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Die neuen 0,25l Gastroflaschen von Warsteiner: mild-hopfig als „Premium Pilsener“ und doppelt-gehopft als „Herb“ Mehr Infos auf www.erfolgswirtschaft.de/gastroflasche


OMLORS ANSAGE

DANKE! „Jungs, ihr seid einfach klasse“

Wenn eine Sache gut läuft, vergisst man schnell, wie eigentlich alles angefangen hat. Wer den entscheidenden Impuls gegeben hat. Ja, man wird vielleicht sogar ein bisschen selbstgefällig. Ausgerechnet ein Team der größten deutschen Braugruppe geht im Herbst 2010 ein Thema an, dass vielerorts dieser Welt längst für Furore sorgte. Gleich mit neun Craftbieren schlägt die Truppe um Marc Rauschmann auf. Mit unserer Titelgeschichte über Braufactum sagen wir den Jungs danke – dafür, dass sie den Weg bereitet haben für eine Bewegung, die in einer Braunation ein extra Maß an Geduld fordert und schließlich allen dient. Besonderes Durchhaltevermögen ist auch bei jungen Brauern in Russland und Rumänien gefragt. Erzwingen doch politische und wirtschaftliche Bedingungen außergewöhnliches Denken und Handeln. Ideenreich und super ehrgeizig widmet sich hier die Szene der Braukunst. Überhaupt nicht restriktiv geht es hingegen im Elsass zu. Im besten Sinne laissez faire überlassen sich Brauer und Konsumenten links vom Rhein der neuen Bierkultur. In Straßburg gibt es längst nicht nur wunderbare Weinlokale, sondern auch ziemlich geniale Bierbars. Mit dem Frühling kommt wie von selbst die Leichtigkeit und wir haben Lust auf geselliges Miteinander. Kaum anderswo lässt diese sich so heiter pflegen wie im Biergarten. Einige der schönsten Biergärten Münchens zeigen wir in diesem Heft ab Seite 72. Traumhafte Orte, um zu chillen!

Auf heiteres Miteinander!

Dirk Omlor Chefredakteur MEININGERS CRAFT omlor@meininger.de

No. 03-2017

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No. 03-2017

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TITEL _

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62 NEW GENERATION

DIE VORREITER Braufactum haben Craftbier in Deutschland auf den Weg gebracht

MARKT_MACHER _MARKEN 24 30 34

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44 48 52 04

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RUSSISCHE REVOLUTION Craft-Brauer sorgen in Moskau und St. Petersburg für Wirbel

NAH DRAN: RAYMOND SAHM-RASTAL Mit dem Rastal-Inhaber beim Bowling

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DIRKS DIARY Der Chefredakteur auf Kreuzfahrt Neue Gastro: Berlin, Bremen, Schwoich

68 78 82

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BIER MIT TERROIR

BIER MIT SCHNAUZER Schnorres braut für die Pfalz

HIMBEEREN IM KOPF Hopfmeister im Porträt

RUNDE SACHE Die Dose: Pfiffige Designer gefragt

PARA LA PASSIÓN Tres Cordilleras - die erste Craftbrauerei Kolumbiens

Quirlige Impulse aus Straßburg

TRADITION & MODERNE Paulaner im Interview

SCHIFF AHOI! Ein Brautag auf hoher See

IM HERZEN BAYER Beseelt von deutschem Bier: US-Brauer Erin Hutton

WO DER HAMMER HÄNGT Ehrgeizige Jungbrauer in Bukarest

PEZIAL _ S 72 PURE IDYLLE

Münchner Biergärten mit Charme

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DER SPEZIELLE KICK Rezepte mit Hopfen, Malz und Hefe

100 RAN AN DIE SHAKER Ideen für Biercocktails

No. 03-2017


HÖVELS verführt die Sinne. Einzigartige Kompositionen aus vier verschiedenen Edelmalzen.

Jetzt in drei Sorten.

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100

STANDARDS _ 03 OMLORS ANSAGE 06 KURZ + KNAPP 08 HASENBECKS BIERWELT 10 PLUS + MINUS 12 EINGEKAUFT Tolle Bier-Stores

14 AUFGEMACHT Neue Biere entdecken

Cr a

103 CRAFTPROBE Hefeweizen (Hell)

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99 HANS IM GLÜCK Frankens feinste Bieradressen

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Prob e

IS WE

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R 106 BIERMYTHEN BI E 108 SCHRÄGE BIERE 110 EVENTS & TERMINE 112 MARKTPLATZ/IMPRESSUM 114 HINGUCKER

No. 03-2017

Das offizielle Bier der Sommelier-Union Deutschland e.V. w w w.ho e ve l s - or ig i n a l.de


KURZ+KNAPP BEST BREWER IN TOWN

Ihr braut in der WG-Küche oder auf einer Mini-Anlage in der Garage? Und ihr selbst und eure Freunde finden eure Biere sensationell gut? Dann aufgepasst: Die Störtebeker Braumanufaktur sucht am 28. und 29. Juli bei der ersten offiziellen Deutschen Meisterschaft genau euch – nämlich den besten Hobbybrauer. Die Vorgabe: Gebraut werden soll ein unter- oder obergäriges helles Bockbier innerhalb des Reinheitsgebotes. Bei einer Blindverkostung bewerten renommierte Sommeliers und Bierexperten die eingereichten Biere. Für den Sieger gibt’s nicht nur einen Pokal. Sein Bier wird auch in größerer Charge eingebraut.

FOTOS: STÖRTEBEKER

Am zweiten Tag können auch Besucher Wettbewerbsluft schnuppern. Es gibt jede Menge Info-Stände und leckeres Essen vom Braugasthaus. Vergeben wird außerdem der Publikumspreis für das beste Kreativbier. Jeder Hobbybrauer kann sein Bier präsentieren. Publikum und Expertenjury stimmen dann für ihren Favoriten ab.

Der Anmeldeschluss geht in die Verlängerung: noch bis zum 15. Mai können die Biere zum Wettbewerb eingereicht werden. Alle Infos hier: www.stoertebeker-brauquartier.com/ deutsche-hobbybrauer-meisterschaft

NEUER CRAFTBIER-HOTSPOT Die Gastronomen Patrick Rüther und Axel Ohm eröffnen im Juni in den Hamburger Riverkasematten das „ÜberQuell“, ein Mix aus Brauerei und Restaurant. Die Gastro besteht aus drei Teilen: BrewPub, Restaurant (mit Pizzaofen eigens aus Neapel!) und Terrasse. 25 Zapfhähne hat die Craftbier-Bar. Fünf eigene Biere soll es durchgehend geben, dazu einige Seasonals. Rüther und Ohm haben sich viel vorgenommen, aber die beiden sind ja Profis mit dem richtigen Händchen für Gastro-Goldstücke: Auf ihre Kappe geht das „Alte Mädchen“ in den Schanzenhöfen und der „Craft Beer Day“. www.ueberquell.de 06



DISNEYLAND FÜR BIER-FREAKS Zapfhähne und Craftbier-Minibar auf den Zimmern, Bier-SpaAnwendungen wie Hopfen-Gesichtsmasken, Kühlschrank in der Dusche und Bier-Whirlpool: Klingt wie ein zu schöner Traum? — ist aber wohl bald keiner mehr. Die Schotten von BrewDog wollen in Columbus, Ohio, die weltweit erste mit Crowdfunding finanzierte Brauerei mit angeschlossenem Bierhotel eröffnen. „The DogHouse“ soll laut Brewdog das „beste Bier-Hotel der Welt“ werden und für echte Bier-Freaks keine Wünsche offen lassen. Die Brauerei hat auf der Crowdfunding-Webseite Indiegogo eine Kampagne gestartet. Das Ziel: 75.000 Dollar aufzutreiben — aktuell gehen sie auf die 300.000er-Marke zu. Das DogHouse soll Ende September 2018 eröffnet werden. www.brewdog.com

FOTO: BREWDOG

BEER AROUND THE WORLD Wolltet ihr schon immer mal Teil von etwas ganz Großem sein? Macht mit bei der „Best Brew Challenge“ von Bestmalz AG am 19. Mai. Brauer sind aufgerufen, weltweit und zur gleichen Zeit Bier zu brauen. Die einzige Vorgabe ist, dass die Teilnehmer zu mindestens 49 Prozent das Malz „Best Heidelberg“ verwenden und nach dem Rein­heitsgebot brauen. In Sachen Hopfenund He­­fezugabe und allen weiteren Spielereien haben die Brauer völlig freie Hand. Mitmachen kann jeder, der sich rechtzeitig registriert hat und bis zum 10. Juli zweimal 1 Liter des Bieres einreicht. Der Gewinner sahnt nicht nur ein Heidelberg-Wochenende für zwei Personen ab, sondern darf sein Sieger-Bier auch auf der Drinktec 2017 vorstellen. www.bestbrewchallenge.com

No. 03-2017


Störtebeker Eisbock-Biere Hopfenkracher, Fruchtbombe und wahres Genussbier: Die Störtebeker Eisbock-Biere sind die konzentrierte Essenz unserer Braukunst. Durch das Ausfrieren ausgewählter Brauspezialitäten bei tiefsten Temperaturen wird Wasser entzogen. So entstehen ganz besondere Biere mit intensiven Aromen, fein eingebundener Kohlensäure und einem wärmenden Körper.


KURZ+KNAPP HASENBECKS BIERWELT

Genuss-Starre Wahrscheinlich ist es selbst hartgesottenen HopGuys schon mal so ergangen. In letzter Zeit bin ich häufig über Craftbiere gestolpert, die mit wilden Rohstoffkombinationen an Geschmacksgrenzen stoßen: Pralle Hopfenzugaben und satte Malzkombi­na­tionen, inklusive IBU-Rekordwerte und sensationellem Alkoholgehalt. Das kann durchaus spannend sein, aber wenn die Balance nicht stimmt, wenn nach Kalthopfung und der Beigabe von Bohnenkraut und Chilischo­ten der Sud noch monatelang im Whisky- oder CognacFass lagert, dann sind die meisten – ganz abgesehen vom Flaschenpreis – wohl ziemlich überfordert. Sicher, es ist äußerst effektvoll, wenn das Etikett rund 20 Hopfen- und ein Dutzend Malzsorten anpreist. Aber wenn selbst Experten nicht mehr begreifen, was da am Gaumen eskaliert, ist wohl was schieflaufen. Nichts gegen Experimentierfreude und tollkühne Geschmacksabenteuer, selbst wenn alle erträglichen IBU-Grenzen fallen. Aber so manch unharmonisches Gebräu bringt die noch junge Kreativbier-Branche nicht unbedingt weiter. So mancher Einsteiger dürfte von seinem ersten Craft-Genuss derart schockiert sein, dass er nie wieder ein Glas anrührt. Selbst die wahren Hop-Heads ziehen inzwischen Biere vor, mit denen sie schon mal einen ganzen Abend bestreiten können, ohne gleich die Theke aus der Froschperspektive betrachten zu müssen. Es ist durchaus ehrenvoll, wenn die kreativen Macher bei ihren Fans mit fantasievollen Kreationen punkten wollen. Aber nicht jeder Braumeister ist gleich ein Mikkel Bjergsø (Mikkeller), ein James Watt (BrewDog) oder Samuel Richardson (Other Half Brewing). Klar ist: Vielseitigkeit und Kreativität zählen zu den Grundfesten der CraftBranche. Und ein richtig gutes Bier sollte sich inno­ vativ, originell und überraschend präsentieren – aber es muss auch trinkbar und bezahlbar sein.

CAMBA-BRAUEREI ERÖFFNET Mit einem rauschenden Fest und mehr als 6.000 Besuchern feierten Camba Bavaria und BauKon die Eröffnung ihres neuen Standorts in Seeon. Die Konstellation von Anlagenbau und Brauerei bietet Vorteile für beide Firmen. So gibt es einen Showroom und können Neuentwicklungen getes­ tet werden. Die Expansion beider Firmen hätte den Neubau mit einer Investitionssumme von 8,5 Mio. Euro erfordert, wie Camba mitteilt. Aufgrund einer Nachbarschaftsklage war es bei dem Bauvorhaben zu Verzögerungen gekommen. Erst nach eineinhalb Jahren konnte das Projekt auf einem Grundstück von 13.580 Quadratmetern schließlich FOTO: CAMBA

vollendet werden.

NEW CONNECTION Welde, Steamworks und Next Level Brewing haben sich Anfang des Jahres zur Vertriebs­ partnerschaft „BrauConnection“ zusammengetan. Alle drei stehen für verschiedene Welten des Craftbier-Marktes: Mit Steamworks aus Vancouver ist einer der kanadischen CraftbierPioniere mit an Bord. Welde aus dem Badischen steht seit mehr als 250 Jahren für deutsche Bierqualität und hat eine eigene Craftbier-Linie. Das österreichische Start-Up Nest Level Brewing hat ein Händchen für den Puls der Zeit. Der gemeinsame Vertrieb aus einem Zentral­lager in Süddeutschland ist bereits angelaufen. Da ist sicher auch der eine oder andere Collab-Brew drin. www.brauconnection.de

MACHT SCHLANK! Bei ihrem ersten Treffen im Umfeld der Internorga in Hamburg haben die Mitglieder des Logi-Circle nicht nur rege über branchen­relevante Themen diskutiert. Der Verpack­ungsdienstleister Logi-­ Pack nutzte als Initiator der Austauschplattform für Spezialisten der Getränkebranche die Gunst der Stunde und stellte sein neues Mehrweg-Logistik-System

Mareike Hasenbeck ist Journalistin und betreibt unter anderem den Bierblog www.feinerhopfen.com.

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FOTO: LOGI-PACK

vor: das Logi-Keg. Dieses Fass kann von Brauern gemietet werden. Es besticht durch seine neue, schlanke Form und wird mit seinen 20-Litern Fassungsvermögen auch schneller leer als herkömmliche Fässer. No. 03-2017


WIE SCHMECKT EIGENTLICH

KUNST?

DIE ANTWORT: JETZT AUF FLENS.DE/BRAUART


PLUS+MINUS

QUELLE: DEUTSCHER BRAUER-BUND/DESTATIS

Deutschland im Braufieber Es wird gebraut was das Zeug hält. Die Zahl der Braustätten in Deutschland ist auch 2016 gewachsen – und zwar auf 1.408 Betriebe. Das sind rund 100 Betriebe mehr als noch vor zehn Jahren. Erstmals seit 1978 liegt die Zahl der Brauereien wieder über der Marke von 1.400. Am deutlichsten zeigte sich der Brau-Boom im Großraum Hamburg und Schleswig-Holstein. Hier eröffneten acht neue Betriebe, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit sechs Neugründungen. Im Zehn-Jahres-Trend liegt indes Berlin an der Spitze: Seit 2006 entstanden hier 27 neue Brauereien.

Der Deutsche Brauer-Bund rechnet bis 2020 mit einem Anstieg der Braustätten in Deutschland auf

1500

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Fast Fast in in Vergessenheit Vergessenheit geraten geraten Bei der Bei Mönchshof der Mönchshof Manufaktur Manufaktur werden werden Spezialbiere Spezialbiere und und besondere besondere Rezepturen Rezepturen in den in den Vordergrund Vordergrund gestellt. gestellt. Mönchshof Mönchshof „Historisches „Historisches Märzen” Märzen” wirdwird mit mit

Orig.Orig. Mönchshof Mönchshof Manufaktur Manufaktur

kalt kalt vergärender vergärender HefeHefe angestellt angestellt und und bei bis bei bis

Malzmischung Malzmischung „Märzen „Märzen XI/XV” XI/XV”

zu 1°C zu besonders 1°C besonders lange lange und und kalt kalt gelagert. gelagert. Der Der feinen feinen Malzsüße Malzsüße stehtsteht die weiche die weiche NoteNote des des Hallertauer Hallertauer Aromahopfens Aromahopfens harmonisch harmonisch entgegen. entgegen. Farblich Farblich entspricht entspricht es einem es einem

mit 100% mit 100% Hallertauer Hallertauer Aromahopfen Aromahopfen veredelt veredelt

reifen reifen Gerstenfeld Gerstenfeld – tiefgolden – tiefgolden mit leichter mit leichter

kalt kalt vergoren vergoren und und

Opaltrübung, Opaltrübung, passend passend zu seiner zu seiner besten besten

bei bis bei zu bis1°C zu kalt 1°C kalt gelagert gelagert

Genussjahreszeit. Genussjahreszeit.

leichte, leichte, natürliche natürliche

Alk. Alk. 5,5%5,5% vol. vol. • 13,3°P • 13,3°P

Opaltrübung Opaltrübung


Hälfte der 1.400 Braustätten

Gut die

in Deutschland sind Mikrobrauereien mit einem Jahresausstoß

132

195

624

Nordrhein-Westfalen

Baden-Württemberg

Bayern

bis

1.000 hl. ANZEIGE

„Historisches Märzen”

Hand in Hand

Das ursprüngliche, bayerische Märzen gehört wegen seines

Der bayerischen Brautradi-

hohen Stammwürzegehalts zu den edlen, gehaltvollen Bieren.

tion der schon immer sehr

Traditionell im späten Winter für den Sommergenuss etwas stärker

edlen Märzenbiere folgt das

eingebraut, gebührt dem Märzen ein Quäntchen mehr Zeit zum

„Historische Märzen”. Mit

Ruhen und kalten Lagern. Früher geschah dies in eisgekühlten

untergäriger Hefe aus eige-

Felsenkellern, heute in entsprechend temperierten Bierlagern.

ner Reinzucht kalt angestellt,

Leider wurde dem Märzenbier mit dem Charakter eines Festbieres

kommen dafür ausschließlich

über die Jahre hinweg immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

eiweißarme Malzkompositionen aus der fränkischen Heimat, 100 % Hallertauer Aromahopfen und das sehr weiche Brauwasser aus dem Fichtelgebirge in den Sudkessel. Dazu arbeiten die Manufaktur-Braumeister gerne Hand in Hand mit den regionalen Gerstenbauern und vertrauten Mälzern aus der direkten Nachbarschaft zusammen.

www.mönchshof.de/manufaktur

QUELLE: DEUTSCHER BRAUER-BUND/DESTATIS

TOP 3: BRAUSTÄTTEN NACH BUNDESLÄNDERN


EINGEKAUFT SHOPPING-FIEBER! Fünf Bier-Stores für den Großeinkauf Biererei, Berlin

Biervana, München Seit 2014 betreibt Inhaber Matthias Thieme das Biervana in Schwabing. Die Auswahl ist groß und vielfältig — mehr als 600 verschiedene Sorten aus weiten Teilen der Welt kann der Bierliebhaber hier erwerben. Auch zahlreiche Veranstaltungen hat der Store im Angebot, aktuell sind Braukurse dabei. Es gibt regelmäßig thematische Tastings mit dem Diplom-Biersommelier Holger Hahn. Hohenzollernstr. 61, 80796 München, www.biervana.eu

Maisel‘s Bier-Shop, Bayreuth

Der Shop ist seit Anfang des Jahres auf 130 Quadratmetern im Erdgeschoss der Bier-Erlebnis-Welt zu finden. Die Kundenkönnen zwischen rund 100 ver­schie­denen Sorten wählen. Neben den eigenen Bieren gibt es auch ein großes Angebot aus dem In- und

Ausland. Im Shop findet einmal im Monat der „Tasting Thursday“ statt, an dem Biersommelier Michael König allerlei Bierfragen beantwortet. Andreas-Maisel-Weg 1 95445 Bayreuth www.maisel.com

Bier macht schön, Köln Der Name kommt nicht von ungefähr: Bei Roland Schön, Grafiker und Hobbybrauer, sind seit Mitte Februar um die 100 verschiedene Sorten an Craftbier zu haben — sogar glutenfrei. Das Angebot wird ständig durch weitere, ausgewählte Sorten ergänzt. Es gibt ausschließlich Biere aus europäischen Ländern. Schön findet: Biere aus den USA genießt man besser vor Ort. Im Shop gibt es auch Merchandise und Literatur. Regelmäßig finden Biertastings und Brauseminare statt. Berrenrather Straße 206, 50937 Köln, www.biermachtschoen.com 12



Hopfenkult, Dresden Auf 80 Quadratmetern kann man sich hier auf mehr als 300 Bierspezialitäten freuen. Langweilig wird es in dem Laden im Szeneviertel Neustadt garantiert nicht, ein Teil des Angebots wird ständig ausgetauscht. Bei der „Open Bottle Night“ werden jeden Donnerstag und Freitag jeweils fünf ausgewählte Biere des Sortiments öffentlich verkostet. Private Beer Tastings für bis zu 30 Personen können gemietet werden. Görlitzer Str. 25, 01099 Dresden, www.hopfenkult.de No. 03-2017

FOTOS: THOMAS SCHLORKE, PETER SUSEWIND ,MATTHIAS THIEME, CIHAN CAGLAR, BRAUEREI GEBR. MAISEL

In der Biererei von Cihan Caglar in Berlin-Kreuzberg hat man zwischen mehr als 500 verschiedenen Bieren die Qual der Wahl. Jede Woche kommt Nachschub, also haben auch Stammkunden ständig Neues zu entdecken. An der Growler-Füllstation kann außerdem zwischen vier ständig wechselnden Sorten gewählt und das frisch gezapfte Bier mit nach Hause genommen werden. Besonders: Unter der Woche hat der Shop bis 22, von Donnerstag bis Samstag sogar bis 0 Uhr auf. Oranienstraße 19, 10999 Berlin, www.biererei-berlin.de/


Es sind die traditionellen Benediktinischen Prinzipien, das benediktinische Originalrezept, die Ettaler Kellerhefe und die Brauwache der Mönche, die unsere Benediktiner Biere schon immer zu einem besonderen Genuss machen. Dem Himmel so nah! BENEDIKTINER WEISSBIER NATURTRÜB: ausgewogen fruchtiges Hefeweissbier, vollmundig im Geschmack, naturbelassene und gleichmäßige Hefetrübung, bernsteinfarbenes Aussehen. BENEDIKTINER WEISSBIER DUNKEL: kastanienfarbene, fruchtig-malzige Weissbierspezialität mit angenehmer Hefetrübung und sanften Röstmalznoten. BENEDIKTINER WEISSBIER ALKOHOLFREI: erfrischend isotonischer Durstlöscher, vitaminhaltig und kalorienreduziert mit 40% weniger Kalorien als unser Benediktiner Weissbier Naturtrüb. BENEDIKTINER HELL: klassisches bayrisch Hell, Lagerbier nach typisch bayerischer Brauart, goldgelbe Farbe, weniger herb mit angenehmer Malzsüße.

Im Vertrieb der: Benediktiner Weißbräu GmbH · Kaiser-Ludwig-Platz 1 · 82488 Ettal


AUFGEMACHT STONE GO TO IPA

BRAUMEISTER ZWICKL

Session IPA von Stone Brewing Berlin

Hardcore-Session

www.hofmark-brauerei.de

10 NEUE ENTDECKEN Ober- oder untergärig, hopfen- oder malzbetont, hell oder dunkel, traditionell oder modern – das ist lebendige Biervielfalt.

PAULANER ZWICKL

Naturtrübes aus der Paulaner Brauerei Auch bei Paulaner wird nun gezwickelt – und wie! Für das neue ungefilterte Kellerbier aus Münchens Traditionsbrauerei wurden keine Kosten noch Mühen gescheut. So hat Paulaner seinem Neuling eigens eine neue Flaschenform in ungewohnter 0,4 l-Größe samt eingebranntem und somit erhabenem Glasdekor spendiert. Ein Aufwand, der sich im historischen Brauverfahren und in der sechswöchigen Lagerzeit widerspiegelt. Das dreistufige Dekoktionsverfahren, bei dem drei Mal ein Teil der Maische ab­gezogen, gekocht und wieder der Haupt­maische zugeführt wird, sorgt für den besonders vollmundigen Geschmack mit karamelligem Grundton. Dieser wird durch eine feinfruchtige Hopfennote ergänzt, bei der die Braumeister auf die deutschen Sorten Hersbrucker und Hallertauer Traditon vertrauen. Ein urig-süffiges Erlebnis. Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: ca. 1 € (0,4 l), www.paulaner.de

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Kellerreife

GE

NSERE

LI

www.stonebrewing.eu

Gleich drei neue Biere präsentiert die bayerische Familienbrauerei Hofmark. Neben der Waidla Weiße und dem Hopfazupfa Hell's dieses hervorragende Braumeister Zwickl, das an Frische und Trinkfreude schwer aus dem Weg zu räumen ist. Endet die Keller-Charakteristik bei anderen Vertretern mit einer naturtrüben Optik, geht's hier erst los. In der Nase etwas jungbiertypische Schwefelblume, dazu eine leichte Raucharomatik. Dank dezenter Kohlensäurestruktur absolut süffig im Trunk und bestens ausgepegelt. Authentisch, gerade heraus und ein echtes Zeugnis deutscher Braukunst. Alkoholgehalt: 5,1 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l),

U

Ultrafrisches aus dem Hofmark-Keller

Nachschub aus der Berliner Stone-Dependance. Pünktlich zum Frühling erscheint nun mit dem Go To IPA das so beliebte Session IPA der amerikanischen Kultbrauer. Wie es sich für Stone gehört, wieder mit Ecken und Kanten und die Grenzen auslotend. Gleich neun verschiedene Sorten sorgen für die gewohnte Hopfen-Breitseite, hier mittels „Hop Bursting“ ins Bier gebracht: In der letzten Phase des Brauprozesses kommt eine Riesenmenge Hopfen hinzu, um die Aromen und den maximalen Geschmack herauszuholen. Passionsfrucht, Zitrus, Pfirsich satt. Trocken und bitter (65 IBU), aber dennoch ausbalanciert, zumindest für Stone-Verhältnisse. Die Explosion in Dosen. Alkoholgehalt: 4,7 % vol., Preis: ca. 2,50 € (0,33 l),

EB IN L

Frischauf!

SCHWARZE PUMPE

LOUIS BARRE IMPERIAL

Das Labieratorium sendet kreative Biersignale aus Cottbus. Mit der „Schwarzen Pumpe“ liefert das Team um Olaf Wirths nun eine Porter-Interpretation, mit der die Arbeiter der Region gewürdigt werden sollen. Satte Malz- und Schokoladenaromen strömen in die Nase, der Antrunk ist dank des moussierenden Charakters sanft, eine dezente Säure nimmt dem Bier die aromatische Schwere. Auch die zum Ausklang hin sich verstärkende Hopfennote trägt zum Trinkfluss bei. Eine echte, malzige Stärkung nach getaner Arbeit. Alkoholgehalt: 6,6 % vol., Preis: ca. 2,50 € (0,33 l),

Die Zunge in Fetzen vor lauter Grenz-Hopf-Erfahrungen? Gönnen Sie Ihrem Mundraum Balsam mit diesem erfrischenden Lager aus der Privatbrauerei Barre. „Imperial“ steht dabei nicht für die Intensität, sondern erinnert an die Zeit vor gut 130 Jahren, als BarreBier auf den Luxusdampfern des Norddeutschen Lloyd getrunken wurde. Sechswöchige Kaltreifung und Saphir-Hopfen sorgen für einen runden, aromatischen Trunk. Die pure Erholung.

Porter aus dem Labieratorium

Arbeiterlohn

www.labieratorium.de

Lager aus der Privatbrauerei Ernst Barre

Alkoholgehalt:

5,4 % vol., Preis: ca. 1 € (0,33 l), www.louisbarre.de

Bier-Balsam No. 03-2017


Richtig schön abhängen (wie das Faultier auf dem Etikett) kann man zunächst bei der neuesten Kreation aus der Ratsherrn Microbrewery. Das Red IPA „Lazy in Red“ verbindet die bekannte Hopfenaromatik (Topaz, Centennial, Chinook) eines IPA mit zusätzlichen Aromen von roten Beerenfrüchten. Ein Geruch zum Niederknien. Doch Vorsicht! Im Windschatten dieses schmeichelnden Früchtekorbs schleichen sich 70 IBU auf die Zunge, die kräftig am Baum rütteln und das Bier noch einmal in eine ganz neue Richtung drehen. Da wackelt das Gerüst aus Red X- und Chocolate-Malz – und bleibt dennoch stehen. Ein spannendes IPA-Experiment. Alkoholgehalt: 6,7 % vol., Preis: ca. 2,80 € (0,33 l),

Bittere Frucht

www.ratsherrn.de

Golden Pale Ale von den Superfreunden Was für ein Aroma! Mit diesem Duft wird das GPA von den Berliner Superfreunden zum ersten Bier für eingefleischte Rhabarber-Schorlen-Trinker. Und auch sonst beweisen die Jungs mit diesem Bier erneut ihr Händchen für ausgewogene und dennoch charakterstarke Biere. Absolut frische NSERE Hopfenaromatik mit Obstund fruchtigen Gemüsenoten EB IN L (s.o.) trifft auf eine süßliche Malzbasis und eine vornehme, englisch anmutende Bittere. Ein Bier für jeden Tag zu (fast) jeder Uhrzeit, ein echter Darling. Alkoholgehalt: 5 % vol., Preis: ca. 2,50 € (0,33 l),

GE

Auf modern interpretierte untergärige Bierstile – vom Hellen bis zum Pils – hat sich die Crew von Wolfscraft eingeschossen. Am überzeugendsten gelingt ihnen ihr Experiment beim Hellen, das als Anschauungsmaterial für die momentan stark kommende Stilistik eines IPL (India Pale Lager), also eines hopfenaromatischen untergärigen Biers, dienen kann. Dank der Kalthopfung dominieren exotische Früchte in der Nase. Im Geschmack gibt sich „der Wolf“ gleichermaßen hopfig, frisch und fruchtig. Ein guter Einstieg in die kaltgehopfte Craft-Welt. Alkoholgehalt: 4,9 % vol., Preis: ca. 2 € (0,33 l), www.wolfscraft.de

GPA

Red IPA aus der Ratsherrn Brauerei

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LAZY IN RED

Kaltgehopftes von Wolfscraft

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DAS HELLE!

www.superfreunde-craftbeer.com

Einsteigen, bitte

www.maiselandfriends.com

Dunkles Lager von And Union Ein „neues Schwarz“ verspricht das jüngste Bier der Gypsy-Marke And Union. Die Rechnung geht – nicht nur optisch – voll auf. In der NSERE Nase Zitrusfrucht, frischer Hopfen und nussige Anklänge. Im Trunk schlank wie EB IN L ein Helles und dennoch vielschichtig, denn zum röstmalzigen Grundton gesellen sich dunkle Früchte und eine hopfig-harzige Kopfnote. Experimentell und trinkfreudig gleichermaßen, das muss man erst einmal schaffen.

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Nach dem Pale Ale, dem IPA und dem Citrilla erscheint nun mit dem Choco Porter das erste malzbetonte Session-Bier von Maisel & Friends in der Flasche. Das Motto „black, bold and beautiful“ verspricht nicht zu viel. Tiefschwarz mit cremefarbenem Schaum ruht es im Glas und versprüht deutliche Schokoladen- und Espressoaromen. Im Trunk erobert dann die wuchtige Mischung aus Gersten-, Karamell- und Röstmalzen die Geschmacksnerven. Cremig im Mundgefühl, mit süßlicher Karamellnote und satt im Trunk – dieses Porter macht auch den müdesten Arbeiter glücklich. Alkoholgehalt: 6,5 % vol., Preis: ca. 1,80 € (0,33 l),

NEU BLK

Alkoholgehalt:

5 % vol., Preis: ca. 2,40 € (0,5 l), www.andunion.com

Hell-Dunkel

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Malzbetontes von Maisel & Friends

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CHOCO PORTER

Rhubarb, baby!

NEUES BIER GEBRAUT? Dann senden Sie uns Kostproben (Minimum drei Flaschen) Ihrer Braukreation bis zum 19. Juni 2017 an: Meininger Verlag GmbH Redaktion CRAFT Rubrik „Aufgemacht 4-2017“ Maximilianstraße 7-17 67433 Neustadt/Weinstraße Die besten Neuheiten präsentieren wir in der nächsten Ausgabe!

Satte Leistung

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TITEL _ BRAUFACTUM

DIE VORREITER 16



No. 03-2017


Braumeister Markus Becke (links) und Geschäftsführer Marc Rauschmann

Seit 2010 bringt Braufactum den Deutschen die neue Bierwelt nahe. Ohne Initiator Marc Rauschmann und sein Team sähe die deutsche Craftbier-Szene heute anders aus.

Text: BENJAMIN BROUËR Fotos: DANIEL REITER

I

m Dezember 2009 war Marc Rauschmann auf einmal verschwunden. Der Leiter der Produktentwicklung und Qualitätssicherung der Radeberger Gruppe war weg. Nur wenige Leute wussten, was los war, wilde Spekulationen machten die Runde. Dabei war die Sache ganz einfach, wie er erklärt: „Ich war schwanger.“ Im September 2010, ziemlich genau neun Monate später, tauchte er wieder auf und brachte Nachwuchs mit. Neun auf einen Streich: Oscur, Marzus, Clan, Progusta, Indra, Arrique, Colonia, Darkon und Roog. Ziemlich ungewöhnliche Namen – selbst für Bierspezialitäten. Die Branche und die Verbraucher rieben sich verwundert die Augen. Was war das? Es war „Braufactum – Das Craft Bier“, wie die ungewöhnlich designten Etiketten auf den Champagner-ähnlichen Flaschen verlautbarten. Vom Pale Ale und dem IPA über ein Scotch Ale bis hin zu Rauchweizen und ­Porter – auf einen Schlag legte Braufactum eine halbe Craftbier-Enzyklopädie vor, zu einem Zeitpunkt, als noch kaum jemand „lesen“ konnte. Craftbier war plötzlich da – aber noch lange nicht angekommen.

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TITEL _ BRAUFACTUM

16 Biere, drei Braustandorte, dazu etliche Veranstaltungen – Markus Becke, Marc Rauschmann und das Braufactum-Team sind stets unterwegs.

D EUTSCHLAND IST FÜR JUNGE START-UPS EIGENTLICH EINE KATASTROPHE

Marc Rauschmann

Viel ist nicht bekannt über die Zeit, als Marc Rauschmann „eine verrückte Truppe“ um sich versammelte, um Deutschland das zu bescheren, was andernorts schon länger für Furore sorgte: internationale, kreative Biervielfalt auf höchstem Ni­veau. Sein Radeberger-Kollege Thorsten Schreiber, heute mit Rauschmann in der Geschäftsführung von Braufactum tätig, war von Beginn an dabei. Markus Becke, der als Braumeister maßgeblich mit an der Entwicklung aller Biere beteiligt ist, stieß kurz nach der Gründungsphase hinzu. Dazu eine Handvoll weitere Leute.

Start mit Ikea-Regalen Allein dass sich die Truppe ans Werk machen konnte, ist schon bemerkenswert. „Deutschland ist das einzige Land, in dem die größte Braugruppe das Thema Craftbier initiiert hat“, erzählt Marc Rauschmann und liefert die Begründung gleich mit. „In dem Familienunternehmen, der Oetker-Gruppe, wird eine Kultur gepflegt, die solchen Ideen eine Chance gibt. Und

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schließlich gibt es mit Richard Oetker auch einen gelernten Brauer in der Familie.“ Die verrückte Idee, spezielle Biere in Kleinstmengen zu brauen und neue Wege zu betreten, kam an. Die Geschäftsführung der Radeberger Gruppe gab der Unternehmung Freiheit sowie Kapital, sich auszu­ probieren. Ein Start-up innerhalb Deutschlands größter Getränkegruppe – mit dem Besten aus beiden Welten. Einerseits die Flexibilität, um schnell und unangepasst als eigene GmbH wie ein Start-up agieren zu können, andererseits die Kompetenz der Getränkegruppe in Sachen Markenrecht, Buchhaltung, Rechtsangelegenheiten und anderen bürokratischen Fragen. „Ohne diese, auch finanzielle Unterstützung wäre es schwer gewesen, denn Deutschland ist für Start-ups eigentlich eine Katastrophe“, erzählt Marc Rauschmann. Ohne es an die große Glocke zu hängen, mieteten sie sich extern ein Büro an, stellten Ikea-Regale rein und legten los. Das heißt, sie flogen weg. Für Wochen, für Monate, in die USA, nach Japan, Italien, ­ No. 03-2017


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TITEL _ BRAUFACTUM

Starker Auftritt − auch optisch setzte Braufactum von Beginn an neue Akzente.

­ elgien – dorthin, wo Craftbier vor sieben B Jahren bereits Realität war. Sie trafen sich mit einigen der weltbesten Kreativbrauer, lernten viel über Dry Hopping, Fassreifung, die neuen Hopfensorten dieser Welt und wie man das eigentlich macht, Craftbier. Firestone Walker, Birrificio Italiano, Boon – aus Geschäftskontakten wurden Freun­de, wurden schließlich Partnerbrauereien. Es waren die entscheidenden Monate im Früh­ jahr 2010, in denen sich herauskristallisierte, was die „Schwangerschaft“ zutage fördern würde: eine Kollektion an eigenen Bieren, ergänzt um Spezialitäten von internationalen Partnerbrauereien, vereint unter dem Dach „Braufactum“ und verbunden durch den Willen zu zeigen, was Bier alles kann.

Brauen im Grenzbereich Zurück in Deutschland, den Kopf voller Ideen, begann die eigentliche Pionierphase erst richtig. „Das war Brauen im Grenzbereich“, erinnert sich Braumeister Markus

Becke, damals gerade Anfang 20, an die ersten Versuche, die Flausen im Kopf zu Bier werden zu lassen. Etwa beim Märzen „Marzus“ mit 50 Prozent Karamellmalz­ anteil, ohne jegliche Enzymwirkung. Wie kann das gehen? Es ging, irgendwie! ­Welche Ale-Hefe eignet sich am besten­ für die englischen Bierstile? Mehr als 50 testete Becke in komplexen Versuchen. Wie entwickelt sich ein Bier im Holzfass? Welcher Hopfen, welches Malz macht einen relevanten Unterschied im Bier? Und nicht zuletzt das „Dry Hopping“: wann, was, wie viel? Fragen über Fragen. Egal, was sie taten, ­sie betraten Neuland – und hinterließen Spuren, bis heute sichtbare

Spuren. „Den Begriff Kalthopfung gab es damals noch gar nicht“, erzählt Markus Becke. Nur „Hopfenstopfen“ oder eben das amerikanische Original. Das erschien den kreativen Köpfen aber beides nicht passend. „Wir suchten nach einem Begriff, der das ausdrückt, was wir taten, nämlich Aromen des Hopfens schonend ins Bier zu bringen, also kamen wir auf Kalthopfung, heute ein gängiger Begriff.“ „Trial and error“ war das Motto der Stunde – nicht nur beim Brauen. Wo würden die Biere ankommen – eher im Handel oder in der Gastronomie? Würden sie überhaupt ankommen? Die Gastronomie erwies sich zunächst als Sackgasse. „Einzelne Marken über die Gastronomie aufzubauen, das funktioniert. Eine komplett neue Kategorie einzuführen jedoch nicht“, musste Marc Rauschmann feststellen. Niemand konnte die Biere erklären, kalkulieren schon gar nicht. Der übliche Gastronomiefaktor, den die Wirte zunächst ansetzten, machte die Biere schlicht unverkäuflich. Besser ging’s

GUT GEKÜHLT – DIE BRAUFACTUM-KÜHLSCHRÄNKE Wer ein Braufactum-Bier kauft, wird dies immer gut gekühlt in die Hand nehmen. Nach der Abfüllung gelangen die Biere ins Kühllager und werden dann per Kühl-LKW zu einer der über 1.100 Verkaufsstellen in Deutschland geliefert. Dort warten sie in guter Gesellschaft im eigenen Braufactum-Kühlschrank auf den neugierigen Bierfan. „Unser Ziel ist es, die Biere in der bestmöglichen Qualität zum Kunden zu bekommen“, erklärt Marc Rauschmann das aufwändige Konzept, mit dem Braufactum im Markt allein auf weiter Flur ist. Leider, wie Rauschmann betont. „Wir haben eine Vorlage gemacht, die jedoch nicht von anderen aufgegriffen wurde. Im Prinzip wird Craftbier momentan in den Markt gebracht, ohne sich mit der Lagerung zu beschäftigen“, gibt er zu bedenken. Einzelne Braufactum-Biere, dazu noch ungekühlt im Handel? Wird man nicht finden! Das hat nicht nur qualitative Gründe.

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„Uns geht es um das Gesamtkonzept der Vielfalt und nicht darum, ein einzelnes Bier in den Laden zu stellen.“ Die Versuchung des Handels, so Rauschmann, bestehe darin, sich auf wenige Schnelldreher zu konzentrieren. Dann blieben jedoch besondere Spezialitäten und somit die Vielfalt auf der Strecke. Der ebenso konsequente wie ungewöhnliche Braufactum-Ansatz: Der Händler kann zwischen dem kleinen und dem großen Kühlschrank wählen und erhält dann ein fest definiertes Sortiment an 16 bzw. 23 verschiedenen Bieren, das sich aus den eigenen Sorten und denen der aktuell fünf Partnerbrauereien – Firestone Walker, Mikkeller, Birrificio Italiano, Palm und Boon – zusammensetzt. „Wir legen das Sortiment fest, im Gegenzug erhält der Händler eine Gutschrift, wenn er einen Teil der Biere nicht verkaufen sollte. Wir nehmen ihm somit das Risiko.“

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↑ Sud gelungen (v.l.): Markus Becke, Jochen Rosinus (Vertrieb), Thorsten Schreiber und Marc Rauschmann (beide Gründer & Geschäftsführer) → Beeindruckende Braustätte: das Hasenbräuhaus Kälberhalle in Augsburg

im Handel, wo auch viele Weintrinker aus Neugierde zu der anfangs favorisierten 0,75 l-Flasche im edlen Look griffen und sich den Inhalt teilten. Eigens produzierte Craftbier-Guides lieferten den Käufern Grundlagenwissen über die noch sehr fremden Bier-Wesen. Und Schritt für Schritt reifte bei den Kunden die Einsicht, dass es natürlich auch beim Bier – ebenso wie beim Wein – eine Bandbreite an Preisen und Qualitäten geben kann.

On the road Craftbier braucht Zeit, nicht nur beim Brauen. Und in Deutschland braucht es anscheinend besonders viel Zeit. „Ich hätte schon erwartet, dass sich der Markt, insbesondere in der Gastronomie, etwas schneller entwickelt“, gibt Marc Rauschmann zu. Doch momentan halte das Wachstum nicht mit der steigenden Anzahl der Brauereien stand. Und genau deshalb ist das Team, wie No. 03-2017

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TITEL _ BRAUFACTUM

DIE BRAUFACTUMBIERE Yakeros (2016) West Coast IPA Soleya (2015) Saison

The Brale (2014) Brown Ale

Eigener Hopfen, eigene Hefe, eigenes Malz, eigene Kraft − Markus Becke bei der Arbeit

Barrel 1 (2014) Stock Ale

Indra Harvest Edition (2013) Wet Hop Weizen IPA (saisonal)

Progusta Harvest Edition (2012) Wet Hop IPA (saisonal)

Palor (2011) Pale Ale

Clan (2010) Scotch Ale

Progusta (2010) IPA

Darkon (2010) Schwarzbier

Marzus (2010) Märzen

Colonia (2010) Obergäriges Bitterbier

Arrique (2010) Barley Wine

Oscur (2010) Porter

Indra (2010) Weizen IPA

Roog (2010) Rauchweizen

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beim Start vor sieben Jahren, weiterhin unermüdlich on tour, um die Craft-Bot­ schaft ins Volk zu tragen: auf Bier-Festivals, bei Foodpairings in der Gastronomie, bei Verkostungen in verschiedenen Märkten. Und natürlich in einer der drei Radeber­ ger-Braustätten, in denen die Biere, für die Marc Rauschmann und Markus Becke mit Unterschrift auf dem Etikett bürgen, entstehen. Ein Großteil der Sorten brauen sie im Allgäuer Brauhaus in Kempten, viele weitere, etwa den aufwändigen Barley Wine „Arrique“, bei Hasen-Bräu in Augsburg, und Heimspiel hat das Team bei den Bieren aus der Frankfurter Versuchsbrauerei der Radeberger Gruppe. „ Wir mieten uns ganz klassisch die Braukapazitäten und rücken mit eigenem Hopfen, eigener Hefe, eigenem Malz und eigener Kraft an“, beschreibt Markus Becke die Organisation, die an­ gesichts heute 16 verschiedener Biere, darunter drei Seasonals, immer komplexer wird. Eine der größten Herausforderungen, der sich Markus Becke beim Brauen immer wieder stellen muss, ist, für qualitative ­Konstanz der Biere zu sorgen. Der stän­dige persönliche Kontakt zu den Roh­ stofflieferanten, vom hiesigen Mälzer bis zum US-Hopfenbauern, ist daher Pflicht, nicht nur Kür. „Nur die sind richtig gut, die nichts dem Zufall überlassen“, hat Marc Rauschmann in seiner Karriere gelernt.

Braufactum – der Name soll für hohes, verlässliches Niveau und nicht für hektische, laufend auf den Markt gespülte Brauversuche stehen. Das schätzt man immer mehr auch im Ausland, das Exportgeschäft geht gut voran. Italiener, Russen, Schweden, ­Österreicher, Kanadier und, ja, auch die US-Amerikaner fahren auf „German Craft“ ab, insbesondere auf das gentlemanlike IPA Progusta mit dem deutschen Aromahopfen Hallertauer Mittelfrüh. Der ausbalancierte Stil der Braufactum-Biere mit hoher Drink-ability scheint auch international den Nerv der Bierfans zu treffen. Sieben Jahre nachdem Braufactum Craft nach Deutschland gebracht hat, zeigt s­ ich der Markt für Marc Rauschmann immer noch sehr diffus: „Es ist schwer abzuschätzen, wo er sich hin entwickelt.“ Eines ist sicher: Mit der Marke Braufactum sieht er sich gut aufgestellt, als relevanter, ehrlicher und vor allem authentischer Marktplayer. Sicher ist aber auch: „Von dem ­Pionierstatus können wir uns heute nichts mehr kaufen.“ Lieber verwendet er deshalb den Begriff „Pioneering“ und meint damit, weiterhin Impulse zu setzen. Im Herbst etwa, wenn ein bis zwei neue­ Biere kommen sollen. Demnächst mit ei­ner ei­ genen Gastronomie oder irgendwann vielleicht mit einer eigenen Braustätte. Das Braufactum-Team ist mal wieder schwanger…  – No. 03-2017


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FOTO: PETALEX - FOTOLIA.COM

MARKT_ RUSSLAND

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RUSSISCHE REVOLUTION Text: MAREIKE HASENBECK

Dass Russen ausschließlich Wodka kippen, ist nur Legende: Das Lieblingsgetränk im größten Land der Erde ist Bier. Trotz Wirtschaftskrise und Rubelverfall bringen jetzt vor allem junge Craft-Brauer frischen Wind in die Kneipen von Moskau und St. Petersburg.

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ie Gründungsgeschichte der Zagovor Brauerei liest sich wie eine Odyssee durch die Kneipen dieser Welt. Erst nach langer Lehrfahrt keimte 2013 an einem australischen Tresen die Idee, ein eigenes Bier zu brauen. Was damals von einer Handvoll alter PunkrockFreunde als zaghaftes Home-Brewing begann, mündete schon bald darauf in ein eigenes Moskauer Brauhaus. In Gehweite zu Kreml und Rotem Platz steht inzwischen die wohl heißeste Bier-Location im ganzen Land – moderne Brauerei, nebst kultigem Tap-Room mit rund 30 Zapfhähnen und gut sortiertem Bottle-Shop. Warum einige Crew-Mitglieder – sofern sie ihre Gesichter nicht hinter Rauschebärten verstecken – sich nur maskiert zeigen und selbst die Nachnamen der Macher ein Geheimnis bleiben, verrät der Firmenname Zagovor – Verschwörung. Konspirativ gibt sich denn auch Vadim, einer der Gründer: „Der Markt für Craftbiere ist in Russland in kürzester Zeit geradezu explodiert und wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ No. 03-2017

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MARKT_ RUSSLAND Auch die Preise am Tresen sind kräftig angestiegen. Wadim Drobis, Direktor des Marktforschungszentrums für staatliche Alkoholmärkte, ist jedoch voller Zuversicht, dass russische Brauer künftig rund ein Viertel des inländischen Biergeschäftes beherrschen werden: „Auf diesem Niveau dürfte sich der Markt wohl auch langfristig einpendeln.“

FOTOS: PANZER BREWERY

Beeren oder Birken-Chips

Rühren ihre Sude auch mal mit kaltem Filterkaffee an: die Brauer der „Panzer Brewery“ in Moskau

Hinter der russischen Craft-Szene verbirgt sich auch eine politische Komponente: Nach dem Fall der Sowjetunion fluteten internationale Biergiganten den Markt mit preiswerten Bieren. Ihre Werbemillionen verdrängten schnell den Wettbewerb. Renommierte russische Brauereien, wie etwa die St. Petersburger Baltika, die mit einem Sortiment von über 20 Bierstilen zu den beliebtesten Produzenten im Lande zählten, wurden von Carlsberg aufgekauft. Nach der Annexion der Krim und dem darauffolgenden Wirtschaftsboykott des Westens fiel der Rubelkurs ins Bodenl­ose und ausländische Biere wurden für Normalverbraucher nahezu unbezahlbar.

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Im Schatten dieser Entwicklung krempelten einige Jungbrauer die Ärmel hoch und gründeten regionale Manufakturen mit bezahlbaren Produkten. Seitdem wächst im Land wieder die Liebe zum heimischen Bier und der Markt für Importbiere schrumpft kontinuierlich. Dank dem günstigen Rubel erleben die Russen derzeit eine echte Bier-Revolution. „Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber plötzlich sprechen alle bei uns über Craftbier“, erklärt Zagovor-Brauer Vadim. Marktforscher bekräftigen, dass die Nachfrage nach russischem Bier inzwischen größer sei als das Angebot. Die Folge:

Begonnen hat der Craft-Sturm bereits 2013 in St. Petersburg, dem historischen Fenster zum Westen, wo täglich tausende Finnen und Schweden einfallen und sich zu Zechgelagen treffen. Inzwischen schwebt jedoch ein revolutionärer Geist durch die gesamte russische Bierlandschaft. In Trend-Metropolen wie St. Petersburg und Moskau eröffnen beinahe jeden Monat hippe Boulevard-Brauereien, CraftKneipen, -Bars und -Shops. Überall schießen Craftbier-Festivals aus dem Boden und jede Woche entstehen neue Sude. Als Star der neuen Craft-Szene gilt jedoch die Zagovor Brauerei. Das Moskauer Team wurde 2015 von Rate Beer als beste russische Brauerei ausgezeichnet – nur ein Jahr nach der Gründung. Voller Experimentierfreude schrecken sie vor keinem Bierstil zurück, brauen ein Vermont Pale Ale, ein Milk-Stout und ein Pumpkin Ale. Da kommen aus russischen Wäldern auch schon mal frische Beeren oder Birken-Chips sowie der bereits zur Zarenzeit berühmte 5-Sterne-Brandy „Ararat“ aus Armenien in den Sudkessel. Beim Hopfen spielen die jungen Brauer neuerdings mit einem hierzulande ganz ungewöhnlichen Gewächs: Hopfen aus Tschuwaschien, einer autonomen Republik im Süden Russlands. „Wir wollen nicht nur westliche Stile kopieren, sondern versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen“, sagt Brauer Vadim. Ergebnis dieser Philosophie ist ein IPA mit dem Namen „Midnight Moscow“. Zwischenzeitlich können sich Craft-Enthu­ siasten noch an experimentellen Single Hops begeistern. Berühmt sind aber vor allem die Kollaborationssude, die das Kollektiv von der Moscwa nicht nur mit ­ Kreativbrauern aus Russland, Serbien und den USA ansetzte, sondern auch mit einem

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MARKT_ RUSSLAND

Die Brauerei Zagover in Moskau schreckt vor keinem Bierstil zurück. Sie gilt als eine der besten des Landes. Ihr Tap-Room am Roten Platz ist Kult.

deutschen Ensemble. Gemeinsam mit Himburgs Braukunstkeller aus München haben die Russen ein achtprozentiges Imperial Stout mit dem Namen „Konfekta“ (Schätzchen) entwickelt. Dieser Kollaborationssud ist gebraut mit verschiedenen Karamell- und Röstmalzen sowie Kandiszucker und in der Szene bekannt als echte Aromabombe mit kräftigen 80 Bittereinheiten. Geschäftsführerin Oksana

Himburg, eine gebürtige Ukrainerin, sieht die russischen Brauer als besonders kreative Partner: „Unsere Kooperation mit den Moskauer Kollegen war eine spannende Erfahrung, bei der ganz neue Ideen entstanden sind.“ Offen für neue Schöpfungen sind auch die russischen Trendsetter Nikita Filippov, Dmitry Buldakov und Artem Kolchukov

Aromabombe: Zusammen mit Alexander Himburg (links) von Himburgs Braukunstkeller haben Zagover ein gemeinsames Bier gebraut: „Konfekta“ (deutsch: „Schätzchen“).

Erstaunliche Noten Zur Avantgarde in Russland zählt auch die „Vasileostrovskaya“-Brauerei auf der Wassiljewski-Insel im Herzen von St. Petersburg. Hier experimentieren die Brauer neben Roggen und Früchten auch mit Honig, Wacholder oder Chili. Aber nicht

FOTOS: ZAGOVER

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von „AF Brew“ – AF steht für Anti-Factory. Sie brauten vor drei Jahren ein gemeinsames IPA auf der Basis von fünf inter­ nationalen Hopfensorten mit der Berliner Bierfabrik. „Das war unser allererster Kollaborationssud überhaupt“, erzählt Filippov stolz. Die drei Macher aus Sankt Petersburg begannen 2012 als Gypsy-Brauer. Im vergangenen Jahr bezogen sie ihre eigene Braustätte und führen inzwischen rund 75 Sorten im Portfolio. „Wir sehen uns als Gegenbewegung zu den Bieren, die westlichen Brauriesen noch immer ins Land spülen“, bekräftigt Filippov. Als Nächstes stehen Session Ales, eine neu interpretierte Gose, Berliner Weiße sowie fassgereifte Spezialitäten auf dem Plan. Auch die Verwendung von regionalen Früchten ist vorgesehen. Ganz nach heimischem Geschmack ist ein AF-Bier mit speziell geröstetem schwarzen Salz in russisch-orthodoxer Tradition.



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nur in der Stadt der weißen Nächte wird mit ungewöhnlichen Zutaten umgegangen. Auch Dmitry Anpilogov von der „Panzer Brewery“ in Moskau rührt neben vielen Craft-Klassikern auch ein gewürztes Porter mit kaltem Filterkaffee zusammen. Schmecken soll es nach Marmelade und Schwarzbrot. „Unser Ziel ist es, Biere mit ganz erstaunlichen Geschmäckern zu produzieren“, erzählt Chef-Brauer Anpilogov. Russlands Craft-Welle schwappt inzwischen auch in abgelegene Regionen. In Jekaterinburg, im fernen Ural-Gebirge, entstand in einer ehemaligen Großwäscherei ein Brauzentrum, das von der „Jaws Brewery“ betrieben wird und als Vorläufer der CraftBewegung am Rande Sibiriens gilt. Hier können sich Hop-Guys seltener Spezialitäten erfreuen: Von Coconut Porter, flämischem Red Ale und Haferflocken-Stout bis hin zu Roggen-Ale und Russian Imperial Stout mit 10,2 Umdrehungen und 80 IBUs. „Victory Art Brew“ heißt eine weitere Braustätte, die, nordöstlich von Moskau gelegen, russische Genießer mit rund

Zeigen nie ihr Gesicht und machen auch um ihre Nachnamen ein Geheimnis: Zagover (mit Maske) mit den US-Brauern von „Other Half“.

zehn Sorten versorgt. Die Biere haben vielversprechende Namen wie „Lord of the Hops“, „The Beer Flood Porter“ oder „Black Sails IPA“. Und auch aus Kaluga, rund 200 Kilometer südwestlich der russischen Hauptstadt, kommen einige Sude, die sogar einen internationalen Bekanntheitsgrad genießen. Biere von „Labeerint“ sollen schon 2014 bei den Olympischen Spielen von Sotschi der Hit bei ausländischen Gästen gewesen sein. Dass der russische Craftbier-Markt auch für deutsche Unternehmen immer interessanter wird, beweist derzeit die Nürnberg Messe, die ihre „BrauBeviale“ – inklusive

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Craft-Beer-Corner – im Frühjahr dieses Jahres zum zweiten Mal in Moskau stattfinden ließ. „Inzwischen ist die Craft-Bewegung mit Volldampf auch in Russland angekommen“, weiß Andrea Kalrait, Veranstaltungsleiterin der BrauBeviale. Dabei registriert sie nicht nur kunterbunte Sude, sondern vor allem auch eine hohe Produktqualität. Darüber konnten sich russische Biertrinker wohl schon zu Zarenzeiten freuen. Jedenfalls proklamierte der Schriftsteller und Philosoph Leo Tolstoi bereits vor gut 150 Jahren: „Man kann ohne Liebe Holz hacken, Eisen schmieden und Ziegel formen, aber Bier brauen ohne Liebe kann man nicht.“ –

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MACHER _ RAYMOND SAHM-RASTAL

MIT VIEL GEFÜHL Text: DIRK OMLOR  Fotos: RALF ZIEGLER (AD LUMINA)

NAH DRAN AN: Raymond Sahm-Rastal Der Enkel des Firmengründers steht heute selbst an der Spitze des Glasherstellers Rastal. Sein Antrieb: Kreativität.

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Beim Bowling: Raymond Sahm-Rastal (rechts) und CRAFT-Chefredakteur Dirk Omlor

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MACHER _ RAYMOND SAHM-RASTAL

In unserer Serie „NAH DRAN“ begegnen wir Managern abseits des Schreibtisches. Im Wald, am See, in der Kneipe: Hauptsache unkompliziert. Wir reden über den Job, über Leidenschaften, über Gott und die Welt.

Auf ein Bier: Raymond Sahm-Rastal (links) und CRAFT-Chefredakteur Dirk Omlor

W

enn Raymond SahmRastal (60) in einen Gastraum kommt, betrachtet er zuerst die Gläser. Wer hat sie gemacht? Woher kommen sie? Er prüft ­ ­Design, Dekor, erfasst ihren gesamten Zustand auf einen Blick. Es ist immer derselbe Film, dieselben Fragen, die ihm durch den Kopf gehen. Manchmal gibt er den Wirten Tipps wie sie die Gläser pflegen sollten, empfiehlt Spülmittel oder eine ­andere Spültemperatur. Oft aber sagt er nichts und genießt es, egal wo er hinkommt, seine Gläser zu sehen. Ob in New York, Tokio oder Moskau, ob Pub, Bar, Restaurant oder Café: Rund um den Globus gibt es Gläser von Rastal aus Höhr-Grenzhausen, einer Kleinstadt im Westerwald. Und darauf ist er verdammt stolz. Raymond Sahm-Rastal wächst in HöhrGrenzhausen auf. Sein Vater und sein Onkel leiten damals das Unternehmen. In den Ferien jobbt er oft in der Glasproduktion. Das Verhältnis zu seinem Vater ist gut. „Ich hatte nie Stress mit ihm, auch nicht während der Pubertät“, sagt Sahm-Rastal. Da es damals kein Gymnasium in der Nä­he gibt, geht er mit 13 Jahren ins Internat nach Salem am Bodensee. „Die erste Zeit hatte ich oft Heimweh, war traurig. Doch später habe ich mich dort sehr wohl ­gefühlt. Ich wurde sogar Schulsprecher“, erzählt Sahm-Rastal. 32



Nach dem Abitur zieht er nach Augsburg beginnt dort ein kaufmännisches Studium. Der Vater unterstützt ihn großzügig, zahlt Wohnung, Auto, ein Motorrad. Bis zum Vordiplom bleibt Raymond in Augsburg, dann geht er an die Uni nach Köln. „Ich wollte nach Köln, weil dort die Marketingkoryphäen waren“, sagt Sahm-Rastal. Kurz vor Ende seines Studiums erlebt er zwei schwere Schicksalsschläge: Sein Vater stirbt, ein halbes Jahr später verunglückt seine Mutter tödlich. Raymond ist gerade erst 28. Er trauert, flüchtet sich ins Studium und paukt es zu Ende.

Horizont erweitert Psychologisches Marketing interessiert ihn besonders. Deshalb bewirbt er sich als Diplom Kaufmann beim Zigarettenhersteller Remtsma. Er bekommt den Job, zieht nach Hamburg, wird Marketingassistent und später Produktmanager. „Damals gab es schon viele Restriktionen gegen die Zigarette und wir mussten neue Markenwelten aufbauen. Das hat meinen kaufmännischen Horizont sehr erweitert“, sagt Sahm-Rastal. Auch in der Großstadt Hamburg fühlt er sich wohl, lernt dort seine damalige Frau kennen und gründet mit ihr eine Familie. Seine beiden Kinder kommen zur Welt. Den Westerwald hat er lange hinter sich gelassen. Sein Job macht ihm Spaß, er will weiter Karriere machen. An eine Rück­-

kehr nach Höhr-Grenzhausen und den Einstieg in das Familienunternehmen denkt er nicht. Die Eltern sind inzwischen seit fünf Jahren tot. Dann kurz vor Weihnachten ein Anruf: Der Testamentsvollstrecker bietet ihm die Leitung von Rastal an. „Mein erster Gedanke war, wenn du das machst, dann gehst du für den Rest

RASTAL Rastal wurde 1919 von Eugen Sahm als Manufaktur für Bierkrüge gegründet – zunächst unter dem Firmennamen SahmMerkelbach. 1950 stieg man ins Glasgeschäft ein. Erst 1969 wurde das Unternehmen in „Rastal“ umbenannt – ein Kunstwort aus den Begriffen „Rastertechnik“ und „Kristall“. 1964 wurde die Idee des MarkenExklusivglases entwickelt. Der Grundgedanke: ein individuell für eine Marke entwickeltes Glasdesign, das exklusiv dieser Marke vorbehalten ist. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten die Getränkemarken meist regionaltypische Standard-Glasformen. Der Bitburger-Pokal, der bis heute von der Bitburger Brauerei in der Gastronomie eingesetzt wird, war das erste MarkenExklusivglas, das von Rastal realisiert wurde. Viele weitere bekannte Glasformen folgten. Mehr als 100 Konzepte wurden alleine in den letzten zehn Jahren für Getränkemarken weltweit umgesetzt. No. 03-2017


Die Kugel rollt: Alle zehn Pins zu treffen, ist gar nicht so einfach.

deines Lebens zurück in die Provinz“, erinnert sich Sahm-Rastal. Aber er fühlt sich verpflichtet und übernimmt 1992 zusammen mit seinem Cousin Stefan Sahm-Rastal die Unternehmensführung. In Höhr-Grenzhausen kennt er niemanden mehr. Er war über 20 Jahre weg. Brücken zu neuen Kontakten bauen Sohn und Tochter, die damals im Kindergartenalter waren. Die Firma unterdessen ist gut aufgestellt. Seit Ende der 1950er-Jahre gibt es ein eigenes Designstudio und die Idee des Marken-Exklusivglases wurde ausgebaut. Anfangs ist er viel unterwegs, hat jede Menge Termine im Ausland. „Das internationale Geschäft musste angeschoben werden.“ Seine Termine habe er immer so gelegt, dass trotzdem viel Zeit für die Familie blieb. Sein eigener Vater sei auch immer da gewesen. Das wollte er genauso machen.

Impulse setzen Seit 25 Jahren leitet er nun die Firma. Seit 2015 sind Raymond Sahm-Rastal und sein Sohn Maximilian alleinige Inhaber des Unternehmens. Bereut hat er die Rückkehr in den Westerwald nie. „Das Interesse an der Firma war ja immer da und Design und schöne Dinge haben mich seit jeher interessiert. Bei Remtsma war ich für eine Marke zuständig, bei Rastal kümmere ich mich täglich um viele Marken unserer Kun­ den, setze Impulse. Das ist abwechslungsreich, herausfordernd und macht außerdem Spaß“, sagt Sahm-Rastal. Das aktuellste Projekt im Hause Rastal, das Smartglas mit integriertem Chip, ist absolut zukunftsweisend. Aus dem operativen Geschäft zieht er sich nun nach und nach zurück, hat einen neuen Geschäftsführer eingestellt und kümmert sich mehr um strategische Angelegenheiten. So hat er heute auch wieder mehr Zeit zum Reisen, zum Urlaub machen. Und wenn er dabei irgendwo auf der Welt Gläser von Rastal entdeckt, muss er lächeln - und ist verdammt stolz. – No. 03-2017

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MARKT_ ELSASS

BIER MIT TERROIR Text: BJÖRN ROSEN 

Im Elsass hat das Brauhandwerk eine lange Tradition – und so war die Region Ausgangspunkt für Frankreichs heute sehr lebendige Craft-Szene. Die meisten Brauer orientieren sich an internationalen Trends. Manche setzen aber auch auf Zutaten und Bierstile der Region. Auf Erkundungstour in Straßburg.

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35 FOTO: STEFAN KUDZINSKI


MARKT_ ELSASS

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ie Bierrevolution findet in der Seitenstraße eines Wohnviertels statt. Im Erdgeschoss des zweistöckigen Häuschens, Rue Jean Jaurès Nummer 109, gab es früher einen Kebab-Imbiss. Auf den ersten Blick schaut es dort nun nach verkramtem Hobbykeller aus. Holzfässer lagern auf dem Boden, eine Abfüllanlage ist noch zur Hälfte in Schutzfolie eingewickelt, dazwischen liegen Schläuche, auf einem Regal stehen ein paar leer getrunkene Bierflaschen neben Ghettoblaster und Mikrowelle. Mittendrin: Stéphane Bouffier, der mit seinem Lockenkopf, dem Drei-Tage-Bart und der Nerdbrille etwas von einem jungen Tüftler hat. Tatsächlich ist der studierte Informatiker und selbsterklärte „Bier Geek“ Teil einer der erfolgreichsten BrauereiNeugründungen im Elsass. Bendorf, so der Name der Craftbier-Brasserie, wurde erst 2013 gegründet, heute verkauft der Drei-Mann-Betrieb sein Red Ale oder Black IPA von Toulouse bis Paris. Bei unserem Besuch im vergangenen Herbst sind die Brauer gerade am Umbauen. „Wir mieten jetzt auch noch Räume nebenan“, sagt Bouffier. „Unsere Bierproduktion wird sich verdoppeln, auf 3200 Liter pro Woche.“

Ganz vorne dabei

Die Brau- und Trinkkultur, die seit einigen Jahren im Elsass aufblüht, hat mit den eher langweiligen Pils-Variationen der großen Marken freilich wenig zu tun. Oder nur so viel wie eine beschauliche Weinstube mit „Le Local“, einer Bierbar im Straßburger 36



FOTOS: STEFAN KUDZINSKI

Das Elsass ist in Frankreich ganz vorne mit dabei, wenn es um bière artisanale, also handwerklich hergestelltes Bier, geht. Kein Wunder, denn kaum eine andere französische Region hat eine vergleichbar reiche Biertradition. Diese ist Jahrhunderte alt. Das liegt an der hervorragenden Qualität des örtlichen Wassers und des hier angebauten Hopfens – und wahrscheinlich auch an der Nähe zu Deutschland, zu dem das Elsass im Laufe der Geschichte immer wieder gehörte. Beim Spaziergang entlang der Fachwerkhäuser der Straßburger Altstadt kann man schon mal vergessen, ob man sich dies- oder jenseits der Grenze befindet. Bis heute kommt die große Mehrzahl des französischen Biers aus der Region, verantwortlich dafür sind Branchenriesen wie Kronenbourg und Meteor.

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FOTO: BENDORF

Studentenviertel Krutenau, gegründet 2015. An einer knallblau gestrichenen Wand hängt hier provokante Kunst, die Gäste sind in ihren Zwanzigern, regelmäßig finden Jam-Sessions und Konzerte von IndieBands statt. Auch die Getränkekarte setzt auf regio­ nale „Independents“. Sainte-Cru aus Colmar findet sich dort zum Beispiel, Matten aus Matzenheim oder Blessing aus

← Die Macher der Craftbier-Brasserie Bendorf,

einer der angesagtesten Brauereien im Elsass: Jean-Max (v.l.), Benjamin und Stéphane

Waldhambach im „Krummen Elsass“. Bendorf fehlt natürlich nicht. „Neben den Flaschenbieren, die wir immer im Angebot haben, gibt es sechs wechselnde Biere vom Fass“, sagt Gründer William Beyou. „Außerdem versuchen wir, immer wieder die Produkte neuer Brauereien vorzustellen. So können die Leute die große Bandbreite von Craftbier kennenlernen.“ Eine Ausnahme bildet nur das „Blonde“ der Brauerei Mercière aus dem elsässischen

Niederhausbergen, das „bière signature“ der Kneipe, wie Beyou sagt. Die Männer hinter „Le Local“ sind die treibenden Kräfte des Festivals „Stras’Bier Week“, das im vergangenen Sommer das erste Mal stattfand. Auf der Veranstaltung präsentieren sich die lokalen Brauer – und lokale Bands. Der Termin für 2017 ist noch nicht fix, anvisiert werden September oder Oktober.

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NA KE TUR LL TR ER Ü BI BE ER S

Nach einem altüberlieferten Rezept mit heimischen Rohstoffen gebraut und in den historischen Gewölbekellern am Weihenstephaner Berg gereift. ↑ Die Straßburger Bierbar „Le Local“ setzt auf regionale

„Independents“ und Abwechslung und bietet immer wieder neue Biere vom Fass und aus der Flasche an. No. 03-2017

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FOTOS: STEFAN KUDZINSKI

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Alain Pesez (rechts) führt in der Straßburger Altstadt den Laden „Le village de la Bière“. 400 Biere aus aller Welt gibt es hier.

Mittlerweile steht Craftbier – vor allem regionales, aber auch solches aus den USA oder Skandinavien – auf den Karten vieler Kneipen im Elsass. Im Norden des Straßburger Stadtzentrums bietet die „Bar Grincheux“ ebenfalls eine interessante und vor allem wechselnde Auswahl. Am entgegengesetzten Ende der Grande Île, dem vom Fluss Ill umflossenen Herz der Stadt, liegt das Lokal „Au Brasseur“. Dort knüpft man seit den 90er Jahren an eine drei Jahrhunderte alte Tradition an und serviert wieder Selbstgebrautes: vom

dunklen „Brune du quai“ mit Kaffee- und Schokoladenaromen bis zum würzig-erfrischenden „Blanche de l’Ill“. Eine feste Größe in der Altstadt ist der Laden „Le village de la Bière“, der 400 Flaschenbiere aus aller Welt verkauft. Von diesem Bierdorf aus beobachtet Alain Pesez seit 1994 das Werden der regionalen Szene. Heute gehören zu dieser mehr als 40 Brauereien, die in der Mehrzahl in den vergangenen 15 bis 20 Jahren entstanden sind. „Abgesehen vielleicht von der Bretagne, waren die Elsässer die Ersten in Frankreich“, sagt Pesez. „Noch vor dem Jahr 2000 sind hier kleine Brauereien gegründet worden, wie es sie jetzt im ganzen Land gibt.“ Und so gesellten sich im Laden zu den belgischen und deutschen Bieren, die die örtlichen Aficionados früher bevorzugten, immer mehr lokale Biere. Sie machen derzeit ein Drittel des Sortiments aus.

FOTO: AU BRASSEUR

Die Leute sind neugierig

Serviert Selbstgebrautes: das Lokal „Au Brasseur“ 38



Pesez, der aus Avignon im Süden Frankreichs stammt und viele Jahre in Düsseldorf gelebt hat, wunderte sich lan­ ge, warum die Craft-Bewegung drüben in Deutschland nicht in Gang kam. „In Frankreich ging es vielleicht auch des­-

halb schneller, weil man hier gewohnt ist, mehr fürs Bier zu bezahlen.“ Die kulinarische Kultur, im Elsass vor allem präsent durch Weißwein und deftiges Essen, tat ein Übriges. Die Kundschaft im „Village de la Bière“ ist heute extrem neugierig. „Früher hieß es Meteor jusqu’à la mort, Meteor trinkt man sein ganzes Leben bis zum Tod. Die Zeiten sind vorbei, die Leute wollen ständig was ausprobieren.“ Pesez spricht von der „One Shot“-Mentalität und lobt, dass die experimentierfreudigen Elsässer CraftBrauer dafür immer wieder neue Rezepturen entwickelten. Einen typischen regionalen Stil gebe es bei denen nicht mehr. „Man nimmt internationale Einflüsse auf, und so finden sich hier fast alle Arten von Bier: hell, dunkel, stark, nicht stark, rund, hopfig…“ Im Falle der Brauer von Bendorf ist das tatsächlich so. Fünf Biere, allesamt obergärig, haben sie fest in ihrem Portfolio. Hinzu kommt das „bière du moment“, eine saisonale Variante. „Unsere Biere­ sind eher amerikanisch hopfig“, sagt ­Stéphane Bouffier. Etwa das „Kollane Lill“, mehrfach ausgezeichnet, ein „Blondes“, fünf Prozent stark, hopfenaromatisch mit leichten Blumen- und Fruchtnoten. Das No. 03-2017


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Heimatverbunden Überhaupt fühlen sich die jungen Brauer offenbar ihrer Heimat verbunden. Schon die Marke Bendorf ist eine Kombination aus dem Vornamen des Gründers, Benjamin Pastwa, und dem Namen seines Viertels, Neudorf. Dort, südlich von Straßburgs Zentrum, ist heute auch die Brauerei daheim. Jeden Samstag verkaufen sie ihr Bier direkt ab Haus. Stolz sind die Brauer, dass Bendorf im „Au Crocodile“ auf der Karte steht, einem örtlichen Restaurant, das der Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet hat. Bei der Brasserie „Perle“ geht die Heimatverbundenheit noch ein Stück weiter. Braumeister Christian Artzner spricht sogar von „Terroir“. Üblicherweise beschreibt man mit dem Begriff den Einfluss von lokalem Klima und Gelände auf einen Wein. Bei Artzner hingegen meint er, dass die „Perle“-Biere im Stil und durch einige ihrer Zutaten fest im Elsass verwurzelt sind. An „Perle“ – der Name soll an die im Bier aufsteigenden Kohlensäure-Bläschen erinnern – lässt sich die Geschichte der Elsässer Brauereien exemplarisch erzählen. „Mein Ur-Ur-Großvater war Besitzer zweier Braukneipen“, erzählt Artzner. „Er

gründete die Firma 1882, als die Region gerade zum neuentstandenen Deutschen Kaiserreich gekommen war und sich die Bierindustrie sprunghaft entwickelte.“ Auch „Perle“ expandierte damals rasch, bis Mitte des 20. Jahrhunderts stand der Name für eine der stärksten lokalen Marken. Dann kamen wie in anderen Län­ dern die internationalen Multis und der Konzentrationsprozess auf dem Biermarkt. Das Familienunternehmen konnte nicht mithalten, „1971 musste unsere Brauerei schließen“.

Anne und Christian Artzner von der Brauerei „Perle“ (Foto unten)

FOTOS: PERLE

siebenprozentige „Miel Harmonie“ enthält neben Malz und Hopfen auch Honig. Ihr IPA haben die Brauer „Queen of Langstross“ getauft, Reminiszenz an den elsässischen Namen der Grand Rue, einer Straßburger Straße.

Christian Artzner blieb der Tradition seiner Vorfahren zwar treu und studierte Brauwesen in Schottland. Zunächst arbeitete er aber in Edinburgh, zwischenzeitlich in Afrika und dann in St. Louis, Missouri. In den angelsächsischen Ländern wurde er Zeuge der neuen Bierkultur, und so beschloss er, „Perle“ wiederzubeleben. Das war 2009.

Klassisch und experimentell Seit zwei Jahren hat er nun seine eigene Brauerei in einem Gewerbegebiet im Straßburger Stadtteil Meinau. Die Ausstattung ist erkennbar neu, an der Wand hängen historische Werbeplakate und ein Bild des Ur-Ur-Großvaters. Vor dem Einzug hier braute Artzner bei Kollegen im Schwarzwald. Das war aufwändig, aber nur dort fand er die Ausstattung, die er für sein Bier brauchte. Obwohl „Perle“ heute mehr als ein halbes Dutzend zum Teil sehr experimentelle Biere im Angebot hat, steht eine Interpretation des klassischen Elsässer Pilsners, mit dem die Brauerei einst Generationen von Biertrinkern begeisterte, im Mittelpunkt. Das Originalrezept war längst verschollen, als Artzner mit seiner Idee aus den USA zurückkehrte. Er rekonstruierte es auf Grundlage von Erinnerungen und gab ihm – „klar, Brauerstolz!“ – seinen persönlichen Dreh. Untergärig sollte das Bier sein, gefiltert, vier bis fünf Prozent Alkohol, lokaler Hopfen. „Mit einer angenehmen, eleganten Bitternote.“ Voilà, fertig war das neue, alte Pils. Artzner liebt es, herumzuprobieren. Wie andere Elsässer Brauereien auch, hat „Perle“ ein eigenes Weihnachtsbier. Die Adventszeit ist jedes Jahr ein Höhepunkt in der Region, nicht zuletzt mit Weihnachtsmärkten wie dem am Straßburger Münster. Auf das eher sommerlich-leichte „Zen“ ist der Braumeister besonders stolz, er hat es zusammen mit einem befreundeten Koch und Kräuterexperten entwickelt. 14 Pflanzen aus den Vogesen, von Minze bis Waldmeister, stecken darin. „Die Basis ist ein simples Weizenbier.“ Und dann gibt es da noch die Zusammenarbeit mit einem anderen Freund, einem Elsässer Winzer. Er liefert Riesling- oder Pinot gris-Trauben, deren Saft Artzner zum Ende des Würzekochens mit dem Malz vermählt. Daraus entsteht: „Dans les vignes“. Ein Bier in den Weinbergen, das ist vermutlich so etwas wie ein Elsässer Traum. –

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FOTO: KILIAN BISHOP

MARKEN_ PAULANER

Christian Dahncke, erster Braumeister bei Paulaner

„TRADITION & MODERNE SIND UNSERE DNA“ Interview: ELLEN GÄRTNER

Ihre Wurzeln reichen weit zurück, das Story-Telling beherrscht sie meister­­lich und mit ihren Bieren gehört Paulaner zu den erfolgreichsten Traditionsbrauereien im Land. Jetzt haben die Münchner erstmals ein Zwickl gebraut. Abgefüllt in ungewohnter Flaschenform mit eingebranntem Dekor. Frank Matthias, Leiter Brand Management National, und Christian Dahncke, erster Braumeister bei Paulaner, über die Kunst, Tradition und Moderne zu verbinden. 42



Mögen Sie Geschichten? Matthias: Ja, sehr. Am liebsten mag ich solche mit augenzwinkernden Humor. Dahncke: Klar mag ich Geschichten, am liebsten die mit wahrem Kern. Die „G’schichten aus dem Paulanergarten“ gehören ja zu den Klassikern unter den deutschen Werbespots. Haben Sie eine Lieblingsgeschichte? Matthias: Das ist schwierig zu sagen. Natürlich gibt es viele Werbeklassiker, wie die Spots mit dem Inder oder mit Olli Kahn, die man immer wieder gerne schaut. Von den Spots der neueren Generation ist es das „Duell“. Hier spielt das Bier wieder eine größere Rolle, aber die Geschichte ist trotzdem sehr lustig und unterhaltsam inszeniert. Dahncke: Da halte ich es wahrscheinlich mit der Mehrheit, mein Lieblingsspot ist der mit dem Gast aus Indien, der sagt, „Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen“ und prompt sein Bier kriegt. No. 03-2017


Ihre brandneue Sorte, das naturtrübe Zwickl, maischen Sie sogar dreifach ein. Warum dieser Aufwand? Dahncke: Beim Zwickl lehnen wir uns sehr stark an historische Brauverfah­ ren an. Ich möchte behaupten, dass ein 3-Maisch­vefahren sicherlich die an­ spruchsvollste Art ist, Bier zu brauen. Dabei wird ein Teil der Maische immer wieder stufenweise erhitzt und gekocht und dem anderen Teil der Maische wieder zurückgeführt. Dadurch erhält das Bier sein beson­deres Aroma, seinen weichen Antrunk, seine Vollmundigkeit und einen einzigartigen, cremigen Schaum. Matthias: Probieren Sie mal ein Zwickl. Das Ergebnis spricht für sich. Ja, sie haben Recht, der Aufwand in unserer Brauerei in Langwied ist deutlich größer, aber wir haben im Laufe der Produktentwicklung

einige Erfahrungen mit den unterschied­ lichen Maischverfahren und deren Aus­ wirkung auf das Endprodukt gesammelt. Im Hinblick auf das Ergebnis sind wir uns alle einig, bei unserem Zwickl schmeckt man das dreifache Maischen sogar heraus. Mit dem Hersbrucker Hopfen setzen Sie beim Zwickl auf eine alte, seltene Hopfensorte. Muss es wirklich genau diese sein? Dahncke: Bei diesem Aromahopfen handelt es sich tatsächlich um eine sehr alte Sorte, die mittlerweile schon fast nicht mehr angebaut wird. Für unser neues Zwicklbier passt diese sehr gut, da sie dem Bier hauptsächlich ein besonderes, fruchtiges Aroma verleiht. Daneben bringt er eine sehr milde Bittere ins Bier, die sich sehr gut mit dem Malzaroma verbindet. Matthias: Unseren Braumeistern ist es beim Zwickel gelungen, das Fruchtige aus dem Hersbrucker Hopfen heraus zu kitzeln. Kombiniert mit einem unserer Lieblingshopfen, dem Hallertrauer Tradi­ tion, der ein mildes, beinahe süßes Aroma hat, ergibt sich der spezielle Charakter des Biers mit fruchtigem Hopfen­aroma und feiner Malznote. Was folgt dem Zwickl? Andere Weißbierbrauer setzen auf kaltgehopfte Biere … Soll die Spezialitäten-Range weiter wachsen? Matthias: Wir bei Paulaner verstehen uns als Spezialitätenbrauerei. Klar, kommt die nationale Bekanntheit über unser Weiß­ bier, aber auch mit unserem Doppelbock Salvator, unserem Oktoberfestbier oder

Frank Matthias, Leiter Brand Management, Paulaner

FOTO: PAULANER BRAUEREI

Einer der neuesten Spots der Brauerei dreht sich um das traditionelle doppelte Maischverfahren, mit dem Paulaner seine Weißbiere braut. Was ist daran so besonders? Matthias: Vereinfacht gesagt, sorgt das doppelte Maischverfahren dafür, dass die Enzyme im Brauprozess besser wirken können. Spannender ist natürlich die Auswirkung dieses Vorgangs auf unser Bier: dieses wird charaktervoller, runder im Geschmack und deutlich vollmundiger. Dahncke: Gut aufgepasst beim Brau­ seminar! Ergänzen möchte ich noch, dass wir einen Teil der Maische zweimal kochen und dadurch wird die Malzstärke optimal aufgeschlossen. Das sorgt für den vollmundigen und süffigen Charakter des Bieres. Dauert etwas länger, lohnt sich aber.

PAULANER BRAUEREI Die Tradition der Brauerei reicht ins 17. Jahrhundert, als noch Mönche des Paulaner Ordens den Klosterbetrieb führten. Auf den legendären Bruder Barnabas geht das Rezept des „Salvator“zurück, das nach historischem Vorbild bis heute gebraut wird und dem der feierliche „Salvator“-Ausschank auf dem Nockherberg alljährlich in der Fastenzeit gewidmet ist. Seit 1806 lenken weltliche Braumeister die Geschicke der Brauerei, die 2015 wegen Platzmangel nach 375 Jahren ihre angestammte Braustätte mitten in München verlassen hat. Am Standort Langwied erreicht Paulaner einen Jahresausstoß von 2,5 Millionen hl. www.paulaner.de

einer großen Range an untergärigen Bieren waren wir immer schon mehr als eine reine Weißbierbrauerei. Ja, in Zukunft wird es bestimmt noch die eine oder andere neue Sorte geben. Was das ist, kann ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten. 2015 hat Paulaner nach 375 Jahren den Nockherberg in der Stadtmitte verlassen. Am neuen Standort in Langwied ist deutlich mehr Platz. Gibt es Pläne, zu expandieren? Matthias: Im Endeffekt hilft uns der Umzug nach Langwied, den Wünschen der Konsumenten nach mehr Vielfalt gerecht zu werden. Egal ob es sich dabei um die immer größere Vielfalt an Bieren oder an Gebinden handelt, egal ob für das Inland oder für das Ausland. Der Umzug war einfach die logische Konsequenz, um un­sere Vision, weltweit zum Synonym für ­Bierspezialitäten aus München zu werden, einen deutlichen Schritt näher zu kommen. Mit Wurzeln, die ins 17. Jahrhundert zurückreichen, bewegt sich Paulaner immer zwischen Tradition und Moderne – wie gelingt dieser Spagat? Matthias: Wir sind sehr stolz auf unsere Tradition. Einen Spagat nehmen wir überhaupt nicht wahr. Vielmehr sind beide Facetten ein fester Bestandteil der DNA unserer Brauerei und der Markenpositio­ nierung. Sowohl im Bierbrauprozess selber, bei der Bearbeitung des Marktes oder aber auch bei der Kommunikation helfen unsere traditionellen Wurzeln und über Generationen weiter gegebenes Wissen, glaubwürdig agieren zu können. –

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MARKT_ ERLEBNISGASTRONOMIE

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BIER AN

BORD! 4.300 Passagiere, 900 Mann Besatzung, ein Braumeister: Auf dem Kreuzfahrt-Riesen Aida Prima wird Bier gebraut. Der Alltag von Urlaubsgästen und Braumeister könnte kaum gegensätzlicher sein. Brauen an Bord ist ein Knochenjob und eine ganz besondere Herausforderung. Ein Blick hinter die Kulissen.

FOTOS: AIDA CRUISES

Text: DIRK OMLOR

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MARKT_ ERLEBNISGASTRONOMIE

FOTOS: XXX XXX XXX

Lange Schlangen beim Freibier: Aida-Braumeister Jens Berndt schenkt aus.

duldig, erklärt immer wieder auf sehr charmante Art, was er gerade macht. Die Leute finden ihn sympathisch, zollen ihm Respekt. Der Brauer sei nach dem Kapitän der wichtigste Mann an Bord, hört er oft. Das macht ihn stolz.

Z

wölf Uhr mittags. Das Brauhaus an Bord ist rappelvoll. Es riecht nach Malz und Würze. Über 350 Gäste schunkeln, klatschen und singen. Seit elf Uhr steht Früh­ schoppen auf dem Programm. „Morgens ein Bier und der Tag gehört dir“ – Ani­ mateur Richard heizt die Stimmung an.­ Aus den Lautsprechern dröhnt der Hit von Wolfgang Petry, die Menge brüllt „Hölle, Hölle, Hölle“. Die Gäste tanzen auf den Tischen. Mittendrin arbeitet Aida-Brau­ ­ meister Jens Berndt (28). Er steht am Sud­ kessel und maischt ein. Zum zweiten Mal heute. Das Sudhaus befindet sich direkt im Gastraum. Jens schaut auf die Uhr. Gleich ist Fassanstich, dann muss er auf die Bühne. Mit dem Einmaischen muss er bis dahin fertig sein. Perfektes Timing ist gefragt. Seit 4.30 Uhr ist Jens am Brauen. Malz schroten, die Säcke zum Brauhaus auf Deck 7 bringen und einmaischen. Zwei Sude Pale Ale stehen heute an, jeweils 800 Liter. Früh morgens kann er noch in Ruhe arbei­ ten. Doch schon um acht Uhr beginnt der Trubel, das Brauhaus öffnet zum Frühstück. Die Gäste trinken Kaffee und schauen Jens beim Brauen zu. Sie löchern ihn mit Fragen. „Kann man das Bier, das sie gerade brau­ en, heute Abend hier trinken?“. Jens ist ge­ 46



Nach dem Frühstück schließt das Brauhaus für gut eine Stunde. Die Tische werden neu eingedeckt und die Band „Bayernstürmer“ probt ihren Auftritt. Um halb zwölf öffnen sich wieder die Türen, der Frühschoppen beginnt, die Gäste strömen ins Brauhaus. Maria und Margot Hellwig trällern vom Band „Servus, grüezi und hallo“. Innerhalb weniger Minuten ist beinahe jeder Platz besetzt und fast alle haben einen Krug Bier in der Hand. Die Aida Prima ist das fünfte Schiff der Kreuzfahrt-Flotte mit einer eigenen Braue­ rei an Bord. Das Brauhaus ist Besucher­ magnet. Gerade die urig-bayerische At­ mosphäre mit der Schmankerl-Küche und den selbstgebrauten Bieren zieht die Gäste an. Frühschoppen, Karaoke, LiveMusik, A ­ lpenglühen, Fußball-Übertragun­ gen, Fassanstich – und Jens mittendrin.­ Dass an seinem Arbeitsplatz permanenter Trubel herrscht, ist wohl der größte Unter­ schied zum Brauen an Land. Ruhe findet er eigentlich nur in seinem Braukeller, zu dem die Gäste keinen Zutritt haben. Zehn Gärund Lagertanks mit jeweils 1.600 Litern ­Inhalt stehen dort, unempfindlich gegen Schiffsschwankungen. Weitere Lagerkapa­ zität gibt es im Gastraum. Dort dekorie­ren vier mantelgekühlte Ausschanktanks das Brauhaus, das Kupfer auf Hochglanz poliert. Die aktuelle Reiseroute der Aida Prima dauert jeweils sieben Tage und geht von Hamburg nach England, Frankreich, Bel­ No. 03-2017


D IE ERSTEN ZWEI MONATE WAREN SEHR HART ↓ Biergartenatmosphäre am Eingang zum Brauhaus ↓↓ Beim Brauseminar dürfen die Gäste auch in den Braukeller.

gien und über die Niederlande und zurück nach Hamburg. Am Seetag, wenn also kein Landgang ist, braut Jens Bier. Dann sind auch tagsüber besonders viele Gäste im Brauhaus und können den Brauprozess live miterleben. So ist das Konzept. Gebraut werden drei Sorten: Hövel’s Ori­ginal, nach einem Rezept der Dortmunder Traditions­ brauerei, Aida-Zwickel, naturtrüb und un­ filtriert, sowie eine weitere Sorte, die mo­ natlich variiert. Gebraut wird mit Meerwasser, das entsalzt, gereinigt und wieder mineralisiert wird. Die an Bord ge­ brauten Biere gibt es nur im Brauhaus. Vier Monate bleibt Jens auf dem Schiff, dann geht es zurück in die Radeberger Brauerei. Seit zehn Jahren arbeitet er dort. Er wollte vor ein paar Jahren zum Brauen ins Ausland, Erfahrung in kleineren Braue­ reien sammeln. Dann hat er sich auf die Stelle bei der Aida beworben und wurde genommen. „Das war für mich ein guter Kompromiss, also habe ich angeheuert“, sagt Jens Berndt. 2016 ging er das erste Mal an Bord, wurde angelernt und war dann auf sich allein gestellt. Lediglich eine Putzhilfe unterstützt ihn von Montag bis Donnerstag zwei Stunden am Tag. An den Brautagen arbeitet Jens gut 14 Stunden, sonst mindestens zehn. Freie Tage gibt es nicht, Freizeit nur wenig. „Die ersten bei­ den Monate meiner ersten Reise waren sehr hart für mich und ich habe meine ­Entscheidung oft angezweifelt. Dann aber hat es mir gefallen und ich war fast trau­rig als ich von Bord ging“, erzählt Jens.­ Jetzt i­st er zum zweiten Mal hier und will wiederkommen. An Bord ist Jens nicht nur Brauer, er ist voll­ ständiges Crewmitglied und damit auch für die Sicherheit der Passagiere mit verant­ wortlich. Einmal pro Woche finden Sicher­ No. 03-2017

heitsübungen statt, die mehrere Stunden lang dauern kön­nen. Auch hierauf muss er seinen Arbeitsrhythmus abstimmen. Dazu kommen noch Brauseminare, die er min­ destens einmal pro Woche hält. Zehn bis dreißig Gäste sind in der Regel dabei, wenn Jens sein Wissen über Braukunst und Rohstoffe weitergibt. Zurück beim Frühschoppen: Früher Nach­ mittag, der Freibier-Ausschank ist zu Ende. Jens flitzt von der Bühne zurück zum Sud­ kessel. Die Musik wird lauter, die Stim­ mung noch ausgelassener. „Die Hände zum Himmel“ und „Einen Stern, der dei­ nen Namen trägt“, johlen die Gäste. Jens trebert aus. Animateur Richard heizt wäh­ renddessen die Stimmung weiter an. Jens schwitzt, bringt den Treber einige Decks tiefer zur Biomüll-Anlage und genießt kurz die Ruhe. Dann kehrt er an den Sudkessel zurück. Die Würze kocht, Jens gibt den Hopfen dazu. Richard kündigt die letzte Runde an. Die Kellner haben noch einmal richtig was zu tun. Und aus den Laut­ sprechern dröhnt wieder Wolfgang Petry „Das ist Wahnsinn …“.  –

AIDA PRIMA Die Aida Prima hat 18 Decks, ist 300 Meter lang, 37,6 Meter breit und 54 Meter hoch. 4.300 Passagiere verteilen sich auf 1.647 Kabinen und 32 Suiten. Es gibt 12 Restaurants und 18 Bars. Die gesamte Restaurantfläche beträgt 5.840 Quadratmeter. Über 900 Mann Besatzung sind an Bord, davon rund 200 Servicekräfte im Bereich Speisen und Getränke.

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FOTO: GIESENBRÄU

MACHER _ ERIN HUTTON

Verliebt in Bier: Erin und Anna Hutton

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Lederhose, Trachtenjanker, Filzhut: Im Herzen ist der US-Amerikaner Erin Hutton Bayer. Statt in München Linguistik zu studieren, ließ er sich lieber zeigen, wie man Bier braut. In New Prague, Minnesota, baut er sich nun mit seiner Frau Anna eine eigene Brauerei auf: Giesenbräu – nach bayerischem Vorbild. Text: EVA HIRSCH

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osef „Sepp“ Hutton ist ein halbes Jahr alt – in diesem zarten Alter hat er aber schon mehr Brauereien besichtigt als die meisten Erwachsenen, nämlich um die 60, 70. Sepp Hutton hat diese weltrekordverdächtige Zahl seinen Eltern Anna und Erin Hutton zu verdanken; die beiden hat vor langer Zeit die Liebe zu Bayern und zum Bier gepackt. Und zwar in einem Ausmaß, dass sie nicht nur ihren Sohn Josef Werner (Spitzname Sepp) getauft, sondern auch in Dirndl und Lederhosen geheiratet haben. Ihr nächster Plan ist daher auch so simpel wie schlüssig: Sie wollen in New Prague, Minnesota, USA, eine Brauerei samt eigenem Biergarten eröffnen. Weißbier soll es geben und ein echtes Helles: Damit das mit dem Original bayerischen Bier aber auch was wird, haben die Huttons im Oktober 2016 drei Flüge nach München gebucht, den Kindersitz eingepackt – und Bayern einen Besuch abgestattet. Erste Station des Trios: das „Zombräu“ in Mirskofen, Landkreis Landshut, Niederbayern. In der kleinen Halle ist es kalt, wenn nicht gar zapfig – wie der Bayer sagt. Bastian und Tobias Merches haben dort im Zwei-Mann-Betrieb ihre Brauerei installiert. Ein alter Betonmischer wurde von den Brüdern fürs Brauwesen umfunktioniert – und das Wissen über diese niederbayerische Spezialmaschine ist nicht die einzige Information, die Erin Hutton bei seinem Besuch in Mirskofen, 7400 Kilometer von New Prague entfernt, mitnimmt. Er und Tobias Merches fachsimpeln neben der kleinen No. 03-2017

Abfüllanlage: über IPAs, über Stouts, über Biere mit Namen wie „Voodoo“, „Motoroil“ und den Zombräu'schen „Winterdiesel“, der nach etlichen Wochen bei minus 20 Grad stattliche 25 Prozent in die Flasche bringt.

Anfangs ein zartes Gefühl Begonnen hat Erin Huttons Liebe zu allem, was mit Hopfen und Gerste zu tun hat, vor 20 Jahren. Der Schüler, damals 15 Jahre alt, saß in Deggendorf bei seiner Austauschfamilie und spürte plötzlich ganz deutlich: „Hier gehöre ich her.“ Dieses anfangs doch zarte Gefühl entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer echten Liebe. Im Herzen ist Erin Hutton Bayer – das sagt er ganz offen, auf Deutsch, mit leicht amerikanischem Akzent, in dem aber das Bairische in jeder Silbe mitschwingt. „In einem früheren Leben bin ich irgendwo in Bayern gesessen und habe Bier gebraut. Da bin ich sicher“, meint er und streicht sich über den rot-blonden Bart. Nicht nur sein buschiger Bart macht Erin Hutton zu einer Erscheinung, wenn er mit Anna und Sepp durch kopfsteingepflasterte bayerische Innenstädte geht. Er trägt grundsätzlich – da mag das Wetter noch so schlecht sein – Lederhose, dazu Trachtenjanker, Sneakers und einen schon etwas mitgenommenen, aber gerade deshalb imposanten grauen Filzhut. Den Hut zieren Buttons aus aller Welt; sie stammen vom Oktoberfest, von Bergbahnen, vom Studentenfestival in München und von Micro-Breweries in den USA. Der Hut ist Huttons Tagebuch.


MACHER _ ERIN HUTTON

Er war auch dabei, als Erin zum Studieren nach München ging. Sprachwissenschaft hatte sich der 35-Jährige ausgesucht, um noch besser Deutsch zu lernen. Während seines Studiums traf er dann auf seine nicht minder bier- und biergartenbegeisterte Frau Anna. Ihr Mädchenname Giesen, den sie damals noch trug, zeugt von ihren deutschen Wurzeln. Annas Vater wuchs in den USA in einem kleinen Dorf in Minnesota als jüngstes von neun Kindern auf – und sprach bis zu seiner Einschulung kein Englisch, sondern nur Deutsch. Daher soll die neue Brauerei der Huttons auch „Giesenbräu“ heißen; eine Reminiszenz an die Wurzeln, die für Anna und Erin jenseits ihrer amerikanischen Heimat liegen. Auch Erin hat Schweizer Vorfahren. Damit der Traum von der eigenen Brauerei überhaupt wahr werden konnte, schmiss Erin Hutton sein Studium. 2012 erkannte er: „Das mit der Linguistik und mir, das geht nicht gut. Das mit dem Brauen schon.“ Seitdem hat er Praktika in kleinen Brauereien absolviert – und sich das Wissen rund ums Bier im Do-it-yourself-Verfahren und mit einem riesigen Netzwerk rund um die Welt angeeignet. Als die Huttons in Landshut auch für ein kleines Weißwurstfrühstück bei der „Bierschau“ von Uwe

FOTOS: EVA HIRSCH

→ Das Wissen um Bier hat sich Erin Hutton im Do-it-yourself-Verfahren und mit einem Netzwerk rund um den Globus angeeignet.

Janssen vorbeischauen, kommen sie im Gespräch bald auf gemeinsame Bekannte in den USA. Denn Janssen arbeitet im Brauereianlagenbereich und bereist auf Bier-Mission genauso wie die Huttons die Welt.

Umbau in Eigenregie Erins Ziele für die eigene kleine Brauerei in New Prague sind hoch gesteckt: Er will IPAs und Stouts brauen, Weißbier und „ein richtig gutes Helles“. Eins eben, das den Namen auch verdient. Im eigenen Biergarten soll es ausgeschenkt werden; den Biergarten brauchen Anna, Erin und Sepp schon allein deshalb, „damit wir nicht immer nach Deutschland fliegen müssen.“ Die Familie ist mittlerweile in den amerikanischen

Brauerei-Genehmigungsmarathon einge­ stiegen und hat eine kleine CrowdfundingKampagne für ihren Traum im Netz ge­ startet: Wer sich als Gründungsmitglied am „Giesenbräu“ beteiligt, bekommt nach dem erfolgreichen Start „beer for free“, je nach Investition monatlich oder täglich. Anfang dieses Jahres haben sie einen großen Schritt geschafft: Das Gebäude für ihre zukünftige Brauerei gehört nun ihnen. Die Huttons bauen es bereits in Eigenregie um – sogar zum Vorschlaghammer hat Erin für seinen Traum vom eigenen Bier gegriffen. Im Juli wollen er und seine Frau das Brauen beginnen, im September 2017 ist die Eröffnung geplant. Und auch Sepp, das weltrekordverdächtige Kind, wird bei dieser großen Party sicher wieder dabei sein.  – 

Immer und überall dabei: Erin Huttons Hut zieren Buttons aus aller Welt. Sie stammen vom Oktoberfest, von Bergbahnen, von Micro-Breweries aus den USA. Der Hut ist sein Tagebuch.

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MARKT_ BUKAREST

Kein Schnickschnack, kein Hipsterkram, dafür reichlich gutes Bier gibt es im „Beer oʻ Clock“ mitten in Bukarest.

BIS(S) AUF EIN BIER Text + Fotos: LISA LUGINGER

Die Heimat von Fürst Dracula ist kein Craftbier-Land. Nur die wenigsten Leute können sich hier IPA & Co. leisten. Und das, obwohl die rumänische Hauptstadt laut Statistik zu jenen Städten in Europa gehört, in denen Bier besonders günstig ist. Die Craftbier-Szene von Bukarest ist zwar übersichtlich, doch ihre Player sind absolut extraordinär.

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E

in struppiger Köter läuft die schmutzige Fahrbahn entlang. Das ständige Hupen zwischen den Plattenbauten ignoriert er, auch die dicke, Blumenverkäuferin am Straßenrand oder das triste Wetter an diesem Tag. Rumäniens Hauptstadt ist ein Moloch. Das war zumindest das Klischee, das noch lange nach dem blutigen Sturz des Diktators Nicolae Ceaus¸escu Ende der 80er in der Luft hing. Elendsviertel in den Randbezirken, Armenhaus Europas, Korruption an jeder Ecke, Überpopulation von beißwütigen Straßenhunden. Bierkultur? Höchstens in Form von kommunistischen Lagern. Wenn es ums Bier ging, dann ums Trinken, Saufen. Und nicht um Genuss, Qualität und Vielfalt. Doch das ist längst anders. Auch, wenn das noch nicht jeder Rumäne weiß. Cristian Dinu öffnet die Beifahrertür seines grauen Peugeots. Er winkt uns herein, „schnell, schnell“. Die Ampel schalte

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gleich wieder auf Grün. Sein Atem riecht ein wenig nach Alkohol, im Radio läuft rumänischer Rock. Mit Freunden hat der 26-Jährige am Abend zuvor Biere verkostet, über seine Zukunft philosophiert, Pläne geschmiedet. Pläne, die gerade anfangen, Gestalt anzunehmen. Denn Cristian Dinu ist Bukarests jüngster CraftbierBrauer. Zusammen mit seinen Freunden Mircea Georgescu (30) und Petre Ion (37) hat er die „Hop Hooligans“ gegründet. Bei unserem Besuch war der erste eigene Sud kurz vor der Abfüllung. Mittlerweile haben die Männer mehr als acht Biere mit Namen wie Crowd Control, Royal Execution und Shock Therapy herausgebracht. Während der Autofahrt von Bukarests Zentrum ins 20 Kilometer angrenzende Jilava, wo sich die Brauerei befindet, werden die Plattenbauten kleiner, die Straßen schmaler. Nahe dem Fort 13 Gefängnis, das durch den Mord an 64 politischen Gefangenen traurige Bekanntheit erlangte, führt

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MARKT_ BUKAREST eine Straße in ein heruntergekommenes Industriegebiet. Ein Rudel bellender Hunde begrüßt die Ankömmlinge. Cristian Dinu parkt vor einem Gebäude, das sich von allen anderen unterscheidet, weil es frisch verputzt ist. „Herzlich willkommen bei den Hop Hooligans“, sagt er und öffnet die Tür zu seiner Brauerei.

↑ Die Jungs der Brauerei Hop Hooligans wollen sich mit ihren Bieren international

nicht verstecken: Mircea Georgescu (v.l.), Cristian Dinu und Petre Ion.

Wow! Ein nigelnagelneues Sudhaus glänzt mit neuen Gär- und Lagertanks um die Wette. Kein einziger Fleck auf dem grauen Industrieboden, die Wechselkleidung sorgsam zusammengefaltet im Umkleideraum. Dinus Kollegen Mircea Georgescu und Petre Ion sind bereits bei der Arbeit, bereiten einen Tank vor. Cold pressed Coffee, Habaneros, Vanilleschoten und Zimt für ein Spiced Stout. „Wir wollen gleich von Anfang an zeigen, wo der Hammer hängt“, sagt Dinu und erklärt, was er damit meint: „Die Hop Hooligans brauen nicht nur einfach irgendein leicht gehopftes Pale Ale, wir wollen uns international nicht verstecken müssen.“ Deshalb auch der Name und deshalb auch der gesamte Markenauftritt in Englisch. Auch, wenn die Biere erstmal nur im Umkreis zu erhalten sind: „Wir stecken die Ziele hoch!“

BARS UND RESTAURANTS Beer O’Clock Gabroveni 4 010741 Bukarest Älteste und authentischste Craftbier-Bar der (Innen-)Stadt. Besitzer Petre Ion ist Mitbegründer der dortigen Craftbier-Szene und heute Teil der Hop Hooligans, einer neuen Craftbier-Brauerei. Kein Schnickschnack, kein Hipsterladen, dafür mit rund 180 verschiedenden Bieren die beste Auswahl. La 100 de Beri Strada Covaci 8 030167 Bukarest Bar im englischen Stil, ebenfalls ganz im Zentrum. Große internationale Craft-Marken am Hahn und auch kleinere deutsche Crafties in der Flasche zu finden. Nettes Barpersonal berät gerne, auch wenn‘s abends richtig voll wird. Happy Pub Strada Cˇ aderea Bastiliei 36 010615 Bukarest Ebenfalls eingesessene Bar mit anständiger Auswahl für Touristen und Einheimische.

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Das dunkle Mobiliar setzt sich durch, die unzähligen Bierposter an der Wand sorgen für Zeitvertreib. Im Sommer nett zum Draußen sitzen. The Urbanist Strada Caldarari 3 030109 Bukarest Mix aus Café, Delikatessenladen und Lifestyle Store. Definitiv Hipster mit all den Lämpchen Fliesen und Pflanzen. Kleine, dafür lokale Biere werden angeboten, die sich an den

Fenstersitzen oder auf den Außenplätzen genießen lassen. Der Name passt. Urbanes Feeling. Caru’ cu Bere Strada Stavropoleos 5 030081 Bukarest Ein unter Touristen wie Einheimischen beliebtes Restaurant im Zentrum. In einem historischen Gebäude kann man typisch rumänische Küche in großen Portionen zu passablen Preisen kennenlernen und dazu verschiedene Biere sowie ein Hausbier probieren. Beraria Elefantul Roz Mantuleasa 22 023962 Bukarest Übersetzt heißt das Lokal „Der rosa Elefant“. Brandneu geöffnetes „Social Beerhouse“, ein wenig außerhalb des Zentrums. Dort zu finden ist eine schöne, ausbaufähige Auswahl an internationalen, aber auch lokalen Craftbieren, darunter einige Belgier. Speisen auch zum Mitnehmen.

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 OLLEN W ZEIGEN, WO DER HAMMER HÄNGT 

Hop Hooligans

Dinu spricht über rumänisches Craftbier, als habe er sich schon immer damit beschäftigt. Dabei entsteht im Land von Dracula und Donaudelta gerade vieles neu. Die erste Craftbier-Brauerei wurde vor sechs Jahren gegründet, danach kam lange nichts. Craftbier außerhalb der Hauptstadt ist wenig bekannt, obwohl es bereits Marken wie Clinica de Bere, Hophead oder Bereta gibt. Vielleicht ist es Dinus Kollege Petre Ion, der hier Meinungsmacher ist. Denn wenn man vom „alten Hasen“ der rumänischen Szene sprechen kann, ist er der Senior schlechthin.

Vorreiter im Denken Petre Ion ist Besitzer von Beer O’Clock. Das ist kein Uhrenladen, sondern die bekannteste Craftbier-Bar der Stadt. Bis 2010 war sein Lokal eine typische Kneipe in der Innenstadt, in der es ausschließlich Industriebier vom Fass gab. Dann kam der 37-Jährige auf den Geschmack von handwerklich gebrautem Gerstensaft und wollte dieses in seiner Bar anbieten. Jedoch bekam er vom Vertragspartner schnell einen Dämpfer verpasst: Er dürfe keine Biere von Brauereien außerhalb des Konzerns verkaufen. Ion ließ es drauf ankommen und kaufte einfach nur noch von kleineren Brauereien. „Ein Risiko, zu einer Zeit, als noch keiner hier von Craftbier gehört hat“, erinnert er sich. Heute ist er in der rumänischen Szene für sein Vorreiterdenken geschätzt. No. 03-2017

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MARKT_ BUKAREST Wer auf Biervielfalt steht, schaut im Beer O’Clock vorbei. Gastronomen, CraftbierFans und Blogger. Jemand wie Razvan Costache. Der 31-Jährige ist Marketing-­ Direktor eines internationalen SoftwareUnternehmens und schreibt in seinem Blog „Universitatea de Bere“ über internationale und regionale Biere sowie Entwicklungen der Branche. Erst kürzlich hat er sich mit der gesellschaftlichen Seite des rumänischen Craftbiers beschäftigt, mit dem Fazit, dass sich das nur wenige leisten können. Kein Wunder: Laut Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, liegt die Armutsgefährdungsquote (Stand 2015) im EU-Vergleich mit 25,4 Prozent am höchsten. Und das trotz vieler positiver Entwicklungen in den vergangenen Jahren und der Tatsache, dass Rumänien unter den Top Ten der europäischen Städte ist, wenn es um den günstigsten Bierpreis geht (GoEuro Beer Price Index).

← Razvan Costache,

Bier-Blogger ↓Bis 2010 eine typische

Kneipe in der Innenstadt, heute angesagter CraftbierSchuppen: das Beer oʻ Clock

Sinnsuche in der Wüste Sektor 1, Brauerei Ground Zero. Am rostigen Tor sucht man die Klingel vergebens. Hallo-Rufe verhallen im Nichts, der Blick durch die Gitterstäbe zeigt durcheinandergewürfelte Paletten und Einweg-Fässer zwischen Obstbäumen und Gartenlaube.­ Und dahinter ein Wohnhaus. Wären da nicht Fässer und Paletten, käme wohl niemand auf die Idee, dass sich hier eine Brauerei befindet. Doch einen Anruf später öffnet Razvan Matache das Tor und fragt, warum wir nicht einfach reingekommen sind. Matache ist 35 Jahre, liebt Jogginghosen, hat weder Facebook noch ein Smartphone und braut seit 2015 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alin das Bier für die „Verrückten“. Er nennt sich den Künstler, seinen Bruder den Spieler. Das ist wortwörtlich zu nehmen. Denn Alin Matache ist professioneller PokerSpieler. Zum Zeitpunkt des Interviews soll Alin auf Sinnsuche in der mexikanischen Wüste gewesen sein, während der Bruder sich zuhause ums Bier kümmerte.

↑Nur Paletten und Fässer

deuten darauf hin, dass hier Bier gebraut wird. ←Jedoch sind die Biere von Razvan Matache und seiner Brauerei Ground Zero nicht zu unterschätzen – sie sind preisgekrönt.

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V IELLEICHT EIN VERRÜCKTES KAKTUSBIER 

Ground Zero

Die Geschäfte jedenfalls laufen, der Ausstoß wurde innerhalb des ersten Jahres verdoppelt. Am ersten Craft Beer Festival in Bukarest im Herbst 2016 wurde Ground Zero zur besten Brauerei gewählt, auch Rate Beer gab ihnen den Titel und ihr IPA Morning Glory wurde schon 2015 bestes neues Bier des Jahres. Fast jede neue CraftbierBrauerei des Landes (2016 gab es acht Neugründungen) ging oder geht bei den Brüdern ein und aus, lässt sich einweisen in die Kunst des Brauens. Auch die Hop Hooligans kreierten ihren ersten Sud bei den Freunden von Ground Zero. Jeder kennt jeden. Wie fast immer am Anfang einer Bewegung. Blogger Razvan Costache meint, die nächsten drei Jahre werden die Brauereien auf der Landkarte nur so aufploppen, in fünf Jahren erreiche der Boom seinen Höhepunkt. Die Hop Hooligans wollen da längst international erfolgreich sein. Ground Zero hat dann vielleicht ein „verrücktes Kaktusbier“ am Markt. Für diejenigen, die es sich leisten können, wird Craftbier in Rumänien noch einige Überraschungen bereithalten. Für die anderen bleibt es beim klassischen Lager. Prioritäten setzen.  – No. 03-2017

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CHECK-IN HAMBURG

Auszüge aus dem Tagebuch des Chefredakteurs Dirk Omlor.

ICH BIN ZUR SEE GEFAHREN! HABE MICH AUF EIN RIESIGES KREUZFAHRTSCHIFF GETRAUT. DIE HATTEN EINE BRAUEREI AN BORD. UND JEDE MENGE BIER. IM BRAUHAUS IST JEDEN TAG HALLIGALLI UND DER FRÜHSCHOPPEN IST LEGENDÄR. AUF DEM SCHIFF KANN MAN ECHT WAS ERLEBEN. RÜSTIGE RENTNER ZAPFEN UM DIE WETTE, ES GIBT SCHARFE WURST, TEUFELSSCHNAPS UND TODES-STEAKS. ICH HABE ALLES GETESTET UND DAS RÄTSEL DER VERSCHWUNDENEN PASSAGIERE GELÖST. 58



No. 03-2017


DIE VERANDA

SCHARFE WURST

HAUS FRÜHSCHOPPEN IM BRAU

MEINE KABINE

RUNDE RITTERTAFEL

NG RETTUNGSÜBU

ALLE TOT

KEINE KUNST

HOCHHAUS AU F SEE

DAS MÖRDER-STEAK

LANDGANG : ENDLICH

TABASCO

KABIN ENGÄNGE

TEUFELS-SCHNAPS

CURRYWURST AN BORD

RUHE

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DIRK'S_ DIARY

6. FEBRUAR, MONTAG 9:36 Uhr. Bin auf eines von fünf

Aida-Kreuzfahrtschiffen eingeladen. Alle mit einer Brauerei an Bord. Schiff und Reiseroute noch offen.

9:38 Uhr. Habe spontan zugesagt. War noch

Das Schiff wird durchsucht. Bevor nicht jeder bei der Übung ist, wird nicht ausgelaufen.

16:53 Uhr. Noch immer fehlen einige Passa-

giere. Also entweder die sind tot, was mich bei dem Altersdurchschnitt hier an Bord nicht wunder n würde, oder sie haben das Schiff bereits in Panik wieder verlassen.

nie auf Kreuzfahrt. Freue mich auf Karibik oder Kanaren. Egal, Hauptsache warm.

17:05 Uhr. Ende der Übung. Die verschwun-

... EINE WOCHE SPÄTER

18:03 Uhr. Leinen los! Sail away von Enya

11:23 Uhr. Es geht auf die Aida Prima.

Das neuste und größte Schiff der Flotte. An Bord gibt es neben den selbstgebrauten und den Radeberger-Bieren auch das Sortiment von Braufactum. Meine Luxus-­Kabine hat eine Veranda. Termin und Reiseroute? Noch immer offen.

15:11 Uhr. Von wegen Karibik, von wegen

Kanaren. Es geht auf den Ärmelkanal. Von Hamburg nach England, dann nach Frankreich. In Belgien will ich vorzeitig von Bord. Am 4. März geht’s los. Liebes Tagebuch, es fällt mir schwer, begeistert zu klingen.

4. MÄRZ, SAMSTAG

13:12 Uhr. Hamburg. Stehe vor dem

riesigen Schiff. 4.300 Passagiere, über 900 Mann Besatzung. 18 Stockwerke.

13:16 Uhr. Gehe an Bord. Direkt am Eingang zapft Braumeister Jens für die Neuankömm­ linge frisches Zwickel. Herrlich, das zischt.

13:22 Uhr. Jens zapft mir noch eins.

Mit ihm werde ich die nächsten Tage im Hövels-Brauhaus sein.

13:25 Uhr.

Habe die Currywurst-Bude „Scharf e Ecke“ entdeckt.

dröhnt über die Lautsprecher. Hunderte stehen an Land und winken. Gleich geht’s ins Brauhaus. Ich bin dort mit Jens zum Bier verabredet. La Paloma ohe!

5. MÄRZ , 1. SEETAG

9:02 Uhr. Gerade die Spülung betätigt.

„Vakuum-Toilette“ steht an der Wand. Höllenschlund wäre passender. Mit enormem Getöse wird abgesaut. Ein Luftzug zischt mir durchs Haar. Zum Glück stehe ich daneben. Liebes ­Tagebuch, ich glaube, ich habe soeben das Rätsel der verschwundenen Passagiere gelöst.

9:10 Uhr. Kann mich in der engen Dusche kaum einseifen oder bücken. Abtrocknen noch schwieriger. Nach dieser Reise kann ich beim Circus Roncalli anfangen. Als Schlangenmensch.

9:35 Uhr.

Frühstück im Brauhaus. Es duftet nach Malz und Würze. Der Gastraum ist gut gefüllt. Jens steht am Sudkessel, ich am Buffet.

13:57 Uhr. Wir sind inzwischen auf hoher See, das Schiff schwankt. Ich auch. Habe vollkommen das Gefühl für Raum und Zeit verloren. Seemanns Braut ist die See...

22:38 Uhr. Mittagsschlaf, Abendessen im

Brauhaus, Show im Theater, dann ins Varieté, danach zur Kunstauktion. Hier ist immer was los. Jetzt noch einen Absacker. Mein Barnachbar lädt mich zu einem Hellfire ein. Sieht aus wie Wodka mit Grenadine-Sirup am Boden. Warum aber der Name Hellfire?

22:39 Uhr. Mit einem „du wirst morgen

irgendwann an mich denken“, stößt er mit mir an und grinst. Wir kippen das Zeug in einem Zug.

22:40 Uhr. Leck mich, ist das scharf. Mein

Hals brennt, die Augen tränen. Es war Wodka, aber es war kein Grenadine-Sirup. Es war ­Tabasco. Jede Menge Tabasco. Alles brennt und ich schütte Bier hinterher. Wer zum Teufel setzt ein solches Getränk auf die Karte?

6. MÄRZ, MONTAG

8:06 Uhr. Was für eine Nacht. Konnte kaum

8:17 Uhr. Musste gerade schmerzlich an ­

lange Schlangen gebildet.

11:30 Uhr. Eine blonde Frau in weißer

13:52 Uhr. Lange Gänge, niedrige Decken,

11:38 Uhr. Beinahe alle 350 Sitzplätze ­

13:53 Uhr. Liebes Tagebuch, darf man einen so winzigen Balkon Veranda nennen?

sind belegt. 80 Händl drehen am Grill, Weißwürste am Buffet. Animateur Richard gibt Klatsch-Kommandos und ruft „Morgens ein Bier und der Tag gehört dir“. Aus den Lautsprechern dröhnt Wolfgang Petry, die Menge brüllt „Hölle, Hölle, Hölle“. Brauche jetzt dringend Bier.

16:15 Uhr. Seenot-Rettungsübung. Ich ziehe

11:54 Uhr. Das Brauhaus ist rappelvoll. ­

16:47 Uhr. Noch immer werden einige

12:17 Uhr. Fassanstich auf der Bühne.



Flüchte mit Jens in den Brau­ keller. Dort ist Ruhe. Jens zwickelt uns Bier.

11:25 Uhr. Vor den Eingängen haben sich

13:34 Uhr.

Namen durchgerufen. Passagiere, die noch nicht zur Übung angetreten sind.

13:14 Uhr.

die Tische werden neu eingedeckt.

10:03 Uhr. Das Brauhaus wird geschlossen,

­ niform gibt das Startzeichen. Vom Band U ­Maria und Margot Hellwig mit „Servus, ­ grüezi und hallo“. Die Gäste strömen herein.

meine Schwimmweste an und gehe zum ­Sammelplatz. Überall orangef arbene Rettungswesten. Jeder wird gescannt.

durch den Saal. „Viva Colonia“, die Leute tanzen auf den Tischen. Brauche mehr Bier, dringend, bitte.

schlafen. Raue See. Wurde im Bett hin und her geschaukelt. Trotz Schiffs-Stabilisatoren. Jetzt ist Ruhe. Wir liegen im Hafen von ­Southampton, England.

Musste die scharfe Soße mit n löschen. Zwickel ­ eiteren w Kabine 10141. Mein Koffer ist bereits da. Auf dem Tisch Pralinen und eine Flasche Champagner. Daneben zwei Gläser. Kommt noch jemand?

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denen Passagiere bleiben ein Rätsel.

12:46 Uhr. Richard führt eine Polonaise

„Die Hände zum Himmel“ und „ein Stern, der Deinen Namen trägt“ schallt es durch den Raum. Bitte mehr Bier. Jens schenkt Freibier aus. Die Menge tobt.

den Barnachbarn denken. Hellfire, Höllenschlund, frage nicht!

16:02 Uhr. Landausflug. Historisches

Winchester und Kathedrale. Dann Ritter der Tafelrunde. Straffes Programm. Sitze in einem schönen Pub. In einer halben Stunde fährt der Bus. Das reicht locker für ein zweites Bier. Cheerio, Miss Sophie!

18:45 Uhr. Wieder an Bord. Habe im Bus

gehört, dass die Titanic genau hier in Southampton ihre tragische Reise antrat. Wir liegen am Landeplatz gegenüber. Vielen Dank, liebe Reiseleitung, für diese Information. Werde heute Nacht mit Schwimmweste schlafen.

20:00 Uhr. Bin mit einem Manager der

Aida zum Essen verabredet. Er lädt mich ins Buffalo Steak House ein.

20:13 Uhr. Ich bestelle ein T-Bone-Steak „Tim Mälzer Cut“, 800 Gramm.

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20:37 Uhr. Ein riesiges Steak liegt vor

mir. Geschnitten in mundgerechte Teile. Ist das der Tim Mälzer Cut?

20:38 Uhr. Das Fleisch ist eher kernig.

Ich kaue und kaue und kaue. Habe offenbar eine Sehne erwischt. Ich schlucke den ­Brocken – ganz.

20:38:3 0 Uhr. Hilfe, er steckt fest. Tränen

schießen mir in die Augen. Die Brille habe ich auf den Tisch geworfen, bin aufgesprungen und röchele wie Darth Vader im End­ stadium. Knallroter Kopf, ich bekomme keine Luft mehr. Ich schlage mir mehrmals mit der Faust auf die Brust. Mit der anderen Hand deute ich auf meinen Rücken. Das gesamte Lokal ist verstummt, alle schauen nur.

20:39 Uhr. Kindheitserinnerungen: Ich hatte ein viel zu großes Bonbon verschluckt. ­ Unter großen Schmerzen glitt es die Speise­ röhre hinab. Der Fleischbrocken ist ­größer, länger und von Gleiten kann absolut ­keine Rede sein. Ich würge und würge und ­quetsche ihn in Zeitlupe Richtung Magen. Es tut höllisch weh. Ich bekomme langsam wieder Luft, kann endlich husten.

20:40 Uhr. „Haben sie sich verschluckt?“,

fragt mein Gastgeber und isst dabei genüsslich sein butterweiches Bison-Filet. „Nein, ich esse mein Steak immer so“, will ich ihm antworten, doch ich bekomme keinen Ton raus und huste weiter.

23:57 Uhr. Sitze in einer Bar mit lange Theke. Ich bin der einzige Gast. Genieße einen ganz hervorragenden Rum. Trinke darauf, das Steak überlebt zu haben. Die Stimmung und der Barkeeper erinner n mich an den Horrorfilm Shining.

7. MÄRZ, DIENSTAG

Auch bei mir kommt nur Schaum. Ich zucke gekonnt mit den Schultern.

13:12 Uhr. Ein rüstiger Mittachtziger

samt Rollator kommt dazu. Er öffnet den Zapfhahn und lässt jede Menge Bier in den Ausguss laufen. Dann hält er sein Glas in den gelben Strahl und füllt es in einem Zug. Er nickt, hebt sein volles Glas und sagt: „Aida Vielfahrer“. Liebes Tagebuch, ich breche zusammen.

8. MÄRZ, ABREISE

9:33 Uhr. Gehe von Bord. Schiebe mei-

nen Koffer durchs Schiff. Ich werde immer wieder angesprochen, warum ich die Reise vorzeitig beende. „Ich habe gestern Abend im Casino mein ganzes Geld verspielt“, sage ich zuerst. „Man sollte den Koch im Rossini nicht kritisieren“, fällt mir jemand hat ion Zapfstat An der als Nächstes ein. Den größten Spaß habe bereits drei Gläser Schaum gezapft und wirkt ich aber, als ich im voll besetzten Aufzug erzähle, ich hätte einen hochansteckenverzweifelt. Durch hektisches Auf und Zu Schaum Menge jede er hat ns den Magen-Darm-Virus und müsse nun des Zapfhah vorzeitig das Schiff verlassen. produziert. Ich biete ihm meine Hilfe an. Liebes Tagebuch, die Gesichter hättest du Fachmännisch halte ich das Glas sehen sollen. La Paloma, ade! schräg unter den Hahn und öffne ihn ganz.

13:09 Uhr.

Mittagessen im Selbstbedienungsrestaurant. Hier gibt es Berliner Pilsener. Man muss es allerdings selbst zapfen. Auf Matrosen ohe!

13:10 Uhr.

13:11 Uhr.

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MARKT_GASTRONOMIE

NEW GENERATION Im Container, mit Alpenblick oder an der Weser – drei Gastro-Adressen, die neue Wege gehen.

FOTOS: SEREN DAL

Text: BENJAMIN BROUËR, LISA LUGINGER

↑ Wer hätte gedacht, dass Baucontainer­ ein so stimmungsvolles Ambiente ­hergeben können? ← Tür an Tür zur Gastronomie befindet sich das 20 hl-Sudhaus. ­ rauKon-Anlage werden alle Auf der B ­ RLO-Stammsorten gebraut. fünf B 62



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← Wegweisendes, mobiles Zuhause aus 38 Überseecontainern → Bar-Platz mit Blick auf das Sudhaus ↘ Die innovative Brauhausküche setzt auf Gemüse als Star.

BRLO BRWHOUSE, BERLIN: BIER-CONTAINER Jetzt ein frisches IPA. Und dazu natürlich gebrannte Möhren, violette Urkarotte, fermentierte Minimöhren, grünen Karottensud und Sauerklee. Moment mal. Wer das neue „BRLO Brwhouse“ am Berliner Gleisdreieck ansteuert, muss sich auf allerlei Überraschungen einstellen. Und die beginnen schon vor der Tür. BRLO, die junge Berliner Craftbiermarke mit namentlichem Bezug auf die alt-slawische Bezeichnung für Berlin, hat sich samt 20 hl-Brauanlage von BrauKon und der eigenen Gastronomie in 38 gebrauchten Überseecontainern heimisch eingerichtet. Vorübergehend zumindest, denn was die Architekten von Graft hier erschaffen haben, gewinnt seinen Reiz nicht nur durch das innovative Design, sondern auch durch die Tatsache, dass das BRLO-Zuhause mobil ist. In ein paar Jahren wird es bereits an einer anderen Stelle zu finden sein. Neue Wege wollen die drei BRLO-Gründer Katharina Kurz, Christian Laase und Braumeister Michael Lembke auch kulinarisch betreten. „Wir wollen Bier und Foodpairing auf ein neues Level bringen und unsere ganz eigene Interpretation von Brauhausküche zeigen“, scheuen sie sich nicht, die Latte hoch zu hängen. Mit Ben Pommer, der Erfahrungen von Sterneküche bis Streetfood-Markt mitbringt, haben sie den idealen Küchenchef an Bord geholt. Und der macht einiges anders. Zum Beispiel klaut er dem Fleisch den Brauhaus-Stammplatz und setzt es auf die Reservebank. Neuer Star in der Küche ist stattdessen das Gemüse – fermentiert, eingelegt, ge­No. 03-2017

smoked, auf Salz oder in Salzkruste gegart und zu großen Teilen vor Ort in Europas erstem Vertical Farming Container herangezogen. Auf der Karte erscheint es etwa als im Ganzen gegarter Blumenkohl, oder als Sellerie aus dem Smoker. Auf Basis eines favorisierten Gemüses wählt der Gast dann eine Beilage – von weißer Zwiebelcreme bis Kartoffelpüree mit fermentiertem Knoblauch – sowie ein Topping, darunter „German Kimchi“. Und wer wirklich nicht ohne kann, bestellt sich on top butterzarte Ribs, Beef Brisket oder Dry Aged Schweinebauch. Noch mehr Spaß macht das Ganze in Form von Sharing Plates, bei denen die Gäste unterschiedliche Gerichte kombinieren und teilen können. Große Fenster hinter der Bar mit den zwanzig Zapfhähnen geben den Blick frei auf das Herzstück des Baus, die 20-hl-­ Brauanlage. Hier werden alle derzeit fünf Stammsorten gebraut, die natürlich auch bei Ben Pommer in der Küche zum Einsatz kommen beziehungsweise aromatische Leitplanken für die Speisen liefern. Den perfekten Einstieg liefert das BRLO Tasting Board (5 x 0,15 l für 8 €), auf Wunsch mit kleinem Foodpairing. Den hyper-urbanen Ansatz unterstützt das Design, das auf zwei Ebenen Modernität und Klarheit mit Gemütlichkeit an massiven Holztischen kombiniert. Wer Klischees und Biertradi­ tion sucht, ist hier an der falschen Stelle. Wer’s kosmopolitisch mag und bereit ist, Konventionen mit einem ordentlichen Schluck Bier herunterzuspülen, ist im „BRLO Brwhouse“ jedoch goldrichtig. –

INFO 20 Biere vom Fass Ca. 40 Flaschen-/Dosenbiere Frische Gemüseküche mit Toppings, auf Wunsch mit Fleisch 30 Plätze innen, 350 im Biergarten Bier: 3 € (0,3 l BRLO Helles) bis 9,80 € (0,33 Lemke Imperial Stout), Menü für 1 Person (Gemüse, Beilagen, Topping): 15 € Di-Fr ab 17 Uhr und Sa/So ab 12 Uhr Schöneberger Straße 16 10963 Berlin (U-Bhf. Gleisdreieck) Tel.: 0151 74374235 www.brlo-brwhouse.de 63


MARKT_GASTRONOMIE

BIEROL TAPROOM & RESTAURANT, SCHWOICH, ÖSTERREICH: TIROLER HEIMATFILM 2.0 Irgendwie ist es hier wie im Film, im kitschigsten Tiroler Heimatfilm. Mit all den Bergblumen und Wiesen, den schneebedeckten Gipfeln und Kuhglocken. Irgendwie fehlt nur noch der Almöhi. Doch den wird man hier nicht finden. Denn im „Bierol Taproom & Restaurant“ geht es alles andere als altmodisch zu. Im ehemaligen Bauernhof in Schwoich bei Kufstein, nahe der deutsch-österreichischen Grenze, hat ein gastronomisches Konzept eröffnet, das doch recht untypisch für das klischeebehaftete Tirol ist. Kein traditionelles, österreichisches Märzen, keine typische Pressknödelsuppn, kein klassischer Kaiserschmarrn kommt hier auf den Tisch. Caroline Bichler und ihr Team zeigen eine neue Art von Bier- und Speisenkultur. Den Fokus immer auf Fortschritt gerichtet.

Eines gleich vorweg. Die Bezeichnung „Taproom“ wird dieser Gastronomie nicht gerecht. Hier gibt es nicht nur darum, im kleinen Rahmen Biere zu probieren und dazu ein paar nette Snacks zu reichen. Nein, mit Thomas Moser hat ein junger Küchenchef das kulinarische Zepter in der Hand, dessen Leidenschaft weit über Perfektionismus in Form von fein geformten Mousse-Tupfen hinausgeht. Der 27-Jährige hat in seiner Lehrzeit bei Fernsehkoch Alexander Fankhauser und als Sous-Chef im Zwei-Hauben-Restaurant „Sigwarts Tiroler Weinstuben“ einiges mitnehmen können und bringt dies nun, frisch interpretiert, auf die Teller. Dessen Brillanz mag – wie so oft in der Kreativküche – nicht immer gleich beim ersten Blick auf die Speisekarte deutlich sein. Roastbeef mit Linsensalat und Senfcreme, Hüferschwanzerl mit Kartoffelpüree und Klettenwurzel oder Bananen­-

↑ Christoph Bichler setzt mit Bierol neue Bierakzente in Tirol. ← Früher Bauernhof, heute progressives Restaurant mit Bier-Schwerpunkt ↗ Vom kupfernen Braukessel bietet sich ein Ausblick wie im Heimatfilm. ↗↗ Auf Hütt’nGemütlichkeit muss nicht verzichtet werden.

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INFO split 2.0: Spätestens aber, wenn das Gericht angerichtet vor einem steht und dann endlich auf die Zunge kommt, gibt es den AhaEffekt. Und das nicht nur, weil im Küchen­ radio gar kein Hansi Hinterseer läuft. Das dazu servierte Bier nimmt eine mindestens ebenbürtige Rolle ein, was bereits der Name zeigt: Bierol. Nein, hat nichts mit Aperol zu tun. Kommt von Bier und Tirol. Carolines Bruder Christoph hat die CraftBrauerei 2014 mit seinen Freunden Maximilian Karner und Marko Nikolic gegründet. Seitdem brauen die drei Mittzwanziger hopfenbetonte Hämmer und progressive Porter mit Namen wie „The Padawan“, „El Presidente“ und „Going Hazelnuts“. Bereits beim Besuch ihres ersten CraftbierFestivals in Wien wurde das „Mountain Pale Ale“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, erst kürzlich kürte die UntappdCommunity die Brauerei zur „highest rated brewery in Austria“. Experimentieren steht für Christoph Bichler weit über dem genormten Tagesablauf, Kreativität ist für ihn

mehr als eine Marketing-Floskel. Wer sonst braut in Tirol eine Fruited India Gose oder ein New England IPA, schon lange bevor es zum Trend wird? Langeweile auf der Taplist kommt jedenfalls nicht auf. Und das muss der 27-Jährige auf den Kulinarien, Verkostungen und Brauereiführungen dann doch das ein oder andere Mal für den Tiroler Märzen-Trinker näher ausführen. Das Klassischste aus dem Bierol-Sortiment ist sicherlich das „Zrugg zu de Ruam“, ein Kellerbier als Hommage an die Zeit, als die kupfernen Kessel vor der lichtdurchfluteten Fensterfront noch für Christophs Vater Peter Bichler liefen. Der hat nämlich den Bauernhof 2004 überhaupt erst zur Brauerei mit Restaurant umgebaut, damals unter dem Namen Stöfflbräu ganz traditionell tirolerisch. Heute widmet er sich wieder voll seiner Stöfflhütte auf der nahe gelegenen Walleralm am Wilden Kaiser und hat sein Erbe an die nächste Generation weitergegeben. Und die packt’s auf ihre Weise an. In ihrer Zeit. Eben ganz 2.0.  –

9 Fassbiere (von Bierol und befreundeten Brauereien) Rund 10 exklusive Flaschenbiere

Junge, kreative Küche

50 innen, 50 außen Bier: 0,3 l ab 2,90 €, Speisen: Vorspeisen ab 6 €, Hauptspeisen ab 15 €, Desserts ab 7 € Do & Fr 17-00 Uhr, Sa & So: 11-00 Uhr Sonnendorf 27 6334 Schwoich, Tirol Tel.: +43 660 5490045 www.bierol.at

Bierbotschafter (IHK) Im Zertifikatslehrgang Bierbotschafter (IHK) lernen Sie alles, was Sie brauchen, um Biergenuss zum Erlebnis zu machen, professionelle Verkostungen durchzuführen und dafür eine angemessene Atmosphäre zu schaffen. Anmeldung und weitere Informationen unter: www.gbz-koblenz.de und www.bierbotschafter-ihk.info oder 0261 30489-31

Quelle: 99ideas

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Gastronomisches Bildungszentrum Koblenz e.V., Hohenfelder Str. 12, 56068 Koblenz

TERMINE 2017 Brauerei zur Malzmühle Köln 8. – 13. Mai 2017 Deutsche Wein- und Sommelierschule Berlin 29. Mai – 3. Juni 2017 Deutsche Wein- und Sommelierschule Hamburg 14. – 19. August 2017 Bayerisches Brauerei- und Bäckereimuseum Kulmbach 23. – 28. Oktober 2017 Gastronomisches Bildungszentrum Koblenz 13. – 18. November 2017


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TWOBEERS, BREMEN: FAMILIENSACHE „In Bremen passieren viele Sachen zwei, drei Jahre später – oder sie passieren gar nicht“, weiß Tobias Grebhan über seine Heimatstadt zu berichten. Insofern ist das, was er gemeinsam mit seiner Schwester Anja Mitte Januar in der Feldstraße im „Viertel“, der kulturellen und gastronomischen Hochburg der Stadt, an den Start gebracht hat, mehr als progressiv zu nennen. Keine reine Trinkstätte wollten sie den Bremern bescheren, sondern einen Ort, wo man zu handwerklichem Bier aromatisch abgestimmte Speisen genießen kann. Gehobene, kreative Pub-Küche, wie sie in den USA vielerorts angeboten wird. Eine Kombination, der viele Gastro-Kenner noch große Chancen einräumen, die jedoch hierzulande bislang von kaum jemandem in die Tat umgesetzt wird. Zumindest nicht

in der charmant-lockeren Art, wie man es nun im „TwoBeers“ erleben kann. Ob großer oder kleiner Hunger, ob dünne oder dicke Brieftasche – für jeden ist in der etwa monatlich wechselnden Speisekarte etwas dabei. Die Range reicht von Brotstangen mit Bier-Käse-Sauce zum munteren Dippen (6,90 €) über Chorizo in RotweinRosmarinsud (7,90 €) bis hin zu Lammchops auf Biersauce mit lila Kartoffeln und Grillgemüse (19,90 €). Das passende Bier hält entweder bereits in der Küche Einzug in die Rezeptur oder wird als flüssiger Begleiter fachkundig empfohlen. Die geschmackliche Bandbreite ist angesichts über 40 verschiedener Flaschenbiere und einer Handvoll wechselnder eigener Grebhans-Biere enorm.

Und dieses Grebhans-Bier ist noch einmal eine eigene Story für sich. Tobias Grebhan arbeitete nach seinem Psychologie-Studidum lange Zeit in der Psychiatrie und der Forensik. Aber wie das nun einmal mit Äpfeln und Stämmen ist – das familiäre Erbe brach sich irgendwann Bahn, genauer gesagt vor gut acht Jahren, als er in der Küche erste Bierversuche startete. Neugierig beäugt wurde er dabei von Vater Nordfried Grebhan, der sein Leben lang als Brauer tätig war, mehr als 40 Jahre bei einer großen Bremer Brauerei, unter anderem als Braumeister und Produktionsleiter. Erste Einschätzung damals: Das könnte etwas werden mit dem Sohn. Es folgte die väterliche Intensivausbildung und damit das Fundament für „Grebhans Bierhandwerk“. Unter diesem Namen braut Tobias

INFO 5 Fassbiere (4 eigene und ein Gasthahn) Rund 40 Flaschenbiere, inkl. wechselnder Specials Gehobene, kreative Pub-Küche

FOTOS: BENJAMIN BROUËR

35 innen, 35 außen Bier: 0,2 l ab 2,80 € (Grebhans Hallertauer Smash), Speisen: Snacks 3,90-8,90 €, Vorspeisen 5,90-10,90 €, Hauptspeisen 10,90-20,90 € Mo-Sa ab 17.30 Uhr Feldstraße 19 28203 Bremen Tel.: 0421 69597547 www.two-beers.de

↖ Schwester und Bruder, Restaurantchefin und Brauer, Anja und Tobias Grebhan ← Übersichtlich, aber abwechslungsreich: das Fassbierangebot im „TwoBeers“ ↗ Die Bierkarte liefert kurze, prägnante Beschreibungen zu den Spezialitäten → Ambiente zwischen Pub und Restaurant 66



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heute in einer Lagerhalle etwas außer­ halb des Stadtgebietes seine Biere, rund 25 Hektoliter monatlich. Innerhalb eines Jahres möchte er seinen Ausstoß in etwa verdreifachen – 1.000 Hektoliter jährlich lautet das gesteckte Ziel. Das „TwoBeers“ kann insofern auch als strategischer Schritt gesehen werden. Denn auch wenn es in der Stadt bereits die eine oder andere Bar gibt, in der die Grebhans-Biere zum Ausschank kommen – ein gastronomisches Aushängeschild fehlte bislang. Eines, in dem Tobias Grebhan nicht nur seinen Standards wie dem dunklen Bremer Landbier, dem (Double) IPA „Hopfenwolf“, der „Roggen-Hexe“ oder dem „Gevatter Stout“ eine Bühne geben kann, son­dern auch seinen vielen, limitierten

Kreativsuden. Um die gastronomische Umsetzung und Einbettung kümmert sich Schwester Anja Grebhan, die lange Zeit in der Gastronomie jobbte und, wie sie sagt, „einen Hang zu gutem Essen“ hat. Klein und individuell – genau wie die Biere – sollte das Restaurant werden, und hochwertig! Die Leitfarben Schwarz und Gold, in Kombination mit Holz und Fliesen, schaffen eine gemütliche Mischung aus Pubund Restaurant-Atmosphäre, in der sich ein munter gemischtes Publikum von 20 bis 75 Jahren wohl fühlt. Noch befindet sich das Team in der Startphase, doch die Geschwister haben bereits weitere Pläne. Bald soll es wöchentlich einen „kalten Abend“ mit Brotzeit geben, außerdem Biercocktails, Tastings und weitere Veran staltungen. –

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Endlich wieder da! So zünftig wie ein bayerisches Helles, so besonders wie ein Meckatzer: Meckatzer Hell wird aus feinsten heimischen Rohstoffen meisterhaft eingebraut – für einen einzigartig süffig-runden Geschmack und eine Frische, die Lust auf mehr macht.

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67 Meckatzer_RZ AZ_16-02.indd 1

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MARKEN_ SCHNORRES

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m November trägt Martin Leister Schnurrbart. Aus Überzeugung. Seine Kumpel übrigens auch. Und wenn die Jungs gefragt werden, was das soll, dann erzählen sie. Von Prostata- und Hodenkrebs. Und dass „Mann“ sich kümmern muss, zu Vorsorgeuntersuchungen gehen sollte beispielsweise. Sie erzählen von der Movember Foundation, einer Initia­ tive aus Australien, die sich für Männergesundheit stark macht und hierzulande vor allem im Eishockey-Sport bekannt ist. Der Schnurrbart war es schließlich auch, der Martin Leister und seinen Freund Christoph Przugoda dazu inspirierte, ihrem Bier den Namen „Schnorres“ zu geben. So nämlich nennen die Pfälzer den Oberlippenbart.

BIER AUS DER WORSCHTKÜCH‘ Ein Lehrer, der braut. Ein Ingenieur, der sich um die Zahlen kümmert. Und ein Schnurrbart auf den Etiketten, der auch sagt: Männer, bleibt gesund! Martin Leister und Christoph Przugoda sind die Köpfe der pfälzischen Braumanufaktur „Schnorres“. In einer alten Dorf-Metzgerei sind die Gypsy-Brauer jetzt sesshaft geworden. Ihre Biere sind in der Region gefragt. Im große Stil zu brauen, kommt aber nicht in Frage. Text: MARIKA SCHILLER Fotos: RALF ZIEGLER (ADLUMINA)

Martin und Christoph kommen aus der Pfalz, sind hier aufgewachsen und so verwurzelt, dass sie nach dem Studium in Karlsruhe wieder zurückgekommen sind. In eine Gegend, wo junge Leute eher wegziehen. Wo es viel Wald, aber wenig reizvolle Jobs gibt, wo Läden eher schließen als eröffnen. Wo die Ortschaften wegen der vielen Leerstände „löchrig“ sind. Martin lächelt das alles weg. Seine Augen leuchten, wenn er redet. Wenn er davon erzählt, was er noch alles vorhat. Von seinem Bier und der Brauerei, die gerade in den alten Metzgerladen in der Hauptstraße von Mehlingen gezogen ist. Martin fokussiert sich nicht auf den Mangel oder das, was fehlt. Er sieht das Potenzial, den Raum, in dem er sich ausbreiten kann. Dass die Leute in dem kleinen Ort jetzt tuscheln und sagen: „Do, in de alt Worschtküch‘, brauen se jetzt Bier!“ (Da, in der alten Wurstküche, brauen sie jetzt Bier!), das freut ihn. Das spornt ihn an. Klar, will er gutes Bier brauen, vor allem jetzt, in der eigenen Brauerei. Aber es soll Bier für die Menschen in der Region sein, auch für die Leute in Mehlingen. Er sagt: „Wir brauen Bier für die Pfalz.“ Verschiedene Gastronomen der Umgebung haben Schnorres-Bier am Hahn und gut 20 Shops führen die Flaschenbiere im Sortiment. Bei 1.500 Litern, die Martin und Christoph bislang jeden Monat gebraut haben, waren die Lager, Märzen, Pale Ales, IPAs und Weizen schnell vergriffen. Mit der neuen Braustätte wird sich das wohl nicht ändern, auch wenn die Menge etwas hochgefahren werden soll. Im großen Stil wird auch künftig nicht gebraut. Angefangen hat alles klassisch in der WGKüche. Und weil Martin und Christoph in Karlsruhe in einer ziemlich großen WG wohnten und ihnen das Helle auf Anhieb

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Donnerstags wird bei Schnorres gebraut. Wer mag, kann vorbeischauen und Martin Leister Ăźber die Schulter schauen.

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MARKEN_ SCHNORRES

Die Biere von Schnorres sind Biere für die Region. Gebraut werden sie in Handarbeit und kleinen Mengen.

gelungen war, hatten sie bald eine beachtliche Fangemeinde. Der angehende Lehrer und der Ingenieur hatten ein Händchen fürs Brauen. Ihr Bier schmeckte einfach. Und so versuchten sie sich in verschiedenen Rezepten, brauten manchmal Tag und Nacht. „Kaum waren 500 Liter gebraut, war das Bier schon alle“, sagt Martin. „Als wir später in unseren Jobs arbeiteten und parallel brauten, ging das gar nicht mehr.“

Donnersbergkreises als Segen erwiesen haben, passte keines so gut wie diese Metzgerei, die gerade ein Jahr leer stand. Hier lagen bereits alle notwendigen Anschlüsse, hier stimmten die hygienischen Bedingungen. Noch hängt zwar der Geruch von Fleisch und Wurst im Sudhaus, aber schon bald sollen Hopfen und Malz aus den Kesseln duften. Noch für Mai sind die ersten Sude geplant.

Also heuerten sie als Gypsy-Brauer an, erst in einer Brauerei in Frankenthal, dann im „Brauhaus am Markt“ in Kaiserslautern. Hier schaute Martin den Braumeistern genau zu, begleitete jeden Schritt, jeden Handgriff. Er wollte alles über das Handwerk lernen. „Ein ganzes Jahr war ich Praktikant“, sagt der 27-Jährige und lacht. Lacht auf seine typische, verschmitzte Art. Von der man sich aber nicht täuschen lassen sollte. Hinter den lächelnden Augen stehen Ernsthaftigkeit, Gewissenhaftigkeit und Verbindlichkeit. Was Martin sagt, meint er. Wenn er also sagt, er will Bier für die Region brauen, dann ist das kein leeres Geplapper oder eine Phrase, die Eindruck schinden soll. Das wissen auch seine Freunde. Und stehen deshalb hinter dem Projekt. Helfen bei Vertrieb und Vermarktung der Biere, springen schon mal ein, wenn es Martin nicht ganz pünktlich zum Tasting im Eiskeller schafft, weil es in der Schule länger geworden ist. Oder sie putzen die Sudkessel und Fliesen in der neuen Schnorres-Brauerei. Wenn es sein muss, mit der Zahnbürste.

40.000 Euro haben Martin und Christoph in die eigene Brauerei gesteckt. Über ihre Crowdfunding-Aktion konnten sie inner­ halb von gut zwei Monaten 5.000 Euro sammeln. „Dieser Erfolg war für uns das Signal,

Martin ist glücklich, die alte Metzgerei in Mehlingen gefunden zu haben. Auch ­wenn sie einige Objekte zur Auswahl gehabt und sich für sie die „löchrigen“ Dörfer des 70



INFO Ein ausrangiertes Feuerwehrauto aus den 1970er-Jahren haben die Schnorres-Jungs mit einer Zapfanlage ausgestattet und zum Ausschankwagen umfunktioniert. Mit einer Kapazität von 1.000 Litern kann es für Feste gebucht werden. Auf Facebook und der Internetseite der Brauerei werden die Termine für Events im Eiskeller bekanntgegeben: www.schnorres.net Donnerstags wird bei Schnorres gebraut. Dann ist die Brauerei für Besucher offen. Jeder, der mag, kann Martin über die Schulter schauen, ihm Löcher in den Bauch fragen oder über Bier fachsimpeln. Im Taproom können die Biere probiert und gekauft werden. Die Adresse: Hauptstraße 28, 67678 Mehlingen.

unseren Traum umzusetzen“, sagt Martin. Die komplette Anlage konnten sie gebraucht von einer Brauerei kaufen, inklusive einiger Fässer. Nur eine Abfüllanlage fehlt. Martin schmunzelt. „Bei uns ist eben alles Handarbeit.“ Angelehnt an das Symbol der Movember Foundation, hat er das Logo, den prägnanten Schnauzer, selbst entworfen. Dieser findet sich auch auf den hölzernen Pfandkisten, die in den ZoarWerkstätten des evangelischen Diakoniewerks gebaut und via Brandstempel als Schnorres-Kisten gekennzeichnet werden. Bei den Events im Eiskeller der Brauerei dürfen Kunden das Logo mit einem Eisen sogar selbst auf das Holz brennen. Apropos Eiskeller. Martin und Christoph haben den naturbelassenen Steinkeller gepachtet, um dort bei optimalen Temperaturen ihre Biere zu lagern, einmal im Monat ihre Biere zu verkaufen oder Tastings zu veranstalten. Er befindet sich nahe Martins Heimatort Winnweiler mitten im Wald und gehört zu den Arbeiterwohnungen einer Gießerei von 1742. Dass die schwere Eisentür zum Keller zufällig auch ein kleiner Schnurrbart ziert, hält Martin für ein gutes Zeichen. Auch wenn künftig hier nur die Fassbiere von Schnorres lagern sollen, weil die Feuchtigkeit den Etiketten auf den Flaschen zusetzt, wird der Eiskeller Veranstaltungsort bleiben. „Die Atmosphäre ist einfach toll“, sagt Martin. No. 03-2017


Um den ehemaligen Verkaufsraum der Metzgerei indes zum Taproom umzugestalten, braucht es Zeit und viel Geschick. Die Kassettendecke aus den 80ern, die Edelstahltheke sollen raus und der ganze Raum mit großem Schaufenster zur Straße auf „Schnorres-Art“ getrimmt werden. „Rustikal“, sagt Martin, „vielleicht mit Holzpalletten oder so.“ Seine Kumpel haben da schon die eine oder andere Idee. Er selbst zerbricht sich darüber im Moment nicht den Kopf. Absolute Priorität hat für ihn die Brauerei. „Die muss zuerst laufen.“ 2000 Liter will Martin im Monat brauen, jeweils Doppelsude, immer zwei Sorten auf einmal. Die Kapazitäten sind da. Sechs Gärtanks á 1000 Liter stehen im Kühlhaus. Das erste Bier soll ein Lager sein. Und mit einem „Heide-Bier“ will Schnorres dann im Sommer seinen Einstand feiern und das ganze Dorf einladen. Das mit der Heide kommt nicht von ungefähr. Weil die Mehlinger allzu gerne zwischen den lila blühenden Sträuchern auf dem einstigen

Truppenübungsgelände spazieren gehen, soll das Bier auch eine nette Geste sein, ein Signal an die Bürger des Orts. „Wir wollen zeigen, dass wir uns freuen, hier zu sein“, sagt Martin. Und auch wenn dem Willkommensbier weitere spannende Sude folgen, will Martin Lehrer bleiben. So gerne er braut, so viel Spaß macht es ihm zu unterrichten. „Als Lehrer und als Ingenieur verdienen wir unser Geld, brauen können wir also ohne den Druck, damit unseren Unterhalt bestreiten zu müssen.“ Dass die Brauerei gleich im ersten Jahr, von März bis Dezember 2016, bei 8.000 Litern Bier 50.000 Euro Umsatz gebracht hat, findet er trotzdem beachtlich. Christoph ist der Mann für die Zahlen und bleibt lieber im Hintergrund. Martin ist Brauer und quirliger Frontmann. Er sagt: „Wenn ich sehe, wie den Leuten mein Bier schmeckt, wie sie auf das reagieren, was ich geschaffen habe, dann treibt mich das an. Das ist einfach ein schönes Gefühl.“ –

Ein historischer Eiskeller bietet optimale Lagerbedingungen für die Biere und ist ein genialer Ort für Events.


SPEZIAL _ BIERGÄRTEN

HISTORIE

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Die Legende kennt wohl beinahe jedes Schulkind in der Stadt: Im 19. Jahrhundert schenkten Münchner Brauer, die keine Schänke und damit auch nicht das erforderliche „Krugrecht“ hatten, heimlich ihre untergärigen Sude im kühlen Bierkeller aus. Erstmals im Jahre 1812 wurde dann der öffentliche Ausschank gesetzlich erlaubt. Scharen durstiger Bürger pilgerten zu den Kellern, um ihre Trinkbecher zu füllen. Um an heißen Tagen das Warten zu erleichtern, wurden unter schattigen Bäumen Bänke und Tische aufgestellt. Die Menschen brachten Speisen mit und tranken dazu ihr Bier. Von den ursprünglichen Kellerbiergärten sind noch drei erhalten geblieben: der Augustiner-Keller nahe des Hauptbahnhofes, der Paulaner Garten am Nockherberg sowie der Hofbräukeller am Max-Weber-Platz.

Der Münchner Michaeli­­garten liegt direkt am See des Ostparks.

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PURE IDYLLE Münchens Biergärten sind Orte der Lebensfreude, der Geselligkeit und des Genusses. Um die 1000 gibt es in der Stadt an der Isar und jeder pflegt seinen eigenen Charme. Sieben Biergärten haben wir aufgespürt. Garantiert unverwechselbar! Text: SVENJA DIETZ

Fotos: DANIEL REITER

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chweinshaxe, Leberkäs oder Grill­­ hendl, dazu frische Brezen und Bier aus schweren Maßkrügen – das ist bayerische Biergarten­ kultur. Kaum wärmt die Früh­ lingssonne, beginnt die Freiluft-Saison in München. Und in wohl kaum einer anderen Stadt der Welt wird die Lebensart rund ums Bier so gepflegt wie hier. Schließlich wurde sie in der Isar-Metropole einst er­ funden. Heute sind die rund 1000 Münche­ ner Biergärten in nahezu allen Stadtteilen Anziehungspunkte für Besucher aus aller Welt. Und jeder pflegt seinen eigenen Charme. Viele entwickelten sich zu Touris­ ten-Hotspots mit Volksfestatmosphäre. Während der Hirschgarten im Stadtteil Nymphenburg mit 8000 Sitzplätzen, der Chinesische Turm im Englischen Garten (7000 Plätze) oder der Paulaner Garten (3000 Plätze) an manchen Tagen den Mas­ senansturm durstiger Touristen kaum be­ wältigen können, gibt es in einigen Stadt­ teilen recht gesellige Oasen mit urigem Flair. Hier begegnet man durchaus einhei­ mischen Originalen, die unter Kastanien­ bäumen beim bayerischen Bier verweilen.

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SPEZIAL _ BIERGÄRTEN

Löwenbräu und Franziskaner Tegernseer Steckerlfisch, Spare Ribs mit Spezialsauce, Veganer Quinoasalat 2400 See-Idylle, Grillecke mit Liegestühlen Mo-Fr 11-22.30 Uhr, Sa + So 10-22.30 Uhr Feichtstraße 10, 81735 München Tel. 089 43552424 www.michaeligarten.de

MICHAELIGARTEN SEE-IDYLLE ZUM CHILLEN Im Osten von München besticht der Michaeli­­ garten im Ortsteil Ramersdorf durch seine idyllische Lage. Der gemütliche Biergarten liegt direkt am See des Ostparks und somit fernab des Großstadt-Getümmels. Touristen verirren sich nur selten. Bei einer erfri­schen­­­ den Maß Bier von Franziskaner oder Löwen­­ bräu, können Gäste die Enten, Schwäne oder Gänse beim Plantschen beobachten und

bei Sonnenuntergang dem Konzert der Frö­ sche lauschen. Die Speisekarte kombiniert Tradition und Moderne. Es werden sowohl deftige bayerische Speisen wie Schweine­ braten mit Knödel, Obatzda mit Rie­­ sen­ brezn oder Schnitzel mit Kartoffelsalat ange­ boten, aber auch überregionale Köstlichkeiten. Außerdem gibt es eine Grillecke mit Bar und Liegestühlen. Gebrut­­zelt wer­

den kann hier auf einem ja­­pan­ischen Roba­ ta-Grill – etwa Teriyaki-Pflaumen-Spieße oder in der Veggie-Variante mit Avo­­cado, Zucchini, Auberginen und R ­ o­te Beete. Dazu gibt es Dips, Superfood-Salate und TigerBaguette. Falls es regnet, können Gäste in die zünftige Schwem­­me, das Kaiser-Stüberl oder die Anna-Stubn des Michaeligartens ausweichen.

Spaten, Franziskaner und Becks Spanferkelrücken mit Triumphator-Biersauce, Biergulasch vom Weideochsen 600 Historisches Gemäuer, Picknickwagen, modern interpretierte bayerische Küche

SANKT EMMERAMSMÜHLE

Mo-Sa 11-01 Uhr, So 10-01 Uhr St. Emmeram 41 81925 München Tel. 089 953971 www.emmeramsmuehle.de

SCHMANKERL-ERLEBNIS AN DEN ISAR-AUEN Der Biergarten der St. Emmeramsmühle in Oberföhring zählt zu den schönsten und wahrscheinlich ältesten in München. Be­ reits im 14. Jahrhundert wurde die Location urkundlich erwähnt. Die alte Getreidemüh­ le liegt nahe der Isar an der einstigen Römerstraße, die vor rund zweitausend Jahren noch Augsburg mit den Salzstätten in Salzburg verbunden hat. Heute sitzen 74



Gäste hier am nordöstlichen Ende des Englischen Gartens unter haushohen Kas­ tanien, mit Blick auf grüne Wiesen, wo häu­ fig auch mal Schafe blöken. Man kann sich mit Hellem, Weißbier oder Pils von Franzis­ kaner, Spaten oder Becks erfrischen – egal, ob als Halbe oder Maß. Wer auf modern interpretiertes bayerisches Essen steht, ist in der Emmeramsmühle genau richtig.

Die Speisekarte heißt hier „Speisengau­ merie“ und bietet von klassischer Brotzeit über deftigen Biergulasch auch Spezia­li­täten vom Spanferkel. Wer eher Lust auf ein Picknick an der Isar hat, kann sich in der Gaststube einen fertiggepackten Roll­ wagen mit Decke, Sonnenschirm, bayeri­ schen Schmankerl und ausreichend Bier ausleihen. No. 03-2017


Löwenbräu und Franziskaner Gegrillte Makrelen, Rollbraten vom Grill 1500 Regelmäßige Live-Musik Mo-So 11-23 Uhr

HOPFENGARTEN AM WESTPARK

Siegenburger Straße 43 81373 München Tel. 089 7608846 www.hopfen-garten.de

BIERGENUSS IN LÄNDLICHER ATMOSPHÄRE Nach einem Spaziergang oder einer Fahr­ radtour durch den Westpark mit seinen zwei Seen und einem Rosengarten mit 20000 Ar­ ten, entspannen die Münchner gern im ro­ mantischen Hopfengarten. Der Biergarten befindet sich im östlichen Teil des Parks­ in unmittelbarer Nähe des „Audi Doms“. Eröffnet wurde er erst 1983 zur inter­na­­tio­nalen Gartenausstellung. Wer allerdings Hopfenranken erwartet, wird enttäuscht sein. Dennoch fehlt es hier inmitten eines

Holzhütten-Arrangements keineswegs an Gemüt­lichkeit. Gäste dürfen sich in der fast ländlichen Atmosphäre auf eine kühle Maß Löwenbräu oder Franziskaner freuen. Dazu genießt man entweder sein mit­ge­brachtes Picknick oder aber frischen Steckerlfisch, Obatzda oder Spareribs. Jeden Donnerstag und Sonntag gibt’s Live-Musik – Schlager, Oldies, Rock und Charts. Tanzschuhe also nicht vergessen. Samstags findet im Hop­ fengarten sogar ein Flohmarkt statt.

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SPEZIAL _ BIERGÄRTEN

Spaten, Franziskaner und Löwenbräu Geschabte Kasspatzn, Steak vom Simmenthaler Rind, Ochsenmaulsalat 450 Private Atmosphäre, Biervielfalt Mo-So 11-23 Uhr

WIRTSHAUS ZAMDORFER

Schwarzwaldstraße 2a 81677 München Tel. 089 916921 www.zamdorfer.de

MAIBOCK ZUM OCHSENMAULSALAT Seit 1928 steht im Osten der Innenstadt, zwischen Bogenhausen und der Messe München, das Wirtshaus Zamdorfer. Der Biergarten besticht mit einer fast privaten Atmosphäre. Auch hier sorgen schattige Kastanienbäume im Sommer für kühle Ent­ spannung. Das Bierangebot ist vielfältig:

Neben Hellem, Weißbier und Dunklem von der städtischen Brauerelite kann auch Becks Pils oder naturtrübes Kellerbier bestellt werden. Immer wieder überrascht das Zamdorfer-Team mit saisonalen BierSpezialitäten, wie etwa dem Triumphator zur Starkbierzeit, einem kräftigen Mai­bock

oder dem Oktoberfestbier. Es gibt jede Menge Schmankerl: Neben Fleisch vom Simmenthaler Rind, stehen auch vegane Gerichte auf der Karte. Beliebt ist je­­­den Sonntag das Weißwurstfrühstück. Die meis­ ten Gäste kommen aus der Nachbarschaft.

„Die wahre Weisse“, „Pilsissimus“ und saisonale Sorten Surhaxe, hausgemachte Leberknödelsuppe und Münchner Tellerfleisch 300 Eigenes Bier aus der Hausbrauerei Mo + So 11-22 Uhr, Di-Sa 12-23 Uhr Unterhachinger Straße 78 81737 München Tel. 0171 6214212 www.forschungsbrauerei.de

FORSCHUNGSBRAUEREI PERLACH GARTENFREUDE MIT HAUSGEBRAUTEM BIER Dieser Biergarten, südöstlich vom Zent­­ rum, genießt ein Alleinstellungsmerkmal. In bay­erisch rustikaler Atmosphäre produ­ ziert die Forschungsbrauerei in Perlach im­ mer noch ihr eigenes Bier – und zwar hand­ werklich. Gründer Gottfried Jakob hat einst sein Leben dem Gerstensaft verschrieben, 76



heißt es in der Historie, und soll zwischen 1905 und 1935 insgesamt fünfzig Patente rund um die Bierherstellung angemeldet haben. Biergarten und Bräustüberl wurden allerdings erst 1936 eröffnet. Bis heute pro­ duziert das Familienunternehmen verschie­ dene naturbelassene Sorten von Pils über

Helles bis hin zu Weißbier und saisonale Stile wie Weizenbock. Neben deftigen bay­ erischen Speisen bietet die hauseigene ­Destille noch zahlreiche Brände als Absa­ cker. Darunter auch ein edler Bierschnaps und ein leicht süßlicher Weißbier-Likör. No. 03-2017


Hofbräu und König Pilsener Ochsenbackerl, Weißbiergulasch, handgemachte Pfaffenwürger 300 Bier-Sprizz, Bierbrunnen Mo-Fr 11-00 Uhr, Sa-So 10-00 Uhr

HARLACHINGER JAGDSCHLÖSSL

Geiselgasteigstraße 153 81545 München Tel. 089 3090676-0 www.harlachinger-jagdschloessl.de

SELBSTGEZAPFTES AUS DEM BIERBRUNNEN Im Süden von München, im Ortsteil Harla­ ching, unweit des Städtischen Klinikums, steht das Harlachinger Jagdschlössl. Das Wirtshaus mit Biergarten ist das Part­nerprojekt des Hofbräukellers am MaxWeber-Platz und im Vergleich dazu gera­ dezu winzig, aber umso heimeliger. Aus

einem sogenannten Bierbrunnen können sich Gäste eigenhändig ihr frisches Helles zapfen – ganz nach eigenen Vorlieben. Stärken können sich Besucher an modern interpretierten bayerischen Gerichten wie lauwarmen Schweinderl, Pfaffenwür­ ger, Bergsteiger-Schnitzel oder „Wildem

Weiß­­­bier­­gulasch“. Vor vier Jahren wurde das Küchenteam mit dem bayerischen Gastronomiepreis ausgezeichnet. Beson­ ders gut kommt als Aperitif aber auch der Bier-Sprizz mit Minze, Holunder und Fruchtsaft nach Wahl an. Sehenswert ist das historische Ambiente des Wirtshauses.

Augustiner, Paulaner, Trumer Hirschrücken aus bayerischen Wäldern, Kalbstafelspitz, Grillspezialitäten 800 Biersensation, urige Atmosphäre Mo-So 11-23 Uhr Von-Kahr-Straße 87 80999 München Tel. 089 81010 www.inselmuehlemuenchen.com

INSEL MÜHLE BAYERISCHE GEMÜTLICHKEIT AM FLUSSUFER In Obermenzing, im Westen von München, wartet der wahrscheinlich urigste Bier­ garten der Stadt. Gäste sitzen unter den al­ ten Kastanien - und direkt neben den Ti­ schen fließt das Flüsschen Würm vorbei. Auch wenn an sonnigen Wochenenden ein No. 03-2017

reges Treiben von rund 600 Besuchern herrscht, stört das keineswegs die Idylle.­ In aller Ruhe können Besucher hier frisch­ gezapftes Augustiner oder Paulaner Bier vom Fass genießen. Kulinarisch locken zünf­ tige Brotzeitvariationen und feinste Grill­

spezialitäten. Besonders beliebt ist auch das S ­pecial-Angebot unter dem Namen „Biersensation“: Dann erhalten Besucher an ­Wochentagen bis 17 Uhr eine Maß Bier und dazu ein halbes Hendl zum besonders at­traktiven Preis. 77


MARKEN_ HOPFMEISTER

Designer und Brauer: Marc Gallo

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HIMBEEREN KOPF Gurkengose, kaltgehopfte Weiße oder exotisches Himbeerbier: Marc Gallo erobert mit originellen Suden unter dem Label „Hopfmeister“ gerade die Herzen vieler Konsumenten – obwohl der Münchner eigentlich gar kein gelernter Brauer ist. Text: MAREIKE HASENBECK

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er in München mit neuen Gerstensäften punkten will, muss entweder verrückt sein oder besonders mutig. Auf Marc Gallo trifft wahrscheinlich beides zu. Mit seiner Marke Hopfmeister kreiert der Münchner ein gänzlich ungewöhnliches Konzept in der Craft-Branche. Der 45-Jährige ist kein gelernter Brauer, sondern eigentlich Designer. Er kann nicht mal die typische Einsteiger-Biografie als Homeoder Garagenbrauer vorweisen. Schmunzelnd gibt er sogar zu, dass er mit seinem ersten Projekt maßlos scheiterte: „Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung vom Bierbrauen und all den komplexen Prozessen.“ Trotz anfänglicher Ungeschicke zählt Marc Gallo mit Hopfmeister inzwischen zu den kreativsten Gypsy-Brauern der deutschen Craft-Branche. Wenn jemand ausgebildeter Designer ist, dann weiß er nicht nur, wie ein ansprechendes Etikett gestaltet werden muss, dann verfügt er vielleicht auch über so viel Kreativität, ungewöhnliche Sude zu konzipieren. Gallos Einfallsreichtum zieht sich jedenfalls durch sein gesamtes KonNo. 03-2017

Fotos: DANIEL REITER

zept. Selbst die Namen seiner Biere sind ausgefallen. Sie heißen „Gipfelglück“, „Roadtrip“ oder „Himbeertoni“. Mit dem Brauen hat der Münchner CraftEinsteiger eher zufällig begonnen. Irgendwann hatte Gallo, der seit 15 Jahren hauptberuflich sein eigenes Design-Büro führt, Lust auf neue Herausforderungen. Er wollte sich zunächst an Verpackungsdesign versuchen und grafische Konzepte für nachhaltige Lebensmittel entwerfen, auch für Bier. Potenzielle Kunden aber starteten gerade schon ihre kreative Phase mit besonderen Hopfen- und Malzspezialitäten. Und andere sprangen nicht so ganz an, erzählt Gallo: „Traditionelle Bio-Braustätten waren meist zu konservativ und für neue Ideen nicht aufgeschlossen.“

Grasige Noten Also entschied sich der gebürtige Bayer mit holländischen Wurzeln, sein eigenes Craft-Projekt zu starten. Angefixt wurde er auf der „Braukunst Live“ in München, auf der rund 100 kreative Brauer ihre Spezialitäten präsentieren. Gallo war von den Bie-

ren gleich so begeistert, dass er sich kurz darauf zum Biersommelier ausbilden ließ. Sein erster Brauversuch: Ein Weihnachtsbock mit Orangenschalen, Zimt und Nelken. Bis heute hat Gallo davon keinen Schluck probiert, denn der Sud lagert noch immer im Fass. 2005 schenkte er seine Biere auf der Münchner Biermesse erstmalig aus. „Ich wusste nicht, ob andere Brauer mich auslachen oder ernst nehmen“, gesteht er. Doch dann: Zustimmung und Lob motivierten ihn zu weiteren Brau-Experimenten. Seine drei Standardsorten, die im Sommer 2016 auf den Markt kamen, erfreuen sich auch heute noch einer großen Fangemeinde: Darunter eine exotische Weiße mit dem Namen „Gipfelglück“, die mit Aromen von Mango und Maracuja aufwartet. Das goldfarbene „Surfers Ale“, ein Pale Ale mit grasigen Noten und dem Geschmack von Mandarine. Dann gibt es noch das „Irish Road Trip“, ein unkompliziertes Alltags-IPA mit angenehmen Citrus- und Mango-Aromen. Dass die Hopfmeister-Biere gut ankommen, beweist auch der Erfolg von „Franz Josef“. Dieses stark gehopfte Bier hat in79


MARKEN_ HOPFMEISTER zwischen viele Anhänger gefunden, steht obendrein für die Philosophie des Brauteams. „Bei aller Experimentierfreude setzen wir vor allem auf die Trinkbarkeit unserer Produkte“, erklärt Gallo sein Konzept. Dazu müssen die Biere gut ausbalanciert und aromatisch sein, ohne den Gaumen zu strapazieren.

Prämierte Etiketten Wie gut das Portfolio nicht nur bei Kon­ sumenten ankommt, zeigen auch die ers­ten nationalen Auszeichnungen. So gewann das „Gipfelglück“ gerade erst beim Meiningers International Craft Beer Award die Goldmedaille und das Pale Ale punktete mit Silber. Aber auch Gallos hauptberufliches Können wurde 2016 ausgezeichnet. Beim „Red Dot Award“, einem renommierten deutschen Design-Preis, wurde Hopfmeister für seinen ganzheitlichen Brauereiauftritt – von den Etiketten bis zum Web-­ Auftritt – gewürdigt. Solche Ehrungen sind für Gallo auch Ansporn, seine Palette an ungewöhnlichen Kreativbieren weiter zu entwickeln. Gemeinsam mit seinem fränkischen Kollegen David Hertl hob er eine „Gurkengose“ aus der Taufe, die mit Feldgurken und Salz an-

Erst kürzlich hat Gallo in seinen Büroräumen ein 50 l-Sudhaus eingerichtet.

Dass Gallo als Designer sein Bier-Label selbst gestaltet hat, ist Ehrensache. Einen Tastingroom hat er bereits in sein Büro integriert.

gesetzt wurde. Das Ergebnis zählt zu Gallos absoluten Herzensprojekten: „Das ist wohl eines der schrägsten Biere, die ich jemals getrunken habe.“ Unterstützung erhält der quirlige CraftAufsteiger seit vergangenen Oktober von Falk Schneider. Der 22-Jährige studiert parallel zu seinem Hopfmeister-Job noch an der TU München in Weihenstephan und steht kurz vor dem Braumeister-Diplom. Für Gallo ist der gebürtige Mainzer „ein Multitalent, das auch über den Tellerrand schauen und seine Rezepturen optimal umsetzen kann“. Derzeit bastelt das Duo am saisonalen „Himbeertoni“. Gallo setzte sich schon vor eineinhalb Jahren ein Bier mit Himbeerduft in den Kopf, aber selbst aus einem fantasievollen Hopfenmix ließ sich das gewünschte Aroma nicht kreieren. Schließlich fand Schneider die passende Hefe für den optimalen Beerengeschmack: „Bis zur perfekten Rezeptur war es dann nur noch ein kleiner Schritt“, schwärmt der Brauer.

Fettaugen abschöpfen Nun will der Hopfmeister-Chef, der in seiner Freizeit am liebsten in den Alpen klettert, seine „Road Trip“-Serie erweitern. Dabei stehen Zutaten aus verschiedenen Ländern auf dem Plan, die er selbst bereist hat. Im Herbst soll ein Chocolate Stout auf den Markt kommen, das mit Kakaobohnen und der südamerikanischen Açai-Beere 80



aromatisiert wird. Der erste Brauversuch gemeinsam mit Schoppebräu in Berlin ging laut Gallo ziemlich daneben. Der Grund: „Beide Früchte enthalten zu viel ­Ölanteile, so dass wir sogar die Fettaugen vom Sud abschöpfen mussten.“ Inzwischen haben die Münchner aus solchen Komplikationen gelernt. Zu Test­ zwecken richtete Marc Gallo kürzlich ein 50-Liter-Sudhaus in seinen Büroräumen in München-Sendling ein, mit dem sich Falk Schneider austoben kann, bis die Gypsy-­ Brauer auf der großen Anlage in der niederbayerischen Hohenthanner Schlossbrauerei in der Nähe von Landshut weitermachen. Hier wird der Sud dann ­irgendwann bis auf rund 100 Hektoliter hochgefahren. Gallos erklärtes Ziel ist jedoch eine eigene Brauerei. Auf dem Weg dorthin will er zunächst gern einen eigenen Tap-Room eröffnen. Die Anfänge sind gemacht: In seinem Münchner Design-Büro warten bereits neben drei prall gefüllten Bierkühlschränken, ein mächtiger Holztisch sowie eine professionelle Zapfanlage auf trinkfreudige Besucher. Hier sollen künftig auch Bierseminare stattfinden und eigene Biere zum Verkauf angeboten werden. Eine Schanklizenz wird es hier jedoch nicht geben. Also ist Geduld gefragt: „Leider muss die eigene Brauerei noch etwas warten“, sagt Gallo. Nun ja, schließlich wurde auch Rom nicht an einem Tag erbaut. No. 03-2017


Mythos Louis Barre NEUPRODUKT anlässlich des 175. Brauereijubiläums

M

it „Louis Barre Imperial“ lässt die Privatbrauerei Barre den Mythos um Louis Barre aufleben: Ein Bouquet Lager zu Ehren eines großen Pioniers der Entwicklung von untergärigen Lagerbieren.

Louis Barre übernahm das Lübbecker Familienunternehmen 1878 von seinem Vater und Brauereigründer Ernst-Johann Barre.

Vor über 130 Jahren entwickelte Louis Barre mittels innovativer Herstellungsverfahren ein exquisites untergäriges Lagerbier mit besonderer Qualität und Haltbarkeit. So konnte er seinerzeit das exklusive Barre-Bier mit Pferdekutschen und per Eisenbahn auf den langen, beschwerlichen Weg aus dem heimatlichen Lübbecke bis nach Bremerhaven bringen. Von dort aus begleitete das Bier die Menschen auf den legendären Luxusdampfern des Norddeutschen Lloyd hinaus in die weite Welt. „Louis Barre Imperial“ setzt diese Tradition fort: Ein Bier nach historischem Rezept mit erlesenen Malzsorten eingebraut und mehrfach gehopft. Sein einzigartiges Bouquet verdankt es der exklusiven Hopfensorte „Saphir“ und einer sechswöchigen Kaltreifung im Sinne des Namensgebers. So wird „Louis Barre Imperial“ auch heute den allerhöchsten Ansprüchen an den Biergenuss gerecht.

CHARAKTERISTIKA Sortenbezeichnung: Bierfarbe: Typ: Alkoholgehalt:

Lagerbier gold untergärig 5,4 % vol.


MARKT_ DOSENDESIGN

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RUNDE SACHE Die Dose erlebt ihr Comeback. Gerade Brauer schätzen sie, schützt sie das Bier doch optimal. Im englischen Luton, in der Nähe von London, hat Europas größter Dosenhersteller „Ball“ eine Kreativ-Schmiede eingerichtet, in dem trendige Designs für Craftbier entstehen. TEXT + FOTOS: FRIDTJOF ATTERDAL

D

ie englische Kleinstadt Milton Keynes hat laut Guinness-Buch der Rekorde das längste Einkaufszentrum der Welt, Europas größte Skihalle mit echtem Schnee, außerdem eine Open University, ein nationales Badminton-Zentrum und die Eishalle „Planet Ice Milton Keynes“. Und sie ist Heimat der kleinsten Craft-Brauerei Englands mit dem Namen „Concrete Cow“. Als Craftbrauer Dan Bonner sein nach den Initialen der Stadt benanntes IPA „MK“ abfüllen lassen wollte, sollten eben diese Sehenswürdigkeiten der Stadt das Design der Dosen zieren. Eine Herausforderung für den Illustrator, Maler und Designer Dan Mynard aus dem Design-Center des Dosenherstellers Ball in Luton. In der Nähe von London hat Ball eine KreativSchmiede errichtet, in der Designer, Farbspezialisten und Marketingfachleute Dosendesigns von der Idee bis zum Druck realisieren. Die Kunden kommen aus ganz Europa – und immer häufiger auch aus der CraftbierSzene. No. 03-2017

Graue Hose, graue Weste, das weiße Hemd am Kragen offen und leicht zerzauste blonde Haare – Dan Mynard entspricht wohl dem Klischee eines Designers. Bevor er zu Ball kam, hat der 34-Jährige Kinderbücher illustriert. Mit ebenso viel Liebe zum Detail gestaltet er jetzt Bierdosen. Für Concrete Cow machte er einen Abstecher nach Milton Keynes, um eine erste Zeichnung der Stadtsilhouette anzufertigen. Bis daraus das fertige MKIPA-Design wurde, waren mehr als 40 Gespräche und Treffen nötig. „Dosendesign folgt eigenen Regeln und ist nicht ganz einfach“, sagt Mynard. Da ist zum einen die Form. Die Gestaltung muss auf einem dreidimensionalen Körper funktionieren – und es darf nirgends zu Überschneidungen kommen. Wenn die Dose im Verkaufsregal steht, muss die Information sofort ins Auge springen. Doch wesentlich kniffliger sind die Farben. „Das Motiv wird direkt aufs Alumi­ nium gedruckt, je nach Lichteinfall wirken die Farbtöne ganz anders als auf Papier“, weiß er. Die Farbe fürs 83


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Dan Mynard, Designer in der Kreativ-Schmiede von Ball im englischen Luton.

C RAFTBIER IST FÜR DESIGNER EIN GESCHENK

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MK-IPA wurde sogar noch einmal geändert, nachdem die erste Charge schon in den Geschäften stand. „Das Rot kam etwas zu blass“, so der Designer. Das Center in Luton bietet einen „360 Grad-Service“ für Kunden aus der Getränkeindustrie, erklärt Graphik-Manager Richard Bunney. Das bedeutet, von der ersten Idee bis zum fertig bedruckten DosenDummy kann hier alles aus einer Hand realisiert werden. „Damit haben wir einen großen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern“, sagt der Manager. 2014 wurden in Luton die Designabteilungen aus ganz Europa zusammengeführt, um Synergien zu schaffen und die Kräfte zu bündeln. Ball ist nach eigenen Angaben der größte Dosenproduzent in Europa mit rund 40 Prozent Marktanteil. 62 Milliarden Dosen laufen europaweit vom Band – weltweit sind es 320 Milliarden Stück. Red Bull, Coca-Cola, Veltins, Carlsberg und Oettinger gehören zu

den Kunden des Unternehmens. Und immer mehr Craft-Brauer – auch aus Deutschland. Gerade haben die Designer die Label für die Berliner Stone Brewing Company entworfen. Rund 2000 Designs entstehen hier im Jahr.

Der Flasche überlegen Das Craftbier-Geschäft sei stark im Kommen, so Bunney. Deutschland ist dabei noch Entwicklungsgebiet – mit großem Potenzial. Gerade mal vier Prozent der Getränke werden hier nach Zahlen von Ball in Dosen abgefüllt. Zum Vergleich – bei Spitzenreiter Finnland sind es über 40 Prozent. Doch seit die Craftbier-Szene Dosen für sich entdeckt hat, würden immer mehr deutsche Brauer auf die vor kurzem noch verpönte Dose umsteigen. Die Aluminiumgebinde hätten ihr Image als umweltschädlich nicht verdient, findet er. Immerhin würden heute über 70 Prozent der Dosen No. 03-2017


weltweit recycelt, auch im Transport seien die leichten Behälter der Flasche überlegen. Und wenn es um das „Branding“ gehe, gebe es nichts Besseres.

Bunt, poppig, wild Die Arbeit mit den Craft-Brauern habe das Dosendesign auf eine ganz neue Stufe gehoben, sagt Bunney. „Wir realisieren Gestaltungen, die vor kurzen noch undenkbar waren.“ Bunt, poppig, wilde Muster und kräftige Farben – für die etablierten Hersteller undenkbar. „Für Designer ist Craftbier ein Geschenk, weil es keine kreativen Schranken gibt“, sagt er. Und die Zusammenarbeit mit den Brauern mache Spaß. „Sie schätzen unsere Expertise und hören genau zu“, ist Bunneys Erfahrung. Wohl auch, weil meistens der Chef persönlich komme. In Luton werden nicht nur die Designs erstellt, sondern auch „Master-Farben“ nach den Wünschen der Kunden gemischt. Im Color Room riecht es nach Lösungsmittel

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MARKT_ DOSENDESIGN

DOSEN MODERNE LEICHT­ GEWICHTE Spätestens, seit die Craftbier-Szene die handlichen Aluminiumgefäße für sich entdeckt hat, erobern Dosen die Regale der Getränkemärkte. 2,08 Mrd. Getränkedosen waren es 2015 laut dem Branchenverband BMCD in Deutschland – fast die Hälfte davon aus der Bierbranche. Eine immer wichtigere Rolle spielt Craftbier. So rechnet Dosenhersteller Ball in den nächsten Jahren mit einem Anstieg des Craftbier-Geschäfts von 18 Prozent. Moderne Dosen sind leicht und trotzdem stabil. Weniger als zehn Gramm bringt eine 0,33 l-Dose heute auf die Waage – ihre Wände sind mit 0,097 Millimetern dünner als ein menschliches Haar. Damit macht der Verpackungsanteil einer abgefüllten Dose drei Prozent aus, der Rest ist Getränk. Auch die Recyclingquote hat sich enorm verbessert. Laut BMCE werden zwischen 95 und 98 Prozent der Dosen wiederverwertet. Das ist neben dem Pfand von 25 Cent auch einem gestiegenen Umweltbewusstsein zu verdanken. Auch ohne Pfandanreiz würden heute 63 Prozent der Kunden ihre Dose zum Recycling geben, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag von BMCE ergeben hat.

Von der Idee bis zur Dose: Im Design-Center wird der gesamte Gestaltungs-Prozess realisiert. 86



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Fässer

Neue Holzfässer und Fässer aus Vorbelegung

Küferei

Bau von Großfässern, Reparaturen, Ein- und Auskellerungen

Rundungen, die fordern: Das Design muss auf ­ reidimensionalen Körper funktionieren. einem d

und mehrere „Color-Matcher“, wie die Techniker hier heißen, rühren solange Farben zusammen, bis der vom Kunden gewünschte Ton perfekt getroffen wird. Anders als bei Papierlabeln können auf Dosen die unterschiedlichsten Effekte verwirklicht werden. Es gibt nicht nur matte oder glänzende Lacke, sondern auch welche, die im Lichtspektrum ihre Farbe ändern oder die je nach Temperatur anders aussehen. So kann man bei einem Lack beispielsweise am Design erkennen, ob die Dose perfekte Trinktemperatur hat. Dafür ist die Farbauswahl eingeschränkt. Während auf Papier mit den Farbtönen Cyan, Magenta, Yellow und Key (CMYK) Millionen Farbtöne mög­lich sind, seien das bei den handgemischten Farben wesentlich weniger, weil viele Mischungen eher „unsaubere“ Töne ergäben, erklärt Farbtechniker Lawrence Skeet. „Das ist ein bisschen, wie ein Kuchenrezept zusammenzustellen“, scherzt er. Die fertigen Mischungen werden auf dünne Alustreifen aufgebracht, damit die Farbwirkung bei Licht beurteilt werden kann. Die fertigen Farben gingen dann mit einer Codenummer an die Ball Werke in No. 03-2017

der ganzen Welt, erklärt er. Wenn Design und Farben vom Kunden abgenommen sind, werden auch die Druckplatten vor Ort angefertigt. Auf einer 8-FarbenDruckmaschine können Kleinserien bedruckt werden. Im Dry-Offset-Verfahren wird die Farbe von der Platte erst auf eine Gummimatte und dann auf die Dose übertragen. Die Dose hat beim Druck ­bereits ihre endgültige Form – nur der Verschluss wird erst nach dem GetränkeAbfüllen hinzugefügt. Wenn Dan Mynard ein Design für ein Craftbier entwirft, geht es für ihn darum, Geschmack in Farbe und Form umzuwandeln. Wenn möglich, probiert er das Bier, bevor er sich an den Entwurf macht. „Den Geschmack zu kennen ist nicht unbedingt notwendig, aber es hilft“, sagt Mynard. Mittlerweile hat die Brauerei Concrete Cow auch ein Lagerbier in der Dose auf dem Markt. Auch ein Design von Mynard. Das helle Bier mit dem Namen MK67 kommt in einem metallischen Gelb, mit weiteren Gebäuden von Milton Keynes in die Regale. „Der Kunde wollte exakt den Farbton, wie ihn die Dosen von Pilsener Urquell haben“, sagt Mynard. Kein Problem für die Farbmischer in Luton.  –

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Die Stadt Medellín liegt in einem Tal der Anden im Nordwesten Kolumbiens.

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FOTOS: CLAUDIA DOYLE

MARKE_ TRES CORDILLERAS

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PARA LA PASIÓN! Lange galt Medellín als gefährlichste Stadt der Welt. Doch sie hat sich neu erfunden und gehört heute zu den lebenswertesten Städten Lateinamerikas. 2008 hat Juanchi Vélez dort die Brauerei Tres Cordilleras eröffnet, die erste Craft-Brauerei Kolumbiens. Ein große Idee, die Vélez viel Herzblut gekostet hat und ihn zuletzt neu denken ließ.

Text: CLAUDIA DOYLE

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uanchi Vélez wollte eine kleine Feier geben. Wer schon mal in Kolumbien war, weiß, dass Feiern dort selten klein sind. Juanchi hatte alle Freunde eingeladen, die ihm in den letzten Monaten geholfen hatten. Als er und seine Frau Veronica durch die Menge wirbelten, zapften, servierten – da stolperten sie mitten im Gewusel ineinander. Für einen ganz kurzen Moment hielten sie inne und erkannten, was hier gerade passierte. Sie hatten es endlich geschafft, alle Zweifler überzeugt und ihren Traum verwirklicht. Sie eröffneten gerade ihre eigene Brauerei, mitten in ihrer Heimatstadt Medellín. Noch heute steigen Juanchi Tränen in die Augen, wenn er davon erzählt. Denn diesem Tag gingen zwölf Jahre harte Arbeit voraus. No. 03-2017

Vor den Toren der Brauerei weht eine warme Brise durch die Straßen von Medellín. Das ganze Jahr über schwanken die Temperaturen hier nur minimal. Den Beinamen „Stadt des ewigen Frühlings“ hat Medellín nicht ohne Grund. Es ist aber noch nicht allzu lange her, da trug die Stadt auch weniger schöne Namen: Drogenhauptstadt, Mordhauptstadt, gefährlichste Stadt der Welt. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren hatte das Kartell von Pablo Escobar die Metropole fest im Griff. In einigen Vierteln der Stadt trauten sich die Bewohner nicht aus dem Haus und die Polizisten nicht auf Streife. Auch nach dem Tod von Escobar im Jahr 1993 änderte sich das zunächst nicht. Jetzt schossen linke Guerillakämpfer und rechte Paramilitärs aufeinander.

Zu dieser Zeit ist das Leben von Juanchi­ ­ élez im Umbruch. 1996 ist er frisch verheiV ratet, hat seinen Uni-Abschluss in der Tasche und Fernweh im Herzen. Gemeinsam mit seiner Frau steigt er in ein Flugzeug nach Atlanta im südlichen US-Bundesstaat Georgia. Für ein Jahr wollen sie dort leben, arbeiten, Englisch lernen. Eines Abends bestellt Juanchi im Restaurant ein Bier. Der Kellner stellt ein Glas mit einer dunklen, würzigen Flüssigkeit vor ihm ab. So etwas hat er noch nie gesehen. In Kolumbien gibt es damals keine unterschiedlichen Bierstile, noch nicht einmal unterschiedliche Sorten. Nach dem ersten Schluck ist Juanchi dem Craftbier verfallen. Juanchi beginnt einen MBA und schreibt alle zehn Hausarbeiten über eine Variation 89


MARKE_ TRES CORDILLERAS

FOTOS: TRES CORDILLERAS

In den USA dem Craftbier verfallen, eröffnete Juanchi Vélez (links) 2008 seine eigene Brauerei in seiner Heimatstadt Medellín in Kolumbien.

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des immer gleichen Themas: Wie eröffnet man eine CraftBrauerei in Kolumbien. Jedes Mal stöhnen seine Kollegen auf: „Nicht schon wieder die Brauerei, Juanchi.“ Juanchi kontert: „Ich übernehme den Großteil der Arbeit, aber wir müssen an diesem Projekt dranbleiben.“ Das theoretische Wissen hat Juanchi bald im Kopf. Es fehlt ihm noch die praktische Erfahrung. Also klopft er an die Tür des Chefbüros der Sweet Water Brewing Company. Die Brauerei ist damals noch neu am Markt, ihr Bier aber bereits begehrt. Juanchi will mitarbeiten und lernen, wie richtig gutes Bier entsteht. Der Besitzer ist zunächst wenig begeistert. Aber Juanchi lässt sich nicht einfach zur Tür hinausschieben. „Ich arbeite sechs Monate kostenlos“, platzt es schließlich aus ihm heraus. Wenig später schlüpft Juanchi in Gummistiefel und beginnt, den Boden zu schrubben. Von da an steht er jeden Tag in der Brauerei. Er kocht Kaffee, putzt die Kessel und macht einen guten Eindruck. Nach den sechs Monaten erhält er einen Arbeitsvertrag. Sechs Jahre bleibt Juanchi bei Sweet Water. In dieser Zeit fliegt er immer wieder nach Kolumbien und sucht nach Geldgebern für seine Brauerei. Doch die Banken verweigern ihm einen Kredit. Also präsentiert Juanchi seine Idee vor 60 Privatleuten, alles steinreiche Mitglieder der kolumbianischen Mittelschicht. 45 sehen das Potenzial der Idee und investieren. Auf einmal hat er mehr Geld als er braucht und außerdem einflussreiche Personen auf seiner Seite, die seine Brauerei bekanntmachen können. Im November 2007 sitzt Familie Vélez im Flugzeug nach Medellín. Im September 2008 eröffnet Juanchi seine Brauerei Tres No. 03-2017

Cordilleras, spanisch für Drei Bergketten. Am Er­ öffnungstag rechnet Juan­ chi mit zehn Besuchern. Zwanzig, wenn es gut läuft. Doch dann stehen über einhundert Personen in seiner Brauerei und trinken sein Bier. Das bittere Mestiza, ein Ameri-can Pale Ale, das malzige Mulatta, ein Amber Ale, oder das kaffeeschwarze Negra, ein süßes Stout. Das Tres Cordilleras entwickelt sich vom Geheimtipp zu einem der angesagten Orte der Stadt.

Es hapert an der Logistik Aber so gut gefüllt seine Bar ist, so schleppend läuft der Verkauf seines Bieres in den anderen Lokalen der Stadt. Es hapert vor allem an der Logistik, das Geld ist knapp, Juanchis Kopf voller Sorgen. 2016 entscheidet er sich dazu, jemanden mit richtig viel Geld ins Geschäft einsteigen zu lassen. Er verkauft Tres Cordilleras an einen der größten Getränkehersteller im Land. Seine Familie kann das zunächst nicht nachvollziehen. Warum gibt er die Brauerei weg, für die er so lange gekämpft hat? „Mein Traum war es, in Kolumbien eine Brauerei zu eröffnen, und dieser Traum ist wahr geworden“, sagt Juanchi. Wem die Brauerei jetzt gehöre, das sei nicht so wichtig. Wichtig sei, dass der neue Eigentümer genug Geld mitbringe, um die Probleme im Vertrieb zu lösen und Tres Cordilleras auch über Medellín hinaus bekannt zu machen. Außerdem ist ja Juanchi weiterhin Geschäftsführer seiner Brauerei. Er kann alle Entscheidungen treffen und genau das machen, was er am liebsten tut: richtig gutes Bier brauen. –  www.3cordilleras.com

• Tausende Bierfreunde wurden per Web eingeladen ihre Bier-Idee zu kreieren • Über 500 phantastische Rezepte kamen • Hochkarätige Bierexperten-Jury wählten daraus 4 Gewinner-Favoriten • Alle 4 Rezepte wurden gebraut mit Namen des Gewinners • Diese tollen Bierspezialitäten sind jetzt im Set 4 x 0,25 l erhältlich: Phoebe’s BAVARIAN BABARIANS ein Amber Ale Harald’s DEEPER DANUBE ein Imperial IPA Konstantin’s LORENZ ein Dark Lager Lukas’ GÄUBODEN SCHLÖ helles obergäriges Vollbier Gebraut nach dem Bayerischen Reinheitsgebot. Exklusiv im gut sortierten Craftbeer-Getränkehandel Bezugsquellen-Info unter:

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Straubings einzigartige Klosterbiere


SPEZIAL _ FOOD

Georg Friedl spĂźrt mit Vorliebe vergessenen Rezepten nach und erweckt sie zu neuem Leben.

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„EIN GANZ SPEZIELLER “

KICK

Interview: FRIDTJOF ATTERDAL Fotos: GREGOR MAYRHOFER

Georg Friedl ist kein Freund von Firlefanz. Er ist ein großer Fan der einfachen Küche. Und er kocht begeistert mit Hopfen, Malz und Hefe. Was man damit in der Küche so anstellen kann, verrät der Koch und Gastronom aus Österreich im Interview und einigen wunderbaren Rezepten. No. 03-2017

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SPEZIAL _ FOOD Malz spielt in Friedls Rezepten meist die Hauptrolle.

Bei dir wandern Hopfen, Malz und Hefe in den Topf – da hätte vor dir ja schon mal jemand drauf kommen können? Absolut. Ich verstehe nicht, warum das in der Spitzengastronomie nicht viel mehr aufgegriffen wird. Die Lebensmittelindustrie arbeitet bei ihren Geschmacksverstärkern durchaus mit Malz, aber in die normale Küche ist das noch nicht durchgedrungen. Als ich angefangen habe, mit Bier zu kochen, habe ich schnell festgestellt, dass die vielseitigen Aromen verpuffen und der Bitterstoff stehen bleibt, sei es vom Röstmalz oder vom Hopfen. Ich wollte herausfinden, wie man die Bieraromen nachhaltig in den Speisen behalten kann. Ich habe angefangen zu experimentieren, zunächst mit Malz. Das war toll, weil jede Malzsorte, jede Röstung, ganz eigene Aromen freigibt. Und dann gibt es ja noch Hefe und Hopfen. Noch intensiver beschäftige ich mich mit dem Thema, seit ich bei der Biersommelier-Ausbildung koche. Wie würdest du deine Küche charakterisieren? Ich koche sehr klar und einfach. Ich bin nicht der Freund einer Firlefanz-Küche mit vielen verspielten Pünktchen und Aromen und Blätterchen. Es geht mir darum, das Beste herauszuarbeiten. Das ist mein Stil, das ist auf eine Art und Weise das Glück der Einfachheit. Mein Kochstil ist sehr stark in regionalen Rezepten verankert. Es gibt beispielsweise in der nordischen Küche viele neue Rezepte – die sind so abstrakt, dass die Gäste sie nicht mehr verstehen. Mit einem perfekt zubereiteten Bratenstück, Püree oder einem schönen Gemüse haben sie oft mehr Freude. Es geht um Geschmackstiefe und einen

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Touch Kreativität. Essen soll für die Gäste immer eine Überraschung sein – einfache Gerichte mit ungewöhnlichen Aromen oder Gewürzen. Welche Bierrohstoffe eignen sich zum Kochen? Wie beim Bier, in dem der Hauptanteil Malz ist, ist das auch beim Kochen so. Hopfen und Hefe spielen eine untergeordnete Rolle. Hopfen verwendet man eher zum Aromatisieren. Interessant sind die Hopfenöle, die sehr viel Aroma bringen, aber keinen Bitterstoff. Man muss sie homöopathisch verwenden, aber sie sind eine große Bereicherung. Hefe ist, wenn man sie frisch vom Tank nimmt, unglaublich vielschichtig und vom Aroma her sehr spannend. Sie bringt für Saucen oder Suppen einen ganz speziellen Kick. Neben diesen drei Hauptkomponenten gibt es noch bierverwandte Aromen, die sich als Bindeglied gut eignen. Das ist zum Beispiel das Hanföl, das für mich beim Kochen mit Bierrohstoffen dabei sein muss. Die Pflanze ist eine Verwandte des Hopfens, bringt grüne, nussige, herbe Aromen mit. Malz-, aber auch Hopfenaromen gehen mit dem Hanföl eine tolle Liaison ein, die Speisen werden dadurch vollmundiger. Verwendest du auch Zutaten abseits des Reinheitsgebotes? Ich nutze zum Beispiel spezielle Milchsäure. Beim Salat nehme ich zum Marinieren Vorderwürze, die ich milchsauer vergären lasse. Die Säurearomen von Bieressig stehen über den Bieraromen und stechen zu stark heraus. Die Milchsäure ist eine milde Säure, lässt aber das Aroma vom Malz

durchkommen. Eine klasse Sache! Ich habe auch einen „bierigen Wok“ entwickelt. Hier ist die Sauce aus einem kräftigen, dunklen Malzsud, ganz stark eingekocht, stark gewürzt und dann mit Milchsäurebakterien angesäuert. Kräuter oder Gewürze kann man, wenn es zum Gericht passt, einfließen lassen. Aber der Schwerpunkt liegt klar beim klassischen Bier und den klassischen Bieraromen. Haben Craftbiere deine Küche verändert? Sie sind eher eine nette Spielerei. Mir taugt es als Koch, neue Aromen kennenzulernen. Zum Kochen verwende ich diese Spezialbiere weniger. Da geht es eher um Korrespondenz – dass ich ein verrücktes Bier mit bestimmten Aromen habe und dann überlege, was ich dazu kochen könnte. Das sind dann Spezialmenüs. Du hast dich ja auch schon als Brauer versucht... Ich habe vor vier Jahren gemeinsam mit der Brauerei Hofstetten ein KräuterGewürzbier gemacht. Ich wollte ein Bier, das nicht zu schwer ist, aber ein extremes Geschmacksvolumen von Kräutern und Gewürzen hat, ohne dass es zu aufdringlich ist. Das Bier sollte zu leichteren Gerichten oder zu Fisch passen. Ich bin an das Projekt als Koch herangegangen, nicht als Brauer. Wir haben experimentiert und zuerst zehn Zweiliterflaschen angesetzt. Die haben wir gekostet und daraus ist dann die optimale Lösung entstanden. Wir haben in den Gärtank einen Kubikmeter Kräuter und Gewürze versenkt. Das „Kräuterwürzbier“ war damals sogar Bier des Jahres in Österreich.

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GEORG FRIEDL Georg Friedl, geboren 1970, betreibt das Restaurant "Mühlvierteln" in Linz und ist Küchenchef im Wirtshaus „Die Donauwirtinnen“ in Alturfahr. Gelernt hat er bei einigen der besten Köche Österreichs, aber bekannt wurde er mit einem Projekt, das man heute „Pop-Up-Restaurants“ nennen würde. In alten Bauernhäusern und Brauereien im Mühlviertel spürte er vergessenen Rezepten nach, die er im Rahmen unregelmäßiger Events wieder zum Leben erweckte. Sein Restaurant „Mühlvierteln“ wurde von Slowfood mit 86 Punkten ausgezeichnet. In der Ausbildung zum Diplom-Biersommelier an der Doemens-Akademie ist er mit dem Thema „Kochen mit Bier“ in Salzburg und Deutschland unterwegs, daneben lehrt er an verschiedenen Fachakademien, hält Vorträge und schreibt Kochbücher. Derzeit tüftelt Friedl an einem eigenen Wirtshaus und träumt davon, mit neuen Pop-Up-Projekten in Österreich auf Tournee zu gehen.


SPEZIAL _ FOOD

HEUTE BACK‘ ICH, MORGEN BRAU‘ ICH Kartoffelpüree mit Hopfen, Getreide­ frikadellen mit Malz – jeder Brauer, dessen Herz auch für die Küche schlägt, kann diese Rezepte von Georg Friedl ganz leicht zubereiten. Wer Hopfen und Malz nicht griffbereit hat, der fragt danach einfach in der nächsten Hausbrauerei seiner Stadt.

VORDERWÜRZE ZUM KOCHEN ZUTATEN: 1 kg 4l

Münchener Malz Typ 2, geschrotet Wasser

ZUBEREITUNG: Malz in ca. 1 l Wasser einweichen und 30 Minuten ruhen lassen. Dann langsam erhitzen; bevor das Malz aufwallt, in kleinen Mengen kaltes Wasser zugeben. Danach wieder aufwallen lassen und nochmals kaltes Wasser dazugeben. So verfahren, bis die gesamte Menge Wasser verbraucht ist. Dabei immer wieder umrühren, damit sich das Malz am Topfboden nicht festsetzt. Zum Schluss aufkochen lassen. Für 10 Minuten köcheln lassen und dann abseihen.

SPINATSUPPE IPA STYLE FÜR 4 PERSONEN ZUTATEN: Pastinaken 150 g Vorderwürze ¼l Gemüsefond ¼l Milch ½l 100 g Butter Hanföl 2 EL 1 Zwiebel, fein gewürfelt Mehl 1 EL Buttermilch ¼l vollmundiges Bier ¼l 2 EL frische Bierhefe (2-4 Mal gewaschen – je nach Intensität; Bierhefe kann auch weggelassen werden, wenn diese nicht verfügbar ist) 150 g Spinat Salz, Pfeffer, Muskat, 2 Nelken je 1 Messerspitze Cascade Hopfen (Pellets pulverisiert), Limettenschale und Grapefruitschale Wenn vorhanden 1 Tropfen Hopfenöl Cascade ZUBEREITUNG: Zwiebel in Butter andünsten, geschälte und gewürfelte Pastinaken sowie die Gewürze zugeben und mit Fond und Vorderwürze weich kochen. ¼ l Milch zugeben, aufkochen lassen und weiter kochen. 1 EL Mehl mit Buttermilch verrühren, in die Suppe geben und nochmals gut durchkochen lassen. Mixen und passieren. Mit Bier und Bierhefe vollenden. ¼ der Suppe mit dem Hanföl, dem Spinat und den Aromaten heiß mixen. Die weiße Suppe in Suppenteller eingießen und die grüne Suppe einfließen lassen.

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MALZ-GETREIDEFRIKADELLEN MIT LAUCH-SÜSSKARTOFFEL-RAGOUT MIT PILS FÜR 4 PERSONEN

FRIKADELLEN

RAGOUT

ZUTATEN: Weizenrauchmalz 50 g 50 g Weizenmalz hell 100 g Rollgerste 100 g Haferflocken Karotte 1 Sellerie ¼ 4 EL Malzmehl Eier 3 je 1 Messerspitze Fenchelsamen, Kümmel, Schabzigerklee, 2 Nelken (alles geschrotet) Pfeffer, Salz, Muskat, 2 EL Hanföl

ZUTATEN: 400 g Süßkartoffeln 200 g Lauch ¼l Sahne ¼l Vorderwürze Malzmehl 2 EL 100 ml Pilsbier Salz, Muskat, Pfeffer, Schwarzkümmel Hanföl, 1 EL Butter

ZUBEREITUNG: Weizenmalz in Salzwasser bissfest kochen. Danach Karotten und Sellerie raspeln und mit der Rollgerste zum Malz geben. Gewürze hinzugeben. Alles zusammen weich kochen. Eventuell etwas Wasser nachgießen. Wenn das Malz und das Getreide weich gekocht sind, die Haferflocken hinzugeben und für eine Stunde quellen lasen. Das Hanföl, die Eier und das Malzmehl zugeben, vermengen und Frikadellen formen. Die Frikadellen in einer Pfanne mit Öl beidseitig goldfarben braten.

ZUBEREITUNG: Lauch in Ringe schneiden und in Butter und Hanföl anschwitzen. Gewürfelte Süßkartoffeln zugeben und anschwitzen. Gewürze zufügen und mit Malzmehl bestäuben. Mit Vorderwürze auffüllen und kochen lassen. Sind die Süßkartoffeln weich, Sahne angießen und sämig einkochen lassen. Abschmecken und mit einem Pilsbier vollenden. TIPP: Glacierte Schalotten dazugeben. 12 Schalotten schälen, in Butter anschwitzen und mit Vorderwürze weich dünsten. Vorderwürze verkochen lassen und in dem entstehenden Malzsirup glacieren. Mit Salz und Muskat abschmecken.

SCHOKOLADEN-MALZTARTE (1 TARTEFORM)

MALZSAHNE

ZUTATEN:

ZUTATEN:

125 g Butter 125 g Bitterschokolade 80 g geriebene Mandeln (geschält) 30 g gemahlenes Malz (Carafa Spezial und Roggenkramellmalz zu gleichen Teilen) 4 Eier 125 g Zucker 1 EL Puddingpulver

25 g Zucker 250 ml Sahne 15 g Münchner Malz, geschrotet

ZUBEREITUNG: Zucker mit 4 Eiern aufschlagen. Schokolade schmelzen und die Butter einarbeiten. Das Schokoladen-Buttergemisch mit Mandeln, Puddingpulver und Malz unter die Eiermasse ziehen und in gebutterte Keramikformen geben. Bei 170° Heißluft ca. 45 Minuten backen.

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ZUBEREITUNG: Den Zucker karamellisieren, mit der Sahne aufgießen, das Malz zugeben und aufkochen lassen. Ziehen, abseihen und kalt stellen. Wie Sahne aufschlagen. Abschmecken und mit einem Pilsbier vollenden.

MALZBEEREN ZUTATEN: 150 g Beeren 25 g Zucker 100 ml Bockbier 25 g Belgisches Röstmalz 2 EL Puddingpulver ZUBEREITUNG: Zucker karamellisieren, mit Bockbier aufgießen, Röstmalz geschrotet zugeben und aufkochen. 30 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Mit Puddingpulver binden und die Beeren zugeben.

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GEPÖKELTE RINDERWADE MIT KARTOFFEL-HOPFENPÜREE FÜR 8 PERSONEN

HOPFENPÜREE

RINDERWADE

ZUTATEN: 1,6 kg mehlige Kartoffeln 180 g Butter 200 ml Milch Muskatnuss, Salz 2 Messerspitzen Cascade Hopfen (Pellets pulverisiert) 1 EL Spinat (passiert) ca. 60 ml Hanföl

ZUTATEN: 1,2 kg gepökelte Rinderwade Butterschmalz Lorbeerblätter 4 große Zwiebeln 4 EL Malzmehl aus Roggenkaramellmalz 100 g Butter ½l Vorderwürze ⅛ l Bier (wenn möglich Malzbier) je eine Karotte, Petersilienwurzel ein halber Sellerie 1 Zweig Ysop 1 Messerspitze Senf- und Pfefferkörner 4 Nelken ZUBEREITUNG: Rinderwade mit Küchengarn umwickeln und mit Malzmehl einreiben. In heißem Butterschmalz anbraten, dann das Fleisch herausnehmen. In den Bratenrückstand die in Ringe geschnittenen Zwiebeln und das grob gewürfelte Gemüse zugeben und goldbraun rösten. Alles mit Malzmehl bestäuben und unter ständigem Rühren anbraten. Gewürze zugeben und die Vorderwürze angießen, bei 160°C etwa 3 ½ Stunden schmoren lassen. Das Fleisch herausnehmen und die Sauce durch ein Sieb gießen. Eventuell noch etwas einkochen. Bier zugeben und mit Butter montieren.

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ZUBEREITUNG: Kartoffeln schälen und in Salzwasser mit dem Hopfen weich kochen. Abgießen und durch eine Kartoffelpresse drücken. In einem Topf die Butter bräunen, Milch, Spinat und Hanföl zugeben, die gepressten Kartoffeln einrühren und eine glatte Masse rühren. Wenn vorhanden, mit 1 Tropfen Hopfenöl Cascade vollenden.

MALZGLACIERTES GEMÜSE ZUTATEN: 8 Karotten 24 Frühlingszwiebeln 1 EL Butter ¼l Vorderwürze, Salz, Muskat ZUBEREITUNG: Das Gemüse schälen und in Butter anschwitzen. Vorderwürze angießen und langsam dünsten lassen. So lange kochen, bis die Vorderwürze einkocht und das Gemüse mit einem Glanz überzieht.

GRATINIERTE MALZCREME (8 FÖRMCHEN MITTLERER GRÖSSE) ZUTATEN: ¼l Milch 550 ml süße Sahne 30 g Zucker 30 g Vanillezucker 6 Eigelbe 60 g Münchner Malz Typ 2 Karamellmalz 30 g ZUBEREITUNG: Das Malz schroten. Den Zucker karamellisieren und mit Milch aufgießen. Leise köcheln lassen, damit sich das Karamell auflöst. Vanillezucker, Malz und Sahne zugeben und weiter leicht köcheln lassen. Dann ca. 1 Stunde ziehen lassen. Danach abseihen. Eigelb dazugeben und verrühren. In Förmchen füllen und im Wasserbad bei 110°C ca. 80 Minuten poschieren. Kalt stellen. Mit Zucker und einem Bunsenbrenner die Creme abflammen.

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_ KOLUMNE

GRENZENLOSE BIERLIEBE HANS IM GLÜCK

FRANKENS BESTE BIERADRESSEN Franken ist das Land der Brauer. Mit 265 Braustätten hat die Region in Bayern die weltweit höchste Dichte an Brauereien. Hans Wächtler, Biersommelier aus Bamberg, ist den kulinarischen Köstlichkeiten seiner Heimat auf der Spur. Kombiniert mit Bier, versteht sich! Weitere Infos unter www.bierbegeisterung.de

Die Theke der Brauerei-Gaststätte Knoblach ist der absolute Hingucker: 400 Steingefäße stehen hier – die Stammkrügla, die den Stammgästen gehören. Nicht etwa nur alteingesessene Schammelsdorfer haben ein solches personalisiertes Trinkgefäß. Auch ein Kanadier und ein Südafrikaner haben hier ihren eigenen Krug. Die Liebe zum Schammelsorfer Bier geht also weit über die Grenzen der Region hinaus. Für Inhaber und Braumeister Michael Knoblach sind Treue und Verbun­denheit wichtig. So unterstützt er die Aktion „Siegelbetrieb der Region Bamberg“, welche die Vielfalt im Bamberger Umland erhalten soll. Sämtliche Rohstoffe bezieht die BrauerFamilie aus der unmittelbaren Umgebung. Neben dem Räuschla, ein bernsteinfarbenes Märzen, mit einer herben, hopfigen Note, stehen auf der Getränkekarte auch ein ungespundenes Lagerbier, ein dunkles

Landbier und ein Hefeweizen. Zweimal im Jahr verlässt zudem ein Starkbier den Braukessel. Ganz nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ setzt Brauer Knoblach auf eine kleine Auswahl an Bieren und dazu auf Hochprozentiges wie Obstler oder Bierschnaps, den „Hopfentropfen“. Die Zutaten hierfür liefert die heimische Streuobstwiese. Für die „Schammelsdorfer Biertage“ an Pfingsten braut Michael Knoblach ein extra Festbier ein. Brauerei Knoblach Kremmeldorferstr.1
 96123 Schammelsdorf Telefon 09505/267 www.brauerei-knoblach.de


SPEZIAL _ BIERCOCKTAILS

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FOTO: SASCHA KREKLAU

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AUFGEMISCHT Ran an die Shaker! Hier kommen sieben Ideen für Biercocktails – von leicht und erfrischend bis voluminös und beruhigend.

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WIT & CHIPS

ZUTATEN: 6 cl Gin, z.B. Citadelle Gin 3 cl Zitronensaft (frisch gepresst) 2 cl Sirup aus belgischem Witbier (selbstgemacht)* 1 Spritzer Fernet Branca 1 Spritzer Eiweiß GLAS: Kupferbecher (oder Tumbler)

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ZUBEREITUNG: Alle Zutaten zusammen mit Eiswürfeln in den Shaker geben und kräftig schütteln. Danach in einen frischen Shaker abseihen und ohne Eis noch einmal schütteln (sog. Dry Shake). In einen mit Eiswürfeln gefüllten Kupferbecher oder Tumbler gießen und mit Zitronenspirale und Kartoffelchip garnieren.

*HERSTELLUNG WITBIERSIRUP: 1 l Hoegaarden Witbier, 1 kg Rohrzucker, 10 Orangenzesten gemeinsam mit etwas Ge­­würzen (Koriander, Pfeffer, Nelken) in einen Topf geben, etwas köcheln lassen und dann absieben. Der Bamberger Barbesitzer Moritz Nieder­ strasser (u. a. „Ostbar“) zeigt mit seinem klassischen Sour-Rezept, wie man Bier in Form von Sirup effektreich einsetzen kann.

HOPFEN & MAIS

ZUTATEN: 5 cl amerikanischer Roggen-Whiskey, z. B. Rittenhouse Rye 3 cl Zitronensaft (frisch gepresst) 2 cl Monin Sirup Popcorn 3 cl Helles, z. B. Tilmans – Das Helle GLAS: Tumbler

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GARNITUR: Zitronenspirale & Kartoffelchips

GARNITUR: getrocknete Zitrone ZUBEREITUNG: In einen mit Eiswürfeln gefüllten Shaker werden die Zutaten Rye Whiskey, frischer Zitronensaft und Popcornsirup kräftig geschüttelt. Aus dem Shaker wird die Mixtur in einen Tumbler auf Eis abgeseiht und mit

dem Craftbier aufgefüllt Als Garnitur dient eine getrocknete Zitronenscheibe. Wer Lust hat, kann noch etwas Popcorn auf den Drink geben. Eine erfrischende, süffige Variation des Klassikers Whiskey Sour von Bartender Thomas Weinberger aus München.

CRAFT COLLINS

ZUTATEN: 4 cl Gin oder Bols Genever 2 cl Zitronensaft (frisch gepresst) 2 cl Zuckersirup 1 Spritzer Aromatic Bitters (z.B. Angostura oder The Bitter Truth) ZUM AUFFÜLLEN: IPA, z. B. Crew Republic Drunken Sailor IPA

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GLAS: Longdrink

mit dem IPA aufgießen. Eine Zitronenspirale ist die passende Garnitur.

GARNITUR: Zitronenspirale ZUBEREITUNG: In einem Rührglas werden Gin/Genever, frischer Zitronensaft, Zuckersirup und ein paar Tropfen Aromatic Bitters verrührt. Anschließend in ein Longdrinkglas geben und

Bei dieser „craftigen“ Interpretation des beliebten Erfrischers Tom Collins ersetzt Thomas Weinberger das Sodawasser durch IPA, was für eine zusätzliche herbe Note sorgt.

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SPEZIAL _ BIERCOCKTAILS

WILD ORANGE BEER ZUBEREITUNG: Bärenjäger Honiglikör gemeinsam mit dem (gekühlten) Blutorangensaft und dem Sirup in das Glas geben, gut verrühren und mit dem Witbier auffüllen. Eine süßlich-herbe Erfrischung mit feinen Gewürz­ noten, erdacht von Markus Hoppe (Hoppebräu).

GLAS: Craftbier-Pokal

FOTO: BÄRENJÄGER

ZUTATEN: 2 cl Bärenjäger Honiglikör 10 cl Blutorangensaft 2 cl Himbeersirup 0,2 l Witbier, z. B. Kuehn Kunz Rosen Oriental Wit

BUDDELSHIP ´N´ SAND ZUTATEN: 2 cl roter Vermouth, z. B. Antica Formula 2 cl Tawny Port, z. B. Taylors Port 10 Jahre 2 cl Alt Bergedorfer Kräuterlikör 2 cl torfiger schottischer Whisky, z .B. Ardbeg 10 Jahre 4 cl Schwarzbier, z. B. Buddelship Kohlentrimmer

ZUBEREITUNG: Alle Zutaten (bis auf das Bier) mit Eiswürfeln in einen Cocktailshaker geben und kräftig schütteln. Abseihen in einen Cocktailkelch und mit Schwarzbier auffüllen. Der Hamburger Bartender Lee Daniel Hobbs („Walrus Bar“) interpretiert den dichten, voluminösen Klassiker Blood ‘n‘ Sand auf maritime, Hamburger Weise neu. Ein echtes Aromen-Schwergewicht.

GLAS: Cocktailkelch

FOTO: GUDRUN DREWS

GARNITUR: Thymian und Orangenzeste, als Beigabe eine karamellisierte Birnenscheibe

ZUTATEN: Bärenjäger Honiglikör 2 cl Schwarzer Johannisbeerensaft 10 cl 0,2 l Stout oder Imperial Stout, z. B. Guinness oder Samuel Smith

ZUBEREITUNG: Bärenjäger Honiglikör gemeinsam mit dem (gekühlten) Johannisbeersaft in das Glas geben, gut verrühren und mit dem Stout-Bier vorsichtig auffüllen.

GLAS: Craftbier-Pokal

Markus Hoppe, Biersommelier der Deutschen Bierakademie und Craftbier-Brauer (Hoppebräu) vereint Honigsüße mit dunklen Beerenaromen und der röstigen Wucht eines Stouts.

FOTO: BÄRENJÄGER

BLOODY RASP‐BEAR

BITTER SWEET ZUTATEN: 4 cl Cognac, z.B. Pierre Ferrand 1840 2 cl Zitronensaft (frisch gepresst) 1 cl Schokoladensirup ZUM AUFFÜLLEN: IPA, z. B. Heidenpeters American IPA FOTO: BARSCHULE MÜNCHEN

GLAS: Weinglas GARNITUR: Orangenschale

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ZUBEREITUNG: Cognac, frischer Zitronensaft und Schoko­ladensirup werden in einem Shaker auf Eis gemixt. In ein großes Weinglas abseihen und mit einem IPA aufgießen. Eine Orangenzeste als Garnitur gibt dem Drink ein frisches Aroma. Der Name verrät’s: Süße Schokoladen- und weinige Aromen paaren sich mit der Bittere des IPA. Ein überraschender und vielschichtiger Drink des Münchner Bartenders Thomas Weinberger.

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SPEZIAL _CRAFTPROBE

WEIZENBIER (HELL)

Weizenbier gehört heute zu der meist getrunkenen Biersorte in Deutschland. Der fruchtig-frische Geschmack macht die Sorte besonders in den Sommermonaten beliebt. Text: DIRK OMLOR

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FOTO: RASHADASHUROV - FOTOLIA.COM

eizenbier, auch Weißbier genannt, war in Bayern schon in früheren Jahrhunderten beliebt. Bürgerliche und adelige Braumeister machten sich dabei Konkurrenz. Das änderte sich schlagartig, als das bayerische Herrscherhaus 1567 das Brauen von Weizenbier verbot. Der kostbare Weizen sollte für Brot und nicht weiter zum Bierbrauen verwendet werden. Eine Ausnahme machte der bayerische Herzog nur beim niederbayerischen Geschlecht der Degenberger. Diesem hatte Wilhelm IV., der Begründer des Reinheitsgebotes, schon 1529 das Recht verliehen, aus Weizen Bier zu brauen. 1602 starb Hans Sigmund von Degenberger als letzter

Spross seines Geschlechts. Da er keinen männlichen Nachkommen hinterließ, fiel sein Besitz, und damit auch das alleinige Recht, Weizenbier zu brauen, an das bayerische Herrscherhaus unter Maximilian I. zurück. 1605 wurde in München das Weisse Bräuhaus gegründet. Hier ließ Herzog Maximilian das Weizenbier nun selber brauen und verkaufen. Die Nachkommen Maximilians I. hielten „aus gewichtigen Ursachen” für andere Stände das Verbot aufrecht, aus Weizen Bier zu brauen. Mitte des 18. Jahrhunderts kam das kurfürstliche Weißbier dann eine Weile aus der Mode. Weizenbier wurde so wenig getrunken, dass es als Einnahmequelle für das Herrscherhaus nichts mehr hergab. Als großzügige Geste gegenüber seinen Untertanen verzichtete dieses auf sein Privileg. Das Recht, Weizenbier zu produzieren, wurde auf alle Brauer im Lande ausgedehnt. Etwa sechs Millionen Hektoliter Weizenbier werden heute jährlich allein im Handel verkauft. Weizenbier muss mindestens 50 Prozent Weizenmalz enthalten. Da es bei der Lagerung hoch gespundet wird, hat es relativ viel Kohlensäure. Dies und der fruchtige Geschmack machen dieses Bier so erfrischend. Deshalb ist es im Sommer besonders beliebt. Etwa die Hälfte des



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gesamten Weißbieres wird in der Gastronomie getrunken. Der Begriff „Weißbier“ sagte ursprünglich über die verwendete Getreideart gar nichts aus, sondern diente allein der Farbdifferenzierung. Das Weißbier hob sich vom Braun-, Rot- oder Schwarzbier ab. Eine zweite, gebräuchliche Herleitung des Begriffes „Weißbier“ beruht auf einer besonderen Eigenschaft der zur Herstellung verwandten obergärigen Hefen. Diese nämlich steigen im Verlauf des Gärvorganges an die Oberfläche des Gärgefäßes und bilden dort eine dicke weiße Haube. Auch diese weißen Hauben aus Hefezellen werden verantwortlich gemacht für die Bezeichnung „Weißbier“. » Folgende Doppelseite: Unsere Weißbier-Empfehlungen

WEIZENBIER (HELL) Helle Weizenbiere sind obergärige, stroh- bis bernsteinfarbene Biere, hergestellt mit mindestens 50 Prozent Weizenmalz. Weizenbiere sind mit Ausnahme des Kristallweizens trübe Biere. Sie haben einen weißen, feinporigen und sehr festen, standhaften Schaum. Sehr typisch für helle Weizenbiere sind Aromen nach Bananen, Zitrusfrüchten, Äpfel und Nelken. Hopfenaromen sind weitgehend abwesend. Im Antrunk kann eine malzig-fruchtige Süße zum Vorschein kommen, die aber schnell von der hohen Rezenz und der oftmals leicht säuerlichen Note in den Hintergrund tritt. 103


SPEZIAL _CRAFTPROBE

IM CHECK: HEFEWEIZEN (HELL)

Von süddeutsch bis norddeutsch, von kleiner Privatbrauerei bis zur großen Getränkegruppe. Was unsere zehn Weißbiere verbindet: Sie sind mehr als empfehlenswert! GUTMANN HEFEWEIZEN Brauerei Gutmann, Titting

Ein echtes Charakterweizen. In der Nase eine deutlich ausgeprägte Hefeblume mit viel Banane. Mild-harmonischer Antrunk, dann macht die lebendige Kohlensäure Platz für die überraschende Hopfennote. In den fruchtig-würzigen Geschmack gut eingebundene Bittere. Eigenständig und überraschend.

BERNSTEIN-WEIZEN Störtebeker Braumanufaktur, Stralsund

Der flüssige Beweis, dass auch die Nordlichter ein sehr ordentliches Weizenbier brauen können und dabei ihren eigenen Stil finden. Weizen-, Caramel- und Pilsener-Braumalze verleihen dem Bier die kräftige Bernsteinfarbe und bauen das Bett für das satte Aroma mit viel Nelke, Trockenobst und Karamell. Fruchtig-spritzig mit lebendiger Süß-Säure-Balance. Eher für den US Wheat Beer-Fan als für den oberbayerischen Traditionalisten geeignet. Alkoholgehalt: 5,3 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l) www.stoertebeker.com

Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: ca. 1,20 € (0,5l) www.brauerei-gutmann.de

KÖNIG LUDWIG WEISSBIER HELL König Ludwig Schloßbrauerei Kaltenberg, Fürstenfeldbruck

WEISSER HIRSCH ALLGÄUER WEIZEN Privatbrauerei Höss, Sonthofen

BENEDIKTINER WEISBIER NATURTRÜB Benediktiner Weißbräu, Ettal

Erfrischendes und ausdrucksstarkes Weißbier. Duft von dunklem Honig und reifem Getreide. Im Trunk entfalten sich zitronige Spritzigkeit mit zartem Prickeln. Es ist angenehm schlank und suffig.

Ein klassisch-oberbayerisches Weißbier mit frisch-fruchtiger Nase, viel Bananenaroma und prägnanter Säurestruktur bei leicht malzigem Grundton. Im Trunk sehr schlank und süffig.

Alkoholgehalt: 5,4 % vol., Preis: ca. 1€ (0,5 l) www.benediktiner-weissbier.de

Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l) www. koenig-ludwig-brauerei.com

Ein Paradebeispiel für ein frisches und spritziges Weißbier. In der Nase neben viel Banane und etwas Nelke vor allem deutliche Zitrusanklänge. Der leicht säuerliche Antrunk und die ausgeprägte Kohlensäure kitzeln die Geschmacksnerven wach. Dezente, belebende Bittere im Abgang. Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: ca. 1,50 € (0,5 l) www.hirschbraeu.de

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MAISEL‘S WEISSE ORIGINAL Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth Unser Champion kommt aus Bayreuth. Das Maisel‘s Weisse Original überzeugt schon in der Nase mit einer Mischung aus feiner Hefe, Banane und viel Frucht. Sanfter Antrunk, gute Süße-Säure-Balance, dabei mit komplexer, lang anhaltender Aromatik mit einem Hauch von Rauch. Die perfekte Kohlensäurestruktur unterstützt die extrem hohe Drinkability dieses Weißbiers.

ERDINGER URWEISSE Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, Erding

Ein urig-bayerisches Weißbier, das zeigt, wie groß die Range in diesem Stil sein kann. Kräftige Hefenoten in der Nase, Gewürznelke und Banane folgen, auch Malz. Die ausgeprägte Rezenz unterstützt das obergärige Profil. Trotz des geringen Alkoholgehalts vergleichsweise voller Malzkörper. Leichte Bittere im Abgang.

Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l) www.maisel.com

Alkoholgehalt: 4,9 % vol., Preis: ca. 1,20 € (0,5 l) www.erdinger.de

PAULANER HEFE-WEISSBIER NATURTRÜB Paulaner Brauerei, München

FRANZISKANER WEISSBIER NATURTRÜB Spaten-FranziskanerBräu, München

Klassischer und süffiger geht‘s kaum. Tolle Frucht (Banane, Mandarine) in der Nase, perfekte Rezenz, bestens ausbalanciert. Viel Trinkfreude bei recht geringem Alkoholgehalt. Optimal gebraut für den Biergarten!

Der Münchner Klassiker bringt in der Nase neben der typischen Banane noch etwas exotische Früchte mit. Lebendiger Trunk dank ausgeprägter Kohlensäure, gute Balance aus Süße und Bittere. Spritzig, mild und süffig.

Alkoholgehalt: 5 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l) www.franziskaner-weissbier.de

Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: ca. 1 € (0,5 l) www.paulaner.de

KETTERER UR-WEISSE HELL Familienbrauerei M. Ketterer, Hornberg Dieses Weißbier aus dem Schwarzwald lockt mit einem frisch-fruchtigen Aroma, das Hefenoten mit u.a. Banane verbindet. Sanfter, dabei zart prickelnder Antrunk. Harmonischer, recht voller Körper mit deutlichen Hopfennoten und dezenter Bittere. Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: ca. 1,50 € (0,5 l) www.kettererbier.de

IN DER NÄCHSTEN AUSGABE: DIE BESTEN BIERE DES MEININGERS INTERNATIONAL CRAFT BEER AWARD 2017 DIE NÄCHSTE CRAFTPROBE VERÖFFENTLICHEN WIR IM NOVEMBER, THEMA: EISBOCK Sie wollen dabei sein? Dann senden Sie uns Produktmuster (Minimum drei Flaschen) Ihres Bieres bis zum 8. September 2017 an:

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Meininger Verlag GmbH Redaktion CRAFT Rubrik „Craftprobe 1-2018“ Maximilianstraße 7-17 67433 Neustadt/Weinstraße

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ZUR WERTUNG: Für die „Craftprobe“ bewertet der Vorstand des Meiningers International Craft Beer Award, bestehend aus Prof. Dr. Dominik Durner, Christian Neumer, Dirk Omlor und Benjamin Brouër, die Biere in einer Blindverkostung hinsichtlich Geruch, Geschmack und Gesamteindruck. Basis bildet das bewährte 100-Punkte-Schema.

100-96 Punkte: Weltklasse 95-91 Punkte: Herausragend 90-86 Punkte: Sehr gelungen 85-81 Punkte: Gelungen No. 03-2017

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BIERMYTHEN

Das richtige Porter Z

ugegeben: Vor 30 Jahren war die Bierwelt viel einfacher. Wenn da jemand ein Porter angeboten hat, dann hat er oder sie gewusst, was da zu erwarten war: Ein schwarzes Bier mit kräftigen Aromen von dunklem Malz. Meist der Stolz der Brauerei, eine Rarität, die auch gewürdigt wurde – denn es hat damals ja kaum Brauereien gegeben, die überhaupt ein Porter gebraut haben.

FOTO: GÜNTER MENZL

So hat man im polnischen Cieszyn, in der alten Burgbrauerei, schon damals das Zywiec Porter gebraut, eines der kräftigsten Biere Polens, übrigens mit phantastischen Alterungseigenschaften. Ähnlich, aber etwas weniger süß, war das Porter der finnischen Synebrychoff Brauerei in Helsinki. Und das gegenüber diesen beiden Bieren noch trockener wirkende Porter der Hoepfner Brauerei in Karlsruhe hatte seinen eigenen Reiz – wirklich vergleichen konnte man die drei Biere nie, weil es keinen Getränkehandel gegeben hat, der alle drei Biere geführt hätte. Und Bierbewertungen im Internet gab es schon gar nicht.

So ist auch nicht weiter aufgefallen, dass sich das Porter in den baltischen Staaten anders entwickelt hat als in Deutschland, wo die meisten Brauereien im Ersten Weltkrieg die Herstellung aus patriotischen Gründen eingestellt haben, man wollte ja kein „englisches“ Bier anbieten. Denn Porter ist natürlich ein genuin englischer Bierstil – in den 1720er Jahren als billigere Alternative zu den länger gereiften und edelsauren „Stale Ales“ eingeführt, die bei Tisch so hoch wie teure Weine geschätzt wurden. Die englischen Porter vor 30 Jahren waren ihrerseits ebenfalls Raritäten – denn der Stil war damals aus der Mode gekommen. Wer die Gelegenheit hatte, in Sachen Bier unterwegs zu sein, konnte allerdings nicht umhin, den großen Unterschied zwischen den kontinentaleuropäischen Porter-Bieren und den viel leichteren, stets auch etwas säuerlich-erfrischend schmeckenden, englischen Varianten zu erkennen. Ja, das englische Porter! Das schien das Original zu sein. Da kursierte in der Brewery History Society die Hypothese, dass Porter in den ersten Jahren aus steuerlichen Gründen als Verschnitt von lange gereiftem Stale Ale und jungem dunklem Ale hergestellt wurde. Die Fässer, die das fertig gemischte Bier enthalten haben, hätten mit Kreide das „P“ aufgemalt bekommen – für die lateinkundigen Kaufleute das Zeichen für „ad porta“, dieses Bier könne also die Brauerei verlassen. Das hat viel für sich – Überlieferungen von Zeitzeugen sind aber nicht zu finden. Könnte ein Mythos sein. Ebenso wie es ein Mythos sein könnte, dass das Porter seinen Namen daher habe, dass es das bevorzugte Getränk der Taglöhner, der Porters gewesen ist. Das klingt zwar logisch, dagegen spricht aber, dass Bier im frühen 18. Jahrhundert sehr viel teurer als Gin war; gerade die Taglöhner würden daher eher zu Gin gegriffen haben. Aber auch das können wir nur vermuten. Was wir sicher wissen: Das Londoner Porter, wie es in den letzten 100 Jahren gebraut worden ist, ist wahrscheinlich leichter als das, was vor bald 300 Jahren erfunden wurde. Denn auch im Vereinigten Königreich wurde das Bier während des Ersten Weltkriegs verändert – es wurde aus Mangel an Rohstoffen leichter gebraut und ist nie zur alten Stärke zurückgekehrt. Das haben die CraftBrauer teilweise wieder gutgemacht. Dies erklärt aber auch, warum es heute so viele verschiedene Porter-Stile gibt.

Conrad Seidl, allgemein als „der Bierpapst“ bekannt, schreibt und unterrichtet seit drei Jahrzehnten über Bier. Wöchentlich verkostet er ein Bier auf www.beerweekly.com.

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mit nordafrikanischen Hibiskus-Blüten, die das Bier tief rosa färben und ein blumiges Aroma präsentieren. Auf altehrwürdigen Kräuterrezep­ turen schwören aber auch immer mehr deutsche Teams. So etwa die Ricklinger Landbrauerei nordwestlich von Lübeck, die ihre „Ricklinger Porse“ an mittelalterliche Trinkgewohnheiten anlehnen. Hopfen wird durch Porsekraut ersetzt, eine Heidepflanze, die eine sehr frische, pflanzliche Note in das goldgelbe Malzgetränk bringt. Auch das Klostergut „Harz Craft“ aus Wöltingerode bei Goslar wagt sich mit einem Grutbier an den Markt, das mit Rosmarin aus dem eigenen Kloster­ garten gestopft ist. Noch mutiger zeigt sich die junge Craft-Schmiede Yankee & Kraut aus Ingolstadt. In Kollaboration mit Freigeist aus Köln und Pirate Brewing aus Berlin bastelten sie ein ganz ungewöhnliches Spezialbier mit sechs Prozent Alkohol. Das Besondere dabei: Sie gaben neben Malz und Hopfen, Salz und Zitronensaft auch Eukalyptus, Pfefferminze und Wacholderbeeren in den Sud. Der Geschmack ihres „Room 101“ erinnert etwas an Hustensaft – eine echte Herausforderung für abenteuerfreudige BierGeeks. Was wie Medizin schmeckt, ist dann vielleicht besonders ge­sund…

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FOTO:PINKPUEBLO - FOTOLIA.COM

Gemessen an der 6000-jährigen Geschichte des Bieres, ist Hopfen ei­ne doch junge Erscheinung. Bis ins hohe Mittelalter wurden Gerstensäfte vornehmlich mit variablen Kräutermischungen angereichert. Aber selbst, als die Mönche im 13. Jahrhundert die Vielseitigkeit des Hopfens entdeckten, wurde immer noch fleißig mit Gewächsen aus dem Klostergarten weitergebraut. Auch

heute noch gehören diese Pflanzenbiere in einigen Regionen Nordund Osteuropas unter der Bezeichnung „Gruit“ oder „Grut“ zum Standardangebot vieler Brauereien. Vor allem die Belgier wollen auch heute nicht auf die berauschende Wirkung von Myrte, Schafgarbe und Holunderblüten verzichten. Jetzt wagen sich auch immer mehr experimentierfreudige Jungbrauer an die alten Rezepturen. Vorreiter ist die dänische Brauerei Thisted Bryghus im nördlichen Jütland, die für ihr 5,8-prozentiges „Porse Gold“ handverlesene Moor-Myrte verwendet, die schon im Mittelalter als „Gagel“ eine wichtige Sudbeigabe war. Das Kraut ersetzt einen Teil der Hopfenbittere und bringt eine ungewöhnliche Würze ins goldfarbene Bier. Inzwischen ist der Trunk ein echter Exportschlager der Brauerei. Dass solche Kräuterbiere keineswegs seelenlose Drinks für Alchimisten sind, sondern eine immer größere Fangemeinde gewinnen, zeigen auch die vielen internationale Preise, die kleine Kreativschmieden derzeit mit ihren Botanical-Suden abräumen. So gewann gerade erst die italienische Brauerei MC77 Birrificio Artigianale die Goldmedaille beim European Beer Star für ihr „Fleur Sophronia“. Hinter dem Namen steht ein belgisches Blanche

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EVENTS+TERMINE CRAFT BEER WERKSTATT Sa+So, 13.+14. Mai, Landshut, Sparkassen-Arena. Größte CraftbierMesse in Niederbayern. 31 bayerische Brauereien stellen in Landshut 100 Craftbier-Spezialitäten vor. Mit dabei ist eine mobile Brauerei. www.facebook.com/events/1852056385029427 WIENER BIERFEST Do-So, 18.-21. Mai, Wien, Am Hof. Zum achten Mal wird in der österreichischen Landeshauptstadt die Bierkultur gefeiert. www.wienerbierfest.at HANDGEMACHT – FRÜHLINGSEDITION Fr-So, 19.-21. Mai, Berlin, Kulturbrauerei. In der alten Schultheiss Brauerei am Prenzlauer Berg dreht sich an drei Tagen im Frühjahr alles ums Bier – inklusive Streetfood. Motto: „Junges Brauen trifft Straßenküche“. www.handgemacht-berlin.de CRAFT BIER FESTIVAL Mi-Fr, 24.-26. Mai, Regensburg, Neupfarrplatz. Zum dritten Mal findet das Craft Bier Festival in Regenburg in diesem Jahr statt. Versprochen werden „Neue Biere aus Bayern & der Welt“. www.craftbierfestival.de FESTIVAL DER BIERKULTUREN Sa+So, 27.+28. Mai, Köln, Bürgerzentrum Ehrenfeld. Achte Auflage des etablierten Festivals. Kleine und regionale Brauereien zeigen klassische wie innovative Bierspezialitäten. www.facebook.com/festivalderbierkulturen FEST DER 100 BIERE Fr-Mo, 02.-05. Juni, Thalmassing, Kirchbergstraße. An die 600 Biere können die Besucher hier vier Tage lang testen. Toll: Der Erlös aus dem Bierverkauf wird für karitative Zwecke gespendet. www.festder100biere.de FRÄNKISCHES BIERFEST 2017 Mi-So, 14.-18. Juni, Nürnberg, Burggraben Kaiserburg. An fünf Tagen können die Besucher über 100 verschiedene Biere von rund 40 kleinen und mittelständischen Brauereien testen. www.bierfest-franken.de CRAFT MARKET Fr-So, 16.-18. Juni, Hamburg St. Pauli, Rindermarkthalle. Nationale und internationale Brauer präsentieren ihre Craftbiere. Dazu gibt’s lecker Streetfood. www.craft-market.hamburg BERLIN BEER WEEK Fr-So, 21.-30. Juli, Berlin. Volle zehn Tage finden bei der dritten Berlin Beer Week wieder an vielen Orten, überall in der Hauptstadt verteilt, zahlreiche Veranstaltungen statt. www.berlinbeerweek.de KULMBACHER BIERWOCHE Sa-So, 29.07.-06.08., Kulmbach, Veranstaltungsgelände der Kulmbacher Brauerei Lichtenfelser Straße. Die Kulmbacher Bierwoche lockt als reines Bierfest — ohne Fahrgeschäfte und Rummel — jährlich rund 120.000 Besucher an. www.kulmbacher-bierwoche.de 21. INTERNATIONALES BERLINER BIERFESTIVAL Fr-So, 04.-06. August, Berlin, Karl-Marx-Allee. Zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor ist an diesen Tagen wieder der „längste Biergarten der Welt“ zu finden. www.bierfestival-berlin.de

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ZEHN TAGE BIERKULTUR Nach der Premiere 2015 geht die Berlin Beer Week dieses Jahr vom 21. bis 30. Juli in die dritte Runde. Über die Hauptstadt verteilt, finden an vielen Orten gleichzeitig wieder zahlreiche Veranstaltungen statt: Von Tastings, über Brauereiführungen, Pop-up-Biergärten, Konzerten, bis hin zu Stadtführungen im Zeichen der Berliner und internationalen Craftbier-Szene ist viel geboten. Außerdem gibt’s wieder ein offizielles „Berlin Beer Week Bier“ von Berliner Brauern sowie ein großes Auftakt- und Abschlussfest.

FÜR DEN GUTEN ZWECK

FOTO: TINE KIRCHMAYER FOTOGRAFIE

AUF KEINEN FALL VERPASSEN:

Bereits seit 2008 findet das Fest der 100 Biere im bayrischen Thalmassing statt. Waren es zu Beginn 111 Biersorten, so konnten die 4.500 Besucher im letzten Jahr schon zwischen 599 verschiedenen Bieren wählen. Dieses Jahr soll dann natürlich die 600er-Marke geknackt werden. Organisiert wird das Fest vom Verein „Dorfgemeinschaft Wolkering und Umgebung“. Das Besondere: Der Erlös aus dem Bierverkauf wird komplett gespendet. So gingen im vergangenen Jahr 10.000 Euro an verschiedene soziale Projekte und Einrichtungen.

BEER, FOOD & DESIGN Wer Handgemachtes liebt, ist auf dem Craft Market in Hamburg, 16. bis ­18. Juni, genau richtig. An der Rindermarkthalle St. Pauli gibt es neben jeder Menge CraftbierSpezialitäten auch ausgewählte Spirituosen, leckeres Streetfood und zahlreiche handwerkliche Highlights. Es präsentieren rund 30 nationale und internationale Brauereien ihre Biere, darunter Oedipus Brewing (Amsterdam), BROY (München), Lillebräu (Kiel) und die Wacken Brauerei (Wacken). Klar gibt’s gute Live-Musik und DJs legen auf. Das Tagesticket kostet 5, die Dreitageskarte 10 Euro.

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DIE SCHLAPPEN FLIEGEN

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5 Uhr mit dem traditionellen Weckruf aus den Betten geschmis­ sen. Um 8 geht’s dann in­ zünftiger Kluft zum Schießhaus, von dort zum Rat­haus, wo nach der offiziellen Begrüßung die neue Schlappenköni­gin oderderSchlappen­könig gekrönt wird. Ausgetragen wird der Wettstreit bereits am Sonntagnachmittag unter geladenen Gästen FO und dem einen oder anderen mutigen Schützen, der sich dafür qualifizieren konnte. Belohnt wird der Sieger übrigens mit einem Frei-Park-Ticket für ein ganzes Jahr und einer Zitrone. Nein, nicht um Tequila zu trinken. Die Zitrone gehört seit jeher zur Siegerprämie, musste sie doch früher extra aus Sizilien oder Spanien importiert werden und war deshalb etwas Teures, etwas Besonderes. Nach sportlichem und festlichem Teil wird bei Schlappenbier dann ausgelassen im großen Festzelt gefeiert.

FOTOS: KULMBACHER BRAUEREI

T O:

Am 12. Juni könnte es passieren, dass einem im bayerischen Hof die Schlappen um die Ohren fliegen. Seit fast 600 Jah­-ren ist das schon so, wenn nämlich am Mon­ tag nach Pfingsten der „Hofer Schlappentag“ gefeiert wird. Und weil an diesem Tag das Bier nicht fehlen darf, wird von der Hofer Scher­ del Brauerei ein extra Schlappenbier gebraut. Die Rezeptur wird über Generationen weitergegeben und bestens gehütet. Aber was hat´s mit den Schlappen auf sich? Die Tradition geht zurück bis 1432. Nach der Zerstörung der Stadt erhielten die Bürger vom Markgrafen zehn Jahre Steuerfreiheit, unter der Bedingung sich mit Waffen auszurüsten. So gründete man eine Schützengilde. Die meisten Mitglieder waren Handwerker, zu deren Kluft Holzschuhe, also Schlappen, zählten. Voilá — der Name war geboren. Am „Schlappentag“ werden die Hofer nun um

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CHEFREDAKTION Dirk Omlor 06321 8908-52, omlor@meininger.de KONZEPT Helmut Ortner REDAKTION Marika Schiller 06321 8908-89, schiller@meininger.de Caroline Hennemann 06321 8908-92, hennemann@meininger.de Benjamin Brouër 06321 8908-35, brouer@meininger.de FREIE AUTOREN UND MITARBEITER Fridtjof Atterdal, Svenja Dietz, Claudia Doyle, Ellen Gärtner, Mareike Hasenbeck, Eva Hirsch, Lisa Luginger, Björn Rosen, Conrad Seidl, Hans Wächtler GRAFIK  Patrick Rubick, Steffen Heppes, Sandra Kollek TITELFOTO Daniel Reiter PRODUKTION Horst Emmert GESAMTLEITUNG MEDIA Ralf Clemens, 06321 8908-81 MEDIABERATUNG Sarah Grundmann, 06321 8908-53, grundmann@meininger.de Susanne Kleber, 06321 8908-66, kleber@meininger.de ANZEIGENVERWALTUNG Miriam Raffel, 06321 8908-48, raffel@meininger.de ANZEIGEN siehe Preisliste Nr. 3, gültig ab 01.01.2017 ABONNENTEN Jahresabonnement EUR 28,00 inkl. MwSt. und Versandkosten (Auslandspreis EUR 36,00) Einzelheft EUR 7,00 zzgl. Versandkosten Preise für Zusatzabos auf Anfrage VERTRIEB (Deutschland, Österreich, Schweiz, Benelux) DPV GmbH, Hamburg Meiningers Craft ist im Bahnhofsbuch- und ausgewähltem Zeitschriftenhandel erhältlich

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LESERSERVICE Melanie Bosse, 06321 89 08 – 41, bosse@meininger.de

GESCHÄFTSFÜHRUNG Andrea Meininger-Apfel, Christoph Meininger Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in OnlineDienste und Internet und die Vervielfältigung auf Datenträgern wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. © 2017 MEININGER VERLAG GmbH Im MEININGER VERLAG erscheinen außerdem: D 5721

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KOMPAKT Fracking-Gesetz noch vor der Sommerpause

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ALS „RÜCKSCHRITT für die Energiewende und als Zugeständnis an fossile Energien“, bewertet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den aktuell beschlossenen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Einsatz der umstrittenen FrackingMethode in Deutschland. Die Entscheidung, Fracking künftig zu erlauben, sei „weder unter umweltpolitischen Gesichtspunkten nachvollziehbar noch energiepolitisch das richtige Signal“, bemängelt DUHGeschäftsführer Sascha MüllerKraenner. Auf massive Kritik stoßen dabei im besonderen Maße mögliche Fracking-Einsätze in Schiefer- und Kohleflözgestein. Die Fracking-Gegner fordern indessen einen weitergehenden Schutz für Trinkwassereinzugs- und Naturschutzgebiete. Die Abstimmung über den vorgelegten Gesetzesentwurf soll noch vor der Sommerpause erfolgen. les

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GVG arbeitet am „GAM der Zukunft“

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IM SOMMER will die Rewe Für Sie Getränkevermarktungs- und Einkaufsgesellschaft (GVG) unter dem Titel „GAM der Zukunft“ ein neues Konzept für Getränkeabholmärkte vorstellen. Aktuell arbeite man zusammen mit seinen Vermarktungspartnern an diesem Projekt, so GVG-Geschäftsführerin Silke Rösler auf Anfrage. Der erste aktualisierte Markt soll voraussichtlich am 1. September dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden. les

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DIE MINERALBRUNNEN AG konnte trotz eines leichten Umsatzrückgangs von 1,6 Prozent auf 136,5 Mio. Euro ihre Profitabilität klar steigern. Positiv hat sich nach Unternehmensangaben besonders das Markengeschäft mit den beiden Marken Teinacher und Krumbach entwickelt, während man im Saftsegment Absatzrückgänge habe hinnehmen müssen. MinAG-Chef Michael Bartholl sieht sein Haus nach dem Restrukturierungsprozess gut aufgestellt: „Unser Konzern verfügt heute über ein hochwertiges Portfolio ertragreicher Marken im regionalen Mineralwassermarkt und im überregionalen Fruchtsaft- und Limonadenmarkt.“ les

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70

Quelle: Statistisches Bundesamt

DIE ZAHL

GFGH-Betriebe

GETRÄNKEFACHHANDEL Die negativen Zahlen spiegeln nur einen Teil der Branche wider: Gerade die filialisierten GAM-Ketten behaupten mit neuem Selbstbewusstsein ihre wachsende MarktBedeutung

sind in Folge der Insolvenz der Getränke-Ring-Gruppe im Oktober 2012 laut GFGHBundesverband bis heute ebenfalls in Konkurs gegangen.

DER LINK GET-IN-KONGRESS.DE

Titelthema Seite 6

! Seite 3

MinAG arbeitet wieder profitabel

Red Bull auch bei Aldi

DIE TROCKEN-MACHER

DISCOUNTER listet Energydrink in der 0,33 l-Dose Mit der Einlistung des Energydrink-Marktführers Red Bull hat der Discounter Aldi nach CocaCola eine weitere große AfG-Marke in sein Portfolio aufgenommen. Seit der Kalenderwoche 14 wird Red Bull in allen Aldi-Filialen zu einem Preis von 1,49 Euro für die 0,33 l-Dose angeboten, wie eine Sprecherin des Discounters gegenüber der GZ bestätigte. In europäischen Nachbarländern wie beispielsweise Holland ist Red Bull bereits in den Aldi-Märkten gelistet.

Doch nicht nur der preisliche Wettbewerb dürfte mit der Red Bull-Einlistung neue Fahrt aufnehmen, sondern auch das Thema Dosengebinde gewinnt zunehmend an Bedeutung für den Discount-Riesen. Die Listung von Red Bull in die Regale seiner Billig-Märkte läuft zeitlich fast parallel mit der Einlistung von Bier-Eigenmarken in der Dose. Weitere Einlistungen von Getränkedosen sind aber zumindest bei Aldi Süd nach Unternehmensangaben derzeit nicht geplant. les

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DIESMAL: BUD LIGHT SUPER BOWL-SPOT Der Super Bowl gehört zu den größten Sportveranstaltungen der Welt, bei dem jedes Jahr auch die neuen Werbespots mit Spannung erwartet werden. Mehrere Millionen Dollar blechen die Unternehmen für einen 30-SekundenSpot. „Du bist nicht nur hier zum Partymachen, du bist hier für die Freundschaft“. Um das zu verkünden, hat der amerikanische Bierkonzern Anheuser-Busch eigens für den diesjährigen Super BowlSpot von Bud Light sein altes Maskottchen Spuds MacKenzie auferstehen lassen. Für alle, die den Bullterrier noch nicht kennen: Seinen ersten Auftritt hatte das „Original Party Animal“ beim Super Bowl 1987 — feierte dieses Jahr also quasi sein 30-jähriges Jubiläum. Laut den New York Times konnte Bud Light seinen Verkauf mit dem drolligen Kerlchen damals um ganze 20 Prozent steigern. Bereits zwei Jahre später, 1989, schickte man ihn allerdings schon wieder in (Hunde)Rente. Zum einen weil der Hype um Spuds die Marke selbst in den Schatten stellte, aber auch, weil es Kritik hagelte, dass der Hund Minderjährige zum Biertrinken animiere. Im aktuellen Spot, quasi zurück aus dem Jenseits, erteilt er dem Protagonisten Brian — im Stil von Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ — nun eine Lektion, wie wichtig Freundschaft ist. Seine Seele könne nicht ruhen, wenn die Menschen kein Bud Light gemeinsam mit ihren Freunden trinken. So wie der Protagonist in Dickens Geschichte vom „Geist der verlorenen Weihnacht“ aufgesucht wird und mit ihm in die Vergangenheit reist, zeigt Spuds Brian Abende, an denen seine Freunde sich auch ohne ihn amüsieren oder ihn gebraucht hätten. Schließlich stehen die beiden vor dem Haus, in dem die Party stattfindet, zu der Brian eigentlich nicht gehen wollte. Bepackt mit Bud Light, schickt Spuds MacKenzie ihn ins Haus: „Du wirst ein Held sein“.

Den Spot gibt's hier:

https://www.youtube.com/ watch?v=aYeXldMEpV8

DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT AM 18. AUGUST 2017 114



No. 03-2017


BIER

PASST!

Nach dem Qualitätsversprechen von 1846. www.underberg.de

© Copyright 2015 by Underberg GmbH & Co KG Rheinberg

&


ANTON VE LTINS

CARL VELTINS

Das naturtrübe Grevensteiner ist geprägt durch erntefrischen Hopfen sowie historische Malze und zeichnet sich durch einen traditionsreichen Bierstil aus. Zum speziellen Brauverfahren, getreu dem deutschen Reinheitsgebot, gehört eine besondere Würzebereitstellung. Dieses Landbier wird durch seine seidigmatte Bernsteinfarbe und eine weiche Schaumkrone geprägt. Karamellaromen mit einem leichten Unterton nach Honig, gebrannten Mandeln und frisch-fruchtigen Noten dominieren das komplexe Aroma. Das Grevensteiner wirkt sehr spritzig und elegant. Eine leichte Röstbittere, gepaart mit nussigen Geschmackseindrücken eröffnet das ausgeprägte Finale, in dem sich ein Aromaeindruck von Sahnekaramellen entfaltet.

18888FS1603

EINER GREVENST 1920 UM BRAUEREI

Meiningers Craft 3/2017  

Mit MEININGERS CRAFT widmet der Meininger Verlag dem Thema Bierkultur erstmals einen eigenständigen Titel. Das Magazin erscheint vier Mal pr...

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