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Menschen, die auf Züge starren

Anliegen, die wir gemeinsam besser umsetzen und so den Wirtschaftsraum Krems – St. Pölten weiter stärken können“, gibt sich der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch optimistisch. Was aber zunächst spektakulär klingt, ist bei näherer Betrachtung bisher nicht viel mehr als eine schöne Floskel. Gerade der öffentliche Verkehr zwischen Krems und St. Pölten wurde in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt: Mit dem Zug benötigt man im Schnitt weiterhin knapp 40 Minuten (in das um rund 40 km weiter entfernte Wien sind es mittlerweile 26!) und das in einem Intervall, das nach wie vor zu wünschen übrig lässt. Ob dem Lippenbekenntnis der beiden Städte jetzt Taten folgen, lässt sich noch schwer sagen. Doris Denk, Pressesprecherin der Stadt Krems, kann im Moment jedenfalls noch nicht viel zu den anstehenden Projekten sagen, öffentlicher Vekehr solle jedenfalls eine Rolle spielen. Die einzige Maßnahme, die im Moment fix scheint, ist eine kurzfristig bessere Taktung der Wieselbusse zwischen St. Pölten und Krems. Der entsprechende Träger, die NÖVOG, weiß allerdings noch nichts von diesem Vorhaben, Geschäftsführer Gerhard Stingl hält fest, „dass an uns noch niemand herangetreten ist.“ Auf der Schiene ist der Spielraum wegen derzeit noch fehlender Elektrifizierung ohnehin eingeschränkt. ÖBB Pressesprecher Seif dazu: „Eine Elektrifizierung dieses Streckenabschnittes könnte bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit bringen, das Angebot zu verbessern. Zur Elektrifizierung Krems – St. Pölten ist zu sagen, dass derzeit intern an der Projektentwicklung gearbeitet wird.“ Vor 2017 dürften hier allerdings keine Fortschritte zu erwarten sein, im Magistrat St. Pölten geht man von einer vollständigen Elektrifizierung bis 2019 aus. Nach gutem österreichischen Brauch wird in den nächsten Wochen eine Arbeitsgruppe eingesetzt,

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MARIAZELLERBAHN. Die Himmelstreppe findet bei Nostalgikern der Mariazellerbahn nicht nur Freunde, für Pendler hat sie aber jedenfalls Verbesserungen gebracht.

welche die Potenziale zwischen Krems und St. Pölten ausloten soll. Panorama auch für Pendler Die letzte Station des öffentlichen Verkehrs im Großraum St. Pölten markiert die neu gestaltete Mariazellerbahn. Die Überwindung von knapp 600 Höhenmetern zwischen der Landeshauptstadt und dem Pilgerort waren offensichtlich genug, um den neuen Zug-Garnituren den klingenden Namen „Himmels­ treppe“ zu verpassen. Vielleicht soll damit allerdings auch auf die Landschaft angespielt werden, denn es geht hier, so NÖVOG Geschäftsführer Stingl, nicht nur darum Fahrgäste zu transportieren, sondern „eine der landschaftlich schönsten Eisenbahnstrecken Europas und die Angebote der Region zu erleben.“ Die vier neu angeschafften „Panoramawagen“ verleihen dem 117 Millionen Euro Projekt den Anschein einer Tourismusinvestition und das nicht zu unrecht, denn die neue Mariazellerbahn will dezidiert für Pendler UND Touristen etwas bieten. Die

neuen Triebwagen, bereits seit 2013 flächendeckend im Einsatz, sollen aber nicht nur schöne Aussicht bieten, sondern durch Steckdosen, bessere Intervalle und kürzere Fahrzeiten eben auch für Pendler interessant sein. Ermäßigte Monatstickets ergänzen das Angebot. Für die Strecke von St. Pölten bis Laubenbachmühle liegt der Schwerpunkt künftiger Angebotsentwicklung, laut Stingl, auch weiterhin klar auf dem Pendlerverkehr. Auch wenn die Neugestaltung zunächst auch für Spott sorgte und die Eröffnungszeremonie in eine, wie der Schweizer „Tages Anzeiger“ bemerkte, Heiligenverehrung altgedienter Politiker ausartete, dürfte die Verbindung mit dem Tourismus auch Möglichkeiten für Pendler bedeuten. Denn sowohl Fahrzeit, als auch Taktung in der Hauptverkehrszeit haben sich spürbar verbessert. Bleibt abzuwarten, ob potenzielle Touristen das ähnlich sehen – seit der Einführung der neuen 1. Klasse Panoramawägen haben das Angebot bis Oktober etwa 4.000 Gäste genutzt.

„Auf Grund der Trends im Gesamtverkehrssystem sowie der lokalen Trends im Einklang mit den Zielsetzungen der Siedlungs- und Umweltplanung ist der Bau einer Schnellstraße keinesfalls zu rechtfertigen.“ Univ. Prof. Thomas Macoun, TU Wien

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 53  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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