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Der böse Blog Nehmen wir mal an, Sie sind Kunde einer Firma, deren Chef Sie gut kennen und mit dem Sie auch auf facebook befreundet sind. Noch. Denn genau das kann der Grund sein, um die Freundschaft wirklich nur noch auf´s Digitale zu begrenzen. Wenn überhaupt. Sie stellen nämlich fest, dass Sie – der Kunde – seit Tagen versuchen, Informationen zu einem Produkt der Firma bekommen. Im Idealfall sogar einen persönlichen Beratungstermin. Der Chef ist leider nicht zu sprechen. Doch er postet bei facebook gleichzeitig nahezu im Minutentakt, was er gerade isst, welche politische Meinung er Scheiße findet, was seine Hauskatze treibt, wo er gerade im Urlaub war und welchen facebook Gruppen er so beigetreten ist. So ergibt sich allmählich das Bild des latent jammernden Muttersöhnches mit mangelndem Selbstbewußtsein und wenig Lust auf Arbeit. Davon mag es in den deutschen Führungsetagen reichlich geben, aber die sind vielleicht so clever, ihr Seelenleben nicht auf facebook auszubreiten. Und so ergibt sich möglicherweise bei der Wahl des Anwalts, des Versicherungsbüros, das Arztes, der Steuerkanzlei, der Auto-Werkstatt etc. ein ganz neues Qualitätskriterium: unser Chef lebt ohne facebook, er hat noch Zeit, sich um die Firma zu kümmern! (Den Bösen Blog gibt´s jeden Sonntag unter www.stattzeitung.in)

Erna Magazin August 2013  

Monatliches Satiremagazin für Ingolstadt und die Region

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