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Gemeinde Bau

durch Erhöhung des Angebots unmittelbare Auswirkungen zeitigt, weist Haiderer anhand der Statistik nach: „Verstärkter Wohnbau im Jahr 2003 hat direkten Einfluss auf die Mietpreise bzw. auch auf den Verkauf von gebrauchten Eigentumswohnungen gehabt, und es zeigt sich deutlich, dass diese Maßnahme zu einer massiven Preisreduzierung geführt hat.“ Nachdem St. Pölten in den letzten Jahren mit kontinuierlichem Wachstum gesegnet ist, müsse am Wohnbausektor jetzt aktiv reagiert werden, möchte man nicht ein ähnliches Schicksal wie Krems erleiden. Dort sind die Mieten ab 2008 nämlich geradezu explodiert und liegen heute weit über jenen von St. Pölten. Erreichbar ist dieses Gegensteuern, wie Schwarz überzeugt ist, nur durch konzertiertes Vorgehen. „Wichtig ist in einem Schulterschluss regulierend einzugreifen und seitens der Stadt danach zu trachten, dass nicht irgendwo irgendwer irgendwas baut, sondern eben Wohnraum nach Bedarf errichtet wird – dies läuft gesamtkoordinierend allen voran über die Stadtplanung, die Wohnservicestelle kann hier als Schnittstelle aller am Prozess Beteiligten fungieren“, so Schwarz. Auch direkte Aktivitäten am Wohnbausektor, insbesondere im Segment „soziales Wohnen“, schließt Schwarz nicht aus: „Die Stadt überlegt durchaus ihr eigenes Angebot auszubauen, um so direkt steuernd auf den Markt einzugreifen. Wir dürfen uns nicht abhängig machen, sondern müssen selbst das Heft in die Hand nehmen!“ Wobei Schwarz eines auch ganz klar betont: Nur der gute Mix an Angeboten, von exklusiv – wo St. Pölten ebenfalls nachhinkt – über den Mittelstand bis hin zu „sozial“ für einkommensschwache Bürger kann St. Pölten insgesamt als Wohnort vorwärtsbringen. Wenn dies gelingt, dann ist auch die Vision vom echten Wiener, der nach St. Pölten zieht, nicht unwahrscheinlich, und dann darf man sich alsbald den Kopf über schneidige Marketingslogans zerbrechen à la: „Zuhaus in St. Pölten – dem schönsten Vorort Wiens!“

Mutter-Leben

Beate Steiner Ich glaub’s nicht, auch wenn ich es gelesen hab. Auf einer WahlKandidatenliste ist tatsächlich bei drei Frauen als Berufsbezeichnung „Mutter“ gestanden. Also, Mutter ist ein Zustand, das weiß ich aus Erfahrung. Ein Beruf ist an Ausbildung, an Eignung und an Bezahlung gebunden. Nichts davon ist opportun beim Schwanger werden, beim Kind gebären und aufziehen. Und wie eine Frau als Mutter in Pension geht, kann ich mir schwer vorstellen. Vielleicht ist mir ja in unserem Bildungssystem der Studiengang oder Lehrberuf „Mutter“ entgangen – ich bin jedenfalls noch keiner diplomierten Mutter oder Muttermeisterin begegnet. Über Eignung könnte man diskutieren, aber Vorgaben zur Kinderaufzucht gibt es definitiv nicht. Und wer wagt zu beurteilen, ob Glucken oder Rabenmütter oder irgendeine Mutation der beiden Spezies die glücklichsten Kinder haben? Bezahlung für diesen Job bekommen nur Tagesmütter, fürs Rundum-die-Uhr-Betreuen der eigenen Brut gibt’s keine Kohle aufs Konto, der Staat zahlt ein bisserl Zuschuss für höchstens drei Jahre. „Mutter“ kann also kein Beruf sein, der Mama und Kind das Überleben sichert. Da braucht’s schon einen Papa mit Brotberuf dazu. Klar ist Kinderbetreuung zeitaufwändig und nervenaufreibend. Aber normalerweise nimmt der Nachwuchs sein Leben kontinuierlich selber in die Hand, verlässt irgendwann das Elternhaus. Was macht die BerufsMutter dann während ihrer Arbeitszeit? Die erwachsenen Kinder sekkieren? Oder Mutti für den „Papa“ spielen? Oder den Job wechseln? „Oma“ tät sich da anbieten. Ist mir auf Wahlkandidatenlisten als Beruf zwar noch nicht untergekommen, aber für aktive Seniorinnen könnt das eine Option sein. Und ein Tipp für nachwuchsarme Parteien.

MFG 02.15

Foto: Jeanette Dietl - Fotolia.com

des Baus selbst, sondern weit darüber hinaus: Leute, die in der Stadt wohnen, geben hier auch ihr Geld aus.“ Mit der neuen Wohnservicestelle möchte man beide Ebenen fördern. „Die Servicestelle soll mit den diversen Bauträgern – von Genossenschaften über Freie bis hin zu Maklern – zusammenarbeiten. Sie soll ihnen bei der Suche nach relevanten und passenden Grundstücken helfen, sie bei Behördenwegen unterstützen sowie als generelle Schnittstelle untereinander fungieren“, so Schwarz. Ebenso möchte man aber auch für private Wohnungsinteressenten Anlaufstelle sein, was sich Schwarz idealtypisch so ausmalt. „Da kommt zum Beispiel eine Wiener Familie, die in St. Pölten eine Wohnung sucht. Wir eruieren dann, was sie genau will, also welche Wohnform, welche Größenordnung, welche Preisklasse und versuchen darauf fußend die am Markt befindlichen Angebote, die bei uns zentral zusammenlaufen, direkt weiterzugeben bzw. die Interessenten punktgenau zu den passenden Anbietern weiterzuvermitteln.“ Um nicht ins Blaue zu starten, hat Stefan Haiderer seit Herbst aus verschiedenen Quellen (statistischen Jahrbüchern der Stadt, Statistisches Zentralamt, Immobilienpreisspiegel der WKO) Datenmaterial über die Wohnsituation in St. Pölten zusammengetragen. Zunächst zeigt sich, wie im Falle anderer vergleichbarer Städte, ein überproportionaler Anstieg der Mietkosten in St. Pölten gegenüber früheren Jahren. Haiderer führt dies in St. Pölten u. a. auch auf eine Verknappung des Angebots zurück. „Grundsätzlich zeigt sich, dass die Bautätigkeit in der Stadt St. Pölten im Beobachtungszeitraum merklich zurückgegangen ist. Daraus ergibt sich auch ein überproportionaler Anstieg der Mietkosten in den letzten Jahren.“ So sind seit dem Jahr 2000 die Nettomieten im Schnitt um 30-35% gestiegen. Noch eindeutiger schlägt sich dies beim Kauf gebrauchter Eigentumswohnungen nieder „die seit 2000 um ca. 50% angestiegen sind!“ Dass ein aktives Gegensteuern

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 53  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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