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Das Ende der Gutenberg Galaxis oder

retten eBooks die Welt?

Manifest [in Arbeit] f端r elektronische B端cher, die nachhaltige Entwicklung der Wissensgesellschaft und einer gesunden Umwelt Diskussionsgrundlage Version 0.2 mit der Bitte um Kommentare

MedienFabrik Gesellschaft f端r Medien- und Verlagsservices mbH Januar 2011 Diskussion 端ber Scribd Issuu Facebook Twitter Corporate Blog

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Vorbemerkung zu Version 0.1

Wir wollen mit der vorliegenden Diskussionsgrundlage einen neuen Aspekt der Entwicklung weg vom gedruckten und hin zum elektronischen Papier beleuchten. Weder der Umwelt- noch der Wissensvermittlungsaspekt sollten unseres Erachtens an letzter Stelle einer Diskussionsagenda rund um die Transformation des Gedruckten in das Digitale stehen, sondern sehr weit vorne. Wir haben mit der ersten Version der Diskussionsgrundlage einmal versucht, die Fakten, soweit uns das möglich war, zusammenzutragen. Dabei stellen wir die unter Umständen provokative Hypothese auf, dass unser Planet aus Umwelt- und Ressourcengründe keine gedruckten Bücher mehr verträgt und aus Sicht der effizienten Wissensvermittlung auch nicht mehr brauchen kann. So, und jetzt laden wir alle ein unsere Fakten, Daten und unsere Hypothese zu hinterfragen und zu falsifizieren [oder eben zu verifizieren]. Unser Ziel ist es, ein kleines Manifest zum Thema eBooks abseits aller traditionellen und emotionalen Einstellungen zu diesem Thema zu führen. Wir sind unbedingt davon überzeugt, dass eine global funktionierende Wissensgesellschaft eine conditio sine qua non für die Gesellschaft von morgen ist. Ohne das kollektiv zu erarbeitende Wissen werden wir wohl die aktuellen Probleme unseres Planeten und noch weniger die zukünftigen adressieren können. Vielen Dank schon jetzt für den konstruktiven Input. Euer Team MedienFabrik.

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Vorbemerkung zu Version 0.2

In der vorliegenden Version 0.2 haben wir auf der Suche nach wissenschaftlicher Exaktheit und Untermauerung der vorgebrachten Argumente hinsichtlich der Umwelt- und Klimabelastung den Stern-Report eingebaut und das hinsichtlich einer m旦glichen Neugestaltung unseres Planeten exzellente Werk MacroWikinomics: Rebooting Business and the World von Don Tapscott. Damit ist unser Manifest nat端rlich noch lange nicht abgeschlossen. Wir suchen nach weiteren Argumenten oder Gegenargumenten f端r eBooks und warum die Welt nicht ohne diese auskommen wird. Vielen Dank schon jetzt f端r den konstruktiven Input. Euer Team MedienFabrik.

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3.

Die Wissensgesellschaft lässt warten

Nach Angaben der KfW Entwicklungsbank können am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends noch immer rund 760 Millionen Erwachsene weltweit nicht richtig lesen und schreiben. Die Weltbank setzt die weltweite Alphabetisierungsrate von Menschen über 15 Jahren mit gerade einmal 83 Prozent an. Nach Prognosen der UNO werden auch 2015 noch 710 Millionen Menschen ohne grundlegende Lese- und Schreibkompetenz sein. 98 Prozent der Analphabeten leben in Entwicklungsländern, aber auch 4 Millionen Menschen in Deutschland gelten als Analphabeten. Zwei Drittel der Betroffenen weltweit sind Frauen. Untersuchungen zeigen, dass mit niederem Bildungsniveau hohe Geburtenraten, Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt und ökonomische Abhängigkeit gerade von Frauen einhergehen. Wir haben hier also 15 Jahre nachdem das Web uns Hoffnung auf eine bessere Welt mit einfacherem Wissenszugang gegeben hat noch immer einen gewaltigen Aufholbedarf, wenn wir an uns selbst weiterhin die Anforderung der Entwicklung einer Wissensgesellschaft stellen. Bezieht man das derzeit angenommene Bevölkerungswachstum – Die UNO erwartet bei mittlerer Projektion bis 2025 in etwa 8,0 Milliarden und bis 2050 knapp 9,2 Milliarden Menschen - in eine dynamische Betrachtung über die Aufgabe zur Entwicklung einer Wissensgesellschaft mit ein, dann können wir ermessen, dass eine gewaltige Aufgabe vor uns liegt. Die hauptsächliche Quelle des Wissens ist die Schrift aber es können nicht mehr gedruckte Bücher sein auf die wir bei der Herausbildung der Wissensgesellschaft zurückgreifen. Gedruckte Bücher sind teuer zu produzieren und schwer zu transportieren. Vor allem in den Entwicklungsländern führt die fehlende verkehrstechnische Infrastruktur in Verbindung mit der fehlenden Kaufkraft dazu, dass der Zugang zu gedrucktem Wissen nach wie vor ein Luxus ist.

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4.

Klimawandel und Ressourcenbelastung (Stern-Report)

Allgemein Wir wollen im Rahmen dieses Manifests bei der Darlegung der Umweltsituation auf öffentlich zugängliche und auch für den Laien [halbwegs] verständliche Quellen zurückgreifen. Diesbezüglich scheint uns der Stern-Report ein guter Ansatz. Der Stern-Report hat in den letzten Jahren eine breite öffentliche Diskussion erfahren, die über Wikipedia und die Blogosphäre sehr schön nachvollziehbar und dokumentiert ist. Darüber hinaus können Report wie die einzelnen Kapitel unentgeltlich von diversen Seiten heruntergeladen aber auch in kommentierter Buchform gekauft werden. Damit bietet der Stern-Report die beste Grundlage für unser kleines Manifest. Der Stern-Report (englisch Stern Review on the Economics of Climate Change) wurde 2006 vom ehemaligen WeltbankChefökonomen und damaligen Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung, Nicholas Stern, veröffentlicht. Der im Auftrag der britischen Regierung erstellte rund 650 Seiten starke Bericht untersucht insbesondere die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung. Der Report kommt zur Schlussfolgerung, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre gegenüber dem Stand vor der industriellen Revolution von 280 ppm (parts per million oder Millionstel in der Atmosphäre) Kohlendioxidäquivalenten auf heute 430 ppm gestiegen ist und sich jährlich um über 2 ppm erhöht. Der Klimawandel ist eine Bedrohung des Lebens auf der Erde. Es ist aber immer noch möglich, die schlimmsten Risiken und Auswirkungen des Klimawandels mit tragbaren Kosten zu vermeiden, wenn jetzt schnell auf nationaler und internationaler Ebene gehandelt wird. Um schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft zu vermeiden, sollte die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre unter 550 ppm gehalten werden aber schon in diesem Fall würde die weltweite Durchschnittstemperatur um 2 bis 3 °C steigen. Die Konzentration der Treibhausgaskonzentration kann auf 550 ppm begrenzt werden, wenn der Anstieg der Emissionen innerhalb von 15 Jahren gestoppt wird und danach die Emissionen jährlich um rund 2 % sinken. Da sich die gesamtwirtschaftliche Produktion, das Bruttoinlandsprodukt, bis 2050 etwa verdrei- bis vervierfachen wird, bedeutet dies, dass die Emissionen pro Einheit des Bruttoinlandprodukts bis 2050 um rund drei Viertel gedrückt werden müssen. Wenn nichts getan wird, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, könnte die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre bereits 2035 das Doppelte ihres vorindustriellen Niveaus erreichen, was einen Anstieg der Durchschnittstemperatur von mehr als 2 °C bedeuten würde. Längerfristig gesehen läge die Wahrscheinlichkeit, dass der Temperaturanstieg 5 °C überschreiten würde, bei mehr als 50 %, wenn nicht gehandelt wird. Dieser Anstieg würde dem Anstieg der Durchschnittstemperatur seit der letzten Eiszeit entsprechen. Nach Meinung des Stern-Reports sind die Anstrengungen zur Vermeidung des Klimawandels und der Förderung von Wachstum und Entwicklung keine Gegensätze. Im Gegenteil, die Bekämpfung 5


des Klimawandels ist langfristig gesehen eine Wachstumsstrategie. Emissionen können durch eine höhere Energieeffizienz, durch Bedarfsänderungen sowie durch die Nutzung sauberer Kraftwerks-, Heizungs- und Transporttechnologien reduziert werden.

Holz, Papier und Umwelt Der Kraftwerkssektor müsste dem Stern-Report folgend weltweit bis 2050 wenigstens 60 % weniger Kohlendioxid ausstoßen, damit die Konzentration von Treibhausgasen auf oder unter 550 ppm Kohlendioxidäquivalente stabilisiert wird. Auch die Verringerung von Emissionen außerhalb der Energiewirtschaft, wie sie zum Beispiel bei der Abholzung von Wäldern entstehen, ist wesentlich. Der Verlust von Wäldern trägt jährlich mehr zu den globalen Emissionen bei als der Verkehrssektor. Die Erhaltung der Wälder ist eine äußerst rentable Möglichkeit zur Verringerung von Emissionen. Darüber hinaus müssten, so eine Forderung des Reports, die Innovationen zum Einsatz kohlenstoffarmer Technologien gefördert werden, da die der Einsatz neuer kohlenstoffarmer Technologien um zumindest das Fünffache des 2006 gegebenen Niveaus wachsen sollte. Der 2006 herausgebrachte Stern-Report hat in der Folge heftige Diskussionen hervorgerufen über die es auf Wikipedia eine sehr gute zusammenfassende Darstellung gibt. Es gibt Stimmen, die dem Report eine zu negative Haltung vorwerfen aber auch Stimmen, die genau im Gegenteil meinen, dass der Report die Situation sowie die Prognose über die Entwicklung viel zu positiv darstellt. In der Politik, so heißt es, macht man dann etwas richtig, wenn alle Seiten mit dem Erreichten unzufrieden sind. In diesem Sinne dürfte der Stern-Report also vieles richtig gemacht und dargestellt haben. Sogar der naivste Fortschrittsgläubige [im konservativen Sinne] bestreitet heute die durch die Industrialisierung entstandenen nicht mehr. Wir sind mit den Ressourcen unseres Planeten zunächst unwissend – nun aber wissend – nicht sorgsam genug umgegangen.

Rebooting The Planet In seinem jüngsten und höchst bemerkenswerten Buch MacroWikinomics: Rebooting Business and the World hat der renommierte Wissenschaftler und Autor Don Tapscott anhand ausgewählter Branchen dargelegt, dass es mit der heute vorhandenen Technologie schon Möglichkeiten gibt, den Umgang unserer Gesellschaft mit den knappen natürlichen Ressourcen nachhaltig zu verbessern. Im Sinne des Stern-Reports verweist Tapscott dabei auf die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus dem sinnvollen Einsatz kollaborativer Technologien und Methoden ergeben. Diesbezüglich bietet vor allem die zunehmende Virtualisierung vieler Lebensbereiche die Chance, den Ressourcen unseres Planeten eine entsprechende Pause zu gönnen bzw. Abbau und Verwendung effizienter zu gestalten. Dies ist, wie auch Don Tapscott darlegt, gerade angesichts der erst beginnenden Entwicklung der großen und bevölkerungsreichen Regionen wie China oder Indien unbedingt erforderlich. Virtualisierung geht einher mit der Teilung von vorhandener Infrastruktur [Cloud Sourcing, Shared Resources etc] und mit der Abnahme der benötigten natürlichen Ressourcen pro Person. So können beispielsweise große Server in den Rechenzentren von Google, Amazon & Co die Daten viel ressourceneffizienter verwalten als Millionen kleiner Server in Unternehmen und Haushalten. Und 6


genau an dieser Stelle können wir mit unserem Manifest bzw. unserer Vision über die eBooks als Beitrag zur Entwicklung der Wissensgesellschaft bei gleichzeitiger Entlastung der Umwelt anknüpfen.

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Die Gutenberg Galaxis ist vorbei

Die gedruckten Bücher haben uns in den letzten 500 Jahren zumindest in den Industriegesellschaften geholfen, uns aus einer agrarisch geprägten, wissenmäßig durch weltliche und kirchliche Instanzen abhängigen Gesellschaft über die Industrialisierung in eine und Wohlstandsgesellschaft zu entwickeln. Ohne die Gutenberg'sche Innovation der Druckmaschine mit beweglichen Lettern wäre das wohl so nicht möglich gewesen. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan hat diese hinter uns liegende Epoche als die Gutenberg Galaxis bezeichnet, welche die Phase der Oralität und Literarität abgelöst hat. Das Leitmedium der Gutenberg Galaxis war das gedruckte Buch: „Der Buchdruck neigte dazu, die Sprache von einem Mittel der Wahrnehmung zu einer tragbaren Ware zu verändern. Der Buchdruck ist nicht nur eine Technologie sondern selbst ein natürliches Vorkommen oder Rohmaterial wie Baumwolle oder Holz oder das Radio; und wie jedes Rohmaterial formt es nicht nur die persönlichen Sinnesverhältnisse, sondern auch die Muster gemeinschaftlicher Wechselwirkung.“ (Marshall McLuhan, The Gutenberg Galaxy, 1962)

Das gedruckte Buch war das Leitmedium in einer von Atomen determinierten Welt. Auf Grundlage der zunehmenden Digitalisierung der letzten 3 Jahrzehnte befindet sich Gutenberg Galaxis in der evolutionären Ablöse durch das elektronische Zeitalter. Diese Ablöse des bedruckten Papiers durch neue elektronische Technologien wie eBooks ist aus Entwicklungs- und Umweltperspektiven auch dringendst geboten. Die Papier- und Buchproduktion ist schon heute ein nicht zu unterschätzende Umweltbelastung, die sich selbst unter Einrechnung technischer Fortschritte und effizienterer Technologien um ein Vielfaches erhöhen würde, wenn wir bei steigender Weltbevölkerung und zwecks Umsetzung der Ziele einer Wissensgesellschaft noch mehr Bücher drucken, verteilen und entsorgen müssten. Das Buch ist ein, aus Umweltperspektive nicht mehr zeitgemäßes Medium. Bereits heute, werden jährlich über 125 Millionen Bäume abgeholzt, um Papier zu erzeugen und trotzdem haben wir nach wie vor 760 Millionen Analphabeten, die noch nie ein Buch gesehen haben. Die Produktion eines gedruckten Buches verbraucht über 20 Liter kostbaren und äußerst knappen Wassers. Ein eBook hingegen verbraucht in einer Gesamtverbrauchsrechnung nur rund 2 Tassen davon. Die Papierindustrie wird zwar nicht müde darauf hinzuweisen, dass auch die digital-elektronische Infrastruktur viel Energie verschlingt und CO2-Belastungen produziert aber das verändert sich sehr rasch. Die Informationstechnologie steht noch ganz am Anfang ihrer Lernkurve. Die Energie-, Wirkungs- und Schadstoffeffizienz verbessert sich [frei] nach dem Mooreschen Gesetz alle 18 Monate um das Doppelte. Die neuen eBook Reader verbrauchen nur mehr den Bruchteil der Energie von PCs und Notebooks und auch diese sind heute bereits sehr effizient. Wir können hier noch ähnliche Fortschritte erwarten wie in der industrialisierten Wirtschaft vom Umstieg von der Dampfkraft auf elektrische und fossile Energie. Das ist auch notwendig, wenn wir unseren Planeten gerade vor dem Hintergrund der dramatisch ansteigenden Bevölkerung im Gleichgewicht halten wollen. Im November 2008 gab das UN Klimasekretariat bekannt, dass die Treibhausgasemissionen in 40 erfassten Industriestaaten zwischen den Jahren 2000 und 2006 um 2,3 % gestiegen sind. Die Störung des natürlichen Gleichgewichts der Atmosphäre durch Eingriffe in den Naturhaushalt und durch anthropogene Emission von Treibhausgasen verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und 8


führt zur globalen Erwärmung. Für die im Kyoto-Protokoll reglementierten Gase Kohlenstoffdioxid (CO2) als Referenzwert für die Treibhausgase festgelegt. Kohlenstoffdioxid (CO2) hat einen Anteil von ungefähr 20 % am natürlichen Treibhauseffekt und macht etwa 60 % des vom Menschen verursachten zusätzlichen Treibhauseffekts aus. Der weltweite anthropogene CO2-Ausstoß betrug im Jahr 2006 circa 32 Milliarden Tonnen.

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Papier, Bücher und Umweltbelastung

Die Papierproduktion für unsere Bücher, Magazine und Zeitungen ist ein wesentlicher Mitverursacher der CO2-Belastung. Der Verband Deutscher Papierfabriken schätzt, dass der europäische Pro-Kopf-Verbrauch von Papier rund 200 kg pro Jahr beträgt. Das entspricht dem CO2Ausstoß eines durchschnittlichen Familienautos auf 1000 Kilometer. Für diese 200 kg Papier werden in Deutschland 560 kWh Energie benötigt. Die taz hat im Oktober 2010 wissen lassen, dass jede Ausgabe ihrer Tageszeitung rund 300 Gramm CO2 verursacht, was einer Autofahrt von zwei bis drei Kilometern entspricht. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels schätzt, dass in Deutschland jährlich rund 1 Milliarde Bücher gedruckt und hergestellt werden. Setzen wir das in Relation zur Anzahl der Einwohner von knapp 81,7 Millionen, dann kommen Im deutschsprachigen Raum für den deutschsprachigen Teil der Schweiz und für Österreich für werden jährlich rund 1,2 die insgesamt rund 12 Millionen Einwohner nochmals rund 150 Milliarden Bücher produziert Millionen Bücher dazu. Wir werden wohl nicht so falsch liegen, und generieren damit rund 9 Milliarden Kilogramm CO2 wenn wir postulieren, dass alleine im deutschsprachigen Raum rund Äquivalent. 1,2 Milliarden Bücher jährlich produziert werden. In einem interessanten Vergleich der Umweltbelastung, der wiederum auf einer Studie der renommierten Cleantech Gruppe basiert, wird dargelegt, dass ein gedrucktes Buch im Zuge der Druckproduktion, Bindung, Transportlogistik und Entsorgung Treibhausgase mit einem Äquivalent von bis zu 7,5 kg CO2 produziert. Das macht damit alleine für die errechneten 1,2 Milliarden Bücher Deutschland, Österreich und die Schweiz jährlich 9 Milliarden Kilogramm CO2.

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eBooks, eBook Reader und Umweltbelastung

Die ersten wirklich massentauglichen eBooks kamen erst 2009 auf den amerikanischen und 2010 auf den europäischen Markt. Dabei war sicher Amazon mit dem Kindle eBook Reader ein Pionier. Unabhängig wie man als Lesender, Autor oder Verlag zum Unternehmen Amazon stehen mag, das Unternehmen hat uns hier über Jahre hinweg eine Innovation betrieben, die uns vielleicht eine Perspektive vermitteln vermag, wie wir Wissensgesellschaft trotz Bevölkerungswachstum bewältigen können. Mit den eBook Readern wie den Amazon Kindle kommen wir in komplett andere Energieverbrauchs- und Schadstoffverbrauchsdimensionen als mit den traditionellen PCs oder Note/Netbooks. Die Produktion eines Amazon Kindle eBook Readers der Generation 3 verursacht eine CO2Belastung von 168 Kilogramm und damit deutlich weniger als der jährliche Papierverbrauch eines durchschnittlichen Menschen in Deutschland. Wir gehen für die weitere Betrachtung davon aus, dass ein eBook Reader über eine durchschnittliche Betriebsdauer von 3 Jahren im Einsatz ist. eBook Reader kommen bei einem Energiebedarf von rund 0,004 kWh mit rund 1 bis 3 Gramm CO2 pro Betriebsstunde aus (Berechnung: 0,3 Ampere mal 12 Volt über eine Stunde gleich 3,6 Wattstunden, macht 0,0036 kWh). Eine Betriebsstunde müsste ausreichen, um die taz bzw. jede andere Tageszeitung zu lesen. Hinzu kommt noch der die Belastung aus der hinter dem ePaper liegende Server- und Telekommunikationsinfrastruktur. Diesbezüglich gibt es nur wenig verlässliche Daten aber wenn wir den Wert mit 3 Gramm CO2 pro elektronisch bezogenem ePaper ansetzen dürften wir auf der sicheren Seite sein. Diesbezüglich verweisen wir auf eine interessante Kalkulation, die auf Grundlage von Amazon und Kindle von exacteditions angestellt wurde [siehe hier]. Damit ergibt sich pro elektronisch als ePaper bezogene Ausgabe der taz ein CO2-Verbrauch von maximal 6 Gramm verglichen mit den 300 Gramm für die gedruckte Ausgabe. Das ist eine Reduktion um 294 Gramm pro Ausgabe oder knapp 98 Prozent. Wer also 3 Jahre lang seine Tageszeitung liest konsumiert knapp 1.000 Ausgaben und 300 kg CO2. Mit dem eBook Reader kommt er gerade einmal 6 kg. Ein 3-Jahres Abo einer gedruckten Tageszeitung produziert und 300 kg CO2 Äquivalent. Ein ePaper Abo mit eBook Reader hingegen nur 6 kg.

Gehen wir davon aus, dass die taz als Referenzwert für Zeitungen herhalten kann, dann hätten wir einmal dieses Lesesegment abgehandelt und festgestellt, dass aus der Umweltperspektive heraus wohl kein Raum mehr für Diskussionen über das Für und Wider von ePaper und der Transformation der Medienbranche dorthin bleibt. In einer CO2 Footprint Analyse hat sich ein eBook Reader also nach dem 23. eBook amortisiert und ab dem 24. Buch enorme Vorteile gegenüber den gedruckten Büchern. Nutzt man einen eBook Reader auch für Magazine und Zeitungen, dann kann die Amortisation bereits in wenigen Wochen erfolgen. Bei voller Nutzung der Speichermöglichkeiten des Kindle ergibt sich eine Einsparungsmöglichkeit von 11.185 kg CO2 im Vergleich zu den gedruckten Büchern. Wir sind wirklich keine Umweltfundamentalisten aber was wirklich unglaublich verstörend für mich ist an dieser Bilanz ist, dass ein Großteil der gedruckten Sachbücher redundantes Wissen enthalten und nur einen geringen neuen Informationsanteil (zwischen 10 bis 20 Prozent ist der allgemeine Wert). Ebenso wird ein erheblicher Teil der gedruckten Bücher niemals gelesen, sondern als Überschussproduktion entsorgt. Letzteres kann durch Print-on-Demand-Produktion vermieden 11


werden aber das redundant gedruckte Wissen und die dadurch entstehende Umweltbelastung kann nur durch eBooks beseitigt werden. Demgemäß und vor dem Hintergrund der ständig steigenden Bevölkerungsanzahl können gedruckte Bücher und Magazine nicht mehr als zeitgemäß bezeichnet werden. Tradition hin oder her – hier schulden wir unseren Kindern und den nächsten Generationen die entsprechende Verantwortung. Dieser Umwelt- und Zukunftsaspekt kommt mir in der laufenden Diskussion zu kurz.

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Manifest für eBooks, Wissensgesellschaft und Umwelt