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FeinSinn träumt Un jour bourgeois á Paris Teilchenbeschleuniger in Köln StaatsKunst erklärt: Flashmob Heft 12 ǀ Ausgabe 10/01 ǀ www.meins-magazin.de


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meins

Inhalt

Hurra, es ist scheiß Wetter draußen! Wie könnte man sich besser das Ende des Semesters herbeiwünschen, als mit abschreckenden Wetterbedingungen zwischen dem eigenen Bett und der Uni? Eben, es lebe der Januar! Endlich keine Partys, keine Weihnacht und kein Neujahr mehr. Und wo wir schon im Bett liegen: Gezieltes Nichtstun macht glücklicher, das beweist uns ErkenntnisReich auf Seite 22. (Und Zahnärzte empfehlen Schokolade!) FeinSinn hat es sich auch gemütlich gemacht. Unterm Regenschirm wirft es einen Blick in sich selbst, fliegt über die

LebensEcht

FernSicht

ErkenntnisReich

ZeitGeist

FeinSinn

StaatsKunst

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Inhaltliches

Stadt und schaut in fremde Fenster hinein. Was ist das? FeinSinn 06 08 10

Vorschau für 2010 Vom Leben dan(n)eben - Löwenzahn LebensEcht kocht: Genüsse des Nahen Ostens

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meins-Service: Ab ins Ausland Die Welt in Köln - Syrien Un jour bourgeoise á Paris

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Zahnärzte empfehlen... Ode an die Faulheit Was kann Efeu? In einer Sekunde um die Welt

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Das beste der Stadt: Café Fleur Das beste der Stadt: Power to Peter Gepriesen seist du, Pizzamann Bildungsstreik Neu-Ehrenfeld Auf der Suche nach gutem Design

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Was für ein Leben, dieser Traum Irrtum Fotostrecke - träumt Traumdeutung - ein Selbstversuch

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Präsidentschaftswahlen in der Ukraine Rechte und Armut Weihnachten bei der Deutschen Bahn Politische Skandale

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Vorschau Impressum

träumt! Übrigens: Ein super Stadtteil der Behaglichkeit ist NeuEhrenfeld. ZeitGeist hat sich einmal umgeschaut, Seite 28. Ob und wie aber das Ende des Semesters zum Faulenzen genutzt werden sollte oder nicht, dass überlassen wir euch. Wenn aber bei diesem Wetter keine gemütliche Stimmung auf dem Sofa aufkommen will und stattdessen die Füße jucken und zur Tür hinausdrängen und raus wollen, raus in die Welt, raus in die Ferne und in das Unbekannte; wir zeigen euch den ersten Schritt: FernSicht informiert über Auslandssemester und wie man sie beantragt und bekommt. Aber schnell, die Bewerbungsfristen enden bald! Seite 14. Ich hoffe euch gefällt unsere bunte Winterausgabe, wir haben uns bemüht gegen das graue Tageslicht anzubunten. Viel Spaß beim Lesen! Niels Walker, Chefredakteur

{ Editorial

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LebensEcht Foto: Corinna Kern


Lena, 25, Mathematik:

Linda, 22, Germanistik:

Meine Vorsätze für das kommende Jahr sind mit Sport anfangen, weniger rauchen und trinken und mein Studium vorantreiben. Das sind nämlich wesentliche Dinge im Leben. Ich möchte mich auch nicht mehr von Kleinigkeiten stressen lassen und die guten Dinge des Lebens genießen.

Also ich nehme mir fürs nächste Jahr vor, mir mehr Zeit für meine Freunde zu nehmen, trotzdem weiter fleißig zu sein und natürlich wie jedes Jahr mehr Sport zu machen!

Ich habe mir für das neue Jahr vorgenommen, mich weniger zu ärgern! Darum werde ich mir für das neue Jahr nichts vornehmen, um mich nicht darüber ärgern zu müssen, es wieder nicht eingehalten zu haben!

2010

2010 für ?!?

2010

Vorsatz

Naghmeh, 23, Jura:

Arno, 25, Philosophie:

2010

Ich habe grundsätzlich keine Vorsätze, weil ich nicht die Disziplin besitze mich daran zu halten. Schon der Versuch wäre frustrierend.

2010

2010

Shari, 23, Jura:

Anna, 25, Germanistik: Sebastian, 25, Lehramt: Im nächsten Jahr versuche ich meine Ansprüche etwas mehr zurück zu schrauben und mich zu besinnen. Man könnte sagen, ich möchte Mensch sein, ein guter Mensch. Und Gitarre werde ich fleißig üben.

LebensEcht

Mein Motto für das kommende Jahr: Gas geben. Ich möchte in der Uni alle wichtigen Prüfungen bestehen. Schön wäre auch, wenn ich mit dem Rauchen aufhören könnte, ein Geschäft aufmachen würde, eine Million im Lotto gewinnen würde… aber solange ich mein Vorsatz mit der Uni einhalte, bin ich zufrieden.

2010

Meine Vorsätze für das kommende Jahr sind mit Sport anfangen, weniger rauchen und trinken und mein Studium vorantreiben. Das sind nämlich wesentliche Dinge im Leben. Ich möchte mich auch nicht mehr von Kleinigkeiten stressen lassen und die guten Dinge des Lebens genießen.

Daniel, 23, Sonderpädagogik:

Christian, 26, Sonderpädagogik:

Leider lege ich viel zu wenig Optimismus an den Tag. Nächstes Jahr soll sich das ändern. Sport ist auch ein Vorsatz für 2010.

Nächstes Jahr möchte ich das Saxophon erlernen, mich im Fitnessstudio anmelden und natürlich regelmäßig trainieren gehen. Auf jeden Fall möchte ich auch versuchen bei der Amstel Gold Race mitzuradeln, das ist ein Fahrradrennen in Holland, das sich über 250 km erstreckt. Außerdem möchte ich den Engländern mal einen Besuch abstatten. Ach ja, und gesund möchte ich bleiben.

Max, 26, Sonderpädagogik: Nächstes Jahr möchte ich das Saxophon erlernen, mich im Fitnessstudio anmelden und natürlich regelmäßig trainieren gehen. Auf jeden Fall möchte ich auch versuchen bei der Amstel Gold Race mitzuradeln, das ist ein Fahrradrennen in Holland, das sich über 250 km erstreckt. Außerdem möchte ich den Engländern mal einen Besuch abstatten. Ach ja, und gesund möchte ich bleiben.

LebensEcht


Wenn ich auf das Jahr 2009 zurück blicke, sollte meine Wertung eindeutig sein: Es war eindeutig eines der beschissensten meines Lebens. Das erste Jahr ohne meine Großmutter, meinen ersten Geburtstag, das erste Ostern, ihren ersten Geburtstag, das erste Weihnachtsfest… ohne ihre wasserblauen Augen, ihr überflutendes Gelächter, ihren ozeantiefen Verstand… und den besten Kaffee der Welt.

Es begann mit erstarrender Schneestille, die bald zu murmeln begann und schließlich zu einem Schrei anschwoll… nur weil ich mich entschloss, nicht mehr allein sein zu wollen. Gescheitert ist nicht nur eine Beziehung zu jemandem, den ich nicht retten konnte, oder der mich nicht retten wollte, für den ich vielleicht aber auch einfach nicht genug oder viel zu viel war, verblüht ist mit einem Schlag, was ich ein Leben lang wie einen mystischen Schatz versteckt hielt: Mein Löwenzahn. Ich habe danach aufgehört Menschen Blütenblätter aus dem Gesicht zu reißen, um am Ende eine Antwort auf die Frage „Liebst Du mich oder nicht?“ zu bekommen. Weil ich sie nicht mehr haben wollte. Stattdessen wechselte ich wieder eine Wohnung, wurde Kolumnist, damit ich mich wenigstens einmal pro Monat zwinge an dem festzuhalten, was ich einmal meine große Liebe nannte. Ich probierte noch einen neuen Job aus, wollte mich zehn Mal von meinem Alten trennen und blieb zumindest einer Sache treu: Dem Lebensunterhaltverdienen. Und ich spann weiter an antiquierten Träumen, zumindest hielt ich die Spindel ein paar Mal in der Hand, stach mich mit Absicht selbst, damit ich mir erlauben konnte wieder aufzuhören. Ein paar Mal habe ich meine Nase in den Wind gehalten, weil ich hoffte, ich könnte

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Löwenzahn es noch riechen… die Leidenschaft, Motivation, Hoffnung und den Löwenzahn, der eine ganz weiche Süße hat, wenn man ihn dicht an das Gesicht presst. Zwei Mal wurde mir schwarz vor Augen, da legten sich Nächte auf Tage und Pupillen, verfinsterte sich alles so sehr, dass das klirrende Geräusch nicht von dem Glas kam, dass ich während des Sturzes fallen ließ, sondern von mir selbst. Ich hörte mich 2009 gleich zwei Mal zerspringen. Beim ersten Mal wegen des zerbrochenen Herzens und das andere Mal, weil mich die Erinnerung an einen Jungen einholte, der Löwenzahn so sehr liebte, wie andere die Sommerferien, der Pusteblumen pflückte, weil ihm das Ballett der federnen, weißen Schirme im Wind der wichtigste Glaube an das war, was er heute Freiheit nennt. Es gab eine Frage, die mich stets begleitete: Was ist noch von mir übrig? Und während ich auf dem Boden kauerte und meine aufgeplatzten, blutenden Arme betrachtete, stand plötzlich jemand neben mir, der mir seine Hand hinhielt. Eine blütenstaubgelbe Hand. Wenn ich auf das Jahr 2009 zurück blicke, war es eines der schönsten meines Lebens. Nicht deshalb, weil alles glatt gelaufen ist, ganz im Gegenteil, es war zermürbend, anstrengend, ernüchternd und verletzend. Doch ich sah den Blinden in der überfüllten U-Bahn, der sich unsicher nach vorne schob und ich rückte wie der Rest ein Stück

zur Seite, schweigend, abgewandt und taub, und ich sah das unangenehm laute Paar mit Wasserstoffhaar, grellem Makeup und Bierflaschen an den Lippen, die als einzige an seine Seite sprangen und wie zwei Engel links und rechts zu Hilfe eilten. Ich blickte auf die arme und die reiche Frau und ihre Hunde, die auf der Strasse spielten und sich paarten. Beobachtete heimlich eine Nonne, die mit verträumtem Blick vor einem Porsche stand. Ich lachte ausgelassen mit drei Kindern, wir hatten Bauchkrämpfe, Zuckertränen und mussten noch mehr lachen, als die Erwachsenen uns ratlos ansahen. Diese Worte gelten Fremden, die einen grauen Augenblick in Farbe tauchten: Doch, das war ein gutes Jahr. Und in den schwarzen Stunden konnten mich andere stets sehen, mehr noch, wollten sie mich sehen, wollten helfen, obwohl sie wussten, dass ich ihr Licht nicht spiegeln würde. Manchmal ist es schwer Stolz für sich und seine Taten zu finden, doch es ist leichter, stolz auf andere zu sein. Was ich in den vergangenen 12 Monaten lernte war, dass ich allein deshalb stolz auf mich sein kann, weil ich tapfere Menschen um mich habe, die ein Stückchen Leben mit mir teilen. Solche, die den Mut haben für das ein zu stehen, was andere erschrecken mag, aufrüttelt, aus ihren Seifenblasen quetscht, manchmal sogar mit einer Pinzette müde Augenlider aufreißt. Die Wahrheit ist selten angenehm. Ich verdanke einen Großteil

dieses fantastischen Jahres den Individuen, die mich gezwungen haben wach zu bleiben, selbst wenn ich tränenaufgeweicht in Ohnmacht fallen wollte. Dieser Text ist für Freunde, die sich Träume erfüllen und dennoch nie müde wurden, für die vielen anderen weiterhin zu kämpfen, die die Welt zu ihrem Heim machen und mich überall Willkommen heißen, die sich niemals selbst verloren und wahre Stärke beweisen, selbst dann, wenn die Liebe ihnen Bedingungen stellt. Diese Kolumne ist für jene, die keinen Laut von sich gaben, als sie neben mir wuchsen, obwohl wachsen weh tut, die offen über Krebs sprechen um anderen Mut zu machen und auch für die, die gehen konnten, weil sie wussten, dass Abschiede manchmal nötig sind um nicht stehen zu bleiben und die Hoffnung zu behalten, dass es noch Bordsteine gibt, an denen der Löwenzahn sprießt.

Und die letzten Silben noch als Erinnerung für mich und dich, wenn auch du sie zwischendurch vergessen haben solltest: Lausche, denn eine Blume brüllt noch immer in dir.

Marcel Doganci / Foto: Corinna Kern

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Lukullische Genüsse des Nahen Ostens – zwei Rezepte

Zutaten (für beide Gerichte)

1. Mezze – so werden im Orient die zahlreichen Vorspeisen bezeichnet, die dort an keiner Tafel fehlen dürfen. Der Klassiker unter ihnen ist Hummus – für Freunde der libanesischen Küche oder des Falafel-Sandwiches längst kein Fremdwort mehr. Wie leicht und schnell man sich diese köstliche Vorspeise zu Hause selber machen kann, sei hier im Folgenden beschrieben.

Man gehe zum gut sortierten Türken oder Araber um die Ecke (beispielsweise in der Weidengasse am Hansaring oder auf der Kyffhäuserstraße nahe des Barbarossaplatzes) und kaufe:

2. Kein raffiniertes Gericht für ein romantisches Abendessen zu zweit, aber eine Mahlzeit, die im Orient einer der beliebtesten Imbisse überhaupt ist (die „Curry-Wurst des Nahes Ostens“ sozusagen - wenn auch vegetarisch) nennt sich „Foul“. Sie besteht aus braunen FavaBohnen, die in Ägypten das Grundnahrungsmittel schlechthin sind. Die folgende Zubereitungsart der hierzulande auch als Sau- oder Puffbohnen bezeichneten Hülsenfrüchte ist vor allem in Syrien äußerst beliebt, wo man sie besonders gerne zum Frühstück isst. Für den jungfräulichen Gaumen mag die Kombination von deftigen Bohnen und Yoghurt-Soße zunächst gewöhnungsbedürftig anmuten, wer jedoch einmal auf den Geschmack gekommen ist, wird es lieben.

Yoghurt, am besten den griechischen (10% Fett) Tahina (Sesampaste) 1 Dose pürierte Kichererbsen für Hummus oder 1 Dose gekochte Favabohnen (Foul) Gewürz Cumin (gemahlener Kreuzkümmel) Gewürz Sumak (Kleiner Tipp: Die säuerliche schmeckende Essigbaumfrucht passt auch gut in Salat) 1 Packung dünnes, arabisches Fladenbrot 1 Zitrone 1-2 Tomaten 1 Knoblauchzehe Sträuchlein glatte Petersilie Salz Olivenöl

Sowohl Kichererbsen als auch Fava-Bohnen sind sehr gehaltvoll an Proteinen, Magnesium, Eisen und Zink und daher gerade auch für Vegetarier eine nahrhafte Speise. Beide Gerichte sind schnell und unkompliziert zuzubereiten. Super gesund und super lecker ! Wer sich die Mühe machen möchte, kann die Bohnen (Kichererbsen für Hummus oder Favabohnen für Foul) auch in getrockneter Form kaufen, sie über Nacht einweichen und am nächsten Tag 2 Stunden köcheln lassen. Ist aber nicht nötig, denn auch die vorgekochten aus der Dose schmecken wunderbar. (P.S.: Kichererbsen anschließend pürieren, Fava-Bohnen bitte nicht)

Zunächst ist folgende Rezeptur die Grundlage beider Gerichte: Yoghurt-Sesamsoße 3 Esslöffel Yoghurt 2 Esslöffel Tahina 1 kleine zerdrückte Knoblauchzehe Saft einer halben Zitrone 1 Teelöffel Cumin 1 Teelöffel Salz Genannte Zutaten mit dem Schneebesen gut verrühren – fertig!

Hummus: Man öffne die Dose, schütte eventuelle Flüssigkeit ab, gebe das Kichererbsenpüree zu der bereits zubereiteten Sesamsoße, verrühre es gut miteinander, portioniere es auf einen flachen Teller, hebe mit einem Esslöffel in der Mitte eine Kuhle aus, in die man gewürfelte Tomaten gebe, beträufele das ganze mit etwas Olivenöl und – das Auge isst mit – bestäube es dekorativ mit jeweils einer Prise Cumin und Paprikapulver. Fein gehackte Petersilie drüber– fertig! Dazu reiche man das dünne, arabische Fladenbrot, das man in das Hummus eindippt.

Für die Zubereitung von Foul gehe man folgendermaßen vor: Dose öffnen, Bohnen abspülen, in einen Topf geben, Wasser hinzufügen, so dass es die Bohnen um einen oder zwei Finger breit bedeckt. Erhitzen, aber nicht kochen. Bohnen samt Kochwasser zur Sesamsoße geben, einen Teelöffel Sumak hinzu, gut verrühren. Auf zwei tiefen Tellern portionieren. Nun auf jede Portion klein gewürfelte Tomatenstücke geben, etwas Olivenöl hinzufügen, und, wie bei der Zubereitung von Hummus, mit Cumin, Paprikapulver und gehackter Petersilie verzieren.

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Julia Brand

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FernSicht Foto: Elisa Hapke

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Ab ins Ausland - wie komme ich von hier weg - Mein(s) Service

Die Möglichkeiten im Ausland zu studieren sind vielseitig. Neben dem Erasmus Programm, bieten auch andere Dienste wie der Deutsche Akademische Auslands Dienst Teilstudien im Ausland an. Doch was genau ist eigentlich Erasmus? Bis wann muss man sich beworben haben? Und wo überhaupt? Erasmus Erasmus bietet einen großen Vorteil: Das Programm besteht aus der Verbindung zwischen einzelnen Universitäten, also Partnerschaften. Zwischen diesen Unis können die Studierenden sich austauschen lassen. Dadurch lassen sich Scheine über Erasmus wesentlich leichter anerkennen, als zum Beispiel bei einem selbst organisierten Auslandsstudium. Positiv beim Erasmus Programm ist vor allem, dass die Studiengebühren sowohl an der ausländischen Uni, als auch durch ein Urlaubssemester an der Heimat Uni wegfallen. Das Auslands-Bafög hat wesentliche niedrigere Zulassungsgrenzen, so dass Studierende, deren Eltern knapp zu viel verdienen, um mit Bafög unterstützt zu werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit Zuschüsse bekommen. Die Organisation eines Erasmus Semesters ist wohl die einfachste, der hier aufgeführten Möglichkeiten. Austauschprogramme vor Ort helfen zudem Teilnehmer zu integrieren. Der Nachteil des Erasmus Programms ist die Überfüllung. Die Zahl der Bewerber übersteigt die Kapazitäten, so dass man, um einen Platz zu ergattern, sehr gute Noten vorweisen und ein Bewerbungsverfahren durchlaufen muss. Was muss ich tun, um am Erasmus teilzunehmen? Zunächst einmal: Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 20. Januar. Jedes Seminar der Uni Köln hat einen eigenen Mitarbeiter, der die Anfrage der eigenen Studierenden bearbeitet. Es ist zwar möglich auch an fachfremden Seminaren eine Bewerbung einzureichen; hauseigene Studierende werden jedoch nach Aussage der Organisatoren bevorzugt angenommen. Eure Bewerbungsunterlagen sollten zunächst folgendes enthalten (kann studienfachabhängig leicht variieren): Einen tabellarischen Lebenslauf mit Foto, ein Motivationsschreiben (Studieninteressen/ Sprachkenntnisse etc.) aus dem hervorgeht, für welche Uni Du dich bewirbst. Weiterhin einen Studienverlaufsplan und eine Kopie aller Leistungsnachweise. Die Frist vom 20. Januar gilt übrigens für das WiSe 10/11 und das folgende Sommersemester.

am 20. Januar endet die Bewerbungsfrist für die nächsten beiden Erasmus Semester. Ein Grund für uns, sich die Möglichkeiten ins Ausland zu gehen, mal genauer anzusehen.

DAAD Ein Auslandssemester direkt über den Deutschen Akademischen Austausch Dienst ist von der Organisation her, schon eine Ecke schwieriger. Diverse Formulare müssen ausgefüllt und bestätigt werden. Darunter so schöne Dinge wie: „Fahrtkostenzuschüsse für Auslandspraktika“. Über Anerkennung der an den jeweiligen Unis erbrachten Leistungen muss man sich individuell informieren. Im Gegensatz zum Erasmus Programm bietet der Daad jedoch auch nicht-europäische Länder als Ziele an. Eine Bewerbung erfolgt im besten Fall über die Homepage des Daad (daad.de). Selbst organisierter Auslandsaufenthalt/Open-Semester Programs Alternativ lässt sich das Auslandssemester natürlich auch selbst organisieren. Der Aufwand ist zwar vergleichsweise größer, Einschränkungen bei der Wahl der Uni oder der Gestaltung des Semesters fallen jedoch weg. Die Gefahr, Scheine nicht angerechnet zu bekommen, steigt dafür. Eine Möglichkeit eines selbstorganisierten Auslandaufenthalts sind Open-Semester-Programs oder Study Abroad Programs. Diese Alternativen sind besonders im englischsprachigen Ausland möglich. Oft gibt es für Bewerber vereinfachte Bewerbungsverfahren und vergünstigte Konditionen. Außerdem ist die Möglichkeit einer flexiblen fach- und semesterübergreifenden Kurswahl gegeben, so dass Scheine oft an der Heimat-Uni angerechnet werden können.

Simeon Buß

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FernSicht

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Die Welt in Köln Syrien Syrien - ein Land, das nicht jedem auf Anhieb bekannt ist und zu dem selbst dem ein oder anderen gebildeteren Menschen nicht allzu viel einfällt. „Muslimischer Staat des Nahen Ostens“ ist meist die einzige Assoziation, die beim Erwähnen des zwischen Türkei, Irak, Jordanien, Israel und dem Libanon gelegenen Landes aufkommt. Höchstens einige Archäologen und Städte-Reisende abseits des Pauschaltourismus geraten ins Schwärmen, wenn sie von der Schönheit und dem Flair der an 1001-Nacht anmutenden Städte Damaskus, Aleppo und Palmyra, sowie den unzähligen archäologischen Schätzen zu berichten beginnen und fast überschwänglich die Gastfreundschaft der Landesbewohner preisen. Viele Syrer gibt es in Deutschland nicht - mit 28.000 eine vergleichsweise geringe Anzahl. Nicht wenige von ihnen kommen nach Deutschland, um ein Aufbaustudium zu absolvieren, die meisten davon zum Arzt oder Ingenieur. Als Tammam Jdid im Dezember 2006 am Frankfurter Flughafen aus dem Flugzeug steigt, um in Bonn eine zusätzliche Facharzt-Ausbildung im HNO-Bereich zu beginnen, hat er eine feste Vorstellung von Deutschland. Alles sei hier viel moderner und besser, als in seiner Heimat, die Leute arbeiteten härter, seien strenger und vor allem „geradeaus“. Das gefiel ihm und dies wollte er von den Deutschen lernen. Aufgewachsen in der kleinen Mittelmeerstadt Tartus, eine von Kreuzfahrern im 12. Jahrhundert gegründete Hafenstadt, geht er mit 18 Jahren in die Hauptstadt Damaskus, um dort Medizin zu studieren. Fünf Jahre später schließt er sein Studium ab, weitere vier Jahre dauert die anschließende Facharzt-Ausbildung zum HNO-Chirurgen in einem damaszener Krankenhaus. Diese absolviert, möchte er zunächst in die USA, um sich dort weiter fort zu bilden. Als das jedoch nicht klappt, entschließt er sich dazu nach Deutschland zu gehen. Vier Monate lang lernt er fortan deutsch bei einem Privatlehrer, knüpft über Bekannte aus Damaskus Kontakt zu einem in Köln lebenden Landsmann, der ihn fürs Erste aufnehmen und bei Behördengängen und Wohnungssuche helfen soll. Die ersten Wochen in der Bonner Klinik scheinen seine Vorstellungen über Deutschland zu bestätigen – nicht nur, was die deutsche Arbeitsweise betrifft. Die neuen Kollegen sind zwar freundlich und hilfsbereit, doch der förmliche Abstand untereinander wird auch nach Wochen noch stets beibehalten. Manche scheinen ihn regelrecht misstrauisch zu meiden, bewahren betont die Distanz. Auch den Patienten ist die Skepsis dem neuen Arzt gegenüber, dessen Deutsch noch gebrochen und unsicher ist, deutlich anzumerken: „Beherrscht er die Sprache genug, um zu wissen, was er da tut am OP-Tisch? Hat er in seinem Land überhaupt eine

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Tamman ist Arzt in Deutschland. Das Wetter findet er gewöhnungsbedürftig.

anständige Ausbildung erhalten, die dem deutschen Standard gemäß ist?“. Doch Tammam überzeugt nicht nur fachlich – mit der Zeit gelingt es ihm die unterschwelligen Hemmungen und Vorurteile seines Umfeldes abzubauen und stereotype Klischees verblassen zu lassen. Es dauert fast Monate, bis auch der Kollege, der sich anfänglich allzu distanziert gibt, langsam auftaut. Heute sind sie gute Freunde und haben zusammen bereits dessen Heimat Bayern bereist. „Die Deutschen sind zuerst oft sehr zurückhaltend“, erzählt Tammam. „Man geht lange Zeit erst einmal relativ förmlich miteinander um, bevor man Freundschaft schließt“. Doch die Deutschen seien nur am Anfang so, findet er. Wenn erst einmal das Band der Freundschaft geknüpft sei, erwiesen sie sich als treue und aufrichtige Freunde, auf die man sich verlassen könne. Schwieriger als die Integration im Krankenhaus gestaltete sich hingegen die Suche nach einem eigenen Apartment. Nach wochenlanger, vergeblicher Suche zieht er schließlich in ein Wohnheim für junge Fachärzte, angehende Schwestern und Pfleger. Doch auch hier ist der Kontakt untereinander spärlich. Schichtdienst und Überstunden, die das Krankenhauspersonal in der Regel leisten muss, tragen nicht zuletzt dazu bei, dass man im Hausflur kaum jemandem zweimal begegnet. Die soziale Abgeschiedenheit ist schwer zu ertragen für den Syrer. Was er am stärksten vermisst in Deutschland, sind vor allem die engeren und intensiveren familiären und sozialen Bindungen seiner Heimat. Die freien Wochenenden verbringt Tammam fortan bei seinem Freund und Landsmann Khalil, der ihm schon in den ersten Wochen nach seiner Ankunft unermüdlich mit Rat und Tat zur Seite steht. Meist treffen sie sich dort als Clique von befreundeten Syrern, die in Köln und Umgebung leben, man isst zusammen, spielt Karten und Backgammon bis zum Morgengrauen, oder geht auch mal ein Bier trinken. Nach zwei Jahren im Wohnheim zieht Tammam ganz zu seinem Freund und dessen deutscher Ehefrau. Nun sucht er erneut eine eigene Wohnung, denn im kommenden Frühling wird er selbst heiraten und seine Frau endlich zu sich nach Deutschland holen können. Mit der 29-jährigen Lilianne ist er seit drei Jahren verlobt – eine Zeit in der die beiden, abgesehen von einem einzigen Besuch in der Heimat, lediglich über Telefon oder Internet den Kontakt aufrecht erhalten konnten. Gemeinsam mit der ausgebildeten Innenarchitektin möchte er noch einige Jahre hier in Deutschland leben und arbeiten. Doch Heimat ist und bleibt Heimat, und nach der sehnt sich Tammam besonders immer dann, wenn mal wieder seit Tagen der Himmel bewölkt ist, es kalt ist und in Strömen regnet. „Manchmal sehe ich hier wochenlang keinen blauen Himmel. Wenn ich morgens in die Klinik fahre, ist es noch dunkel. Und wenn ich abends raus komme, schon wieder!“, sagt er lachend. An das feucht-kalte Klima wird sich Lilianne wohl auch noch gewöhnen müssen. Den ersten Kulturschock hat sie bereits hinter sich. Vor wenigen Wochen besuchte sie ihren Zukünftigen das erste Mal in Köln. Und an Weihnachtsmarktgetümmel, Nikoläusen und Konsumterror führte zu dieser Jahreszeit wohl kein Weg vorbei. Text und Bilder: Julia Brand

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Un jour bourgeois à Paris – Auf Entdeckungstour durch die gehobenen Vororte der französischen Hauptstadt Unser Ressortleiter „Fernsicht“ hat mich auf Knien angefleht, ich möge doch einen Artikel über Paris verfassen. Da ich kein Unmensch bin, habe ich mich schließlich dazu bereit erklärt. Nun stand ich aber vor einem Problem. Was hatte ich in dieser Stadt erlebt, über das ich schreiben konnte? Mir fiel ein, dass sich der 11. November von den sonst so stillen Tagen in Paris abgehoben hatte. Der Aufhänger für den Bericht war gefunden: Der 11. November 2009. „Nicolas Sarkozy möchte den 11. November von einem nationalen Feiertag zu einem Tag der deutsch-französischen Freundschaft, zum Tag der europäischen Versöhnung umdeuten“, hieß es. Was? In Frankreich ist Karnevalsanfang ein nationaler Feiertag? Oder gar Sankt Martin? Nein, natürlich nicht. Am 11. November 1918 wurde das Waffenstillstandsabkommen, zu französisch l’Armistice, zwischen den Mittelmächten und der Entente unterzeichnet. Das bedeutete den Sieg über Deutschland. Diesen Tag wollte Sarkozy in diesem Jahr zu einem Tag der deutsch-französischen Freundschaft erklären. Ein Tag zur Ehre der Toten und zur Mahnung an die Lebenden, dass jeglicher Krieg nur Leid und Verderben

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bringt. Dazu hatte er eine Einladung an Frau Angela Merkel in einen Umschlag gesteckt, angeleckt, geschlossen und ordentlich frankiert in den Postkasten geworfen. (Er hatte Glück, dass die französische Post nicht wieder streikte.) Die Bundeskanzlerin ließ sich nicht lange bitten, und so reiste sie am 11.11.2009 nach Paris, um mit dem französischen Präsidenten gemeinsam die Flamme auf dem Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen wieder zu entzünden. Zwei Freunde und ich beschlossen, uns das Spektakel anzusehen. Französische Staatsfeiertage wären bestimmt interessant. Außerdem würden dort Sarkozy, Merkel und vielleicht auch Carla Bruni zu sehen sein. Um 11 Uhr morgens finden jedes Jahr am 11.11. die Feierlichkeiten zur „Armistice“ statt, und so fanden wir drei ERASMUSStudenten uns um 10.45 Uhr auf den Champs-Élysées ein, um zum Arc de Triomphe zu schlendern. Wir fanden sehr schnell heraus, dass inzwischen der Zugang zum Triumphbogen abgesperrt war und man das Geschehen nur aus einiger Entfernung über einen riesigen Bildschirm verfolgen konnte. Auch gut. Dann kam die Kolonne der beiden „Staatsmänner“. Französische Soldaten, hier und dort wohl auch Vertreter der Bundeswehr, in Paradeuniform. Merkel und Sakozy schritten mit zwei Kindern zum Triumphbogen und salutierten hie und da. Was genau die Kinder dabei sollten, weiß ich nicht. Vielleicht dachte man, dass Kinder irgendwie niedlich wirken und somit immer gut bei den Menschen ankommen. Die Marseilleise ertönte, dann wurde auch

die deutsche Nationalhymne gesungen. Gemeinsam gingen Monsieur le Président und Frau Bundeskanzlerin zur Stelle, an der die Flamme auf dem Grab des unbekannten Soldaten züngelt. Das „Wiederentzünden“ gestaltete sich als gemeinsames Herumstochern in der Flamme mit einem güldenen Stock. Diesen Teil der Zeremonie abgehakt, begab sich Nicolas Sarkozy zum Rednerpult. Durch Lautsprecher wurden seine starken Worte verstärkt, auf der großen Leinwand konnte man die passenden deutschen Untertitel lesen. Allerdings gestaltete es sich schwieriger, den Armistice-Tag zu einem europäischen Antikriegs- und Freundschaftstag umzumodeln und gleichzeitig die Leistungen der französischen Armee nicht zu schmälern, als vielleicht von Sarkozy gedacht. Die ersten Passagen von der Ehre der französischen Soldaten, die heroisch fürs Vaterland gestorben, und die Passagen über den allgemeinen Irr- und Unsinn des Krieges standen nicht nur ein bisschen unversöhnlich nebeneinander im Raum. Es folgte eine kurze Mahnung, dass Deutschland und Frankreich nie wieder gegeneinander Krieg führen sollten, und ich musste daran denken, dass Franzosen und Deutsche Seite an Seite in Afghanistan in einem zumindest kriegsähnlichen Einsatz kämpfen. Der mag zwar insgesamt nicht so zerstörerisch und ausufernd sein wie die beiden Weltkriege, aber dennoch blieb ein bitterer Beigeschmack der Rede. Danach übernahm Merkel das Mikrophon. Auch sie sprach von der deutsch-französischen Freundschaft, und wie wichtig diese für die

Lösung heutiger und zukünftiger Probleme, wie zum Beispiel ihres Lieblingsredethemas Klimawandel, sei. Vom anwesenden Chor wurde „Ode an die Freude“ auf Französisch und Deutsch angestimmt, und Merkel hüpfte in ihre Limousine und fuhr als erste in Richtung Élysée-Palast. Le Petit Nicolas und Carla Bruni, die auf einmal auch da war, gingen noch eben zur Menge und schüttelten Hände, leider 100 Meter von uns entfernt, bevor auch sie sich in ihren Wagen schwangen und winkend davonbrausten. Das waren die Armistice-Feierlichkeiten gewesen. Okay. Da wir uns nun schon einmal im Westen von Paris befanden, beschlossen wir drei, eine Safari durch das „bessere“ Paris zu machen - oder treffender gesagt: durch die „besseren“ Vororte. Denn bald nach dem Arc de Triomphe hört das eigentliche Paris auf, und man befindet sich in der Banlieue. Banlieue? Ist das nicht dieser grausige Ort, wo Migrantenkinder Autos anzünden, und an dem die ganzen Aufstände in den letzten Jahren tobten? Banlieue ist nicht Banlieue! Die Vorstadt im Norden und Osten wird mehrheitlich von ärmeren und arbeitslosen Menschen bewohnt, deren Zukunftsperspektiven praktisch nicht vorhanden sind. Die Vororte im Westen hingegen gehören der „herrschenden Klasse“, der „Bourgeoisie“, um diese Vokabeln einmal zu gebrauchen. Zuerst wollten wir La Défense, ein Viertel, das hauptsächlich Finanzzentrum und Gewerbegebiet ist, besuchen. Dessen moderne Glas- und Stahlbauten befinden sich auf einer Achse mit dem Louvre und

dem Arc de Triomphe und erheben sich weithin sichtbar im Westen gen Himmel. Wir fuhren mit der Métro-Linie 1 bis zur Haltestelle La Défense. Die Hauptverkehrsader liegt tief unter diesem Stadtteil, an der Oberfläche befindet sich eine Fußgängerzone, die jedenfalls an diesem Feiertag zwar nicht komplett ausgestorben war, aber dennoch tot wirkte. Das Viertel ist bestückt mit Werken bekannter Künstler, wie zum Beispiel Richard Serra. Auch sonst macht das Quartier recht viel her, wenn man auf die Glaspaläste der Moderne steht. Es beherbergt in seinen Hochhäusern Banken und Versicherungen und die Sitze anderer französischer und internationaler Wirtschaftsunternehmen. La Défense sieht aus wie ein Stück Manhattan oder Frankfurt am Main. Jetzt zur Weihnachtszeit stehen kleine Weihnachtsmarkthäuschen auf dem Vorplatz der Grande Arche, dem berühmtesten Bauwerk dort. Diese passen wie die Faust aufs Auge: Weihnachtsmarkthäuschen zwischen postmodernen Stahlbetonbauten... Wie gemütlich. Weiter gings’s nach Neuilly-sur-Seine. Dieser Teil der Banlieue liegt näher an Paris als La Défense und stellt das Wohnviertel der „besseren“ Leute des Großraums Paris dar. Wenn man durch die Straßen von Neuilly geht, fällt einem sofort diese für Paris untypische Sauberkeit auf. Die Straßen sind propre und die Hausfassaden wirken wie gerade frisch renoviert. Überall sorgen Überwachungskameras für die nötige Sicherheit der Straßen und deren

Bewohner. Es soll einen nicht verwundern, dass Nicolas Sarkozys politische Karriere hier begann: 1977 wurde er Gemeinderat, von 1983 und 2002 war er Bürgermeister. Auch Sohnemann Jean ist bereits dort Politiker. Im Oktober dieses Jahres verzichtete der 23-Jährige erst nach heftiger Kritik in den Medien auf den Posten des Chefs der Entwicklungsgesellschaft von La Défense. Man rief laut: Vetternwirtschaft! Obwohl das familiäre Verhältnis zwischen dem Präsidenten und Jean doch ein anderes ist. Nachdem wir zur Genüge rauchende Kiddies in Designerklamotten bestaunt hatten und schätzungsweise von 83 Überwachungskameras aufgenommen worden waren, beschlossen wir, den Tag mit einem Spaziergang durch den Bois de Boulogne zu beschließen. Der waldähnliche Park liegt südlich von Neuilly und man munkelt, dass dort des Abends Drogendealer und Prostituierte ihr finsteres Geschäft treiben. Doch als wir da entlang liefen, sahen wir niemanden. Um 16 Uhr nachmittags ist es dazu wohl noch zu früh und zu hell. Stattdessen huschte eine kleine Parkeisenbahn an uns vorüber, die Kinder und ältere Herrschaften schnaubend, aber nicht zu hastig durch die Grünanlage chauffierte. Süß. Hach, wie friedlich es in der Banlieue doch sein kann... Wie bestellt für den 91. Jahrestag des Waffenstillstandes, wie bestellt für diesen 11. November.

Text und Bilder: Alexander Graeff

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ErkenntnisReich Foto: Christine Willen

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Zahnärzte empfehlen dunkle Schokolade

Dunkle Schokolade kann einen positiven Effekt auf die Zahngesundheit haben Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Zahnmediziner jemals Schokolade empfehlen würden? Wissenschaftler der Uniklinik Greifswald vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde haben die Beziehung zwischen der Magnesiumkonzentration im Blut und dem Gesundheitszustand der

Zähne untersucht. Die Auswertung der Langzeitdaten von über 4000 Probanden offenbarte, dass bei ausreichender Magnesiumversorgung weniger Zahnfleischentzündungen und Zahnverlust auftreten. „Nach den Ergebnissen dieser Studie sind insbesondere Diabetiker und junge Frauen von einer Unterversorgung mit Magnesium betroffen“, erklären die Wissenschaftler um Prof. Peter Meisel. Um diese Botschaft ein wenig zu versüßen, fügen sie hinzu: „Die gute Nachricht dabei ist, dass dunkle Schokolade reichlich Magnesium enthält und darüber hinaus auch Inhaltsstoffe mit günstigen Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem." Ob der hemmungslose Genuss von dunkler Schokolade so sinnvoll ist, darauf gehen die Wissenschaftler hier nicht ein. Aber zum Glück gibt es zahlreiche andere Leckereien, die auch genügend Magnesium enthalten. Dazu gehören: Sonnenblumenkerne, Sojabohnen, Erdnüsse, Mandeln, Milchprodukte, Geflügel, Fisch, Kartoffeln, Orangen und Bananen.

Was kann Efeu? Arzneipflanze des Jahres 2010 Was haben Buchweizen, Fenchel und Hopfen mit Efeu gemeinsam? Sie waren alle schon einmal Arzneipflanze des Jahres. Der Würzburger "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" schenkt in diesem Jahr dem Efeu eine besondere Beachtung. Er wächst und rankt überall, zum Beispiel an Bäumen, oder ziert Häuserwände. Diese Eigenschaft beschreibt auch der botanische Name Hedera helix. Er leitet sich vermutlich von dem griechischen Begriff hédra (Sitz) ab, weil die Pflanze auf dem Baum "sitzt". Helix kommt vom griechischen Wort helissein (winden, drehen), da der Efeu sich bekanntlich um einen Baum herum windet. Für den Würzburger Studienkreis

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ist klar: Efeu ist kein Unkraut, sondern eine Heilpflanze. Aus den Blättern des Efeus werden seit der Antike Extrakte hergestellt, die bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege oder bei Verbrennungen Linderung verschaffen. Klinische Studien haben die Wirksamkeit der so genannten Saponine aus dem Efeuextrakt bestätigt. Aber Vorsicht! Der frische Saft aus den Efeublättern kann auch allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen. Die Beerenfrüchte der Pflanze sind zudem ungenießbar: sie verursachen Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Trotz dieser Nachteile ringt, äh, rankt der Efeu um besondere Anerkennung.

Ode an die Faulheit

In einer Sekunde um die Welt Foto: Christine Willen

Gezieltes Nichtstun macht glücklicher Es klingt zu schön um wahr zu sein! Liebe Bachelor-Studenten, lasst euch nicht stressen – denn Überengagement lohnt sich nicht immer. Der Psychologe Martin Tomasik von der Universität Jena hat jetzt etwas herausgefunden, was wir Studenten tief im Innern schon lange beherzigen. In seiner Dissertation macht Tomasik deutlich, warum sich unter bestimmten Gesichtspunkten gezieltes Disengagement lohnt. In einer aufwendigen Studie befragte Tomasik jeweils 10 Probanden in 80 verschiedenen Landkreisen über ihren Umgang mit neuen Herausforderungen sowie ihrer Lebenszufriedenheit und setzte dieses mit der regionalen Arbeitslosenquote und dem Schulabbrecheranteil in Beziehung. Sein Ergebnis: Menschen in wirtschaftlich schwachen Regionen sind zufriedener, wenn sie unerreichbare Ziele gar nicht erst verfolgen. "Das schützt den Einzelnen vor den negativen Konsequenzen des andauernden Misserfolges und setzt Kräfte und Ressourcen frei, die an anderer Stelle sinnvoller investiert werden können", erläutert Tomasik. So wäre zum Beispiel mehr Zeit dafür, sich im Vereinsleben, in einem Ehrenamt oder in der Kirchengemeinde zu engagieren, ergänzt der Jenaer Psychologe. Mit dieser Feststellung hat Tomasik den mit drei Tausend Euro dotierten Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung gewonnen. In seinem Fall hat sich das gezielte Engagement mit der Bewerbung zum Studienpreis jedenfalls gelohnt.

Christine Willen

Die Schaltzentrale des alten Teilchenbeschleunigers

Ein neuer Teilchenbeschleuniger bereichert die Kernphysik Die Uni-Wiese am Physikalischen Institut ist im Sommer sehr beliebt bei Grillfreunden und Jongleuren. Sie ahnen nicht, dass in unmittelbarer Nähe unter Ihnen keine Keulen oder Jonglierbälle kreisen, sondern Atomkerne das Fliegen lernen. Seit Juni letzten Jahres stehen die Geräte des Teilchenbeschleunigers allerdings still. Umfassende Sanierungsarbeiten und der Ausbau des ersten und zweiten Tiefkellers am Institut für Kernphysik halten den 40 Jahre alten Teilchenbeschleuniger in einem Dornröschenschlaf. Seit dem Sommer 2009 ist das Vorhaben für alle sichtbar: Ein Kran, aufgewühlte Erde und Container direkt vor dem Physikalischen Institut lassen erahnen, dass hier eine Baustelle ist. „Das Kellerdach hat eine Luke, über die alle benötigten Baustoffe eingelassen werden, deswegen steht hier ein Kran“, erklärt Dr. Stefan Heinze, Wissenschaftler am Physikalischen Institut der Universität Köln. „Über dieses Loch wird im Frühjahr 2010 auch der neue Teilchenbeschleuniger kommen.“ Kein Wunder, bei einer Länge von 13 Metern mit einem Durchmesser von 3,5 Metern und einem Gewicht von etwa 20 Tonnen ist es nur vernünftig, nicht das Treppenhaus zu nehmen. Ungefähr 6,5 Millionen Euro kostet das gesamte Vorhaben. Das Projekt wird mit 4,5 Millionen Euro hauptsächlich von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) finanziert. So viel Geld kostet allein der neue Teilchenbeschleuniger. Die Uni Köln schafft die baulichen Vorraussetzungen und saniert im Zuge dessen vorab den gesamten Kellerbereich für etwa 2 Millionen Euro.

Das gesamte Projekt kostet etwa 6,5 Millionen Euro Bundesweit gibt es insgesamt 14 Kernforschungsanlagen. Das Institut für Kernphysik gehört zu den

wenigen Universitäten, die einen Teilchenbeschleuniger besitzen. Wenn nicht gerade der Keller saniert wird, läuft der so genannte Tandembeschleuniger 24 Stunden am Tag, nonstop. Nur dann lohnt sich der Aufwand. „ Mit dem Tandembeschleuniger betreiben wir Grundlagenforschung, das heißt Kernstrukturforschung. Wir fragen uns zum Beispiel: Welche angeregten Zustände gibt es im Atomkern? Wie zerfallen diese Zustände wieder? Und welche Strahlung wird dabei freigesetzt?“, erläutert Heinze. Dafür werden negativ geladene Teilchen auf eine ungeheure Geschwindigkeit beschleunigt. Dieser Teilchenbeschleuniger heißt Tandembeschleuniger, weil das betreffende Ion zweimal hintereinander beschleunigt wird. Als erstes wird das negative Ion von einem positiv geladenen Terminal angezogen, weil sich gegensätzliche Ladungen unwiderstehlich finden. Dann sorgen Stripper-Folien dafür, dass die äußere, negative ElektronenHülle des Ions abfällt. Jetzt sind die Ionen genauso wie das Terminal positiv geladen. Der eben noch so unwiderstehliche Terminal stößt das Ion (Proton) ab, welches dadurch eine weitere Beschleunigung erlebt. Die schnellsten Protonen erreichen eine Geschwindigkeit von 50 000 km pro Sekunde. Damit könnten die Protonen in weniger als einer Sekunde um die Erde fliegen (der Erdumfang beträgt ca. 40 000 km). Erst dann sind die Atomkerne ausreichend angeregt für die weitere Untersuchung.

Die neue Anlage ist für Mediziner, Archäologen und Geologen interessant Mit dem neuen Teilchenbeschleuniger werden allerdings keine kernphysikalischen Grundlagen untersucht. Die neue Anlage dient der Massenspektroskopie mittels eines AMS-Teilchenbeschleunigers (engl.: Accelerator Mass Spectroscopy, kurz: AMS). „Durch die hohe Geschwindigkeit und einem

Magneten können wir unterschiedliche Teilchen mit einer sehr guten Auflösung voneinander trennen“, erläutert Heinze und führt weiter aus: „Diese Eigenschaft kann man zum Beispiel bei der Altersbestimmung von archäologischen Knochenfunden oder von Gesteinen nutzen.“ Von der Klimaforschung mit der Untersuchung von Eisbohrkernen bis hin zur Medizin mit der Detektion von geringsten Mengen eines Stoffes, ist der neue Teilchenbeschleuniger für viele Forschungsbereiche interessant. Aus diesem Grund wird er interdisziplinär genutzt. So ist unter anderem das Institut für Geophysik und Meteorologie der Uni Köln, sowie das Geoforschungszentrum Potsdam an dem Projekt beteiligt. „Wir hier im Haus werden hauptsächlich die unterschiedlichen Messungen dafür betreuen. Wir machen ja selber keine Geoforschung, wir sind Kernphysiker. Was wir mitbringen, ist das nötige Know-how, schließlich haben wir 40 Jahre Erfahrung darin, einen Teilchenbeschleuniger zu betreiben“, verkündet Heinze stolz.

Keine Angst beim Grillen Ungefähr in einem Jahr wird der neue Teilchenbeschleuniger seine ersten Messungen durchführen. Dann stehen dem Physikalischen Institut zwei Maschinen mit völlig unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten für die Forschung zur Verfügung. Wem jetzt mit diesem Wissen beim Grillen auf der Uni-Wiese am Physikalischen Institut ein wenig mulmig zumute sein sollte, der kann sich wieder entspannen: „Manchmal haben Leute Angst, dass wir hier so etwas wie ein Atomkraftwerk betreiben. Diese Sorgen sind unberechtigt. Die Praxis zeigt, dass wir unten im Keller bei der Arbeit am Teilchenbeschleuniger insgesamt weniger Strahlung abbekommen als oben beim Grillen auf der Wiese durch die kosmische Strahlung.“ Christine Willen

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Foto: Niels Walker


Das beste der Stadt: Café Fleur Klar, wenn jetzt hier das Fleur angepriesen werden soll, dann ist das kein Geheimtipp. Aber auch den altbewährten Dingen sollte man doch hin und wieder mal seine Wertschätzung aussprechen, nicht dass man sie noch irgendwann für selbstverständlich hinnimmt. Denn dann fühlen sie sich vernachlässigt und ehe man sich versieht verlassen sie einen. Traurig so was. Also, für alle die's noch nicht wissen und für die die's schon wissen einfach auch noch mal: Eins von Kölns schönsten, gemütlichsten Café befindet sich auf der

Ecke Engelbert-/Lindenstraße, ideal gelegen zwischen Uni Campus und Innenstadt. So richtig was von der Sorte, wo man am liebsten den ganzen Tag verbringen würde. Irgendwie Französisches Ambiente in einem Raum wo der Putz von der Decke bröckelt und man sich fragt was das früher eigentlich mal drin war; lecker Getränke, lecker Essen, freundlichen Service und faire Preise. Du magst in der Zwischenzeit mit hipperen Mädels in die Kiste gehüpft sein, aber wenn du ehrlich bist, weiß die olle Tante Fleur immer noch am besten was du brauchst.

Café Fleur - Lindenstraße 10 www.cafefleur.de Besonders empfehlenswert: Das Multiple Choice Frühstück, studentenfreundlich bis 15 Uhr.

Bildungsstreik Bildungsstreik. An sich ja schon ein seltsames Wort. Wer streikt denn da und zu wessen Ungunsten?

Das beste der Stadt: Power to Peter Im Köln dieser Tage unabhängig, ohne tiefgreifende Connections und aus eigenen Mitteln Partys aufzuziehen, die den Veranstalter nicht knietief ins Dispo treiben, zeugt vom richtigen Riecher, Originalität und Fleiß. Genau so einen Start hat das Köln-Bonner Power To Peter Collective mit ihren bisherigen Partys am 7.9. und am 13.11. hingelegt und damit auch einen ganz schönen Braten ausgeworfen. Das Konzept ist dabei so einfach wie bestechend: Die recht klitschige Galerie Seidel in einem Bogen der Hohenzollernbrücke, auch unter dem Namen Domhof fungierend, wird nach einem Motto dekoriert und mit Anlage

und Getränken aufgefüllt. Mitglieder und Freunde des Power To Peter Kollektivs, Sammelbecken für Indierocker und Elektroniker im Raum Köln, stellen ehrenamtlich ihre Theken-, Kassen- und Instrumentenfähigkeiten zur Verfügung. Der Clou: Nicht nur DJs beschallen die kargen Räumlichkeiten, fester Teil der Veranstaltung sind Livedarbietungen. Einlass ist um 23 Uhr, eine halbe Stunde später ist es gerammelt voll mit bunt gewürfeltem, feierfreudigen Publikum. Mitten in die zumeist elektronischen DJ-Klänge wühlen sich dann die Indierocker von Periscope und bringen souverän Hüften zum Kreisen und Nacken zum Knacken. Und um zwei

Uhr nachts freut sich ein gewisser unangekündigter Experimentalrapper namens Illoyal mit Pianist, Schlagzeugund Bassklarinetteneinlagen sowohl des Entsetzens als auch des Zuspruchs. Diesen ganzen höchst erfreulichen Zirkus haben, ohne gedruckte Werbung, über 180 Gäste besucht. Ein beachtlicher Erfolg und eine Oase für Mundpropagandisten. Mir persönlich läuft beim Gedanken an die nächste, hoffentlich im Februar anstehende Power To Peter Party das Wasser im Munde zusammen. Sicher nicht nur mir!  Niklas Wandt

Gepriesen seist du, Pizzamann! Ich geb's zu: Eigentlich geh ich nicht seit sechs Jahren an die Uni um zu studieren - weiß sowieso nicht so recht was das eigentlich sein soll. Eigentlich geh ich nur an die Uni um meine Zeit und mein Geld damit zu verplempern am Pizzabüdchen auf dem Albertus-Magnus Platz abzuhängen und Cappuccino zu schlürfen. Nicht nur im Sommer, wenn leicht bekleidete Damen zu hunderten voller Anmut vorbeistolzieren, nein auch im Winter wenn es schneit ist dies einfach der beste Platz, um tagzuträumen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen fachzusimpeln oder dem guten alten

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Voyeurismus zu fröhnen. Menschenzoo live und völlig kostenlos. Safari kann nur unwesentlich spannender sein. Welche soziologischen Sensationen hätten wohl schon verkündet werden können, wenn sich nur mal lang genug jemand an diese Bude gestellt und aufmerksam genug beobachtet hätte? Wie dem auch sei. Der netten italienischen Familie, die den Laden schmeißt, gehört samt und sonders mindestens das Albertus Magnus Verdienstkreuz oder so was Ähnliches verliehen. Weil sie leckere Pizza machen, weil sie leckeren Kaffee machen,

Es wird gefordert, die Universität wieder zum Raum individueller Bildungsprozesse zu machen. Nur recht und billig. Aber warum bestreiken sich dann die angeblich so Bildungswilligen selbst, anstatt in Seminaren zu sitzen und sich wissenschafltich mit ihren Kommilitonen und Profs zu streiten? Warum kriegen all die großen Revoluzzer plötzlich ihren Mund nicht mehr auf, wenn's um sachliche Debatten und ernst zu nehmende, theoretisch fundierte Kritik fernab ideologischer Parolen geht? Warum stehen sie nicht bei ihren Dozenten auf der Matte um Seminare zu Themen, die sie wirklich interessieren zu fordern oder sitzen in der Bibliothek um sich das Wissen anzulesen, welches nötig ist um selbstgerechte Profs in Bedrängnis zu bringen? Stattdessen wird in Arbeitsgruppen, in denen laut Eigenaussage "Kritik und

Analyse" geleistet werden soll, mit unbelegten angeblichen Zitaten von Politikern hantiert und Widersinniges darüber fabuliert, was eine Scheinentität wie "der Staat" den Studenten angeblich Böses wolle. Noch ein paar aus dem Kontext gerissene, falsch verstandene Adorno Zitate obendrauf und fertig ist studentische Bewusstseinsbildung 2.0. Nur zu oft drängt sich leider wieder einmal der Verdacht auf, es ginge weniger um Sachfragen als um den Profilierungsdrang einzelner, die geistig immer noch nicht über die erbärmlichen Rage Against The Machine Texte, die sie mit 15 auswendig gelernt haben, hinweg gekommen sind. Der Gipfel der Peinlichkeit wenn diejenigen die am selbstgerechtesten vorgeben für eine Alternative zu stehen noch nicht einmal zu einem Mindestmaß an Selbsterkenntnis fähig sind. Sonst müsste ihnen doch einleuchten, dass ihre angebliche revolutionäre Praxis nichts weiter ist als das Ausagieren medialer Klischees einer selbigen. Unbewusstes Theaterspiel fürs Selbstwertgefühl und eventuell die Bewunderung einiger

besonders leicht zu beeindruckender Genossinnen und Genossen. An der Uni ein bisschen Revolution simuliert, dann wieder ab nach Hause, von morgen bis abends die Birne zukiffen und generell nix auf die Reihe kriegen. Selbstbetrug. Das Gegenteil von Bildung. Aber wollen wir mal fair bleiben. Man kommt sich ja schließlich schon ein bisschen schäbig vor, über eine an und für sich gute und nötige Sache dermaßen her zu ziehen. Kein Zweifel, das deutsche so genannte Bildungssystem ist eine Katastrophe und das nicht erst seit gestern. Zudem trifft man dann doch hin und wieder auf Menschen, die zumindest zeitweise den Glauben wiederherstellen, der Bildungsstreik werde nicht nur von Touristen obigen Kalibers getragen. Die Skepsis überwiegt trotzdem: ein bisschen Besetzen hier, ein wenig Demo da - was sollen solche steinzeitlichen Methoden erreichen, wenn noch nicht einmal die eigenen Forderungen mit Substanz angefüllt werden können? Wer Bildung fordert, muss auch Bildung wollen. 

Felix Grosser

vor allem aber weil sie durch ihr bloßes Dasein mitten im grauren Unialltag einen Raum für die wirklich lohnenswerten Dinge des Lebens schaffen. Der ultimative Beweis, dass Bertelsmann lügt: Im CHE Ranking gibt's keine Punkte für Pizzabuden. 

Felix Grosser

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Neu-Ehrenfeld Neuehrenfeld ist die Linie 5. Neuehrenfeld ist die häßliche Subbelratherstrasse. Es ist aber auch Odonien, das Pascha, ein Park der über eine Autobahn gebaut wurde und ein Viertel aus Stuckverzierten Altbauten. Ehrenfeld rühmt sich als interkultureller Stadtteil, mit vielen Kneipen, Clubs und bald auch einer prächtigen Moschee. Die kleine Schwester Neuehrenfeld muss sich dagegen immer wieder behaupten. Dabei ist es schwer Neuehrenfeld als einen Stadtteil zu begreifen, denn immerhin führt mitten hindurch die Erlöserautobahn von Düsseldorf kommend direkt in die Kölner Innenstadt, dann sind da diverse Bahndämme und der Gürtel. Neuehrenfeld ist zerlegt in lauter kleine Teile. Um es trotzdem mal zu versuchen schlägt sich die Linie 5 recht wacker und mutig durch das Veedel. Von der Gutenbergstrasse, die auf der einen Seite der Haltestelle zu Ehrenfeld und

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auf der anderen Seite zu Neuehrenfeld gehört, fährt sie an der krass häßlichen Liebigstrasse, kurz über den Gürtel und schlängelt sich dann am Lenauplatz vorbei und fährt nach Ossendorf. Das ist der Kurztrip Neuehrenfeld. Pascha und Odonien liegen im Gleisdreieck und sind damit schon recht abgeschieden von allem anderen. Also lassen wir sie mal außen vor. Im Sommer ist der Blücherpark das Wohnzimmer des Veedels. Ist der Eingang vom Gürtel her eher verwunschen, öffnet sich schließlich eine große Wiese mit einem Weiher dem Besucher. Fast 100 Jahre alte Bäume rahmen den Park ein und für lange Spaziergänge gibt es eine unfassbar große Kleingartenanlage, die den Park zu großen Teilen umschließt. Hier können gekonnte Gartenenthusiasten und kölsche Selbstversorger beobachtet werden. Aber vorsichtig, wer versucht eine Blume zu pflücken wird sofort erwischt! Wer weniger Lust auf Park, aber eher was für Cafés und Kneipen übrig hat, kann entweder an den Lenauplatz gehen

oder auf dem Weg vom Park dorthin am Gürtel ins Café Franck, in dem tagsüber Großmütterchen Kaffee trinken und abends verschieden Partys laufen, allerdings für ein Publikum, dass das Studium schon abgeschlossen hat, Ü30 also. Neuehrenfeld ist auch kein Stadtteil zum ausgehen und Party machen, das können Ehrenfeld, das Belgische und die Südstadt besser. Dafür kann man in Neuehrenfeld gut wohnen. Die Altbaudichte ist sehr hoch, (nicht von der Subbelratherstrasse blenden lassen!) die Infrastruktur ist mit der Linie 5, 13 und dem Unibus 142 gut genug. Dafür gibt es mit der Landmannstrasse eine Veedels eigene Einkaufsstraße mit dem besseren Fischladen und herrlichem Omakitsch. Neuehrenfeld ist ein Stadtteil zum einrichten. Wenn vielleicht mal der Job fest ist und man in Köln bleibt, ist man irgendwann froh, dass am Lenauplatz nicht ständig Partykids abhängen. Die sind ja in Ehrenfeld. 

Text und Bilder: Niels Walker

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Auf der Reeperbahn morgens um sechs LUST im Theather der Keller

Der Mann auf der Bühne geht zum Klavier, greift beherzt in die Tasten und spielt munteres Barpiano. Seine äußere Erscheinung scheint zunächst nicht so recht zu passen: die langen Haare, sein St.Pauli-T-Shirt und seine mit großen Tätowierungen „verzierten“ Arme wirken einigermaßen unpianistisch. Noch bevor ich diese Skurrilität verarbeiten kann, betritt Carola die Bühne, in aufreizendem Striptease-Outfit, das sie unter einem weniger lüsternen Putzkittel versteckt. Doch verstecken, so wird schnell klar, will sie ihren Fummel gar nicht: Schauplatz ist ein Bordell auf der Reeperbahn, doch nicht nachts um halb eins, sondern morgens um sechs. Die Nacht ist vorbei, die Freier befriedigt, die Mädchen bezahlt, das Bordell: Dreckig! Nun wird es Zeit für Carola und ihre Mädels: Nach und nach trudelt die Putzkolonne ein, um den Laden wieder auf Vordermann zu bringen. Schon seit dem 5. November 2009 läuft „LUST“ im Theater der Keller (Südstadt). Das Stück ist die Produktion des Abschlussjahrgangs der Schule des Theaters. Für die neun jungen Schauspielabsolventen ist die Aufführung zumindest am heutigen Abend mehr als „nur“ eine Kostprobe ihres Könnens: Unter das Publikum haben sich auch Prüfer gemischt, die die Aufführung als Teil der Examensnote bewerten werden; in den darauf folgenden Tagen wird es weitere Einzelprüfungen geben und damit ist das dreijährige Studium beendet. Es war mutig, dieses Stück als Abschlussproduktion zu wählen, denn es handelt sich dabei nicht um ein gewöhnliches Schauspiel. Es ist vielmehr ein szenischer Liederabend, in dem so gut wie der gesamte Text gesungen statt gesprochen wird. In dem von Franz Wittenbrink erdachten Konzept werden bekannte Melodien aus Pop, Chanson, Klassik und Musical aneinandergereiht und mit neuem Text versehen – oft zum Schreien komisch. Die Lacher des Publikums sind somit gesichert. Nun sind aber die Schauspieler in erster Linie Schauspieler und keine Sänger. Besonders wohl fühlt man sich ausschließlich singend da also nicht unbedingt. „LUST war ein Experiment

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und wir sind froh, dass es geglückt ist“, sagt Ute Eisenhut sichtlich erleichtert und stolz. Neben Matthias Topp ist sie Dozentin für Gesang an der Schule des Theaters und hatte bei dieser Produktion alle Hände voll zu tun. „Die Studenten bekommen innerhalb ihres Studiums Gesangsunterricht mit allem, was dazugehört: Stimmbildung, Atemtechnik, Stückarbeit“, wobei letzteres in den Wochen vor „LUST“ angesichts der Menge der Lieder wohl im Vordergrund gestanden haben muss. Jedes der Mädchen stellt sich zunächst vor, mit einem Lied. Klingt öde, ist aber nicht so: Die jungen Schauspielerinnen spielen die überklischeehaft angelegten Figuren mit viel Witz und Leidenschaft, aber auch einer gewissen Ernsthaftigkeit, so dass die fast immer klägliche Vergangenheit und die wohl unerfüllt bleibenden Träume der Puffputzfrauen bei allem Klamauk im Hinterkopf bleiben. Da ist zum Beispiel die junge Frau mit übertrieben grünem Lidschatten, die man aus 500km Entfernung als Russin erkennt. Natürlich heißt sie Olga und liebt Wodka. Während sie davon träumt, einmal eine eigene Wodka-Firma zu besitzen und so richtig reich zu sein, muss sie derzeit mit ihrem hart erarbeiteten Geld ihre Familie in Sibirien unterstützen („Ich schicke“, sagt sie betont trocken ins Telefon, mit starkem russischen Akzent.) Und da ist Lilli, die naivste Person der ganzen Welt, die in ihrer Baby-One-MoreTime-Schuluniform zum Bordell kommt und so gerne einmal an der Stange tanzen würde. Bei ihrer Kostprobe fasst sie diese allerdings so an, als handelte es sich um eine gefährliche Zucchini, die zu platzen droht. Sie bekommt dann tatsächlich ihre eigene Stange, nämlich in Form eines Besens und ist von nun an Teil des Teams. Die rassige Latino-Lesbe Sabrina mit ihrer abgeklärten hosenträgertragenden

Freundin Tina, die durchgeknallte Möchtegern-Musical-Darstellerin Tilla und die bemitleidenswert einfach gestrickte Jenny, die nie etwas anderes gesehen hat als Hamburg, machen das bunte Putzteam komplett. Jenny teilt ihren größten Traum gemeinsam mit ihren Kolleginnen: Sie möchte einmal nach Mallorca fahren (und besingt die Ferieninsel mit konstanter Ignoranz des spanischen Doppel-Ls, was sich bei mir die Nackenhaare sträuben lässt.) Doch neben den sieben Frauen gibt es auch zwei Männer im Abschlussjahrgang: Sören Messing spielt den verklärten Irgendwannvielleicht-mal-Philosophen Paul, der das Geschehen auf der Bühne immer wieder pathetisch deklamierend kommentiert und anschließend, nach Ermahnung durch die Putzkolonne, bereitwillig unter einer Art Strip-Catwalk verschwindet; Markus Penne übernimmt gleich mehrere, übermäßig unsympathische Rollen wie den Freund von Jenny, der gleichermaßen dümmlich wie gewaltbereit ist, einen schmierigen Zuhältertypen und einen peinlich korrekten Ordnungsbeamten mit tiefschwäbischem Akzent. Viel Applaus lässt die jungen Schauspielabsolventen wissen: Dem Publikum hat es gefallen. Trotz der Ernsthaftigkeit des zu Grunde liegenden Themas (das Scheitern der Lebensträume der dargestellten Figuren) verlasse ich unbeschwert und gut unterhalten das Theater der Keller. Hier gilt das Motto: Schweres leicht gesagt – und lustvoll.  Dennis Große-Plankermann

Theater der Keller, Kleingedankstraße 6, 50677 Köln; www.theater-der-keller.de

Turn me up in your speaker Brown gibt Rap von der Straße eine neue Bedeutung Der 29-jährige Ryan ‚Brown’ Dalton kam vor 11 Jahren das erste Mal nach Südafrika. Kurze Zeit später kehrte er seiner Heimat USA den Rücken zu, um in Kapstadt zu leben und zu arbeiten. Anders als bei den meisten Auswanderern waren die Gründe dafür aber nicht etwa die tolle Landschaft, der gute Wein oder das verhältnismäßig günstige und attraktive Jetsetleben in der Metropole am Kap. Während seines dreitägigen Aufenthalts in Köln sprach der Rapper, Streetworker und Kinderrechts-Aktivist mit uns über seine besondere Motivation in Südafrika zu bleiben und seine außergewöhnliche Arbeit. Browns Berufswunsch war schon während der Schulzeit, einmal mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Wo er dies tun würde, entschied sich allerdings erst nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Kapstadt mit der Organisation Youth with a mission. Für den Amerikaner waren vor allem die im Müll wühlenden Kinder auf der Strasse ein ungewöhnlicher und schockierender Anblick. Statt sich abzuwenden, ging er auf die Kids zu um sich mit ihnen zu unterhalten. Im Laufe seines Aufenthalts lernte er einige von ihnen kennen und war beeindruckt von ihrem enormen Potential. Rückblickend sagt er: „Es war die Verbindung zu den Kids, die mich dazu gebracht hat nach Kapstadt zurückzugehen und dort Vollzeit mit ihnen zu arbeiten.“. In den vergangenen 10 Jahren hat er es geschafft, ihr Vertrauen zu gewinnen und so Ansprechpartner und Freund zu werden. Im Umgang mit ihnen erkannte Brown schon früh, dass HipHop sich hervorragend als Kommunikationsmittel

eignet. Die meisten Kids waren Fans von amerikanischen Gangsterrappern wie Tupac oder Notorious BIG. Da Brown als einziger Weißer unter ihnen heraus stach und zudem noch auffällig tätowiert ist, hatte er durch diese Ähnlichkeiten zum USRapper Eminem schnell den Spitznamen Slim Shady oder Marshall Mathers weg. Die Scherznamen wurden später durch seinen heutigen Künstlernamen ausgetauscht. Mit einem Augenzwinkern nannten die Kids ihn Brown, da sie ihn trotz seiner Hautfarbe als einen von ihnen anerkannten. Aufgrund seiner Bekanntheit und Beliebtheit bei den Kindern bat ihn ein amerikanischer Filmemacher, einen Song für den Soundtrack zu einer Dokumentation über die Kinder auf der Strasse beizusteuern. Es wurde sein erster Rapsong. Das Songschreiben viel ihm leicht, da er viel zum Thema des Films zu sagen hatte. Kurze Zeit später nahm er sein erstes Album auf. Die Gründe, warum er anfing zu rappen, beschreibt er folgendermaßen: „Ich wollte eine positive Stimme sein in einem Genre, dass zum größten Teil dominiert wird von Negativität, Erniedrigung von Frauen, Gewalt und Gangsterism und das zu Drogenhandel und Drogenkonsum anregt. Ich habe die Möglichkeit gesehen, in all dem eine positive Stimme zu sein und vielleicht ein Vorbild für die Kids, zu dem sie aufsehen können und dadurch HipHop als Plattform zu nutzen, um mich gegen all diese Dinge auszusprechen und die Dinge, die ich sehe, alles was auf der Strasse passiert und in den Townships.“ Seine Musik ist für Brown dementsprechend nicht nur Teil seines Arbeitsalltags mit den Kindern. Als Künstler ist er in Südafrika mittlerweile sehr bekannt und gern gesehener Gast in Radio- und Fernsehsendungen. Die Musik ist Grundlage seiner Öffentlichkeitsarbeit als Kinderrechts-Aktivist. Um Aufmerksamkeit auf die widrigen Lebensumstände der

Kinder zu lenken, greift er auch zu eher unkonventionellen Methoden: Ende 2008 entschloss er sich, im Rahmen der südafrikaweiten Aktion‚ 16 days of activism for no violence against woman & children’ auf den Strassen von Kapstadt zu leben. Ohne Geld, Handy, frische Klamotten und Essen schlug er sich 16 Tage an der Seite der Kids als Obdachloser durch. Er wurde dabei von mehreren Kamerateams begleitet und schrieb täglich über seine Erfahrungen in einem Internetblog. Er hat in dieser Zeit die täglichen Überlebenskämpfe der Kinder nicht nur gesehen, sondern selbst erlebt und konnte so noch authentischer darüber berichten. Seit Anfang 2009 arbeitet Brown zusätzlich am ‚Beth Uriel House of Light’, einem Heim für Jungs von der Strasse oder aus schwierigen Familiensituationen. Hier hat er auch Maninho und Masakane kennengelernt. Die beiden haben in ihrem jungen Leben schon viel durchgemacht. Mit Brown als ihrem Manager gründeten sie die Band Young Soldiers und verarbeiten ihre Erfahrungen durch HipHop. Als langjähriger Partner des deutschen Projekts EachOneTeachOne kam Brown im November 2009 zum ersten Mal nach Deutschland, um im Rahmen von Workshops und Projekten seine Erfahrungen an deutsche Kids weiterzugeben. Er war außerdem Teil des Musiktheaterprojekts „Yes we can!“, dass in Bremerhaven statt fand. Der charismatische Brown kommt auch bei den deutschen Jugendlichen gut an. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Leidenschaft hat er bei den Kids hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Ivanka Klein

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n ig s e D m e t u g h c a n e h c Auf der Su Forum Mediendesign

Was ist gutes Design? Ist gutes Design wie Liebe auf den ersten Blick? Oder muss man doch genauer hinschauen um es zu entdecken? Ist gutes Design immer etwas Aufwändiges? Oder ist gerade das Simple gutes Design? Ist gutes Design nur was fürs Auge? Oder spricht es alle Sinne an? Es gibt keine richtige oder falsche Antwort auf diese Frage. Das muss wohl jeder für sich selbst heraus finden. Doch eines ist klar, alle guten Dinge sind mindestens drei. Und so fand zum dritten Mal das Forum Mediendesign der Rheinischen

Fachhochschule Köln (RFH) im November statt. Im Filmforum des Museum Ludwig, trafen sich Studenten, Dozenten und Profis der Branche. Aber auch Design und Medien Interessierte die einfach mal herein schauen wollten, waren herzlichst Willkommen. "Jeder Mensch bewertet Design unbewusst und vor allem Designer haben einen geschärften Sinn für gelungene oder misslungene Gestaltung. Gutes Design weckt Emotionen und erschließt präzise die Botschaft, die überbracht werden soll", so Prof. Martin Teschner, der die Veranstaltung mit den Studierenden der 3. und 4. Fachsemester des Bachelorstudiengangs Mediendesign vorbereitet hat. Einblicke in ihre Arbeit und in die Qualitätskriterien für gutes Design gaben

u.a. Götz Ulmer, Kreativer der Werbeagentur Jung von Matt, Hamburg; Prof. Peter Wippermann, Hamburg, Trendforscher; Prof. Joachim Sauter, Berlin, der zu den bedeutendsten Medien-Künstlern in unserem Land zählt; und auch der Fotograf Dieter Blum, Düsseldorf, der in den vergangenen Jahrzehnten Meilensteine im Bereich der Magazin- und Werbe-Fotografie setzte. Insgesamt hielten sechs Referenten Vorträge und standen hinterher für ein Fachgespräch mit den Teilnehmern zur Verfügung. Während der ganzen Veranstaltung, konnte man sich vorne im Foyer die kreativen Arbeiten der Mediendesignstudenten der RFH anschauen. www.forum-mediendesign.de Nina Schäfer

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(RFH)



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FeinSinn Bild: Maiko Henning


Was für ein Leben, dieser Traum! Ein Traum! Der Jubel ertönt, wenn etwas gut funktioniert. Der Traum scheint im Alltagsleben die Realität unter den besten Umständen zu sein. Wenn diese unseren Größen- und Perfektionsphantasien entspricht oder sie gar übertrifft, dann wird dieser unwahrscheinliche Zustand als Traum betitelt, womit man eine sich erfüllende Utopie meint. In der Literatur wird dieser nicht greifbare, sich bloß in einer Ahnung manifestierende Aspekt des Traums wiederum auf das Leben projiziert, um dieses in seiner Vergänglichkeit zu entlarven. Schon der griechische Dichter Pindar nennt das Leben des Menschen "eines Schattens Traum". Der spanische Dramatiker Calderón führte diesen Gedanken in seinem Drama "La vida es sueño (Das Leben ein Traum, 1635)" weiter, aber auch die romantischen Dichter und Dramatiker interessiert diese gegenseitige Bedeutungsüberlagerung von zwei Bewusstseinszuständen. Ein abweichendes metaphorisches Konzept, dass auch vom heutigen Umgangssprachgebrauch abweicht, postuliert Nietzsche. Er stellt dem "dionysischen Rauschkünstler" den "apollinischen Traumkünstler" gegenüber und bringt den Traum mit einer wohlüberlegten Konzeption künstlerischen Schaffens in Verbindung. Jean Paul beschwerte sich über die Zusammenfassung von Traum und Wachzustand. Doch kann man überhaupt beweisen, dass das, was wir wach erfahren, nicht auch nur trauminduzierte Sinneseindrücke sind? Das Problem der Täuschung durch den Traum verwandelte René Decartes gemäß Ralf Grötker in einen eigenständigen Topos und fragt nach sicheren Indizien, an denen man Wachen und Träumen unterscheiden kann. Auch Descartes' Indiz zur Unterscheidung, nämlich, dass sich die Begebenheiten des Traumes nie mit anderen Ereignissen so zusammensetzen, wie sie es im Wachzustand tun, wurde von Thomas

Hobbes relativiert. Auch im Traum sei es manchmal der Fall, dass es uns so vorkommt, mehrere Ereignisse würden kohärent ineinander greifen. Auch Leibniz zweifelt die Existenz eines Arguments an, das beweisen könnte, dass das ganze Leben kein Traum ist. Kant bezeichnet den Traum als notwendige Begleitung des Schlafes, bei dem "die Lebensorgane durch die Einbildungskraft" agitiert werden, damit die Organe bewegt werden. Somit sorgt der Geist dafür dass der Körper in Bewegung bleibt. Schopenhauer imaginiert die Beeinflussung in entgegengesetzter Richtung: Traumbilder seien ihm gemäß eine Folge "eine(r) rein physiologische(n) Erregung... aus dem Innern des Organismus". Die neuropsychologische Traumforschung geht die Fragestellung Descartes' ebenfalls von der körperlichen Seite an und interpretiert das Phänomen Traum von der Seite der bei wachem Bewusstsein erlebten Erfahrungswelt aus: Der Traum ist gemäß dieser Ansicht ein alterierter Bewusstseinszustand ähnlich Halluzinationen oder hypnotischen Zuständen. Gemäß Wilhelm Wundt, dem Vorläufer der modernen Neuropsychologie, würden subjektive körperliche Sinneseindrücke charakteristischerweise objektiviert und beeinflussen den Trauminhalt. Da diese Übertragung von Sinneseindrücken erfolgt, sobald ein solcher von außen an den Körper herankommt, sei die Verbindung der dadurch folgenden Traumelemente im Unterschied zum wachen Erleben sprunghaft und oftmals absurd. Sogar die Inhalte des Traumes stellen somit Ergebnisse der Sinneseindrücke dar, die aus der Welt abseits des Traums geschehen. Dass das Leben ein Traumbild sein soll, erscheint aus dieser Sicht hinfällig. Ein Nebeneinander von Bewusstem und Unbewusstem bildet die Basis für Freuds

Traumdeutung. Der Traum erscheint lediglich als Bindeglied zwischen den beiden, den "Königsweg", über den der Therapeut Einblick erhält über die unerfüllten Wünsche des Patienten, die er sich aufgrund seiner Erziehung bei vollem Bewusstsein nicht eingesteht. Der Einklang dieser beiden Komponenten des Ichs, die aber dauernd gleichzeitig vorhanden sind, ist in diesem Fall das Ideal und bildet eine Alternative zur Uminterpretation der bewussten Erfahrungswelt als Traum oder des Traums als Zusammenstellung aus umgewandelten Sinneseindrücken. Doch auch Freud interpretiert psychologische Zustände als Ergebnis der triebhaften Körperlichkeit des Menschen. Die beiden Blickwinkel scheinen sich unvereinbar gegenüberzustehen. Immerhin besagt auch die neuere Schlafforschung, dass erst, wenn der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen deutlich sei, der Nutzen von Schlaf und Traum herausgearbeitet werden könne. Die Aktivität des Zentralnervensystems im wachen und im träumenden Zustand sei ähnlicher, als zuvor die Annahme war. Daher glaubt zumindest ein Teil der Forscher, dass der Mensch, auch wenn er wach ist, traumartige Erlebnisse wie Halluzinationen habe. Zumindest kann der Traum nützlich für den vermeintlich wachen Menschen sein: einige Theorien besagen, das Gehirn verarbeite im Traum Informationen, lösche irrelevante und schaffe mehr "Speicherplatz" für neue. Das Langzeitgedächtnis sorge für die Festigung aufgenommener Informationen, wobei angeblich nur emotional relevante Informationen weitergeleitet werden. Und Novalis sagte bereits, der Traum sei "eine Schutzwehr gegen die Regelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit des Lebens eine freye Erholung der gebundenen Fantasie".

Iris Sygulla / Bild: Maiko Henning

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Irrtum Lisa lag in ihrem Bett und wurde sich nur langsam darüber bewusst, dass sie wach war. Das diffuse Wirbeln vor ihren Augen wurde zu grauem Dämmerlicht, das durch die halbgeöffneten Jalousien ihr Schlafzimmer erhellte. Irgendetwas war anders als sonst; sie brauchte einen Moment um zu realisieren, dass es die hochgewachsene Gestalt war, die in der Zimmerecke stand. Ihr Schrecken wäre noch größer gewesen, wenn ihr das Gesicht des Eindringlings nicht so bekannt gewesen wäre. „Johannes!“, entfuhr es ihr. „Was machst du hier?“ Er ließ sich Zeit mit einer Antwort. Schließlich sagte er stockend: „Also… eigentlich wüsste ich das selbst gerne.“ Er ging langsam durch den Raum und sah sich dabei so gründlich um, als befände er sich zum ersten Mal in ihrem Schlafzimmer. Lisa sah ihm entgeistert dabei zu, unschlüssig, was sie von dieser Situation halten sollte. Aber allmählich begann der Ärger die Oberhand über den Schreck zu gewinnen, der ihr immer noch in den Knochen steckte. „Sag mal, was soll das? Wie bist du hier reingekommen? Hast du etwa noch einen Schlüssel von mir?“ Allerdings hatte er ihr den Schlüssel schon vor ein paar Monaten zurückgegeben. Hatte er ihn etwa nachmachen lassen? Erst jetzt sah sie, dass er im Schlafanzug vor ihr stand und stutzte; eine mögliche Erklärung schoss ihr durch den Kopf: „Oder bist du etwa Schlafwandler?“ Johannes runzelte die Stirn. „Eigentlich nicht, jedenfalls schon seit Jahren nicht mehr. Beim letzten Mal war ich vielleicht neun oder zehn Jahre alt.“ Lisa atmete auf. Offensichtlich hatte Johannes einen Rückfall, so was kam vor. Sie stieg aus dem Bett und streifte ihren Morgenmantel über. „Wie wäre es erstmal mit einem Kaffee?“ Johannes nickte dankbar. „Ich glaube, den könnte ich gut gebrauchen.“

Tröpfelnd lief der Kaffee durch den Filter.

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Johannes hatte sich an den Küchentisch gesetzt, während Lisa die Wohnung überprüfte, ob er irgendwie gewaltsam eingedrungen war; aber sie fand Wohnungs- und Balkontüre unbeschädigt. „Hast du vielleicht davon geträumt, Spiderman zu sein?“, fragte sie Johannes halb spöttisch, „denn entweder bist du an der Mauer hochgeklettert oder du kannst durch Wände gehen.“ Johannes sah sie hilflos an. „Keine Ahnung, ich weiß nicht, ich… ich kann mich nicht…“, er brach ab und fing wieder an, sich im Zimmer umzusehen. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein, nein das… stimmt nicht. Seit wann geht dein Küchenfenster zum Hof raus?“ Jetzt war es Lisa, die verwirrt aussah. „Äh… schon seit ich hier eingezogen bin? Meine Küche war noch nie woanders.“ Johannes schüttelte energisch den Kopf. „Nein, deine Küche geht zur Straße raus.“ Er stand auf und lief den Flur hinaus, Lisa konnte ihm nur verdattert hinterher sehen. „Und das Depeche Mode-Poster hier, das ist auch falsch“, rief er aus dem Flur, „das hängt eigentlich in der Wohnung deiner Schwester.“ Er kam zurück, die Verwirrung in seinem Blick war verschwunden. „Ich weiß, was hier los ist.“ „Und was? Würdest du mich bitte einweihen?“ Lisa konnte eine eindeutige Antwort jetzt gut brauchen. „Ich bin überhaupt nicht aufgewacht; ich liege immer noch im Bett und träume“, sagte Johannes mit ruhiger Stimme. Lisa spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten. „Johannes warte mal…“, begann sie vorsichtig, „das ist nicht möglich. Du kannst nicht träumen, denn ich bin auch hier. Und ich bin wach, verstehst du?“ Er schüttelte bestimmt den Kopf. „Nein, ich träume. Deine Wohnung sieht in Wirklichkeit ganz anders aus. Und du auch, deine Haare sind in Wirklichkeit blond, nicht brünett. Das heißt, du bist auch ein Teil des Traums.“ Etwas in seiner Stimme zog Lisa den Boden unter den Füßen weg. Johannes litt ganz eindeutig unter Wahnvorstellungen. „Johannes ich…“, sie rang nach Worten,

Bild: Maiko Henning

„ich weiß nicht was ich sagen soll, außer dass meine Schwester mir das Poster letzte Woche erst geschenkt hat. Sonst ist alles genauso wie immer. Du irrst dich.“ „Nein, du irrst dich. Warum sollte deine Schwester dir das Poster schenken? Du hasst Depeche Mode.“ „Nein, das stimmt nicht, ich mag…“, sie brach ab und schlug die Hände vors Gesicht. Sie wünschte sich nur noch weit weg. Nein, sie wünschte Ihn weit weg. „Verdammt Johannes, du bist im Schlaf an meiner Hauswand hochgeklettert und über den Balkon eingestiegen, mehr nicht.“ „Aber überleg doch mal, wenn ich an dieser Mauer hochgeklettert wäre, müsste ich davon nicht irgendwelche Schrammen oder Kratzer abbekommen haben? Aber sieh mich an, nichts davon.“ Lisa hatte keine Lust ihn anzusehen, sondern starrte lieber auf den Boden. Sie überlegte nur noch, wie sie heil aus dieser Situation herauskommen würde. „Was ist das denn?“ Lisa blickte auf; Johannes war nicht mehr in der Küche. Stattdessen hörte sie seine Stimme wieder aus dem Schlafzimmer. Sie eilte dorthin und sah ihn vor ihrer Fotocollage stehen. Johannes betrachtete gebannt ein ganz bestimmtes Foto, das sie beide nebeneinander auf einem Badetuch am Strand und in die Kamera grinsend zeigte. Lisa schöpfte etwas Mut. „Das war in unserem Urlaub in Frankreich, erinnerst du dich? Mit den anderen auf diesem Campingplatz in Arcachon, als wir uns kennengelernt haben, weißt du noch?“ Johannes schien nachdenklich. „Es war ziemlich windig an dem Tag. Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Wind immer wieder den Sand aufwehte und mir die Sandkörner in die Beine stachen. Aber ich wäre nie als erster von diesem Badetuch aufgestanden“, murmelte er gedankenverloren. „Weißt du, das ist der Beweis. Dass ich träume, meine ich.“ Lisas Ratlosigkeit schlug in Wut um. Wie sollte sie nur gegen diesen Irrsinn ankommen? Sich mühsam beherrschend, zischte sie ihn an: „Wieso soll das der Beweis sein? Erklär mir das mal!“

Johannes zuckte mit den Achseln. „Weil wir nie zusammen waren.“ Nun war Lisa völlig sprachlos. Er konnte doch ihre gemeinsame Zeit nicht so vollständig aus seinem Gedächtnis gestrichen haben. Johannes schüttelte den Kopf. „Wir hatten keine gemeinsame Zeit, Lisa. Wir haben uns geküsst, aber dabei ist es geblieben. Wir waren nicht zusammen. Ich habe mir nur immer gewünscht, dass es so wäre.“ „Aber Johannes, ich… ich weiß dass es so war. Ich kann mich daran erinnern. Willst du sagen, dass ich verrückt bin?“ „Nein, natürlich nicht.“ Er legte ihr den Arm um die Schulter. „Du kannst gar nicht verrückt sein, weil du nur ein Produkt meiner Phantasie bist, deswegen kannst du dich an all das erinnern. Weil ich es mir so vorgestellt habe.“ „Gott, hörst du dir eigentlich zu? Glaubst du, ich fühl mich besser, wenn du mir die Existenz absprichst?“ Lisa rieb sich die Schläfen. Es war höchste Zeit, wieder die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. „Johannes hör mir jetzt zu, ja? Ich glaube dir nicht, was du da erzählst. Ich glaube, du bist ernsthaft krank und brauchst Hilfe, professionelle Hilfe. Sei nicht sauer, aber das ist für mich die einzige mögliche Erklärung. Also… wie wäre es, wenn ich beim Notarzt anrufe, damit er vorbei kommt um sich dich mal anzusehen? Wäre das in Ordnung? Mir zuliebe?“ Gespannt wartete sie auf seine Reaktion, aber Johannes sah sie an, als wäre überhaupt nichts dabei. „Ja, klar“, er zuckte die Achseln, „tu was du für richtig hältst. Ich müsste sowieso bald aufwachen.“ Mit wackligen Knien ging Lisa in die Küche, wählte die Notrufnummer und versuchte so gut sie konnte zu erklären, was vorgefallen war. Die Stimme am anderen Ende bat sie sich zu gedulden, sie würden einen Wagen vorbei schicken. Lisa gab einen Stoßseufzer der Erleichterung von sich. Sie ging zurück ins Schlafzimmer, wo Johannes sich inzwischen auf die Bettkante gesetzt hatte. Sie setzte sich in

einiger Entfernung daneben und überlegte, wie sie ihn noch eine Weile bei Laune halten konnte; da fing Johannes von sich aus an zu reden. „Weißt du, ich habe diesen Traum schon oft gehabt. Ich glaube, eine Zeitlang habe ich von nichts anderem geträumt. Aber jetzt… ich muss mich endlich damit abfinden. Es ist schon so lange her. Na ja“, er lachte trocken, „immerhin träume ich inzwischen, dass wir getrennt wären, das ist ja schon ein Fortschritt.“ Lisa sagte nichts mehr. Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als es auf einmal laut an der Tür klingelte. Sie stand auf und bedeutete Johannes im Schlafzimmer zu bleiben. Johannes nickte gelassen. „Machs gut, ich hoffe wir sehen uns nicht wieder“, sagte er. Lisa achtete nicht mehr auf sein Gerede und ging in den Flur, um die Tür zu öffnen. Hier war das Schrillen der Klingel sogar noch lauter, fast ohrenbetäubend. Lisa war vorher nie aufgefallen, dass der Ton so unangenehm war. Mussten diese Sanitäter eigentlich Sturm klingeln? Sie hörten auch nicht auf, als Lisa längst auf den Öffner drückte. Sie hackte auf dem Knopf herum, aber das Klingeln wurde lauter und lauter, schien die ganze Wohnung zum Vibrieren zu bringen. Lisa hielt sich die Ohren zu und sah sich nach Johannes um, aber er war verschwunden; die Bettkante war leer. Die Wohnung schien sich zu verändern; die Wände wirkten flach und verschossen wie alte Fotos. Es schien plötzlich Tag geworden zu sein, denn durch die Fenster ergoss sich helles Sonnenlicht, das ihre Wohnung zu überstrahlen begann. Als Lisa sich auflöste und eins mit dem hellen Strahlen wurde, hatte sie gerade noch Zeit sich zu fragen, was jetzt wohl aus ihr werden würde. Aber eine Antwort erhielt sie nicht mehr, während Johannes stöhnend in den Sonnenstrahl blinzelte, der durch das Oberlicht auf sein Bett fiel und nach seinem alten Radiowecker tastete, dessen Lärmen durch Mark und Bein ging.  Christopher Dröge

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von Christiane Mehling


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TRAUMDEUTUNG - ein Selbstversuch

Mit meiner etwas esoterischen und abergläubischen Ader kaufte ich mir vor einigen Jahren ein Traumlexikon mit Symbolen, um zu verstehen, was meine Träume mir eigentlich sagen wollen. Ich war ebenso kritisch wie neugierig. Täglich nach dem Erwachen griff ich also erst einmal ins Regal und schlug diverse Symbole nach, die mir im Traum begegneten: Mutter, Vater, Ozean, Sex, Zähne und und und. Mutter: Träumt man oft von der eigenen Mutter, symbolisiert dies die innere Unsicherheit jemals eine seelische Selbstständigkeit zu erlangen. Ozean: Der Ozean kündigt weite Reisen an. Sex: Der Beischlaf zeigt sexuelle Wünsche, die wir uns meistens selbst nicht eingestehen wollen. Er kann auch einen neuen Anfang im Leben bedeuten. So weit, so gut. Einige Symbole konnte ich noch irgendwie mit meinem Leben in Verbindung bringen. Aber warum der Ozean eine Reise ankündigen soll, wo ich doch erst in einigen bis unzähligen Monaten wieder in den bis dato noch ungeplanten Urlaub fahre, blieb mir ein Rätsel. Und was ist, wenn ein Kind aus der Dritten Welt vom Ozean träumt, das aber nie die finanziellen Möglichkeiten haben wird eine Reise zu unternehmen? Vielleicht ist die Reise ja nicht wörtlich, sondern metaphorisch gemeint? Das Buch gibt mir keine Auskunft darüber. Na toll.

Die Annahme, dass beispielsweise ein Kreuz im Traum eines beliebigen Menschen auf der Welt eine festgesetzte Bedeutung hat, kann nicht stimmen. Jeder gläubige Christ hat schon von Kindesbeinen an einen ganz anderen Bezug zu einem Kreuz als ein gläubiger Moslem etwa. Man kann Träume und Traumsymbole nicht für alle Menschen pauschalisieren. Jeder Mensch hat doch eine andere Geschichte, ein anderes Denken und ein anderes Gefühlsleben. Deswegen sollte man die Träume eines jeden Menschen individuell und in seinem persönlichen hermeneutischen Kontext betrachten, oder? Seit Menschengedenken messen wir Träumen eine besondere Bedeutung zu. Schon im alten Ägypten galt das Geträumte als Botschaft der Götter und wurde anhand von festgelegten Symbolen gedeutet. Die antiken Griechen sahen im Traum die Verbindung zu Göttern, Helden und Verstorbenen. Sigmund Freud darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. Er bezeichnete in seiner „Traumdeutung“ von 1899 unser Traumleben als „via regia“, den Königsweg zum Unterbewussten, der meist verborgene sexuelle Wünsche beherbergt – wie untypisch für ihn… Im Gegensatz zu Freuds individuell ausgerichteter Deutung wies der Züricher Psychiater C.G. Jung (1875-1961) wieder eine universelle Traumsymbolik mit uralten menschlichen Seelenbildern nach. Also so eine Art Archetypus uralter menschlicher

Seelenbilder. Bis heute hält sich dieser Gedanke in der Alltagspsychologie. Von allgemeinen Traumlexika, ABCs der Träume und diesen eins zu eins Deutungen distanzierte sich Jung. Ich übrigens auch. Seriöse Anregungen, wie man mithilfe von diesen so genannten Archetypen oder Urbildern seine Träume versuchen kann selbst zu verstehen, finde ich interessant. Feuer, Wasser, Vater, Mutter, Engel, Teufel, Sonne, Schlange etc. haben nämlich oft eine ähnliche Bedeutung für alle Menschen. Doch nur die Bedeutung des einen Symbols deutet nicht gleich den gesamten Traum. Man muss versuchen alle Symbole des Traums mit den dortigen Geschehnissen zu verbinden. Jeder von uns träumt. Jede Nacht. Wir können uns zwar nicht immer an das Geträumte erinnern, aber wir träumen. Manchmal gut, manchmal schlecht und manchmal durcheinander. Deutungen kann es viele geben, aber fest steht nur, dass wir in unseren Träumen die Geschehnisse, die wir erleben und die uns beschäftigen, verarbeiten. Kein Traum ABC kann das verstehen, nur meine eigene innere Stimme.

Veronika Czerniewicz/ Bild: Maiko Henning

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Präsidentschaftswahlen in der Ukraine Fünf Jahre nach der Orangen Revolution stehen Wahlen zum Amt des Präsidenten in Kiew an. Dem amtierenden Präsidenten Juschtschenko werden nur geringe Chancen für die voraussichtliche Wahl am 17. Januar 2010 gegeben. Als Favoriten für den zweiten Wahlgang gelten unter den 18 Kandidaten Julia Tymoschenko, derzeitige Premierministerin und Wiktor Janukowytsch,

Fraktionsleiter der Partei der Regionen im Parlament. Tymoschenko setzte auf eine groß angelegte Wahlkampagne, auf die Juschtschenko weitestgehend verzichtete. Wie demokratisch die Wahlen verlaufen werden, wird sich zeigen. Mit der Wahl wird ein weiteres Zeichen für die Richtung und Stabilität des Landes gesetzt werden.

Weihnachten bei der Deutschen Bahn Zur besinnlichen Zeit des Jahres, erhob die Deutsche Bahn AG auch 2009 die Preise. Diesmal um 1,8 Prozent, im vorherigen Jahr waren es 3,9 Prozent, so geht das jährlich seit 2004. Die höheren Personalkosten, so das Unternehmen, führten dazu. Ist das beabsichtigt so kurz vor Weihnachten, wo ein erheblicher Anteil der Bahnfahrer nach Hause fährt um die Familie zu besuchen zum Fest der Liebe? Zugegeben die Passagiere nach Siegen, verfügen jetzt über eine Eurocity Anbindung. Nach dem Berliner S-Bahn Debakel im Sommer 2009, Drei Viertel der

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Nahverkehrsanbindung fielen zeitweise aus, Grund dafür waren frühere Einsparungen, fragt man sich jetzt, wo die Einnahmen der Bahn eigentlich hinfließen. Ach ja da war doch was, Schienennetzausbau in Katar. Die Bahn zieht das größte Projekt ihrer Unternehmensgeschichte an Land. Das ist vielleicht nützlich und bringt viel für das Emirat im Nahen Osten, aber uns? Da hilft übrigens auch der Check für die Umweltverträglichkeit nichts, denn diesen gibt es schließlich auch schon ein Jahr. Da lobt man mal die DDR Fahrpreise.

Rechte und Armut Am 21./22. Januar 2010 findet von Amnesty International und dem Diakonischen Werk der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) eine Tagung zum Thema „Wie kommen die Armen zu ihrem Recht?“ statt. Die Menschenrechtsorganisation unterstreicht, dass die Armen oft keinen Zugang zu rechtstaatlichen Institutionen haben. Die NGO betont weiter, dass steigende Armut zu stärkeren sozialen Konflikten führt und immer mehr Staaten zu repressiven Mitteln greifen. Amnesty International stellte in seinem Jahresbericht 2009 einen Überblick über die Lage der Menschenrechte in 157 Ländern zusammen. In 81 Ländern wurde eine Verletzung der Meinungsfreiheit, in 24 Ländern wurden Zwangsenteignungen festgestellt und in 50 Ländern gibt es politische Gefangene. Sogar in der Europäischen Union wurde in zwölf Staaten Folter und Misshandlung dokumentiert. Vivien Weigt

Erst kürzlich ist uns einer begegnet: Ein politischer Skandal. Aber nicht innerhalb der Politik, wie es sonst der Fall ist, wenn Abgeordnete wichtige Dinge verschweigen oder anders interpretieren als es beispielsweise die Bevölkerung tut. Nein, diesmal war der Skandal durch einen Zivilisten verursacht worden, der einem bekannten italienischen Politiker einen harten Gegenstand an den Kopf geschleudert hatte, woraufhin dieser ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Auch das ist ein Skandal. Üblicherweise verstehen wir unter politischen Skandalen jedoch etwas anderes: Brisante Details die ans Tageslist kommen, Spenden- oder Dienstwagenaffären oder manchmal auch zwischenmenschliche Beziehungen die im Rücktritt enden müssen. Wir Deutschen sehen es in letzterem Punkt allerdings nicht ganz so eng und belassen unsere Kritik bei betrogenen Politikergattinnen auf der moralischen Ebene. Zwar stehen die Zeitungen voll von Hintergrundberichten über etwaige Affären von Politikern insbesondere mit jüngeren Frauen, doch sind wir wohl mittlerweile schon so abgestumpft, dass uns das nicht mehr interessiert. Oder aber der Grund, warum wir so etwas nicht als skandalös betrachten, liegt darin, dass wir einen Unterschied machen, zwischen Privatsphäre und öffentlichem Leben. Amerikaner oder Engländer sehen das bekanntermaßen anders.

darüber aufregen. Für gewöhnlich spielt die Presse in diesem Fall die entscheidende Rolle. Doch was uns wirklich interessiert und aufregt ist, wenn Steuergelder in unüberschaubarem Ausmaß verschwendet oder öffentliche Ämter missbraucht werden. Solche Ereignisse demolieren das Image der beteiligten Politiker und der Politik insgesamt. Es kommt das Bild der bestechlichen, unmoralischen und verantwortungslosen Politik auf und das Vertrauen in die politischen Institutionen sinkt. Dies führt oftmals zu Politikverdrossenheit und schlimmstenfalls zu einer sinkenden Wahlbeteiligung. Ebenfalls skandalös können Äußerungen von Politikern oder öffentlichen Personen angesehen werden. Insbesondere dann, wenn es um die Deutsche Vergangenheit, die Auseinandersetzung mit der ehemaligen DDR oder, wie jüngst geschehen, um die Integrationsdebatte geht. Diese ist immer wieder ein beliebtes Skandalthema. Aber das ist gerade deshalb so, weil es für eine breite öffentliche Empörung sorgt.

Insofern ist das Verhalten oder die Reaktion der Öffentlichkeit der Maßstab für einen Skandal. Wenn wir uns nicht über ein bestimmtes Ereignis aufregen, so wird es in den Medien auch nicht weiter aufgegriffen und verfolgt werden. Demnach sind wird auch ein Stück Weit eine moralische Richtschnur für die Politik. So komisch es klingen mag, aber Skandale, oder besser gesagt, dass sie zu Tage gefördert werden, ist ein wichtiges Indiz für Pressefreiheit und Demokratie. Sie zeigen die Normen einer Gesellschaft auf und verändern etwas. Also freuen wir uns auf den nächsten Skandal! Jasmin Dienstel

Damit ein Ereignis zu einem Skandal wird, muss sich eine breite Öffentlichkeit

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StaatsKunst erklärt: Flashmobs „Flashmobs“. Diese komischen Monster füllen plötzlich den deutschen Polithimmel. Dabei begann das Phänomen „Flashmob“ gar nicht als politisches Instrument, sondern als reiner Spaß, retroperspektiv „Sozialstudie“. Der Journalist Bill Wasik schaffte es am 3. Juni 2003 mehr als 100 Menschen dazu zu bringen, in einem Kaufhaus einen Teppich zu umstellen und auf Nachfrage zu verkünden, sie suchten einen neuen Lieblingsteppich und träfen diese Entscheidung grundsätzlich gemeinsam. Nach einer Weile zog die Gruppe in ein Hotel weiter, in dem exakt 15 Sekunden geklatscht wurde. Zum Abschluss dieses ersten „Flashmobs“ begaben sich die Teilnehmer in ein Schuhgeschäft, um sich als Touristen auszugeben. Soweit der Spaß. Drei Jahre später jedoch erklärte Wasik, dass er die Teilnehmer habe vorführen wollen, als Menschen, die danach strebten „Teil der nächsten großen Sache“ zu werden. Ob Absicht oder nicht: mit seiner Idee sich völlig fremde Menschen grundlos zu versammeln, hat der Journalist einen menschlichen Nerv für das Unsinnige und Unnötige getroffen. Die nächste, große Sache lief und läuft; immer unsinniger erstrecken sich heute die Ideen für „Flashmobs“. Einmal treffen sich 200 Menschen vor der New York Central Station, dem größten Bahnhof der Welt, gehen zusammen hinein und scheinbar ihren alltäglichen Geschäften nach. Auf ein geheimes Zeichen hin, frieren sie ein, bewegen sich nicht mehr. Über den ganzen Bahnhof verteilt stehen

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plötzlich bewegungslose Menschen. Ein überforderter Bahnangestellter kommt mit seinem Koffertransporter nicht mehr vorbei. Gewöhnliche Passanten staunen. Nach fünf Minuten löst sich die Starre. Tosender Applaus ist das Resultat. Ein anderes Mal treffen sich mehr als 1000 Leute auf der Kölner Domplatte. Alle haben entweder ausgebeulte Tshirts an oder riesige Taschen dabei. Touristen drängeln sich ärgerlich durch die Masse. Plötzlich bricht eine riesige Kissenschlacht aus. Wieder dauert es nur fünf Minuten. Zurück bleiben ein Haufen Federn, lachende Menschen und erstaunte Touristen. Doch, wie zu Beginn schon erwähnt, verwandelt sich die Idee des „Flashmobs“ immer mehr zum „Smartmob“. Mit diesem Begriff wird versucht die politische, „sinnvolle“ Aktion von den meist unsinnigen des normalen „Flashmobs“ zu unterscheiden. Ein Beispiel für einen der ersten „Smartmobs“ in Deutschland ist der „Und alle so: Yeah!“ Mob: Vor der Wahl wird in Hamburg eine Rede der Bundeskanzlerin angekündigt. „Die Kanzlerin kommt!“, steht auf dem Plakat, darüber groß das Gesicht der Allbekannten. Neben den Schriftzug schreibt ein Unbekannter mit Edding: „Und alle so Yeah!“. Ein Foto des Plakats geistert schon Tage später durch die „Blogger Szene“. Vor allem der populäre Blog „Spreeblick“ treibt die Idee voran, aus dem Spruch des Unbekannten einen „Smartmob“ zu machen. Über den Blog selbst, Twitter und Communities wird dazu aufgerufen, nach jedem Satz, den die Kanzlerin sagt, laut „Yeah!“, zu schreien. Knapp hundert Leute folgen dem Aufruf und, nach anfänglicher Verwirrung der anderen Teilnehmer (größtenteils CDU-fern), kommt aus immer mehr Kehlen der „Yeah“ Ruf. Die Kanzlerin lässt sich zwar zunächst in ihrem monotonen Redebeitrag nicht stören,

zeigt sich dennoch irritiert. Irgendwann wendet sie sich dann persönlich an die Störenfriede: „Wenn die jungen Leute zuhören würden, könnten sie vielleicht auch noch was lernen. Fürs Leben!“, sagt sie plötzlich. Spätestens da ist jedem Mobber klar: man wird wahrgenommen. Das politische Instrument „Flasmob/ Smartmob“ ist vielleicht nicht geboren, aber auch in Deutschland entdeckt. Andere Städte folgten dem Hamburger Beispiel, Bundeskanzlerin Merkel hält keine yeahfreie Rede mehr. Sogar die Tagesschau berichtet über den Vorfall. Weiterhin ist bei „Flashmobs“ die Organisation erwähnenswert. Twitter, Blogs und Online-Communities sorgen schon seit Jahren für eine Vernetzung der Menschen, die allerdings meist eher zu privaten oder wirtschaftlichen Zwecken genutzt wurde. Durch „Flashmobs“ treffen sich diese völlig Fremden und dennoch so vernetzten zu einem gemeinsamen Anliegen. Hier zeigt sich deutlich welches unheimliche politische Potential das Internet bereit hält. Die Fragedie übrig bleibst ist: Was soll man von „Flashmobs“ halten oder auch: Welche Macht bergen Sie? Sind sie gefährlich? Die Kissenschlacht auf der Domplatte hinterließ Reinigungskosten von mehreren tausend Euro. Der Yeah Mob in Hamburg sorgte für die „großartige“ Rede der Kanzlerin vor dem amerikanischen Parlament. (So gewöhnte sie sich schließlich an das „Yeah“) Schlussendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er an „Flash/Smartmobs“ teilnimmt; verboten werden, können sie so gut wie nicht. Sie bieten jedoch ein machtvolles Instrument aller Bürger, um auf Missstände aufmerksam zu machen und sogar inoffiziell dagegen zu demonstrieren. Wie und in welchem Ausmaß es tatsächlich von „allen“ genutzt werden wird, muss allerdings die Zukunft zeigen.  Simeon Buß

Fotos: Corinna Kern

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Impressum

Verein zur Förderung studentischen Journalismus Köln e.V. www.vfsjk.de

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Chefredaktion:

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Art Direction:

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Bildredaktion:

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Redaktion/Lektorat:

Simeon Buß, Julia Brand, Veronika Czerniewicz, Jasmin Dienstel, Marcel Doganci, Christopher Dröge, Alexander Graeff, Felix Grosser, Dennis Große-Plankermann, Sabina Filipovic, Vera Hölscher, Sarah Kaes, Annika Kruse, Christiane Mehling, Kathrin Mohr, Iris Sygulla, Niklas Wandt, Vivien Weigt, Christine Willen

Gestaltung/Layout:

Sven Albrecht, Sara Copray, Elisa Hapke, Sebastian Herscheid, Nina Schäfer, Elisabeth Weinzetl

Online:

Karin Hoehne

Fotografie: Leitung d. Ausbildung:

Julia Brand, Simeon Buß, Alexander Graeff, Elisa Hapke, Maiko Henning, Corinna Kern, Nina Schäfer, Niels Walker, Christine Willen

Website:

www.meins-magazin.de

Erscheinungsweise:

monatlich

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Kathrin Mohr

Katharina möchte eigentlich Karsten sein. Und nehmen wir mal an, dass es Mutter Natur tatsächlich mal passieren kann einen Menschen mit dem falschen Geschlecht auszustatten. Was dann? Wie komme ich nun zu meinem Wunschgeschlecht? ErkenntnisReich begleitet Katharina von Anfang bis Karsten. Im Februar beginnt das Transitionstagebuch.

Karneval steht vor der Tür und was tun wir, wenn dann auch noch alle Klausuren geschrieben sind und die Vorlesungen für das Wintersemester passé sind? Genau, wir nehmen FeinSinn unter den Arm und gehen aus: FeinSinn feiert!

Apropos Karneval! LebensEcht gibt euch einen kleinen Crashkurs in kölschen Rezepten. Deftig hilft gegen Kater am besten, das weiß die kölsche Küche ganz genau! Aber damit es überhaupt soweit kommen kann, unterstützen wir auch Schmalspurfinanciers bei der Kostümwahl: LebensEcht schneidert.

Ausklang muss sein, und damit ihr nach dem Ende von Semester, Klausuren und Kurzzeitaffären in albernen Kostümen wieder zu euch selbst finden könnt haben wir KörperKultur losgeschickt Yoga machen.

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Herausgeber:

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