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MFG EDITORIAL

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht ... von Johannes Reichl

Das waren keine leichten Wochen für St. Pölten! Zuerst war da der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch, der im Zuge der Präsentation der neuen Landesgalerie Krems, die vom Land Niederösterreich in Zeiten eines ausgerufenen Sparkurses (ja, selbst dort gibt’s das neuerdings – jetzt wird’s wirklich kritisch!) um läppische 35 Millionen Euro errichtet wird, vollmundig meinte, dass Krems damit zur offiziellen Kulturhauptstadt wird. „Wie? Wos?“, fragte da der St. Pöltner Intellektuelle irritiert „oba des san doch wir!“ Noch dazu wo ihm die politischen Landeswürdenträger und Landeskulturbeamten immer treuherzig versichert hatten, dass die Absiedlung der Kunstsektion des Landesmuseums von St. Pölten nach Krems ja bei gleichzeitiger Etablierung eines Hauses der Geschichte in der Hauptstadt selbiger „einen großen Nutzen und eine enorme Aufwertung bringen“ wird. Als nächstes holte der neue Wiener Neustädter Bürgermeister Klaus Schneeberger gegen St. Pölten aus, der – was freilich schon hart an der Grenze zum Humoristischen lag – im Brustton meinte, dass Wiener Neustadt die einzige urbane Stadt Niederösterreichs sei. Nix da St. Pölten oder andere! Nicht einmal vielleicht. NUR Wiener Neustadt. Dass dies just aus dem Mund eines Mannes kam, der seit Jahren als ÖVP Klubobmann im NÖ Landtag, also mitten in St. Pölten tätig ist, überraschte dann doch, erklärt sich aber wohl damit, dass der Herr Bürgermeister in all der Zeit noch nie seinen Horizont über die Grenzen des Regierungsviertels hinaus in die restliche Stadt erweitern konnte. Da hätte er schöne Augen gemacht, wie urbans da abläuft! Na Hallo! Dann war da noch die Sache mit Autorin Vea Kaiser, also eigentlich eher jene mit dem ORF, der – wie sich die Autorin sicher riesig freute – seinen ersten Beitrag über ihren neuen Roman „Makarionissi“ mit „Keine Gnade für St. Pölten“ titelte und lieber darüber sprach, warum sich ihre Hauptfigur darin verstieg von „rosabäckigen, dicklichen und oft miserabel gekleideten St. Pöltnern, die aussahen, als wären sie gerade erst aus dem Stalldienst entlassen worden“ zu reden, anstatt von Literatur.

„Also, sowas auch, so eine Frechheit“, raunten da die urbanen Kulturhauptstädter (also jetzt die St. Pöltner, nicht die Kremser!) aufgebracht und eilten sofort nach Hause, um den Sitz ihres schneidigen City-Outfits vor dem Spiegel zu überprüfen. Trotzdem sollen am folgenden Tag so viele Anzug- und Abendkleidträger wie noch nie in St. Pölten gesichtet worden sein – mitten am Vormittag – und nur bei manchen blitzten noch die Gummistiefel hervor. Konnte das Stadtoberhaupt all diese Sticheleien, ja Lappalien noch mit stoischer Ruhe und einer „da steh ich gelassen drüber“-Attitüde wegwischen, fiel ihm das bei einer aktuellen Studie über die Markenstärke St. Pöltens schon schwerer – die fußt nämlich auf schnöden Zahlen und verwies St. Pölten auf den 21. von 23 Plätzen. Aber das konnte doch nicht sein, wen hatte man denn da bitteschön befragt – Resch und Schneeberger? Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, zog das Stadtoberhaupt die Studie ganz einfach in Zweifel, und die Pressestelle hatte auch schnell den wahren Missetäter parat: Die bösen Medien, weil die bitteschön viel zu wenig über die Herrlichkeiten St. Pöltens berichten. Als gelernter St. Pöltner atmet man ob dieser weltmännsichen Reaktion erleichtert auf, und völlige Entwarnung kam dann am 31. Mai, als die immer noch von den Medien mit St. Pölten dauerpenetrierte Vea Kaiser im ORF Interview klarstellte. „Ich glaube, dass jeder, der das Buch liest, ganz genau merkt, dass St. Pölten nicht schlecht wegkommt, sondern dass es eigentlich stellenweise sogar eine Liebeserklärung an St. Pölten ist.“ Da leuchteten unsere Augerl auf und manch Backerl zog wieder ein bisserl rosa Farbe auf. Wir werden ja doch geliebt! Irgendwie ... Is ja eh alles super! Aber halt, liebe St. Pöltner. So einfach dürft ihr es euch auch wieder nicht machen! Ihr solltet euch schon die Frage stellen, wie das so ist mit Selbstund Fremdwahrnehmung. Und sich verbessern ist ja schließlich auch nicht verboten, ein paar Etzis von außen könntet ihr euch schon holen – von Krems und Wiener Neustadt zum Beispiel, weil man soll schließlich von den Besten lernen.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Dominik Leitner, Siegrid Mayer, Michael Müllner, Siegfried Nasko, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Dominik Leitner, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Felicitas Hueber, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Johannes Reichl, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Coverfoto: Josef Bollwein, Werner Jäger, de Souza, Josef Vorlaufer, patila fotolia. Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT

Urban 6

KULTUR 40

SZENE 60

SPORT 76

8 im letzten eck – STP‘s IMAGE 12 BGM MATTHIAS STADLER 18 st. pölten 1945 22 Kommt Zeit, kommt Rat 24 Gar nicht lustig 32 BILDUNG – Sekundarstufe I

KULTUR 42 48

FELIx Teiretzbacher Am liebsten nackt – E. RIEBLER

52 Um zu verstehen – A. KERN 56 lang lebe das Kino – HUEBER

SZENE

62 Erwin von Maria Seedose 68 MONDSCHEINBASAR – R. GROISS 74 YES WE CANNES

SPORT 76 80

Open House

Der Lauf seines Leben neues Duo für den SKN

15

18./19. 09. 20

Eintritt Premieren Auswahl frei! William Shakespeare Ein Sommernachtstraum Regie: Sebastian Schug ab 02. 10. 2015

6 IN WAS FÜR EINER STADT 7 SHORTCUTS URBAN 40 SHORTCUTS KULTUR 60 SHORTCUTS SZENE 84 KRITIKEN 85 VERANSTALTUNGEN

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Spielzeit 15/16 Ab ! Molière Tartuffe Regie: Róbert Alföld ab 27. 02. 2016

........................................................................................................ ........................................................................................................... Lars Norén Liebesspiel Österreichische Erstaufführung Regie: Irmgard Lübke ab 04. 03. 2016 Oscar Wilde Ernst ist das Leben (Bunbury) ........................................................................................................ Regie: Maaike van Langen ab 10. 10. 2015 Koproduktion mit Bühne Baden ........................................................................................................... Raymond Carver Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden Österreichische Erstaufführung Regie: Alexander Charim Stefan Zweig Ungeduld des Herzens Regie: Thomas Jonigk ab

24. 4. 2015 Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Bozen

27. 11. 2015 ........................................................................................................... ........................................................................................................ Gastspiele, Lesungen, Blätterwirbel 2015, BürgerAna Zirner Flammende Reden, brennende Plätze theater, Kindertheater, Klassenzimmertheater und Uraufführung Regie: Ana Zirner ab 09. 01. 2016 ........................................................................................................... vieles mehr… Fritz Hochwälder Der Himbeerpflücker Regie:

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… in der wir nicht nur granteln, sondern auch loben dürfen. Es mag wie eine Lappalie wirken, aber wer die geschundene St. Pöltner Image-Seele kennt, der wird unseren Befund teilen. Es ist tatsächlich ein Fortschritt, den wir aus Unterradlberg verkünden dürfen! Im April wurden nämlich neue Produkte präsentiert, jedoch nicht irgendwelche Produkte, nein, es geht um unser aller Bier, das EggerBier samt neuen, feschen Gläsern. Und bei der zugehörigen Presseaussendung wurde tatsächlich angeführt, dass der Sitz des Unternehmens in „St. Pölten-Unterradlberg“ ist. Bisher ließ man die Ortsangabe „St. Pölten“ bei der Unternehmenskommunikation nämlich weg und war lieber im „niederösterreichischen Radlberg“ zuhause – nur nicht an St. Pölten anstreifen, hatte es den Anschein. Nun aber können wir hoffen, dass sich allmählich die Erkenntnis durchsetzt, dass es für Bierfreunde doch gar nicht so ungustiös wäre, wenn auf der Dose steht, dass diese in St. Pölten abgefüllt wurde. Noch steht dort freilich das malerische „Unterradlberg“.

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... in der St. Pölten quasi Salzburg werden soll, wie FP-Gemeinderat Klaus Otzelberger fordert. Freilich soll sie es Salzburg nicht in touristischer Hinsicht gleich tun, sondern in Sachen Law & Order. So fordert Otzelberger ein sektorales Bettelverbot, wie es vor Kurzem in Salzburg in Kraft getreten ist, weil das Betteln „zur Plage“ geworden ist, wie er wissen ließ. Dumm an der Sache ist nur, dass St. Pölten die Hauptstadt von Niederösterreich ist – und in diesem Bundesland ist seit 1. Jänner 2015 laut § 1a des Polizeistrafgesetzes Betteln „in aufdringlicher oder aggressiver Weise – darunter wird jede Aktivität, die über das bloße kein Hindernis bildende Sitzen oder Stehen hinausgeht verstanden – verboten.“ Jurist Otzelberger hat also zart ignoriert, dass die von ihm angeprangerte Form des Bettelns ohnedies verboten ist – und zwar generell, weshalb auch eine Forderung nach einem sektoralen Verbot obsolet ist. Ganz abgesehen davon, dass die Stadt darauf keinen Einfluss hat, weil die Materie im landesweit gültigen Polizeistrafgesetz geregelt ist.

... in der die Grünen auf den Urban Gardening Trend aufspringen wollen – mit einer kuriosen Aktion: Plötzlich verschandelten unzählige Obstkistln die Fußgängerzone. Der Inhalt: bodenbedeckte Erde, daraus lugten Salat- und Gemüsepflanzerl hervor, die dort nie „erwachsen“ hätten werden können. Und ein Zetterl: „Bitte gießen und genießen“. Das Guerilla Gardening à la St. Pölten endete allerdings im Babypflanzenmord: Der Regen verteilte das bisserl Erde auf den Gehwegen, nicht ertrunken sind nur diejenigen Stecklinge, die adoptiert, also gefladert wurden. Zurück blieben leere oder wassergefüllte Holztragerl, in denen grünes Blattwerk verfaulte. Kritik an der wenig effektiven Aktion war nicht erwünscht: Wer im sozialen Netzwerk sowas wie „gut gemeint ist das Gegenteil von gut“ von sich gab, den beschimpften die „lachanophilen“ PolitGrünen als lachanophob, also pflanzenfeindlich. Wenn so das neue „Wahlengagement“ der Grünen aussieht, sollte man die Taktik vielleicht nochmals überdenken.

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In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Mir san wer!

Hebi

NULLNUMMER

St. Pölten freut sich über eine „starke Null“ – beim Rechnungsabschluss 2014 fiel das Ergebnis besser aus als zuvor budgetiert. Hauptverantwortlich war der Erfolg vor dem Verfassungsgerichtshof im Streit mit dem Land über die Höhe des Krankenhausbeitrags. Hier erhielt St. Pölten 35 Millionen zuviel bezahlter Beiträge zurück, großteils wurden damit Schulden getilgt, womit der Gesamtschuldenstand um rund ein Drittel auf 78,6 Millionen Euro gesenkt wurde. Die Gesamtrücklagen, großteils zweckgebunden für Schuldentilgungen, betragen stolze 46,5 Millionen. Hausgemacht war der Erfolg dank konservativer Budgetierung: niedrige Einnahmen (die dann doch höher ausfallen) und hohe Ausgaben, die dann doch niedriger sind, etwa weil der milde Winter wenig Überstunden nötig machte. Die Einsparungen beim Personalaufwand – mit gut 58 Millionen Euro pro Jahr die größte Position – wirken über Jahre hinweg. Den Spielraum hat man bereits wieder investiert, etwa in eine Photovoltaikanlage oder einen Salzsilo – was sich nachhaltig rechnen soll.

GRÜNRAUM VS. WOHNBAU Während vielfach schon vom „Baummord“ gesprochen wird, wenn man die Hölzer nur schief anblickt und sie am liebsten stehen lassen würde, selbst bei Gefahr im Verzug, ging die Ankündigung, dass eine der letzten

großen Grünflächen der Innentstadt im sogenannten Turek-Hof verbaut werden soll, fast unter. Nur einzelne wunderten sich, dass dort 60 Wohnungen umgesetzt werden sollen: „Wie geht sich das aus?!“ Deren Befürchtungen nach Willkür zerstreut jetzt Stadtplanungschef Jens de Buck. „Wir haben vor einigen Jahren einen Innenstadtbebauungsplan erarbeitet, der auch die Höfesstruktur berücksichtigt. Das ist die rechtskräfige Grundlage, und diese Bebauungsbestimmungen müssen natürlich eingehalten werden.“ Nach einer ersten Vorbesprechung mit den Projektverantwortlichen vor einigen Wochen habe man derweil aber nichts mehr gehört, „was verwundert, weil es noch an vielen Ecken geklemmt hat.“

Krems sei die „Kulturhauptstadt“ Niederösterreichs, rief kürzlich dessen neuer roter Bürgermeister alle Landesbürger zur Ordnung. Den neuen schwarzen Bürgermeister von Wiener Neustadt ließ das nicht ruhen: Seine Stadt sei „die urbanste“ im ganzen Land. Absolut bischofslos, nennen beide trotzdem jeweils einen Dom ihr Eigen – den „Dom der Wachau“ bzw. jenen ehemaligen, seit Josef II in Ungnaden. Und dass Baden mit seiner Bühne die „Theaterstadt“ schlechthin – jedenfalls mit Abstand vor dem dreibühnigen St. Pölten – sei, das lassen sich Operettenafficionados auch nicht nehmen. Boris Pasternak war nach dem Krieg deshalb dort Kulturoffizier! Und jetzt das jüngste internationale Stadtmarken-Ranking hinsichtlich Einzigartigkeit, bei dem St. Pölten unter den 23 größten österreichischen Kommunen den 21. Platz belegt. Dahinter nur mehr Wels (trotz vier Viersternhotels gegen eins) und Wolfsberg (trotz deutlich besserer Ballesterer). Da hilft den Traisentalern nicht das Herumwacheln mit ihrem etwas wackeligen „ältesten Stadtrecht Österreichs“, die Neustädter waren schließlich viele Jahre eine echte Kaiserstadt und die Kremser eine Supergau-Hauptstadt. Ein Vorschlag, Freunde: Lasset uns doch abschwören dem kleinkarierten Lokalchauvinismus! Schlagen wir es uns aus dem Kopf, mündigen Bürgerinnen und Bürgern vorschreiben zu wollen, dass sie auf ihre Stadt stolz zu sein, sie hochbedeutend und vor allem urgemütlich zu finden haben. Denn Hinz und Kunz halten es ohnehin mit Karl Kraus, der schon vor 100 Jahren lakonisch zu wissen gab: „Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll: Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung, Warmwasserleitung. Gemütlich bin ich selbst“.

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Im letzten Eck Sankt Pölten und das Image – das war noch nie eine Lovestory. Nun zeigt eine repräsentative Studie schonungslos, wie wenig die Österreicher von ihrer jüngsten Landeshauptstadt halten. Doch mit etwas Sachlichkeit lässt sich vielleicht auch aus diesem Bauchfleck etwas Gutes ableiten. Andere Städte zeigen es vor.

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it Rankings ist es ja immer so eine Sache. Seit dem diesjährigen Songcontest wissen wir, dass auch ein noch so schönes Lied und eine noch so perfekte Gastgeber-Rolle nicht vor einer Platzierung als Vorletzter schützen. Auch St. Pölten musste jüngst ein bescheidenes Ergebnis einstecken. Der „Brandmeyer Stadtmarken-Monitor“ hat sich die zwanzig größten Städte Österreichs plus Eisenstadt, Kufstein und Hallein genau angesehen. 2031 Befragte stehen repräsentativ für die deutschsprachige 8

Bevölkerung in Österreich ab 18 Jahren. Erhoben wurde die Markenstärke der Städte, abgestimmt auch nach Altersgruppen und nach einzelnen Dimensionen wie etwa „Guter Ruf“, „Einzigartigkeit“ oder „Zuzugsbereitschaft“. Neben Aspekten der Markenstärke wurden auch die Facetten der Attraktivität einer Stadt genau erhoben. Verbinden die Leute mit einer Stadt Lebensqualität, wirtschaftliche Stärke, eine attraktive Innenstadt oder hohe Attraktivität für Familien? Fragen, die für Stadtverantwortliche interes-

sante Rückschlüsse zulassen – sofern man sie ernst nimmt. Unterm Strich lag St. Pölten mit Wiener Neustadt und Wolfsberg auf dem vorletzten Platz, nur Wels schnitt schwächer ab. Krems und Baden lagen deutlich besser als St. Pölten (siehe Grafik oben). Stärken kennen Studienautor Bernhard Klein war vor seiner Stadtmarketing-Beratertätigkeit für den Wien-Tourismus verantwortlich. Dabei erkannte er, dass man Touristen das bieten muss, was sie sich von einer Stadt erwarten:


TEXT: Michael Müllner | Fotos: Shockfactor.de - Fotolia.com, Bernhard Klein, Brandmeyer Markenberatung

„Es wäre etwa völlig falsch gewesen, wenn wir mit Gewalt versucht hätten Wien die Attribute ‚chic’ oder ‚trendy’ aufzudrücken. Wien-Touristen wollen imperiales Erbe und Kultur genießen. Genau diese Stärken muss man mit richtiger Markenpositionierung verstärken“, so Klein. Doch dafür muss man seine Stärken halt erst mal kennen. Grundlage dafür ist oft eine wissenschaftlich fundierte, repräsentative Umfrage. Marktforschung also, eine Dienstleistung, die Klein anbietet. Was hinter vorgehaltener Hand für kritische Fragen im St. Pöltner Rathaus gesorgt hat: Wir sind kein Kunde, folglich schneiden wir schlecht ab. Klein kennt das: „Das ist die normale Reaktion. Wenn eine Stadt gut abschneidet, schmücken sich die Verantwortlichen. Bei bescheidenen Ergebnissen hinterfragt man die Studie und ihre Sinnhaftigkeit. Dabei können wir mit diesem Monitor beweisen, dass er eben repräsentativ ist.“ So wurde die statistische Auswertung von einem der profiliertesten Statistikern Deutschlands vorgenommen, die Daten sind also tatsächlich repräsentativ. Es gibt auch Erfolgsbeispiele für Städte. So hat sich Hamburg als eine der ersten deutschen Städte ganz der Markentechnik verschrieben und die ganze Vermarktung konsequent nach den Analyseergebnissen ausgerichtet. Das Resultat sind steigende Imagewerte und Besucherzahlen. „In Lübeck dachten die Verantwortlichen immer, dass die Stadt für Marzipan steht, tatsächlich ist Lübecker Marzipan zwar sehr bekannt, aber nicht der Grund, warum Menschen dorthin fahren“, führt Klein aus. Kommunikation umstellen Doch man muss gar nicht nach Deutschland fahren, es reichen schon 60 Kilometer bis nach Baden bei Wien. Tourismusleiter Klaus Lorenz berichtet, dass sich die Stadt im Som-

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mer 2014 auf eine fundierte Analyse, betreut durch Bernhard Klein, eingelassen hat. Dabei wurden zur Hälfte die Einwohner der Stadt und zu je einem Viertel Tages- und Nächtigungsgäste befragt. Lorenz haben die Ergebnisse zum Teil sehr überrascht: „Wir haben erfahren, dass die Infrastruktur wie etwa das Casino den Menschen gar nicht so wichtig ist. Es geht um softe Elemente wie Lebensqualität und die Lebenskultur in Baden. Um zu erfassen, warum jemand gerne in Baden lebt oder sich hier als Tourist wohlfühlt, kann ich folgendes Bild bringen: ‚Sie sitzen auf einer Decke und picknicken im Rosengarten umgeben von 30.000 Rosen.’ Das ist ein Bild, das hätten wir nie mit irgendwelchen Diskussionsrunden gewonnen, dafür war eben eine Markenstudie als wissenschaftlicher Beleg nötig. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind für uns auch eine große Herausforderung, wir stellen beispielsweise die gesamte Kommunikation um, nicht nur die touristische. Es soll genau dieses Lebensgefühl in den Mittelpunkt rücken. Wir wollen die echten Gründe herausarbeiten, warum man nach Baden kommt, zeigen was Baden ausmacht.“ Doch auch Lorenz ist mit dem Stadtmarken-Monitor nicht ganz zufrieden: „Die Studie ist absolut seriös entwickelt und professionell umgesetzt worden – das Ergebnis anzuzweifeln wäre als mehr als mutig. Es ist ja so – jede Stadt hat ein Markenimage, ob man will oder nicht. Aber man kann sich aktiv weiterentwickeln und stärker werden, diesen Weg kann ich jedem Verantwortlichen weiter empfehlen. Wir stehen erst am Anfang und haben demnach nicht so gut abgeschnitten, wie wir uns das erhofft hatten. Unser Ziel ist es in den nächsten Jahren Krems zu überholen und mit Baden zur attraktivsten Stadt in Niederösterreich zu werden.“

„Die Studie deckt sich nicht mit unserem Eigenbild, trotzdem nehmen wir sie ernst.“ Christoph Schwarz, Stadtmarketing St. Pölten

Die Ergebnisse Unter den 23 abgefragten Städten landet St. Pölten in der Gesamtwertung der Markenstärke auf dem vorletzten Platz. In allen abgefragten Kategorien schnitt St. Pölten unterdurchschnittlich ab, bei der Frage „Ich könnte mir vorstellen nach St. Pölten zu ziehen“ landet die NÖ Landeshauptstadt auf dem letzten Platz. Bei der Frage nach der Attraktivität für junge Leute trennte St. Pölten immerhin nur ein statistischer Wimpernschlag von der Durchschnittlichkeit. Auch bei der Frage, ob man mit St. Pölten bestimmte Vorstellungen verbindet, stimmten immerhin 54% der Befragten zu. 63% der Befragten gaben an, die Stadt schon privat oder beruflich besucht zu haben (auf Leonding etwa traf dies nur bei 23% der Befragten zu). Somit kann man feststellen, dass trotz einer relativ guten Bekanntheit und einer konkreten Vorstellung von der Stadt, das Image der Stadt schlecht ist. Die ganze Studie im Detail nachlesen auf www.dasmfg.at!

Schritt für Schritt Krems hat die Wachau, Baden imperial-mondänen Glanz. Wiener Neustadt hingegen geht es wie St. Pölten, gleichauf liegt man am Ende der Wertung. Wobei St. Pölten schmerzen muss, dass es trotz Landeshauptstadt-Bonus nicht besser abschneidet als die „Allzeit Getreue“, die immerhin im 15. Jahrhundert Residenzstadt des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs war. Wiener Neustadts TourismusStadtrat Franz Piribauer erinnert sich im Gespräch mit MFG auch an sehr professionelle Gespräche mit Bernhard Klein vor einiger Zeit, die Ergebnisse des Markenimage-Monitors nimmt man auch in Wiener Neustadt ernst. Das schlechte Abschneiden wundert Piribauer nicht: „Die Stadt hatte sich in den letzten Jahren etwa im Tourismus nicht um ein eigenständiges Profil bemüht. Nach der Wahl haben wir als eine der ersten Aktionen nun den Beitritt zur Destination ‚Wiener Alpen in NÖ’ beschlossen. Uns ist aber klar, dass es nun unsere Aufgabe ist, dass wir innerhalb der Möglichkeiten dieser Destination ein eigenes Profil für Wiener Neustadt entwickeln.“ Eine profunde MFG 06.15

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Markenstudie sei für die Zukunft zu überlegen, momentan gibt es aber noch dringendere Schritte: „Schritt für Schritt. Wir müssen erst die organisatorischen Rahmenbedingungen innerhalb der Stadtverwaltung schaffen und unsere Rolle in der Destination finden. Dann sollten wir uns auch hilfreiche Impulse von Außen holen – wobei ich auch denke, dass Professionalität und Expertise in dem Fall auch etwas kosten darf. Wichtig ist zudem, dass die Politik weiß, was sie will. Dabei helfen aber sicher nicht nur nett gemeinte Sesselkreise, sondern auch profunde Analysen. Ein Problem für den Wiener Neustädter Tourismus ist sicher, dass eine klare Identität nach außen fehlt und darum die Leute an der Autobahn nicht abfahren, sondern lieber von Wien direkt nach Graz fahren.“ Einen ähnlichen Befund gibt auch Bernhard Klein, wenn man ihn nach Gründen für das schlechte Abschneiden von St. Pölten im Stadtmarketing-Monitor befragt: „St. Pölten hat offensichtlich kein klares Profil. Wer war denn in den letzten zehn Jahren in St. Pölten? Dennoch hat es mich gewundert, dass die Stadt so schlecht abgeschnitten hat. Die Verantwortlichen sollten sich überlegen, wie man die Vorteile von St. Pölten in Zukunft in den Vordergrund der Kommunikation stellen kann.“ 10

„Warum jemand nach St. Pölten kommt, entscheidet der Markt, nicht der Bürgermeister.“ Bernhard Klein, Stadtmarketing-Experte

Klares Profil Doch gerade als Mensch mit Bezug zu St. Pölten kann man ja die positiven Entwicklungsschritte der letzten Jahre nicht bestreiten. Für St. Pölten scheint diese aber nicht nach außen kommuniziert zu werden. Also St. Pölten Opfer der bescheidenen Werbemöglichkeiten? „Gerade wenn man wenig Budget hat, um sich in Szene zu setzen, ist es umso wichtiger, dass man weiß, wer man ist und wie man sich präsentiert. Wenn London 60 Millionen im Jahr für Werbung ausgibt, dann wird es die Stadt verkraften, wenn mal fünf Millionen für einen falschen Nebenschauplatz verloren gehen. Bei wenig Mittel müssen diese umso besser eingesetzt werden“, meint Klein. Also zielgerichtete Imagewerbung, um die Vorzüge der Stadt zu zeigen? „Nein, Imagewerbung funktioniert nicht und wäre in diesem Fall unnötig. Wenn Städte jammern, dass sie schlecht abschneiden, weil sie zu wenig in Medien inserieren und darum nicht präsent sind, dann ist das der Neid der Besitzlosen. Was St. Pölten fehlt sind nicht Werbebudgets, sondern ein Profil. Warum soll man nach St. Pölten ziehen? Hier seine Firma gründen oder hierher eine Städtereise planen? Das sind die zentralen Fragen, auf die man eine Antwort geben muss.“ Also weitere Experten-Workshops und Sesselkreise? „Nein, was sie mit dem x-ten Workshop rausfinden können, wissen die Verantwortlichen in der Regel ohnehin. Überspitzt formuliert: Warum jemand nach St. Pölten kommt, entscheidet der Markt, nicht der Bürgermeister. Und um das zu verstehen, braucht man eine Marktanalyse, dann kommt man vom ‚meinen’ zum ‚wissen’. Mit Analysen, nicht mit Workshops.“ Eine Analyse, die rund 100.000 Euro kosten würde – bezogen auf die Zielgruppen Bevölkerung, Wirtschaft und Tourismus. Apropos Tourismus. Gerade in

diesem Bereich konnte St. Pölten in den letzten Jahren dank Großveranstaltungen wie Frequency- und Beatpatrol-Festival oder Ironman und Wings For Life Run kräftig zulegen. Ob man diese Effekte bereits im Markenmonitoring sieht? „Der Imagegewinn für Städte ist nur dann gegeben, wenn der Event fix mit der Stadt verknüpft ist. Etwa der ‚Vienna City Marathon’. Wenn ein Event beliebig austauschbar ist, dann bringt er weniger fürs Image als für die direkte Wirtschaftsbelebung durch Nächtigungszahlen beispielsweise. Was St. Pölten im Tourismus helfen würde, wäre eine klare Positionierung wie es Graz mit der Steiermark hat. Wochenendurlaub, Weingenuss in der Region und urbanes Feeling in der Hauptstadt – so könnte sich St. Pölten auch positionieren mit der Wachau bzw. dem Mostviertel in kurzer Entfernung.“ Willkommener Denkanstoß Auch St. Pöltens Tourismus-Chefin Eva Prischl kann sich über die Ergebnisse des Stadtmarken-Monitors nicht freuen, zugleich seien diese aber kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Eine neutrale Außensicht sei hilfreich, da ja die Tourismusent­ wicklung ein ständiger Prozess sei, bei dem man sich laufend weiterentwickelt: „Vielleicht kann diese Studie auch ein Denkanstoß sein, vielleicht kann man sich wirklich in Expertengesprächen zusätzliches Wissen holen, um in Zukunft die einzelnen Zielgruppen noch besser anzusprechen?“ Und Prischl betont, dass man im Kontakt mit Gästen immer wieder Lob bekommt: „Immer wieder stellen Gäste fest, dass sich St. Pölten weit unter seinem Wert schlägt. Alle sind positiv von der Attraktivität der Stadt überrascht.“ Und je weiter man von St. Pölten geographisch gesehen wegkommt, desto neutraler werde die Einstellung der Menschen: „Wenn


Im letzten Eck

wir St. Pölten auf großen Tourismusmessen in Berlin oder anderswo präsentieren, kennen die wenigsten St. Pölten, da kann man ganz unvorbelastet die Vorteile der Stadt präsentieren. Auch in Vorarlberg denkt man an St. Pölten als die jüngste Hauptstadt Österreichs, manche erinnern sich noch an Bischof Kurt Krenn. Aber viel mehr assoziiert man noch nicht mit uns. Positiv ist, dass aber auch negative Vorurteile aus früheren Jahren mittlerweile der Vergangenheit angehören. Dass es in St. Pölten etwa nach der Glanzstoff stinkt, das hören wir schon lange nicht mehr!“ Großbaustelle Image Die Stadtmarketing-Verantwortlichen haben sich die Studie auch genau angesehen. Bereichsleiter Christoph Schwarz: „Die Studie deckt sich nicht gänzlich mit unserem Eigenbild, trotzdem nehmen wir sie ernst und analysieren sie genau, etwa im letzten Marketing Jour Fixe mit Vertretern unterschiedlicher Abteilungen.“ Und ganz überraschend kam das Studienergebnis auch nicht für die Verantwortlichen: „Die St. Pöltner Imageverbesserung hat im letzten Jahrzehnt erst eingesetzt und ist natürlich ein langwieriger Prozess. Wir sehen uns aber auf einem guten Weg und sehen viele unserer Schritte auch dadurch bestätigt, dass wir in der Zielgruppe der unter 30-Jährigen durchwegs besser bewertet wurden. Großevents wie das Frequency-Festival oder der Wings For Life Run – bei dem wir uns als Austragungsort gegen Städte wie Wien, Linz oder Salzburg durchsetzen konnten – erhöhen die überregionale Bekanntheit von St. Pölten und verbessern das Image der Stadt deutlich“, stellt Schwarz fest. Auch wenn es keine breite Studie gibt, so glaubt man im Rathaus fest, in die richtige Richtung zu marschieren. Der Masterplan samt Visionsprozess „St. Pölten 2020“ befindet sich in der Umsetzung, Stadtentwicklungs-

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konzept, Generalverkehrskonzept, Wirtschaftsstandort-Entwicklung, überregionale Imagekampagnen zum Thema „Wohnen und Leben in St. Pölten“ … viele Großbaustellen seien aufeinander abgestimmt. „Die strukturellen Weichen sind gestellt, das Platzangebot und das Entwicklungspotential St. Pöltens ist sehr hoch, wir sehen unsere Zukunftsperspektive also sehr positiv“, resümiert auch Matthias Weiländer vom St. PöltenMarketing. Bürgermeister Matthias Stadler gibt sich im MFG-Interview (ab Seite 12) skeptisch: „Also ganz ehrlich, die Ergebnisse dieser Studie zweifle ich an, zumal wenn ein Unternehmen, das sie erstellt, im nächsten Atemzug angeblich gleich anklopft wegen eines Auftrages, wie ich gehört habe. Ich kann mich noch an die Frequenzzählungen der Fußgängerzone erinnern, die früher auch eine Agentur durchführte. In den Jahren, wo wir sie nicht beauftragten, waren wir interessanterweise immer schwächer – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“ Studienautor Bernhard Klein hält jedenfalls fest, dass er bzw. sein Team noch keinen Kontakt zu St. Pölten hatten. Neue Strategien? Nach einem ersten Wundenlecken könnte man in St. Pölten nun zu einer sachlichen Analyse übergehen und – wie in anderen Städten auch – schonungslos erforschen, warum Leute nach St. Pölten ziehen, hier investieren oder übernachten. Eine Grundlage für die Stadtentwicklung der nächsten Jahre – mit dem Risiko, dass sich vielleicht manche Weisheit von heute als gut gemeinte, aber falsche Meinung herausstellt. Und in Folge neue Strategien her müssen. Oder man kommt drauf, dass man eh überall richtig liegt. Dann wäre der ex-aequo-Platz Wiener Neustadt und Wolfsberg aber wirklich reichlich spooky. Fast so wie eine Nullnummer beim Songcontest.

„Ganz ehrlich, die Ergebnisse dieser Studie zweifle ich an.“ Matthias Stadler, St. Pöltner Bürgermeister

Zukunftsfrage Image Michael Müllner Über St. Pölten und sein Image wurde (auch hier) schon viel diskutiert. Wie oft haben wir uns darüber ausgejammert, dass wir als jüngste Landeshauptstadt halt nun mal nicht wie Wien, Graz oder Salzburg ein über Jahrhunderte hinweg gewachsenes Image hätten. Und überhaupt! Die Nähe zu Wien, der ewige Braindrain, der uns Jahr für Jahr die besten Köpfe raubte... erst allmählich begreifen manche die Wien-Nähe sogar als größtes Potential der Stadt. Genug gejammert! St. Pölten wird nie eine Metropole werden – Gott sei Dank! Aber St. Pölten muss zu einer echten Landeshauptstadt werden, die eben mehr kann, als ihre Einwohnerzahl nahelegt. Das ist die Challenge. Und für diese Reise muss man sich Zeit nehmen, was uns aber nicht aus der Pflicht entlässt, richtungsweisende Anstrengungen heute in Angriff zu nehmen. Zweifelsohne konnte in den letzten Jahren viel erreicht werden. Auch die St. Pöltner bemerken und honorieren den Fortschritt. Aber die Welt endet nicht am Kupferbrunnberg. Es ist relevant, was man überregional von uns hält. Nach all den Sesselkreisen der letzten zehn Jahre wäre es nun mutig mittels unbeeinflussbarer, wissenschaftlicher Statistik erheben zu lassen, wofür St. Pölten steht. Denn diese Markenpositionierung fehlt uns völlig, darum liegen wir im bedeutungslosen Schlusslicht österreichischer Städte. Für die „Vision 2020“ ist der Zug abgefahren, aber über 2030 sollte man sich Gedanken machen. Die knapp 100.000 Euro für eine fundierte Studie sollten sich im Stadtbudget auch noch finden lassen. Dann braucht man nur mehr den Mut um sich auf die Ergebnisse einzulassen. Vielleicht ließe sich ja dann auch mal erklären, warum just St. Pölten die „Fittest City“ Österreichs werden will? Oder man kann sich mit ruhigem Gewissen, weil wissenschaftlich fundiert, auf eine Profilierungsstrategie als Stadt der Megaevents einlassen. Etwa weil es nicht nur Image, sondern auch Cash bringt – und weil man in dieser Rolle wirklich gut ist? Vielleicht ließen sich dann auch Blödheiten wie Vergnügungsabgaben auf genau jene Dinge leichter beseitigen, die zur Lebensqualität, Vielfalt und Urbanität entscheidend beitragen?

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Zeit fürs Messerwetzen hab‘ ich nicht

Irgendwie passt es zum Anlass, als wir am Weg ins Bürgermeisterzimmer einen kurzen Blick in den Gemeinderatssitzungssaal werfen, wo gerade die rote „Aktion Kritischer Schüler“ eine Klassensprechertagung abhält – wer weiß, vielleicht findet sich unter den Jungspunden ja der nächste Bürgermeister der Stadt? Mit dem amtierenden, Matthias Stadler, plauderten wir über aktuelle politische Themen und die üblichen Klassiker.

In St. Pölten nehmen Sie die meisten „nur“ als Bürgermeister wahr. Sie sind aber auch Obmann des NÖ Städtebundes, Landesparteiobmann der SP NÖ und sitzen im Bundesvorstand der regierenden SPÖ. Wie fühlt sich diese Machtfülle an, was bedeutet sie an Einflussmöglichkeiten?

Also eins vorweg: Mein Hauptfokus liegt ganz eindeutig auf der Stadt. Die anderen Funktionen haben aber überregionale Bedeutung, was mir auch als Bürgermeister enorm weiterhilft. Dies hat mir Zugänge und persönliche Kontakte zu Entscheidungsträgern ermöglicht, die vieles einfacher und schneller machen. Um ein Beispiel zu nennen, die Sache mit den Voith-Lerhlingen – da habe ich gemerkt, dass ich von der Schnelligkeit und den sich öffnenden Türen sicher leichter Zugang habe als früher. Und es ist auch ein Vorteil in nicht so einfachen Zeiten – die Finanz- und Wirtschaftskrise sind ja nach wie vor eine Realität – leichter Gelder für Projekte zu lukrieren, Mitfinanzierungen zu erreichen. Diesbezüglich habe ich mir ein gutes Netzwerk geschaffen – und zwar nicht nur innerhalb der SPÖ, sondern auch mit Vertretern anderer Parteien. Als Mitglied im SP-Bundesvorstand 12

sind Sie nahe am Trog der „richtigen“ Macht dran. Wie sehen Sie da Ihre Einflussmöglichkeiten?

Ich sitze im SP-Bundesparteivorstand und auch im Präsidium. Natürlich werden dort relevante Themen beraten, wie zum Beispiel die Steuerreform, wenngleich es parteiintern dann noch den einen oder anderen weiteren Zirkel gibt. Aber die Präsenz in diesen Gremien hilft auch insofern, dass man mehr Einblick, mehr Verständnis in diverse Thematiken bekommt, und natürlich, in meinem Fall als Städtebundobmann, auch diese Sichtweisen direkt einbringen kann. Sie haben die Steuerreform angesprochen – sind Sie damit zufrieden. Viele empfinden Sie ja eher als Reförmchen?

Ich denke, es war sehr wichtig, diese fünf Milliarden freizubekommen und in Bewegung zu setzen, auch wenn das z.B. für die Städte in Form der Gegenfinanzierung Geld kostet – für St. Pölten werden es rund 1,1 Millionen Euro sein. Aber wir müssen eine sinnvolle Umverteilung erreichen, müssen Wirtschaft und Konsum ankurbeln, nur so kommen wir aus dieser fatalen Spirale des Nichtwachstums heraus. Ich glaube jedenfalls nicht, dass wir das – wie es Merkel

auf EU-Ebene propagiert – nur mit sparen, sparen, sparen erreichen werden. Wo soll die positive Stimmung herkommen, wenn sie nicht die öffentliche Hand durch Investitionen befeuert? Das mag schwierig sein, aber einen anderen Weg gibt es nicht. In St. Pölten machen wir das ja nicht anders. Inwiefern?

Wir versuchen in Dinge zu investieren, die auf Sicht Sinn machen, einen Nachhaltigkeitseffekt haben. Wenn ich etwa ein Betriebsansiedlungsgebiet NÖ Zentral erschließe, heißt dies, dass sich dort Firmen ansiedeln, was auch Grundsteuer und Abgaben für die Kommune bedeutet – und zwar dauerhaft. Oder wenn wir Bauland widmen, Wohnbau fördern, dann bringt dies mehr Ansiedlung und auf Sicht mehr Einwohner und eine effizientere Auslastung der Infrastruktur. Wir gehen da sehr konzertiert vor, haben zuletzt etwa das Stadt­entwicklungskonzept genau darauf hin durchforstet, dort anzusetzen, wo eine positive Entwicklung für die Zukunft gegeben ist. Das heißt, es kommt aufs Wie an?

Ohne jemandem nahetreten zu wollen, aber es ist halt eigenartig, wenn das Land Niederösterreich aktuell


TEXT: Johannes Reichl, Michael Müllner | Fotos: Hermann Rauschmayr

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„Mein Hauptfokus liegt ganz eindeutig auf der Stadt.“

ein Sparpaket schnürt, zugleich aber etwa 40, 45 Millionen Euro für eine neue Kunstgalerie in Krems aufbringt. Investitionen sind wichtig, man muss aber auch nachdenken, wo sie am meisten Sinn machen. Wobei es ja nicht nur ums Investieren, also die Ausgaben geht, sondern auch ums Einsparen – Stichwort Verschlankung der Strukturen, Verwaltungsreform – da ist noch immer die allgemeine Kritik, dass diesbezüglich politisch viel zu wenig weitergeht.

Also in St. Pölten haben wir das schon längst begonnen – wie viele Leute waren vor zwölf Jahren im Magistrat, wie viele sind es heute? Wir haben da schon sehr verschlankt, und das, obwohl zugleich die Aufgaben mehr geworden sind – wir haben

z.B. 27 neue Kindergartengruppen eröffnet, ecopoint aufgebaut etc. Die Welt verändert sich, und dem muss man Rechnung tragen – im Hilfsdienst hatten wir früher zwei Dutzend Leute, heute stellt sich das komplett anders dar. Auf Makroebene wartet man aber nach wie vor vergeblich darauf, die Steuerreform fiel diesbezüglich enttäuschend aus – nun hofft man auf die neu begonnenen Finanzausgleichsverhandlungen.

Also, dass in die Richtung gar nichts passiert, stimmt so nicht – man beginnt durchaus allmählich in Regionen zu denken, wenn wir etwa die Bildungsregion, die Wirtschaftsregion u.ä. hernehmen. Die Finanzausgleichsverhandlungen stellen aber sicher eine Chance dar, wobei er

schwer zu entwirren sein wird. Da wurde jahrelang herumgedoktert, gab es Ausnahmen hier, Sonderbestimmungen dort – das System ist extrem aufgebläht und völlig verschachtelt. Aber eines möchte ich schon ganz offen sagen: Ich bin überzeugt, dass wir nicht zu wenig Geld im System haben, sondern dass es schlicht falsch verteilt ist. Das finden ja alle, interessanterweise aber immer mit dem Empfinden, dass sie selbst zu wenig erhalten. Sie etwa fordern als Städtebundobmann auch mehr Mittel aus dem Finanzausgleich.

Die Kommunen bekommen über den Finanzausgleich die Mittel pro Kopf, wobei es wiederum einen abgestuften Bevölkerungsschlüssel gibt. De facto ist es so, dass – wenn MFG 06.15

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man die Zulagen wegrechnet – die großen Städte im Schnitt weniger Finanzkraft hätten als 500 Einwohner Gemeinden, sie aber umgekehrt zentralörtliche Infrastruktur wie Bäder und ähnliches zur Verfügung stellen und erhalten. Dem muss man Rechnung tragen, und das hat nichts mit einer Neiddebatte zu tun. Natürlich haben alle Protagonisten ihre jeweilige Sichtweise, deshalb werden wir um eine Verteilungsdiskussion nicht umhin kommen, denn mehr Geld wird es nicht geben. Aller Ziel muss letztlich ein gerechtes System sein, wenngleich wohl nach den Verhandlungen sich manche als Gewinner, andere als Verlierer sehen werden. Im Grunde geht es also um effizienten Einsatz der Mittel. Ein Ansatz diesbezüglich ist das Überwinden von – teuren – Mehrgleisigkeiten. Der Finanzminister hat zuletzt für klare Zuständigkeiten plädiert.

Das macht absolut Sinn. Heute ist es vielfach so, dass du zwar für alles zahlst, aber nicht überall mitzureden hast, in die Entscheidungen nicht miteingebunden bist – das ist problematisch. Ich könnte mir zum Beispiel durchaus, wie es der Finanzminister vorgeschlagen hat, vorstellen, dass die Sozialhilfe komplett zu den Ländern wandert, andere Kompetenzen könnten die Kommunen übernehmen, wieder andere bleiben beim Bund. Im Bereich der Bildung etwa bin ich ganz klar für die Bundeskompetenz – von neun verschiedenen Bildungssystemen halte ich überhaupt nichts. Lerne ich dann im Burgenland etwas anderes als in Niederösterreich?

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Das heißt, Sie sind für eine Bündelung im jeweiligen Segment, ein All-In-One Prinzip?

Ja. Man hat die Steuerhoheit, man hat die Verwaltung und man hat die Verantwortung. Es gibt eine klare Kompetenz und Zuständigkeit. Um es an einem städtischen Beispiel wie dem Bad zu verdeutlichen: Da entscheidet die Kommune, ob sie so etwas braucht oder nicht, ob das alte saniert werden muss oder noch geht. Danach muss man auch die Konsequenzen tragen, die Erhaltung, die Verantwortung, wie es angenommen wird. Alles liegt in einer Hand, es gibt eine ganz klare Zuständigkeit, kein Verwässern, und du hast die langfristige Kostenentwicklung im Blick. Das macht Sinn. Keinen Sinn hingegen machen Danaergeschenke an die Kommunen, dass man also – wie in der Vergangenheit passiert – Kompetenzen dazubekommt, ohne dass aber auch die finanzielle Ausstattung nachjustiert wird. Ein anderer Ansatz, um Geld in die Staatskasse zu spülen, ist der Kampf gegen Steuerhinterziehung. Da gehen aktuell die Wogen hoch, weil man de facto das Bankgeheimnis abschaffen und volle Kontoeinsicht ermöglichen will. Zentral dabei ist, dass keine richterliche Kontrolle vorgesehen ist.

Diesbezüglich wird meinem Empfinden nach von manchen Kreisen sehr bewusst Angst geschürt, die nicht angebracht ist. Von mir etwa weiß jeder, was ich verdiene, das ist kein Geheimnis, und wir alle wissen – nicht erst seit dem NSA-Skandal – dass man zu diesen Daten auch schon jetzt auf andere Weise kommen könnte, wenn man möchte. Die Frage ist, worauf die Finanz mit diesem Schritt abzielen möchte? Und da geht es eindeutig nicht um die einfachen Häuslbesitzer, sondern der Fokus liegt ganz klar auf dem Kampf gegen Steuerhinterziehung. Das Problem ist aktuell, dass es zum einen die offiziellen Konten gibt, wo komischerweise nichts drauf liegt, dahinter sind aber andere Konten im Umlauf, auf die die Finanz keinen

Zugriff hat. Das ist ein Problem, das sich auch im Kleinen zeigt. Ich habe zum Beispiel nicht nur einmal eine in Tränen aufgelöste geschiedene Frau erlebt, deren Gatte keine Alimente bezahlt – und das waren bekannte Persönlichkeiten, von denen man wusste, dass sie einen fetten BMW fahren, der auf die Firma angemeldet ist, ein großes Haus haben, nicht gerade einen bescheidenen Lebensstil pflegen ... das ist halt schon komisch. Beim Ansinnen der Finanz geht es um ein vermutetes Volumen von 400 Milliarden Euro, wo man etwa 700 Millionen hereinbringen möchte. Das hat nichts mit einem wie immer gearteten Vermögensbashing zu tun – das können sich die Betroffenen sicher leicht leisten. Sie haben vorher vom Schüren von Angst gesprochen. Ist das nicht auch in der Diskussion um ein Wachzimmer am Bahnhof passiert, wo sich die SPÖ vom Populismuskurs der FPÖ vorantreiben hat lassen – auch jetzt noch? Was braucht der Bahnhof wirklich?

Also, wir haben uns da sicher nicht von der FPÖ vorantreiben lassen, sondern es ist einfach Faktum, dass sich die Vorfälle am Bahnhof gehäuft haben. Die Situation hat sich durch die Sanierung einfach grundlegend verändert. Hatten wir früher eine Frequenz von etwa 25.000 Personen pro Tag, sind es heute an Spitzen bis zu 40.000 – und das sind eben nicht nur die lieben Omas, sondern zum Teil auch problematische Personenkreise. Der Bedarf ist also da, und eines muss ich schon sagen: Wenn ich am Bahnhof die höchste Frequenz der Stadt habe, dann macht dort Polizeipräsenz Sinn. Jedenfalls mehr Sinn – ohne jemandem nahetreten zu wollen – als etwa im Regierungsviertel. Da muss man schon den Tatsachen ins Auge blicken. Das heißt eine Rochade innerhalb der Stadt wäre auch ein Ansatz? Wäre da nicht gleich die Verlegung des Polizeipostens Rathausplatz, von wo aus der Bahnhof jetzt


Zeit fürs Messerwetzen hab‘ ich nicht

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Fußgängerzone erinnern, die früher auch eine Agentur durchführte. In den Jahren, wo wir sie nicht beauftragten, waren wir interessanterweise immer schwächer – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich kann nur sagen, dass dort, wo wir via wissenschaftlichen Untersuchungen, etwa von FHs oder Unis, die Zufriedenheit abfragen, sich immer ein großer Zuspruch zu St. Pölten gezeigt hat. Da reden wir in den jeweiligen Alterskohorten von bis zu 80/90%. Diese Zufriedenheit lässt sich auch, was ja oft als Indikator herangezogen wird, am Wahlverhalten ablesen: Wenn die Leute unzufrieden sind, wählen sie dich beim nächsten Mal nicht – so einfach ist das.

„Ich bin überzeugt, dass wir nicht zu wenig Geld im System haben, sondern dass es schlicht falsch verteilt ist.“

mitbetreut wird, auf den Bahnhof sinnvoll?

Prinzipiell kann man über alles reden – das muss man sich anschauen. Es ist aber grundsätzlich zu durchleuchten, wie die Verteilung der Wachzimmer aktuell innerhalb der Stadt aussieht. Da gibt es solche, die sehr weite Räume abdecken müssen, im Zentrum wiederum haben wir mit Rathaus, Regierungsviertel, Bundespolizeidirektion und Landesdirektion eine sehr starke Konzentration und wie gesagt, ob im Regierungsviertel eine dauerhafte Präsenz vonnöten ist, kann man sicher auch diskutieren. Unser Wunsch nach einem fixen Wachzimmer am Bahnhof, einer 24-Stunden-Präsenz vorort, bleibt jedenfalls aufrecht. So sind wir auch in die Verhandlungen mit dem Innenministerium gegangen, wobei unser Standpunkt war, dass wir jetzt einmal zufrieden sind mit dem, was möglich ist, bevor wir gar nichts bekommen. Überspitzt formuliert könnte man ein gewisses Maß an Kriminalität ja auch als Manifestation von Urbanität bezeichnen. Eben diese wurde

St. Pölten aber seitens des Wiener Neustädter Bürgermeisters zuletzt abgesprochen, und ihr Kremser Amtskollege meinte, dass Krems die Kulturhauptstadt Niederösterreichs sei. Ärgert Sie das?

Nein, das sehe ich völlig unaufgeregt. Jeder Bürgermeister versucht halt sich zu positionieren, das liegt in der Natur der Sache. Ich begebe mich aber nicht auf dieses Niveau, ich kann nur sagen, dass wir das älteste Stadtrecht Österreichs seit 1159 haben. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Nicht gut kam St. Pölten aber auch in einer jüngst vorgelegten Studie zur Markenstärke österreichischer Städte weg – die Stadt landete nur auf Rang 21 von 23.

Also ganz ehrlich, die Ergebnisse dieser Studie zweifle ich an, zumal wenn ein Unternehmen, das sie erstellt, im nächsten Atemzug angeblich gleich anklopft wegen eines Auftrages, wie ich gehört habe. Das schaut mir schon ein bisschen nach einem Geschäftsmodell aus. Ich kann mich noch an die Frequenzzählungen der

Wenn Sie von Wahlen sprechen – die SPÖ hat bei den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen weitere zehn Bürgermeistersessel verloren, wobei insbesondere auffiel, dass auch große rote Bastionen, allen voran natürlich Wiener Neustadt, gefallen sind. Manche Kreise wetzen deshalb schon die Messer und wähnen auch bei den nächstjährigen St. Pöltner Gemeinderatswahlen Götterdämmerung heraufziehen ...

Also Zeit fürs Messerwetzen habe ich nicht, das sollen die anderen machen, wenn es ihnen gefällt – ich als Bürgermeister arbeite lieber für die Stadt, das ist nämlich mein Job. Und es ist ja lächerlich: Bis zur Wahl sind es noch ein, eineinhalb Jahre, das ist noch so weit entfernt. Mir kommt das eher vor wie ein klassischer Frühstart – nur man ist deshalb auch nicht schneller und erfolgreicher am Ziel. Und das Zerbröseln ehemals roter Hochburgen bereitet Ihnen kein Kopfzerbrechen?

Die Städte kann man nicht miteinander vergleichen, zudem gab es jeweils spezifische Gründe – in Wiener Neustadt die Finanzen, in Schwechat das Multiversum. Und es hat ja auch rote Positivbeispiele gegeben. Ich will aber gar nichts beschönigen, umgekehrt aber auch nichts dramatisieren. MFG 06.15

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merkenswert. Anstatt dass man stolz ist, dass man nicht nur in Rom oder Carnuntum, sondern auch bei uns in St. Pölten ein antikes Badehaus, eine römische Villa, ja sogar ein antikes Forum freigelegt hat, wird die Diskussion von manchen auf ein Niveau herunternivelliert, dass es unfassbar ist. Ich kann jedenfalls versprechen, dass wir sicher nicht einige Millionen Euro in den Platz investieren, und dann wird das nichts Gescheites.

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Polemische Diskussionen werden immer wieder auch zu Themen rund um Integration, Asyl geführt, wie die jüngsten Entwicklungen etwa um Quartiere in Europa.

„Die Domplatz-Diskussion ist aktuell eine derart verkürzte und primitive, im Zuge derer manche derlei Hirnrissigkeiten und Dummheiten von sich geben, dass mir dafür die Zeit zu kostbar ist.“

In St. Pölten segeln wir jedenfalls auf einem Kurs, auf dem etwas weitergeht in der Stadt – und das spüren die Leute auch. Wir werden uns zeitgerecht klar positionieren, was wir machen und was wir machen wollen, und wenn mich die Leute mit einer guten Mehrheit ausstatten, werde ich Bürgermeister bleiben, solange mich die St. Pöltner sozusagen wollen. Damit haben Sie schon unsere nächste Frage nach Ihrer politischen Zukunft vorweggenommen. Eine klare Positionierung ist man aber etwa im Fall des Domplatzes nach wie vor schuldig – warum wurde eigentlich bislang kein Konzept dafür vorgelegt?

Die Domplatz-Diskussion ist aktuell eine derart verkürzte und primitive, im Zuge derer manche derlei Hirnrissigkeiten und Dummheiten von sich geben, dass mir dafür ehrlich gesagt die Zeit zu kostbar ist. Worüber diskutieren wir denn? Über die Pflastersteine, die kommen sollen? Welche Bäume wir pflanzen? Welche 16

Blumentröge wir aufstellen? Wie viel Parkplätze kommen, wie viel wegfallen und wie wir sie um die Standln platzieren? Tatsache ist, dass wir noch nicht einmal wissen, auf welchem Niveau wir den Platz umsetzen können – wahrscheinlich müssen wir in die Höhe – wie die Fundamente situiert werden, wie die Entwässerung erfolgt. Das können wir nämlich erst nach Abschluss der Grabungsarbeiten! All dies beeinflusst aber nachhaltig die Gestaltungsmöglichkeiten, was also überhaupt machbar ist. Und dafür haben wir längst ein Architektenteam beauftragt, das sich darüber Gedanken machen wird, das uns auch viel Geld kostet – und da geht’s dann nicht um die Befindlichkeiten des Herrn Stadler und seine Wünsche oder jene anderer, sondern es geht um die beste Lösung auf Basis der im Gemeinderat klar definierten Zielvorgaben – und die sind am Tisch: Multifunktionalität und so viele Parkplätze wie möglich. Auch die Diskussion um die archäologischen Ausgrabungen ist be-

Prinzipiell halte ich die medial skizzierte Diskussion auf nationaler und europäischer Ebene für zu emotional und von Ängsten, Befürchtungen, sowie von Halbwahrheiten geprägt. Leider gerade bei einem Thema, welches sich einen sachlichen, aber vor allem menschlich geprägten Zugang verdient. Nach meiner Ansicht ist Asyl jedenfalls keine Dienstleistung, keine Wohlfahrt oder kein Zugeständnis, sondern ganz einfach ein Menschenrecht, und diese Menschenrechte sind für mich Verpflichtung! In Österreich lief die Diskussion zuletzt nicht besser ab, die Innenministerin etwa ließ Zeltstädte errichten. Sie haben haben schon im Herbst einen gerechten Verteilungsschlüssel gefordert – was verstehen Sie darunter?

Aus kommunaler Sicht geht es mir für Österreich um eine flächendeckende, kleinteilige Aufschlüsselung, um eine möglichst hohe Qualität in der Versorgung von asylwerbenden Menschen zu garantieren. Massenquartiere hingegen, in welcher Form auch immer, generieren für alle Beteiligten Probleme. Zur Zeit haben wir in den Gemeinden und Städten Niederösterreichs ja sehr unterschiedliche Situationen. Viele Gemeinden etwa haben gar keine asylwerbenden Menschen als Bevölkerung, und selbst bei niederö-


Zeit fürs Messerwetzen hab‘ ich nicht

sterreichischen Städten unterscheidet sich der Anteil an der Gesamtbevölkerung teilweise um das 58-fache! Ein einfaches Rechenbeispiel: Niederösterreich hat 1,6 Millionen Einwohner. Selbst mit einem niedrigen Verteilungsschlüssel von 1%, gerechnet an der Gesamtbevölkerung und verteilt auf die Gemeinden, ergibt das 16.000. Zum Vergleich: Anfang 2014 waren knapp 23.000 Asylwerber in ganz Österreich (in St. Pölten aktuell ca. 620, Anm.), also unter 0,3% der Gesamtbevölkerung. Wenn aktuell also alle Gemeinden ihre Verpflichtungen erfüllen würden, läge der Anteil unter 0,5%. Die absoluten Zahlen sind daher überhaupt kein Problem, sondern Probleme entstehen erst bei einer extrem ungerechten Verteilung aufgrund der speziellen Bedürfnisse von Flüchtlingen. Eine gerechte Verteilung hingegen schafft überhaupt erst die Chance, dass die Menschen aufeinander zugehen, Schulen auf die Bedürfnisse von asylwerbenden Kin-

dern eingehen können, organisierte Quartiere einer ordentlichen Qualitätssicherung unterliegen, es durch private untergebrachte Asylwerber zu keiner Ghettobildung kommt und ein Klima des Verstehens und des Respektss aufgebaut werden kann. Vielleicht noch ein anderes zukunftsrelevantes Thema zum Abschluss: Mit der Forcierung der Windenergie geht St. Pölten Richtung Energieautarkie. Strategie?

Die Politik ist einfach gefordert den Bürgern und der Wirtschaft auch in Zukunft eine nachhaltige Versorgung mit Energie zu gewährleisten. Mir sind dabei zwei Dinge wichtig: Erstens, dass Energie für jedermann leistbar bleibt, und zweitens, dass Komfort und Lebensqualität erhalten bleiben. Aus diesem Grund haben wir uns bereits in der Vergangenheit einiges überlegt und umgesetzt – spontan fallen mir hierzu unsere Förderaktionen für erneuerbare Ener-

HD-TV, SCHOAF WIE A DEBREZINA!

gien, der Bau der Fernwärmeleitung aus Dürnrohr, die Fernkälteversorgung des Krankenhauses, laufende Sanierungen unserer Gebäude oder eben der Ausbau der Windenergie im Stadtgebiet ein. Speziell bei der Windenergie sieht man wie wertvoll langfristiges Planen und Denken ist. St. Pölten hat bereits im Jahr 2000 eine Windkraftpotentialstudie, unseren Windkataster, erstellen lassen, der ein wesentlicher Grundstein für den Ausbau der Windkraft in der Landeshauptstadt war – heute sind wir Windhauptstadt! St. Pölten hat es geschafft, mit der Fertigstellung der Windräder in Pottenbrunn insgesamt mehr Strom zu produzieren als in der Stadt verbraucht wird, und wir werden diesen Weg auch weiter beschreiten. So wurde etwa zuletzt die Errichtung einer Solaranlage am Städtischen Wirtschaftshof beschlossen und es wird eine weitere Windkraftanlage in der Stadt errichtet.

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ST. PÖLTEN 1945

ZERBOMBT, BEFREIT, BESETZT von Siegfried Nasko

D

ie Stadtwaldsiedlung, die Innenstadt, das Bahnhofsviertel sowie der südliche Stadtteil Spratzern waren im März 1945 Ziele von Tausenden Bomben gewesen. Bei einem dieser Angriffe am 20. März war auch der Tunnel der Mariazeller Bahn zerstört worden. Darin befanden sich zahlreiche Todesopfer, die letzten konnten erst ein Jahr danach, als man mit den Instandsetzungsarbeiten begann, geborgen werden. Es waren sechs Wehrmachtsangehörige, die sich in den Tunnel geflüchtet hatten. An den ersten beiden Apriltagen, dem Ostersonntag und -montag, flogen 130 US-Flugzeuge in 18 Wellen fünfeinhalb Stunden über St. Pölten und verwandelten vor allem das Bahnhofsgelände in ein Trümmerfeld mit über 500 Toten und zahlreichen Verwundeten. Das Sowjetische Oberkommando der 3. Ukrainischen Front sollte mit dem rechten Flügel bis spätestens 12./15. April bis zur Linie Tulln – St. Pölten – Lilienfeld vorrücken. Noch am 4. April schwadronierte Kreisleiter Mühlberger vor 30 Volkssturm18

männern von einer Trendumkehr, von nahenden deutschen Panzern und dem Zurückweichen der Roten Armee. Tags darauf wurden 270 Gefangene aus dem Kreisgericht unter Volkssturmbegleitung nach Mauthausen eskortiert. SS und sogenannte „Kettenhunde“ streiften durch die Ruinen der Stadt und nahmen auf bloßen Verdacht hin vorwiegend junge Burschen als Deserteure fest. Die Erschossenen wurden u.a. am Europaplatz mit Tafeln „Fahnenflucht!“ ausgestellt. Im krassen Gegensatz dazu passierten höchste Persönlichkeiten des alten Regimes, wie der Polizeipräsident von Budapest oder der Wiener Gauleiter Baldur von Schirach, auf ihrer Flucht in den Westen St. Pölten. Noch am 11. April wurde in St. Pölten jene überparteiliche Widerstandsorganisation durch Verrat des Konfidenten Brandtner aufgedeckt, die bei der Polizei, bei der Glanzstoff, in bäuerlichen Kreisen und im Schloss Pottenbrunn Stützpunkte hatte. Gestapochef Röhrling erzwang unter brutalen Vernehmungsmethoden Geständnisse. Poli-


TEXT: Siegfried Nasko | Fotos: STADTARCHIV ST. PÖLTEN/ZVG, DiÖZESANARCHIV

zeioberleutnant Schuster erhängte sich aus Verzweiflung in teln. Auf Königs Ersuchen wurde vor dem Eingang zum seiner Zelle. Staatsanwalt Dr. Stich berief im Lehrsaal der Dom-Luftschutzkeller zwar ein Sowjet-Posten aufgestellt, heutigen Polizeidirektion ein Standgericht ein. Unter den um Vergewaltigungen zu verhindern, dennoch beruhigten Zuhörern soll auch Gauleiter Dr. Hugo Jury gewesen sein. sich die bedrohten Frauen erst durch Königs persönliche Elf der 12 Angeklagten, darunter das Ehepaar Helene und Anwesenheit. Als er gegen Mitternacht so auf einer Pritsche Josef Trauttmansdorff,wurden zum Tod verurteilt und im am Eingang zu schlafen versuchte, weckte ihn ein Soldat, Hammerpark ermordet. Röhrling aber lebte bis zum Ende der von König die daneben schlafende Frau begehrte. Geider 80er Jahre unter falschem Namen in Zeiselmauer. stesgegenwärtig wehrte König mit den Worten den scheinSt. Pölten war Frontstadt, in deren Vorfeld ein Stellungs- bar gutmütigen Russen ab „Sie, das ist meine Frau!“ krieg geführt wurde. Sowjetische Tiefflieger und beidseiGrotesk war die Verlautbarung, Plünderungen und tiges Granatfeuer waren hör- und fühlbar. Viele Häuser Schändungen sollten noch zum Zeitpunkt der Tat am Ratlagen in Trümmern, Straßen- und Eisenbahnbrücken waren haus gemeldet werden. Nur bei vorliegenden Beweisen gesprengt, das Bahnhofsgelände war würden die Sowjets dagegen etwas unvon Bomben um und um gepflügt. ternehmen. Immerhin waren allein in Am 14. April besetzten die Sowjets der ersten Nacht im Dom 54 Frauen Pottenbrunn und in der Nacht zum vergewaltigt worden. Bei insgesamt 15. April wurde St. Pölten unter Ar12.000 untersuchten Frauen im St. Pölttilleriebeschuss genommen. In einem ner Spital wurden bis zum Jahresende Schreiben des sowjetischen Verteidi1945 bei 98 Lues und bei 1.250 Gogungsministeriums aus dem Jahr 1978 norrhoe festgestellt. Gegen die sibirische wurde der St. Pöltner KulturverwalSyphilis hatte man im Übrigen keine getung mitgeteilt, dass in der Nacht zum eigneten Medikamente. 15. April die 9. Gardearmee mit der WIDERSTAND. Waren unter 11 HingerichManche prononcierte Nazis nahmen teten im April: Ehepaar Trauttmannsdorff. 104. Gardeschützendivision, dem 18. sich aus Angst vor Repressalien nun, Panzerkorps und der 35. Garde-Artillerie-Brigade St. Pöl- wie eine ganze Familie nahe dem Dom-Café, selbst das Leten innerhalb von drei Stunden in Besitz nahm. Die Nazis ben. Noch am Tag des Einmarsches erschienen sowjetische waren mit Oberbürgermeister Emmo Langer aus der Poli- Offiziere in der St. Pöltner Sparkasse, um die gesamten zeikaserne heraus geflohen. Überall hörte man MG-Feuer Barbestände in der Höhe von 775.000 Reichsmark zu beund um 9 Uhr befanden sich die Sowjets bereits am Neu- schlagnahmen. Sie quittierten dies vorerst, verlangten aber gebäudeplatz, um 12 Uhr mittags war die gesamte Stadt später die Rückgabe der Bestätigung mit der fadenscheiunter sowjetischer Kontrolle. Die Gauleitung Linz meldete nigen Begründung, sie müsse erst mit dem entsprechenden an Reichsleiter Martin Bormann nach München „St. Pöl- Stempel versehen werden. ten von Bolschewisten genommen.“ Die Front war nach Der halbjüdische Kaufmannssohn Günther Benedikt Westen vorgeschoben worden und hatte sich am Rande des Dunkelsteiner Waldes konsolidiert, wo sie drei Wochen bis Kriegsende verlaufen sollte. Im großen Luftschutzkeller unter dem Dom, auch unter der Franziskaner Kirche, hatten viele Familien, besonders Frauen und ältere Männer, Zuflucht gesucht. Obwohl man noch von allen Seiten den Einschlag von Geschossen gehört hatte und das Domdach unter dem Fliegerbeschuss geradezu rollte, zelebrierte Domkaplan Dr. Franz König hier eine Messe. König dazu später im Gespräch für Österreich II: „...und gerade am Schluss der Messe sind die ersten russischen Soldaten in den Luftschutzkeller eingedrungen. Da war ein gewisses Aufatmen unter denen, die im Luftschutzkeller waren: Jetzt ist der Krieg zu Ende, jetzt ist diese Unsicherheit zu Ende, jetzt sind die Russen als Befreier gekommen, und jetzt beginnt sozusagen schon die Vorstufe des Friedens. Leider war das eine Täuschung, denn nun begann eine Zeit der Unruhe und der Unsicherheit. Der erste Tag, der Sonntag, hatte die ganze Stadt verändert: überall russisches Militär, russischer Nachschub.“ Kaplan Dr. König, der gut russisch sprach, wurde ununterbrochen geholt, um zwischen dem Bürgermeister bzw. der Bevölkerung und den Besatzungssoldaten zu vermitMFG 06.15

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Tages dort vorbei ging, hörte sie Schreie „Geh hinaus zu meinem Vater, dem Zotti, er soll herkommen!“ Als sich diese Schreie mehrmals wiederholten, reagierte Graf – der sowjetische Wachsoldat blickte gerade in die andere Richtung – gleichsam im Befehlston, der junge Mann solle schnell heraustreten, nicht nach links und nicht nach rechts schauen, schon gar nicht sich umdrehen, er solle auch seinen Rucksack zurücklassen und einfach gehen, aber rasch. Als der Bursche durchs Tor trat, hängte sie sich bei ihm ein, als gehörten sie zusammen, und marschierte mit ihm so geradewegs in die Freiheit. Hätte man sie erwischt, wären wahrscheinlich beide erschossen worden. Um vor allem dem Ernährungsproblem Herr zu werden, veranlasste Ing. Walter Klein als Sekretär des Bürgermeisters Volkszählungen, waren in den ersten Tagen nur 7.800 Personen gezählt worden, verdoppelten sich diese innerSEELSORGER. Kardinal Franz König (stehend, 3.v.l) war als damaliger halb nur einer Woche auf 17.000. Die Bäckerei UnterberKaplan, auch aufgrund seiner Russischkenntnisse, eine große Stütze. ger verfügte noch über einen Waggon Mehl und backte war nicht zur Wehrmacht eingezogen und als Spross damit drei Monate hindurch täglich einige hundert Kilo einer Mischehe auch nicht deportiert worden. Als Bene- Brot, um das die Bewohner Schlange standen, während der dikt am 16. April im Dom-Café je zwei Radios und Pisto- Dom-Luftschutzkeller kostenlos beliefert wurde. Selbstlen weisungsgemäß ablieferte, ernannte ihn der von seiner versorgung wurde großgeschrieben, die Milch einer Kuh stattlichen Erscheinung beeindruckte Stadtkommandant konnte damals Leben retten. So kaufte z.B. die wegen des Major Skoritschenko spontan mit den Worten „Du Bürger- Frontverlaufs von Hart nach Böheimkirchen übersiedelte meister, Du Rathaus“ zum provisorischen Stadtoberhaupt. Familie Reither dort einem Bauern, der seine überschüssige In erster Linie hatte Benedikt zu sorgen, dass täglich Kuhmilch an die Schweine verfütterte, diese ab, um sie mit alle Leute zwischen 16 und 50 Jahren bei Androhung der sowjetischer Genehmigung am St. Pöltner Rathausplatz an Todesstrafe am westlichen Stadtrand zum Ausheben von kinderreiche Familien kostenlos auszugeben. Schützengräben kamen, ohne dass es vorerst eine VerpfleIn einem Garten am Spratzerner Kirchenweg war Ende gung gab. Später bekam man von den Sowjets April eine ganze Batterie von russischen Soldaten requirierte Kartoffel oder Marmelade. Auf diese einquartiert. Diese nötigten die Nachbarschaft zu Weise wurde auch die Eisenbahnbrücke, die unReinigungs- und Ausbesserungsarbeiten, waren mittelbar vor St. Pölten über die Traisen führt, häufig betrunken und belästigten die Frauen. Um wieder provisorisch instand gesetzt. Bestätiden Menschen das Gefühl völliger Hilflosigkeit gungen des Bürgermeisters sollten vor Beschlagzu nehmen, wurden zwei Hilfspolizisten in dienahme von Fuhrwerken durch die Sowjets beser Straße eingesetzt. Die Rote Armee hatte bald wahren, manchmal wurde auch bescheinigt, dass 14 Amts- und Schulgebäude besetzt. Weiters war Bürger so wichtige Funktionen hätten, dass man eine ganze Reihe von Betrieben von sowjetischen sie nicht zu Schanzarbeiten heranziehen dürfe. Soldaten belegt worden. Besetzt waren u.a. die Benedikt bestätigte vorsprechenden Bürgern 1. Bürgermeister Mühlen, Betonwerke, Textilbetriebe, MechaniGünther Benedikt bereitwillig, Verfolgungen durch die Nazis. Nicht kerwerkstätten, Malerei- und Tischlerbetriebe, zuletzt nahm er im Rathaushof im Bewusstsein seiner nun- Schlossereien, Friseurlokale, Schuhmacherwerkstätten somehrigen Würde bei Herbert Wieden Reitunterricht. wie die Papierfabrik Salzer. Großbetriebe, wie die GlanzDr. Leo Schinnerl, der unter den Nazis ziemlich rigoros stoff, Voith oder das Viehofener Standardwerk waren die „Liegenschafts-Entjudung“ durchgeführt hatte, wurde beschlagnahmt und wurden als USIWA-Betriebe geführt. nun neuerlich mit der Amtsleitung und Lösung von Woh- Durch die folgenden Demontagen erlitten diese vom Krieg nungsproblemen betraut. Dabei erhielt er als damals „kor- weitgehend verschonten Anlagen bis zu 50%ige Maschirekter Pflichterfüller“ Rückendeckung durch Vizebürger- nenpark-Verluste. Die Uhrmacherbetriebe arbeiteten ausmeister Dr. Wilhelm Steingötter. Dr. Rudolf Plaschke wurde schließlich für die Sowjets, auch zahlreiche Privathäuser mit der Organisation des Ernährungswesens betraut. Die waren beschlagnahmt. Verwaltung wurde sukzessive nach dem Stand von vor Schon in den ersten Tagen nach der Befreiung bekam 1938 wieder eingerichtet. St. Pölten Besuch aus Wien. Der Vizebürgermeister der Im Garten von Lackerbauer in der Klostergasse hatten Systemzeit und nunmehrige Funktionär des Siebener Kodie Sowjets ein Lager eingerichtet, in dem sie etwa 60 Zi- mitees Viktor Müllner war auf der Suche nach seiner eivilisten grundlos gefangen hielten, um sie hernach in die genen Frau sowie nach der Frau von Ing. Leopold Figl in Sowjetunion zu transportieren. Als Stefanie Graf eines die Traisenmetropole gekommen. Müllner wurde nach 20


St. Pölten 1945 – ZERBOMBT, BEFREIT, BESETZT

eigenen Worten hier empfangen, als wäre er ein Mensch von einem anderen Stern. Man bestürmte ihn mit Fragen nach der politischen Zukunft und, was in Wien vor sich gehe. Dem Altbürgermeister Stephan Buger überbrachte Müllner Grüße von Landeshauptmannstellvertreter Oskar Helmer. Bereits am 21. April nahm Bürgermeister Benedikt selbst Kontakt mit der Bundeshauptstadt auf. Ein sowjetisches Militärfahrzeug brachte ihn nach Wien, wo er dem erwähnten Helmer einen Brief von Buger überbrachte. Darin hieß es, Helmer solle den nunmehrigen St. Pöltner Bürgermeister Benedikt nach Kräften unterstützen. Umgekehrt erhielt Erwin Unterberger Post von Ing. Julius Raab aus Wien, er solle sich um den Aufbau der Wirtschaft in St. Pölten kümmern. Der provisorische Leiter der Polizei Leutnant Muchitsch erklärte am 24. April in einer Versammlung, sich mit allen Mitteln für die Wiederherstellung der Ordnung einzusetzen: „Wir haben genug mit Bandenkämpfen und wollen endlich wieder einmal frei sein und wieder leben können ... es soll auch, wir wissen ja noch nichts, eine eigene Regierung gebildet sein. Glauben Sie ja nicht, dass Ihnen dieses Österreich das wird geben können, was Ihnen das Österreich von 1918 gegeben hat ... Ich bitte Sie daher, unterstützen Sie uns dadurch, dass Sie uns alle wichtigen Angaben sofort zukommen lassen, aber vernadern Sie nicht ... Wir sind mitten im Krieg, wir sind noch Kriegsgebiet. Wir haben leider das Pech, dass die Front nicht 40 oder 50 km über unserer Stadt hinweggestürmt ist. Es hat sich daher viel ereignet, was wir absolut nicht gutheißen...Wir sprechen ununterbrochen beim Stadtkommandanten vor und schildern die für die Bevölkerung so schwer erträglichen Zustände ...“ In einem Aufruf zum 1. Mai regte Benedikt die Bevölkerung zur rotweißroten Beflaggung der Häuser an, Arbeitsfreiheit gäbe es aber nicht, im Gegenteil, die Schanzarbeiten sollten noch stärker betrieben werden. Immerhin kämpften die Sowjets immer noch gegen die Nazis an der Front, Menschenleben seien das schlechthin Kostbarste. In Major Chomaiko hat St. Pölten inzwischen einen neuen Stadtkommandanten erhalten. Am 8. Mai kam es in der Kapelle des Spitals zur Trauung eines evangelischen Brautpaares durch den katholischen Geistlichen Franz König, da weder ein evangelischer Pastor noch ein Standesbeamter greifbar war. Anlässlich der deutschen Kapitulation an diesem Tag richtete Bürgermeister Benedikt einen Aufruf an die Bevölkerung: „Der Krieg ist zu Ende. Unsere Stadt hat aufgehört, Frontstadt zu sein. Die Aufnahme eines nach Möglichkeit normalen Lebens hat sofort zu erfolgen ... Wir kennen nur ein einziges Ziel, unser herrliches Österreich wieder aufzubauen in gegenseitiger Duldsamkeit und unverbrüchlicher Einigkeit. Nachdem, was wir durchgemacht haben, gibt es keine Hindernisse mehr für uns.“ Für den 10. Mai wurde Arbeitsfreiheit und eine Feier am Rathausplatz angekündigt. Am 13. Mai wurde Benedikt seines Amtes entbunden und der von der SPÖ zur KPÖ konvertierte Franz Käfer zum neuen Bürgermeister bestellt.

ZEITENWENDE. Bild oben: der völlig zerbombte Bahnhof Bild unten: Sowjetsoldaten in St. Pölten

Als Landeshauptmann Ing. Figl am 19. Mai zu Besuch kam, wurde er vor allem mit der prekären Lebensmittelsituation konfrontiert. Am 26. Mai wurde aus SPÖ, KPÖ und ÖVP ein provisorischer Gemeinderat als Parteieneinigung und noch nicht als Ausdruck des Volkswillens gebildet. Bei den ersten NR- und LT-Wahlen am 25. November ging die SPÖ als stärkste Kraft hervor. Dennoch blieb Käfer auf Befehl der Sowjets bis 1950 kommissarischer Bürgermeister. Der katastrophale Zusammenbruch und die beherzten Anfänge des Wiederaufbaues 1945 in St. Pölten sind ein exemplarisches Spiegelbild der damals bundesweiten Situation von Bevölkerung, Verwaltung und Versorgung. Aller scheinbaren Aussichtslosigkeit und drohenden NS- sowie Sowjet-Willkür zum Trotz meisterte die Solidarität der gesamten Bevölkerung und die Fokussierung der politischen Kräfte auf eine erlebenswerte demokratische Zukunft in einem erneuerten Gemeinwesen dieses Jahr Null. Improvisationsbereitschaft, spontane Entschlusskraft und kreative Überlebenskunst heilten nicht nur die Narben der zu 39% beschädigten Bausubstanz, sondern auch durchlebtes Misstrauen und politischen Nichtdialog. Miteinander wurden so die Wurzeln zur damals unvorstellbaren künftigen Landeshauptstadt Niederösterreichs gepflanzt. MFG 06.15

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MFG URBAN

Kommt Zeit, kommt Rat Es geht um 80 Millionen Euro. Und es geht seit mehr als einem Jahr nichts weiter. Beim STP-SWAP-Prozess um ein missglücktes Spekulationsgeschäft hat die Stadt wieder ein paar Monate Zeit gewonnen. Warum nichts weiter geht – und warum keiner große Eile hat.

I

m Streit mit der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien (RLB) wird die Stadt von Rechtsanwalt Lukas Aigner vertreten. Ein Wortgefecht bei der Verhandlung im Mai 2014 führte zu einem Ablehnungsantrag durch Aigner – er empfand HandelsgerichtRichter Martin Ogris als befangen und forderte darum einen Ersatzrichter. Im April 2015 stellte die letzte Instanz am Oberlandesgericht Wien (OLG) fest, dass die Äußerungen von Ogris keine Befangenheit darstellen würden. Eine Entscheidung „die es zu respektieren gilt“, wie auch Aigner betont. Bereits im November 2014 hatte die RLB die Stadt auf 66,9 Millionen Euro geklagt – in der Klagebeantwortung dieser Widerklage brachte Aigner damals ebenfalls einen Befangenheitsantrag gegen Ogris ein, den er jedoch aufrecht hielt, bis eben auch in dieser Widerklage der Ablehnungssenat feststellte, dass Ogris nicht befangen war. Keine große Überraschung, dennoch waren wieder einige Wochen verstrichen. Bis Mitte Juni könnte die Stadt nun gegen diese Entscheidung neuerlich beim OLG berufen – dem Vernehmen nach wird man sich diese sinnlose „Ehrenrunde“ aber sparen. Womit es so aussieht, als könnte Martin Ogris schon bald wieder einen Verhandlungstermin ansetzen, oder? Doch auch hier gibt es ein kleines Problem. Als Stadt-Anwalt Aigner die Widerklage der RLB beantwortete, beantragte er auch einen Richtersenat für dieses Verfahren. Formell sind die ursprüngliche Klage (der Stadt gegen die Bank) und die Widerklage (der Bank gegen die Stadt) zwei Paar Schuhe. 22

Richtersenat Eigentlich wurden Richtersenate bei derartigen Streitfällen in den 80er-

Jahren abgeschafft, jedoch kann durch eine Streitpartei bei Klageeinbringung bzw. bei der Klagebeantwortung (wie im vorliegenden Fall) ein Senat verlangt werden. Dabei entscheidet dann der vorsitzende Richter (Martin Ogris) gemeinsam mit einem zweiten Berufsrichter vom Handelsgericht Wien und einem Laienrichter. Dieser muss aus einer Liste an branchen- und fachkundigen Experten ermittelt werden. Senatsbesetzungen führen in der Regel zu längerer Verfahrensdauer, da eben mehrere Terminkalender koordiniert werden müssen und auch die Auswahl der Laienrichter nicht immer unproblematisch ist – im vorliegenden Fall wird es etwa nötig sein, dass dieser völlig unbefangen vom heimischen (Raiffeisen-)Bankensektor ist.

Der Streit Jahrelang hatte St. Pölten lukrativ am Finanzmarkt spekuliert und mit Zins- und Währungsspekulationen gute Geschäfte gemacht – damals war das auch für Körperschaften öffentlich Rechts üblich, gehörte fast zum guten Ton der „aktiven Schuldenbewirtschaftung“. Als aber manche Geschäfte ins Minus drehten, wurden diese mit neuen Geschäften (und höherem Risiko) ausgeglichen – irgendwann blieb ein verlustträchtiges Geschäft über, SWAP 707843 ist nun Gegenstand einer Klage am Handelsgericht. Die Stadt fühlt sich von der Bank über den Tisch gezogen, möchte rund zehn Millionen Euro zurück und sieht das im Jahr 2007 geschlossene Geschäft als nichtig an. Die Bank behauptet hingegen, sie habe nur ein Geschäft geliefert, wie es die Stadt verlangt hatte und dessen Risiko sie stets verstanden habe. Praktischerweise werden derartige Verfahren jedoch normalerweise vom Gericht zusammengezogen, ein Richter entscheidet in beiden Klagen, zumal diese inhaltlich oft fast deckungsgleich sind. Die STP-SWAP-Causa ist aber bekanntlich nicht ganz normal. Alles ist lösbar Wenn in der Klage nur Martin Ogris als Einzelrichter richtet, in der Wider-

klage jedoch ein Richtersenat (Ogris hat den Vorsitz, mit ihm entscheiden ein zweiter Berufsrichter sowie ein Laienrichter) so ist das etwas tricky. Oder wie es Gerichtssprecher Alexander Schmidt ausdrückt: „So einen Fall habe ich in dreißig Jahren Richteramt zwar noch nicht gehabt, aber alles ist lösbar. Vor dem Sommer wird es jedoch sicher keinen Verhandlungstermin geben.“ Das wundert uns nicht.


TEXT: Michael Müllner | Foto: Apops - Fotolia.com

Vergleichsphantom Und: Kommt Zeit, kommt Rat. Vielleicht liegt in einem halben Jahr (oder in drei) ein richtungsweisendes Höchstgerichtsurteil vor, das auch in Sachen STP-SWAP einen Anhaltspunkt liefert? Vielleicht ergeben sich bei der Bank andere Interessen und man will den Ewigstreit lösen? Vielleicht kommen neue Entscheidungsträger, die sich leichter von schiefgegangenen Geschäften der Vorgänger distanzieren und die emotionsfrei an die Sache herangehen? Wer weiß, am Ende kann man sich vielleicht doch auch außergerichtlich einigen? Womit wir beim berühmt-berüchtigten Vergleichsphantom wären. Immer wieder geistert das Gerücht herum, es gäbe Geheimverhandlungen. Was bizarr anmutet, da ja beide Seiten im Brustton fanatischer Überzeugung auf Biegen und Brechen beschwören,

dass sie den absolut stärksten Prozessstandpunkt hätten. Und wie soll ein Vergleich aussehen, wenn man um rund 80 Millionen Euro streitet und ein Urteil in erster Instanz nicht mal ansatzweise absehbar ist? Vor diesem Hintergrund wurde auch das Mandat von Lukas Aigner im Gemeinderat heftig diskutiert. Aigner gründete Anfang des Jahres eine neue Kanzlei und demnach wurde er von der Stadt mit der Vertretung neu beauftragt. Ein bloßer Formalismus, doch im Mandat stand, dass Aigner zum Abschluss von Vergleichsverhandlungen berechtigt sei. Falscher Alarm beruhigte der Bürgermeister, das strittige Geschäft sei nichtig, darum gibt es keinen Grund für einen Vergleich, vielmehr will man von der RLB Geld zurück. Und selbst wenn es ein Vergleichsergebnis gäbe, würde dieses natürlich nur vom St. Pöltner Gemeinderat abgeschlossen. Laufend Gesprächsstoff Dass es aber tatsächlich laufend Gespräche zwischen den Streitparteien gibt, kann angenommen werden. Vergleichsverhandlungen sind diese jedoch nicht, viel eher gilt es den Prozessfahrplan abzustimmen. Zwar wurde seit 13 Monaten nicht öffentlich verhandelt und auch Richter Ogris war durch den Ablehnungsantrag „stillgelegt“, dennoch galt es technische Fragen zu erläutern: Wie berechnet sich der Streitwert und daraus die Zinsen? Wie soll das Verfahren weitergehen? Prozessuale Routinefragen also. Wirklich spannend wird es sobald der Prozess im Herbst weiter geht und sich die Parteien womöglich auch auf einen Gutachter einigen. Dieser könnte Licht in so manche ständig wiederkehrende Frage des Prozesses bringen, vor allem zur Bewertung des strittigen Geschäftes. Und vielleicht macht manche Zeugenbefragung auch mehr Sinn, wenn man schon zu den Erkenntnissen des Gutachters befragt? Zuerst muss aber mal bis Herbst geklärt werden, welche Richter in Zukunft die Verfahren in Klage und Widerklage leiten werden.

Schräge Töne

Beate Steiner Die Sonne blinzelt über das Theater, sorgt für wohlige Wärme am Rathausplatz, wo hunderte bestens gelaunte Menschen an den Schanigarten-Tischen sitzen, plaudernd und lachend, vor sich ein süffiges Getränk. In der lauen Sommernachtsluft liegt angenehm chillige Musik, live, gespielt von großartigen St. Pöltner Musikern. Die Stimmung ist heiter-erwartungsvoll, die Gesellschaft angenehm und gut gelaunt. Das ist schon was Feines, so eine Freiluft-Veranstaltung auf dem Rathausplatz oder dem Herrenplatz, oder wo auch immer in unserer kleinen, aber kulturell und lebensqualitätsmäßig schon sehr großen Stadt. Diese Postkarten-Idylle wird allerdings leicht gestört, optisch und akustisch, dann nämlich, wenn sich unsere Volksvertreter mit Mikrophon ins Bild drängen und zu uns sprechen, auch wenn sie mit der Veranstaltung nix zu tun haben, aber halt für Parteifreunde das Fest aufputzen. „Lass sie doch, hört eh keiner zu“, sagt der eine, „das ist halt einfach so üblich bei uns“, die andere. Also, mich stört das. Wenn ich mir ein Konzert anhöre oder mir eine Ausstellung anschaue, dann will ich das genießen und mir nicht immer die gleichen Wahlkampffloskel-getränkten Sager anhören müssen. Ist außerdem meine Zeit, in der ich zwangsverpflichtet zwar nicht zuhören, aber doch anwesend sein muss, weil sich ein Politiker den Event als gratis Wahlplattform gekrallt hat. Ich find’s herzerfrischend und sympathisch und echt gut, wenn Politiker mit dabei sind bei allem, was an Spannendem und Entspannendem, Interessantem und Lustigem geboten wird in St. Pölten. Aber schräge Töne haben nix verloren bei harmonischen Veranstaltungen, heiße Luft in angenehmer Atmosphäre zu verbreiten, das sollte aus dem Programm Wähler-werbender Menschen gestrichen werden.

MFG 06.15

Foto: Tom - Fotolia.com

Doch warum macht das der Aigner? „Ich kann versichern, ich weiß nicht mal, wann in St. Pölten gewählt wird“, erwidert er auf die Frage, ob etwa wahltaktische Gemütlichkeit ein Motiv sei. Da angeblich nicht mal Bürgermeister Matthias Stadler weiß, wann er die St. Pöltner 2016 zur Wahlurne schicken wird, ist auch Aigner diesbezüglich höchst glaubwürdig. „Ganz ernsthaft, es gab weder seitens des Bürgermeisters noch von jemand anderen jemals die leiseste Andeutung, dass ich in irgendeiner Art und Weise auf Parteipolitik oder Wahlen Rücksicht nehmen solle“, stellt Aigner energisch klar. Sein Auftrag sei die Vertretung der Interessen der Stadt in diesem Zivilrechtsstreit, das sei völlig losgelöst von der politischen Ebene. Dennoch liegt auf der Hand, dass die St. Pöltner momentan keine große Eile spüren. Die Zahlungen an die Bank aus dem strittigen Geschäft hat man per Gemeinderatsbeschluss am 31.03.2014 eingestellt, von der Bank fordert man rund 10 Millionen Euro zurück, die Bank hingegen will 67 Millionen von der Stadt. Die Materie ist hochkomplex, der Schaden für beide Seiten gewaltig. Da ist eine einfache, rasche Lösung wohl Illusion.

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MFG URBAN

Gar nicht lustig Im Zuge der Diskussion um die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Tickets & Co. ist auch die Auseinandersetzung um die Lustbarkeitsabgabe bzw. die Forderung nach deren Fall in Niederösterreich wieder hochgekocht.

E

in Grunddilemma derselben aus Sicht der niederösterreichischen Veranstalter skizziert VAZ-Manager René Voak so: „Die Lustbarkeitsabgabe gibt es nicht in allen Bundesländern, und in Niederösterreich heben sie wiederum nicht alle Gemeinden ein. Für uns heißt dies, dass wir gegenüber anderen Häusern benachteiligt sind.“ Um es an einem Beispiel festzumachen: Wenn ein Konzert im VAZ durchgeführt wird, muss dafür Lustbarkeitsabgabe bezahlt werden, während diese in Städten wie z.B. Wien, Graz oder Salzburg nicht anfällt. „Das verzerrt den Markt! Die Kluft muss ich als Anbieter kompensieren.“ Dabei muss man gar nicht erst über die Stadtgrenzen hinausblicken – auch in St. Pölten selbst gilt das Motto „Alle sind gleich, besonders die, die gleicher sind“. So sind die öffentlichen Kulturbetriebe wie Festspielhaus, Bühne im Hof, Landestheater oder auch das Cinema Paradiso von der Lustbarkeitsabgabe befreit. D.h. die ohnehin bereits von der öffentlichen Hand subventionierten Betriebe werden zusätzlich auch bei der Lustbarkeitsabgabe bevorzugt und erhalten im Falle desselben Angebots einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den privaten Betreibern, was diesen bitter aufstößt. „Es wäre höchst an der Zeit, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen und die Lustbarkeitsabgabe – auch im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Städten – abzustellen“, so Voak, „denn Faktum ist, dass wir uns manchen Act aus diesem Blick-

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winkel schlicht nicht leisten können bzw. manche Veranstalter aus diesem Grund einen Bogen um St. Pölten machen.“ A little bit of history Umstritten ist die Lustbarkeitsabgabe schon lange. Noch vor fünf Jahren – pikanterweise nur drei Tage vor den Wirtschaftskammerwahlen – verkündete die Wirtschafskammer per Aussendung geradezu euphorisch, „dass es Frau Präsidentin BR   KommR Sonja Zwazl nach Verhandlungen mit Vertretern des Landes gelungen ist, dass das niederösterreichische LustbarkeitsgesetzVergnügungssteuer   abgeschafft wird. Obmann Lorenz Böhm sieht durch die Abschaffung der NÖ Vergnügungssteuer eine   wesentliche, wirtschaftliche Entlastung für unsere   Mitgliedsbetriebe.“ Dass manch animierter Unternehmer ob dieser Schalmeientöne sein Kreuzerl dann bei den „Wohltätern“ setzte, mag er mittlerweile bereut haben. Denn das Landesgesetz wurde zwar aufgehoben, das suggerierte Ende der Lustbarkeitsabgabe an sich fand aber nicht statt, wie auch die Wirtschaftskammerpräsidentin einräumen muss. „Faktum ist, dass das NÖ Lustbarkeitsabgabegesetz vom NÖ Landtag – wie seitens der WKNÖ angekündigt – aufgehoben wurde. Leider eröffnet allerdings auch das Finanzausgleichsgesetz den Gemeinden die Möglichkeit, für Veranstaltungen, bei denen für die Teilnahme ein Eintrittsgeld zu zahlen ist, eine Lustbarkeitsabgabe einzuheben –

was bedauerlicherweise von vielen Gemeinden genutzt wird.“ Was de facto aber wenig wundert und absolut vorhersehbar war: Die ohnedies schon finanziell angeschlagenen Gemeinden werden nur ungern auf die Einnahmen verzichten, wie auch Vizebürgermeister Franz Gunacker (SPÖ) erklärt: „Die Gemeinden und Städte haben nur sehr wenige Möglichkeiten ihre Einnahmen zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Wünsche aus der Bevölkerung zu beeinflussen. Sollten die Gemeinden ihre übertragenen Einnahmemöglichkeiten nicht nutzen, so brau-

„Die Gemeinden und Städte haben nur sehr wenige Möglichkeiten ihre Einnahmen zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Wünsche aus der Bevölkerung zu beeinflussen.“ Franz Gunacker, SPÖ


TEXT: michael müllner | Fotos: alphaspirit - Fotolia.Com

Lustbarkeitsabgabe Sätze in St. Pölten Für Bälle,Tanzveranstaltungen

20%

Shows, bunte Abende, Varietés, Kabaretts

18%

Aufführungen von Sprech-, Musik- und Tanztheaterstücken sowie Veranstaltungen von Tanzschulen, Museen und Ausstellungen

12%

Filmvorführungen

8%

Konzerte, Vorträge, Lesungen, Rezitationen und kulturell oder künstlerisch wertvolle Veranstaltungen

5%

chen sie auch über die finanziellen Situationen nicht jammern und um Unterstützung bei außerordentlichen Maßnahmen aus dem Steuertopf bitten.“ Übertragen ist dabei freilich relativ, denn es ist den Kommunen freigestellt, ob sie die Abgabe einheben oder nicht. Dass sie, wie in St. Pölten, bei einem Einnahmenposten von 450.000 Euro jährlich davon

Gebrauch machen, ist nachvollziehbar. „Die Lustbarkeitsabgabe ist eine Gebühr, die als standortpolitische Maßnahme gesehen werden kann“, meint hierzu etwa der Finanzsprecher der ÖVP Stadtrat Peter Krammer, und Nicole Buschenreiter von den Grünen glaubt, „dass einheitlicher Verzicht bedeuten würde, dass Einnahmen aus Abgaben wegfallen –

was sich die Stadt nur schwer leisten kann.“ Dass deshalb die von der Wirtschafskammer 2010 großartig versprochene „wesentliche Entlastung“ für die Betriebe ausgeblieben ist, liegt auf der Hand, wenngleich Präsidentin Zwazl einräumt: „In Summe hat sich die Situation für viele Betriebe trotzdem gebessert. Inflationsbereinigt konnte eine Entlastung um rund ein Drittel, konkret um etwa 1,1 Millionen Euro auf 2,5 Millionen Euro erreicht werden. Für einzelne Branchen ist die Lustbarkeitsabgabe komplett entfallen. Zudem können die Gemeinden im Gegensatz zur alten Rechtslage nun individuell auf die Anforderungen der vor Ort befindlichen Betriebe eingehen.“ Das machen sie auch, wobei sich St. Pölten grundsätzlich am Finanzausgleichsgesetz orientiert, das u.a. Ausnahmen bei „Lustbarkeitsabgaben für Veranstaltungen von Theatern, die aus Mitteln des Bundes, eines Landes oder einer Gemeinde regelmäßige Zuschüsse erhalten“ vorsieht. „Das heißt, sobald ein Theater regelmäßig Zuschüsse bekommt, ist es per Gesetz befreit. Weiters wurden in der Verordnung der Stadt gemeinnützige Betriebe ausgenommen“, erläutert Finanzchef Thomas Wolfsberger. Dass die privaten Betreiber diese Ausnahmen, zumal bei gleichem Angebot, als Ungerechtigkeit und klare Benachteiligung empfinden, ist nachvollziehbar – wobei es weniger um einen Neidreflex geht, als viel mehr die Forderung, ebenfalls befreit zu werden. Problembewusstsein Auch die Mandatare räumen diesbezüglich Handlungsbedarf ein: Klaus Otzelberger (FPÖ) etwa plädiert „Wettbewerbsverzerrung sollte man auf jeden Fall beseitigen, ich habe etwa nie verstanden, warum das Cinema Paradiso so hoch subventioniert wird und keine Lustbarkeitsabgabe bezahlt. Es müssen die gleichen Regeln für alle gelten!“ Und auch die ÖVP versteht, dass „das eine Ungleichheit ist, die man sich MFG 06.15

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MFG URBAN

Gar nicht lustig

Die Gesetzeslage St. Pölten orientiert sich im Hinblick auf die Einhebung der Lustbarkeitsabgabe am Finanzausgleichsgesetz, das folgende Ausnahmen vorsieht: „Ausgenommen sind Lustbarkeitsabgaben für Veranstaltungen von Theatern, die aus Mitteln des Bundes, eines Landes oder einer Gemeinde regelmäßige Zuschüsse erhalten, sowie für Ausspielungen gemäß § 2 GSpG durch Konzessionäre und Bewilligungsinhaber nach den §§ 5, 14, 21 und 22 GSpG.“ Zudem sind in der St. Pöltner Verordnung explizit auch „gemeinnützige Gesellschaften“ ausgenommen, wodurch etwa das Cinema Paradiso prinzipiell von der Lustbarkeitsabgabe befreit ist.

Von der Lustbarkeitsabgabe in St. Pölten prinzipiell befreit sind Bühne im Hof Cinema Paradiso Festspielhaus St. Pölten Landesmuseum St. Pölten Landestheater Niederösterreich

anschauen sollte. Wir sind hier gesprächsbereit!“, wie man zudem den Kreis der Befreiten auch um Schülerbälle erweitern möchte. Auch die Grünen können sich eine Änderung vorstellen: „Dass St. Pölten die Lustbarkeitsabgabe so unterschiedlich handhabt, ist ein Problem“, wobei man die ganze Causa in einen übergeordneten Förder-Kontext stellen möchte. „Für uns Grüne gilt: vollkommen abschaffen nein – klare Spielregeln ja. Wenn es politische Gründe gibt, Veranstaltungen zu fördern, dann über Subventionierung – ebenfalls mit klaren Richtlinien, und was ebenfalls sein muss: Eine transparente Auflistung, wer in welcher Kategorie wie viel an Lustbarkeitsabgaben zahlt und wer wofür in welcher Höhe mit öffentlichen Geldern und/oder Sachleistungen unterstützt wird.“ Damit könnte man wohl auch eine von der SPÖ befürchtete Schieflage zulasten der Kommune ausräumen,

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die Vizebürgermeister Gunacker so umschreibt: „Wie soll es gehen, wenn bei Vergabe von Förderungen immer mehr und bei Einhebung der notwendigen Steuern und Abgaben weniger verlangt wird?“ Finanzchef Thomas Wolfsberger denkt ebenfalls in Richtung konkreter Förderung anstelle von Aufhebung. „Ich denke, es wäre sinnvoll, im Einzelfall eine Veranstaltung zu subventionieren, wenn diese als besonders förderwürdig erachtet wird. Die Lustbarkeitsabgabe würde ich aber grundsätzlich einheben. Ob, und inwieweit man generell die Sätze bei Konzerten und Bällen senkt ist eine politische Entscheidung.“ Wolfsberger verweist auch auf (Förder-)Modelle wie man sie etwa bereits beim Frequency Festival praktiziert. „Die Lustbarkeitsabgabe wird zwar eingehoben, aber in Form einer Förderung wieder rückerstattet.“ Sozusagen ein Nullsummenspiel, das aber wirkt, denn man darf getrost

„Dass St. Pölten die Lustbarkeitsabgabe so unterschiedlich handhabt, ist ein Problem.“ Nicole Buschenreiter, Die Grünen

davon ausgehen, dass das Frequency ohne dieser Form von Entgegenkommen anderswo stattfinden würde. Damit aber auch die Impulse für die gesamte regionale Wirtschaft – und die bewegen sich in Millionenhöhe! Orientieren könnte man sich auch an anderen Städten. In Wien zum Beispiel wird in bestimmten Segmenten die Lustbarkeitsabgabe eingehoben, in anderen wiederum – im Sinne der Förderung des Standortes – darauf verzichtet. Wobei die Wirtschaftskammer nach wie vor für eine generelle Beseitigung eintritt. „Unser Ziel ist natürlich weiterhin, dass keine Lustbarkeitsabgabe – auf welcher Rechtsbasis auch immer – für unsere Betriebe zum Tragen kommt.“ Die Unternehmer hoffen auf nachhaltigeren Erfolg dieser Ansage als beim ersten Anlauf 2010. Die Kommunen hingegen werden sich, ebenfalls nachvollziehbar, dieses Instrumentarium nur ungern aus der Hand nehmen lassen. Vielleicht kann aber in St. Pölten ein für alle gangbarer Kompromiss gefunden werden, der v.a. im Falle selben Angebots aus diesem Posten gleiche Marktbedingungen für alle schafft.


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4. August 20. August 25. August

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MFG URBAN SERIE NATIONALRAT

Was machen die dort eigentlich im

Parlament?

In unserer Serie „Was machen die dort eigentlich im Parlament?“ haben wir auch für diese Ausgabe wieder Nationalratsabgeordnete mit Bezug zum NÖ-Zentralraum um Antworten auf unsere Fragen gebeten: Homoehe, Anti-Diskriminierung, gläserner Bürger und Wünsche an St. Pöltens Stadtpolitik. Gleicher als gleich In den letzten Jahren hat sich der Umgang der Gesellschaft mit Homosexualität zunehmend entkrampft, dennoch behandelt der Staat homosexuelle Menschen nach wie vor beim Eherecht anders als Heterosexuelle. Sind Sie für echte Gleichstellung und Homoehe? Und: Soll der Diskriminierungsschutz ausgeweitet werden, sind Sie also für ein „Levelling-Up“? • Anton Heinzl, SPÖ: „Ja, in allen Aspekten des Lebens. Die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ist mit den Grundwerten der SPÖ nicht vereinbar. Wir versuchen auch seit langem umfassendere Anti-Diskriminierungsvorschriften umzusetzen, was am Widerstand der ÖVP scheitert.“ • Fritz Ofenauer, ÖVP: „Mein persönliches Leitbild ist die klassische Familie mit Kindern, aber ich will anderen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben und respektiere andere Formen des Zusammenlebens. Die 30

einzige Verbindung, die Nachwuchs auf natürlichem Weg erzeugen kann, ist die Verbindung zwischen Mann und Frau. Das ist ein faktischer Unterschied, der meiner Meinung nach eine unterschiedliche Beurteilung rechtfertigt, also die Ehe heterosexuellen Verbindungen vorbehält. In der Politik geht es auch um Freiheit des Bürgers gegenüber völliger Regulierung durch den Staat. Dies ist beim ‚Levelling-Up’ zu beachten. Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Der Rechtsstaat muss die Freiheit des Menschen schützen. Ich trete gegen staatliche Bevormundung und für Schutz privaten Eigentums als Ausdruck persönlicher Freiheit ein.“ • Niki Scherak, Neos: „Es soll kein Unterschied zwischen heteround homosexuellen Partnerschaftsformen gemacht werden. Deshalb steht NEOS auch für eine Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare. Die derzeitige Form der ‚eingetragenen Partnerschaft’ stellt jeden-

falls eine Ungleichbehandlung dar. Wir haben auch zahlreiche Gesetzesänderungsanträge dazu eingebracht. Bei der diskutierten Ausweitung des Diskriminierungsschutzes kommt es zum Konflikt zwischen dem Recht auf Gleichbehandlung und dem Recht auf Eigentum. Eine uneingeschränkt offene Gesellschaft steht nicht nur für Vielfalt, sondern auch für Vitalität. Offenheit, Vielfalt und Vitalität lassen sich nicht durch Beschlüsse herstellen und ganz sicher nicht durch gesetzliche Regulierungen durchsetzen. Was es braucht, ist ein mutiges und entschlossenes Auftreten von uns allen – und zwar gegen jedwede Form der Ungleichbehandlung.“ Zeigt her eure Konten! Im Rahmen der Steuerreform sollen Verwaltungsbehörden ohne richterlichen Beschluss volle Einsicht in Konten von Privatpersonen haben. Würden Sie einer derartigen Gesetzesvorlage zustimmen?


TEXT: michael müllner | Foto: PETER KORRAK / PARLAMENTSDIREKTION

STP aus der Vogelperspektive? St. Pölten wählt 2016 einen neuen Gemeinderat. Welche „Baustellen“ von überregionaler Bedeutung sollte die Stadtpolitik Ihrer Meinung nach noch in Angriff nehmen, wo sehen Sie aus Ihrer „Vogelperspektive“ die Kommunalpolitik in den nächsten Monaten besonders gefordert?

• Anton Heinzl: „Als Nationalrat ist es nicht meine Aufgabe, dem Gemeinderat ‚Hausaufgaben‘ aufzugeben. Klar ist: Die Stadt hat sich extrem positiv entwickelt und ist zur Landeshauptstadt mit der wohl höchsten Lebensqualität Österreichs geworden. Dazu tragen auch enorme Investitionen des Bundes bei.“ • Fritz Ofenauer: „St. Pölten hat sich – offenbar zur Überraschung mancher Kommentatoren in großen Tageszeitungen – in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Dennoch darf sich ein Bürgermeister – auch wenn er eine Vielzahl an politischen Rollen hat – darauf nicht ausruhen, sondern muss Entscheidungen treffen, die St. Pölten weiter voran bringen. Es stehen noch einige aus, zum Beispiel Verbesserungen beim LUP und dessen Einbindung in den überregionalen Nahverkehr. Auch in Sachen Domplatz ist eine Entscheidung zu treffen, da die St. Pöltner Innenstadt als Wirtschafts-, Wohn- und Lebensraum weiter gestärkt werden muss.“ • Niki Scherak: „Transparenz, Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit werden Schwerpunkte bilden. Schulden und Haftungen müssen in den Griff bekommen und transparent gemacht werden. Swap-Geschäfte, bei denen die Verantwortlichen ihre eigene Finanzgebarung nicht einmal selbst durchschaut haben, müssen der Vergangenheit angehören. Die Arbeitsmarktsituation  wird durch die teilweise Schließung des letzten großen Industriebetriebs Voith weiter angespannt sein. Statistisch rettet man sich mit der Ansiedlung diverser Landeszentralen (‚Mehr Arbeitsplätze als Einwohner!’), in diesem Jahr mit der Arbeiterkammer. Auf lange Sicht wird sich St. Pölten neu erfinden müssen, um die ‚alten’ Arbeitsplätze durch neue, im Idealfall innovative Jobs zu ersetzen. Mit FH und NDU werden junge Leute in die Stadt geholt, diese muss man aber auch langfristig binden. Perspektivenlosen Jugendlichen mit Hang zur Radikalisierung setzt man am Bahnhof ein ehemaliges Blumengeschäft als Polizeiaußenstelle ohne Personal entgegen.

Ai, ai, jippieh yeah

Tina Reichl „Hast du einen Garten und eine Bibliothek, dann hast du alles, was du brauchst.“ Was zu Ciceros Zeiten noch Gültigkeit besaß, hat sich 2000 Jahre später etwas verändert. Eine Bibliothek ist noch immer wichtig und wertvoll, schafft ein angenehmes Raumklima und zeigt den Gästen, dass man gescheit und belesen ist, oder es zumindest gerne wäre. Und solange man alle Bände von „Shades of grey“ hinter Dantes „Göttlicher Komödie“ versteckt, kann man das Bild auch aufrechterhalten. Die Sache mit dem eigenen Garten hört sich auch sehr verlockend an, doch ist von der romantischen Vorstellung als Neogartenbesitzerin, die da war – ich, in der Hängematte, rund um mich blühendes Grün, fröhliches Vogelgezwitscher im Hintergrund, eine sanfte Brise streift mir durchs Haar – nicht viel geblieben! Heute brauchst man zusätzlich zu einem Garten nämlich noch unbedingt Folgendes: einen Rasenmäher mit Ersatz-Akku, einen Kärcher, eine Heckenschere, einen Streuwagen für die gleichmäßige Dosierung des Düngers, Schneckenkorn, Rasensamen, einen Fugenkratzer, einen Zauberschlauch, ein Hochbeet, einen Griller plus Utensilien, eine Sitzgarnitur plus Auflagen und einer Abdeckplane, zusätzliche Liegestühle für die Gäste, Sonnenschirme, Palmen sowie Oliven- und Zitronenbäumchen für den mediterranen Flair, Gartenhandschuhe, Unkrautstecher, Gartenscheren, Spaten, Harken, eine Scheibtruhe, Gießkannen uvm. Und diese Liste stammt nicht aus dem Werbeprospekt eines Baumarktes, sondern aus dem Mund meines, zum Heimwerkerking mutierten Mannes, der nur mehr „Singing ai, ai, jippieh, jippieh, yeah“ durch den vertikutierten Garten pflügt! Ich verzieh mich aber lieber in die Hängematte. Mir fehlt nur noch eines: Ein gutes Buch! Muss gleich mal hinter Dante greifen!

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Foto: Photographee.eu - Fotolia.com

• Anton Heinzl: „Ja, da dies nur bei einem begründeten Verdacht erlaubt sein wird. Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt sondern Diebstahl. Der Wunsch zur gegenwärtig diskutierten Regel stammt direkt aus dem ÖVP-Finanzministerium. Ich gehe davon aus, dass der Koalitionspartner weiterhin davon nicht abweicht.“ • Fritz Ofenauer: „Es war und ist keine generelle Konteneinsicht geplant. Ohne ein entsprechendes FinanzVerfahren soll auch künftig niemand in ein Bank-Konto Einschau nehmen können. Es wird weder Willkür noch Schnüffelei geben, das hat Minister Schelling klar gestellt. Dafür werden auch Rechtsschutzbeauftragte und das geplante ‚Vier-Augen-Prinzip’ sorgen. Wie der endgültige Gesetzesentwurf aussieht, wird erst nach der Begutachtungsfrist feststehen, erst dann kann ich ihn beurteilen. Ein richterlicher Beschluss ist übrigens auch derzeit nicht notwendig und würde bei Einführung eine Verschärfung des Bankgeheimnisses bedeuten.“ • Niki Scherak: „Eine Konto-Einschau ohne richterlichen Beschluss ist für NEOS inakzeptabel. Es gibt geschwärzte Akten im U-Ausschuss, Haftungen und Schulden der Länder werden verschleiert und das Amtsgeheimnis verhindert ein Recht auf umfassende Informationsfreiheit gegenüber dem Staat. Die Bürgerinnen und Bürger werden im Gegenzug immer stärker unter Generalverdacht gestellt: von Rasterfahndung, Lauschangriff, Vorratsdatenspeicherung bis hin zur jetzt geplanten Einsicht in private Konten ohne richterlichen Beschluss.  Die vorherrschende Tendenz in Richtung gläserner Bürger sollte stattdessen umgekehrt werden – der Staat muss transparenter werden!“

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MFG URBAN SERIE BILDUNG

Sekundarstufe I Die gymnasiale Unterstufe und die Hauptschule bzw. die Neuen Mittelschulen bilden die Sekundarstufe I – und damit wohl eines der am häufigsten und hitzigsten diskutierten Themen der österreichischen Bildungspolitik. Gesamtschule, PISA-Schock und Bildungsvererbung sind Kernthemen vergangener und aktueller Bildungsdebatten.

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pätestens nach dem „PISASchock“ im Jahr 2003 flammten die Diskussionen rund um das österreichische Schulsystem wieder auf, Kernpunkt war die Sekundarstufe I. So wurden – vor allem von SPÖ-Seite – Forderungen nach einer Gesamtschule laut, der Absturz im PISA-Ergebnis wurde parteipolitisch instrumentalisiert und als Versagen der schwarz-blauen Regierung ausgelegt. Nachdem Ungereimtheiten von Statistikern entdeckt worden waren, wurden die PISA-Ergebnisse des Jahres 2000 nachträglich nach unten 32

korrigiert – demnach gab es keinen Absturz, sondern man befand sich bereits damals im Mittelfeld der getesteten Länder. Und man kann von der PISA-Studie halten was man will, sie liefert aber dennoch in einmaliger Form eine Vielzahl von Daten und Vergleichsmöglichkeiten. Die Rufe nach einer Gesamtschule blieben jedenfalls bestehen, so forderte etwa das von Hannes Androsch initiierte Bildungsvolksbegehren im Jahr 2011 eine „Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht“. Es

passierte das, was häufig in Österreich passiert: Schulreformen bleiben vielfach halbgare Kompromisse und verkommen eher zu ideologischen Grabenkämpfen – zu verfahren sind die politischen Fronten. Die Gesamtschule als Zankapfel Die Meinungen zur Gesamtschule gehen nicht nur in der Politik auseinander, sondern auch auf Ebene der Experten. Das österreichische und das deutsche Schulsystem sind dabei im Gegensatz zu vielen anderen (auch westeuropäischen) Ländern durch


TEXT: Gotthard Gansch, Sascha Harold, Siegrid Mayer | Fotos: Karl Stadler, Sascha Harold, Horst Dockal, Coloures-pic - fotolia.com

eine Zäsur nach der Volksschule gekennzeichnet, hier erfolgt bereits die Trennung in Hauptschule bzw. Neue Mittelschule und gymnasiale Unterstufe. Genau da setzt auch die Kritik der Gesamtschulbefürworter an: Die frühe Selektion „für anspruchsvollere weiterführende Bildungskarrieren im Alter von zehn Jahren ist psychometrisch in hohem Maße unverlässlich“, schreibt etwa der emeritierte Professor der Universität Wien Karl-Heinz Gruber im Artikel „Gesamtschule – Anatomie und Pathologie der Reform der Sekundarstufe I in Österreich und Deutschland im internationalen Kontext“. Es ließen sich zwar am unteren und oberen Ende des Begabungsspektrums Kinder identifizieren, für die künftiger Schulerfolg ziemlich bzw. kaum wahrscheinlich sei, dennoch sei für die große Mehrheit eine derartige Prognose schlicht nicht möglich, wie Gruber weiter ausführt. So würde nicht einmal das höchstentwickelte und aufwendigste Ausleseverfahren, das im Alter von elf Jahren durchgeführte englische Ausleseverfahren „Eleven-plus“, eine zufriedenstellende Reliabilität aufweisen. Die mangelnde Trennschärfe der Ausleseverfahren und die Überlappung der Begabungsspektren seien vielfach bestätigt, schreibt Gruber, der zur folgenden Conclusio kommt: „Je früher schulische Auslese bzw. organisatorische Differenzierung erfolgt, desto stärker profitieren davon Kinder aus ‚bildungsnahen‘ Mittelund Oberschichtfamilien und desto stärker benachteiligt sind Kinder aus ‚bildungsfernen‘ Unterschichtund Migrantenfamilien. Infolge der ‚Weichheit‘, der Subjektivität und des Mittelschichtkinder begünstigenden ‚social bias‘ der Grundschullehrerurteile über die Gymnasialeignung

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erfolgt der Übertritt ins gymnasiale Schulsystem in Österreich und in Deutschland weitgehend als soziale Selbstauslese, die mehr von den Ambitionen und den Aspirationen der Eltern als von der Begabung der Kinder bestimmt wird.“ Die im Vergleich zu anderen Ländern frühe Selektion determiniert in weiterer Folge den weiteren Bildungsweg, so schreibt auch die Statistik Austria in ihrem Bericht „Bildung in Zahlen 2013/14“: „Die Wahl der dort [Sekundarstufe II, Anm.] besuchten Ausbildung wird stark von dem in der Sekundarstufe I besuchten Schultyp, also der ‚schulischen Herkunft‘, beeinflusst.“ So zeigte sich etwa beim österreichischen Expertenbericht zur PISA-Studie 2006, dass die gymnasiale Unterstufe mit steigendem Bildungsgrad der Eltern immer häufiger gewählt wird: Haben die Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss, besuchen elf Prozent deren Kinder eine AHS, bei BMS bzw. Lehre sind es 17 Prozent, bei Matura bereits 47 Prozent und bei universitären Abschlüssen als höchsten Bildungsabschluss der Eltern besuchen 61 Prozent der Kinder eine AHS. Bildungsmobilität in Österreich Die Bildungsmobilität wird dabei in Österreich immer wieder kritisiert, Bildung wird in Österreich quasi vererbt. So konstatiert auch hier die Statistik Austria: „Die Schulbildung der Eltern und ihre Stellung im Beruf wirken sich erheblich auf die Bildungslaufbahn aus.“ So erreichten etwa in der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen 55,8 Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten einen Hochschulabschluss, aber nur 6,6 Prozent jener Kinder, deren Eltern als höchste Ausbildung lediglich ei-

SEKUNDARSTUFE I ST. PÖLTEN 2013 8 Standorte von NÖ Mittelschulen. Körner I, Körner II, Körner III, Körner IV, Pottenbrunn, St. Georgen, Viehofen, Wagram 4 Gymnasien Schulring, Josefstraße, Mary Ward, BORGL

nen Pflichtschulabschluss aufweisen. Der Zusammenhang besteht auch vice versa: 27,3 Prozent der Kinder aus einem Elternhaus mit höchstens Pflichtschulabschluss in dieser Altersgruppe erreichen selbst nur diesen Bildungsabschluss, wohingegen nur 5,1 Prozent der Akademikerkinder auf der untersten Ausbildungsstufe verbleiben. Auch vonseiten des Ministeriums für Bildung und Frauen wird dies bestätigt: „Es ist richtig, dass die Bildungskarriere in Österreich leider noch immer sehr stark vererbt wird. Besondere Anstrengungen sehe ich daher vor allem darin, Maßnahmen zu setzen und zu fördern, die allen Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrer sozialen, regionalen oder kulturellen Herkunft entsprechende Bildungsmöglichkeiten gewähren. Der Ausbau der Ganztagsschulplätze und die Förderung einer guten Durchlässigkeit der verschiedenen Schulangebote sind zentrale Maßnahmen.“ Notburga Grosser, Vizerektorin der KPH Wien/Krems, ergänzt: „Ein wichtiges Ziel für das österreichische Bildungssystem wird sein, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler qualifizierte Schulabschlüsse der Sekundarstufe I erreichen und somit Berechtigungen für weitere Bildungswege erwerben. Des Weiteren kann interkulturelle Elternarbeit, die die Kooperation zwischen Schule und

„Ein wichtiges Ziel für das österreichische Bildungssystem wird sein, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler qualifizierte Schulabschlüsse der Sekundarstufe I erreichen und somit Berechtigungen für weitere Bildungswege erwerben.“ Vizerektorin Notburga Grosser, KPH Wien/Krems


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Elternhaus stärkt, eine Maßnahme zum Abbau von Bildungsbenachteiligung sein.“ Die in Österreich besonders stark ausgeprägte Korrelation von familiärem Hintergrund und Bildungskarriere kritisiert auch der 2014 erschienene OECD-Bericht „Education at a Glance“. So haben in Österreich nur 29 Prozent (Durchschnitt liegt bei 38 Prozent, Anm.) ein höheres Bildungsniveau als ihre Eltern erreicht. In diesem Bereich wird Österreich als 21. Land von 23 untersuchten und gereihten Ländern geführt, nur in Deutschland und Tschechien ist es um die Aufwärtsmobilität noch schlechter bestellt. Bemerkenswert ist hier vor allem aber auch das schlechte Abschneiden im internationalen Vergleich. Das Elternhaus wird natürlich immer einen großen Einfluss auf die Kinder haben. Nach Pierre Bourdieus Kapitaltheorie ist klar, dass Kinder aus „bildungsfernen“ Haushalten nicht mit demselben Zugang zu sozialem, aber auch zu kulturellem oder ökonomischem Kapital rechnen können. Bourdieu kritisiert aber in weiterer Folge die Institution Schule als mitverantwortlich durch das Reproduzieren bestehender sozialer Strukturen. Und das österreichische und deutsche Schulsystem schneidet zumindest in der Aufwärtsmobilität dahingehend schlecht ab, obgleich der Wiener Universitätsprofessor Stefan Hopmann zu bedenken gibt, dass „soziale Mobilität zunächst und vor allem von gesellschaftlichen Verhältnissen bedingt wird.“ Schule allein könne da nur begrenzt etwas ausrichten, gefordert seien vor allem Sozial-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik: „Wenn zum Beispiel Kinder in Armut, Ungewissheit sozialer Ausgrenzung oder belastenden familiären Verhältnissen leben (sie erklären laut internationaler Forschung gut und gerne 80% der

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Bildungsunterschiede, Anm.), dann kann Schule das aus eigener Kraft kaum beheben. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Schule die Lebenssituation der Betroffenen nicht noch verschlimmert.“ Seiner Ansicht nach müsste die Schule an die geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse angepasst werden (Lehrplan, Lehrkräfte, Schulautonomie etc.), zum anderen auch gezielte Hilfen für diejenigen bereitgestellt werden, die weniger außerschulische Ressourcen haben. Die Gesamtschule sieht er hier als kein adäquates Mittel: „Dahinter steckt der irrige Glaube, die Zusam-

„Es wäre schon viel gewonnen, wenn Schule die Lebenssituation der Betroffenen nicht noch verschlimmert.“ Stefan Hopmann, Universität Wien

menführung aller in einem formal einheitlichen Schultyp würde quasi automatisch das Ausmaß ungleicher Bildungschancen verringern und zu einer besseren Durchmischung der Schülerströme führen. Das ist jedoch nicht der Fall. Es kommt letztendlich weniger auf die Oberflächenstruktur eines Bildungswesens an, sondern darauf, wie es gelingt, den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Ressourcen der Schülerinnen und Schüler am jeweiligen Schulstandort gerecht zu werden.“ Hopmann schlussfolgert weiter: „Statt also viel Geld in einer wenig aussichtsreichen Strukturreform zu verplempern, wäre es sinnvoller, zielgruppenspezifische Interventionen zu ermöglichen. Wie man die dementsprechend sehr unterschiedlich aufgestellten Schulen dann nennt, ist völlig nebensächlich.“


Sekundarstufe I

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Umstellung auf Neue Mittelschulen Die Hauptschule wird als Schultyp bis 2018/19 von der Neuen Mittelschule abgelöst werden. Die Neue Mittelschule ist dabei nicht als neuer Schultyp konzipiert worden, sondern als Modellprojekt zur organisatorischen und pädagogischen Weiterentwicklung der Sekundarstufe I. Sie stützt sich auf den bestehenden Lehrplan für Realgymnasien, unterscheidet sich aber in einigen Merkmalen von den bisherigen Schulformen: Es werden keine Leistungsgruppen wie in der Hauptschule geführt, sondern heterogene Klassen mittels sogenannter innerer Differenzierung. In Deutsch, Mathematik, Englisch und neuerdings auch in schulautonomen Schwerpunktbereichen werden in einem Teil der Unterrichtsstunden die Schüler von zwei Lehrern unterrich-

„Je früher schulische Auslese bzw. organisatorische Differenzierung erfolgt, desto stärker profitieren davon Kinder aus ‚bildungsnahen‘ Mittel- und Oberschichtfamilien und desto stärker benachteiligt sind Kinder aus ‚bildungsfernen‘ Unterschichtund Migrantenfamilien.“ Karl-Heinz Gruber, Universität Wien

tet, nach Möglichkeit soll einer der beiden Lehrer universitär ausgebildet sein. Änderungen gibt es auch die Leistungsbeurteilung betreffend, außerdem ist eine geänderte „Lern-LehrKultur“ ein Thema: Hierunter fallen didaktische Ausrichtungen wie die Förderung autonomen Lernens, eine Öffnung des Unterrichts (projektartige und offene Unterrichtsformen) und Individualisierung. Es wurden auch bereits erste Evaluationsergebnisse zu den Umstellungen auf NMS publik. Die Bilanz fällt durchwachsen aus, obgleich die „schulische Lebenswelt“ qualitativ besser geworden sei, der Unterricht sich besser an die Schüler anpasse und es einen kleinen Anstieg an Zufriedenheit gebe. Dennoch wird das Ziel der erhöhten Chancengleichheit verfehlt, die Zugangsquoten zu den AHS im Umfeld der jeweiligen Neuen Mittelschulen hätten sich nicht verändert. Ein geringer Anstieg der Übertritte in weiterführende höhere Schulen nach der Sekundarstufe I sei aber sehr wohl festgestellt worden. Stefan Hopmann erwartete auch nichts anderes: „Die Ergebnisse waren nicht überraschend, sondern erwartungsgemäß. Es ist auch nicht so, als sei die NMS flächendeckend gescheitert. Ganz im Gegenteil haben viele Schulen in anderen als den in der nationalen Evaluation in den Vordergrund geschobenen Bereichen sehr gute Erfolge erzielt, insbesondere wenn es um die Entwicklung und Stabilisierung der Lernkulturen, Lernfähigkeiten und Lernbereitschaften geht. Man hätte sicher noch mehr erreichen können, wenn nicht die Weiterentwicklung der Hauptschule (um mehr geht es ja nicht)

durch zahllose unsinnige Beschränkungen (z.B. beim Teamteaching) und Vorgaben (z.B. beim Notensys­ tem) in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt worden wäre.“ So kommt Hopmann zum Schluss, dass der „Fehler hier ganz klar auf Seiten einer ohne pädagogischen Sachverstand agierenden Bundespolitik liegt, nicht auf Seiten der Lehrkräfte, deren Engagement zum Teil durch ebensolche unsinnigen Eingriffe massiv behindert wurde und wird.“ Vonseiten des Bundesministeriums für Bildung und Frauen (BMBF) sieht man das naturgemäß anders, die Ergebnisse hätten gezeigt, „dass wir mit dem pädagogischen Konzept der NMS auf dem richtigen Weg sind: Dort wo es vollständig umgesetzt wurde, ließen sich auch Verbesserungen beim Schulklima und den Leistungen feststellen“. Seitens des

Dir. Ennser: „Erwartungen sollten nicht überdehnt werden, die NMS kann auch mit Gymnasiallehrern keine Wunder bewirken.“

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Ministeriums wird auch bestätigt, dass über die Einführung einer Gesamtschule nachgedacht wird: „Bereits beim Start mit der NMS 2008 – damals noch im Schulversuchsstadium – war die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen das langfristige Ziel. Durch die längere gemeinsame Zeit und die damit verbundene spätere Trennung können sich die Talente und Begabungen der Schüler­ Innen besser entwickeln und schaffen mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit.“ Im Evaluationsbericht zur NMS wird aber treffend formuliert: „Für eine bildungspolitische Entscheidung zur Verwirklichung einer Gesamtschule auf der Sekundarstufe I ist aber derzeit im österreichischen Parlament keine Mehrheit vorhanden.“ Die Bundespolitik ist gespalten, selbst Experten sind sich nicht einig, welches Schulsystem das bessere ist. Auf Länderebene tut sich jedoch etwas, Vorarlberg will in Zukunft auf ein Gesamtschulmodell setzen. Unterschiedliche Meinungen zur Gesamtschule in St. Pölten Zur Gesamtschule gibt es also verschiedene Meinungen. Von der Direktorin des Gymnasiums Josefstraße, Silvia Klimek, sowie der Direktorin des Mary Ward Privatgymnasiums, Charlotte Ennser, wird sie dezidiert abgelehnt. So verweist Klimek darauf, dass Kinder verschiedene Fähigkeiten und Anlagen haben. „Zu viele unterschiedliche Begabungen und Entwicklungsstadien in einer Klasse sind kaum zu überbrücken. Eine Förderung individueller Bedürfnisse kann dabei nicht umgesetzt werden, auch wenn zwei Lehrer in einer Klasse stehen – was überdies sehr teuer ist.“ Zielführender fände Ennser dahingegen ganztägige Schulen. „Die Wahl sollten aber letztlich immer die Eltern haben, aber keine Zwangsverpflichtung.“ Ihrer Ansicht nach besteht kein großer Unterschied zwischen der NMS und der Hauptschule: „Ich beobachte dies in unserer NMS, wo Lehrer vom Gymnasium eingesetzt 36

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„Die Idee der Neuen Mittelschule ist super, das jetzige System ist viel durchlässiger als die Leistungsgruppen früher!“ Ilse Suez, Lerndesignerin, Theodor Körner NMS

werden. Die Erwartungen sollten hier aber nicht überdehnt werden, die NMS kann auch mit Gymnasiallehrern keine Wunder bewirken.“ Positiv sei aber, dass die Lehrer zu zweit sehr gut in der NMS arbeiten könnten. Die Erfahrungen mit der NMS seien aber generell sehr positiv. Auch in der NMS Theodor Körner IV zeigt man sich zufrieden. Drei Jahre sind seit der Umstellung vergangen, ein letzter Jahrgang wird derzeit noch als herkömmliche Hauptschule unterrichtet, der Rest ist bereits auf das neue System umgestellt. Otto Weber, Direktor der Schule, zeigt sich mit dem neuen System grundsätzlich zufrieden: „Für uns war die Umstellung nicht ganz so schwierig, weil wir wegen der Schülerzahlen nie drei Leistungsgruppen hatten – immer maximal zwei.“ Dadurch, dass alle Kinder einer Klasse gemeinsam unterrichtet werden sollen, entstehen auch neue Herausforderungen: „Wir haben in allen Jahrgängen auch Integrationskinder, die in manchen Gegenständen nach dem Lehrplan der Sonderschule unterrichtet werden“,

beschreibt Weber die Pluralität seiner Schule. Machbar sei das nur mit sogenannten Integrationslehrern, die als Zweitlehrer fungieren und somit den gemeinsamen Unterricht in einer Klasse nach zwei Lehrplänen ermöglichen. Bereits hier lässt sich erahnen, dass die konsequente Umsetzung der NMS hohen Ressourceneinsatz braucht Die Schüler Auch für die Schüler bedeutet das neue System Umstellung. Denn anders als in den alten Hauptschulen sind auch Prüfungen einheitlich und müssen von allen Schülern einer Klasse gleichermaßen abgelegt werden. Dabei ist die Balance wichtig – Beispiele müssen für Schwächere machbar sein und gleichzeitig Bessere fördern. Für die Umsetzung dieser utopisch anmutenden Vision ist an der Schule unter anderem Lerndesignerin Ilse Suez zuständig. Die Integrationslehrerin hat sich in einem zweijährigen Kurs auf die Anforderungen der Neuen Mittelschule vorbereitet und ist zumindest vom theoretischen Konzept überzeugt:


Sekundarstufe I

„Im Fokus steht das selbstständige Arbeiten, freiwillige Mehrarbeit nach Interessen und Präsentationsfähigkeit – auch im Hinblick auf Bewerbungsgespräche.“ Das alles, bei gleichzeitiger Individualisierung der Schüler, klingt nach einer, vorsichtig ausgedrückt, schwierigen Aufgabe. In der Praxis führt vor allem der Ressourcenmangel zu einer schleppenden Umsetzung, konstatiert auch Suez. „Die Idee der Neuen Mittelschule ist super, das jetzige System ist viel durchlässiger als die Leistungsgruppen früher! Aber mit der aktuellen Sparpolitik ist es nur sehr bedingt umsetzbar.“ Eine Lehrkraft alleine könne den theoretischen Anforderungen der Schulform nicht gerecht werden, vor allem im Angesicht des Mehraufwands an Vorbereitung, den die NMS definitiv gebracht hat. Äußerungen wie jene des Wiener Bürgermeisters stoßen hier nur auf müdes Lächeln. Was letztlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wird, sind aber ohnehin die Akteure. Es braucht einerseits engagierte Lehrkräfte, gleichzeitig aber auch Schüler und Klassen, die das Angebot wahrnehmen. Das geht manchmal besser und schlechter. Direktor Weber spricht auch von einer konkreten Klasse, bei der sich die neue Unterrichtsform nicht umsetzen lasse, weil die Schüler das partnerschaftliche Lernen schlicht nicht annehmen. „Da

bleibt uns nur der herkömmliche Frontalunterricht.“ Unterschied zwischen Arbeitszeit und Unterrichtszeit Ebenfalls neu ist die Lehrerausbildung. So wurde nunmehr auch an den Universitäten das Lehramtsstudium auf das Bologna-System, das mit Bachelor und Master abschließt, umgestellt. Auch das neue Lehrerdienstrecht wurde fixiert, das aber die Forderung der Pädagogen nach mehr Unterstützungspersonal nicht stillen konnte – nach wie vor hinkt Österreich diesbezüglich im internationalen Vergleich weit hinterher. Dies spielt auch eine Rolle bei der leidigen Diskussion um die Unterrichtszeit, Lehrer müssen hierzulande nämlich viel Zeit auch für Unterrichtsfremdes aufwenden. Klimek, Direktorin des Gymnasiums Josefstraße, dazu: „Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Arbeitszeit und Unterrichtszeit!“ Unterstützungspersonal könnte helfen, dass Lehrer sich wieder ihrer Kernkompetenz, dem Unterrichten, widmen können. „Unterstützungspersonal gibt es in vielen Schulen gar nicht. Das Gymnasium Josefstraße ist in der glücklichen Lage eine Sozialarbeiterin zu haben, die zwei Mal in der Woche anwesend ist.“ Stefan Hopmann gehen all diese Änderungen aber ohnedies nicht

weit genug: „Es macht wenig Sinn nur an einer Schraube zu drehen. Bis zum Beispiel Wirkungen einer neuen Lehrerbildung flächendeckend im Schulsystem ankommen, vergeht mehr als ein Dutzend Jahre. Nein, es käme darauf an, das österreichische Schulwesen ‚vom Kopf auf die Füße zu stellen‘, das heißt das dichtmaschige, immer weiter um sich greifende zentralistische Verwaltungsregime durch eine neue Art der Schulfreiheit zu ersetzen. Wir brauchen ‚starke Schulen‘, die sich ihr Personal aussuchen, ihr Budget verwalten und ihren Schulalltag entsprechend den Erfordernissen am Standort organisieren können. Alles übrige: Schulfinanzierung, Dienstrecht, Ausbildung, Weiterbildung, Arbeitseinteilung, Schulorganisation etc. müsste also am Grundsatz ausgerichtet sein, ‚starke Schulen‘ zu schaffen. Deswegen bringt es auch nichts, Schulen ein bisschen mehr Spielraum und viel mehr Verantwortung zuzuschieben. Nein, wir brauchen einen grundlegenden Wandel, wie er in vielen Ländern schon begonnen hat, in Österreich aber immer noch an Maria Theresianischen Handlungsstrukturen scheitert.“ Der grundlegende Wandel wird aber wohl noch ausbleiben. Immerhin sind aber bereits Änderungen durchgeführt worden – ob zum Besseren, bleibt abzuwarten.

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Urlaubsflair am St. Pöltner Rathausplatz Sommerzeit heißt Festivalzeit und die kann man in St. Pölten beim „Sommerfestival“ von 9. Juli bis 16. August 2015 am Rathausplatz wieder in vollen Zügen genießen. Die Eröffnung am 9. Juli 2015 findet mit dem schon traditionellen Bieranstich durch Bürgermeister Mag. Matthias Stadler um 19.00 Uhr statt. Nach dem Bieranstich unterhält Tom Schwarzmann & Dancingbrass die Besucher. Von Evergrenns bis hin zu aktuellen Titeln begleitet die vertraute Stimme des ORF Moderators und seine Formation Dancingbrass den Eröffnungsabend. Auftritte von St. Pöltner Künstlern wie Mika Stokkinen, Reini Dorsch Trio, F.A.B 3, Egon Backstage Band und den Legendary Daltons werden ebenso für Stimmung sorgen wie Sharona, on the roxx und viele andere mehr. Mit der niederländischen Band bag of Bones, die im Sommer auf Österreich-Tour unterwegs ist, 38

wird auch eine internationale Band für Stimmung sorgen. Auch heuer gibt es wieder rund um die Pestsäule die Leiner „chill out Area“, wo man bei einem der vielen Cocktails oder bei einem guten Glas Wein den Abend ausklingen lassen kann. Genießen und gustieren sollte man auf jeden Fall auch die Vielfalt der gastronomischen Angebote, die wiederum drei neue „landestypische“ Spezialitäten bietet. So führt die Reise der Genüsse von Fernost über Südamerika und in die Staaten bis hin zu den wohlbekannten Gefilden heimischer Kochtöpfe. Mit Italien, Spanien und Frankreich werden wieder neue und interessante länderspezifische Speisen den Gourmetgaumen erfreuen. Von Crêpes, Pasta bis zur spanischen Paella ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ebenso wird es wieder viele heimische Schmankerl beim

diesjährigen Sommerfestival geben. Die auserwählten ländertypischen Weinspezialitäten sind am Sommerfestival nicht mehr wegzudenken und werden auch heuer wieder von den Gastronomen mit Freude serviert. Freuen Sie sich auf ein abwechslungsreiches Programm angefangen von Köstlichkeiten für den Gaumen, musikalischen Genüssen und die neuesten Kinofilme ab dem 9. Juli bis zum 16. August. Das Sommerhighlight des Jahres 2015 am Rathaus, mitten im Herzen unserer Barockstadt St. Pölten. Nähere Information und wöchentliche Details zum Sommerfestival 2015 finden Sie auf der BüroV Homepage unter www.buerov.com


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Reiselektüre

Wenn es das Wort Multitasking noch nicht gäbe – für Althea Müller müsste man’s erfinden. Die Chef-Textarin (!) von Wild Publics, CityFlyer-Macherin, Planet MusicKomplizin, Reisende und langjährige MFG-Redakteurin hat jetzt ihren ersten Roman geschrieben: KOFFERKIND heißt das schöne Stück, das es als e-book seit Kurzem käuflich zu erwerben gibt. Darin schickt die Autorin ihre – durchaus mit autobiografischen Zügen versehene – Heldin Karo auf eine wilde Reise durch den „ganz normalen Wahnsinn“ der Generation Kreatives Prekariat. Wer Müllers Kolumnen kennt, ahnt, was auf die Leserschaft zukommt – und liegt gleichzeitig falsch: Denn ihre gewohnt wunderbaren Flappsigkeiten und witzigen Beobachtungen gehen hier Hand in Hand mit einem gerüttelt Maß an Lebensweisheit, getränkt in unaufdringlicher Melancholie. „Let’s dance to Joy Division!“ heißt’s irgendwann im Buch – und das gäbe auch gleich ein gutes Motto ab: Tanz die Abstürze, die versalzenen Suppen, das rastlose Von-Wohnung-zu-Wohnung-Ziehen weg! Endlich angekommen.

Fröhlicher Holmes Alles beginnt mit Glockenschlagen im Hintergrund und der Befürchtung eines zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Mannes: „Ich werde heute sterben. Ich will nicht sterben ...“ Und schon ist man mittendrin in Thomas

Fröhlichs fantastisch-gruseliger Achterbahnfahrt „Sherlock Holmes und das Geheimnis des Illusionisten“. Diesmal freilich nicht in Form des gleichnamigen Buches, nicht als Zuschauer der Bühnenfassung (die Inszenierung von PERPETUUM war siebenmal ausverkauft!), sondern in der Hörspielfassung. Und diese weiß gleichfalls zu überzeugen – na und wie! So hat der St. Pöltner Autor damit vor Kurzem Deutschlands renommiertesten Fantastik-Preis, den „Vincent Preis“, in der Kategorie „Bestes Hörspiel“ gewonnen. Und spätestens wenn man den guten alten Holmes mit der Stimme Kevin Spaceys deutscher Synchronstimme (Till Hagen) seine Analysen vortragen hört, findet man es nur mehr geil!

Fotos: Igor Normann - Fotolia.com, Althea Müller, zVg

Michael Haydn vergrößert also, sprich: er eröffnet ein „richtiges“ Weinlokal in zentraler Lage neben seinem bestens eingeführten Verkaufs- (und Verweil-)Laden. Den Koll gibt’s wieder, reinkarniert als Vinzenz Pauli. Hinter Letzterem steht ein Team, von dem man annehmen darf, dass es – nach den Erfolgsstories Schubert und Emmi – weiß, wie’s geht. Dazu gesellen sich das pittoreske Wellenstein, das freundliche Addo’s, der Dauerbrenner Cinema Paradiso, das verlockende Lorenz, Egon, Narrnkastl (und für Liebhaber authentisch verschlissener 70erJahre-Atmosphäre das Old SchoolKaffeehaus Fröstl) undundund. Man ist versucht, von einer Genussregion St. Pölten zu sprechen. Und fragt sich mitunter gleichzeitig, ob besagter Genuss in Zeiten alltäglichen Terrors und stündlicher Katastrophen nicht etwas Verwerfliches an sich hat. Zudem wird die Phalanx der Genussfeinde immer größer, die (aus religiösen Gründen oder „nur“ aus Lebensunlust) am liebsten alles verbieten täten, was Freude macht – ob es sich nun um militante Nichtraucher-Blockwarte, Kampfveganer oder Zwangsabstinenzler handelt. Dabei ist bewusste Genussfähigkeit auch etwas, was uns als Menschen ausmacht und uns von den Eiferern, gleich welcher Couleur, unterscheidet. Allerdings: So wie der Komasuff eben nicht die Zielgerade des Genusses, vielmehr dessen genaues Gegenteil markiert, sollte auch der gastronomische Zuwachs nicht ins Uferlose wuchern, sondern sich gleichsam organisch entwickeln dürfen. Und manche Ideen, die als unausgegorene Mischung aus Donauinsel-Ballermann und Bobo-Be­ spassung an der Traisenpromenade daherkommen, mögen vielleicht noch einmal überdacht werden. Nüchtern, wenn geht.


MFG KULTUR

Felix Teiretzbacher

gib dir die Bohne Wenn man das EMMI in der Linzerstraße betritt, steigt einem für gewöhnlich der anregende Geruch frischen Kaffees in die Nase. Geht man dann ein Stück weiter ins Hinterzimmer, findet man auch die Antwort darauf: Felix Teiretzbacher röstet hier inmitten von Juttesäcken, Kaffeepackungen und Gästen seinen Kaffee.

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ls ich gegen 10 Uhr im EMMI eintrudle, steht Felix Teiretzbacher schon vor seiner hinreißend schönen coffeetool Röstmaschine. „Ein griechisches Fabrikat, das ein Familienbetrieb in zweiter Generation herstellt. Die zwei Söhne sind sehr innovativ und haben wirklich eine Topmaschine entwickelt“, schwärmt er. Eine Maschine, die freilich auch allein aufgrund ihres zeitlos-klassischen Charmes zu faszinieren weiß. „Ich kann mich noch 42

gut erinnern, als einmal eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn gekommen ist und ihm erklärt hat: ‚Schau, das ist eine Maschine – und der Bub hat ganz große Augen gemacht. Das war schon geil“, lacht Teiretzbacher, dem das Vermitteln traditioneller Handwerkskunst aber tatsächlich ein persönliches Anliegen ist. Das beweist nicht nur die mitten im Lokal situierte Röstmaschine, wo man dem Meister bei der Arbeit über die Schulter blicken kann, sondern auch der Um-

stand, dass immer wieder Schulklassen zu Besuch kommen. „Ich finde es wichtig, dass Kinder vermittelt bekommen, wie etwas funktioniert und gemacht wird. Das hat mich in meiner Volksschulzeit auch immer fasziniert – da waren wir etwa beim Schmied, beim Bäcker, beim Tischler, konnten die Sachen anfassen, zuschauen, selbst ausprobieren.“ Wobei die Tradition mit der Zeit geht. Selbst ein mit einer derart altmodischen, ja geradezu romantischen Patina aufgeladenes Handwerk wie das Kaffeerösten – ein Eindruck, der noch durch das sinnliche Erlebnis aus Duft, Geschmack, Knistern, Juttesäcken, Mahlgeräuschen etc. verstärkt wird – macht sich heute High Tech zunutze. Und so blickt Felix Teiretzbacher während des Röstvorgangs immer wieder in einen an die Röstmaschine angeschlossenen Laptop. „Ich verwende eine geniale Software eines Vorarlbergers, die auch von den


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Hermann rauschmayr

renommiertesten Röstereien weltweit genutzt wird. Das ist ja an sich schon ein witziger Gedanke, dass gerade jemand aus Österreich, wo es keinen Kaffeeanbau gibt, etwas derartiges entwickelt hat“, schmunzelt er und erläutert die Funktionsweise. „Mithilfe der Software kann ich sozusagen einen Blick in die Zukunft wagen. Die Kurven zeigen mir die Temperatur an, auch ihre zukünftige Entwicklung – und je nachdem kann ich, weil Kaffeebohnen sehr träge reagieren, entweder Energie zuführen oder reduzieren. Außerdem kann ich daraus für später Röstprofile ableiten, oder auch besser nachvollziehen, welche Faktoren sich wie ausgewirkt haben, wie die jeweiligen Bohnen die Energie aufnehmen.“ Kurzum: Allen voran kommt es beim Kaffeerösten auf die richtige Temperatur an. „Wird es zu heiß, verbrennt man die Bohne, verlieren die Bohnen dahingegen zu viel Energie, backen sie quasi nur, was im Endergebnis einen flachen, bitteren Geschmack bringt.“ Ebenso ist die Länge des Röstvorganges relevant. „Beim Rösten wird ja der Restzucker in der Bohne karamellisiert. Wenn ich zu lange röste, verbrennt das Karamell – der Kaffee schmeckt bitter.“ Als es plötzlich zu knistern beginnt, wendet sich Teiretzbacher wieder der Röstmaschine zu. „Das ist jetzt eine heikle Phase – was du hörst, ist der Knackpunkt, wenn sich die Bohne, ähnlich wie beim Popcorn, kurz aufbiegt. Jetzt verliert die Bohne viel Energie und du musst rasch neue zuführen – das siehst du auch anhand der Kurve“, zeigt er auf den Bildschirm. Als er die Röstung abgeschlossen hat und die Bohnen herausprasseln, schnuppere ich intuitiv. Teiretzbacher muss lachen und räumt mit einem Irrglauben auf. „Der typische Geruch stellt sich erst nach einem Tag, manchmal auch noch später ein, wenn die Bohnen ausgasen. Der Begriff ‚röst-

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frisch‘ ist so betrachtet ein bisserl ein Blödsinn.“ Wobei es bei mir ja schon am Grundsätzlichen scheitert, weil ich nicht einmal weiß, wie eine Kaffeebohne im Rohzustand aussieht. Teiretzbacher schiebt mir einen Teller mit vermeintlich grünen Linsen herüber: „Die stecken quasi in einer Kirsche drin, wobei immer zwei Bohnen in einer. Manchmal kommt es aber auch vor, dass nur eine drin steckt, die nennt man dann Perlbohne – und die ist dann rund und nicht auf einer Seite abgeflacht wie üblich.“ Aus aller Welt Bis die Bohnen aber auf diese Weise in den Händen des Rösters landen, haben sie schon einen langen, sehr arbeitsintensiven Weg hinter sich. „Das Besondere an Kaffee ist ja, dass er – weil er jedes Mal wächst, wenn es regnet – quasi in verschiedenen Stadien am Strauch existiert. Das heißt, du hast Knospen, Blüten und Früchte gleichzeitig!“ Wenig verwunderlich, dass Kaffee daher in der Regel nach wie vor mit der Hand gepflückt wird, „und das zumeist in sehr steilem, unwegigem Gelände. Das ist eine sehr harte Arbeit.“ Nach der Ernte gibt es – noch im Ursprungsland – verschiedene Verfahren der Weiterverarbeitung, die für den späteren Röstvorgang relevant sind. „Beim Sonnentrocknen trocknen die Bohnen quasi nach innen, dadurch wandert auch der Zucker aus dem Fruchtfleisch nach innen.“ Oder aber es kommt Wasser zum Einsatz. „Bei gewaschenen Kaffees wiederum ist das Gesamtbild klarer als bei getrocknetem Kaffee. Er schmeckt fruchtig und ist sehr fein nuanciert mit ausgeprägten Aromen.“ Während getrockneter Kaffee daher eher für dunkle Röstungen in Frage kommt, „das sind die klassischen Espresso-Röstungen mit viel Energie und Bitterstoffen“, werden die gewaschenen im Zuge heller Röstungen verarbeitet und für Fil-

terkaffee vewendet, der übrigens – wie Teiretzbacher verrät – schwer im Vormarsch ist, „einfach weil er fruchtiger, vielfältiger, runder im Geschmack ist. Da ist man bei der Vielfalt schon eher beim Tee, wobei man das Trinkverhalten, das Herausschmecken lernen muss wie beim Weintrinken – aber es ist ein großer Genuss!“ Und für den Röster wohl auch die spannendere Herausforderung, denn die ideale, gelungene Mischung fällt nicht vom Himmel, sondern ist Ergebnis eines mehrfachen Testdurchlaufs. „Ich bestelle zunächst nur eine 300g Probe eines Kaffees. Mit 150g mache ich eine Proberöstung, die ist zumeist hell und kurz. Da schau ich, ob der Kaffee schmeckt, ob er überhaupt Potenzial hat – ob er eher für Espresso oder Filterkaffee geeignet ist. Dann entwickle ich ihn in kleinen Chargen weiter, verkoste dazwischen immer wieder, solange bis er passt. Dann erst wird er ins Sortiment aufgenommen.“ Ein Prozess, der im Übrigen von einigen Tagen bis mehrere Wochen dauern kann, was auch vom Kaffee selbst, quasi dessen Charakter abhängt. „Es gibt Kaffees, die von vornherein

„Ich bin mir sicher, dass es bis heute mehr Menschen gelungen ist, einem Yeti zu begegnen als den perfekten Espresso zuzubereiten.“ Pugsley Addams MFG 06.15

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nicht so leicht zu entwickeln sind“, über ein zufriedenstellendes Ergebnis freut sich der Röster dann aber umso mehr. Seinen Kaffee bezieht Teiretzbacher entweder auf Messen, über kleine Spezialhändler oder zunehmend auch direkt beim Produzenten, „dann zumeist in kleinen Chargen, die der Industrie zu gering sind – zum Beispiel, wo es nur 14 Säcke weltweit gibt.“ Dadurch kann Teiretzbacher oft auf wahre Raritäten zurückgreifen, zum Beispiel sogenannte micro lots, die nur auf einem bestimmten Stück Land vorkommen. Ein favorisiertes Anbaugebiet hat er dabei nicht. Seine Kaffees kommen aus aller Herren Kaffeeländer wie Nicaragua, Kenia, Tansania, El Salvador, Ruanda, Brasilien. Alleine angesichts dieser Aufzählung kommen einem schon wild-romantische Assoziationen in den Sinn, und Teiretzbacher geht es da nicht anders. „Ich bilde mir ja immer ein, wenn ich einen Sack, sagen wir aus Guatemala, das erste Mal hier im Lokal öffne, dass mir dann direkt die Luft aus Guatemala entgegenschlägt.“ Wo, vor allem aber auch wie der Kaffee hergestellt wurde, ist Teiretzbacher dabei extrem wichtig. Zum einen aufgrund der notwendigen Informationen für den Röstprozess, zum anderen auch aus ethischen Gründen. „Ich möchte wissen, zu welchen Kon44

ditionen, unter welchen Bedingungen die Arbeiter den Kaffee hergestellt haben.“ Da schwingt das Bewusstsein einer globalen Verantwortung mit, die ihm zugleich Verpflichtung ist, alleine schon aus Respekt aus dem Grundprodukt etwas Besonderes zu machen. „Bis die Kaffeebohnen bei mir landen, steckt soviel Arbeit, so viel Energie drin – all das kann ich als Röster durch Unachtsamkeit, durch ein kleines Ungeschick wieder zunichte machen.“ Espresso Lebensgefühl Umgekehrt ist es gerade der Gedanke „aus einem an sich ungenießbaren Produkt etwas Gutes, Geschmackvolles zu schaffen“, der Teiretzbacher an seiner Arbeit besonders fasziniert. Im Grunde genommen geht es ihm da ähnlich wie einem Schriftsteller, der aus Buchstaben Erzählungen formt, oder einem Künstler, der aus Farben ein Bild malt. Im Endergebnis schwingt bei Kaffee immer eine Geschichte, ein Gefühl, ein sinnliches Erlebnis mit. Auch eine Erwartung. „Das schlägt sich ja bereits in unserer Alltagssprache nieder. Man sagt: Ich geh auf einen Kaffee, auch wenn man dann vielleicht sogar ein Seiderl

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trinkt. Aber Kaffee, das hat schon was! Wenn man nach einem anstrengenden Tag etwa ins Kaffeehaus geht und sich denkt: ‚Ah, jetzt hab ich mir einen Kaffee verdient.‘ Und ich hab das ja oft beobachtet, wenn jemand kommt, vielleicht ein bisserl zerknirscht wirkt, abgespannt, gestresst, und dann macht er den ersten Schluck vom Espresso, dann merkst du richtig, wie sich seine Miene aufhellt und er sagt, ‚Ah, das schmeckt gut‘, und er freut sich auf den Nächsten. Das ist schon etwas Besonderes.“ Unverkennbar hört man da Teiretzbachers Leidenschaft zu seinem Beruf heraus, eine Leidenschaft, die ihm freilich nicht in die Wiege gelegt wurde – Österreich und Kaffee ist dann doch eine zu exotische Mischung – sondern die ihn eher zufällig (oder schicksalhaft, je nachdem) ereilte. Ursprünglich wollte er nach dem Besuch des BORG St. Pölten eigentlich Klavierlehrer werden und unternimmt deshalb ein paar Anläufe zur Aufnahme am Musikkonservatorium. „Ich habe liebend gerne gespielt – und tue es noch – aber irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem ich mir dachte, wenn ich dafür jeden Tag vier Stunden lang üben muss, dann ist das wohl doch nicht meins.“ Und so wirft er das Studium hin, was sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen sollte. Zum Kaffee kommt er freilich erst über Umwege. Zunächst verschlägt es ihn zu Media Markt, „dort wollte ich eigentlich in die CDAbteilung, bin dann aber bei den Faxgeräten und Anrufbeantwortern gelandet“, lacht er. Als der HandyBoom losbricht, wechselt er zu einem Mobilfunkbetreiber „wo ich fortan langweilige Handyverträge verkauft habe.“ Solange, bis er eines Tages zu einem Freund sagt „mir is soooo fad“ und der daraufhin meint „Du, mein Papa sucht gerade für die Gastronomie einen Außendienstmitarbeiter, da musst du Espressomaschinen und sowas einstellen.“

„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“ Franz Kafka


Gib dir die bohne

Teiretzbacher überlegt nicht lange und sagt zu – Hauptsache Tapetenwechsel. Dass ihm der neue Job auch eine neue Lebens-Leidenschaft offenbaren wird, damit kann er damals noch nicht rechnen, wenngleich die Liebe zum Kaffee relativ rasch Besitz von ihm ergreift. „Meinen ersten Arbeitstag verbrachten wir gleich in Mailand, waren in den Bars unterwegs, haben Gelati gegessen – ich bin sozusagen voll ins Espresso-Lebensgefühl eingetaucht, und das hat mir natürlich sehr gefallen“, schmunzelt er und glaubt in der Nachsicht, „dass ich nach einer Woche Einschulung im italienischen Werk im Grunde genommen schon gefangen war.“ So sehr, dass er unmittelbar nach seiner Rückkehr sofort eine neue Espressomaschine kauft. In Folge tingelt Teiretzbacher zu Gastronomen, verkauft Espressomaschinen, justiert diese nach und kippt immer weiter in die Kaffeewelt hinein. „Irgendwann entstand dann der Wunsch, eine eigene Kaffeebar zu eröffnen.“ Dies auch aus einer Art sportlichem Bedürfnis heraus, „weil ich meinen Kunden beweisen wollte, dass das, was ich ihnen in Sachen Kaffee erzählte, auch umsetzbar ist.“ Und das ist wahrlich nicht wenig, denn guten Kaffee zu kredenzen ist eine mit viel Aufwand verbundene Kunst. „Es genügt halt nicht allein die tolle Maschine, die tolle Kaffeemühle, sondern man muss sie auch richtig bedienen und behandeln können. Es bedarf der richtigen Mahlung des Kaffees, der richtigen Temperatur, auch jener der Schale – ein Kaffee in einer kalten Schale wird nix heißen! Dann ist stete Beobachtung notwendig und natürlich Sauberkeit – wenn der Siebträger etwa nicht regelmäßig geputzt wird, schmeckst du den alten Kaffee durch.“ In seiner eigenen Kaffeebar, die er schließlich 2008 in Krems unter dem Namen „Cimbalino“ eröffnet, tritt er den versprochenen Beweis an und serviert dort fortan – konstant – Kaffeespezialitäten auf höchstem Niveau.

Teiretzbachers Kaffee-Hunger ist damit aber noch nicht gestillt. Führt schon der erste Besuch einer Kaffeerösterei zur Infektion mit dem Röstvirus, ist es spätestens um ihn geschehen „als mir im Supermarkt – das muss man sich vorstellen, im Supermarkt! – eine Packung Rohkaffee in die Hände fiel. Ich hab sie sofort gekauft und zuhause, so wie Popcorn, geröstet. Das Ergebnis war zwar nicht toll, aber ich wollte fortan meinen eigenen Kaffee rösten.“ Ein Wunsch, den er sich mit der Anschaffung seiner ersten Röstmaschine alsbald erfüllt „das war ein Heimröster, mit dem ich jeweils 200 g rösten konnte“. Einer, auf dem er übrigens auch die ersten Kaffeeproben fürs Café Schubert zaubert, womit wir in St. Pölten landen. Denn quasi auf seiner Abschiedstour als EspressoMaschinen-Außendienstler begegnet er seinem alten Schulfreund Michael Glöckel, der in seinem Kaffeehaus am Herrenplatz die Espressomaschine einstellen lassen muss. Als man während des Gesprächs auch aufs Rösten zu sprechen kommt, „meinte Michi, ich solle ihnen doch einmal etwas zur Probe rösten.“ Das Ergebnis überzeugt – so sehr, dass das Café Schubert vom bisherigen Triestiner Kaffeelieferanten zum, wie er später heißen wird, FELIX Kaffee von Teiretzbacher wechselt.

Und nun geht es Schlag auf Schlag, denn Teiretzbacher hat damit auf einmal drei Fixabnehmer – Cimbalino, Schubert und das damals gerade neu entstehende EMMI. Genug Nachfrage also, um den nächsten Schritt zu wagen und sich den Traum einer eigenen Rösterei zu erfüllen – dies noch dazu in exquisiter Umgebung, nämlich mitten im EMMI. „Das war eine tolle win-win Situation für beide Seiten, weil ich Platz zum Rösten für eine größere Maschine brauchte, und das EMMI umgekehrt mit der offenen Rösterei direkt im Lokal eine Attraktion bieten konnte.“ Nicht zuletzt war es auch für St. Pölten ein absoluter Gewinn, kehrte doch ein längst verloren geglaubtes Handwerk wieder zurück in die Stadt. „Der letzte St. Pöltner Kaffeeröster war Herr Lechnitz, der im Hinterzimmer seiner kleinen Greißlerei Kaffee röstete. Noch heute erinnert eine Kaffeetasse samt Lechnitz-Schriftzug an der Fassade Ecke Julius Raab Promenade-Brunngasse an die Greißlerei. Seine Tochter hat später das Café Blaustern samt Rösterei in Wien eröffnet.“ Und noch etwas wird Teiretzbacher der Stadt schenken – eine eigene „St. Pöltner Mischung“, die heute Fixbestandteil seines Sortiments ist. Leiden schafft Dass Leidenschaft freilich biswei-

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MFG KULTUR

len wirklich Leiden schafft, muss Teiretzbacher am eigenen Leib erfahren. Die Mehrfachbelastung mit Lokal und Kaffeerösterei wird ihm irgendwann zu viel, die hinlänglich bekannte Aussage – und sie ist wahrlich keine Floskel, sondern für viele Unternehmer beängstigende Realität – dass man als Selbstständiger immer hart am Rand der Selbstausbeutung wandelt, erfüllt sich für ihn. „Ich hab zum Teil 90 Stunden pro Woche gearbeitet, bin zwischen Krems und St. Pölten hin und her gehetzt – da hat es mich vor etwa drei Jahren quasi geworfen.“ Teiretzbacher bekommt Panikattacken, eine Infusion und muss Lektionen in Sachen Stressbewältigung lernen. „Man übersieht es einfach sehr leicht. Ich hab dann vieles umgestellt, die Ernährung, weniger Espressi, mehr Schlaf – und Yoga hilft“, lacht er. Als sich im Vorjahr das Biest abermals anschleicht, reagiert er noch substanzieller – er stellt die Öffnungszeiten seines Kremser Lokals um und nimmt mehr Personal auf. Und aktuell – möglicherweise mit eine Lehre, dass man eben nicht alles gleichzeitig und selber machen kann – hat er das Cimbalino sogar zum Verkauf angeboten. Dies hat freilich v.a. mit dem nächsten fundamentalen (Fort)Schritt zu tun. „Ich möchte mich nur mehr der Rösterei widmen“, und zwar in einer vergrößerten Rösterei, um der stets steigenden Nachfrage – in zunehmendem Maße auch privater Laufkundschaft – Rechnung zu tragen. Deshalb bricht Teiretzbacher auch seine Zelte im EMMI ab – freilich nur, um sich an neuer Adresse der „Glöckel-Familie“ einzumieten, nämlich im neuen Vinzenz Pauli in der Alten Reichsstraße. „Es ist der richtige Zeitpunkt für beide Seiten. Ich brauche mehr Platz für eine zweite, größere Maschine, und das EMMI braucht mehr Platz für seine Gäste.“ Im Vinzenz Pauli wird die Kaffeerösterei in einem eigenen, neuen Gebäudeteil un-

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GIB DIR DIE BOHNE

EXOTISCH. „Ich bilde mir ja immer ein, wenn ich einen Sack, sagen wir aus Guatemala, das erste Mal hier im Lokal öffne, dass mir dann direkt die Luft aus Guatemala entgegenschlägt.“

tergebracht. Zwar möchte Teiretzbacher auch dort Tage der offenen Tür und Angebote rund um den Kaffee schaffen, eine „Show-Rösterei“ wie im EMMI, wo er inmitten der Gäste seiner Arbeit nachgeht, wird es aber nicht mehr geben. „Ich schätze das Gespräch mit den Kunden, das ist sehr befruchtend. Andererseits muss man beim Röstvorgang voll konzentriert sein. Da kann schon eine kurze Ablenkung, wo der Kaffee aber gerade deine volle Aufmerksamkeit bräuchte, das Gesamtergebnis zerstören.“ Und dann ist Teiretzbacher wieder im Schwärmmodus über seine große Liebe, den Kaffee. „Kaffeerösten ist ja eine unglaublich schöne, angenehme, ruhige Arbeit – du musst dich gänzlich fokussieren, voll da sein.“ Diese Hingabe schmeckt man auch im Endergebnis – wird dies anerkannt, freut es den Maestro umso mehr. „Es ist halt schon geil, wie’s mir mal passiert ist, wenn du inkognio im Lokal sitzt, und am Nebentisch schwärmt jemand seinen Freunden vor: ‚Das ist das Lokal, von dem ich dir erzählt hab. Die rösten ihren Kaffee selbst – das ist der

beste Kaffee der Stadt!“ Wie es der Zufall so will, treten in diesem Moment zwei Herren gesetzteren Alters an uns heran, als gelte es das Gesagte zu bestätigen. „Also, ihr Kaffee ist wirklich vorzüglich – ich gratuliere! Im Grunde genommen haben Sie mich erst animiert, mich mit Kaffee näher auseinander zu setzen. Da gibt es ja unglaublich viele Nuancen, das ist ja wie beim Weintrinken.“ Und sein Begleiter, der aus Gesundheitsgründen seit Jahren prinzipiell auf Kaffee verzichtet, könnte sich glatt hinreißen lassen „den FELIX Kaffee aber schon einmal zu probieren.“ Felix Teiretzbacher lächelt bescheiden ob dieses Lobes, und mir kommt Peter Cornelius Feelgood-Song in den Sinn „Der Kaffee ist fertig, klingt des ned unhamlich zärtlich“. Es klingt jedenfalls verheißungsvoll. Und als ich das EMMI, nachdem ich den letzten Schluck meiner Melange mit mehr Andacht als üblich ausgetrunken habe, verlasse, muss ich Teiretzbacher unbedingt recht geben: „Das Wichtigste ist, dass man keinen schlechten Kaffee trinkt!“

„Ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker, der immer wieder von der Gefahr des Kaffeetrinkens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.“ Winston Churchill


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EVA RIEBLER-ÜBLEIS

Am liebsten nackt! Sie ist nicht nur Obfrau der Literarischen Gesellschaft St. Pölten, sondern vertritt St. Pölten auch als bildende Künstlerin in der US-Partnerstadt Altoona. Sie hält (pseudo-)intellektuelles Wischiwaschi für Zeitverschwendung und schafft sich mit ihrer mitunter recht direkten Art nicht nur Freunde. Was für sie in der Kunst und im Leben wirklich zählt, verrät sie dem MFG: Eva Riebler-Übleis.

W

ieso in ihrem Haus in Pottenbrunn an den Wänden derzeit so viele Bilder von Kühen hängen? „Am liebsten male beziehungsweise zeichne ich Akte. In der Malakademie Bad Reichenhall jetzt im März waren allerdings keine Modelle im Raum – also nahm ich nackte Kühe und Schafe aufs Korn.“ Meint die bildende Künstlerin Eva Riebler-Übleis und schmunzelt, während sie Kaffee kredenzt. Es ist einer der ersten schönen und richtig heißen Tage des Jahres – und so sitzen wir gemütlich im Garten vorm Haus, wo mir Riebler auch von ihrem gleichsam hochoffiziellen USA-Aufenthalt erzählt, bei dem sie gemeinsam mit Gotthard Fellerer St. Pölten in der Partnerstadt Altoona künstlerisch vertreten hat. „Ich bin froh, wieder hier zu sein“, meint sie, während sie den Duft des frischen Kaffees genießerisch einatmet. „Altoona hat etwa 40.000 Einwohner – und da gibt‘s grad einmal ein Theater, keine Straßencafés, nichts. Seit meiner Rückkehr umarme ich jeden Schanigarten.“ Wenn das der American Way of Life sei … Riebler bekommt glänzende Augen: „Wir haben hier in Europa eine dermaßen reichhaltige Kultur – das wird einem im direkten Vergleich wieder so richtig bewusst.“ Kultur war ihr schon wichtig, als sie sehr klein war. Geboren 1952 in Steyr beklebte sie mittels Tixostreifen die Doppeltür im elterlichen Haus mit eigenen Werken, die der Vater „zu loben hatte.“ Riebler lacht und grinst spitzbübisch: „Vielleicht mochte er die zahlreichen Exponate tatsächlich. Nach seinem Tod fand ich von ihm Zeichnungen aus 1926 – die waren wirklich gut.“ Also wählte sie das 48


TEXT: Thomas Fröhlich | Fotos: HERMANN RAUSCHMAYER

Malen als Nische innerhalb der Familie und der (insgesamt drei) Geschwister für sich. „Mit sechs Jahren durfte ich bereits im Gymnasium einen Malkurs besuchen. Die Formate meiner Arbeiten waren ungefähr 100 mal 80 – also genau meine Größe.“ Die Formate sollten in etwa so bleiben – Riebler wuchs heran. Nach ihrer Matura in Linz studierte sie in Salzburg Germanistik und Geografie. „Seit ich Kafka in der Schule gelesen habe, war ich von Literatur begeistert. Was er an psychologischer Tiefe bot, sah ich bei Remarque etwa in gesellschaftskritischer Hinsicht.“ Ab 1997 unterrichtete Riebler an der HAK St. Pölten Deutsch und Geografie. „Kunst und Lehren waren immer miteinander verzahnt. Ich konnte an der HAK, wo’s an sich keine musischen Fächer gab, von 2001 bis ‘13 das Kunstprojekt HAK-Art leiten.“ Und das sei sehr gut angekommen. „Vielleicht weil ich ganz gut zuhören kann. Hoffe ich halt.“ Ab 1977 erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung bei Karl Korab, Claus Pack und anderen. Und seit damals liebt sie auch das Aktzeichnen. Im Zentrum ihrer Kunst stehe sowieso immer der Mensch. Sie blickt wieder zu den Kühen und grinst: „Na ja, meistens!“ Und nicht nur in Österreich ist die Künstlerin punkto Ausstellungen recht umtriebig. 2004 war sie in Stockholm bei der Art Fair zu Gast, 2014 hatte sie eine Solo-Ausstellung in Peking, dazwischen eine in Brünn und jetzt eben in Altoona, um nur ein paar zu nennen. „Ich bin ja eher eine Einzelgängerin, aber habe durchaus eine konspirative Ader und bin auch vernetzungsfähig.“ Am liebsten bei und mit der Kulturinitiative Schupfengalerie in Herzogenburg etwa. Apropos Vernetzung: Seit 2003 ist sie auch als Obfrau der Literarischen Gesellschaft St. Pölten (kurz LitGes) tätig, wo sie für Vereinsleben, Webauftritt und sämtliche Veranstaltungen wie etwa Poetry Slams,

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VON MENSCHEN UND KÜHEN. Im Zentrum von Rieblers Kunst steht zumeist der Mensch. Mit Blick auf die aktuellen Kühe meint sie: „Na ja, meistens!“

Lesungen oder den monatlichen Jourfix zuständig ist und die viermal pro Jahr erscheinende Literaturzeitschrift „etcetera – literatur und so weiter“ herausgibt. „Ich selbst hab‘ ja auch einmal zwei Bücher geschrieben.“ Und setzt ehrlich hinzu: „Wenn ich mir die jetzt durchblättere, weiß ich, warum ich Malerin bin. Ich liebe Literatur – aber ich lese viel, zu viel, vergleiche und lasse dann im wahrsten Sinne des Wortes die Finger davon, selbst Verbrochenes drucken zu lassen“ Ihre Gemälde hingegen zeichnet eine sehr klare Direktheit aus. Ihre dargestellten Formen und Figuren, die einander oftmals überlappen, sich gelegentlich auch in der (Fast-)Abstraktion auflösen, wirken nackt, bloß und ihrer Verletzlichkeit mitunter sogar ein wenig bedrohlich. „Das hab‘ ich von Chagall. Kein überflüssiges Beiwerk. Straight. Mitunter brutal. Ich selbst werd‘ auch immer geradliniger. Und direkter. Ich mein‘, ich bin jetzt in Pension: Ich hab‘ keine Zeit mehr für selbstgenügsames intellektuelles Wischiwaschi.“

„Ich hab’ keine Zeit für selbstgenügsames Wischiwaschi.“

Und wie ist das jetzt ist mit der Nacktheit? „Nackt ist wahr. Und sicher nicht zwangsläufig erotisch. Erotik hat eher was mit Verhüllung zu tun.“ Ob sie mit ihrer direkten Art nicht öfters aneckt? „Klar. Aber damit muss ich leben.“ Warum sie eigentlich Kunst macht? „Es ist ein Bedürfnis, einen Gedankenaustausch herzustellen, Kritikfähigkeit, auch die eigene, zu schulen. Ich hab‘ keinen politischen, sozialen oder weltverbesserischen Auftrag. Und schon gar nicht interessiert mich sowas wie Selbstfindung oder Selbstverwirklichung. Ich will mich nicht dauernd nur mit meiner eigenen Person beschäftigen.“ Das kommunikative Element in der Kunst sei es, das sie letztendlich fasziniere. Alles zu hinterfragen „Jeder soll schauen, dass er – oder sie – viel zu denken bekommt.“ Und dieses Wissen auch anwenden. Das sei mitunter harte Arbeit. Riebler gesteht jedoch: „Fürs Eigenmarketing bin ich nicht geschaffen. ‘I like myself‘ kann ich zwar sagen, aber mich liken … hm.“ Das Netzwerk „mir fügbar machen … das kann ich nicht. So sehr ich mit meinen Bildern im Grunde zufrieden bin.“ Nicht nur sie, ist man versucht zu sagen. MFG 06.15

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MFG ADVERTORIAL

FÖRDERVEREIN

Bezirk ohne Grenzen Es war kontinuierlich und nachhaltig betriebener Impetus des Fördervereins Kulturbezirk, ein Kulturverein für die gesamte Stadt, nicht etwa nur den räumlich begrenzten expliziten Kulturbezirk zu sein bzw. den Terminus „Kulturbezirk“ gedanklich aufzubrechen und um die Innenstadt zu erweitern. Mit der Aufnahme des Stadtmuseums St. Pölten findet dieser Schritt, der mit der Aufnahme der Bühne im Hof und dem Landestheater Niederösterreich vor einigen Jahren seinen Ausgang nahm, eine weitere substanzielle Vertiefung. Eine, die freilich um eine bemerkenswerte Dimension reicher ist: Mit dem Stadtmuseum wird erstmals eine von der Stadt betriebene Kulturinstitution in den Kreis der Mitglieder des Fördervereins Kulturbezirk aufgenommen. Die immer wieder geäußerte Zielsetzung, ein Förderverein für alle relevanten Kulturinstitutionen der Stadt zu sein, den Kulturbezirk eben nicht nur im Regierungsviertel zu situieren, nicht nur im Dunstkreis der Landeskulturinstitutionen zu positionieren, findet damit Erfüllung und stellt zugleich das Einlösen eines ureigensten, von allen Beginn an eingeschriebenen Grundgestus des Fördervereins Kulturbezirk dar: Eine Brücke zwischen Kulturbezirk und Innenstadt zu schaffen, ein Scharnier zwischen Land und Stadt an sich zu

EXKLUSIVE ANGEBOTE Mi, 1. Juli, 18.00 Uhr Treffpunkt Olbrich-Haus/Kremser Gasse STADTFÜHRUNG „Auf den Spuren des Jugendstil“

06. - 20. Juni diverse Spielorte BAROCKFESTIVAL ST. PÖLTEN Ermäßigung von 10% auf die Kartenbuchung

Do, 27. August, 19.15 Uhr Grafenegg BOSTON SYMPHONY ORCHESTRA 20% Ermäßigung auf 2 Karten

Mitglied werden und die zahlreichen

Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter 02742/908080-600, foerderverein@kulturbezirk.at

Gemeinsam statt einsam. Förderverein Kulturbezirk Präsident Lothar Fiedler (l.) freut sich über die Aufnahme des Stadtmuseums St. Pölten mit seinem Leiter Thomas Pulle (r.) in die Fördervereins-Familie.

sein. Lothar Fiedlers Freude ist verständlich, zumal der Präsident des Fördervereins seinen Mitgliedern seit jeher allumfassenden Service bieten möchte: „Durch die baldige Aufnahme des Stadtmuseums St. Pölten in den Förderverein Kulturbezirk St. Pölten ist ein weiterer großer Schritt  getan, unsere Mitglieder gut koordiniert über die kulturellen Aktivitäten in St. Pölten zu informieren und zu motivieren.“ Stadtmuseums-Leiter Thomas Pulle wiederum freut sich auch über die durch die Aufnahme zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung für seine Institution: „Die Kooperation des Stadtmuseums mit dem Förderverein ist für uns in erster Linie eine Bestätigung, dass der Weg, den wir in den letzten Jahren gegangen sind, allgemein anerkannt wird. Es freut uns und ehrt uns sehr, dass wir gefragt wurden, ob wir uns nicht in diesen Kreis der großen St. Pöltner Kulturanbieter einreihen mögen, der im Förderverein vertreten ist!“ Jedwede Form von Ressentiments – dies nicht zuletzt Teil der Errungenschaften des nunmehr 13 Jahre agierenden Fördervereins als Brückenbauer zwischen Land und Stadt – sind Fehlanzeige.

„Die Stadt St. Pölten ist dieser Anfrage sehr offen gegenüber gestanden, weil Kultur nicht auf ein Viertel in der Stadt beschränkt ist, sondern hier wie dort in großer Qualität geboten werden kann“, so Pulle. Und der Förderverein versteht sich längst nicht mehr als Kulturverein mit Landesinstitutionen-Fokus, sondern eben als Plattform für die gesamte Kulturszene der Landeshauptstadt, weshalb Fiedler meint: „Wir werden auch künftig aktiv sein und interessante Einrichtungen in unser Förderprogamm aufnehmen!“, zudem sieht er mit dem Stadtmuseum einen neuen Angebotsplayer im Kunstsegment für die Mitglieder: „Nachdem die Bildkunst auch für die St. Pöltner Bürger ein sehr großes Anliegen darstellt, ergibt sich eine optimale Variante, diese im Stadtmuseum abzubilden!“ Erste Aktionen sind übrigens bereits fixiert, wie Pulle verrät: „Am 1. Juli werde ich eine Themenführung auf den Spuren des Jugendstils in der St. Pöltner Innenstadt machen, und im November werden wir einen Abend in unserer Sonderausstellung ‚St. Pölten  1945‘ gestalten.“

iNFORMATIONEN

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MFG KULTUR

Andrea Kern

Info Debutroman: „Kindfrau“ Picus Verlag Wien „ErHängt. Wir fallen“ Roman, erscheint im September 2015,

Um zu verstehen Bewegend, tiefgründig, wortgewaltig und rauschhaft – das literarische Schaffen der in St. Pölten geborenen Autorin Andrea Kern reißt mit. Dabei präsentiert sie sich im Gespräch nett, freundlich und stets mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht.

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TEXT: Andreas Reichebner | Foto: Paul Feuersänger

Mit Lyrik begonnen Begonnen hat alles mit Lyrik. „Ge­ dichte waren der Versuch, Dinge zu verarbeiten. Kurz, knallig, dass es reingeht“, erzählt sie, „aber dann wollte ich auf Distanz gehen, Neues

schaffen. Ich fühlte mich reifer, einer Figur zu folgen, einen Roman zu er­ zählen.“ Dabei Stereotype aufzubre­ chen, ist ihre Intention. Im September wird ihr neues Buch „ErHängt. Wir fallen“ erscheinen. Der Freitod eines Schriftstellers wirft seine Frau und seine Tochter aus der Bahn. Ein, wie der Picus Verlag schreibt, bewegendes, vielstimmiges Protokoll der Bewälti­ gung eines Schicksalsschlags. „Dabei habe ich mit verschiedenen Textsor­ ten, etwa Facebook oder Gedanken­ strömen gearbeitet. Es geht dabei um ein Ringen, um Verstehen“, so die tief­ schürfende Autorin. Das gilt auch für die Bücher drei und vier, die da kommen werden. „Im dritten Buch wird es um eine Frau ge­ hen, die eine Affäre mit einem Mann, der ihren Sohn bei einem Unfall über­ fahren hat, beginnt, und mein viertes Buch wird von einer Frau handeln, die schwanger wird, aber eigentlich nicht Mutter werden will“, lässt die Vielschreiberin in ihre literarische Zu­ kunft blicken. „Ich stelle dabei drei Möglichkeiten der Frau dar: 1. Sie verlässt das Kind. 2. Sie setzt das Kind auf die Straße. 3. Sie spielt ihre Mut­ terrolle.“, sagt sie und spielt dabei mit dem Passus der gesellschaftlichen Ächtung nicht gelebtem Muttertums. Autobiografische Elemente sind ru­ dimentär angelegt. „Ich will nicht so klar sein, mich hinlegen und viel Spaß beim Verschlingen wünschen“, gibt sie sich bedeckt. Andrea Kern lebt in Wien, „ich schätze die Anonymi­ tät einer Großstadt“, sie reist gerne und bevorzugt auch hier wie in ihren Buchthemen Außergewöhnliches. So schrieb sie etwa den letzten Teil von „Kindfrau“ in der verbotenen Stadt in China. Sie besuchte schon Syrien, Burma, Indien, Kuba und den Iran, beschäftigt sich mit schwer erzieh­ baren Kindern und ist drauf und dran Professorin für Deutsch und Ge­ schichte zu werden. Ja, und Schwim­ men ist auch eine Leidenschaft von ihr, aber nicht so einfach planschen. Wenn, dann gleich so um die 60 bis 70 Längen. Eben außergewöhnlich, wie ihre literarischen Äußerungen, die wahrhaftig unter die Haut gehen.

Speise und Sprache

Roul Starka Menschen schmeißen mit Sprache um sich wie die Fernsehsender mit Kochsendungen, Hauptsache viel und laut und schnell. Tatsächlich wird aber fast gar nichts mehr zu Hause gekocht oder geschrieben. Die meisten Präpositionen landen auf dem Teller statt im gesprochenen Satz. Dort aber leuchten sie pseudoweitgereist mit allerlei Schnickschnack. Und der Teller darf dann um Himmels Willen nicht rund sein oder gar weiß. Lieber haben sie das „Älägante“. Die Welt will „Das Perfekte Dinner“, welch grauenvolle Wortkombination. Können wir wieder gemeinsam abendessen oder am Abend gemeinsam etwas essen? So „unperfekt“ wie möglich aber zusammen, „midanaund“ im besten Fall. Die Muttersprache Deutsch und ihre Dialekte hätten viele Möglichkeiten, aber da ist man ja gleich rechtsnational und erzkonservativ. Sind in einem Satz nicht zumindest drei Anglizismen und ein Hauch Italofrankophiles, schon können die Buben es nicht mehr schlucken. Gerade die haben die ersten 20 Jahre Toast mit Ketchup gegessen. Mir geht der Salbei am A. vorbei, mag er noch so in den Mund springen. Mir fehlen Butter und Majoran, das Schmalz und das Salz – in unseren Texten und in unseren Gasthäusern. Auf ein Gasthaus kommen aber zehn Italiener und acht Griechen, auf ein Schnitzel 26 Kebapstationen, pro Extrawurstsemmel 243 Chinarestaurants. Kein Italiener, kein Franzose würde versuchen original österreichisch zu kochen oder vom kleinen österreichischen Lokal nebenan zu schwärmen, um seinem Tattoomädel endlich seine Pfefferminzgeschichten in den Schritt zu husten. Koch ihr Nudeln, du Tschopperl, „brade med an soft“, statt mit deinem al dente Gesäusel zu lähmen. Sie wird es dir danken. Euer Roul

MFG 06.15

Foto: Johannes Reichl

F

räuleinwunder“ hätte man dieses Phänomen in den 50er Jahren des vergangenen Jahr­ hunderts genannt – das geballte Er­ scheinen einer ganzen Reihe junger Schriftstellerinnen, die gerade die österreichische Literaturszene aufmi­ schen und nicht nur mit ihren Texten, sondern durchaus auch auf dem Lauf­ steg reüssieren könnten. Autorinnen wie Vea Kaiser und auch der Grazer Shooting Star Valerie Fritsch sind Bei­ spiele dafür. Sie zeigen sich auch beim Posing für die Presse in Hochform. Mit selbigem Eindruck läge man auch bei der 1989 geborenen Autorin Andrea Kern richtig, wenn da nicht ihre durch und durchgehende femini­ stische Ader wäre. Die junge Germa­ nistin stoßen solche Art Kategorisie­ rungen eher ab. „Ich habe mich schon bei der Matura mit Mädchenbildern beschäftigt. Es war lange ein Thema für mich, diese eindimensionalen und langweiligen Klischees“, lächelt An­ drea Kern erfrischend einnehmend und zeigt sich doch bei ihren Buch­ themen von einer aufwühlenden und trotzigen Art. „Schreib mal etwas Netteres“ hört sie oft, aber das ist nicht ihr wahres literarisches Streben. In ihrem viel beachteten Debutroman „Kindfrau“, erschienen 2014 im Pi­ cus Verlag Wien, setzte sie sich auf eine sprachgewaltige Weise mit dem Lolita-Motiv auseinander. Gibt tiefen und teils verstörenden Einblick in ihre Protagonistin Angelika, die zwischen Liebe, Missbrauch und Verletztheit kaum mehr in ein normales Leben zu­ rückfinden kann. Dabei fasziniert sie mit mächtigen Bildern. „Von der Ge­ schichte einer Freundin aufgegriffen, habe ich das Motiv abstrahiert, umge­ wandelt und verstärkt“, so Kern, die sich auch in ihrer Dissertation „Na­ tionalsozialistische Schriftstellerinnen in Österreich“ mit sperrigen Themen auseinander setzt.

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MFG ADVERTORIAL

Sommerliches hitfeuerwerk! Alle Jahre wieder gehen die großen Bühnen landauf, landab in die wohlverdiente Sommerpause. Für Kulturfans ist dies längst kein Grund mehr, in Depression zu verfallen oder Angst vor unguten Entzugserscheinungen zu bekommen, denn für „Ersatz“ – und zwar auf höchstem Niveau – ist allemal gesorgt. Sommertheater- und Sommerfestivals beeindrucken durch unglaubliche Vielfalt und eine Art „Best Of“-Programm, im Zuge dessen man so manch Publikumsliebling, manchmal auch in neuer Rolle, wieder entdecken kann. Alleine das offizielle Theaterfest Niederösterreich bespielt heuer wieder 23 Orte, darüberhinaus tragen zahlreiche private Initiativen zur kulturellen Grundversorgung bei, und auch in anderen Bundesländern fährt man mit kulturellen Hochkarätern auf, so dass einem nicht bange werden muss. Eine kleine Auswahl zum Beweis! 03. 07. – 09. 08.

sommernachtskomödiE ROSENBURG

07. 07. – 15. 08.

Opernfestspiele St. Margareten

Nina Blums erste Inszenierung als neue Intendantin und künstlerische Leiterin der SOMMERNACHTSKOMÖDIE ROSENBURG verspricht, eine Mischung aus Neuem und Bewährtem zu werden. Sie mixt Shakespeare mit Woody Allen – eine explosive Mischung mit großen Gefühlen ...

Zum ersten Mal dürfen sich Opernfreunde auf Puccinis packenden Opernkrimi TOSCA im Römersteinbruch freuen: Puccinis wunderbare Melodien verbinden die dramatische Verflechtung aus tragischer Liebesgeschichte und krimitauglicher Handlung in einer herrlichen Oper.

www.Sommernachtskomoedie.at

16. 07. – 09. 08.

FESTSPIELE GUTENSTEIN

www.arenaria.at

17. 07. – 08. 08.

OPER BURG GARS

In Gutenstein bleibt man Ferdinand Raimund treu, und bringt heuer dessen Zaubermärchen „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“ auf die Bühne. Dies erstmals nicht nur mit hochkarätigen Schauspielern, sondern auch mit einem Teil des berühmten Serapionstheaters!

Mit DON CARLO, Giuseppe Verdis leidenschaftlicher Umsetzung von Friedrich Schillers mitreißendem Plädoyer für persönliche und politische Freiheit, steht heuer ein Meisterwerk der Musik im Mittelpunkt der Opernsaison der Burg Gars – in einem Ambiente aus der Originalzeit!

www.festspielegutenstein.at

www.operburggars.at

27. 06. – 01. 08.

Nestroy Spiele Schwechat Nestroy wirft einen höchst amüsanten Blick hinter die Kulissen eines sommerlichen Theaterbetriebs. Eine Vorstellung von „Sappho“ muss wegen eines Unwetters abgebrochen werden und der Theaterdirektor flüchtet vor der finanziellen Misere ins Irrenhaus – ein turbulentes Spektakel und eine köstliche Selbstpersiflage, v.a. wenn Verrückte, die beim Theater sind oder unbedingt zum Theater wollen, auf Verrückte treffen, die glauben, sie seien normal, nur weil sie dort nicht sind. www.nestroy.at

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03. – 26. 07.

Glatt&Verkehrt Österreichs renommiertes Musikfestival spannt heuer seinen programmatischen Bogen von originärer traditioneller bis hin zu zeitgenössischer Musik und holt Künstler aus (fast) allen Teilen der Welt nach Krems und in die Wachau. Mit Arto Lindsay & Band, Totó la Momposina, Schifffahrt mit Musik aus Serbien, Die Steirischen Tanzgeiger – Reunion, Simon Shaheen, Iva Bittová & Hamid Drake, The New Standard Trio feat. Jamie Saft, Sarah Neufeld uvm. www.glattundverkehrt.at

25. 07. – 15. 08.

Festival Schloss kirchstetten Das jüngste Mitglied im Theaterfest NÖ widmet sich als „kleinstes Opernhaus Österreichs“ ganz den Komponisten des italienischen Belcanto. Heuer darf man sich auf Donizettis geniale Oper „L‘ELISIR D‘AMORE“ freuen. Zudem kommt Carl Orffs CARMINA BURANA (25. Juli) zur Aufführung. www.schloss-kirchstetten.at

20. 08. – 21. 08.

BURGARENA REINSberg In der Burgarena Reinsberg wird wieder Oper gespielt! Die diesjährige Programmwahl fiel auf die wohl bekannteste und populärste aller MozartOpern, die zugleich eines der weltweit meistgespielten Stücke der Opernliteratur überhaupt darstellt: Die Zauberflöte. Herrlich! www.opernair.at


MFG KULTUR

Das Kino ist tot, lang lebe das Kino Das „Theatre of Dreams“ hat schon manch prophezeiten Todesstoß überlebt und sich immer wieder neu erfunden. Wir sprachen mit Hollywood Megaplex Geschäftsführer Mario Hueber anlässlich der Eröffnung des neuen IMAX-Saales über neue Technologien, alte Stärken, leuchtende Kinderaugen und „ewiges Ruhen“ im Infight mit dem cinema paradiso. Das Hollywood Megaplex hat in den letzten Jahren schwer investiert in St. Pölten – das Tüpfelchen auf dem i ist der neue IMAX-Saal. Warum hat man diesen Schritt gesetzt, wieviel hat man investiert? In den Komplettumbau des IMAXSaales, der insgesamt um drei Meter aufgestockt wurde und dessen Leinwand nun dadurch um fast ein Drittel größer ist, sind fast 1,5 Millionen Euro geflossen. Diese und auch die letzten Investitionen, darunter die Kinoerweiterung um drei neue Säle, 56

tragen der positiven Entwicklung des Standortes Rechnung. St. Pölten ist ein besonders gutes „Kinopflaster“ und die St. Pöltner sind sehr aktive Kinogeher, die technische Entwicklungen und Fortschritte besonders aufmerksam  verfolgen und auch begeistert aufnehmen. So war es für uns ein besonderes Anliegen, dass wir unserem Publikum in Niederösterreich mit IMAX das derzeit absolut beste System anbieten. Viele kennen die IMAX Technolo-

gie noch aus eigenen Kinos. Wie hat sich die Technologie verändert, um ein derartiges Megateil auch in ein fixes Kino zu situieren? Der große Unterschied zu früher, als IMAX für die spektakulärsten Dokumentationen in eigens dafür gebauten Kinos stand, ist, dass diese Technik, die in diesem Bereich das absolut fortschrittlichste und beste darstellt, konsequent auf die großen KinoBlockbuster übertragen wurde. Hier wird somit das Beste aus vormals zwei  Welten  kombiniert: die größten Filme Hollywoods mit der besten Projektions- und Tontechnik auf einer überdimensionalen Leinwand.   Sie sind als Kino-Bub aufgewachsen – was hat sich gegenüber früher verändert? Es heißt ja bisweilen, das Kino hätte quasi seinen Charme verloren, sei heute zwar perfekt, dafür fehlte die Seele? Das Kino hat sich in den letzten fünf bis zehn Jahren sicher radikaler verändert als in den 100 Jahren davor.


TEXT: JOHANNES REICHL | Fotos: Hermann Rauschmayr

Die Einführung der totalen Digitalisierung ist vergleichbar mit der Erfindung des Ton- bzw. des Farbfilms. Diese Digitalisierung ermöglichte nun nach mehreren gescheiterten Versuchen den Durchbruch des 3D-Kinos sowie eine noch nie da gewesene Brillanz des Bildes, das bei den „alten“ 35mm-Kopien oft der Schwachpunkt des Kinoerlebnisses war. Natürlich kann ich auch die vereinzelte Kritik nachvollziehen, wenn diese Perfektion als zu vollkommen empfunden wird, da hier mit einer über Jahrzehnte erlebten und gewohnten Sehgewohnheit gebrochen wird. Auch persönlich geht mir manchmal das Geknatter der alten Projektoren ab, da diese einem als Vorführer ein gewisses Gefühl von Eigenleben und Charakter gegeben haben. Insgesamt empfinde ich diesen Fortschritt jedoch als absolut positiv, da sich auch das Kino, wie alle anderen Bereiche des Lebens, weiterentwickeln muss, um nicht irgendwann nur mehr Teil eines Museums zu sein.   Kino war immer das Theatre of Dreams – ist es dies heute auch noch, auch angesichts neuer Konkurrenz aus dem web? Ich bin der festen Überzeugung, dass das Kino auch heute noch dieses „Theatre of Dreams“ verkörpert und auch diese Stellung behalten wird. Auch in den 80er-Jahren wurde dem Kino durch das boomende Fernsehen schon einmal das nahende Aus oder ein Nischendasein vorausgesagt. Was sich hier verändert hat, ist, dass der heutige Nutzer durch das Mehr an Information und Angebot wählerischer geworden ist und dadurch anspruchsvoller. Es reicht ihm eben nicht mehr, dass ein Film auf einer winzigen Leinwand vor Holzklappstühlen in schlechter Ton- und Bildqualität gezeigt wird. Auch deshalb investieren wir in die immer neuesten Technologien, um diesen Mehrwert und technischen Vorsprung des Kinos gegenüber allen anderen Angeboten aufrechtzuerhalten. Neben dieser „Hardware“ hat das Kino vor allem aber einen Vorteil

gegenüber allen anderen Angeboten, die diese auch nie bieten können werden: das soziale Erlebnis Kino. Jeder und jede hat schon die Erfahrung gemacht, wenn man einen im Kino erlebten Film später zu Hause auf der Couch noch einmal sieht und dieser Film dann nicht mehr so eine Wirkung entfaltet wie davor im Kino. Es ist etwas anderes, alle Emotionen wie Lachen, Weinen, Angst oder Wut, die uns so stark bewegen, in einem Saal mit Freunden und anderen Menschen zu teilen. Eine gute Komödie, bei der hunderte Leute lachen, oder ein Horrorfilm, bei dem hunderte Menschen gleichzeitig erschrecken und schreien, hinterlässt eine andere und tiefere Erfahrung. Das Gemeinschaftserlebnis Kino wird bei aller technischen Entwicklung zeitlos bleiben. In St. Pölten gab es in den letzten Jahren einige Änderungen. So wurde die Disco gekickt, dafür kamen neue Säle. Warum? Wir wollen unseren Gästen durch das Gesamtangebot in St. Pölten mit Gaming-Bereich und Gastronomie nach wie vor ermöglichen, dass sie einen ganzen Abend oder Nachmittag bei uns verbringen können. Es stimmt aber, dass wir, gerade was den Discobereich betrifft, die „Notbremse“ gezogen haben, da die negative Entwicklung dort die Gefahr barg, auf den ganzen Komplex überzugreifen. Daraufhin haben wir die Diskothek in drei Kinosäle umgebaut. Diese drei zusätzlichen Säle haben uns vor allem auch die Möglichkeit gegeben, unser Programm breiter aufzustellen und auch kleinere Filme anzubieten, die den Weg sonst nicht nach St. Pölten geschafft hätten. Auch unser Angebot an Vorstellungen in englischer Originalsprache konnten wir dadurch ausweiten. Wir merken sehr stark, dass wir mit diesem zusätzlichen Angebot neue Besucherschichten erschließen konnten, die inzwischen ein sehr treues Publikum für uns  darstellen.

»

KINO WAS HIS FIRST LOVE. Mario Hue-

ber bringt den 1. IMAX Saal nach St. Pölten.

Sie haben vor einigen Jahren das St. Pöltner Programmkino „cinema paradiso“ wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt, nachdem dort auch Blockbuster gezeigt wurden – das cinema paradiso im Gegensatz zum Hollywood Megaplex aber öffentlich gefördert wird. Wie ist der Status in dieser Causa? Wir haben diesen Prozess durch „ewiges Ruhen“ einvernehmlich beendet, da für uns kein Ende absehbar war. So haben wir uns nach über fünf Jahren nach wie vor in der ersten Instanz noch weit von einer Entscheidung entfernt befunden. Für uns standen somit das eingesetzte Geld und vor allem die aufreibende nervliche Belastung dieses Prozesses in keinem Verhältnis mehr. Ein Blick in die Zukunft: Kino 2050 – wie wird sich dieses darstellen? Eine wirklich schwierige Frage! Ich glaube, dass es im Jahr 2050 wohl 3D ohne Brillen geben wird und vielleicht den interaktiven Film, bei dem das Publikum aktiv in die Handlung eingreifen kann. Ansonsten bin ich davon überzeugt, dass auch noch im Jahr 2050 Kinderaugen strahlen werden, wenn sie mit ihren Eltern zum ersten Mal einen Kinosaal betreten.

„Das Gemeinschaftserlebnis Kino wird bei aller technischen Entwicklung zeitlos bleiben!“ MFG 06.15

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MFG ADVERTORIAL

70 Jahre 2. Republik – Karl Renner und die Freiheit Österreichs

NÖ Kulturforum stiftet Bild für das Renner-Museum

Prof. Ulrich Gansert fertigte im Auftrag des NÖ Kulturforums eine Allegorie auf die entscheidenden Meilensteine im Leben des zweifachen österreichischen Staatsgründers Dr. Karl Renner an. Prof. Ewald Sacher übergab es feierlich an das Dr. Karl Renner Museum in Gloggnitz, wo es einen dauerhaften Platz einnimmt.

Das 70-Jahr-Jubiläum der Befreiung Österreichs von der Nazi-Diktatur war auch für das NÖ Kulturforum Anlass, einen nachhaltigen Beitrag zum Gedenkjahr zu leisten. Der Einsatz Dr. Karl Renners als Staatsmann und zweimaliger Republik-Gründer, der im Jahr 1945 von seinem Wohnsitz in Gloggnitz und anderen Orten der Region wie Hochwolkersdorf oder Schloss Eichbüchl aus die ersten Kontakte mit 58

den russischen Militärs und über diese mit Stalin in Moskau herstellte, waren die entscheidenden Schritte zur Wiedererrichtung Österreichs nach dem 2. Weltkrieg. Das Renner-Museum eröffnete zu diesem Anlass eine neue Ausstellung und einen Schaupfad durch den Garten der Renner-Villa, der vom RennerHistoriker Dr. Siegfried Nasko, vormaliger Obmann des NÖ Kulturforums, gestaltet wurde.

Auf Initiative des NÖ Kulturforums fertigte der bekannte Künstler Prof. Ulrich Gansert ein Bild an, das in Form einer Allegorie die entscheidenden Meilensteine im Leben Karl Renners und seines Wirkens als österreichischer Staatsmann darstellt. Prof. Ewald Sacher übergab dieses Werk im Rahmen eines Festaktes an das Renner-Museum in Gloggnitz, das dort einen dauernden Platz einnimmt.


NÖ KULTURFORUM

GroSSes Goldenes Ehrenzeichen für Prof. Gotthard Fellerer In Würdigung seiner Verdienste um die Kultur- und Kunstszene Niederösterreichs verlieh die NÖ Landesregierung das Große Goldene Ehrenzeichen an den künstlerischen Motor des NÖ Kulturforums, Prof. Gotthard Fellerer aus Wr. Neustadt, das ihm im Rahmen eines Festaktes von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll überreicht wurde. Weggefährten wie Hofrat Dr. Siegfried Nasko und KulturforumsObmann Prof. Ewald Sacher gratulierten gemeinsam mit LHStv. Mag. Karin Renner und Landesrat Ing. Maurice Androsch. Gotthard Fellerer ist nach wie vor eine treibende und innovative Kraft im nö. Kulturleben, über das NÖ Kulturforum hinaus unter anderem im Kunstverein Süd-Ost, der kürzlich sein 25-Jahr-Jubiläum mit einer Schau im NÖ Landesmuseum St. Pölten und im Kunstraum Leoben beging. Dabei stellten Gotthard Fellerer und Ewald Sacher die neueste Ausgabe einer PostkartenSammlung sämtlicher Künstlerinnen und Künstler des Kunstvereins Süd-Ost vor.

In Würdigung seiner zahlreichen Verdienste um das Bundesland Niederösterreich erhielt der künstlerische Motor des NÖ Kulturforums, Prof. Gotthard Fellerer (m.), das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes.

Jugend entdeckt die Kunst „Jugend entdeckt die Kunst“ ist der Titel eines überaus erfolgreichen Projektes, das die Neue Mittelschule Wr. Neustadt unter ihrer Direktorin Gabriele Puschnig und unter den Fittichen des Kunsterziehers Hannes Winkler durchführte. Am 2. Juni wurde das Ergebnis als Ausstellung im Stadtmuseum Wr. Neustadt präsentiert.

Topsy Küppers

Stolz auf dieses Projekt kann auch des NÖ Kulturforum sein, das im Rahmen der Schulpartnerschaft mit der NMS Wr. Neustadt seiner Rolle als Kulturvermittler im besten Sinne des Wortes gerecht wurde und mit seiner Förderung auch einen Teil der finanziellen Basis bereitstellte, um dieses Projekt realisieren zu können.

Schon beim Start der Schulpartnerschaft zwischen NMS Wr. Neustadt und NÖ Kulturforum waren alle begeistert.

Topsy Küppers, die Grande Dame der Kleinkunst und legendäre Gründerin der Freien Bühne Wieden, tourt dank Förderung durch das NÖ Kulturforum durch das Land. Zuletzt begeisterte sie mit ihrer musikalischen Revue zum 40. Todestag von Erich Kästner das Publikum im Steingöttersaal in St. Pölten und im KS-KulturSozialZentrum KremsLerchenfeld. Darüber hinaus präsentiert sie auch weitere Programme, z.B. Erinnerungen und Dialoge mit und über Bruno Kreisky anlässlich dessen 20. Todestages. MFG 06.15

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SHORTCUT SZENE

Radwahnsinn

Dominik Leitner

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Tierschutz rockt!

Letzten November wurde von den beiden tierlieben St. Pöltnerinnen Melanie Sklenitzka und Hannah Rovetti das Charity-Konzert „Pet Aid“ ins Leben gerufen, um mit der Unterstützung zahlreicher Bands Spenden für den Tierschutzverein St. Pölten zu sammeln. Mit so großem Erfolg, dass es auch diesen Herbst wieder heißt: „Wegen de Viecherl warats…“ Pet Aid 2.0 geht am 14.11. im frei:raum über die Bühne, und auch die ersten Acts stehen schon: RAMMELHOF sorgte Anfang des Jahres nicht nur mit dem Sieg beim FM4 Protestsongcontest für Aufsehen, sondern v.a. mit dem viralen Satire-Video „Wladimir (Put Put Putin)“. Erstmals in St. Pölten zu sehen sind die Newcomer LOS PERROS COCHINOS, zudem sind auch wieder AEONS OF ASHES und die Vorjahresentdeckung THE G.O.D mit ihrem melancholisch-bombastischen Darkrock mit an Bord. Vier weitere Bands werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben. www.facebook.com/petaid.stp

St. Pöltner Plattenkiste St. Pöltner Musiker sind bekanntlich nicht untätig, wie aktuell gleich drei Bands beweisen. So legen She And The Junkies ihr gleichnamiges Debutalbum vor, das zehn Songs voll Junk Rock kredenzt, der unterschiedlichste Mu-

sikrichtungen zu einem gemeinsamen Ganzen vermengt. Ihre musikalische Heimat haben die vier übrigens bei der Plattenfirma Panta R&E gefunden. In eine andere Ecke der Gitarrenmusik geht es mit „Life Kills“ von The Zsa Zsa Gabors. Die drei St. Pöltner frönen auf ihrem Debüt dem Oldschool Sound der Punkrock Frühphase. Auf elf knackigen Songs hört man aber auch einen Hauch von Rock’n’Roll, Glam und sogar Austropop. Und wer es gerne härter mag, ist bei Epsilon richtig, die mit „Zu Richten“ ihr zweites Album vorlegen, das via Mighty Music erhältlich sein wird. Auf „Zu Richten“ finden sich elf Songs, die man allesamt als Modern Death Metal bezeichnen kann.

Foto: Johannes Reichl, Stefan F Photography&Arts, picsfive - Fotolia.com

Wenn ich frühmorgens bei der letzten Ampel vorm Bahnhof zum Stehen komme, weiß ich schon, was mich nur hundert Meter weiter erwarten wird. Wäre es aufgrund meiner chronischen Verspätung hilfreich, das Rad rasch anketten und zum Bahnsteig hinauflaufen zu können, gestaltet sich das Parken in Wahrheit viel schwieriger. Da gibt‘s zum Beispiel dieses eine Rad, das schon seit Monaten längst dem Tod geweiht ist: Das Vorderrad abmontiert, hängt es hilflos in seiner letzten Ruhestätte, wirkt ungeliebt und erzeugt zugleich großen Grant: Das ist er, mein heißgeliebter Parkplatz, der mir durch die Radleiche verwehrt bleibt. Und in Wahrheit ist es ja nicht nur das eine - nein. Es gibt Dutzende von ihnen. Und wenn ich glaube, endlich fündig geworden zu sein, ich den Lenker schon gekonnt in Richtung Parkplatz ausrichte, bremse ich geschockt ab. Da hat nämlich jemand seinen Scooter „geparkt“ und belegt mit seinem kleinen Unding einen so herzhaft benötigten Parkplatz. Und bringt damit den gestressten Dominik in noch größere Zeitnot. Manchmal drehe ich mehrere Runden, blicke gekonnt, wo sich eine freie Stelle auftut und verzweifle dabei immer mehr. Mitunter muss ich sogar erst darauf warten, dass sich jemand ausparkt, bis ich selbst zum endgültigen Stillstand kommen kann. Das Radeln zum Bahnhof wird dadurch immer mehr zu einer nervenaufreibenden Sache. Aber bitte nicht falsch verstehen: Radfahren ist toll und dank dem städtischen Öffi-Angebot mehr als empfehlenswert. Aber wenn ich als aktiver Fahrer und Pendler regelmäßig zwischen dutzenden Fahrradleichen suchen muss, nervt das. Deshalb es wäre wieder mal Zeit für eine Aufräumaktion der ÖBB. Und wenn das passiert, dann – ja, dann können sogar die Scooter gern bleiben.


FH ST. PÖLTEN

MFG ADVERTORIAL

Ausbildung für den Dienst am Menschen Im neuen Studiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der FH St. Pölten ist interdisziplinäres Lernen vorrangiges Ausbildungsziel.

der Gesundheit. Großer Wert wird auf orWer den Beruf der Gesundheits- und Kranganisatorische und betriebswirtschaftliche, kenpflege erlernen will, muss das künftig wissenschaftliche sowie soziale und gesellauf einer Fachhochschule tun. Die Gesundschaftsbezogene Kompetenzen gelegt. Die inheits- und Krankenpflegepersonen sind eine terdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen eigenständige Berufsgruppe; ihr WirkungsbeBerufsgruppen stellt den größten Unterschied reich professionalisiert sich immer mehr. Die zu früheren Ausbildungen dar. Ab dem WinMenschen erreichen ein höheres Alter. Damit tersemester 2015 kann nun Gesundheits- und gibt es in Zukunft mehr pflegebedürftige PerKrankenpflege an der FH St. Pölten studiert sonen. Der digitale Wandel, der nun alle Be(Abfallend+Sat werden. Eine Bewerbung ist noch möglich. reiche durchdrungen hat, steuert auch noch Basislogo-Anwendungen „Die AbsolventInnen können in sehr vielen bei, dass sich die organisatorischen BedinBereichen der Gesundheits- und Krankenvergungen im Gesundheitswesen grundlegend sorgung tätig werden“, so Dipl.-Ing. Gernot ändern. Viele neue Berufszweige entstehen, Start im Wintersemester 2015 2c, 1c Positiv: 4c, 2c, Nega der FH 1c St. Pölten. Der Studiengang ist modular aufgebaut und Kohl, MSc, Geschäftsführer die Aufgaben an diese Berufsgruppe werden 4c, komplexer. Der Dienst am Patienten verlangt umfasst aktuelles, pflegewissenschaftliches vor diesem Hintergrund Personen, die Diszi- Wissen sowie präventive, diagnostische, Weitere Informationen: plinen übergreifend bestens ausgebildet sind therapeutische und rehabilitative Maßnahwww.fhstp.ac.at/bkp men zur Erhaltung oder Wiederherstellung und über ein breites Systemwissen verfügen.

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MFG SZENE

Pilgerfahrt zum seligen Erwin von Maria Seedose Okay, für „In Bed with Madonna“ hat es noch nicht gereicht, aber immerhin kann ich nunmehr auf „In Boat with Erwin“ verweisen, und das ist mit Sicherheit amüsanter als mit der personifizierten Miss Perfect. Die hätte mir nämlich sicher nicht bereits um 10 Uhr einen wohlschmeckenden Muskateller kredenzt, geschweige denn eine Tretbootfahrt mit mir am Viehofner See unternommen – und wenn doch, dann bestenfalls unter der Bedingung, dass sie treten darf.

S

eedose Wirt Erwin Nolz geht es da schon gemächlicher an, und so durchmessen wir mehr treibend als fahrend den Viehofner See, genießen den Postkarten-Ausblick auf Schloss Viehofen, begrüßen in Respektabstand den weißen Schwan, der ein bisserl als gefährlicher Psychopath gehandelt wird, geben der Entenfamilie Vorfahrt oder witzeln über die am Strand Steine abladenden Lastwägen der Firma „Spring“, die offensichtlich rechtzeitig vor Badesaison-Start den Frühling bringt. Während Nolz auf schunkelnder See kunstvoll ein Achterl einschenkt, ist mein Gehirn derweil im Such-Modus nach einer geeigneten Überschrift für den Artikel und schöpft aus dem Klassiker-Fundus. „Der alte Mann und das Meer“ würde sich etwa anbieten, erscheint aber angesichts der erst 44 Lenze von Nolz dann doch ein bisserl keck, zumal er für einen Wirten bemerkenswert unverbraucht aussieht (nicht böse gemeint, liebe Wirten!). „Caprifischer“ wiederum lässt mich zwar glückselig „Wenn bei Viehofen die rote Sonne im See versinkt und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt“ anstimmen, aber von den Fischerbooten fehlt jede Spur, zudem heißt Nolz‘ Gattin nicht Marie, sondern Veronika – also ebenfalls unbrauchbar. Auch FALCOS „Steuermann, halt das Schiff nicht an“ scheint nicht ratsam, ist doch für Nachmittag eine Sturmwarnung angesagt. Bleibt derweil – vielleicht ergibt sich ja noch etwas anderes – Nolz Eigenkreation „Der Sardellenfischer vom Viehofner See“, zeichnet er doch eines seiner Mails mit diesem Titel ab. Wobei Sar62

dellenfischer im Grunde eine bodenlose Tiefstapelei ist, werden aus dem Gewässer doch ganz andere Kaliber herausgefischt. „Ich kann mich noch gut erinnern, als eines Abends ein Fischer bei uns ein paar Krügerl gekippt hat und sich dann auf den Weg machte. Ich dachte mir, naja, das kann nix werden ... Am nächsten Morgen ruft mich der ORF an und fragt mich

nach dem Herrn Oberleitner, der einen sechs Meter langen Wels aus dem See gefischt hat!“ Vielleicht sind es gerade Geschichten wie diese, die für Nolz neben all der Naturidylle den Zauber dieses Ortes ausmachen. Geschichten wie auch jene über Eindringlinge, die mehrere Nächte hindurch in der Seedose Party machten. „Unser damaliger vietnamesischer Putzmann hat


TEXT: johannes Reichl | Fotos: hermann Rauschmayr, Konstantin Taufner

sie eines Nachts um vier Uhr erwischt und mir am Morgen beruhigend Bericht erstattet: ‚Ach, das sind nur Zigeuner. Die machen so schöne Musik!‘ Sonst nichts, als wär es das Selbstverständlichste der Welt – und vielleicht war ja genau dies der richtige Blickwinkel“, lacht Nolz, zumal die „Einbrecher“ nichts mitgenommen, ja sogar ihre selbst mitgebrachten Fressalien verspeist hatten.

deren Reiz der Viehofner Seen nicht entziehen. „Als Ende der 90er das Gerücht ging, die Seen könnten für die Bevölkerung geöffnet werden, bin ich illegal eingestiegen und dachte beim ersten Anblick nur: Wow! Alles war wild verwachsen, die Sonne ging gerade unter, der See ruhte still – und das alles mitten in der Stadt!“ Naherholung im wahrsten Sinne des Wortes nennt das Nolz, „tatsächlich

GROOVY. Eine lustige Seefahrt mit dem Sardellenfischer vom Viehofner See. Im Hintergrund sein Domizil, die Seedose.

Der Wow-Effekt Tatsächlich scheint da eine magische Wirkung vom Viehofner See auszugehen, der die Wahrnehmung ein bisserl weichzeichnet, das Kantige, das Schroffe abrundet und der Gelassenheit Raum lässt. Selbst Nolz – obwohl in Pultendorf auf einem Bauernhof quasi mit einer Überdosis Natur aufgewachsen – konnte sich dem beson-

ein Ort in der Nähe, wo man sich erholen kann, die Sorgen, den Stress abstreift, wenn auch vielleicht nur für eine halbe Stunde. Wenn du etwa weiter nach hinten zum kleinen See marschierst, über verschlungene Wege gar bis Radlberg – das könnte genauso gut irgendwo im tiefsten Nebraska sein.“ Und nachher setzt man sich noch gemütlich in die Seedose, genießt

ein Achterl Wein, Kaffee oder Sprudel, und lässt die Seele baumeln: „Das ist ein Stück Reichtum – und das hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit der Möglichkeit, sich das Leben schön zu machen.“ Freilich auch dem Talent, diese Schönheiten überhaupt erst zu erkennen. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich am Morgen nach der Eröffnung der Seedose – es war eine ‚harte‘ Nacht gewesen – schlaftrunken das Lokal aufsperrte. Ich hab mir eine Scheibe Brot runtergeschnitten, mir einen Kaffee gemacht und mich dann auf die Terrasse gesetzt. Oben lag das Schlösschen noch im Nebel, unten glitzerte bereits die Sonne im Wasser, die ersten Vögel zwitscherten, und ich dachte mir: Das war die richtige Entscheidung!“ So empfindet er es auch heute noch, wenngleich die Schönheiten zwischendurch auch durchaus getrübt wurden, weil das Lokal dann doch fordernder war als angenommen. Gut Dose braucht Weile Dabei war die Seedose bzw. das Wirtedasein lange Zeit gar keine Option für Nolz und das obwohl – oder eigentlich gerade weil er die Hotelfachschule in Krems absolviert hatte: „Nach der Schule war mein erster Gedanke ‚nur weg von der ScheißGastro.‘ Du hast miese Arbeitszeiten, es laufen lauter psychisch kranke Typen herum, die Küchenchefs sind manische Choleriker und du bekommst scheiße bezahlt!“, lacht der Wirt angesichts eines nicht zu leugnenden Hauchs von Schizophrenie, weil er letztlich doch in dieser Branche gelandet ist. Als Jungspund war die Gastro aber kein Thema. „Ich habe alles Mögliche gemacht – war Fernmeldemonteur bei der Post, hab im Metro Wagerl geschoben oder war bei Gärtner Reisen. Im Grunde war ich die fleischgewordene Berufsorientierungslosigkeit“, erinnert er sich zurück und fügt dann schmunzelnd hinzu „und genau das hab ich schließlich zum Beruf gemacht und bin Bildungs- und Berufsberater geworden.“ Gut zehn Jahre arbeitet er für AMS und WIFI, der „Gastronomieflow“, wie Nolz MFG 06.15

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es nennt, lässt ihn aber dennoch nie ganz los. Anders ist nicht zu erklären, dass er – nachdem das Gerücht geht, die Viehofner Seen könnten für die Bevölkerung geöffnet werden – beim damaligen Baudirektor mit der Idee eines Lokals am See vorstellig wird. „Der hat aber nur gemeint: ‚Vergessens das. Dort wird nie Gastronomie existieren!‘ Aus wirtschaftlicher Sicht war das damals vielleicht eh besser.“ Nolz geht aber auch mit manch anderem Projekt schwanger. Einmal schwebt ihm ein Lokal im ehemaligen Pittner Kino vor, „weil das so eine grandiose Location war, so in der Art des Wiener Gartenbaukinos“, ein andermal sperrt er um ein Haar in Goldegg ein Wirtshaus auf, „das zuletzt nur an einem dort ansässigen Polizisten gescheitert ist, der meinte ‚Sowas brauch ma do ned!“ Vorgeschwebt hätte ihm etwas in der Art des ehemaligen Gasthof Koll, wo er wie soviele andere St. Pöltner Kids seiner Generation in Sachen Coolness und Westentaschen-Anarchie sozialisiert worden war. „Einfach ein Ort, wo man so sein kann, wie man ist, wo schräge Typen herumlungern, coole Mucke läuft, man immer ein bisserl Angst vor den grantigen Kellnern hat und ich der Psychowirt bin“, lacht er. Die berufliche Situation als Berufsbegleiter wird jedenfalls zunehmend unbefriedigend, und so sucht er – was fast wie ein Klischee klingt – auf einer Ayurveda-Kur in Indien Antworten auf die klassichen Fragen der in die 30er kommenden Generation Nirvana: „Was möchte ich eigentlich wirklich machen? Wie sieht meine Zukunft aus?“ Die Antwort darauf findet er freilich nicht in einem Hin-

duschrein beim Aufsagen des Hare Krishna Mantras, sondern unmittelbar nach seiner Rückkehr in good old STP in Form eines NÖN-Zeitungsartikels, den ihm seine Schwester unter die Nase hält: Das Projekt Viehofner Seen nimmt konkrete Formen an, Arbeitskreise seien gebildet worden. „Da ist die Idee mit dem Lokal am See wieder hochgekocht, und ich hab einen neuerlichen Anlauf genommen.“ Dass die Frau Mama mit ihrer skeptisch gemeinten Anmerkung „na auf dich werden‘s gewartet haben“ dann letztlich Recht behalten sollte, hat Nolz damals wohl selbst überrascht: „Plötzlich gab es gar keine Widerstände mehr. Ganz im Gegenteil, der neue Baudirektor Kurt Rameis war sehr offen und meinte nur, er sei neugierig, ‚ob sich die Anarchie selbst eine Ordnung schafft.‘“ Die „Anarchie“, das Improvisierte, ist der Seedose nämlich von Anbeginn an sozusagen behördlich vorgeschrieben: Ein fix gemauerter Gastrobetrieb darf aufgrund der exponierten Lage am See nicht umgesetzt werden. Damit fällt auch Nolz‘ ursprünglich geplanter Pfahlbau ins Wasser – stattdessen schlägt die Stunde der Contai-

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SHAGADELIC. Wer sagt, dass Container nicht sexy sein können! Oben quasi Seedose Level 1, rechts Seedose heute extended 60ies Version. Gefeiert wird stilsicher am 15. August mit einer Shagadelic-Austin-Powers-Beach-Party!

ner! Dass man mit diesen eine ganze Menge anstellen kann, wird der Wirt im Laufe der nächsten 10 Jahre eindrucksvoll unter Beweis stellen. Ja, im Grunde genommen mutieren sie zu einer in Blech und Kunststoff gegossenen Manifestation seines eigenen Lebensmottos bzw. seiner Lebenserfahrung: „Das Leben ist eine einzige Improvisationsgeschichte.“ Alles ist in Bewegung, und es kommt oft anders als man denkt. Der faulste Wirt der Welt So scheitert Nolz etwa mit seinem gegenüber seinem Coach formulierten Ziel „der faulste Wirt zu werden, der Erfolg hat“ kläglich. Zwar ist ihm Erfolg nicht abzusprechen, aber das mit dem Faulsein funktioniert so gar nicht. Die Dose war und ist ein zu forderndes Gewächs, das Nolz zu Beginn fast über den Kopf zu wachsen droht und schlaflose Nächte voll Existenz-

„Das ist ein Stück Reichtum – und das hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit der Möglichkeit, sich das Leben schön zu machen.“


Pilgerfahrt zum seligen Erwin von Maria Seedose

angst beschert. „Im Grunde genommen ist die Seedose ideal für manisch Depressive: Wenn es schön ist, ist es brechend voll und du hältst dich nach ein paar Tagen für den reichsten Mann der Welt. An weniger schönen Tagen sitzt du wiederum allein da und fragst dich panisch: ‚Verdammt, wie soll sich das nur ausgehen?‘“ Vor allem in den ersten Jahren überwiegt das mulmige Gefühl, der Stress ist enorm. „Wir waren heillos überfordert, haben es vom Tempo einfach nicht auf die Reihe gekriegt, vor allem weil ich Sachen umsetzen wollte, wofür das Lokal und seine damalige In-

frastruktur schlicht zu klein waren“, stellt Nolz selbstkritisch fest, und wähnt augenzwinkernd die Schuld bei den damaligen Angestellten: „Leider hat sich kein Mitarbeiter zu sagen getraut: ‚Heast Chef, bist du wo ang‘rennt?‘“ Erst als er am Grundsystem etwas ändert, insbesondere Schank und Küche adaptiert, „hat es plötzlich Klacks gemacht. Seitdem haben wir alles gut im Griff und die Gäste sind zufrieden.“ Dass es freilich immer einige geben wird, denen man es nicht recht machen kann, musste Nolz ebenfalls erst als bittere Lehre zur Kenntnis

nehmen. „Es ist, wie mein ehemaliger Mentor gewarnt hat: Erwin, der Gast ist unerbittlich!“ Kann er damit heut umgehen, versteht er dennoch nicht „warum ein Gast ein fünftes Mal kommt und schimpft, wenn es ihm die ersten vier Mal schon nicht gefallen hat. Das kommt mir vor wie bei einem frustrierten Mann, der mit einer Schwarzhaarigen zusammenlebt, obwohl er sich immer eine Blondine gewünscht hat. Der ist bei uns einfach im falschen Lokal!“ Vielleicht ist aber auch diese Art von Gast einfach nur neugierig, wie sich die Seedose seit seinem letzten Besuch weiterentwickelt hat, denn diese befindet sich in steter Metamorphose. Nolz baut sein Baby von Beginn an kontinuierlich aus „was zum einen einem gewissen Expansionswahnsinn in meiner Familie geschuldet ist – mein Vater etwa experimentierte als Bauer in Pultendorf schon vor 20 Jahren mit Sojabohnen oder arbeitete mit kanadischen Bauern zusammen – zum anderen war die Expansion schlicht ein Muss, um zu überleben.“ Ein bisserl fühlt man sich bei der Seedose ja an eine Rakete im Steigflug erinnert, nur dass in diesem Fall mit jeder neuen Zündstufe nicht etwas abgeworfen wird, sondern etwas Neues dazukommt: Ein Lagercontainer hier, eine neue Terrasse dort, ein fixes Zelt zwischendurch, ein Kiosk für die Badegäste oder ein eigener Toilettencontainer. „Der war als VIP Abort bei der Fußball-EM 2008 im Einsatz und spielt alle Stückerln“, lacht Nolz und fügt geheimnisvoll hinzu: „Wer weiß, welche Stars die Toilette schon benutzt haben!“ Insbesondre bei der Damenwelt sorgte das neue Edel-Klo für regelrechte Euphoriestürme „so dass man heute ohne Sentimentalität eingestehen muss: Die Seedose ist eigentlich eine Toilette mit angeschlossener Gastronomie!“ Dann aber definitiv St. Pöltens liebstes, im Vollbetrieb gar nicht so stilles Örtchen. Immer wieder finden Veranstaltungen statt, vom Kulturbrunch bis zum Ball der Melancholie, und auch für den kolportierten schönsten Tag im Leben, die Hochzeit, wird MFG 06.15

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die mittlerweile auf 120 Sitzplätze angewachsene Seedose zunehmend öfter gebucht. „Wobei es immer witzig ist, wenn ein junges Paar seinen Eltern offenbart, dass es die Tafel in der Seedose machen möchte. Die Oldies fragen dann meist irritiert ‚Wie, in einer Dose?‘, und die Kids versuchen zu beruhigen ‚Keine Angst, das ist eh so in Containern und Zelten‘ Spätestens dann schrammen die Eltern knapp am Herzinfarkt vorbei und beruhigen sich erst, wenn sie beim Lokalaugenschein sehen, dass das hier wirklich ein ganz nettes Ambiente ist.“ Charmant und originell trifft es ebenso. Da steckt viel Liebe zum Detail drin und die kreative Handschrift von Nolz, die aktuell einen SixtiesSchwung trägt. Die Möbel sammelt der Hausherr von überall zusammen, wobei sein größter Schatz aktuell ein dänischer Fernsehsessel aus den 60ern ist, der freilich nur dem Chef selbst vorbehalten ist. Fürs abschließende Fotoshooting – wir haben mittlerweile wieder angelegt und sind von grim-

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migen Seeräubern zu biederen Landratten mutiert – wird das Heiligtum ausnahmsweise aus dem Schrein hinter dem großen Vorhang geholt und auf die Mole hinunter getragen, wo es sich Nolz gemütlich macht. Streetfood am See Dort, neben den friedlich dahinschunkelnden Tretbooten, die man auch für romantische Bootspicknicks mieten kann, erzählt Nolz von seinen aktuellen Projekten und Visionen. So hat er sich zum Beispiel, um gleich bei der Romantik zu bleiben, im Vorjahr eine hinreißende italienische APE Calessino zugelegt, mit der er Turteltäubchen auf eine gastronomische Lovetour entführt. „Ich hol die Leute vom Bahnhof ab, dann geht’s mal zu einem ausgedehnten Frühstück in die Seedose. Im Anschluss fahren wir zu außergewöhnlichen Platzerln in der Umgebung, picknicken z.B. in einem Schlosspark, treffen befreundete Hauer, die uns im Weingarten edle Tropfen und eine Jause kredenzen und Ähnliches mehr.“ Liebe Männer – falls ihr einmal originellen Geschenk­ notstand habt (was natürlich niiiieeee passiert) – hier ist die Lösung! Auch die Frage, „wie wir den See gastronomisch noch besser bespielen können“, beschäftigt Nolz seit geraumer Zeit. „Ich denke da an ähnliche Module wie bei Streetfood, vielleicht marschieren wir mit einem mobilen Griller durch die Reihen oder fahren mit kleinen Foodtrucks den Strand entlang – da gibt’s schon spannende Beispiele aus Finnland.“ Und Nolz träumt von Nächtigungsmöglichkeiten am See. „So eine Art mobile Hausboote, die hab ich mir in einer Werft in MecklenburgVorpommern angesehen. Stell dir das vor, du schaust am Morgen raus auf den See, dann gehst du gemütlich in die Seedose frühstücken. Das hätte schon was.“ Ebenso könnte er sich ein Baumhaus in der Au vorstellen, „dann hätten wir quasi Beherbergung nach

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den vier Elementen: Wasser – Erde – Luft ... okay, das mit dem Feuer könnte ein bisserl problematisch werden“, lacht er. Auch eine Art mobiles Hotel könnte sich Nolz vorstellen, „Das Wichtigste, Namen und Logo, haben wir schon: Streuhotel Seedose, das Logo ist ein Zuckerstreuer“, flunkert er, meint es aber im Grunde genommen durchaus ernst. „Das Hotel bzw. die ‚Zimmer’ sind immer woanders, einmal zum Beispiel in einem Waggon der Mariazellerbahn, ein andermal auf einem Flachdach in der City, dann hier am See, vielleicht sogar einmal im Landesmuseum ...“ Nolz weiß, dass vieles utopisch klingt, „aber ich würd es wirklich reizvoll finden. Damit könnte eine ehemals imageschwächelnde Stadt wie St. Pölten touristisch sicher überraschen!“ Und – siehe Seedose selbst – nur wer das normative Kastldenken verlässt und das vermeintlich Unmögliche denkt, kann etwas Einzigartiges schaffen. Deshalb wünschte sich Nolz auch weniger Bürokratie, „denn die Hürden, wie mir scheint, werden nicht weniger, sondern mehr. Dadurch gehen der Stadt aber viele spannende Ideen und Köpfe verloren.“ Die Offenbarung Zuletzt, Nolz streckt sich schnurrendwie eine Katze in seinem Fauteuil aus und wähnt sich angesichts des Postkartenausblicks vielleicht ein bisschen wie auf der Sanatoriumsterrasse aus Thomas Manns Zauberberg, entledigt er sich der irdischen Bande und verabschiedet sich unter breitem Grinsen ins Metaphysische. „Mir gefiele ja auch ein Wallfahrtsort hier: Maria Seedose, wo es, sagen wir, zu Krampfadern-Spontanheilungen kommt – und ich werde schon zu Lebzeiten selig gesprochen!“, witzelt er und fügt hinzu. „Und wir stellen eine Kapelle auf – selbstverständlich ein Container, die Kirche muss schließlich mit der Zeit gehen!“ Und als dies ausgesprochen ward, da kam die Inspiration

„Die Seedose ist eigentlich eine Toilette mit angeschlossener Gastronomie.“


Pilgerfahrt zum seligen Erwin von Maria Seedose

BEHAVE. Die Nobel-Toilette aus den

Beständen der EM 2008. „Jetzt sind wir ein VIP-Klo mit angeschlossener Gastronomie!“

über mich und ich hatte endlich die passende Überschrift für diesen Artikel gefunden: „Pilgerfahrt zum seligen Erwin von Maria Seedose“, einem Ort, wo schon jetzt – nicht erst in ferner Zukunft – wahre Wunder passieren: Wo 6m-Welse aus dem See gefischt werden, wo der Frühling mit LKW’s der Firma Spring abgeladen wird, wo vermeintliche Einbrüche zu poetischen Akten mutieren und die Luft voll Zigeunermusik, feinstem Jazz und Vogelgezwitscher ist, wo man sich am Kleinen Viehofner See plötzlich mitten im tiefsten Nebraksa wiederfindet und wo eine in der Au situierte Telefonzelle zwar niemals läutet, dafür aber auf wundersame Weise immer wieder neue Bücher in sich trägt, wo eine Mittagspause den Erholungswert eines Kurzurlaubs in Bella Italia hat und

wo wohl selbst Madonna während des Tretbootfahrens faul innehalten würde, um die schöne Landschaft zu genießen (und gar verstohlen am Muskateller zu nippen.) Wo schließlich der selige Erwin, erfüllt von Geist, Fantasie und Originalität, sein Evangelium

vom Leben als Dauerprovisorium verkündet und dennoch auf wundersame Weise Ordnung ins Chaos gebracht hat. Freilich – und zum Glück – nur soviel, dass noch immer genug Raum zum Seelebaumeln, Träumen und Genießen bleibt. Halleluja!


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TEXT: RUTH RIEL | Fotos: Philipp Lipiarski/Good Life Crew

Vom Flohmarkt zum Kultevent Der St. Pöltner Roman Groiss mischt derzeit mit seinen Projekten die Wiener Marktszene auf. Neben großer Besucherresonanz ist auch das mediale Echo auf seine Projekte Mondscheinbazar – dem ersten Wiener Nachtflohmarkt – sowie dem Streetkitchen Foodmarket enorm. Es scheint als habe Wien nur darauf gewartet, dass diese internationalen Trends endlich Einkehr halten. Sie waren schon viel unterwegs, haben viel gesehen – welche Rolle spielte das für Ihre Projekte? Ich habe in Wien Tourismus studiert und anschließend in Kufstein den Master für Sport, Kultur und Eventmanagement absolviert. Während des Studiums in Kufstein lebte ich in München und davor ein Jahr in London. Da ich immer schon selbst begeisterter Marktbesucher war, habe ich dort die Trends für Nachtflohmärkte und Streetkitchen wahrgenommen. Zurück in Wien dachten wir, derlei fehlt hier auch noch und begannen mit den Planungen für den ersten Mondscheinbazar in der Anker Expedithalle. Der ja gleich beim ersten Mal voll einschlug! Ja, von der unglaublichen Resonanz waren wir selbst wohl am meisten überrascht. Wir hatten beim ersten mal ca. 3.000 Besucher und das Feedback war sowohl von Händlern, als auch von den Besuchern sehr gut.

enorm. Beim zweiten Markt waren die Standplätze innerhalb von 10 Minuten ausgebucht. Daher der logische Schritt – die Expansion zum Mondscheinbazar extended in der Marx Halle? Ja. In der Marx Halle sind wir auf 300 Aussteller angewachsen und hatten zwei Tage geöffnet. Wobei ebendort dann auch der erste Streetkitchen Foodmarket von euch durchgeführt wurde, nicht minder erfolgreich. Es wollten ca. 100 Gastronomen teilnehmen, wir konnten aber nur 30 Aussteller nehmen. Wir haben die Gastronomen dann nach Erfahrung, Kreativität, Innovation und machbarem Fingerfood ausgewählt. Einen Schweinsbraten hat man nicht gefunden. Ich glaube, viele junge kreative Gastronomen sehen den Markt als Chance sich zu präsentieren, und auch die Foodtrucks hatten endlich eine Ausstellungsfläche.

Was halten Sie für die ErfolgsfakGRO(I)SSE PROJEKTE. Mit dem toren? Wien hat also scheinbar auf euch Mondscheinbazar und Streetkitchen Ich glaube der Wiener war schon immer, Foodmarket belebt der St. Pöltner die gewartet – wie sieht es mit anderen und ist es nach wie vor, ein Marktgeher, Wiener Marktszene. Städten aus, möglicherweise auch das wurzelt wohl in der Kultur. Nur werSt. Pölten? den die öffentlichen Märkte immer weniger bzw. auch unIch bin ja St. Pöltner und werde dies auch immer bleiben, attraktiver. Wir haben jetzt einen hippen Flohmarkt am und soviel kann ich schon verraten: Es ist auch hier ein Trend der Zeit geschaffen, der sowohl Flohmarktstände Projekt geplant. Aber wir haben auch andere Städte wie bietet, aber auch vielen jungen Künstlern und Kreativen Graz und Linz im Auge. eine Präsentationsplattform. Diese Mischung, gepaart mit Livemusik und Gastronomie, macht wohl den Erfolg aus. Und das alles trotz geringem Werbeaufwand. Wir haben den Markt eigentlich nur über Facebook beworben, und natürlich hilft auch die Mundpropaganda

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Der nächste Mondscheinbazar findet am 19. Juni in der Anker-Expedit Halle statt. www.mondscheinbazar.at www.street-kitchen.at


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Never Underestimate KungFu Energy 2015 scheint ein gutes Jahr für Festivals zu sein. Zum einen gibt es mit Rock In Vienna einen – möglicherweise – neuen Stern am Festivalhimmel, zum anderen feiert ein alter Bekannter sein Comeback: Die Rede ist vom Nuke Festival, dessen Erfinder ein Urgestein der St. Pöltner Partyszene ist, und das heuer am 29. August am Freigelände der Messe Graz über die Bühne geht.

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ange war es ruhig um das Fes­ tival gewesen, das zuletzt 2010 stattfand. Aber da Totgeglaubte ja bekanntlich länger leben, meldet sich das Nuke heuer lautstark zurück. Die musikalische Ausrichtung ist da­ bei bekannt, wobei sofort ins Auge sticht: Alle Bands kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Als Head­ liner konnten die Berliner Dancehall Caballeros Seeed gewonnen werden. Begleitet werden sie von ihren Lands­ männern Cro, Prinz Pi, Kayef sowie Mono & Nikitaman. Besonders po­ sitiv fällt auch der hohe ÖsterreicherAnteil auf, was für ein Festival dieser Größenordnung eher unüblich ist. So geben sich die Parov Stelar Band, Bil­ derbuch, Wanda oder Olympique die Ehre am Nuke. Doch nun ein bisschen History für die jüngeren Semester. Begonnen hat die Nuke-Geschichte im Jahr 2000. „Damals sind die beiden Christophs (Schön & Lehrner, Anm.) auf mich zugekommen, dass am Gelände des

15 years later. Die Nuke-Gründer Chri-

stoph Lehrner, Christoph Schön und Norbert Bauer back in Zwentendorf.

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nie in Betrieb gegangenen AKW Zwentendorf ein Festival stattfinden soll“, erzählt Norbert „Pauli“ Bauer, Mastermind hinter dem Nuke. „Der Name steht im Übrigen für ‚Never Underestimate KungFu Energy‘, und die Abkürzung Nuke passte für ein Festival in einem Atomkraftwerk na­ türlich wie die Faust aufs Auge!“ Die erste Ausgabe fand mit ausschließ­ lich österreichischen Acts statt und begeisterte knapp 3.000 Besucher. In den Jahren 2001 und 2002 ging das Festival abermals in Zwentendorf über die Bühne, das Jahr darauf über­ siedelte man nach Hofstetten-Grü­ nau. „Wir mussten aus Zwentendorf weg, weil nach der dritten Ausgabe ein Hochwasser den Müll in die um­ liegenden Ortschaften schwemmte und dort in den Gassen verteilte. Eine interessante Anekdote dazu ist, dass eine halbe Stunde, nachdem der letzte LKW das Gelände verlassen hatte, dieses evakuiert werden musste“, so Pauli. Dem Müll konnte man nicht mehr Herr werden, die Rufe nach ei­ ner Verlegung wurden laut.

Das Nuke wanderte weiter nach Hofstetten-Grünau ins Pielachtal, diesmal bereits unter der Ägide von Musicnet-Boss Harry Jenner, der zu­ vor bereits mit seiner Disco Music Agency involviert gewesen war. Allem Chaos mit Dauerregen, kniehohen Gatschfeldern und rutschigen Hän­ gen zum Trotz brachte das Nuke ein Line Up der Sonderklasse mit Stars wie Lauryn Hill, Jovanotti und al­ len voran Coldplay zustande! Und die Schlammschlacht sollte auch ihr Gutes haben. Denn ein Jahr später konnte das Nuke, nicht zuletzt dank des Engagements von VAZ-Boss René Voak, nach St. Pölten gelotst werden. „Wenn ich heute auf zehn Jahre Fe­ stivals in unserem Haus zurückblicke, kommt mir vieles noch immer vor wie im Traum“, erinnert sich Voak. Das Nuke selbst fand in St. Pölten zwei Wiederholungen, bevor es nach Wiesen wechselte, wo es nach 2010 vermeintlich entschlief. Eine Schlammschlacht gab es frei­ lich all die Jahre auch hinter den Kulissen. Bauer und Jenner lieferten


TEXT: michael reibnagel | Fotos: justin de souza, zvg

FREQUENCY, die 15. Während es Pauli Bauer also mit dem Nuke auch nach Graz zieht, geht es in dessen Heimat St. Pölten wie gehabt im Blockbuster-Stil weiter: Stichwort Frequency Festival. Heuer geht das Festival, das sein 15 Jahr Jubiläum feiert, von 20. bis 22. August im sogenannten Greenpark über die Bühne. In St. Pölten ist man bereits seit 2009, die Skills des Venues wie perfekte Erreichbarkeit, genug Parkplatzmöglichkeiten, wetterfester Untergrund, ausgedehnte Camping­ möglichkeiten neben der Traisen, Einkaufsmöglichkeiten in direkter Umgebung etc. sind nicht zu toppen. Zudem überzeugt das Konzept des Festivals im Festival, kommen im so­ genannten Nightpark doch auch Fans der Electronicmusic auf ihre Kosten. Und hier ist die grundlegendste Neue­ rung zu nennen. Selbiger, bisher in der ehemaligen Kopalkaserne beheima­ tet, die auf Sicht verbaut wird, findet heuer erstmals direkt in den VAZHallen statt. Für die Fans heißt dies noch mehr Kompaktheit und kürzere Wege. Was gleich bleibt, ist hingegen die limitierte Kapazität und ein Am­ pelsystem, das den Zugang regelt.

BEATPATROL – bleibt alles anders Auch vom Beatpatrol Festival, das wie das Frequency zum siebten Mal im VAZ St. Pölten stattfindet, gibt es Neuigkeiten. So erfindet sich das Fe­ stival unter dem Motto „Bleibt alles anders“ quasi neu, die Hintergründe hierfür erläutern die Masterminds Bauer und Voak so: „Möchtest du in dieser Branche bestehen, musst du dich immer wieder neu erfinden.“ An­ gesichts einer inflationären Entwick­ lung am Sommerfestival-Sektor, „in der die Festivals – verschiedener Qua­ litätsstufen – allerorten wie Schwam­ merln aus dem Boden schießen“, so­ wie in Reaktion auf sechs Beatpatrol Auflagen mit Regen und Kälte als (unerwünschte) Dauergäste, streicht man zwar nicht die Segel, zieht aber andere Seiten auf. „Wir übersiedeln in den Herbst und werden einen Tag vor dem Nationalfeiertag, am 25. Oktober, im VAZ St. Pölten Ös­ terreichs größtes Indoorfestival auf­ ziehen“, so Bauer. Musikalisch wird man dabei dem gewohnten Weg treu bleiben, „also den aktuell heißesten Scheiß servieren“, und die gesamte Bandbreite des elektronischen Musik­ spektrums abdecken. VAZ-Boss René Voak verspricht jedenfalls wieder „ein Megaspektakel.“ Dass die angesprochene FestivalSchwemme nicht von der Hand zu weisen ist, dazu genügt ein Blick auf diverse Festivalkalender. Den Be­ suchern kanns recht sein, denn sie können aus dem Vollen schöpfen – bislang zumindest, denn das Pendel könnte alsbald auch wieder in die an­ dere Richtung ausschlagen. So wird in Veranstalterkreisen unter vorgehal­ tener Hand bereits von einer Über­ sättigung sowie einer bevorstehenden Marktbereinigung gesprochen. Dieses Jahr, so der Grundtenor, werden nicht alle Festivals überleben. Kurzum: Fei­ ern wir solange, solange es noch geht! FESTIVALS 2015 im VAZ St. Pölten: Holi Festival (25.7.) FM4 Frequency Festival (20.-22.8.) Beatpatrol Festival (25.10.) MASP – Mittelalterspektakel (7.11.)

Respektierlich

Michael Müllner Politiker, die Mutter-Vater-Kind als „Leitbild“ sehen, aber „natürlich auch andere Formen des Zusammenlebens respektieren.“ Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für diese Großzügigkeit! Ein Leitbild formuliert einen Zustand, den man erreichen möchte. Natürlich soll sich die Politik einer kinderfreundlichen Gesellschaft verschreiben. Aber wenn die Exklusivität der Ehe für Heteros damit begründet wird, dass Eheleute Kinder zeugen, dann sind wir beim jahrhundertealten Konzept der Ehe als Instrument von Kirche und Obrigkeit um das Volk nach ihren Vorstellungen zu verwalten. Denkt man dies zu Ende, dann sind wir bei Kinderlosigkeit als Ehe-Ausschlussgrund. Und wer seine eigene (Hetero-)Ehe durch eine andere (Homo-)Ehe entwertet sieht, der sollte sowieso Hilfe in Anspruch nehmen. Dennoch mühen sich Politiker mit Scheinargumenten ab und reden uns ein, kinderzeugende Eheleute seien jenes „Leitbild“, das es zu fördern gelte – just indem man anderen (Schwulen, Lesben) die Gaude einer echten Hochzeit verwehrt. Wie bescheuert. Noch ärmer wird es, wenn dann noch der „Generationenvertrag“ ins Spiel gebracht wird, weil: Kinder als Zahler der zukünftigen Pensionen, Blabla. Just von Berufspolitikern, die seit Jahren das Pensionssystem mit Klientelpolitik und Populismus an die Wand fahren und nach jedem Wahlsonntag ihr Glück gar nicht fassen können, dass sich dennoch wieder eine Mehrheit ausgeht. Natürlich hängt das Glück dieser Welt nicht daran, ob man heiraten darf. Aber wenn die Politik bei den großen Themen schon so konsequent und katastrophal scheitert, dass selbst die Lautesten der Dümmsten dem Volk noch als echte Wahlalternative erscheinen, dann könnte man uns doch zumindest an diesen kleinen Nebenschauplätzen mit Gestaltungswillen überraschen?

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Foto: pololia - Fotolia.com

sich einen Infight um die Marken­ rechte. „Doch das ist Geschichte“, so Bauer. „Der Prozess ist zu Ende und wir konnten uns einigen. Der Name Nuke gehört jetzt wieder mir“, so der Veranstalter, der daher heuer das le­ gendäre Festival wieder auferstehen lässt. Als Veranstalter funigeren neben der Grünberg & Cie auch Arcadia Live, ein gemeinsames Projekt von FKP Scorpio, Four Artists, Chimpe­ rator und KKT aus Deutschland, so­ wie der Wiener Arcadia Agency. „Mit Filip Potocki gab es schon länger Überlegungen, und jetzt hat es ein­ fach gepasst. Aufgrund der Abwan­ derung des Urban Art Forms und des Springfestivals aus Graz war für uns klar, dass wir das Nuke ebendort ver­ anstalten.“ Zumal in St. Pölten kein Zeitfenster bestand, wie Voak betont. „Wir wollen ja auch keine Kannibali­ sierung der bestehenden Festivals, das würde keinem etwas bringen.“

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MFG SZENE

Yes we Cannes!

STRANGE FREEDOM

Wie es ist, mit einer ersten gemeinsamen Arbeit sogleich den „Wiener Filmmusik Preis 2015“ zu gewinnen und ihr Werk in Cannes vorstellen zu dürfen, weiß das Künstlerkollektiv „Strange Freedom“ nun ganz genau. Über Entstehung und Werdegang einer vielversprechenden Zusammenarbeit.

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on St. Pölten durch das finstere Tal nach Cannes. Was sich anhört, wie ein interessanter Roadtrip, ist in Wahrheit eine Kurzfassung der vergangenen paar Monate von Almalyn Griesauer, Michael Willer und Robert Stefan, den Menschen hinter „Strange Freedom“. Durch ihre Einreichung, eine Neuvertonung einer Szene des mehrfach ausgezeichneten österreichischen Films „Das finstere Tal“, gewannen sie im Frühjahr 2015 den „Wiener Filmmusik Preis“ und durften deshalb im Mai ihre Arbeit in der europäischen Filmmetropole Cannes präsentieren. Doch wie ist es dazu gekommen? Es war wohl am ehesten Zufall, dass die drei ein Werk für den Wiener Filmmusik Preis eingereicht haben: „Wir wurden durch unseren Freund und Agenten Stephan Eder von Mister Fernseher und World of Wahwah darauf aufmerksam gemacht.“ War ihnen diese Ausschreibung zuvor noch unbekannt, konnten sie bereits mit ihrer ersten Einreichung voll und ganz überzeugen. Über 100 Neuvertonungen der Szene aus dem finsteren Tal haben sie dabei ausgestochen und durften den mit 7.000 Euro dotierten Preis entgegennehmen. Doch das Preisgeld ist wahrscheinlich nebensächlich, öffnet sich dadurch für Griesauer, Willer und Stefan die Möglichkeit, in der Filmmusikbranche Fuß zu fassen. „Viele Möglichkeiten gibt es ja nicht für einen Neueinstieg, entweder du kennst jemanden, der jemanden kennt etc. oder du gewinnst einen Preis und verschaffst dir so Gehör, was wir völlig unerwartet, mit vereinten Kräften gemeistert haben.“ Der Erfolg schafft nun neue Mög-

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Strange Freedom. Robert Stefan, Michael Willer und Almalyn Griesauer (v.l.n.r.) mit tatkräftiger Unterstützung von Alexander Kukelka, dem Komponistenbund-Präsidenten, in Cannes.

lichkeiten: „Die Filmmusikbranche war immer schon interessant für uns, doch weitestgehend unbekannt. Das ändert sich gerade.“ Gebündelte künstlerische Kräfte Die drei aus St. Pölten und Umgebung sind jedoch keine absoluten Neueinsteiger in der Musikbranche. Robert Stefan und Michael Willer sind die beiden Mitglieder des Drum&BaseDuos BODY & SOUL, womit sie schon lange Zeit Bekanntheit weit über die Stadtgrenzen hinaus erreichen konnten. Die Idee zum Projekt „Strange Freedom“ kam jedoch von Almalyn Griesauer. Ebenfalls schon jahrelang erfolgreich im Kunst- und Musikbereich tätig, sollte die Plattform dazu dienen, „für ihre diversen kreativen Vorhaben, die ja weit über

das Musikalische hinausgehen, ein Outlet zu bieten.“ Durch den Preis für „Strange Freedom“ konnte das Trio weiter Kontakte knüpfen: Auf der Suche nach Videomaterial, das zu ihrer Musik passt, stießen sie dabei auf Christian Stangl. Er, ebenfalls ein gebürtiger St. Pöltner, arbeitet bereits seit 1997 beim ORF und konzipiert und produziert dort so genannte „Opening Titles“ und „Graphical Identities“, also die visuelle Aufbereitung von Shows und Sendungen. „Nach einem detaillierten Blick auf sein Werk, waren wir uns einig, dass wir diesen morbid kreativen Ästhetiker unbedingt ins Boot holen müssen. Seine Bilder vermitteln dieselbe Stimmung, wie unser Wort und Klang. Die Symbiose von unserer Musik und seinem

„Die Filmmusikbranche war immer schon interessant für uns, doch weitestgehend unbekannt. Das ändert sich gerade.“


TEXT: Dominik Leitner | Foto: zvg/strange freedom

Bildmaterial könnte wohl nicht besser sein.“ Aktuell sind einige kleinere Kurzfilm-Projekte mit Stangl geplant. Das bereits auf der Strange FreedomWebsite veröffentlichte „Birthlight“ ist ein erstes beeindruckendes Beispiel für diese Zusammenarbeit. Die Freiheit, alle Möglichkeiten zu nutzen Doch was hat es mit dem dieser Freiheit auf sich? „Strange Freedom, wie der Name schon sagt, nimmt sich die seltsam fremde Freiheit heraus, sagen und machen zu dürfen was beliebt, ohne Rücksicht auf Genres, Konventionen, Trends oder festgefahrene Konzepte. Gut muss es sein bzw. von uns als gut erachtet werden. Das ist die einzige Regel.“ Dass ihr Beitrag nicht nur gut, sondern auch „mutig und fortschrittlich“ ist, zeigt auch die Begründung des Jury-Mitglieds Judith Varga: „Es braucht mutige und starke FilmkomponistInnen, die sich trauen, sich vom üblichen Hollywood-Stil

abzukoppeln, aber auch nicht nur liegende sanfte Klavierakkorde produzieren. Eine starke Leistung!“ Deshalb haben sie sich mit großer Vorfreude auf den Weg nach Cannes gemacht. Die European Film Music Days in Cannes ist eine Veranstaltung der European Composer and Songwriter Alliance, welche rund 23.000 Komponisten in 20 verschiedenen europäischen Staaten vertritt. In diesem Jahr lud es mit einem Fokus auf Komponisten aus Deutschland und Österreich ein. Auf der Veranstaltung konnte Strange Freedom vor über 300 Teilnehmern ihre Arbeit präsentieren. „Wir sind in diesem Bereich völlig neu und erschließen Stück für Stück mit großer Neugier das noch unbekannte Territorium. Dafür war die Hilfe von Alexander Kukelka (Präsident des Österreichischen Komponistenbunds) und Peter Janda (AKM Vorstand) und generell die Erfahrung am Festival von kaum überschätzbarem Wert.“

Yes we Cannes ... again? Ob sie sich vorstellen können, weiter im Bereich der Filmmusik aktiv zu bleiben? „Das könnten wir uns nicht nur vorstellen, das ist unser erklärtes nächstes Ziel!“ Natürlich würden sie mit allen Regisseuren, deren Filme sie gerne schauen, gerne zusammenarbeiten. Doch noch ist es für sie kein Wunschkonzert. Und so ganz verschließen sie sich auch nicht anderen Betätigungsfeldern, denn „das heißt nicht, dass wir nicht so oder so mit Strange Freedom auch andere Projekte umsetzen wollen. Das ist ja das Schöne daran: Es bietet Raum für alle möglichen Vorhaben, ohne dabei wie eine Band oder wie ein ArtistProjekt auf eine Musikrichtung oder überhaupt auf Musik fixiert zu sein.“ Man darf also zurecht gespannt sein. Websites strangefreedom.com christianstangl.at

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MFG Sport

Der Lauf seines Lebens Manche Geschichten klingen wie Märchen, die schicksalsschwer beginnen und dann doch eine positive Wendung hin zum Happy End nehmen. Die Geschichte von Wings For Life Sieger Lemawork Ketema, der aus Äthopien flüchtete und in Österreich um Asyl ansuchte, ist eine solche.

Herr Ketema, Gratulation zum diesjährigen Sieg des Wings for Life Run, wo Sie sich gegen rund 70.000 Läuferinnen und Läufer durchgesetzt haben! Wie fühlt es sich an, in dieser außergewöhnlichen Disziplin bisher ungeschlagen zu sein?

Vielen Dank, natürlich fühle ich mich gut und freue mich den Wings for Life Run das zweite Mal gewonnen zu haben. Ich habe mich sehr gut auf den Lauf vorbereitet und meine Taktik ist aufgegangen. Die Mühen der letzten Monate haben sich gelohnt. Wie trainiert man für einen Lauf wie den Wings for Life Run, wo das Ende stets davon abhängt, wie lange 76

man sich vor dem so genannten Catcher Car halten kann?

Auf alle Fälle viel trainieren! Ich habe mich vier Monate auf den Lauf vorbereitet, bin bei jedem Wetter zwei Mal am Tag gelaufen, egal ob es regnet oder schneit. Um so einen Lauf zu gewinnen, muss man an seine Grenzen gehen. Sie sagten nach dem Wings for Life Run 2015, dass Sie nicht ihre ganze Power genutzt haben. Welche Distanz wäre denn möglich?

Das kommt auf die Umstände an. Dieses Mal waren 45 Kilometer Gegenwind, das ist natürlich nicht günstig, da muss man mit seiner Power

WIEDERHOLUNGSTÄTER. Lemawork Ketema (re.), gemeinsam mit seinem Freund Remigio Huaman, wurde 2015 zum 2. Mal „World Champion“ und hat damit 75.000 Läufer hinter sich gelassen.

haushalten, damit man am Ende noch Kraft hat. Bei günstigen Bedingungen kann ich mir eine Distanz von 85 Kilometer nvorstellen. Wie empfinden Sie die Strecke, die ja ihren Anfang in St. Pölten hat?

Ich liebe diese Strecke, die vielen Menschen am Start und auf der Strecke, das ist einfach wunderschön. Und wenn ich dann die Donau entlang laufe, fühle ich mich wie zu Hause. Ich habe ja eineinhalb Jahre in


TEXT: Dominik Leitner | Fotos: Red Bull Media House

Greifenstein an der Donau gewohnt und bin natürlich oft an der Donau entlang gelaufen. Waren Sie selbst schon einmal in der niederösterreichischen Landeshauptstadt?

Ja ich war schon oft in St. Pölten. Ich habe Freunde dort und freue mich immer mit ihnen durch die Fußgängerzone zu spazieren und gemütlich in einem Café zu sitzen. Wie war es für Sie, dass in diesem Jahr ihr größter Gegner vom letzten Jahr, Remigio Quispe, nicht in Peru, sondern in Österreich, sozusagen an ihrer Seite gegen sie antrat?

Remigio und ich haben uns im Jänner in Salzburg kennengelernt und sind Freunde geworden. Außerdem ist es immer gut, wenn man so eine lange Strecke nicht alleine laufen muss, leider hatte er bei Kilometer 70 einen Durchhänger und ich musste Gas geben, um zu gewinnen. In welcher Form und in welchem Ausmaß stehen Sie in Verbindung mit Red Bull bzw. der Wings for Life Foundation?

Ich bekomme dankenswerterweise 2015 eine finanzielle Unterstützung, unter anderem auch von Red Bull. So kann ich meinen Sport professionell ausüben. Natürlich habe ich auch Kontakt zum Wings for Life-Team. Ich wurde sogar zum Ambassador vom Wings for Life-Team ernannt, was mich natürlich sehr geehrt hat. Natürlich werde ich versuchen, dieser Auszeichnung gerecht zu werden. Wie kamen Sie selbst überhaupt dazu, am allerersten Wings for Life Run mitzulaufen?

Ich habe von Freunden und meinem Manager davon gehört und war gleich begeistert von dieser Idee. Ich wollte unbedingt dabei sein. Da ich vorher noch nie Langstrecke gelaufen bin, es keine Ziellinie gibt und noch dazu der Gegner ein Auto ist, war ich am 4. Mai 2014 am Start nicht sicher, ob mein Training in den letzten fünf Monaten das Richtige war und

meine Taktik für einen guten Platz ausreichen wird. Dass ich weltweiter Sieger wurde, konnte ich am Ende des Laufes noch gar nicht so richtig begreifen. Das ist mir erst Tage später bewusst geworden. Dieser Sieg hat mich nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Am 8. Mai 2016 wird der nächste Wings for Life Run stattfinden – darf ich annehmen, dass Sie wieder versuchen werden, ihren Titel zu verteidigen, und somit dreimal in Folge gewinnen wollen?

Wir haben die Wettkampfplanung für das nächste Jahr noch nicht gemacht. Vorerst konzentriere ich mich auf den nächsten wichtigen Wettkampf, den Marathon in Rio de Janeiro im Juli. Dort bin ich dank meiner Leistung beim Wings for Life Run vom Veranstalter eingeladen. Dann lauf ich im Oktober noch einen Marathon entweder in Amsterdam oder Frankfurt und wenn es sich ausgeht noch einen Halbmarathon am Wörthersee (Österreichische Meisterschaft). Wer waren und sind Ihre Förderer? Wie kann man sich die Unterstützung im Profisport in Äthiopien und Österreich vorstellen – welche Unterschiede gibt es? Meine Förderer sind 2015 Red Bull, Vorwerk Thermomix, Adidas und Garmin. Da ich noch kein österreichischer Staatsbürger bin, bekomme ich weder staatliche noch Landesförderungen. In Äthiopien werden Profisportler vom Verein bezahlt, das kann man mit europäischen Ländern nicht vergleichen. In diesem Jahr bekamen Sie einen positiven Asylbescheid, sind also anerkannter Flüchtling in Österreich. Das ermöglicht es Ihnen, Ihr Ziel, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro anzutreten, voll und ganz zu verfolgen. Warum ist es Ihnen ein Anliegen, für Ihre, wie Sie sagen, „neue Heimat Österreich“ diesen möglichen Erfolg anzustreben?

Österreich im Vergleich Wenn Red Bull weltweit zu einem Lauf für den guten Zweck aufruft, ist Gedränge am Start garantiert. So auch in St. Pölten, wo der österreichische Teil des Wings for Life World Runs zum zweiten Mal seinen Anfang nahm. Dass die niederösterreichische Landeshauptstadt dabei neben Dubai, Kapstadt, Dublin oder Melbourne erwähnt wird, hat man sich vor wenigen Jahren wohl noch nicht vorstellen können. Doch die Wings-forLife-Stiftung ist bei der Suche nach einem passenden österreichischen Austragungsort in St. Pölten und dem „Sport.Land Niederösterreich“ fündig geworden: Am 3. Mai ging bereits der 2. Lauf über die Bühne, ebenso zum 2. Mal wurde mit Lemawork Ketema ein Läufer aus Österreich der männliche „World Champion“. Das weibliche Pendant dazu ist in diesem Jahr Yuuko Watanabe aus Japan. Wo ist das Ziel? Das Besondere an diesem Lauf ist, dass es zwar eine fixe Route gibt, aber niemand genau weiß, bei wie vielen Kilometern es zu Ende geht: Eine halbe Stunde nach den Läufern startet nämlich das „Catcher Car“, welches in einem Tempo von 30 km/h das Feld von hinten aufräumt. Man läuft also vor der Ziellinie davon und versucht, diesem Auto so lange wie möglich zu entkommen. Die meisten Läufer in St. Pölten Zählte man 2014 weltweit rund 35.000 Teilnehmer, so konnte man die Läuferschar in diesem Jahr verdoppeln – und rund ein Zehntel davon startete in St. Pölten, was sozusagen Teilnehmerrekord war! „Laufen für alle, die es nicht können“ lautet dabei das Motto dieses internationalen Groß­ereignisses, das medial weltweit übertragen wird. Für St. Pölten und Niederösterreich eine unbezahlbare Imagewerbung, zumal - wie von Seiten des Rathauses sowie von Red Bull bestätigt - allein der Energy Drink-Hersteller die Kosten für die Austragung trägt. Das Startgeld hingegen fließt direkt in die Stiftung von Wings for Life. Mit diesem Geld investiert man in Forschung, um in Zukunft Querschnittslähmung aufgrund von Rückenmarksverletzungen heilbar zu machen. 2014 kamen durch den Lauf rund 4,2 Millionen Euro zusammen. Ob auch bei der 3. Auflage wieder in St. Pölten gestartet wird? Zwar steht auf der Website „Niederösterreich“ als österreichischer Austragungsort, doch laut Red Bull ist der genaue Ort noch nicht fix – auch das Rathaus weiß aktuell noch nichts Näheres. Aber so positiv, wie Red Bull über die Strecke spricht, scheint es offenbar nur mehr eine Frage der Zeit zu sein.

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MFG Sport

Der Lauf seines Lebens

Was empfinden Sie bei der anhaltenden Kritik an Asylwerbern vom politischen rechten Rand?

Leider kenne ich die politische Situation in Österreich nicht genau, dazu ist mein Deutsch noch nicht gut genug. Asylwerber sind in der Regel anständige Menschen, die gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen. Ich habe in Greifenstein von der Bevölkerung nur Gutes erfahren und bin mit vielen Menschen aus Greifenstein und Umgebung immer noch in Kontakt. Und darauf eingehend: Gibt es etwas, was Sie Politikern gerne sagen möchten?

REKORD. Mit rund 7.000 Läuferinnen und Läufern fand in St. Pölten der weltweit größte Massenstart statt.

Ja, ich habe im November Gott sei Dank in Österreich Asyl bekommen, das Ansuchen um die Staatsbürgerschaft ist eingereicht. Ich hoffe, dass das Ansuchen bald positiv erledigt wird und ich das Limit im Herbst erreiche, dann möchte ich 2016 für Österreich starten. Dieses Land und die Menschen haben mir in der schwersten Zeit meines Lebens sehr geholfen und Österreich ist meine neue Heimat geworden. Wie kann man sich ihre Flucht nach Europa vorstellen?

Ich hatte für den Marathon in Salzburg ein Visum bekommen und bin ganz legal per Flugzeug eingereist und habe nach dem Marathon (dritter Platz, Anm.) um Asyl angesucht. So musste ich nicht wie viele diese furchtbare Route über das Mittelmeer nehmen. Was sagen Sie dazu, dass aktuell Flüchtlinge in Österreich in Zelten untergebracht werden?

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Das ist natürlich nicht optimal, ich kann natürlich verstehen, dass Österreich überfordert ist mit dieser Menge an Flüchtlingen, glaube aber auch, dass diese jungen Männer, die in den Zelten vorübergehend untergebracht sind, froh sind in einem sicheren Land zu sein und wenigstens ein Dach über den Kopf zu haben. Wie stehen Sie in Kontakt mit ihrer Familie in Äthiopien? Wie funktioniert das im Hinblick auf das autoritäre Regime in Ihrer Heimat?

Ich telefoniere sehr oft mit meiner Familie. Mein Vater ist 91 Jahre und meine Mutter 71 Jahre alt und ich bin der jüngste von den sieben Kindern. Wir haben eine Farm 180 Kilometer von Addis Abeba entfernt und meine Eltern haben mich immer auf meinem sportlichen Werdegang unterstützt. Ich bin sehr froh, dass meine Geschwister sich um meine Eltern kümmern. Natürlich ist es schwer, seine Heimat und seine Familie verlassen zu müssen.

„Ich liebe diese Strecke, die vielen Menschen am Start und auf der Strecke, das ist einfach wunderschön.“

Wenn man mich fragen würde, sollte man die Asylsuchenden gleichmäßig auf alle EU Staaten verteilen und es müssten überall die gleichen Bedingungen gelten. Es kann nicht sein, dass hauptsächlich nur ein paar Mitgliedsländer die ganze Last tragen. Sie sind jetzt 29 Jahre alt - was sind Ihre großen Ziele im Bereich des Laufens?

Im Moment arbeite ich daran meine Marathon-Zeit bis zum Herbst zu verbessern, um das Limit 2 Stunden und 14 Minuten zu unterbieten und anschließend mich bis zu den Olympischen Spielen nochmals zu steigern. Ich hoffe die Leser des MFG Magazins und die Redaktion halten mir die Daumen. Wir sehen uns spätestens beim Wings for Life Run 2016 in St. Pölten!


VAZ - ST.PÖLTEN SA 25-JUL | 14 UHR


MFG SPORT

neues Duo für den SKN

Daxbacher will Fallmanns Weg fortführen Der neue SKN-Trainer Karl Daxbacher hat in der Amstzeit Jochen Fallmann/Thomas Nentwich viel Gutes gesehen. „Sir Karl“ möchte nur kleine Korrekturen vornehmen und im zweiten Jahr nach dem Titel greifen. Fallmann unterstützt ihn als Co-Trainer.

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u wenig zum Feiern, zuviel zum Untergehen. Der SKN St. Pölten schrammte in der abgelaufenen Saison knapp am Abstieg in die Regionalliga Ost und dem Fall in die Bedeutungslosigkeit vorbei. Wohlgemerkt als Europa-League-Teilnehmer mit dem erklärten Ziel Aufstieg in die Bundesliga, einem Top-Budget (drei Millionen Euro) und einer Infrastruktur, die nicht nur in Österreichs zweithöchster Spielklasse ihresgleichen sucht. Vier Trainer hat die Vereinsführung um Obmann Gottfried Tröstl verschlissen. Herbert Gager, der quasi als Gegengeschäft für den zur Austria abgewanderten Gerald Baumgartner im Paket mit den Spielern Petar Gluhakovic und Bernhard Luxbacher gekommen war, Michael Steiner (zunächst Gagers Co-Trainer) und das Duo Jochen Fallmann und Thomas Nentwich. Ihre Bilanz spricht Bände: Gager holte in 13 Spielen 14 Punkte, Steiner in 12 Spielen 14 80

Punkte und Fallmann/Nentwich in 11 Spielen 21 Punkte. Das Duo verzeichnet sogar einen besseren Schnitt als Meister SV Mattersburg (36 Spiele, 71 Punkte)! Platz fünf sprang letztlich raus. Bis knapp vor Schluss schwebte der SKN allerdings in Abstiegsgefahr. Fallmann sieht rückwirkend zwei Schnittpartien: „Das 3:2 in Hartberg, als wir einen 0:2-Rückstand umgedreht haben und der 1:0-Heimsieg gegen Liefering.“ Beide Erfolge waren glücklich. „Aber die Spieler haben gesehen, was mit konsequentem Einsatz alles möglich ist.“ Ein entscheidender Faktor war für ihn die Länderspielpause vor dem ersten Spiel: „Da haben wir konditionell noch einmal etwas nachlegen können und uns die ersten vier, fünf Runden dann ein wenig drübergerettet.“ Natürlich war es für die „Retter“ nicht von Nachteil, dass sie zuvor Trainer der SKN Juniors in der Regionalliga


TEXT: Thomas Schöpf | Fotos: günter Mühlbacher

Ost waren, dadurch viele Spieler des Profikaders mehr oder Rahmen des Budgets. Große Sprünge sind nicht drin“, weiß weniger gut kannten und einschätzen konnten. Fallmann Daxbacher. Ebenso ist ihm bewusst, dass sich die Vereins(36) hatte als Spieler immer schon eine spätere Trainer- verantwortlichen und vor allem die Fans viel von ihm erkarriere auf seiner Agenda und betreute nebenbei diverse warten. „In der abgelaufenen Saison hat hier aber eh jeder Nachwuchsmannschaften. Im letzten Spiel mit den SKN- sehen können, wie knapp in dieser Liga alles beisammen Profis hatte er mit Mehdi Hetemaj (18) sogar einen Spieler ist.“ Daxbachers Vertrag läuft wie jener von Fallmann bis auf der Bank sitzen, den er einst schon in Sommer 2017. Im zweiten Jahr soll nach der U9-Auswahl des SKN betreut hatte. dem Titel gegriffen werden. „Besseren Dass er nun als Co-Trainer von Karl Fußball wollen wir bald bieten“, hofft Daxbacher ins zweite Glied gerückt ist, Daxbacher, der bei seinen Klubs immer wertet Fallmann nicht als Rückschritt: eine klare Handschrift eines schnörkel„Im Gegenteil! Von ihm kann ich sehr losen, ballorientierten Kurzpassspiels viel lernen. Ich bin dem Sportdirektor hinterlassen hat. Der LASK holte ver(Anm.: Frenkie Schinkels) sehr dankbar, gangene Saison unter seiner Führung dass ich diese Chance erhalten habe; und in 23 Spielen 43 Punkte, danach in 13 dem Verein, dass ich nun von Daxbacher Partien nur mehr 13 Punkte. Diese Statilernen darf.“ stik hatte Daxbacher im MFG-Gespräch Daxbacher war im März vom Ligasofort selbst parat. konkurrenten LASK beurlaubt worden Ressentiments hegt der im heimischen und konnte sich letztlich mehrere Wo- SIR KARL ANTE PORTAS. Daxbacher Fußball oftmals als „Sir Karl“ titulierte soll den SKN in die Bundesliga führen. chen in Ruhe auf seinen neuen Job vorjedoch keine: „Geht eine Tür zu, geht bereiten. Der Statzendorfer (62) hat etliche Spiele des SKN oft auch gleich wieder eine neue auf.“ Wie zuletzt auch für live mitverfolgt, auch einige der Juniors, und sich in aller Schinkels. Beim „Dirndl trifft Lederhosen“-Frühshoppen Ruhe ein Bild machen können. „Wir müssen nicht allzu in Neumarkt/Pötting verteilte er ein paar signierte Ausgaviel verändern“, weiß Daxbacher, „die Mannschaft hat am ben seines Druckwerks „Die nackte Wahrheit“ (3. Auflage) Ende mit viel Einsatz, Kampfgeist und Siegeswillen einiges und bekam prompt einen Kurzzeit-Trainerjob beim hieerreicht. Daran gilt es anzuknüpfen.“ Er will sie nur punk- sigen SV Ritterbräu. tuell verstärken. Zu Redaktionsschluss war die Verpflichtung des Austrianers Florian Mader (32) so gut wie fix. Er DAS FUSSBALLFEST IN DER NV ARENA: soll im defensiven Mittelfeld den Spanier David Parada ersetzen, der nie in die Fußstapfen des zu Mattersburg abgeMIT HARLEY DAVIDSON STERNFAHRT DES BLUE DANUBE CHAPTERS wanderten Jano treten konnte. Sandro und Atan fielen nicht auf Die von Schinkels geholten Sandro und Cem Atan (beide 29) konnten nach Karrieretiefs die sprichwörtliche Kurve in St. Pölten auch nicht kratzen. Sandro – ehemaliger U17Weltmeister mit Brasilien, Bundesliga-Kicker bei SV Ried und Austria Kärnten – kam nur zu einem Kurzeinsatz in der Ersten Liga. Atan – vor der EM 2008 bis zu einem Disco-Vorfall noch österreichischer Teamspieler – wurde für den SKN-Profikader letztlich nicht einmal angemeldet. Dafür brachten es die unter Schinkels wieder vorzeitig an die Austria zurückgegebenen Leihgaben Gluhakovic und Luxbacher wieder zu Einsätzen in diversen ÖFB-Nachwuchsnationalteams. Gluhakovic qualifizierte sich mit der U19 sogar für die EM in Griechenland im Juli. Und der von Schinkels stets torpedierte Steiner bekam einen Trainer-Vertrag bei den Rapid Amateuren. Sowohl der aktuelle Rapid-Trainer Zoran Barisic, als auch sein Vorgänger Peter Schöttel hatten vor ihrem Engagement bei den Profis diesen Job bekleidet.

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Triumvirat entscheidet Nun treffen die Personalentscheidungen beim SKN Daxbacher, Fallmann und Schinkels gemeinsam. „Natürlich im MFG 06.15

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Charlie Furthner, Mika Stokkinen & Büro V present the

summer

blues festival

Samstag 01. August | Ratzersdorfer See Das Festival

Am 01. August 2015 geht am Ratzersdorfer See in St. Pölten das legendäre Summer Blues Festival bereits zum 13. Mal über die Bühne. Rund eintausend Blueser aus ganz Österreich werden von den Organisatoren Charlie Furthner, Mika Stokkinen und dem Team des Büro V erwartet. Die Besucher können sich auf ein abwechslungsreiches Programm von 4 Bluesgrößen freuen. Dazu gibts die idyllische Abendstimmung am Ratzersdorfer See, sowie Catering auf höchstem Niveau.

Line-Up Gottfried Gfrerer

Neben Blues und Folk kommen balladenhafte, aber auch Funk- und Rock-, sowie World- und VolksmusikElemente in Gottfried David Gfrerers Stücken vor. Dominierend ist die Slidegitarre - seine große Liebe - auf der er einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat.

Mojo Blues Band

Keine andere heimische Gruppe hat europaweit in der Welt des Zwölftakters jenen Stellenwert, wie die Wiener Mojo Blues Band. 1977 begann im legendären Jazzland eine Erfolgsgeschichte sondergleichen, getragen durch eine unverrückbare Liebe für den Blues und seine

Wurzeln. Trotz ihrer Integrität und Authentizität schafften es die Jungs nebst permanenten Tourneen im In- und Ausland auch mit genreübergreifenden Hits in den Charts zu punkten. In diesem Sinne ist die Mojo Blues Band ein exquisiter, lebender Beweis, dass traditioneller Chicago Blues und R&B in keiner Weise in die Mottenkiste gehören!

Lilli & the Last Temptation

Bei „Lilli & the Last Temptation“ handelt es sich um keine neue Bluesband – die Einflüsse sind so vielseitig wie die Musiker, die sich an diesem Projekt beteiligen. Für Lilli and the Last Temptation haben sie sich zusammengefunden um einen geradlinigen, soulig-bluesigen Sound zu kreieren, der die Stimme und die live-Performance in den Vordergrund stellt.

Mika Stokkinen Band

Dieses Jahr wird Mika das Publikum auf einen Streifzug durch sein umfangreiches Repertoire mitnehmen. Eine Mischung von akustischen bis hin zu funkigen und souligen Songs, immer mit dem Hauch Rock‘n‘Roll, der sich wie ein roter Faden durch seine musikalische Laufbahn zieht. It‘s all Rock‘n‘Roll.....- what else..?

26. Juli | St. Pölten Ratzersdorfer See Tickets

Tickets im Vorverkauf gibt es bereits bei Ö-Ticket, im VAZ, in der Sparkasse NÖ Mitte West AG (Domgasse & Schwaighof) und im Büro V. Nähere Infos zur Veranstaltung gibt’s auch auf www.buerov.com

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Göndle St. Pölten


MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, Dr. Ray B. (von links nach rechts)

Das Album bringt das, was man von der Band kennt und liebt. Ein Sammelsurium von Sounds, eine eigene Art von Krach, bei dem man trotzdem mitsingen will. Die Vorab-Single „Digital Memory File“ ließ ja einiges erhoffen. Dass Sex-Jams-Gitarrero Wolfgang Möstl die Qualität auch bei den restlichen neun Songs derart hochzuhalten vermag, verdient einen Sonderapplaus. Superschicker UKRetro trifft auf Noisegitarren und Synthies, dazu Schlögls lässige Vocals. Perfekt!

Warren Haynes Ashes & Dust

Es ist mit Vorsicht zu genießen, wenn Promotoren von Alben in Superlativen schwärmen. Wenn sie aber sogar extra ein Post-It mit „Ein Traum von einem Album“ anheften, wird man neugierig. Beim neuen Album von Grammy-Gewinner Warren Haynes wird man tatsächlich überrascht, zeigt sich der von Gov’t Mule oder den Allman Brothers bekannte Gitarrist und Sänger plötzlich von seiner sanften Folkseite mit keltischem Einschlag und legt – fürwahr – einen „Traum von einem Album“ vor.

ZUM SCHAUEN

Manshee, Felicitas Hueber

HINDI ZAHRA homeland

Das lange Warten hat ein Ende: Nach fünf Jahren künstlerischer Einkehr – ein Jahr davon in Marrakesh – zaubert die Französin ihr bis dato bestes Album aus dem ... ähmm ... Fes! Gitarren mit dem typischen „Wüsten-Twang“, Streicher, Zahras verführerisch-feine Stimme: Nicht nur Marokkofans kommen ob der acht rhythmusbetonten, mit Zahras verführerisch-feinen Stimme durchtränkten und äußerst elegant produzierten Stücken auf ihre Kosten. Die Wüste bebt.

DC BREAKS Gambino VIP

Nun gut, der VIP-Remix von Gambino ist jetzt nicht die Erfindung des Rades, aber das Original war schon ein echter Banger und mit dieser Version haben die beiden Engländer noch eins drauf gesetzt. Bei dieser Single handelt es sich um den Auftakt zu dem mit Spannung erwarteten Debut Album von DC Breaks. Diesbezüglich sollte man Augen und Ohren offen halten, das wird meiner Ansicht nach so ziemlich der wichtigste Dancefloor Drum&Bass des Jahres 2015 werden.

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

John Carpenter Lost Themes

Draußen blüht’s, zwitschert’s, jubiliert’s. Wer dem nichts abgewinnen kann und sich lieber in einer neblig-schwarzweißen Twilight Zone aufhält, ist hier absolut richtig. Horrorfilm-Altmeister John Carpenter brachte mit fast 70 Jahren seine erste CD heraus: Zu hören gibt’s rein instrumentale Düsterelektronik zwischen 70er-Progrock und 90erDrones. Eine herrlich unbunte & untote Antithese zum grassierenden Frühlingserwachen.

Mother’s Cake Love The Filth

Wer von den drei Innsbruckern noch nichts gehört hat, sollte das schleunigst nachholen. Genug Gelegenheit dazu bietet das aktuelle Album. Zu hören bekommt man auf dem zweiten Longplayer gute, druckvolle Rockmusik. Sehr progressiv und teilweise sehr psychodelisch, aber auch immer wieder gespickt mit einer Prise Funk und Soul. Und das alles auf einem Niveau, das auch dem internationalen Vergleich gewachsen ist. Unbedingt reinhören und zwar am besten gleich live.

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Heute bin ich Samba

The Witcher 3

Hundert Jahre Revolution

Schon zehn Jahre lebt der Senegalese Samba als Illegaler in Frankreich. Als er in Schubhaft landet, setzt sich eine Hilfsorganisation für ihn ein. Dort arbeitet ehrenamtlich Alice, die nicht den Rat der Kollegin beherzigt, auf Distanz mit Klienten wie Samba zu bleiben. Ein ungleicheres Aufeinandertreffen gibt es kaum. Oberschicht trifft auf Einwanderer. Weit mehr als ein Feel-Good-Movie.

Den Machern von The Witcher gelingt mit der dritten Auflage der Sage rund um den Hexer Geralt von Riva ein kleines Meisterwerk. In einer erstmalig offenen Spielwelt durchstreift man in etwa 100 Stunden Spielzeit das Königreich Nilfgaard. Selbiges ist laut Hersteller 35 Mal größer als beim Vorgänger. Auch die Steuerung wurde neu adaptiert. Man hat sich beim Kampfsystem klar an die Souls Reihe angelehnt. Eine Empfehlung!

Mit der Oktoberrevolution 1917 begann das größte kommunistische Gesellschaftsexperiment der Geschichte. Eine linke Minderheit übernahm die Macht in (Sowjet-)Russland und führte die Gesellschaft in die „Diktatur des Proletariats“. Nach dem „Großen Terror“ 1937/38 unter Stalin und dem Zweiten Weltkrieg verfielen Wirtschaft und Politik für Jahrzehnte in Stagnation und Lethargie, ehe das System erodierte und sich 1991 auflöste.

Ant-Man

bloodborne

Im Hause Longbourn

Auf „Avengers“ und „Guardians of the Galaxy“ folgt nun ein Marvel-Superheld in Ameisengröße: „Ant-Man“. Aufregend und spannend, aber auch ein bisschen augenzwinkernd von Regisseur Peyton Reed erzählt, zeigen Paul Rudd in der Titelrolle an der Seite von Michael Douglas und Evangeline Lily, dass man auch der Größte sein kann, wenn man so klein ist wie eine Ameise.

Der gedankliche Nachfolger zu Dark Souls wird Fans der Serie erneut das Fürchten und Verzweifeln lehren. In der gotischen Stadt Yharnam lauert hinter jeder Ecke der sichere Tod. Furchteinflößende Gestalten trachten einem nach dem Leben und es hat meistens ein grausiges und blutiges Ende. Leider wurde diesmal mit den Items und Skillmöglichkeiten gespart. Dennoch ein Must Have für Masochisten.

In Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ werden die Geschicke der feinen Damen und Herren auf Longbourn erzählt – Jo Baker aber schildert das Leben der quasi unsichtbaren Menschen – das der Dienstboten. Auch diese Menschen haben Gefühle, Sorgen und Ängste, und in diesem Roman werden sie und ihr entbehrungsreiches, hartes Leben jenseits der eleganten Bälle und müßigen Spaziergänge meisterhaft dargestellt.

Olivier Nakache, Eric Toledano

Peyton Reed

84

CD Project

form software

Orlando Figes

Jo Baker

Fotos: zVg

Mile Me Deaf

Eerie Bits Of Future Trips


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

30. oldtimer- & teilemarkt Der Oldtimer- & Teilemarkt feiert heuer, ebenso wie die Oldtimer Freunde NÖ (OFN) und der Oldtimer und Sportwagen Club Tullnerfeld (OSCT), seinen 30. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird der „90er“ gemeinsam im Rahmen des Oldtimer- & Teilemarktes im VAZ St. Pölten gefeiert. Als besonderes Highlight wartet eine Sonderschau mit historischen Fahrrädern inkl. Prämierung mit Sachpreisen (u.a. Hauptpreis vom Technikmuseum Sinsheim) und Fahrradweihe auf die Besucher. Für die musikalische Umrahmung sorgen „Die Gaffer“. Eintritt frei! 8. August 2015



06. – 20. 06.

Barockfestival

Von 6. bis 20. Juni findet heuer bereits zum 10. Mal das Barockfestival St. Pölten statt, das einmal mehr authentische Aufführungspraxis des 16. bis 18. Jahrhunderts mit teils avantgardistischen Grenzgängen verknüpft. U.a. mit Accordone, Tram des Balkans, Huelgas Ensemble, Toccata und dem WoodAir Quartett! Alle Infos unter www.barockfestival.at FESTIVAL

DOm St. PÖLTEN U.A.

11.06.

LitGes Poetry-Slam

„Jeder, der zwei Texte zu maximal je fünf Minuten rezitieren will, kann – und darf!“ So lautet wieder das Motto beim LitGes-PoetrySlam im Cinema Paradiso. Die Jury im Saal bestimmt den „Slamer des Abends“. Als Preise winken Abos der Zeitschrift „etcetera“ und 100 Euro für den Gewinner des ersten Preises. Die Moderation übernimmt Slammeister Andi aus Wien. POETRY-SLAM

Cinema paradiso

21.06. Georg Danzer Memorial

07.07.

Am achten Todestag des unvergessenen Georg Danzer ehrt das EGON den großen Liedermacher mit einem besonderen Konzert-Event. Danzers langjähriger Gitarrist Ulli Baer im Duo mit Josie Gilits, sowie das Howling Wuif Project aus Salzburg werden am 21. Juni ab 14 Uhr auf der EGONFreiluftbühne Danzer-Lieder spielen. Eintritt: freie Spenden!

Warum nur im Winter das Tanzbein schwingen? Mit „Tanz in den Sommer“ bietet das VAZ nun eine neue Tanzveranstaltung in seinen Hallen. Für die musikalische Umrahmung sorgen die seniorenball-erprobten Kuschelrocker. Kulinarisch dreht sich alles um den Begriff „Heurigen“: Edle Winzertropfen, fruchtige Obstsäfte, urige Jausenspezialitäten uvm.

Konzert

EGON

TANZ

25.07. HOLI FESTIVAL DER FARBEN St. Pölten wird wieder bunt! Eine fröhliche Menschenmenge, ein stündlicher Countdown, beste Musik von DJs und Bands, sowie eine große Wolke aus bunten Farben – das sind die Zutaten für das Holi Festival der Farben. Die bunten Farben, die ausgelassene Feier und die einmalige Stimmung ziehen jeden in den Bann. Stylingtipp: helle und weiße Kleidung!

ARENA WIEN

FESTIVAL

Ein vielfältiges Programm mit Klassiksolos, animierter Kinderdisco, Jazz, Pop, chilligen DJSounds, Bastelprogramm, Filme, Lesungen, Kunstausstellungen uvm. erwartet die Gäste ab 14 Uhr wieder auf dem Sonnenparkareal am SKW 83. Zu den diesjährigen Acts zählen u.a. die Gewürztraminer, Magdalena Grabher, Tronicello, Tombadour und Teresa Teufl. FEST

SONNENPARK

19. – 21. 06.

JAZZ IM PARK

Ein abwechslungsreiches Programm bietet auch heuer wieder „Jazz im Park“. Am Freitag spielen ab 18 Uhr Groovin‘ High und Trad Club auf, der Samstag bringt ebenso ab 18 Uhr die Blue Heaven Sax Band und Traisonic auf die Bühne. Die Bohemiens Jazzband startet am Sonntag um 11 Uhr. Jazzmusik im idyllischen Sparkassenpark bei freiem Eintritt! FEST

sparkassenpark

VAZ ST. PÖLTEN

BILLY IDOL

Konzert

Sonnenparkfest

TANZ IN DEN SOMMER

Die Punk-Rock Ikone Billy Idol ist zurück und spielt zusammen mit seiner Band und seinem langjährigen musikalischen Weggefährten und Lead-Gitarristen Steve Stevens ein Open Air Konzert in der Arena Wien. Neben den elf Songs seines neuen Albums „Kings & Queens Of The Underground“ wird er wohl auch Klassiker wie „Hot In The City“ zum Besten geben.

08.07.

13.06.

VAZ ST. PÖLTEN

MFG 06.15

85


Reich(l)ebners Panoptikum

JENSEITS VON GUT UND BÖSE. Die äußerst bedeutsame Frage, in welcher Weise und v. a. von wem die Musikalische Innenstadt den Medien präsentiert wird, führte hinter den Kulissen zu wahren Dramen zwischen der Initiatorin Stadträtin Ulrike Nesslinger, der ÖVP St. Pölten und dem Veranstalter Marketing St. Pölten GmbH. Einer ersten, von der ÖVP ausgeschickten Einladung, mussten drei weitere folgen, bis in einer von der Stadt ausgeschickten endlich auch der Herr Bürgermeister als erster Redner mit an Bord war. Einmütig lächelte man schließlich vom gemeinsamen Presse-Foto, alles wieder eitel Wonne. Dies legen auch die nunmehr MFG geheim zugespielten Plakatentwürfe der jeweiligen Protagonisten nahe, die vor allem eines ganz klar beweisen: Es geht allen natürlich nur um die Musik! 86


DIE ZUKUNFT WARTET NICHT

AUFNAHMETERMIN: 05.09.2015

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Die New Design University ist die Privatuniversität der Wirtschaftskammer NÖ und ihres WIFI


SCHÖNES

Foto: drubig-photo - Fotolia.com

MIT DER WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT ST. PÖLTEN

Die Allgemeine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft St. Pölten wurde im Jahr 1921 gegründet und errichtete seither 9.100 Wohneinheiten in Niederösterreich, davon bis jetzt ca. 4.660 in St. Pölten.

Höchste Qualität, Sicherheit und vor allem leistbare Mieten werden den Mitgliedern geboten. So werden nur Projekte errichtet, in denen die Bewohner um Wohnzuschuss bei der NÖ Landesregierung ansuchen können.

Seit Generationen fühlen sich St. Pöltnerinnen und St. Pöltner in den Wohnungen, Siedlungs- und Reihenhäusern der Wohnungsgenossenschaft wohl. Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht der Profit, so die Priorität von Obmann Willi Gelb und dem erfahrenen Team der St. Pöltner Wohnungsgenossenschaft. Das Angebot ist breit und erfüllt die Bedürfnisse der Wohnungssuchenden von der Familie bis zum Ein-Personen-Haushalt, von der Startwohnung für junge Menschen bis zum bertreuten Wohnen für ältere.

Aktuelle Projekte finden Sie unter www.wohnungsgen.at Wir beraten Sie gerne! Allgemeine gemeinnützige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT e.Gen.m.b.H. in St.Pölten

Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

Tel.: 02742/77288-0 Fax: 02742/73458 wohnungsberatung@wohnungsgen.at www.wohnungsgen.at

Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

MFG - Das Magazin / Ausgabe 54  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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