesamte Konfektionierung, Etikettierung und Versendung selbst. Unsere BIOBLO sind also alle handverlesen“, witzelt Frech. In Hinkunft wird man auch hierfür einen Partner finden müssen, damit sich die Firmen­ inhaber vollends der anderen, strategischen Aufgaben widmen können, wobei Frech festhält, „dass ich mei-

nen spannenden Job bei der IFA sicher nicht aufgeben werde.“ Wer glaubt, dass damit das Thema BIOBLO an sich – dass man also einmal einen Baustein entwickelt hat, der jetzt eben seinen Siegeszug antritt und sich hoffentlich gut verkauft – gegessen ist, der unterschätzt Frechs Kreativitäts- und Aktivitätsdrang. Der brütet nämlich schon wieder über der Weiterentwicklung seines Bausteins. „Ich denke da etwa an verschiedene Längen, eventuell bieten wir zusätzlich auch ein Stecksystem für das Bauen von größeren statischen Teilen an.“ Kurzum, es bleibt spannend, der Fantasie sind keine Grenzen gewachsen. Und wenn Frech auch auf die Frage nach einem BIOBLO-Land in ferner Zukunft nur ein müdes Lächeln für mich über hat, dürfen wir größenwahnsinnige Medien uns durchaus in solch Gedankenspiele versteigen. Das hätte doch etwas: Tausende Kinder, die alljährlich nach St. Pölten ins BIOBLO-Land pilgern ... und warum eigentlich nicht? Der dänische Tischlermeister Ole Kirk Christiansen hat 1932, als er sein Holzspielzeug erstmals unter dem Brand LEGO auf den Markt brachte (der erste Kunststoff-LEGO Stein folgte dann 1949), sicher auch nicht daran gedacht, dass sich daraus einmal der größte Spielzeughersteller der Welt entwickeln würde ...

„Ich glaube BIOBLO kommen deshalb so gut bei Kindern an, weil sie einfach die Fantasie anregen und man sie nicht großartig erklären muss – sie sprechen für sich selbst.“ hannes Frech


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TEXT: Dominik Leitner | Foto: Red Bull Media House

Gut Anfangen

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Meine einzige Vorgabe für meine Kolumne ist: Es soll etwas mit St. Pölten zu tun haben. Na gut. Und wie schreib ich jetzt nicht über Flüchtlinge? Mein Urgroßvater war Tscheche, und wahrscheinlich findet jeder in seiner Familie zwei, drei Generationen zurück sogenannte Wirtschafts-Flüchtlinge. Sie wollten es woanders besser haben. Das ist ein Grundrecht des Menschen, wir wandern seit tausenden von Jahren. „Ja, aber“, hör ich euch rufen. Es gibt kein „ja, aber“! Es gäbe uns nicht, wenn nicht einer unserer Vorfahren sich entschlossen hätte zu flüchten, wovor auch immer. Doch wenn wir wo hin kamen, haben wir die dort gebräuchlichen Sitten akzeptiert, sonst gäbe es uns auch nicht. Das ist der Knackpunkt, da müssen Flüchtlinge noch viel lernen – oder wieder umdrehen. Bei uns entscheiden die Frauen, ob man sie ansehen darf oder nicht. Nicht der Mann und auch keine Religion bestimmen unsere Freiheiten. Wir leben nach Gesetzen, die wir uns erschaffen haben, nicht eine Religion uns aufdrängt. Ich will in der Kremsergasse nicht bös angeschaut werden, weil ich einer Frau hinterhersehe oder sie einfach anschaue, weil sie mir gefällt. Ich will aber auch, dass Europa Europa bleibt, mit vielen Kulturen, gern, aber nach unseren Gesetzen, unseren Traditionen. Dazu gehört auch die Weihnachtszeit, wie auch immer man dazu stehen mag. Da haben amerikanische Großkonzerne schon wesentlich mehr Schaden angerichtet als Flüchtlinge. Gut, vielleicht ist Mc Donalds ein Wirtschaftsflüchtling. Vielleicht wurde Coca Cola zu Hause bedroht. Die Welt wird kleiner, wir müssen in unseren Köpfen größer werden, nicht nur zur Weihnachtszeit, nicht nur in St. Pölten. Aber in St. Pölten ist gut anfangen.

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Ausgelaufen

Zwei Jahre lang war St. Pölten der Startpunkt für den „Wings for Life World Run“ und das Sportland Niederösterreich lieferte die dafür notwendige Laufstrecke – ein weltweit übertragenes Spektakel mit dementsprechendem positiven Imagetransfer.

S

o begeistert sowohl Stadt, Land als auch Red Bull als Organisator dieser globalen Laufveranstaltung in Niederösterreich waren – auf eine fixe Austragung des World Run 2016 an den bekannten Orten wollte sich auf Nachfrage von MFG schon im Juni keiner festlegen. Was wir damals schon ahnten, ist heute Tatsache: Die österreichische Ausgabe des Wings for Life World Run wird am 8. Mai 2016 nicht mehr in St. Pölten, sondern in Wien stattfinden. Wie man der Presseaussendung entnehmen kann, werden das große Interesse und Wachstum als Grund für den Umzug in die Bundeshauptstadt genannt: „Statt bisher 7.000 Läufern und Rollstuhlfahrern werden dadurch bis zu doppelt so viel Begeisterte in der Lage sein an der Startlinie zu stehen und den Lauf in Österreich da-

durch zu dem mit Abstand größten Wings für Life World Run weltweit zu machen.“ Für die Vertreter vom SPORT. LAND.Niederösterreich kam der neue Austragungsort nicht überraschend: Auf Nachfrage bestätigt man, von Anfang an voll informiert gewesen zu sein, dass eine Ausweitung des Events an einem anderen Ort angedacht sei. Die Verantwortlichen sind jedenfalls stolz über die erfolgreichen zwei Jahre und finden freundliche Worte für den Veranstalter anstatt ein Schnoferl zu ziehen: „Wenn statt 7.000 Starterinnen und Startern im kommenden Jahr rund 15.000 an den Start gehen können, ist die Entscheidung einer Verlegung des Events nach Wien natürlich nachzuvollziehen und wir wünschen den Veranstaltern alles Gute für 2016.“


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Unser Mann in Paris oder

„Wir leben vom Wald“

Putin kommt, und Angela Merkel, und Barack Obama hat ebenfalls zugesagt. Aber auch ein St. Pöltner ist mit dabei, wenn die Mächtigsten der Welt noch vor Jahresende bei der Klimakonferenz in Paris darüber befinden, ob wir noch zu retten sind.

D

iesmal geht’s ums Ganze“, sagt Christoph Wildburger, „wenn keine neuen Vereinbarungen getroffen werden, gibt es nach 2020 keine verbindlichen Ziele zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen mehr, denn das KyotoProtokoll ist ausgelaufen.“ Christoph Wildburger weiß, wovon er spricht, und er ärgert sich darüber, dass der Klimawandel in Expertenkreisen zwar ein Megadiskussionsthema ist, aber „bei uns in Österreich kriegt keiner was mit, das wird medial 32

kaum kommuniziert.“ Obwohl unsere sich wandelnde Welt keinen kalt lassen sollte, denn auch wir im begünstigten Mitteleuropa werden uns nicht nur an wärmere Temperaturen gewöhnen müssen, sondern auch die Auswirkungen spüren: Mehr Hunger auf der Welt, versiegende Wasserreserven, Menschen auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten. So in etwa 50 Jahren wird das beginnen – wenn nichts passiert. Das wissen auch die, die es in der Hand hätten, dass jetzt ein neuer Klimaver-

trag unterschrieben und umgesetzt wird. Informiert werden die Politmächtigen durch Studien und Erkenntnisse von Wissenschaftlern wie Christoph Wildburger. „Schöne“ neue Welt? Seit Jahren ist der gebürtige St. Pöltner bei den Umweltkonferenzen in aller Welt dabei, als einer jener, die globale Studien zu politisch relevanten Themen erarbeiten und diese den politischen Gremien vorstellen: „Im Gegensatz zur österreichischen


TEXT: BEATE STEINER | Fotos: SMILEUS - FOTOLIA.com, zvg

Nationalrätin Winter sehen 99,9 Prozent der Wissenschaftler den Klimawandel als anthropogen, also durch Menschen veranlasst“, sagt der Umweltexperte, und malt ein düs­teres Bild: „Wenn sich die Erde um mehr als zwei Grad erwärmt, dann drohen massive Veränderungen des Weltklimas – die Eismassen der Pole könnten schmelzen, die Meeresströme sich ändern, einige pazifische Inseln untergehen. Dort gibt es schon Staaten, die in anderen Regionen Land für ihre Bevölkerung ankaufen.“ Und immer mehr Gebiete werden austrocknen, die Leute von dort in Gegenden fliehen, wo es noch Wasser gibt. Und die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen wird sich bis zum Jahr 2030 um weitere Millionen erhöhen.

Wie aber kann die nicht reversible Klimakatastrophe noch gestoppt werden? Was müssen Putin, Merkel, Obama und Co. unterschreiben, damit der Klimawandel nicht weiter rasant vorangeht? Nichts, was nicht schon bekannt wäre: Die Treibhausgase müssen in allen Ländern der Welt sofort drastisch reduziert, die Verwendung von fossilen Energien auf ein Minimum reduziert werden. Aus der Landwirtschaft kommen klimaschädliche Folgen durch die Düngung und industrielle Massentierhaltung – wegen der Methangase, die zum Beispiel riesige Rinderherden in die Luft lassen. Ja, und die Entwaldung muss gestoppt werden, weiß der studierte Forstwirt, der schon einige weltweit beachtete Studien über die Bedeu-

Werdegang Dr. Christoph Wildburger (Jahrgang 1965) ist einer der Top-Waldexperten weltweit. Nach der Matura am Gymnasium in St. Pölten studierte er Forstwirtschaft an der BOKU in Wien. Anschließend war er als Waldökologe an der Uni in Vancouver (Kanada) tätig. Anschließend nahm er das Angebot der Boku an, eine Dissertation über waldpolitische Fragestellungen zu verfassen. Nebenbei arbeitete er bei CIPRA, dem WWF, koordinierte die europäischen Staaten im Rahmen von „Forest Europe“, der Plattform der Waldminister, hat Europa für diese global vertreten und wurde als Waldexperte international bekannt. Christoph Wildburger arbeitet für zahlreiche internationale Organisationen, etwa die UNO Organisationen FAO und UNEP, die Weltbank, den WWF und die IUFRO, die größte Waldwissenschaftsorganisation der Welt mit Sitz in Wien.

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„Wir leben vom Wald“

Umwelt-Muster-Stadt

international. FAO, UNEP, Weltbank, WWF etc. – Wildburger arbeitet für zahlreiche Institutionen. Das Foto zeigt ihn bei der Präsentation der „Wald+Ernährungsstudie“ in New York.

tung des Waldes herausgebracht hat, die letzte als wissenschaftlicher Koordinator darüber, wie der Wald die Menschen versorgt, ihnen Nahrung und Ernährungssicherheit bringt. „In der Studie zeigen wir, dass es zielführender ist, den Wald in die Ernährung der Weltbevölkerung einzubeziehen, als ihn für weitere landwirtschaftliche Produktion abzuholzen“, erklärt Christoph Wildburger. Das bringt Nahrungsmittelsicherheit, weil die Menschen Zugang zu den Produkten des Waldes haben: Pilze, Kräuter, Beeren, Obst, Wild, Fische, Holz ... Weltweit braucht mehr als eine Milliarde Menschen die Ressourcen der Wälder für ihr tägliches Leben. Gerade die Ärmsten sind von der freien Nutzung des Waldes und seiner Ressourcen abhängig. Wird ihnen diese verwehrt oder wird ein Waldgebiet gerodet, verschärft sich ihre Ernährungssituation oft dramatisch. „Viele wandern dann in Städte ab, in denen sie sich noch weniger – und viel weniger Gesundes – leisten können.“ Im Sinne der „Zero Hunger Challenge“ der UNO, die den Hunger in der Welt in den nächsten Jahren eliminieren möchte, müsste daher gezielt auch auf Wälder als Nahrungslieferanten gesetzt werden. Präsentiert wurde die Studie in New York bei der Sitzung des UN Waldforums im Mai, sie wird bereits von 34

der FAO, der Welternährungsorganisation, verwendet. Bestätigt hat sich in der Studie natürlich auch die Bedeutung des Waldes als Ökosystem: Wald speichert Wasser, liefert Sauerstoff, beeinflusst klimatische Prozesse, auch das Kleinklima. Und der Wald ermöglicht, dass außerhalb seiner Grenzen sinnvoll Landwirtschaft betrieben werden kann. Weil er eben als Wasserreservoir fungiert und Erosion verhindert. „Die Idee der Nachhaltigkeit kommt übrigens aus der Forstwirtschaft“, weiß der Wald-Experte: „Du darfst nur so viele Bäume umschneiden, wie Holzmasse nachwächst.“ Das kann man auf alle Ressourcen übertragen, es ergibt immer eine Win-win-Situation für die Menschen. Für die, die in Städten leben, hat der Wald natürlich auch Bedeutung als Erholungsgebiet. Apropos Städte und Gemeinden – welchen Einfluss haben die globalen Befindlichkeiten auf Kommunen, und fallen die hehren Bemühungen von Kleinstädten wie St. Pölten angesichts der dramatischen Klimasituation überhaupt ins Gewicht? Schon, denn erstens wird das, was bei der Klimakonferenz beschlossen wird, bis auf Gemeindeebene heruntergebrochen. So wurde etwa beschlossen, dass Geld zu dem fließt, der Wald erhält – eine Studie, die Christoph Wildburger und seine

St. Pölten steigt in der Bewertung des Umweltexperten gut aus. „Wichtig auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stadt ist eine autonome Energieversorgung. Diese sollte nicht abhängig von fossilen Brennstoffen sein“, sagt Christoph Wildburger. Damit kann die Landeshauptstadt dienen: Rund die Hälfte aller Haushalte wird mit Fernwärme versorgt, wofür man die Abwärme einer Müllverbrennungsanlage, eines Biomassekraftwerkes und eines Wärmekraftwerkes in Dürnrohr nutzt. Rund 11.500 Haushalte werden über die 31 Kilometer lange Fernwärmeleitung versorgt – dafür bekam St. Pölten 2009 die Auszeichnung „Climate Star“. Damals hat die Stadt auch ein Energieleitbild erstellt, in dem der Ausbau erneuerbarer Energien wesentlichstes Ziel ist. Mittlerweile machen 20 Windkraftanlagen St. Pölten zum Ökostrom-Selbstversorger bei Haushalten! Ein dritter wesentlicher Faktor ist das Generalverkehrskonzept mit der Idee der Lebenraumachsen, wofür die Stadt 2014 den Mobilitätspreis des VCÖ erhielt. Weitere Maßnahmen der Klimabündnisgemeinde St. Pölten: Abwasser wird mit Solarstrom entsorgt, die Stadt wird dank zahlreicher Photovoltaik-Anlagen immer wieder als „Sonnenmeister“ ausgezeichnet, beim Stadtbuskonzept LUP fahren die ersten Hybridbusse, beim Magistrat nutzen zahlreiche Mitarbeiter Dienstfahrräder, viele Schulen sind Klimabündnisschulen und machen mit beim „Umweltpreis der Stadt St. Pölten, der Sparkasse und der NÖN“. Dies alles sorgt für einen KlimabündnisAusweis St. Pöltens mit der Bewertung A (Höchstwert ist A++). „Die Stadt St. Pölten ist auf einem guten Weg in ihrer Klimapolitik“, meint Christoph Wildburger, weist aber auch darauf hin, dass „eine systematische Analyse des CO2 Fußabdrucks und aller anderen Umweltwirkungen der Maßnahmen – also eine sogenannte Ökobilanz – äußerst wichtig ist, um die nachhaltige Wirksamkeit zu garantieren.“

Wissenschaftlerkollegen (auch mit Unterstützung der EU-Delegation) bei der vorletzten Klimakonvention in Quatar präsentiert haben, trägt maßgeblich zur Umsetzung dieses Beschlusses bei. Und zweitens sorgen die Kommunen mit Umweltschutzmaßnahmen für ihre Zukunft, die nach Christoph Wildburger so ausschauen sollte: „Nachhaltig genutzte Landschaften und Städte mit nachhaltiger Energieversorgung aus nicht fossilen Brennstoffen.“


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Eine Frage der Ehre

Sind Sie schon einmal durch die St. Pöltner Innenstadt spaziert und haben sich die diversen Schilder in den Hauseingängen genauer angesehen? Immer wieder finden sich dazwischen auch ausländische Wappen mit Verweis auf fremde Länder. Eine Botschaft in St. Pölten? Sind die nicht nur in Wien? Ah – Honorarkonsulat steht da!

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nd dann sprudeln die Fragen: Was ist das eigentlich bzw. was machen Honorarkonsule überhaupt? Damit verdient sich sicher jemand einen schönen Batzen Geld mit ... – ja womit eigentlich? MFG fragte nach, und stieß zu Beginn gleich auf eine Tatsache, welche etwaige Neider wieder „beruhigt“ im Stuhl zurücksinken lassen kann: Geld gibt’s für die Funktion keines. So erstrebenswert, wie man das vorurteilsmäßig bisweilen hört von wegen „Ah, das mach ich auch und verdien mir fürs Lächeln und Händeschütteln auf diversen honorigen Empfängen ein bisserl was dazu“, ist es also nicht. Abgesehen davon, dass sowieso gar nicht jeder einfach Honorarkonsul werden kann. Max Mustermann zum Beispiel könnte es nicht ... auch wenn den viele kennen. Aber prinzipiell bestimmt das natürlich das jeweilige Land selbst, wen es für seine Vertretung engagiert, wobei für die Kandidaten v.a. ein gut ausgebautes Netzwerk wichtig ist, womit sie die Anliegen des Landes bzw. der Bewohner eben desselben vorort bestmöglich vertreten können. Der Werdegang der verschiedenen Honorarkonsule, die wir trafen, ist dabei sehr unterschiedlich. Eines eint sie aber alle – und ist wohl die conditio sine qua non für ihr Ehrenamt: Sie lieben das von ihnen vertretene Land und gehen, so hört man heraus, ihrer Aufgabe mit Freude und Hingabe nach. Untereinander hat man eigentlich nicht allzuviel zu tun, jedes Land kocht sozusagen sein eigenes Süppchen, allerdings besteht im Rahmen der UCCA (Union des Consularischen Corps in Österreich) dann doch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch bei gemeinsamen Veranstaltungen, Vorträgen oder Ausflügen. In der Regel beträgt die Amtsdauer drei Jahre, die meisten Honorarkonsule bekleiden das Amt aber meist weit darüber hinaus. Im Rahmen ihrer Tätgikeit dürfen sie zwar Beglaubigungsbefugnisse ausstellen, davon ausgeschlossen sind aber Pässe und Visa. Dennoch sind sie natürlich gerade in Einreise, Visa- und ähnlichen Fragen versierte Ratgeber und können zumeist weiterhelfen. Zudem helfen sie Geschäftsbeziehungen anzubahnen, bei der Navigation durch den behördlichen Dschungel sowie bei Fragen jeder Art zu „ihrem“ Land . Die Konsulate sind zumeist in bestehenden Büros (vor36

nehmlich Anwaltskanzleien) eingemietet, um die vorgeschriebene Adresse in der Landeshauptstadt vorweisen zu können. Einen sprichwörtlichen Parteienverkehr gibt es nicht, Terminvereinbarungen erfolgen in der Regel telefonisch. Es kann also nicht jeder Honorarkonsul werden, bezahlt ist es auch nicht, eher steckt man noch privat Geld hinein in diese Aufgabe – für die meisten ist es schlicht, nomen est omen, eine Frage der Ehre. Fünf Beispiele Im Zuge der Recherche schälten sich für uns fünf verschiedene „Typen“ von Honorarkonsuln heraus, wie wir sie – je nach Zugang – wahrgenommen haben. Nachgefragt haben wir bei den Vertretern von Bangladesh, den Philippinen, Südafrika, Spanien und der Slowakei ... und das fanden wir heraus:


TEXT: SIEGRID MAYER | Fotos: VEGE - Fotolia.com, ZVG

Wolfgang Weninger, der Wirtschafter „Ich sehe den Sari wie das Dirndl von Bangladesh, es ist ein wunderschönes strebsames Land“, schwärmt Wolfgang Weninger, Honorarkonsul der Volksrepublik Bangladesch. Der ehemalige Banker vertrat anno dazumal die Länderbank in Singapur, war später selbstständiger Vertreter der deutschen Messe AG und kam über seine jetzige Ehefrau, selbst Diplomatin aus Sri Lanka, mit dem Botschafter Bangladeshs in Kontakt. Er hat sich 2007 an die Botschaft in Berlin gewandt, über die Österreich bis dahin betreut wurde. 2013 folgte Weningers Angelobung, der seither einiges zuwege gebracht hat. Neben dem Ausrichten diverser Empfänge konnte er ein Internetportal und damit auch die Vernetzung mit Österreichs Wirtschaft etablieren. Zudem stand er Pate für die Errichtung eines

Denkmales für den wichtigen „Tag der Muttersprache“ in Bangladesh. 2014 wurde schließlich – nicht zuletzt dank seines konsequenten Vorantreibens – die Botschaft von Bangladesh in Wien eröffnet. Sein besonderer Fokus liegt auf Geschäftsanbahnungen! Waldtraud Steinböck, die Idealistin „Für mich sind die Philippinen das netteste und freundlichste Volk der Welt!“, sagt KR Prof. Waltraud Steinböck, Honorarkonsulin der Republik Philippinen, und dabei glänzen ihre Augen. Steinböck bekleidet seit 13 Jahren diese Funktion und zählt zur Grand Dame der Szene, die sich selbstsicher auf jedem gesellschaftlichen Parkett bewegt und jahrelang erfolgreich Herausgeberin und Eigentümerin des Magazins „Cercle Diplomatique“ MFG 11.15

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war. Über die Spezies Honorarkonsul meint sie: „Die meisten von uns sind gut bestallte Geschäftsleute.“ Leidenschaftlich berichtet sie von „ihren“ Philippinen in Niederösterreich, kennt aber auch fast jedes andere asiatische Land. Ihr Ehrenamt empfindet sie dabei weniger als Belastung, sondern vor allem als eine persönliche Bereicherung. Davon zeugen auch viele gut besuchte Veranstaltungen in St. Pölten sowie ihr persönlicher Einsatz, um auch die unmöglichsten Dinge für ihr Klientel möglich zu machen. Walter Stefan Kristof, der Spanophile „Ich war schon während des WU-Studiums spanophil“, lässt KR Prof. Dkfm. Walter Stefan Kristof, Honorarkonsul des Königreiches Spanien wissen. So hat er etwa die Staatsprüfung in Spanisch abgelegt, und Spanien war bevorzugter Urlaubsort – eine Bindung, die sich auch beruflich fortsetzen sollte. Als Vertriebs und Marketingchef von Waagner Biro war er Mitbegründer, Geschäftsführer und Aufsichtsratschef von Waagner Biro Madrid und durfte in dieser Funktion auch den ehemaligen spanischen König kennenlernen. Kristof nimmt regelmäßig an öffentlichen und firmenmäßigen Veranstaltungen in Niederösterreich teil und versucht „bedingt durch die Wirtschaftskrise in Spanien“ spanischen Staatsbürgern

Brückenschlag Dr. Simon Ortner, stv. Leiter der Abteilung „Internationale und Europäische Angelegenheiten“ des Landes Niederösterreich im Gespräch. Es gibt acht Honorarkonsulate in St Pölten. Inwiefern haben Sie dabei ein Mitspracherecht bzw. sind Sie an der Bestellung der Konsuln beteiligt? Die Etablierung von Honorarkonsulaten obliegt grundsätzlich dem Wunsch und der Entscheidung des jeweiligen Staates. Bei manchen Arbeitsgesprächen zwischen Landeshauptmann Dr. Pröll und dem jeweiligen Botschafter wurde die Idee ventiliert und der Landeshauptmann um eventuelle Vorschläge von geeigneten Personen ersucht. Das Prozedere für die Bestellung, die sogenannte „Exequatur“, läuft in Österreich über das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres. Die Bundesländer werden im Zuge des Exequaturverfahrens um allfällige Stellungnahme ersucht. Der Hauptteil des Verfahrens – etwa Analysen und Beratungen in diversen Ministerien, Regierungsbeschluss etc. umfassend – läuft allerdings im jeweiligen „Bestellerland“ unter länderspezifischen Modalitäten ab. Gibt es Veranstaltungen oder regelmäßige Treffen mit den Konsuln, bei denen auch weitere Pläne und Aktionen besprochen werden? In Niederösterreich gibt es naturgemäß relativ wenige Honorarkonsuln. Hauptgrund ist die Nähe zu Wien. Die Staaten haben dort ihre Botschaften, Konsulate etc. eingerichtet. Sollten Fragen oder Probleme auftauchen, ist es – im Vergleich beispielsweise zu Tirol oder Vorarlberg – also wesentlich einfacher, sich direkt an diese ausländischen Dienststellen in Wien zu wenden. Die in Österreich akkreditierten Honorarkonsuln, es gibt derer 254, sind gut vernetzt im „Union des Consularischen Corps in Österreich“, kurz UCCA.

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Eine Frage der Ehre

noch intensiver diverse Hilfeleistungen, etwa bei der Job-, Wohnungs- oder Schulsuche in Niederösterreich zu geben. Zudem ist ihm die Durchführung eines Empfanges am spanischen Nationalfeiertag in St. Pölten wichtig. Lydia Dyk, die Gebürtige „Die Arbeit als Honorarkonsulin für Südafrika macht mir sehr viel Spaß, wobei ich versuche Leute zusammen zu bringen und Südafrika positiv darzustellen, weil ich persönlich davon überzeugt bin“, verrät die Honorarkonsulin von Südafrika Lydia Dyk. In Kapstadt geboren und aufgewachsen, lebt sie mittlerweile als begeisterte Waldviertlerin in Raabs/Thaya, wobei zuhause mit den Kindern Afrikaans gesprochen wird. Dyk ist seit vielen Jahren Mitglied (mittlerweile auch im Vorstand) des SADOCC (Southern African Documentation and Cooperation Centre, der früheren Anti-Apartheid Bewegung in Wien), und kam über diesen Weg schließlich 2008 in die Funktion der Honorarkonsulin in Niederösterreich. Im Rahmen unzähliger Feste und Wohltätigkeitsveranstaltungen für diverse Projekte in Südafrika versucht sie Leute zusammen zu bringen und für Südafrika zu begeistern. Für die Fotoausstellung „Nelson Mandela und sein Südafrika“ ist sie aktuell noch auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. In enger Kooperation mit der Botschaft in Wien bereitet sie die Registrierungen von Neugeborenen, Passanträge bzw. Passverlängerungen und Staatsbürgerschaftsansuchen vor und bearbeitet diverse Anfragen von Südafrikanern, die in Niederösterreich leben. Alena Heribanová, die Kulturbegeisterte „Österreich ist ein Land, das mir schon seit Langem besonders am Herzen liegt. Ich habe mit meiner Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin und die mir viel über ihre Jugend erzählt hat, Deutsch gesprochen. Nach der Sanften Revolution 1989 hat Österreich viele Slowaken herzlich aufgenommen und ihnen den Zugang zur ‚freien Welt‘ ermöglicht“, erklärt Dr. Alena Heribanová, seit 2014 Leiterin des Slowakischen Instituts in Wien, welche sich nachhaltig für ein Honorarkonsulat in St. Pölten stark gemacht hat (die Inauguration des neuen Honorarkonsuls fand erst nach Redaktionsschluss statt, Anm.) Vorher war Heribanová 30 Jahre lang als Moderatorin, Dramaturgin und Redakteurin im Slowakischen Fernsehen tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf kulturellen Veranstaltungen, die, basierend auf den gemeinsamen kulturellen Wurzeln, „den Abstand zwischen Österreich und der Slowakei etwas verringern sollen.“ Das Konsulat in Niederösterreich soll unter anderem zur Ausschöpfung der wirtschaftlichen Potentiale der beiden Länder dienen, zudem wünscht sie sich eine umfassende Erweiterung der Verkehrsanbindung der beiden Länder.


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MFG URBAN SERIE BILDUNG

Bologna ist nicht nur ein Wanda-Lied Als Abschluss der Serie Bildung wird ein Blick auf die Sekundarstufe II und den Tertiärbereich geworfen, also auf die Zeit nach gymnasialer Unterstufe oder Hauptschule bzw. NMS.

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m Tertiärbereich treffen (analog zu Diskussionen um die Gesamtschule) konträre politische Positionen aufeinander: Die Universitäten sind chronisch unterfinanziert und viele Studiengänge überlaufen. Fragen nach Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen werden von den Parteien unterschiedlich beantwortet. Das Konfliktpotential wird vor ÖH- und Nationalratswahlen regelmäßig sichtbar. Mittlerweile ist zumindest die Aufregung um die Abschaffung des eigenständigen Wissenschaftsministeriums verebbt. 40

Im Gegensatz dazu gibt die Sekundarstufe II wenig Anlass zur Kritik: Über eine Gesamtschule wird in diesem Bereich nicht diskutiert, vielmehr wird das bestehende Angebot durchaus positiv gesehen. Die Palette reicht von allgemeinbildenden bzw. berufsbildenden höheren (BHS) und berufsbildenden mittleren Schulen bis hin zu den Polytechnischen Schulen und Berufsschulen. Die Polytechnischen Schulen kämpfen aber mit Imageproblemen und schlechten Rahmenbedingungen. Das breite Spektrum an allgemeinbildenden

und beruflichen Qualifikationswegen existiert nur in wenigen Ländern der OECD. Die berufsbildenden höheren Schulen bieten dabei etwa für Kinder aus sogenannten bildungsfernen Schichten eine Chance, höhere Bildung zu erreichen und erhöhen somit auch die Durchlässigkeit des österreichischen Schulsystems. Die steigende Affinität zu den BHS bei Eltern aus bildungsfernen Schichten (übrigens ein umstrittener Terminus) führt in weiterer Folge zu einem Anstieg des Bildungsniveaus: Seit 1960 hat sich die Anzahl bestandener Reife- und


TEXT: Gotthard Gansch | Fotos: makis7 - Fotolia.com, STillkost - Fotolia.com, Foto Kraus, A. FeltEn, zVg

Diplomprüfungen vervierfacht, was aber vor allem auf die steigende Beliebtheit der BHS zurückzuführen ist. So hat sich die Zahl der Absolventen der BHS im selben Zeitraum sogar versiebenfacht. Der Trend zur „Verberufsschulung“ ist dabei auch global zu erkennen. Die Polytechnische Schule Ein Sorgenkind der österreichischen Bildungslandschaft ist die Polytechnische Schule. Sie entstand als typisch österreichische Lösung: 1962 wurde die allgemeine Schulpflicht von acht auf neun Jahre verlängert. Die damalige große Koalition hatte unterschiedliche Ideen: Die Polytechnische Schule (damals Polytechnischer Lehrgang) stellt nun den Kompromiss zwischen der fünfjährigen Volksschule (ÖVP) und der fünfjährigen Mittelschule (SPÖ) dar, und ist dabei europaweit ein seltenes Konstrukt. Immer wieder gab es seither Reformversuche, die die Rahmenbedingungen und das schlechte Image verbessern sollten. So ist auch zur Zeit im Regierungsprogramm „eine Weiterentwicklung der Polytechnischen Schule (PTS) vorgesehen“, betont man im Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF). An aktuell 13 Standorten österreichweit gibt es einen entsprechenden Schulversuch, mit ersten Ergebnisse ist voraussichtlich kommendes Jahr zu rechnen. Bedenken, dass im Sog der Neuen Mittelschule die PTS in ihrer aktuellen Form überhaupt keinen Platz mehr im österreichischen Schulsystem haben könnte, werden zerstreut: „Die Polytechnische Schule ist als neunte Jahr der Schulpflicht derzeit nicht weg zu denken“, so das Ministerium.

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Das Hochschulwesen – Bologna Im tertiären Bildungsbereich wird der sogenannte Bologna-Prozess kritisiert. Die transnationale Hochschulreform, die im namensgebenden Bologna unterzeichnet wurde, setzt sich zum Ziel, einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen. Damit einhergehend erfolgte die Umstellung auf das Bachelor-Master-System und die Einführung der ECTS-Punkte (European Credit Transfer System), mit der Studienleistungen institutions- und länderübergreifend verglichen und auch angerechnet werden sollen, um die Mobilität von Studenten zu fördern – so die Theorie. Ein abstraktes Schimpfen auf Bologna hält der Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann (Universität Wien) jedoch für sinnlos, weil es ohnehin keine Alternative gab: „Das ist ja kein unausweichliches Schicksal, sondern eine politisch gewollte Entwicklung. Die Hochschulen hatten de facto keine Wahl: Bologna war für sie aus eigener Kraft nicht zu umgehen.“ Davon losgelöst kritisiert Hopmann die bisherige Entwicklung: „Der BolognaProzess ist der Versuch, politisch die Folgen der Massenexpansion der Hochschulbildung in Zeiten begrenzter öffentlicher Budgets zu verarbeiten. Kern der Strategie ist ähnlich wie in anderen sozialen Bereichen die Verlagerung der Verantwortung für die Folgen dieser Entwicklung an die Institutionen. Bei sinkenden Ausgaben pro Studierenden kann das zu nichts anderem führen als zu einem fortlaufenden Selbstverstümmelungsprozess der akademischen Institutionen.“ Die Intention des Bologna-Prozesses wurde verfehlt, wie Hopmann weiter ausführt: „Die

symbolisch behaupteten Ziele einer Öffnung des europäischen Hochschulraums und einer übergreifenden Qualitätssicherung sind ganz sicher nicht erreicht worden, können mit diesen Mitteln auch kaum erzeugt werden. Stattdessen hat sich eine sich selbst vervielfältigende BolognaBürokratie auf allen Ebenen eingenistet. Was den Lehrenden und Studierenden unter diesen Bedingungen bleibt, ist der Versuch, aus dem sich perpetuierendem Elend so viel Tugend zu machen, wie grad jeweils noch geht.“ Der bekannte Philosoph Konrad Paul Liessmann (Universität Wien) sieht in Bologna gar die „Misere der europäischen Hochschulen“ und ein weiteres Moment im Prozess „der Verabschiedung der europäischen Universitätsidee.“ Vonseiten des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) ist die Einschätzung naturgemäß eine positivere: „Bologna hat mit der Einführung des Bachelor/ Master Systems die Möglichkeit geschaffen, ein Bachelorstudium von 3-4 Jahren zu absolvieren, das auch bereits den Berufseinstieg ermöglicht. Diese neue Studienarchitektur bietet mehr Flexibilität und differenzierte Optionen, sofern sie in der Entwicklung der Studienpläne Berücksichtigung finden. Natürlich gibt es aber auch Kritikpunkte und Optimierungspotential, die im Rahmen des laufenden Umsetzungsprozesses

Die symbolisch behaupteten Ziele einer Öffnung des europäischen Hochschulraums und einer übergreifenden Qualitätssicherung sind ganz sicher nicht erreicht worden, können mit diesen Mitteln auch kaum erzeugt werden. Stefan Hopmann, Universität Wien

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thematisiert werden müssen und das geschieht sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.“ In vielen Bereichen der Umsetzung des Bologna-Prozesses sei Österreich im europäischen Spitzenfeld zu finden. „Während in Österreich die Weiterentwicklung des Prozesses stetig forciert wurde, beteiligen sich einige Länder am Bologna-Prozess nicht mit dem erforderlichen Engagement“, so das Ministerium. Ein Gegen- und Miteinander Liessmann befürchtet aber auch, dass durch Bologna die Trennung zwischen Fachhochschule und Uni42

versität aufgeweicht wird, wie er im Interview mit dem „Standard“ sagt: „Man hat Fachhochschulen gegründet, weil man eingesehen hat, dass es für eine Reihe gehobener Berufe eine akademische Ausbildung braucht, die aber nicht so wissenschafts- und forschungsorientiert sein soll oder muss wie die Universität. Nun macht der Bologna-Prozess die Universitäten selber partiell zu Fachhochschulen, weil das dreijährige Bachelor-Studium ja eine berufsqualifizierende und keine wissenschaftsorientierte Ausbildung ist.“ Der Unterschied zwischen Universität und FH werde in den Grundstudien belanglos sein:

„Vieles, was sich Universität nennt, wird tatsächlich FH sein.“ Der Vorteil einer FH liege in ihrer Praxisund Berufsorientierung und ihrer Flexibilität, so Liessmann in einem weiteren Interview mit „Die Presse“: „Universitäten sind demgegenüber nach wie vor durch die Dualität von Lehre und Forschung gekennzeichnet, sie sind per definitionem wissenschaftsorientiert, sie bilden nicht aus, sondern bieten eine wissenschaftliche Berufsvorbildung mit der Perspektive wissenschaftlicher Weiterqualifizierung an. Ich halte es deshalb auch für falsch, die FH zu forschungsorientierten Quasi-Universitäten hoch-


Bologna ist nicht nur ein Wanda-Lied

zustilisieren, und die Universitäten […] zumindest in den Bachelor-Studiengängen zu FH herunterzuwirtschaften.“ Für die Leiterin des FH-Kollegiums in St. Pölten, Monika Vyslouzil, ist

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die Angst unberechtigt, ist Forschung schließlich ein wesentlicher Bestandteil einer FH: „Dass Fachhochschulen rasch erkannt haben, dass die Qualität der Lehre nur bei gleichzeitigen Forschungsaktivitäten auf einem aktuellen Stand gehalten werden kann, scheint sie in diesem Bereich in Konkurrenz zur Universität zu bringen.“ Der Fokus der Forschung überschneide sich dabei nur zum Teil: „So sind Mittel für Grundlagenforschung für Fachhochschulen kaum zugänglich, der Zugang zu Kooperationspartnern in der Praxis aufgrund der Ausrichtung der Studiengänge dafür leichter. Diese Differenzierung schreit buchstäblich nach einer Kooperation der Universitäten und Fachhochschulen in der Forschung – um Grundlagenforschung und Praxisorientierung fruchtbringend zu verbinden.“ Nach Meinung des Rektors der New Design University in St. Pölten, Stephan Schmidt-Wulffen, nivellieren sich allmählich die Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten. „Ob Fachhochschulen deshalb aber schon das Promotionsrecht bekommen sollen, lasse ich dahingestellt.“ Vyslouzil hingegen findet es nicht „logisch nachvollziehbar“, weshalb man das Doktorat nur an der Universität machen könne, da manche Studienrichtungen die Universität gar nicht anbiete. „Nach meinem Verständnis einer Doktorarbeit soll darin eine wissenschaftliche Weiterentwicklung erfolgen, natürlich theoretisch fundiert, aber Lehre und Forschung an Fachhochschulen erfolgt nicht im luftleeren Raum und ist sehr wohl wissenschaftlich fundiert“, so Vyslouzil. Weder die eine noch die andere Einrichtung sei je-

doch besser oder schlechter: „Sie sind verschieden, und das mit Grund, und sollten einander wunderbar ergänzen.“ Ökonomisierung des Hochschulsektors? Dem Hochschulsektor fehlt es an Geld, er ist von staatlicher Seite chronisch unterfinanziert. Der Trend an den Universitäten gehe nun eindeutig in Richtung Ökonomisierung, befindet Liessmann: „Es könnte sein, dass die Universität der Zukunft in der selben Abhängigkeit von der Wirtschaft sein wird wie die Universität des Mittelalters von der Kirche.“ Ökonomisierung betreffe jedoch die gesamte Kultur, und somit natürlich auch die Universitäten, ergänzt Schmidt-Wulffen. Es müsse zwischen ökonomischen Zwängen und einem Dialog mit der Wirtschaft unterschieden werden: „Ein Dialog mit der Wirtschaft ist für eine Universität sinnvoll, die gesellschaftlich relevante Forschung betreiben will und sich mit zeitgenössischen Fragen auseinandersetzen muss.“ Ein Umdenken müsse stattfinden, ein komplexeres Verständnis von Erfolg entwickelt werden, nicht kurzfristige KostenNutzen-Rechnungen: „Es lässt sich belegen, dass die meisten Innovationen, die langfristig wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, nicht in einem kurzfristigen ökonomischen Kalkül entstanden wären.“

Dass Fachhochschulen rasch erkannt haben, dass die Qualität der Lehre nur bei gleichzeitigen Forschungsaktivitäten auf einem aktuellen Stand gehalten werden kann, scheint sie in diesem Bereich in Konkurrenz zur Universität zu bringen. Monika Vyslouzil, Leiterin des FH-Kollegiums

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Bologna ist nicht nur ein Wanda-Lied

BILDUNGSSTADT ST. PÖLTEN Studentenzahlen in St. Pölten (2013) FH St. Pölten

1.902

Philosophisch Theologische Hochschule der Diözese St. Pölten 82 New Design University Collegs

322 133

Gesamt:

2.439

Schülerzahlen der höheren Schulen in St. Pölten (inkl. allfälliger Unterstufe, 2013) BRG u. BORG

867

BG u. BRG

906

Mary Ward Privatg. u. ORG

492

BHAK

702

BBAKIP

331

BBASOP

276

Höhere Lehranstalt für Tourismus im WIFI 240 HTBLuVA

1.269

Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe: Gesamt:

514

5.597 Quelle: Magistrat St. Pölten

Der offene Hochschulzugang Die unter Kanzler Schüssel wiedereingeführten Studiengebühren wurden in Österreich nicht abgeschafft, an Universitäten gibt es aber derzeit viele Ausnahmeregelungen, sodass de facto nur wenige davon betroffen sind. Fachhochschulen können hingegen autonom entscheiden, ob Studiengebühren eingehoben werden sollen. Fast alle Fachhochschulen heben diese in der Höhe von 363,36 Euro pro Semester ein (hinzu kommt noch der verpflichtende ÖH-Beitrag, dieser ist von jedem Studierenden zu bezahlen). Auch an der FH St. Pölten sind diese Gebühren zu verrichten. Privatuniversitäten wie etwa die New Design University in St. Pölten haben weitaus höhere Studiengebühren (ab 2.900 Euro pro Semester), wobei sich die Unterfinanzierung der österrei-

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chischen Hochschullandschaft paradoxerweise als Chance für die Privatuniversitäten darstellt, weil man Studierenden „eine persönliche und individuelle Betreuung auf höchstem Niveau“ bieten kann, so SchmidtWulffen. Eine Regelung wie unter Kanzler Schüssel wird es nicht geben, wie man vonseiten des Ministeriums erklärt: „Derzeit ist eine Wiedereinführung der Studiengebühren nicht angedacht, da diese nicht Agenda des Regierungsprogramms sind.“ Der viel zitierte offene Hochschulzugang bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich, wie Hopmann ausführt: „Das Problem ist die Expansion des Hochschulsektors bei begrenzten öffentlichen Mitteln. Wenn das – wie in Österreich – in Teilbereichen ungebremst geschieht, führt das in den Bereichen, in denen freier Zugang für alle herrscht, unweigerlich zu einem chronischen, manchmal wie in meinem Fach oder wie in Teilen der universitären Lehrerbildung zu einem extremen Missverhältnis von Ressourcen und Studierendenzahlen. Die Frage ist, wie man damit umgehen will, wenn man nicht willens oder in der Lage ist, die Hochschulfinanzierung der gestiegenen Nachfrage anzupassen.“ Man könne nun „gar nicht“, durch Studiengebühren oder durch Zugangsbeschränkungen darauf reagieren. Alle Verfahren hätten dabei Auswirkungen auf Studienqualität und Chancengleichheit. „Verfahren 1 drängt alle, die im Wettrennen zu den begrenzten Studienplätzen nicht mithalten können oder wollen, in überfüllte Fächer mit hohen Durchfallquoten, vor allem zulasten jener, denen das soziale und/ oder ökonomische Kapital fehlt, das akademische Elend zu umschiffen. Zudem führt es dazu, dass die öster-

Es lässt sich belegen, dass die meisten Innovationen, die langfristig wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, nicht in einem kurzfristigen ökonomischen Kalkül entstanden wären. Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor NDU St. Pölten

reichischen Hochschulen international immer weniger konkurrenzfähig sind.“ Studiengebühren hätten nur dann regulierende Wirkung, wenn sie so substantiell sind, dass mit ihnen verbesserte Studienbedingungen ermöglicht werden können und zugleich sozial und fachspezifisch aufgefangen werden, da dies ansonsten zu ähnlichen Effekten wie in Verfahren 1 führe. Zugangsbeschränkungen seien ebenso nicht unproblematisch, da es „keine Verfahren gibt, die (a) tatsächlich die Auswahl der Bestgeeigneten garantieren können und (b) gegen allfällige soziale, ökonomische usw. Ungleichgewichte immun sind, läuft es im Ergebnis auch hier darauf hinaus, den Mangel sozial von oben nach unten umzuverteilen.“ Wie der Bologna-Prozess sei es aber vor allem eine politische, keine wissenschaftliche Fragestellung: „Will man den freien Hochschulzugang für alle, wird man den irgendwie ausfinanzieren müssen, sonst verschiebt man zulasten der Studienqualität die soziale Selektion an die Universität. Will man keinen freien Hochschulzugang, wird man Verfahren finden müssen, die die sozialen Nebenwirkungen begrenzen.“ Wird aber nichts getan, sorge man nur für miserable und unfaire Studienbedingungen. „Das Letztere ist das, was in den letzten Jahren entgegen allen Beteuerungen billigend in Kauf genommen worden ist“, so Hopmann abschließend.


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FH ST. PÖLTEN

In die Zukunft lernen Wer hätte gedacht, dass wir im digitalen Zeitalter einmal vom Fernsehen lernen? Und dass es im Gesundheitsbereich ohne Technik nicht mehr geht? Durch die Digitalisierung gesellen sich zum Fernsehen neue Kommunikationskanäle im Internet, im Kino, auf mobilen Geräten und allen Arten von Displays hinzu. Der neue Masterlehrgang „Film, TV & Media – Creation and Distribution“ verbindet die plattformübergreifende Bewegtbildproduktion mit integrierter Medienwirtschaft. Ein wichtiger Bestandteil in der Konzeption und Entwicklung von digitalen Bewegtbildinhalten. Im 1. und 2. Semester befassen sich die Lehrgangsteilnehmenden mit den Grundlagen der Kameratechnik, Dramaturgie, Lichtsetzung, Kameraführung, Montage, Filmmusik und Textanimation. Die Fähigkeit, Geschichten in Bild und Ton zu erzählen, wird in diesen Semestern entwickelt.

hen neue und weite Handlungsfelder, es braucht Personal, das professionell und eigenverantwortlich agieren kann. Und das nicht zuletzt in einer Welt, die zusammenwächst. Der an der Fachhochschule St. Pölten neu gestartete Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege hat genau das im Blick und bildet auf die zukünftigen Herausforderungen in diesem internationalen Berufsfeld aus. Mehr Info unter: www.fhstp.ac.at/bkp

Mehr Info unter: www.fhstp.ac.at/weiterbildung/lftm Überall digital Auch die Gesundheitsberufe beschreiten vielfältigere Wege als bisher, denn auch sie müssen sich an der fortschreitenden Technisierung orientieren und wirtschaftliche Herausforderungen meistern. Es entste-

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DEZ 2015

PROGRAMM

zur schöneren Realität

05/12

WIR HABEN DEN NIKOLAUS!

15:00 / Basteln für Kinder / Emmi

23/12

WEIHNACHTSREVUE

27/12

KOLLEGIUM KALKSBURG

31/12

DINNER FOR ONE

20:00 / mit LAMES / Vinzenz Pauli

20:00 / Konzert / Vinzenz Pauli

23:15 / Theater / Vor dem Café Schubert

Vorverkaufsstellen: Café Schubert und Vinzenz Pauli Kontakt: veranstaltungen@vinzenzpauli.at weitere Infos unter: www.vinzenzpauli.at


SHORTCUT KULTUR

Hausieren gehen

Thomas Fröhlich

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Mix–Dur pur

Vielleicht hatten sie – rein medial betrachtet – das Pech, im Schatten von Bauchklang zu stehen, die das Genre „a cappella“ als solches auf eine neue Ebene gehoben haben. Das Vokalensemble Mix-Dur mit Homebase Wilhelmsburg, das unlängst seinen 20er feierte, ging es hingegen stets „klassisch“, mit viel Eleganz und Kontinuität an. Die einigende musikalische Klammer war dabei meist der Swing, wenngleich man auch immer wieder in andere Sphären vordrang – mit Erfolg, so dass sich die Mannschaft rund um Franz Griesler eine treue Fangemeinde aufbaute. Und Mix-Dur war immer hart am Leben dran – webten den emotionalen Klangteppich für Säuglinge, die in die Gemeinschaft aufgenommen wurden, für Verliebte, die sich das Ja-Wort gaben oder sangen das musikalisch letzte Geleit für jene, die von uns gingen. „Wer sich gut versteht, kann auch gut miteinander singen“, heißt es auf der Homepage. Und gut unterhalten. Und die Menschen berühren. Das ist Mix-Dur in ihrer langjährigen Karriere immer gelungen, und deshalb wunderte es wenig, dass sie nach einem emotionalen Jubiläumskonzert von ihrem Publikum mit minutenlangen Standing Ovations bedacht wurden – völlig zurecht!

Wir.Wir alle. So oft war das Landestheater in den letzten Jahren schon für den „Nestroy“ nominiert – im zehnten Anlauf hat es endlich geklappt, und die begehrteste Trophäe im österreichischen Theaterkosmos konnte nach St. Pölten

geholt werden. Dies aber nicht für eine einzelne Schauspielleistung, Regie oder Choreographie, sondern für das Bürgertheater – jenes fantastische Projekt, im Zuge dessen die Bürger selbst zu Schauspielern werden, das Theater, der Musentempel sich quasi mit der Welt da draußen vermählt. Im Vorjahr geschah dies im Rahmen des eigens von Felix Mitterer geschriebenen Stückes „Glanzstoff“, sowie unter der allumfassenden Führung von Renate Aichinger, Herz und Seele des Bürgertheaters. In erster Reaktion wusste sie vor lauter Freude gar nicht, wem sie aller danken sollte, bis sie es zuletzt auf den Punkt brachte. „Wir. Wir alle. Wir sind die Glanzstoff- und jetzt auch die Nestroypreisfamilie!“

Fotos: Marina - Fotolia.com, zVg, Rolf Bock

Nicht nur beim Fest der St. Pöltner Literatur, das im Rahmen des diesjährigen Blätterwirbels im Stadtmuseum über die Bühne ging, fiel es wieder einmal auf: Die städtische Literaturszene befindet sich derzeit auf einem so noch nie da gewesenen Hoch. Jungautorinnen und -autoren wie Vea Kaiser, Cornelia Travnicek (die sich demnächst über den Kultur-Förderpreis der Stadt St. Pölten freuen darf) und Michael Ziegelwagner erhalten nicht nur durchwegs hervorragende Kritiken, sondern werden auch allerorten ausgiebig gelesen. Mitlerweile Arrivierte wie Zdenka Becker oder Manfred Wieninger schreiben ein erfolgreiches Buch nach dem anderen. Newcomer wie Althea Müller stehen schon in den Startlöchern fürs next big thing. Ein Crossover-Künstler wie der Autor/Fotograf Hermann F. Fischl liefert akklamierte Bild/Text-Gesamtkunstwerke. NÖN-Edelfeder und Lyriker Mario Kern hat sich in der eher introvertierten Nische nachhaltig eingerichtet. Undundund. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass hier größtenteils nicht am Publikum vorbei geschrieben wird, sondern – ohne Anbiederung – ein Draht zu den Lesenden gefunden wurde, der sich auch in Verkaufszahlen niederschlägt. Woran dieses „St. Pöltner Autorinnenund Autorenwunder“ liegt, wer weiß? Vielleicht an einem – allen Unkenrufen zum Trotz – kulturfreundlichen Soziotop? Oder vielleicht liegt es am genauen Gegenteil, das Künstler dazu bringt, in fiktiven Parallelwelten ihr Heil zu suchen? Der Schreiber dieser Zeilen tendiert jedenfalls definitiv zu ersterer Version. Und man darf damit auch durchaus ein wenig „hausieren“ gehen: Literatur- statt Autokilometerfresserhauptstadt! Man wird ja noch träumen dürfen.


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FÖRDERVEREIN KULTURBEZIRK

Wir gratulieren zum Nestroy! Als das Stadttheater vor einigen Jahre zum Landestheater mutierte, waren viele skeptisch und verunsichert. Heute zählt es zu Österreichs besten Bühnen, neuerdings mit Nestroy-Auszeichnung! Es gibt viele Gründe für den Förderverein Kulturbezirk, die uns auf unsere Institutionen Stolz machen und Freude bereiten. Darüber hinaus gibt es aber auch noch diese ganz seltenen, außergewöhnlichen Momente, die über das schon Großartige sozusagen hinausragen und wahre Sternstunden darstellen – nicht nur für uns, sondern für die gesamte Kulturszene der Stadt, ja des Bundeslandes! Eine solche erlebten wir im Rahmen der heurigen Nestroy-Preisverleihung, der renommiertesten Theater­ auszeichnung Österreichs, wurde doch im zehnten Anlauf erstmals auch unser Landestheater Niederösterreich mit einem Preis bedacht! Was diese an sich schon hohe Ehre doppelt wertvoll machte: Sie wurde dem Landestheater für die Bürgertheaterproduktion „Glanzstoff“ verliehen, also ein Projekt, das quasi die ganze Stadt mitumfasste, basierend auf einem historischen St. Pöltner Thema, das alle bewegt, umgesetzt von Bürgern der Stadt. Das Thema „Glanzstoff“ hat wahrlich bei vielen Menschen große Emotionen hervorgerufen. Von Felix Mitterer perfekt recherchiert und getextet, von Renate Aichinger mit berührendem Geschick und Empathie inszeniert sowie von den Darstellerinnen und Darstellern mit viel Einfühlungsvermögen und großem Einsatz wiedergegeben, konnte man letztlich die

hochkarätig besetzte Nestroy Jury vollends überzeugen. Das gesamte Team des Landestheaters Niederösterreich hat seine professionelle Mitarbeit geleistet und verdient Applaus, möglich wurde es aber letztlich, weil Bettina Hering voll hinter ihrem Bürgertheater gestanden ist – ohne sie, ohne ihren Mut zu einem solchen Format, dürften wir uns heute nicht über diese Auszeichnung freuen! Ebensowenig ohne die geniale Umsetzung und Erfüllung durch Renate Aichinger. Der Nestroy unterstreicht noch etwas: St. Pölten spielt auf der großen Bühne der österreichischen Theaterszene voll mit, das macht uns stolz. Und es spielt auch auf allen anderen Ebenen künstlerischen Schaffens und jeglicher Größenordnung eine Rolle. So freue ich mich persönlich schon riesig auf die erste Saison der neuen künstlerischen Leiterin der Bühne im Hof, Daniela Wandl, die kürzlich ihr Programm mit Verve präsentierte – auch dieses scheint preisverdächtig, von hoher Qualität, und ich bin überzeugt, dass wir großartige Stunden in der Bühne im Hof erleben werden, ja – auch manch Sternstunde wird darunter sein! Ihr Lothar Fiedler (Präsident Förderverein Kulturbezirk)

Das Frühlingsprogamm

17. Jänner 2016 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Academy of St Martin in the Fields

19. Jänner 2016 17.00 Uhr, NÖ Landesbibliothek Einer, der nicht hassen konnte. Karl Farkas – Emigration und Heimkehr. Dokumente aus dem Literaturarchiv Niederösterreich

12. Februar 2016 19.30 Uhr, Bühne im Hof Frank Hoffmann & mg3Bühne

2. März 2016 19.30 Uhr,  Landestheater Niederösterreich Tartuffe von Molière

21. April 2016 18.00 Uhr, Landesmuseum Niederösterreich Preview 2 Kunstausstellungen: Leopold Kogler – Retrospektiv und Erwin Wurm – Ende

27. April 2016 19.30 Uhr, Landestheater Niederösterreich Uraufführung „Lichter der Vorstadt“ nach Motiven von Aki Kaurismäki

23. Mai 2016 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Cameron Carpenter Im Anschluss an die Veranstaltungen findet für Fördervereins-Mitglieder jeweils ein exklusiver Empfang statt!

Mitglied werden und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusiveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter 02742/908080-600, foerderverein@kulturbezirk.at

iNFORMATIONEN

www.kulturbezirk.at, Tel.: 02742/908080-600 MFG 11.15

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TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Elias Kaltenberger, ZVG

Alfred Kellner

Mr. SpoKk in der Musikschule Der alte Holztisch im Direktionsbüro ist einem transparenten aus Glas gewichen, im honorigen Foyer der Voithvilla kann man neuerdings in einem hippen Liegestuhl die Füße ausstrecken, und ein Musikschulbus samt ausklappbarer Stage tourt durch die Stadt. Alfred Kellner hat sein erstes Jahr als Direktor von Niederösterreichs größter Musikschule absolviert, die nunmehr sogar zur gesamtheitlichen Kunstschmiede aufgewertet wird. Grund genug für einen verspäteten Antrittsbesuch.

K

ellner, Jahrgang 1969, ist in St. Pölten kein Unbekannter: Vor allem im vermeintlichen „Teenage Wasteland“ des St. Pöltens der Früh-90er-Jahre spielte er bei legendären Popformationen wie „DoubleU“ oder „Mr. Spokk needs no fridge“, wo sich auch andere St. Pöltner Musik-Kapazunder wie etwa Gerald Huber, Sam Gilly Matthias Schwetz, Franz Polak oder Josef Grasl tummelten. „Das Besondere war, dass wir nicht eine 0815 Popband waren, sondern sehr experimentell – das Ganze ging Richtung Acid Jazz, mit Bläsersatz und Co“, schildert Kellner. Dem konventionellen Mainstream entsprach Kellner schon damals nicht, und auch wenn er mittlerweile – einige Lenze älter – zum Herrn Doktor promoviert ist samt Lehrauftrag an der Universität für Darstellende Kunst und Musik und in Traismauer als Herr Finanz- und Kulturstadtrat politisch herumwirbelt, schimmert unter der Silhouette des seriösen Musikschuldirektors auch immer noch ein bisserl der wilde Pophund von früher durch. Beziehungsweise ist Kellner Exempel dafür, dass das verstaubte Klischee vom klassisch ausgebildeten E-Musik-Professor reif für die Schublade ist und ein gestandener Popularmusiker reif für die höheren Weihen von Niederösterreichs größter Musikschule. Denn Kellner, wie es sich gehört selbst an der St. Pöltner Musikschule musikalisch groß geworden, „schlitterte sehr früh Richtung Popularmusik“ und studierte selbige nach der Matura am Gym 48

in der Josefstraße an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien. „Die Fächer waren Experimentelle Musik und Elektroakustik.“ Weil dem Jungspund ein Studium allein aber offensichtlich nicht ausreichte – oder möglicherweise die Eltern an der Ernährungskraft der vermeintlich brotlosen Musikkunst ihre Zweifel hegten – absolvierte er gleich auch ein Betriebswirtschaftslehre-Studium. Eine Melange, die einem Musikschuldirektor im 21. Jahrhundert definitiv gut ansteht! Wachgeküsst Wieviel er diesbezüglich am Kasten hat, sollte Kellner eindrucksvoll an seiner ersten Wirkungsstätte, der Musikschule Traismauer unter Beweis stellen. Als er dort 1995 als Lehrer für elektronische Tasteninstrumente und Gesang anheuert, dümpelt die Schule vor sich hin. „Es gab 15 Blasmusiker, aber zum Beispiel keinen einzigen Streicher!“ Dabei war die Musikszene in Traismauer mit einem Symphonieorchester und drei Blasmusikvereinen durchaus lebendig, „aber jeder kochte sein eigenes Süppchen. Das Problem war die fehlende Kommunikation der Vereine untereinander sowie mit der Musikschule – das konnten wir zum Wohle aller überwinden.“ Als Kellner 1999 zum Direktor avanciert, küsst er die Musikschule regelrecht wach, u.a., indem er die bislang fehlende Vernetzung der Vereine zuwege bringt. Als „Dosenöffner“ dient ihm dazu ein gemeinsames Konzert aller, wo er die Gastro aber

ganz bewusst – ein cleverer Schachzug – den Vereinen selbst überlässt, so dass diese Einnahmen für den Verein lukrieren können und daher von Anfang an mit Feuereifer mit dabei sind. Heute hat sich aus dem „Konzert“ von einst das renommierte „Brass-Festival“ entwickelt, das alljährlich rund 5.000 Besucher nach Traismauer lockt! Zudem ist die Musikschule zu DER Ausbildungsstätte für den Nachwuchs avanciert. Das war nicht immer so – früher übernahmen vielfach die Vereine selbst die Ausbildung, „aber es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir das in der Musikschule mit unseren Musikschulpädagogen besser bewerkstelligen können – wir führen die Kinder sozusagen an die Kampfmannschaft heran“, lacht Kellner mit Blick auf die vielen Schüler und Abgänger, die in den diversen Traismaurer Klangkörpern aktiv sind. Ebenso wie in diversen Bands, die Kellner als Lehrer für Bandcoaching über die Jahre hin aufgebaut hat – eine Herzensangelegenheit, die er übrigens als einzige bis heute noch in Kooperation mit seiner alten Wirkungsstätte fortführt. Aus der popularmusikalischen Leidenschaft Kellners heraus entwickelt sich auch – quasi out of Traismauer – der niederösterreichische Bandcontest, den Kellner das erste Mal 2003 in Traismauer durchführt. Dieser wiederum kann als Wiege des heute etablierten, 2008 erstmals durchgeführten österreichweiten Wettbewerbs „PODIUM.JAZZ.POP.ROCK“ angesehen werden, der quasi das popularmusikalische Pendant zum Prima La Musica Wettbewerb für Musikschüler der klassischen Fächer darstellt. 2016 wird der Bundeswettbewerb erstmals in St. Pölten stattfinden! Auf zu neuen Ufern Jenes St. Pölten, wo er das next level erreicht hat: Von der 700 Schüler umfassenden Musikschule in Trais­


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Klangkörper. Die niederösterreichische Blockflötenbigband bei der „Arbeit“. Für die Musikschule schwebt Kellner auf Sicht eine eigene Big Band sowie ein Symphonieorchester vor!

mauer in die 1.900 Schüler und 80 Lehrende zählende Musikschule St. Pölten. Seit knapp einem Jahr sitzt er nunmehr an den Schalthebeln von Niederösterreichs größter Musikerschmiede und hat mit diesem Schuljahr möglicherweise sogar eine der nachhaltigsten Entwicklungen seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht: So ist St. Pölten einer von nur drei Standorten im Bundesland, die im Zuge eines Pilotprojektes der NÖ Kreativ GmbH des Landes und der Stadt St. Pölten von reinen Musikschulen zu „Musik- und Kunstschulen“ aufgewertet werden. Soll heißen, dass hier nunmehr alle kreativen Kinder- und Jugendlichen ein künstlerisches Zuhause – und dementsprechende Ausbildung – finden. Neben Musik kann man fortan auch die Mal/Film/Fotoakademie, eine Literatur/Journalismus/ Schreibakademie oder eine Musical/ Schauspielakademie besuchen! „Das Bemerkenswerte ist, dass uns hierfür großartige Profis zur Verfügung stehen“, freut sich Kellner auf die substanzielle Man- und Frauenpower, und tatsächlich finden sich unter den Lehrenden klingende Namen wie Johanna Balluch, Lucia Nistler, Patricia Nessy, Angelika Messner, Nora Miedler oder Friedrich Sochurek. Ein weiteres Fördermodul, das mit September neu an der Musikschule St. Pölten angelaufen ist, nennt sich 50

„Violine intensiv“. Dieses dient der Förderung hochbegabter Musikschüler „die am Tag schon mal vier, fünf Stunden üben.“ Mussten die außergewöhnlichen Talente, um sich weiterzubilden, bislang bereits in jungen Jahren nach Wien an die Musikuniversität pilgern, können sie nunmehr – sozusagen dezentral – in St. Pölten im Rahmen des Programmes mehrere geförderte zusätzliche Musikstunden pro Woche in Anspruch nehmen. Ebenfalls auf der To-do-Liste unter dem Etikett „Nachhaltigkeit“ findet sich ein Ansatz, den Kellner bereits erfolgreich in Traismauer und Sitzenberg-Reidling umsetzen konnte. So möchte er eine Verschränkung von Musikschulen und Kindergärten bzw. Schulen anstoßen. „Es sollen Kreativklassen mit eigenem Lehrplan entstehen, wo Musikschulpädagogen im Regelunterricht integriert sind, wobei ich diesbezüglich auch stark auf Kooperationen mit diversen Institutionen setzen möchte!“ Tatsächlich wurden durch dieses vom Musikschulmanagement des Landes unterstützte Projekt etwa in der Neuen Mittelschule Traismauer die Musikstunden im Regelunterricht nachhaltig erhöht, bis hin zu regelmäßigem Orchesterunterricht an der Schule. „U.a. kamen Musiker der Wiener Philharmoniker oder des Tonkünstler Orchesters direkt in die Klassenzimmer. Wir hatten auch ein

Projekt mit dem Festspielhaus samt Konzertbesuch, und Christian Muthspiel ließ die Kinder bei sich zuhause am Kompositionsprozess teilhaben.“ Musikunterricht zum Anfassen sozusagen, der nachhaltig die Kinder für die Musik begeistert. Und dass diese, wie das Erlernen eines Instrumentes an sich, wertvoll für die Persönlichkeitsentwicklung ist, steht für Kellner sowieso außer Zweifel. „Musizieren – das belegen zahlreiche Studien und dazu genügt auch ein Blick in die Praxis – fördert die Kinder auf vielerlei Weise: Sie sind oft ausgeglichener, die Merk- und Konzentrationsfähigkeit ist stärker ausgeprägt, durch das regelmäßige Üben fällt auch das Erreichen von Zielen oftmals leichter.“ Und wenn schon nicht jeder ein Profimusiker werden muss, so macht es als Hobby auch im Erwachsenenalter einfach Spaß und sorgt für Ausgeglichenheit und Befriedigung. Kellner ist dabei wichtig, dass man dieses Hobby für möglichst jedes Instrument an der Musikschule ausleben können soll, weshalb er auch das Angebot für sogenannte „Mangelinstrumente“, also selten gespielte Instrumente, weiter ausbauen möchte. Jüngster Beleg dafür ist der Ankauf eines Cembalos, „womit wir auch der Alten Musik stärkeren Raum einräumen können.“ Wer weiß, vielleicht entsteht aus dieser Initialzündung ja einmal ein Ensemble für Alte Musik? Was sich Kellner für die Musikschule auf Sicht jedenfalls wünscht, ist ein eigenes symphonisches Musikschulorchester ebenso wie eine Big Band. „Dazu setzen wir jetzt einmal den Startschuss und lassen das Ganze wachsen – ich gehe da von einem Zeithorizont von fünf Jahren aus.“ Alle unter einem Dach Neben diesen inhaltlichen Akzenten hat der neue Musikschuldirektor auch Ideen und Wünsche für die Hardware. So soll die Musikschule, heute auf zwölf Standorte über die Stadt aufgeteilt (zudem zusätzlichen fünf in den neuen Kreativbereichen), „zentral unter einem Dach zusammengeführt werden, wobei das nicht heißt, dass


Mr. Spock in der Musikschule

wir nicht nach wie vor den dezentralen Musikschulunterricht in den Katastralgemeinden anbieten werden.“ Während dieser big step wohl eher das Prädikat „langfristig“ trägt, geht die Ambition, die Musikschulräume und damit die Unterrichtsbegebenheiten insgesamt durch den Einsatz von Akustikplatten klanglich aufzuwerten, schon in die mittelfristige Dimension. Zudem möchte Kellner einen eigenen Popularmusikraum am Standort Kranzbichlerstraße schaffen, wo man quasi so richtig laut Krach machen kann, ohne andere Musikschüler zu stören. Bereits umgesetzt hat er die Aufwer-

tung des Foyers in der altehrwürdigen Voith Villa, indem er Sitzmöbel aufstellen ließ, „wo man es sich gemütlich machen kann. Ich wollte einfach alles ein bisserl netter, einladender gestalten, es gibt ja doch – etwa wenn Eltern auf ihre Kinder warten – gewisse Verweilzeiten in der Schule.“ Außerdem liegt schon ein neues Leitsystem auf seinem Schreibtisch, das in Kürze montiert wird und die Orientierung im Haus erleichtern soll. Kellners persönlicher Orientierungskompass zeigt dabei ohnedies nur in eine Richtung: Vorwärts. Dem Musikschuldirektor, soviel kann man angesichts dieses kleinen Visions-

Auszuges sagen, wird definitv nicht fad werden – schon ohne zusätzliche Ziele gilt es aktuell allwöchentlich 1.050 Stunden in der Musikschule zu koordinieren „was schon eine große logistische Herausforderung darstellt.“ Wenig verwunderlich, dass da zum persönlichen Musizieren kaum Zeit bleibt. Ganz selten, „das sind aber spezielle Veranstaltungen“, greift der Herr Direktor im Rahmen einer Lehrerband noch zum Mikrofon, „da spielen wir dann Falco, Sting und so Sachen, das macht Riesenspaß.“ Eine fixe Band mit regelmäßigen Proben ist aber nicht drin. Auch persönliche Konzertbesuche stellen die Ausnahme dar – das Klangerlebnis zaubert sich Kellner stattdessen in die eigenen vier Wänden. „Das muss dafür top sein!“ Seit seiner Jugend hat er ein Faible für hochwertige Boxen. Und wenn er, wie unlängst in Graz, nach langem Suchen im Internet „eine B&W ergattert“, die er zuhause an seinen Verstärker anschließt, dann lacht sein Herz und er legt die alten – oder nunmehr auch schon wieder neuen – Vinylplatten auf, „weil du bei guten Boxen einfach den Unterschied hörst! Vinyl ist viel wärmer!“ Das Kratzen, das die alten Schallplatten mitunter ebenso erzeugen, stört ihn dabei nicht – ganz im Gegenteil, das sind die heimeligen Grüße aus dem vermeintlichen Teenage Wasteland von anno dazumal, als die CD gerade in den Kinderschuhen steckte und Musikstreaming sowieso noch Science Fiction war. So wasted, so öde dürfte die Zeit aber gar nicht gewesen sein, denn – oder gerade deswegen? – sie brachte kreative Köpfe wie Alfred Kellner hervor, die heute an den verschiedensten Stellen der Stadt tätig sind und diese voranbringen. „Logisch!“, würde Mr. Spock sagen.

MusiKunstSchule ST. Pölten 1.900 Schüler 80 Lehrer 1.050 Musikstunden/Woche 17 Standorte 250 Leihinstrumente

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CORNELIA TRAVNICEK

Über Schuhe und junge Hunde Mit „Junge Hunde“ ist bereits das zweite Buch der Niederösterreicherin Cornelia Travnicek erschienen. Die Verfilmung ihres Erstlings „Chucks“ lief wenige Wochen zuvor in den österreichischen Kinos an. Grund genug also, für ein ausführliches Gespräch über das Schreiben an sich, den Filmdreh, den modernen Buchmarkt und die niederösterreichische Kunstförderung. Sie sind jetzt 28 Jahre alt, Mitte Oktober ist Ihr zweiter Roman erschienen, die Verfilmung des ersten läuft gerade in den Kinos. Welche Pläne haben Sie nach diesem aufregenden Jahr eigentlich für 2016? Dafür habe ich mir mal gar keine Pläne gemacht. Man hat ja mit jedem Buch verschiedene Produktionsphasen: Also schreiben, Vorbereitung, Lektorat, Marketingentscheidungen und dann eben Lesungen. Wir sind eigentlich, direkt nachdem was rausgekommen ist, immer kurz in einer Abwartephase: Was passiert jetzt? Wie groß wird das? Wie sprechen die Leute, wie sprechen die Medien drauf an? Jetzt bin ich gespannt, was für Termine kommen. Nachdem die erste Aufregung vorbei ist, werde ich anfangen, an den nächsten Projekten zu schreiben. Das ist dann eigentlich die ruhigere Phase. In „Junge Hunde“ geht es ja – verkürzt gesagt – um die Suche nach der Wahrheit, der Familie und nach sich selbst. Das Motiv gibt es in gewissen Punkten auch schon bei „Chucks“. Finden Sie, dass junge Menschen vielleicht zu viel Zeit mit dem Suchen verbringen, oder ist das der einzig logische Weg für die Jugend? Na gut, bei Chucks ist es ja ganz eklatant, weil es genau diese Lebensphase beschreibt, die das klassische Comingof-Age beinhaltet. Sich einmal zu entscheiden: Wer möchte ich jetzt sein als erwachsener Mensch? Man entscheidet sich ja nicht nur, wer möchte ich sein, sondern auch, worauf möchte ich dieses Ich eigentlich aufbauen. Beim neuen Buch ist es ja ganz anders: Wir begeben uns in eine Lebensphase, die so eigentlich nur in westlichen Industriestaaten existiert, nämlich in dieses Young-Adult-Alter, in dem man ja theoretisch schon erwachsen ist und diese Suche abgeschlossen hätte. Wenn es da nicht diese zehn Jahre gäbe, die unsere Gesellschaft uns ermöglicht, dieses Teenageralter zu verlängern. Und in dieser Phase ändert sich dann oft noch viel und man schiebt dann einiges noch hinaus. Und im Fall meiner beiden Figuren sind das ja ganz eklatante Dinge. Es ist ja nicht so, dass sie jetzt die berühmten Berliner Twenty-Somethings sind, die sich einfach nicht

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„Ich bin immer jemand, der versucht, sich nicht zu früh zu freuen.“

festlegen wollen, sondern, dass ihnen ja durch die äußeren Umstände quasi aufgedrängt wird, diese Suche zu machen. Ein Erzählstrang im neuen Buch handelt von Ernst, der in China auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter ist. Waren Sie zu Recherchezwecken selbst in China oder hat sich das durch Ihr Sinologie-Studium ergeben? Ja, genau, das hat sich durch das Studium schon vorher ergeben. Es war jetzt nicht so, dass ich extra diese Orte noch einmal bereist hätte. In manchen war ich natürlich schon persönlich. Wie war es nach dem Erfolg von Chucks, sich wieder vor den Computer zu setzen? Naja, es war schwierig in der Hinsicht, weil man ja dann auf einmal ganz andere Ansprüche an sich selbst stellt. Also weniger von außen, sondern mehr von innen heraus. Man denkt sich: Haha, jetzt hab ich einmal was geschafft, jetzt möchte ich wieder was schaffen. Im zweiten Buch habe ich dann ganz explizit anfangs versucht etwas ganz anderes zu machen. Eine ganze andere Figur, eine andere Struktur und ein anderes Setting zu wählen. Es knüpft zwar jetzt lustigerweise wieder an das Familienthema an, aber ich glaube, sobald man das Buch aufschlägt und die ersten zwei Seiten liest, weiß man, es ist ganz anders. Wann entstand die Idee zu „Junge Hunde“? Das erste Kapitel las ich bereits 2012 beim Bachmannpreis, und man muss das ja schon im Frühjahr 2012 einreichen. Das heißt, ich hab das schon Ende 2011, also vor dem Erscheinen von Chucks, geschrieben gehabt. Wie war das Gefühl, als zum ersten Mal im Raum stand, dass Chucks verfilmt werden soll? Ich bin immer jemand der versucht sich nicht zu früh zu freuen. Für die Umsetzung eines Films muss man zahlreiche Förderungen bekommen. Das heißt, selbst wenn schon ein Drehbuch existiert und Interesse von der Produktionsfirma besteht – wenn das Geld nicht da ist, kann man es einfach nicht machen. Das heißt: Bis ganz zum Schluss, bis es abgedreht war, hab ich mir gedacht, es kann immer noch etwas schief gehen. Wie involviert waren Sie in den ganzen Entste-


TEXT: Dominik Leitner | Foto: Helmut Lackinger/Volkskultur

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Über Schuhe und junge Hunde

hungsprozess des Films? Also von Anfang an über Gespräche mit Gerhard und Sabine (Gerhard Ertl und Sabine Hiebler, Drehbuch, Regie und Co-Produzenten, Anm.). Es war halt schon sehr wichtig, dass wir uns persönlich auch gut verstehen. Und dann habe ich immer nur mitgelesen, Fragen beantwortet, sie haben mich auf dem aktuellen Stand gehalten – es war alles sehr spannend. Und die zwei Drehtage, an denen ich dabeisein durfte, das war auch sehr witzig. Wann war für Sie klar, dass Sie Bücher schreiben möchten? Schon sehr früh eigentlich. Sicher schon mit 12 oder 13. Man erlebt ja oft so Momente, wo man eben etwas sieht oder hört, und sich dann denkt: Ja, das ist es! Das passt zu mir! Und das war eben meine Erfahrung, als ich zum ersten Mal belletristische Bücher gelesen und mir überlegt habe, was das mit dem eigenen Geist eigentlich macht. Da hab ich mir gedacht: Ja, das möchte ich auch können. Finden Sie es schade, dass Sie neben dem Schreiben noch einem „Brotjob“ nachgehen müssen – ist es überhaupt möglich „Full-Time-Autorin“ zu sein in Österreich? Also, wenn man genug verkauft, ist es natürlich möglich, aber man muss halt ... es sind sehr wenige, die das schaffen. Viele behelfen sich mit Kolumnen und versuchen möglichst viele Jahresstipendien und dergleichen zu bekommen. Aber es ist trotzdem alles immer sehr unsicher. Deshalb bin ich eigentlich sehr, sehr froh über meinen Teilzeitjob, weil er zwingt mir eine gewisse Struktur des Lebens auf. Sie haben 2006 begonnen über Ihr Leben als Jungautorin zu schreiben, unter dem Titel „Bis Klagenfurt anruft“. Wie war das eigentlich, als der Anruf für die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ dann tatsächlich kam? Es ist letztlich immer alles ein bisschen weniger aufregend, wie man es sich vorstellt, auch weil man es sich ja schon länger vorstellt. Ein Jahr zuvor haben wir die Rückmeldung bekommen, dass es den Juroren gut gefallen hat – es hat aber knapp nicht geklappt. Also war schon eine gewisse Möglichkeitsbasis im folgenden Jahr vorhanden, dass es sozusagen eben diesmal etwas wird. Ich erfuhr es dann über den Verlag. Man stellt sich das immer so nett vor, es ist aber immer viel unglamouröser. Es war natürlich lustig, dass das dann im Endeffekt so passiert, und das Jahre später, nachdem ich die Kolumne begonnen habe. Weil jetzt auch immer die Debatte ist, dass man extrem schwer in einen Verlag reinkommt: Können Sie sich vorstellen – wenn Sie noch einmal neu anfan-

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Produktiv. Nach ihrem Roman „Chucks“, der eben als Verfilmung in den Kinos läuft, ist Travnicek nun mit „Junge Hunde“ am Start.

gen würden - Self-Publishing zu probieren? Nein. Ich bin ja grundsätzlich ein fauler Mensch, was die arbeitsintensiven Dinge rund um Literatur angeht. Da gibt es jede Menge Kosten, die den Leuten im Vorhinein auch vielfach gar nicht klar sind. Ich könnte nie ein unlektoriertes Manuskript rausgeben! Und es ist ja nicht so, dass der Schriftsteller zehn Prozent vom Buch bekommt, und der Verlag nimmt einfach den Rest. Einen Teil bekommen die Buchhandlungen, der Vertrieb, einen Teil der Verlag, wobei der das auch wieder auf Lektorat, Korrektorat, Presse, Marketing und alle anderen Abteilungen aufteilt. Lesen Sie eigentlich lieber gedruckte Bücher oder eBooks? Ich hatte einmal einen eReader. Auf dem habe ich genau eineinhalb Bücher gelesen. Ich verfalle da in diese Sammlermentalität, mir möglichst viele Gratis-eBooks, hauptsächlich Klassiker und alle möglichen anderen rechtefreien Dinge, raufzuladen, sie dann aber nie zu lesen. Es fehlt einfach die mahnende Präsenz der Bücher. Außerdem bin ich gerne von Büchern umgeben. Ich mag schöne Bücher, also wirklich anzugreifende Bücher, wo haptisch etwas da ist. Finden Sie, dass in Niederösterreich genug für junge Autorinnen und Autoren gemacht wird? Also Niederösterreich ist diesbezüglich in einer ganz guten Situation. Wir haben ja einige Literaturvereine, und die Kulturabteilung des Landes kümmert sich sehr, sehr gut. Das gibt es ja auch nicht in jedem Bundesland, dass es einen eigenen Bundeslandverlag gibt, der Lesungen organisiert und dergleichen mehr. Ich muss sagen, ich hätte mich nie beschweren können, und ich kenne genug Kolleginnen und Kollegen aus Niederösterreich, die durchaus erfolgreich sind. Das spricht für die Förderung.

„Wir haben ja einige Literaturvereine und die Kulturabteilung des Landes kümmert sich sehr, sehr gut.“


TEXT: Johannes REichl | Foto: Florian Schulte

Hesse lässt grüSSen Wie viele Programmpräsentationen haben wir in dieser Stadt nicht schon erlebt? Und vieles, was da im positiven Sinne aufgetischt wurde, entsprach ganz unserem Geschmack und verdiente das Prädikat „wertvoll“. Daniela Wandls Präsentation ihres Bühne im Hof Erstlings versprühte aber noch etwas darüberhinaus: Esprit, Leidenschaft und (Vor-)Freude. Ein Kommentar.

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nweigerlich fühlte man sich an Hesses Wort „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ erinnert, und Wandl selbst war die personifizierte Manifestation davon, wie sie da kurz vor Beginn der Pressekonferenz wie ein junger, energiegeladener Stier am Gatter scharrte, um endlich raus auf die Wiese zu laufen und die (Theater-)Welt sowie die erschienenen Journalisten erobern zu dürfen. Diese waren dabei im bummvoll gefüllten Café im Palais Wellenstein, formerly known as Wellenstein (s. S. 66) gegenüber der geballten NÖKU-Mannschaft weit in der Unterzahl. Böse Geister würden unken „die wollen ja nur füllen, damits nach mehr aussieht“, einfühlsamere Gemüter hingegen verstanden darin einen schönen Ausdruck von Solidarität, und dies traf diesmal wohl so stark wie schon lange nicht mehr zu! Immerhin war das Aufstellen von Wandls erstem Programm innerhalb kürzester Zeit sowie unter manch sphärischer Gewitterwolke kein Spaziergang, aber die Familie schaffte alles durch gemeinsames Anpacken mit Bravour. Insbesondere die Mannschaft des Schwesterbetriebes Festspielhaus – das ja mit der Bühne im Hof von Beginn an unter einem gemeinsamen Dach, der KUSZ, zusammengespannt ist – packte ordentlich mit an, um Wandls Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Die neue künstlerische Leiterin selbst marschierte – nein, rannte sowieso wie ein engergiegeladenes DuracellHäschen im Turbo-Modus, auf dass sie jeden mit ihrem Enthusiasmus ansteckte, der die sprichwörtlichen Berge versetzen kann. Dabei hielt Wandl vorneweg fest, dass sie die Bühne im Hof, dieses gern als Wiege aller St. Pöltner Kulturaktivitäten hochstilisierte Kleinod (als hätte es davor gar nichts gegeben), nicht komplett umkrempeln, sondern im positiven Sinne weiterentwicklen wolle. Ein Schnitzer wie weiland dem ehemaligen Festspielhaus-Intendanten Joachim Schloemer, der in Wahrheit auch 70% seines Vorgängers übernommen und liebgewonnene Traditionen fortgeführt hatte, aber trotzdem durch misslungene Kommunikation alsbald als der deutsche Zerstörer allen Guten und Schönen betrachtet wurde, konnte Wandl damit von vornherein umschiffen. So streute sie auch ihrer Vorgängerin

Mimi Wunderer Rosen, um anschließend ihren Begriff von Kleinkunst zu definieren: „Kleinkunst umfasst ein breites Spektrum – im Sinne von Facettenreichtum. Diese Vielfalt möchte ich dem Publikum anbieten.“ Konkret heißt dies etwa für die bisherige Bühne im HofHauptingredienz „Kabarett“ eine inhaltliche Ausdehnung, die auch vor dem, von manch Purist verteufelten Terminus Comedy nicht zurückscheut. Und warum auch – als Fußballer gilt man ja doppelbeinig auch als versierter wie wenn man nur einen starken Fuß hat. Neben alten Hasen und Newcomern wird es sodenn so ziemlich alle Spielarten von Kabarett geben, die Gott schuf – also politisch oder philosophisch, einfach nur lustig, mit Musik oder ohne, ja sogar ganz ohne Stimmen, dafür mit beschriebenen Plakaten. Klingt spannend? Ist es auch! Der Fantasie sind nun mal keine Grenzen gesetzt, was auch für die anderen Zutaten in Wandls Programm gilt: Lesungen, Konzerte, Theater, Puppenspiel, Clowns oder – ganz wichtig und durch einen eigenen Kindertag jeden ersten Sonntag im Monat auch substanziell geheiligt – Kinderproduktionen. Der Dialog der Kulturen wird ebenso fortgeführt, wie es auch Jugendtheater geben wird. Ein Programm, wie eine bunt gefüllte Schachtel Pralinen: Alles wild durcheinander, bisweilen auch gleichzeitig ineinander verschmolzen, so dass man neue Geschmackserlebnisse erfährt, die man so bislang noch nicht erlebt hat. Überraschungseffekt vorprogrammiert, wobei es Wandl v.a. um eines geht: „Die Leute sollen in der Bühne im Hof Spaß haben. Das ist mir ganz wichtig, Lachen verbindet!“ Und es steckt an – und so musste man mit Wandl, diesem Energiebündel einer künstlerischen Leiterin, im Zuge der Pressekonferenz mitlachen, mitfiebern, mitstaunen. Die eingespielten Videoappetizer diverser Produktionen machten jedenfalls Gusto, sich das alles, wie es Wandl formulierte „in HD bei uns in der Bühne im Hof anzusehen.“ High Definition darf man dabei durchaus im Sinne von High Quality verstehen, und so klang auch Wandl eher intuitiv und ihr nebenher getätigter Ausspruch „eigentlich ist alles ein Highlight“ absolut glaubwürdig. Ab 23. Jänner kann man sich persönlich davon überzeugen. MFG 11.15

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KARL SCHLAGER: IM SCHRÄGLICHT

NÖ Kulturforum präsentiert l‘art brut-Künstler Wr. Neustadt. Krems. Schwechat …. Das sind die Orte, an denen vom NÖ Kulturforum erstmals ein Maler vorgestellt wird, den man in das Genre l‘art brut einordnen kann. Karl Schlager und seine „Bilder eines Unbeugsamen“ werden nicht nur in Ausstellungen, sondern auch in einem vom NÖ Kulturforum herausgegebenen Katalog präsentiert. Karl Schlager, gelernter Installateur aus Wr. Neustadt, arbeitete – nach einer verletzungsbedingt gescheiterten Fußballerkarriere bei der Vienna und im österreichischen Junioren-Nationalteam – als Müllaufleger und wurde wegen eines schweren Bandscheibenleidens früh pensioniert. Ein Leben, das er sich wohl anders vorgestellt hatte, folgt mit all den Facetten des Außenseiters, des vom Glück im Stich Gelassenen, des irgendwie anders Lebenden. Der Boxer Hansi Orsolic hat sein Leben einst als „ein patschertes Leben“ bezeichnet. Und das könnte irgendwie auch auf Karl Schlager zutreffen. Wie kann man ein solches Leben bewältigen, wie heraus kommen, oder besser: Wie erträglich drinnen bleiben? Ja, man kann. Schlager ist auf das Malen gekommen, es ist ihm Therapie und Aufarbeitung seines Schicksals, das er zumeist auch selbst bestimmte. Das, was er macht, ist zustandsgebundene Kunst, ist „l‘art brut“, „Außenseiter-Kunst“, eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und Strömungen. Naive, anti­ akademische Ästhetik, unverbildete, rohe, autodidaktische Kunst eines Laien. Schlager ist irgendwie so ein Außenseiter, er arbeitet seinen Zuständen folgend. Mit den Ausstellungen und der Herausgabe des Kataloges von Werken Karl Schlagers hilft das NÖ Kulturforum mit, dass ein vom Leben Geprüfter und Enttäuschter sich jene Dinge erfüllen kann, die er eben zu diesem, zu seinem Leben braucht, er braucht die Freiheit, um es zu gestalten. Und zugleich ist er mit seinem Malen anderen Vorbild und gibt Motivation all jenen, die es ebenfalls aus den verschiedensten

Gründen schwer haben, aus einem „patscherten“ Leben ein trotzdem lebenswertes zu machen. Die Ausstellung ist aktuell in der Landesgeschäftsstelle der Volkshilfe NÖ in Wr. Neustadt und danach in der Volkshilfe Krems zu sehen. Bei der großen Löwenherz-Gala der Volkshilfe NÖ am 26.11. im Multiversum Schwechat wird Karl Schlager vorgestellt und eines seiner Werke im Rahmen einer Auktion für einen sozialen Zweck versteigert.

„Dora Müller – eine Brünner Deutsche“ und

ORF-Korrespondent

...Klement Gottwald und Karel Gott“ So lauten die Titel zweier Ausstellungen, die ebenfalls mit Förderung des NÖ Kulturforums im Stadtmuseum St. Pölten stattfinden, und zwar vom 18.11. 2015 bis 14. 2. 2016. „Ein Streifzug durch die jüngere Geschichte der Tschechischen Republik, den wir aus Anlass der 25-jährigen Städtepartnerschaft St. Pölten – Brünn präsentieren werden“, führt Thomas Pulle, Leiter des Stadtmuseums, aus, „wobei wir dem NÖ Kulturforum für die Unterstützung sehr dankbar sind.“

ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary war Gast einer Veranstaltung des Renner-Instituts NÖ in der Bühne im Hof, bei der er aus unmittelbarster täglicher Betroffenheit über die Bürgerkriegssituation in Syrien und im Irak berichtete und sich einer Publikumsdiskussion zur daraus folgenden Flüchtlingskrise in Europa stellte. Die Durchführung dieser spannenden und aufrüttelnden Veranstaltung wurde mit einem Beitrag vom NÖ Kulturforum unterstützt.

„Back in the CSSR, Alltag zwischeN... Karim El-Gawhary

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Kultur vor der Haustür – NÖ Kulturforum

NEUE EDITION DES NÖ KULTURFORUMS

Aus Freude. Impulse zur Kreativität.

In seinem Bemühen und im Rahmen seines Leitbildes, Menschen zu kreativem Schaffen zu motivieren und bei ihrer künstlerischen Betätigung zu fördern, hat das NÖ Kulturforum auf eine Idee von Prof. Gotthard Fellerer hin begonnen, eine neue Edition herauszugeben, die unter dem Titel „Aus Freude. Impulse zur Kreativität.“ steht. Dabei wird bewusst nicht von „Hobbykunst“ oder „Freizeitkünstlern“ gesprochen, sondern ganz einfach davon ausgegangen, dass in jedem Menschen Talente und Begabungen stecken, die er selbst erkennen kann, die er wecken soll und aus denen er etwas schaffen kann, was ihm selbst und anderen Freude macht.

„BILDATMEN“.

Ölbilder von Gotthard Fellerer in der Galerie artessa in Wr. Neustadt

Als Einstieg in die Edition wird vom Obmann des NÖ Kulturforums Ewald Sacher selbst eine Auswahl von Fotos unter dem Thema „Die Spannung der Stille“ zusammengestellt und präsentiert, die nicht mehr und nicht weniger als Motivation und Beispiel dafür stehen soll, wie jemand, der sich in seinem Leben eigentlich Tag für Tag ganz anderen Aufgaben und Herausforderungen stellen muss, in kreativer Weise tätig werden kann. Die Fotoausstellung „Die Spannung der Stille“ ist ab Anfang Dezember im KS-Zentrum Krems-Lerchenfeld zu sehen. Dazu wird der erste Band der Edition „Aus Freude. Impulse zur Kreativität“ vom NÖ Kulturforum aufgelegt.

Albert Janetschek – GROSSER SOHN EINER KLEINEN GEMEINDE

10 JAHRE JANETSCHEK-PFAD HOCHWOLKERSDORF Zehn Jahre ist es her, dass in der Gemeinde Hochwolkersdorf in der Buckligen Welt der Albert-Janetschek-Pfad angelegt wurde. In Erinnerung an den Schriftsteller Albert Janetschek, der Lehrer in Wr. Neustadt und in Hochwolkersdorf wohnhaft war, wurde damals auf eine Idee von Prof. Gotthard Fellerer hin mit Unterstützung des NÖ Kulturforums dieser Pfad geschaffen, der in zahlreichen Stationen über Leben und Werk Janetscheks informiert. Nunmehr fand zum 10-Jahr-Jubiläum eine kleine Feier und eine Bewanderung des Pfades statt, an der neben Bürgermeisterin Waltraud Gruber und zahlreichen Bewohnern Hochwolkersdorfs auch Prof. Ewald Sacher als Obmann des NÖ Kulturforums und Franz Oberger, selbst bildender Künstler und „Betreuer“ des Pfades, teilnahmen. Janetschek wurde 1925 in Hochwolkersdorf geboren. Er war Mitbegründer der Zeitschrift PODIUM, Mitglied des österreichischen

v.l. Franz Oberger, Bgm. Waltraud Gruber, Prof. Ewald Sacher

Schrifstellerverbandes, der Europäischen Autorengemeinschaft und Vizepräsident des Österreichischen PEN-Clubs. Für sein literarisches Schaffen erhielt er zahlreiche Preise.

Am 12. November wurde in der Galerie artessa in Wr. Neustadt die Ausstellung „Bildatmen“ mit Ölbildern von Gotthard Fellerer eröffnet. Der Begriff „Bildatmen“ steht für Fellerer stellvertretend für jenes kreative, hochpotenzielle Feld, in dem Bilder-Kunst entsteht. Während eines kontemplativen Prozesses, der absolutes „Bei-sich-Sein“ fordert, wird das Tor zum Unendlichen geöffnet. Bilder werden aus- und eingeatmet. Jedes eingeatmete Bild gebiert ein neues und jedes ist einmalig. Damit ist für sensible Menschen Fellerers „Bildatmen“ eine großartige Seinserfahrung, ein wunderbares Dokument einer Anderwelt. Im Zuge der Eröffnung sprachen Bgm. Klaus Schneeberger für die Stadt Wr. Neustadt und Prof. Ewald Sacher namens des NÖ Kulturforums. Ausstellungsdauer 13. – 28.11., Galerie artessa, Wr. Neustadt, Baumkirchnerring 4. MFG 11.15

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THOMAS AIGNER

Alles ist Geschichte Als Kind wollte Thomas Aigner eigentlich Privatdetektiv werden, „das war mir dann aber doch zu gefährlich“, lacht er. Stattdessen verschlug es ihn in einen gar nicht so artfremden Beruf: Er wurde Leiter des Diözesanarchivs St. Pölten. Wie sind Sie eigentlich dazugekommen, Ihre Nase quasi vertiefend in die Geschichte zu stecken und Archivar zu werden? Das Interesse war im Grunde genommen schon früh da – bereits während der Gymnasialzeit habe ich mich für Heimatgeschichte begeistert, insbesondere das bei uns situierte Kloster (Klein) Mariazell in Österreich hat mich fasziniert. Im Zuge dessen kam ich auch früh in Berührung mit alten Dokumenten, für die ich alsbald große Interesse entwickelte. Nach der Schule war dann klar, dass ich Geschichte studiere, zudem absolvierte ich den sogenannten Archivarkurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Und landeten 1995 schließlich in St. Pölten. War das damals wie die Erfüllung eines Wunschtraumes? Absolut, zumal dem damaligen Weihbischof Fasching das Archiv ein besonderes Anliegen war! In seine Zeit fällt auch die Übersiedlung in das neue Gebäude in der Klostergasse, und auch der Bischof hat die Institution immer gefördert. Das Diözesanarchiv St. Pölten ist ja wahrlich ein Paradies – es umfasst 424 Pfarrarchive, dann das Diözesanarchiv vorort sowie den herrlichen Bestand der alten Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert! Und es deckt einen großen Raum ab, der nicht nur das Mostviertel, sondern auch das gesamte Waldviertel umfasst. Die Bestände reichen bis ins neunte Jahrhundert zurück! Hat man damit nicht die Geschichte – da es doch heißt, dass diese früher v.a. von Klöstern festgehalten wurde – quasi ganz unmittelbar am Rockzipfel? Das halte ich eher für einen Topos: Zwar waren Kirchen und Klöster, v.a. im Mittelalter, sicher DIE Hauptträger von Geschichtsschreibung, aber es gab sehr wohl auch schon damals weltliche Kanzleien, die ebenso Handschriften, Aufzeichnungen, Urkunden etc. ausstellten. Und darum geht es letztlich: um Verwaltung. Archive dienten der Rechtssicherheit, das ist ihre ursprünglichste Bestimmung. Es ging um An- und Verkäufe, Besitz, Taufen, Hochzeiten etc. – all dies wurde auf Urkunden, auf Zetteln festgehalten und gesammelt, und so entstanden die Archive. Der „Vorteil“ bzw. der Unterschied kirchlicher und klösterlicher Archive gegenüber weltlichen besteht nur darin, dass sie eine größere Kontinuität aufweisen. Für St. Pölten, das ja zuvor bereits zum Bistum Passau zählte, geht die durchgehende Geschichtsschreibung daher bis ins achte Jahrhundert zurück. Ähnliches gilt etwa für Stift Göttweig oder Stift Melk. Welt58

liche Archive und deren Bestand gingen hingegen vielfach verloren, etwa wenn die Güter ihre Besitzer wechselten oder ganze Geschlechter ausstarben. Im privaten Bereich ist dies ja nicht anders – irgendwann schmeißen die Erben die alten Dokumente in der Regel weg, wobei wir heute versuchen, gerade auch solche Zeitzeugnisse zu bewahren: Denn was verloren geht, das ist verloren! Archive haben sich extrem gewandelt: Vielfach hat man – wohl durch Filme wie „Im Namen der Rose“ verankert – den Mönch vor Augen, der per Hand Chroniken verfasst. Die wohl wertvollsten Bände? Natürlich, ganz einfach weil es im 11./12./13. Jahrhundert prinzipiell noch gar nicht so viele Schriften gab. Es wurde


TEXT: johannes reichl | Fotos: elias kaltenberger

noch aufwendig auf kostbares Pergament geschrieben, vorher noch auf sogenannte Wachstafeln. Die Massenüberlieferung setzte erst mit dem 15. Jahrhundert ein, also mit der Einführung des Papiers sowie des Buchdrucks. Dies war eine absolute Revolution, ähnlich wie wir sie gerade mit der Digitalisierung erleben. Womit wir in der Gegenwart gelandet sind. Hätten Sie eine solche Revolution, als Sie 1995 am Archiv begannen, für möglich gehalten? Nein, das war absolut nicht vorhersehbar. Bei den ersten Scans, die ich machte, dachte ich mir noch, was soll das – ich hab doch ohnedies die Originale zur Verfügung? Heute muss ich sagen: Digitalisierung ist ein Wahnsinn im positiven Sinne! Der Nutzer sucht nicht mehr nach Zetteln, sondern nach Daten – das muss gut organisiert werden, weshalb dem Informationsmanagement eine ganz wichtige Rolle zukommt. Das Tolle ist, dass man die jeweiligen Datensätze mit weiteren, verwandten verknüpfen kann – und zwar nicht nur innerhalb der Institution, sondern auch mit jenen anderer Häuser! Dadurch werden die sozusagen ehemals isolierten Inseln global vernetzt, jedes kleine Archiv kann mitintegriert werden. Ein banales Beispiel: Ein Waldviertler muss heute nicht mehr nach St. Pölten ins Archiv kommen, um zu forschen, sondern macht es daheim vom Computer aus. Und er findet unter seinem Schlagwort vielleicht nicht nur Dokumente, die sagen wir in St. Pölten liegen, sondern auch den Hinweis, dass es welche auch in Oberwölbling oder in Prag gibt. Noch angenehmer wird es für Menschen aus anderen Ländern. Ein US-Bürger kann heute von zuhause aus über seine niederösterreichischen Ahnen forschen. Zudem kommt es zu einer stärkeren Vernetzung der User untereinander! Das heißt die Wissenschaft ist gar nicht der „Hauptkunde“, sondern eher Private? Wir sind ein öffentliches Archiv und machen keinen Unterschied zwischen Privatperson und Wissenschaftler, wobei die historische Forschung an sich – das sei auch betont – gar nicht unsere oberste Priorität ist. Als Archiv geht es eher darum, für die Zugänglichkeit und Verwahrung von Informationen zu sorgen – in diesem Sinne unterstützen wir die Wissenschaft bei ihrer Arbeit bzw. eben auch den privaten Nutzer. Tatsächlich macht Ahnenforschung heute sicher den größten Teil der Abfragen aus, und es ist für die Nachfahren mit großen Glücksmomenten verbunden, wenn man etwas findet. Und was sind die Glücksmomente im Leben eines Archivars – die Arbeit stellt man sich ja ein bisserl verstaubt und einsam vor? Am aufregendsten sind Funde, mit denen man so nicht rechnet. Nehmen wir Klein Mariazell, das mich ja schon als Kind begeisterte. Als ich hier in St. Pölten meine Arbeit begann, standen auf einem Kasten in meinem Büro vier Schachteln, die mich zunächst nicht sonderlich interessiert

SCHÄTZE. Das Archiv birgt Schätze wie die Schedelsche Weltchronik (1492) oder eine lateinische Bibelhandschrift, Mitte 13. Jhdt.

haben. Monatelang sind sie so dagestanden, bis ich eines Tages mal raufgeklettert bin, um nachzusehen, was drinnen ist. Und was finde ich? Verschollen geglaubte Akten über Klein Mariazell aus dem 16. Jahrhundert! Das war schon fast schicksalhaft, weshalb ich in Folge auch, obwohl ich das ursprünglich gar nicht vorgehabt hatte, über Klein Mariazell meine Dissertation schrieb. Und solche Erlebnisse hast du immer wieder einmal, wenn etwa auf alten Dachböden verschollene Dokumente auftauchen oder in einem alten Pfarrhof, wie mir ebenfalls einmal passiert – in einer unscheinbaren Bonbonniere Schachtel plötzlich eine Urkunde aus dem 13. Jahrhundert schlummert. Das sind schon absolute Sternstunden! Nun gibt es Menschen, die auch meinen, „Wozu brauch ma des?“ Was halten Sie denen entgegen? Dass es einfach wichtig ist zu wissen, wo man her kommt, um sich – auch seelisch – zu verorten. Hierfür stellen Archive eine unabdingbare Einrichtung dar, weil im Grunde genommen darin das Gedächtnis der Menschheit überliefert ist. Und was wäre der Mensch ohne Gedächtnis, ohne Geschichtswissen? Geschichte ist das Fundament, auf dem wir stehen. Alles ist Geschichte!

DIÖZESANARCHIV Das Diözesanarchiv St. Pölten verwahrt das Schriftgut aus der Verwaltung der Diözese, deren Dekanaten und Pfarren und bezieht sich auf das heutige Diözesangebiet, also den westlichen Teil Niederösterreichs (Wald- und Mostviertel). Die dem Archiv angeschlossene Diözesanbibliothek beinhaltet Handschriften und gedruckte Werke vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Das älteste Stück ist ein Fragment aus dem neunten Jahrhundert, weitere herausragende Exponate sind u.a. eine Bibelhandschrift aus dem 13. Jahrhundert, ein Exemplar der Schedelschen Weltchronik, die Errichtungsbulle des Bistums Wiener Neustadt (1469) oder die Urkunde zur Ernennung des späteren Kardinals Dr. Franz König zum Bischof Koadjutor von St. Pölten (1952), die Eintragungen der Taufen von Egon Schiele und Kaiser Karl I., oder der Hochzeit von Jakob Prandtauer. Weitere Infos unter www.dasp.at

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Burlesque kann so viel sein: zart, sexy, komödiantisch, erotisch, feurig, dramatisch ... aber auf jeden Fall ist es ein Showtanz, dem das Teasen, die Kunst der Verführung inne liegt – und doch bleibt am Schluss das Höschen an und die Nippel bedeckt. Kalinka Kalaschnikow beherrscht diesen Showtanz wie kaum eine andere. 60


TEXT: Andreas Reichebner | Fotos: Carlos Ther, Severin Dostal, John PAul Bichard

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s begann eigentlich wie ein Märchen. Vor langer Zeit, na ja, eher vor ein paar Jahren, war eine tolle Modeschau unter den Fittichen von Monika Weber, der Tochter des musikalischen „Drahdiwaberl“ Enfant terribles Stefan Weber, geplant. Das grandiose Finale sollte dabei ein Striptease-Act sein. Nur allein, die Stripperin fiel aus. Da war guter Rat teuer, aber eine junge Herzogenburgerin in der Nähe und bei den Planungen hautnah dabei. „Mach du doch den Strip“, war die Ansage des Modeschauteams und die junge Dame aus der Punk-Szene, die schon vorher sehr von den gewagten Videos der Pin-up-Ikone Bettie Page angetan war, „wie die mit ihrer Sexualität spielte, herrlich“, stimmte zu. „Eigentlich wurde ich ja eher gezwungen“, erinnert sich die damals junge Punkerin und lächelt geheimnisvoll. „Ich mache es aber nur auf Burlesque“, war ihre Ansage, denn bei diesem Showtanz zieht man sich nicht zur Gänze aus. „Ich habe mir dann in aller Eile ein Kostüm zusammengeschustert, so auf Femme fatale.“ Der Spontanauftritt wurde ein veritabler Erfolg. „Kannst das nicht auch auf meiner Party machen?“, waren danach häufige Fragen. Und so begann es eben. Ob sie dabei mit dem Halbnackt Sein ein Problem hatte? „War und ist mir wurst“, lacht sie. Und jetzt sitzt eine 31-jährige selbstsichere, schöne Frau vor dem Schreiber dieser Zeilen, im VintageLook mit grauem Faltenrock, heller, gestreifter Bluse und Lockenwicklern im Haar, das von einem bezaubernden Tuch bedeckt ist und Fingernägel in Herzerlform. Ihren Tee nimmt sie mit meisterlicher Grazie ein. Am Abend hat sie einen Auftritt vor einer Porsche-Community. Aus der jungen Punkerin ist Kalinka Kalaschnikow, die wohl heißeste Nummer in der österreichischen Burlesque-Szene geworden. Aber Halt, so schnell geht es auch im Märchen nicht. Was ist Burlesque eigentlich? Vielleicht sollte man hier einen Einschub machen und erklären, wie es

sich eigentlich mit Burlesque verhält. In Burlesque, sagt nicht nur Wikipedia, steckt das italienische Wörtchen „burla“, was so in etwa Schabernack heißt. Zu Beginn, im 19. Jahrhundert stand die komödiantische Unterhaltung im Vordergrund – Stan Laurel ist etwa dieser Szene entwachsen. Im Laufe der Zeit kam die erotisch aufreizende Komponente und auch die Travestie dazu. Tänzerinnen wie Gipsy Rose Lee wurden zu Legenden, die Glanzzeit war vor dem zweiten Weltkrieg. Pornographie und Frauenbewegung wurden aber zu den Totengräbern des Burlesque. Seit den 90er-Jahren ist Burlesque wieder groß im Kommen. Stars wie Dita von Teese zeigen davon, und eben auch Kalinka Kalaschnikow. Aber jetzt wieder weiter mit Kalinkas Werdegang. „Am Anfang habe ich auf klassische Femme fatale, die mit dem Feuer spielt, getan“, so Kalinka, die schon immer wusste, dass sie auf eine Bühne gehört. „Mit französischem Namen und auf ursexy und lieblich.“ Aber ganz passte dieses Gehabe nicht zu ihr. „Sanft und zart hat mir keiner so

richtig abgenommen“, blickt Kalinka Kalaschnikow zurück. Damals wurde sie aber wegen ihres Aussehens von vielen für eine Russin gehalten, und so war es nicht allzu weit zum jetzigen Künstlernamen. Den hat sie von der österreichischen Sängerin und ehemaligen „Crazy Horse“-Showtänzerin Marla Blumenblatt erhalten. „Sie hat mich einfach umgetauft.“ Und dieser Name ist eine starke Ansage, zeugt von Kalinkas gewaltiger, tiefgründiger Energie und ihrem Hang zum großen Drama auf der Bühne. Kalinkas Körpersprache strotzt vor Dynamik. „Obwohl ich überhaupt keinen Sport mache und nichts trainiere“, sagt sie, „aber das ist ja das Schöne am Burlesque, es ist egal wie du aussiehst.“ Schließlich geht es ja um die eigene Weiblichkeit, um das aufreizende Spiel, um das Publikum in den Bann zu ziehen und da sind nicht immer nur die idealen Maße gefordert. Das sieht Kalinka auch bei ihren Burlesque-Workshops, die sie mittlerweile abhält. „Den Mädels helfen die Tanzworkshops, am Anfang zieren sie sich noch, sich auszuziehen, aber MFG 11.15

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und der Federfächer gekonnt als einer der österreichischen Stars, ist fest integriert in der Szene, einem kunterbunten Haufen von weiblichen, aber auch männlichen Tänzern.

dann bekommen sie einen anderen Blick auf ihren Körper, sehen die Dinge, die schön sind.“ Hat nicht jede Frau ihre besonderen Reize? Und so tummeln sich „junge Haserln, die für eine Polterparty üben“ neben reiferen Damen, „wie meine zwei 70-jährigen Linzerinnen“ und „Tänzerinnen, die dann auch auf die Bühne wollen“ in Kalinkas Workshops. Das Herrliche an Burlesque, versichert sie immer wieder, ist der Umstand, dass viele Rollen auf der Bühne gespielt werden können: lustig und sexy, zart und feengleich, rassig und feurig oder auch slapstickhaft erotisch, hier gibt es keine Grenzen und Einschränkungen – alles ist erlaubt. „Ich glaube, der große Unterschied zwischen Burlesquetänzerin und Stripperin ist der: Im Burlesque macht die Tänzerin ihre Show eigentlich für sich selbst und die Stripperin macht es für Geld“, philosophiert Kalinka, „schließlich haben wir bei unseren Shows gut zwei Drittel Frauen im Publikum.“ Gut, gratis ist der Burlesque-Auftritt auch nicht, aber diese Einschätzung hat schon etwas für 62

sich. Denn von der Schmuddelecke ist diese Art des Showtanzes kilometerweit entfernt, auch wenn die meisten Auftrittsorte mit dunkelrotem Samt glänzen. Schwierigkeiten mit allzu aufdringlichen und hormonell stimulierten Männern sind nicht vorhanden. „Das ist eher im Privatleben, dass dich einer blöd ansteigt. Das gibt es beim Burlesque nicht.“ So ist etwa Kalinkas Familie bei vielen Auftritten mit dabei. Mama Monica hilft bei den Kostümen, Papa Fritz, der Tischler ist, fertigt den einen oder anderen Bühnenbau. „Warum sagst du denn nicht, dass du Kunst machst?“, war eine der ersten Fragen von Papa Fritz, als er ihre Show sah. Kalinkas Auftritte sind durchgestylt und strotzen vor ungezähmter Kraft. Nummern wie „In the wood“ oder „The Music Box“ zeigen auch ihre ungeheure Kreativität und skurrile Verspieltheit. Sie bewegt sich in der faszinierenden Welt der Nipple Tassels (mit Quasteln), der Nipple Pasties (ohne Quasteln), der Shimmys (rasches Schütteln bestimmter Körperteile), der „Champagne Showers“

Frau Zirkusdirektor Kalinka leitet seit Kurzem den „Cirque Rouge“, eine Eventreihe, die in unterschiedlichsten Établissements die vielfältigsten Burlesque-Shows hinzaubert. Ihre Freundin Antonia Gruber alias Tiga Lily, vor sechs Jahren Gründerin des Cirque Rouge, hat ihn ihr übergeben und widmet sich nun ganz ihrem Shop „Goldstück“, einem Geschäft für Vintage-Mode. „Burlesque bestimmt mein ganzes Leben. Meine Wohnung ist voll mit ausgefallenen, alten, schrägen Sachen. Sehe ich ein Objekt, das für ein Kostüm oder so passen könnte, bin ich entzückt. Ich bin süchtig nach alten Filmen mit Cyd Charisse, von Alfred Hitchcock oder von Klassikern mit Fred Astaire und Marilyn Monroe.“ Sie sieht sich gerne in einer Zeit oder besser sehnt sich danach, wo der Akt der Verführung, das „Teasen“, wo der Mann noch galant sein sollte, eine schöne Rolle spielt. „Die meisten Frauen vergessen auf ihre Reize, haben schon vergessen, wie das Verführen, dieses geheimnisvolle Spiel einfach Spaß macht“, so Kalinka, die ihre Leidenschaft auf der Bühne auslebt. Bei den Shows des „Cirque Rouge“ gibt es auch diverse Dresscodes. „Es ist erstaunlich, dass die Jungs, die in Vintage-Sachen oder anderen Verkleidungen kommen, plötzlich wie Gentleman agieren“, sieht sie die Burlesque-Szene eher auf dem gehobenen Partyniveau denn in der bereits erwähnten schmuddeligen Ecke. Wie sie sich selbst auf einen Auftritt vorbereitet? „Das beginnt schon in der Früh, wie eine Art Ritual, ich bring mich kurz vor der Show in Stimmung und dann kommt das Publikum dran. Schön ist es, wenn die Zuschauer anfeuern, wenn der Applaus da ist.“ Kalinka ist durch und durch Profi, versteht ihr Kunstwerk. Deshalb tingelte sie auch schon rund um die halbe Welt. Auftritte in den


Von der Kunst, sich nicht ganz auszuziehen

über, ein herrliches Gefühl. Du musst lernen auch Fehler zu akzeptieren und mit dem Publikum zu interagieren.“ Ja, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, das kann Kalinka. Seit 3 Jahren macht sie nun schon hauptberuflich Burlesque. „Ich hatte tolle Jahre, mache solange ich Spaß daran habe und solange es für das Publikum Entertaining ist, weiter“, so der Tanzstar. Ihre Träume, einmal in der Roten Bar und der Eden-Bar in Wien oder in New York und New Orleans zu tanzen, hat sie sich schon längst erfüllt. Vor Kurzem hat sie die Matura nachgemacht, „da war mir zehn Minuten fad und vielleicht fange ich nächstes Jahr Soziologie zu studieren an.“ Etwas Märchenhaftes liegt schon in der Karriere der leidenschaftlichen Dame, die eigentlich nur einen Wunsch hat. „Einen Tag voller Langeweile“, sagt sie, zwinkert kokett und geht ab, mit einem wunderbaren Hüftschwung und herrlicher Grandezza – ein Profi im „Teasen“ halt. Cirque Rouge präsentiert: Burlesque & Carbaret: „A Night on the Orient Express“ – die internationale Show am 11. Dezember im VAZ St. Pölten

Bussi Baby

Tina Reichl Es trifft mich jedesmal unvorbereitet in der Kühlabteilung des Supermarktes: Das Mindestablaufdatum der „Länger frisch Milch“ zeigt mein Geburtstagsdatum! Jetzt dauert es nicht mehr lange. Schon flattern die ersten Gutscheine von Wäschegeschäften und Gratulationen von meiner Bank des Vertrauens ins Postkasterl. Überall erwarten mich 10 Prozent oder ein 10 Euro Geschenk. Mir geht’s gut! Mein Whatsapp Klingelton überschlägt sich und schon in der Früh haben sich auf facebook die ersten Gratulanten mit lustigen Bildern und Sprüchen eingestellt. Die Nachbarin läutet mit einer Flasche Aperol in der Hand an der Tür. Ich fühl mich so glücklich wie mit 16 Jahren. Diesen Geburtstag hab ich mir damals so herbeigesehnt und mir für den Moment des Erwachens eine eigene Geburtstagskassette mit heroischen Liedern wie dem Top Gun Theme aufgenommen. Okay – Kassette? Top Gun? – das ist schon etwas her! Aber es ist jedesmal ein besonderer Tag! Immerhin war mein Spermium mal das Allerbeste und Schnellste! Das heißt schon was! Die Kerzen auf der Torte sind mehr geworden, meinem Mann hab ich seit meinem 40er verboten mir Rosensträuße nach der Anzahl der Jahre zu kaufen – da zu schwer, zu groß und zu teuer, und die Melodien haben sich geändert. Mein Sohn singt mir in der Früh lautstark ins Ohr: Hoch sollst du leben, an der Decke kleben, runter falln, Popschi knalln, ja so ist das Leben! Aber das Schönste an Geburtstagen sind die Bussis! Sie kommen völlig freiwillig, aus tiefstem Herzen, auf die Wange, auf den Mund, ansatzlos oder mit kräftigem Händeschütteln als Vorspiel, mit oder ohne Umarmungen, trocken oder feucht, egal, ich liebe sie alle! Und danke Wanda für mein neues Geburtstagslied: „Bussi Baby, Bussi Baby, Bussi Baby…!“

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Foto: Nataly-Nete - Fotolia.com

USA, China, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, England und Kroatien hat sie schon erfolgreich absolviert. „Das kroatische Publikum ist das Beste. Die wissen, wie man feiert. Aber auch die Österreicher sind toll“, weiß Kalinka, die vor eineinhalb Jahren ihre erste Burlesque-Show in St. Pölten in der Bühne im Hof zeigte. Immer wieder hat sie Ideen für neue Shows, „live mit Publikum kann ich dann sagen, ob es passt. Je nach Event, in den Kontext passend.“ Die Musik ist seit einiger Weile nur noch instrumental, „obwohl etwa ein Tom Waits immer geht oder Swing …“ Trotz aller Professionalität kann es schon einmal vorkommen, dass ein Hoppala passiert. Bei einem ihrer Auftritte ging einmal das Korsett nicht auf. „Ich hab das Ding auf Biegen und Brechen nicht aufgekriegt. Und vorher habe ich mir bei einer Kollegin noch gedacht, das passiert mir nie“, muss Kalinka heute noch schmunzeln und erzählt auch von den Shows, wo sie einmal mit ihren Stöckelschuhen im Holzboden hängenblieb und ein anderes Mal die Musik ausfiel: „Da haben die Zuschauer ‚Kalinka‘ zu singen begonnen und die Stimmung kochte

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SHORTCUT SZENE

Adieu, St. Pölten!

Dominik Leitner

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Schinkenfleckerl

Woran kann man Konstanz und hohe Qualität festmachen? Am SchinkenfleckerlIndikator! Den gibt’s zwar noch nicht offiziell, sollte man aber einführen – jedenfalls im Falle des Flieger Bräu, das dieser Tage seinen 20. Geburtstag feiert: „Ich glaube einer der Hauptgründe, warum wir uns schon so lange halten, ist unsere gute Küche. Erst unlängst wurde ich wieder auf unsere Schinkenfleckerl angesprochen“, verrät Georg Loichtl. Am zeitlosen, stets „wohlfühligen“ Ambiente liegts ebenso, wie am schmackhaften „Flieger Bräu“-Bier sowie „einem Super-Team“. Tja, und wenn das der Herr Wirt aus Bescheidenheit auch nicht nennt, natürlich v.a. am Chef, der stets für Innovationen offen war. „Als ich am 7. Dezember 1995 das Flieger Bräu eröffnet habe, wollte ich ein schlichtes, zeitloses Lokal eröffnen in einer Art, die es bis dahin in St. Pölten nicht gab.“ Und auch nachher nicht mehr geben sollte. Beides ist Loichtl gelungen. Gratulation zum Jubiläum!

Not ladylike Das Ministerium für Bildung und Frauen hat kürzlich das Ergebnis eines Gutachtens präsentiert, das sich – insbesondere nach Beschwerden von Männern – mit der Diskriminierung bei Formaten wie „Damentag“, „La-

dies Night“ u.ä. auseinandersetzte. „Alle Güter und Dienstleistungen, welche im Rahmen von gewerblichen gastronomischen Tätigkeiten angeboten werden, unterliegen den Bestimmungen des Gleichbehandlungsgesetzes und sind dementsprechend ohne Ansehen des Geschlechts zu leisten“, heißt es darin. In der Praxis könnte es daher im Rahmen dieser Veranstaltungen mit Gratiseintritt, Gratisdrinks u. ä. für Damen bald vorbei sein. Umgekehrt gilt dies übrigens genauso, wobei man werblich nach wie vor die Claims verwenden darf – die Vorteile müssen aber Männlein und Weiblein zugestanden werden. Na dann: Auf zur „Ladies night“ Jungs, und meine Damen, wir sehen uns am „Herrenabend“!

Fotos: Gilmour - Fotolia.com, zVg

In der vergangenen Redaktionssitzung war die Überraschung in die Gesichter meiner Kolleginnen und Kollegen geschrieben: Ich, der junge Mann, der mit der Liebeserklärung an die ungeliebte Landeshauptstadt seine 15 minutes of fame kassierte, bin umgezogen. Noch dazu nach Wien. Also jene Stadt, die mir bisher immer zu groß, zu wild und zu laut war. Werde ich es also jemals wieder schaffen, meine verlorene Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen? In diesem Frühling und Sommer ging vieles zu Ende: Die Pärchen-WG hat sich planmäßig Mitte des Sommers aufgelöst und meine Beziehung sogar schon ein paar Monate früher. Es war also eine Zeit der gewollten und ungewollten Umbrüche … und ich habe St. Pölten natürlich noch nicht gleich abgeschrieben. Ja, mein Text hat mich kurz zweifeln lassen, ob ich denn nun überhaupt woanders hinziehen könne? Doch die Wohnungssuche gestaltete sich mehr als schwierig: So sehr sich die St. Pöltner Politiker auch „Junges Wohnen“ auf die Fahnen heften wollen, mich meinen sie damit wohl offenbar nicht. Denn für einen 27-jährigen jungen Singlemann mit beschränktem Budget (aber zugleich auch geringen Ansprüchen) inklusive fast täglicher Pendlerambitionen in Richtung Wien war nichts zu finden. In Wien tat ich mir da überraschenderweise um einiges leichter. War also meine Lobeshymne über St. Pölten erstunken und erlogen? Nein, liebe Menschen, das gewiss nicht: St. Pölten war für mich für sechs Jahre lang ein wunderbarer Lebensmittelpunkt, ein Ort, wo ich es schaffte so richtig anzukommen, wo ich mir auch eine Zukunft vorstellen hätte können. Für die vergangenen Jahre war St. Pölten perfekt für mich … und für die nahe Zukunft wurde ich dieses Mal von Wien mit offenen Armen empfangen.


MFG SZENE

Der feine Unterschied, der keinen macht

Seinen Galgenhumor hat Wellenstein-Wirt Tezcan Soylu schon wieder gefunden: „Ich hab am 4. November mein 20 Jahr Jubiläum als Wirt gefeiert – damals, 1995, hab ich das Mittendrin eröffnet. Jetzt hab ich ein besonderes ‚Geschenk‘ bekommen – das erste, wofür ich bezahlen muss.“

U

nd zwar einige tausend Euro. Soviel kostet ihm nämlich das Urteil und die Folgen, dass er den Markennamen „Wellenstein“ fortan nicht mehr – zumindest alleinstehend – führen darf. Der deutsche Bekleidungsriese Wellensteyn, auch in Österreich mittlerweile mit drei Stores vertreten, hat Soylu nämlich auf Unterlassung geklagt. „Ende März etwa ist die Darstellung ins Haus geflattert – samt Kassenbeleg. Da hat also jemand gründlich recherchiert und muss vorort gewesen sein.“ Im Vorfeld gesprochen hatte mit Soylu diesbezüglich niemand. Der Wirt, ebenso wie sein Anwalt, waren jedenfalls einigermaßen perplex: Wie 66

konnte sich ein großer deutscher Textilkonzern, der sich noch dazu anders, nämlich mit Y schreibt, daran stoßen, dass ein Kaffeehaus im kleinen niederösterreichischen St. Pölten den vom Gebäude historisch hergeleiteten Namen „Wellenstein“ trägt? Einigermaßen zuversichtlich machte man sich daher auf den Instanzenweg – Bezirksgericht, Landesgericht ... schließlich landete der Fall nach jeweiligen Einsprüchen und Gegeneinsprüchen beim Obersten Gerichtshof. Und der gab in seiner Begründung dem Textilhersteller recht, der sich nämlich den

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Namen nicht nur in seiner Kernbranche, sondern auch für den Dienstleistungssektor europaweit hatte schützen lassen, wenn er dort bislang auch gar nicht tätig ist – schon gar nicht in der Gastronomie. „Letztlich stieß man sich v.a. an der möglichen Verwechselbarkeit im Internet sowie dem Umstand, dass es akustisch ausgesprochen keinen Unterschied zwischen Wellenstein und Wellensteyn gibt!“ Stellt sich nur die Frage, wann es zu einer solchen Verwechslung überhaupt kommen könnte, denn Soylu hegt keinerlei Ambition, sein

„Ich muss Lehrgeld bezahlen.“


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Josef Vorlaufer, zVG

Kaffeehaus als Marke weiter hinauszutragen oder zu expandieren. Den Richtern wars egal. Was bleibt ist Ernüchterung. „Das ist mir zwar noch nie passiert, aber so ist es nun mal.“ Doppelt ärgerlich, weil Soylu vor Eröffnung des Lokales lange überlegt hatte, ob er es „Café im Palais Wellenstein“ nennen soll oder nur „Wellenstein“. „Letztlich hab ich mich damals fürs prägnantere Wellenstein entschieden. Wir haben damals auch recherchiert, ob es ein gleichnamiges Lokal in Österreich gibt.“ Dass er mit einem deutschen Bekleidungsriesen in Streit geraten könnte, so weit ging Soylus Fantasie hingegen nicht. „Jetzt muss ich halt Lehrgeld bezahlen.“ Angesichts des Umstandes, dass sich das Wellenstein gerade gut etabliert hat, ein herber, v.a. finanzieller Rückschlag. „Natürlich ist das eine Watschen. Aber ich habs 20 Jahre geschafft keinen Konkurs zu bauen, und ich werde auch das überleben“, so Soylu. Die Folgen werden

Markenrechtsstreit. Der deutsche Textilhändler Wellensteyn (l) hat sich am „Wellenstein“ des St. Pöltner Cafés gestoßen. Dieses darf den Namen nur mehr in Verbindung verwenden (r).

sich jedenfalls sukzessive bemerkbar machen. Auf Facebook wurde der Name schon auf Café im Palais Wellenstein ausgebessert, Soylu muss den gesamten Auftritt – Häferl, Gläser, Verpackungen, Speisekarten, Zünder etc. – einstampfen und neu gestalten. Wie er nach außen auftritt, also ob es dem Urteilsspruch entspricht, dafür holt er sich fortan immer eine Zusage

ein. Mit einem zynischen Lächeln meint er abschließend: „Da kann ich mir wohl in naher Zukunft keinen fetten Mercedes kaufen, sondern nur einen BMW ...“ Was er definitiv in Zukunft „nicht kaufen wird“, sind Jacken, Mützen, Schuhe, Pullis etc. der Marke Wellensteyn. Viele Gäste werden es ihm wohl gleichtun ...

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EDI FENZL

Flower Power!

„Excuse me while I kiss the sky.” Jimi Hendrix Er erspielt sich gerade ein Stammpublikum in STP und bezeichnet seine Musik als Hippiewestern. Er eint Woodstock-Afficionados, Blues-Traditionalisten, Metalheads, Jazzfans, Hell‘s Angels und Skatepunks. Sein Markenzeichen: Hut mit Blume. Er nennt sich Edi Fenzl, spielt Stromgitarre und singt. Und Jimi Hendrix und Keith Richards sind dran schuld.

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TEXT: Thomas Fröhlich | Foto: Hanna Partaj

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in lauer Sommerabend in St. Pölten. Michael Haydn weiht am Herrenplatz sein neues Weinlokal ein. Als Fan des texanischen Bluesrockers Stevie Ray Vaughn hat er sich um jemanden bemüht, der dessen Sound authentisch wiedergeben kann. Bekommen hat er die Edi Fenzl Band, die darüber hinaus ein ultimatives Hendrix-Led Zep-Cream-Brett hinlegt, das die Zuhörerschaft in Nullkommanichts in die späten 1960er beamt, ohne ihre Verwurzelung im Hier und Jetzt zu verleugnen: laut, beseelt, krachig – Sänger Edi Fenzl an der Gitarre, Florian Faltner am Bass und Jan Federer an den Drums erwecken in ihren besten Momenten (und davon gibt’s viele) den Eindruck, den Rock‘n‘Roll soeben erfunden zu haben. Nachtruhe? Vergesst es! Doch niemand regt sich auf, der Platz füllt sich, die Begeisterung ist spürbar und ansteckend. Im Anschluss werden Autogramme gegeben und den Musikern Küsschen abgerungen. Zwei Monate später spielt Fenzl im EGON mit dem Blueser Jörg Danielsen ein verhaltenes, intimes und dennoch mitreißendes Blues-Set. „Da waren zwar nicht so viele Leute wie am Herrenplatz, aber die, die da waren, haben eine Stimmung gemacht wie bei einem Großkonzert“, berichtet Hanna Partaj, Fotografin und guter Geist des EGON. Zeit, sich mit der Person Fenzl ein wenig auseinanderzusetzen.

Raczkövi im Blue Tomato Der Weg führt den Schreiber dieser Zeilen ins legendäre Wiener Jazzlokal Blue Tomato, wo er Fenzl sowie Jan Federer, den Drummer, trifft. „Eigentlich hatte ich ja den Nachnamen Raczkövi“, erklärt Fenzl. „Seit Juni heiße ich ‚Fenzl‘, da ich vor meiner Heirat meinen Namen ändern ließ. ‚Fenzl‘ kommt von meiner früheren Band Fenzl Experience, welche sich wiederum nach der Fenzlgasse in Wien benannt hatte, in der ich und einige der Bandmitglieder schon seit Ewigkeiten leben.“ Leichter auszusprechen ist‘s sowieso.

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„Hendrix hat mich echt aus der Bahn geworfen.“

„In meiner Jugend wollte ich Skateboard-Profi werden“, erinnert er sich. Bad Religion oder Metallica waren die Helden der Stunde. Doch dann sah er noch als Schüler „Hendrix in Woodstock“. Und alles wurde anders: „Hendrix hat mich echt aus der Bahn geworfen.“ Und über seinen Vater, selbst Jazzmusiker, lernte er Blues und Country kennen. Mit 14 erhielt er seine erste Gitarre, „dennoch fange ich erst jetzt – mit 40 – langsam an, von der Musik zu leben.“ Fenzl, der gerade einmal wie ein Frühdreißiger aussieht und im Privatleben übrigens keine Blume am Hut trägt, hat eine Lehre als Feinmechaniker abgeschlossen, war auf der Modeschule Hetzendorf und hat nach eigenen Angaben nie eine Musikschule oder gar ein Konservatorium besucht: „Learning by doing – Noten lesen kann ich immer noch nicht.“ Im Gegensatz dazu weist Drummer Federer, der vom Jazzkonservatorium kommt, einen völlig anderen – akademischen – Background auf, was das aktuelle Projekt Edi Fenzl Band aber umso spannender macht. Are you experienced 1995, als die Fenzl Experience gegründet wurde („zu Beginn als Sextett und dann zum Trio gesundgeschrumpft“), spielte man ausschließlich Coverversions. „Dann habe ich die Biografie von Keith Richards gelesen – und besonders die Passage, als Jagger und er von ihrem Manager in der Küche eingesperrt wurden, um eigene Songs zu schreiben, hat mich ziemlich beeindruckt.“ Er grinst. Bei ihnen ging‘s ohne Gefangennahme ab; stattdessen zog man sich „mit Bier und Whisky“ in den Proberaum zurück und begann, eigenes Material zu schreiben. „Am Anfang haben wir hauptsächlich Musik gemacht, um Mädchen zu beeindrucken“, gibt Fenzl zu. Rock‘n‘Roll Lifestyle halt.

Über die Jahre erspielte sich die Experience einen Ruf als mitreißende Liveband. Vor drei Jahren wurde auch ihre erste CD veröffentlicht – „und dann starb unser damaliger Bassist.“ Ein menschlicher und auch künstlerischer Rückschlag. Kurz sah es so aus, als wäre das Kapitel Musik für Fenzl und Co. beendet. Doch dann kam die Einladung zur Blues Challenge nach Riga. „Ich wollte wieder spielen, sozusagen als Therapie!“ So formierte sich die Edi Fenzl Band. The hippie Hippiewestern „Hippiewestern“ nennt er den Stil der Band. Was das sei? „Blues und Rock und Americana ist gleich Hippiewestern“, erklärt Fenzl, der den Begriff Bluesrock nicht so toll findet. Ein Stil, den übrigens auch die österreichischen Ableger der Hell‘s Angels schätzten, vor denen die Band regelmäßig spielt. Generell verfüge er über ein recht gemischtes Publikum: „Mit der Experience sprachen wir eher gehobenes Alter an. Jetzt haben wir auch Jugend, die auszuckt.“ Basis sei der Blues. Was für ihn Blues im Grunde bedeutet? Fenzl, der im zivilen Leben verheiratet und glücklicher Vater einer Tochter ist, denkt kurz nach und meint dann: „Alles. Lustig, traurig, ja, letztendlich alles.“ Wie denn die Zukunft der Edi Fenzl Band aussehen könnte, frage ich. „Auf der Bühne an der Gitarre“, so Fenzl. „Hoffentlich macht‘s in fünf Jahren immer noch soviel Spaß und wir sind noch zusammen“, meint Federer. „Fixkosten reinkriegen wär‘ schon einmal nicht schlecht.“ Fenzl. „Ein bissl mehr improvisieren tät‘ auch nichts schaden.“ Federer. „Wir werden ‚on the road‘ sein!“ Fenzls Blicke leuchten richtiggehend, beseelt vom Rock‘n‘Roll-Traum. „Oida na geh!“ Federer verdreht die Augen. Einer muss der Pragmatiker sein. www.edifenzl.com MFG 11.15

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MFG SZENE

Drei berühmt-berüchtigte Buben

Seit mittlerweile fünf Jahren, genauer gesagt seit März 2010, treiben drei junge Musiker ihr Unwesen auf den Bühnen der Stadt und darüber hinaus. Die Band nennt sich Infamous und liefert uns 90erJahre Rockmusik, von Grunge bis Punk.

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ie drei Herren, allesamt im besten Alter, hinter Infamous sind Max, Jonny und Phil. „Max, unser Bassist, studierte Jazz-Bass und jetzt Physik. Außerdem spielt er bei der St. Pöltner Band „Sweet Swing Coffee“ und hat eine Vorliebe für Groupies in Star Wars Kostümen. Phil, der Gitarrist und Sänger, arbeitet und lebt mit Weingläsern. Nebenbei studiert er Musikkomposition und Tontechnik. Schlagzeuger Jonny hingegen macht nichts. Manchmal auch gar nichts“, scherzen die drei. Begonnen hat alles – wie die Geschichte vieler Bands der Stadt – im BORG St. Pölten, das die drei gemeinsam besuchten. „Wir haben uns durch Zufall einen Klassenraum geteilt und uns immer besser kennengelernt und bald darauf beschlossen, einmal zu jammen“, erzählen sie. Eines führte zum anderen und so war im März 2010 Infamous gegründet. Auch der Name war relativ schnell bei der Hand, musste doch bereits drei Wochen nach Bandgründung die Promotion des ersten Gigs starten. Kein leichtes Unterfangen ohne einen klingenden Namen. Nach einer dreistündigen Telefonkonferenz hat man sich schließlich 70

für Infamous entschieden. „Die Bedeutung des Wortes war ursprünglich für die Namensfindung unwichtig, doch wir wussten, dass es sowohl ‚berühmt-berüchtigt‘, als auch ‚beschissen‘ heißen kann“. Eine stark konträre Übersetzung also für ein und dasselbe Wort, was den Hörern die Möglichkeit offen lässt, selbst zu entscheiden, welche Übersetzung man als die richtige ansehen möchte. Musikalisch lässt man den Zuhörern jedoch keinen Interpretationsspielraum. Geboten wird klassische 90er Jahre Rockmusik. Von Grunge bis Punk ist alles dabei, was auch damals durch die Gehörgänge fegte. Die Musik von Infamous kann dabei laut und aggressiv sein, aber gleichzeitig auch in eine emotionale und melancholische Stimmung verfallen. All das lässt sich in den musikalischen Vorbildern erkennen: Für die Band zählen dazu natürlich all die Größen der Genres, wie beispielsweise Nirvana oder Blink-182. „Grunge würde es ohne Nirvana nicht geben. Blink-182 hat uns, als Punkgröße der 90er, vor allem in unserer Kindheit geprägt. Diese zählen wir im Kollektiv zu unseren größten Einflüssen.“ Abgesehen davon hat na-


TEXT: Michael Reibnagel | Fotos: Valentin Reiter, Phillip Neuhauser & Jonathan Idinger, Mariella Schlossnagl

türlich jeder der drei seine ganz eigenen Vorbilder. Schlagzeuger Jonny sieht zum Beispiel, neben den Drummern Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters, Queens Of The Stone Age, und viele mehr) und Travis Barker (Blink-182, Box Car Racer, +44,…) noch den Skater Rodney Mullen als sein Idol an. Gitarrist und Sänger Phil prägen vor allem Layne Staley (Alice In Chains, Mad Season) und Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour) und außerdem verfolgt er mit großer Aufmerksamkeit aktuelle österreichische Bands und Musiker. Bassist Max Heroen sind Flea (Red Hot Chili Peppers) und James Jamerson. Außerdem lässt er sich von den Werken Quentin Tarentinos inspirieren.

Metalband „Bionicle Bastards“ sowie die Kremser PopRock Band „Amalea“ ein Stelldichein geben. Schaut man sich dieses Line Up an, erkennt man, dass sich INFAMOUS gerne mit Bands anderer Genres die Bühnen teilen. Da verwundert es nicht, dass man einiges Gutes über die österreichische Musikszene zu sagen hat: „Man kann kaum positiver über die aktuellen Ereignisse der österreichischen Musikszene denken, wenn man sich Bilderbuch und Wanda anhört. Leider zählen die zwei bis jetzt als Ausnahmen, was den kommerziellen Erfolg, national wie international, angeht“, so Phil. Auch über die heimische Szene macht man sich so seine Gedanken: „Es gibt sehr viele gute Künstler und Indigo Musiker, auch in St. Pölten, die mehr AufDoch nun genug der Hintergründe. In merksamkeit verdienen würden. Für junge den fünf Jahren seit der Gründung haben Bands aber ist es in St. Pölten besonders Infamous, wie sollte es anders sein, schon schwer sich einen Namen zu machen, weil einiges geschafft und erlebt. Nach der Verdie Kontakte für mehr und größere Mögöffentlichung des Demoalbums „Let’s Go“ lichkeiten fehlen. Gerade deshalb gehen 2011, nahm die Band beim Local Heroes viele nach Wien und versuchen dort ihr Indigo. 2014 erschien das DebuBandcontest teil. Nachdem man sowohl in talbum von Infamous. Glück, was der Musikszene in St. Pölten St. Pölten, als auch zweimal in der Arena nicht mehr hilft. Gute Musiker gibt es hier Wien überzeugen konnte, spielte man sich bis ins Ostdennoch zu Genüge.“ österreichfinale des Wettbewerbs. Aus privaten Gründen Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und Lust wurde es dann eher ruhig um die Band und man konzenauf eine gehörige Portion 90er Jahre Rockmusik bekomtrierte sich ganz auf das Schreiben neuer Songs. Im Mai men hat, sollte auf jeden Fall mal auf www.infamous2014 erschien schließlich – worauf die Band besonders music.at vorbeischauen, wo man unter anderem Indigo stolz ist – das Debütalbum „Indigo“. „Es steckt schon viel kaufen und sich Buddy anschauen kann. Natürlich dürfen Arbeit dahinter, die uns im Endeffekt sehr zufrieden stimauch alle relevanten News nicht fehlen. Der Besuch eines men konnte“, so Sänger Phil. Infamous Konzerts sei auch jedem ans Herz gelegt. VielDem Albumrelease folgte, was ja heute schon zum guleicht sogar gleich im Dezember. ten Ton gehört, eine kleine selbstorganisierte Tour durch Österreich. Nach einem der eher seltenen Unplugged Gigs im St. Pöltner BarRock, beehrte man auch Wien und Salzburg. Außerdem konnte man im Zuge der Tour auch erste „Auslandserfahrungen“ in Passau sammeln. Die Veröffentlichung des Videos zum Song „Buddy“, der ebenfalls auf Indigo zu finden ist, brachte dann erste mediale Erfolge mit sich, wurde es doch mehrfach auf GoTV gesendet. Doch nicht nur das Video durfte bestaunt werden, sondern auch das dazugehörige Interview. Aber auch im Hörfunk kommt man um INFAMOUS nicht herum, waren die drei beispielsweise unter anderem auch schon bei Campus & City Radio 94.4 zu Gast. Dass man da natürlich nicht aufhören darf, ist klar. Derzeit konzentrieren sich INFAMOUS auf das Schreiben neuer Songs, eine Tour ist in nächster Zeit nicht geplant. Jedoch kann man die drei Rocker unter anderem am 12. Dezember im St. Pöltner frei:raum bewundern, wo es vielleicht sogar schon neues Material zu hören gibt. Dabei wird es sich nicht um ein einfaches Konzert handeln, sondern man kann das Ganze vielmehr als Eintagesfestival betrachten. Gemeinsam mit INFAMOUS, die Headliner sind, werden sich z.B. auch ihre Freunde, die Ollersbacher Progressive Metalband „Mind Expanded“, die Loosdorfer MFG 11.15

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MFG SPORT

Wooo!man-Weeks – Männer müssen Leider draussen bleiben „Camp dich fit“ heißt das Motto der neu geschaffenen Sportcamps für Frauen. Männer müssen draußen bleiben. Nur Vadim Garbuzov und Erwin Dokter dürfen rein, für die Tanz- und SchwimmBetreung. Ums Tennis kümmert sich die ehemalige St. Pöltner Spitzenspielerin Petra Schwarz.

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ellness? Ja, klar. Shoppen? Ja, sicher. Sporteln? Vielleicht mit Dancing Star Vadim Garbuzov, Tennis-Ass Petra Schwarz oder Schwimm-Star Erwin Dokter – das ist jetzt für alle Frauen möglich. „Chill & Drill“ heißt das Motto der vom St. Pöltner Ehepaar Petra und Christoph Schwarz ins Leben gerufenen „wooo!man weeks“Sportcamps. „Männer organisieren sich ihre Sporturlaube sehr leicht. Bei den Frauen gibt’s manchmal vielleicht eine Hemmschwelle, zu wenig 72

Interessierte im Freundeskreis, oder die Frauen nehmen sich schlicht zu wenig Zeit für sich selbst“, erklärt Petra Schwarz im „Allround Tennis“ in Stattersdorf die Intention hinter den Sportcamps für Frauen. „Wir wollen die Damen mit bestausgebildeten Trainern weiterbringen, und sie sollen sich auch rundum wohl fühlen.“ Spaß und Schweiß im Geovillage Deshalb das Motto „chill und drill“. In Sardinien hat Schwarz auch das geeignete Hotel „Geovillage“ gefun-

den. „Das war gar nicht so einfach“, schildert sie, „wir brauchen ja einen Spiegelsaal fürs Tanzen, Schwimmbecken über 25 und 50 Meter und natürlich Tennisplätze.“ Ganz besonders freut sich die Organisatorin, dass sie Vadim Garbuzov, nun auch frischgebackener Weltmeister im Showdance Standard, für die Idee gewinnen konnte: „Das war eigentlich ganz einfach. Ein Anruf hat genügt, weil er von der Idee hinter der Geschichte sofort überzeugt war.“ Die Camps werden natürlich mit den


TEXT: Thomas Schöpf | Fotos: ZVG

Terminen der drei Top-Trainer abgestimmt, die nächsten finden vom 30. April bis 7. Mai und 7. Mai bis 14. Mai 2016 statt (www.wooomanweeks.com). „Die individuelle Betreuung ist uns sehr wichtig. Das heißt, wir gehen speziell auf die Wünsche ein, und wenn jemand einmal einen Tag etwas anderes machen will, ist das natürlich auch kein Problem“, so Schwarz. Die staatlich geprüfte Tennistrainerin betreut neben ihrer Arbeit bei der Bestzeit Veranstaltungs GmbH – die sich u.a. für den Ironman 70.3 Austria in St. Pölten verantwortlich zeichnet – mehrere Frauen-Hobbyspielerinnen und die Neigungsgruppen-Kids in Stattersdorf. Eine Spielerin an die Spitze zu bringen, wäre für sie „reizvoll“, ist aber für die zweifache Mutter – Nina (17) ist Schwimmerin, Sandra (14) Springreiterin – „zu zeitintensiv“. Member of Last 8 Club Schwarz selbst gewann auf der WTA-

SPORTBEGEISTERT. Petra Schwarz (am Bild

in Wimbledon) schaffte es in ihrer Profikarriere bis auf Platz 52 der Weltrangliste und erreichte 1994 das Viertelfinale bei den French Open. Der Sport ließ sie seit damals nie wieder los – ihr neuestes Projekt: Sportcamps für Frauen.

Tour (unter dem Mädchennamen Ritter) fünf Single-Turniere und zwei

Bild: GEPA Pictures

DAS NÄCHSTE HEIMSPIEL IN DER NV ARENA:

Doppel-Turniere, schaffte es bis auf Platz 52 der Weltrangliste, war 16 Mal im österreichischen Fed-CupTeam (1990 im Semifinale), nahm 1992 an den Olympischen Spielen teil und kam 1994 ins Viertelfinale der French Open. Damit gehört Schwarz auch dem elitären „Last 8 Club“ von Roland Garros an. Alle Single-Viertelfinalisten und Doppel-Halbfinalisten werden jedes Jahr zum Turnier eingeladen und erhalten beste Turnierkarten. Zwei Mal machte Schwarz davon Gebrauch. Mit einigen Spielerinnen – darunter natürlich die Österreicherinnen Barbara Schett und Barbara Schwartz – pflegt sie nach wie vor Kontakt. „Vieles auf der Tour ist sehr familiär abgelaufen, dafür hab ich außerhalb der Plätze nicht viel erlebt. Ich war sechs, sieben Mal bei den US Open in New York, aber die Freiheitsstatue habe ich nie gesehen.“ Bei ihren wooo!man-weeks, soviel steht fest, wird frau aber auch Zeit finden, das herrliche Sardinien abseits der Sportplätze zu entdecken ...

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Dez 2015 Jänner 2016

MFG 11.15

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MFG ADVERTORIAL

HAUPTSTADTBALL

MAN MUSS NICHT TANZEN, UM BÄLLE ZU LIEBEN Aber ganz ohne Bewegung schreitet wohl niemand durch eine Ballnacht. Ob Profi-Tänzer oder LaienSchunkler – das vielfältige Musik- & Unterhaltungsprogramm beim Hauptstadtball am 16. Jänner 2016 im VAZ St. Pölten lässt auch den größten Tanzmuffel nicht ruhig stehen! Walzerfreunde & Standardtänzer

Sie gehören zu den ersten, die bei den Worten „Alles Walzer“ auf die Tanzfläche stürmen? Sie erkennen zu jedem Lied sofort den richtigen Tanzstil und wechseln unbekümmert vom Langsamen Walzer zum ChaCha-Cha weiter zum Tango? Dann sind Sie bei der „Wolfgang Lindner Band“ im Hauptsaal bestens aufgehoben! Aber auch in den anderen Ballsälen warten die „Life Brothers“ und „Schikaria“ auf alle Tanzfreudigen.

„It Don‘t Mean A Thing If It Ain‘t Got That Swing“

Wer gerne zu Swing-Musik tanzen oder bei einem Glas Wein lieber nur mit dem Fuß zur Musik mitwippen möchte, für den empfiehlt sich der Sparkassen-Jazzkeller. Hier versammeln sich Blues-, Jazz- & Swingfreunde, um in entspannter Atmosphäre den Klängen von Mika Stokkinen, Tini Kainrath oder Reini Dorsch zu lauschen.

Feel The Beat!

Mit durchchoreographierten Tanzschritten haben Sie so gar nichts am Hut? Dann kommen Sie in der NÖN Disco voll auf Ihre Kosten! Rauf in den zweiten Stock und rein in den Club: Der „City Club feat. Little John“ lässt die Herzen der Fans elektronischer Musik höher schlagen! Und im Warehouse können Fans der „guten alten Musik-Zeiten“ bei „Revival Of The Good Old Times“ zu den Klassikern der 80er-Jahre abrocken – funktioniert auch im Ballkleid oder Anzug hervorragend!

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HAUPTSTADTBALL 2016

16. Jänner 2016, VAZ St. Pölten Saaleinlass: 19.30 Uhr Ballbeginn: 20.30 Uhr Ticketpreise: Erm. EUR 26,– / VVK EUR 29,– AK EUR 34,– / VIP-GOURMET-KARTE: EUR 29,– / Erm. EUR 24,– Verkaufsstellen: VAZ St. Pölten, Betriebsrat/ Landesregierung, Buchhandlung Schubert, Bürgerservicestelle Rathaus, Büro V GmbH, Sparkasse NÖ Mitte West AG (Domgasse 5 und im Zentrum am Schwaighof), Flieger Bräu, Leiner St. Pölten, Boutique Noblesse

One Night in STP

Sie möchten auch gerne die Nacht in St. Pölten verbringen? Das „All-Inclusive-Paket“ um EUR 123,– pro Person umfasst eine Nächtigung im ****Cityhotel Design & Classic mit Frühstück im Doppelzimmer/DWC sowie die gesetzliche Nächtigungstaxe, ein 3-gängiges Abendessen im Hotel-Restaurant „das GOLD’s“, Kostenloser Parkplatz beim Hotel (nach Verfügbarkeit), 1 Glas Sekt zum Empfang, Taxitransfer vom Hotel zur Ball Location – VAZ sowie Balleintritt und Tischreservierung!

Fotos: leremy - Fotolia.com

Kulinarische Highlights

Für Feinschmecker kredenzt die Gaststätte Figl, rund um Chefkoch Andi Hettegger, zahlreiche Köstlichkeiten in Haubenqualität im „Fine-Dining-Restaurant“. Mit der „VIPGourmetkarte“ genießt man feine Suppen und tolle Vorspeisen-Variationen, gefolgt von verschiedenen Salaten im Glas. Als besonderes Highlight bereiten fünf Köche vor den Augen der Gäste fünf verschiedene Hauptspeisen frisch zu! Ein weiteres Ballschmankerl sind die Burger vom „Flieger Bräu“. Und auf Naschkatzen warten süße Verführungen im Ball-Kaffehaus!


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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, Dr. Ray B. (von links nach rechts)

Catch Das Warten hat sich gelohnt. Was sich schon auf der vorigen Platte angedeutet hat, wird nun vollends umgesetzt. LoFi-Indierock gepaart mit Riot-Grrrl-Attitüde verschmelzen zu einem Bastard aus Pavement, Hole und krachigeren Sonic Youth. Punk und Chaos beherrschen das dritte Album der Wiener Band, die aber dabei nie auf die Melodien vergisst. „Catch“ ist ein dreckig funkelnder Mosaikstein der 90er, der nicht nur Chaos, sondern auch poppige gute Laune bringt.

Christoph Richter 13 Wege Abschied zu nehmen

Eigentlich habe ich Christoph Richter ja einen Verriss versprochen – weil innerhalb nur eines Jahres drei CDs herauszubringen, das geht nun wirklich nicht! Geht aber – Gott sei Dank – doch, und so entführt Richter mit „13 Wege Abschied zu nehmen“ einmal mehr mit Feingefühl und Empathie in seine klaviermusikalische (Innen-)Welt. Was der gute Mann jetzt noch braucht, ist ein Agent, der ihn auf die Konzertbühnen der Welt befördert – da gehört er nämlich hin!

ZUM SCHAUEN

Manshee, Felicitas Hueber

Ancient Mechanisms Für ihren neuen Streich haben sich LV den armenischen Tastenvirtuosen Tigran Hamasyan an Bord geholt, um gemeinsam die Schnittmengen zwischen urbaner Elektronik, Jazz und Ambient auszuloten. Einige der 14 Stücke wirken in ihrer Leichtigkeit recht vergänglich, andere wie „Infinite Spring“, „Yarimo“ oder „Ruiselede“ dürfen mehr Substanz aufbauen. Erstaunlich, wie gut das Album letztendlich funktioniert; Ideale Begleitung durch Nebelschwaden und Graupelschauer.

ROCKWELL

Please Please Please Vor Kurzem dachte ich mir: Wäre doch fein, wenn man mal wieder ein paar typische Sounds aus den 90ern aufpoliert und für aktuelle Kontexte fruchtbar macht. Die neue Single von Rockwell setzt an prominenter Stelle mit genau so einem Rave-Piano an, wie wir es von frühen Love-Parade Zeiten kennen. Let the music just take control, und so. Wo ist eigentlich Marusha? Definitiv eine erfrischende Abwechslung zur Neuro-RaggaJump­up Dominanz. Sehr zu empfehlen!

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

Retrio

La Processo de St. Bartolomeu Katalanische Volkslieder treffen auf Swing, der auch über keinerlei Berührungsängste Richtung Pop verfügt. Gleichsam als Soundtrack zur alljährlichen Festa Major im spanischen Sitges (nahe Barcelona) gelingt es dem katalanischen Kult-Jazztrio Retrio mit „La Processo de St. Bartolomeu“ den flirrenden iberischen Sommer auch an den nebligsten Herbst- und Wintertagen in unsere unterkühlten Herzen zu zaubern.

Earased Earased

Mit dem nach ihnen selbst benannten Album liefern die Wr. Neustädter Diesel-Rocker bereits ihr zweites Album ab. Wie es sich für eine ordentliche Rockplatte gehört, dröhnt Lautes und Dreckiges aus den Lautsprechern. Dabei kommt auch die Melodie nie zu kurz. Dass sich die Jungs musikalisch und gesanglich nicht vor internationalen Produktionen verstecken brauchen, ist nach den ersten Tönen klar. Kurzum: ein Album, das alles bietet, was sich Fans moderner Rockmusik wünschen.

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Irrational Man

Fallout 4 Bethesda

Der Fisch in der Streichholzschachtel Martin Amanshauser

Ein an Schreibblockade und Impotenz leidender Philosophieprofessor beginnt eine Beziehung mit einer CollegeStudentin. Als die beiden Zeugen werden, wie eine Frau sich an einem Nebentisch beklagt, dass ein Richter ihr aus niederen Gründen das Sorgerecht für ihre Kinder absprechen will, erwachen bei dem Professor längst verloren geglaubte Lebensgeister. Er plant, den Richter zu töten ...

Bethesda Game Studios, die preisgekrönten Macher von Fallout 3 und The Elder Scrolls V: Skyrim, heißen euch in der Welt von Fallout 4 willkommen – ihrem bisher ambitioniertesten Spiel. Als einziger Überlebender von Vault 111 betritt man eine durch den Atomkrieg vernichtete Welt. Jede Sekunde ist ein Kampf ums Überleben und nur DU kannst diese Welt wieder aufbauen und das Schicksal des Ödlands bestimmen.

Eine Kreuzfahrt in der Karibik: Ödes Rahmenprogramm, pubertierender Nachwuchs sowie eine mitreisende verflossene Liebschaft erschweren das Ansinnen, im Urlaub eine Ehekrise zu kurieren. Unerwartet trifft der moderne Luxusliner auf ein Piratenschiff aus dem 18. Jahrhundert. Ein kurioses Aufeinandertreffen zweier Welten auf hoher See, die einander ungläubig bestaunen. Skurril, zum Schmunzeln!

Bridge Of Spies

Star Wars Battlefront

Sungs Laden

Meister-Regisseur Steven Spielberg liefert mit „Bridge Of Spies – Der Unterhändler“ einen packenden Politthriller um einen US-Anwalt (Tom Hanks), der die Freilassung eines in der Sowjetunion verhafteten US-Piloten während des Kalten Kriegs organisieren soll. Eine meisterhaft inszenierte und gespielte Mischung aus Gerichtsdrama und Kalter-Kriegs-Thriller aus der Feder der Coen Brüder.

Der Online Shooter bietet Multiplayer-Modi für bis zu 40 Spieler und kombiniert epische Action mit Nachbildungen einiger der bekanntesten Planeten, Waffen, Charaktere und Transportmittel des Star Wars-Universums. Trotzdem: Finger vom Game lassen, denn die Firmenpolitik von EA, bei der ein sehr abgespecktes Game mit maximal 11 Waffen ohne Modifikationen zum Vollpreis verkauft wird, darf nicht unterstützt werden.

Die Kinder in Minhs Klasse kommen aus vielen Ländern, und bei einem Fest sollen alle einen typischen Gegenstand ihrer Heimat vorstellen. Minhs Großmutter holt eine vietnamesische Holzpuppe hervor und wird damit zum Star des Abends. Die Puppe erzählt von den vietnamesischen Arbeiterinnen in der DDR, berührt die Menschen und bringt unglaubliche Veränderungen nach Berlin.

Woody Allen

Steven Spielberg

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Electronic Arts (EA)

Karin Kalisa

Fotos: zVg

LV

Sex Jams


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

CIRQUE ROUGE – BURLESQUE & CABARET „A Night on the Orient Express“ entführt die Besucher auf eine dekadente, glamouröse und exotische Reise in den Orient Express. Die Künstler führen durch eine atemberaubende Nacht, von Paris bis hin nach Istanbul. Eine märchenhafte Geschichte aus Burlesque, Akrobatik, Gesang und Zauber des Cirque Rouge, präsentiert von den international gefragten Tänzerinnen Lada Redstar und Vicky Butterfly sowie der Burlesque-Tänzerin Kalinka Kalaschnikow und dem Akrobatik Künstler Carlo Josef. 11. Dezember 2015



AB 27.11. Ungeduld des Herzens

AB 28.11. Kriegsschauplatz NÖ

03.12.

BLUATSCHINK

05.12. Philipp Griessler & BAND

Edith, die an den Rollstuhl gefesselt ist, verliebt sich in Anton, dieser empfindet jedoch nur Mitleid für sie, verschweigt ihr jedoch seine wahren Gefühle … In seiner Theaterfassung von Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“ verdichtet der Dramatiker und Regisseur Thomas Jonigk das historische Panorama des Romans zu einem psychologischen Kammerspiel.

Siebzig Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Der Blick zurück, den die Ausstellung macht, zeigt deren Auswirkungen und enthüllt deren erschreckende Entwicklung: Der Kampf Mann gegen Mann wurde mehr und mehr durch eine anonymisierte Tötungsmaschinerie ersetzt, der immer größere Teile der Zivilbevölkerung zum Opfer fielen.

B l u a t s c h i n k- M a s termind Toni Knittel verfolgt die Idee schon seit vielen Jahren – nun hat die Tiroler Band eine komplett neue Band-Variante auf die Bühne gebracht: „BLUATSCHINK-AUFSTRICH“ – das bedeutet Bluatschink & Streichquartett! Viele neue Lieder und einige der größten Bluatschink-Hits werden in dieser neuen Variante im VAZ zu hören sein.

„A bezaubernder Moment gibt mir Kraft scheinbar ohne End´…“ Diese Textzeile im Titelsong von Philipp Griesslers Debutalbum ist gleichzeitig sein Lebensmotto. Durch präzise Wortwahl und kraftvolle Zwischentöne setzt sich der Liedermacher in Mundart mit seiner Umgebung und Umwelt auseinander und kratzt einfühlsam an der Kruste des Alltags.

THEATER

LANDESTHEATER

13.12.

Zügig um die Welt

Zahlreiche Komponisten waren begeistert von Dampflokomotiven, Schnellzügen und U-Bahnen und ließen sich zu hinreißenden Kompositionen inspirieren, in denen es rattert, faucht und tutet. In dem von Axel Petri-Preis moderierten Konzert für die ganze Familie unternehmen die Besucher eine Reise durch unterschiedliche Zeiten und Länder FAMILIENKONZERT

26.12.

FESTSPIELHAUS

Howling Wuif PROJECT

Das von Bandleader Wolfgang Maria Gran gegründete „Howling Wuif Project“ hat seine erste CD „Gspusi mitn Teufl“ aufgenommen und präsentiert im EGON sämtliche Songs des brandneuen Tonträgers – vom erdigen Blues bis hin zur wunderschönen Liebesballade. Österreichischer DialektBlues mit rockigen, souligen und jazz-funkigen Elementen! Konzert

EGON

AUSSTELLUNG

19.12.

LANDESMUSUEM

KONZERT

VAZ St. PÖLTEN

KONZERT

BARROCK

SEILER UND SPEER

Charakteristisch für die Songs des Duos rund um Komiker und Schauspieler Christopher Seiler sowie Filmemacher Bernhard Speer sind lebensnahe Texte, die verschiedene Alltagssituationen karikieren. So glänzt u.a. ihre Single „Ham Kummst“ mit österreichischem Schmäh, und der ein oder andere Hörer kann sich selbst darin wiederfinden. KONZERT

27.12.

VAZ ST. PÖLTEN

Kollegium Kalksburg

Seit 1996 singen & musizieren die drei Jazzmusiker Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang V. Wizlsperger ausschließlich Original Wienerlieder in 1a Prima Qualität. Gezupft wird eine Kontragitarre, geblasen ein Kamm, gezogen eine Harmonika, gestrichen eine Säge und jede außerwienerische Erfahrung aus dem Gedächtnis. (Wein spielt eine große Rolle!) konzert

Vinzenz Pauli

MFG 11.15

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Reich(l)ebners Panoptikum

Sodom und GomorrHA im Mittelalter. Wie Forscher der MedUni Wien herausgefunden haben, hat nicht – wie bislang angenommen – Christoph Columbus die Syphilis aus Amerika eingeschleppt, sondern sie war bereits in Europa verbreitet – zumindest in St. Pölten. Hier ausgegrabene Skelette aus dem14. Jahrhundert – also lange vor Columbus Expedition 1492 – weisen nämlich morphologische Spuren der Krankheit auf. Mutmaßungen, demnach Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel der Ältere für ihre Figurenwelt die sündige niederösterreichische Stadt zum Vorbild gehabt haben sollen, konnten bislang nicht bestätigt werden. Es könnte sich auch um Werke des heimischen Malers Andreas Reichebnus der Jüngere handeln ...

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SCHÖNES

Foto: Patrizia Tilly - Fotolia.com

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Für genauere Informationen steht Ihnen unsere Mitarbeiterin Frau Bettina Hoheneder während unserer Bürozeiten unter der Tel.Nr.: 02742/77 288 DW 14 gerne zur Verfügung.

AKTUELLE Wohnhausanlagen • St. Pölten – Stattersdorf, Valkastraße (Doppelhäuser) HWB-ref=25 kWh/m²a, fGEE=0,7 • St. Pölten-Süd – Karl Pfeffer-Gasse (Junges Wohnen) HWB-ref=25 kWh/m²a, fGEE=0,7 • St. Pölten-Süd – Handel-Mazzetti Straße Doppel- und Reihenhäuser HWB-ref=30 kWh/m²a Niedrigenergiewohnungen HWB-ref=20 kWh/m²a • St. Georgen – Wiesenfeldstraße (Wohnungen) HWB-ref=25 kWh/m²a, fGEE=0,7 • Preiswerte Altwohnungen in Bestlagen Weitere Projekte finden Sie unter www.wohnungsgen.at

Schlüsselübergabe St. Pölten-Viehofen, Tauschergasse, V.l.: Obmann Willi Gelb, Bgm. Mag. Matthias Stadler, Frau Marouschek, Hr. Punz, LHStv. Mag. Wolfgang Sobotka. HWB-ref =27 kWh/m²a, fGEE 0,7

Allgemeine gemeinnützige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT e.Gen.m.b.H. in St.Pölten

Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

Tel.: 02742/77288-0 Fax: 02742/73458 wohnungsberatung@wohnungsgen.at www.wohnungsgen.at

Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

MFG - Das Magazin / Ausgabe 56  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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