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Grippeimpfstoff in 48 Stunden Integration - Ein Thema für den Wahlkampf? Feinsinn trippelt ǀ Am anderen Ende der Welt Kendo - Kampfsport mit Stimmgewalt und Bambus Heft 9 ǀ Ausgabe 09/10 ǀ www.meins-magazin.de


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meins

Inhalt

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LebensEcht

06 08 10

Vegetarismus Sex-ABC: O-R Vom Leben dan(n)eben

FernSicht

14 18

Am anderen Ende: China Eine Bootsfahrt durch die Grachten Amsterdams

ErkenntnisReich

22 24 24 25

Grippeimpfstoff in 48 Stunden? Gebärdensprache in Afrika Neurofeedback gegen Zappeligkeit? Welche Zahnbürste passt zu mir?

ZeitGeist

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Kölner Kiez: Belgisches Viertel engelelf und Herrenbude Kanon: Love Exposure - Ai no mukidashi Sonderschule der Ästhetik: Latinum

FeinSinn

34 36 38

Karin SMS-Blog Playlist

StaatsKunst

42 42 42 43

Das TV-Duell Integration- ein Thema für den Wahlkampf? Kuriose Parteien Kapert die Uni! - Die Hochschulgruppe der Piraten

KörperKultur StaatsKunst

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Kendo - Kampfsport mit Stimmgewalt und Bambus Dos & Don'ts beim Joggen

48 49

Impressum Vorschau

Inhaltliches

Startlöcher? Egal, oder? Diesen Monat gehen die Vorlesungen an der Uni wieder los. Für einige zum ersten Mal, für anderen schon das x-te Mal. Vielleicht schaff ich je dieses Semester endlich den Lateinkurs? Ach, und das Grundlagenseminar Rechnungswesen muss ich auch endlich mal durchziehen. Also ab in die Startlöcher oder doch nicht? Die Piraten sind schon mal da, frisch am Start wollen sie die Uni kapern. Was kommt mit der Hochschulgruppe der Piratenpartei auf uns zu? Wird jetzt der Kurs geändert? Wofür stehen die jungen Piraten und Piratinnen? Wir hatten die Piraten zu Gespräch. Aber der Semesteranfang will doch nicht so recht mit guten Vorsätzen locken? meins präsentiert einen neuen Start: Unsere Redakteurin Maxi ist nach China gegangen und berichtet von ihren ersten Erfahrungen, und das für die nächsten zwei Semester! Echtes Fachchinesisch ab jetzt frisch aus Guangzhou. China hat als erstes Land der Welt mit der Impfung gegen Schweinegrippe begonnen. Und die Ersten, die geimpft wurden, waren: Studenten. Ist so ein Grippewirkstoff denn nun wirklich sicher? Und wie schnell kann man Impfstoffe eigentlich entwickeln? Im Fernsehen geht so etwas innerhalb von 48 Stunden, in der Wirklichkeit auch? ErkenntnisReich klärt auf! Wenn das alles zu viel ist: FeinSinn trippelt! Viel Spaß wünscht die meins-Redaktion! 

Niels Walker, Chefredakteur

{ Editorial

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Foto: Aneta Demerouti

LebensEcht


Dann ist mir aufgefallen, dass manche Vorurteile manchen Vegetariern gegenüber tatsächlich zutreffend sind. Ständig quatschen sie auf Partys Leute voll, wie sie denn Fleisch essen könnten, ziehen sich dann die Hose aus, rennen wild kreischend mit Wunderkerzen in den Händen im Kreis und schreien Dinge wie „Weltfrieden“ und „Rettet den Regenwald“. Genauso aber die Karnivoren, die bei dem Wort „Vegetarismus“ entsetzt die Löffel aufstellen, die Hasenzähne blecken und entgeistert auf die Lippen des Sprechenden starren, nur um in den nächsten zwei Sekunden aus unbekannter Quelle ein riesiges Stück Fleisch hervor zu holen, um es der armen, ausgemergelten, fehlgeleiteten Gestalt zwischen die Zähne zu pressen. Leute, geht`s noch? Wir glauben anscheinend alle, dass wir die Wahrheit für uns selbst gepachtet haben. Viele Vegetarier meinen, dass Fleischesser nun wirklich alles falsch machen, was man falsch machen kann in einem Leben. Und viele Fleischesser können die Vegetarier nicht verstehen, die freiwillig auf die schönste Sache der Welt verzichten: Ein saftiges, leckeres, die Zunge verzauberndes Steak. (Uff, hat mich das zu schreiben Überwindung gekostet.) Man sieht also, nach anfänglichen Überlegungen schien es mir doch nicht mehr so einfach diesen Text zu schreiben, weil ich nicht wusste, in welche Richtung er gehen sollte. Vorurteile - langweilig. Eine Ode an den Vegetarismus - ausgelutscht, tausendmal gehört. Eine Hassschrift auf meine Mitvegetarier, die viele hören wollen - wieso sollte ich? Nein. Ich denke, es ist das Beste, wenn ich versuche allgemeine Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Verständnis zu zeigen und endlich um Verständnis zu bitten. Natürlich kann so ein Stück totes Tier verdammt lecker sein. Trotz der großartigen Kochkünste meiner Mutter ist es mir vor ein paar Jahren nicht schwer gefallen kein

Weitsinn LebensEcht

bekehren lassen wollen (Obwohl diese Diskussionen meiner Erfahrung nach meist von Fleischessenden ausgehen). Der einzige, wenn auch kleine Unterschied besteht meiner Meinung nach darin, dass hinter dem Vegetarismus eine Idee, nämlich ein Versuch die Welt zu verbessern steckt. Das Fleischessen ist hingegen einfach das Normalste, das es gibt. Etwas, um das man sich keine großen Gedanken machen muss. Und hier beginnt meine einfache Bitte um Verständnis, auf beiden Seiten:

Fleisch mehr zu essen, weil es mir sowieso nie so gut geschmeckt hat, als das ich dachte, ich verpasse etwas. Wenn ich aber manche meiner Freunde sehe und beobachte mit welcher Hingabe sie ein Stück Fleisch essen, vorher vielleicht sogar noch aufmunternd mit ihm reden, kann ich verstehen, dass es manchen Leuten tatsächlich schwer fällt darauf zu verzichten. Aber muss es denn wirklich das billigste Stück Fleisch sein, dass im Kühlregal des Supermarktes zu finden ist? Das Stück Fleisch, das einer Kuh gehörte, die in ihrem Leben drei Quadratmeter Platz hatte und nur Futter von jenseits der europäischen Grenzen bekommen hat? Futter, das auf Feldern gediehen ist, die eigentlich die ansässige Bevölkerung ernähren sollten. Natürlich gibt der Studentengeldbeutel nicht viel her, aber jeden Tag Fleisch ist sowieso ungesund und dann doch wirklich lieber Bio, oder nicht? Aber ich muss mir auch an die eigene Nase packen. Der billigste Käse, die billigste Milch, auch alles von Kühen, die nicht unbedingt ein glückliches, geschweige den klimafreundliches Leben führten. Irgendwie widersprüchlich, findet auch mein Mitbewohner, der mich immer wieder auf diese Inkonsequenz anspricht. „Also, wenn Du schon kein Fleisch isst, dann kauf auch wenigstens teuren Käse von glücklichen Kühen!“, sagt er. „Oder iss wieder Fleisch und dann nur Bio!“ Dass ich mir weder das eine noch das andere leisten kann und ich deshalb für mich beschlossen habe, auf Fleisch und Fisch zu verzichten, weil es die billigste Variante ist, mit der ich leben kann, habe ich noch nicht in seinen Kopf bekommen. Ist aber auch wieder genau das, was ich hier bemängele. Die Dispute müssen aufhören. Also wie gesagt: Ich kann es durchaus verstehen, dass Menschen nicht auf Fleisch verzichten wollen. Doch wer sich einmal ernsthaft Gedanken um die Zukunft des menschlichen Überlebens macht, dabei vielleicht einmal drei Meter weiter denkt als sonst und den Blick von den eigenen Füßen hebt, der sollte auch Verständnis für die zeigen, die nicht damit leben können eine Industrie zu unterstützen, die einen riesigen Bus voller Menschen geradewegs auf einen unendlichen Abgrund zusteuert. Ich finde es persönlich genauso ätzend ständig Diskussionen über meinen Lebensstil führen zu müssen, wie Fleischesser, die sich nicht von Vegetariern

Liebe Karnivoren, wenn ich euch noch einmal so nennen darf. Hört verdammt noch mal auf uns überreden zu wollen, Fleisch zu essen. Lasst die dämlichen Sprüche wie „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“, die die Wirklichkeit auf das Skurrilste verzerren. Das nervt! Die meisten Vegetarier haben schon eine Idee, warum sie auf Fleisch verzichten. Liebe Vegetarier. Hört auf andere bekehren zu wollen. Das nervt auch! Sogar mich, wenn ich zuhören muss. Das ist fast so nervig wie die Zeugen Jehovas. Ich kenne kaum einen Vegetarier, der sich von einem anderen hat überreden lassen. Diskussionen führen da zu gar nichts, die meisten haben sich irgendwann selbst dazu entschlossen oder waren sowieso von Beginn relativ empfänglich für das Thema.

Foto: Aneta Demerouti

Ha. Ich dachte zuerst, das hier würde total einfach werden. Ein Text über Vegetarismus. Mit Vorurteilen gegenüber Vegetariern aufräumen kann ja nicht so schwer sein, hab ich gedacht.

Ich will eigentlich auch nicht schreiben, dass man völlig auf Diskussionen verzichten sollte. Diskussionen sind immer hilfreich, auch, um sich der eigenen Position im Leben bewusst zu werden. Doch wenn ich durchs Internet surfe und dort auf Einträge von Vegetariern stoße, die nur mit anderen Vegetariern befreundet sein wollen, weil sie sich sonst nicht verstanden fühlen; oder auch auf Seiten wie „antivegan. de“, wo unter anderem möglichst eklige Fleischrezepte gesammelt werden, dann verstehe ich die Einstellung mancher Menschen einfach nicht mehr. Die Kommentare beider Seiten, die teilweise einfach nur hirnrissig sind, bringen mich persönlich leider nicht einmal mehr zum Lachen.

Wie auch immer. Irgendwann werden wir Vegetarier in der Mehrzahl sein und alle unterdrücken. Muhahahaha! Ach, verdammt, das wollte ich doch gar nicht schreiben.  Simeon Buß

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Foto: Maiko Henning

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Orgasmus

Pheromone

Quickie

Revirgination

Der Orgasmus ist der sexuelle Höhepunkt bei Männlein oder Weiblein. Es ist der Moment, an dem die Erregung außer Kontrolle gerät. Jeder erlebt diesen Moment anders. Die Einen schreien, stöhnen und/ oder zittern am ganzen Leib, die Anderen erleben ihn stiller, was nicht bedeutet, dass es sich weniger intensiv anfühlt. Während der männliche Orgasmus meist mit einer Ejakulation einher geht, gibt es bei Frauen keinen eindeutigen "Beweis" für einen Orgasmus. Männer "kommen" durchs onanieren. Frauen sind da etwas schwieriger gestrickt, das simple "Rein" und "Raus" reicht oft nicht. Die zusätzliche Stimulation des Kitzlers befördert sie meist erst in den Genuss der Ekstase.

"Man muss sich gut riechen können"- bei der Partnerwahl hat nicht nur der Charakter oder die Optik das Sagen. Auch die Nase spielt dabei eine tragende Rolle. Die Duftstoffe des Sexualpartners (aus Achseln, Brustwarzen, Schamlippen und der Leistengegend) sollten den Anderen anlocken, attraktiv machen und erregen. Fakt ist: der menschliche Geruchssinn ist mit dem Sitz von Gefühlen, Erinnerungen und Hormonen im Gehirn vernetzt. Bekanntlich können sich Menschen mit verschiedenem Genmaterial besonders gut riechen, da es von der Natur so vorgesehen ist, möglichst unterschiedliche Nachkommen hervorzubringen.

Schnell mal im Auto, auf der Kinotoilette oder auf einer Party. Die Betonung liegt bei "schnell". Der Quickie ist nämlich die besonders flotte Form des Geschlechtsverkehrs. Auf das Vor- und das Nachspiel wird dabei gänzlich verzichtet. Ein Quickie findet spontan statt und dauert nur wenige Sekunden oder Minuten. Das bedeutet aber nicht, dass es weniger Spaß macht.

Bei der Revirgination oder auch der Rekonstruktion eines künstlichen Hymens (Jungfernhäutchen) handelt es sich um eine operative Wiederherstellung der weiblichen Jungfräulichkeit. Für Westeuropa ist dieser Eingriff eher eine Seltenheit. Doch in anderen Kulturen, wo Frauen unberührt in die Ehe gehen müssen, haben Ärzte für sich eine Marktlücke entdeckt.

Veronika Czerniewicz

LebensEcht


Ich gehöre mehr zu der Spezies, die einfach anfängt, loszubrabbeln, um kurz darauf festzustellen, dass man sich in eine Sackgasse manövriert hat, aus der es keinen geschmeidigen Ausweg mehr gibt. Ich beneidete schon immer Menschen, die draußen am Lagerfeuer nachtlange Geschichten erzählen, an deren Lippen man von der ersten Sekunde an hängt, die streichelnde Stimmen haben und jeden Buchstaben mit einem kleinen unsichtbaren Finger auf deinen Arm schreiben. Oder aber Schriftsteller, die sich ein halbes Jahr in einen Raum einschließen und mit einem tausend Seiten starken Manuskript, das ein neu entworfenes Universum beinhaltet, aus der Isolation wieder zurückkehren. Da frage ich mich: wie machen die das? Mein Kopf ist nie voller Fabeln oder Wunderwelten, da sind nur Erinnerungen an ein paar Verlorene, an Traumfragmente und die letzten paar größeren Veranstaltungen, denen ich beiwohnte. Ach ja, und eine Menge geklaute Zitate aus diversen Filmen oder Büchern, die ich ein wenig abändere und als meine eigenen verkaufe. Ich bin mehr der kurze Anekdoten-Typ, sarkastisch, schnell und dabei stimmlich selten gänsehauttauglich. Eher wie ein quietschender Reifen eines Rennwagens, der um eine scharfe Kurve rast. Entscheidend für den Anfang dieser Kolumne ist allerdings, dass ich als Schreiberling immer anders war. ‚Inspiration’ spielte eine ganz entscheidende Rolle, welche ich nicht aus stolpernden Geschäftsmännern an der

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Aldi-Kasse oder Gesichtsbaracken auf Wahlplakaten ableitete. Doch für ein paar Leser mehr gelten plötzlich andere Gesetze. Da muss man sich mit sinnfreien Bildern zurück halten, so tun, als wäre man weiser und scharfsinniger als der gesamte Rest der Menschheit – und grundsätzlich auf alles einen großen Haufen Scheiße setzen. Als Frischling im gewaltigen Kolumnen-Wald kommt mir mein unentschlossenes Grunzen doch ziemlich albern vor. Und schon schallt es zwischen den Bäumen aus jeder Himmelsrichtung zu mir, dass meine „emotionalen“ Texte nur etwas für kleine BWLMädchen sind. Ich mich nicht zu sehr an einem einzelnen Thema festklammern sollte, da ich und andere Herzgebrochene nur eine Randgruppe darstellen und der glückliche

Rest nicht jeden Monat an mein umschriebenes Heulen erinnert sein möchte. Wenn ich dann versuche das weg zu lassen und gegen alles und jeden wettere, der mir vor den geladenen Füller läuft, bin ich zu trivial, einfach nur platt, höchstens ein belustigtes Lächeln wert, quasi die Paris Hilton der Autoren. Ganz zu schweigen von meiner kreativen Abneigung gegenüber politischen Themen, die der angehende Akademiker mit allem bedenken wird, aber sicherlich nie mit Respekt. Als Lyriker würde ich den Kritiker vielleicht noch mit der Aussage irritieren können, dass die perfekte Freiheit in einer zentimeterdicken Schicht Staub auf meinem Küchenfenster verborgen liegt und ich vor einer Weile einen Teil von ihr mit ein paar Tränen befreien konnte… aber das wäre an dieser Stelle wieder zu merkwürdig. Oder ich erzähle von der Hochzeit einer Freundin vergangenes Wochenende, lasse mich ellenlang über jedes erfüllte, deutsche Heiratsklischee aus, mache mich kurz über mich selbst lustig, indem ich gestehe, dass ich mich in einem riesigen Plastikherz habe

fotografieren lassen - nur um am Ende noch mal eine sanfte Kurve zu den unglaublich glücklich glitzernden Augen der Braut zu nehmen, die jedes böse Wort zuvor relativieren, weil Liebe sich bestimmt doch lohnt. Nein, ich mache es ganz anders, mich völlig transparent, erzähle von meinem spätnachmittaglichen Spiel in einem Café, bei dem ich eine Liste von Passanten anfertigte, mit denen ich imaginären Sex haben wollen würde, da ich nämlich chronisch untervögelt bin und nach solchen Bekenntnissen mit einem Dutzend verständnisloser Blicke enger Freunde leben muss, die nicht

nachvollziehen können, warum ich mich öffentlich so entblößen will. Meine Antwort wäre leicht: weil ich es kann… und muss. Denn was mir persönlich bleibt, als Mensch und Autor, ist die Erkenntnis, dass schon der Lichtkegel einer billigen Taschenlampe nicht von meiner Tiefe verschluckt wird, sondern mir einen viel zu überschaubaren Boden offenbart, auf dem nicht mehr liegt als eine Erinnerung an etwas. An Aufgaben, die ich nicht erfüllen will, es aber trotzdem tue, an Entscheidungen, die ich nachträglich doch bereue, an meine zerschmetternde Illusion von Liebe und den zirkulierenden Hass in mir, an jemanden aus Südafrika, das Schnurren meiner Kater, die auf meinem Schoß liegen, während ich dies schreibe, an zu wenig Geld, an Freunde, die nicht getrennt sein dürfen, an den Schmetterling, der immer noch nicht auf mir gelandet ist, die Worte meines Chefs, die gelben Raucherflecken auf meinen Fingern, Sonne und Mut in San Francisco, Köln-Mülheim, Hamburg, den verlorenen Ring, Rastlosigkeit und diese eine Inspiration, die mir immer wichtig war: Magie.

Ich behaupte, ein ehrliches Wort ist das mutigste. Und ganz ehrlich: ich habe keine Ahnung, was ich schreiben soll. Plötzlich bin ich nicht mehr am Anfang einer Kolumne, sondern am Ende angekommen und habe den gesamten Mittelteil nicht mehr gefunden. Heute behaupte ich, nur das letzte Wort ist ‚wichtig’. Marcel Doganci

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FernSicht

Xi'an Trommelturm von: Maximiliane Koschyk

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Am anderen Ende

Im Osten Viel Neues Wo sollte man anfangen zu reisen, zu planen, sich vorzubereiten? China ist der flächengrößte Staat nach Russland - das geographische Gefälle erstreckt sich von Sibirischer Kälte und Mongolischer Steppe über Hochgebirge hin zu tropischen Stränden. Den Berg an "In China essen sie Hunde"-Vorurteilen weggeschaufelt, bleibt China doch China - ein Land, dass nicht nur von geographischen, sondern auch sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Extremen nur so strotzt. Wie kein anderer Staat weist es eine Nationalkultur auf, die von einer Jahrtausende alten Geschichte und zerstörerischen Herausforderungen geprägt wurde. So sind zwar in den letzten 30 Jahren die katastrophalen Auswirkungen der Kulturrevolution beseitigt worden, immer noch aber sind überdeutliche Unterschiede zum "westlichen Lebensstandard" vorhanden. Jeder Student, der sich ans andere Ende der Welt aufmacht, kann also zwar getrost mit einer kleineren Reisekasse kalkulieren als für den Inselstaat Japan, muss sich aber auch auf wenig Komfort bis teils wahre Unbequemlichkeiten einstellen, wenn es um Busfahrten, Toilettenhygiene, Verständigung oder Bewegungsfreiheit geht. Vielleicht macht gerade das China zu einem besonders reizvollen Reiseland, da es selbst für erfahrene Rucksacktouristen viele unbekannte Möglichkeiten und Erfahrungen bietet, die man in von Backpackern überlaufenen Gebieten wie Australien, Neuseeland, Indien und Thailand nicht mehr sammeln kann. Gerade die einzigartige Geschichte verleiht China eine besondere Atmosphäre, die es vor dem Ende der Aufholjagd mit dem Westen vielleicht nur noch kurz zu entdecken gibt.

Zwischen Asien und Europa liegen Welten. Höchste Zeit mal ein wenig auf der entgegen gesetzten Seite unseres Planeten spazieren zu gehen: China. In 80 Tagen um die Welt, Around-The-World, Backpacking: Reisen ist Kult und ist es schon immer gewesen. Doch vor lauter Staaten-Hopping bekommt man von dem einzelnen Land kaum etwas mit, erst recht wenn es so fremd und andersartig ist wie die ostasiatischen Staaten. Allen voran China, letztes sozialistische System seiner Art und ein wahres Paradies für Abenteuer-Urlauber.

In alle Himmelsrichtungen Vor zwei Jahren wagte ich nach einem halbjährigen Praktikumsaufenthalt selbst meinen ersten Reiseversuch als unerfahrene Rucksacktouristin. Mit ein paar chinesischen Redewendungen im Gepäck und einem nicht fremdsprachenkundigem Gefährten aus Deutschland wagte ich mich auf eine Rundreise um entlang der Himmelsrichtungen vier spannende Großstädte Chinas zu entdecken. Drei davon, unter anderem die Hauptstadt Beijing - übersetzt "Nördliche Hauptstadt" - , waren einst Sitze der großen Kaiserdynastien, die anderen beiden Xi'an - im Deutschen etwa "Westlicher Friede“ -

und Nanjing - "Südliche Hauptstadt" - zwar nur zeitlich begrenzt, aber dennoch nicht ohne bedeutende Spuren hinterlassen zu haben. Unser viertes Reiseziel Qingdao an der Ostküste war kein Kaisersitz, wohl aber kolonialer Handelsstützpunkt des deutschen Kaiserreiches unter dem Imperialismus Wilhelm II. Gen Osten Unsere Reise begann in Shanghai mit dem Zug nach Qingdao, 18 Stunden Schlafwagen und obwohl ich dies als größte Herausforderung wähnte, war es die beste zu wählende Möglichkeit: Entgegen der Deutschen Bahn legt das Chinesische Schienenverkehrssystem sehr viel Wert auf Struktur und Ordnung. Exakte Kontrolle der Tickets erfolgt beim Zugang zum Gleis, an der Waggontür werden die Tickets nochmal abgenickt und im Wagen wird das Abteil gezeigt. Nach Belegung des Schlafplatz wird das Ticket bis zum Ausstieg einbehalten, vor dem die Zugbegleiter die Reisenden rechtzeitig wecken bzw. informieren. Am Hauptbahnhof in Qingdao angekommen, ist man direkt in der Innenstadt. Qingdaos größte touristische Attraktion ist vor allem der Strand, die dazugehörigen Promenaden und das Pier Zhan Qiao. Die Mischung aus Kolonialstil und chinesischen Pagoden verleihen den Badestränden ein besonderes Flair, auch der Rest der Hafengegend wurde für die Olympischen Spiele als Sitz der Wettkämpfe zu Wasser architektonisch aufbereitet. Ansonsten lädt die Stadt dazu ein durch die hügeligen Straßen zu wandern und die denkmalgeschützten zwei christlichen Kirchen zu besuchen, von denen die protestantische in deutscher Zeit gebaut wurde. Das Glockenspiel dieser Kirche darf heute als einzige christliche Kirche in China regelmäßig läuten, da sie als historisch wertvoll gilt. Die Shandonger Küche ist vor allem von Fisch und Gemüse geprägt, da die Region sehr von Landwirtschaft beeinflusst ist. Überall in China ist die Esskultur in Garküchen am Straßenrand etabliert, selbst ohne Chinesischkenntnisse kann man sich mit wildem Gestikulieren sein Essen erhandeln. There are 9 Million Bycicles in Beijing. Warum nicht ein Fahrad mieten? Auch das geht in China ohne Sprachkenntnisse sehr

gut. Egal wie viel Zeit man in der Hauptstadt einplant - für eine Tour um die Verbotene Stadt eignet sich das Fahrad am besten. Ausgehend vom Buddhistischen Yonghe Gong-Tempel östlich der Verbotenen Stadt kann man durch die Hutongs radeln, traditionelle Wohnanlagen, die heute immer mehr den Wolkenkratzern und Shoppingcentern weichen müssen. Vom Lama-Tempel, so heißt der Yonghe Gong, ist man in fünf Minuten am KonfuziusTempel, einer weiteren Sehenswürdigkeit in dieser Gegend. Von dort aus weiter in Richtung der Trommel- und Glockentürme erreicht man ein belebtes Viertel, das rund um die beiden Türme kleine Restaurants und Imbissbuden, aber auch schöne Cafés mit guten Espressomaschinen bietet. Immer weiter gen Südwesten radelnd oder auch laufend, erreicht man schließlich den Palast der 999 Zimmer, die "Verbotene Stadt" nach Osten ausgerichtet schließt sich ihr der Kohlenhügel-Park an, frühmorgens ein Treffpunkt der älteren Stadtbewohner, um sich ihren Freizeitaktivitäten zu widmen: Vom Tanzen, Taiqi, über Kallegraphie und Gymnastik finden sich Gruppen ein um gemeinsam bis elf Uhr mittags zu üben, bevor sie wieder im Familienleben eingespannt sind. Vom Kohlenhügel selbst hat man eine fantastische Aussicht über die Rückseite der Verbotenen Stadt, jenen Teil der all die versteckten und intimen Gärten und Höfe des Palastes beherbergt. Besichtigen kann man die Stadt vom Haupteingang aus, dem Tian'an Men - Tor zum Himmlischen Frieden - Eintritt und ein mit Lageplan versehener Audioführer liegen zusammen bei circa zehn Euro. Die Verbotene Stadt habe ich bereits viermal besucht, im Frühherbst, im Winter und im Frühling - jedes Mal verzaubern die Jahreszeiten die einzelnen Gärten und Anlagen auf andere Weise. Mit dem Audioführer wird man in die zahlreichen Geschichten und Legenden eingeführt, die sich um verschiedene Ecken, Tore und Tempel ranken. Der Komplex beherbergt auch Museen zum höfischen Leben, Mobiliar und Kunsthandwerk - legendär ist die Uhrensammlung des Kaisers Puyi, der auch im Film "Der Letzte Kaiser" porträtiert wurde. In Beijing gibt es vieles zu entdecken - als Hauptstadt der Volksrepublik ist sie dem ständigen Wandel und der Modernisierung zugunsten politischer Anlässe unterworfen.

BEIJING Himmelstempel im Winter

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Weitsinn

FernSicht

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BEIJING Verbotene Stadt im Winter

Allein die Olympischen Spiele 2008 haben das Stadtbild vollständig verändert. Innerhalb von Monaten weichen alte Wohnhäuser modernen Anlagen, westliche Konsumketten prägen mehr und mehr das Stadtbild. Noch ist in China nachhaltiger Städtebau kein angesagtes Thema, doch zumindest kann man beruhigend feststellen, dass dem kulturellen Erbe des traditionellen Chinas sein Tribut gezollt wird: Der Himmelstempel sowie andere Anlagen sind sorgfältig restauriert worden, viele mit Hilfe westlicher DenkmalschutzExperten. Da diese Attraktionen von Touristengruppen per Reisebus sehr bequem angelaufen werden können, sind die besten Besichtigungszeiten entgegen dem allgemeinen Tagesrhythmus: Morgens, Mittags, Abends. Doch irgendwann beginnt das Angebot an Sehenswürdigkeiten und Großstadt einen zu übermannen: Zeit in den friedvollen Westen zu reisen, nach Xi'an. Westwärts Xi'an erreicht man sowohl per Zug als auch Flugzeug recht gut - der Flughafen

ist außerhalb gelegen, ein Shuttle führt aber direkt in die Innenstadt, die von den traditionellen Trommel- und Glockentürmen geprägt ist. Xi'an war zeitweiliger Kaisersitz mehrerer Dynastien, berühmtestes Zeugnis dessen ist die Terracotta-Armee, die nach ihrer Entdeckung in den 1970er Jahren heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Alle Ausgrabungen sind für einen vertretbaren Eintrittspreis überdacht zu besichtigen, allein die zahlreichen Souvenirläden sind etwas störend, wenn man sich vor Augen führt, wie ähnlich die Plagiate den Ausstellungsstücken sehen. Einzigartig dagegen ist die Legende der "Reise nach Westen", deren Zeugnis noch heute die Wildganspagode in Xi'an ist: Sie erzählt von den Abenteuern des buddhistischen Mönchs Xuanzang, der aus Indien geschmuggelte Schriften in eben jener großen Pagode übersetzt haben soll. Vor diesem "Beweisstück" der chinesischen Odyssee ist außerdem das größte Wasserspiel Ostasiens angelegt, dass mit einer halbstündigen und musikalisch untermalten Vorführung

tausende Touristen lockt. Fernab diesen Trubels bietet Xi'an eine Besonderheit, die mehr ist als eine bloße Touristenattraktion: Am Fuße der Trommel- und Glockentürme gelegen befindet sich ein Viertel der HuiChinesen, einer der 56 in China anerkannten Nationalitäten. Als Muslime leben sie streng nach ihren religiösen Prinzipien; sie essen kein Schwein und trinken keinen Alkohol. Umso köstlicher sind Lammsuppe und Pitabrot-Spieße, sowie die Xi'an-Limonade, die es nur dort zu trinken gibt. Südseite So gestärkt geht es für uns zur letzten Etappe: Nanjing. So wie Beijing und Xi'an einst politischer Sitz chinesischer Kaiser, hat vor allem die jüngere Geschichte Chinas zum tragischen Ruhm dieser Stadt beigetragen: Der Glanz und die Legenden um Mönche und Herrscher des Landes werden überschattet von dem "Massaker von Nanjing", der Ermordung und dem Missbrauch Hunderttausender chinesischer Zivilisten während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges.

Xi'an Trommelturm

Garküche in Xi'An

In einem weitläufigen Denkmal wird der Opfer dieses Kriegsverbrechen gedacht, über dessen Aufklärung zwischen China und Japan bis heute eine unversöhnliche Spannung liegt. Dem zum Trotz hat sich Nanjing zu einer der kulturell spannendsten Städte der Volksrepublik entwickelt. Ein eigenes Symphonieorchester, berühmte Tanzgruppen und zahlreiche landesweit bekannte Häuser, die die Chinesische Oper vorführen, prägen die städtische Kultur. Seit dem alten Kaiserreich ist Nanjing eine Bildungsmetropole, noch heute kann man alte Examenskaschemen besichtigen, in denen sich die kaiserlichen Prüflinge vor tausend Jahren an Konfuzianischen Texten entlang hangelten. Heute ist Nanjing Sitz etablierter Südchinesischer Universitäten, sowie einem Teil der Chinesischen Akademien der Wissenschaften. Das offene und akademische Flair hat das Stadtleben genauso beeinflusst wie das Handelsleben und der Qinhuai-Fluss, um den sich zahlreiche Kneipen und Nachtmärkte drängen. Bei diesen Ansammlungen an Imbissbuden kann man kosten, was die

Südchinesen so verrufen macht: Skorpione, Raupen, Hühnerfüße und so weiter. Wer sich traut, der wird meist angenehm überrascht, heißt es; wer nicht - so wie ich selbst - dem wird als Ausländer wohlwollend verziehen. Diese vier Städte Chinas sind nur eine Auswahl touristischer Anlaufstellen, die das Land bietet. Flüge, Online-HostelAgenturen und die Globalisierung haben dazu beigetragen, Rucksacktouristen das Reisen zu erleichtern. In Fachkreisen bekannt ist die Reisefibel des Lonely Planet Verlags. Damit läuft man zwar Gefahr, dass "entlegene" Ecken fünf Jahre nach Erscheinen der letzten Ausgabe längst zum Touristen-Hotspot geworden sind, dennoch bietet er wertvolle Tipps für das Umherstreunen im Land. Und der wichtigste Rat in diesem Land zu reisen, ist immer noch der, sich zwar aller Komplikationen und Gefahren bewusst zu sein, aber davon nicht die Neugierde und das Interesse am Land verderben zu lassen.

Bilder und Text> Maximiliane Koschyk

Terracotta Armee FernSicht


Eine Bootsfahrt durch die Grachten Amsterdams. Oder:

Das Wasser plätschert leise gegen das Boot. Ein bisschen anders stellt man sich es dann doch vor, wenn man ein Boot mit Elektromotor ausleiht. Ein bisschen schneller vielleicht. Wir jedoch tuckern mit SchrittGeschwindigkeit durch die Grachten Amsterdams. Die Stimmung ist, für deutsche Touristen in Amsterdam nicht unüblich, heiter bis fröhlich und verraucht. Das einzige Manko unserer Meinung nach ist das Bier, das, anders als in Deutschland, eher schal denn herb schmeckt. Die Sonne, die sich in den letzten paar Tagen nur selten gezeigt hat, kam mit unserer Ankunft zwischen den Wolken hervorgebrochen und lullt uns ein. Amsterdam ist eine Stadt für jeden. Sie verzaubert, ist einladend (nicht nur nachts) und unglaublich vielfältig. Bei unserer kleinen, etwa dreistündigen Bootstour

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FernSicht

sehen wir einen großen Teil der Innenstadt. Die alten Häuser, die seltsam aneinander geschmiegt und so völlig passend an den Grachten stehen. Die Verzierungen an den Häusern erinnern an längst vergangene Zeiten. Die Farbenpracht lässt einfach nur staunend stehen bleiben (was im Boot gar nicht mal so einfach ist).

Schwimmende Gewächshäuser mit Palmen, Kakteen, Bäumen und natürlich: Tomaten und Tulpen. Ein schwimmender Supermarkt, ein Touristenboot, das uns entgegenkommt. Irgendwann bekommt man das Gefühl, dass Amsterdam in einer Symbiose mit dem Wasser lebt. Alles schwimmt und trotzdem funktioniert es. Oder gerade deshalb?

Wir fahren durch eine der zahllosen Brücken. Kaum zu glauben, dass es in anderen Städten sogar noch mehr Brücken geben soll als in Amsterdam. Manche Brücken mit riesigen Durchgängen und den kleinen daneben, laden zum Quatsch machen ein. Mit Gejohle entern wir eines der kleinen Löcher, das, wie wir alsbald merken, nicht zur Durchfahrt gedacht ist. Eine Kette ist gespannt, das Boot bleibt abrupt stehen und zum ersten Mal sind wir froh, dass wir nicht so schnell waren, dass wir herausgeschleudert hätten werden können. Lachend legen wir den Rückwärtsgang ein.

Im Boot gilt unsere Aufmerksamkeit gerade einem jungen Mann, der modisch völlig danebengehauen hat. Fröhlich wie wir sind lachen wir ihn ein wenig aus. Er hingegen lacht uns aus, weil wir nicht mehr nach vorn sehen und fast vor einen Brückenpfeiler fahren. Im letzten Moment lässt sich die Gefahr abwenden. Wir fahren weiter und beginnen mit einem lustigen Spiel. Seltsamerweise stehen an den Grachten des Öfteren Stühle, herren- und damenlos. Wir sammeln sie ein, so dass wir am Ende auf eine stolze Anzahl von drei entführten Stühlen kommen. Mehr hätten auch nicht in das kleine Boot gepasst.

Die schwimmenden Glaskästen da vorn sind angeblich bekannt. Darin ist nichts als Grün. Grün, Grün, Grün soweit das Auge reicht.

Die Frauen an den Fensterscheiben können sich noch so sehr räkeln, wir halten nicht an, tuckern langsam vorbei. Sie werfen uns schmachtende Blicke nach. Also, nach unseren Geldbeuteln. Hin und wieder sieht man ein leeres Fenster. Einmal ist ein Vorhang verrutscht und ich erkenne einen dicken Mann, vor dem ein junges, bestimmt

Ein Junggesellenabschied mal in angenehm und lustig.

erst 18-jähriges Mädchen kniet. Bei dem Gedanken in Amsterdam zu studieren, abends an den Scheiben vorbei zu laufen und etwa 20% meiner Kommilitoninnen zu sehen, läuft es mir kalt den Rücken runter. Aber Studieren hat nun einmal seinen Preis bekommen. Nicht nur in Deutschland.

Pinkelpause. Nirgendwo und noch nie in meinem ganzen Leben waren die 50 Cent für den Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt so gut angelegt, wie in diesem kleinen Restaurant, das ich vermutlich und leider nie mehr wiederfinden werde. Man wurde freundlich begrüßt, eine hübsche Frau bot sogar an die Toiletten noch schnell zu reinigen, entschuldigte sich für den Preis und führte mit den Wartenden sogar noch Smalltalk. Großartig! Als wir zum Boot zurückkehren, ist derjenige, der das Boot bewacht, eingeschlafen. Wir fahren weiter und suchen nach einem Feuerzeug. Das alte ist verschwunden. Wild gestikulierend halten wir Passanten an und bitten um Feuer. Ein großer Kerl mit vielen Dreadlocks wirft uns sein Feuerzeug zu. Es

fällt kurz ins Wasser, einer von uns fängt es gerade noch rechtzeitig, bevor es untergeht. „It will work, you may keep it!“, ruft er uns zu. Das erlebt man auch nur in Amsterdam, denke ich mir. Abends ziehen wir noch durch die Straßen. Die Bootstour wurde nach exakt drei Stunden mit der freudigen Abgabe aller Stühle beim Bootsverleih beendet. Die Altbauinnenstadt begeistert uns alle, auch wenn wir schon recht müde und seltsamerweise auch irgendwie nicht mehr so fit sind. Wir setzen uns - mal in eine Kneipe, mal an den Rand der Grachten und saugen die Stimmung in uns auf. Die Menschen sind ausgelassen, fröhlich. Oder scheint es uns nur so? Irgendwann fallen uns doch allen die Augen zu. Unser Hostel liegt ziemlich nah an der Innenstadt und ist dennoch recht billig. Wie das? Einfach zu beantworten. Die Philosophie des Hostels nennt sich „Eco“. Drei große und relativ eklige Plakate zeugen von der Politik der Schlafstätte. Das erste zeigt eine alte Socke, darunter der Spruch: „Eco-Toiletpaper“. Auf dem zweiten trocknet sich ein dicker Mann mit dem Vorhang ab: „Eco-Towel!“ und auf dem dritten sieht man eine als „Eco-Elevator“ gekennzeichnete Treppe. Die Betten wackeln und sind klein, die Dusche läuft über und ist fensterlos. In

der Nacht entwickelt sich eine unglaubliche Hitze in dem Zimmer, weil man die Fenster nicht richtig öffnen kann. Dennoch kann ich jedem der Amsterdam nur für wenige Tage besuchen möchte das Hostel empfehlen. Die Hinweise sollten ja zum googeln reichen. Eco-Advertisement. Ein bisschen neben uns, sitzen wir am nächsten Morgen zum zweiten Frühstück (das erste im Hostel hatte uns zwar satt gemacht, aber fahren wollten wir trotzdem noch nicht) in einem kleinen Cafè und trinken leckeren Kaffee aus bunten Tassen. Jetzt bin ich mir sicher, dass die Leute hier fröhlicher sind. Vielleicht liegt es am Wasser, vielleicht an dem unmerklichen CannabisGeruch, der über der Stadt hängt wie der Alkoholdunst über Köln an Karneval. Ich weiß es nicht und glaube auch kaum, dass ich es in diesem Leben noch herausfinden werde. Aber ich werde es definitiv noch ein paar Mal erleben, da Amsterdam einfach Erfahrungen bietet, die sonst nur schwer zu erlangen sind. Und damit meine ich nicht Gras. Bilder und Text> Simeon Buß

FernSicht

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ErkenntnisReich Foto: Corinna Kern


Grippeimpfstoff in 48 Stunden? Die Schweinegrippe-Pandemie im Vormarsch: Filmindustrie oder Realität, wer macht das Rennen? Dort wo Spiderman, Dinos und Außerirdische zu Hause sind, scheint nichts unmöglich. In Hollywood retten die Helden innerhalb von wenigen Stunden die Welt. Droht eine Pandemie, steht innerhalb von 2 Tagen ein passender Impfstoff zur Verfügung. Jedenfalls will es uns so die Filmindustrie in dem Science-Fiction-Film „Outbreak – Lautlose Killer“ verkaufen.

Aber wie sieht die Sache in der Realität aus? Immer wieder plagen uns Grippe-Viren mit Fieber und Schüttelfrost, laufender Nase, Kopf- und Gliederschmerzen. Viren sind genetisch sehr variabel. Zufällige Mutationen verändern immer wieder den genetischen Code. Deswegen gibt es keinen universalen Impfstoff gegen einen Virus, der über mehrere Jahre wirkt. In jeder Herbst-WinterSaison bringen die Pharmaunternehmen einen neuen Impfstoff auf dem Markt, der an den aktuellen Grippe-Virus angepasst ist.

Die Sache hat aber einen Haken: die Impfstoffgewinnung kostet Zeit. Im Frühjahr 2009 entstand in Mexiko eine Virusvariante, die genetische Anteile der Vogel-, Schweine-, und menschlichen Grippeviren enthält. Ein Cocktail, der für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich werden kann. Droht nun eine Pandemie?! Bricht der Grippe-Virus also über die mexikanischen Grenzen in anderen Ländern und Europa aus, so dass große Teile der Weltbevölkerung erkranken können? Im Prinzip haben wir die Voraussetzung erfüllt. Pünktlich zur Urlaubszeit schwappte die Schweinegrippe nach Spanien über, wo sich dann deutsche Touristen ansteckten. In NRW diskutierte man am Ende der Sommerferien sogar darüber, den Schulanfang aufgrund der Schweinegrippe um eine Woche nach hinten zu verschieben. Auf internationaler Ebene ist man auch besorgt.

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ErkenntnisReich

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) schätzt die Schweinegrippe, auf einer Skala von 1 (geringe Gefahr) bis 6 (Beginn einer Pandemie), mit der höchsten Warnstufe ein. Die Bundesregierung sieht auch Handlungsbedarf und beschließt 35 Millionen Bundesbürger in diesem Jahr impfen zu lassen. Dazu zählen vor allem chronisch Kranke und Berufstätige mit viel Publikumsverkehr (beispielsweise Polizisten, Ärzte etc.). Auf der Nordhalbkugel sind insgesamt über eine Milliarde Impfdosen gegen die Schweinegrippe in Bestellung. Tja, so lange der Vorrat reicht, möchte man behaupten. Schade nur, dass es noch nicht mal einen Vorrat gibt…

Was sind die ominösen Zutaten, die für die Impfstoffproduktion benötigt werden? Wäre die Realität ein Film, wären wir alle schon lange geimpft. In zwei Tagen ein Grippe-Serum zu entwickeln ist aber utopisch. Das Verfahren für die Herstellung des Impfstoffs ist altbewährt. Die WHO legt jedes Jahr die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffes fest. Einfach gesagt: das Rezept ist da, aber die Gewinnung einzelner Zutaten ist zeitaufwendig. Es dauert lange bis alle Bestandteile in gewünschten Mengen vorhanden sind. Paradoxerweise sind es die Viren selbst und ihre Wachstumsbehausungen: Eier. Diese „Eiraumwohnung“ dient dazu Viren zu vermehren. Die WHO stellt den Virus-Impfstamm, der unter kontrollierten Bedingungen in den Laboren der Pharmaindustrie in angebrüteten Eiern heranwächst. Haben die Viren ihre Wachstumsspitze erreicht, werden die Viren vom Ei getrennt und abgetötet. Es werden verschiedene Virenstämme herangezüchtet und zusammengemischt, damit ein möglichst breiter Impfschutz erfolgt. Zusammen mit anderen Bestandteilen, muss dieser Cocktail noch auf seine Wirksamkeit und Sicherheit überprüft werden, dann erst kann der Impfstoff in Spritzen abgefüllt und verpackt werden.

Mit der Zellkulturtechnik gegen die Zeit. Mit der Ei-Methode dauert die Impfstoffproduktion drei bis vier Monate. Eine neue Kultivierungsmethode ist gerade entwickelt worden. Mit der so genannten Zellkulturtechnik will man schneller auf die anrückende Schweinegrippe-Pandemie reagieren können. Nicht im Ei, sondern in modifizierten Nierenzellen eines Cocker Spaniels (aus dem Jahre 1958) wachsen in künstlicher Kultur die gewünschten Virenmengen heran. Der ultimative Vorteil, Zellkulturen lassen sich schneller und einfacher in den Dienst stellen als angebrütete Eier. Nach Herstellerangaben müssen die speziellen Hühnereier mit einem Vorlauf von bis zu einem Jahr bestellt werden. Das kann zu Engpässen im Falle einer unerwarteten Pandemie führen. Die Zellkulturen können dagegen tiefgefroren gelagert, bei Bedarf aufgetaut und schnell vermehrt werden. Kein Huhn - kein Ei - kein Impfstoff -lautet das ergreifende Urteil des Pharmaunternehmens, das selbstverständlich für die Zellkulturtechnik Werbung machen will. Allerdings ist diese Technik noch in der Erprobungsphase und erspart nicht die obligatorischen klinischen Studien auf die Verträglichkeit und die Wirkung des Impfstoffs.

Kein Huhn - kein Ei - kein Impfstoff, lautet das ergreifende Urteil des Pharmaunternehmens. Der Herbst ist schon da. Die Grippe-Saison 2009/2010 ist auch nicht mehr weit. Wir brauchen jetzt definitiv einen Impfstoff für die anrückende Schweinegrippe. Bisher haben sich in Deutschland fast 18 000 Menschen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Allerdings wird die klassische Grippewelle mit viel mehr Krankheitsfällen normalerweise erst im Winter und Frühjahr erwartet. Seit Anfang Sommer wurde an dem neuen Schweinegrippe-Impfstoff gearbeitet, so dass in wenigen Wochen genug Impfmengen vorhanden sein werden. Selbst bei einer so leicht ansteckenden Krankheit, wie der Grippe, müssen wir angesichts einer Pandemie nicht in Panik verfallen. Dann steht einem Happy End ja nichts mehr im Weg.  Christine Willen

Foto: Corinna Kern


Gebärdensprache in Afrika

Welche Zahnbürste passt zu mir?

Neurofeedback gegen Zappeligkeit? Neurofeedback wurde ursprünglich in den 1970er Jahren bei Epilepsie angewendet.

Fotos: Elisabeth Weinzetl

Gebärdensprache in Afrika, dieses Thema kam auf dem 6. Weltkongress der Afrikanistik in Köln zum ersten Mal zur Sprache. Afrikanisten aus aller Welt setzten sich in einem Workshop damit auseinander, wie man das vernachlässigte Feld behandelt. Verschiedene Forscher stellten hierbei erste Untersuchungen vor. Wie viele verschiedene Gebärdensprachen es auf dem Kontinent gibt und benutzt werden ist bisher nicht bekannt. In vielen entlegenen Gebieten Afrikas entstehen Gebärdensprachen autochthon, d.h. ohne jeglichen Einfluss oder Kontakt zu anderen Gebärdensprachen. Meist sind es auch nur simple Gebärden, die den Benutzern, eine einfache Kommunikation ermöglichen.

Diese Sprachen entwickeln sich schnell fort und gewinnen an Komplexität, dies macht sie für Forscher interessant, denn so können sie die Entwicklung neuer Sprachen studieren. Die vielen verschiedenen Gebärdensprachen bilden aber auch ein Dilemma, da die betroffenen Personen durch diese Sprachbarriere von anderen Gruppen isoliert sind. Deswegen setzte man sich auch mit der Möglichkeit einer Standardisierung auseinander, wobei man sich unsicher ist, ob eine eigene kontinentweite Gebärdensprache umsetzbar und sinnvoll ist. In Konkurrenz dazu stehen Gebärdensprachen aus Europa, den USA oder die junge internationale Gebärdensprache.

Es beschreibt die Rückmeldung über Gehirnaktivitäten mit Hilfe von medizinischen Messgeräten wie z.B. einem EEG (hier bekommt man kleine Sensoren auf den Kopf gesetzt die dann die Gehirnströme messen). Die Uniklinik Frankfurt untersucht nun, ob es auch bei anderen Erkrankungen, wie z.B. ADHS wirksam ist, nachdem erste Studien dies behaupten. ADHS oder auch ADS, beschreibt eine psychische bzw. neuronale Krankheit, die das Konzentrationsvermögen stark einschränkt. Eines der bekanntesten Symptome, das aber nicht immer auftreten muss, ist eine stetige körperliche Unruhe. Mit Neurofeedback wird nun versucht, die unbewusst ablaufenden Vorgänge im Gehirn, die zum Abschweifen der Gedanken oder der körperlichen Unruhe führen, der betroffenen Person in Echtzeit sichtbar zu machen. Hierdurch soll die Person dann lernen, sich diese Vorgänge bewusst zu machen um sie lenken oder unterdrücken zu können. Neurofeedback setzt dabei nur auf die Vergegenwärtigung der Symptome und Ursachen des Betroffenen und benötigt keine Medikation. Deshalb wird es auch als nebenwirkungsfrei gepriesen. Die Studien hierzu sind aber noch nicht abgeschlossen.

Diese Frage haben sich alle von uns schon einmal gestellt. Jeder hat mittlerweile seinen eigenen Favoriten auserkoren, ob es nun harte, weiche oder mittelharte Borsten sein sollen. Man kann die Frage aber auch völlig wissenschaftlich angehen, genauso wie es in der Studie von Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke erfolgt ist. 120 Probanden bekamen eine Zahnbürste zugelost und mussten acht Wochen lang zweimal täglich Testschrubben.

Das überaus überraschende Ergebnis: Wenn´s weh tut, sollte man wechseln! Wie Herr Zimmer entdeckt hat, putze die harte Bürste zwar am gründlichsten hartnäckigen Zahnbelag runter, bei falscher Putztechnik beispielweise beim horizontalem Schrubben oder zu starkem Druck gäbe es Zahnfleischverletzungen, die noch schlimmer seien, als ein bisschen Restbelag. Leute mit Zahnfleischverletzungen sollten deshalb lieber zu weichen Zahnbürsten wechseln, dafür aber noch sorgfältiger putzen.

Für alle anderen mit normalem Zahnbelag und gesundem Zahnfleisch seien die mittelharten Bosten die optimale Lösung. Wer hätte das gedacht! Das ultimative Ergebnis dieser Studie lautet: „Die klarste Aussage aus unserer Studie ist, dass es nicht sinnvoll ist, jedem die gleiche Zahnbürste zu empfehlen. Am besten Sie Fragen ihren Zahnarzt beim nächsten Besuch“, resümiert Zimmer aus seinen zahnbürstlichen Untersuchungen. Als ob wir nicht selber merken, welche Borsten zu unserer Zahnpflege passen. Christine Willen

Niels Walker Niels Walker

Fotos: Corinna Kern

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ErkenntnisReich

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Fotos: Corinna Kern

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Kölner Kiez: Belgisches Viertel

Ich bin ein Snob. Kein Bock auf vergammelte Häuser und vergammelte Menschen. Köln Mühlheim macht mich depressiv. Lindenthal ist mir zu uncool, Südstadt und Sülz zu weit ab vom Schuss. Deshalb wohne ich im einzigen Viertel Kölns, das wirklich Stil hat: im Belgischen.

Hier gibt's alles was es sonst auch gibt, nur schöner. Und dann noch etwas mehr. Vergleichsweise wenig Architektur, das Felixnachkriegsverschandelte Grosser richtige Maß an Grün zwischen all dem Beton, um noch urban genug zu wirken, und Straßenzüge wie aus Kinderbüchern. Kölns einzigen Plattenladen von Weltrang, schicke Geschäfte, gepflegte Bars und - großes Plus - das einzig wahre Outdoor-Wohnzimmer der Republik: den Brüsseler Platz. Wo kann man sonst in dermaßen gediegener Atmosphäre mit nem eisgekühlten Kioskbier und in - relativ - erträglicher Gesellschaft abhängen, wenn die Partyszene gerade mal wieder nix reizvolles hergibt oder beim Blick in den Geldbeutel nur so'n komischer ausgetrockneter Busch vorbeirollt? Scheiße eigentlich, dass der Sommer auch schon wieder vorbei ist... Klar hat all das seinen Preis. Den Anblick des ein oder anderen YuppiePärchens inklusive kreischender Brut im Ommakinderwagen oder das gelegentliche Überangebot an pseudocoolen Posern muss man schon bereit sein großzügig hinzunehmen. Es fehlt außerdem ein richtiger Club zum Tanzen. Damit wären die Mankos aber auch schon benannt. Dass die Mieten hoch sind, ist nämlich ein Gerücht. Wer sucht, der findet -lautet das Motto. Aber eigentlich sollte ich das gar nicht ausplaudern, denn es ist schließlich ne feine Sache, wenn all die sogenannten Alternativen, also Spießer und Reaktionäre, die Dreck mit Attitüde verwechseln, dem Belgischen aufgrund seines elitären Rufes weiterhin fern und mir somit aus den Augen bleiben. Halten wir also abschließend fest: hier zu wohnen ist Luxus, der Rest ist Köln. 

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Weitsinn

Fotos: Corinna Kern



Felix Grosser

ZeitGeist

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Kanon: Love Exposure - Ai no mukidashi So was gibt es auch noch. Nach langer Durststrecke plötzlich aus dem Nichts ein Meisterwerk auf der Leinwand. Ein Film der zeigt, wofür der liebe Gott das Kino schuf. Eine Offenbarung. Man könnte ganz sentimental werden, wenn man sich dann nicht selbst so widerlich fände. Christentum und Perversion. Sex, Sektenwahn, Rache und Erlösung. 5 Akte, ein Wunder, 4 kurze Stunden wunderbar leicht und spielerisch erzähltes Kino, dass sich, seine Geschichte und Charaktere trotz einer akuten Überdosis Ironie, Kitsch und Wahnsinn auf geradezu anrührende Weise ernst nimmt. Im direkten Vergleich mit Tarantinos aktueller Gurke – was haben sie alle "Film des Jahres!" geschrien – wird klar, was jenem abgeht. Dort plumper, unentschlossener Möchtegern B-Movie, hier Nouvelle Vague fürs Jahr 2009. Nicht aus Frankreich, sondern Japan. Jugendlicher Sohn japanischer Christen - exotisch! – wird, nachdem der Tod der

engelelf, Engelbertstr. 11 Ich liebe schöne Boutiquen in Seitenstraßen, die ich auf der Suche nach Abkürzungen zufällig entdecke. Das gibt einem immer ein universelles Sinnverständnis: das verdiente Accessoire für die Faulheit sozusagen. So auch geschehen vor ein paar Jahren mit dem engelelf in der Engelbertstraße. Zugeben, die Ecke ist Modefreunden schon lange als Mini-Kleidermekka bekannt, allerdings ist die Auswahl für das männliche Geschlecht dort eher dürftig. Auf den ersten Blick verliebte ich mich in das farbenfrohe, kreative Interieur, auf den zweiten dann in das kaleidoskopische Sortiment an T-Shirts, Gürteln, Taschen und die diversen anderen Accessoires. Das Angebot erstreckt sich über limitierte Kleinserien und Unikate junger, europäischer Labels bis hin zu hauseigenen Kollektionen

und Produkten. Zudem gestaltet sich auch die Kooperation mit aufstrebenden Designern und Künstlern, deren Werke drei bis vier Mal im Jahr ausgestellt werden, als elegante und nahezu logische Symbiose. Sicherlich ist das ein oder andere gute Stück außer Reichweite des studentischen Geldbeutels, dennoch gaben mir diverse Teile schon für mich untypischen Anlass auf sie hin zu sparen. Und was zu guter Letzt ein wichtiges Attribut eines Lieblingsladens von mir ist, ist der schmeichelnde Macher des engelelf: „Das sitzt wie maßgeschneidert“ ist ein Satz, den ich nicht unbedingt für bare Münze nehme, aber dennoch eine Phrase, die ich liebend gern von ihm höre. 

Marcel Doganci

Klamottenkaufen für Männer: Die Herrenbude

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LebensEcht

„Herrenbude“ seine Frau im Laden „Rockit, baby“ die Damen neu anzieht (mit deutlich längeren Öffnungszeiten), nimmt er sich Zeit und berät von Socke (Falke), Hose (Herrlicher) über Hemd (Ben Shermann) bis zu unfassbar schicken Schuhen (Boxfresh & Creative Recreation). Gerade die Schuhe sind den Gang wert, das Spitzenmodell aus blauem Leder und Rindslederfütterung schlägt dann aber auch mit über 200€ zu Buche. Günstiger geht es mit flachen Schuhen ab 79€. Schnäppchenjäger können sich den Gang allerdings sparen, der

auch als Lyriker bekannt, empfiehlt sich als Auteur. Den Rest seines durchaus umfangreichen, hierzulande jedoch bisher kaum bekannten, Oeuvre gilt es hiermit offiziell zu entdecken. Dass er offensichtlich bereits in Norwegen an einer Verfilmung des kontroversen Black Metal Nazi Reissers "Lords of Chaos" arbeitet, lässt hoffen. Glückwunsch an die Kölner AsienSpezialisten Rapid Eye Movies, diese Perle ins Programm genommen zu haben. Wer die leider etwas kurze aber trotzdem sehr löbliche Spielzeit im Off Broadway verpasst hat bekommt auf DVD eine zweite Chance. Felix Grosser

http://www.rapideyemovies.de/ film/love-exposure

Sonderschule der Ästhetik: Latinum

Fotos: Corinna Kern

Das Nervigste vorweg: Der Laden hat die kürzesten Öffnungszeiten der Stadt: Freitagabend und Samstag am Tage hat die Herrenbude in Köln-Ehrenfeld auf, und am ersten Donnerstag des Monats, aber das kann sich ja eh keiner merken. Zu empfehlen ist der Freitagabend, wenn die ganze Stadt sich partyfein macht, dann ist es hier ruhig. Achim Schmitz betreibt im Hinterhaus seine freundlichen Quadratmeter guter Kleidung. Er serviert Espresso, Café oder Orangina - kostenfrei. Während vorne im Haus, komplett abgetrennt von der

Mutter den Vater zum Priester mutieren ließ, zum Beichten gezwungen. Woher nur die Sünden nehmen?! Verkehr mit den richtig harten Jungs, wir alle wissen: schon immer die besseren Menschen, hilft. Die schiefe Bahn beginnt beim Getränkeautomatenvandalisieren und endet auf dem ehrenwerten Weg des Mädchen unter den Rock Fotografierens. Der König der Perversen auf der Suche nach wahrer Liebe. Doch zum Stehen bringt ihn nur die Jungfrau Maria. Es folgen: Boy meets Girl, Hindernisse, Coming of Age Qualen, Verwechselungskomödie, Martial Arts Action im Spannermilieu, Melodram, wilde Rumzitiererei (Sasori!), Bombe, Irrenhaus. J-Pop Sweetheart Nishijima Takahiro (AAA Attack All Around) brilliert in der männlichen Hauptrolle, Mitsushima Hikari ist wunderschön und Ando Sakura ein weiterer Beweis, dass apart das neue sexy ist. Regisseur Sono Sion, in seinem Heimatland

Warenbestand ist zwar gut ausgesucht, aber nicht zu üppig. Einige T-Shirts und Hemden gibt es für 20€ zum reduzierten Preis, andere Objekte der Begierde können auch schon mal ausverkauft sein. Aber Achim bestellt gerne auf Anfrage nach und über die Wartezeit hilft dann der Café. Herrenbude, Rothehausstrasse 4, Köln Ehrenfeld. KVB: Körnerstrasse. www.herrenbude.de 

Niels Walker

Da sitzen sie nun in ihrer wohlverdienten und in vielen Fällen auch wohlbenötigten Ferienzeit in einem prall gefüllten Hörsaal und büffeln täglich von früh bis spät grammatische Konstruktionen einer toten Sprache die sich hinter solch kryptischen Kürzeln wie ACI, Ablativus Absolutus und Gerundivum verbergen. Stoff, der an deutschen Schulen gerne mal über mehrere Jahre und auch während des regulären Semesterbetriebes unserer heißgeliebten Alma Mater immerhin über ein volles Semester gestreckt wird, soll hier mal eben in drei Wochen sitzen. Richtig geraten: wir befinden uns in einem der Ferienkurse, die das Institut für Altertumskunde und Klassische Philologie all jenen anbietet, denen früher an der Schule nicht gesagt wurde, dass sie evtl. später fürs Studium ein Latinum benötigen könnten. In anderen Worten: willkommen in der Hölle auf Erden. Doch wozu eigentlich der ganze Stress? Weil Latein für eine Vielzahl von Studiengängen von großer Wichtigkeit ist? Richtig. Zum Beispiel für Anglistik. Im Englischen gibt's schließlich so viele Wörter lateinischen Urspungs, dass man sie am besten nicht nur als englische Vokabeln

lernt, sondern auch gleich noch weiß, von welcher lateinischen Vokabel sie sich ableiten. Oder für Musikwissenschaft. Da übersetzt man schließlich permanent irgendwelche mittelalterlichen Choräle. Wie ja auch Philosophen andauernd vor lauter Übersetzerei antiker Quellen schon mal das Philosophieren ganz vergessen. Nur dumm, dass sie damit selbst auf dem Level eines großen Latinums noch gewaltige Probleme hätten. Womit kann die zwangsverordnete Römerkur also sonst gerechtfertigt werden? Immer wieder gern genommen: das Studium der Sprache, Geschichte und Kultur des antiken Roms lehrt uns etwas über die Wurzeln unserer eigenen Kultur. Hmm, da mag, trotz begründeter Zweifel und der berechtigten Frage, warum wir dann nicht auch gezwungen werden Mittelhochdeutsch oder von mir aus irgendwelche altgermanischen Dialekte zu lernen, ja durchaus was dran sein. Andererseits scheint es doch im Falle einer Vielzahl Studierender so zu sein, dass sie ausgerechnet dieser Form von Spezialwissen nicht sonderlich viel abgewinnen können. Die Altertumskunde

klagt jedenfalls, soweit es mir bekannt ist, bisher nicht über eine kaum noch zu bewältigenden Menschenmassen in den Hörsälen. Zudem war Zwang noch nie das Mittel, junge Menschen für ein Thema zu ineteressieren. Halten wir also, um die Liste leicht zu widerlegender, fadenscheiniger Argumente nicht zuletzt zum Wohle des Lesers zu beenden, an dieser Stelle ein und stellen fest: es gibt keinen vernünftigen Grund warum Studenten heute noch Latein lernen müssen. Die wahren Gründe liegen in der erschreckenden Resistenz gewisser Elemente des deutschen Bildungsideals des 18. Jahrhunderts, die längst seelenlos und blutleer als moderige Legionärsleichen, untot und zum Himmel stinkend, weiterhin ihr Unwesen treiben. Freilich unterstützt von zumindest augenscheinlich lebendigeren Zeitgenossen, die meinen ihrer sogenannten Universität selbst dann, wenn längst jeder weiß, wie weit es innerhalb deren grauer Mauern mit "Bildung" tatsächlich her ist, als Alleinstellungsmerkmal diesen gewissen althumanistischen Touch geben zu müssen. Bildung in Deutschlad - yeah baby, morituri te salutant. Felix Grosser

LebensEcht

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FeinSinn Foto: Maiko Henning

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Karin lief lachend über den Marktplatz. Dabei klackerten ihre hochhackigen Schuhe laut über das mit Konfettischnipseln übersäte Kopfsteinpflaster. Sie war eine geübte Pumpsträgerin, weshalb sie so gut wie nie mit ihren Absätzen in den Ritzen stecken blieb. Es gab natürlich auch Abende, an denen sie sturzbetrunken nachhause torkelte, die nur vom Mondschein entlarvten kleinen Fallen übersah und schließlich der Länge nach auf den Boden fiel. Helga hatte Schwierigkeiten ihrer Freundin zu folgen. Überall standen Menschen, die ihre Bierkrüge gegeneinander schlugen und dabei ihr Lächeln, das am Tage so zurückhaltend war, in ein bizarres Gelächter wandelten. Ab und an wurde sie am Arm gepackt und von den einschlägigen Dorfmachos festgehalten. Ein höfliches „Hallo!“ und „Ich muss der Karin hinterher“ genügte an Etikette um sich wieder loszureißen und den sehr wahrscheinlich folgenden Annäherungsversuchen der alten, verheirateten Lustmolche zu entgehen. Dorffeste waren das Letzte fand Helga, doch mit Karin machte alles immer Spaß. Meistens zumindest. Endlich vernahm sie Karins durchdringendes, tiefes Lachen. Sie stand bei Paul und ein paar anderen Jungs, die ein bisschen abseits vom Geschehen an ein Auto gelehnt, rauchten. „Das ist meins. Haben mir meine Alten zum 18. geschenkt letztes Jahr!“, warf ein Junge lässig ein, während er Karin in den Ausschnitt glotzte. Helga kannte ihn noch aus der Schule. Damals war der schon ein unglaublicher Angeber. Karin warf lachend ihren Kopf zurück, der Wind zerrte an ihren dünnen, blonden Locken: „Wie süß! Hat Papi Dir wieder ein Geschenk gemacht?“. Sie witzelte mit verstellter Stimme, so als würde sie mit einem kleinen Kind sprechen. Dabei knuffte sie Paul augenzwinkernd in die Seite. Der drehte sich genervt ab und sah Helga hilfesuchend an. Sie wusste Bescheid. Er hatte mal wieder genug von Karin und befürchtete, dass sie entweder Stunk machen würde oder sich an einen seiner Kumpels ranmachen könnte. Vor etwas mehr als einem Jahr waren Paul und Karin mal ein Paar. Das hielt allerdings keine drei Wochen weil er sie in ihrer Stammkneipe auf der Toilette mit einem anderen erwischte. Sie knöpfte gerade die Hose dieses Kerls auf, während seine Hände unter ihrer Bluse vergraben waren und wild an ihren Brüsten herumkneteten. „Meine Titten müssen eben frei sein“ hatte

abrupt langsamer und verstummte einen Augenblick später. Wie angewurzelt stand Karin da und sah zu Boden. Helga versuchte sich in ihrem Röcheln an einem heiteren Ton und hielt ihre Hand auf Karins Schulter. „Mach nicht aus Kleinigkeiten große Arien! Wenn das Leben dich mit Zitronen bewirft, machst du eben Limonade“, hatte sie immer zu Helga gesagt. „Himmel, du weißt doch, dass ich nicht so schnell bin“. Helga versuchte sich an einem Lächeln. “Ist alles in Ordnung?“ – Karin anschließend mal ganz unbekümmert gesagt. Helga war immer wieder bestürzt wie kaltschnäuzig ihre beste Freundin im Umgang mit dem anderen Geschlecht war. „Ach, Du bist doch die Karin Bertels, die Tochter vom Schuldirektor, oder?!“ rief der Angeber Karins zu, die gerade von Helga an die Hand genommen wurde. Sorge breitete sich über Helgas sonnengegerbtes, pummeliges Gesicht aus. Sie wusste, was jetzt passieren würde. Reflexartig löste sich Karin aus der Hand ihrer Freundin und ging provozierend, mit leicht geöffneten Lippen auf ihn zu. Ganz dicht vor ihm blieb sie stehen und hauchte: „Ja genau, die bin ich. Und würdest Du Dich vielleicht auch mal vorstellen?!“ In der nächsten Sekunde knutschten die beiden schon wild miteinander herum. Ein süffisantes Grinsen ging über die Münder der herumstehenden Jungs, nur Helga und Paul warfen sich einen ernsten Blick zu. Helga starrte auf ihre Füße. Es war ihr immer unangenehm, Karin beim küssen zusehen zu müssen. Sie wusste ganz genau, wie das jetzt enden würde. Ein paar Minuten später nahm Karin Helgas Kopf in die Hände, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte: „Ich bin ziemlich müde. Holger, der Kerl mit dem Auto, fährt mich nachhause. Amüsier Dich noch gut, wir sehen uns morgen!“. Helga lächelte, nickte und sah zu, wie Karin in den Mercedes stieg. Als die Geräusche des Festes allmählich fast gänzlich vom Wind verschluckt wurden, lächelte Karin und knöpfte ihre Bluse ein Stück weiter auf. „Dahinten wohne ich. Bleib aber doch bitte kurz hier stehen, ich

will Dir noch etwas zeigen, Helge.“. „Ich heiße Holger“, erwiderte er. „Sag ich doch!“, lächelte Karin während der Mond auf ihr feines Gesicht fiel. Im Schatten darunter kratzten Holgers Bartstoppeln unangenehm an ihren Brustwarzen. – „Rede doch mit ihm!“, riet ihr Helga und ihre prallen Wangen glänzten auf. „Hör auf, ich will nicht über ihn sprechen und schon gar nicht mit ihm. Er ist für mich gestorben!“. Karin sah in den Himmel, stütze dabei ihre Hände hinter sich auf die Wiese. Ihr Brustkorb hob und senkte sich beim Atmen mit einer brachialen Entschlossenheit, als hätten ihre Rippen einen eigenen Willen, dem sie wütend Ausdruck verleihen wollten. Nur langsam normalisierte sich ihr Luftholen. Dann drehte sie ihren Kopf ruckartig in Helgas Richtung. „Komm, lass uns zum Marktplatz und ein bisschen mit Leo und Fritz spielen!“. Dabei lächelte sie viel sagend und wackelte mit ihren Brüsten. „Er heißt übrigens Frank“, rief ihr Helga schnaufend nach. Wie immer hatte Karin keine Antwort abwarten können und war einfach losgelaufen. Auf dem Kopfsteinpflaster klackerten ihre Pumps wie ein Donnerwerk und der Hall trug sich, besonders in menschenleeren Nächten, bis in die kleinen Gassen hinein, die sich überall zwischen den alten Stadthäusern verloren. Es war nicht schwer Karin zu folgen, man musste einfach den Geräuschen hinterher. Obwohl Helga sie nicht sah, spürte sie, dass etwas nicht in Ordnung war. Das Klocken wurde

„Damals, das weiß ich noch, da hat die Karin versucht sich an den Leo ranzumachen. Ich hatte ihn und seinen Bruder zum Essen eingeladen. Und sie tätschelte immer an ihm herum. Ihr übliches Spielchen eben. Doch ich war ja in ihn verliebt. Also habe ich all meinen Mut zusammen genommen und ihn gebeten, mir in der Küche zu helfen. Dort packte ich ihn, hab ihm einen dicken Schmatzer verpasst und gesagt: „Ich find dich toll. Ab diesem Zeitpunkt war er dann meiner. Und das ist er noch heute“ Helga lacht und immer dann beginnen ihre Augen zu strahlen. – Ihr Vater stand stocksteif vor ihr und hielt seinen Mund leicht geöffnet. Endlich fand seine Stimme den Weg zurück aus der Verkrampfung und entlud sich in einem flirrenden „Hallo Karin!“. Karin hob ihren Kopf und schien etwas in der Ferne zu fixieren, das nur sie sah. Es machte ein paar Mal Klack und schon erfüllte der Klang ihrer rhythmisch aufsetzenden Schuhe die Luft. „Hallo Herr Bertels!“, sagte Helga und ein betroffener Ausdruck überlistete ihr Gesicht. Er blickte erschrocken, nickte und ging. Geräuschlos.

Schrankwand im Wohnzimmer von innen geputzt. Ein bisschen lesen vielleicht auch zwischendurch. Lene hat ihr ein paar Krimis geliehen. Links neben ihr steht ein kleines Körbchen, in dem die Wäscheklammern, nach Form und Farbe sortiert, aufgebart liegen. Ihr Sohn raucht schon wieder in seinem Zimmer. Das macht sie wahnsinnig. „Ich hasse diesen Gestank!“, ruft sie in den Flur und sprüht eine halbe Flasche Deo vor der Tür in die Luft. „Jeden Tag dasselbe“, denkt sie wütend und schläft ein. Ihre Decke bewegt sich die kommenden Minuten weit nach oben und wieder hinab… bis sie eingeschlafen ist. „Als ich dann auch verheiratet war, ging alles ganz schnell. Da hat sie den John kennen gelernt und ein halbes Jahr später geheiratet. Und acht Monate danach war auch schon ein Kind da. Das war merkwürdig. Früher hat sie es ja nie lange bei jemandem ausgehalten“ – Als Karins Vater viele Jahre später starb, entschied sie sich spontan der Beerdigung fernzubleiben. Ein Raunen ging wahrscheinlich durch die Gemeinde, doch das hörte sie längst nicht mehr. Dafür war sie zu weit weg gezogen. „Willst du nicht endlich Frieden mit ihm schließen?“, frage ich sie. „Wieso sollte ich? Er hat in den letzten 30 Jahren keine Rolle für mich gespielt und es ist mir, um ehrlich zu sein, auch egal ob er tot ist.“ Ein paar graue Strähnen haben sich in ihr dünnes, blondes Haar gemischt, die ich immer noch erst beim dritten Hinsehen bemerke. Sie wendet ihren Kopf zum Kühlschrank, hält einen Moment inne, sieht mich an und fragt schließlich: „ Was sollen wir denn heute essen?“

– – Karin liegt auf der Couch und schaut eine ihrer Serien. Später muss sie noch den Videorekorder programmieren für das, was sie morgen verpasst. Wenn sie bald Urlaub hat, wird mal wieder der Eisschrank abgetaut. Und bestenfalls auch die

Und es regnet manchmal Träume, die auf Kopfsteinpflaster platschen und sich anhören wie hochhackige Schuhe. Am Ende versickern sie in der Erde. Marcel Doganci / Bild: Maiko Henning

FeinSinn

FeinSinn


SMS-Blog Also zwischen Sport und Kino koennen wir uns von mir aus kurz auf einen Kaffee treffen. Lass uns mal in dieses Cafe vom letzten Mal gehen, die haben auch alles mit Sojamilch.

Guck dir mal Elisa an, die hatte heute Morgen wohl auch keinen Spiegel zur Hand!

Ich verstehe wirklich nicht, wie die Menschen ohne Handy gelebt haben. uebrigens, ich komme ein bisschen spaeter.

Johanna Regenhardt / Bild von sxc.hu

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StaatsKunst


Kapert die Uni!

Das TV-Duell Am Abend des 13. September fand es statt, das viel beworbene TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD). Doch schon während der Übertragung wurde klar, dass es sich hierbei nicht um ein Duell, sondern eher um ein Duett handelte. Beide waren eher auf Kuschelkurs eingestellt, kaum Angriffe waren im Wortgefecht zu finden. Wären die vier Moderatoren mit ihren teilweise bissigen Fragen nicht da gewesen, wäre es eine nette kleine Gesprächsrunde unter Koalitionspartnern geworden. Deshalb lässt sich auch kaum ein Gewinner des Duells festmachen. Sowohl die Kanzlerin als auch ihr Kontrahent haben sich gut geschlagen.

Seit sechs Wochen gibt es die Piraten an

Die Wahlentscheidung dürfte es wohl kaum beeinflusst haben. Selbst wenn der Unterhaltungswert recht niedrig anzusetzen ist, so hat es doch den Sonntagabend vieler Wählerinnen und Wähler gefüllt. Spannender als das eigentliche Duell waren die Kommentare aus den jeweiligen Parteien, die natürlich jeweils ihren eigenen Kandidaten eindeutig vorne sahen. Die Vertreter der übrigen Parteien sahen das TV-Ereignis eher als ein Eingeständnis und den Wunsch nach einer weiteren großen Koalition an. Am 27. September werden wir gesehen haben, ob sich doch einer der beiden durchsetzen konnte.  Jasmin Dienstel

der Uni Köln, wird jetzt etwas geändert? Karin Hoehne, Katharina Kerner, Sebastian Schiefer. Entern mit Hund: Die Piraten an der Uni Köln

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Konkurrent Frank-Walter Steinmeier

Integration- ein Thema für den Wahlkampf? Wir alle kennen die Diskussion um Integration und die so genannten Integrationstests und –Kurse. Jahrzehntelang hat die Regierung es versäumt, die in den 50er und 60er Jahren eingewanderten Gastarbeiter richtig zu integrieren. Auch jetzt scheint die Integration von Migrantinnen und Migranten für die Bundestagswahl von geringer Bedeutung zu sein. Dies geht beispielsweise

aus einer Studie eines unabhängigen Berliner Meinungsforschungsinstituts im Auftrag des Handelsblattes hervor. Der Begriff taucht jedoch immer wieder auf. Sei es bei der Debatte um Bildung, um die Wahlberechtigung oder das kulturelle Zusammenleben generell. Der nationale Integrationsplan von Kanzlerin Merkel von 2006 enthält zwar Selbstverpflichtungen, doch diese müssten

Kuriose Parteien

Zur Bundestagswahl wurden 21 Parteien zugelassen, neben den großen Parteien, die bisher im Bundestag vertreten sind. Doch insgesamt gab es 52 Vereinigungen, die sich beim Bundeswahlleiter um eine Zulassung bemüht hatten. Unter ihnen gab es einige Witzparteien, deren nicht ernstzunehmende Inhalte und Forderungen einigen Grund zum Schmunzeln bieten. Die Ziele der anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands (APPD) beispielsweise bestehen aus dem Recht auf Arbeitslosigkeit, Asozialität und Saufen statt Bildung, so jedenfalls ist es auf ihrer Internetseite nachzulesen. Obwohl sich

StaatsKunst

für derlei Ziele wohl auch Wähler fänden ließen, hat sich diese Partei inzwischen wieder aufgelöst. Eine schlechte Nachricht an alle Raucher unter uns: Leider wurde auch die Raucherpartei nicht anerkannt. Schade, dann müssen wir uns wohl weiter der Diskriminierung unterwerfen oder endlich aufhören. Jasmin Dienstel

in Gesetze eingebettet sein, so fordert es jedenfalls der Chef der Türkischen Gemeinde Deutschland, Kenan Kolat, in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Es gibt Überlegungen für die Gründung eines Ministeriums für Integration, allerdings scheint dieses nicht in nächster Zeit umsetzbar zu sein. 

Jasmin Dienstel

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Seit der Europawahl ist die Piratenpartei (meins berichtete) ein Begriff. Es gibt sie auch in viel kleinerem Rahmen, nämlich bei uns an der Uni. Wir haben drei junge Piraten getroffen. Katharina humpelt auf Krücken zum Termin. Aber es ist kein Holzbein, sondern der Fuß in Gips. Sie ist die Vorsitzende der neu gegründeten Hochschulgruppe der Piratenpartei an der Uni Köln. Sie studiert auf Lehramt und ist 21. Begleitet wird sie von Karin und Sebastian, auch beide Unipiraten. Bekannt ist die Piratenpartei vor allem dadurch, dass sie sich für mehr Datenschutz, Privatsphäre und gegen Internetzensur einsetzt. Aber wie passt so etwas auf den Campus? Die junge Hochschulgruppe zählt derzeit 16 Köpfe und es sind tatsächlich auffallend viele darunter, die entweder Informationsverarbeitung oder Informatik studieren. „Klar, da ist auf jeden Fall eine Technikaffinität.“ entgegnet Karin. „Das sind Leute, die das entweder studieren oder sich privat damit auseinandersetzen. Sonst würde man sich der Problematik überhaupt nicht bewusst werden, wenn man nicht eine Affinität zu solchen Themen hätte.“ Es wäre aber nun falsch zu sagen, dass die Hochschulgruppe sich ausschließlich als Klub der meuternden Informatiker sieht. Auch Studierende der Geschichte oder Lehramtsstudenten sind mit an Bord. Trotzdem setzen die Piraten an der Uni ihre Schwerpunkte im digitalen Bereich, nämlich bei KLIPS. Damit greifen sie einen Punkt auf, mit dem fast jeder Studierende an der Uni regelmäßig konfrontiert wird. Das System KLIPS hat seit seiner Einführung vonseiten der Studierendenschaft als auch von den Lehrenden ein durchweg negatives Echo bekommen. Hier wollen die Piraten einen Hebel ansetzen und haben auch schon ein wirksames Wahlkampfthema für die nächsten Wahlen zum Studierendenparlament gefunden. In diesem Bereich können

sie nicht nur mit Forderungen, sondern auch mit Kompetenz aufwarten. Denn im Gegensatz zu den anderen politischen Hochschulgruppierungen, haben die Piraten das notwendige Know-how um einem Problem wie KLIPS mit Vorschlägen beizukommen. Aber auch ein einfaches Problem beschäftigt die Piraten: was passiert, wenn der Server, auf dem alle Noten und Klausurergebnisse gespeichert sind, ausfällt oder beschädigt wird, zum Beispiel durch ein Feuer. „Dann sind alle Noten futsch. Und das ist das Problem“, sagt Karin. So benennt die Hochschulgruppe Datensicherheit an der Uni. Auch Ilias, die E-Learning-Plattform der Uni soll verbessert werden. Sebastian kritisiert, dass hier lizenzpflichtige Software verwendet wird. „Warum verwenden wir eine Software, deren Lizenz 30.000€ pro Arbeitsplatz kostet, wenn es auch ein alternatives Open-Source Angebot gibt?“ Die Uni wirft hier viel Geld zum Fenster raus meint er, und auf die Frage, welche Software zukunftssicherer und flexibler wäre, haben alle drei sofort eine Antwort: Open Source. Wie viel Geld die Uni auf diese Weise einsparen könnte, dem wollen die Piraten nachgehen. Dass diese Maßnahmen reichen, um damit die Studiengebühren zu senken oder abzuschaffen, glaubt Katharina, die Vorsitzende jedoch nicht. „Studiengebühren abzuschaffen wäre schön ist aber unrealistisch. Dafür geht es uns eher darum, dass bei der Verwendung der Studiengebühren völlige Transparenz herrscht.“ Transparenz ist ein Grundsatzthema der Piratenpartei in Deutschland und schlägt auch auf der Hochschulebene durch. Sie heißt für die Hochschulpiraten nicht nur ein Rechenschaftsbericht seitens der Uni, denn den gibt es schon, sondern noch anderes: „Wir wollen sehen, wofür Studiengebühren

eingesetzt werden und mitbestimmen können, damit es für uns gewinnbringend ist.“ Mehr Datensicherheit, mehr Transparenz und Mitbestimmung. Drei Punkte, bei denen sich die Hochschulgruppe der Piratenpartei schon festgelegt hat. Unklar ist bisher, wie sich die Piraten an der Uni Köln bei anderen Themen positionieren werden. Zum Beispiel bei Gleichstellung, Exzellenzförderung oder der Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft. Die Mutterpartei ist hier schon weiter, aber die Selbstfindung ist bei vielen Themen noch nicht abgeschlossen. Die Hochschulgruppe der Piraten ist das Zeugnis einer Verlagerung der politischen Bedürfnisse der Studierenden und auch der Menschen im ganzen Land. Es bleibt abzuwarten, wohin dieses Bedürfnis führt. Zum Semesteranfang wollen die 16 Hochschulpiraten auf dem Campus auf sich aufmerksam machen und wachsen. Um die Piraten schon vorher kennenzulernen, muss man bei Google nur „Piraten“ und „Uni Köln“ eingeben.  Niels Walker

Info

KLIPS, das Kölner Lern-, Informationsund Prüfungs-System ersetzt an der Uni Köln das bisherige und veraltete System, uk-online. Zwar waren die Pläne für KLIPS ambitioniert und fortschrittlich, wurden jedoch eher schlecht als recht umgesetzt. Das liegt zum einen an der katastrophalen Benutzeroberfläche als auch an schwachen Servern, die vor dem Ansturm von knapp 40.000 Studierenden regelmäßig in die Knie gehen. Mit KLIPS werden Vorlesungsverzeichnisse, Kursund Seminaranmeldungen und Noten verwaltet. Auch vonseiten der Lehrenden gibt es wiederholt Mängelbekundungen an KLIPS.

StaatsKunst


KรถrperKultur Foto: Corinna Kern


Exotische Sportarten

Kendo - Kampfsport mit Stimmgewalt und Bambus Schon von Weitem sind bestialische Schreie zu hören, als ich mich der Schulsporthalle in Klettenberg nähere, in der an diesem Abend die japanische Kampfsportart Kendo trainiert wird. Gruselig klingen die Stöße von den aneinander knallenden Bambusstäben und die tiefen bis spitzen Schreie der Kämpfenden. Allerdings auch ein wenig nach Kopulationsgebaren, was die Spannung erhöht, beim zweistündigen Training der Campussportgruppe zusehen zu dürfen. Auch in der Umkleidekabine zeigt sich, dass Kendo für Nicht-Japaner eine ungewöhnliche Sportart ist. Die Studenten, die nach und nach ankommen, tragen alle eine schwere Ausrüstung mit sich - einen Helm mit Visier, einen schweren Umhang aus mehreren Lagen blauen Stoffes und das Schwert oder besser den Bambusstab, der aus vier einzelnen Bambusstreben zusammengesetzt ist. In der Halle kann ich die Sportler nur noch an Hand ihrer Statur unterscheiden und an dem Wappen, das fast jeder, der schon länger dabei ist, um seine Lenden trägt. Auf dem Lendenschutz steht entweder ein Kölner Stadtteil oder ein japanischer Schriftzug geschrieben, je nach Herkunft des Trägers. Nachdem die Vorgängergruppe die Halle verlassen hat, trainieren Roland Niewerths Kendoschüler. Roland ist der Kendolehrer des Campussports, er ist dreifacher deutscher Kendo-Meister und zweifacher Kendo-Vize-Europameister. Trotz seines eigenen Renommees hat er zwei japanische Co-Trainer dabei, die ihm ausschließlich japanisch sprechend, beim Lehren der Kampfschritte zur Seite stehen.

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KörperKultur

Kendo hat im Land des Lächelns jahrhundertelange Tradition Kendo hat in Japan jahrhundertelange Tradition, aber in seiner heutigen Form existiert es erst seit etwa 150 Jahren. Die Geschichte des Kendo wird mit der des Schwertkampfes oder der Schwertkunst, Kenjutsu, gleichgesetzt. 1911 wurde diese Unterart des Budo, der japanischen Kampfkunst im Allgemeinen, sogar als Pflichtfach an allen japanischen Schulen eingeführt. In Folge dessen fand eine starke Vereinheitlichung der Sportart statt, die regionalen Unterschiede wurden immer geringer und dadurch kam es zu einer immer größer werdenden Verbreitung im japanischen Inselreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch der „Alljapanische Kendoverband“ gegründet, der dem Erhalt der Traditionen, der Vereinheitlichung und der Steuerung kleiner Änderungen innerhalb des Sports, dient. Seit 1974 gibt es die ersten europäischen Meisterschaften und seit Mitte der 1960er Jahre wird Kendo auch in Deutschland praktiziert.

Feuchter Hallenboden und seltsame Rituale Vor Beginn des Trainings wischen die schon anwesenden Kendoschüler den Hallenboden, Reihe für Reihe ziehen sie mit einem feuchten Mopp ihre Bahnen, bis alles vom vermeintlichen Schmutz der vorherigen Kendogruppe entfernt ist. Danach rennen die Schwertkampfschüler zum Aufwärmen einige Runden im Kreis und auch die Stimmbänder werden dabei nicht verschont.

Der sechste Dan ist ein hoher Grad, denn im Kendo kann man heutzutage nur noch bis zum achten gelangen, der neunte und zehnte werden nicht mehr vergeben. Die auf Rolands Zuruf startenden Übungen, die eine Kombination aus Schrei, einem sprungähnlichem Stampfschritt und angedeutetem Schwertstoß, sind, symbolisieren im Kendo die Einheit des Geistes. Ursprünglich sollten sie in Japan auch tatsächlich der Ausbildung der Krieger dienen, wobei der Angriff und nicht die Verteidigung im Vordergrund steht. In Klettenberg an einem lauen Sommerabend bin ich zwar fasziniert von der Fremdartigkeit des Kendo und der Inbrunst, mit der die Kölner Studenten trainieren, ziehe aber das Fazit, das dieser Sport etwas für diejenigen ist, die sich auch nach Verlassen der Schulsporthalle noch mit einem Lächeln auf den Lippen für die japanische Kultur begeistern können.

Info:

Dos & Don'ts

Kathrin Mohr

Campussport: www.campussport-koeln.de Deutscher Kendobund e.V.: www.dkenb.de

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Aufwärmen Genug trinken i-pod mitnehmen für den richtigen Rhythmus und gegen die Langeweile Mit kleinen Runden anfangen und sich langsam steigern Sehr wichtig: Gute Laufschuhe tragen

Foto: Corinna Kern

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Vorher viel und fettig essen Zu schnell starten und dann wegen Seitenstichen nach Hause gehen müssen Telefonieren Sich überanstrengen und dann den Vorsatz Sport zu treiben wegen Muskelkater fürs nächste halbe Jahr wieder sausen lassen Danach direkt rauchen- denn mit guter Durchblutung in der Lunge ist das noch schädlicher als es sowieso schon ist

der kendotypische Schrei wird gleich mit erprobt. Für mich als Zuschauerin erscheint das Rituelle dieser Sportart ziemlich skurril und ich muss mir das ein oder andere Mal ein lautes Lachen verkneifen, wenn die Studenten wie japanische Krieger mit ernster Miene an mir vorbei rennen. Trotzdem strahlt die Schwertkunst, wie vermutlich auch andere Kampfkünste, etwas Spirituelles aus. Nach dem Aufwärmen versammeln sich alle in der Mitte der Halle kniend im Kreis, richten ihre Kleidung und ihren Kopfschutz, legen ihre Ersatzschwerter aus Bambus in die Mitte und sprechen einem der japanischen Meister nach. Am Ende dieses Prozedere springt Roland auf und ruft: „Dann, ran an die Gewehre!“ Insgeheim frage ich mich, ob das der eingedeutschte Ausruf ist und ob ihm die Schwerter wohl immer noch ein bisschen fremd erscheinen, obwohl er Träger des sechsten Dan ist?

Foto: Maiko Henning

Kathrin Mohr

Joggen KörperKultur

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Herausgeber:

Verein zur Förderung studentischen Journalismus Köln e.V. www.vfsjk.de

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Miray Atli, Simeon Buß, Veronika Czerniewicz, Jasmin Dienstel, Marcel Doganci, Sabina Filipovic, Felix Grosser, Maximiliane Koschyk, Christiane Mehling, Kathrin Mohr, Johanne Regenhard, Iris Sygulla, Niels Walker, Vivian Weigt, Christine Willen

Lektorat:

Jasmin Dienstel, Vivien Weigt, Sabina Filipovic, Christopher Dröge, Lara Petri, Annika Kruse

Gestaltung/Layout:

Sven Albrecht, Sara Copray, Elisa Hapke, Sebastian Herscheid, Nina Schäfer, Elisabeth Weinzetl

Online:

Karin Hoehne

Fotografie:

Simeon Buß, Aneta Demerouti, Maiko Henning, Corinna Kern, Maximiliane Koschyk, Niels Walker

Leitung d. Ausbildung:

Kathrin Mohr

Website:

www.meins-magazin.de

Erscheinungsweise:

monatlich

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Es wird kalt in Köln,

und was taugt der schmale Geldbeutel für Winterklamotten? LebensEcht zeigt euch, wie ihr mit wenig Aufwand eure Sommer und Herbstklamotten winterfest macht!

FeinSinn wird leise: FeinSinn flüstert.

Bewegung an der Uni Köln:

Es gibt die leiseste Playlist überhaupt und Geschichten, die alles leise werden lassen. Ein Hauch zwischen den Lippen, man muss schon hinhören. Ruhe bitte!

Fische, Zebras und Elefanten sie bewegen sich! Das zoologische Institut zieht um! Wie verpacke ich ausgestopfte Tiere in Umzugskartons? Und dass mir ja keiner eine Feder lässt! Zwischen Affengeschrei und Mikroben, ein Umzug an der Uni.

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meins trippelt

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