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METROLIT Magazin Nr. 1 / FrühJAHR 2013

Am Anfang:

Ein Verlag zeigt sein Gesicht

Von Mäusen und Menschen: Jenny Lawson »The Bloggess« Alles Pop: 33 1 ⁄3 Jahre SPEX Der Tod von Adorno: 1968 als Comic

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AM ANFANG

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Aber eben auch die Frage nach dem, was dahinterliegt (die freilich oft auch eine offene bleiben muss). Etwa die Bloggerin Jenny Lawson, die mit ihrem Buch »Das ist nicht wahr, oder?« in den USA eine BestsellerAutorin ist: eine verrückte Nudel aus der texanischen Provinz, die in exaltiert-bis-exhibitionistischer Weise über ihr Leben schreibt. Das ist grandios albern. Und doch eben auch mehr: ein etwas übertriebener State of the Art zeitgenössischer Individualität (ein Interview mit Jenny Lawson findet sich ab Seite 4). Um die mediale Welt, die längst zu unserer ersten Natur wurde, geht es auch in anderen Publikationen: New-York-Times-Autor Adam Wilson scannt in seinem Roman »Flatscreen« die Welt der Statusmeldungen und YouTube-Filmchen. Ab Seite 10 findet sich ein kleines Best-of daraus. Der brand eins-Autor Jens Bergmann widmet sich in seinem Buch »Ich Ich Ich« unserer Sucht nach Selbstinszenierung und der Frage, welche Funktion die medial gepushten Minderleister in unserer Gesellschaft spielen. Ab Seite 26 katalogisieren wir die wichtigsten TVPlagegeister – und nehmen ihnen so ihren Schrecken. Als Konzentrat des zeitgenössischen Lebens, das Hier und Jetzt, galt und gilt Pop. Und das Leitmedium in Sachen Pop-Exegese war und ist die Zeitschrift SPEX. In »33 1 ⁄3 Jahre Pop« stellen die Herausgeber Max Dax und Anne Waak legendäre SPEX-Texte zusammen und ab Seite 20 dieses Magazins erklären wir, wieso die SPEX, auch international betrachtet, so besonders ist. Um eine etwas abseitige Pop-Spielart – aber genau auch das ist Pop: die Feier der Nische – geht es in Frank Schäfers Buch »Metal Störies«. Für alle, die mit dem Genre noch nicht so vertraut sind (und die feinen Unterschiede zwischen Death- und Black-Metal noch nicht kennen), gibt es ab Seite 17 einen ThrashKurs: die ultimative Tabelle mit allen wichtigen Fakten zum brachialen Zeitvertreib. Apropos Zeitvertreib: Wer auf der Suche nach anspruchsvoller Prokrastination ist, dem sei das Buch »Die Kunst einen Bleistift zu spitzen« von David Rees empfohlen. Der ist tatsächlich hauptberuflicher Bleistiftspitzer und teilt ab Seite 42 mit, wie man sein Schreibwerkzeug in Form bringt – etwa mit den Zähnen. Denn bekanntlich kann man sein Tagwerk – zum Beispiel: sich ans Verstehen der Gegenwart zu machen – nur mit einem wirklich spitzen Bleistift beginnen.

ie Gegenwart hat es an sich, unübersichtlich zu sein. Zu viel passiert gleichzeitig, wandelt sich, wird neu verpackt und umcodiert. Von den unzähligen verworrenen Phänomenen ist die sogenannte Jugendkultur eines der kompliziertesten. Und von allen Jugendkulturen ist die britische wahrscheinlich die komplexeste. Die feinen Unterschiede und die Überdeterminierung der Mode, die Bedeutung des jeweiligen Sounds, die strikten Grenzen und geheimen Verwandtschaften, kurz: das gesamte populäre Zeichensystem ist derart differenziert, dass bei Außenstehenden nur Ratlosigkeit aufkommt. Aber vielleicht muss, wer das Jetzt verstehen will, nach hinten blicken. 1959 erschien in London das Buch »Absolute Beginners«. Colin MacInnes beschreibt darin die Urszene der britischen Jugendbewegung: den Split in Teddy Boys und Mods. Er erklärt, wie die Kolonialgeschichte zusammen mit der urbanen Verdichtung und der oft recht handgreiflichen britischen Arbeiterkultur ein Treibhausklima entstehen ließ, in dem Szenen, Gruppen und Gangs wie Pilze aus dem warmen Boden schossen. MacInnes’ Soziologie ist bis heute gültig. Vor allem aber – das geschieht ab Seite 8 dieses Heftes – kann man die Auswirkungen dieser lang vergangenen Kämpfe bis in die Gegenwart verfolgen. Es lassen sich direkte genealogische Beziehungen zwischen den Hoodies, die heute in Südlondon Dubstep hörend durch die Straßen ziehen, und MacInnes’ Mods herstellen. Die Gegenwart wird lesbar. »Absolute Beginners« ist eines von achtzehn Büchern, die in diesem Jahr in dem neu gegründeten Metrolit Verlag erscheinen werden. Ein anderes: »Mein Freund Dahmer«, eine sehr persönliche Graphic Novel von Derf Backderf. Der Psychopath Jeffrey Dahmer, von den Medien »Milwaukee-Monster« genannt, ermordete in den 1980er Jahren mindestens siebzehn junge Männer. Reißerische Artikel über ihn finden sich im Internet zuhauf. Wer bisher das Bild des »MilwaukeeMonsters« im Kopf hat, wird durch »Mein Freund Dahmer« (Auszüge daraus finden sich ab Seite 30) erschüttert. Die Graphic Novel zeigt nicht nur den Menschen hinter dem Monster. Vor allem stellt dieses Buch eine entscheidende Frage: Wieso wurde Dahmers Entwicklung nicht gestoppt? Möglichkeiten hätte es gegeben. Was macht Derf Backderf in »Mein Freund Dahmer«? Er nimmt ein catchy Thema, verweilt aber nicht bei der reißerischen Oberfläche, sondern bohrt tiefer. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich das MetrolitProgramm ab: auf der einen Seite das Grelle, das Schräge, das Gegenwärtige – wenn man so will: Pop.

Viel Spaß beim Lesen, Ihr METROLIT-Team

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inhalt Metrolit

KÖNIGIN DES INTERNETS Mit ihrer Webseite »The Bloggess« erreicht Jenny Lawson jeden Monat bis zu 3 Millionen ­Leser. Wir haben nachgefragt, wie sie das macht.

S. 04 S. 8

ES GEHT UM ALLES  Die SPEX ist mehr als eine bloße Musikzeitschrift. Der Versuch einer Verortung.

ALS DIE TEDDY BOYS MIT DEN MODS … Vom Ursprung der Pop-Subkulturen erzählt Colin MacInnes in »Absolute Beginners«.

S. 10 FLACHBILDSCHIR MWELTEN Adam Wilson zeichnet den ­Cyber-Loser schonungslos und doch liebvoll.

S. 26

S. 12

S. 20

MEIN GOTT, MARGOT! Warum wir uns zu Tode inszenieren. Jens Bergmann nimmt sechs Promis unter die Lupe.

LITERATUR UNTER GRANATENBESCHUSS Die wahre G ­ eschichte einer Flucht endet nicht, wenn man in Sicherheit ist – Alen Mesˇkovic´s grandioses Debüt.

S. 28

S. 14

JOY DIVISION Joy Division-Bassist Peter Hook hat die Geschichte einer der einflussreichsten Bands überhaupt aufgeschrieben.

DIE SUMME DER EINZELNEN TEILE Christian Grasse stellt die wichtigsten Trends der Selbstquantifizierung vor.

S. 30

S. 16 DER CLUB ALS HETEROTOPIE »Der Sonntag geht weiter, die Party auch«: Innenaufnahmen aus dem Berliner Nachtleben.

MEIN FREUND, DER SERIENMÖRDER Wie wird man zum Monster? Dieser Frage geht Derf Backderf in seiner Graphic Novel über Jeffrey Dahmer nach.

S. 17

S. 34

STAY BRUTAL! Alles über die wichtigsten Heavy-Metal-Genres im Überblick.

ON THE ROAD Vom Dasein als urbaner Nomade: Danielle de Picciotto Bilder-Bibel der Minimalismus-Bewegung.

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Metrolit

DER TOD VON ADORNO  Helmut Wietz begann 1968 einen Comic zu zeichnen, mit dem er den gesellschaftlichen Aufbruch darstellen wollte. Endlich erscheint er! S. 40

S. 36

KRIMI NOIR » Nur ein bisschen Angst, mehr braucht es nicht, dass L ­ iebe zu Hass gerinnt. « – Ein posthumes Meisterwerk von James M. Cain

S. 42 ANGESPITZT David Rees schreibt über ein bisher unterschätztes Handwerk: ­Bleistiften die ideale Form zu verpassen!

Programm und Vorschau Frühjahr 2013 Das erste Programm des METROLIT Verlags im Überblick

S. 46 HAST NIX VERPASST Doch! Der g­ randios-absurde Humor des Berliner ­Autors, Künstlers und Grafikers Max Kersting.

S. 52   –  70

S. 48 SCHÄDELWEH Viel trinken und trotzdem prima leben: Sandy Fawkes erzählt, wie das geht!

Impressum S. 71 verlag / VERTRIEB S. 71

S. 50

S. 72

NIMM IHN! Die Autorin Sabine Scholl macht den Mann zum Sexobjekt. Endlich.

DIE KÖPFE DAHINTER Die Macher von METROLIT – wer sie sind und was sie bewegt.

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PSYCHO Magazin

The Bloggess @The Bloggess Today I was murdered by a horse. Expand

und Pop 4


Jenny Lawson

Jenny Lawson aus Texas ist die Königin des Internets – mit ihrer Webseite »The Bloggess « erreicht sie jeden Monat bis zu 3 Millionen Leser. Lawson schreibt über den Alltag im texanischen Hinterland, tiefe Depressionen und immer wieder über Tiere. In ihrem Debüt-Roman » Das ist nicht wahr, oder? «, der sofort die New-York-Times-Bestsellerliste stürmte, entsteht so ein Panorama des zeitgenössischen Amerika jenseits der urbanen Zentren. Und doch geht es bei Jenny Lawson um mehr als nur Freakshow. Die Autorin schreibt so exaltiert-exhibitionistisch über sich selbst, wie es vor einigen Jahren noch nicht denkbar gewesen wäre. Heraus kommt Blog-inspirierte Literatur, die nicht nur schräg, albern und sehr witzig ist – sondern auch viel über die mediale Formung von Persönlichkeit verrät.

Wir haben Jenny Lawson angerufen: Mrs. Lawson, ich kann nicht glauben, dass Sie immer noch in Texas leben. Wieso? Ich mag die offene, weite Landschaft meiner Heimat und könnte mir nie vorstellen, in der Großstadt zu wohnen. Ich bin auf Lese-Touren und Geschäftsreisen oft in New York und Houston und der Verkehr, Lärm und die Menschenmassen überwältigen und verängstigen mich. Nun, in Ihrem Buch beschreiben Sie Ihre Kindheit im ländlichen Texas als eine surreale Geisterbahnfahrt, in der schießwütige Rednecks, mexikanische Fabelwesen und sehr reale Klapperschlangen ihr Unwesen treiben. Okay, es war schon eine ziemlich harte Umgebung für ein junges Mädchen. Ich bin in einem kleinen Farmhaus aufgewachsen, in dem das Leitungswasser mit Radon verseucht war und ich immer Angst haben musste, dass mein Vater, ein passionierter Jäger und Tier-

präparator, mal wieder ein Stück Aas in der Badewanne vergessen hatte. Oder dass mich seine Haustiere, Gürteltiere, Waschbären und Truthähne, auf dem Weg zum Briefkasten überfallen. Normal ist das nicht. Aber wer will schon normal sein? Ich habe eine Weile gebraucht, weiß aber heute, dass ich eine wunderbare Kindheit mit vielen Freiheiten hatte. Die surreale Umgebung hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Und das ist alles, was ich habe. Obwohl Sie die Glasaugen der toten Tiere als Kind verängstigt haben, sammeln Sie heute selbst Wolpertinger und andere kuriose Tierpräparate. In dem Buch findet sich zum Beispiel ein Foto von einer ausgestopften Maus, die ein Hamlet-Kostüm trägt und getreu nach Shakespeare einen Mäuseschädel in der Hand hält. Ist das eine Art Konfrontationstherapie mit der blutigen Kindheit? Das kann ich wirklich nicht genau sagen. Ich mag einfach merkwürdige Dinge

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Jenny Lawson

vorgesehen, über das Wetter oder den letzten Urlaub unterhalte, sondern es aus mir herausplatzt: »Der Höhepunkt meiner Highschool-Zeit war, als ich einen Handschuh in der Vagina einer Kuh verloren habe.« Ist das der Grund, warum wir dieses Interview per E-Mail führen und nicht über Skype oder Telefon? Wenn Sie das Buch oder meinen Blog gelesen haben, dann wissen Sie ja, dass ich unter einer schweren sozialen Angststörung leide und dass mir deshalb der Umgang mit anderen Menschen oft schwerfällt. Die meiste Zeit kann ich mich dazu zwingen, den Konventionen zu entsprechen, aber manchmal fühle ich mich so zerbrechlich und schreckhaft, dass das beste Mittel, um weiterzumachen, einfach das Wort »Nein« ist. Man darf nicht zulassen, dass man anderen Menschen zuliebe seine eigenen mentalen Kräfte überschätzt. Sie schreiben, dass »die meisten Blogger emotional unsicher sind (…) und das ist auch der Grund, warum sie überhaupt mit dem Bloggen angefangen haben«. Ist das nicht ein veraltetes Klischee – der sozial inkompetente Freak, der sich im Internet austobt, weil er die Wirklichkeit nicht ertragen kann? Digitale Texte wie E-Mails und Blogeinträge sind wichtige Werkzeuge für mich, um den Kontakt zur Welt aufrechtzuerhalten – selbst wenn ich wieder mal in diesem dunklen Loch sitze. Und ich glaube, dass es vielen anderen angstvollen Menschen ähnlich geht. Natürlich sind Blogs heute nur ein weiteres Medium der Informationsgesellschaft, über das Nachrichten verbreitet werden oder Menschen ihre fünfzehn Minuten Ruhm suchen. Aber ich glaube immer noch, dass es viele Menschen gibt, die im Netz schreiben, weil sie so die Seltsamkeit der Welt umgehen können. Auf mich trifft das auf jeden Fall zu. Sie betreiben wie gesagt einen der erfolgreichsten Blogs (»The Bloggess«) der USA und haben bis zu drei Millionen Leser pro Monat. Warum muss man dann überhaupt ein Buch schreiben? Mein Blog ist für mich ein Medium, in dem ich meine Erfahrungen und authentischen Probleme und Konflikte verarbeite. Ich glaube, dass viele Leute meine bizarre Lebenswelt und meinen Humor schätzen. Aber ich beschäftige mich auch mit ernsten Themen wie Depressionen, Krankheiten und Selbstmordgedanken. In dem Blog poste ich einzelne Gedanken, Fotos, Fundstücke und andere Kleinigkeiten. An dem Buchprojekt hat mich vor allem der weite Horizont fasziniert. Stil und Haltung unterscheiden sich nicht so sehr von meinem Blog. Wenn man ein Buch schreibt, dann kann man Gedanken ausbreiten, Zusammenhänge ausarbeiten und muss einen roten Faden finden, das war für mich auch eine neue Erfahrung. Ich musste lernen, dass man dem Leser auch mal eine Atempause geben muss.

»Das Internet führt dazu, dass man realisiert, dass jeder Mensch verkorkst ist.«

und Artefakte. Ich lege allerdings Wert darauf, dass ich nur Tiere sammle, die an natürlichen Ursachen gestorben sind oder seit Jahrzehnten in einem Antiquariat verstauben. Die meisten der Präparate tragen auch Menschenkleidung. Ich weiß nicht genau, warum, aber da ist etwas an einem schlecht präparierten Wiesel in Anzug, Krawatte und Hut, das mich zum Lächeln bringt. Sie schreiben oft, dass Bekannte und Freunde, wenn Sie Anekdoten aus der Kindheit erzählen, »ganz still werden« oder »schnell abhauen, und nie wiederkommen«. Irgendwie scheinen Sie den Schock-Effekt aber auch zu genießen? Wenn ich über mein eigenes Leben schreibe, dann weiß ich genau, dass ich über etwas Besonderes schreibe, weil niemand anders eine ähnlich bizarre Kindheit hatte. Ich will die Leute nicht verstören, aber es fällt mir manchmal schwer, mich im sozialen Kontext angemessen zu verhalten. Ich kann wunderbar stringente E-Mails und Briefe schreiben, aber wenn sie mich in eine Stehparty schmeißen und zum Small Talk zwingen, dann passiert es häufig, dass ich mich nicht, wie eigentlich

»Der Höhepunkt meiner HighschoolZeit war, als ich einen Handschuh in der Vagina einer Kuh verloren habe.«

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Psycho und Pop

In einem Interview haben Sie mal gesagt: »Das Internet führt dazu, dass man realisiert, dass jeder Mensch verkorkst ist.« Es gibt so viele Leute da draußen, die die absurdesten Geschichten erzählen. Immer denkt man: Das kann doch gar nicht wahr sein?! Und dann stimmt es doch. Es heißt oft, dass die Menschen im Netz nur mit verschiedenen Masken und Identitäten experimentieren. Das glaube ich nicht. Wenn man erst mal über eine lange Zeit eine Online-Identität betreibt, dann fällt es einem

nutzen. Man macht sich lustig über diese Freaks. Meine Familie ist zwar sonderbar, aber ich hoffe doch, dass man während dem Lesen mit diesen Figuren eine Verbindung eingeht: weil sie originell sind, gutherzig, einzigartig. Das Buch ist ein Liebesbrief für meine Familie und ich hoffe, es wird auch so gelesen. Gibt es etwas, worüber Sie niemals schreiben würden? Ich achte darauf, dass ich nie etwas auf dem Blog oder im Buch schreibe, das meiner Tochter schaden könnte. Sie ist erst sieben Jahre alt und findet das alles sehr lustig. Aber ich möchte den Bullys auf dem Schulhof keine Munition fürs Mobbing geben. Ich schreibe in meinem Buch auch oft über Konflikte mit meinem Mann, aber ich warte immer, bis wir die Themen verarbeitet haben. Erst wenn wir zusammen drüber lachen können, darf auch die Welt von unserem Wahnsinn erfahren.

sehr schwer, seine eigenen Makel und Probleme zu verschleiern. Ich gehe in meinem Blog zum Beispiel sehr offen mit der Tatsache um, dass ich an einer psychischen Erkrankung leide. Wenn man erst einmal ins Licht tritt und ehrlich ist, dann ist das eine sehr befreiende Erfahrung. Wissen Sie, ich schreibe vor allem für mich selbst, aber ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viele andere Menschen meine Probleme kennen und verstehen. Ein wunderbarer Nebeneffekt dieses Projekts ist es, dass ich Menschen sagen kann: Du bist nicht der einzige, der sich so fühlt! Ich habe einen eigenen Ordner auf meinem Computer, in dem ich E-Mails von Leuten sammle, die mir schreiben, dass sie sich entschieden haben, doch keinen Selbstmord zu begehen, weil sie sich auf meinem Blog oder in meinem Buch verstanden gefühlt haben. Ihr Buch »Das ist nicht wahr, oder?« beschreibt – wie auch die Werke von David Sedaris – vor allem den alltäglichen Wahnsinn einer schrecklich netten Familie. Was unterscheidet dieses literarische Genre eigentlich von RealityTV-Serien wie »Bauer sucht Frau« oder »Keeping up with the Kardashians«? Gute Frage. Ich würde behaupten, dass Reality-TV-Sendungen stärker manipuliert sind und die Schwächen und Probleme der Menschen aus-

Zu den Abbildungen: Jenny Lawson schätzt das multimediale Wesen des Webs. Die aberwitzigen Episoden und Delirien aus Buch und Blog sind deshalb oft mit Fotos aus dem Familienalbum (oder vom Smartphone der Bloggess) garniert: Kinderfotos, animalische Karikaturen, Fund- und Beweisstücke. »Es ist wirklich wichtig, dass bei meinen Texten auch Bilder stehen«, meint sie, »sonst glaubt mir doch niemand, dass das wirklich passiert ist.«

Jenny Lawson − Das ist nicht wahr, oder?

S. 54 7


Colin MacInnes

Wer wissen will, wo der Ursprung der Pop-Subkulturen des 20. Jahrhunderts liegt, sollte Colin MacInnes’ » Absolute Beginners « lesen.

»Er stand neben seinem Motorroller, als wäre er ein Araberhengst.« So charakterisiert der namenlose Erzähler in »Absolute Beginners«, ein bald 19-jähriger Fotograf, einen Hipster, den er zufällig auf der Straße trifft. Vespa-Roller und Anzüge, Schuhe und Frisuren, sie werden gepflegt, denn sie formen Identität. Colin MacInnes hat als einer der Ersten beschrieben, welchen Einfluss Mode, Jazz und Rock ’n’ Roll auf die proletarische Teenager-Kultur Großbritanniens hatten, wie diese sich durch Stilbewusstsein und Gewaltbereitschaft von der Erwachsenenwelt abgrenzte und gegen sie rebellierte. Und MacInnes beleuchtete einen Moment des Übergangs. »Absolute Beginners« erschien 1959. Die Jugendkultur der Teddy Boys, elegant gekleideter Rockabilly-Fans, wurde langsam durch die Roller-fahrenden Mods abgelöst. Die Mods übernahmen von den Teds den Hang zu schmal geschnittenen Anzügen und guten Schuhen, hörten aber Jazz und Soul. Ihr Mode- und Musikgeschmack unterschied sie von ihren großen Gegnern, den Lederjackentragenden Rockern, die mit den Teds die Vorliebe für Rock ’n’ Roll teilten. Aus diesen beiden britischen Subkulturen entwickelte sich ein Gutteil jener Jugendbewegungen, die Großbritannien – und weite Teile des Westens – in den folgenden Jahrzehnten prägen sollten. Wie sich diese Entwicklung vollzog, zeigt der nebenan stehende Stammbaum. Natürlich kann er nicht vollständig sein, einige Verästelungen fehlen. Andere, wie zum Beispiel die Hippiekultur,

entwickelten sich unabhängig von den immer proletarisch geprägten Teds, Mods und ihren Nachfolgern. Trotzdem kann man den Stammbaum bis in die Gegenwart fortsetzen. Er endet bei den Dubstep- und Grime-Hörern, die im August 2011 in englischen Städten plünderten und revoltierten. So wie ihre Vorfahren in West London, die in »Absolute Beginners« beschrieben werden.

Colin MacInnes − Absolute Beginners

S. 53 Colin MacInnes wurde 1914 in London geboren, wuchs aber in Australien auf. Er kehrte in die englische Hauptstadt zurück und arbeitete dort zuerst als Journalist, dann als Autor. Er war bisexuell und Chronist der englischen Parallelkulturen. Seine bekanntesten Romane sind »City Of Spades«, »Absolute Beginners« und »Mr. Love and Justice«. Er starb 1984.

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Teenage Rebellion

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Adam Wilson

Frottee & Fetisch Jedes Zeitalter hat seine eigenen Antihelden. Heute sitzen sie vor Flachbildschirmen und führen im Netz eine bedeutungslose Schattenexistenz. Adam Wilson zeichnet den Cyberloser schonungslos und doch liebevoll. Sein Bademantel ist das Gegen(kleidungs)stück zum Superheldenkostüm. Das rote, gelbe, knallbunte Cape von Superman und Co. ist ein Zeichen für die Energie und Geschwindigkeit der Kämpfer für das Gute. Männer aber, die sich außerhalb der Nasszelle oder des Spa in einem Bademantel blicken lassen, gelten spätestens seit » T he Big Lebowski « als Verlierer und Slacker, denen es zu anstrengend ist, ein Versprechen einzuhalten oder morgens eine Hose anzuziehen. Eliah Schwartz, 20 Jahre / Body Mass Index 25 + / Kontostand: (–), ist so ein Typ, der oft im überdimensionierten Frottee-Airbag durch die Vorstadt radelt und ein ranziges Phlegma ausstrahlt. Eli nimmt zu viele Drogen, kennt zu wenige Menschen und ist mit den Figuren auf Flachbildschirm per Du, den Soap-Opera-Aphoristikern und Facebook-Feinden. Wer denkt, dass die Story vom Verlierer im Bademantel seit dem Dude ( Jeff Bridges!) auserzählt ist, muss » F latscreen « lesen.

Adam Wilson − Flatscreen

S. 55 10


Frottee & Fetisch

Die einzelnen Dimensionen der Hölle: Familie

Pop

Essen

»Sah Dad selten. Dachte, er würde irgendwann in mein Zimmer kommen, sich setzen, mir die Hand auf die Schulter legen. Eine ganze Zeit lang stumm verharren. Dann sprechen, langsam, präzise, als hätte er die Rede seit Jahren geplant. Keine Ahnung, was er sagen würde – so weit reichte meine Fantasie nicht –, hoffte aber, er würde irgendwas sagen. Oder sich wenigstens hinsetzen, ein paar Worte stammeln, wieder rausgehen. Doch er kam von der Arbeit nach Hause, aß zu Abend und zog sich in sein Schlafzimmer an seinen persönlichen Flachbildschirm zurück.«

»Worin ich einem Rapper ähnle: Abwesender Vater / Schusswunde / verbale Schärfe / begrenzte Bildung / steh auf Ärsche.«

» … schaute Food Network, verinnerlichte Sous-Vide-Verfahren, Messerpflegetipps, Rezepte mit seltenen Früchten und zwölf Stunden Lebenszeit. Sah mich selbst in Iron Chef … die ganze Welt sah zu, beeindruckt, wie geschickt ich das Messer führte, verblüfft, wie empfindlich mein Gaumen war, wie raffiniert ich präsentierte, welch ungewöhnliche Paarungen ich zu Gabeln voll Ekstase verschmelzen konnte … Diese Fantasie – die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte – war niederschmetternd.«

Drogen

Karriere

»Schloss die Highschool ab. Statt ins College rutschte ich tief in meinen Kellerabgrund. Sah monatelang fern, im Halbdämmer, mehrte mein Wissen in Dingen, die ich in der Schule versäumt hatte.«

Alltag

Unterhaltung »In manchen Nächten – high, Augen geschlossen, keine Musik, konzentriert auf betriebsames Rauschen: Trockner, Spülmaschine, Abflussrohre – dehnt sich mein Schädel aus, verwandelt sich in einen gewaltigen Plasmaschirm, breit wie ein Football-Feld, groß wie ein McAnwesen, superhochauflösend, brillant, drahtlos, flimmerfrei, mit Engelsflügeln für das richtige Wetter, Planeten stehen richtig, es ist an der Zeit, aufzusteigen wie ein Drache, durch die Wolken in die Atmosphäre, in die Umlaufbahn, aus der Umlaufbahn ins Weltall, zur Sonne hin, Körper noch angeschlossen, Beine schweben hinterher wie Verlängerungskabel, ausgesteckt.«

Sex »Sex war langsam. Gedanken zu schnell, analysierten jedes Stöhnen und die kleinste Bewegung. War das ein ›AAH!‹ oder ein ›ups?‹, und warum zog ihre Hand meine Hand über den BH, unters Kinn, Musik zu laut?, wessen Bein war …«

» … ich schaute allein auf Laptop, Desktop, Flachbildschirm. Von meinem bequemen Sofa aus kommunizierte ich mit der Welt, verleugnete die Echtzeit, wie ein Anthropologe, der versucht, einen fernen ausgerotteten Stamm zu erforschen und sich fragt, was schiefgelaufen ist.«

»Putzte die Küche, saugte den Teppich im Fernsehzimmer, wusch meine Bettwäsche. Ich war Experte im Wäschewaschen geworden … Meine Pflicht war es jetzt, mich mit der Waschmaschine vertraut zu machen, ihre Knöpfe und Empfindlichkeiten zu begreifen, wie ein Onkel, der lernen muss, eine verwaiste und schließlich adoptierte Nichte zu verstehen (Uncle Fun, Disney, 1997). (…) Als es Mittag war, roch das Haus nach Chemie.«

Soziale Medien

Mode

»Mann, E., du bist berühmt.« »Ja. Dein Video ist bei YouTube auf zehn geklettert.« »Welches Video?« »Typ fällt auf Football-Feld in Ohnmacht. Kriegt einen Ständer, kriegt Standing Ovations.« »Scheiße.« »Du solltest begeistert sein. Die Tussen sind verrückt nach Berühmtheiten.«

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» (…) War seit der achten Klasse nicht mehr Klamotten kaufen gewesen, als es cool war, in der Mall nach Mädchen Ausschau zu halten, und danach dauerte es nicht mehr lange, bis ich beschloss, dass es noch cooler war, sich in den Wäldern zu bekiffen, ohne irgendwelche Mädchen zwei Meilen im Umkreis.«


Alen Meškovic ´

Der junge Mann und das Meer Popliteratur unter Granatenbeschuss: Alen Mesˇkovic´ schreibt den Schlüsselroman über den Bosnienkrieg.

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Der junge Mann und Das Meer

Alen Mesˇkovic´ − Ukulele Jam

S. 56 Es sind Sätze wie dieser, mit denen Alen Mesˇkovic´ den Medienkonsumenten zwingt, genau hinzuhören: »Die Lage ist schön. (…) Direkt am Wasser.« Der Satz wäre nicht der Rede wert, ginge es nicht um ein Flüchtlingscamp im jugoslawischen Krieg: »Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad mit Toilette. Wir essen im Restaurant. Es soll das beste Lager in ganz Kroatien sein.« Das Nebeneinander von Krieg und Konsumgesellschaft, Politik und Popmusik zieht sich durch »Ukulele Jam«, dem Debütroman des dänisch-bosnischen Autors, der an Nick Hornbys »High Fidelity« genau so erinnert wie an den Kriegsfilm »Hotel Ruanda«. Alen Mesˇkovic´ wurde 1977 im heutigen Bosnien geboren, musste die Heimat nach Ausbruch des JugoslawienKrieges verlassen und kam 1994 nach einer langen Flucht in Dänemark an. »Ukulele Jam«, das betont Mesˇkovic´, sei kein autobiografischer Roman. »Es geht um meine Generation, die 90er Jahre und dieses verrückte Land, aus dem wir kommen.« »Ukulele Jam« ist kein naturalistischer Thriller und kein Betroffenheitsroman, sondern ein smartes Stück Popliteratur – unter Granatenbeschuss. Der Protagonist Miki, ein 15-jähriger Rock ’n’ Roll-Fan, muss seine Heimat mit seiner Familie verlassen und landet in einem ehemaligen Armee-Ferienclub an der kroatischen Küste. Ihr Haus wurde durch eine Explosion zerstört, sein großer Bruder wurde von feindlichen Truppen verschleppt. Aber Miki hat auch noch andere Probleme. Die Mädchen am Strand sprechen nicht mit ihm. Die Batterien seines Kassettenrekorders sind leer. Und: »Meine besten Klamotten waren zu Hause geblieben. Ich hätte mein Zeug selber packen sollen.« Miki sitzt vor dem Radio und hört immer wieder die Propagandalieder, ertappt sich dabei, wie er unbewusst mitsummt. »Politik«, meint Mesˇkovic´, »war für uns das Hobby alter Männer. Damit wollten wir nichts zu tun haben.« Pop zeigt hier mal wieder die integrierende Kraft – während ganze Völker mit Schlachtliedern auf den

Lippen in den Krieg ziehen, träumt Miki von heftigen Konzerten, Sex mit Groupies, FunFunFun. Er ist Teil der transnationalen Republic of Rock. So steuert er durch den Badeort, die gleißende Sonne im Nacken, den Geruch von Sonnenöl in der Nase, die Bikinistreifen der Mädchen im Blick: »Es war unmöglich zu sehen, wer davon Flüchtling und wer Tourist war.« Alle laufen vor etwas davon. Mesˇkovic´ ist in Nordeuropa angekommen. Er lebt in Kopenhagen, arbeitet dank eines dreijährigen Stipendiums einer dänischen Kunststiftung nun Vollzeit als Schriftsteller und schreibt auf – Dänisch. Auch wenn er sagt, dass man »nur eine Muttersprache« habe und deshalb in gewisser Weise immer ein wenig fremd klinge. Er findet das nicht schlimm, sagt cool: »Kulturelle Unterschiede werden überbewertet.« Längst ist er in der Multikulti- und Migrationsdebatte, die in Dänemark mindestens so heftig tobt wie in Deutschland, eine wichtige Stimme. Mesˇkovic´ hört oft genug, dass er »bestens integriert« sei (heißt: fällt niemandem zur Last und nicht unangenehm auf). Er findet den Satz irritierend. »Ich habe nicht Dänisch gelernt, um Standards zu erfüllen oder einen Beitrag für die dänische Gesellschaft zu leisten«, sagt er, »sondern weil ich mein Leben zurückerobern wollte, Leute treffen, Partys feiern.« Das bedeutet wohl: Eine wirklich offene Gesellschaft bewertet Einwanderer nicht mit Checklisten, sondern bietet ihnen Kanäle und Möglichkeiten, ihren Egoismus, ihre Lebenslust und Kreativität auszuleben – davon profitieren am Ende dann alle. Zum Beispiel durch ein gutes Buch. Alen Mesˇkovic´ plant, die Geschichte von Miki weiterzuschreiben. Denn die wahre Geschichte einer Flucht endet nicht, wenn man in Sicherheit ankommt. Sie fängt erst an.

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Christian Grasse, Ariane Greiner

Noch nie war es so leicht, den eigenen Körper zu vermessen. Apps können die tägliche Anzahl unserer Schritte genauso messen wie die Kalorien, die wir zu uns nehmen. Der Autor Christian Grasse stellt die wichtigsten Trends der Selbstquantifizierung vor.

Ich in Zahlen optimieren. Per Knopfdruck errechnen entsprechende Programme auf dem Telefon individuelle Ernährungspyramiden, erstellen Diätziele, geben Tipps für den nächsten Einkauf oder schlagen Rezepte für ein gesundes Essen vor.

Den Alltag scannen Es besteht die Annahme, dass unser Gehirn jeden erlebten Moment abspeichert, allerdings können wir uns nur an Ausschnitte erinnern – und selbst die verblassen mit der Zeit. Lifelogging-Kameras wollen dieses Defizit ausgleichen. Fotolinsen, GPS-Sensoren und Speicherchips, verbaut in kleinen, ansteckbaren Clips, halten fotografisch jeden Moment in unserem Leben fest. Die Mini-Kamera der schwedischen Firma Memoto etwa knippst im 30-Sekunden-Takt Fotos und speichert den Ort, sortiert die Bilder chronologisch und überträgt sie kontinuierlich auf das Smartphone.

Wie fühlen Sie sich heute? Diese einfache Frage stellen sogenannte Mood-Tracker (StimmungsMesser). Dienste wie Moodpanda, Moodscope oder mood24/7 fordern Nutzer mindestens einmal täglich auf, die eigene Stimmung zu bewerten. Per SMS oder Handy-App als Ranking, wobei 1 sehr unglücklich und 10 sehr glücklich heißen kann. Mit der Zeit entstehen dank dieser Methode Stimmungskurven, die das Potenzial besitzen, das eigene Glücksgefühl zu verbessern. So stellt sich womöglich heraus, dass Sie sich nach dem Joggen glücklicher fühlen als nach dem Radfahren.

Kommunikations-Supervision Das Smartphone ist Knotenpunkt der persönlichen Kommunikation. Telefonate, E-Mails, SMS, Chatnachrichten: die Kommunikation ist im ständigen Fluss. Aber wie genau läuft sie ab? Sogenannte Device Tracker analysieren die persönliche Kommunikationsleistung und zeigen beispielsweise auf, mit wem ich wann wie lange in Kontakt war. Objektive Zahlen, die normalerweise im alltäglichen, oft »unbewussten« Gebrauch verschwinden.

Während du schläfst  ... Lässt Sie ein Glas warme Milch tatsächlich besser schlafen? Wie wirkt sich die Ernährung oder der Sport auf Ihren Schlafrhythmus aus? Das wollen Dienste wie beispielsweise WakeMate oder Jawbone UP für Sie beantworten und versprechen eine erholsamere Nacht. Mit Mess-Armbändern, Clips oder Smartphone-Apps, die dank Lagesensoren jede noch so kleine Bewegung festhalten, wird die Schlafaktivität aufgezeichnet. Mögliche Erkenntnis: Welche Aktivitäten haben welchen Schlafrhythmus zur Folge?

Der smarte Fitnesstrainer Ob »intelligente« Armbänder oder digitale Schrittmesser im Schuh: Fast unsichtbare Sensoren von Nike, Fitbit und Co. halten akribisch fest, wie und wann wir uns bewegen. Ausgestattet mit Lage-, Bewegungs- und Funksensoren, messen sie, wie weit wir gehen, wie schnell wir laufen oder wie viele Stockwerke wir bewältigen. Die Daten landen auf dem Smartphone oder direkt im Netz. Dort erwarten uns aufschlussreiche Diagramme sowie Tipps zur Steigerung der eigenen Fitness. So wird die unsichtbare Technik zum Personal Trainer in Fortschrittsbalken-Optik inkl. Schritt-für-Schritt-Motivation und Freundevergleich.

Christian Grasse Ariane Greiner −

Mein digitales Ich

Digitale Diät Während Schrittzähler und Fitness-Apps auf dem Handy für die Messung der körperlichen Aktivität zuständig sind und nebenbei auch den Kalorienverbrauch ermitteln, sind sogenannte Food-Tracker für das Erfassen der Energiezufuhr zuständig. In Verbindung mit den Bewegungsdaten des Körpers lässt sich so die eigene Ernährung

S. 70 14


Ju Innerhofer

» Ich habe zwei relativ anstrengende Schichten vor mir. Sonntagabend von zwanzig Uhr bis um vier Uhr montagmorgens, und dann gleich noch mal Montag von sechs Uhr bis Dienstag um zwei Uhr morgens. Aber danach bin ich frei. Um mich zu verabschieden, abzuschießen, mir das Gehirn wegzuballern. Um mich aufzulösen. « — » Schweiß fließt. Körper winden sich zwischen Körpern. Wahlweise reiben sie sich auch. Reibung erzeugt Energie. Alle Sinne werden berührt: hören, sehen, riechen, tasten. Ein dichter Moment. Gefühle überlappen sich. Es hat alles was von Gleichzeitigkeit. Zwar sind wir schlussendlich alle Fremde, der Moment ist aber unglaublich verbindend. Wie Klebstoff. « — » All die Leute, die hier tanzen, als ob es kein Morgen gibt. Bunt, laut, intensiv. Jeder redet mit jedem. Alles ein Fluss, eine Bewegung. Ein Strom, der dich mitreißt, weil alles so leicht erscheint. Bilder, die durch meinen Kopf blitzen. « — » Wo hört Freundschaft auf, wann wird ein Hippiegedanke Kommerz? Wann wird Geld wichtiger als das große Ganze? Ich weiß es nicht. Ganz anders als eben hinter der Bar fühle ich nun auch das Zerbröckeln der Umgebung. Und es umfasst mein Herz. Es umschließt es, drückt es zusammen und lässt mich zweifeln an der großen Flucht, wenn man nicht nine to five sein will ... «

Was New York in den letzten Jahr­zehnten war, ist Berlin heute: Magnet für Hedonisten weltweit. Einer der Gründe: nirgends sonst wird so hart gefeiert. Innenaufnahmen des Exzesses. Die Autorin Ju Innerhofer kennt das Berliner Nachtleben (welch antiquierter Ausdruck, angesichts der Party-Peaktime müsste es eher »Morgenleben« heißen). Vom Ausgehen – und weil sie in einigen der wichtigsten Clubs der Stadt gearbeitet hat. Sie weiß um die Freiheiten der Nacht, den Exzess, die Gemeinschaft. Der Club als Heterotopie – als Ort, an dem die draußen geltenden Gesetze suspendiert sind. Innerhofer weiß auch, wie man sich nach zwei Tagen Selbstauflösung fühlt und wie ein Club riecht, wenn alle Gäste gegangen sind. Nun hat sie einen Roman geschrieben, der all dieses Wissen verdichtet: »Die Bar«. In 30 Jahren wird er dieselbe kopfschüttelnde Ehrfucht auslösen, mit der wir heute auf den Wahnsinn von Woodstock zurückblicken.

Ju Innerhofer − Die Bar

S. 58 16


Frank Schäfer

Der heisse draht Frank Schäfer −

Metal StöriEs

S. 57

nach unten Doom, Death, Black, Prog – oder gar Hair? Kein anderes Pop-Genre kann so viele Differenzierungen aufweisen wie harte Gitarrenmusik. Diese Tabelle verschafft den nötigen Überblick.

zeigt das Buch »Metal Störies – Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte« von Frank Schäfer. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festival-Erfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht – und wieso »pure fucking Armageddon« manchmal einfach tausendmal interessanter ist als die nächste Hype-Sau, die durchs Pop-Dorf gejagt wird. Um den Einstieg ins Hochgebirge des harten Rocks zu erleichtern, gibt es hier eine Tabelle, die alle wichtigen Fakten zu den relevanten Spielarten zusammenträgt.

Heavy Metal gilt vielen, gerade den vermeintlichen Pop-Kennern, als nicht satisfaktionsfähig. Zu brachial der Sound, zu simpel die Texte, zu albern die Inszenierung der meist langhaarigen Musiker – so lautet oft das Urteil. Wie ignorant dieser Langweiler-Konsens ist,

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Frank Schäfer

New Wave of speed metal british heavy

black metal

Death Metal

Beispiele: Saxon Judas Priest Iron Maiden

Beispiele: Slayer Metallica Exodus

Beispiele: Venom Mayhem Burzum

Beispiele: Napalm Death Morbid Angel Cannibal Corpse

Hochphase: Späte 1970er, frühe 1980er Jahre.

Hochphase: 1980er.

Hochphase: Frühe 1990er.

Hochphase: 1990er Jahre.

Geschwindigkeit: Uptempo, schnell, aber kontrolliert.

Geschwindigkeit: Schnell, furios, und doch exakt, 1/16 gehen immer, 1/32 immerhin im Studio.

Geschwindigkeit: Schnell.

Geschwindigkeit: Schnell, schneller, Blast Speed. Für den Novizen das Chaos.

Stimmlage: Falsett, die allseits beliebte Eierfeile. »Screaming for Vengeance«!

Stimmlage: Tief, böse, aber noch halbwegs artikuliert, natürlich und unverzerrt.

Sound: Mehr Distortion, komprimierter, Gitarren wie Elektrorasierer.

Sound: Brachial, brutal, sehr hohe Anschlagszahl.

Texte: Fantasy, Gosse, oft selbstreferenziell: »Metal on Metal / It’s the only way / To hell with tomorrow / Let’s live for today«.

Texte: Jeff Hanneman von Slayer: »Don’t write about love, don’t write about happiness, don’t write about partying. Just write about bad stuff; it’s more interesting.«

Cover: Oft dilettantisch, billig, gemalt, moderat geschmacklos, aber noch nicht wirklich jugendgefährdend, noch keine Blutorgien. Monster! Aussehen: Hautenge Spandex-Hosen, Nieten, gepflegtes, schwarzes Leder. Form der Gitarre: Flying V, Explorer. Sex: Warum nicht? Aber anschließend ziehe ich noch mit den anderen um die Häuser. Typischer Satz: Where were you in 79, when the dam began to burst?

Stimmlage: Hoch, gekreischt, tierartig. Sound: Düster, unproduziert, fast punkig, Demosound. Texte: Satan, nordische Mythen, Pantheismus, reaktionär, gelegentlich rechts. Cover: Künstlerisch bemüht, die wilde, undomestizierte Natur. Düster. Bandlogos unlesbar.

Cover: Monstren, Mumien, Mutationen, viel Blut, fiese Visagen. Gemalt.

Aussehen: Corpsepaint. Schlecht gelaunte Pandabären. Form der Gitarre: Ecken und Kanten.

Aussehen: Abgerissen. Löchrige Jeans, nix gegen lange Haare, aber ungepflegt müssen sie sein.

Sex: Unwichtig, außer mit Satan und seinen Jungfrauen.

Form der Gitarre: Flying V, Explorer, BC Rich, spitz, zackig, schwarz.

Typische Satz: Satan, Father / Help me from this grave / Demons, Warriors /  Ever be my slaves.

Sex: Irrelevant. Typischer Satz:

Bang that head that doesn’t bang! 18

Stimmlage: Unartikuliertes Grunzen. Growls, auch von Frauen. Sound: Extrem verzerrte Gitarren, brutal. Irrwitzige Soli, komplexe Songstrukturen, hochtechnisch. Texte: Slasher-Topoi, alle Arten von Horror. Apokalypse. Defätismus. Cover: Blut, Gedärm, Gehirn. Die Indizierung droht. Bandlogos kaum lesbar. Form der Gitarre: Klassische Metal-Modelle, aber auch funktionale Modelle, es geht ums Spielen! Aussehen: Relativ normal, manchmal abgerissen. Gern auch Florida-Look resp. »Rentnerkleidung«. Sex: Unwichtig. Allerhöchstens Nekrophilie. Typischer Satz: Death metal / Ruling your cities, controlling your towns / Entrapped in your worst nightmare.


Der heisse Draht nach unten

hair Metal

Gothic Metal

Prog Metal

Metalcore

Beispiele: Mötley Crüe Ratt Twisted Sister

Beispiele: Paradise Lost Lacuna Coil Type O Negative

Beispiele: Queensrÿche Dream Theater Opeth

Beispiele: Killswitch Engage Heaven Shall Burn As I Lay Dying

Hochphase: Mittlere 1980er.

Hochphase: 1990er bis heute.

Hochphase: Späte 80er Jahre, jetzt.

Geschwindigkeit: Midtempo.

Geschwindigkeit: Langsam, getragen.

Stimmlage: Hoch, exaltiert, effeminiert.

Stimme: Tief, pathetisch, klagend. Gern auch blasse Sängerinnen mit schwarzen Haaren.

Geschwindigkeit: Jede. In jedem Song. Extrem Krummtaktiges immer eingeschlossen.

Sound: Melodiös, hochglanzpoliert. Gitarrenheldensoli. Power-Balade. Texte: SEX, in allen Lebenslagen und Stellungen, Party und Kohle machen, möglichst in L. A. Cover: Haare, Hardbodies, Spitzenunterwäsche, die aufgebrezelte Band. Form der Gitarre: Klassiker von Gibson und Fender, aber pastellfarben, mit aufwändigen Grafiken, mit Tüchern geschmückt. Aussehen: Glam, Kajal, Lippenstift, Rouge. Allesamt Drag Queens, ein Fest für Gender-Studierende. Sex: Das A und O. Allzeit ready to rock, ein Karnickelleben. Typischer Satz:

My heart belongs to you, but my cock is community property!

Stimmlage: Ausgebildete Stimme. Sänger kann beides: hart und herzlich. Wenn es der Song so will, muss auch mal geshoutet oder gegrowlt werden.

Sound: Tief, melancholisch, keyboardverhangen, sehr produziert, melodiös. Texte: Immer mit Trauerrand. Themen: Einsamkeit, Melancholie, schlechte Laune. Misanthropie. Wo soll das noch alles hinführen? Cover: Irgendwas mit Kerzen, Rosen, arabesken Schmiedearbeiten, Menschen mit ungesundem Teint. Form der Gitarre: Egal. Aussehen: Blass, Rüschenblüschen, Spitze, schwarzes glänzendes Leder. Sex: Wird zelebriert, mit großem zeremoniellem Bohei. Es ist nicht schlimm, wenn es nicht passiert. Beide können auf den richtigen Zeitpunkt warten. Typische Satz: Everyone I love is dead.

Sound: Nicht zu hart. Transparent, differenziert. Jedes Instrument, jeder Ton hörbar, denn alles ist wichtig. Bisweilen experimentell.

Hochphase: Jetzt. Geschwindigkeit: Husch, husch, husch ins Körbchen, aber viele Tempowechsel, Breakdowns. Stimmlage: Meistens geschrien oder auch gegrowlt, gelegentlich alternierend mit eher cleanen Zwischenteilen. Sound: tiefer gestimmte Gitarren, ruppiger Hardcore-Sound, schnelle Double-Bass, keine Soli.

Texte: Sowohl als auch. Konzeptalben. Symbolistischer Tiefsinn.

Texte: Juveniles Protestgebaren. Boy meets girl. Straight-Edge-Ideologie, christliche Werte.

Cover: Mit künstlerischem Anspruch. Gemalt. Fantasy. Dalí. Gerne mit aufwendigem Booklet bzw. Doppel-CD.

Cover: Lange Bandnamen, als Hybridgattung entsprechend hybride Motive, mal Metal, mal eher Punk/Hardcore.

Aussehen: Sehr unterschiedlich: von späthippiesk bis Glam alles dabei.

Aussehen: Punk- und Metal-Outfit, aber auch urban-stylish. Kurze Haare, Seitenscheitel.

Form der Gitarre: Nicht so wichtig, aber das Effektboard des Gitarristen ist das Größte im Metal.

Form der Gitarre: Eher unmetallische Formen.

Sex: Da sage ich nicht nein und dank auch recht schön. Typischer Satz: Perhaps you need another shot!

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Sex: Wenn er der Wahrheitsfindung dient. Typischer Satz:

Stay brutal!


Magazin


Max Dax, Anne Waak

. p o P m u t h Es ge Es geht um Alles. Die Zeitschrift SPEX als bloße Musikzeitschrift abzutun, wäre eine Untertreibung. In dem Magazin wurde und wird der bessere, weil spannendere Kulturjournalismus geprobt, der die großen Thesen nicht fürchtet und sich gerne auch im Ton vergreift.

’80

Eine freundliche Vorstellung sieht anders aus. 1983, das Hamburger Musikmagazin »Sounds«, die bis dahin führende Stimme des Musikjournalismus in Deutschland, hat gerade dichtgemacht, also heuert Diedrich Diederichsen, die Edelfeder des Blattes, gerade mal 26, bei dem Kölner Magazin SPEX an. Sein Debüttext trägt den nicht gerade kleinlauten Titel »Krieg und Frieden«. Und durchaus anmaßend ist auch der Ton, den Diederichsen anschlägt. Zuerst mal schreibt er, was er sich von seiner Leserschaft erwartet: »Mit einem Freund muss man nicht erst Selbstverständliches klären. Kann eine Zeitschrift dein Freund sein, wenn sie, wie unlängst der Stern, schreibt: ›Goya, der bekannte spanische Maler‹?« Es geht also um den gepflegten Insidersprech. Wer nicht versteht, worum es geht, wer die Anspielungen und Zitate nicht checkt, soll bitte weiterhin die bürgerlichen Massenblätter lesen und sich »gut informiert« fühlen. Und dann wird scharf geschossen. Diederichsens Ziel: Gerald Hündgen, immerhin Chefredakteur der SPEX. Der wagte es in einer der Ausgaben zuvor, die Gretchenfrage zu stellen, nämlich: »Wie hältst Du

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Höhepunkt der Neuen 1982 Deutschen Welle

’82


Max Dax, Anne Waak

’83 Erster Madonna-Hit: 1984 Like a Virgin

es mit der Politik?« Er beklagte, dass immer weniger Bands offen politisch agitierten, wie es etwa The Clash taten. Dabei rutscht ihm ein kleiner Seitenhieb gegen »Mickey-Maus-Hefte« durch (die damals von den vermeintlich unpolitischen Pophipstern genauso cool gefunden wurden wie Gelfrisuren oder der weibliche Gesang von Boy George). Diederichsen: » ›Mickey-Maus-Heft‹ ist in den 60ern in spießigen, verantwortungsbewussten BRD-Bildungkreisen der Ausdruck für Comics gewesen. Selbst das Eingeständnis, sie zu verschlingen, wenn sie mal herumliegen, ändert nichts an der Verachtung, die dem Begriff zugrunde liegt.« Der Autor, doziert Diederichsen weiter, habe wohl einen völlig albernen, staatsbürgerlichen Politikbegriff und spiele damit »deren Spiel«: »An einer Politik mitzuwirken, sei es als Demonstrant

’86

»Treib Pop auf die Spitze, spiel den Spaß-Guerilla, durchdringe das System, führe den immanenten Wahnsinn des Showbiz ad absurdum. Besser noch: übertreffe ihn.« — Ralf Niemzyk über The KLF

’85 1985 Erste Acid-House- Nummer

’86

»Ich wählte ein paar Mal am Tag die Nummer 040/1166, die als Kripo-Ansage-Dienst die Stimme eines Kieler Mörders brachte, der tatsächlich sprach wie ein Mörder auf einer sehr schlechten Märchenplatte. Auf dem Niveau von Klaus Kinski, aber echt. SICK. Die Zeit lamentierte anschließend natürlich wieder von pietätlos. Es ist unglaublich, dass sich die ZEIT immer genau so verhält, wie man es von ihr erwartet. Im ›Risiko‹ haben sie am Abend 1166 über Lautsprecher abgespielt.« — Diedrich Diederichsen, Krieg und Frieden II oder Bundeskanzler, die von Nachrichtenagenturen und Massenmedien ihren Stoff bezieht, heißt auf den Mediengag Demokratie hereinzufallen.« Die einzige Option, die man in den westlichen Industriegesellschaften angesichts der »lebenslangen Psychofolter« habe, sei, die Künstlichkeit nicht nur zu akzeptieren, sondern zu affirmieren. »Aufhören, nach dem Sinn oder dem Dahinter zu suchen und das Gegen-Delirium in Schwung setzen!« Also für Mickey Mouse, für Synth-Pop à la Haircut 100, für die offenen Widersprüche einer materiellen Welt! Kommunist kann man ja trotzdem sein: »Unser Mann heißt Andropow, der nette alte Mann aus dem Kreml. Der sagt: nur wer auf die unzerstörbare Macht der roten Armee vertraut, kann den Frieden sichern. Und recht hat er.« Natürlich wurde schon vor SPEX in Deutschland über Pop geschrieben. Sehr elaboriert sogar. Der Pop- und Jazzkritiker Helmut Salzinger etwa, der unter dem hippiesk anmutenden Namen »Jonas Überohr« in Sounds schrieb, liebte es, auf die Paradoxien der Gegenkultur hinzuweisen (Rock als Instrument der Befreiung vs. Rock als Ware) und verwob in seinem Buch »Swinging Benjamin« Theorie und Lifestyle sehr kunstvoll. Im linken Diskurs der siebziger Jahre (und nur in diesem tauchte die »leichte Kultur« im intellektuellen Kontext überhaupt auf) wurde Pop jedoch vor allem als Instrument verstanden, das entweder der Emanzipation diene und also wertvoll – oder eben Teil der Verblödungsmaschinerie sei. Die Zeitschrift SPEX, 1980 in Köln gegründet und nach der Punkband »X-Ray-Spex« (Röntgenbrille) benannt, hatte mit dieser Form von Politisierung nichts am Hut, alleine schon, weil so die verhassten,

22

1987 Erstes Beastie-Boys- Album: Licensed to ill

’87


’88

Es geht um Pop. Es geht um alles.

gerade alle wichtigen Positionen im Kulturleben einnehmenden Hippies dachten. SPEX hingegen war Sprachrohr der nächsten Generation, der Punk- und New-Wave-Bewegung. Jedoch ging es nie nur um diese Musikstile. Vielmehr pflegte man bei SPEX eine ganz eigene Definition dessen, was gut und interessant war. »Geschichtlich«, wie Diederichsen es nannte, musste es sein. Ausdruck der Gegenwart. Zum Teufel mit zeitlos qualitativen Rocksymphonien und von ganz tief unten, aus dem »authentischen Kern des Selbst« heraufgekurbelten Trommelsoli, mit denen nur der bürgerliche GenieBegriff wieder fröhliche Urständ feierte. Es ging nicht mehr darum, die als künstlich erkannte Welt zu kritisieren. Das war Hippiekram. Die durchaus linke Erkenntnis (denn links war man, selbstredend), dass es kein Außen gab, kein richtiges Leben im Falschen, führte nun zu der Praxis, die Künstlichkeit zu bejahen, die Widersprüche, in denen man notwendig lebte, auf die Spitze zu treiben und auszustellen. Dieses theoretisch anspruchsvolle und für Altlinke völlig kryptische Programm führte dazu, dass in der SPEX zielstrebig der interessante Pop im Fokus stand. Und je widersprüchlicher ein Phänomen, umso besser. Culture Club etwa: Natürlich waren das weiße Mittelklassehipster, die den Schwarzen ihren Reggae »wegnahmen«. Kolonialisten, genau genommen. Aber doch war die Band mit dem trällernden »Frontmann« Boy George eben so catchy, kombinierte so gewagt Unpassendes,

»In Deutschland hat es keine Probleme mit der Veröffentlichung der Slayer-Platte gegeben. Nicht etwa, weil in den Plattenfirmen der Faschismus ausgebrochen ist, noch etwa, weil man bei näherer Prüfung erkannt hat, dass ›Angel of Death‹ eine tiefbetroffene Abrechnung mit dem Auschwitz-Schlächter Mengele ist, sondern mit dem unvergleichbar coolen Argument, dass hierzulande eh kein Schwanz die Texte verstehen wird. Schlau.«

’90

’91

— Clara Drechsler über Slayer

Grüdung von Sub Pop 1988 in Seattle: das wichtigste Grunge-Label

’89

dass man sie gut finden musste. Natürlich waren die Beastie Boys albern und sexistisch. Aber es war eben auch ein Geniestreich, Rap in einen Pennälerstreich zu verwandeln. Natürlich war Madonna ein »material girl«. Aber sie trug ihre Oberflächlichkeit wie eine Fahne vor sich und genau das war emanzipativ. Natürlich war die Metalband Slayer ein Ausbruch an brachial-dummer Männlichkeit, natürlich war der Frontmann ein gottverdammter Rechter. SPEX-Autorin Clara Drechsler stellte das alles in Rechnung, kam dann aber doch nicht umhin, ihre Faszination für die faschistische Ästhetik, ihr Erschaudern vor der »Erhabenen Sinnlosigkeit« (so der Titel ihres Textes) zu gestehen. Und natürlich ist Techno stumpf, aber ... – und so weiter. Was die SPEX-Texte so interessant macht und sie auch heute noch so erstaunlich wirken lässt, ist ihre Mischung aus radikal subjektiver Herangehensweise (wenn etwa der Autor Olaf Dante Marx eindeutig auf halluzinogenen Drogen Marc Almond besucht und einen unheimlichen Hexenmeister zu Gesicht bekommt) und apodiktisch, ja anmaßend vorgetragenem Urteil. Natürlich gab es dafür vereinzelte Vorbilder. Die Gonzo-Texte von Hunter S. Thompson etwa. Die SPEXMethode – Popkritik als Abtastung der Gegenwart, als Ausagieren der Widersprüche, in denen wir uns befinden – war tatsächlich neu, auch im internationalen Rahmen. Das Flagschiff der internationalen Pop-

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’92

’94 1994 Tod von Kurt Cobain


Max Dax, Anne Waak

’95 Zweites Oasis-Album: »What’s the Story Morning Glory?« 1995 Höhepunkt der BritpopBewegung

journaille, der britische NME, beschränkte sich stets darauf, dem Ideal eines Pop-Boulevards nachzueifern. Und der amerikanische Rolling Stone war immer eher ein General-interest-Magazin, das eben auch über Pop berichtete. Diesen jedoch nicht nur zu beschreiben, sondern performativ, als involviertes Individuum, vorzuführen, ist eine Erfindung der SPEX. Auch wenn der widersprüchliche, oberflächenaffine Pop der frühen SPEX-Jahre selbst bald in die Jahre kam und eben nicht mehr der heiße Scheiß war, so bewies die SPEX, dass sie eben nicht nur ein Lifestyle-Magazin der achtziger Jahre war, sondern auch weiterhin präzise die interessanten Trends benannte und vor allem die richtigen Fragen stellte. Lange bevor der akademische Mainstream etwas mit dem Wort »Gender Studies« anfangen konnte, wurde in SPEX mit Michel Foucault und Judith Butler den vermeintlich natürlichen Geschlechtskonstrukten auf den Leib gerückt. Lange bevor es zu

’98

»Ich bin mit einem Nervenzusammenbruch auf die Welt gekommen, hatte immer einen starken Drang zur Selbstzerstörung. Darin war ich tatsächlich ein Genie.« — Yves Saint Laurent im Interview mit Tobias Thomas »Gut, dass Daft Punk den Punk-Knopf gedrückt haben, sonst wäre Paris vielleicht nie aus dem Dornröschenschlaf erwacht.« — Hans Nieswandt über Daft Punk

’96 »Wir kommen, 1996 Tocotronic: um uns zu beschweren«

’97 Millionen Besucher 1997 1,5 bei der Love Parade

Jay-Z veröffentlicht 1998 sein bekanntestes Album: »In my Lifetime«, Vol. 2

einem Allgemeinplatz wurde, dass Serien interessanter seien als Spielfilme, wurden in der SPEX »Buffy, the Vampire Slayer« oder »The Sopranos« gefeiert. Und lange, sehr lange bevor das Feuilleton auf die Idee kam, Zeitgeistprodukte wie Mode mit Sinn zu versehen, standen in der SPEX hermeneutische Essays über das weiße Herrenhemd oder gar so ephemere Dinge wie Parfüm. Vor allem aber machte es die SPEX ihren Lesern nie bequem. Sie wurden zum Mitdenken gezwungen, dazu, Position zu beziehen. Als nach der Wende sich der Neonazi-Mob formierte, war die SPEX eines der ersten Magazine, das begriff, dass von nun an Jugendkultur ihre Unschuld verloren hatte – schmückten sich doch die Nazis zum Teil mit genau jenen Zeichen subkultureller Opposition, von denen man eigentlich dachte, sie wären den Guten vorbehalten: etwa das Malcolm-X-Cap, die bunte Technohose, die wuschelige Grunge-Frisur. Aber was heißt es, wenn die Codes plötzlich so beliebig sind, dass auch der politische Feind sie nutzen kann? Hatten vielleicht doch die Altlinken recht? Und war – auch dies eine große Debatte in SPEXKreisen – die ganze Feier der Subkultur nicht sowieso spätestens ab dem Zeitpunkt obsolet geworden, als Musikindustrie, Werbung und Mainstream anfingen, genau diesen Gestus zu vermarkten? Mit Fragen wie diesen quälten die SPEX-Autoren ihre Leser – vor allem aber sich selbst. Spätestens ab Mitte der neunziger Jahre war die SPEX nicht mehr alleine mit dem Deuten, Kritisieren und Vorführen von Pop. Andere Magazine drängten auf den Markt, sogar das Feuilleton begann zaghaft, sich der einst verfemten Unterhaltungskultur samt Subkulturen zu widmen. Die SPEX hatte kein Monopol mehr auf kluge Texte über Pop.

24

’00


Es geht um Pop. Es geht um alles.

’01

Auch wurde sie von einigen schweren Stürmen geschüttelt. Die alte Redaktion verließ im Streit das Blatt, es musste gespart und nochmals gespart werden. Und doch schaffte es die SPEX immer wieder, aus Pop das Interessante herauszukitzeln. Der ehemalige Chefredakteur Max Dax, der auch einer der Herausgeber des Buches »33 ¹⁄³ Jahre Pop« ist, zog aus der Fülle der Rezensionsmedien im Netz den einzig richtigen Schluss und richtete die SPEX wieder programmatisch intellektuell aus. Wer heute SPEX liest, weiß, dass es nicht nur etwa um die neue Platte von »The xx« geht, sondern dass nach wie vor versucht wird, Pop als gesellschaftliches Phänomen zu deuten, etwa indem man dem Bandnamen xx ein weiteres x hinzufügt und ein Schwerpunktheft über Sex

Rammstein-Album 2001

2002

»Mutter«. Die Ostberliner werden zur erfolgreichsten Band, die es je in Deutschland gab

Erste Erwähnungen

der neuen »Freak Folk«Bewegung

2003 Tod von Johnny Cash

’07

»  Auf einem scharlachroten Pfauenthron sitzt Marc Almond und rümpft die Nase. › My dear, hier reichen sie den Kaffee mit cream statt mit milk. Amüsieren tut mich das wenig.‹ Apathisch wedeln nackte Nubier-Sklaven mit Palmwedeln. Hin und wieder bringen schlanke, bleiche Caravaggio-Lausebengel neues Öl, um die Männer aus Afrika neu einzuölen. « — Olaf Dante Marx über Marc Almond und Pornographie macht (wozu der sehr intime Sound von The xx durchaus passt). Wer heute SPEX liest, weiß, dass nicht nur einzelne Songtexte analysiert werden, sondern dass, etwa in der Kolumne »Kunstsprache«, Künstler tatsächlich zu ihrer Poetologie, zu ihrem Masterplan und dem Verhältnis von Realität und Fiktion befragt werden. Wie 1980, im Gründungsjahr der SPEX, gilt auch heute noch, dass Pop nicht nur einer der mächtigsten Emotionsgeneratoren ist, sondern noch immer Avantgarde gesellschaftlicher Entwicklungen. Oder besser, eine Art Monitor, auf dem sich bunt und grell abspielt, was sich im Rest der Gesellschaft erst langsam und diffus formt. Das lesen zu können, zu deuten und zu bewerten, war und ist die Kompetenz der SPEX.

’03

2008

Dubstep wird in Groß-

britannien zum Massenphänomen

’08 2009 Tod von Michael Jackson 2010 Lena-Manie in

Deutschland

2011 2012

’04

Max Dax Anne Waak (Hrsg.) − SPEX Das Buch

Berlin eröffnet das 2004 In Berghain

2006 2007

»The Warning« von Hot Chip. Etablierung des Genres »Indie Dance«

S. 68

R’n’B wird zur erfolg-

reichsten Musikrichtung: z. B. »Good Girl gone Bad« von Rihanna

25

’12

»Video Games« von

Lana Del Rey im Dezember auf Platz 1 der deutschen Charts

Der R’n’B-Sänger

Frank Ocean outet sich als bisexuell


Jens Bergmann

PROMINENZ IST DIE WÄHRUNG UNSERER MEDIENGESELLSCHAFT. Die immer gleichen Gesichter verfolgen uns mit ihren immer gleichen Statements Tag und Nacht. Man kann resignieren – oder den Promis mit einer klugen Analyse zu Leibe rücken. Das hat der Autor Jens Bergmann gemacht. Hier stellt er die sechs nervigsten Promi-Prototypen in Steckbriefen vor.

Die Quälgeister der Medienhölle Der Experte

Die Die Gummipuppe betroffenDaniela Katzenberger heits-Guste

Karriere: Vom Akademiker zum Lautsprecher

Karriere: Hoch hinaus dank ­Unterschichtenfernsehen

Hans-Werner Sinn

Markenzeichen: Seemannsbart und Bescheidwissermine

Margot Käßmann

Markenzeichen: Zwei Mal 350 Gramm ­Silikon

Karriere: Von der ­Kirchenfunktionärin zur Margarete Schreinemakers des ­Protestantismus

Funktion: Niedergangsprophetie Geschäftsmodell: Als wissenschaftliche Erkenntnis getarnter Meinungsausstoß in hoher Frequenz

Funktion: Karikatur eines Männertraums, die bei Frauen keine Beißreflexe auslöst

Markenzeichen: Dackelblick

Geschäftsmodell: Ich bin so künstlich ­authentisch.

Geschäftsmodell: Von allem und jedem betroffen sein – vor allem von der eigenen Betroffenheit

Selbstwahrnehmung: Professor Allwissend Tatsächliche Leistung: Einer der wenigen Ökonomen, der es geschafft hat, sich einem größeren Publikum bekannt zu machen – auch dank seines Seemannsbarts (vgl. Sascha Lobo)

Selbstwahrnehmung: Sei klug und stell dich dumm.

Funktion: Auf die Tränendrüse drücken

Selbstwahrnehmung: Patente Power-Pastorin Tatsächliche Leistung: Produktion von ­Trivialmoral am laufenden Band

Nervfaktor: 2 von 10

Nervfaktor: 9 von 10

Nervfaktor: 8 von 10

Jens Bergmann −

Ich, ich, ich

S. 67 26


Die Quälgeister der Medienhölle

»Jens Bergmann ist ein Kunststück eigener Art gelungen, eine kluge Soziologie des Seichten. Seine Analyse der schönen Oberflächen und der Prominenten-Spektakel liest man zuerst mit einem Staunen, dann mit einem Lachen und zum Schluss mit Entsetzen. Am Ende des Tages geht es, so zeigt dieses Buch gleichermaßen präzise und amüsant, im Geschäft mit den Stars und Sternchen um Aufmerksamkeit und einen großen Sack mit Geld.« − Bernhard Pörksen, Professor für M ­ edienwissenschaft

Über den Autor: Jens Bergmann ist Geschäftsführender Redakteur des Wirtschaftsmagazins »brand eins«. Über sein Buch sagt er: »Noch nie haben sich so viele Menschen so sehr selbst inszeniert wie heute. Mich hat es gereizt, einen Blick hinter die Kulissen des Geschäfts mit der Eitelkeit zu werfen, an dem wir alle beteiligt sind.«

Der Die Eintags- Der Aufkocher BlaubLüter fliege

Zlatko Trpkovski

Johann Lafer

Ernst August Prinz von Hannover

Karriere: Vom Automechaniker zum Big-Brother-Star und zurück

Karriere: Vom Koch zum ­Multimedienunternehmer

Karriere: Vom Provinzadligen zum Pippiund Prügelprinzen

Funktion: Schnell verglühende Sternschnuppe am Medienhimmel und Beweis für Andy Warhols These, dass jeder berühmt werden kann – für 15 Minuten.

Markenzeichen: Unnatürliches Dauergrinsen

Markenzeichen: Leicht erregbar

Funktion: Der Steirer sorgt bei Leuten, die nicht selbst kochen können oder wollen, für Ersatzbefriedigung. Parallelen zu anderen Sparten der Erwachsenenunterhaltung sind unverkennbar.

Funktion: Baut Berührungsängste gegenüber der Aristokratie ab

Geschäftsmodell: Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette: von Restaurant und Hotel über das eigene TV-Studio bis zur Helikopter-Firma zur Ausrichtung exklusiver Picknicks.

Selbstwahrnehmung: Ich darf das!

Geschäftsmodell: Sei du selbst.

Geschäftsmodell: Der Volkstümliche unter den Blaublütern

Selbstbild: Frech gewinnt. Tatsächliche Leistung: Rücktritt mit Verve: Nachdem er beim Vorentscheid für den European Song Contest mit seinem Song »Einer für alle« ausgepfiffen worden war, verabschiedete sich Sladdi mit den Worten »Vielen herzlichen Dank, ihr Fotzköpfe!« von der öffentlichen Bühne. Und reparierte wieder Autos. Nervfaktor: 2 von 10

Selbstwahrnehmung: Einer muss es den ­Piefkes ja zeigen. Tatsächliche Leistung: Er beherrscht – im Gegensatz zu vielen anderen Fernsehköchen – sein Handwerk, kommt aber wegen ­seiner medialen Dauerpräsenz und vielfältigen anderen Aktivitäten nicht mehr dazu, es zu pflegen. Nervfaktor: 8 von 10

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Tatsächliche Leistung: Hat das Haus ­Hannover überregional bekannt gemacht. Nervfaktor: 3 von 10 – sofern man sich ­außerhalb seiner Reichweite aufhält.


Peter Hook

Wieso die Band Joy Division auch über 30 Jahre nach ihrem Ende nicht alt klingt. Ihr Bassist Peter Hook hat nun die Geschichte einer der einflussreichsten Bands überhaupt veröffentlicht.

Die dunkle Weggabelung des Pop Es ist eines der großen Pop-Paradoxe: Ganz am Ende, an diesem Sonntag im Mai 1980, als der 23-jährige Ian Curtis sich entschied, erst »The Idiot« von David Bowie auf den Plattenteller und dann sich selbst eine Schlinge um den Hals zu legen, als er also entschied, sein Leben und damit die Existenz seiner Band Joy Division zu beenden, geschah genau das Gegenteil: Ian Curtis wurde unsterblich, eine Ikone. Und Joy Division zu einer der wenigen Bands, deren Strahlkraft bis in die Gegenwart nichts eingebüßt hat. Joy Division ist eben keine legendäre (sprich: langweilige) »Klassiker-Band«, die nur die Augen von ergrauten Studienräten leuchten lässt. Joy Division lässt auch heute noch die Pop-Connaisseure ehrfurchtsvoll raunen. Curtis’ Charisma, seine manisch zerrissenen Bühnentänze, seine Texte, die sich in selbstzerstörerischer Intensität der inneren Finsternis widmeten, der Wut und Verzweiflung über die eigene Ungenügsamkeit, wirkten seit seinem Suizid plötzlich auf grausame Art noch authentischer. Es merkte auch der Letzte: »Verdammt, das war alles echt!« Und genau das waren Joy Division: echt. Sie brauchten keine Popfiktionen, Bühnenfiguren oder Punkkostüme. Sie brauchten nur sich selbst und eine verranzte Bühne im noch verranzteren Manchester, um auf nicht mehr als zwei Studioalben eine neue Klangwelt zu erfinden – und damit Pop bis heute zu prägen. Es ist erstaunlich, wo man Joy Division auch mehr als dreißig Jahre später immer noch überall begegnet: im Look anderer Bands, egal ob Franz Ferdinand oder Maximo Park, weil den Joy DivisionStil – schmale Hemden, schmale Hose, Trenchcoat, Schlips und Kippe – jeder adaptieren muss, der eine Gitarre in die Hand nimmt und etwas auf sich hält. Man entdeckt sie auf den T-Shirts der Indiekids, weil das ikonographische zackige Albumcover zu »Unknown Pleasures« längst auch ein ikonographisches T-Shirt ist. Man entdeckt sie sogar in Feel-Good-Movies wie »500 Days of Summer«, in denen der Hauptdarsteller Joy Division hört, als könnte er dadurch etwas an Tiefe gewinnen. Und natürlich entdeckt man sie in den Filmen über die Band selbst: In der Doku von Grant Gee und in »Control« – dem Film des einstigen Joy Division-Fotografen Anton Corbijn, der den Kult

um die Band neu befeuerte – und der wiederum gerade ein Foto für eine aktuelle Beck’s-Flaschen-Edition hergegeben hat, das ihn selbst zeigt – in Gestalt von Ian Curtis. Joy Division taugen also noch dreißig Jahre später als Werbeidol für die junge Zielgruppe, gleich neben Bands wie Boys Noize und The Bloc Party, die sich auch auf die Flasche kleben ließen (und sich bezeichnenderweise ebenfalls auf Joy Division beziehen). Und immer wenn man mal wieder die Joy Division-Alben hört – oder auch nur einen der Hits wie »Love Will Tear Us Apart« oder »Transmission« –, ist einem nach wenigen Akkorden klar, was der letzte und entscheidene Grund für den nicht enden wollenden Hype ist: die Musik selbst. Pophistorisch sind Joy Division ein Glücksfall, weil sie die rohe Energie, die ins bloße Brüllen abgleitende Wut des Punk in eine komplexere Form überführten. Ihre Musik war sensibler, emotionaler, mehr Bowie als Johnny Rotten. Sie war offener – ließ sogar ein Keyboard zu – und gleichzeitig so hermetisch geschlossen in ihrem Sound, so klaustrophobisch, dass sie düsterer, intensiver und erschütternder klang als alles, was man bis dahin gehört hatte. Joy Division legten damit die Grundsteine für The Cure und alle anderen Wave-Bands, die von da an kommen sollten. Aber man entdeckt Joy Division-Momente auch bei Radiohead, die sie genauso beeinflusst haben wie U2. Und nicht zuletzt fungiert Joy Division als musikalisches Scharnier: öffneten sie doch Punk für elektronische Einflüsse. Die Nachfolgeband New Order sollte diesen Weg konsequent verfolgen: The Haçienda, der New Order-Club in Manchester, gilt als eine der Brutstätten der modernen Dance-Music. Mit dem Buch des Joy Division- (und späteren New Order-) Bassisten Peter Hook hat man nun die Gelegenheit, die Ereignisse, die am Beginn dieser Musikrevolution standen, genauer zu betrachten. Es erzählt, wie der ebenso gnadenlose wie geniale Tontechniker und Produzent Martin Hannett im Studio nicht nur die Band in ihre Einzelteile zerpflückte, sondern auch gleich das ganze Schlagzeug. Wie er den Live-Sound mit neuem Equipment verfremdete und die Stimme mit so viel Hall belegte, dass es der Band selbst nicht mehr gefiel (was ihm herzlich egal war). Man erfährt, warum die Band als »Warsaw«

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Die dunkle Weggabelung des Pop

Joy Division-Facts

Als der Band klar war, dass sie nicht mehr »Warsaw« heißen konnte, weil sie ständig mit einer anderen Band verwechselt wurde, hätten sie sich beinahe »Boys in Bondage« genannt – oder »The Slaves ov Venus«.

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Der erste Bass, auf dem Peter Hook spielte, war eine Kopie einer Gibson EB-0. Er hat sie noch heute.

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Der Hauptgrund für Peter Hooks unverkennbaren Basssound, bei dem er vor allem hohe Töne spielte, war der alte Verstärker, den er einem ehemaligen Lehrer abkaufte: Alle tiefen Töne klangen darauf einfach zu schlecht – »absolutely fucking awful«.

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begann, wie die Musiker feierten, stritten, sich schlugen und wieder vertrugen. Man erfährt, warum Peter Hook Alkoholiker wurde (er musste den Bus nicht mehr fahren und konnte deshalb noch mehr trinken) oder wie die Witzbolde von Joy Division die Buzzcocks mit ihren Streichen in den Wahnsinn trieben (Mäuse und Maden im Tourbus ... ). Man erfährt, wie mit Joy Division auch das legendäre Label Factory Records groß wurde. Und schließlich ahnt man den Enthusiasmus der Band, kurz vor ihrer ersten Amerika-Tour. Zu der kam es nicht, denn kurz vor der Abreise erhängte sich der von Beziehungsunglück und Depressionen zerrissene Ian Curtis – und ließ die anderen Bandmitglieder mit Schuldgefühlen zurück, die sie bis heute plagen. Hook erzählt all das mit einer humorvollen und gleichsam schonungslosen Stimme. Er erinnert sich an all die kleinen Dinge und Details, die die Band und ihre Geschichte nicht entmystifizieren, sondern dem Mythos nur eine neue Qualität verleihen: eine menschliche.

Peter Hook

Das berühmte Albumcover zu »Unknown Pleasures« zeigt eine Frequenzzeichnung aus der Cambridge Encyclopedia of Astronomy und zeigt die Frequenz eines aus dem All empfangenen Signals. Peter Saville, der visionäre Grafiker, der diese und alle anderen Joy Division-Albumcover designte, arbeitete später unter anderem als Art Director der Stadt Manchester.

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Unknown Pleasures

Wie sehr Joy Division in der Arbeiterkultur Englands verwurzelt war und ist, sieht man daran, dass Fans von ManCity bis heute die Melodie von »Love Will Tear Us Apart« im Stadion singen.

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Derf Backderf

The Making of a

r e t s n Mo Sie nannten ihn das » Milwaukee-Monster «. Jeffrey Dahmer ermordete zwischen 1978 und 1991 siebzehn junge Männer. In den USA ist er bekannter als Jack the ­Ripper. Aber wie wird man zum Monster? Dieser Frage geht Derf Backderf, der einige Jahre mit ihm zur Highschool ging, in seiner sensibel erzählten Graphic Novel » Mein Freund Dahmer « nach. Jeder kennt diesen einen Jungen von der Schule. Der, der immer alleine ist. Der, mit dem man alles machen kann.

Der schüchterne Junge ...

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The Making of a monster Bei Jeffrey Dahmer, der in den 1970er Jahren in Ohio auf die Highschool ging, war es noch ärger. Er hatte nicht nur keine Freunde, sondern auch noch ein sehr seltsames Hobby: Er experimentierte mit toten Tieren. Beliebter machte ihn das nicht.

... mit dem seltsamen Hobby,

... der mit niemanden reden kann,

Schon früh erkannte Dahmer, dass er anders war als alle anderen. Und zwar so erschreckend anders, dass er es niemandem sagen konnte.

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Derf Backderf

... der noch nie Mitgefühl zeigen konnte, Schon seinen Klassenkameraden fiel auf, dass Dahmer jedes Mitgefühl abging.

... für den es aber vielleicht einen Ausweg gegeben hätte,

Und trotzdem gab es Momente, in denen Dahmer die Möglichkeit zu haben schien, ein normales Leben zu führen. Er galt als sehr klug und sozial gewandt. Auf einer Klassenfahrt organisierte er einen Termin beim Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten.

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The Making of a monster

... der aber immer wieder von seiner Lust am Töten verfolgt wird,

Seine Phantasien holten ihn jedoch immer wieder ein. Schließlich gab er ihnen nach. Zuerst waren nur Tiere seine Opfer.

... und der schließlich zum Monster wird. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Seinen ersten Mord beging Jeffrey Dahmer mit achtzehn Jahren an dem Anhalter Steven Hicks. Mindestens sechzehn weitere junge­Männer fielen ihm zum Opfer. Er verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil. 1994 starb er im Gefängnis. Ein Mit­g efangener erschlug ihn.

Derf Backderf ist einer der wichtigsten Comickünstler der USA. Er ist Träger des Robert F. Kennedy Journalism Award und wurde zweimal für den Eisner Award nominiert. Backderf war Klassenkamerad von Jeffrey Dahmer und vielleicht sein einziger Freund. Wer seine Geschichte liest, entdeckt hinter dem »Milwaukee-Monster« den Menschen Jeffrey Dahmer.

Derf Backderf − Mein Freund Dahmer

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Danielle de Picciotto

In der globalen Steppe. Das Leben » on the road «: Die Graphic ­Novel » We are Gypsies Now – Der Weg ins Ungewisse « hat gute Chancen, zur Bilder-Bibel der MinimalismusBewegung zu werden.

Joe Gebbia hat kein festes Zuhause, er schläft auf Sofas und Luftmatratzen, in Wintergärten, leeren Büros und Gästezimmern. Der 30-Jährige ist jedoch kein Drifter, Slacker oder Lebenskünstler, wie das Establishment Menschen ohne Basis – und Ziel? – gerne bezeichnet, sondern Gründer und Geschäftsführer eines Internet-Start-ups, das mehr als fünf Millionen Nutzer und einen Marktwert von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar hat. Auf der Internetplattform Airbnb.com können Menschen in wenigen Minuten und mit noch weniger Klicks ihre Wohnung an Fremde vermieten – oder selbst ein Dach über dem Kopf finden. Airbnb.com ist Service-Portal und Utopie zugleich. Gebbia und seine Mitgründer haben deshalb ihre eigenen Wohnungen aufgegeben und cruisen durch den Kosmos, den sie selbst geschaffen haben, sind vier Nächte in New York, zehn Tage in Berlin, zwei Wochen in der kalifornischen Bay Area und dann geht es auch schon wieder weiter. Man spart natürlich Geld für Miete und Hotels, sagt Gebbia, eigentlich gehe es ihm aber darum, »neue Räume zu erforschen« und »den Menschen näherzukommen« – sein Lebensstil ist zu gleichen Teilen Marktforschung, Abenteuer und RealLife-Werbespot. Das Dasein als urbaner Nomade, der ohne materiellen und verwaltungstechnischen Ballast die globale Steppe durchstreift, den weiten Horizont immer im Blick, ist ein alter, neuer Traum, der immer mehr Leuten durch den Kopf schießt. Im Graphic Diary »We are Gypsies Now – Der Weg ins Ungewisse« beschreibt und zeichnet die amerikanische Künstlerin Danielle de Picciotto,

Mit-Gründerin der Love Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der »Einstürzenden Neubauten«, den normalen, den funktionierenden Menschen als bloße Schachfigur, »domestiziert von Regeln und Grenzen«. Geschäftstermine, Versicherungspolicen, Hypothekenzahlungen erscheinen ihr als Gitterstäbe aus Stahl, und all die Verträge, die man abschließt, um den Status zu sichern, als lähmendes Gift. Am Ende sitzen die Avantgarde-Künstlerin und der PunkMusiker jeden Abend auf dem Sofa und gucken amerikanische TV-Serien, »The Wire«, »Breaking Bad«; guter Stoff, aber: »Es fühlte sich irgendwann falsch an.« »We are Gypsies Now« ist die Geschichte einer gleichzeitigen Entkleidung und Ermächtigung. De Picciotto und Hacke entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen: Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den »Einstürzenden Neubauten« auf eine ausgedehnte Europa-Tour. Als sie den Schlüssel abgeben, erzählt de Picciotto, verschwinden die Rückenschmerzen, die sie jahrelang geplagt hatten, auf einen Schlag. Wenig später ist sie »on the road«, wird auf dem Balkan in Revierkämpfe mit aggressiven Groupies verwickelt oder findet sich mitten in einem Schneesturm in einer Sauna wieder – ihr erstes Fazit: jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Eremit in der Wüste, der Aussteiger, der am Strand von Goa lebt und surft, der Mönch, der durch innere Einkehr und mate-

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In der globalen Steppe.

»We Are Gypsies Now« ist das Bilderbuch für die Minimalismus-Bewegung, deren Anhänger versuchen, durch »freiwilliges Downscaling« eine nachhaltigere, effizientere und – vor allem – glücklichere Existenz zu führen. »Minimalismus bedeutet, dass man gerade genug besitzt, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen«, sagt zum Beispiel Francine Jay, Autorin von »The Joy of Less, A Minimalist Living Guide: How to Declutter, Organize, and Simplify Your Life«. »Ich besitze weniger, aber ich habe mehr Raum. Ich habe weniger Verpflichtungen und mehr Zeit. Es geht darum, Platz für die Dinge zu schaffen, die wirklich wichtig sind.« Die Idee, dass Geld keine zentrale Stelle in Selbst- und Weltbild einnehmen sollte, dass weniger tatsächlich mehr ist, ist mittlerweile zu einem Millionengeschäft für die Selbsthilfeindustrie geworden, es gibt unzählige Bücher, Seminare, Gurus und Goldesel (denn natürlich ist auch hier die ewige Absorption der Gegenkräfte am Werk ...). Anders als dem Eremiten geht es dem modernen Minimalisten ohnehin nicht um Weltabgewandtheit, sondern um Effizienz. Sie blicken wie Unternehmensberater auf ihr eigenes Leben, werfen überflüssigen Ballast über Bord und machen sich stromlinienförmiger und leistungsfähiger. Und die jungen, mehrsprachigen und gut ausgebildeten Nutzer von Sharing-Plattformen wie Airbnb oder dem Musikstreamingdienst Spotify verzichten nicht auf eine Wohnung, sondern peilen globale Existenz an, sie verzichten nicht auf eine CD, sondern fordern den Zugriff auf zehn Millionen Songs. Statt einen Gebrauchtwagen zu kaufen, schätzen sie die Option, mit CarsharingDiensten eine Limousine, ein Cabrio oder einen Kombi zu fahren. Die Entscheidung, ein Nomaden-Dasein zu führen, wird unter dieser Perspektive nicht zu einem Akt der Bescheidenheit, sondern zu einem leicht größenwahnsinnigen Projekt.

rielle Enthaltsamkeit die Erleuchtung sucht, ist eine mythische Figur der Gegenkultur. »Wir waren weder Teenager noch Hippies. Wir waren erwachsen und gaben alles auf wofür wir gearbeitet hatten«, schreibt de Picciotto. »Nomade sein wollen bedeutet Arbeit. Mehr Arbeit als je zuvor.« Aber jeder kann es tun. Die Arbeitsschritte: (1) Den Besitz ordnen und evaluieren – was ist lebensnotwendig, austauschbar, überflüssig. (2) Den Ballast entsorgen – auf der Deponie oder auf Ebay. Das Aussteigen erscheint hier fast als technischer Prozess. Das verbindet den persönlichen Ausbruchsversuch von de Picciotto und Hacke mit Mobilitätsverstärkern wie Airbnb.com oder Car-Sharing-Diensten wie DriveNow oder Zipcar. »Das Prinzip Eigentum ist überholt«, meint etwa Joe Gebbia, »es geht viel mehr darum, eine Handlung oder Erfahrung zu machen und zu ermöglichen.« Sharing-Kultur lautet das Stichwort. In Zukunft, so Gebbia, werden Menschen nicht mehr Tausende CDs und Platten anhäufen, sondern sich einfach bei Musikdiensten wie Spotify einloggen, die es einem erlauben, Millionen von Songs zu hören. Und das Gleiche gelte für den Automobilund Wohnungsmarkt. »Warum soll man sich auf einen Ort festlegen«, fragt Joe Gebbia, der mit Dreitagebart und Hornbrille aussieht wie eine Mischung aus Hippie und Nerd und diese Silicon-Valley-Aura verströmt: wirtschaftliches Wachstum und sozialer Umbruch, Businessplan und revolutionäres Manifest. Der Gründer von Zipcar, Scott Griffin, sagt: »Man spart eine Menge Geld, aber die langfristige und emotionale Bindung zu unserem Service entsteht durch das Konzept des Weniger ist mehr .« Das Leben »on the road« – heute hier, morgen da zu sein, immer in Bewegung, nicht zu bremsen – war früher ein Privileg des Rockstars. Heute kann jeder Nomade sein und so tun, als würde sich sein bürgerliches Ich in ewiger Mobilität auflösen. Der erste Schritt ist nicht immer einfach: De Picciotto berichtet, wie sie beim Ausmisten der Wohnung mehr als fünf Kilo abnahm: »Es war strapaziös und aufreibend. Jeder Gegenstand schien sich an uns klammern zu wollen, um in unserem Leben zu verbleiben.« Als sie endlich all die Dinge, die sie gelähmt haben, losgeworden ist, weint sie vor Glück und fällt auf dem Sofa eines Freundes in tiefen Schlaf.

Danielle de Picciotto −

We are GypsiEs Now

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Helmut Wietz

Zeitkapsel von

1968

M

Hw

Ich stellte schnell fest, dass es beispielsweise diese wunderbaren Rasterfolien von Lettraset, mit denen man die Roy-Lichtenstein-haften Hintergründe gestalten konnte, nicht mehr gab. Auch die Pantone-Farbfolien waren nirgendwo mehr zu bekommen. Also habe ich die neuen und die alten Seiten eingescannt und die Farben digital angepasst. M

Helmut Wietz begann vor fünfundvierzig Jahren einen Comic zu zeichnen, mit dem er den gesellschaftlichen Aufbruch darstellen wollte. Es blieb bei ein paar Seiten. Nun hat er sein Werk vollendet – es führt in eine f­remde Welt.

Sieht man den Unterschied?

Hw

Ja, die Hintergrundflächen der alten Seiten sind handgemalt. Da sieht man deutlich die Spuren der Stifte. Die Photoshop-Seiten sind etwas cleaner. Aber das war mir egal. Einerseits gefällt es mir, die Zeit auch so sichtbar zu machen, andererseits hatte das auch ganz pragmatische Gründe: Ich wollte ja auch irgendwann fertig werden.

M

Sie erzählen in »Der Tod von Adorno« die Geschichte des Arbeiterkindes Trollschak, der in der Provinz aufwächst und dann nach Berlin, ins Zentrum der linken Gegenkultur, zieht. Ist das auch Ihre Geschichte?

M

Hw

Zum Teil. Ich wuchs in einer ziemlich muffigen Kleinstadt auf, in Itzehoe in Norddeutschland. Das Umfeld war klar reaktionär. Und natürlich träumte da jeder junge und halbwegs freie Geist davon, in die Großstadt zu gehen. Am besten New York. Oder wenigstens Westberlin. Auf der anderen Seite ist Trollschak eine reine Kunstfigur. Ich komme aus einem Beamtenhaushalt, Trollschak ist Proletarier. Seine Physiognomie ist allerdings einem guten Freund von mir entliehen. Helmut Herbst. Er war später an der Filmakademie in Berlin Dozent und hat danach an der Kunsthochschule in Offenbach als Professor unterrichtet.

Auf dem Cover Ihres Comics steht »© 1968/2012«. Saßen Sie wirklich über vierzig Jahre an diesem Comic? HW

Gewissermaßen ja. Als ich 1967 anfing, die Geschichte zu zeichnen, gab es hierzulande überhaupt keine Comic-Kultur. Es gab nur eine kleine Fangemeinde, eingeschworene Undergroundcomic-Freaks, aber davon bekam ich erst viel später was mit. Ich fing also ziemlich unbedarft an zu zeichnen, im Kopf ein paar Superheldengeschichten. Aber ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es dafür einen Markt geben könnte. Als ich dreißig Seiten fertig hatte, das war 1968, bewarb ich mich damit an der Filmakademie in Berlin.

M

Wieso?

M

Trollschak, das Arbeiterkind, mischt die aus Bürgerkindern bestehende Gegenkultur ziemlich auf. Was wollten Sie mit dieser Geschichte erzählen?

Wann und wieso haben Sie den Comic weggelegt?

Hw

Hw

Als ich an der Filmakademie in Berlin anfing, war schnell klar, dass nun andere Dinge für mich im Vordergrund standen. Ich wollte ja Filmemacher werden. Einmal flammte die Leidenschaft für den Comic noch auf, als ich bei einem Freund ein Shunga-Buch sah, das sind erotische Holzschnitte aus Japan. Aber spätestens seit 1970 ruhte die Arbeit. Erst 2007 entschied ich mich, ihn zu vollenden. Was nicht so einfach war.

Heute wird 1968 immer auf einen Nenner gebracht, so als sei das eine Bewegung gewesen, die den gleichen politischen Ideen, Idealen und Lebensstilen nacheiferte, aber damals gab es sehr viele Strömungen. Und es gab innerhalb der 68er genügend Leute, die sich schon damals darüber amüsiert haben, dass sich jemand mit einem Adelstitel zum Elektrokarrenfahrer bei Siemens hat ausbilden lassen, um

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Zeitkapsel von 1968

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Helmut Wietz

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Zeitkapsel von 1968

theoretikern heraus, zugleich aber machte man dort Pornofilme. Die mussten aber anspruchsvoll und künstlerisch wertvoll daherkommen, denn es galt noch das alte Sexualstrafrecht, wo die Verbreitung unzüchtiger Schriften, Bilder und Filme unter Strafe stand. Diesen Programmbereich betreute damals Bazon Brock, und Studenten der Akademie, unter anderem ich, drehten die Filme. Das war ein riesiger Erfolg, denn die Pornos konnten sehr teuer verkauft werden. Als dann aber das Sexualstrafrecht liberalisiert wurde und alle sich gegenseitig und miteinander auf dem Sofa filmen und das veröffentlichen konnten, war das als Geschäftsmodell nicht mehr interessant.

dann anschließend die Revolution auszurufen. Mir ging es, als ich mit dem Comic begann, vor allem um das Milieu, die Ungleichzeitigkeit von Lebensläufen, die ich an der Filmakademie vor Augen hatte. Zum einen war er Zentrum der linken Gegenkultur und BaaderMeinhof-Ausbildungsstätte, gleichzeitig aber auch Pornofabrik. Fast alle Studenten stammten aus dem Bürgertum. Meine Figur Trollschak steht im Zentrum all dieser Geschichten und Konflikte. M

Was hat es mit Adorno auf sich? Wieso muss er sogar sterben?

Hw

»Die Dialektik der Aufklärung« war für mich wie eine Bibel. Ich unterstrich fast alle Sätze und sagte: ›ja, das ist toll‹ – auch wenn ich es nicht begriffen hatte. Adorno und Horkheimer waren für uns die intellektuellen Leuchttürme. Sie boten Orientierung und erklärten, wie der Faschismus sich hatte etablieren können. Auf der anderen Seite nahm man aber ganz klar den Widerspruch wahr, in dem diese Leute lebten. Denn natürlich waren sie total angepasst und agierten in einem politisch reaktionären Umfeld. Adorno musste wohl oder übel seinen Frieden mit den alten Nazis, die in der Universitätsverwaltung saßen, schließen. Auch weil Deutschland seine intellektuelle Heimat war. Und alles, was die Studenten gemacht haben, unseren Aufbruch und die damit einhergehende Radikalisierung, hat Adorno nie wirklich nachvollziehen wollen, dazu war die bürgerliche Kontinuität, in der er steckte, viel zu mächtig. Und an diesem Widerspruch ist er letztendlich ja auch zerbrochen. Das waren die intellektuellen Themen, die uns damals umtrieben.

M

Wenn man Ihren Comic mit aktuellen Graphic Novels vergleicht, fällt auf, dass er zwar realitätshaltig, aber nicht realistisch ist. Es gibt phantastische Sequenzen, Halluziniertes und eine Menge Details, die nicht sofortiges Verständnis einfordern. Ist diese wilde Erzählweise auch ein Relikt von 1968?

Hw

Ich war mein Leben lang Filmemacher, aber es hat mich immer genervt, dass das Diktat, möglichst die Realität abbilden zu müssen, die Möglichkeiten des Films limitiert. Dazu kam, dass ich als Filmemacher mit den höchsten Ansprüchen anfing und irgendwann bei Mainstream-Serien gelandet bin. Das Reizvolle an einem Comic ist, dass man völlig frei ist. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten lässt sich alles erzählen. Ich habe die Geschichte eines gesellschaftlichen Aufbruchs erzählen wollen, der für mich und meine Generation entscheidend gewesen ist. Hier nur bei der Realität, bei den platten Fakten zu verweilen, wäre nicht nur langweilig, es wäre dem Gegenstand auch nicht angemessen.

M

Ein anderes Thema, dessen Brisanz vielen Lesern heute nicht mehr recht einleuchten wird, ist die Problematisierung der Sexualität – und die Wichtigkeit, die Sie dem Thema beimessen. Trollschak leidet an seinem Trieb – und darf dann glücklicherweise als Pornodarsteller fungieren ...

Helmut Wietz −

Der Tod von Adorno

Hw

Das lässt sich aus heutiger Sicht tatsächlich schwer verstehen. Man vergisst einfach, wie unglaublich tabuisiert alles, was mit Sexualität zu tun hatte, damals gewesen ist. Diese oft unheilvollen, den Menschen beschädigenden Sexual- und Moralvorstellungen unterlaufen und torpediert zu haben, ist ein wirkliches Verdienst der Linken. Auch wenn das absurde Blüten trieb. Der März Verlag brachte damals beispielsweise die Schriften von Wilhelm Reich und anderen Sexual-

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James M. Cain

Niemand konnte die Figur der Femme fatale so beschreiben wie der 1977 verstorbene Schriftsteller James M. Cain. Seine Hard-Boiled-Krimis » Mildred Pierce « und »Wenn der Postmann zweimal klingelt « gehören längst zum Kanon der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Dass nun mit » Abserviert « sein bisher verschollen geglaubter letzter Roman erscheint, ist eine literarische Sensation.

Fatale Begierden. In James M. Cains Bestseller »Doppelte Abfindung« von 1936 beschreibt der Erzähler Walter Huff das grundlegende Motiv aller Cain-Romane: »Nur ein bisschen Angst, mehr braucht es nicht, dass Liebe zu Hass gerinnt.« Im Fall von Walter Huff ist es die Angst, nach einem präzise geplanten Mord doch noch entdeckt zu werden. Aber natürlich gibt es weitere Beweggründe. Es kann wie bei Mildred Pierce, der Protagonistin des gleichnamigen Romans, die Angst vor dem Alleinsein sein. Sie führt dazu, dass sie ihre geliebte Tochter Veda fast erwürgt. Bei »Abserviert«, Cains letztem Roman ist die Angst vor dem sozialen Abstieg die treibende Kraft. Sie bringt Joan, die Hauptfigur, dazu, das zu tun, was hier natürlich nicht verraten werden darf. Neben der Angst, die Liebe zu Hass werden lässt, verbindet noch etwas anderes, Cains letzten, zu Lebzeiten unveröffentlichten Roman, mit seinen Klassikern aus den 30er Jahren. Cain, der Schöpfer des Krimi Noir, galt zu Lebzeiten vielen als einer der wichtigsten Autoren der USA – Camus hielt ihn für den begnadetsten überhaupt. Wie kein zweiter bildete Cain die jeweiligen Milieus ab, in denen seine Romane spielten, und er vermochte es meisterlich, die emotionalen Abhängigkeiten zu beschreiben, die sich aus den Beziehungen der Menschen zueinander ergaben. Diese psychologisch überzeugenden Studien bilden das Fundament seiner Prosa. Oft wiederkehrendes Motiv sind bei Cain jene DreiecksKonstellationen, in denen eine Femme fatale zwei Männer um den Verstand bringt, in der Habgier, Hass und falsch verstandene Liebe das Übelste der Menschen nach außen kehrt. Und so ist Joan nicht nur eine alleinerziehende Mutter, die nach einer gescheiterten Ehe auf sich allein gestellt ist und alles für das Wohl ihres Kindes zu tun bereit ist. Sondern sie ist auch die kalt berechnende, um ihre sexuelle Anziehungskraft wissende Frau, die einen vermögenden, alten Mann heiratet und gleichzeitig eine Affäre mit einem jungen, attraktiven Träumer beginnt und bedingungslos ihren Weg geht.

Cains Frauen wissen, dass sie sich nicht auf die Männer verlassen können, und benutzen sie deswegen nur bei Bedarf für ihre Zwecke. Als Liebhaber, Geldgeber, Mörder. Damals wie heute ist die Wucht dieser Umkehrung der Kräfteverhältnisse – starke Frauen, schwache Männer – und die Kunst Cains, gnadenlose und trotzdem berührende Geschichten zu schreiben, aufsehenerregend. Seine Bücher waren Bestseller, sie wurden und werden verfilmt, wie 2011, als Kate Winslet in die Rolle der Mildred Pierce schlüpfte, und sie haben nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. Cains Sinn für die menschlichen Abgründe und der lakonische Stil, mit dem er den tiefen Fall seiner Figuren beschreibt, machen »Abserviert« zu einem späten, posthumen Meisterwerk. Neun Jahre lang hat der Lektor Charles Ardai aus verschiedenen Quellen und Manuskripten Cains letzten Roman zusammengefügt. Es hat sich gelohnt, und es wäre nicht verwunderlich, wenn wir Joan Medford auf der Kinoleinwand wiedersehen würden. Aber zuerst gilt es ein Buch zu entdecken, von dem Stephen King sagt: »Dieses Buch ist eine echte Seltenheit: Beststeller und literarisches Ereignis in einem.«

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James M. Cain −

Abserviert

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Fatale Begierden.

Autor James M. Cain mit der Schauspielerin Lana Turner, die in der ersten Verfilmung von »Wenn der Postmann zweimal klingelt « (1946, deutscher Filmtitel: » Im Netz der Leidenschaften «) die Hauptrolle spielte.

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David Rees

David Rees schreibt über ein bisher unterschätztes Handwerk, das er zwar nicht selbst erfunden, aber auf die Spitze getrieben hat: Bleistiften die ideale Form zu verpassen.

Angespitzt Natürlich ist ein Buch, das sich auf über 250 Seiten damit beschäftigt, wie man am besten und schönsten einen Bleistift spitzt, lustig. Es erscheint absurd, mit welcher Ernsthaftigkeit David Rees im Ton und Stil von Handbüchern des frühen 20. Jahrhunderts die verschiedenen Methoden des Bleistiftspitzens beschreibt – vom Taschenmesser über den handbetriebenen, mechanischen ein- oder mehrklingigen Spitzer bis zum Experiment mit den eigenen Zähnen. Und doch ist » Die Kunst einen Bleistift zu spitzen « kein bloßer Klamauk, sondern eine sehr intelligente und kunstvolle Humoreske, die den Kult des Selbstgemachten liebevoll belächelt und gleichzeitig die Sehnsucht nach Authentizität mit großer Geste bedient. Ein Buch also, das handwerkliche Raffinesse mit metaphysischem Tiefgang verknüpft. Und wen wundert es da, dass das Ganze auch einen wahren Kern hat. David Rees betreibt tatsächlich eine Bleistiftspitz-Manufaktur. Man kann ihm einen Stift schicken, und er spitzt ihn, für 12,50 Dollar das Stück. Auf den folgenden Seiten sehen Sie, wie er sich auf seine Arbeit vorbereitet:

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Magazin

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David Rees

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Angespitzt

David Rees − Die Kunst einen Bleistift zu spitzen

S. 63 David Rees ist Comiczeichner, Humorist und Kolumnist der »Huffington Post«. Er wurde in den USA durch seine Comicserie »Get your war on« über den »Krieg gegen den Terror« bekannt. Rees lebt in Beacon, New York, wo er auch seinen Pencil-Sharpening-Service betreibt.

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Max kersting

Max Kersting betextet alte Flohmarkt-Fotos neu. Was dabei herauskommt, ist grandios-absurder Humor.

Dass der Berliner Autor, Künstler und Grafiker Max Kersting ein ziemlich witziger Typ ist, wird sofort klar, wenn man auf die von ihm mit entworfene Seite www.punkname.de geht. Dort muss man seinen bürgerlichen Namen eintippen, das Geschlecht angeben (männlich, weiblich, egal) und schon generiert die Seite einen wunderbaren Punknamen wie Dose, Atze, Krümel oder Backe. Eine einfache, schnell verstandene Pointe – die aber knallt. So könnte man generell Kerstings Arbeit beschreiben. Deutlich wird das etwa an seinem Fotoprojekt »Drei unbeschwerte Tage«. Kersting widmet sich hier der Faszination, die von alten, vergilbten Privatfotos ausgeht, wie man sie auf jedem Flohmarkt kaufen kann. Unmöglich, Näheres über die abgelichteten Personen herauszufin­den – und auch die Situation, in der das Foto aufgenommen wurde, oder die Intention des Autors sind verschwunden im Abgrund des vordigitalen Alltags. Kersting arbeitet genau mit diesem Moment des absoluten Unwissens – indem er die Bilder neu betextet. Eine gesellige Herrenrunde aus den 50er Jahren wird so zum »Int. Club der Interessierten«. Die Szene, in der zwei gelangweilte Musiker ihre Instrumente abbauen, wird betitelt mit »Es hätte legendär werden können«, und ein Mann, der etwas unmotiviert nach oben zeigt, brüllt bei Kersting: »Tatsache, da pisst jemand aus dem Fenster!« Das ist in erster Linie einfach witzig. Ein Humor, der nicht verstanden werden will und nicht erklärt werden kann, sondern der einfach ist. Eine in sich ruhende Pointe. Interessant ist aber, was

durch diese Dekontextualisierung im Kopf des Betrachters entsteht: nämlich nicht weniger als ein kurzer, absurder Film. Ein verwischtes Auto in voller Fahrt, im Hintergrund eine hässliche Landschaft: »Schwimmzeug vergessen«. Sofort wird die Assoziationsmaschine in Gang gesetzt: verpatzter Urlaub, scheußliches Essen, heulende Kinder, streitende Eltern ... Was aber die Bilder grundiert, ist die offensichtliche Vergänglichkeit, die aus ihnen spricht, die Uneinholbarkeit des Vergangenen. Insofern mischt sich auch ein Tropfen Melancholie in diese heitere Kombinatorik.

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Max Kersting −

Drei unbeschwerte Tage

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Ein Bild, ein Witz

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Sandy Fawkes

Sandy Fawkes kannte ihre Eltern nicht und hatte eine Affäre mit einem Serienmörder. Ihre Rettung war der Alkohol.

Der GIN des LEBENS

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ie vergisst Sandy Fawkes den Geschmack ihres ersten Drinks: ein Gin und Orange Cordial. Es ist die Nachkriegszeit, ihr Kunstprofessor nimmt sie mit in das legendäre Pub »French House« in Soho. Und der bittere Gin und der süße Orangensirup bilden auf Sandys Zunge so etwas wie eine aromatische Metapher auf ihr zukünftiges Leben, ein biografischer Vorgeschmack auf eine wilde Künstler- und Trinkerkarriere. »Vielleicht hätte ich schon an diesem Tag dem Alkohol für immer entsagen sollen«, erinnert sich Fawkes, »aber dann hätte ich so viel Spaß und so viele Freundschaften verpasst. Und auch einige Katastrophen.« Das »French House«, wo der General de Gaulle während des Zweiten Weltkriegs seine berühmte Radioansprache an die Franzosen verfasst haben soll, wo sich Dylan Thomas und Francis Bacon betranken, wird zu Fawkes Wohnzimmer, und das ist ausnahmsweise einmal keine Floskel, denn ein wirkliches Zuhause hat Fawkes nie. Sie kommt aus dem Nirgendwo. Niemand weiß, wer ihre Eltern sind, fest steht nur, dass man im Jahr 1929 an Rand des Grand Union Kanal in London ein kleines Baby findet. Fawkes kommt zu Pflegeeltern, bewahrt keine guten Erinnerungen an diese Zeit und heiratet 1949 den berühmten Jazz-Klarinettisten und Cartoonisten Wally Fawkes. Die beiden haben vier Kinder, eine ihrer Töchter stirbt früh, die Ehe zerbricht. Sandy arbeitet für verschiedene Zeitungen als Modezeichnerin, Moderedakteurin und Kriegsreporterin. 1974 lernt sie in Atlanta, Georgia – natürlich in einer Bar – einen Mann kennen: John Paul Knowles ist schön und geheimnisvoll und aufregend gefährlich, die beiden verbringen einige Nächte miteinander, dann trennen sich ihre Wege, kurze Zeit später wird Knowles von der Polizei verhaftet und bei einem Fluchtversuch erschossen: Er ist einer der brutalsten Serienmörder in der Geschichte der Vereinigten Staaten und hat mindestens 18 Menschen umgebracht. Fawkes, die nichts ahnte von der Gefahr, in der sie schwebte und nur

mit sehr viel Glück nicht Knowles 19. Opfer wurde, schreibt über den »Casanova Killer« ein überaus erfolgreiches Buch: »Killing Time«. Noch berühmter wird Fawkes allerdings als öffentliche Trinkerin, als Salonlöwin und ewiger Stammgast, ein leuchtender Stern in der immerwährenden Schummrigkeit der Pubs, eine Dame in Rock und Pelzhut, mit unstillbarem Durst auf Männer und Gin und Whiskey und Champagner, die, wie Begleiter bemerken, offenbar niemals auf die Toilette muss. Fawkes stirbt 2005 im Alter von 75 Jahren, und dass wir uns so ein Leben kaum als geglückt vorstellen können, sagt wohl vor allem etwas über uns selbst und unser lustfeindliches Zeitalter aus. Heute würde sich in London selbstverständlich kein erfolgreicher Journalist und keine Businesswoman mehr ab zwölf Uhr mittags stilvoll zulaufen lassen. Man joggt lieber in aller Frühe und in bunten Sportklamotten zur Arbeit und ordert zum Low-Carb-Lunch ein stilles Mineralwasser. Sandy Fawkes aber nimmt den Exzess sehr ernst, mit rauschhafter Liebe zum Detail. Wie man den Exzess aber übersteht, wie man die Nacht durchsäuft und trotzdem am nächsten Morgen präzise Sätze formulieren kann, das verrät Fawkes in ihren »Ernährungsgrundlagen für den leidenschaftlichen Trinker«.

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Sandy Fawkes −

Ernährungsgrundlagen für den leidenschaftlichen Trinker

S. 65


Der Gin des Lebens

Gib dem Kater keine Chance – 10 Regeln für das harte Trinken.

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Knoblauch reinigt das Blut, aber niemand will riechen wie ein französischer Schlafwagenschaffner. Nehmen Sie drei Knoblauchpillen pro Tag. Und Sie kommen putzmunter durch die Nacht. Alkohol entzieht dem Körper Vitamine. VitaminC-Mangel aber führt dazu, dass man schneller krank wird. Ärzte sagen, dass für eine durchschnittliche Person eine Orange am Tag reicht. Aber ein Trinker ist keine durchschnittliche Person, er führt ja alles bis zum Exzess. So sollte er es auch mit den Vitaminen halten. Nur mit Obstessen kommt man nicht weiter. Ascorbinsäure ist die bessere Wahl. Vitamin B nicht vergessen. Vitamin-B-Mangel macht auffahrend, nervös und lustlos. Vitamin B ist in Leber, Fisch, Nüssen, Milch, Käse, Eiern. Vitamin B sollte man nehmen, wenn die Türklingel einen aus der Haut fahren lässt, weil es wahrscheinlicher ist, dass es der Gerichtsvollzieher ist und nicht ein lang vermisster Freund, oder wenn man so depressiv ist, dass man sich nicht einmal mehr rasiert, bevor man abends ausgeht.

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Außer Drinks und Vitaminen brauchen wir auch noch eine andere kleine Sache, um zu überleben: Essen.

Schon immer haben Playboys Austern für ihre erholsame Wirkung geschätzt. Wenn man früher unterwegs zum Ritz oder in die nächste Bar war, nahm man ein Dutzend, um den Magen aufzuräumen. Allerdings sind Austern jetzt sehr teuer. Billiger ist Oystertone, also Austernpillen, die angeblich gegen Herzprobleme, Rheuma und Arthritis helfen. Zusätzlich versorgen sie den Körper mit allen Vitaminen und Mineralien, die man in einer durchsoffenen Nacht verloren hat.

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Am besten Wasser mit hohem Mineraliengehalt trinken. Ein gestörter Elektrolyt-Stoffwechsel ist der Hauptgrund für Kater. Bewährt haben sich Apollinaris oder (Anmerkung der Redaktion): Überkinger Classic. Weißweintrinker aufgepasst. Vielleicht sagen es Ihnen Ihre besten Freunde nicht. Aber wenn Sie die in Herden weglaufen sehen, ist die Zeit zum Handeln gekommen. Ich will ja nicht persönlich werden. Aber jeder, der viel Weißwein trinkt, riecht nach verfaulten Zähnen. Obwohl der Geruch ja aus dem Magen kommt. Nehmen Sie Chlorophylloder Zinktabletten.

Essen gehen mit Kater vom Tag davor: Die Wahl des Getränks hängt natürlich von Ihrem Gastgeber ab, aber eine Flasche Mineralwasser wird nicht nur Ihren wütenden Durst stillen, sondern Sie auch davon abhalten, den Wein herunterzustürzen, als wäre er Wasser, was dazu führen würde, dass Sie zu schnell übermütig werden.

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Durchfall kann ein Problem sein, wenn man im Rausch auf dem Nachhauseweg einem der TakeAway-Schilder nicht widerstehen konnte. Laufen Sie in Ihrer Wohnung auf und ab wie ein eingesperrter Tiger, bis sich Ihr Magen beruhigt hat. Dann essen Sie eine Avocado mit einer Knoblauch-Vinaigrette.

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Wir alle sind schon aufgewacht und haben uns gefragt, wie wir nach Hause gekommen sind. Wir sind auch schon einmal aufgewacht und haben uns gefragt, wem der Kopf gehört, der neben uns auf dem Kissen liegt. Der Filmriss gilt oft als amüsant, ist aber das Zeichen einer Mangelernährung, die zu lebenslanger Abstinenz führen könnte. Passen Sie also auf!

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Die Autorin Sabine Scholl macht den Mann zum Sexobjekt. Endlich.

Nimm ihn !

Magazin

nannte Erzählerin – vielleicht ist es eine Einzelne, vielleicht sind es auch ganz viele – erwartet von den Männern weder Unterhaltszahlungen noch emotionale Geborgenheit, sondern einfach nur guten, aufregenden Sex. Scholl versöhnt Eleganz und Pornografie, Feminismus und Erotik. Robert Pfaller, der Philosoph und österreichische Landsmann von Sabine Scholl, hat dem deutschen Alice-SchwarzerFeminismus Lustfeindlichkeit vorgeworfen: Es sei kein Problem, Sexobjekt zu sein, solange man auch Sexsubjekt sein könne. »Für die Frauen ist nichts gewonnen, wenn sie im Zuge der Emanzipation ihre eigene Unfreiheit auf die Männer ausweiten«, sagt Pfaller. »Das meiste, was wir derzeit für Befreiungen oder Fortschritte halten, besteht in Wahrheit darin, dass wir die armseligen Standards der bisher Unterdrückten zur Norm für alle machen. Jeder wirkliche Sieg bestünde hingegen darin, dass die Beute, die bisher die Sieger in Händen hielten, nun allen zugänglich gemacht wird.« An genau diese Aufgabe macht sich Sabine Scholl.

In der ganzen Diskussion um die Frauenquote, beim Streit um die Frage, wer denn nun eigentlich schuld daran ist, dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und ob nun moralische Appelle oder gesetzlicher Zwang helfen könnten; in dieser etwas mühsamen und langwierigen Debatte also wurde ein schockierender Sachverhalt völlig vergessen: Auch Männer kommen in vielen gesellschaftlichen Bereichen kaum vor. Und wir reden hier nicht davon, dass zu wenig Männer als Krankenpfleger, Kindergärtner oder Grundschullehrer arbeiten. Viel schlimmer ist: Es gibt fast keine männlichen Sex-Objekte (sieht man einmal von Cristiano Ronaldo und Brad Pitt ab). Und in der Literatur tauchen sie überhaupt nicht auf. Kommen Sie jetzt nicht mit E.L. James’ »Shades of Grey« samt diverser Sequels oder dem Gesamtwerk von Charlotte Roche. Sowohl bei James als auch bei Roche hat der weibliche Blick auf den männlichen Körper nichts Genießerisches, Egoistisches, Aggressives, er ist in Wahrheit eine flehentliche Bitte, geliebt zu werden, ein stummer Unterwerfungsantrag. Die beiden angeblichen Sex-Expertinnen sind also – nicht nur sprachlich – weit entfernt von der lässigen Meisterschaft, in der etwa John Updike oder Philip Roth den weiblichen Körper feiern: Rabbit, Portnoy, Zuckermann und wie die Protagonisten von Updike und Roth alle heißen, können sehr gut trennen zwischen der Geilheit und Geborgenheit, dem Begehren und der Liebe, dem Sex und der Seele. Sabine Scholl kann das auch. Der Titel ihres Buchs ist Programm. In »Mein Alphabet der Männer« präsentiert Scholl als Herausgeberin eben genau das: Männer von A bis Z, in kaum seitenlangen Geschichten reduziert auf ihren Status als Lustlieferant. Die unge-

Sabine Scholl −

Mein Alphabet der Männer

S. 66 50


Nimm Ihn!

Heinrich

ALEX

Trifft wie der Blitz. Ich bin sicher, dass auch Heinrich mich kennt, weil ich ihn sofort erkenne. Als wäre er über lange Jahre schon vertraut. Mein Körper biegt sich nach seinem. Mein Gesicht verwandelt sich in das Gesicht einer Frau, die ihn verlassen hat und die er weiterhin liebt. Er ist ich. Ich bin er. Leider weiß Heinrich nichts von dieser unverrückbaren Tatsache oder will es einfach nicht wissen. Dann, eines Nachts habe ich ihn überzeugt. Habe ich geglaubt. Als ich auf allen vieren im Dunkeln zu ihm krieche, stoße ich auf eine andere Frau in seiner Nähe. Heinrich wird geteilt. Er arrangiert unsere Unterkörper, so dass er einmal mich und einmal die andere mit seinem festen Horn erreicht. Ich zähle die Sekunden, die er in meiner Rivalin bleibt und achte darauf, in wem er schließlich kommt. Er soll nur mir verfallen sein. Nur mir.

Zuweilen werfe ich mit Möbelstücken nach ihm. Wenn er mich zu sehr reizt. Schicke ihm Schwarz-­Weiß-­Fotos meiner herausgestreckten Zunge. Alex kann so gemein sein. Und sehr klug. Alex kann verwirrt oder betrunken sein. Tagsüber, wenn er arbeitet, darf ich nicht zu ihm. Sobald es dunkel wird, schiebt er mich durch sein winziges, schief winkeliges Zimmer. Und nachts in fremden Büros, zu denen er die Schlüssel immer mit sich trägt, entkleidet Alex mich auf Ledersofas, legt mich nackt auf Schreibtischplatten, holt seinen Apparat aus der Hose, möbelt und bügelt mich. Packt meinen nackten Körper auf Anrichten mit Kaffeemaschinen und Würfelzucker, auf Klapptische und Küchenstühle. Alex schrubbt den Boden mit mir, die Haut an meinen Knien reibt auf. Ich mag seine Inbrunst und seinen durchgedrehten Geist. Seine groben Bartstoppeln färben meine Wangen rot. Ab und zu will Alex sogar geschlagen werden. Ich erfülle seine Wünsche mit allen Kräften. Verpasse ihm Striemen mit dem schmalen schwarzen Lederriemen. Sein weißer gestreifter und zerkratzter Arsch. Die Halbmonde von spitzen Fingernägeln an seinen weichen Schultern. Dafür mag er mich manchmal gern.

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Belletristik

»A book of inspiration.« Paul Weller

Colin MacInnes Absolute Beginners Roman — Neuübersetzung aus dem Englischen von Maria und Christian Seidl Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 352 Seiten Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0052-4 WG 1112 März 2013

ISBN 978-3-8493-0052-4

9 783849 300524

S. 08 INHALT Der Erzähler, ein literarischer James Dean, rebelliert gegen alles, was ihm gegen den Strich geht. Seine Freunde sind die Transen und Dealer, sein Zuhause die verrauchten Jazz Clubs und die Straßen, auf denen es bald zu Gewaltausbrüchen kommt – den berüchtigten Notting Hill Riots.

AUTOR Colin MacInnes (1914 – 1976) war Journalist­und Autor. Absolute Beginners ist der berühmteste Teil seiner gefeierten London-Trilogie, in der er den Prototyp des Teenagers erfand.

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– Wiederentdeckung: Die Bibel der Popkultur – In längst überfälliger Neuübersetzung


Belletristik

»Jenny Lawson ist wahnsinnig witzig, bissig, weise, absolut unangemessen – eigentlich wie Mutter Teresa, nur besser.« Marie Claire

Jenny Lawson Das ist nicht wahr, oder? — Aus dem Amerikanischen von Wolfram Ströle Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 368 Seiten mit ca. 60 S/W-Abbildungen Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0050-0 WG 1112 Februar 2013

ISBN 978-3-8493-0050-0

9 783849 300500

S. 04 INHALT Als Kind wollte Jenny Lawson nur eines: sein wie alle anderen. Ihr großherziger, aber atemberaubend unausgeglichener Vater – ein Mann im TierpräparatorenBusiness, der seine Erziehungsmethoden mit selbst erlegten Tierhandpuppen vermittelt – wusste dies zu verhindern.

AUTORIN Jenny Lawson ist Kolumnistin und betreibt als The Bloggess einen viel­fach ausgezeichneten Blog, der über 3 Millionen­Besucher im Monat ver­z eichnet. Sie lebt mit Mann und Tochter in Texas Hill Country.

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– New York Times Bestseller # 1 – Wallstreet Journal Bestseller # 1 – Washington Post Bestseller # 1 – G roßes mediales Engagement der Autorin – Social Media Marketing


Belletristik

»Adam Wilson lesen ist wie das erste Mal Sex Pistols hören.« Adam Curry, The Podfather

Adam Wilson Flatscreen Roman — Aus dem Amerikanischen von Klaus Fritz Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 352 Seiten Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0058-6 WG 1112 Mai 2013

ISBN 978-3-8493-0058-6

9 783849 300586

S. 10 INHALT Eli ist ein unvergleichlicher Held, der das Lebensgefühl einer Jugend der nuller Jahre verdichtet; pointiert, witzig, vulgär und erschütternd. Flatscreen wird als DER ­S lacker-Roman gehandelt und hinterlässt ein gutes Gefühl: Gut, dass wir damals nicht einfach liegen geblieben sind.

AUTOR Adam Wilson ist Herausgeber der Faster Times. Er veröffentlichte u. a. in der New York Times, der Paris Review und im Bookforum. Wilson unterrichtet Creative Writing an der New York University und lebt in Brooklyn. Flatscreen ist sein erster Roman.

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– Ein Buch über die Generation 2000 – Ein Buch über YouTube, Facebook, Internet, Fernsehen, Drogen und Sex – Für alle, die Couplands JPod, Microsklaven, Welshs Trainspotting oder Melles Sickster schätzen


Belletristik

»Lustig wie Nick Hornby und zugleich von einer Ernsthaftigkeit, die man nicht missverstehen kann.« Ekstra Bladet

Alen Mešković Ukulele Jam Roman — Aus dem Dänischen von Max Stadler Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 384 Seiten Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0054-8 WG 1112 März 2013

ISBN 978-3-8493-0054-8

9 783849 300548

S. 12 INHALT Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Alen Me skovi c´ ist  der »Salinger der Vertriebenen«.

AUTOR Alen Me skovi c´ wurde 1977 in Bosnien  geboren und übersiedelte 1994 nach Dänemark. Für sein hoch gelobtes Roman-Debüt Ukulele Jam zeichnete ihn die Danish Arts Foundation mit einem dreijährigen Arbeitsstipendium aus.

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– Neue Stimme einer jungen Migranten-Generation, die die aktuelle Literatur bestimmt – G roße Medien- und Presseaufmerk­ samkeit (Lesereise, lit.Cologne, über­ regionale Feuilletons) – Ausgezeichnet als eines der wichtigsten Bücher des Jahres


Belletristik

»Diese Prosastücke sind krachend, roh und rauh wie schwermetallische Songs ( ... )« Frank Schulz

Frank Schäfer Metal Störies Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte — Ca. 12,5 x 20,5 cm Gebunden Ca. 144 Seiten Ca. 16,99 EUR (D) / 17,50 EUR (A) / 24,50 SFR ISBN 978-3-8493-0056-2 WG 1112 FEBRUAR 2013

ISBN 978-3-8493-0056-2

9 783849 300562

S. 17 INHALT Hier geht es um nichts Geringeres als das völlig verregnete Wacken Open Air 2005, das legendäre letzte »Monster of Rock« und um Transzendenzerfahrungen mit den Hellacopters. Und natürlich um den ersten Kadett, erste Lieben, Kumpels und Plattenhören.

AUTOR Frank Schäfer, Jahrgang ’66, ist Spezialist in Sachen Hard & Heavy. Er lebt in Braunschweig und schreibt Kritiken, Kolumnen, Essays, Short Stories für Rolling Stone, NZZ, taz, tip, Tagesspiegel, Titanic, konkret, Junge Welt usw.

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– Metalszene wird populär (z. B. ARDLive-Übertragung aus Wacken, Spiegel-online-Kolumne: Die wichtigsten Metal-Alben des Monats) – Für alle Goosen-, Schamoni- und Strunk-Fans – Lesereisen, PR-Aktionen mit Festivals und Musikmagazinen


Belletristik

Über das schöne schnelle Leben am Abgrund, über Freundschaft und Einsamkeit, Exzess und Depression

Ju Innerhofer Die Bar Eine Erzählung — Ca. 12,5 x 20,5 cm Gebunden Ca. 224 Seiten Ca. 16,99 EUR (D) / 17,50 EUR (A) / 24,50 SFR ISBN 978-3-8493-0039-5 WG 1112 MÄRZ 2013

ISBN 978-3-8493-0039-5

9 783849 300395

S. 16 INHALT Die Bar erzählt auf authentische Weise die Geschichte eines Sommers in einem berühmt-berüchtigten Club in Berlin. Drei Freunde sind beseelt von der Euphorie des Rauschs, vom Leben jenseits des Realitätsprinzips. Doch irgendwann geht die Party zu Ende.

AUTORin Ju Innerhofer ist Doktorin der Human­ medizin und Absolventin der Axel-­ Springer-Akademie für Publizistik. Vier Jahre arbeitete sie im Berliner Nachtleben. Die Bar ist ihr erstes Buch.

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– Ein Blick in die die geheime Welt des Nachtlebens – Hohes Identifikationspotenzial für alle, die viel gefeiert haben


Belletristik

»A BSERVIERT wird Sie fesseln und mit seinem unglaublichen Ende schockieren.« Stephen King

James M. Cain Abserviert Roman — Aus dem Englischen von Gunter Blank Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden Ca. 272 Seiten Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0062-3 WG 1112 März 2013

ISBN 978-3-8493-0062-3

9 783849 300623

S. 40 INHALT Der verschollene letzte Kriminalroman von James M. Cain, einem der bedeu­tendsten und erfolgreichsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, ist nicht nur eine Sensation, sondern ein spannungsreicher Pageturner der Extraklasse.

AUTOR James M. Cain wurde 1892 im Bundesstaat Maryland (USA) geboren und starb 1977 ebenda. Berühmt wurde er mit ­Romanen wie Wenn der Postmann zweimal klingelt oder Doppelte Abfindung. Cain gilt als Schöpfer des Krimi Noir und hat die amerikanische Literatur nachhaltig geprägt.

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– Soeben erfolgreich in den USA veröffentlicht und nun erstmals auf Deutsch – Der letzte Roman vom Erfinder des Krimi Noir


Graphic Novel

Pop-Art meets deutsche Geschichte. Ein humorvoller Agitprop-Trip der Sonderklasse.

Helmut Wietz Der Tod von Adorno — Ca. 19 x 26,5 cm Gebunden Ca. 72 Seiten / 4-farbig Ca. 19,99 EUR (D) / 20,60 EUR (A) / 28,90 SFR ISBN 978-3-8493-0049-4 WG 1181 Februar 2013

ISBN 978-3-8493-0049-4

9 783849 300494

S. 36 INHALT Die im Stil der Pop-Art gezeichnete Graphic Novel wurde 1968 begonnen und erst jetzt wiederentdeckt und fertig­gestellt. Erzählt wird von der 68er-Revolte, der sexuellen Befreiung und einer Nazi-Parallelgesellschaft, die die Berliner Unterwelt beherrscht.

AUTOR Helmut Wietz wurde 1945 in HamburgAltona geboren. Er studierte in den 1970er Jahren an der Deutschen Filmund Fernsehakademie Berlin und arbeitet seitdem als freischaffender Filmemacher und Producer.

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– Eine Entdeckung – Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz – G roßes Medienecho


Graphic Novel

Ein wundervoll illustriertes Graphic Diary über den Sinn des Lebens und die Verwirk­ lichung eines Lebenstraums. Danielle de Picciotto We Are Gypsies Now Der Weg ins Ungewisse — Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden Ca. 240 Seiten / 4-farbig Ca. 22,99 EUR (D) / 23,70 EUR (A) / 32,90 SFR ISBN 978-3-8493-0047-0 WG 1181 März 2013

ISBN 978-3-8493-0047-0

9 783849 300470

S. 34 INHALT Wie ist das, wenn man seine Wohnung auflöst, auf unbestimmte Zeit auf Reisen geht und dabei den großen Sinnfragen des Lebens nicht aus dem Weg geht? Picciotto hat es mit weiblich verträumtem Blick und einer großen Portion Lebensklugheit aufgezeichnet.

AUTORin Danielle de Picciotto ist eine in Berlin lebende Musikerin, Autorin und Künstlerin.­ Sie war Mitbegründerin der Loveparade in Berlin. 2006 heiratete sie Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten), mit dem sie seit drei Jahren um die Welt reist und Musik macht.

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– Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz – Gemeinsame Lesungen mit Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) u. a. lit.Cologne –L  eicht zugänglich erzähltes und wundervoll illustriertes Tagebuch zu den zentralen Fragen des Lebens


Graphic Novel

Eine kraftvolle und psychologisch glaubwürdig erzählte Graphic Novel über die Jugendjahre eines der schrecklichsten Serienmörder der US-Geschichte. Derf Backderf Mein Freund Dahmer — Aus dem Englischen von Stefan Pannor Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden Ca. 224 Seiten / 4-farbig Ca. 22,99 EUR (D) / 23,70 EUR (A) / 32,90 SFR ISBN 978-3-8493-0048-7 WG 1181 April 2013

ISBN 978-3-8493-0048-7

9 783849 300487

S. 30 INHALT Jeffrey Dahmer (The Milwaukee Monster) war ein US-amerikanischer Serien­mörder, der zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer tötete. Erzählt wird seine Geschichte bis zum ersten Mord aus Sicht von Derf Backderf, der mit Dahmer zur Highschool ging.

AUTOR Derf Backderf ist einer der bekanntesten Comic-Künstler der USA. Seine ComicStrips sind in ca. 100 Tageszeitungen erschienen. Er wurde zweimal für den ­Eisner Award nominiert und ist Träger des ­Robert F. Kennedy Journalism Award.

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– Buch wird derzeit verfilmt – Einer der renommiertesten ComicKünstler der Gegenwart – Gilt in den USA als eine der besten Comic-Veröffentlichungen 2012


Besonderes Buch

Eines der schönsten, skurrilsten und lustigsten Bücher der Saison

David Rees Die Kunst einen Bleistift zu spitzen — Aus dem Amerikanischen von Egbert Hörmann und Uta Goridis Ca. 13,5 x 18,5 cm Gebunden Ca. 224 Seiten mit S/W-Abbildungen Ca. 17,99 EUR (D) / 18,50 EUR (A) / 25,90 SFR ISBN 978-3-8493-0045-6 WG 1191 Februar 2013

ISBN 978-3-8493-0045-6

9 783849 300456

S. 42 INHALT Rees lässt sich punktklein und millimeterbreit über das kunstvolle Bleistiftspitzen mit Taschenmesser, Einklingen- und Kurbelspitzern aus. Ein Handbuch, das puren Nonsens und philosophische Fragestellungen zu einem unvergleichlichen Lesegenuss verwebt.

AUTOR David Rees wurde 1972 in North Carolina geboren. Er ist Cartoonist und Humorist sowie Blogger für die Huffington Post.

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– Ein absolutes Muss für die Generation Manufactum – Autor kommt auf Lesereise, u. a. lit.Cologne


Besonderes Buch

»Der Designer Max Kersting hat Flohmarktfotos mit neuem Text versehen – und das ist ziemlich lustig.« Zeit Magazin

Max Kersting Drei unbeschwerte Tage — Ca. 14,5 x 20 cm Gebunden Ca. 64 Seiten Mit 50 Abbildungen, durchgehend 4-farbig Ca. 12,99 EUR (D) / 13,40 EUR (A) / 19,50 SFR ISBN 978-3-8493-0041-8 WG 1185 März 2013

ISBN 978-3-8493-0041-8

9 783849 300418

S. 46 INHALT Alte Fotos, neuer Text. Max Kersting erzählt Geschichten, die nur ein Bild und wenige Worte brauchen. Geschichten von der nostalgischen Sehnsucht nach einer Welt, in der nicht alles perfekt sein musste und nicht alles geplant war.

AUTOR Max Kersting, geboren 1983, lebt und ­a rbeitet als Künstler und Autor in Berlin. Zuvor Studium des Grafikdesigns in Düsseldorf. Seine Werke wurden vom Zeit Magazin entdeckt. Diverse Ausstellungen.

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»Nur mit alten Schnappschüssen, Tipp-Ex und einem Edding bewaffnet, kreiert Max Kersting herrlich absurde Bildpoesie.« Christoph Niemann


Besonderes Buch

Achtung: Kein Buch für Gesundheits­ fanatiker, Moralisten und Abstinenzler!

Sandy Fawkes Ernährungsgrundlagen für den leidenschaftlichen Trinker — Aus dem Englischen von Ingo Herzke Mit zahlreichen Illustrationen Ca. 12,5 x 18,5 cm Gebunden Ca. 144 Seiten 14,99 EUR (D) / 15,50 EUR (A) / 21,90 SFR ISBN 978-3-8493-0060-9 WG 1191 April 2013

ISBN 978-3-8493-0060-9

9 783849 300609

S. 48 INHALT Garantiert selbst erprobte Geheimnisse, wie man sich als moderater, regelmäßiger oder exzessiver Genießer alkoholischer Getränke über Wasser hält. Ein Buch ohne jede Bekehrungsabsicht. Mit Spezialtipps für Künstler, Manager, Lehrer, Stripper und Polizisten.

AUTORin Sandy Fawkes (1929 – 2005), Journalistin, war über 30 Jahre lang ein leuchtender Stern in den Pubs und Bars von Soho/ London. Sie war Stilikone, Kettenraucherin, vertrug enorme­Mengen Whiskey und war berüchtigt für ihre Launen.

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– Ehrlich! Nützlich! Skurril! – Erstmals ins Deutsche übersetzt – Ein Schatz aus der Truhe längst vergessener Bücher


Besonderes Buch

Nimm zwei!

Sabine Scholl Mein Alphabet der Männer — Ca. 13 x 21 cm Gebunden, Lederimitat, Farbschnitt Ca. 224 Seiten Ca. 16,99 EUR (D) / 17,50 EUR (A) / 24,50 SFR ISBN 978-3-8493-0067-8 WG 1112 Februar 2013

ISBN 978-3-8493-0067-8

9 783849 300678

S. 50 INHALT Die Dame nimmt sich einen Mann und hat Sex mit ihm, sie beginnt mit Andreas, landet bei Ralph 1 und 2, geht mit Thomas ins Bett und auch mit Uwe. Mein Alphabet der Männer­ verspricht schönste Pornografie von A bis Z, offline & online. Und für zukünftige Eroberungen bietet dieses elegante Adressbuch ausreichend Platz zum Selbsteintragen.

AUTORin Sabine Scholl nahm zuerst als Autorin und schließlich als Mitglied der Jury am »Ingeborg-Bachmann-Preis« in Klagenfurt teil. Sie lebte in Chicago, New York, Nagoya/Japan und ist heute freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr Werk umfasst Romane, Essays, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele.

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– Literarisches Geschenkbuch in hochwertiger Ausstattung für eine große Zielgruppe – Endlich ein lässiger Beitrag zum lustvollen Feminismus


Sachbuch

Eine prägnante Analyse unserer Kultur der Selbstinszenierung

Jens Bergmann ICH, ICH, ICH Wir inszenieren uns zu Tode — Ca. 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 228 Seiten 17,99 EUR (D) / 18,50 EUR (A) / 25,90 SFR ISBN 978-3-8493-0035-7 WG 1973 Februar 2013

ISBN 978-3-8493-0035-7

9 783849 300357

S. 26 INHALT Der Kampf um Aufmerksamkeit zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft. Wer das Spiel mit Image und Ich be­her­r scht, steht in der Öffentlichkeit. Wie funktioniert das? Warum machen so viele Menschen mit? Ein Buch als Spiegel unserer Gesellschaft.

AUTOR Jens Bergmann, Jahrgang 1964, seit 2008 Geschäftsführender Redakteur bei brand eins, seit 2001 Redakteur. Er arbeitete zuvor u. a. für Spiegel Reporter, Bild der Wissenschaft, Merian, Frank­f urter Allgemeine Sonntagszeitung.

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– Presseschwerpunkt – Veranstaltungen mit dem Autor – Hintergründe über das große Geschäft mit Prominenz, Publikum und Medienhypes


Sachbuch

Die Bibel für die Jünger des Pop

Max Dax, Anne Waak (Hrsg.) Spex Das Buch. 33 ¹⁄ ³ Jahre Pop — Ca. 16,5 x 24 cm Gebunden Ca. 464 Seiten 32 Seiten mit 4-farbigen Abbildungen 28,00 EUR (D) / 28,80 EUR (A) / 38,50 SFR ISBN 978-3-8493-0033-3 WG 1960 März 2013

ISBN 978-3-8493-0033-3

9 783849 300333

S. 20 INHALT Die besten Texte über Musik und Pop­ kultur aus über drei Jahrzehnten: Diedrich Diederichsen, Dietmar Dath, Clara Drechsler, Rainald Goetz, Christoph Gurk, Barbara Kirchner, Jutta Koether, Joachim Lottmann, Hans Nieswandt, Tobias Rapp, Klaus Theweleit u. a.

AUTOREN Max Dax, geboren 1969, war von 2006 bis 2010 Chefredakteur der Spex, jetzt Editor-in-chief von Electronic Beats in Berlin. Anne Waak, geboren 1982, lebt in Berlin. Als Journalistin schreibt sie u. a. für die Spex, Die Welt und Monopol.

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– Die erste Dokumentation über die relevanteste Zeitschrift für Popkultur – Marketing-Kooperation mit der Spex – Veranstaltungen


Sachbuch

»Wie rohes Fleisch …  nur wenige Popmusik-Bücher haben diese Qualität.« The Guardian

Peter Hook Unknown Pleasures Die Joy-Division-Story — Aus dem Englischen von Stephan Pörtner 14,5 x 21,5 cm Gebunden mit Schutzumschlag Ca. 320 Seiten mit ca. 30 4-farbigen Fotos 21,99 EUR (D) / 22,70 EUR (A) / 31,50 SFR ISBN 978-3-8493-0064-7 WG 1960 April 2013

ISBN 978-3-8493-0064-7

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S. 28 INHALT Die Story der New-Wave-Idole von der Gründung nach einem Sex Pistols-Konzert über die lange beschwerliche Zeit in verranzten Clubs, den tragischen Tod von Ian Curtis bis zur Gründung von New Order. Lebendige Musikgeschichte im O-Ton.

AUTOR Peter Hook, Gründungsmitglied und die schillerndste Figur von Joy Division und New Order. Seine besondere Art, Bass zu spielen, setzte Maßstäbe und beeinflusste Generationen von Musikern. 2010 veröffentlichte er The Hacienda. How not to run a club.

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– Das Buch über die Kult-Band, erzählt aus erster Hand – »Der bunteste und intimste Blick auf Joy Division, der jemals geschrieben wurde.« Mojo – »Wer Joy Division mag, muss dieses Buch lesen.« Q Magazine


Sachbuch

Wie viel Gigabyte hat mein Leben? – Wenn Menschen nach Zahlen leben.

Christian Grasse, Ariane Greiner Mein digitales Ich Wie die Vermessung des Selbst unser Leben verändert und was wir darüber wissen müssen — Ca. 12,5 x 20,5 cm Broschur Ca. 176 Seiten 15,99 EUR (D) / 16,50 EUR (A) / 22,90 SFR ISBN 978-3-8493-0037-1 WG 1973 Mai 2013

ISBN 978-3-8493-0037-1

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S. 14 INHALT Mit digitaler Technik ist der Mensch vermessbar wie noch nie. Das Smartphone wird zum Körperteil, Apps steuern unser Verhalten, Netz und Körper werden eins. Ein Buch über die Konsequenzen der digitalen Selbstvermessung für uns und unsere Gesellschaft.

AUTORen Christian Grasse, freier Journalist in Berlin. Schwerpunkte: Netz, Technologie, Kultur und Gesellschaft. Beiträge u. a. für Deutschlandradio Kultur, RBB, ByteFM. Ariane Greiner, freie Journalistin in Berlin. Beiträge für diverse Online- und Printmedien .

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– Das erste Buch über digitale Selbstvermessung – Ein Science-Fiction-Buch, das echt ist und in der Jetzt-Zeit spielt – Hintergründe über den Trend »Quantified-self«


Schweiz Buchzentrum AG Industriestrasse Ost 10 CH-4614 Hägendorf Tel. 062-209 26 26 Fax 062-209 26 27 kundendienst@buchzentrum.ch

Bayern PLZ Teil 63, Teil 56, Teil 65, Mainz Christoph Löblein Beethovenstraße 2 91413 Neustadt/Aisch Tel. 09161-87 46 85 Fax 09161-87 46 86 loeblein@vbmv.de

Vertrieb durch VBMV – Vereinigte Berliner Medien Vertriebsgesellschaft mbh & Co. KG Prinzenstraße 85 D 10969 Berlin Tel. 030-63 96 62-620 Fax 030-63 96 62-699 vertrieb@vbmv.de www.vbmv.de Metrolit Verlag GmbH & Co. KG Prinzenstraße 85 10969 Berlin Tel. 030-28 394-0 Fax 030-28 394-100 info@metrolit.de www.metrolit.de

Geschäftsführung Sabine Kahl 030-63 96 62-621, kahl@vbmv.de Vertriebsleitung Andreas Krauß 030-63 96 62-622, krauss@vbmv.de

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Key Account Stephan Mehner 030-63 96 62-625, mehner@vbmv.de

Verlagsleitung Tom Erben -188

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Verkaufsleitung Sabine Maier 030-63 96 62-666, maier@vbmv.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Veranstaltungen Marie Claire Lukas -220 lukas@metrolit.de

Kundenbetreuung Bettina Senf 030-63 96 62-641, senf@vbmv.de

Herstellung Katrin Jacobsen jacobsen@aufbau-verlag.de

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Schleswig-Holstein / Hamburg / Bremen / Niedersachsen PLZ 34, PLZ 37 Andrea Ribbers Weidenallee 51 20357 Hamburg Tel. 040-57 05 02 7 Fax 040-57 19 39 58 ribbers@vbmv.de

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Berlin / Brandenburg (Nord) / Sachsen-Anhalt (Nord) / Mecklenburg-Vorpommern Gerd Püschel Verlagsvertretung Christburger Straße 1 10405 Berlin Tel. und Fax 030-44 15 77 0 pueschel.verlagsbureau@gmx.de

Für Postleitzahlengebiete 0, 1 Annett Brückner, Tel. 05241-80 40 39 6 Für Postleitzahlengebiete 2, 3 Christel Linnemann, Tel. 05241-80 40 39 5 Für Postleitzahlengebiete 4, 5 Agnes Ottensmann, Tel. 05241-80 88 53 0 Für Postleitzahlengebiete 6, 7 Karin Wittenborg, Tel. 05241-80 14 58 Für Postleitzahlengebiete 8, 9 Annette Reineke, Tel. 05241-80 89 09 7

Brandenburg (Süd) / Sachsen / Sachsen-Anhalt (Süd) / Thüringen PLZ Teil 35, 60, 61 Teil 63 und Offenbach, Teil 65 Lothar Bader Schandauer Straße 25 01277 Dresden Tel. 0351-31 79 05 0 Fax 0351-31 79 04 8 bader@vbmv.de

Österreich MOHR MORAWA Buchvertrieb Gesellschaft mbH Postfach 260 A-1101 Wien Tel. 01-68 01 4-0 Fax 01-68 87 13 0 bestellung@mohrmorawa.at

Nordrhein-Westfalen / Luxemburg PLZ 54, 56 Markus Köchner Weiermühle 1 54597 Duppach Tel. 06558-93 61 00 Fax 06558-93 61 00 koechner@vbmv.de

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HERAUSGEBER Metrolit Verlag GmbH & Co. KG PROJEKTLEITUNG Lars Birken-Bertsch REDAKTION UND KONZEPT Nansen & Piccard REDAKTIONSLEITUNG Paul-Philipp Hanske AUTOREN Tobias Moorstedt, Benedikt Sarreiter, Jakob Schrenk KONZEPT UND KREATION Meiré und Meiré Fotografie S. 4 – 7 © The Bloggess S. 9 © Nadine Redlich S. 12 © Isak Hoffmeyer/Gyldendal S. 15 © DIZ Dokumentations- und Informations Zentrum München GmbH S. 16 © T. A. Rector/University of Alaska Anchorage, H. Schweiker / WIYN and NOAO / AURA/NSF S. 20 – 25 © SPEX / piranha media GmbH S. 69 @ Peter Hook, Privatsammlung S. 30 – 33 © Derf Backderf S. 34 – 35 © Danielle de Picotto S. 36 – 39 © Helmut Wietz S. 41, Cover © Corbis S. 42 – 45 @ David Rees S. 46 – 47 © Max Kersting S. 48 © Studio Grau S. 72 – 73 © Ollanski DRUCK Königsdruck, Berlin STAND November 2012


Introduce Sechs erfahrene Büchermenschen, Tausende Manuskriptseiten, ebenso viele Tassen Kaffee, eine Mission: Das Metrolit-Team tritt an, um die Bücher zu veröffentlichen, die man bisher auf dem deutschen Markt vermisst hat.

Metrolit ist für mich ein aufbruch gegen den strom …

Metrolit ist für mich Verlag 7.0 So kam ich in die Buchbranche: Eigentlich wollte ich immer Kunstbuchhändler werden. Da das nicht geklappt hat, habe ich in einer Unibuchhandlung gelernt, dann Praktikum im Verlag, später auch eigener Verlag ...

METROLIT ist für mich das Brennglas, wo sich Trend und Pop, Relevanz und ­Entertainment bündeln

Life-changing Leseerfahrung: Das wusste ich mal mit 18 ... Diese Seite ist bei mir am Rechner ständig offen: www.bookcoverarchive.com – Ein ameri­ kanisches Online-Archiv für Buchcover und deren Gestalter.

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So kam ich in die Buchbranche: Als Buchhändler in einer Werbeagentur, der in den Verlag zurückkehrt – so wurde meine Leidenschaft für das Büchermachen geboren ...  

So entdecke ich spannende neue Literatur: Gespräche, im Austausch. Nachtschichten überstehe ich ... Nur im Team. Schönstes Zitat aus dem aktuellen METROLIT-Programm: Helmut Wietz, Der Tod von Adorno: »Lass uns erstmal tanken.«

Diese Romanfigur wäre ich gerne: Kurt Tucholsky höchstpersönlich.

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So kam ich in die Buchbranche: Eigentlich zufällig ... Nach dem PolitologieStudium habe ich ein Praktikum bei einem Sachbuchverlag absolviert. Danach wollte ich nicht mehr weg. Diese Romanfigur wäre ich gerne: Viele gute Romane enden tragisch. Lassen wir das lieber ...

Wichtigstes Arbeitstool: Die Gitarre. Diese Musik läuft, wenn es gerade gut läuft: Zur Zeit eigentlich nur ZAZ und João Gilberto.

Life-changing Leseerfahrung: Karl Marx: Das Kapital (Band 1) – »C1 + V + M = C2« Diese Musik läuft, wenn es gerade stressig ist: Melvins: Ozma.

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Nachtschichten überstehe ich so: Um 9 Uhr abends kann ein Bier weiterhelfen.


Metrolit Metrolit ist für mich GroSSartiger Wahnsinn mit Erfolgsaussichten

Metrolit ist für mich die einmalige Chance, WALDE + GRAF weiterzuentwickeln METROLIT ist für mich Mit Sicherheit bald eine Berliner Institution. So kam ich in die Buchbranche: Das habe ich mir ganz am Anfang meines Studiums so ausgedacht, ohne wirklich zu wissen, was das bedeutet ... und dann war es wie mit Spurrillen.

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So kam ich in die Buchbranche: Dafür verantwortlich waren ein Missver­ ständnis romantischer Natur und meine gute Erziehung. Life-changing Leseerfahrung: Heinz G. Konsalik, »Der Dschunkendoktor«, Zitat: »Aus heiterem Himmel fielen Menschen in eine Art Hypnose«, und E. M. Cioran, Zitat: Eigentlich alles, kurz: »Sein heißt in der Klemme sein.« Warum: Wirkte entlastend.

Life-changing Leseerfahrung: Dr. Oetker, »Backen macht Freude«. Zitat: »Man kann Apfelkuchen sehr fein auch mit Kirschen zubereiten.« So entdecke ich spannende neue Literatur: Das Lawinenverfahren: Ich gucke in jedes Regal, befrage jeden, lese jede Empfehlung und es bleibt ein riesiger, nie zu bewältigender Berg. Diese Musik läuft, wenn es gerade stressig ist / wenn es gut läuft In beiden Fällen: Vicky Leandros, »Ich liebe das Leben«. Das hat irgendetwas mit meiner Heimatstadt Köln zu tun.

Diese Seite ist bei mir am Rechner ständig offen: dict.cc So entdecke ich spannende neue Literatur: Lesend: online und offline.

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So kam ich in die Buchbranche: Lesen gelernt – Lesen lieben gelernt – irgendwann eine Literaturzeitschrift gegründet und herausgegeben, um irgendwann endlich selbst einen Verlag zu gründen ... Diese Romanfigur wäre ich gerne: Rameaus Neffe, von Diderot. Er, Neffe des berühmten Musikers Jean-Philippe Rameau, ist ein Schnorrer an den Tischen der Reichen, die er mit Witz, geistreichen Bemerkungen, philosophischen Absurditäten und Beschimpfungen unterhält. Life-changing Leseerfahrung: J. D. Salinger, »The Catcher in the Rye«: »Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen.«

Wichtigstes Arbeitstool: Wasser und Taschenrechner.

Diese Musik läuft, wenn es gerade stressig ist: Amon Tobin / wenn es gut läuft: Holly Golightly.

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Diese Seite ist bei mir am Rechner ständig offen: Die Bildergalerie auf der offiziellen Website der Demokratischen Volksrepublik Korea: http://www.korea-dpr.com/gallery.html.


Ihre Ansprechpartner im Verlag finden Sie auf Seite 71. Metrolit Verlag GmbH & Co. KG, PrinzenstraĂ&#x;e 85, 10969 Berlin


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