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MFG EDITORIAL

Reversieren, Bitte! von Johannes Reichl

Was er nicht alles werden soll, der Domplatz „neu“: täglicher Marktplatz, Flaniermeile mit Schanigärten, Aufmarschareal für kirchliche Prozessionen, Veranstaltungsraum, Spielplatz, historisches „Zeitfenster“ für archäologische Funde und – spätestens jetzt wird’s spannend – auch wieder Parkplatz. Darum hat sich, völlig zurecht, die größte Debatte entbrannt. Das Bemerkenswerte an der Diskussion ist nämlich, dass die vehementesten Befürworter für die Erhaltung von Autoabstellplätzen bislang statistisch fundierte Daten, welche ihre Befürchtungen von wegen Kundenabfluss & Co. untermauern würden, gänzlich schuldig bleiben. Die Erklärung dafür ist einfach: Es gibt sie nicht! Um dies zu begreifen, genügte schon ein Blick in die eigene St. Pöltner Historie. Vom Start der Kremsergasse als Fußgängerzone anno dazumal über die Autobefreiung des Rathausplatzes (der allerdings erst durch die Schanigartenverordnung seinen eigentlichen Drive erhielt, was der Politik Mahnung genug sein sollte, ein sinnvolles Gesamtkonzept zu entwickeln) bis hin zur jüngsten Erweiterung der Fußgängerzone – immer war zuvor vom Untergang des geschäftlichen Abendlandes die Rede gewesen. Und was ist passiert? Das glatte Gegenteil, wie im Fall der jüngsten FUZO-Erweiterung statistisch belegbar ist: Die Frequenzen sind gestiegen! Auch der Schmonzes von wegen „wie soll ich mit den Einkäufen soweit marschieren“ kocht immer wieder hoch – nur muss man auch bei autofreiem Domplatz nicht weiter marschieren als bisher. Rund um die Innenstadt gibt es Tiefgaragen, die – auch wenns die Gegner nicht zur Kenntnis nehmen möchten – schon jetzt nicht ausgelastet sind. Zudem werden aktuell „Ersatzplätze“ geschaffen, etwa im neuen Parkdeck am Bahnhofsplatz, in dem eine Ebene (ca. 115 Plätze) rein den City-Besuchern vorbehalten ist. Zudem hofft man, dass die Diözese ihr Njet zu einer Tiefgarage unter dem Diözesangarten vielleicht doch noch revidiert, und auch private Betreiber haben neue Eisen im Feuer. Die Mär von zu wenig Parkplätzen ist also schlichtweg falsch.

Kurzum: Die Diskussion wird ausschließlich auf Ebene emotionaler Befindlichkeiten, in manch Fällen auch ureigenster persönlicher Interessen im Sinne der Erhaltung des Parkplatzes vor der Haustür geführt – wobei letzteres wenigstens menschlich verständlich ist. Nur, kann dieser krude Mix tatsächlich ausreichen 70 (wie von der SPÖ kolportiert), oder gar 100 Stellplätze (wie von der ÖVP gefordert) zu rechtfertigen? Dies würde einer abermaligen Belegung des Platzes von einem Drittel bis zur Hälfte gleichkommen! Da sollte man am besten gleich die Finger davon lassen. Wenn wir schon den Domplatz neu gestalten – was angesichts der aktuellen Asphaltwüste eine unbestritten gute Idee ist, wenigstens darin sind sich alle einig – dann bitte gleich ordentlich. Geben wir uns nicht mit lauen Kompromissen zufrieden, die uns im Nachhinein erst recht wieder leid tun, wie anno dazumal im Falle der zu klein umgesetzten Rathausplatztiefgarage. Erkämpfen wir uns, wo sinnvoll, wertvolle Lebensräume zurück – die Autos lassen wir derweil in fußläufiger Entfernung außen vor. Dass das machbar, ja bereits Realität ist – und dieses stichhaltigste Argument von allen konnte bislang kein einziger Parkplatzbefürworter entkräften – belegt eine Tatsache: Die mit Abstand frequenzund umsatzstärksten Tage in der St. Pöltner City sind Donnerstag und Samstag, und – welch Wunder – an diesen Tagen ist der Domplatz bereits autofrei! Ein Gedanke zum Schluss, weil immer ein „2 Phasenplan“ herumgeistert – Step 1 Parkplätze, Step 2 autofrei in ferner Zukunft. Warum den Ansatz nicht einfach umkehren: In Phase 1 gibt man autofrei eine Chance, nach einer verpflichtenden Evaluierung ein Jahr später wird dann – auf Basis harter Fakten, nicht vager Vermutungen – entschieden, ob in einer etwaigen Phase 2 doch Parkplätze notwendig sind. Auf Autodeutsch: Man kann, wenn man klug ist, in einer Sackgasse durchaus reversieren, zurückfahren und die richtige Abzweigung nehmen. Man muss nicht stur bis an ihr Ende fahren, bis es einen Tuscher macht – da hilft einem dann nämlich der schönste Parkplatz nichts. Der Schaden ist passiert.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Michael Käfer, Siegrid Mayer, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Ruth Riel, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Manfred Wieninger Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Primadonna, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Felicitas Nouschak, Manuel Pernsteiner, Johannes Reichl, Anne-Sophie Settele, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr Coverfoto: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


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INHALT

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KULTUR 42

SZENE 64

SPORT 74

R 8 Patient im eigenen Haus 22 VIP Parkplatz für alle 24 RauschS Gespür für Politik 26 PRIESTERSEMINAR – Der lange Schatten 30 WINDCITY – STÜRMISCHE ZEITEN 34 Vorteil Stadler 36 SWAP – UNABHÄNGIG ODER DOCH BEFANGEN? 38 Die Berge von Dersim

Premieren Auswahl

KULTUR

6 IN WAS FÜR EINER STADT 7 SHORTCUTS URBAN 42 SHORTCUTS KULTUR 64 SHORTCUTS SZENE 82 KRITIKEN 83 VERANSTALTUNGEN

44 Kunstraub? 56 ZAWADIL – Die Zeitreisende

SZENE

66 RADIOQUOTE 70 URBAN GARDENING 72 10 JAHRE HOUSE OF RIDDIM

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In der zuletzt die Frage „Ja, derfen’s denn des?“ die Runde durch die Innenstadt machte. Was war geschehen? Die Fassade des Hauses Domgasse 4 war plötzlich farbenfroh aufgeblüht, was kaum jemanden kalt ließ. Gleich einige tausend Mal wurde der mfg-FacebookBeitrag innerhalb kürzester Zeit gesehen, viele Berufene hinterließen auch einen Wortkleckser. Aber, Überraschung: Die meisten Poster zeigen sich erfreut über den Graffiti-Hingucker mitten in der City. Von „Yeah, gern weiter so!“ über „Ist doch super, dass das in dieser Stadt endlich möglich ist“ bis „Absoluter EyeCatcher, schön, bunt, modern“ reichen die strahlenden Kommentare, gedämpft von feinsinnigen Könnern: „Nicht alles, was mit Farbe gemacht wird, stammt von Künstlern.“ Und: „Was ist mit Denkmalschutz?“ Ja, der hat die Werbe-Malerei für dan Fashionshop Monte Hegro mittlerweile temporär genehmigt, und die NV Immobilien-Gesellschaft als Eigentümer verspricht noch mehr GraffitiFassaden in der Stadt. St. Pölten bleibt also bunt!

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Die offensichtlich gar nicht existiert. Ja, ein weißer Fleck auf der Landkarte zu sein scheint, oder zumindest ein schwarzes Loch, wenn es nach den Tourismusverantwortlichen des Landes Niederösterreich geht. Die haben nämlich ganz stolz die „Tourismusstrategie Niederösterreich 2020“ präsentiert, hochprofessionell, mit Leitlinien und Zielvorgaben inklusive wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen – aber ohne die Landeshauptstadt. St. Pölten kommt in der 23-Seiten-Hochglanzbroschüre mit Landeslogo-Cover nicht vor, gar nicht. Lebenslust, Wohlbefinden und Abenteuer sind die Schlagwörter, die Menschen ins Land locken sollen, Kunst- und Kultur-Angebote konkrete Offerte dazu. Aber nicht die im Festspielhaus, im Landestheater, in der Bühne im Hof oder bei den Festivals. Nicht St. Pöltens barocke Architektur, nicht die moderne RegierungsviertelLandschaft. Kultur gibt’s nur in Grafenegg, meinen die Landesstrategen, und: Kunst kommt nach Krems (siehe auch Artikel Seite 44)

In einer mit bereits vorhergesagten, heftigen Polit-Sommergewittern. Der Klubobmann der St. Pöltner ÖVP, Peter Krammer, stellt ja seit Wochen in den Raum, dass es im Rahmen der strittigen SWAP-Geschäfte zu Amtsmissbrauch und Untreue gekommen sein könnte (MFG/ März 2014) und kündigte bereits im März eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft an. Eingegangen ist diese bis dato nicht. Laut ÖVP würde das Konvolut auf über 80 Seiten alle Vorwürfe festhalten und werde bald übergeben. Da gerade aus parteipolitischen Motiven heraus, Staatsanwaltschaften immer wieder mit Anzeigen konfrontiert werden (von denen oft strafrechtlich nichts übrig bleibt), will die ÖVP mit der umfangreichen Ausarbeitung ausreichend Verdachtsmomente für die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens liefern. SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler weist die Vorwürfe zurück, alle Geschäfte seien korrekt abgewickelt und dem Gemeinderat berichtet worden, er fühlt sich von der ÖVP angepatzt und sieht eine nötige moralische Linie überschritten.

Fotos: Beate Steiner, Josef Vorlaufer, Brian Jackson/Fotomek/callahan (Fotolia.com), zVg

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


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Land der Museen

Hebi

STUMM-FILM-STUDIO

Im März lag Fantasie in der Luft. „St. Pölten könnte Film-Mekka werden“, titelte der Kurier. Szene-Kenner der Film- und Musikbranche meldeten sich zu Wort und fanden die Idee gut: Am ehemaligen Glanzstoff-Areal ließe sich in bester Infrastruktur-Lage eine Filmstudio-Landschaft realisieren, die für ganz Österreich Bedeutung hätte. „Derzeit wandern österreichische Produktionen nach Bratislava und Prag aus“, berichtet Franz Stanzl – er ist in der Wirtschaftskammer für 780 Mitgliedsbetriebe der Film- und Musikbranche allein in NÖ verantwortlich und sammelt derzeit die Anforderungen an so ein Projekt. „Realistisch sind wohl Kosten von 50 Millionen Euro. Dafür entsteht dabei gewaltige Wertschöpfung und Umwegrentabilität, sicher mehr als man mit manchen Prestige-Kulturprojekten erreicht“, so Stanzl. Neben dem politischen Willen, vorrangig von Landeshauptmann Pröll, Bund und ORF, wird wohl auch ein privater Geldgeber nötig sein. Was wohl auch erklärt, warum der Blockbuster in den letzten Wochen eher zum Stummfilm mutierte ...

Schlechter Scherz? Nachdem bekannt geworden ist, dass am Domplatz „neu“ zumindest 70 Abstellplätze für Autos (bisher 200) geplant sind, ist die Diskussion wieder voll aufgeflammt. Der ÖVP sind die Plätze zu wenig, die Grünen wiederum spre-

chen von „einem schlechten Scherz“ und möchten im Gemeinderat einen Initiativantrag einbringen, um über die Causa noch einmal zu diskutieren. Darin fordern sie: „Der Domplatz und Rathausplatz sollen miteinander kommunizierende Zentren der Innenstadt werden. Dafür ist es unumgänglich, den Domplatz ebenso wie den Rathausplatz vom Individualverkehr zu befreien. Der Gemeinderat der Stadt wird daher aufgefordert, Mittel für die Planung und Gestaltung eines vollkommen autofreien Domplatzes bereit zu stellen.“ Eine Linie, die ehemals übrigens auch die SPÖ vertrat. 2008 ließ Bürgermeister Stadler noch wissen: „Als Parkplatz ist mir der Domplatz zu schade.“

Wir sind das Land der Museen. Der Welt größtes „Atom-Museum“ hammaschon. Wer sonst hätte denn ein fix und fertiges Kernkraftwerk, nix virtuell, alles 1:1, aber ohne Atomenergie halt? Erinnerung an den Sonnenkönig. War nicht billig. Nun hat sich die autonome KulturTaskforce rund um Niederösterreichs Roi-Soleil was ausgedacht: Die Leute draußen sollen sich endlich auskennen (lernen), wo im Land sie Kunst und Kultur finden. Die wunderschöne Stadt Krems erhielt den Zuschlag, und so wird die Kunstsektion des St. Pöltner Landesmuseums übersiedelt. Kostet 35 Millionen (noch ohne Finanzierungskosten!). Wir hams ja. Da sollte man aber dann vielleicht doch auch gleich die Karpfen und Hechte samt ihren Aquarien von St. Pölten ins Landesfischereimuseum nach Schloss Orth an der Donau transferieren. Und die international beachteten Konzerte des Klangraums Waidhofen a.d. Ybbs gehörten übrigens auch schon längst nach Grafenegg, in Niederösterreichs offizielles Polyhymnium! Was so ein Museum alles aushält (wenn es nur nicht durch allzu viele Besucher beunruhigt wird) sieht man an Mistelbach. Ursprünglich ausschließlich für Meister Nitsch unter krausen ökonomischen Vorstellungen errichtet, siechte es am Dauertropf des Bundeslandes mit den kuriosesten Ausstellungsthemen dahin, bis man jetzt die Mammuts ihre Schatten auf die unrühmliche Vergangenheit werfen lässt. Ein Gedanke: Dies Mistelbach ist ja eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Nachgesagte hohe Kunst der Steuervermeidung einerseits, jahrelange politikbegleitete Geldvernichtung andererseits. Da würde doch ein Österreichisches Steuermuseum prächtig hin passen. Mit einem Denkmal für den unbekannten Steuerzahler …

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Patient im eigenen Haus

Landesklinikum St. Pölten Es ist längst kein Geheimnis mehr, sondern traurige bis schockierende Tatsache: Das Krankenpersonal in Österreich kriecht am Zahnfleisch. Im Vorjahr sorgte der Selbstmord eines Arztes für Betroffenheit, zahlreiche Studien belegen, dass die in der Krankenversorgung Tätigen die Berufsgruppe mit der höchsten Burnout-Gefährdung der Republik ist. Das Landesklinikum St. Pölten bildet diesbezüglich keine Ausnahme.

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uch in St. Pöltens größtem Arbeitgeber mit rund 3.000 Beschäftigten stehen die Mitarbeiter mächtig unter Druck: Hohe Personalfluktuation, krankheitsbedingte Ausfälle, schlechtes Arbeitsklima sind Realität. Und es geht die Angst um, die sich anhand einer einfachen Tatsache ablesen lässt: Kein einziger der Befragten – egal 8

ob Arzt, Therapeut, Pflegepersonal, Leiharbeiter – möchte seinen Namen in der Zeitung lesen: „Kritik wird nicht gern gehört, wir haben einen Maulkorb umgehängt“, meint etwa Krankenschwester Karin Hinterlechner (Name geändert). Und daran halten sich die Mitarbeiter in der Regel auch, weil es kaum Alternativen gibt. „Wenn du dich mit der Füh-

rung anlegst, bist du schneller weg als du denkst. Nur wohin gehst du dann – in Niederösterreich wirst du keinen Job mehr bekommen, weil alles unter dem Dach der Holding ist, dir bleibt also nur der Weg in ein anderes Bundesland.“ Den viele dann doch nicht auf sich nehmen möchten – auch weil eine Besserung der Situation nicht gesichert ist: Diese ist näm-


TEXT: Johannes REichl, Anne-Sophie settele, Sophie Schiesser | Fotos: Josef Vorlaufer, RRF/Maksim Šmeljov (Fotolia.com)

lich in vielen Spitälern ähnlich. In der Fachsprache gibt es für diese Art von „Arbeitstourismus“ im Pflegebereich sogar einen eigenen Terminus: Caredrain. Dass er ursprünglich von Entwicklungsländern in Richtung reiche Länder vor sich ging, das Phänomen aber nunmehr auch hierzulande besteht, sollte den Verantwortlichen zu denken geben. Wofür sind wir da? Da ist ein Bild, das Schwester Franziska Summer (Name geändert) nicht aus dem Kopf geht. „Die Gattin eines alten Herren war soeben verstorben, er wurde kurz ans Sterbebett gebeten, dann erfolgte das ärztliche Gespräch. Nach drei Minuten stand er wieder draußen am Gang – völlig verloren. Da war niemand, der ihm Trost gespendet, ein paar nette Worte an ihn gerichtet hätte – es hatte einfach niemand Zeit. Irgendwann ist er dann mit hängenden Schultern gegangen. Das werde ich nie vergessen.“ Für Summer spiegelt sich darin die ganze Diskrepanz der aktuellen Situation wieder, die sie als extrem widersprüchlich und belastend zum eigentlichen Auftrag wahrnimmt. „Von Geschäftsseite ist durchgerechnet wie viel Minuten du quasi pro Patienten brauchen darfst – nur, ein Patient ist nicht irgendein Arbeitsstück, da gibt es auch Unvorhergesehenes. Wichtig wäre, nicht nur einfach Tabletten zu verteilen, sondern auch Fragen zu beantworten, Ängste zu nehmen, jemanden im Bett aufzurichten, damit er besser atmen kann, ihn vielleicht mal rauszuführen auf den Gang – das ist Pflege, und die braucht vor allem Zeit!“ Die habe man aber nicht mehr, mit negativen – auch volkswirtschaftlichen – Auswirkungen. „Für den Heilungsprozess – das ist das Kurzsichtige an diesem Wahnsinn – ist dies völlig kontraproduktiv. Denn die persönliche Ansprache, das Streicheln der Hand u. ä. würden den Genesungsprozess beschleunigen!“ Ein Zeitfresser, der in den Augen sämtlicher befragter Mitarbeiter in

den letzten Jahren überbordende Ausmaße angenommen hat, betrifft die Dokumentation. „Heute scheint die Dokumentation vielfach wichtiger als der Patient zu sein. Du musst alles festhalten, die Kollegen laufen nur mehr mit Laptops herum – und was du nicht dokumentiert hast, das hast du sozusagen auch nicht gearbeitet“, erzählt Hinterlechner, und auch die Ärzteschaft klagt über „eine unglaubliche Überbürokratisierung. Du darfst quasi einen Fehler machen, Hauptsache er ist dokumentiert. Aber keinen Fehler zu machen, das aber nicht zu dokumentieren – das ist ein Fehler!“ Dabei ist es nicht so, dass man die Dokumentation an sich ablehnt „die Zeiten haben sich geändert, es ist auch notwendig – etwa im Hinblick auf steigende Regressforderungen der Patienten“, so Summer, aber die Relationen seien schlicht aus dem Ruder gelaufen, weil dadurch die Zeit für den Patienten zu kurz komme. „Und wie dokumentierst du, dass du einem Patienten, der Angst hatte, erklärst, was der Herr Doktor mit seinen Worten gemeint hat? Da wird dann gefragt: ‚Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?‘“ Manche Bedienstete, so sie noch die Kraft dazu finden, machen derlei „Service“ mittlerweile unter der Hand. „Denn du musst deine Arbeitszeiten penibel einhalten“, so die Therapeutin Angelika Riegler (Name geändert). „Ich habe z.B. einmal einen Patienten getröstet, der fix und fertig war, das ging über meine fixe Zeit hinaus – dafür wurde ich gerügt. Seitdem mach ich das quasi illegal“. Auch Dr. Ralf Huber (Name geändert) bringt die Starrheit des Systems pointiert auf den Punkt „Im Grunde genommen müsstest du während der Reanimation abbrechen und an einen Kollegen übergeben, nur damit du nicht die Zeit überschreitest.“ „Seine“ Patienten würde er mittlerweile nach Dienstschluss besuchen. Was ebenfalls durch die Bank als Negativerfahrung wahrgenommen wird, ist etwas, das nicht passiert. „Im Grunde genommen gibt es

Statistiken Landesklinikum St. Pölten 18 Abteilungen* 484.304 Ambulante Frequenzen (Anzahl der Besuche von ambulaten Patienten auf Spitalsambulanzen)* 48.442 Stationäre Aufenthalte (Anzahl der stationären Entlassungen)* 29.687 Operative Leistungen* 5,31 Tage durchschnittliche Verweildauer (Die Verweildauer wird nach der Belegung zu Mitternacht berechnet)* 3.041 beschäftigte Mitarbeiter (Stand: 2. Halbjahr 2012)* Aufteilung nach Berufsgruppen: Ärztliches Personal: 534 Pflegepersonal: 1.549 Wirtschaftliches Personal: 591 Sonstiges, nicht ärztliches, medizinische Personal: 367 1.178 tatsächlich aufgestellte Betten** Zentralkrankenanstalt St. Pölten mit Lilienfeld! 1.020 Betten lt. Homepage St. Pölten (Stand: 7.5.2014) EUR 310.274.023,-- Aufwände EUR 279.338.043,-- Erträge Deckungsgrad 90,0%** *Quelle: Landeskliniken-Holding Niederösterreich Bericht 2012, veröffentlicht am 19. September 2013 (http://user-27910463975.publ.com/Bericht-2012) **Quelle: Landesrechnungshof Niederösterreich: Entwicklung ausgewählter Kennzahlen in den NÖ Landeskliniken, Bericht 2/2013

Eckpunkte der NÖ Landeskliniken-Holding In den Spitälern der NÖ Landeskliniken-Holding sind ca. 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. An 27 Standorten verfügt sie über rund 8.000 Betten. Mit rund 3.500 Ärztinnen und Ärzten, rund 10.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich der Pflege, 170.000 Operationen und 2,24 Mio. Belagstagen ist sie österreichweit einer der größten Klinikbetreiber. Jährlich werden in den Landeskliniken mehr als 385.000 Patientinnen und Patienten stationär betreut. Zielsetzung: „Somit können wir Ihnen rund um die Uhr eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau bieten.“

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Arbeitsbelastungen in den Gesundheitsberufen NÖ * Fast ein Drittel aller angestellten ÄrztInnen und ein Fünftel des Pflegepersonals befinden sich in der Vorstufe des Burnout, jede/r neunte ÄrztIn ist bereits akut ausgebrannt. Zentrales Ergebnis aus der Fragebogenbefragung ist eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeit (nicht mit den Arbeitsbedingungen!) trotz hoher Belastungen. Belastungen durch Faktoren der Arbeitsorganisation: Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte Niederösterreichs, die sich durch die folgenden Faktoren eher stark bis stark belastet fühlen: Lange Arbeitszeiten: 52,6% Spezielle Arbeitszeiten (Schicht, Turnus, Nachtdienst): 55,6% Überlange Dienste: 48,8% Zu wenig Personal: 59,4% Bürokratie: 63,5% Großer Zeitdruck: 49,2% Schlechter Führungsstil der Vorgesetzten: 37,3% Zu starke Inanspruchnahme während des Dienstes: 43,2% *Quelle: Studie der Sozialökonomischen Forschungsstelle SFS (Wien) im Auftrag der AK Niederösterreich und der NÖ Ärztekammer, präsentiert 2010.

keine Wertschätzung von Seiten der Vorgesetzten“, so Dr. Huber. Eine solche könne man sich bestenfalls selbst aus Erlebnissen ziehen „als ich zum Beispiel ein Leben gerettet habe, weil ich auf etwas draufgekommen bin, was übersehen wurde – und dann siehst du, wie es dem Patienten wieder besser geht, das kompensiert schon vieles!“ Und natürlich Patientenlob, das aber – weil zeitbedingt der Service am Patienten, also die Leistung immer nüchterner ausfällt – im Umkehrschluss geringer wird. Dabei gehe es gar nicht nur um fehlendes Lob an sich, sondern die mangelnde Wertschätzung schlage sich auf unterschiedlichen Ebenen nieder – für Schwester Summer beispielsweise „wenn ich im Mai höre, dass das Jahres-Abteilungsbudget für Fortbildungen aufgebraucht ist.“ Was Summer ebenso sauer aufstößt, 10

ist die Nichtanerkennung persönlichen Engagements „Ich hab in meiner Laufbahn sicher tausende Ausbildungen absolviert, 2/3 davon auf private Kosten, aber ich habe noch nie gehört: ‚Toll, dass Sie sich dafür interessieren, das ist gut für die Abteilung, wir unterstützen das!‘ Das ist jedem egal, obwohl man viel einbringen könnte – du bist im Grunde genommen völlig austauschbar.“ Auch im Hinblick auf Anschaffungen, Umbauten etc. würden die Mitarbeiter nicht miteinbezogen. „Es sind mittlerweile so viele Generica im Umlauf, jede Woche etwas Neues. Und der zentrale Einkauf – der ja durchaus Sinn macht – wird von einem sogenannten ‚Leadbuyer‘ getätigt, der aber vielfach keine Ahnung von der Materie hat. Und das wäre noch nicht das Problem – aber er kauft z. B. Betten, ohne jene, die damit arbeiten, die wissen, worauf man achten muss, zu befragen.“ Ebenso sei es bei Umbauten, die an den Bediensteten vorbei umgesetzt würden, „wir müssen dann halt damit leben.“ Zugleich irritiert die Bediensteten, „dass im mittleren Management jede Woche neue Posten entstehen, von denen keiner weiß, was diese Damen und Herren eigentlich genau tun, während die Basis ausgeblutet wird“. Denn letztlich, und dies hört man durch die Bank, laufe es auf ein Grunddilemma hinaus: „Es ist einfach nicht genügend Personal vorhanden! Es geht nur um Einsparung, Einsparung, Einsparung.“ Ein Vorwurf, den die Landeskliniken Holding – eine einzig dürre Antwort auf Anfrage – übrigens zurückweist. „Eine Unterbesetzung kann sich aufgrund der natürlichen Fluktuation im Personalstand ergeben, ist allerdings nicht der Normalfall!“ Ein Befund, den die Mitarbeiter nicht bestätigen können. Obwohl sie ihre Arbeit lieben, wie zahlreiche Studien bestätigen, leiden sie zugleich an

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den Arbeitsbedingungen, kämpfen um ihre Ideale und auch einen letzten Funken Selbstachtung. „Es gibt so viele, die versuchen, den Wahnsinn so gut es geht zu kompensieren, weil es ihr Beruf, nein ihre Berufung ist. Aber irgendwann kannst du nicht mehr, bist am Ende, ausgebrannt. Wenn ich an das Bild von dem alten Mann denke – ich habe ihm nichts mitgeben können, keine Zeit für ihn gehabt – das ist extrem frustrierend. Dafür habe ich diesen Beruf nicht erlernt. So soll Medizin nicht sein!“ Sein und Schein Dabei ist der Selbstanspruch der Politik und des Arbeitgebers von der Theorie her durchaus ambitioniert, wie ein Blick ins Leitbild des Landesklinikums zeigt: Dort ist u.a. die Rede von den Mitarbeitern als „der größte Wert des Unternehmens“, von „Freude und Humor“, welche „in angemessenem Maß“ die Arbeit begleiten sollen, von „respektvollem Umgang“ ebenso wie von einem Führungsverhalten, das sich „durch soziale und fachliche Kompetenz“ auszeichnet. „Dies äußert sich auch durch einen offenen, toleranten Umgang miteinander.“ Für viele Angestellte ist dieses Papier mittlerweile ein rotes Tuch. Therapeutin Riegler etwa moniert, „dass leider Sein und Schein extrem weit auseinanderklaffen.“ Und auch sämtliche befragten Ärzte stellen fest, dass man die hehren Ziele weit verfehlt. „Ich kann mich erinnern, als ich damals ans Landesklinikum kam, war gerade die Erstellung des Leitbildes im Gange. Das hat mir irrsinnig getaugt. Ich dachte, da ist etwas Großes im Umbruch, da gibt es Konzentration auf das Wesentliche“, erinnert sich etwa Dr. Manuel Eder (Name geändert). Knapp zehn Jahre später konstatiert er einigermaßen ernüchtert. „Was propagiert wird, wird nicht gelebt.“ Verantwortlich sei dafür auch die

„Kritik wird nicht gern gehört, wir haben einen Maulkorb umgehängt.“


Patient im eigenen Haus

ZENTRALKLINIKUM ST. PÖLTEN. Während Niederösterreichs größtes Spital im Zuge der Patientenbefragungen positiv abschneidet, stöhnen seine Mitarbeiter unter zu großem Arbeits- und Leistungsdruck und fordern mehr Personal, weniger Bürokratie und höhere Wertschätzung.

Holding-Konstruktion an sich. „Da wurde ein riesiger Konzern geschaffen, einer der größten Spitalsbetreiber Österreichs, und damit kann man noch nicht richtig umgehen. Die Kommunikation zwischen den Ebenen funktioniert nicht – nach oben heißt es ‚Eh alles super‘, nach unten hin wird ‚stille Post‘ in Sachen Unzufriedenheit gespielt.“ Dr. Joachim Hollaus (Name geändert) hingegen ortet ein allgemeines Zeitphänomen. „Das Geld wird immer weniger, daher der Spardruck immer größer – und gespart wird als erstes und einfachsten halt beim Personal. Das ist nicht nur in Niederösterreich so.“ Der Spardruck schlägt sich nach wie vor in einer überbordenden Arbeitszeit nieder. Vor allem Jungärzte würden nach wie vor „ausgequetscht wie eine Zitrone. Sie verdienen in Relation zu ihrem Studium und ihrer Verantwortung ja relativ schlecht und können ihr Gehalt nur durch Überstunden auffetten, und das

weiß der Arbeitgeber auch – und nutzt es aus!“, so Dr. Hollaus. Dass die Nachwuchsmediziner dabei in der Regel nur mehr Zeitverträge bekommen, also auch nicht auf Sicht planen können bzw. wissen, ob sie überhaupt weiterangestellt werden, verschärft die Situation zusätzlich. Hollaus spricht diesbezüglich von „modernem Sklaventum. Ich habe früher nicht 38 Stunden, sondern im Schnitt 60/70 Stunden gearbeitet – der absolute Rekord waren 120 Stunden in der Woche!“, erinnert er sich zurück. Zwar sei die Situation mittlerweile besser geworden, „das gibt’s heut nimmer, und auch der EU-Druck wird die Leitungen wohl zwingen, mehr Personal einzustellen“, aber der Druck bleibe trotzdem enorm. Im Fall der Assistenz­ ärzte erfahre er noch insofern eine Verschärfung, weil diese im Tandem mit einem Oberarzt den Großteil der Arbeit übernehmen „Das wollen sie auch, weil sie Verantwortung tragen

möchten, lernen wollen – daher fühlen sie sich für alles zuständig – da bist du aber rasch bei der Selbstausbeutung und am besten Weg ins Burnout.“ Neben der Systemfrage komme also durchaus auch eine der Eigenverantwortung hinzu, die viele im Hinblick auf die eigene Belastbarkeit unterschätzen würden. Hat man die Ochsentour der ersten Jahre halbwegs hinter sich gebracht und wird Oberarzt, hat man arbeitstechnisch das Gröbste hinter sich, „zumal man auch Routine bekommt.“ Dafür leide man an anderen, z.T. bereits erwähnten Problemen, wie mangelnder Wertschätzung oder Bürokratie. Auch Geld spielt eine Rolle, wobei diesbezüglich die Meinungen auseinander gehen. Während Dr. Eder meint „Als Oberarzt verdienst du rund 4.000 Euro netto, davon kann man schon ganz gut leben“, relativiert Dr. Hollaus: „In Relation zur Verantwortung verdienst du zu wenig im Spital. Es MFG 06.14

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gibt auch keine Leistungsanreiz – das Gehalt ist immer gleich, egal ob du dich engagierst oder nicht. Viele verdienen deshalb draußen etwas dazu.“ Insbesondere als Wahlärzte, was unterschiedliche Auswirkungen nach sich zieht: Manche Kollegen würden dadurch erst recht wieder zu viel arbeiten und ins Burnout taumeln, klinikintern gäbe es Probleme zwischen Ärzten mit und Ärzten ohne Wahlarztpraxis hinsichtlich der Diensteinteilung, schwarze Schafe würden ihre Privatpatienten auf OP-Wartelisten im Krankenhaus vorreihen, wie der VKI nachgewiesen hat, vor allem aber würden viele Kollegen, so sie einmal auf den Geschmack gekommen sind, über kurz oder lang ganz wegfallen „was fürs Spital eine enorme Ressourcenvergeudung bedeutet, weil man die Leute ja teuer ausgebildet hat.“ Zugleich brächte dies auch einen Qualitätsverlust, „weil die erfahrenen Kollegen durch junge, unerfahrene Turnusärzte ersetzt werden.“ Wege aus der Falle? Wie man die Situation in den Spitälern, den Arbeits- und Kostendruck entschärfen könnte, darüber machen sich die Mitarbeiter so ihre Gedanken. Neben dem offenen – freilich lautesten – Ruf nach mehr Personal stelle sich als prinzipielles Dilemma die Zwei-Topf-Medizin dar. So trägt die Leistungen im Spital der Rechtsträger, jene draußen die Gebietskrankenkasse – und diese hätten wieder unterschiedliche Leistungskataloge. „Dadurch schiebt man sich die Patienten zu, damit es quasi nicht ins eigene Budget fällt. Sinnvoll wäre eine 1 Topffinanzierung, wo der Patient als 1 Kostenfaktor betrachtet wird, egal wo er sich bewegt “, so Hollaus. Die Grundsystematik entfalte auch Kuriositäten, etwa „dass das Spital von draußen Leistungen zum Teil zukauft, weil sie dort billiger sind“, zum anderen leiste es aber v.a. einer

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OVERLOAD. Die Krankenhausmit-

arbeiter kritisieren eine regelrechte Dokumentationswut „Heute scheint die Dokumentation vielfach wichtiger zu sein als der Patient.“

Überlastung der Ambulanzen „die der grundsätzlichen Versorgung der stationären Patienten dienen sollten“ insofern Vorschub, „dass dort Leute behandelt werden, die eigentlich nicht hingehören.“ Dr. Huber versucht das Dilemma plastisch darzustellen. „Nehmen wir als Beispiel kleine chirurgische oder endoskopische Eingriffe, die in vielen Ordinationen angeboten werden: Auch wenn der Eingriff problemlos in der Ordination durchgeführt werden könnte, wird der Patient vom Artz häufig ins Spital geschickt, weil die von der Krankenkasse bezahlten Tarife geringer ausfallen als das Verbrauchsmaterial und die Personalkosten. Im Spital – wo der Patient der Krankenkasse nichts kostet – wird der Patient dann zur selben Sache ein zweites Mal untersucht, bindet Spitalspersonal und belastet das System – obwohl dies überhaupt nicht nötig wäre! Und das Spital ist mit solchen Fällen zugespamt!“ Gang und gäbe sei es auch, dass Patienten für manche harmlosen Un-

tersuchungen (z.B. MR), welche die Krankenkasse in Ordinationen nicht bezahlt, ins Spital geschickt werden. „Völlig pervers ist es, dass diese Patienten für die Untersuchung stationär aufgenommen werden und eine Nacht im Spital verbringen müssen, nur damit das Spital mehr Geld bekommt.“ Umgekehrt würden wiederum vom Krankenhaus ambulante Leistungen angeboten, die auf Krankenkassenkosten mit gleicher Qualität ebenso in Ordinationen angeboten werden. Der Chirurg Dr. Willibald Streissler (Name geändert) ist zudem überzeugt, dass „viel zu viele kleinere Operationen stationär durchgeführt werden und der internationale Trend der tagesklinischen Eingriffe in St. Pölten verschlafen wird. Tagesklinisch heißt, dass der Patient in der Früh zur Operation kommt und spätestens am Abend wieder nach Hause geht. Das führt zu höherer Zufriedenheit bei den Patienten und schont Ressourcen, da er viel weniger Kosten verursacht und weniger

„Es ist einfach nicht genügend Personal vorhanden! Es geht nur um Einsparung, Einsparung, Einsparung.“


Patient im eigenen Haus

Personal benötigt wird, z. B. für die Nacht.“ Angesprochen, wer die Kosten für den Patienten tragen soll, plädiert Streissler für die Abdeckung durch die Öffentlichkeit, egal wo er sich bewegt. Das Gesundheitssystem sollte nach dem best point of service-Prinzip funktionieren: „Wer kann die Leistung in guter Qualität, zu einem guten Preis, effizient erbringen!“ Diesbezüglich ist man rasch in einer Grundsatzdebatte, welche Funktion ein Spital überhaupt hat. Dr. Eder plädiert diesbezüglich für eine Schärfung des Profils „In einem Krankenhaus sollten schwere, akute Fälle für alle Bürger durchgeführt werden. Was hingegen im niedergelassenen Bereich zu bewerkstelligen ist, sollte auch dort passieren, um die Spitäler nachhaltig zu entlasten.“ Effizienzsteigerung Aber auch abseits des Ambulanzthemas orten die Ärzte verschiedene Möglichkeiten der Effizienzsteigerung, und zwar zur Entlastung des Personals, nicht auf seine Kosten. „Es gibt sinnlose und teure Mehrgleisigkeiten – nehmen wir jemanden, der operiert werden soll. Da schauen der Hausarzt, der Anästhesist, der diensthabende Arzt und dann noch der Operateur, ob er operationstauglich ist. Hier genügte ein Vieraugenprinzip, aber doch bitte nicht vier Ärzte, die alle dasselbe untersuchen.“ Auch die Therapeuten orten eine Überbürokratisierung, die erst in den letzten Jahren überhand genommen habe: „Früher hat der Therapeut über Anwendungen, die sich direkt bei der Arbeit mit dem Patienten ergeben haben, in der Regel selbst entschieden – heute darf er das nur mehr nach Konsultierung eines Arztes. Das hat den Effekt, dass sinnlos Zeit vergeudet wird, der Patient wieder drei Wochen warten muss. Und selbst der Facharzt, der früher etwas angeordnet hat, muss sich nunmehr den Sanktus vom Physikalischen Institut holen, wo der Patient dann nochmals untersucht wird – von einem nicht Facharzt,

der darüber die Letztentscheidung fällt. Das heißt, es passiert im Prinzip zweimal dasselbe.“ Auch in der Frage, wo bzw. wie das Ärztepersonal eingesetzt wird, gibt es Vorschläge. „Am Vormittag, wenn der Hauptbetrieb ist, sollten eigentlich die besten Ärzte im Haus sein – es macht doch keinen Sinn, dass sie Nachtdienste schieben, wo kaum etwas los ist. Das ist Qualitätsvergeudung!“ Einen ganz besonderer Fall stelle die Notfallambulanz dar. „Heute wirst du ja ‚totgetreten‘ in der Notfallambulanz – da wartest du, wenn du Pech hast, 12 Stunden, ganz einfach weil eben Notfälle zwischendurch versorgt werden müssen – und ein Herzinfarkt wartet nun mal nicht“, erklärt Dr. Huber. Die Abteilung sei prinzipiell unterbesetzt, und es würde zum Teil auch das falsche Personal eingesetzt. „Du hast dort viele junge Ärzte, dabei sollte unbedingt immer ein erfahrener Notfallmediziner, ein alter Hase vorort sein, der gleich abwägen kann, was Sinn macht und was nicht. Denn die Wahrheit ist, dass die Jungen in ihrer logischen Unsicherheit oft Leute behandeln, die man weitergeben

könnte, Untersuchungen anordnen, die gar nicht notwendig sind und auch mehr Medikamente verschreiben als sinnvoll.“ Kurzum: Wieder wird das System unnötig belastet, und es kostet viel Geld. Ideen und Ansätze gibt es also viele, allein – so der Eindruck sämtlicher Mitarbeiter – aufgenommen, geschweige denn geschätzt werden diese nicht. „Ganz im Gegenteil, du machst dich unbeliebt, wenn du dich engagierst. Kritik, und zwar durchaus konstruktiv gemeinte, wird nicht gerne gehört.“ Dabei würden die Voraussetzungen einen guten Betrieb ermöglichen. „Wir sind in Sachen Ausstattung in St. Pölten ja auf einer Insel der Seligen“, ist Dr. Eder überzeugt, und auch Dr. Hollaus meint: „Als Versorgungsspital, und das ist die Aufgabe des Zentralklinikums, ist St. Pölten ein sehr gutes Spital!“ Freilich mit einem großen Haken, wie er hinzufügt: „Es lebt auf Basis der Ausbeutung seiner Mitarbeiter – vom Putzpersonal über das Pflegepersonal bis hin zur Ärzteschaft.“ Seitens der Klinikum-Leitung war leider niemand bereit, mit uns über dieses Thema zu sprechen.

Arbeitszeit * Hauptproblem ist für beide befragten Gruppen die tatsächliche Arbeitszeit. Diese ist (zum Teil deutlich) höher als die vertraglich vereinbarte. Die hohe Zahl von Überstunden und Sonderschichten erschweren die Gestaltung und Planung der Freizeit, machen private Kontakte und das Familienleben schwieriger, erschweren insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und familiären Betreuungspflichten (Kinder, pflegebedürftige Angehörige), erhöhen aber andererseits über das Überstundenentgelt das Einkommen, und dies zum Teil erheblich. Die hohe tatsächliche Arbeitszeit wird von vielen Befragten als belastend empfunden, insbesondere von den angestellten ÄrztInnen. Gesundheitsberufe NÖ | Ärztinnen NÖ Soll

Ist

Soll

Ist

bis 35 Wochenstunden

56%

51%

14%

12%

35 bis 40 Wochenstunden

42%

24%

65%

5%

1%

20%

17%

81%

40 und mehr Wochenstunden

Gesundheitsberufe NÖ | Ärztinnen NÖ

22%

31%

Depersonalisation

2%

8%

Verringerte Leistungsfähigkeit

2%

3%

Emotionale Erschöpfung

*Quelle: Studie der Sozialökonomischen Forschungsstelle SFS (Wien) im Auftrag der AK Niederösterreich und der NÖ Ärztekammer, präsentiert 2010.

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Interview BETRIEBSRAT WOLFGANG SCHREFL

gibt Misswirt» Es schaft im Haus!

„MFG“ durfte keine offiziellen Interviews mit leitenden Mitarbeitern des Hauses führen, trotz wochenlangen Bemühens – das hat uns doch etwas schockiert und wirkt befremdlich in einem demokratischen Land.

Mich überrascht das überhaupt nicht. Es gibt von Politik und Landeskliniken-Holding de facto einen Maulkorb für die Mitarbeiter. Sie können auch sicher sein, dass sehr kompetente, oft auch leitende Mitarbeiter, bestimmt Angst haben, dass sie sich bei einem Interview ‚versprechen’ – und das kann leider rasch den Job kosten. Das klingt doch unglaublich.

Ja, wir sind leider sehr politisiert. Das liegt aber nicht an diesem Haus oder an NÖ, auch in anderen Bundesländern ist es so. Die Länder haben de facto ein Monopol, weil sie in allen Spitälern das Sagen haben. Früher gab es einen Streit und dann ging ein Arzt halt von St. Pölten nach Melk – heute muss er das Bundesland wechseln. Was bedeutet das für die Arbeit als Betriebsrat?

Wir verstehen unseren Job zwar politisch, aber keineswegs parteipolitisch. Auch wenn ich politisch eine Ideologie und ein Parteibuch habe, bei meiner Arbeit schaue ich nicht auf die Parteizugehörigkeit, ich schaue auf Kollegen. Wir wollen dem Mitarbeiter helfen – und helfen damit in Wahrheit genauso der Firma, also dem ganzen Haus. Aber halt nicht einer Partei. Wir hatten mit vielen Kolleginnen und Kollegen lange Gespräche, viele sind unglücklich, kein einziger wollte namentlich genannt werden. Oft war auch Angst spürbar, dass eine zu konkrete Darstellung der Erzählungen dazu führen könnte, dass ganze Abteilungen Sanktionen zu spüren bekommen. Was ist da los?

Es gibt eine Missorganisation im Haus. Da sitzen zu viele Leute an Schalthebeln. An sich gut gemeinte Ideen verlieren am Weg von oben nach unten sehr an Qualität. Dazu kommen bei jeder Ebene persönliche Befindlichkeiten, die verwaschen das ursprüngliche Ziel. Von der hohen Politik kommt ganz klar ein Sparauftrag. Es ist aber ein unbestreitbares Faktum, dass wir zu wenig Personal haben. Das beginnt bei den Ärzten und endet bei den einfachen Arbeitern. Die Leute brennen rundherum aus. Die Medizin bleibt nicht stehen, es gibt einen demographischen Wandel, die Leute kommen heute öfter ins Spital, es wird ihnen öfter geholfen. Die Leiden werden komplizierter. Wenn Sie heute mit einem Herzproblem eingeliefert werden, dann müssen die Kollegen oft auch ihren Blutzucker

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behandeln. Damit steigt zwangsläufig der Pflegeaufwand, aber nicht der Personalstand in Relation zu der Anzahl an Leistungen, die erbracht werden. Ich würde sagen, wir haben derzeit eine prekäre personelle Situation. Den Verantwortlichen sag ich das auch ganz offen ins Gesicht, das ist ja kein Geheimnis. Die sind jetzt seit zehn Jahren am Ruder, haben aber nur um den heißen Brei herumgeredet und zu wenig umgesetzt. Welche Rolle spielt die Strukturentwicklung der Kliniken in Niederösterreich dabei?

Spezialisierung liegt im Trend, in St. Pölten gibt es TopFachabteilungen. Daher schicken kleinere Spitäler heikle oder komplizierte Fälle nach St. Pölten, bei uns steigt dadurch die Belastung. Das ärgert mich oft, wenn man uns dann mit kleinen Häusern vergleicht und sich wundert, warum Dinge bei uns anders laufen müssen. Grundsätzlich gibt es die Zielsetzung, dass in den einzelnen Häusern medizinische Schwerpunkte entwickelt werden – das


TEXT: michael müllner, BEATE STEINER | Foto: MICHAEL MÜLLNER

ICH SCHAU AUF KOLLEGEN. Gerda Schilcher, Petra Mühlbauer und Wolfgang Schrefl helfen Mitarbeitern – und damit genauso der Firma.

macht ja auch Sinn, aber zugleich hat man das Problem, dass kein Haus freiwillig Abteilungen hergeben will. Für St. Pölten scheint nun klar, dass wir uns zu einer Universitätsklinik entwickeln sollen – das ist sehr positiv, bringt aber natürlich zusätzlich Aufgaben, vor allem im Bereich der Forschung. Zurück zur personellen Situation – wie kann man diese verbessern?

Die Politik hat sich mit dem Dienstpostenplan selbst ein Korsett auferlegt und leidet darunter. Da wird dann, wo es halt noch geht, intern herumjongliert. Aber im Wesentlichen traut sich keiner den Plan zu verändern und die Personalzahl zu erhöhen. Was nutzt es uns, wenn wir in Niederösterreich die schönsten Spitäler mit den modernsten Geräten haben, aber das Personal unglücklich ist? Ein großes Problem ist auch durch das Einziehen einer mittleren Führungsebene entstanden, das ist echtes Negativmanagement. Da wurden zusätzliche Bereichs-

leiter geschaffen, denen es leider oft an Führungskompetenz fehlt. Als Betriebsrat vermitteln wir da sehr oft, weil einfach die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern zu wünschen übrig lässt. Mehrere Mitarbeiter haben das offizielle Leitbild angesprochen und gemeint, dass es keineswegs der Realität entspricht.

Das Leitbild wäre ja sehr gut gemeint, aber es ist halt nur ein Blatt im Wind, es wird null gelebt – zumindest gegenüber den Mitarbeitern. Wenn nur die Hälfte davon realisiert wäre, dann wäre ich überglücklich. Für die Kollegen sieht die Welt aber so aus: Du arbeitest immer mehr, dein Chef zeigt für deine Leistung keine Wertschätzung und dann wirst du noch mit organisatorischen Blödheiten zugeschüttet – na klar bist du dann unzufrieden im Job. Der steigende Dokumentationsaufwand, der mitunter von den eigentlichen Aufgaben abhält, war oft ein

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MFG URBAN

Thema in unseren Gesprächen.

Dokumentation ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes, da gibt es ja auch zu Recht gesetzliche Vorgaben, die umgesetzt gehören um die Qualität zu sichern. Aber ich gebe Ihnen ein Beispiel. Die Pflegepersonalregelung, kurz PPR, ist ein an sich sehr gutes Instrument um zu messen, wie viel Pflegeaufwand in einer Abteilung anfällt und wie viel Personal man dafür braucht. Das Instrument kann aber auch zu schlechten Ergebnissen führen, wenn man es falsch anwendet und nicht alle Arbeiten des Pflegepersonals korrekt erfasst. Wenn ein Patient nach einer OP fünf Mal erbricht und ich ihm fünf Mal das Bett mache, dann kostet das fünf Mal Zeit. Aber derzeit wird diese „Leistung“ nur ein Mal im System gezählt – und schon hat man in der Statistik einen niedrigeren Personalaufwand als eigentlich nötig wäre. Ich brauche nicht betonen, dass alles, was zu Lasten der Mitarbeiter geht, in Folge natürlich auch negativ für die Patienten ist.

Spitalsärzte klagen über unerträgliche Arbeitszeiten, jeder warnt vor einem drohenden Ärztemangel.

Der Personalmangel betrifft bei uns wie gesagt alle Bereiche, natürlich auch die Ärzte. Die Bürokratie erschwert den Job, viele auch sehr gute Ärzte haben die Schnauze voll. Bei den Arbeitszeiten muss sich sicher was ändern, davon sind wir als Betriebsräte auch überzeugt, dass es im Pflegebereich deutlich bessere Regelungen gibt als bei den Ärzten. Aber es gibt auch deutliche Unterschiede in den Abteilungen. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Herz- und Neurochirurgie zwei echte Aushängeschilder haben. Deutlich benachteiligt fühlen sich im System allerdings gerade die jungen Ärzte.

Die Befristung von Dienstverträgen ist ein großes Problem. Da stellt man sich hin und sagt, man will den jungen Leuten helfen, und dann gibt man ihnen Verträge, die auf fünf Jahre befristet sind. Die kriegen ja nicht mal In der Patientenstatistik weist St. Pölten aber mit 97 einen Kredit für eine Wohnung! An sich ist das höhere Prozent eine sehr hohe Zufriedenheit aus. Einstiegsgehalt mit einer flacheren Lohnkurve ja gut, Über diese Statistiken staune ich auch immer. Aber man aber diese Befristungen sind falsch. Und noch etwas regt muss ja nicht studiert haben, um zu mich furchtbar auf. Wenn jemand wissen, wie das geht. Mit fünf Pronach der Ausbildung das erste Jahr ZUR PERSON zent Rücklauf mach ich mir auch die arbeitet, erhält er nur 90 Prozent des Wolfgang Schrefl ist Vorsitzender des beste Statistik, wenn ich zum Beispiel Angestellten-Betriebsrates im Landesklini- Bezugs – das Argument ist, dass er ja kum St. Pölten. Gemeinsam mit seinen nur die Super-VIPs befrage – na klar noch keine Berufserfahrung hat und Stellvertreterinnen Petra Mühlbauer und sind die zufrieden. Ich bin aber ein darum nur 90 Prozent der Leistung Gerda Schilcher ist er für rund echter St. Pöltner, ich bin draußen unbringt. Das ist aber ungerechter Blöd3.000 Angestellte zuständig. terwegs und rede mit den Leuten. Da sinn, auch von diesen Leuten wird regen sich schon wirklich viele Patienten sehr auf. Aber von Anfang an 100 Prozent der Leistung verlangt. Und zu den Turnusärzten: Die haben jetzt 200 Euro draufals Betriebsrat will ich der Führung nichts Schlechtes! bekommen, während bei den Oberärzten das Plus 900 Wir kommen ja alle aus der Praxis und wenn wir dann Euro ausgemacht hat. Also wirklich viel wurde da nicht konkrete Verbesserungsvorschläge vorbringen, sehen wir uns leider sehr oft mit Überheblichkeit konfrontiert. angepasst. Man muss auch sagen, dass junge Sekundar­ ärzte keinen leichten Job haben, viele haben Angst vor Wie problematisch ist die Situation in den AmbuFehlern, machen deshalb oft unnötige Untersuchungen. lanzen – darüber diskutiert ja ganz Österreich?

Diese Diskussion gibt es natürlich auch bei uns. Aber wohin sollen denn die Menschen gehen, wenn sie ein Problem haben? Da müsste sich im niedergelassenen Ärztebereich vieles ändern, ich denke nur an das wochenlange Warten bis man mal einen Termin bei einem Facharzt bekommt. Die Grundidee ist ja gut, dass man die Ambulanzen entlastet, aber in dieser Frage spielt wohl auch die Ärztekammer als Lobby eine Rolle. Man sieht, wie komplex die ganze Situation ist, nicht zuletzt weil das System aus verschiedenen Töpfen finanziert wird. Und man kann sagen, dass viele Probleme schon in der Praxis beim Hausarzt beginnen.

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Häufigste Kritik der Patienten sind die langen Wartezeiten beim Erstaufnahmezentrum. Es dauert oft Stunden, bis es Ergebnisse gibt und die Kranken intern an die richtige Abteilung weitergeleitet werden.

Ja, da ist einfach zu oft kein Oberarzt anwesend. Die jungen Ärzte kriegen eine auf den Deckel, wenn sie den Oberarzt „unnötig“ anrufen, weil der selber gerade beschäftigt ist. Aber natürlich haben die Jungen noch nicht die nötige Erfahrung, dann werden oft diese zusätzlichen Untersuchungen gemacht und das alles dauert eben seine Zeit. Gerade dieses Problem ist seit Jahren bekannt und bis dato noch immer nicht gelöst.

„Es ist ein unbestreitbares Faktum, dass wir zu wenig Personal haben. Das beginnt bei Ärzten und endet bei Arbeitern.“


TEXT: beate steiner | Foto: bmg

Wie geht’s den Kunden im Krankenhaus?

Auf der Suche nach der Zeit

„89 Prozent unserer Patienten sind sehr zufrieden“, verkündete Landesrat Karl Wilfing heuer wieder die jährliche Erfolgsbilanz der Patientenbefragung in den niederösterreichischen Kliniken. Auch das Landesklinikum St. Pölten schneidet hervorragend ab.

Primadonna Wenn Sie gerade im Begriff sind, diese Kolumne zu lesen, gratuliere ich Ihnen sehr herzlich! Sie haben offenbar Ahnung davon, wie man sich seine Zeit so einteilt, um auch mal in Ruhe in einer Zeitung zu schmökern. Jeder Tag hat 24 Stunden, warum aber hat ausgerechnet meiner weniger? Warum vergeht für uns manchmal die Zeit viel zu schnell und kann uns ein andermal nicht schnell genug vergehen? Ich bin Lehrerin, hätte also theoretisch – laut allgemeinem Verständnis – Unmengen von Zeit! Nur – wo ist sie hin? Ich habe im letzten Jahr alle meine Abos zahlreicher Frauenzeitschriften gekündigt, da ich keine Zeit mehr zum Lesen hatte! Letzten Monat musste dann auch noch das Presse-Abo daran glauben! Und jetzt? Ich bin voll organisiert, stehe früh auf, verschlafe also meine Zeit auch nicht! Mir entgeht nicht das Geringste! Als Kind konnte mir die Zeit nicht schnell genug vergehen! Wann kommt endlich das Christkind? Wann ist die Schule aus? Wann beginnen die großen Ferien? Die Wochen vor meinem 16. Geburtstag habe ich täglich an einem Kalender abgehakt, um endlich mit dem Mofa fahren zu dürfen! In der Schwangerschaft war das noch ähnlich. Wie lange noch, um endlich den kleinen Prinzen im Arm zu halten! Der Bauch wird immer größer, aber die Zeit schleicht dahin! Noch ein paar Wochen, noch ein paar Tage! Doch seitdem der Nachwuchs da ist, rast das Leben an mir vorbei! Dabei wüsste ich, wie es geht! Und es ist so einfach! Gestern erst hab ich zwei Stunden Zeit gefunden! Beim Legospielen mit meinem Sohn! „Kannst du mit mir das Flugzeug bauen, oder hast du keine Zeit?“, hat er mich gefragt. Und da hab ich es einfach abgedreht: Das Handy!

MFG 06.14

Foto: SerrNovik/Fotolia.com

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er subjektive Eindruck ist ein anderer: Unzählige Berichte in den Zeitungen über Menschen, die nicht zufrieden waren mit der Behandlung im Spital, viele Beschwerden auch bei MFG über lange Wartezeiten, unfreundliche Mediziner, fehlende Information. Woher kommt diese Diskrepanz? Liegt’s daran, dass Medien nur die NegativStorys abdrucken und nur diejenigen laut schreien, die unzufrieden sind? Oder daran, dass lediglich 60.000 von den insgesamt 384.000 stationären Patienten befragt wurden? Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger ist überzeugt, dass vieles aus „ärztezentrierter Sicht kommuniziert wird“ und setzt Zahlen und Stimmungen in angemessene Zusammenhänge: „Je größer der Betrieb, desto schwieriger ist es, dass alle zufrieden sind.“ Darum ist die Patientenzufriedenheit in kleinen Spitälern immer höher als in großen Kliniken.

Das hängt damit zusammen, dass in Spitälern mit tausenden Betten und ebenso viel Personal die Anonymität größer und die Abhängigkeit geringer ist: „Anonym schimpft es sich leichter“, so Bachinger. Andererseits ist es in kleinen Häusern leichter, auch die emotionale Komponente zu berücksichtigen. Wenn täglich der selbe Arzt am Spitalsbett steht, der Kranke den Mediziner vielleicht auch privat kennt, dann entwickelt sich ein anderes Arzt-Patient-Verhältnis als in spezialisierten weitläufigen Kliniken. Und außerdem sollte man differenzieren, meint der Patientenanwalt. Denn es gibt Abteilungen, die besser und solche, die schlechter organisiert sind: „Das ist abhängig vom Chef.“ Grundsätzlich unterstützt die Patientenanwaltschaft, wenn Verdacht auf medizinische oder pflegerische Behandlungsfehler gegeben ist. „Wenn sich ein Arzt oder eine Krankenschwester im Ton vergriffen hat, dann regelt das das Beschwerdemanagement im Spital – und das funktioniert hervorragend in St. Pölten. Da gibt es auch ein ausgezeichnetes Feedback von den Patienten“, weiß Bachinger. Der im übrigen überzeugt ist, dass die Spitalsreform Verbesserungen für die Spitalsambulanzen bringen wird: „Diese Veränderungen sollten allerdings möglichst früh und transparent kommuniziert werden.“ Denn künftig soll der Primärbereich, also die Versorgung durch niedergelassene Ärzte, verstärkt und die (teuren) Kliniken entlastet werden. Was bedingt, dass es mehr Vernetzung der einzelnen ärztlichen FachDisziplinen geben muss – und Mediziner daher nicht mehr als ‚Lonesome Cowboys’, wie es Gerald Bachinger formuliert, agieren können.

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MFG URBAN

BERNHARD WURZER

„IM SYSTEM IST GENUG GELD!“

Das österreichische Gesundheitswesen ist per Verfassung Aufgabe des Bundes. Wir sprachen mit Bernhard Wurzer, seines Zeichens Generaldirektor Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, über Grundsäulen des Spitalswesens, Probleme der Finanzierung und kleine Schritte anstelle großer Würfe. Können Sie vielleicht ganz grob den Aufbau des öster­ reichische Spitalswesens skizzieren.

Die Sozialversicherung ist per Verfassung Bundessache, die Spitäler sind bei den Ländern – daher gibt es auch zehn Krankenanstaltengesetze. Die Sozialversicherung zahlt 30% ihrer Beitragseinnahmen – fast 50% der Krankenhauskosten – in neun Länderfonds ein. Dort zahlen zudem in Niederösterreich die Gemeinden über den NÖKAS Beiträge ein und das Bundesland selbst. Dieser Topf wird jedes Jahr valorisiert, um – so die Vereinbarung – der technischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Entsteht ein Abgang, trägt diesen der Rechtsträger. Genau darum entbrennen zwischen Rechtsträgern und 18

Sozialversicherung aber immer wieder Streitigkeiten, wer sozusagen was zu bezahlen hat – wie funktioniert die Finanzierung prinzipiell?

Bis 1996 war die Krankenanstaltenfinanzierung derart aufgebaut, dass die Sozialversicherung die Verpflegungstage bezahlt hat, also einen bestimmten Beitrag pro Patienten pro Tag. Das hat sich aber zunehmend überholt, weil die Operationen immer teurer wurden, dies aber nicht mehr mit dem Verpflegungsansatz zusammenpasste, denn es konnte, um es plakativ zu machen, sein, dass jemand eine schwere, teure Herz-OP hatte, aber früher wieder aus dem Spital kam, als jemand mit einem Liegegips. Mit 1997 wurde auf das leistungsbezogene Krankenanstaltsfinanzierungssystem – kurz LKF – umgestellt, wo jede


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: ZVG/hauptverband

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„Ich glaube, dass man den riesigen Apparat auf Dauer nicht wird erhalten können – weil es keinen Sinn macht.“

Länder und Sozialversicherung gleichberechtigt gemeinsam am Tisch und haben einen Zielsteuerungsvertrag zu Themen wie Finanzierung, Versorgungsstruktur, Versorgungsprozesse und Ergebnisqualität abgesegnet. 12 strategische Ziele und 85 Maßnahmen mit klar definierten Deadlines wurden einstimmig, was Grundvoraussetzung des Prozesses ist, beschlossen und werden laufend evaluiert und per Monitoring begleitet. Auf den ersten Blick hin klingt das vielleicht nicht großartig, tatsächlich ist damit aber erstmals eine völlig neue Form politischen Verwaltungshandelns gelungen. Wenn Sie in die Zukunft blicken, wie wird sich das Spi­ talswesen wandeln, was wird passieren?

Ich glaube, dass man den riesigen Apparat auf Dauer nicht wird erhalten können – auch weil es keinen Sinn macht. Ein Spital wie Melk oder Lilienfeld z.B. wird es meinem Empfinden nach in einigen Jahren in dieser Form nicht mehr geben. Vielleicht gibt es eine Station für Akutfälle, aber nicht ein Spital in dieser Großform. Die Wahrheit ist, dass du heute mit dem Hubschrauber aus irgendeinem Tal schneller in St Pölten bist, als wenn du mit der Rettung erst hin fahren musst, den Patienten nach Lilienfeld bringst, und dann muss er aufgrund der Schwere des Falles vielleicht ohnedies weiter nach St. Pölten. Mit dem Ruf nach Reduzierungen und Schließungen findet man aber keine Freunde.

Leistung, jede OP etc. bestimmte Punkte wert ist. Anders ist das mit den Ambulanzleistungen, aber auch sie sind mit den 30% abgegolten. Die Länder suggerieren gerne, dass die Sozialversicherung finanziell am Zug sei, aber es wurde klar festgeschrieben, dass mit der LKF sämtliche Leistungen abgedeckt sind – auch der medizinische Fortschritt. Gerade die Ambulanzen entwickeln sich aber zu Kos­ tentreibern.

Die Länder sagen, die Ambulanzen sind überfüllt. Es gibt eine extreme Steigerung der Frequenzzahlen, diese Ambulanzleistungen würden aber nicht abgedeckt. Die Frequenzen draußen sind aber in den letzten Jahren stärker gestiegen. Die Sozialversicherung wiederum sagt, dass viele Leistungen, die bisher im Spital erbracht wurden einfach hinaus verlagert werden, da reden wir z.B. von präoperativer Diagnostik, Aspekten wie Dialyse u.ä. Die Zahlungen der Sozialversicherung sind aber kontinuierlich gestiegen. Aus diesem Streit heraus ist u. a. die Gesundheitsreform 2013 hervorgegangen. Seit damals sitzen erstmals Bund,

Ja, aber das System muss sich einfach auf die neuen Realitäten einstellen – die Medizin hat sich gewandelt. Es wird auch noch weiter – und sinnvollerweise – Richtung Spezialisierung gehen. Es muss nicht jedes Spital alles machen. Es ist doch bitte besser, in ein Krankenhaus zu kommen, wo man auf gewisse Dinge spezialisiert ist, die Ärzte in der Sache durch hundertfache OP’s Routine haben, als ich werde in einem Spital operiert, wo man den Eingriff nur einige wenige Male im Jahr macht. Auch die öffentliche Erwartungshaltung muss sich ändern – die Bürger müssen lernen, dass man mit Bauchweh nicht gleich ins Krankenhaus rennt, sondern zum niedergelassenen Arzt. Und es ist durchaus zumutbar, bei planbaren Routinefällen in ein spezialisiertes Krankenhaus zu fahren – denken wir nur an die Geschichte rund um die Orthopädie in St. Pölten, die aus politischen Gründen unbedingt hier gehalten werden musste. Warum? Das kann in Krems genauso gut abgewickelt werden. Warum soll in diese Belange aber Bewegung kommen, wenn sie schon jetzt bekämpft werden?

Ganz einfach, weil der Kostendruck irgendwann so MFG 06.14

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MFG URBAN

hoch werden wird, dass das System in der derzeitigen Form nicht mehr leistbar ist – und dann hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man erhöht die Steuern, was politisch schwer durchsetzbar ist, oder man passt das System an, was auch Sinn macht, denn eines will ich schon festhalten: Im System ist prinzipiell genug Geld vorhanden, es muss nur gelingen, die Fehlsteuerungen und Fehlstrukturen zu überwinden. Österreich hat doppelt so viele Spitalsbetten pro 1000 Einwohner als der europäische Schnitt. Die Aufenthalte sind viel zu hoch. Wir brauchen mehr Tagesklinische Leistungen. Diese müssen sich aber für den Spitalserhalter auch auszahlen. Ich frage mich auch, wozu ich in vielen Spitälern z.B. ein MRT (Magnetresonanztomographie) habe, das nicht ausgelastet ist, und gleichzeitig läuft ein Gerät im niedergelassen Bereich wie am Fließband. An einem großen Wurf sind aber bislang noch alle Ge­ sundheitsminister der letzten Jahre gescheitert.

Ja, weil es einerseits um viel Macht geht, zum anderen weil das 1997 eingeführte System auch so extrem verworren ist, dass es keiner mehr aufschnüren möchte. Die Auswirkungen sind nicht absehbar – du drehst an einer Schraube, die Bewegung passiert aber an gänzlich anderer, unerwarteter Stelle. DIE große Gesundheitsreform als Revolution wird es also nicht geben, wir müssen vielmehr versuchen, das System langsam zu drehen – und da liegt der Fokus ja BOWLING BILLARD CAFÉ-BAR LOUNGE SUNDECK 3100 ST. PÖLTEN, HNILICKASTRASSE 10 WWW.NXP-BOWLING.AT

nicht nur auf den Spitälern, sondern auch auf dem niedergelassenen Bereich. Wo möchte man da ansetzen?

Vor allem beim Primärversorgungssystem, wo wir mit Griechenland europaweit das Schlusslicht bilden – woran in Vergangenheit auch die Sozialversicherung Schuld trug. So wurde der Allgemeinmediziner lange Zeit als Auslaufmodell betrachtet, durch Maßnahmen der Sozialversicherung wurde der Berufsstand regelrecht ausgedünnt – viele Leistungen wurden weggenommen, der Fokus lag zu sehr auf Fachärzten und den Spitälern. Was soll anders werden?

Wir möchten PHC (Primary Health Care) Teams installieren, die aus einem Allgemeinmediziner, einer DiplomKrankenschwester und einer Ordinationsassistentin bestehen, die allesamt – so das Ideal – Partner sind und den Betrieb gemeinsam managen. In Holland, England oder auch Deutschland gibt es dazu schon erfolgreiche Beispiele – dadurch kann man viel außerhalb der Krankenhäuser abdecken. Die Krankenschwester macht zum Beispiel die Hausbesuche, nur in notwendigen Fällen kommt der Arzt hinzu. Dadurch sollte schon im niedergelassenen Bereich viel abgefangen und damit die Spitäler entlastet werden. Auch in der Ausbildung muss sich diese Aufwertung niederschlagen. Aktuell ist der praktische Arzt ja quasi ein Nebenprodukt der Facharztausbildung – jeder Facharzt ist wenn er den Turnus gemacht hat automatisch auch Allgemeinmediziner, selbst wenn er nie eine Praxis geführt hat. Der neue Ansatz sieht vor, dass es einen neunmonatigen Basisturnus für alle Mediziner gibt, und dann entscheidet man sich entweder für die Facharzt- oder die Allgemeinmediziner-Ausbildung. Zudem möchten wir eine verpflichtende Lehrpraxis einführen, wo die angehenden Allgemeinmediziner schon draußen in einer Ordination mitarbeiten, um auf später vorbereitet zu werden. Und wie steht es um die Patienten? Wäre es nicht sinn­ voll, diese im positiven Sinne zu erziehen, ein Bewusst­ sein zu schaffen, wann man zum Arzt, wann besser ins Spital geht? Warum passiert da nichts?

Zum Teil, weil einige Ideen ideologisch einfach nicht durchsetzbar sind – da findet man keinen politischen Konsens. Denken Sie etwa an die Ambulanzgebühren, die man total vermurkst hat. Selbst die Schaffung von Anreizsystemen ist politisch nicht mehrheitsfähig. Es würde doch Sinn machen, dass man z.B. die jährliche Ecard-Gebühr von zehn Euro erlässt, wenn ein Patient aktive Vorsorge betreibt.

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„Im System ist genug Geld vorhanden, es muss nur gelingen, die Fehlsteuerungen und Fehlstrukturen zu überwinden.“


TEXT: Beate Steiner | Fotos: HOLDING, NLK

Top-Abteilungen im Landesklinikum

Mit Schwerpunktsetzungen die Qualität steigern möchte der für die Spitalslandschaft zuständige Landesrat Karl Wilfing. St. Pölten wird in diesem Strukturplan eine von zwei Zentralkliniken. Dazu kommen fünf Schwerpunktkliniken und 20 regionale Krankenhäuser. Alle Standorte bieten medizinische Grundversorgung und Schwerpunkt-Stationen. Einige davon sind jetzt schon top. Die Herz-Doktoren. Herausragendes leistet Kardiologie-Primar Dr. Harald Mayr. Der Mediziner hat weltweit den ersten Cardioverter Defibrillator implantiert, der mit Magnetresonanz-Geräten kompatibel ist. Das ist eine Art Herzschrittmacher, der es erlaubt, dass Ganzkörper-Magnetresonanz-Tomographien durchgeführt werden. Das kann lebensrettend für Herzpatienten sein. Good Vibrations aus St. Pölten. Seit mehr als zehn Jahren werden in der HNO-Abteilung des Landesklinikums gehörlose Menschen „geheilt“ – mit sogenannten Cochlea-Implantaten. Rund 350 Patienten werden hier pro Jahr Hörimplantate eingesetzt. Auch Kinder können mit diesen Cochlea-Implantaten hören lernen und ein fast normales Leben führen. Die Abteilung von Primarius Georg Sprinzi, österreichweit die größte ihrer Art, arbeitet mit niedergelassenen Hörakustikern zusammen. Das „fliegende Team“ der ersten Med. Das Dialyseteam versorgt schwerkranke Menschen in ihren eigenen vier Wänden – das ist einzigartig im zentraleuropäischen Raum. „Wir wollten den Patienten eine humane Form der Dialyse anbieten, ohne sie noch zusätzlich zu ihrem Leiden belasten zu müssen“, sagt Oberarzt Dr. Martin Wiesholzer, der die Idee zur Heim-Dialyse hatte. Denn: „Für mobile Menschen ist die Dialyse meist kein so großes Problem. Sie fahren ins Krankenhaus, nach der Behandlung wieder nach Hause. Aber bei bettlägerigen Patienten sieht das anders aus: Sie müssen abgeholt, auf ein Bahre verfrachtet und ins Krankenhaus transportiert werden. Nach der Dialyse das gleich noch einmal, das ist beschwerlich und unmenschlich, wenn jemand am Ende seines Lebens so etwas durchstehen muss.“ Wiesholzer wollte eine humane Form der Dialyse anbieten. „Wir möchten Patienten dort betreuen, wo es für sie am besten ist“, so der Oberarzt, der mit dieser Methode den Kranken mehr Lebensqualität bietet. Uni-Klinik. Das St. Pöltner Spital ist nicht nur Zentralklinikum, sondern im Verbund mit Krems und Tulln nunmehr auch offizielle Universitätsklinik, wo es als Ausbildungs- und Forschungsstätte für die Kremser Karl Landsteiner Privat-Universität fungiert.

3. Medizinische Abteilung. Karl Wilfing (Mi.), zuständiger Landesrat, ist stolz auf den Herzspezialisten Dr. Harald Mayr (r.)

Cochlea. Dr. Georg Sprinzi, HNO-Primar im Klinikum St. Pölten.

Mobile Dialyse. Oberarzt Dr. Martin Wiesholzer und sein

Team ermöglichen mit der mobilen Dialyse Patienten ein angenehmeres Leben.

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TEXT: SASCHA HAROLD | Foto: FRESHIDEA/Fotolia.com

VIP Parkplatz für alle

„Fühle dich wie ein VIP“ – so könnte der Slogan für das neue Parkhaus beim Bahnhofsplatz lauten, so es einmal fertig wird. Die Kosten sind von ursprünglich geschätzten 10,5 Millionen Euro auf unglaubliche 16 Millionen explodiert. Ein Stellplatz kostet somit rund 22.000 Euro. Konsequenzen? Fehlanzeige.

D

ass Bauprojekte mehr kosten, als der ursprüngliche Plan es vorsieht, ist mittlerweile ärgerliche Praxis. In die Liste dieser Vorhaben reiht sich nunmehr auch das Parkdeck beim Bahnhof St. Pölten. Die erste Erwähnung des Projektes findet sich in einem Gemeinderatsbeschluss vom Februar 2011, damals war noch von rund zehn Millionen Euro Gesamtbaukosten die Rede – ein Trugschluss wie sich herausstellen sollte, denn 2013, zum eigentlichen Baustart, betrugen die kolportierten Kosten für das Deck bereits 12,7 Millionen Euro. Der Baustart wurde dennoch ohne weitere Debatten beschlossen, die Stadt St. Pölten sollte sich mit 20 Prozent an der Gesamtsumme beteiligen – der Rest wird zwischen ÖBB und Land Niederösterreich aufgeteilt. So weit, so mäßig. Ein Jahr später dann das böse Erwachen. Die Projektkosten betragen inzwischen unglaubliche 16 Millionen Euro, die Stadt soll davon sechs Millionen 22

tragen, das sind 37,5 Prozent des Gesamtbetrages! Umgerechnet kommt ein Parkplatz im neuen Parkhaus damit auf fast 22.000 Euro – damit werden anderswo schon fast Tiefgaragen gebaut! Stellt sich die Frage, wie es zur Kostenexplosion von über 25% (gegenüber 2011 sogar 35%) kommen konnte? Die ÖBB, einerseits Errichtungspartner, mit der ÖBB Infrastruktur AG zugleich aber auch fürs Baumanagement zuständig, lässt über Mario Brunmayr ausrichten: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die ursprüngliche Kostenschätzung auf Basis einer Projektstudie erfolgte, aus der die Komplexität des Bauvorhabens nicht im vollen Umfang ersichtlich war.“ Die Realität habe dann notwendig gemacht, sämtliche Einbauten umzulegen, zudem hätten archäologische Funde und eine Fliegerbombe den Bau verzögert und damit verteuert. Argumente, die Gemeinderat Mario Burger (VP), hauptberuf-

lich Sachverständiger für Bauwesen, nicht gelten lässt angesichts einer Erhöhung um 3,3 Millionen Euro: „Der Risikoplan wurde mangelhaft gemacht!“, stellt er trocken fest. Auch vonseiten der Opposition hagelt es Kritik. Nicole Buschenreiter etwa hält die „lasch angegangene Budgetierung“ für fragwürdig. Im Magistrat wiederum sieht man sich nicht in der Pflicht: „Es ist festzuhalten: Die finanzielle Verantwortung für das Projekt lag nicht in der Verantwortung der Stadt“, so Heinz Steinbrecher vom Medienservice. Auch die Umverteilung im Kostenschlüssel hat andere Gründe: „Die 20 Prozent gelten für die oberen Decks, die für Park & Ride reserviert sind. Die Stadt hat sich aber im Erdgeschoß ein City-Parkdeck gewünscht, als Ersatz für die Kurzparkplätze, die im Zuge der verkehrlichen Neuorganisation der Bahnhofplätze weggefallen sind“, so Pressesprecher Martin Koutny. Diese Kosten hätten nicht zur jetzigen Erhöhung beigetragen. Für Burger ist die Sache jedenfalls klar: Grobe Verfehlungen des ÖBB-Baumanagements seien Schuld an den unerwarteten Kostensteigerungen, eine eingehende Analyse unumgänglich, was der Gemeinderat auch beschlossen hat – sofern das Land dem zustimmt. Derweil schluckt man – wie es im Volksmund so schön heißt – die Krot, die noch dazu doppelt bitter schmeckt, da das Baumanagement an der Gesamtsumme des Bauvorhabens prozentuell beteiligt ist. Kurzum, wie es Burger treffend formuliert: „Wir zahlen also für die miese Leistung des Baumanagements doppelt.“ Und eine Frage muss sich der Gemeinderat gefallen lassen: Auf welcher Basis werden Projekte dieser Größenordnung durchgewunken? Reichen „Projektstudien“ wirklich aus, oder leistet man aufgrund von Schnellschüssen, die Zeit- und Beschlussdruck erzeugen, nicht derartigen Fehlkalkulationen Vorschub? Von Konsequenzen auf Seiten des ÖBB-Baumanagements ist übrigens nichts bekannt ...

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Fräulein RauschS Gespür für Politik Seit dem Ausscheiden Willi Stiowicks aus dem NÖ Landtag 2008 war kein St. Pöltner mehr im Landesparlament vertreten. Bettina Rausch hat diese Sedivakanz nunmehr beendet. Nachdem sie bereits 2013 in den Landtag zog, hat sie mittlerweile auch ihren Hauptwohnsitz in die Hauptstadt verlegt. Wir trafen die junge ÖVP Politikerin in ihrem Stammlokal „Café Emmi“. Sie sind gebürtige Scheibbserin, nun aber nach St. Pölten gezogen – warum?

St. Pölten war schon länger einer meiner Lebensmittelpunkte. Ich arbeite hier seit drei Jahren als Assistentin der kaufmännischen Geschäftsführung, Niederösterreichische Landeskliniken-Holding, Anm. und hatte auch durch die politische Tätigkeit immer mein Büro hier. So kam es, dass ich hier auch alltägliche Besorgungen machte. Irgendwann habe ich den Wohnsitz quasi dem Leben nachgezogen. Ich habe hier alles, was ich täglich brauche. Und dass Wien vor der Haustür liegt, ist natürlich auch ein Riesengewinn. Wie haben Sie früher – quasi von außen – die Stadt und ihr Image wahrgenommen?

Ich habe St. Pölten gar nicht so gut gekannt, bin in Melk in die Schule gegangen, und auch eher dort fortgegangen. Einkaufen waren wir in Amstetten oder Krems, weil meine Eltern dort studiert haben. St. Pölten war eher so eine Stadt auf den zweiten Blick und ist erst durchs Berufliche immer mehr in mein Blickfeld gerückt. Ich habe die Stadt nach und nach entdeckt, und es steckt in St. Pölten mehr als man auf den ersten Blick hin vermutet. Kommen wir zum Politischen: Welche Aufgaben und Anliegen 24

haben Sie im Landtag?

Ich bin hauptsächlich im Bildungsausschuss, das ist ein Thema, das mich auch die letzten Jahre begleitet hat und das ich sehr spannend finde. Als Ersatzmitglied bin ich zudem im Kulturausschuss – aber mein Fokus liegt eindeutig auf Bildung. Dabei geht es mir hauptsächlich um das Thema Kindergarten. Man redet bei Bildung zwar immer recht viel über Hauptschule/Gymnasium, aber ganz wichtig – und daher mein Thema – ist die frühkindliche Bildung, weil

die der Schlüssel für alles andere ist. Deshalb ist auch Spracherwerb so wichtig! Wo es dann wieder um Integration geht.

Auf jeden Fall! Ich habe Sebastian Kurz die letzten Jahre intensiv begleitet, und einer der Schwerpunkte war das Thema „Spracherwerb“. Die Bildungschancen werden schon im Kindergarten entschieden. Es hat ein Pilotprojekt namens „Diese Schritte gehen wir gemeinsam“ gegeben, bei


TEXT: SIEGRID MAYER | Fotos: Hermann rauschmayr

dem vor allem die Hemmschwelle bezüglich Kindergarten abgebaut werden soll. In der zweiten Phase geht es darum, dass man die Einschreibfrist für den Kindergarten verlängert, damit sich Eltern auch später dafür entscheiden können. Das zeitigt gute Erfolge – also ohne Zwang vorzugehen, sonst erreicht man nichts. Was ich schade finde ist, dass die Stadt St. Pölten nicht dabei ist. Ich habe mir das ausheben lassen, es hat einen Antrag gegeben, aber die Stadt wollte da nicht mit.

tei auf das ganze Land schauen muss und dadurch eine weitere Bandbreite an Themen hat, während die Stadtpartei auf ihres schaut, und dass es sich da vielleicht manchmal in der Emotion und Leidenschaft für die Sache reibt, das finde ich ganz ok. Dann ist wenigstens Leidenschaft da! Also ich bin jedenfalls sehr herzlich aufgenommen worden, und ich bin ja auch eine vom „Land“ (lacht), wir haben uns erst gestern gesehen, alles gut.

Als Neo-St. Pöltnerin: Wie werden Sie die Landeshauptstadt auf Landtagsebene vertreten?

Die ÖVP war für mich eine Liebe auf den zweiten Blick. Ich komme aus einem politischen Elternhaus: Mein Vater war in der ÖVP, dann Bürgermeister – eine klassische Laufbahn. Ich fand das aber nicht sehr attraktiv, denn für uns bedeutete das „der Papa ist nie daheim“, und wenn er einmal daheim war, dann war er oft gestresst oder hat uns Arbeit da gelassen, Dinge in Kuverts einsackeln und so Sachen. Da habe ich für mich gedacht: „Na, das kann es aber gar net sein!“ Ein paar Jahre später habe ich aber einige Leute aus der jungen ÖVP kennengelernt und habe beim Jugendmagazin mitgearbeitet. Und so hat sich das ergeben, wie man halt so einsteigt in die Politik, in die Jugendarbeit. Und da ist etwas, das uns verbindet, das sind wahrscheinlich Werte, wiewohl das Wort überstrapaziert ist. Das ist mein Weg, auch wenn ich nicht alles unterschreiben kann und nicht immer alles eitel Wonne ist, aber auch innerhalb der Organisation gehört Reibung dazu.

Als Landtagsabgeordnete kann ich natürlich mit der Erfahrung, die ich habe, Ideen, die mir zugetragen werden, unterstützen. Für mich ist z.B. städtisches Wohnen sehr wichtig, ein Lebensmodell der Zukunft, das aus vielerlei Gründen auch sehr ökologisch ist. Mit der Ressource „Bodenfläche“ wird in einer Stadt viel ökonomischer umgegangen, auch der Verkehr kann reduziert werden, wenn man städtisch wohnt. Da sehe ich Anknüpfungspunkte für mein Tun. Gibt es also ein konkretes Projekt, das mir sehr wichtig ist? Ja, „Junges Wohnen“! Lebendige Städte brauchen junge Leute, die dort auch wohnen, und zwar in einem Wohnraum, der zu ihnen passt. Und da finde ich gut, dass die Stadt was macht: In der Tauschergasse in Viehofen werden gerade 24 Wohneinheiten errichtet, die der Bürgermeister verkündet hat. Was aber klar ist: 24 Wohneinheiten werden nicht reichen. Sie sind jetzt auch im Bezirksparteivorstand der ÖVP vertreten: Werden Sie versuchen, die Bande zwischen Stadt ÖVP und Landes ÖVP zu stärken?

Es ist selbstverständlich auch meine Aufgabe Vermittlerin zwischen den Ebenen zu sein, wobei ich da nicht so großen Handlungsbedarf sehe: Es gibt eine gute Vernetzung! Es können natürlich nicht immer alle einer Meinung sein, aber dass eine Landespar-

Wie kam es eigentlich zur Entscheidung für die ÖVP?

überlegt, ob ich z. B. meine Adresse ins Internet stellen soll, aber ich bin als ganzer Mensch in der Politik, ich kann mich da nicht herausnehmen und sagen: das ist die öffentliche Bettina und jetzt bin ich privat. Ich versuche auch kein Image zu pflegen. In der Generation vor uns war es sicher noch so, dass man als Politiker die öffentliche Person stärker in den Vordergrund gestellt hat. Ich habe gehört, dass Kurz auf bestimmte Events (z.B. Opernball) verzichtet, damit man ihm nicht vorwerfen kann, er würde nur repräsentieren.

Es geht darum, authentisch zu sein, und um das Gespür, in welchen Settings man sich wohlfühlt. Das heißt jetzt nicht, dass ich kategorisch Termine ablehne, aber wenn ich die Wahl habe, werde ich eher dorthin gehen, wo ich mich bewegen kann. Und das merkt man auch bei Sebastian sehr gut: Er hat ein Gespür dafür, wie man sich wo verhält. Einmal – und das gehört dazu als öffentliche Person – wird man sich inszenieren, das andere Mal eher im Hintergrund agieren, wo es ganz ohne Fotos abgeht. Ich glaube, wenn man dieses Gespür sowie ein gutes Umfeld hat, dann ist man gut beraten.

Wie beurteilen Sie die generelle Politik(er)wahrnehmung durch die Bevölkerung?

Die Entscheidung in die Politik zu gehen habe ich sehr bewusst getroffen, und da komme ich auch gleich zum Ende der Frage: Wie kann man einem negativen Image, das es gibt, entgegentreten? Ich glaube, es geht nur durch persönliches Beispiel! Wenn man etwas ändern will, muss man es auch anders machen. Es ist mir wichtig, angreifbar zu sein. Ich habe lange MFG 06.14

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Der lange Schatten Vor nunmehr zehn Jahren erfuhr das Priesterseminar in St. Pölten zweifelhaften Ruhm: Homosexuelle Handlungen, die „Bubendummheiten“ (Zitat Kurt Krenn) oder beschlagnahmte Computer hatten ein riesiges Medienecho zur Folge. Doch was ist seither geschehen?

I

m Jahr 2004 flog der Skandal auf: Auf dem Computer des Priesterseminars St. Pölten waren tausende Fotos mit pornografischem und kinderpornografischem Inhalt heruntergeladen worden, außerdem sollen homoerotische Partys stattgefunden haben. Ermittler fanden damals, wie „Profil“ berichtete „40.000 Fotos sowie zahlreiche Filme mit teils abartigen Sexdarstellungen in den Zimmern angehender Gottesdiener.“ Dabei sollen Jungpriester „in perversen Situationen, teils mit ihren Vorgesetzten, zu sehen“ sein. Auch ein Foto veröffentlichte das Nachrichtenmagazin, auf dem Regens Ulrich Küchl einem be26

kleideten Mann zwischen die Beine zu greifen scheint. Der Regens bekämpfte die weitere Verbreitung des Fotos gerichtlich erfolgreich und sprach dahingegen von „Verleumdung in den Medien“, all dies seien Lügen seiner Feinde. Zwar stritt er die Existenz der Fotos nicht ab, wohl aber deren Interpretation als homosexuelle Handlung. Küchl erklärte eidesstattlich, „die behaupteten sexuellen Handlungen nie gesetzt zu haben“ und auch sein Subregens Wolfgang Rothe, dem ebenfalls eine Verwicklung unterstellt worden war, ließ wissen: „Weder haben die Verfehlungen je stattgefunden, noch entsprechen die übrigen Anschul-

digungen auch nur ansatzweise der Wahrheit.“ Dennoch legten Küchl und Rothe in Folge ihre Ämter zurück, und auch Bischof Kurt Krenn, der die Affäre einmal mit „Bubendummheiten“ abtat, trat im Herbst 2004 offiziell „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück. Der zuvor in der Causa vom Vatikan als apostolischer Visitator eingesetzte Feldkircher Bischof Klaus Küng wurde im Herbst desselben Jahres zu Krenns Nachfolger als Bischof von St. Pölten bestellt. Aufgrund des Todes des emeritierten Weihbischofs Fasching Anfang Juni, konnte Bischof Klaus Küng leider aktuell nicht zu seinen damaligen Erfahrungen Stellung nehmen.


TEXT: Gotthard Gansch, SIEGRID MAYER | Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR, DIÖZESe/ZVG

Dabei hatte die Affäre schon im Herbst 2003 mit dem Tod eines Seminaristen ihren Ausgang genommen. Bischof Küng wird dazu auf kath.net folgendermaßen zitiert: „Wer seine (die des Seminaristen, Anm.) Geschichte kennt, ist beeindruckt und fragt sich, was hier wohl passiert ist, dass jemand, der von mehreren Stellen wegen mangelnder Eignung zum geistlichen Beruf abgewiesen worden war, im Seminar St. Pölten mit offenen Armen aufgenommen wurde.“

habe aber auch Vorteile, wie Paul Zulehner, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Uni Wien, damals zu denken gab: Die Organisationsentwicklung dränge gerade in so sensiblen Fragen zur Entschleunigung, denn das garantiere auch eine langfristig haltende Lösung. Damit könne der Erneuerungskurs in der österreichischen Kirche fortgesetzt werden. Zu den konkreten Vorfällen im Priesterseminar meint wiederum Feichtlbauer: „Im Priesterseminar hat es sich um einvernehmliche sexuelle Beziehungen unter Verzögerung, BeschöErwachsenen gehandelt – nigung, Verniedlichung. die waren und sind zwar Der renommierte Journalist kirchenrechtlich streng verHubert Feichtlbauer (Kuboten, im staatlichen Strafrier, Die Furche, SN u.a.), gesetz aber nicht mehr. erinnert sich: „Erstaunlich FOLGEN. Altbischof Daher taten sich auch geKrenn (†) trat 2004 war das sehr unprofessio- Kurt sellschaftspolitisch aufgezurück. nelle Behandeln der Theschlossene Krenn-Kritiker matik durch den privat den Medien schwer: Sie konnten dem Bischof nur gegenüber durchaus professionell dessen Inkonsequenz im innerkirchauftretenden Bischof: Versuche der lichen Sinn vorwerfen, nicht aber in Verzögerung einer umfassenden der Sache selbst, dass er Sex im SemiStellungnahme, Beschönigung, Vernar geduldet habe, da ja Aufhebung des Pflichtzölibats für Weltpriester niedlichung als ‚Bubenstreiche‘. Das zum Kernbereich innerkirchlicher war offenbar auch dem Vatikan zu Reformforderungen gehört.“ viel und er erzwang Krenns Rücktritt. Den Bischof hat diese Entwick„Pastoraler Supergau“. Zulehner lung erkennbar schwer getroffen, er sprach damals vom „pastoralen Sufühlte sich nun offenbar von allen pergau“, und dass man bereits präSeiten bedrängt und verraten.“ Das ventiv handeln müsse, wie etwa langsame Reagieren des Vatikans

Personen Propst Ulrich Küchl (* 22. November 1943 in Königsberg) ist ein österreichischer Komponist, der u.a. bei Gottfried von Einem studierte. Der römisch-katholische Priester war von 1976 bis 2008 der 46. (mittlerweile emeritierte) Propst des Stiftes Eisgarn. Von 2001-2004 war er Regens des St. Pöltner Priesterseminars. Dr. Wolfgang Rothe, ehemaliger Subre-

gens unter Ulrich Küchl ist mittlerweile Kurat in München. Eine Stellungnahme des Erzbis­tums München dazu lautet: „Dieser Einsatz von Dr. Rothe erfolgt probeweise, befristet und unter fachlicher Hilfestellung. Er gehört weiterhin zur Diözese St. Pölten und wird mit Zustimmung von Erzbischof Marx zunächst probeweise für ein Jahr in einem Seniorenheim der Pfarre St. Michael in München tätig sein. Bischof Küng erklärt, er halte es für richtig, einem Priester, der guten Willens ist, eine Chance zu geben.“

Remigius Robert Rabiega, ehemaliger

Seminarist und an der Aufklärung der Causa Priestersseminar 2004 beteiligt, betreibt mittlerweile die Eventagentur „Bestmanagement“ und lebt im Raum St Pölten.

Dr. Anton Leichtfried war seit 2000 Spiritual am gesamtösterreichischen Propaedeuticum (Vorbereitungsjahr für Priesteramtskandidaten) in Horn. 2006 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Titularbischof von Rufiniana und zum Weihbischof in der Diözese St. Pölten ernannt. Seit 4. März 2005 ist er Regens des Priesterseminares. Dr. Kurt Krenn wurde am 11. Juli 1991

durch Johannes Paul II. zum Bischof der Diözese St. Pölten ernannt. Am 29. September 2004 legte er auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. im Zuge der Causa Priesterseminar das Bischofsamt zurück, ohne jedoch die Vorwürfe jemals zu bestätigen. Er lebte von der Öffentlichkeit zurückgezogen und starb am 25. Jänner 2014 nach langer Krankheit in der Pflegestation des Klosters der Dienerinnen der Immaculata in Gerersdorf bei St. Pölten.

DDr. Klaus Küng wurde 1989 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Feldkirch ernannt. 2004 kam er als Apostolischer Visitator zur Causa Priesterseminar in die Diözese St. Pölten und wurde im Oktober 2004 zum Nachfolger von Bischof Kurt Krenn zum Bischof von St. Pölten ernannt. Papst Benedikt XVI. bestätigte 2008 die von Küng gegenüber Küchl und Rothe verhängten Kirchenstrafen und sämtliche getroffenen Sicherungsmaßnahmen seelsorglichen definitiv. Bischof Küng ist Mitglied der Kongregation für den Klerus und Konsultor des Päpstlichen Rates für die Familie.

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vorab eine Feststellung der psychosexuellen Reife: „Als ich 1967 bis 69 in der Leitung des Priesterseminars in Wien war, war vor der Weihe immer auch ein Gespräch zwischen dem Weihekandidaten und einer Psychologin angesetzt worden. In dieser Hinsicht ist noch Entwicklungsbedarf. Es wäre auch zu prüfen, ob ins Leitungsteam eines Priesterseminars nicht auch Frauen berufen werden sollten.“ Diverse Affären hinterlassen dabei ihre Spuren: „Die Ansprüche an die Priesterausbildung sind nicht nur wegen Vorkommnissen rund um Homosexualität, sondern auch wegen des Missbrauchs von Kindern durch Priester angehoben worden. Es gibt vom Vatikan neue Richtlinien und bei den verantwortlichen Bischöfen im Land eine neue Sensibilität.“ Der Neuanfang. Zehn Jahre nach Auffliegen des Skandals hat sich einiges geändert. Altbischof Krenn ist Anfang dieses Jahres nach langer Krankheit verstorben, Ex-Subregens Rothe darf seit November 2013 nach längerer Zeit der Besinnung in Perlach bei München wieder Messen halten, das Berufsverbot wurde aufgehoben wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Die Priesterausbildung in St. Pölten wurde mit Eisenstadt und Wien aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen zusammengelegt und vollzieht sich nun in der Bundeshauptstadt.

Interview Remigius Rabiega

» St.Pölten ist kein Thema mehr MFG plauderte mit dem ehemaligen Priesterseminaristen und heutigen Eventmanager Remigius Rabiega über die Vorgänge von damals. Wie haben Sie Ihre kirchliche Laufbahn eingeschlagen? Ich war immer schon aktiv in der Kirche engagiert. Die österreichische Bischofskonferenz führte damals das einjährige Propädeutikum ein, in dem man sich vor dem Theologiestudium in Bibelschulung und psychologischer Auseinandersetzung auf Eignung zum Priesterberuf prüfen soll. Ich habe es als tolle Erfahrung erlebt. Im Alter von 26 kam dann die, mit dem nunmehrigen Weihbischof Leichtfried als geistigem Begleiter abgesprochene Entscheidung zum Priesterseminar St. Pölten.

Wie war der Einstieg ins Priesterseminar? Der damalige Regens Küchl und Subregens Rothe haben versucht, dort eine Art „HomoLobby“ aufzubauen. Es gab Saufgelage und sexuelle Beziehungen zwischen Regens oder Subregens und Seminaristen. (Die Genannten bestreiten die Duldung von Homosexualität unter ihrer Leitung sowie insbesondere die aktive Verwicklung, Anm. d. Red.) Auf dem Computer wurde pornografisches Material gefunden, wofür derjenige dann auch verurteilt wurde. Etwa 25% der Seminaristen des Hauses waren dabei und haben sich abgeschottet. Mein erster Gedanke war: „Das geht net“, es gab aber vorher Versuche alles intern zu regeln, denn innerkirchlich haben es viele gewusst. Es gab viele Gespräche mit Bischof Fasching, Schönborn, Leichtfried bis zum Nuntius. Auch Schönborn hat in Rom berichtet.

Wie haben Sie die Situation der Seminaristen empfunden? Es war eher Machtmissbrauch, aber kein sexueller Missbrauch in dem Sinne, da alle Teilnehmer gerne und freiwillig dabei waren. Deshalb hat alles auch so lange gedauert. Krenn hatte gute Kontakte nach Rom, wahrscheinlich viel Einfluss. Ich war der Buhmann, weil ich mit Krenn-Gegnern Kontakt aufnahm. Es wurde gemeldet, aber es war keine Änderung zu spüren. Dann ist „Material aufgetaucht“ und damit sind wir dann an die Medien (u.a. Profil, News, ARD, Anm. d. Red.). Danach kamen tausende von Drohbriefen von Krenn-Anhängern. In diesem Chaos war ich, als „größter Feind des Seminares“, fertig und enttäuscht, habe bei Emmaus Unterschlupf und auch Arbeit gefunden.

Warum haben Sie sich nach den Vorfällen gegen den Priesterberuf entschieden? Die Erfahrung war so schlimm, dass ich etwas anderes machen wollte. Aber ich kann immer noch nicht ganz ausschließen, Priester zu werden. Die Erfahrung in der sozialen Arbeit hat mir viel Freude gemacht, ab 2009 habe ich dann aber mit Bestmanagement begonnen, was mittlerweile mein Hauptberuf ist.

Sie sind selber bekennend schwul, seit wann war Ihnen das bewusst? Meine sexuelle Orientierung war mir selber sehr früh bewusst, ich stehe auf Männer, lebe in einer Beziehung im Raum St. Pölten. Aber Conchita Wurst ist großartig, die Kunstfigur hat mit dem Song Contest und der Botschaft Toleranz eine unglaubliche Macht. Deshalb ist die Ö3 Info Kampagne auch so wichtig, gerade hier im katholischen und ländlichen Milieu haben viele jungen Menschen Angst sich zu outen.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu ehemaligen Seminarkollegen? NEUSTART. Weihbischof Dr. Anton Leichtfried ist seit 2005 Regens des Priesterseminars.

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St. Pölten ist kein Thema mehr!


Der lange schatten

Stadt-Leben

Beate

mitten in der Stadt, mitten in der Diözese, mit vielen Möglichkeiten!“ Regens Dr. Anton Leichtfried

Weihbischof Anton Leichtfried, der im März 2005 die Leitung des Priesterseminars in St. Pölten übernommen hat, erinnert sich: „Mir und Bischof Klaus Küng war klar: Es geht um einen Neustart, eine neue Leitung. Und ein bescheidenes Bewusstsein, worum es geht: Priester sein, da braucht es bestimmte menschliche Voraussetzungen, eine gute Einstellung und einen gesunden, tiefen Glauben. Es ist ja ein wunderbarer, für mich der schönste Beruf, Priester und Seelsorger zu sein: Ich begleite Menschen in den schönsten und schwierigsten Momenten des Lebens, am Beginn des Lebens, an entscheidenden Knotenpunkten und auch in den schwierigsten Momenten wie Krankheit und Tod. Papst Franziskus zeigt uns, wie man mit Ehrlichkeit, Einsatz und Bescheidenheit helfen kann!“ Die Diözese St. Pölten stellte in den letzten Jahren jeweils etwa zehn bis zwölf Priesteramtskandidaten, „das entspricht dem Schnitt für Öster-

reich“, im gemeinsamen Seminar mit Eisenstadt und Wien sind es etwa 40. In St. Pölten besteht nach wie vor die Philosophisch-Theologische Hochschule mit Ausbildung für Religionspädagogik und diverse pastorale Berufe, etwa in der Pfarre oder im Krankenhaus. Die Aussichten sind, so Leichtfried, positiv: „Dieses Jahr werden drei Seminaristen zu Priestern geweiht. Nächstes Jahr gibt es auch drei Kandidaten, und es haben sich vier Bewerber für das neue Studienjahr gemeldet.“ Das Gebäude selbst werde vielfältig genutzt, es gebe eine „sehr gut sortierte öffentliche Fachbibliothek, die für alle frei zugänglich ist.“ Weiters fänden Orgelunterricht im Rahmen des Konservatoriums für Kirchenmusik, Fortbildungen, Hochschullehrgänge, Veranstaltungen für Pfarrgemeinderäte sowie öffentliche Vorträge statt: „Es ist ein Haus der Berufung, der Bildung und der Begegnung mitten in der Stadt, mitten in der Diözese, mit vielen Möglichkeiten!“

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Foto: Josef Vorlaufer

PRIESTERSEMINAR HEUTE. „Es ist ein Haus der Berufung, der Bildung und der Begegnung

Diese Stimmung! Das hat die City noch nicht gesehen. So viele bestens gelaunte Stadtbesucher und –bewohner, die sich durch die Fußgängerzone wuzeln. Kein Sitzplatz frei in den Schanigärten der Cafés, Bars, Restaurants. Saftig-rote Erdbeeren, grüner und weißer Spargel, knackiger Salat und bunte Blumen von den Marktstandln auf dem Domplatz finden reißenden Absatz, und natürlich auch die neuesten und heißesten Informationen und Gerüchte. Die Bäckerei am Herrenplatz ist schon fast ausverkauft. Das alles an einem normalen sonnigen Samstagvormittag. Eigentlich an einem fast normalen, weil durch zahlreiche Feste, Events, Veranstaltungen aufgepeppten Samstag: Ironmänner und Ironfrauen aus nah und fern erkunden vor dem sonntägigen Triathlon die barocke Innenstadt von St. Pölten, am Rosenmarkt auf dem Rathausplatz gibt’s nicht nur Blumenschönheiten, sondern im Hochzeitszelt auch Tipps für den schönsten Tag des Jahres. Und rundum tummeln sich mit Kameras bewaffnete Fotomarathon-Teilnehmer auf der Suche nach Motiven. Eines baut sich direkt vor den Linsen auf: Jakob Prandtauer alias „Harlekin“ Werner Sandhacker führt als barocker Baumeister über die belebten Plätze, Gassen, Straßen der Altstadt. In der zum Beispiel mit dem Rad kein Durchkommen ist – zu viele Fußgänger vor Ort. Wie die wohl alle hierher gekommen sind? Hab ich schon erwähnt, dass die fröhlich die Innenstadt genießenden Menschen nicht am Domplatz geparkt haben? Weil das gar nicht möglich war – statt der starr-stumm-stehenden Vierradler sind dort nämlich Zweihaxler herumgeschwirrt. Und trotzdem waren in der Metropol-Garage an diesem Samstag Vormittag jede Menge Stellplätze frei. Sagt da noch einer, dass „wir“ den Domplatz als Parkplatz brauchen, weil sonst die City stirbt?

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STÜRMISCHE ZEITEN Rote und schwarze Gemeindevertreter wünschen sich eine landesweite Windradsteuer. Profitieren sollen von der neuen Abgabe vorrangig die Gemeinden, so deren Vision. Neu ist auch ein Zonenplan zur Beschränkung der Bauflächen für Windräder.

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ie Gemeinden haben Geldnot und beklagen, dass sie Zusatzaufgaben von Bund und Ländern übertragen bekommen haben. „Um diese Qualität aufrechterhalten zu können, braucht es neue Einnahmen“, so Rupert Dworak, Bürgermeister von Ternitz und Präsident des SPÖ-Gemeindevertreterverbandes zur „Presse“. Diese zusätzlichen Einnahmen sollen auch Windräder liefern: Gemeindevertreterverbände der SPÖ und ÖVP VOLLE KRAFT VOR­AUS. 2015 sollen 20 Windräder 77% des Haushaltsstrombedarfes in St. Pölten abdecken.

wünschen sich nun eine Abgabe pro Windrad, die je nach Größe und Leistung bemessen wird, aber durchschnittlich 30.000 Euro bringen soll. Berappen soll dies der Betreiber des Windrades. Die Steuer soll zwar vom Land eingehoben werden, aber fast zur Gänze an die Gemeinden weitergeleitet werden. Fließen soll das Geld gestaffelt an Gemeinden mit Windkraftanlagen, danach an deren Nachbargemeinden und dann nach dem Gießkannenprinzip an alle Gemeinden. Niederösterreich ist dabei das Bundesland mit den meisten Windkraftanlagen: Im Jahr 2012 waren das 410 der 763 bundesweiten Anlagen. Den überwiegenden Anteil steuert dabei das Weinviertel bei, so standen im Jahr 2012 in den Bezirken Gänserndorf 133, in Mistelbach 85 und in Bruck an der Leitha 82 Anlagen. Dort herrschen auch sehr gute Windbedingungen. Im Bezirk St. Pölten Stadt stehen 16, in St. Pölten Land 31 Anlagen (2012). Niederösterreichischer Zonenplan. Die Zahl der Windräder soll sich laut „NÖ Energiefahrplan 2030“ in Zukunft auf 950 erhöhen, um den Anteil an erneuerbarer Energie zu steigern. Damit ist insofern auch gesichert, dass die Abgabe zukünftig steigt. Für neue Windräder gibt es nun jedoch nur noch 68 eigens vorgesehene Flächen, die durch den kürzlich beschlossenen niederösterreichischen Zonenplan festgesetzt wurden: So sind 1,5% der Landesfläche für tauglich befunden worden, um dort Windräder zu errichten. Damit soll der Wildwuchs an Windrädern gestoppt werden und Rechtssicherheit geschaffen werden. In St. Pölten wurden die bereits beabsichtigten Windräder im St. Pöltner Biratal an der nordöstlichen Gemeindegrenze berücksichtigt, darüber hinaus verfügt die Stadt über keine weiteren Eignungszonen im Landeskataster. Für St. Pölten ändere sich aber nichts, wie man seitens der Stadt anmerkt, weil andere Flächen auch bereits jetzt nicht zur Verfügung stehen: „Das wäre aber auch aufgrund der

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TEXT: Gotthard Gansch, Anne-Sophie Settele | Fotos: vencav/Fotolia.com, zVg

ohnehin geltenden gesetzlichen Bestimmungen (festgelegte Abstandsbestimmungen zu Wohnbauland) des NÖ Raumordnungsgesetzes 1976 idgF. nicht möglich.“ So sollen Anfang 2015 vier zusätzliche Windkrafträder in St. Pölten den Betrieb aufnehmen, und mit den bereits 16 bestehenden Anlagen 77% des Haushaltsstrombedarfes abdecken können. Der Ruf als Windhauptstadt – man hat die meisten Windräder unter allen Landeshauptstädten – sei durch die geplante Windradabgabe auch nicht gefährdet, wie Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) ausführt: „Wir dürfen uns zu Recht bereits als ‚Windhauptstadt Österreichs‘ bezeichnen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich in naher Zukunft daran etwas ändern wird, im Gegenteil wird es immer schwieriger werden, zukünftig in Stadtgebieten Anlagen zu errichten.“ Keine Preissteigerung. Für die St. Pöltner solle sich aber durch eine eventuell kommende Windradabgabe nichts ändern, vor allem keine Preissteigerung, wie Stadler weiter ausführt: „Ich denke, dass eine Besteuerung kontraproduktiv wirken kann – dies hängt natürlich von der Höhe ab. Eine Abwälzung auf den Endkunden sollte dann aber nicht stattfinden, da der Einspeisetarif ja über das Ökostromgesetz geregelt wird. Das heißt, die Betreiber können den Preis nicht willkürlich in die Höhe schrauben. Es könnte aber bedeuten, dass es sich nicht mehr rechnet eine Anlage zu bauen.“ Einen Konflikt aus seiner Doppelfunktion als Bürgermeister und Landesparteivorsitzender sehe er nicht: „Nach meinem letzten Wissensstand ist es nicht vorgesehen, bereits errichtete Anlagen im Nachhinein zu besteuern.“ Alles rechtens? Für die rechtliche Absicherung hat der Gemeindevertreterverband der VP NÖ den Finanzrechtsprofessor Otto Taucher um Prüfung gebeten. Sein Fazit lautet: „Die geplante NÖ Windenergieanlagenabgabe würde – bei entsprechender Ausgestaltung der Einzelregelungen (Tatbestandselemente) – weder höherrangigem nationalen Normenmaterial noch vorrangigem Unionsrecht widersprechen.“ In Deutschland hatten Städte wie Luckau (Brandenburg) oder Gerbstedt (Sachsen-Anhalt) bereits eine von ihnen selbst eingehobene Windrad-Steuer einführen wollen. Die Pläne sind damals aber gescheitert, weil der Betrieb von Windrädern bereits der Gewerbesteuer unterliege und es dadurch zu einer Doppelbesteuerung käme, was wiederum in Deutschland nicht erlaubt sei, wie das deutsche Innenministerium damals der Mitteldeutschen Zeitung antwortete. Im Schweinsgalopp. Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) fand klare Worte in „Bild am Sonntag“ bezüglich des Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland: „Ich rate zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung beim weiteren Ausbau von Solar- und Windkraft. Den bisherigen Schweinsgalopp müssen wir stoppen.“ Die Begründung lieferte er gleich mit: „Das Hauptpro-

Franz Gunacker | SPÖ St. Pölten ist Windhauptstadt und hat viel Pionierarbeit geleistet. Die Standorte sind gut geeignet und die bewilligten neuen, großen Anlagen können viele Verbraucher abdecken. Die Stadt ist bestrebt energieautark zu werden. Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass durch Konzentration mehr Energie benötigt wird. Die generelle Energie-Politik muss nicht immer den „Ökologischen Fußabdruck“ berücksichtigen. Es passieren manchmal kontraproduktive Entscheidungen, die in der Praxis anders aussehen. Das Problem bei einigen Energieerzeugern ist die dauernde Verfügbarkeit – wenn kein Wind geht, gibt es keinen Strom.

Matthias Adl | ÖVP Wir rufen seit 2010 dazu auf, St. Pölten energieautark zu machen. Deshalb haben wir damals unser „Green Concept“ präsentiert und einige Forderungen aufgestellt: Straßenlaternen auf stromsparende Modelle umstellen. Modernisierung und Ökologisierung der Baurechtsaktion, alle kommunalen Neubauten müssen in Zukunft im Passiv-Standard errichtet und mit Solaranlagen ausgestattet werden. Seit dem hat sich einiges getan, aber am grundsätzlichen Ziel hat sich nichts geändert: Wir müssen energieautark werden und damit weniger abhängig von arabischem Öl und von russischem Gas.

Klaus Otzelberger | FPÖ Die FPÖ bekennt sich zur Energiewende und zur Umstellung der Energieversorgung in Österreich auf ausschließlich heimische, regenerative Energiequellen. Ziel der Politik muss es sein, dass Energie für die Menschen im Land leistbar bleibt und gleichzeitig ein Anreiz zur Nutzung heimischer Ressourcen gegeben wird. Deshalb ist eine Reduktion des Mehrwertsteuersatzes für alle Energieträger vorzunehmen, die aus erneuerbaren Quellen stammen. Der Einsatz heimischer, erneuerbarer Energieformen ist der sicherste Weg zur Erreichung von Umweltschutzzielen. Windkraft kann einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur Energieautonomie und zur Senkung der Abhängigkeit auch in St. Pölten leisten.

Nicole Buschenreiter | Grüne Die aktuelle Energiepolitik in St. Pölten ist mindestens so konventionell wie inneffizient. Sogar bei relativ neuen Projekten – etwa Bädersanierungen – wird auf erneuerbare Energie weitgehend verzichtet oder diese maximal als Feigenblatt (Darf’s ein bisschen Solarwärme zur Warmwasserproduktion sein?) angewendet. „St. Pölten energieautark“ ist eine nach Ansicht der Grünen notwendige Vision, die nur mit wirklich großen Anstrengungen realisiert werden kann. Und auf dem Weg dorthin müssten wenigstens Anstrengungen unternommen werden, um die wesentlichen Ziele für eine Energiepolitik des 21. Jahrhundert umzusetzen: Energieeffizienz, Energiesparen und Energieproduktion zu 100% aus erneuerbaren Ressourcen.

blem der alternativen Energien besteht darin, dass Strom in großen Mengen und verlustarm in der Umwandlung nicht speicherbar ist.“ Daran werde sich in den nächsten zehn Jahren nichts ändern. „Erst wenn man Strom speichern kann, kann Wind- und Solarkraft die ganze Zukunft gehören. Bis dahin sind sie eine gute Ergänzung. Sie dürfen aber nicht der Schwerpunkt der EnergieversorMFG 06.14

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„Das Hauptproblem der alternativen Energien besteht darin, dass Strom in großen Mengen und verlustarm in der Umwandlung nicht speicherbar ist.“ Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie

gung sein, wenn sie kostengünstig und sicher sein soll“, so Oettinger. In Niederösterreich gibt es zur Speicherung von Energie etwa das bekannte Speicherkraftwerk in Ottenstein, womit Schwankungen zwischen Nachfrage und Angebot ausgeglichen werden können. Auf Kritik stößt Windkraft jedoch auch hierzulande, obgleich die Zustimmung der Bevölkerung in Niederösterreich zu einem weiteren Windkraftausbau mit 84% bereits sehr hoch ist, im Bezirk St. Pölten Stadt und Land aber sogar bei 92% liegt, wie eine Umfrage aus dem Vorjahr des Karmasin Instituts zeigt. St. Pöltner Energiepolitik. Im November 2009 präsentierte Bürgermeister Matthias Stadler das Energieleitbild der Stadt St. Pölten, in dem drei Hauptziele definiert wurden: 1. Die nachhaltige und sichere Energieversorgung, wie Effizienz und CO2-Reduktion, gemischte Bebauung

STÜRMISCHE ZEITEN

und effiziente Mobilität. 2. Die Nutzung lokaler Energiequellen, Reduzieren von fossiler Energie und Nutzung von erneuerbarer Energie und 3. Kooperation, das heißt den Ausbau des Fernwärmenetzes sowie Öffentlichkeitsarbeit. „Es ist der Stadt ein besonderes Anliegen möglichst viel erneuerbaren Strom im Stadtgebiet zu produzieren. Dazu zählt die Windkraft, aber natürlich auch die vielen Photovoltaikanlagen der Privathaushalte“, erklärt Thomas Zeh, Energiebeauftragter der Stadt. „Ein Vorzeigeprojekt ist die Fernwärmeleitung aus Dürnrohr bzw. damit verbunden die Fernkälteversorgung des Niederösterreichischen Landesklinikums. Außerdem liefern viele Kleinwasserkraftwerke an den Mühlbächen im Stadtgebiet Ökostrom ins Netz.“ Ob es einen Anspruch Richtung Energieautarkie gebe? „Das Wort „Energieautarkie“ ist in der Vergangenheit sehr strapaziert worden. Es stellt sich die Frage, was überhaupt damit gemeint ist – z.B. keine Öl- oder Gasimporte mehr nach Österreich? Ziel der Stadt ist es sicherlich so weit als möglich unabhängig zu werden von Importen und auf erneuerbare Energieformen zu setzen. Dabei kann es sich aber nur um ein nationales, bzw. europäisches Ziel handeln. Größere Städte werden nie vollkommen energieautark werden. Es bedarf eines ländlichen Umfeldes, in dem die Energie, z.B. über Wälder oder andere Pflanzen, produziert wird“, so St. Pöltens Energiebeauftragter.

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Vorteil Stadler

Nach jahrelangem Streit mit dem Land NÖ zeichnet sich nun für die Stadt St. Pölten eine Reduktion des Standortbeitrages zur Finanzierung des Landesklinikums ab. Kann sich Bürgermeister Matthias Stadler schon bald über 60 Millionen Euro freuen?

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s ist ein langes Match, das Stadt und Land austragen. Doch nun hat Matthias Stadler wohl den Matchball in der Hand. Der Verfassungsgerichtshof hob jenen Paragraphen des Landesgesetzes auf, der den Standortvorteil für St. Pölten definiert. Kurz erklärt: Das Land NÖ betreibt die Landeskliniken und erhält von den Gemeinden dafür Beiträge. Diese sind einerseits von der Einwohnerzahl abhängig, andererseits werden eben auch sogenannte Standortbeiträge eingehoben. Diese sollen jene Vorteile abbilden, die Gemeinden dadurch entstehen, dass das Land in ihrem Gemeindegebiet ein Krankenhaus betreibt. Im Fall St. Pöltens war dieser Beitrag aber sieben Mal so hoch wie für andere Städte. Die St. Pöltner Gemeindebür34

ger kamen Jahr für Jahr für mehr als die Hälfte der gesamten Mittel auf, die das Land als Standortvorteil von allen NÖ-Gemeinden einhob. „Eine himmelschreiende Ungleichbehandlung durch den Landesgesetzgeber“, beklagte Matthias Stadler schon vor Jahren. Nun kann er sich mit dieser Argumentation auch auf die Sichtweise der Verfassungshüter stützen. Der neu festzusetzende Standortbeitrag dürfe nicht neuerlich St. Pölten gröblich benachteiligen, die seit Jänner 2006 zu viel bezahlten Beiträge belaufen sich auf über 60 Millionen Euro – auch davon will man nun natürlich einen großen Teil zurück. Doch noch ist vieles unklar. Seit der Spruch des Gerichtshofs Anfang April bekannt wurde, gibt es wenig

konkrete Ansagen. Im St. Pöltner Rathaus bestätigt man nur, dass die Gespräche zwischen Stadt und Land noch nicht abgeschlossen sind, weshalb Detailauskünfte nicht möglich wären. Jedoch gibt das Rathaus immerhin eine klare Zielsetzung vor: „Wir wollen zukünftig einen fairen Beitrag zur Krankenhausfinanzierung leisten und unser Geld zurück.“ Man sei zuversichtlich eine Einigung erzielen zu können. Andernfalls steht der Rechtsweg nach wie vor offen. Und auch bei einer anderen Partie gibt es zumindest theoretisch noch einen prallgefüllten Topf an Gold für das Stadtbudget zu holen: Nach der Auflösung des sogenannten „Krankenanstalten-ZusammenarbeitsFonds“ (kurz: KRAZAF) tat sich 1997 eine „Lücke“ auf – mehrere Gemeinden pochen seither auf ihr Recht und wollen geleistete Beiträge zurück. Mehr als 50 Millionen Euro sollen der Stadt aus ihrer Sicht zustehen. Die Gespräche mit dem zuständigen Gesundheitsministerium gestalten sich aber zäh, eine rasche Einigung scheint nicht in Sicht.

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UNABHÄNGIG ODER DOCH BEFANGEN?

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„Na, wir wer‘n kan Richter brauchen, weu wir ham a golden‘s Herz / Mir wer‘n ollas übertauchen, und dann fohr‘ ma himmelwärts.“ | „Alle Menschen san ma zwider“, Kurt Sowinetz

inen Richter wird die Stadt St. Pölten schon brauchen, die Frage ist nur ob er Martin Ogris oder Roland Parzmaier heißt. Im Zivilprozess am Handelsgericht Wien fühlte sich die Stadt nämlich vom Richter beleidigt und lehnt ihn in Folge als befangen ab. Doch auch an der politischen Front der SWAPCausa steht der nächste Wirbel an. Doch bevor wir uns in die Untiefen der St. Pöltner Kommunalpolitik stürzen, zurück zur scheinbar geordneten Welt der Justiz am Wiener Handelsgericht. Dort prüft ein Ablehnungssenat den Antrag von Stadt-Anwalt Lukas Aigner auf Abberufung des Richters Martin Ogris, denn dieser habe in der 36

letzten Tagsatzung Beweise vorzeitig gewürdigt und polemisch gegenüber der Klägerin, der Stadt St. Pölten, agiert. Stimmt der Senat dem Antrag von Aigner zu, so übernimmt Roland Parzmaier den Fall – er stand im Rahmen der festen Geschäftsordnung am Gericht bereits als Ersatzrichter fest. Das Recht auf den eigenen Richter ist ja ebenso wie die Unabhängigkeit der Richter in ihrer Amtsausübung ein zentraler Gedanke in unserer Verfassung. Sollte der Senat den Antrag aber ablehnen und keine Befangenheit von Ogris erkennen, so kann Aigner dagegen vorm Oberlandesgericht Wien berufen. Bis in den Herbst dürfte ein Ergebnis jedenfalls vorliegen.

Ein Ablehnungsantrag zählt nicht mehr zu den tagtäglichen Stilmitteln der anwaltlichen Trickkiste, der Vorwurf der Befangenheit wiegt schwer und der Richtersenat wird wohl genau hinschauen, ob der Kollege wirklich abzuberufen ist. RaiffeisenAnwalt Wolfgang Höller zog noch während Aigner den Ablehnungsantrag begründete kopfschüttelnd seinen Schluss in Richtung des Stadt-Anwalts: „Herr Kollege, Sie sind dabei den Fall zu verlieren und gehen jetzt auf den Richter los!“ Ja, da ging es schon ordentlich zur Sache am 6. Mai im 17. Stock der Marxergasse 1a in Wien, dem Sitz des Handelsgerichts. Über drei Stunden ging die Tagsatzung, immer wieder wurde über die bisher gewonnenen Erkenntnisse diskutiert. Welche Bedeutung es beispielsweise habe, dass sowohl Bürgermeister Stadler als auch der mittlerweile pensionierte Finanzchef Ernst Knoth vor Gericht ausgesagt hatten, dass sie sehr wohl das theoretische Risiko verstanden hätten, dass es „beim klagsanhängigen Geschäft die Möglichkeit gäbe an 67 Quartalen draufzuzahlen.“ Oder welche Rolle es spiele, dass das Geschäft schon bei Abschlusszeitpunkt einen negativen Barwert ausgewiesen habe, es also für die Stadt sehr nachteilig ausgestaltet gewesen sei, wie Aigner argumentierte. Mehrfach konnte man im Prozessverlauf sehen, dass Ogris manche Argumente von Aigner nicht teilt. Und es liegt wohl in der Natur des Martin Ogris, dass er sich für emotionale Diskussionen und pointierte Vergleiche nicht zu fein ist. Ob denn die Stadt beim Abschluss des Geschäftes nicht hätte wissen müssen, dass der Preis für die 1,5 Millionen Euro, die sie von der Bank erhält, ein beträchtliches Risiko sei? Ogris dazu: „Ich würde den Herrn Knoth ja gerne fragen, wer er denn damals geglaubt hat, dass der Idiot ist, der am anderen Ende die Rechnung dafür zahlt.“ Und zu Lukas Aigner meinte er nach Debatten über die Provisionshöhe der RLB: „Ich kann mir schon vorstellen, dass wir uns am Ende des Verfahrens darauf einigen, dass die Bank das Ge-


TEXT: Michael müllner | Fotos: apops/ Lisa F. Young (Fotolia.com)

Ein paar Irre. Zum Eklat kam es, als die RLB vorbrachte, dass die Stadt zu einem früheren Zeitpunkt „politisch nicht mutig genug war, das Geschäft mit vier Millionen Euro Verlust zu schließen“. Hätte man das damals gemacht, säße man heute nicht vor einem Schaden von 66 Millionen Euro. Ogris hakte da ein: „Moralisch kriegen Sie das nicht weg, dass Sie diese Chance zum Ausstieg nicht genutzt haben.“ Ogris forderte neuerlich, dass sich Stadt und Bank im Sinne einer „Gesamtlösung“ einigen. An diesem Punkt schwangen auch vorangegangene Anspielungen der Diskussion mit, als etwa die Verantwortung von Politikern und Banken gegenüber den Bürgern und Steuerzahlern diskutiert wurden. Höller argumentierte im Sinne der RLB, dass es nicht angehe, dass St. Pölten mit einer Vielzahl derartiger Geschäfte gut verdient hätte und nun, wo eines derart schief gegangen ist, der Verlust sozusagen der Bank umgehängt werde. Ogris konnte sich da einen Hinweis auf die Kärnter Hypo nicht verkneifen und stellte auch die Rolle von Banken bei diesen Geschäften zur Diskussion. Dann kam sinngemäß der Satz, dass es nicht angehe, „dass ein paar Irre so lange auf Kosten der Steuerzahler herumfuhrwerken bis aus einer Mücke eine Herde Elefanten wird“. Lukas Aigner bezog diesen Vorwurf auf seine Mandantin und begründet damit den Ablehnungsantrag. Zwar erklärte Ogris, dass er nicht nur die klagende Partei gemeint, sondern dass er sich auf das ganze Prozessthema bezogen hatte und somit auch die Bank angesprochen war – zu einer Ve r s t ä n d i g u n g kam es aber nicht.

Der Ablehnungssenat entscheidet nun in den nächsten Wochen, ob Ogris bleibt oder ob der Ersatzrichter übernimmt. Bei einem Richterwechsel beginnt das Verfahren von vorne, auch die neuerliche Befragung der bereits gehörten Zeugen ist grundsätzlich nötig. Denkbar wäre allerdings, dass beide Parteien der Verlesung der alten Protokolle zustimmen und so eine neuerliche Befragung umgangen werden könnte. Mehrkosten und Zeitverlust sind jedenfalls fix. Die von der RLB bei der letzten Tagsatzung für „irgendwann“ angekündigte Gegenklage über 66 Millionen Euro ist bis Anfang Juni noch nicht eingebracht worden. Diesbezüglich im Verfahren vorgebrachte „Gesprächsbereitschaft“ dürfte sich wohl nur auf technische Aspekte des Verfahrens bezogen haben – an aussichtsreiche Gespräche zur außergerichtlichen Streitbeilegung zwischen St. Pölten und der RLB glaubt niemand mehr. Heißer Sommer. Auch auf politischer Ebene wird die Opposition für einen heißen Sommer sorgen. Am 30. Juni, so hört man aus dem Rathaus, sollen die Ergebnisse der zwei Parteiengespräche, bei denen auch externe Experten der beigezogenen Beraterfirma KPMG Präsentationen gehalten haben, vom Gemeinderat beschlossen werden – zuvor will man keine Details kommentieren. Angeblich sei es aber gar nicht um den klagsanhängigen SWAP mit der RLB gegangen, womit womöglich die laut NÖ-Gemeindeaufsicht nichtigen Barclays-Geschäfte Thema waren? Steht hier eine nachträgliche Genehmigung durch den Gemeinderat im Raum – und will die SPÖ dafür trotz ihrer absoluten Mehrheit womöglich die Opposition ins Boot holen? Und wenn ja, um welchen Preis?

UNABHÄNGIG

Michael Müllner Wenn die RLB die Stadt St. Pölten auf 66 Millionen Euro klagt, dann entspricht das 40 Prozent der städtischen Gesamt-Einnahmen im Jahr 2014. Es geht also nicht um Peanuts, wenn wir uns Ausgabe für Ausgabe am Rechtsstreit zwischen St. Pölten und der RLB abarbeiten – sondern um ein Thema, das den Gestaltungsspielraum St. Pöltner Kommunalpolitik in den nächsten Jahrzehnten beeinflussen wird. Auf politischer Ebene wird sich zeigen, ob die SPÖ trotz absoluter Mehrheit und Macht im Rathaus wieder das Vertrauen der Opposition (und sicher auch weiter Teile der Bevölkerung) in dieser Frage zurückgewinnen kann. Die teils geäußerten Vorwürfe wiegen schwer, eine unabhängige Prüfung durch die Justiz macht also Sinn. Vor allem wenn die SPÖ im Gemeinderat weiterhin kein eigenes Untersuchungsgremium zum Thema einsetzen will. Und Martin Ogris? Sorgen seine medienwirksamen Aussagen in einem Rechtsstreit mit hohem öffentlichen Interesse dafür, dass man der Justiz mehr oder weniger Unabhängigkeit zutraut? Wie weit darf ein Richter zu Aspekten dieses Rechtsstreits im Rahmen einer öffentlichen Verhandlung kritisch Stellung beziehen? Darf er Banken und Politiker für ihr Handeln kritisieren – auch wenn er dabei vielleicht vorrangig eine politisch-moralische Ebene anspricht? Ich erinnere mich nur an zwei Zuhörer im Saal, die nicht auf der Payroll einer der beiden Streitparteien stehen. Als einer davon frage ich mich, wie man die eigene, subjektive Wahrheit korrekt rüberbringt, ohne sich ungewollt einer Seite dienlich zu erweisen. Ich weiß nicht, ob die Aussagen von Ogris „professionell“ waren, ob man das als Richter so sagen „darf“. Aber seine Schelte galt – so wie ich sie im Kontext gehört und verstanden hatte – sicher nicht nur den St. Pöltnern allein. Er sprach nämlich von – einer Herde ...

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Foto: zVg

schäft der Stadt zu teuer verkauft hat. Aber lassen wir den Vorwurf, dass die Bank die Stadt ‚hereingelegt’ hat.“

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MFG URBAN

Die Berge von Dersim Die Ausstellung „Angeworben – Hiergeblieben?“ im Stadtmuseum St. Pölten begibt sich auf die Spur jener ausländischen Pioniere, die das Land als Gastarbeiter mit aufgebaut und hier schließlich eine zweite Heimat gefunden haben – Menschen wie Musa Firat, den Manfred Wieninger in St. Pölten besuchte.

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usa Firat wird am 15. April 1933 in der ostanatolischen Region Dersim, genauer gesagt im Dörfchen Mezra ´ geboren. Er ist der sechste Káycí Sohn einer bitterarmen, alevitischen Bergbauernfamilie. Seine Muttersprache ist Zaza, die von den meisten ihrer zwei bis drei Millionen Sprecher (wenn auch nicht von den meisten Linguisten und Orientalisten) zur Familie der kurdischen Sprachen gezählt wird. Während des sogenannten Dersim-Aufstandes kurdischer Stämme gegen die junge Türkische Republik, die das Gebiet 38

mehr oder weniger gewaltsam türkisieren will, wird Musa Firat 1938 gemeinsam mit seiner Familie in den westlichen Teil der Türkei deportiert. Erst 1940 dürfen die Firats nach Dersim, das inzwischen in Tunceli umbenannt worden ist, zurückkehren. In Dersim, sagt Musa Firat heute, gab es nur Berge, keine Schule. Er habe in der Türkei jedenfalls nie eine Schule von innen gesehen. Während seines zweijährigen Militärdienstes lernt Musa Firat seinen Namen und seine Adresse zu schreiben. Mit Hilfe von Zeitungen, die er ergattern kann, bringt er sich selbst

ein wenig Lesen und Schreiben bei. Nach dem Barras (Militär) heiratet er. Die junge Familie hat aber kein Ackerland und muss sich mit zwei, drei Ziegen irgendwie durchbringen. Um ein wenig Geld dazuzuverdienen, betätigt sich Musa Firat auch als Steinmaurer und Blasmusiker bei Hochzeiten. Doch es reicht hinten und vorne nicht. Daher verbringt er jedes Frühjahr, jeden Sommer drei, vier Monate als Saisonarbeiter in Istanbul, um zu Beginn der kalten Jahreszeit mit ein paar Säcken Getreide, seinem Arbeitslohn, in sein ostanatolisches Heimatdorf zurück-


TEXT: MANFRED WIENINGER | Fotos: JOSEF VORLAUFER, ZVG

zukehren. Seine Frau wird schwanger. Als die Geburt seines ersten Kindes herannaht, regiert in dem bergigen Gebiet von Dersim/Tunceli ein besonders strenger Winter mit Unmengen von Schnee. Auf einem selbstgebastelten, improvisierten Schlitten aus zwei Holzstangen und ein paar Decken schleppt Musa Firat seine in den Wehen liegende Gattin kilometerweit zur Hauptstraße, um dort ein Auto aufzuhalten, dass die Kreißende in das 80 (!) Kilometer entfernte Krankenhaus bringt. Eine Fehlgeburt ist die Folge der desaströsen Gesundheitsversorgung in dem gebirgigen, ländlichen Gebiet. Zweite Heimat. Ich sitze in Musa Firats Wohnzimmer in seiner gepflegten Wohnung in St. PöltenSt. Georgen, trinke wunderbaren, starken, türkischen Tee aus einem bauchigen Glas und genieße dazu die selbstgebackenen Shekerpare – und kann mir die schrecklichen Verhältnisse in seiner einstigen Heimat wohl nicht einmal annähernd vorstellen. Auch Musa Firats zweites Kind ist unter den geschilderten Umständen eine Totgeburt, obwohl ein von ihm herbeigerufener Militärarzt aus der

nächsten Kaserne Geburtshilfe leistet. In diesem Jahr, es ist 1958, beschließt Musa Firat, seiner Heimat den Rücken zu kehren und sich gemeinsam mit seiner Gattin in Istanbul niederzulassen. Dort findet er Arbeit in einer Seifenfabrik und ein, wenn auch mehr als bescheidenes Auskommen. Über Initiative eines älteren Bruders bewirbt er sich einige Jahre später für Gastarbeit in Österreich. Im Istanbuler Arbeitsamt wird er sowohl von einem österreichischen als auch einem türkischen Arzt untersucht, die vor allem die vorhandene Muskelkraft überprüfen. Am 10. April 1964 kommt Musa Firat mit einigen Kollegen am Wiener Südbahnhof an. Die Gruppe wird mit großen Blumenkörben empfangen. Firat beginnt sofort bei der Firma Rieserbau in Wien zu arbeiten. Das Unternehmen besorgt ihm auch eine Unterkunft, ein größeres Zimmer in der Zieglergasse, das er allerdings mit neun weiteren Gastarbeitern zu teilen hat. Als Maurer, als Maler, als Betonmischer wird er vor allem beim U-Bahn-Bau in Wien-Liesing, aber auch beim Autobahnbau eingesetzt. Die Firma

bezahlt ihm einen zweimonatigen Deutschkurs, den er nach der Arbeit an der Universität Wien am heutigen Universitätsring zu besuchen hat. Die Kursteilnehmer sind allerdings fast ausschließlich Akademiker oder Studenten mit nichtdeutscher Muttersprache. Der partielle Analphabet fühlt sich in dieser Lernumgebung keineswegs wohl, ja er schämt sich sogar seiner rudimentären Schriftkenntnisse, obwohl er daran natürlich nicht schuld ist. Andererseits lernt er aber in dieser kurzen Zeit doch so viel, dass er danach in seiner Firma bei Bedarf auch als Dolmetsch zwischen dem Management und den bei Rieserbau tätigen türkischen Gastarbeitern eingesetzt wird. St. Pölten. 1969 kommt Musa Firat nach St. Pölten und ist hier als Bauarbeiter zunächst für die Firma Eberhardt, später für die Firma Weidinger tätig. In diesem Jahr gelingt es ihm auch seine Frau Kazimet und seine beiden ältesten Kinder aus der Türkei nachkommen zu lassen. Aus Gründen mangelnden Wohnraums muss das jüngste Kind allerdings noch einige Zeit bei Verwandten in der alten Heimat bleiben. Musa

Geschichten der Anderen Initiator Sepp Gruber über seine Motive zur Sonderausstellung „Anhinsichtlich eines Filmes über die Gastarbeiter und ihre Kinder sogeworben – Hiergeblieben?“ im Stadtmuseum St. Pölten (bis 3.8.). wie Enkel, die zahlreich in St. Pölten leben. Zudem konnten wir das Vielen ist nicht bewusst, wie viel Gastarbeiter für St. Pölten geleistet Zentrum für Migrationsforschung im Land für eine Zusammenarbeit haben und leisten: bei harter Fabriksarbeit, gewinnen, die sehr wichtige Archiv- und Großbaustellen wie dem Krankenhaus, im Geschichtsforschung betrieben haben. Reinigungs- und Pflegebereich – das wolMit der Bezeichnung „Gastarbeit“ war len wir mittels der Ausstellung aufzeigen. ehemals eine bestimmte Vorstellung verMeine Motivation dazu ist schon ziemlich bunden: Nach ein bis zwei Jahren sollten alt und rührt aus den 90iger Jahren her, die Arbeitskräfte genug Geld gespart als ich Kinder von Gastarbeitern kennen haben, um wieder in ihre Heimat zurücklernte. Sie machten mir bewusst, welches zukehren. An dauerhafte Zuwanderung Schattendasein diese Menschen oft hierdachte damals niemand. Es kam jedoch zulande führen. Schon 2004 machten wir anders: Heute, 50 Jahre später, leben die deshalb mit dem österreichisch-türkischen Nachkommen der damals ins Land geholFreundschaftsverein einen kurzen Film zum ten Menschen in dritter, bald vierter GeThema „40 Jahre Gastarbeiter“. TEAMARBEIT. Ekrem Arslan,Anne Unterwurz- neration in St. Pölten. Mit der Ausstellung Anlässlich des heurigen 50 Jahr-Jubiläums acher und Sepp Gruber (v.l.n.r.) haben die sollen ihre persönlichen Lebenswege sowie des Anwerbeabkommens mit der Türkei Ausstellung gestaltet. ihrer Nachkommen sichtbar gemacht werwar es mir ein Herzensanliegen, ein noch den. Es sind Geschichten voll Hoffnungen, breiteres Projekt auf die Beine zu stellen. Ich wandte mich an die Entbehrungen, Sehnsüchten, Anfeindungen, aber auch der akKulturverwaltung sowie das Büro für Diversität der Stadt St. Pölten tiven und selbst organisierten Aneignung der neuen Lebenswelt. mit der Idee einer historischen Ausstellung, außerdem an die FH Die Ausstellung soll ein kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zu für soziale Arbeit (und Medien) sowie einige Migrantenvereine einer stärkeren Einbeziehung der „Geschichte der Anderen“ sein!

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MFG URBAN

Firat ist einer jener Männer, die mit ihrer Hände Arbeit das St. Pöltner Krankenhaus errichtet haben. Bis heute erinnert er sich daran gerne. Nach dem jeweiligen Konkurs der beiden Baufirmen, für die er tätig gewesen war, findet Musa Firat Beschäftigung bei der ehemaligen Eisenhandlung Erich Marchat im Süden St. Pölten. 19 Jahre lang ist er dort in der Auslieferung als Fahrer beschäftigt. 1995 gehen sowohl er als auch der Firmeninhaber mehr oder weniger gleichzeitig in Pension. Die beiden verbindet bis heute ein privater Kontakt. Musa Firat hat den größten Teil seines Lebens in Österreich verbracht. Wie sieht er, frage ich, dieses Land? „Ein schönes Land, das inzwischen längst meine zweite Heimat geworden ist. Die paar Leute, die mir im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ‚Tschusch, geh nach Hause‘ gesagt haben, zählen für mich nicht. Ich habe all meine Kraft hier gelas-

Die Berge von Dersim

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„Als ich hierher gekommen bin, hat man mich sehr freundlich empfangen. Heute ziehen sich die Leute eher zurück. Das Land wird kälter.“

sen, nicht in der Türkei. Meine Kinder und Enkelkinder sind alle Österreicher, ich werde hier begraben werden, ich habe schon ein Grab“, antwortet er mir. Um ein wenig nachdenklich hinzuzufügen: „Als ich hierher gekommen bin, hat man mich sehr freundlich empfangen. Heute ziehen sich die Leute eher zurück. Das Land wird kälter. Ich weiß

nicht, woran das liegt.“ Wenn er noch einmal 30 Jahre alt wäre und noch einmal vor der Auswanderung nach Österreich stünde, frage ich ihn, wie würde er sich heute entscheiden? In Istanbul wäre er nicht geblieben, antwortet er mir, aber in den Bergen von Dersim sehr gerne. Aber das sei damals einfach nicht möglich gewesen.

RÜCKBLICK. Musa Firat

vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz in St. PöltenSpratzern.

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summer

blues festival

Samstag 26. Samstag 26. Juli Juli || Ratzersdorfer Ratzersdorfer See See Das Festival Das DasFestival Festival Am 26. Juli 2014 geht am Ratzersdorfer See St. Pölten das Am Am 26. 26.Juli Juli 2014 2014 geht geht am am Ratzersdorfer Ratzersdorfer See See inin in St. St.Pölten Pölten das das legendäre Summer Blues Festival bereits zum 12. Mal über die legendäre legendäreSummer SummerBlues BluesFestival Festivalbereits bereitszum zum12. 12.Mal Malüber überdie die Bühne.Rund Rund eintausend eintausend Blueser Blueser aus aus ganz ganz Österreich Österreich werden werden Bühne. Bühne. Rund eintausend Blueser aus ganz Österreich werden von den Organisatoren Charlie Furthner, Mika Stokkinen und von von den den Organisatoren Organisatoren Charlie Charlie Furthner, Furthner, Mika Mika Stokkinen Stokkinen und und dem Team des Büro V erwartet. Die Besucher können sich, wie dem demTeam Teamdes desBüro BüroVVerwartet. erwartet.Die DieBesucher Besucherkönnen könnensich, sich,wie wie jedesJahr, Jahr,auf auf444Bluesbands, Bluesbands,gespickt gespicktmit mitösterreichischen österreichischenund und jedes jedes Jahr, auf Bluesbands, gespickt mit österreichischen und internationalen Bluesgrößen, freuen. Dazu gibts die idyllische internationalen internationalen Bluesgrößen, Bluesgrößen, freuen. freuen. Dazu Dazu gibts gibts die die idyllische idyllische Abendstimmung am Ratzersdorfer See, sowie Catering auf Abendstimmung Abendstimmung am am Ratzersdorfer Ratzersdorfer See, See, sowie sowie Catering Catering auf auf höchstemNiveau. Niveau. höchstem höchstem Niveau. Line-Up Line-Up Line-Up FestivalRobert F.G. Hacker Trio FestivalRobert FestivalRobertF.G. F.G.Hacker HackerTrio Trio DasRobert RobertF.G. F.G.Hacker HackerTrio Triohat hatsich sichvor vormittlerweile mittlerweile Das Das Robert F.G. Hacker Trio hat sich vor mittlerweile mehr als 2 Jahren um den gleichnamigen Gitarmehr mehrals als22Jahren Jahrenum umden dengleichnamigen gleichnamigenGitarGitarristen und Sänger gebildet. Das kongeniale Trio risten risten und und Sänger Sänger gebildet. gebildet. Das Das kongeniale kongeniale Trio Trio bestichtdurch durchmitreißenden mitreißendenSwing Swingund undbluesigen bluesigen besticht besticht durch mitreißenden Swing und bluesigen Groove, gespickt mit Elementen des Ragtime und Groove, Groove,gespickt gespickt mit mit Elementen Elementen des des Ragtime Ragtime und und des Boogie Woogie. Durch den unverwechselbaren des desBoogie BoogieWoogie. Woogie.Durch Durchden denunverwechselbaren unverwechselbaren Sound hat hat sich sich das das Trio Trio mittlerweile mittlerweile inin in der der Wiener Wiener Sound Sound hat sich das Trio mittlerweile der Wiener Blues Szene einen Namen gemacht. Blues BluesSzene Szeneeinen einenNamen Namengemacht. gemacht. MikaStokkinen StokkinenBand Band& &Stella StellaJones Jones Mika Mika Stokkinen Band & Stella Jones Mika ist ja bereits seit Jahren ein fixer Bestandteil Mika Mikaist istjajabereits bereitsseit seitJahren Jahrenein einfixer fixerBestandteil Bestandteil und Mitorganisator des Summer Blues Festivals und undMitorganisator Mitorganisatordes desSummer SummerBlues BluesFestivals Festivalsinin in St. Pölten. Und es ist bereits zur Tradition geworSt. St.Pölten. Pölten.Und Und es es ist ist bereits bereits zur zurTradition Tradition geworgeworden,dass dasssich sichMika Mikaimmer immerwieder wiederStargäste Stargästeaus aus den, den, dass sich Mika immer wieder Stargäste aus dem Inund Ausland für seine Auftritte holt. Sei dem dem InIn- und und Ausland Ausland für für seine seine Auftritte Auftritte holt. holt. Sei Sei es der „Wiener Elvis“ Ron Glaser, oder wie in den es es der der „Wiener „Wiener Elvis“ Elvis“ Ron Ron Glaser, Glaser,oder oder wie wie inin den den letzten Jahren Jahren die die beiden beiden US US Ladies Ladies Janice Janice Harrington Harrington und und letzten letzten Jahren die beiden US Ladies Janice Harrington und

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26. Juli | St. Pölten Ratzersdorfer See

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SHORTCUT KULTUR

Vampire raus!

Thomas Fröhlich

Und aus war’s. Als ob Knoblauch, Kruzifix und Van Helsings Karabiner (der mit den Silberkugeln) auf einmal aufgetaucht wären. Denn plötzlich hieß es von Hausherrenseite, eine Kirche wäre nun einmal ein Ort der Verkündigung, wo selbst der genialste Stummfilm fehl am Platze sei. Gut, stattgegeben. Obwohl diesem Verdikt nach auch keine Lesung, ja nicht einmal mehr ein Orgelkonzert dortselbst stattfinden dürfte, das nicht ausschließlich katholischer Erbauung diente. Jedoch kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass es schlicht das medial laut ausgesprochene (bzw. geschriebene) Wort „Vampir“ (in einem Atemzug mit „Dom“) war, das zum vorzeitigen Ende der Filmreihe führte. Obwohl: Dass bei Nosferatu ein untoter Blutsauger im Mittelpunkt steht, dürfte ja auch vor Kerns Artikel – selbst in geistlichen Gemäuern – kein Geheimnis gewesen sein. Oder?

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Eine rundweg positive Bilanz über die abgelaufene Saison konnten die künstlerischen Leiterinnen des Festspielhauses und des Landestheaters Niederösterreich im Rahmen ihrer heurigen Programmpräsentationen ziehen. Beide Häuser jubeln über hohe Auslastung und gestiegene Abozahlen, was aber – damit freilich in Wechselwirkung stehend – noch viel bedeutender ist: Die Resonanz auf das abgelieferte Programm fiel ausgesprochen gut bis hymnisch aus. Und in dieser Tonart geht es weiter. Brigitte Fürle wird die nächste Saison mit Mozarts „Zauberflöte“ in einer aberwitzigen Inszenierung der Komischen Oper Berlin eröffnen, Bettina Hering wiederum hat im Landestheater das Generalmotto „Stell dir vor, es ist Krieg“ ausgerufen und startet mit einer Dramatisierung von Joseph Roths „Radetzkymarsch“. Besonders spannend verspricht aus St. Pöltner Sicht auch der Saisonabschluss zu werden: Felix Mitterer schreibt fürs Bürgertheater ein Stück über die ehemalige Glanzstofffabrik.

News from the Past Seit 30.000 Jahren hinterlässt der Homo Sapiens seine Spuren in unserer Gegend. Und weil Niederösterreich das best ergrabene Bundesland ist, haben Archäologen viele spektakuläre Funde aus unserer Vergangenheit in

die Gegenwart geholt. Etwa die geheimnisvolle Dame in Schwarz mit Katzenohren und spitzem Kinn, die ein Mönch im 15. Jahrhundert im ehemaligen Kloster auf dem St. Pöltner Domplatz verloren hat. Hunderte Jahre zuvor dürfte hier in Aelium Cetium ein junger Römer mit extravaganter Charakternase gelebt haben – auch sein geschnitztes Porträt haben die Wissenschaftler rund um Stadtarchäologen Ronald Risy hier gefunden. Kennenlernen kann man die beiden Relikte in der spannenden und originellen Ausstellung „News from the Past“ im Stadtmuseum, gemeinsam mit sensationellen römischen Grabbeigaben oder mittelalterlichen und neuzeitlichen Funden aus dem ganzen Land.

Foto: Josef Bollwein

Wie auch immer: Statt transsilvanischer Umtriebe gab es nun Orgelimprovisationen über Texte des Alten Testaments zu hören. Wogegen punkto Blutrunst wohl sogar der durstigste Vampir den Kürzeren zieht.

Bühnenerfolg

Foto: samiramay/Fotolia.com, Iko Freese, Stadtmuseum

Manche erinnern sich vielleicht noch: 2012 fand das erste Mal Film im Dom statt. Begleitet von Orgelspiel zeigte man den StummfilmKlassiker „Der müde Tod“ von Fritz Lang. Es war eine Zusammenarbeit von Cinema Paradiso und Diözese und im wahrsten Sinne des Wortes ein spirituell-cineastisches Abenteuer. Heuer war nun für den 9. Mai eine Neuauflage geplant, mit Nosferatu auf der Leinwand und Wolfgang Mitterer an der Orgel. Alles war ausgemacht, die Veranstalter mit Herzblut bei der Sache, bis … ein völlig positiv gehaltener NÖN-Artikel von Mario Kern erschien, unter dem knackigen Titel „Vampir-Albtraum in der Domkirche“.


Eine Kooperation der Stadt St. Pölten, Büro V GmbH, Marketing St. Pölten GmbH, Wirte 3100 und Cinema Paradiso. Infos unter www.buerov.com

MUSIKPROGRAMM (Beginn: 19.00 Uhr) www.insbesondere.at

Do, 10. Juli Fr, 11. Juli Sa, 12. Juli So, 13. Juli Do 17. Juli Fr 18. Juli Sa 19. Juli So 20. Juli Do 24. Juli

10.7.-17.8.2014

Fr 25. Juli Sa 26. Juli So 27. Juli Mi 30. Juli Do 31. Juli

Musik

Fr 01. August Sa 02. August So 03. August Do 07. August Fr 08. August Sa 09. August

Göndle

So 10. August Mi 13. August Do 14. August Fr 15. August Sa 16. August

St. Pölten

So 17. August

www.buerov.com

Eröffnung mit Depeche Ambros - Austropop der 70er und 80er Mehrstimmiger Gesang, treibende Rock-Riffs mit der Band Sharona Rumba, Samba, Flamenco in leidenschaftlicher Weise mit Bacana Big Boys (17.30), Monkeywrench (18.10), RumpelstilZ (19.00) Folk, Soul, Jazz, Boogie mit dem GK Remake Club – Powered by EVN Mika Stokkinen, Blues, Rockabilly, Chuck Berry Programm Powered by BMW Göndle Der irische Künstler David Burke auf AUT-Tournee mit Rock.- & Pop Funk & Soul Covers von der Egon Backstage Band Chris Heart & Waugl - Weltmusik von F. Sinatra, D. Martin, uvm. Powered by T&S Communication/Car-Technik/Security Soulfish mit Hits der 60er bis zu aktuellen Hits Pop und Rock mit der St. Pöltner Newcomer Band Uncontrolled – Powered by Martini Terrazza Rudi Ohnesorge mit den Hits von Wolfgang Ambros Musikalische Reise mit Blues & Latin mit der Steve Alto Group Powered by Martini Terrazza Rockklassiker mit Dudelsack mit der Band Akustixxx – Presented by Wr. Städtische Versicherung AG Austro POP & More mit der Gruppe F.A.B. 3 Moderner Austropop von Dialektmusiker Philipp Griessler & Band Amerik. Country- und Bluegrassmusik mit den Gallows Fellows Swing Musik mit dem Reini Dorsch Trio – Presented by Sparkasse NÖ Mitte West AG Wienerische Spitzbübereien mit dem Hans Ecker Trio Rockabilly-, und Rock’n Roll Klassiker mit den Legendary Daltons – Powered by BMW Göndle Blues-Inspirationen bekannter Klassiker mit den Bluesmopolitans Sigrid – Mundart – Lieder direkt aus dem Leben Tom Schwarzmann – Entertainment mit Stil & astreiner Swing Österreichische Rock-Klassiker mit der Band BnB-Project Fabio Biggie’s Brazilian Groove Night Powered by Martini Terrazza Blues, Rock und einem Schuss Volksmusik mit Opfekompott

Foto: Josef Bollwein

Regional-TV für den Zentralraum NÖ

RUND UM DIE UHR IM KABELNETZ DER Christian Barnath

Julia Karner

UND Yurdagül Sener

ALS LIVESTREAM AUF P3TV.AT Rudolf Vajda


MFG KULTUR

Kunstraub?

Der Vergleich mit politischen Bürgerbewegungen, die wir heuer international erleben durften, wäre abgeschmackt. Noch gibt es keine Zeltstädte. Noch baut keiner Barrikaden. Dennoch – die Ankündigung die Kunstsektion des Landesmuseums nach Krems zu verlegen, hat eine – im wahrsten Sinne des Wortes – bürgerliche Protestbewegung ausgelöst, wie sie die Landeshauptstadt schon lange nicht mehr erlebt hat. Chronologie einer Aufregung.

I

m letzten MFG sprachen der Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich, Hermann Dikowitsch, und NÖKU Chef Paul Gessl im Hinblick auf den kolportierten Abzug der Kunstsektion aus dem Landesmuseum noch einmütig von „Gerüchten, derer es bekanntlich viele gibt.“ Zwar überlege man prinzipiell immer in 44

verschiedene Richtungen, auch im Hinblick auf die sinnvollste Weiterentwicklung des Landesmuseums, „aber ich sag gar nicht, es muss etwas weg – das würde den Prozess, in dem wir uns befinden, präjudizieren“, so Gessl damals. Nur zwei Wochen später war der Prozess offensichtlich abgeschlossen – im Zuge einer Pressekonferenz

präsentierte der Landeshauptmann die Pläne für die Errichtung einer neuen „Landesgalerie“ in Krems um 35 Millionen Euro sowie die Etablierung eines „Hauses der Geschichte“ in St. Pölten um drei Millionen Euro. Die im Landesmuseum integrierte Kunstsektion werde Teil der Landesgalerie und daher nach Krems abgesiedelt. Schockstarre Was unmittelbar danach folgte war zunächst – nichts. Die Medien druckten die Botschaft einigermaßen reflexions- und kommentarlos ab, und auch in Kulturkreisen blieb es fürs Erste gespenstisch ruhig. Zu überraschend, zu unwirklich schien


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: LAMU Giesswein, Rauschmayr, LK Isensee,Pfeiffer, zVG

der Gedanke, dass das erst 2002 fertiggestellte Landesmuseum – Hans Holleins einziger in Österreich realisierter Museumsbau – nach nur zwölf Jahren und drei Umbauten später schon wieder eines seiner zwei Hauptstandbeine, nämlich die Kunst, einbüßen sollte. Wie in Schockstarre verharrten die Vertreter der St. Pöltner Kultur- und Kunstszene. Selbst der Förderverein Kulturbezirk, in dem das Landesmuseum fixes Mitglied ist, erfuhr von der tiefgreifenden Reform aus den Medien, was Präsident Lothar Fiedler, immerhin Leithammel von 550 Kulturbegeisterten aus ganz Niederösterreich, bis heute bitter aufstößt. „Ich bin schockiert, von der gesetzten Tatsache und wie das langjährig vorbereitete Projekt letztlich abgewickelt wurde!“ Damit spricht er einen Kernkritikpunkt an, den auch Friedrich Sochurek teilt: „Als zeitgenössischer St. Pöltner Künstler schmerzt es mich natürlich, dass die Kunstsektion nach Krems gewandert wird. Leider ohne vorangegangene, diesbezüglich kulturpolitisch notwendige Diskussion.“ Als demoralisierend im Zuge der Präsentation kam noch der offensichtliche Schulterschluss mit der Hauptstadt-Politik hinzu – der Bürgermeister nahm bei der Pressekonferenz am Podium Platz und lachte anschließend mit dem Landeshauptmann und seinem Bürgermeisterkollegen aus Krems vom PR-Foto, was keiner gewissen Ironie entbehrte: So hält Matthias Stadler gemeinsam mit dem Landeshauptmann ein Gemälde in die Kamera, welches man alsbald – so die Pläne umgesetzt werden – nicht mehr in St. Pölten, sondern in Krems bewundern wird können. Einen symbolischen Anstrich bekam das Ganze zusätzlich noch dadurch, dass der Bürgermeister dabei (freilich aus Sicherheitsgründen) weiße Handschuhe trägt, gar so als wollte er sich nicht schmutzig machen,

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quasi die Hände in Unschuld waschen. Herbert Binder, der ehemalige Präsident des österreichischen Zeitungsherausgeberverbandes und Gründungsobmann des Fördervereins Kulturbezirk St. Pölten fand hierfür späterhin den wenig schmeichelhaften Ausdruck „Ministrant“. Brandbeschleuniger Binder war es auch, der sich als erster wieder aus der Starre zu lösen schien und in einer spitzen Glosse für NEWS Niederösterreich den Terminus vom „Kunstraub am Landesmuseum“ prägte und zum Widerstand aufrief: „Eine junge Landeshauptstadt, die sich ein Kunstmuseum widerspruchslos wegnehmen lässt, wird unweigerlich wieder zur künstlichen Landeshauptstadt!“ Die Leser lud er zu einem einfachen Gedankenspiel ein: „Angenommen, den Oberösterreichern würde aus heiterem Himmel mitgeteilt, die Kunstschätze des Landesmuseums in Linz übersiedelten nach Wels. Dafür sei für Linz ein ‚Haus der Geschichte‘ angedacht. Dafür müsse man halt um drei Millionen Euro (das vierte Mal in 15 Jahren) im Kulturbezirk umbauen. Für die neue ‚Galerie OÖ‘ in Wels aber wären jedenfalls einmal 35 Millionen Euro vorgesehen. – Undenkbar!“ In der selben Ausgabe legte freilich auch der Landeshauptmann seine Sicht der Dinge dar. Auf den sich regenden Unmut der Hauptstadtkunstszene angesprochen, zeigte sich der LH wenig amused. „Das sind offensichtlich einige wenige, die viel zu wenig Einblick in die gesamte Kulturgeschichte des Landes haben. Oder von vordergründigen Emotionen und Egoismen gleitet werden“, ließ er wissen, und versuchte die Grundstoßrichtung der Beschlüsse darzulegen. „Es geht um langfristige Kulturpolitik, nicht um kleinkarierten Provinzialismus.“

Sollte das Winken mit der Provinzialismuskeule dazu gedacht gewesen sein, die aufmümpfigen Bürger sozusagen bei der Ehre zu packen und zur Raison zu bringen, so ging dieser Versuch jedenfalls kläglich schief. Ganz im Gegenteil wirkten die harten Worte des Landesvaters wie ein Brandbeschleuniger. Die bis dahin einzelnen, für sich dahin glosenden Widerstandsglutnester, die vielleicht bald erloschen wären, wurden dadurch geradezu befeuert und wuchsen sich allmählich zum Flächenbrand aus. Von „Einzelpersönlichkeiten“ kann mittlerweile jedenfalls längst nicht mehr die Rede sein, tatsächlich steht praktisch die gesamte St. Pöltner Kunstszene geschlossen gegen die Abwanderungspläne, und als Provinzler wollte man sich schon gar nicht abkanzeln lassen. Der ehemalige NÖPLAN Boss Norbert Steiner etwa spricht diesbezüglich von einem Angriff „unter der Gürtellinie“ und Lothar Fiedler fehlen schlicht die Worte „Die bestürzten Reaktionen hiesiger Kulturmacher medial als kleinkariert abzutun, anstatt sich einer Diskussion zu stellen – wo Letztere täglich Kultur leben und auch viele Bücher gelesen haben ...“ Michaela Steiner wiederum – immerhin Motor hinter heute fixen Errungenschaften wie Bühne im Hof oder Höfefest – rief eine Unterschriftenliste ins Leben, welche den vom Landeshauptmann hingeworfenen Fehdehandschuh (wie es viele empfanden) aufgriff und zur zentralen Chiffre des Aufrufes machte: „Information zur Unterschriftenliste der ‚kunstaffinen und kleinkarierten Provinzler‘“ Noch heute geht sie in Saft, wenn sie an die prinzipielle Vorgehensweise in der Causa denkt: „Ich bin einfach entsetzt, wie geheim die ganze Sache gehalten und ausgemacht wurde. Das halte ich demokratiepolitisch für extrem

„Ich bin schockiert, von der gesetzten Tatsache und wie das langjährig vorbereitete Projekt letztlich abgewickelt wurde!“ Lothar Fiedler, Präsident Förderverein Kulturbezirk

MFG 06.14

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MFG KULTUR

DAMALS - HEUTE. Grundsteinlegung für das Landesmuseum 2000, Pressekonferenz zur Neuordnung der Museumslandschaft 2014, welche einen Abzug der Kunstsektion vorsieht.

bedenklich! Warum bitte wird nach 100 Jahren die Kunst des Landesmuseums mutwillig demontiert?“ Genau dagegen opponiert sie mit der Unterschriftenliste, deren Kernanliegen sich wie folgt liest: „Wir sprechen uns ganz entschieden gegen diese Maßnahme aus, die auch ganz erhebliche Finanzmittel von 35 Millionen Euro erfordern würden. Wir fordern vielmehr das Land Niederösterreich auf, das Niederösterreichische Landesmuseum als Haus für Natur UND Kunst zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Eine Frage der Hauptstadt? Über 500 Personen haben den Appell mittlerweile unterschrieben, und dass sich darunter neben lokalen Größen auch zahlreiche Nicht-St. Pöltner-Kapazunder finden, hat der Debatte eine noch tiefere Dimension verliehen: Tatsächlich geht es nämlich nicht „nur“ mehr darum, dass die Kunst aus dem Landesmuseum abgezogen wird, sondern im Subtext flammt auch eine alte Grundsatzdebatte auf: Was macht die Hauptstadt aus? Wie muss sie ausgestattet sein? Wie steht es um das Bekenntnis zu ihr? Die bildende Künstlerin und Obfrau der Literarischen Gesellschaft, Eva Riebler, etwa persifliert diesbezüglich den ehemaligen Hauptstadt-Werbeslogan. „Eine Landeshauptstadt ohne Kunst ist wie ein Gulasch ohne Saft!“ und fragt sich „Wer hat eigentlich Interesse, die Landeshauptstadt künstlerisch so auszuhungern?“ 46

Damit spielt sie auf eine, auf den ersten Blick hin fast bizarr anmutende Wahrnehmung an: In der Öffentlichkeit werden bislang nämlich weniger die vermeintlichen Entscheidungsträger, also die Politiker, als vielmehr die Kulturbeamten als die „bösen Buben“ und Drahtzieher hinter der Aktion vermutet. Diesbezüglich geistert gar das Wort vom „Beamtenkomplott“ durch den Äther, eine Kremser Lobby habe sich durchgesetzt und die Politik, aus Selbstprofilierung, schlecht beraten, wie auch Herbert Binder andeutet. „Die Kulturpolitik in Niederösterreich erweckt in manchen Sektoren den Eindruck, als würde sie im Interesse der persönlichen seelischen Bereicherung des einen oder anderen Kulturbeamten veranstaltet. So sehr gepflegter Lokalpatriotismus Existenzgrundlage jedes demokratisch gewählten Politikers ist, so ist er doch ein absolutes No-Go als Handlungsmaxime leitender Beamter.“ Der ehemalige Kulturstadtrat St. Pöltens und spätere Landtagsabgeordnete Siegfried Nasko, der dieser Tage mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet wurde, ortet diesbezüglich überhaupt eine historische Kontinuität. Bis heute fehle in Kulturbelangen ein eindeutiges Bekenntnis des Landes zu seiner Hauptstadt.

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„Während der Linzer Kulturentwicklungsplan 1999 die kulturelle Infrastruktur und das künstlerischkulturelle Potential auf die konstruktive Zusammenarbeit von Stadt Linz und Land Oberösterreich zurückführte, gab es weder zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der St. Pöltner Kulturstudie – und gibt es bis heute nicht – ein eindeutiges und unumstößliches Bekenntnis seitens der Landesregierung bzw. der vor allem von dem in Krems beheimateten Joachim Rössl repräsentierten Landeskulturverwaltung zu St. Pölten auch als kulturelle Hauptstadt einschließlich aller damit verbundener wesentlicher Funktionen. Die St. Pöltner Kulturstudie kritisierte vor allem die Lancierung der politischen Option, neben St. Pölten Krems mit kulturellen Hauptstadt- bzw. Zentralfunktionen auszugestalten.“ Verdrängte Vision? Freilich, und das hält der ehemalige Kremser Bürgermeister Erich Grabner sowie Vorstandsmitglied des Vereins der „Freunde der Kunstmeile Krems“ nicht zu unrecht fest, war dieser Ansatz Doktrin der Landespolitik, seitdem Siegfried Ludwig die Hauptstadtfrage Mitte der 80er wieder auf die Tagesordnung hob. „Bei der Neuordnung Niederösterreichs vor 25 Jahren war das NÖ Dezentralisierungsmodell bekanntlich Bedingung und Voraussetzung für den Landeshauptstadtstandort St. Pölten. Ich erinnere mich an Gespräche damals über die Neustrukturierung Niederösterreichs, in welchen die Kulturlandschaft des NÖ Zentralraumes visionär derart skizziert wurde: St. Pölten – Schwerpunkt darstellende Kunst; Krems – Schwerpunkt bildende Kunst; Grafenegg – Schwerpunkt Musik. Diese Vision nähert sich nunmehr der Realität.“ Eine Vision und „Arbeitsteilung“, die in St. Pölten freilich nicht gern

„Es geht um langfristige Kulturpolitik, nicht um kleinkarierten Provinzialismus.“ Landeshauptmann Erwin Pröll gegenüber NEWS Niederösterreich


Kunstraub?

gehört, ignoriert, zuletzt sogar für überwunden gehalten wurde – wenngleich politische Fakten wie etwa das bereits zweimal verlängerte Regionalisierungsgesetz, das die Hauptstadt nach wie vor a priori aus einer Reihe von Landesfördertöpfen ausschließt, realpolitisch stets das Gegenteil untermauerten. Der Landeshauptmann griff die vermeintliche Doktrin aus der Mottenkiste im Zuge der Pressekonferenz sodenn ganz offen auf, wenn er einer „Funktionsergänzung“ zwischen St. Pölten als „Kompetenzzentrum für die Landesgeschichte“ und Krems als „Kompetenzzentrum für Bildende Kunst“ das Wort redete. Für pragmatische Geister wie Joe Wildburger, dem Obmann der Plattform St. Pölten 2020, ein in der Politik prinzipiell häufig falsch angewandtes Gießkannenmodell, das er auch im Fall der Museumsneustrukturierung ortet: „Nicht zum

ersten Mal fallen weder inhaltlich noch wirtschaftlich nachvollziehbare Entscheidungen nach Überlegungen, wie viele Schrebergärten im Land offensichtlich laufend neu bestückt werden müssen. Wieder einmal bevorzugen wir die Gießkanne statt des ‚Stärken stärken-Prinzips‘“ Kunst der Geldvernichtung? Damit bekommt die Debatte noch eine weitere, sehr grundlegende Dimension. Es geht, wie immer, auch ums (Steuer)Geld und seinen verantwortungsvollen Einsatz. Viele – wie zum Beispiel das langjährige Vorstandsmitglied des Landesverbandes der niederösterreichischen Kunstvereine, PENTA-Obmann Franz Rupp – halten die kolportierten 38 Millionen Euro für die zwei Museumsprojekte in Zeiten öffentlichen Spardrucks schlichtweg „für unnütze Geldverschwendung. Schon jetzt

bleiben in der Kunsthalle Krems die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück. Die Kunstsektion sollte weiterhin im Landesmuseum in St. Pölten verbleiben, dort gehört sie auch hin – in die Landeshauptstadt.“ Und Banker Wolfgang Just, als Generaldirektor der Sparkasse Niederösterreich Mitte West AG in finanziellen Belangen durchaus mit hoher Glaubwürdigkeit ausgestattet, spricht ironisch von „der Kunst der Geldvernichtung!“, um kopfschüttelnd hinzuzufügen: „In der Politik erlebt man manchmal ja die skurrilsten Dinge. Dass diese immer auf dem Rücken der Steuerzahler landen, beweist uns die Geschichte.“ Vor allem, so rechnet Just vor, bliebe es nicht bei den reinen Investitionskosten. „Dieser neue – völlig überflüssige – Museumspalast soll 35 Millionen Euro kosten. Schlägt man die Finanzierungskosten auf eine MFG 06.14

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MFG KULTUR

» Ein Museum ohne Schätze ist amputiert! Interview NORBERT STEINER

Norbert Steiner war als ehemalger NÖPLAN Chef federführend an der Umsetzung der Landeshauptstadt beteiligt und kennt die Genese des Kulturbezirks wie kaum ein anderer. Den nunmehrigen Plan, die Kunst aus dem Landesmuseum abzuziehen, lehnt er rundweg ab und warnt vor Langzeitfolgen.

WEGGEFÄHRTEN. Landeshauptmann Erwin Pröll und der ehemalige NÖPLAN Chef Norbert Steiner haben gemeinsam der Hauptstadt-Idee zur Realität verholfen. Der Landeshauptmann ehrte Norbert Steiner deshalb für seine Verdienste um das Land Niederösterreich.

Sie waren als ehemaliger NÖPLAN Chef einer der wichtigsten Umsetzer der Landeshauptstadt – waren auch im Hinblick auf den Kulturbezirk federführend involviert. Wie ist dieser zustande gekommen?

dern eine vollwertige Hauptstadt mit dementsprechenden zentralen Einrichtungen. Halten Sie den nunmehrigen Schritt in diesem Sinne für eine Art Kindesweglegung?

Prinzipiell muss man feststellen, dass das Museum damals nicht

Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich so aus, und ganz ehr-

dank, sondern trotz der Beamten der Kulturabteilung realisiert

lich, ich verstehe ihn nicht, kann ihn einfach nicht nachvollzie-

wurde. Die hätten es ja am liebsten, samt ihrer eigenen Abtei-

hen. Hier in St. Pölten wurde etwas Herzeigbares, Nachhaltiges

lung, in Wien belassen. Es ist daher den Politikern von damals,

geschaffen, und nun macht man es mies und unterminiert

allen voran Siegfried Ludwig, Erwin Pröll und Liese Prokop hoch

die Idee dahinter, demontiert das Museum – das ist schon ein

anzurechnen, dass sie sich zu einer vollwertigen Hauptstadt be-

starkes Stück! Wobei ich die „Täter“ auf der Kulturverwaltungse-

kannt haben und zu einem Museum, wo die Natur und Kunst-

bene orte. Hier gab es stets manch hohe Beamte, die mit der

schätze des Landes gezeigt werden.

Hauptstadt nicht allzuviel anzufangen wussten und eher mit Krems verheiratet sind.

Dieses Grundbekenntnis war auf dem Prinzip abgestellt, nicht nur eine „Tintenburg“ zu schaffen, son-

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Und die Politik?


Kunstraub?

Den Politikern war bislang immer klar, dass nur eine vollwertige

für unausgewogen und unverhältnismäßig. Zum Vergleich: Der

Landeshauptstadt die Früchte und Effekte trägt, die man sich

gesamte Kulturbezirk hat uns ehemals 1 Milliarde Schilling ge-

von ihr erhofft. Es geht ja nicht um Krems oder St. Pölten, son-

kostet.

dern es geht um die Hauptstadt als Zentrum des Landes, das in selbstverständlich und unbedingt die kulturellen Einrichtungen

Was halten Sie prinzipiell von der Idee eines Hauses der Geschichte in St. Pölten?

Konkurrenz zu den anderen Hauptstädten steht – da gehören dazu! Stellen Sie sich vor, man beschließt etwa in Innsbruck ei-

Ein Museum lebt von Schätzen, von der Originalität, von der

nen Teil der Schätze nach Hall zu transferieren – das ist doch

Haptik. Welche Schätze zeigt man aber, wenn man diese jetzt

undenkbar.

nach Krems trägt? Es gibt ja keine Sammlung für ein Haus der

Wir sind Krems sicher nichts neidisch, aber man darf, nein man

Geschichte. Alle reden aktuell von der Ostarrichi-Urkunde und

muss umgekehrt verfechten und schützen, was die Hauptstadt

ähnlichem – nur, die liegt z. B. im bayrischen Nationalmuseum.

ausmacht – und zwar für Niederösterreich! Wenn man die

Für mich bleibt also der Befund, dass man mit dem nun ge-

Standorte Krems und St. Pölten weiterentwicklen möchte, so soll

planten Schritt eines der zwei Standbeine des Landesmuse-

man das tun, aber doch bitte nicht einen auf Kosten des an-

ums, nämlich die Kunst, mutwillig amputiert ohne etwas Gleich-

deren!

wertiges zu schaffen.

Wobei ja nicht das ganze Landesmuseum verlegt wird, sondern „nur“ die Kunstabteilung.

desmuseums seit jeher – von seinen Schätzen, sowohl was die

In St. Pölten kursiert mittlerweile eine Unterschriftenliste gegen die Pläne, viele, auch seitens des Landes hochdekorierte Persönlichkeiten, machen sich für den Verbleib der Kunstsektion im Landesmuseum stark. Glauben Sie, dass dies noch irgendetwas bewirken kann?

Kunst, als auch was die Natur betrifft. Hans Hollein hatte ganz

Also ich glaube immer daran, dass man noch etwas ändern

klar den Auftrag, ein Haus für Natur und für Kunst zu konzipieren

kann, solange nicht gebaut, geschweige denn geplant wird.

– und wie stolz waren wir nicht alle, dass Holleins einziger Mu-

Bislang besteht ja nur ein Grundsatzbeschluss des Landtages.

seumsbau in Österreich Realität wurde. Das war übrigens nicht

In dieser Phase ist es also durchaus noch möglich, eine ver-

zuletzt dem Landeshauptmann zu danken. Und jetzt möchte

nünftige, ausgewogene Entwicklung für Krems und St. Pölten

man das einfach amputieren – das versteht niemand.

voranzutreiben – ohne einem Standort etwas wegzunehmen.

Die ist aber ein Herzstück! Das Landesmuseum lebt ja – und das hat der Landeshauptmann selbst im Zuge der Eröffnung 2002 betont und das ist ja ursächlichste Bestimmung des Lan-

In diesem Sinne halte ich es mit Siegfried Ludwig, der zu mir

Den Kritikern an den Plänen wurde seitens der Landespolitik sowie Teilen der Beamtenschaft schnell der Begriff „Provinzialismus“ um die Ohren geschleudert. Ist da vielleicht etwas dran?

immer gesagt hat: „Herr Steiner, aufgeben tut man Briefe.“

Das ist eine Argumentation, die weit unter der Gürtellinie ist

als Nächstes? Landeshauptmann Erwin Pröll ist seinerzeit mit

Man muss die ganze Causa auch umfassender betrachten. Es geht um die Hauptstadt und ihre Funktion. Wenn man jetzt beginnt, die Kunst fortzutragen, wo hört es dann auf? Was kommt

und erst recht Widerstand erzeugt hat. Wir haben in Niederö-

der Realisierung des Kulturbezirks, mit der Umsetzung des Lan-

sterreich und mit dem Kulturbezirk, denke ich, sehr eindrucks-

desmuseums so viel gelungen. Ich glaube nicht, dass es in sei-

voll bewiesen, dass uns provinzielles Denken fern liegt. Auf dem

nem Sinn ist, das alles jetzt zunichte zu machen.

Weg zur Hauptstadt war Transparenz unsere oberste Maxime, wir waren stets bereit, die Dinge öffentlich und breit zu diskutieren. Wenn also etwas provinziell, kleinkariert und überholt ist, so bestenfalls die Vorgehensweise in dieser Angelegenheit, dass man solch weitreichende Pläne ohne vorangehenden Meinungsbildungsprozess völlig an der Öffentlichkeit vorbei schmiedete, um die Bürger dann vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das ist ein unkultivierter Umgang mit den Bürgern, der bei Großprojekten dieser Dimension einfach nicht mehr vorkommen darf.

Weil Sie die Kosten ansprechen. Auch diese haben ja viele Kritiker auf den Plan gerufen. Dass man in Zeiten wie diesen um 38 Millionen Euro – wir sprechen also von über 500 Millionen Schilling in alter Währung – derartige Projekte hochziehen möchte, obwohl es schon ein intaktes Landesmuseum samt Kunstsammlung gibt, halte ich

KULTURBEZIRK. Hans Hollein (li), Erich Steiner (mi.) und Norbert Steiner (re.) vor der Baugrube des Landesmuseums.

MFG 06.14

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MFG KULTUR

KUNSTKENNER IM MUSEUM. Das Ehepaar Leopold, Carl Aigner, Herbert Binder.

Laufzeit von 25 Jahren dazu, sind 50 Millionen Euro zu veranschlagen; umgerechnet in früheren Alpendollar sind das unglaubliche 700 Millionen! Mit den Errichtungs- und Finanzierungskosten ist es zudem noch nicht getan, da jedes weitere Museum auch noch hohe laufende Kosten verschlingt.“ Vor einer ganz anderen Art der Kapitalvernichtung, nämlich jener von Humankapital, warnt hingegen Galerist Karl Heinz Maringer, seines Zeichens auch bildnerischer Erzieher: „Wenn das so kommt, ist das ein ganz trauriger Moment für die Entwicklung der modernen Kunst in St. Pölten. Wir sind eine Schul- und Bildungsstadt mit 20.000 Schülern und Studenten – viele von ihnen sind im Laufe der Jahre mit ihren Klassen ins Landesmuseum gekommen und dort mit Kunst am Original konfrontiert worden. In Hinkunft wird das nicht mehr passieren, denn nach Krems werden sie nicht fahren. Damit fällt aber auch das Entfachen der Begeisterung für Kunst weg, das Heranerziehen neuer junger Interessensgruppen, die die Besucher von morgen darstellen – das ist auf Sicht ein schlimmer Substanzverlust!“ Sowohl als auch Und das Haus der Geschichte? Schwingt bislang eher als eine Art

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Appendix in der „Kunstraub“-Debatte mit. So meint etwa Joe Wildburger: „Natürlich ist es ein großer Erfolg, wenn in St. Pölten im Herzen Ostarrichis ein österreichweit längst notwendiges Haus der Geschichte errichtet wird. Nur was hat das mit bildender Kunst, einer Landesgalerie oder einem Sammlermuseum zu tun?“ Möglicherweise sogar mehr, als bislang „kommuniziert“ wurde: So geht in Insiderkreisen das Gerücht, das Durchringen zur Realisierung eines Hauses der Geschichte habe überhaupt erst das Rad in Sachen Kunstabsiedlung in Gang gesetzt, weil man Platz für die Historienschau machen müsse. Wie dem auch sei, aktuell muss das Haus der Geschichte – dem viele an sich gar nicht ablehnend gegenüber stehen – jedenfalls mit dem Kollateralschaden der Ablehnung leben, weil es unter dem Junktim „Kunst oder Geschichte“ wahrgenommen wird. Viele orten in dem Projekt zudem eine Art Lückenbüßer und Beruhigungspille, welche den Abzug der Kunst kompensieren soll. „Es kann doch nicht sein, dass man nur mehr Molche, Fische etc. im Landesmuseum zeigt – St. Pölten braucht auch moderne Kunst! Und das Haus der Geschichte halte ich für eine Alibihandlung – ich bin äußerst skeptisch, dass es die erhoffte Attraktivität und Besuchersteigerung bringen wird“, zweifelt etwa Karl Heinz Maringer. Optimistischer sind diesbezüglich schon die Touristiker. Eva Prischl von der städtischen Tourismusabteilung etwa wälzt bereits Pläne. „Im Hinblick auf die kulturtouristische Wertschöpfung in St. Pölten sollte das zukünftige ‚Haus der Geschichte‘ ein Ausflugsziel von Schulklassen im Rahmen des Unterrichtsgegenstandes Geschichte sein. Somit wäre ein neues touristisches Geschäftsfeld – betreute mehrtägige

„Wieder einmal bevorzugen wir die Gießkanne statt des ‚Stärken stärken-Prinzips‘!“ Josef Wildburger, Obmann Plattform St. Pölten 2020

Projekttage – geboren“, und Andreas Purt, Geschäftsführer des Mostviertel Tourismus, ist überzeugt „dass toll umgesetzte Projekte immer auch entsprechende Relevanz auf Besucherzahlen und damit freizeittouristische Umsätze haben. Die Geschichte Niederösterreichs wird mit Sicherheit viele neue Besucher nach St. Pölten locken.“ Auch die von vielen monierte Investitionsschieflage, hier 35 Millionen in Krems, dort drei Millionen in St. Pölten, hält er im Sinne eines langfristigen Ausgleichs für nicht weiter tragisch: „In den letzten Jahren wurden von Seiten des Landes erhebliche Investitionen im Mostviertel, aber auch in St. Pölten – Stichwort Stadion etc. – vorgenommen. Aktuell steht der alpine Raum des Mostviertels mit den Investitionen rund um die Landesausstellung 2015 regional im Fokus. Die Prioritäten schwanken immer wieder, gleichen sich aber aus meiner langjährigen Erfahrung doch regelmäßig aus.“ Eine Ansicht, die nicht alle teilen. So meint etwa Siegfried Nasko, nicht frei von Polemik: „Diese kontinuierliche Präferierung von Krems auf Kosten St. Pöltens im Bildungs- und Kulturbereich erinnert fatal an die deutschen Besatzungsjahre, in denen Krems Gauhauptstadt war und St. Pölten gleichfalls mit leeren Floskeln abgespeist wurde. Schon aus diesen Gründen würde ein Haus der zumindest Lokal- oder Landes-Geschichte durchaus auch den Kremsern zur Selbstfindung gut tun.“ Kunststück Die Fronten scheinen also verhärtet, wobei sich zuletzt zwei Falllinien herauskristallisiert haben. Zum einen sind da jene die noch eine Chance auf prinzipielle Revidierung bzw. Adaptierung der Pläne sehen – kurzum einen Verbleib der Kunst im Landesmuseum für möglich halten. So appelliert zum Beispiel Franz Rupp: „Die Verantwortlichen in der Landespolitik sollten den bereits beschlossenen Schritt nochmals gründlich überdenken“, und auch Norbert


Kunstraub?

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„St. Pölten braucht auch moderne Kunst. Das Haus der Geschichte halte ich für eine Alibihandlung.“ | Karl-Heinz Maringer, Galerist

Steiner glaubt, dass der Zug noch nicht abgefahren ist, „weil es bislang ja nur einen Grundsatzbeschluss gibt.“ Parallel dazu hört man auch pessimistischere Stimmen, die sich bereits Gedanken über die Kunst-Zukunft machen – auch mittels konkreter Ideen – wie zum Beispiel den Obmann des St. Pöltner Künstlerbundes Ernest Kienzl: „Ich könnte die Situation akzeptieren und mich bis zur nächsten Wahl still in den Schmollwinkel zurückziehen, was aber genau so wenig meine Art ist, wie laut zu schreien, um einen Bürgeraufstand anzuzetteln – obwohl, darüber habe ich zumindest nachgedacht. Ich will vielmehr einer konstruktiven Lösung das Wort reden, denn ich weiß, dass die Kunst ein wesentlicher Bestand-

teil einer funktionierenden, qualitätvollen, lebens- und besuchenswerten Landeshauptstadt ist.“ Worauf man nunmehr wartet, ist ein ernstzunehmendes Signal des Landes, wie man sich in Hinkunft in Sachen Kunst in der Hauptstadt seriös und nachhaltig einbringen will. Solange es diesbezüglich keine konkreten Zusagen gibt bzw. ein Abrücken von den Kunstabzugsplänen, wird der „Streit der Eliten um die NÖ-Galerie“, wie es Hubert Wachter von NEWS betitelt hat, wohl noch eine Zeit lang weiterköcheln – auch weil man gar nicht anders könne, wie etwa Lothar Fiedler betont: „Was erwartet man von einem Förderverein Kulturbezirk St. Pölten mit 550 Mitgliedern, von Kulturinteressierten, die sich seit Jahren in-

tensiv an der Bildkunst im Landesmuseum erfreut haben? Sie werden nicht schweigen!“ Vielleicht wird es aber gerade der Förderverein Kulturbezirk als unmittelbarstes Scharnier zwischen den Institutionen des Kulturbezirks und der heimischen Kunstszene sein, dem es gelingt eine tragfähige Brücke zu bauen, über die letztlich alle ohne Gesichtsverlust und einigermaßen befriedet (und befriedigt) schreiten können. Und wer weiß – vielleicht bringt der nun kontroversielle Prozess am Ende des Tages sogar ein Ergebnis, das auf Sicht nachhaltiger wirkt als der Status Quo: Substanzielle (Landes)Kunst UND ein attraktives Haus der Geschichte in der Hauptstadt. Das wäre dann das wahre Kunststück! MFG 06.14

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MFG KULTUR

„Das gröSSere Ganze im Auge behalten“ Hermann Dikowitsch ist Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich. Mit MFG sprach er über die Hintergründe des Abzuges der Landeskunst von St. Pölten nach Krems, über das „Haus der Geschichte“ und warum niemand ein Bekenntnis des Landes zur Kultur der Hauptstadt anzweifeln könne. Auf welchen konkreten Überlegungen und Beschlüssen fußt der Schritt, die Kunstsektion des NÖ Landesmuseums nach Krems zu verlegen und dort eine Landesgalerie/Sammlermuseum in der Höhe von 35 Millionen Euro zu errichten, zugleich um drei Millionen Euro ein Haus der Geschichte in St. Pölten?

Der Neuordnung der Sammlungs- und Ausstellungsstrategie geht eine langfristige, mehrjährige Vorbereitung voraus. Ihren Ausgang nahm diese Umstrukturierung mit der Empfehlung des niederösterreichischen Kultursenates, derzufolge eine klarere Ausrichtung der Museumslandschaft in Niederösterreich gefordert wurde. Dieser Empfehlung wurde nun Rechnung getragen und ein Maßnahmenpaket eingeleitet. Zur Konzentration von thematischen Schwerpunkten wurden die Ausstellungszentren „Carnuntum“ mit der archäologischen Sammlung aus der Römerzeit, das „MAMUZ“ in Mistelbach und Asparn/Zaya mit der Urund Frühgeschichtesammlung sowie das „Museumsdorf Niedersulz“ mit der Volkskundesammlung ausgebaut. In logischer Konsequenz folgt nun die Erweiterung der Kunstmeile Krems mit Bildender Kunst und eine Schwerpunktsetzung auf Natur- und Landeskunde im Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten. Ein österreichweit einzigartiges Haus der Geschichte wird künftig eine dauerhafte Darstellung der Landesgeschichte von Niederösterreich als historisches Kernland der Republik Österreich präsentieren. Auf Grundlage der neu erstellten Strategie für die Sammlungen des Landes Niederösterreich wurden die genannten Schwerpunktsetzungen sowohl in Krems als auch in der Landeshauptstadt von der Landesregierung und dem Niederösterreichischen Landtag beschlossen. In St. Pölten hat sich inzwischen massiver Protest gegen diesen Schritt gebildet, eine Unterschriftenliste ist im Umlauf. Überrascht Sie dieser Gegenwind? Können Sie ihn nachvollziehen?

Ich habe Verständnis für die Bedenken von Einzelpersonen für diese Veränderungen. Einen massiven Protest kann ich jedoch nicht orten. Die Ausstellungs- und Museumslandschaft ist heute eine ganz andere als jene vor zwanzig Jahren, weshalb eine entsprechende Adaptierung erforderlich wurde. Es gibt von einer Vielzahl an Kulturinteressierten ein äußerst positives Echo und eine breite Zustimmung zur geplanten Neuordnung der Museumslandkarte. Von 52

renommierten Kulturexperten wird sie als herausragender Meilenstein für das Kulturgeschehen Niederösterreichs befürwortet. Diese Entscheidung wurde durch den St. Pöltener Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und durch den Kremser Bürgermeister Dr. Reinhard Resch mitgetragen und gemeinsam mit Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll präsentiert. Das Gesamtprojekt „Museum Niederösterreich“ wird der Landeshauptstadt St. Pölten einen großen Nutzen und eine enorme Aufwertung bringen. Wir erwarten uns dadurch einen weiteren Anstieg der Besucherzahlen und damit verbunden eine wirtschaftliche Wertschöpfung für die Landeshauptstadt.


TEXT: Johannes Reichl | Foto: ZVG

Warum wurde diese Causa gänzlich ohne öffentlichen Diskurs geführt? War die Kommunikation – um es einmal euphemistisch auszudrücken – nicht äußerst unglücklich?

Wir haben bei dieser Neupositionierung die betroffenen Institutionen miteingebunden, die ihre Positionen eingebracht haben. Eine neue Museumsordnung wurde vom niederösterreichischen Kultursenat einstimmig beschlossen, einem Gremium, das sich aus Vertretern aller wesentlichen Kunstsparten und -richtungen zusammensetzt. Es wird natürlich auch in Zukunft Bildende Kunst in der Landeshauptstadt vertreten sein. Sei es themenbezogen im Rahmen der Neupräsentation der Landesgeschichte oder auf der Ausstellungsbrücke im Niederösterreichischen Landhaus. Außerdem ist eine Aufwertung des Niederösterreichischen Dokumentationszentrums für moderne Kunst in St. Pölten angedacht, was mit der Stadtgemeinde sowie dem Leiter des Dokumentationszentrums, DDDr. Leopold Kogler, akkordiert ist. In der Diskussion wurde schnell die Provinzialismuskeule geschwungen und eine Neiddebatte unterstellt. Die Kritisierten ihrerseits sagen genau umgekehrt, es sei provinziell, gießkannenmäßig einen Flickenteppich zu schaffen anstelle sich zu zentral etablierten Hauptstadteinrichtungen zu bekennen – in anderen Bundesländern sei ein derartiger Schritt undenkbar. Wie sehen Sie das?

Unser Ziel ist es abseits von „Besitzstandwahrung“ das größere Ganze im Auge zu behalten und nachhaltig zu planen. Demnach verfolgen wir eine Kulturpolitik, die den Fokus nicht nur auf den Zentralraum legt, sondern Kulturangebote im ganzen Land forciert und ermöglicht. Auch in anderen Ländern geht man mittlerweile von einer Zentralisierung ab und eröffnet wichtige Museen in den Regionen, zum Beispiel in Frankreich mit einem zweiten Louvre in Lens oder einem zweiten Centre Pompidou in Metz. Mit einer Galerie Niederösterreich am Standort der Kunstmeile Krems verstärken wir die Stärken dort, wo sie bereits erfolgreich bestehen. Zudem kann niemand ein Bekenntnis des Landes zur Kultur in der Landeshauptstadt ernsthaft anzweifeln. Man denke dabei an den Kulturbezirk mit dem Landesmuseum, dem Festspielhaus, dem Landesarchiv und der Landesbibliothek oder dem Landestheater und der Bühne im Hof sowie weiteren maßgeblich vom Land Niederösterreich unterstützten Aktivitäten wie etwa dem Cinema Paradiso. Jede dieser Einrichtungen spielt eine große Rolle im heimischen Kulturgeschehen und untermauert die Bedeutung der Landeshauptstadt für Niederösterreich. In einem nächsten Schritt wird dieses

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„Unser Ziel ist es abseits von ‚Besitzstandwahrung‘ das größere Ganze im Auge zu behalten und nachhaltig zu planen.“

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„Alleine durch die Bautätigkeit im Kulturbereich hat das Land Niederösterreich durch Investitionen von 300 Millionen Euro ein Ausgabenvolumen in der Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro mit ausgelöst.“

umfassende Angebot um den Bereich der Landeskunde erweitert, der bisher im Landesmuseum gänzlich unterrepräsentiert war. Ein Bedürfnis, das auch von den Besuchern des Landesmuseums immer wieder betont wurde und dem nun entsprechend Folge geleistet wird. Der Grundentwurf Holleins war ursprünglich auf doppelt soviel Fläche ausgelegt, die aber aus Kostengründen halbiert wurde – Platz, der im Landesmuseum danach fehlte. Das Haus wurde innerhalb von nur zehn Jahren – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Präsentation der Kunst – mehrmals umgebaut. Nun schafft man, auch unter dem Hinweis fehlender Platzressourcen, mehr Fläche für die Landeskunst ... in Krems. Ist das nicht widersinnig und macht zugleich die vorherigen Umbauten zu einem Akt reiner Geldvernichtung?

Sie dürfen einen wichtigen Faktor nicht außer Acht lassen: Die Landessammlung hat in den letzten beiden Jahrzehnten durch Schenkungen, Erbschaften und Überlassungen sowie durch Ankäufe eine starke Dynamisierung erfahren und ist dadurch massiv angewachsen. Unser Anliegen ist es, diese Kunstschätze nicht in Depots verschwinden zu lassen, sondern der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür werden zusätzliche Ausstellungsflächen benötigt. Nach dem Prinzip, die eigenen Stärken zu stärken sowie die öffentlichen Mittel effizient und bestmöglich für das Land Niederösterreich einzusetzen, fiel die Wahl auf eine Erweiterung der Kunstmeile Krems, die sich in den letzten zwanzig Jahren als Ausstellungszentrum für nationale und internationale Kunst bewegt und heute als wichtige erfolgreiche Bereicherung des europäischen Ausstellungswesens bezeichnen kann. Das Landesmuseum wurde bereits vor ein paar Jahren um einen zusätzlichen Sonderausstellungsbereich für landeskundliche Themen erweitert, der nun ausgebaut wird. Und die neue Gastronomie sowie die barrierefreie Zugangsmöglichkeit sind aus dem heutigen Angebot des Landesmuseums nicht mehr wegzudenken. Die NÖKU hat zuletzt aus Kostengründen bestimmte Einrichtungen gestrichen wie z.B. Klangturm St. Pölten, das Festival Kontraste in Krems etc. Die vorhandenen Institutionen sind zum Sparen verpflichtet – zugleich wird nun die Museumslandschaft in Niederösterreich um 38 Millionen Euro ausgebaut. MFG 06.14

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MFG KULTUR

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„Es wird natürlich auch in Zukunft Bildende Kunst in der Landeshauptstadt vertreten sein.“

Wie erklärt man das den Mitarbeitern, wie erklärt man es v.a. den Steuerzahlern angesichts angespannter Budgets? Wie werden die zwei neuen Museumsprojekte in Krems und St. Pölten finanziert?

Wir gehen im Kulturbereich besonders sorgsam und effizient mit den Mitteln der öffentlichen Hand um. Auf der einen Seite werden kulturelle Aktivitäten permanent evaluiert und Konsequenzen daraus gezogen. Auf der anderen Seite können knappe Budgets nicht zugleich Stillstand bedeuten, denn damit würden wir im Wettbewerb mit anderen Regionen sofort in Rückstand geraten. Kultur ist in Niederösterreich mittlerweile auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Alleine durch die Bautätigkeit im Kulturbereich hat das Land Niederösterreich durch Investitionen von 300 Millionen Euro ein Ausgabenvolumen in der Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro mit ausgelöst und alleine durch die Baumaßnahmen 5.700 Arbeitsplätze in Niederösterreich geschaffen bzw. abgesichert. Auch durch die neuen Investitionen wird die Wirtschaft und in weiterer Folge der Tourismus beider Regionen angekurbelt.

Das gröSSere Ganze im Auge behalten

Was hat den Ausschlag für ein „Haus der Geschichte“ gegeben? Nach außen hin wirkt der Entschluss ja aufs Erste wie eine Alibihandlung, um eine Kompensation für das Abwandern der Kunst aus St. Pölten zu schaffen. Was steckt für eine Idee dahinter?

Für Museen ist es entscheidend, dass diese nicht vom Stillstand, sondern von der Weiterentwicklung leben. Es ist niemandem geholfen, wenn nicht permanent über Verbesserungen nachgedacht wird. Das trifft auch auf die zeitgemäße Präsentation eines Landesmuseums zu, um den Anforderungen der Besucher gerecht zu werden. Aufgrund der unterrepräsentierten Landesgeschichte gab es seit Jahren Überlegungen, diesen Bereich im Landesmuseum auszubauen. Zudem ist diese Maßnahme Teil der niederösterreichischen Sammelstrategie, der eine langfristige Planung vorausgeht. Ein „Haus der Geschichte“ scheiterte bisher auf Bundesebene auch an einem fehlenden, sinnvollen Museumskonzept. Hat man ein solches in Niederöstereich nunmehr gefunden? Wie sieht dieses im Detail aus?

Ich werde nicht den Umgang des Bundes mit einem Haus der Geschichte kommentieren. In Niederösterreich gehen wir einen eigenständigen, erfolgreichen Weg. Das Landesmuseum, in dem nun ein Haus der Geschichte eingerichtet wird, soll die bedeutenden Ereignisse des Landes von der Urgeschichte bis hin zur Gegenwart der Bevölkerung näherbringen, wobei ein wesentlicher Schwerpunkt auf den Bereich der Zeitgeschichte gelegt wird, der ein wachsendes Interesse bei den Menschen hervorruft. Die Konzepte für die Dauerausstellung werden unter breiter wissenschaftlicher Einbindung erarbeitet und zu gegebenem Zeitpunkt der Öffentlichkeit präsentiert. Es wird mit Sicherheit keine Ausstellung der herkömmlichen Art, sondern eine spannende und interaktive Präsentationsform unter Einbeziehung modernster Medien mit einem besonderen Augenmerk auf die Vermittlungstätigkeit. Welchen Grundstock wird man für das neue „Haus der Geschichte“ finden – eine eigentliche Sammlung besteht dafür ja bislang nicht. Wird auch Kunst, als Teil und zwecks Dokumentation der historischen Entwicklungen, „exemplarisch“ Teil dieses Museums sein?

Die für eine Präsentation erforderlichen Exponate befinden sich teilweise in öffentlichen, aber auch in privaten Sammlungen. Erfahrungsgemäß konnten auch über Sammelaktionen, wie etwa der Staatsvertragsausstellung auf der Schallaburg, viele interessante Leihgaben zusammengetragen werden. Die Auswahl der Exponate wird von einem wissenschaftlichen Kuratorenteam erfolgen, dem ich jetzt noch nicht vorgreifen möchte. Ich gehe aber davon aus, dass hier themenbezogen auch Werke der Bildenden Kunst einbezogen werden. 54


MFG KULTUR

CLAUDIA ZAWADIL

Die Zeitreisende

Sie zählt zu den künstlerisch umtriebigsten Personen St. Pöltens. Ob Fotografie, Film, Radio, Literatur, Journalismus oder beseeltes DJing – nichts ist vor ihr sicher. Und das ist auch gut so. Thomas Fröhlich sprach mit Claudia Zawadil anlässlich ihrer aktuellen Foto-Ausstellung „Aus der Zeit gefallen“ – über vergessene Orte, analoge Bilder und die Fallstricke des offiziellen Kulturbetriebs.

E

s wirkt auch ein wenig wie aus der Zeit gefallen: das Kultig beim Kaiserwald. Mit seinen knarzigen Böden, den alten Schildern und Plakaten an den Wänden und dem Stammtisch-Unikum aus massivem Holz gleich neben dem Eingang links ist es der richtige Ort, um mit der Allrounder­in Claudia Zawadil ein Gespräch über ihre aktuelle Foto-Ausstellung zu führen, die den Titel „Aus der Zeit gefallen“ trägt.

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Die Künstlerin erscheint pünktlich, wir nehmen an besagtem Stammtisch Platz; und nach der dringend notwendigen Bestellung von zwei Seidln gehen wir gemütlich in medias res. „Mir ist es ein Anliegen, versteckte Orte meiner Heimatstadt zu zeigen, die sich bis jetzt der Hektik der heutigen Zeit widersetzt haben, in denen eine – heutzutage ungewohnte – Ruhe herrscht“, führt Zawadil aus. „Sämtliche Motive sind wie ‚aus der

Zeit gefallen‘. Sie weichen ab vom alltäglichen Bild der Stadt, das uns auf den belebten Pfaden, beim Shoppen oder In-die-Arbeit-gehen begegnet. “ Nostalgie? „Nein, überhaupt nicht. Ich hab‘ beispielsweise jene Innenhöfe, die nicht zuletzt dank des Höfefests wieder restauriert und gepflegt werden, da gar nicht fotografiert. Mir ging es um ein bildnerisches Festhalten vergessener Orte. Orte, die auch jederzeit verschwinden können, weil sie halt weder besonders pittoresk noch dezidiert touristisch nutzbar sind. Alte Orte, an denen die – moderne – Zeit buchstäblich vorüber gegangen ist.“ Und natürlich gehe es um Erinnerung. „Ich hab‘ ja – wie viele – in erster Linie deshalb zu fotografieren begonnen, um haltbare Erinnerungen zu haben. Urlaubsfotos, Geburtstagsparties – so was.“ Sie grinst. „Und dann kam halt bei mir auch eine kreative, künstlerische Herangehensweise hinzu. Und das nicht nur bezüglich der Fotografie. Zawadil, die am 30.05.1978 „während eines fürchterlichen Gewitters in St. Pölten auf die Welt gekommen“ ist, gelangte erst relativ spät zur Kunst. „Ich komm’ aus einer Arbeiterfamilie – da gab’s andere Wertigkeiten.“ Jedoch: „Fotografie hat mich immer schon interessiert.“ Nach langjähriger Tätigkeit in einem technischen Betrieb folgte ein fünfjähriges Studium im Bereich Medientechnik an der FH St. Pölten, welches sie vor etwa drei Jahren mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss. Zudem machte sie sich einen Namen als Fotografin, (Kurz-)Filmemacherin, Redakteurin bei der Musikzeitschrift Concerto, CityFlyer-Mitarbeiterin und seit 2007 als Moderatorin der Musiksendung „BlackXplosion“ auf Campus & City Radio 94,4. Mission Funk Letzteres ist ihr ein besonderes Anliegen. „Die am längsten laufende Sendung im Campus Radio überhaupt!“, freut sie sich. Und es ist österreich-


TEXT: Thomas Fröhlich | Fotos: Claudia Zawadil/zvg

weit so ziemlich die einzige zu Soul und Funk, in der hervorragend recherchierte und detaillierte Angaben zu den jeweiligen Interpreten geliefert werden. Eine musikalische Ausrichtung, die Zawadil auch als DJane mit dem klingenden Pseudonym „Miss Marple“ und „strictly vinyl“ pflegt. Wobei das Auflegen eine Zeitlang pausieren musste: „Ich habe eine Weile im offiziellen Kulturbetrieb gearbeitet. Das war Abnutzung pur und hat letztendlich jegliche Kreativität in den Minusbereich versetzt.“ Jetzt sei sie als Broterwerb fürs e-Marketing eines Segelzubehör/Lifestyle-Shops tätig: „Und ich sag‘s dir: Beides probiert – kein Vergleich!“ Sowohl bei der Auswahl ihrer Schallplatten als auch in ihrer Radiosendung sticht eins heraus: ihre unbedingte Liebe zum Soul. Was ihr daran so gefällt?„Gar nicht so einfach zu sagen.“ Zawadil denkt kurz nach. „Ursprünglich hat’s bei mir mit Funk angefangen: Der Groove, diese faszinierenden Basslaufe, die Leidenschaft, die da transportiert wird, und letztendlich auch die lyrics – das hat mich in seinen Bann gezo-

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gen.“ Während sie spricht, beginnen ihre Augen beinahe wie unter imaginären Stroboskopblitzen zu leuchten. „Und übern Funk bin ich dann zum Soul gekommen: Am Anfang war mir der, das muss ich zugeben, ein bissl zu fad. Aber ich bin da im Laufe der Zeit richtig reingekippt.“ Nachsatz: „In St. Pölten hat sich ja sonst kaum jemand mit dieser Art von Musik beschäftigt. Und ich wollte das halt in die Stadt hinein tragen. Darum hab’ ich vor etwa 15 Jahren aufzulegen begonnen.“ Mission Funk sozusagen. Doch zurück zur Fotografie. „Ich kann in meiner freien Zeit, also in der ich meinen künstlerischen Projekten nachgehe, auf Dinge wie Smartphone, Tablet und so weiter ganz gut verzichten. ‚Aus der Zeit gefallen‘ ist mit einer alten DDR-Mittelformatkamera und SchwarzweißRollfilm geschossen worden. Analoge Fotografie besitzt eine eigene, dem Thema sehr adäquate Ästhetik. Und du fotografierst mit analogem Material anders. Zurückhaltender. Achtsamer. Überlegter. Weil – auf so einem Film sind grad einmal zwölf Fotos drauf. Mit der Digitalkamera

fotografierst du ja eher so drauf los.“ Wie es mit Vorbildern aussieht? „Ich bewundere Helmut Newton und Annie Leibovitz, die diese herrlichen Rolling Stone-Fotos macht. Aber Vorbilder? Die fotografieren ja hauptsächlich Menschen. Ich selbst tu‘ das ja nicht, außer wenn ich etwa fürn CityFlyer Fotos mach’.“ Sie lacht. „Nicht, dass ich keine Menschen mag, aber ich interessiere mich künstlerisch eher für Architektur.“ Am ehesten gehe noch der 2007 verstorbene französische Architekturfotograf Lucien Hervé als direkter Einfluss durch. Nach einigen Einzel- und mehreren Gruppenausstellungen und wiederholter Mitwirkung beim Poladarium 2014 und 2015, gleichsam der Weihestätte für internationale Polaroidfotografie, findet nun am 18. Juni im akta-Salon Schreinergasse die Vernissage zu Zawadils „Aus der Zeit gefallen“ statt. Die Ausstellung läuft bis Ende August 2014. Und lädt nicht zuletzt dazu ein, die Stadt wieder einmal bewusst abseits der Trampelpfade zu durchwandern. Ist ja nur eine Zeitfrage. Oder?

„Du fotografierst mit analogem Material anders. Zurückhaltender. Achtsamer. Überlegter.“ MFG 06.14

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MFG ADVERTORIAL

Ein Sommer wie Dieser! Summertime ist kulturell betrachtet „Saure-Gurken-Zeit“, hieß es früher einmal. Doch das ist lange her. Mittlerweile entpuppen sich die Sommermonate als mindestens genauso sprühend und aktiv wie die offizielle Saison. Alleine das Theaterfest Niederösterreich versammelt unter seinem Dach nicht weniger als 23 Orte mit insgesamt 28 Produktionen, in St. Pölten blühen Perlen wie das Jazzfest oder das Höfefest, in Wien verwandeln sich die Staatsoper und das Konzerthaus zu Jazzbühnen, Grafenegg bittet die E-musikalische Weltelite vor den atemberaubenden Vorhang im Freien und in St. Margarethen wird das angeblich sperrige Genre „Oper“ zum Massenphänomen. Nachstehend finden Sie einen kleinen Überblick, welche Highlights Sie diesen Sommer nicht versäumen sollten. 14. – 21. 06.

Barockfestival ST. Pölten

25.06. – 19.07.

Attwenger live in Krems

Das Publikum wird unter dem diesjährigen Leitthema „Neuland“ mit Joel Frederiksen, Lorenz Duftschmid, Matthias Loibner uvm. an ausgewählten Spielstätten, deren Architektur und Akustik in perfekter Symbiose zur Musik dieser Zeit stehen, wieder ein qualitativ hochwertiges Programm erleben.

Ab 25.6. zeigt das Kino im Kesselhaus in Krems wieder eine feine Auswahl an Lieblingsfilmen unter freiem Sternenhimmel. Die Kultband Attwenger eröffnet das Open Air Kino mit einem Live-Konzert und nimmt uns anschließend in ihrem rasanten Handyroadmovie FLUXGIGS in 18 Städte mit.

www.barockfestival.at

06. 07. – 01. 08.

Operklosterneuburg

www.kinoimkesselhaus.at

09. 07. – 17. 08.

Opernfestspiele St. Margareten

„Dies Bildnis ist bezaubernd schön“, lautet das Motto in Klosterneuburg. Anlässlich des 900-jährigen Bestehens des Augustiner Chorherrenstiftes und den abgeschlossenen Renovierungsarbeiten gratuliert die operklosterneuburg mit einem musikalischen Highlight: Mozarts „Die Zauberflöte“.

Verdis beliebte Oper AIDA findet wieder im Steinbruch von St. Margareten unter freiem Himmel statt. Regie führt der renommierte Regisseur Robert Dornhelm. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Alfred Eschwé wird die große Operntragödie bei atemberaubender Kulisse in Szene gesetzt.

www.operklosterneuburg.at

www.ofs.at

21. 06. – 26. 07.

Nestroy Spiele Schwechat Begleiten Sie den bekannten Aufdecker-Journalisten Eberhard Ultra bei seiner heiklen, nicht ungefährlichen Mission in den völlig vergessenen, autonomen Zwergstaat von Krähwinkel, um den unterdrückten Bürgern endlich das zu bringen, wonach sie sich schon lange sehnen: Freiheit und Demokratie, so wie wir sie kennen … Eine anspruchsvolle Nestroy-Aufführung in der Regie des vielfach ausgezeichneten Nestroy-Spezialisten Peter Gruber. www.nestroy.at

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04. – 27. 07.

Glatt&Verkehrt Österreichs renommiertes Musikfestival spannt 2014 schon zum 18. Mal seinen programmatischen Bogen von originärer traditioneller bis hin zu zeitgenössischer Musik aus den verschiedensten Kulturkreisen und holt Künstler aus (fast) allen Teilen der Welt nach Krems und in die Wachau. Mit The Hot 8 Brass Band, Alma & Federspiel, Jupiter & Okwess International, Fatoumata Diawara & Roberto Fonseca, Jon Hassell uvm. www.glattundverkehrt.at

18. 07. – 09. 08.

25. 07. – 16. 08.

Oper Burg Gars

Felsenbühne Staatz

Neue Wege beschreitet Intendant Johannes Wildner mit „Der Freischütz“. Rund um die Oper Burg Gars sind dieses Jahr neue Gesichter zu sehen wie Regisseur Georg Schütky oder Sopranistin Regine Hangler. Auch das Publikum und die Bühne spielen diesmal besondere Rollen. www.operburggars.at

Zum 15-jährigen Jubiläum der Felsenbühne Staatz verwandelt sich Niederösterreichs größte Musical Open Air Bühne in das New York der 50er Jahre und bietet so die imposante Kulisse für Bernsteins Meisterwerk „West Side Story“. Zum Abschluss gibt es auch wieder die Musical Open Air Gala. www.felsenbuehne-staatz.at


Werfen Sie einen exklusiven Blick hinter die Kulissen Der Förderverein Kulturbezirk St. Pölten machts möglich und bietet Ihnen zahlreiche exklusive Vorteile:

Ermäßigungen bei den Institutionen des Kulturbezirks sowie befreundeten Einrichtungen | exklusive Fördervereinsveranstaltungen | Künstlertreffen | BackstageFührungen | Ausstellungs-Previews Probenbesuche | Kuratoren-Führungen Exkursionen | Kulturreisen und vieles mehr!

Werden Sie Kulturförderer und genießen Sie das aufregende Angebot des Fördervereins Kulturbezirk St. Pölten. Informationen zur Mitgliedschaft unter www.kulturbezirk.at, foerderverein@kulturbezirk.at, T +43 (0) 2742/90 80 80 - 812 Mitgliedsbetriebe: Die Bühne im Hof, Festspielhaus St. Pölten, Landesmuseum Niederösterreich, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreichische Landesakademie, Niederösterreichisches Landesarchiv, Niederösterreichische Landesbibliothek, Niederösterreichische Nachrichten, ORF Landesstudio Niederösterreich, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich

FÖRDERVEREIN KULTURBEZIRK ST. PÖLTEN – WIR LEBEN KULTUR!


Fotos: Andreas Giesswein

In Kooperation mit

Pilze Mehr als nur

Di bis So und Ft von 9 bis 17 Uhr

Schwammerl bis 8. Februar 2015

Landesmuseum Niederรถsterreich Kulturbezirk 5 3100 St. Pรถlten I www.landesmuseum.net


MFG ADVERTORIAL

Jubiläumsausstellung

40 Jahre NÖ Kulturforum

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as NÖ Kulturforum wurde vor 40 Jahren gegründet. Sozialdemokratische niederösterreichische Politiker wie Hans Czettel, Leopold Grünzweig, Franz Slawik, Kurt Preiß und andere gaben den Anstoß, eine alternative Kulturpolitik in NÖ durch Gründung einer Plattform für regionale Kulturaktivitäten einzuleiten. Was mit außerordentlich großem Erfolg gelang und bis heute nachwirkt. Mitstreiter und Kulturschaffende der ersten Stunde Gotthard Fellerer und Kurt Fuss (†) organisierten den Aufbruch und leiteten vier Jahrzehnte

Bewegung in der niederösterreichischen Kulturlandschaft ein. „Kultur vor der Haustür“ ist ein passendes Motto geworden, was schon ein kurzer Blick auf die Aktivitäten dieser 40 Jahre beweist. Um einen umfassenderen Überblick über die Arbeit des NÖ Kulturforums seit 1973 zu geben, verfasste Prof. Gotthard Fellerer einen über 200 Seiten starken Katalog „40 Jahre Kultur vor der Haustür. NÖ Kulturforum“. Dieser wurde Anfang Mai im Rahmen der gleichlautenden Ausstellung des NÖ Kulturforums im Stadtmuseum St. Pölten präsentiert. Im Zuge

des Eröffnungsfestaktes betonte der Obmann des NÖ Kulturforums, Prof. Ewald Sacher, die Rolle des Kulturforums als Kulturvermittler, Förderer und Ideenbringer, die es auch in Zukunft unverändert spielen wird. Bürgermeister Mag. Matthias Stadler dankte im Zuge seiner Eröffnungsrede allen im NÖ Kulturforum Engagierten, insbesondere Prof. Gotthard Fellerer, dem vormaligen Obmann Dr. Siegfried Nasko und dem nunmehrigen Vorsitzenden Prof. Ewald Sacher für ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz für Kunst und Kultur in Niederösterreich.

Thomas Pulle (Obmannstv.), Ewald Sacher (Obmann), Gotthard Fellerer (Künstler/Autor), Matthias Stadler (BGM), Siegfried Nasko (vorm. Obmann).

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KULTURFORUM

NeuE CD: Renner-Gedichte werden zu Liedern

D

r. Karl Renner war nicht nur zweimaliger Staatsgründer Österreichs, dessen erster Bundespräsident, Begründer zahlreicher Institutionen der Arbeiterbewegung wie Konsum, Bawag, Naturfreunde und andere mehr, sondern auch Denker, Philosoph und Schriftsteller. Lyrik aus seinem Schaffen verdient es, aufgegriffen zu werden. Der Wiener Neustädter Musiker Hannes Winkler hat dies im Auftrag des NÖ Kulturforums getan und mehrere Gedichte von Karl Renner vertont. Daraus wird die CD „Wintersonnenwende“ produziert, die noch vor dem Sommer präsentiert werden wird.

Die außergewöhnliche CD-Produktion entsteht in Zusammenarbeit mit dem Renner-Museum in Gloggnitz unter seinem Leiter Adi Csekits. Das Kulturforum setzt damit seine

Förderung von CD-Produktionen zu Genres wie Musik zur Arbeitswelt, alte und neue Arbeiterlieder oder neue Musik aus den Regionen erfolgreichfort.

Ein Arbeiterstadtteil im Wandel der Zeit

75 Jahre Krems-Lerchenfeld

I

n Krems kann heuer ein eher ungewöhnliches Jubiläum begangen werden: Ein ganzer Stadtteil wird 75! Im Jahre 1939 erfolgte die Weichenstellung zum Bau der Schmidhütte Krems – heutige voestalpine Krems – und der damit verbundenen Errichtung der Arbeitersiedlung „Enns­talersiedlung“, dem heutigen Lerchenfeld, durch die Wohnungsgesellschaft GEDESAG. In diesem Zusammenhang vollzog sich eine soziologisch bemerkenswerte Entwicklung. Beginnend mit der „zwangsweisen“ Umsiedlung hunderter Arbeiterfamilien aus der Steiermark nach Krems in den ersten Kriegsjahren bis 1942, der von diesen mitgebrachten „anderen“ Kultur in all ihren Ausformungen wie Werksmusik, Männergesangsverein, Schuhplattlern, Eisstockschützen usw. über die politischen Verhältnisse – Krems erhielt einen kräftigen Schub an „roter“ Arbeiterschaft – in den Nachkriegsjahren und den heutigen Kräfteverhältnissen bis hin zu bildungspolitischen und religiösen Aspekten gibt es eine für „nur“ 75 Jahre relativ dichte Zeitgeschichte aufzuarbeiten. Die „Steirer“ waren für das „bürgerliche“ Krems

Arbeitersiedlung Krems-Lerchenfeld anlässlich des Hochwassers 1954.

damals manchmal scheel angesehene Migranten, heute sind es Migranten vom Balkan und anderen östlichen Ländern, die mittlerweile den stark expandierenden modernen Wohnstadtteil mitprägen. Dazu kamen vor einigen Jahren medial hochgespielte Ereignisse wie der Todesschuss gegen einen jugendlichen Supermarkteinbrecher, die in vielen Lerchenfeldern Zorn und Entrüstung über die populistische Boulevardhetze gegen einen ganzen Stadtteil auslösten.

Dieses Faktum greift das NÖ Kulturforum auf Initiative seines aus Lerchenfeld stammenden Obmannes NR a. D. Prof. Ewald Sacher auf und beauftragte den Fotografen Manfred Weiß mit der Gestaltung einer Fotodokumentation „Lerchenfeld, wie es wirklich ist“. Begleitend dazu wird unter der Federführung von Ewald Sacher ein Katalog entstehen, der gemeinsam mit der Ausstellung im Herbst 2014 in Krems-Lerchenfeld vorgestellt wird. MFG 06.14

63


SHORTCUT SZENE

Lied und Leid

Roul Starka

64

„Brute“ rockt

And the Champ is – Brute! Das Trio aus St. Pölten spielte beim großen MetalchampFinale in der Szene Wien sieben Konkurrenz-Bands auf die hinteren Ränge: Platz eins in der Jurywertung und lautstarke Unterstützung der St. Pöltner Fans sicherten Sänger und Gitarrist Mario Sluga, Bassist Paulus Unterweger und Drummer Thomas Küttner den Titel „Metalchamp 2014“ und einige feine Preise auf großen Bühnen. So steht ein Auftritt beim Nova Rock, lined up mit Metal-Godfather Ozzy Osbourne, ebenso an wie Gigs in Slowenien und beim Escape Metalfest. „Das hält uns im Sommer ganz schön auf Trab“, freut sich Paulus Unterweger über die stressigen Auswirkungen des Erfolgs. Und über die tolle Erfahrung in der Szene: „Wir haben sehr viel Spaß gehabt mit unseren Leuten und den anderen Bands. Erst bei der Siegerehrung ist uns wieder bewusst geworden: Das war ja ein Wettbewerb!“

City-Urlaub Bereits zum 7. Mal wird die St. Pöltner City wieder weit über den Sommer hinaus (bis 24. Oktober) von der „Musikalischen Innenstadt“ bereichert. Von Stadträtin Ulli Nesslinger anno dazumal ins Leben gerufen, hat sich der

Veranstaltungsreigen, der jeden Freitag in bzw. vor einem anderen Lokal vonstatten geht, mittlerweile zu einer breiten, von Wirtschaftskammer und Marketing St. Pölten GmbH unterstützten sowie von Wirte 3100 mitgetragenen Solidarbewegung entwickelt. Mit nachhaltigen Effekten und Zielsetzungen, wie Ulli Nesslinger verrät: „Wir wollen nicht nur den St. Pöltnern Freude machen, sondern auch dem aufstrebenden Tourismus unserer Stadt einen zusätzlichen Impuls geben“ V. a. zaubert die „Musikalische Innenstadt“ aber auch ein unglaubliches Flair in die City, das an lauen Sommerabenden weithin Urlaubsstimmung verbreitet. Programminfos: www.insbesondere.at

Foto: Maik Dörfert/Fotolia.com, Sabine Böhm, zVg

Conchita Wurst hat den Song Contest gewonnen, und noch nie habe ich so viele Hasstiraden auf Facebook gelesen, teilweise von Menschen, die ich persönlich kenne. Das tut weh. Österreich hat gewonnen, mit einem Lied. Hätte sich ein Hermann Maier alle Knochen gebrochen, alles wäre in bester Ordnung, „weil das beim Sport nun mal so ist“. Würde ich für Conchita jubeln, wenn sie letzte geworden wäre? Würde ich „sie“ oder „er“ sagen? Ich weiß es nicht. Vielleicht sollten wir alle öfters hohe Stöckelschuhe anziehen, dass wir unserer Meinungen nicht immer gar so sicher sind. Die Angst vor dem Fremden, die Angst vor allem Weiblichen, die Panik, alles in einen Raster, in eine Schublade stopfen zu müssen, in der Sprache unterbringen zu müssen. Sprache IST angstbesetzt, wir merken das nicht, das ist tausendjähriger Impfstoff, kirchlichpatriarchalisch, egal welcher Kirche, es macht tröröö! und weiß, was richtig und falsch ist. Ich wünsche mir eine Welt, in der es die Rubrik „Mann – Frau“ nicht mehr gibt. Übrigens habe ich einmal meine eigene Sprache, also meine Meinung (!) gegendert, nur so - für mich, während eines nächtlichen Spaziergangs im Park: Mir ist schlecht geworden. Es war das heftigste Erlebnis, meinem eigenen Sexismus gegenüberzustehen. Oder war es nur weibliche Eifersucht? Hahaha, blieb es mir im Halse stecken. Ich werde mir deswegen keinen Bart wachsen lassen, aber meine weibliche Seite will ich stolz und behutsam wieder öfters herzeigen – sie macht mich nämlich so männlich. Ich glaube, da waren wir vor 3000 Jahren schon weiter. Es sind nicht die Radwege, die uns gesünder machen, es genügt vollkommen, überall Rad zu fahren, mit oder ohne Stange, wurscht!

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MFG SZENE

Irgendsoeine unbekannte Band

„… und ich dachte, das ist irgend so eine österreichische, vollkommen unbekannte Band, die halt irgendwie versucht, uns ein Lied zu verkaufen, das wir aber nicht wollen, weil es wahrscheinlich ganz schlecht ist …“

M

it diesen Worten setzte sich Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger im April gehörig in die Nesseln. Kurz zum Background: Im Rahmen eines Interviews mit dem Wiener Stadtsender „Okto“ erzählte die Moderatorin, wie sie sich eines Tages im Ö3-Studio von den Einsingübungen einer ihr unbekannten Band genervt fühlte, diese dann „zur Sau machte“ und die Tür zuknallte, woraufhin sie fragende Blicke ihrer Kollegen erntete, ob sie denn nicht wisse, dass es sich hierbei um die bekannte US-Band „Imagine Dragons“ handle? Ihre „Verteidigung“ lesen Sie im Lead-In. Obwohl das Interview bereits ein Jahr zurückliegt, fand es erst im April diesen Jahres seinen Weg auf die Videoplattform youtube und erntete 66

innerhalb kürzester Zeit tausende Klicks. Was folgte war ein regelrechter Shitstorm auf Facebook und Twitter – und eine Entschuldigung von Elke Lichtenegger („Es war nicht meine Intention Musiker, Musikschaffende oder Musikinteressierte zu beleidigen. So denke ich nicht als Privatperson und auch nicht als Ö3-Moderatorin.“) sowie von Ö3-Chef Georg Spatt („Ich entschuldige mich für die in diesem Interview augenscheinliche Gedanken- und Respektlosigkeit, die nicht der Einstellung von Ö3 und seiner Redaktionen entspricht.“) In den sozialen Netzwerken glätteten sich nach einigen Tagen die Wogen, doch im Hintergrund wird heftig weiterdiskutiert und -verhandelt – über den Umgang mit heimischer Musik in den ORF-Radios.

Selbstverpflichtung. 2009 einigten sich die Plattform „SOS-Musikland“ und der ORF auf eine österreichische Musikcharta. In dieser verpflichtet sich der ORF selbst 30% österreichische Musik in seinen Radioprogrammen bis Ende 2011 zu senden. Die Charta wurde nun bis 2014 verlängert und eine Steigerung auf 33% festgelegt. Dabei versteht man unter österreichischer Musik „Darbietungen von ausübenden Künstlern und Leistungen von Tonträgerherstellern, die von österreichischen Urhebern, österreichischen Interpreten bzw. von österreichischen Produzenten geschaffen bzw. erbracht werden/wurden.“ Für Ö3 wurde darin eine Sonderregelung mit einer fixen jährlichen Anhebung um zwei Prozentpunkte vereinbart. Demnach sollte bis Ende


TEXT: Anne-Sophie Settele | Foto: Dote/Fotolia.com

Quotenschlacht. Doch macht eine gesetzliche Radioquote wirklich Sinn? Fördert sie tatsächlich die heimische Szene, die Talente, oder doch eher nur das Mittelmaß? Das fragten wir die St. Pöltner Musiker Martin Rotheneder (Ben Martin, I Am Cereals) und Andreas Fränzl (Bauchklang) sowie Künstlermanager Peter Pansky, anno dazumal mit Peter Pan selbst noch in den Ö3 Charts vertreten. „Eine Quote wäre nicht nötig, wenn alle zusammenhelfen und heimische Acts auf allen Kanälen, also vor allem auch TV, einer breiten Masse vorgestellt werden. Und das ganz ohne Ironie oder Casting-Show, sondern bewusst mit dem Prädikat wertvoll und zu einer guten Sendezeit“, meint Rotheneder, fügt jedoch hinzu, dass eine Quote vielleicht dennoch eine nötige Brechstange sein könnte, „um endlich mal wieder fundamental was zu bewegen.“ Auch für Fränzl ist es „so eine Sache mit Quoten: Sie haben immer

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Anteile österreichischer Interpreten am Ö3-Musikprogramm in Prozent

freiwillige Selbstverpflichtung des ORF tatsächlich erreichter Wert 15,6 13,6 11,6

15,0

13,7

15,0

11,8

11,6

6,8 4,7

2008

2010

2011

einen gewissen unangenehmen Beigeschmack, und eigentlich sollte es in einem öffentlich-rechtlichen Radiosender auch ohne eine Quote funktionieren.“ Für ihn hat Ö3 vor 20 Jahren nach der Umstellung auf ein internationales Formatradio den Bezug zur österreichischen Musikszene verloren, daher sei es durchaus legitim eine rechtliche Grundlage zu überlegen „damit die Verantwortlichen auch ihrem Auftrag nachkommen. Es geht immerhin um österreichisches Kulturgut, das der breiten Masse nicht vorenthalten werden darf.“ Seiner Meinung nach sollte Fm4 wieder „spezieller“ werden „und Ö3 endlich anfangen sich mit guter Musik aus Österreich zu beschäftigen und mal für kurze Zeit die andere Quote, nämlich die Einschaltquote, vergessen.“ Panksy wiederum findet den Österreich-Anteil im Regionalbereich sowie auf Fm4 nicht schlecht bestellt, dennoch könne er höher sein. „Es ist aber nicht alles ein Nachteil. Dadurch, dass der Künstler aus Österreich eh nicht mehr damit rechnet im Radio gespielt zu werden, traut man sich als Kreativer mehr und findet mittlerweile auch im Ausland mehr Anklang und Bewunderung, weil man sich abseits des Mainstreams nachhaltig zu bewegen traut. Und was gut ist, entscheidet, findet und konsumiert mittlerweile

2013

Quelle: SOS-Musikland (www.musikergilde.at)

2011 ein österreichischer Musikanteil von 15,6% erreicht werden – geschafft wurden jedoch nur 11,8%. Für die Jahre 2013 und 2014 wurden nur mehr 15% festgelegt, Ö3 konnte bzw. wollte aber auch diese Werte nicht erreichen (2013: 6,8% und 2014: 4,7%). Auch bei der Schwester „FM4“ konnte die Quote nicht eingehalten werden, obgleich es dort rosiger aussieht (siehe Grafik S. 68). „Die freiwillige Selbstverpflichtung ist somit gescheitert“, konstatiert Peter Paul Skrepek von der „Musikergilde“, Teil von SOS-Musikland, und fordert nun Konsequenzen: „Der Gesetzgeber ist am Zug. Wir fordern eine gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent für Musik aus Österreich in jedem einzelnen Radioprogramm. Dadurch soll die spezifische Musikkultur unseres Landes in all ihren Ausformungen gefördert und der Öffentlichkeit breit zugänglich gemacht werden.“

2014

der geehrte und mündige User individuell und selbst.“ Ob es denn früher leichter war als heimischer Musiker „ins Radio zu kommen“? „Wenn damit die Ära vor Bogdan Roscic gemeint ist, dann ja. Da gab es aber auch noch Programmradio und Magazine, das vermisse ich sehr. Regional hat sich nicht extrem viel geändert.“ Vorbild Frankreich? Als einziges europäisches Land hat übrigens Frankreich seit 1994 eine gesetzliche Radio­ quote eingeführt. Es wurde vereinbart, dass Sender rund 60% der Spielzeit europäische Produktionen und 40% der Spielzeit französische Produktionen senden müssen. Laut Fränzl habe sich das positiv auf die französische Musik-Szene ausgewirkt: „Bei unseren Touren in Frankreich haben wir immer wieder bemerkt, welch gewaltige Publikumsmengen und Bekanntheit französische Acts haben. Und ich sprech‘ da nicht von schwer kommerziellen Bands.“ Rotheneder sieht die Franzosen ebenfalls als gutes Vorbild, wenngleich er einschränkt, „dass ich von einer Sprachquote, wie sie in Frankreich existiert, nichts halte – das ist nationalistischer Quatsch.“ Auch Pansky findet die französische Lösung nicht schlecht, wobei man diese nicht 1:1 umsetzen könne: „Der Hörer wäre

„Ö3 sollte endlich anfangen sich mit guter Musik aus Österreich zu beschäftigen und mal für kurze Zeit die andere Quote, nämlich die Einschaltquote, vergessen.“ | Andreas Fränzl MFG 06.14

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MFG URBAN

Und Elke Lichtenegger – personifiziertes Badgirl heimischer Musikanten?! Eigentlich müsste ihr die Szene danken, denn mit ihrer Aussage hat sie die eingeschlafene Diskussion um die heimische Musiklandschaft und ihre Radiopräsenz wieder ins Rollen gebracht. So gab es am 19. Mai einen runden Tisch mit SPÖKultursprecherin Elisabeth Hakel und Musikschaffenden (u.a. Walter Gröbchen, Hannes Eder und Lukas Plöchl), in dem vier zentrale Forderungen an den ORF formuliert wurden. Demnach soll der ORF u.a. die bis Ende

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Anteile österreichischer Interpreten am FM4-Musikprogramm in Prozent

freiwillige Selbstverpflichtung des ORF tatsächlich erreichter Wert 30,0

33,0

30,0

26,5 23,1

25,1 17,9

2008

20,4

19,3

2010

2011

2014 geltende Musikcharta in jedem Fall einhalten andernfalls sind Konsequenzen vorzusehen. Zusätzlich braucht es eine verbindliche Quo-

18,0

2013

Quelle: SOS-Musikland (www.musikergilde.at)

leider schockiert, weil er nicht mehr die 20 gleichen Lieder immer wieder im Radio hört, die er gewohnt ist. Das könnte ja beim Bügeln stören. Aber Gegenfrage – wer hört eigentlich noch bewusst Radio, um Musik zu konsumieren?“

irgendsoeine unbekannte band

2014

tenregelung in der Höhe des europäischen Durchschnitts von 40 Prozent heimischer Produktionen. Es bleibt jedenfalls spannend!

„Was gut ist, entscheidet, findet und konsumiert mittlerweile der geehrte und mündige User individuell und selbst.“ | Peter Pansky

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Indoor spielt’s natürlich auch Programm : Ab 12. Juni übertragen wir die Spiele der FIFA-WM.

21.05.14 15:12


TEXT: Andreas Reichebner | Foto: David Avazzadeh/NDU

Auf der Suche nach neuen Erlebnissen

Die Sehnsucht nach neuen Hypes kennzeichnet unsere Gesellschaft schon seit geraumer Zeit. Events, wohin das Auge blickt. Vorhanden sein soll sie da und dort, die Qualität eines Events. Die NDU bildet diesbezüglich seit fünf Jahren Eventmanager aus.

W

obei, Eventmanager hört der Leiter des Studienganges „Event Engineering“ an der New Design University in St. Pölten, Helmut Kienast nicht so gern: „Eventrealisator trifft es besser.“ Denn seine Leute sind nach sechs Semestern mit allen technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Basics, die man für das erfolgreiche Inszenieren eines Events benötigt, versorgt. „Wir sind wahrscheinlich mit unserem Studiengang zur richtigen Zeit am Markt. Ich könnte mir vorstellen, dass man zukünftig bei Abhaltung eines Events einen Nachweis der Befähigung erbringen muss“, so Josef Wanas, der sich für Konsumentenverhalten und die wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen verantwortlich zeichnet. Davor brauchen sich die Studenten des NDU-Lehrganges nicht zu fürchten. Sie sind nach Abschluss ihres Studiums Experten in Sachen Eventbusiness. „Unsere Absolventen werden vom Markt aufgesogen wie von einem trockenen Schwamm“, freut sich Wanas. Warum? Einerseits ist die Eventbranche einer der dynamischsten Märkte und andererseits war es noch nie so schwierig ein Event ohne Komplikationen über die Bühne zu bringen. Kein Konzern, kein Händler kommt mehr ohne zielgruppenorientierte Eventkultur aus. „Früher hat man einen Verstärker aufgestellt und das war es dann, heute ist es viel komplexer, allein schon im rechtlichen Bereich“, weiß Wanas. Eine rasante Entwicklung in der Licht- und Audio- und Rigging-

»

technik, die ständig fortschreitende digitale Medientechnologie und nicht zuletzt die dynamische Entwicklung in der Kommunikation tun ihr übriges dazu. War früher das Plakat der Informationsträger, läuft ohne App als digitale Informationsquelle bald nichts mehr. Da immer am Puls der Zeit zu sein, bedarf es schon eines grundlegenden Wissenstandes und der ständigen Bereitschaft zu lernen. Am Puls der Zeit bleiben „Unsere Studentinnen und Studenten werden kontinuierlich mit Entwicklung und Forschung konfrontiert. Wo hole ich mir Produktinfos, wie setze ich mich mit Event Materials wissenschaftlich auseinander?“, ist sich Kienast sicher, dass seine Absolventen auch nachher am Ball bleiben. Vor allem, wenn es darum geht, neben der großen Säule des Eventbusiness, der Ökonomie – die controllergetriebene Wirtschaft evaluiert natürlich Events- und Marketingmaßnahmen – auch die beiden gleichbedeutenden Pfeiler der sozialen und ökologischen Verträglichkeit zu berücksichtigen. Green Events müssen das Maß aller Dinge werden. Da wird es zukünftig nicht mehr nur genügen, etwa Getränkebecher zu sammeln und zu recyceln. Immer mehr wird bewusst, dass die Organisation, aber auch die Teilnahme an Veranstaltungen Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft haben – und das möglichst nicht zum Schaden. Daran werden sich künftige Events messen müssen.

FACTBOX „Event Engineering“, Studiendauer 6 Semester, Abschluss: Bachelor of Engineering (BEng) Aufnahmeklausur für den nächsten Studiengang ist am 6. September 2014 (Anmeldeschluss eine Woche vorher). Info: Tel.: 02742 890 2418 oder info@ndu.ac.at (Beratung laufend) NEW DESIGN UNIVERSITY St. Pölten, www.ndu.ac.at

Ob es einmal abflauen wird mit der Eventkultur? „Die Sehnsucht nach neuen Ereignissen wird immer anhalten. Jede Produktentwicklung verändert ständig das Konsumverhalten“, sagt Kienast, „im Eventbereich wird es nie einen Plafond geben“.

„Das Studium Event Engineering bietet eine hervorragende Grundlage für führende Tätigkeiten in der gesamten Eventbranche.“ | Philipp Dukek, Absolvent MFG 06.14

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MFG URBAN

Und derer gibt es einige. 15 Studierende und zwei Lehrende sind beteiligt, etwa noch einmal so viele Flüchtlinge, und auch die ersten St. Pöltner „Nachbarn“ haben bereits den Weg zu den frei zugänglichen Beeten gefunden. Das Geld für Saatgut und Werkzeug wurde über Spendenaufrufe – etwa über die eigene Homepage www.gartenprojekt.at – zusammengetragen. Student Jörg berichtet von „derzeit rund 70 bepflanzten Quadratmetern, wobei wir noch einige – auch für eine Vergrößerung im nächsten Jahr – in Reserve haben.“ Über Deutschkurse ist man an potenzielle Interessierte herangetreten, zudem hat man nachgefragt, mit welchen Pflanzen in der ehemaligen Heimat bereits Erfahrungen gesammelt wurden. Johanna streicht v.a. den Sozialcharakter des Projektes hervor: „Den Flüchtlingen soll dadurch die Integration in unsere Gesellschaft leichter gemacht werden – es wäre schön, wenn es dabei zu einem gegenseitigen Austausch kommt!“ Die Gärtnerriege ist jedenfalls bunt gemischt: Syrer, Tschetschenen, Pakistani und Österreicher sind schon fleißig am Graben und Pflanzen!

Ein GRUND für St. Pölten „Gemeinschaftliches Gärtnern schafft Orte der Produktion von Lebensmitteln, der Kommunikation, von Lerngewinn und Erfahrungsaustausch, sowie der biologischen Vielfalt – mitten in der Stadt“, so lässt sich auf der Homepage des Lebensministeriums über den Trend „Urban Gardening“ nachlesen – dieser ist mittlerweile auch hierzulande angekommen.

N

achdem „Urban Gardening“ vor einigen Jahren noch in Form einer inszenierten Kunstaktion am Riemerplatz in St. Pölten Aufsehen erregte, ist der Trend seit langem auch am Sonnenpark im Süden der Stadt integraler Bestandteil des Vereines LAMES. So wird auf dem von der Stadt bis auf Widerruf bereitgestellten Areal, wo auf Sicht eine Wohnsiedlung entstehen soll, nicht nur Kunst getrieben, sondern auch gegärtnert. Auch ein 70

aktuelles Projekt der FH für Soziale Arbeit unter dem Titel „GRUND“ wird ebendort umgesetzt werden, wobei der Gemeinschaftsgarten vor allem Menschen in bzw. nach einem Asylverfahren ermöglichen soll, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und gleichzeitig mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Deshalb sollen sich auch St. Pöltner Hobbygärtner vom „GRUND“ angesprochen fühlen, wie die Studierende Johanna betont: „Jeder Helfer ist willkommen!“

Gemeinschaftsgarten. Auf mittlerweile zwei Jahre Erfahrung kann der explizite „Gemeinschaftsgarten St. Pölten“ zurückblicken. „Die ehemaligen Initiatoren“, erzählt Sabine, „sind damals mit der Bitte an die Stadt herangetreten, auf einem Grundstück im Überschwemmungsgebiet der Traisen einen Gemeinschaftsgarten errichten zu dürfen.“ Die Kommune erteilte die Geneh-

J


TEXT: MICHAEL KÄFER| Fotos: ZVG

migung, seitdem bebaut eine wechselnde Gruppe von fünf bis 15 Personen ein etwa 500 m² großes Grundstück hinter der Landessportschule. „Jeder kann jederzeit anpflanzen und ernten, gießen, Unkraut jäten und arbeiten.“ Es wird allerdings darauf Wert gelegt, dass nicht jeder sozusagen sein eigenes Süppchen kocht und einen Garten im Garten schafft, sondern es wird tatsächlich gemeinschaftlich gegärtnert. Der lose Verein setzt dabei auf biologischen Anbau, experimentiert mit Permakultur, einmal im Monat

gibt es ein fixes Treffen, gelegentlich auch Workshops mit Gartenprofis. Sabine ist voll Enthusiasmus mit dabei, „weil mich einfach interessiert hat zu beobachten, wie Pflanzen wachsen, und das in einem frei zugänglichen Garten, ganz ohne fixe Verpflichtung, offizieller Einschreibung oder Ähnlichem.“ Dabei sind der Kreativität und Experimentierfreude kaum Grenzen gesetzt. Franziska etwa probiert verschiedene Maissorten zu ziehen – und das, obwohl sich der im ganzen Traisengebiet rasant ausbreitende Knöterich als ernst zunehmender Störenfried herausgestellt hat, der die Protagonisten sogar mit Umzugsgedanken spielen lässt.

platzes sowie der Fußgängerzonen künftig Beeren, Kräuter und Salat sprießen. Seitens der Stadt und ihrer Gärtner zeigte man Interesse, als Mitstreiterin fand sich Beate Steiner. Anfang Juni wurde – sozusagen einmal klein – das Projekt begonnen: Im Rathausinnenhof wurde eine Kräuterspirale aufgestellt. Die Materialien werden von Gartenbaufirmen gesponsert, die Arbeiten übernimmt die Stadtgärtnerei. Ernten darf dann jeder – wobei auch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und gemeinsamem Kräuterkochen geplant ist.

Essbare Innenstadt. Ein aktuelles Projekt ist gerade in der City im Entstehen. Renate Kienzl hatte die Idee, die begrünten Flächen der Innenstadt teilweise mit Essbarem zu bepflanzen – so sollen entlang des Rathaus-

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MFG SZENE

Das Haus des Rhythmus Die Reggaeband House of Riddim feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen. In St. Pölten als Local Heroes bekannt, hat sich der Brand schon längst als internationale Größe etabliert. Als Begleitband ist sie mit zahlreichen Reggae-Berühmtheiten bereits live auf der Bühne gestanden, selbige gehen im Karlstettner Tonstudio ein und aus.

H

ouse Of Riddim-Gründer und Kopf Sam Gilly beschreibt den Ist-Zustand so: „Wir touren sehr viel, rund 100 Konzerte pro Jahr. Daneben verkaufen wir aber auch CDs und produzieren viel in unserem eigenen Tonstudio in Karlstetten.“ Die Mitstreiter Herb Pinker, Manfred Scheer und Parvez Syed wohnen in Wien, Sam Gilly lebt mit seiner Familie in Karlstetten. Er ist mit Musik aufgewachsen, bereits als Sechsjähriger hörte er beim Bruder eine prägende LP des legendären Burning Spear mit. Dass er viele fleißige Jahre später mit den mittlerweile geal72

terten Pionieren des Roots-Reggae selbst auf der Bühne stehen würde, hätte er wohl selbst nicht geglaubt. Als Beispiel sei der Sänger von Black Uhuru, Michael Rose, genannt. Doch auch die junge Garde, wie Jan Delay oder Gentleman, arbeiten mit House Of Riddim zusammen. Spätzünder. Dabei deutete lange Zeit gar nichts auf eine Musikkarriere hin – erst mit 20 Jahren begann Gilly Schlagzeug zu spielen, dafür aber umso intensiver. Als er nach einer spontanen Entscheidung über Nacht zum Drummer der St. Pöltner Reggae-Formation Roots Vibration wurde, führte ihn sein erster Weg nach Wien – nicht etwa, um in einer ausverkauften Halle aufzutreten, sondern er musste einmal ein Schlagzeug kaufen. Einige Jahre intensiven Spiels und genau zwei Musikschulstunden später verschickte der Autodidakt seine ersten Produktionen. „Den Einstieg verdanke ich dem Müncher Label Soulfire Artists, die haben mein erstes Album produziert“, erinnert sich Gilly. An der Platte „Sam Gilly’s House Of Riddim


TEXT: MICHAEL KÄFER | Foto: PETER BLUMA

es trotzdem manchmal eng wird, zeigt das aktuelle Programm: „Wir sind derzeit eigentlich auf einer Europatour mit Anthony B., dazwischen produzieren wir aber in Karlstetten gerade mit einem Sänger aus Kalifornien und veröffentlichen anlässlich des Zehners jede Woche einen neuen Song!“ Die angesprochene Tour dauert noch bis September, und es kommt schon mal vor, dass gleich fünf Gigs pro Woche zu absolvieren sind. In Österreich wird nur drei Mal gespielt, „weil der Markt hierzulande sehr klein ist.“

HOUSE OF RIDDIM Seit 10 Jahren als Produzent und Backing-Band erfolgreich unterwegs.

Gott Jah in Karlstetten? Obwohl zuletzt immer mehr Backing-Bands aus dem Boden schießen, hält sich House Of Riddim solide on top. Rund 90 Prozent der „Kunden“ kommen aus Jamaika und den USA, für 2014 ist die Band bereits ausgebucht! Kurios – und ein Gütesiegel für House Of Riddim – ist dabei die Vorstellung, dass internationale Reggae-Größen wie die Jamaikaner Ranking Joe oder Fankie Paul zu Aufnahmen ins ländliche Karlstetten pilgern. Dies kann dann zu durchaus witzigen Episoden führen. So soll niemand Geringerer als der in die Jahre gekommene Everton Blender nach Feierabend im Dorfwirtshaus versucht haben, den Bauern der Region den Gott der Rastafari, „Jah“, näherzubringen. Bleibt zuletzt noch die Frage, mit wem Gilly gerne einmal zusammenarbeiten würde? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Neil Young!“

Presents“ waren 14 Sänger beteiligt. Sie erschien 2004 und geht heute noch immer unter die Haut. Nach dem gelungenen Einstieg avancierte House Of Riddim nicht nur alsbald zu einem international gefragten Produzenten, sondern auch – was ursprünglich nicht geplant war – zu einer tourenden Backing-Band. Hunderte Konzerte quer durch Europa wurden gespielt, im Winter wurdeen in Karlstetten fleißig Songs produziert. Wenig verwunderlich, dass bei diesem zeitintensiven Output die Band auch mit einem Ausstieg konfrontiert war: Der geniale Gitarrist Johannes M. Knoll verließ die Band, ist dem House of Riddim aber bis heute freundschaftlich verbunden. Auch mit anderen St. Pöltnern, wie z.B. Bauchklang oder Lukascher, arbeitet das House Of Riddim ab und an zusammen.

SPL ASH HARD

Sprung ins Wasser. Gilly hatte zuvor versucht, als Schlagzeuglehrer von der Musik zu leben. Nach sieben Jahren hängte er den Beruf aber an den Nagel und beschloss, Produzent zu werden – Mut, der sich bezahlt machte: Heute leben alle vier Musiker von ihrer Hauptbeschäftigung. Gilly legt dabei Wert darauf, „bestimmte Arbeitszeiten einzuhalten, wie das in jedem anderen Job auch ist.“ Dass

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MFG SZENE

TEXT: NORBERT BAUER | Foto: zombierun/ZVG

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München, Samstag Mittag. Aus dem Auto links von mir steigt eine Braut, von rechts kommen fünf Superhelden in Strumpfhosen mit Laufschuhen. Dann bekomme ich als einer von Hunderten Läufern das Wichtigste: die Gürtel mit meinen drei Lebensbändern! Norbert Bauer aus der Todeszone.

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INFOS AUF

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urch einen Spalt in der Glaswand erhasche ich einen Blick auf unzählige Visagisten, die brave Menschen mit Blut und Theaterspachtelmasse in Zombies verwandeln. Meine Zombiebraut vom Parkplatz erhält eben eine klaffende Fleischwunde quer über den Hals. Die Aufregung steigt! Nun ist es soweit, in der nächsten Ablaufstaffel muss ich um mein(e) Leben laufen. Eingesperrt im dunklen, mit Nebel gefüllten Startertunnel höre ich die Zombies schon schreien. Plötzlich packt mich eine blutverschmierte Hand durch einen Spalt im Bauzaun, das Adrenalin schießt parallel mit dem Startschuss als pure Überdosis in meinen Körper ein. Nun heißt es für mich nur mehr überleben. Doch schon auf den ersten Metern wird mir klar, warum die Superhelden am Parkplatz zu fünft kamen, alleine durchzukommen wird schwer. Auf den folgenden fünf Kilometern muss ich mit meinen Mitstreitern unzählige Hindernisse überwinden und Engstellen passieren, immer auf der Hut vor den mehr oder weniger sichtbaren Zombies. Der Zusammenhalt unter meinen Mitstreitern ist fantastisch und ich denke, wenn wir so weitermachen, kann ich es schaffen. Einer Gruppe Zombies vor mir weiche ich, wie ich finde, geschickt aus. Doch plötzlich – wie konnte das passieren? – fehlt eines meiner drei Lebensbänder. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigt drei grinsende Zombies mit meinem Leben. Doch was solls, zwei Leben habe ich noch und „infected“ läuft es sich ja auch noch gut! Spätestens an der Ziellinie war mir eines klar: Ich will mehr und deshalb muss der wohl spektakulärste Hindernislauf der Geschichte, der Zombierun, sein Österreichdebut bald in St. Pölten feiern!

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SKN St. pölten

Sind aller guten Dinge Wirklich drei? In der Premieren-Saison pilgerten durchschnittlich 3.000 Besucher zu den Meisterschaftsspielen des SKN St. Pölten in die NV Arena. In der vergangenen Spielzeit wollten nur mehr 2.300 die Ligaspiele der Wölfe sehen, obwohl die im Cup so bissig und erfolgreich wie nie waren. Im dritten Jahr erwartet die Spieler ein Europacup-Abenteuer und mit Herbert Gager der dritte Trainer. Der große Hoffnungsträger ist ein spanischer Heimkehrer, Daniel Lucas Segovia, der als Mittelstürmer in der Bundesliga in eineinhalb Jahren drei Tore erzielte.

N

ur noch wenige Tage, dann weiß man beim SKN St. Pölten, mit wem man es im Europacup zu tun bekommt. Am 23. Juni ist Lostag. Der europäische Fußballverband UEFA zieht im schweizerischen Nyon (CH) die Kugeln. Der SKN St. Pölten nimmt sein Abenteuer von der 2. Qualifikationsrunde der Europa League aus in Angriff. Die Vorgänger-Vereine FCN St. Pölten und VSE St. Pölten schafften es nie nach Europa. Im ÖFB-Cup waren die „Wölfe“ zuvor nicht einmal ins Halbfinale vorgedrungen und in der Bundesliga war es nur einmal halbwegs knapp: 1989/1990 waren Granden wie Mario Kempes, Rudi Steinbauer, Leopold Rotter, Hans-Peter Frühwirth, Ernst Ogris und Co. bis drei Runden vor Schluss des Oberen Playoffs noch im EC-Rennen. Dann aber setzte es eine 3:6-Klatsche bei Rapid mit einem Andreas Herzog in Überform, und das Rennen war gelaufen. Österreichs Europacup-Vertreter hießen letztlich FC Tirol (Meister), Austria (Cupsieger); Rapid und die Admira qualifizierten sich über die PlayoffPlätze drei und vier. Auf den Spuren von Stockerau und Krems Admira war in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten im Europacup fast Stammgast. Ansonsten entsandte der nieder­österreichische Verband NÖFV kaum Vertreter nach Europa. Legendäre Ausnahmen waren der SV Stockerau 1991 und der Kremser SC 1988. Beide holten sich die Tickets mit überraschenden Cuptriumphen. Die Stockerauer fertigten unter Willi Kreuz im Finale im Praterstadion als Zweitligist Rapid 2:1 ab, was Hans Krankl den Trainerjob bei den Hütteldorfern kostete. Krems bezwang unter Ernst Weber den FC Tirol, unter Ernst Happel sogar in Hin- und Rückspiel (2:0, 1:3) aufgrund der Auswärtstorregel. Im Europacup sind zwar beide Teams gleich ausgeschieden, aber erlebt haben sie schon etwas. Die Stockerauer durften sich mit dem englischen Spitzenklub Tottenham Hotspur vergleichen, verloren sowohl daheim als auch auswärts knapp mit 0:1. Für die Spurs stürmte damals u.a. ein gewisser Gary Linker, mehrfacher englischer Schützenkönig und auch Torschützenkönig bei der WM 1986. In England waren sie über den Gegner eher weniger informiert. 76


TEXT: thomas schöpf | Fotos: hermann rauschmayr

Manche Medien wussten damals nicht einmal, wer der Sponsor und was die Stadt des Gegners ist und berichteten von einem Erfolg der Spurs über die Sparkasse. Der Kremser SC bekam es (dann unter Karl Daxbacher) mit Carl Zeiss Jena zu tun und unterlag auswärts schon 0:5. Im Rückspiel in der Wachau feierten die Kremser einen 1:0-Sieg im Sepp-Doll-Stadion. Anschließend kursierten Gerüchte, wonach die Ostdeutschen deswegen so saft- und kraftlos gewesen sein sollen, weil sie beim überraschenden Freigang zuvor erstmals eine Erwachsenen-Videothek erspäht hatten ... Wie kehrt der neue Besen Wie die Kremser werden auch die SKNler den Europacup mit einem neuen Trainer in Angriff nehmen. Cup-Mastermind Gerald Baumgartner ist zu Austria Wien gewechselt und quasi im Tausch (mit Aufpreis für die Austria) kam Herbert Gager nach St. Pölten. Für Gager ein logischer Karriereschritt. Bei den Wienern hätte er nach der verpassten Europacup-Qualifikation wieder ins zweite Glied zurück rücken müssen, und beim SKN ist er der Chef. Bevor er bei der Austria mit der Kampfmannschaft „scheiterte“, ließ er mit diversen Nachwuchsteams bei den „Violetten“ immer wieder aufhorchen und kam zuletzt mit der U18-Auswahl in der Youth League (dem Pendant der Champions League) bis ins Achtelfinale. Außerdem hatte Gager in seiner Zeit als Nachwuchs-Betreuer auch schon Spieler wie David Alaba und Aleksandar Dragovic unter seinen Fittichen. Dass Gager bei der Ausbildung Alabas nicht viel falsch gemacht haben dürfte, zeigen neben dessen sportlicher Entwicklung auch die Tatsachen, dass der Bayern-MünchenStar im Rahmen seiner Wien-Besuche gelegentlich beim Austria-Nachwuchstraining mitkickte, sowie, dass Alaba Gager und dessen Sohn Manuel zum Champions-LeagueFinale 2013 nach München einlud. Junge Spieler hat Gager beim SKN ja genug auszubilden, denn „Leitwölfe“ wie Jano, Andreas Dober oder Mirnel Sadovic haben sich allesamt schon davon gestohlen, als der Abschied von Baumgartner noch gar nicht festgestanden war. Gager hat das „Gefühl, dass hier etwas im Entstehen ist. Ich gehe jetzt mit vollem Elan an diese neue Aufgabe heran.“ Er freut sich auch auf die Erste Liga: „Es wird eine tolle Liga, mit tollen Klubs, einem spannenden, engen Titelkampf und vielen, vielen Zuschauern.“ Mit dem LASK (österreichischer Meister 1931 und 1965) und dem FAC (Meister 1918) sind zwei Traditionsklubs aus der Regionalliga Mitte bzw. Regionalliga Ost aufgestiegen und mit FC Wacker Innsbruck (zehnfacher Meister seit 1971) ein nicht minder namhafter Klub aus der Bundesliga abgestiegen. Zuschauer-Rückgang In der Zuschauer-Bilanz ist der SKN ja in der zweiten Saison in der NV Arena mächtig abgesackt. Pilgerten in der Premieren-Saison noch fast 3.000 Besucher durchschnittlich zu den Meisterschafts-Heimspielen, waren es in der

DIE NEUEN. Neo-Trainer Herbert Gager mit den Neuzugängen des SKN, u.a. Heimkehrer und Publikumsliebling Daniel Lucas Segovia (r.).

vergangenen Spielzeit trotz der Cup-Euphorie gerade mal 2.300 Zuschauer. Zum letzten Heimspiel gegen FC Liefering kamen trotz Lockangeboten wie fünf Euro Eintritt und Freibier gerade mal 2.040. Bei den Auswärtsspielen ist der SKN sogar Liga-Schlusslicht! Kein Gast lockt so wenig Zuschauer ins Stadion wie der SKN, nämlich 1.518. Nicht einmal der Red-Bull-Ableger FC Liefering (1.560) oder der vermeintliche „Dorfklub“ Horn (1.592). Allerdings war der SKN in der Meisterschaft im Frühjahr wieder nur mehr Mittelmaß und landete in der Tabelle auf Platz fünf, direkt hinter Horn. Der verlorene Sohn ist zurück Ein großer Hoffnungsträger ist Daniel Lucas Segovia, der vom Wolfsberger AC verpflichtet wurde. Er ist der erste große Heimkehrer des SKN St. Pölten. Unter Trainer Martin Scherb kam der lange Stürmer hier auf 48 Liga-Einsätze und 29 Tore für den SKN. Eine Quote die ihresgleichen sucht. Allerdings geriet der Spanier in der Bundesliga bei Admira und beim WAC nie in Torlaune und konnte in insgesamt 33 Spielen gerade drei Mal anschreiben. Was auch an Trainer Didi Kühbauer gelegen haben könnte. Jener hatte ihn bei Admira aussortiert gehabt und unterschrieb kurze Zeit nach Segovia selbst urplötzlich beim Wolfsberger AC. Dumm gelaufen. Der Spanier ist überhaupt ein Sinnbild für die sogenannte „Heute für Morgen“-Liga. In seiner Heimat hatte er es nie zum Profi geschafft. Beim SKN gelang ihm mit 26 Jahren der Durchbruch. Jano kam überhaupt aus der (in 18 Provinzen aufgeteilten) vierten Liga Spaniens und avancierte in der zweiten österreichischen Liga zu einem der besten Spieler; was er auch eindrucksvoll in den CupSchlachten gegen Sturm und Salzburg bewies. Seine Freundin ist jedoch ein international gefragtes Model und hätte maximal noch Wien als zeitweiligen Wohnort akzeptiert. Auf ein paar Euro mehr waren beide nicht angewiesen und die ein bis zwei Europacupspiele in potenziellen Ländern wie Aserbaidschan, Rumänien oder Ungarn werden beiden wohl relativ egal gewesen sein. MFG 06.14

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emotionale Wärme, Liebe, Har­ monie und Großzügigkeit. Das ICH, das DU, das WIR spielt eine zentrale Rolle“, erklärt Dr. Fabry. „Das Lachprinzip im Lachyoga ist eine Anleitung für alle Menschen, die wieder glücklich werden wol­ len, Freude und Spaß im Leben haben möchten. Für die Entfaltung der positiven Wirkung genügen 20 Minuten Lachyoga täglich.“

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Kennen Sie das befreiende Gefühl, nachdem Sie einmal so richtig herzhaft gelacht haben? Möchten Sie den Moment, wenn sich Ihr Körper und Ihre Seele entspannen, wieder erleben? Dann probieren Sie Lachyoga!

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as Trainingsprogramm, das 1995 vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria entwi­ ckelt und in mehr als 72 Ländern verbreitet wurde, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – sowohl auf körperlicher als auch mentaler und emotionaler Ebene. Dabei werden kreative Lachübungen wie Lachen, Klatschen, Singen, Atem­ übungen aus Pranayama-Yoga so­ wie zahlreiche lustige Spiele und Gruppenübungen durchgeführt, die das Lachen in der Gruppe stimu­ lieren bis sich das echte Lachen be­ freit. „Wir lenken unsere Aufmerk­ samkeit auf die positive Energie des Glücks und der Freude. Durch die spielerischen Übungen verbinden

wir die positiven Gefühle mit Si­ tuationen aus dem Leben, die oft unangenehme Gefühle in uns her­ vorrufen. Wir machen eine neue Erfahrung und verändern positiv unsere Sichtweise“, so die Lach­ yoga-Trainerin Dr. Jana Fabry. In „meinSeestudio“ am Ratzers­ dorfer See in St. Pölten bietet sie so­ wohl für Kinder als auch Erwach­ sene eine 60-minütige Lachsession mit 10 bis 15 Gruppenübungen und einer Lachmeditation, die das echte Lachen befreit. Dabei wird durch die Gruppendynamik eine starke positive Energie aufgebaut, es kommt zu herzhaftem Lachen. „Wir fühlen uns glücklich, leicht, fröhlich, spüren die Lebensfreude,

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Was ist das Besondere am Lachen? „Lachen ist jedem ange­ boren, somit kann jeder lachen. Es ist sofort umsetzbar, kostet nichts, ist gesund und macht glücklich“, so die Trainerin. Lachen und seine Auswirkungen auf unsere Gesund­ heit werden seit den 60er Jahren wissenschaftlich erforscht. Wenn wir lachen, wird unsere Stimmung positiv, Glückshormone werden freigesetzt, Stress wird abgebaut, die Verdauung wird durch die Be­ wegung vom Zwerchfell angeregt, der Kreislauf wird aktiviert, die Immunabwehr wird gestärkt uvm. Lachyoga wirkt beim Lernen und Lampenfieber, steigert die Leis­ tungsfähigkeit, wirkt gegen Angst und Depressionen. Dennoch ist Lachyoga anstrengend, benötigt körperlichen Einsatz und sollte da­ her von Menschen mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen erst nach ärztlicher Konsultation prak­ tiziert werden.

NÄCHSTER TERMIN Die nächsten Lachyoga-Stunden finden am 8.7. und 5.8. von 18-19h in „meinSeestudio“ (Bimbo-Binder-Promenade 15, 3100 St. Pölten) statt. Infos unter 0676/9716651, www.meinseestudio.at Eintritt: 10 € / Person + 1 Freundin gratis. Bequeme Kleidung, rutschsichere Socken und eine Trinkflasche werden empfohlen.


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Auf eine erfolgreiche Saison blicken die Handballdamen der Union zurück. Die sportlichen Leistungen der jungen Mannschaft sind v.a. deshalb besonders hoch einzuschätzen, weil sie aus 100% Eigenbauspielerinnen besteht!

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urch Einsatz, Kampfgeist und vor allem Freude am Spiel konnte man sich heuer, zum zweiten Mal nach 1992, den Landesmeistertitel sichern und unterbrach so die lange Siegesserie von Hypo Niederösterreich. Zudem sicherte man sich die Teilnahme an den Play Offs und ritterte als jüngste Mannschaft der Bundesliga mit 16 Spielerinnen zwischen 16 und 28 Jahren bis zum Schluss um den Aufstieg in die WHA, die höchste Spielklasse, mit – ein Kunststück, das einem schon 1987 und 1992 gelungen war. Schließlich beendeten die Damen die Saison auf Platz 3, sehr zur Zufriedenheit von Trainerin Waltraud Wagner: „Wir haben unser Saisonziel klar erreicht und das mit einer bemerkenswerten Leistungssteigerung im Vergleich zur letzten Saison. Als Trainerin kann man nur stolz sein mit welchem Ehrgeiz und Engagement die Spielerinnen

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dabei sind. Das lässt für die Zukunft noch auf einiges hoffen.“ Grundstein Jugendarbeit Diese Erfolge sind v.a. auf die starke und früh einsetzende Jugendarbeit im Verein zurückzuführen, wie die sportliche Jugendleiterin Andrea Halm verrät: „Um Mädchen für den Handballsport zu begeistern, werden in Volksschulen Schnupperstunden abgehalten und auch jährlich ein UGOTCHI Volksschulturnier organisiert. Dies ist nur durch die Mithilfe von zahlreichen Ehrenamtlichen möglich, die so den Mädchen ermöglichen, ihren Sport auszuführen.“ Zudem sind viele Spielerinnen der Kampfmannschaft auch als Trainerinnen der Jugendmannschaften im Einsatz. Ein Leben für den Handball also, das den Verein nicht nur auf 100 Spielerinnen anschwellen hat lassen, sondern auch internationale Erfolge beschert. So

„Diese Leistung lässt für die Zukunft noch auf einiges hoffen!“ | Waldtraud Wagner

konnte die U18 beim weltgrößten Handballturnier für diese Altersklasse, den Lundaspelen in Schweden, den ausgezeichneten dritten Platz erreichen. Ebendiese Mannschaft konnte sich auch als erste St. Pöltner Mannschaft für die Bundesmeisterschaften qualifizieren, und bei diesen die Bronzemedaille erringen. Außerdem wurde die junge St. Pöltnerin Jessica Hollaus in den Kader des österreichischen Jugendnationalteams berufen. Wenig verwunderlich, dass man Großes im Visier hat. „Unser mittelfristiges Ziel ist der Aufstieg in die WHA, die höchste österreichische Spielklasse, und uns dort langfristig als fixe Größe im österreichischen Frauenhandball zu etablieren“, so Halm. Mission Aufstieg Auch finanziell ist das eine Herausforderung, weil Handball nach wie vor – trotz der zuletzt tollen Erfolge des österreichischen Nationalteams bei der EM in Dänemark – als Randsportart gesehen wird. Das Grundproblem ist dabei, dass Handball aufgrund der Mietkosten für die Sporthallen ein vergleichsweise teurer Sport ist, und zwar in allen Altersgruppen. Denn für Jugendmannschaften und Kindertraining fällt diesbezüglich der gleiche Betrag an wie für Training mit Erwachsenen. Halm plädiert deshalb für eine gerechtere Aufteilung der Fördermittel: „Ich würde mir wünschen, dass es eine gerechte finanzielle ‚Grundversorgung‘ für die Kinder und Jugendlichen in allen Sportarten, besonders auch in den Randsportarten, gibt. Der Bund sollte Anreize setzen, dass neu zu bauende Schulhallen z.B. groß genug für Handball und hoch genug für Volleyball sind. Es darf nicht sein, dass sich Vereine auflösen, weil sie die Hallenkosten nicht mehr finanzieren können oder dass Kinder keinen Sport ausüben können, weil die Mitgliedsbeiträge zu hoch sind.“ Schließlich fördert ein Mannschaftssport neben der sportlichen Bewegung auch den Teamgedanken und die soziale und interkulturelle Integration – und dies sollte allen Kindern ermöglicht werden.


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atsächlich ist die Region um den Ötscher, den die Ahnen ehrfurchtsvoll Vaterberg nannten, „ein einzigartiges Naturjuwel“, wie Michael Gansch, seines Zeichens Prokurist der Naturpark Ötscher-Tormäuer GmbH, zurecht festhält. „Die Leute hier wissen gar nicht, in welch besonderem, einzigartigem Raum sie leben!“ Quasi wissenschaftlich bestätigt wird ihm dies von seinem Kollegen Florian Schublach, der nach dem Abschluss seines BOKU Studiums nunmehr im Naturpark ÖtscherTormäuer sein Know How einbringt: „Exposition und Geländebeschaffenheit schaffen besondere mikroklimatische Verhältnisse. Diese Lebensräume ermöglichen es einzelnen Arten, die normal an mildere Verhältnisse angepasst sind, sich hier anzusiedeln.“ Anno dazumal hätte dies der Region daher eine im Vergleich fruchtbrin82

gende Landwirtschaft beschert: „Berühmt etwa waren die Äpfel aus dem Ötscherland, die in Reaktion auf den Frost eine ausgeprägte rote Farbe entwickelten – sie wurden massenweise aus dem Tal getragen und teuer verkauft“, erzählt Schublach. Offene Bergwelt. Zugleich war die Ötscherregion aber immer auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein besonderer Raum, wie etwa das Grätzel am Ausgang der hinteren Ötschergräben. „Im Talkessel hinten haben früher an die 60 Familien gelebt, Holzarbeiter aus dem Salzkammergut, die im 18. Jahrhundert hierher geflüchtet sind“, weiß Gansch zu berichten. In der relativen Abgeschiedenheit konnten die Flüchtlinge ihren Glauben relativ frei ausüben, sogar eine Kirche hatten sie errichtet, die im Volksmund aufgrund ihrer Abgeschiedenheit „St.

Johann in der Wüste“ genannt wurde. „Nach dem Toleranzedikt Joseph II. trauten sich die Protestanten dann an die Öffentlichkeit – im Grunde genommen war Mitterbach die erste Gemeinde Österreichs, wo sie offen ihre Religion ausüben konnten.“ Mit sichtbaren Spuren bis heute – 30% der Mitterbacher bekennen sich zum Protestantismus. All diese Aspekte – Natur, Geschichte, Lage – die diesen Raum zu einem so unvergleichlichen machen, werden im Fokus der nächstjährigen Landesausstellung „ÖTSCHER:REICH – Die Alpen und wir“ stehen. Sie bilden aber ebenso den Grundmotor sämtlicher Bemühungen, die Region, die – wie es Andreas Purt, Geschäftsführer der Naturpark GmbH formuliert – „wirtschaftlich nicht immer auf die Butterseite gefallen ist“, wieder zu neuer

Fotos: weinfranz, zVg

Im Grunde genommen ist es immer wieder dasselbe: Je weiter ich mich ins Traisental vorkämpfe, umso höher die Berge ringsum werden, bis sich über allem der Ötscher erhebt, desto gelöster fühle ich mich und erwische mich bei dem Gedanken: Warum fahre ich nicht viel öfter hierher?


Blüte zu führen. Es ist nämlich das „Alte“, die Tradition, die erst die substanzielle Grundlage für den Aufbau etwas Zukunftsgewandten bildet.

schaffen wir 10 Zimmer. Außerdem werden gegen Voranmeldung Gäste – so gewünscht – zurück zur Mariazellerbahn gebracht.“

Altes im Neuen, Neues im Alten. Das Schutzhaus Vorderötscher bildet für diese Symbiose eine geradezu lebendige Chiffre. Idyllisch liegt es inmitten saftiger Almen und kühler Wälder, auf der einen Seite blickt der mächtige Ötscher auf einen herab, auf der anderen die Gemeindealpe. Seit über 100 Jahren steht das Gasthaus an diesem exponierten Platz – zuvor erwähnte Holzknechte nahmen hier schon ihre Brotzeit ein, bevor sie für oft mehrere Tage in den Wäldern verschwanden. „Wenn sich kein neuer Pächter gefunden hätte, dann wäre der Gasthof geschlossen bzw. geschleift worden – nun ist es aber gelungen, die Mittel und Ideen zu finden, ihn zu erhalten“, freut sich Purt. „Das passt genau in unsere Philosophie, auch zu unseren Kernbotschaften: Ruhe – Kraft – Genuss – Entdecken“ Botschaften, die freilich keine billigen Werbeslogans sind, sondern gelebtes Programm – bis ins kleinste Detail. Sogar die große Eingangstür wurde aus alten Hölzern des Schutzhauses gezimmert. Die alte Stube wird liebevoll renoviert, zugleich entsteht ein moderner Zubau aus Holz samt zeitgemäßen Sanitäranlagen. „Hier wird man ideal ausruhen, jausnen – aber auch nächtigen können. Neben zwei Matrazenlagern

Nachhaltige Impulse. Die Schutzhaus-Renovierung ist dabei nur ein Mosaikstein von vielen Infrastrukturprojekten, die – unter dem Schub der Landesausstellung – auf Schiene gebracht wurden. Zusätzliche Shuttlebusse in Ergänzung zur Mariazellerbahn, sollen das Mobilitätsangebot im Naturpark Ötscher-Tormäuer zusätzlich attraktivieren. Den Hotspot bildet dabei Wienerbruck, wo aktuell eine völlig neue, großzügige „ÖtscherBasis“ – quasi ein Ausgangspunkt für die gesamte Ötscherregion – entsteht. Sie wird chillige Gastronomie, Freiküche samt Grillmöglichkeiten, Shop, Duschen & Sanitäranlagen, Spinde bis hin zu Strandfeeling entlang des Wienerbrucker Stausess umfassen. Außerdem werden von der Ötscher-Basis aus geführte Wanderungen starten. Bereits renoviert wurde das Terzerhaus, das Erlebnisdorf Sulzbichl wurde um eine beheizbare Hütte erweitert, und ein neues Leitssystem sowie großzügige Wegesanierungen sind in Umsetzung. Da ist jedenfalls ein Flow, frischer Wind zu spüren, der auch die Bevölkerung erfasst hat. „Es ist einfach großartig zu beobachten, wie die Leute wieder Mut und Hoffnung schöpfen. Plötzlich werden auch Langzeit-Pro-

Fotos: weinfranz, zVg

Profis bei der Arbeit: Michael

Gansch, Florian Schublach und Andreas Purt auf der Baustelle des Schutzhauses Vorderötscher, das ab August wieder Wanderer mit Speis & Trank versorgen wird.

jekte, die viele schon abgeschrieben haben, doch noch Realität – ich denke da nur an ein komplett neues Hotel in Annaberg! Das ist schon ein starkes Lebenszeichen für die Region!“ Eines, an dem auch der Mostviertel Tourismus seit langem leidenschaftlich mitarbeitet, wenn notwendig auch auf neuen Wegen. So hat man gemeinsam mit dem Verein Naturpark ÖtscherTormäuer, der in den 70’ern aus einer erfolgreichen Protestbewegung gegen einen Kraftwerksbau hervorging, gemeinsam die Naturpark Ötscher-Tormäuer GmbH gegründet, welche u. a. für die Renovierung des Schutzhauses Vorderötscher verantwortlich zeichnet und dieses auch selbst betreiben wird. „Damit wechseln wir zum ersten Mal gewissermaßen auf die andere Seite – bisher haben wir ja vor allem beim Marketing geholfen, Standards formuliert – jetzt müssen wir das, was wir predigen, auch selbst umsetzen“, freut sich der „alte“ Hase Andreas Purt auf die neue Herausforderung. Eine, von deren Sinnhaftigkeit freilich alle drei Touristiker überzeugt sind: „Wenn ich mir vorstelle, dass ich hier in 20, 30 Jahren auch noch hergehe, in ein Schutzhaus, das hätte geschleift werden sollen, und wir haben mitgeholfen, dass es erhalten bleibt, ebenso wie hoffentlich die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelten Maßnahmen Früchte tragen, Arbeitsplätze geschaffen werden, die Abwanderung eingedämmt wird – dann hat das schon extrem viel Sinn und ist so betrachtet auch extrem befriedigend“, gesteht Michael Gansch. Befriedigend wie für die Besucher, denen sich die unglaubliche Schönheit des Ötscherreichs in Hinkunft noch leichter, noch direkter erschließen wird. Naturpark Ötscher-Tormäuer www.naturpark-oetscher.at NÖ Landesausstellung 2015

ÖTSCHER:REICH – Die Alpen und wir

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, DJ ANNEttehalbestunde (von links nach rechts)

Invsn

Die Musik von Dennis Lyxzén begleitet mich schon gefühlt mein halbes Leben. Also vor allem über Refused, The (International) Noise Conspiracy und natürlich auch The Lost Patrol (Band), die im Jahre 2008, aufgrund von Namensähnlichkeiten auf dem US-Markt, die Band Invsn wurde. Der Sound ist irgendwo im breiten Post Punk-Feld angesiedelt und strebt in die unterschiedlichsten Richtungen. Post Punk meets New Wave und CureÄsthetik der 80er Jahre. Großartig!!!

Pilots on Dope Udopeia

Wenn man den passenden Sound zum Sommer und zur WM sucht, sollte man getrost zu „Udopeia“ von „Pilots On Dope“ greifen. Die zwei Herren haben berühmte Hadern mit Library Sounds, klassischem Bossa Nova und Cool Jazz verfeinert. Wie schrieb Samir H. Köck: „Das Brasilien, das sich dem Hörer hier vor dem inneren Auge auftut, ist eines in jenen Kodakchrome-Farbtönen, die man aus alten Pink-Panther- und James-BondFilmen kennt und liebt.“ Have a good flight!

ZUM SCHAUEN

Manshee, Felicitas Nouschak

PLAID

REACHY PRINTS Auf ihrem Album Numero 10 finden die Black Dogs Andy Turner und Ed Handley zu jener bestechenden Form zurück, die dem Duo in den späten 90ern zu heroischer Verehrung verhalf. Damals auf der IDM-Auslaufzone zwischen Aphex Twin und Autechre losgewetzt, hat ihre Musik scheinbar nichts von ihrem kindlichen Leichtsinn eingebüßt: Wunderbar verschleppte Melodien, holpernde Beats, analog-digitale Verwaschungen und trotzdem zugängig -> Thank you, Plaid!

DC Breaks Lock In

Die beiden Engländer sind ja schon viele Jahre auf der Producer Bildfläche, und es ist glaube ich fair zu sagen, dass deren Output eh immer ganz nett, aber nicht wirklich atemberaubend war. Irgendwie haben sie aber seit letztem Herbst ein paar Gänge raufgeschalten, man führe sich diesbezüglich den Track „Gambino“ zu Gemüt. Die neue Single „Lock In/ Shakedown“ begeistert mich mit typischen RAM Records Sound im zeitgemäßen Produktionsstil.

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

The Vogue Running Fast

Die psychedelische Revolution fand in Österreich bekanntlich mit einiger Verspätung (frühe 80er) statt und war in Summe zwei Bands zu verdanken: Timeshift und The Vogue. Das Gesamtwerk letzterer, vom Kremser Ronnie Urini co-gegründet, ist nun auf CD bei Trost Records erschienen: irisierend schimmernde Mod/Beat/Psychedelic-Perlen, die zum sofortigen Tragen bewußtseinsverändernder Paisley-Hemden animieren. Bezaubernd.

ROGER CICERO

was immer auch kommt Sehr persönlich und nachdenklich präsentiert sich Roger Cicero auf seiner neuen Platte. Wer den BigBand-Sound seiner letzten Alben liebt, kommt diesmal leider nicht auf seine Kosten. Diesmal schlägt Roger leise Töne ein. Die Texte spiegeln sein Leben wider – so verarbeitet er darin u.a. die Trennung von seiner langjährigem Freundin und seinem kleinen Sohn. Auch wenn in diesem Album der Groove fehlt, ist es dennoch gelungen. Nur (leider) eben trotzdem anders ...

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

No Turning Back

DARK SOULS

Der Tod im Reisfeld

Ivan sitzt im Auto, auf dem Weg nach Hause, als ein Anruf sein Leben für immer verändert. Auf einer 90-minütigen Nachtfahrt nach London muss er sich von allem verabschieden, was bisher sein Leben ausgemacht hat: Vom Familienglück mit Frau und Söhnen, vom Ruf der beruflichen Makellosigkeit und seinem Selbstverständnis, immer korrekt zu handeln und für jedes Problem eine Lösung zu finden.

Das „schwerste Spiel der Welt“ meldet sich in gewohnt düsterer Manier zurück. Mann kämpft alleine oder gemeinsam online gegen Drachen, Zauberer, Trolle und überdimensionierte Monster aller Art und hat nur ein Ziel: überleben. Neu ist, dass man erhaltene Skillpunkte über Umwege neu verteilen kann, was in manchen Situationen wirklich von Vorteil ist. Dennoch bleibt das Spiel gnadenlos und sorgt oft für pure Verzweiflung.

Nach Jahrzehnten kriegerischer Konflikte endete mit dem Vietnamkrieg die Vormachtstellung westlicher Kolonialmächte in Südostasien. Scholl-Latour schildert in eindrucksvollen Bildern seine Erlebnisse der 1940er bis 1970er Jahre. Ein journalistisch brillanter Reise- und Abenteuerroman, gespickt mit umfangreichen historischen und politischen Hintergrundinformationen.

Eine ganz ruhige Kugel

TOMB RAIDER

straight white male

Eine Komödie, die mit flotten Sprüchen und Charme unterhält, vor Klischees in der Sonne Südfrankreichs nicht zurückschreckt und auch nicht vor kleinen Spitzen gegen den alltäglichen Rassismus. Ein Film für die Lachmuskeln – nicht zuletzt wegen Gérard Depardieu als Raubein mit Herz und Comedy-Ass Atmen Kelif, der als liebenswürdig verpeilter Nordafrikaner die Herzen der Zuschauer gewinnt.

Schärfer als je zuvor (grafisch gesehen) erlebt man die Archäologin Lara Croft in ihrem neuen Abenteuer. Leider kommt es trotz bombastischer Inszenierung nicht annähernd an das Original heran. Zu stark ist der Wandel von der zarten Rätsellöserin zur mordlustigen Actionheldin. Unabhängig von inhaltlichen Schwerpunkten gibt es auch spieltechnische Mängel wie z.B. miese Kameraführung, die einem die Freude nehmen.

Kennedy Marr, ein berühmter irischer Schriftsteller, führt ein exzessives Leben in Hollywood. Statt Romane schreibt er Drehbücher für die Stars und trinkt mit ihnen. Als er einen hochdotierten Preis erhält, muss er ihn aus Geldnot annehmen, jedoch an einer englischen Universität unterrichten. Auch trifft er dort wieder auf seine Exfrau und seine Tochter, was ihn nicht daran hindert, sein gewohntes Leben weiter zu führen ...

Steven Knight

Frédéric Berthe

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FROM SOFTWARE

Crystal Dynamics

Peter Scholl-Latour

John Niven

Fotos: zVg

INVSN


MFG VERANSTALTUNGEN

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29. OLDTIMER- & TEILEMARKT Der Oldtimer- und Teilemarkt bietet für Autoliebhaber seit mittlerweile 29 Jahren die Chance, das heiß begehrte Stück zu ergattern, und ist deshalb zu einer der größten und renommiertesten Veranstaltungen seiner Art in Europa geworden. Alljährlich pilgern über 20.000 Menschen nach St. Pölten, um das Angebot von ca. 600 Anbietern zu durchstöbern. Im Angebot: Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Fahrräder, Teile, Zubehör, Automobilia, Literatur, Bekleidung, etc. aus allen Epochen. Und das alles bei freiem Eintritt! 9. August 2014



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13. - 21.06. FEST DER BEGEGNUNG

19.06. - 07.09.

Unter dem Motto „50 Jahre Gastarbeiter“ steht das heurige Fest der Begegnung. Von 13.6. - 5.7. präsentiert das Stadtmuseum die Ausstellung „Angeworben – Hiergeblieben“. Am 20.6. zeigt das Cinema den Film „Geschichte der GastarbeiterInnen und heute“, am 21.6. gibt es u.a. Konzerte mit „Lukascher“ & „MATATU“ am Rathausplatz.

Beginnend mit der Sommernachtsgala stehen auch in dieser Saison Orchesterkonzerte im Mittelpunkt des Programms. Höhepunkt der Saison ist das Grafenegg Festival, u.a. mit Rudolf Buchbinder, dem Tonkünstler-Orchester uvm. In Partnerschaft mit dem European Union Youth Orchestra findet 2014 erstmals der European Music Campus in Grafenegg statt.

FEST

27.06.

RATHAUSPLATZ U.A.

SCHOOL´s OUT PARTY

Es ist bereits ein Fixpunkt am Ende des Schuljahres: Am letzten Schultag steigt wieder die traditionelle Spark7 School‘s Out Party im Warehouse, u.a. mit Los Pollos Hermanos, Don Dada Nation, One Million (P-Ali), Manshee und Young & Lost. Gratis Eintritt gibt es mit dem „SchoolS-Out wristband“ (erhältlich bei Spark7 oder am Eventtag im Sparkassenpark). PARTY

02 .07.

WAREHOUSE

CELTIC SUMMER NIGHT

Mit den beiden Schwestern „Cassie & Maggie MacDonald“ aus Kanada sowie dem irischen Trio „Blackie” O`Connell, Cyril O`Donoghue und Damian O`Reilly“ präsentiert das Egon bei der „16th Celtic Summer Night“ zwei sehr unterschiedliche Ensembles, beide allerdings tief in ihren Traditionen verwurzelt. Open-AirKonzert im überdachten Innenhof. konzert

EGON

GRAFENEGG

FESTIVAL

01.07. - 09.08.

Jazz im park

21.06. REQUIEM FOR A PINK MOON

Im Rahmen der Festwochen St. Pölten findet im Juni wieder das vom KIWANI-Club organisierte Charity-Event „Jazz im Park“ statt. Bei der bereits 18. Auflage wird den Besuchern im Zuge des 3-Tages-Festes wieder ein abwechslungsreiches Live-Programm geboten, u.a. mit „Trad Club“, „Traisonic“ und der „Bohemians Jazz Band“. Eintritt frei!

Beim Abschlusskonzert des diesjährigen Barockfestivals präsentiert das „Ensemble Phoenix Munich“ unter der Leitung des amerikanischen Basssängers und Lautenisten Joel Frederiksen eine Hommage an Nick Drake – einen fast vergessenen großen Songwriter der 1970er Jahre. Teile einer gregorianischen Totenmesse umrahmen das Programm.

20. - 22.06.

FEST

SPARKASSENPARK

konzert

Franziskanerkirche

FESTSPIELE

Zum 50-Jahr-Jubiläum der Festspiele Stockerau präsentiert Intendant Zeno Stanek den Theaterhit „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Dale Wasserman nach dem Bestsellerroman von Ken Kesey. Das musikalische Rahmenprogramm „querfeld“ bietet an Samstagen Konzerte und Shows berühmter österreichischer Interpreten, u.a. mit Marianne Mendt. konzertE

13.-17.08.

STOCKERAU

FREQUENCY FESTIVAL

Mit 2 Festival in 1, 4 Tage, 8 Bühnen und über 120 Acts geht das FM4 Frequency Festival presented by Volume im GreenPark St. Pölten in seine vierzehnte Runde. Am Mittwoch starten Macklemore & Ryan Lewis, Bastille und Biffy Clyro. Ab Donnerstag stehen Queens of the Stoneage, Placebo, Skrillex, Fritz Kalkbrenner uvm. auf der Bühne. FESTIVAL

VAZ st. pölten

MFG 06.14

85


Reich(l)ebners Panoptikum

BITTERE PILLE. Vom Domplatz „neu“ werden wahre Wunder erwartet. Mit Parkplätzen versetzt könnte die Medizin aber unwirksam bleiben. Über mögliche unerwünschte Nebenwirkungen informieren ÖVP, FPÖ oder eine scheinbar umfallende SPÖ.

86


JUNGES WOHNEN allgemeine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft

Die Allgemeine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft St. Pölten errichtet auf einem Baurechtsgrundstück der Landeshauptstadt im Stadtteil Viehofen in der Tauschergasse ein zukunftsweisendes Bauprojekt. Jungen Menschen (bis zum 35. Lebensjahr) soll durch kostengünstige, qualitativ hochwertige Miet-Wohnungen der erste Schritt in die Unabhängigkeit ermöglicht werden. Der Standort bietet beste Infrastruktur in ruhiger Lage. Für die Einkäufe stehen z.B. Traisenpark und Traisencenter zur Verfügung. Weiters befinden sich in unmittelbarer Nähe Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Ärztezentren, das Landeskrankenhaus, etc.

Die Viehofner Seen, der Traisenfluss, der nahe Radweg sorgen auch für optimale Freizeitmöglichkeiten. Errichtet werden insgesamt 21 Niedrigenergie-Wohneinheiten mit 27 Autoabstellplätzen und eine große überdachte Fahrradabstellfläche. Auch ein gemeinsamer Fitnessraum im 1. Stock ist vorgesehen. Die Wohnungsgrößen betragen entsprechend dem Fördermodell der Landesregierung NÖ ca. 50 und ca. 54 m² Wohnnutzfläche, wobei die Erdgeschoßwohnungen barrierefrei ausgeführt werden. Jeder Wohnung ist darüber hinaus ein großzügiger Balkon bzw. im Erdgeschoß ein kleiner Eigengarten zugeordnet. Anmeldungen entweder persönlich bei unseren kompetenten Kundenberatern im Büro der Wohnungsgenossenschaft in der Josefstraße 70-72 oder über unsere Homepage www.wohnungsgen.at Weitere aktuelle Projekte der Wohnungsgenossenschaft St. Pölten: St. Pölten Nord - Otto Glöckel-Straße Wohnungen mit Eigentumsoption St. Pölten Spratzern - Maria Sturm-Straße Betreutes Wohnen

Allgemeine gemeinnützige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT e.Gen.m.b.H. in St.Pölten

Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

Tel.: 02742/77288-0 Fax: 02742/73458 wohnungsberatung@wohnungsgen.at www.wohnungsgen.at

Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

MFG - Das Magazin / Ausgabe 50  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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