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Fertig lustig Sibylle Berg

Die erste Reaktion auf das Rauchverbot in öffentlichen Lokalen war auch bei mir ein freudiger Tanz in Erwartung von Cafés, in die man auch im Winter wieder gehen kann, Restaurantbesuche, ohne danach seine ­Trikotagen auf den Balkon hängen zu müssen, schnell in eine Bar, einen ­ziehen ohne Atemprobleme. Wunderbar. Rauchen wirkt ja so unglaublich 80, so überholt und assozial. Selbstgerecht murmelte ich: jaja, da habt ihrs, bis ich mich auf einmal fragte, wer raucht eigentlich? Und warum und wo und wie? Die meisten Menschen rauchen nach der Arbeit in einem Büro, in dem sie nicht rauchen dürfen. Letztlich lässt sich so ein Leben als Sklave auch ­benebelt etwas besser ertragen. Sie ­reden sich ein, ihre Arbeit zu mögen, die Menschen, was sollen sie sich auch bitteschön sagen? Ich bin erwachsen und muss über fünf Minuten zu spät kommend Rechenschaft ablegen, ich muss mir die Dauer meiner Pause vorschreiben lassen, ich bin unmündig und unabhängig, ich bin der Verlierer in einem Klassenkampf, der noch nicht einmal mehr so heisst? Nix da, der grosse Betrug des Kapitalismus heisst Leistungsgesellschaft und selbstbestimmtes Arbeiten, Produktivität, Effektivität. Und sind doch die meisten nur arme ausgebeutete Hunde, die ihre Firma punkt 18 Uhr verlassen dürfen, und dann wollen sie verdammt noch mal ein Bier und eine Zigarette und nicht auch dann noch Vorschriften in dem letzten kleinen Winkel, den ihr Leben ohne Aufsicht hat. Was sollen sie denn jetzt machen, ohne diese Minisucht? Marathon laufen gehen, um noch mehr zu hirnlosen Arbeitsrobotern zu werden? Das ist doch alles ein trauriger Quatsch. Lasst den Menschen ihren kleinen Rausch, ihre Bar, ihre Kneipe an der Ecke und das Gefühl der Freiheit für eine halbe Stunde am Tag. In der Kolumne «bergblick» erklärt uns ­Sibylle Berg jeden Samstag die Welt. baz.kulturmagazin. Das Kultur- und Freizeitmagazin der Basler Zeitung, Aeschenplatz 7, Postfach, 4002 Basel Tel. 061 639 11 11, E-Mail redaktion@baz.ch Frontbild: Prinz Karim Aga Khan IV., geistliches Oberhaupt der Ismaeliten. Foto Ullstein Bild

Swiss America Amerikanische Schweiz

FRUTIGEN/EUREKA SPRINGS. Früher hat der White-Sattelschlepper

in den USA Pferde transportiert. In der Schweiz wirbt er als Show-Truck für das Bier aus Milwaukee. Als «Little Switzerland of the Ozarks» wirbt die Ferienregion in Arkansas hingegen für sich selbst. Die Vermischung von schweizerischen und bayerischen Klischees ist in Amerika gang und gäbe. Sto

An dieser Stelle zeigen wir im US-Wahljahr 2008 jeden Samstag Bildpaare zum schweizerisch-amerikanischen Verhältnis. Eingefangen hat sie der Fotograf und DRS-3-Musikredaktor Geri Stocker in den vergangenen sieben Jahren.

nachrichten finanzkrise Hollywood-Tell kann nicht finanziert werden LUZERN. Der stürmische Wind an den Börsen hat die von Hollywood geplante Verfilmung des Willhelm-Tell-Stoffes erfasst. Das Projekt wurde wegen der Finanzkrise auf Eis gelegt. Die Dreharbeiten hätten im März 2009 in der Zentralschweiz beginnen sollen, die Premiere war für 2010 vorgesehen. Im Moment sei der Film

nicht finanziert, bestätigte Urban Frye, Direktor der Rose d’Or, einen Bericht des «Boten der Urschweiz». Als Regisseur von «The Adventures of William Tell», das von Fred Caruso («Blue Velvet», «The Rat Pack», «The Godfather») und D. Constantine Conte produziert werden soll, konnte Ian Tell. Fred Caruso und Kiera Chaplin, Quinn gewonnen werden. sda die Tells Frau spielen soll. Foto Keystone

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