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A A-SCHREIEN; das *ca. 1863 †1908

Ab ca. 1863 bis 1908 fanden in allen europäischen Staaten sowie in Australien Meisterschaften im ASchreien statt. Ursprünglich war diese Sportart für alle Buchstaben des Alphabets gedacht, nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen blieb es aber in allen Ländern beim A. Auf einer Strecke von 5270 Metern (Achtelmarathon) wurde alle zehn Meter ein Horcher platziert. Auf diese Weise konnte festgestellt werden, wie weit der Schall des gerufenen A’s erklang. Gute A-Schreier brachten es auf 4300 bis 4500 Meter. Absoluter Meister war am 8. April 1908 Albert Anker (nicht der Maler) mit 5180 Metern, bei den Frauen siegte die Isländerin Aanti Aldisröff mit 5001 Metern. Leider waren die Meisterschaften zu personalintensiv und wurden deshalb nach Ankers Rekord fallen gelassen. hg

AUSDRUCKS-KLIPPENSPRINGEN; das (High Diving) *1973 †1998

Nur wenige wissen, dass das heute bekannte Klippenspringen auf eine freie Form dieser Extremsportart zurückgeht, die in den frühen Siebzigerjahren von kalifornischen Hippies in Mexiko entwickelt wurde. In Acapulco hatten sie beobachtet, wie sich einheimische Perlentaucher von den 26 Meter hohen Quebrada-Felsen ins Meer stürzten, um von den Touristen ein paar Pesos zu ergattern. Die Hip-


John John: Fast Photography. Lesson 2: The Challenge of High Diving, Top Sport Publishers, Niagara Falls 1994

pies übernahmen die Idee, ersetzten die konventionellen Kopf- oder Embryosprünge der Mexikaner indes durch eine frei gestaltete Abfolge von «Paintures», wie sie die einzelnen Figuren nannten. Nachdem sich das Ausdrucks-Klippenspringen – oder «High Diving», wie das Klippenspringen zum Teil bis heute genannt wird – unter den kalifornischen Hippies schnell verbreitet hatte, fand im Sommer 1973 bei den Quebrada-Felsen der erste informelle Wettbewerb unter dem Leitmotiv statt: «Turn on your mind. Tune in with the sea. Drop out to the waters.» Dem Aufruf folgten, heißt es, gegen 180 Hippies, wobei vor allem die bekannte Band The Grateful Dead mit ihrem Kollektivsprung «Through the Transitive Nightfall of Diamonds» für Aufsehen gesorgt haben soll. Sieger wurde ein gewisser Stan Archibald Myers mit seinem Einzelsprung «In Touch with the Tides of the Orgasm», den er in späteren Jahren mit wechselnden Partnerinnen als Doppelsprung perfektionierte. Der «Annual Acapulco High Diving Splash – Three Days of Love, Freedom and Celebrating the Powers of the Ocean» entwickelte sich bis in die Achtzigerjahre zu einem beliebten, zuletzt von über 2500 Hippies besuchten Sommerfestival mit Musik, freiem Sex und immer ausgefalleneren Sprüngen. Der Niedergang trat nach 1985 ein, als eine Kommune, die sich The Piggies nannte, in ihrem Sprung «Surfin’ USA» die Manson-Morde nachsprang und mit diesem virtuosen, aber höchst provokativen Taucher den Gruppenwettbewerb für sich entschied. Mit freiem Körperausdruck habe das nichts mehr zu tun, fanden vor allem Springerinnen, und es kam zur folgenschweren Spaltung des organisierenden Verbandes. Wäh-


rend die eine Hälfte der High Divers nun begann, den Sport zu professionalisieren und zum heute bekannten Klippenspringen (Cliff Diving) weiterzuentwickeln, verloren sich die Spuren der so genannten High oder Free Divers nach und nach. Der letzte «Splash» in Acapulco fand im Sommer 1998 statt. Besonders tragisch: Sein erster Sieger Stan Archibald Myers kam bei seinem Sprung «Two Suns in the Sunset» zusammen mit seiner Sprungpartnerin Rainbow ums Leben. cf

B BALDEGGER HOSTIENLAUF; der *1943 †1962

Der Baldegger Hostienlauf geht auf eine Begebenheit im Oktober 1943 zurück. In den Kriegszeiten war das Hostienmehl knapp, und immer wieder kam es vor, dass vor allem in ländlichen Gegenden am Sonntag vor der Frühmesse in den Kirchen zu wenig Hostien (lat. hostia = Opfertier, Schlachtopfer) vorrätig waren. Besonders prekär war die Lage an jenem Sonntagmorgen rund um das Kloster im luzernischen Baldegg: Aus den Kirchen der umliegenden Dörfer und Weiler Hochdorf, Hohenrain und Urswil kam die Nachricht, der Hostienvorrat sei aufgebraucht. So lief im Kloster Baldegg gleich nach der Morgenandacht, also kurz vor fünf Uhr, Sr. Cäcilia mit einem Korb frisch gebackener Hostien los – und es gelang ihr, sämtliche Kirchen noch vor Beginn der Frühmesse zu versorgen.


Br. Alphonse: Das Rennen mit Gott. Glaubensbekenntnisse. Matthäus Verlag, Einsiedeln 1952 Fred Münster: Der andere Thron. Kritische Ausgabe zu den Sport-Enzykliken, Mekka 1995

Im Gedenken an diesen Effort wurde in den folgenden Jahren an jedem dritten Sonntag im Oktober der Cäcilienlauf durchgeführt, der ab 1945 freilich nur noch Baldegger Hostienlauf – oder kurz: der Baldegger – genannt wurde. Die Strecke führte über 24,6 Kilometer von Baldegg hinauf nach Hohenrain, dann nach Urswil, Hochdorf und zurück nach Baldegg; die Läuferinnen und Läufer liefen in Habit und Sandalen und trugen einen Korb mit Hostien bei sich, der schon bei der zweiten Austragung aus praktischen Gründen durch einen auf den Rücken geschnallten Brotsack ersetzt wurde. Den «Lauf der Brüder» dominierten in den ersten Jahren die zähen Einsiedler Mönche, bis ab 1948 Bruder Alphonse aus der kenianischen Mission eine nie mehr erreichte Serie von acht aufeinanderfolgenden Siegen gelang. Im «Lauf der Schwestern» war Sr. Cäcilia – nicht zuletzt dank des Heimvorteils – noch jahrelang kaum zu schlagen, während im Lauf der Gemeinschaften die Franziskaner aus Disentis als mehr oder weniger unbezwingbar galten. Die Dominanz der Bündner wird heute allgemein der Tatsache zugeschrieben, dass sie in der Höhe trainieren konnten, oder, wie sie jeweils selber sagten, «näher beim Himmel». Das Ende des Baldegger Hostienlaufs kam 1962, als Sr. Cäcilia, die seit 1955 nicht mehr selber gelaufen war, nach einem erfüllten Leben und nur vier Tage nach dem letzten «Baldegger» friedlich in ihrer Klause eingeschlafen war. Die Idee des Gemeindepräsidenten, den Baldegger als Waffenlauf in die Zukunft zu führen, scheiterte am Veto des Bischofs. cf


BERGBAUERNWEITWURF; der *1792 †ca. 1870

Arnold Amstutz: ... und dass die Bergbuoren flügen – der Bergbauernweitwurf unter sporthistorischen Gesichtspunkten, in: Volkskundliche Zeitschrift der Schweiz, 5/1976, S. 7-32

Aus der ländlichen Schweiz des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist der Sport des Bergbauernweitwurfs überliefert. Der Sport, so berichten zeitgenössische Quellen, beruhte auf dem verbreiteten Aberglauben der Bergbevölkerung. Stürzte eine Kuh über eine Felsklippe, glaubten die Bauern, dass Gott sich gegen sie und ihre Herde verschworen hatte. Als Zeichen der Demut vor der göttlichen Macht warf man den verantwortlichen Bergbauern eine möglichst steile Weide hinunter, um den göttlichen Bann zu brechen. Gebrochen waren aber dann meist die Knochen des Bergbauern. Aus diesem Aberglauben entwickelte sich die Sportart des Bergbauernweitwurfes. In einer Bergregion wurde der leichteste und kleinste Bergbauer dazu auserkoren, geworfen zu werden. Als Werfer wurden die zwei stärksten Bergbauern ausgewählt. Dieses Dreierteam trat gegen Dreierteams aus anderen Regionen an. Anstatt auf einer abfallenden Weide landete der Bergbauer im Heu, das man auf dem Boden ausstreute. Man unterschied beim Werfen die Quer- und Längstechnik: Bei der Quertechnik wurde der Bergbauer vom einen Werfer an den Händen, vom anderen an den Beinen gehalten; bei der Längstechnik flog er kopfvoran. Der weiteste überlieferte Wurf gelang am 8. August 1793 einem Team aus dem Urnerischen Maderanertal. Der Bergbauer Luzius Kalbermatten soll, mit Quertechnik geworfen, 11,27 Meter weit geflogen sein. Mit dem Aufkommen der Viehversicherung und später der Bergbauernsubventionen verschwand sowohl der Aberglaube als auch der


Sport des Bergbauernweitwurfs. Ob das Stossen des Unspunnensteins oder der ➔ Hasenwurf mit dem Brauch zusammenhängen, ist in volkskundlichen Kreisen bis heute umstritten. rs

C CHLAPFETE; die *1529 †ca. 1531

Gregorius Adelphus: Enchiridion oder Handbüchlein eines christenlichen und ritterlichen Streiters, Basel 1531 Leonard Spalatinus: Enchiridion oder Handtbuchlein eins waren christlichen und strytbarlichen Lebens, Basel 1535

Auf Anraten des Humanisten Erasmus von Rotterdam tauchte die Chlapfete erstmals 1529 in Basel auf. Die nach den Marburger Religionsgesprächen aufs heftigste zerstrittenen Reformatoren erhielten in von der Theologischen Fakultät der Universität Basel zur Verfügung gestellten Räumen die Möglichkeit, sich während einer Stunde zu ohrfeigen. Mittels kathartischer Wirkung sollten die Glaubensparteien, insbesondere in der Frage um die Eucharistie, befriedet werden. Bis heute streiten sich die Sporthistoriker darüber, ob es sich tatsächlich um eine Sportart handelt, weil am Ende der Chlapfeten jeweils alle oder niemand als Sieger hervorging. ef

CHOREOGRAFIERT ABSTÜRZEN; das *1958 †1972

Historisch interessierte Alpinisten trafen sich von 1958 bis 1972 alle zwei Jahre, um den berühmten Absturz am Finsteraarhorn von 1894 nachzustellen. Teams aus aller Welt versuchten


bei diesen Zusammenkünften das Unglück den Überlieferungen gemäss und möglichst spektakulär nachzuspielen. Das Publikum sass auf einer Tribüne unterhalb der mit Scheinwerfern beleuchteten Felswand. Da sich der legendäre Absturz in der Nacht zugetragen hatte, fand auch der Wettkampf nach Einbruch der Dunkelheit statt. Die verirrte Gruppe um Baron Lindsay mit je drei Schweizern und drei Engländern hatte sich damals bereits beim Aufstieg verschätzt und war den Abstieg erst kurz vor Sonnenuntergang angegangen. Es gab zwar keine Überlebenden, doch waren die Abstürze beobachtet worden, begünstigt durch die helle Mondnacht. Mehrere Zeugen hielten das Gesehene später schriftlich fest. Die Berichte unterscheiden sich jedoch erheblich, nur bei wenigen Fakten waren sich alle einig. So beispielsweise beim Umstand, dass nicht alle gleichzeitig abgestürzt waren, sondern dass die sieben Bergsteiger gestaffelt aus der Wand fielen. Alle sieben hingen am selben Seil und stürzten nach und nach in den Abgrund. Als Auslöser galten Seilrisse. Ob das Seil zu sehr strapaziert worden war oder ob es sich am Fels durchgerieben hatte, war damals nicht untersucht worden und ist heute nicht mehr zu rekonstruieren. Bei den Zusammenkünften der Alpinisten boten die unterschiedlichen Berichte vielfältige Umsetzungsmöglichkeiten. Jedes Jahr gaben die Veranstalter eine andere Version vor, und die Teilnehmergruppen versuchten, sie möglichst detailgetreu nachzuspielen. Sie waren mit dünnen Seilen gesichert, welche schwarz-grau eingefärbt wurden, damit sie optisch nicht von der Felswand zu unterscheiden waren. Das histori-


sche Seil war sehr hell und dicker als das Originalseil. So konnte das Publikum die Risse besser beobachten. Das Seil wurde vorher präpariert, damit die Risse genau im erwünschten Moment ausgelöst werden konnten. Die Darsteller fielen dann schreiend aus der Wand in die Tiefe. Dort fing sie das Sicherungsseil ausserhalb der beleuchteten Fläche auf. Besonderen Wert legte man auf die historisch korrekte Kostümierung und Ausrüstung. Viele Teilnehmer liessen sich Bärte und Schnäuze im Stil der Bergsteiger von 1894 wachsen. Der lokale Fremdenverkehrsverein hatte schon länger gegen den Anlass opponiert, da er die Gefahren des Bergsteigens zelebriere und abschreckend wirke. So kam den Behörden der tödliche Unfall in einer neuseeländischen Gruppe 1972 gerade recht, um die öffentliche Meinung gegen das Spektakel aufzuheizen und auf der politischen Ebene ein Verbot zu erwirken. Die unentwegtesten Alpinisten versuchten, sich der Hippie-Sportart ➔ Ausdrucks-Klippenspringen anzuschliessen, mussten aber feststellen, dass es Bärte und Bärte gibt. mk

CHRISTEN GEGEN LÖWEN; die *ca. 400 v. Chr. †ca. 100 n. Chr.

Ein beliebtes Wochenend-Spektakel im Alten Rom waren bekanntlich die Begegnungen zwischen Christen und Löwen im Circus Maximus. Zwischen Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen platziert, entwickelten sie sich rasch zum heimlichen Favoriten im Programm: Die Christen wurden auf der einen Seite in das riesige Oval ge-


trieben, die Löwen auf der anderen. Bei geringem Aushungerungsstand der Löwen ereignete sich manchmal länger nichts, da sich die Löwen zuerst an die neue Umgebung und an das Publikum gewöhnen mussten. Das mussten zwar auch die Christen, doch war dies weniger spielbestimmend, weil stets die Löwen das Zepter in die Hand nahmen und den Spielverlauf diktierten. Waren die Löwen also nicht hungrig, kam es zuerst zu einem Beschnuppern und Abtasten des Gegners. Erst nach und nach entwickelten sich aus ersten Scharmützeln ernst zu nehmende Angriffe. Manchmal hungerten spektakelfreudige Käfigknechte die Löwen monatelang mit Wasser und Salat aus. Erspähten die Löwen dann die Christen in der Arena, spurteten sie augenblicklich los und rissen diese in Stücke. Dabei waren mitunter auch schöne Sprünge zu beobachten. Es gab aber auch christliche Teilerfolge zu vermelden: Jolanda die Fromme, später durch Papst Hans selig gesprochen, habe im Jahr 98 n. Chr. einen Löwen sozusagen bekehrt. Der Löwe Ajax aus Nubien, bislang ein Publikumsliebling, war von der unerschrocken auf ihn zuschreitenden Jolanda sichtlich beeindruckt. Er kniete unterwürfig vor ihr nieder und lauschte ihren Worten. Beim abschliessenden Segen habe ihm Jolanda sogar die Hand auf den Kopf gelegt und sei darauf unversehrt von dannen geschritten. Allerdings berichteten Kenner der Szene, Ajax sei an diesem Tag ausserordentlich satt gewesen, weil er zuvor im Kabinengang versehentlich falsch eingeschleust worden war und so noch rasch während des Auflaufens drei übergewichtige Christenkinder aus Kreta hatte verspeisen können. mk


CROSS-SKATE; das *†1958

Die zwei Viererteams, die am 2. August 1958 zum «First Arctic Cross-Skate Cup» antraten, sind bis heute verschollen, weshalb es auch zu keiner weiteren Austragung gekommen ist. cf

E EXTREMPILGERING; das

➔ Pilgering

EXTREMSCHACH; das *1999 †2001

Eine kleine internationale Gruppe von Physikern erfand anlässlich eines Kongresses im tschechischen Karlstadt vom 18. bis 20. März 1999 – wie man sich erzählt beim Morgenkaffee – das Extremschach. Die Kontrahenten spielten zwar mit den herkömmlichen Schachfiguren, nicht aber auf einem Schachbrett, sondern in einem zwölfdimensionalen, mit einem Großrechner simulierten Schach-«Raum». 2001 fanden in Irkutsk die ersten und letzten Weltmeisterschaften statt. Der Final zwischen dem Russen Vladimir Karuso und dem hoch überlegenen Engländer Sir John Mills musste abgebrochen werden, nachdem sich Letzterer mit den Worten, er fühle sich etwas matt, hatte hinlegen müssen. Was freilich niemanden erstaunte, weil Mills zuvor nicht weniger als 28 Züge vorausberechnet hatte. Er lebt


heute in einem Sanatorium in seiner Heimat in Sussex und soll am Frühstückstisch bei Gelegenheit davon sprechen, das Extremschach zum Breitensport zu popularisieren. Bisher ist es aber nicht dazu gekommen. cf

F FOULEINWURF; der *1906 †1918

Im heutigen Fußball ist es eine Selbstverständlichkeit: Ein Seiteneinwurf muss mit beiden Füssen am Boden und mit beiden Händen am Ball über den Kopf hinweg ausgeführt werden. Das war nicht immer so. In den frühesten Regelwerken (England: 1863; Deutschland: 1874) taucht der Einwurf noch gar nicht auf. Die Einwürfe wurden je nach Spieler und Wurf anders ausgeführt, und jedes Team verfügte über mindestens einen Spezialisten, der mit kreativen, fintenreichen Einwurfvarianten die Gegner zu überraschen versuchte. Erst 1905 begründete die Football Association die heute noch gültige Einwurfregel. Der Anlass dafür ist heute nahezu vergessen: Der Linksaußen John Kirkpatrik hatte im Sommer 1904 ein hart umkämpftes Stadtrivalenderby zwischen Liverpool-Uptown und den Dock Kickers mit einem Einwurf, der von seinem Stürmerkollegen nur noch leicht ins Tor der Dock Kickers abgelenkt wurde, entschieden und mit diesem umstrittenen Wurf in den Straßen des Hafenviertels tage-


Jeremy Adams: Footnotes on Football. Lost Causes and Long Gone Losers. Gascoigne Books, London 1986

lange Straßenschlachten ausgelöst (unter dem Titel «The Eastdock Riots» gingen sie in die Stadtgeschichte ein). Die freien Einwürfe galten fortan als «Fouleinwurf» und wurden verboten. Kirkpatrik stellte sich sogleich an die Spitze einer Bewegung, die den freien Einwurf retten wollte. In einem Vorort von Liverpool organisierte er mit Freunden schon im Sommer 1906 die erste Fouleinwurf-Meisterschaft, die in zwei Kategorien gespielt wurde: Im Einzelwettkampf wurde nicht nur die Präzision eines Wurfs bewertet, sondern auch die Eleganz und Virtuosität seiner Ausführung. Im Teamwettkampf versuchte ein Team, den Ball seines Werfers gegen die Abwehr einer zweiten Mannschaft in höchstens drei Ballberührungen ins Tor zu bringen. In den folgenden Jahren wurde der Fouleinwurf von immer mehr Amateuren zu virtuoser Blüte gebracht, es wurden Einwürfe mit Überschlägen und erstaunlichen Bendings (Effets) gezeigt, und der neue Sport verbreitete sich bis in die Vorstädte von London. Ab 1914 wurde allerdings fast jeder zweite organisierte Fouleinwerfer in den Kriegsdienst eingezogen, und es zeigte sich bald, dass die Spielerbasis noch zu dünn war, damit der Sport hätte überleben können. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Fouleinwurf sehr schnell in Vergessenheit. Außer natürlich im Fußball, wo er in einer stark verkümmerten Variante gelegentlich noch gezeigt (und leider sofort geahndet) wird. cf

FREE DIVING; das

➔ Ausdrucks-Klippenspringen


FUSSBALL IM MITTELALTER; der *ca. 1186 †ca. 1353

http://de.fifa.com/ classicfootball/index.html

Eine frühe Form von Fussball bestand darin, nach geschlagenen Schlachten die Köpfe der Gegner herumzukicken. Mit Hellebarden wurden die Tore markiert und die Spiele dauerten jeweils bis Sonnenuntergang. Jeder Kopf kam nur einmal zum Einsatz und wurde nach der Unterbringung im gegnerischen Tor zwecks Darstellung des Zwischenstandes beim eigenen Tor auf einen Speer gespiesst. Diese Urform des Fussballs, obwohl historisch einwandfrei bewiesen, wird von der FIFA bis heute hartnäckig bestritten mk

G GRÄNNET; das *ca. 1768 †unbekannt Anton Segesser: Historische Beschreibung der Stadt Bern und ihrer Umgebungen, mit Rückblicken auf ihre früheren Zustände, nebst einer BernerChronik. Bern 1892. Ebenso wird das Grännet im Briefwechsel zwischen Julie Bondeli und Jean-Jacques Rousseau 1764 erwähnt. Vgl. Handschriftliche Bestände des Staatsarchivs Bern.

Das Grännet war ein Wettkampf im Fratzenschneiden. Es tauchte im späten 18. Jahrhundert in den literarischen Salons von Herrenschwanden auf. ef

GRUß VOM MAGEN; der

➔ Weitwurf


Das «Lexikon der ausgestorbenen Sportarten» versammelt witzige, grausame, exotische und absurde Sportarten, die leider von uns gegangen sind. Aus dem Inhalt: A-Schreien, Ausdrucks-Klippenspringen, Baldegger Hostienlauf, Bergbauernweitwurf, Chlapfete, Choreografiert Abstürzen, Christen gegen Löwen, Cross-Skate, Extremschach, Fouleinwurf, Fußball im Mittelalter, Grännet, Güllen-Cup, Handjagd, Hasenwurf, Hundsohrenreißen, Kampfjodeln, Kampfsammeln, Käsetechet, Katzenstrecken, Kunstschnellführung, Limpracing, Lollypoplutschen, Mammut-Springreiten, No-Go, Ochsenlupfen, Ökumenischer Zehnkampf, Orientierungssaufen, Petit Point, Pig Digg’n, Pilgering, Schmähschach, Spaltensprung, Synchron Hornussen, Wass’hali bal’i tai, Weitwurf, Wettkampf-Häuserbesetzen.

Lexikon der ausgestorbenen Sportarten  

Der gesunde Menschenversand, 2008

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