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Inselpräsident Ricardo Melchior

setzt auf erneuerbare Energiequellen tech“ Weihnachtliche Gedanken rundund um„high den Globus Megawelle Redakteur Günther Müller spricht mit Inselpräsident Ricardo Melchior über seine Wurzeln, seine Zeit in Deutschland und seinen beruflichen Werdegang vom HafenChefmanager über Energieforscher zum Spitzenpolitiker, mit der Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung Teneriffas. brechen mussten. Und dann nach dem Studium vier Monate Praktikum als Offizier oder Unteroffizier. Ich war bei der Artillerie. Aber das war nicht meine Welt und so nutzte ich jede Gelegenheit um zu lesen.

MEGAWELLE: Herr Melchior, wir möchten uns heute mit Ihnen weniger über politische Themen unterhalten, sondern unseren Lesern ein wenig von Ihrem privaten und beruflichen Werdegang aufzeigen. Ihr Deutsch ist nahezu akzentfrei, woher kommen diese Sprachkenntnisse? Ricardo Melchior: Nun, das hat mehrere Gründe. Beginnen wir bei den Wurzeln. Mein Vater war gebürtiger Hamburger und hat in Grenoble Rechtswissenschaften studiert. Er sprach, neben deutsch, perfekt französisch und da seine Mutter Engländerin war, auch perfekt englisch. Er wollte nach dem Studium die Diplomatenlaufbahn in Deutschland einschlagen. Dies hatten ihm leider die Nürnberger Gesetze untersagt, da er fünfzig Prozent jüdisches Blut besaß. So suchte er eine Möglichkeit im Ausland sein Geld zu verdienen. Den Rechtsanwaltberuf hatte er nie ausgeübt, sondern er nutzte seine juristische Bildung um auf Teneriffa verschiedene Unternehmen zu gründen und zu etablieren. Zuerst hatte er die Idee einer Zuckerfabrik, kam aber bald zu dem Schluss, dass dies in Amerika billiger produziert werden kann und ließ die Idee fallen. Er arbeitete für den EBRO Konzern und gründete die Bananen Produktionsgesellschaft „Agricola de Tenerife“, die zur 6

größten auf der Insel werden sollte und bei der er Mehrheitsgesellschafter war. Hier auf Teneriffa lernte er dann auch meine Mutter kennen, heiratete und sie bekamen vier Kinder. Ich war der dritte im Bunde. Gerade als nach dem Weltkrieg die deutsche Schule in Santa Cruz wieder eröffnet wurde, wurde ich 1952 dort eingeschult. Wir waren gerade mal 30 Schüler. Da hier jedoch nur die Mittleren Reife erreicht werden konnte, wechselte ich später, machte das spanische Abitur und studierte an der Universidad de Navarro in San Sebastian Maschinenbau mit dem Abschluss Diplomingenieur. MEGAWELLE: Wie kam es dann dazu, dass Sie nochmals in Deutschland in Aachen studiert haben? Ricardo Melchior: Ja, ich hatte schon als Student in San Sebastian immer den Wunsch etwas mehr zu machen, ein Aufbaustudium oder dergleichen. Als Studenten mussten wir einen speziellen Militärdienst leisten. Zwei Sommer, während der Semesterferien, so dass wir das Studium nicht unter-

Da gab es eine Montagszeitung, die bestand zwar zu 95% aus Sportnachrichten, aber hier fand ich eine ganz kleine Annonce in der stand dass die Bundesrepublik 13 Stipendien für Spanier in Deutschland vergibt. Es konnten sich alle Assistenten von Professoren, egal welcher Sparte sie angehörten, bewerben. Gute Noten waren vorausgesetzt. Ich bewarb mich spontan und bekam dann auch vier Wochen später von der deutschen Botschaft die Mitteilung, dass ich unter 750 Bewerbern in der Auswahl der letzten 40 stehe. Wieder einen Monat später kam ein Brief aus Bad Godesberg mit der Mitteilung, dass ich leider nur auf Platz 14 stehe und somit ausgeschieden sei. Da war natürlich die Enttäuschung groß, nur um einen Platz verfehlt. Ein oder zwei Tage später kam dann eine Korrektur, worin man mir mitteilte, dass ich den Stipendiumsplatz bekomme. Warum, ob einer abgesprungen war oder die Anzahl der Stipendien vergrößert wurde, ich weiß es bis heute nicht.

Das war ein sehr gutes Stipendium und ich werde dem Deutschen-Akademischen-Austauschdienst und der BRD immer dankbar sein für diese einmalige Chance. Normalerweise bekam man zur damaligen Zeit 400 Mark monatlich bei einem Stipendium. Ich bekam um die 1000 Mark, zwei Heimreisen im Jahr plus 600 Mark für Bücher. Das war damals viel Geld. Allerdings waren gute Ergebnisse im Studium vorausgesetzt, sonst konnte man bereits nach dem ersten Semester wieder die Heimreise antreten.

Megawelle Journal Januar 2011  

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