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WEINGUIDE_TERROIRPROBE BADEN

Achkarrer Schlossberg vs. Ihringer Winklerberg Aus heißen Lagen Baden ist Burgunderland, die kuriose Vulkanerhebung Kaiserstuhl sein Epizentrum. Doch statt Lava fließt heute exzellenter Rebensaft aus dem Berg, am heißesten wird er aus den TopLagen Schlossberg und Winklerberg gehandelt. Der Kaiserstuhl dürfte, vom Schwarzwald mal abgesehen, eine der bekanntesten Land­ schaften Badens sein. Dabei handelt es sich um ein gerade mal 100 Quadratkilometer gro­ ßes Mittelgebirge, das mitten in der ansonsten endlos flachen Oberrheinischen Tiefebene, zwi­ schen Vogesen und Schwarz­ wald, herausragt. So wirkt die maximal 377 Meter über dem Rhein liegende Erhebung vul­ kanischen Ursprungs ein biss­ chen verloren, wie ein Unfall der Natur – wenn auch ein sehr reiz­ voller. Der Kaiserstuhl war einst der größte Vulkan des Ober­ ­ rhein­g rabens, das ist jetzt aller­ dings 15 Millionen Jahre her. Von Kratern ist durch Erosion allerdings nichts mehr zu sehen, auch die einstige Höhe von ver­ mutlich 1  000 Metern wurde über die Jahrmillionen längst abgetragen. Nichts erinnert am Kaiserstuhl übrigens an eine Sitzgelegen­

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heit, allenfalls von der RheinSeite und aus der Luft betrachtet lässt sich mit viel Phantasie ein Sessel ausmachen. Daher soll der Name auch nicht kommen, sondern vielmehr auf König Otto III. zurückgehen, der 994 in Sasbach zu Gericht „saß“, wo­ ­ rauf hin das ganze Mittelgebirge „Königsstuhl“ getauft wurde, zwei Jahre später, nachdem Otto III. zum Kaiser gekrönt wurde, wurde daraus dann schließlich der „Kaiserstuhl“. Belegt ist das aber nicht. Der Wein ist heute jedenfalls der wichtigste Wirtschaftszweig des Kaiserstuhls. Der gleichnamige Bereich beherbergt etwa ein Viertel des Ba­­dischen Weinbaus. Seine Reb­fl ächen wurden über drei Jahrzehnte hinweg in Kleinund Großterrassen flurbereinigt, was nicht immer gelungen aus­ sieht, wirken manche hohen Stützmauern doch wie Teile einer Festung. Dennoch bleibt der Kaiserstuhl eine einzigartige Kulturlandschaft, bekannt als einer der wärmsten Flecken Deutschlands. Mit den Lagen Achkarrer Schlossberg und Ihringer Wink­ lerberg haben wir die zwei renommiertesten Lagen des Kai­ serstuhls gewählt, die beide be­­ nachbart an der Süd-SüdwestEcke des Kaiserstuhls liegen. Ihnen gemeinsam ist vor allem der Vulkanverwitterungsboden mit unterschiedlichen Löss­ schichten. ACHKARRER SCHLOSSBERG Der beschauliche Weinort Ach­ karren liegt mitten drin im

Vulkangebirgszug. Der Schloss­ berg ist der Stolz der Gemeinde, in der fast jeder zweite Bewohner Winzer ist. Sie alle bewirt­ schaften den Schlossberg, ver­ schieden große Rebflächen, zum Teil in kleinen Terrassen, oft in großen Hanglagen, ein bisschen kreuz und quer zusammen­ gewürfelt und doch wohl geordnet durch das allen Rebzeilen gemeinsame Ziel: Das Streben zum leicht bewaldeten Gipfel, auf dem allerdings kein Schloss mehr steht. Im Laufe der Ge­­ schichte wurde es zerstört und schließlich, bis auf ein paar Mauerreste, abgetragen. Burgun­ dersorten, allen voran der Grauburgunder, sind hier, wie überhaupt im gesamten Weinan­ baugebiet Baden, der absolute Trumpf. IHRINGER WINKLERBERG Ihringen liegt am südlichen Ende des Kaiserstuhls und bezeichnet sich selbst als der „wärmste Ort Deutschlands“. Westlich der Gemeinde steigt der Winklerberg auf, sicherlich eine der spannendsten Wein­ lagen Deutschlands. Spektakulär präsentieren sich die einzelnen Steil- und Hanglagen auf ver­­­­­­ schiedenen Ebenen wie ein zufällig zusammengewürfeltes Mosaik von Kleinterrassen, von zum Teil beeindruckenden Stütz­­mauern gefestigt. Eine ein­ ­­­zigartige, beeindruckende Wein­ kulturlandschaft. Mit der Flurbereinigung wurde die Lage in die Ebene erweitert, wodurch genau genommen zwei Lagen verschiedener Niveaus entstanden sind.

DIE VERKOSTUNG Wir verkosteten 70 Weine aus beiden Lagen, vor allem Grau-, Weiß- und Spätburgunder, die absoluten Klassiker der Region. Dabei standen alle Qualitätsstufen und Preisklassen (von 6,20 Euro bis 60,00 Euro) auf unseren Probentischen, im Wesentlichen aus den jüngeren Jahrgängen 2014 und 2013. Bei den Spätbur­ gundern auch einiges aus dem Jahrgang 2012 und älter. Etwa drei Viertel der verkosteten Weine wurden mindestens als „sehr gut“ eingestuft (ab 85 Punkte aufwärts), genau ein Viertel sogar als „herausragend“ (ab 89 Punkte aufwärts), was das hohe Qualitätsniveau dieser Her­ kunft beweist. Neben den Klassi­ kern fielen übrigens auch ein paar ausgezeichnete Chardon­ nays auf. Wesentliche Lagen­ unterschiede ließen sich derweil nicht herausschmecken, beide Lagen sind sich von der Boden­ beschaffenheit her ja auch sehr ähnlich. Bei den vorgestellten Weinen wurde Schlossberg manchmal mit „ß“ und manchmal mit „ss“ geschrieben. Wir haben uns dabei stets nach den Angaben der Winzer auf deren Etikett gerichtet. So halten etwa die Genossenschaften und der Adel gerne am alten „ß“ fest, „ss“ wäre heute richtig, auch interna­ tional verständlich. Außerdem: Falls nicht anders angegeben, handelt es sich immer um Qualitätsweine ohne Prädikat.  Michael Hornickel

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MEININGERS WEINWELT ist eine Special-Interest-Zeitschrift für Weinkenner und Einsteiger. Die Zielgruppe wünscht sich Informationen, die sie...

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