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MFG SZENE

Wo die jungen Wilden wohnen

Einsam, zweisam, dreisam ... viersam! Junge Leute orientieren sich

krospenden die Unterkunft eines Flüchtlings mitfinanziert. Ebenfalls in Wien findet man eine „Generationen-WG“. Seit 2009 wohnen auf 500m² Jung und Alt nicht nur neben-, sondern auch miteinander. Ziel dabei ist es, dass sich die Generationen gegenseitig helfen. Für die jungen Mitbewohner kann es, bei Unterstützung und Mithilfe für die älteren Bewohner, zu einer Verringerung der schon geringen Miete kommen. In Zukunft könne man sich, so der Betreiber der WG, vorstellen, auch Gratis-Wohnen für intensive Betreuung anzubieten. Das klingt aber weniger nach einem Solidaritätsmodell, wie es der Betreiber gerne bezeichnet, son-

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dern eher wie eine Suche nach billigen Pflegekräften. Bitte noch mehr, liebe Politik! Wohnbauoffensiven speziell für junge Familien sind natürlich zu begrüßen. Der aktuelle Schwerpunkt wurde übrigens um ein Jahr verlängert – die Förderschiene endet nun erst Ende 2016. Um den Wohnungsmarkt aber grundsätzlich wieder etwas lebendiger und beweglicher zu gestalten, wären weitere Entwicklungen notwendig. In Deutschland hat die Koalition zwischen CDU/CSU und SPD ein „Paket für bezahlbares Wohnen und Bauen“ geschnürt, durch welches im Jahr 2015 die Maklergebühr nicht mehr

„Generationen WGs: Eher kein Solidaritätsmodell, sondern die Suche nach billigen Pflegekräften.“

heute nicht mehr an klassischen ZweiPersonen-Haushalten oder StudentenWGs. Auch Zwei-Pärchen-Haushalte sind keine Ausnahme.

vom Mieter bezahlt werden muss. Das „Bestellerprinzip“ (der Vermieter bestellt schließlich den Makler) war auch schon einmal in Österreich im Gespräch. 2013 hat die SPÖ genau das gefordert, der Koalitionspartner ÖVP hat jedoch schnell wieder abgewunken. Schließlich sprang Ende 2014 auch die Arbeiterkammer auf den Zug auf und holte das Thema zurück auf die politische Agenda. Bewegt hat sich seither jedoch wenig. Vielleicht, weil eine solche Forderung zwar ebenfalls populistisch ist, aber man hier – im Gegensatz zum „jungen Wohnen“ – auch verschiedene Interessensgruppen vergrämen würde. Und solch heiße Kohlen greift die österreichische Politik ja wirklich nur sehr ungern an.

MFG - Das Magazin / Ausgabe 53  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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