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MEISTER & KAMMERKONZERTE INNSBRUCK

PUBLICUM MUSIKMAGAZIN NR 01 · 2018/19

R A FA Ł B L E C H A C Z

PHILOSOPH AM KL AVIER QUART WEETS AN MUSIKER

LUST AUF MEHR

BACH AN DER OSTSEE

SIGNUM QUARTE T T

ALBAN BERG ENSEMBLE

K R E M E R ATA B A LT I C A


INHALT ZEICHEN SET ZEN & DEUTEN............. 3 SIGNUM QUARTETT

VERTR AUTE MELODIEN & NEUE HÖRR ÄUME........................ 8 HAUS DER MUSIK

DER KL ANG & DIE LIEBE.................. 4 HR-SINFONIEORCHESTER FRANKFURT

BUNTES LEBEN & LUST AUF MEHR.... 9 ALBAN BERG ENSEMBLE

PIANIST & PHILOSOPH . . ................... 5 RAFAŁ BLECHACZ

TR AUMTENOR & WINTERTR AUM..........................

BACH & DIE BALTEN........................ 6

ILKER ARCAYÜREK

KREMERATA BALTICA

MUSIKER & POLITIKER..................... 7 LEPO SUMERA

KARTEN Einzelkarten sind nach Verfügbarkeit für jedes Konzert erhältlich: www.meisterkammerkonzerte.at Haus der Musik Innsbruck Universitätsstraße 1, 6020 Innsbruck Mo–Fr 10.00–19.00 Uhr, Sa 10.00–18.30 Uhr T +43 512 52074-4, kassa@landestheater.at Innsbruck Information Burggraben 3, 6020 Innsbruck Mo–Fr 09.00–18.00 Uhr, Sa 09.00–12.30 Uhr T +43 512 5356-0, ticket@innsbruck.info Ticket Gretchen App Kostenlos im App Store und bei Google Play

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VORSCHAU.. ..................................

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DIE MEISTER&KAMMERKONZERTE IM HERBST

INTRO Ein Konzertprogramm ist nicht einfach ein Konzertprogramm­. Oft lassen sich Ideen und Leitfäden­finden, warum Musiker welche Werke miteinander kombinieren. Im ersten Innsbrucker Kammerkonzert der neuen Saison beispielsweise­ verbindet das Signum Quartett „Quartweets“ (Musikstück­e aus 140 Notenzeichen) mit dem 1. Streichquartett Janáčeks, das von Tolstois Novelle­„Kreutzersonate“ inspiriert ist. Musikalische Umsetzungen von Textformaten aus dem frühen 21. und frühen 20. Jahrhundert also. Oder die Kremerata Baltica spielt in einem Meisterkonzert Werke baltischer Komponisten abwechselnd mit Musik von Bach, die für viele Musiker des 20. Jahrhunderts in den von der Sowjetunion besetzten Ländern des Baltikums ein Rettungsanker war. Ein Saisonprogramm ist nicht einfach ein Saisonprogramm. Die Konzertangebote, die von Solisten, Dirigenten, Ensembles und Orchestern­ kommen, treffen sich auf halbem Weg mit Ideen und Planungsabsichten des Veranstalters. So ergab sich in der neuen Saison der Innsbrucker­ Meister&Kammerkonzerte ein Schwerpunkt mit Musik aus dem europäischen Osten. Schon im Herbst sind neben drei Werken aus dem Baltikum­eine konzertante Symphonie des Tschechen Martinů, eine Symphonie und ein Klavierquintett des Tschechen Dvořák und ein Streichquartett des Mähren Janáček zu hören. Da passen in einer gewissen Weise sogar Werke von Schubert und Korngold dazu, hatten doch beide Komponisten mährische Vorfahren. Texte und Interviews in dieser Ausgabe: Rainer Lepuschitz


1. KAMMERKONZERT / MI 17. OKT 2018 / TIROLER L ANDESKONSERVATORIUM / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

ZEICHEN SETZEN & DEUTEN Das Signum Quartett aus Deutschland hat zu musikalischen Tweets aufgerufen­. Mittlerweile sind schon fast 200 Quartweets aus aller Welt eingetroffen­. Vier davon spielt das Quartett nun in Innsbruck. Im Interview erläutert­Bratschist Xandi van Dijk, wie viele Zeichen ein Quartweet haben darf und welche Zeichen das Signum Quartett sonst noch setzt. IM GESPR ÄCH

SIGNUM QUARTETT JOSEPH HAYDN Streichquartett A-Dur op. 20/6 MATHIS VAN DIJK, BRETT DEAN, KONSTANTIA GOURZI, CAROLINE SHAW #quartweets LEOŠ JANÁČEK Streichquartett Nr. 1 „Kreutzersonate“ LUDWIG VAN BEETHOVEN Streichquartett B-Dur op. 130/133

Das Quartett musste sich in seiner Anfangszeit für einen Wettbewerb einschreiben und hatte noch keinen Namen. Der Bruder eines Quartettmitglieds schlug Signum vor. Auch wenn es nur zufällig zu diesem Namen gekommen ist, hat Signum­ eine starke Bedeutung. Wir wollen durchaus Zeichen setzen in der Musikszene: durch unsere Interpretationen oder auch durch individuelle Programmkonzeptionen. Wir deuten die Zeichen der Musik.

SIGNUM QUARTETT

Die Neuen Medien haben die jahrhunderte­ alte musikalische Kommunikationsform des Streichquartetts erreicht. Was kann man sich unter einem Quartweet vorstellen? XANDI VAN DIJK: Ein kurzes Stück für Streichquartett, bestehend aus 140 Noten­zeichen. Twitter hat ja mittlerweile die Anzahl an Zeichen von 140 auf 280 erweitert­ , das werden wir im Quartweet auch noch nachjustieren. Derzeit sollten aber noch nicht mehr als 140 Noten auf die vier Quartettstimmen verteilt sein. Ein Notenkopf zählt als Note. Wir sind aber kulant. Ein Glissando, das mehrere Noten durchläuft, zählt auch nur als eine Note. Was hat das Signum Quartett auf die Idee der Quartweets gebracht? Ein Großteil unserer alltäglichen Kommunikation findet in den sozialen Medien statt und wir sind überzeugt, dass auch musikalische Kommunikation hier einen Platz haben sollte. Im Übrigen gibt es ein tolles Vorbild für solch kurze Quartett­ stücke: Anton Weberns Bagatellen für

Streichquartett, vor einem Jahrhundert komponiert, bleiben unter 140 Noten. Den quartweets stellt das Signum Quar­ tett in Innsbruck ein Werk gegenüber, das ebenfalls eine musikalische Umsetzung eines Textformats ist: das Streichquartett Nr. 1 von Janáček nach Tolstois Novelle „Kreutzerso­ nate“. Wie stark ist für Sie Tolstois­Eifersuchtsund Liebesdrama in der Quartettmusik­greif­ bar? Der Wahnsinn, die Wut, die Leidenschaft aus der Novelle sind in der Musik stark zu spüren. Das springt einem ins Gesicht­und fährt in den Bauch, wenn man das spielt und hört. Janáček komponier­te in dem Werk aber auch liebevolle und zarte Passagen. Mit Haydns Quartett op. 20/6 und Beethovens Quartett op. 130 mit der Großen Fuge op. 133 spielt das Signum-Quartett in Innsbruck zwei Werke, die von Fugen be­ schlossen werden. Ist der Kontrapunkt nicht auch eine Art der Dramatisierung des musi­ kalischen Satzes? In Beethovens Fuge ist es fast durchwegs dramatische und laute Musik, immer auch vorausschauend, zum Teil unübertroffen im Vergleich zu Fugen der Zeit nach Beethoven. Haydns Fuge hingegen ist durchwegs sehr sanft, eine Flüsterfuge. Wie kam es zum Namen des Signum Quartetts?

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1. MEISTERKONZERT / MI 24. OKT 2018 / CONGRESS INNSBRUCK, SA AL TIROL / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

DER KLANG & DIE LIEBE Zur Saisoneröffnung bekommt das Publikum der Meisterkonzerte­ Dvořáks „Symphonie aus der Neuen Welt“ zu hören. Was und wie Musiker innerhalb des Orchesters hören, erzählt Sebastian­ Wittiber­, Soloflötist des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt. IM GESPR ÄCH

SEBASTIAN­ WITTIBER­

In der Orchesterpartitur ist die Flöte ganz oben an erster Stelle notiert, im Orchester aber mitten drinnen postiert. Wie (gut) hören Sie sich als Flötist innerhalb des Orchesterver­ bunds in Passagen mit größerer Besetzung? SEBASTIAN­ WITTIBER: Wir können uns beim Spielen noch sehr gut hören. Wenn es rundherum sehr laut ist, nutzen wir zusätzlich die Reflexion­des Klanges von unserem Notenpult. Es gibt außerdem eine Spieltechnik auf der Flöte, dank der man die Resonanz im Kopf hört. Diese Technik nutze ich sehr stark. Dadurch bekommt die Flöte einen offeneren Klang. Man versucht strahlend zu spielen­und die Obertöne zu formen.

HR-SINFONIEORCHESTER FRANKFURT ANDRÉS OROZCO-ESTRADA DIRIGENT RAFAŁ BLECHACZ KLAVIER BOHUSLAV MARTINŮ Sinfonia concertante Nr. 1 H. 219 WOLFGANG AMADEUS MOZART Klavierkonzert A-Dur KV 488 ANTONÍN DVOŘÁK 9. Symphonie „Aus der Neuen Welt“

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Wie nimmt man den Orchesterklang als Musiker auf der Bühne wahr? Wir hören am besten die Musiker, die um uns herum sitzen, es hängt jedoch sehr viel von der akustischen Qualität der Säle ab. Ist sie gut, hören wir Flötisten auch die Gruppe der ersten Geigen gut. Das ist wichtig, weil viele Passagen von Flöten und Geigen parallel und im Unisono geführt werden. Sind die akustischen Verhältnisse­ nicht so gut, hört man zum Beispiel die Bässe schlecht, was das Zusammenspiel erschwert. Sie sind Frankfurter und seit Ihrem 21. Le­ bensjahr Mitglied des hr-Sinfonieorchesters­. Können Sie die „persönliche Note“ dieses Klangkörpers charakterisieren? Es hat einen vielstufigen dynamischen Klang. Das ist für die Musikalität und die Ausdrucksstärke entscheidend. Ich liebe den Klang, an dem jeder der fünf Chefdirigenten, die ich bisher erlebt habe, besonders gearbeitet hat. Schon Eliahu Inbal­forderte zum Beispiel ein ganz leises­ Pianissimo­, an der Grenze des gerade noch Hörbaren, demgegenüber stärkte er den Glanz der Blechbläser. Hugh Wolff legte großen Wert auf kammermusikalisches Spiel. Wir müssen als Rundfunk- und Fernsehorchester sehr flexibel sein, weil wir von „Tatort“-Filmmusiken über barocke und neue Musik bis zur großen Symphonik ein breites Spektrum auszufüllen haben. In Innsbruck wird das Orchester Dvořáks 9. Symphonie aufführen. Bezüglich Holz­ bläser wird dieses Werk mit dem berühmten Englischhornsolo im langsamen Satz in Ver­ bindung gebracht. Doch die ersten Soli kom­ men von der Flöte im ersten Satz, zum Teil in relativ tiefer Lage. Verfügt die Flöte auch dort über ein profiliertes Klangvolumen? Zu Dvořáks Zeiten wurde noch auf Holzflöten gespielt, jetzt spielen wir auf Metall- oder Gold-Silber-Flöten, die ein größeres Klangspektrum haben, sodass man sich auch in tieferen Lagen durchsetzen kann. Dennoch ist es notwendig,

dass bei Solostellen das übrige Orchester zurückgenommen wird. Unser derzeitiger Chefdirigent lässt das Orchester als einfühlsame Begleitung der Solostimme agieren. Das Wichtigste ist, wie wir Musiker aufeinander hören und reagieren. Dies fördert Andrés Orozco-Estrada immer auf beglückende Art und Weise. Dvořák vertraut in der „Symphonie aus der Neuen Welt“ der Flöte im langsamen Satz und im Scherzo gemeinsam mit der daneben postierten Oboe Soli an. Wie mischen sich diese beiden Instrumente, deren Ursprünge Jahrtausende in der Menschheitsgeschichte und in die Mythologie zurückreichen? Flöte und Oboe verschmelzen für mich zu einem eigenen Instrument. Ich liebe diesen Mischklang. Dvořák setzt ihn gerne in folkloristischen Einwürfen und besonders gut für Naturschilderungen ein. Wie ist das, wenn ein Kollege ein so lan­ ges und populäres Solo zu blasen hat wie der Englischhornist in der „Symphonie aus der Neuen Welt“? Atmet und fühlt man da mit? Ich fiebere mit dem Kollegen mit. Er artikuliert wunderbar – und ich versuche, dies in meiner anschließenden Passage fortzusetzen. Wir alle im Orchester genießen und lieben dieses Englischhornsolo. Dvořák teilt in dieser Symphonie unge­ wöhnlicher Weise manche Flötensoli der zwei­ ten Flöte zu. Gibt es eine Erklärung dafür? Ja, eine Liebesgeschichte. Laut einer Anekdote war die zweite Flötistin des amerikanischen Orchesters, welches die Uraufführung der Symphonie spielte, damals mit Dvořák liiert – er komponierte deshalb so viele Passagen für die zweite Flöte. Ich finde diese Abwechslung sehr schön, da der Spieler oder die Spielerin der zweiten Flöte ihre individuellen Klangfarben und ein etwas anderes Klangspektrum einbringen. AUS LIEBE ZUM KL ANG

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1. MEISTERKONZERT / MI 24. OKT 2018 / CONGRESS INNSBRUCK, SA AL TIROL / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

PIANIST & PHILOSOPH

Kann man (sich) Musik überhaupt erklären? Ist der nicht greifbare und nicht sichtbare Klang existent? Lebt die Seele des Menschen in der Musik weiter? Fragen über Fragen. Antworten will der polnische Pianisten Rafał Blechacz nicht nur auf der Klaviertastatur geben und finden, sondern auch auf der geistigen Klaviatur. 2016 zog er sich gänzlich vom Konzertleben zurück, um sein Philosophiestudium an der Kopernikus-Universität in Torún in Polen abzuschließen. Seine Dissertation behandelte Aspekte von Metaphysik und Ästhetik in der Musik. Nach der Rückkehr auf das Konzertpodium stellte Blechacz fest, dass ihm das Studium und die Thematik halfen, die Freiheiten, aber auch die Grenzen musikalischer Interpretationen besser zu verstehen­. Ein Rest Unerklärbares bleibt immer bestehen. Hört man etwa Rafał Blechacz am Klavier schnelle Läufe in einer­makellosen­ Abfolge bei höchster Geschwindigkeit spielen­, als würden sie von einer Schnur über die Tastatur gezogen und nicht von mehreren Fingern gegen den materiellen Widerstand der Tasten gespielt, bleibt man als Hörer einfach nur staunend zurück. Ebenso, wenn Töne, Akkorde­ , Melodien und Harmonien in Blechacz’ Klavierspiel über die Tasten zu schweben scheinen. Das ist Metaphysik, in Klang verwandelt, und lässt die Musik wie ein aus dem Kosmos­ kommendes und dorthin zurückkehrendes Phänomen erscheinen. Nichts scheint Blechacz schwer zu fallen. Doch hinter der klassizistischen Ästhetik seines Spiels steckt ein enormer Systematiker. Er ist dies auch als Pianist, nicht nur als Philosoph­. Er macht sich Gedanken über die Beschaffenheit des Klangs wie über dessen Herkunft. Vielleicht haben die scheinbare Schwerelosigkeit und der Schwebezustand seines Klavierspiels mit seiner Überzeugung zu tun, keine kontroversen Interpretationen zu suchen. Dies sei kein Weg, dem er fol-

RAFAŁ BLECHACZ

Seit seinem Sieg beim berühmten Chopin-Wettbewerb in seinem Heimat­ land Polen fasziniert Rafał Blechacz mit seinem weltweit als „perfekt und poetisch­“ bewunderten Klavierspiel. Auch bei seinem Innsbrucker Erstauftritt mit Mozart wird er die Musik gleichermaßen fühlen und denken.

gen möchte, meinte er einmal in einem Interview­ . Kontrovers zu sein bedeute, nicht an den Komponisten zu denken, sondern­nur an eigene Ideen, womit man der Musik gegenüber Sorgfalt vermissen lasse. Der Synästhetiker, der Farben hört und dadurch von jeder Tonart eine auch konkrete optische Vorstellung bekommt, spielt seit seinem fünften Lebensjahr Klavier­. Er studierte an der Arthur Rubinstein Musikschule und der Feliks Nowowiejski Musikakademie in Bydgoszyz und schaffte nach Preisen bei verschiedenen Wettbewerben den fulminanten Durchbruch, als er 20-jährig im Jahr 2005 in Warschau den nach Fryderik Chopin benannten, be-

rühmtesten Klavierwettbewerb der Welt gewann. Er überzeugte die Jury dermaßen, dass diese ihm auch gleich alle Sonderpreise zuerkannte und keinen anderen Preisträger neben ihm zuließ. Die Innigkeit und Intensität, mit der sich Blechacz der Musik vorrangig seines Landsmannes Chopin, oder aber auch von Schumann, Bach, Mozart und Beethoven widmet, lässt den Hörer spüren, dass die Metaphysik der Musik ganz nahe beim Herzen wohnt. In Innsbruck wird Rafał Blechacz zum Saisonauftakt der Meisterkonzerte Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488 spielen­. Übrigens: Bei A-Dur sehe er eine Art Gelb, erklärte Blechacz ein Register seiner inneren Farbenorgel. 5


2. MEISTERKONZERT / DI 6. NOV 2018 / CONGRESS INNSBRUCK, SA AL TIROL / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

BACH & DIE BALTEN Die Kremerata Baltica zieht in Innsbruck starke Verbindungslinien zwischen­der barocken und neuen Musik des europäischen Nordostens. Zu seinem 50. Geburtstag machte sich Gidon Kremer ein Kammerorchester zum Geschenk. Der 1947 in Riga geborene, baltische Geiger vereinte zwei Dutzend der besten Musikerinnen und Musiker aus den Ostseestaaten Lettland, Litauen und Estland zur Kremerata­Baltica. Als „Fortsetzung meines musikalischen Geistes“ bezeichnet Kremer das Orchester­, das in den zwei Jahrzehnten seines Bestehens die gesamte musikalische Welt eroberte und in bisher mehr als 1000 Konzerten in 600 Städten und 50 Ländern konzertierte. Die musikalische Landkarte ist ohne dieses Kammerorchester nicht mehr vorstellbar. Wie viele neue Werke aus ihren Heimatregionen, aber auch wie viele Werke der barocken, klassischen und romantischen Musik haben die Balten der Musikwelt mit ihrer unverwechselbaren Begeisterung des Musizierens entdeckt, immer offen für neue Wege der Interpretation. Das Baltikum verbindet den nördlichen und den östlichen Kulturraum Europas. Dementsprechend bildet neben der Musik aus den eigenen drei Ländern jene aus dem deutschen und österreichischen Raum so-

KREMERATA BALTICA IVETA APKALNA ORGEL – TERIS VASKS PE Symphonie für Streicher „Voices“ JOHANN SEBASTIAN BACH Konzert für Cembalo und Orchester d-Moll BWV 1052 (Fassung für Orgel und Orchester) LEPO SUMERA Symphonie für Streicher und Pauken JOHANN SEBASTIAN BACH Chaconne aus der Partita für Violine solo d-Moll BWV 1004 (Bearbeitung für Streichorchester) – RIKS EŠENVALDS E Konzert für Orgel und Streichorchester „Voice of the Ocean“

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wie aus slawischen Ländern, insbesondere aus Russland, das große Herz der Kremerata Baltica. Auch wenn Johann Sebastian Bach selbst der Grenze zum Baltikum nur auf 1000 Kilometer nahe kam (anlässlich seines Besuchs beim Preußenkönig Friedrich­dem Großen in Potsdam), gehört sein musikalisches Schaffen in Estland, Lettland und Litauen zum Kanon der Musikkultur. Über den See- und Landweg war das Baltikum mit dem Norden Deutschlands jahrhundertelang im Handel und in der Kultur vernetzt. Auch während der langen Besatzungszeit durch die Sowjet­ union hielt die kulturelle Verbindung zur deutschen Seite. Viele baltische Musiker des 20. Jahrhunderts etwa fanden sich in Bachs Musik wieder und knüpften an sie an, wie Pēteris Vasks. STIMMEN DES GEWISSENS Vasks ist einer der drei baltischen Kom­ ponisten, welche die Kremerata Baltica bei ihrem Konzert in Innsbruck mit Bach kombiniert. Vasks stammt aus einer lettischen Pfarrersfamilie. Damit war er von Kindheit an, wenn auch unter den Argusaugen des KGB der atheistischen Sowjetunion, mit protestantischer Kirchenmusik und vornehmlich mit Bachs Kantaten und Passionen vertraut. In seinen Kompositionen verfolgt Vasks oft die Spuren alter Musik und lässt sich zudem von den archaischfolkloristischen­Wurzeln der Musik Lettlands inspirieren. Vasks thematisiert aber ebenso die drohende ökologische Zerstörung und die Unterdrückung humaner Werte. Die drei Sätze seiner Streichersymphonie „Voices“ tragen die Titel „Stimmen des Lebens“, „Stimmen der Stille“ und „Stimmen des Gewissens“. Eine Musik zwischen Hymnen und Naturklängen, komponiert 1991 im Jahr nach der lettischen Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Damals war Vasks’ Landsmann Ēriks Ešenvalds 14 Jahre alt. Wie für alle Balten­ gehörte Singen von seiner Kindheit an zum Alltag. Heute­genießt er als Komponist in seiner Heimat und international­viel Ansehen. Zuletzt­beim traditionellen lettischen

Lieder- und Tanzfestival 2018 mit 43.000 Mitwirkenden wurden zwei Werke von ihm, „Sternen­kreuz am Himmel“ und „Silber des Meeres­“, aufgeführt. In Innsbruck kommt in seinem Konzert für Orgel und Streicher die „Stimme des Ozeans“ zum Klingen, in der eine erweiterte Tonalität wie von Glocken­mitschwingt. Solistin in Ešenvalds’ Konzert sowie in einer Orgelbearbeitung von Bachs Cembalokonzert d-Moll wird mit Iveta­ Apkalna ebenfalls eine Musikerin aus Lettland sein. Sie eroberte von ihrer Heimat aus an der „Königin der Instrumente“ die Musikwelt, konzertiert mit den bedeutendsten Orchestern und an den berühmtesten Instrumenten und wurde jüngst zur Titularorganistin der neuen­Klais-Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie­ernannt. Einer Bearbeitung für Streichorchester von Bachs berühmter ­Violin-Chaconne stellt die Kremerata Baltica in Innsbruck die Symphonie für Streicher und Pauken von Lepo Sumera voran.


2. MEISTERKONZERT / DI 6. NOV 2018 / CONGRESS INNSBRUCK, SA AL TIROL / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

MUSIKER & POLITIKER Der Komponist Lepo Sumera kämpfte als estnischer Kulturminister an vorderster­Front um die Unabhängigkeit seines Landes von der Sowjetunion. Die Bilder und Klänge gingen um die Welt, als Hunderttausende Menschen in den baltischen Staaten während der Peres­troika auf den Straßen die Befreiung von der sowjetischen Diktatur herbeisangen – mit nationalen Hymnen und Liedern, die von den Sowjets bei hoher Strafe verboten waren. Doch die Balten fürchteten sich nicht vor der Deportation nach Sibirien­ , sie sahen die Zeit gekommen, sich

mit friedlichen musikalischen Mitteln nach vielen Jahrzehnten aus der Umklammerung durch den russischen Bären­zu befreien. In einer Region der Welt, in der überproportional viele Menschen singen und musizieren, erscheint es nicht verwunderlich, dass einer dieser Millionen Musizierenden, der Komponist, Pianist und Musiklehrer Lepo Sumera, 1988 mitten in der heißen Phase der Perestroika das Amt des Kulturministers übernahm, um aktiv­die politische und kulturelle Loslösung Estlands von Russland voranzutreiben. Als Komponist pflegte er schon seit langem eine faszinierende Klangsprache, die nach Überwindung­musikalischer und stilistischer­Dogmen und Ideologien­ strebte­ . Nun brachte er auch seine politische­Sprache ein, die immer von demokratischen Idealen ausging, und nie Macht herbeireden wollte, wie es so viele andere Politiker taten (und tun). STIMME DER INTEGRITÄT 1990/91 hatte er mit seinen Landsleuten das Ziel erreicht und konnte das wenige Jahre zuvor noch für unmöglich Gehaltene feiern: die Unabhängigkeit von der Sowjet­union. Sumera gestaltete noch aktiv die (Wieder-) Gründung des Staates Estland mit, den es von 1918 bis 1940 schon einmal gegeben hat. 1992 konnte er mit gutem Gewissen sein Politikeramt wieder abgeben und sich ganz der Musik widmen. Letztlich „besaß er zu viel Integrität für einen Politiker“, wie es der estnische Dirigent Paavo­Järvi einmal ausdrückte. Ein stressiges halbes Jahrzehnt lag hinter Sumera, ein Doppelleben im Alltag des Politikers und der nächtlichen Schaffenszeit als Kom­ ponist. Nunmehr galt

es für Sumera nicht nur, sich verstärkt wieder dem Komponieren zuzuwenden, sondern auch für wichtige Rahmenbedingungen zu sorgen, wie die verlegerische Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Komponisten, denen das Urheberrecht von den Sowjets­entzogen worden war. Die Zeichen­der Erschöpfung­überging Sumera, doch im Jahr 2000 wurde er 50-jährig mitten aus dem Komponistenleben gerissen. Kurz nach der Uraufführung seiner 6. Symphonie starb er an Herzversagen. Die zwei Jahre zuvor entstandene Symphonie für Streicher und Pauken wird nun in Innsbruck von der Kremerata Baltica aufgeführt. Nur wenige vergleichbare Persönlichkeiten zu Sumera gibt es, die Musik und Politik in ihrem Leben vereinen konnten und können. Allen voran der griechische Komponist Mikis­Theodorakis, der Mitglied in Regierungen­seines Landes war und erfolgreich gegen eine Diktatur ankämpfte. Unvergessen­ist der legendäre polnische­ Pianist­Ignaz Paderewski, der 1919 erster­ Ministerpräsident seines Landes wurde, das auf seine Initiative­hin als eigenständige Republik wiedergegründet worden war. Die Innsbrucker Gegenwart wiederum erlebt mit Georg Willi einen Bürgermeister, der aus seiner Berufung zum Chorleiter und Chorsänger auch bei offiziellen politischen­ Anlässen kein Hehl macht.

Lepo Sumera. Porträt des Komponisten auf dem Cover­einer CD-Aufnahme 7


2. KAMMERKONZERT / FR 30. NOV 2018 / HAUS DER MUSIK INNSBRUCK / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

VERTRAUTE MELODIEN & NEUE HÖRRÄUME Die Bauarbeiter haben ihr Werk vollendet, nun sind die Musiker am Zug. Mit Schuberts „Notturno“ wird der Konzertsaal im Innsbrucker Haus der Musik­kammermusikalisch eingeweiht – mit einer Melodie, die der Komponist­einst Bauarbeitern im Salzkammergut abgelauscht hat. In den Werken Erich Wolfgang Korngolds­ und Antonín Dvořáks, die außerdem im ersten Kammerkonzert­im Innsbrucker Haus der Musik­auf dem Programm stehen, finden sich ebenfalls alte musikalische Gestalten und eingängige Melodien in neuen Räumen und Formen wieder. Als ob die Vergangenheit­in der Gegenwart angekommen sei. So säte Dvořák in seinem Klavierquintett A-Dur op. 81 eine Saat urtümlicher Volksmusikweisen in klassischen musikalischen Beeten wie Sonatensatz, Tanzsatz und Liedform. Da finden sich die ukrainische Erzählliedform der Dumka, der fulminante böhmische Tanz Furiant und eine flotte Polka in der Besetzung für Streichquartett und Klavier wieder. Angeregt wurde Dvořák zu diesem reifen Meisterwerk von einem eineinhalb Jahrzehnte davor komponierten Werk für dieselbe Besetzung, das sich dank der Abschrift eines Musikerfreundes erhalten hatte. Aus der ursprünglich­beabsichtigten Überarbeitung­des alten Werkes ging dann eine vollkommen­neue Kom­position hervor. Jetzt verströmte­Dvořák seine

HAUS DER MUSIK INNSBRUCK Das erste Kammerkonzert im neuen Konzertsaal findet am 30. Nov. 2018 statt. Für die Kammerkonzerte gibt es eine spezielle Bestuhlung (anders als im Bild). Ein größerer Saal als im Konservatorium, mit viel Holzverkleidung und Panoramablick, sowie ein großzügiges Foyer erwarten die Konzertbesucher im Haus der Musik, wo in der neuen Saison noch zwei weitere Kammerkonzerte stattfinden werden (12. Feb. & 25. März 2019).

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musikalischen­Erfindungen­nicht mehr ins Uferlose, sondern brachte sie in eine organische Form – ohne dabei immer neu aufblühende Melodien zu kappen. Korngolds Suite für zwei Violinen, Violoncello und Klavier ist eine Auftragskomposition des Pianisten Paul Wittgenstein, der als Soldat im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor und unermüdlich das Spiel mit einer Hand trainierte. Dank des Vermögens der Familie konnte er bei diversen Komponisten Werke für Klavier für die linke Hand in Auftrag geben, mit denen­ er dann wieder öffentlich konzertierte. Wittgensteins­ musikalischer Geschmack­ war in der Tradition verwurzelt. Um diesem Geschmack zu entsprechen, entschied sich Korngold, das neue Werk auf der Grundlage alter Satzgattungen zu gestalten. Er belebte Anfang des 20. Jahrhunderts die Form der barocken Suite wieder, verwendete aber auch musikalische Formen aus späteren Epochen. So finden sich neben einem Präludium, einer Fuge und einem Rondo auch ein Walzer, eine Groteske und ein Lied ohne Worte.

Franz Schubert konnte auf seiner Wanderschaft­durch das Salzkammergut im Sommer 1825 in der Region um Gmunden­so genannte Rammpfahlarbeiter erleben, die für die Schiffbarmachung des Traunflusses Brücken und Schiffshütten errichteten. Die „Stöckenschlager“, wie die Arbeiter im Dialekt geheißen wurden, munterten sich zu ihrer Arbeit mit Liedern auf. Während der Rammklotz gemeinsam gehoben und wieder fallen gelassen wurde, sangen sie Lieder wie „Oanmal auf und zwoamal drauf“ oder „Hebts um und um auf. – An anen obn drauf“. Im Seitenthema seines „Notturnos­ “ für Klaviertrio griff Schubert eine der Liedmelodien auf, die von der Violine und vom Violoncello gespielt werden, während das Klavier mit in die Tasten gehämmerten­Akkorden­die Tätigkeit der Rammpfahlarbeiter nachzuahmen scheint. Den munteren Gesang der noch vor der Morgendämmerung­aufbrechenden Arbeiter lässt Schubert­in seiner Komposition als Kontrast­in eine verträumte Nachtmusik hineinklingen.


ALBAN BERG ENSEMBLE

2. KAMMERKONZERT / FR 30. NOV 2018 / HAUS DER MUSIK INNSBRUCK / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

BUNTES LEBEN & LUST AUF MEHR Zyklus­im Wiener Musikverein ist die Musik Alban Bergs und seiner Epoche stark einDas 2017 gegründete Alban Berg Ensem- gebunden. Alban Berg war jener Musiker der Zwölf­ ble trägt einen großen Namen, der für die Musiker Programm und Inspiration ist, wie tonschule, der die neuen kompositorischen Wege mit der stärksten Verbundenheit zur Cellist Florian Berner berichtet. Das Innsbrucker Publikum kennt Sie als musikalischen Tradition beschritt. Ist dies Cellisten des von Ihnen gegründeten Hugo auch euer Weg? Man kann neue Musik nicht verstehen, Wolf Quartetts. Nun kommen Sie mit dem Alban Berg Ensemble wieder. Was hat Sie wenn man die alte Musik nicht kennt. Umund Ihre Quartettkollegen bewogen, gemein­ gekehrt lernt man für das Verständnis der sam mit drei weiteren Musikern ein größeres klassischen und romantischen Musik sehr viel, wenn man sich mit der in Alban Bergs Kammermusikensemble zu gründen? FLORIAN BERNER: Die Lust, neues Epoche begonnenen Moderne auseinanRepertoire zu entdecken und erweiterte­ dersetzt. Das befruchtet einander stark. Auch in Korngolds Musik, die ihr ins Inns­ Programme zusammenzustellen. Mit der variablen Besetzung von Klavier, Flöte und brucker Programm genommen habt? Es ist bei Korngold so spannend zu Klarinette zum Streichquartett hinzu können wir noch abwechslungsreicher an einem­ entdecken, dass es auch andere Wege ins Themenstrang entlang Programme gestal- 20. Jahrhundert als die Zwölftonschule ten. Das musikalische Leben ist zu bunt, um gab. Seine Musik ist immer innovativ. Dazu kommt, dass man in jedem Takt seine unausschließlich Quartett zu spielen. Zehn Jahre nach der Auflösung des welt­ wahrscheinlich große Begabung spürt. Ein berühmten Alban Berg Quartetts erhielt nun Talent wie Richard Strauss. Was Korngold euer Ensemble den Namen des Wiener Kom­ angriff, gelang ihm. Seine Musik wird aber vernachlässigt. ponisten. Wie kam es dazu? Durch eine Initiative der Wiener Alban­ Hat es dem „seriösen“ Komponisten gescha­ Berg Stiftung, die unser Ensemble auf det, dass er später als Filmmusikkomponist in vielseitige Weise unterstützt. In unserem Hollywood Karriere machte? IM GESPR ÄCH

Korngold wurde zum Verhängnis, dass er Erfolg hatte. Das galt in der Musik der Moderne lange als „Pfui“ – nur wer weniger Erfolg hatte, machte ernste Musik … Rund um Korngold zwei Romantiker. Mit Schuberts „Notturno“ eröffnen Sie das Konzert­ , mit Dvořáks Klavierquintett be­ schließen Sie es. Spüren Sie in Dvořáks Musik eine Beeinflussung durch Schubert? Ich spüre eine starke Verwandtschaft. Das zutiefst Gesangliche und das Tänzerische­verbindet sie. Und beide haben bodenständige­Musik – Wiener Musik, slawische Volksmusik – aufgegriffen und daraus Weltmusik gemacht. Völlig unsentimental und natürlich.

ALBAN BERG ENSEMBLE FRANZ SCHUBERT „Notturno“ für Klaviertrio Es-Dur ERICH WOLFGANG KORNGOLD Suite für zwei Violinen, Violoncello und Klavier linke Hand op. 23 ANTONÍN DVOŘ ÁK Klavierquintett A-Dur op. 81

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3. KAMMERKONZERT / DO 13. DEZ 2018 / TIROLER L ANDESKONSERVATORIUM / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

TRAUMTENOR & WINTERTRAUM Vor wenigen Jahren gab er noch als Mitarbeiter eines Callcenter geduldig Auskünfte­, heute teilt er sich mit seiner „goldenen“ Tenorstimme auf internationalen Konzertpodien und Opernbühnen mit. Ilker Arcayürek gilt seit seinem­ Sieg beim Stuttgarter Liedwettbewerb als neuer Stern am Liederhimmel­. Im Winter kommt der Tenor mit Schuberts „Winterreise“ nach Innsbruck. Einer Einladung zur Aufnahmeprüfung im Mozart Knabenchor Wien schenkte der Bub, der im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie aus seinem Geburtsort Istanbul­ nach Wien kam, keine Beachtung. Seine Mutter schickte ihn dennoch hin und Ilker­ Arcayürek wurde aufgenommen. Das war der Beginn seiner Sängerlaufbahn, die ihn dann nach der Stimmmutation zum Tenor in Wien zur weiteren Gesangsausbildung führte. Um sich das Studium leisten zu können, arbeitete Ilker Arcayürek in einem­ Callcenter und in einer Bäckerei. Da blieb nachmittags Zeit, sich der Stimme zu widmen. Neben dem regelmäßigen Unterricht bei Sead Buljubasic in Wien nahm der junge Tenor auch an Meisterklassen bei Thomas­Quasthoff, Thomas Allen und Ileana­Cotrubas teil. Für den Liedgesang lernte er auch in einem Kurs bei dem Pianisten Alfred Brendel Wertvolles. Dann ging alles sehr schnell. Seine Teilnahme am Wiener Lied- und Operettenwettbewerb brachte ihm zwar keinen Preis, aber die wahrscheinlich viel wertvollere Einladung an das Opernstudio der Zürcher Oper ein, die ihm als einzigem Wettbewerbsteilnehmer vom Zürcher Cas­

ILKER ARCAYÜREK TENOR SIMON LEPPER KLAVIER FRANZ SCHUBERT „Winterreise“. Liederzyklus op. 89 D. 911

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ting-Direktor zuging. Seine nächste Teilnahme an einem Liedwettbewerb sah ihn bereits als Sieger. Ilker Arcayürek gewann das renommierte Preissingen der Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart. Mit dem Finaleinzug­im Wettbewerb „Singer of the World“ von BBC Cardiff war für den Tenor ein Liederabend in einem der berühmtesten Konzertsäle der Welt verbunden, der Wigmore Hall London. Bald trat Ilker Arcayürek­im renommierten Concertgebouw in Amsterdam auf. Bei der Schubertíada Vilabertran in Katalonien sang er einen Liederabend mit dem berühmten Liedbegleiter Wolfram Rieger am Klavier.

„Ein samtweicher, perfekt abgerundeter Tenorklang. Wirklich ein Traum.“ — Die Zeitung „Südwestpresse“ über die Stimme von Ilker Arcayürek —

Parallel zur Karriere als Liedsänger verfolgte Ilker Arcayürek seine Opernlaufbahn weiter: Von Zürich ging es mit Zwischenstation am Klagenfurter Stadttheater in das Ensemble des Nürnberger Opernhauses. Auf der Nürnberger Bühne hat sich Ilker Arcayürek­mittlerweile mit den Hauptpartien des Rodolfo in Puccinis „La Bohème“ und des Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni­“ einen persönlichen Traum erfüllt. Die Salzburger Festspiele wieder­ um luden den jungen Tenor in der Rolle des Oloferno Vitellozzo­für eine konzer-

tante Aufführung von Donizettis „Lucrezia Borgia­“ ein. Da sang der junge Tenor an der Seite von Stars wie dem Tenorkollegen Juan Diego­Flórez und der Kammersängerin­

„Der Tenor Ilker Arcayürek ist eine Klasse für sich.“ — Die Zeitung „The Guardian“ —

Krassimira­Stoyanova­. Am Teatro Real in Madrid feierte er mittlerweile­auch schon sein Debüt. Die Rückkehr nach Österrech wird ihn in dieser Saison nach Graz führen, wo ihn das Opernhaus für die Titelpartie­ in Webers­„Oberon“ und den Lyonel in Flotows­„Martha“ engagierte – lyrische Tenorpartien­ , denen Arcayüreks Stimme sicher­einen goldenen Glanz verleihen wird. Das internationale „Opera Now Magazine“ schwärmte von Arcayürek als „goldenem und natürlich-lyrischem Tenor, mit hoher textlicher Empfindsamkeit und dem Vorzug stabiler Spitzentöne“. BBC Radio wählte den Tenor zum „New Generation Artist“. Von England über die Niederlande­ bis Deutschland und Österreich erntet Ilker­Arcayürek begeistertes Echo auf seine Auftritte. Die Tageszeitung „Der Standard“ findet ihn „herausragend“ und sieht ihn auf dem Weg zum „heldenhaften Tenor“. Die Nürnberger Zeitung schwärmte von seinem „innig klangschönem Ausdruck“. Der Musikkritiker der „Südwestpresse“ schrieb: „Mit dem drastisch-dramatischen


3. KAMMERKONZERT / DO 13. DEZ 2018 / TIROLER L ANDESKONSERVATORIUM / BEGINN 20.00 UHR, EINFÜHRUNG 19.00 UHR

‚Feuerreiter‘ von Hugo Wolf überzeugte Arcayürek­ebenso wie mit einem herrlichen Schubert-Lied, ,Nacht und Träume‘. Dieser Sänger mit Placido-Domingo-Bart besitzt eine sehr baritonale Basis und eine fundierte Höhe, einen samtweichen, perfekt abgerundeten Tenorklang. ,Holde Träume, kehret wieder!‘ Wirklich ein Traum.“

„Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen­im Winter sah.“ — Wilhelm Müller, „Frühlingstraum“, vertont von Franz Schubert —

ILKER ARCAYÜREK

„Frühlingstraum“ lautet ein Lied inmitten von Schuberts „Winterreise“. Ein Hoffnungsschimmer in A-Dur, umflort von Molltönen und dunklen Liedern. „Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen im Winter sah“, wird Ilker Arcayürek während seiner „Winterreise“ in Innsbruck singen. Die tragische Ich-Figur des Gedichtzyklus von Wilhelm Müller träumt sich in diesem Lied nochmals in die Nähe der Geliebten, die ihn verlassen hat, und träumt sich Blumen herbei, „wie sie wohl blühen im Mai“, die in der inneren und äußeren Winterreise des unglücklich Liebenden zum Wintertraum werden. Im erinnerten Liebesglück schwingt die Melancholie der Gewissheit mit, dass es kein Zurück mehr in dieses Glück gibt. Der Traum verfliegt, die Stimme des Traumtenors wird aber weiterklingen und Ilker Arcayüreks Weg als Sänger weiter aufwärts gehen. Schon jetzt sei „der Tenor­ eine Klasse für sich“, wie die englische Zeitung­„The Guardian“ über das Debüt-­ CD-Album des Sängers mit SchubertLiedern­im Superlativ titelte.

CD-TIPP Franz Schubert: Der Einsame Ilker Arcayürek & Simon Lepper (Champs Hill Records, 2017) 11


MEISTER & K AMMERKONZERTE INNSBRUCK

QUARTWEET

1. KAMMERKONZERT, 17. OKT 2018 TIROLER LANDESKONSERVATORIUM SIGNUM QUARTETT

VORSCHAU

TÖNENDE PHILOSOPHIE 1. MEISTERKONZERT, 24. OKT 2018, CONGRESS INNBSRUCK HR-SINFONIEORCHESTER FRANKFURT ANDRÉS OROZCO-ESTRADA DIRIGENT RAFAŁ BLECHACZ KLAVIER

3. KAMMERKONZERT, 13. DEZ 2018 TIROLER LANDESKONSERVATORIUM ILKER ARCAYÜREK TENOR · SIMON LEPPER KLAVIER

MUSIKALISCHE FREIHEIT

NEUE KLANGRÄUME

2. KAMMERKONZERT, 30. NOV 2018 HAUS DER MUSIK INNSBRUCK ALBAN BERG ENSEMBLE

2. MEISTERKONZERT, 6. NOV 2018, CONGRESS INNBSRUCK KREMERATA BALTICA · IVETA APKALNA ORGEL

TRAUMTENOR

Meisterkonzerte finden im Congress Innsbruck, Saal Tirol und Kammerkonzerte im Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums oder im Großen Saal des Haus der Musik Innsbruck statt. Einzelkarten auf www.meisterkammerkonzerte.at, im Haus der Musik Innsbruck und bei der Innsbruck Information. Stehplatzkarten für Meisterkonzerte um € 8 jeweils an der Abendkassa. Bei Interesse an einem Abonnement der Meister&Kammerkonzerte: tickets@altemusik.at Impressum: Meister&Kammerkonzerte, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik GmbH, Herzog-Friedrich-Straße 21/1, 6020 Innsbruck; E-Mail: meisterkammer@altemusik.at; Tel.: +43 512 571032; Für den Inhalt ­verantwortlich: Dr. Markus Lutz, Mag. Eva-Maria Sens; Redaktion, Texte & Interviews: Rainer Lepuschitz; © Fotos: Marco Borggreve (S. 1), Irene Zandel (S. 3, 12), Ben Knabe (S. 4), Felix Broede (S. 5, 12), https://commons.wikimedia.org/Elias Gottlob Haussmann (S.6–7), 123RF/ Peter Hermes Furian (S.6–7, 12), Bis-Klassik Center Kassel (S. 7), Architekt Erich Strolz – UNVERBLÜMT (S. 8, 12), Nancy Horowitz (S. 9), Champs Hill Records (S. 11), Janina Laszlo (S. 11, 12); Konzeption & Design: Citygrafic­Designoffice­, citygrafic.at, Innsbruck; Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck; Druck- und Satzfehler sowie Besetzungs- und Programm­änderungen vorbehalten. Offenlegung gemäß §25, Medien­gesetz: Die Broschüre­gibt Auskunft über die Veranstaltungen der Meister&Kammerkonzerte, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik GmbH.

Österreichische Post AG SP 18Z041502 N Innsbrucker Festwochen der Alten Musik GmbH Herzog-Friedrich-Straße 21/1, 6020 Innsbruck

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