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Lösungen für das Gesundheitswesen S

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ISSN 2223-1080

Disruptive Chirurgie

Wohin geht die Reise? 8 | Management Standardisierte Patientenübergabe

Österreichische Post AG, MZ09Z038040M MEDMEDIA Verlag, Seidengasse 9/top 1.1, 1070 Wien © Elnur – stock.adobe.com

26 | Pflege Sturzprophlyaxe ist Teamwork 28 | Recht Wearables, die neuen „E-Medizinprodukte“ www.das-medizinprodukt.at


INHALT Politik, Verwaltung & Management News4 Digitalisierung I: Das vernetzte Pflegebett

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Digitalisierung II: Prototypen, Analysen und Evaluation

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Standardisierte Patientenübergabe

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Wirksam führen

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Leuchttürme in Sachen Patientensicherheit

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Medizin & Wissenschaft Früherkennung mit 3D-Technologie 

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Disruptive Chirurgie – Versprechen und Ausblick

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Organspende Niere

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Retten um jeden Preis?

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Überlebensrate bei Brustkrebs erforscht

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Osteoporose: Rasche Risikobestimmung

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Pflege & Home Care „CANDA“ – Netzwerk für den fachlichen Austausch

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Der intermittierende Katheterismus 

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Sturzprophlyaxe ist Teamwork

26

Service Wearables, die neuen „E-Medizinprodukte“

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Produktnews32 Kongresse und Termine 

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Schlusswort35

ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER

www.das-medizinprodukt.at

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Druckauflage: 21.540 im 1. Halbjahr 2017 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Neues Jahr, neues Glück? G

ute Vorsätze prägen traditionell den Jahreswechsel und die ersten Wochen danach. Was bleibt, wird sich schon in zehn Monaten zeigen, doch der angekündigte Veränderungswille der neuen österreichischen Bundesregierung gibt Anlass zur Hoffnung. Allen voran gratulieren wir Mag. Beate Hartinger-Klein zur Ernennung zur Bundesministerin für Soziales, Gesundheit und Frauen und freuen uns auf eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir erwarten, dass die profunde und durchsetzungsstarke Kennerin des heimischen Gesundheitswesens die längst überfälligen Reformen zügig vorantreiben wird. Immerhin verspricht das Regierungsprogramm auch strukturelle Veränderungen und die AUSTROMED sieht darin die Chance, das heimische Gesundheitswesen auf einen zukunftsweisenden Weg zu bringen. Viele der Ideen werden viel Mut und Durchsetzungskraft benötigen – hier bieten wir unsere Unterstützung als starke Vertretung der Medizinprodukte-Branche an. Die Herausforderungen für das heurige Jahr gehen aber weit über die Grenzen des Gesundheitssystems hinaus: Die Digitalisierung steht dabei wohl auf Platz eins, zwei und drei. Dass die Zukunft „data-driven“ ist, bestätigte kürzlich auch der Mathematiker Prof. Allan Hanbury anlässlich seiner neuen Stiftungsprofessur „Data Intelligence“ an der TU Wien. Durch die Digitalisierung sind wir mit einer wachsenden Menge an Daten konfrontiert, die Herausforderung heißt jetzt, diese Daten für die spezifischen Anforderungen im Gesundheitswesen effektiv und effizient zu kanalisieren, um den größtmöglichen Nutzen für Anwender und Patienten zu generieren. Eine Digital Roadmap für Österreich wurde schon vor einem Jahr im Ministerrat beschlossen, praktisch hat die Digitalisie-

rung natürlich längst auch ohne dieses Strategiepapier Einzug in unseren Alltag gehalten, inklusive eines eigenen Ministeriums für „Digitalisierung und Wirtschaftsstandort“. Bleibt zu hoffen, dass das Thema keinen österreichischen Weg einschlägt, sondern rasch vom Papier in die Praxis findet, um auch hier dem Gesundheitssystem bestmögliche Unterstützung zu leisten.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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© Oreste Schaller

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NEWS Endoskopische Bandscheibenoperation: Der Operateur führt ein Instrument mit Kamera in den Rückenbereich ein und kontrolliert das OP-Gebiet via Monitor

Ambulante geriatrische Remobilisation

Endoskopische Eingriffe an der Wirbelsäule

Die ambulante geriatrische Remobilisation ist ein für Österreich neues Modul der geriatrischen Versorgung und wurde auf Initiative des A. ö. Krankenhauses der Elisabethinen Klagenfurt GmbH 2013 im Rahmen eines Pilotprojekts gestartet. 2018 erfolgt die Ausweitung auf alle Kärntner Bezirke. Durch erfolgreiche Remobilisierung mittels mobiler Geriatrie ist ein längeres „Betreutwerden“ älterer Menschen in häuslicher Umgebung möglich. Bei der „ambulanten geriatrischen Remobilisation“ wird nicht der Patient ins Krankenhaus gebracht, sondern das mobile Team kommt zum Patienten nach Hause. Durch die erfolgreiche Reintegration zu Hause wird die Selbstständigkeit der Betroffenen verbessert und die Krankenhaus-Wiederaufnahmerate gesenkt.

Im Orthopädischen Spital Speising macht der Trend zu minimalinvasiven Eingriffen auch vor der Behandlung von Defekten an der Wirbelsäule nicht halt: Statt großer ­„offener“ Operationen werden bei Wirbel­säulenerkrankungen immer häufiger Mini-Eingriffe angewandt, etwa bei Bandscheibenvorfällen. „Im vergangenen Jahr führten wir zwei endoskopische Eingriffe an der Wirbelsäule durch, heuer werden es bis Ende des Jahres knapp 40 sein – mit weiter steigender Tendenz“, sagt Dr. Nazem Atassi, Oberarzt an der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie am

Muster erkennen durch maschinelles Lernen

© STUDIOHORS

www.barmherzige-brueder.at

Das mobile Team der ambulanten ­geriatrischen Remobilisation

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Die Fachhochschule St. Pölten entwickelt im Projekt „IntelliGait“ Algorithmen zum automatisierten Erkennen von Mustern in GanganalyseDaten, um Physiotherapeuten die Arbeit zu erleichtern und die Therapie zu unterstützen. Das Projekt entwickelt Mustererkennungsmethoden, die automatisiert Daten aus der Ganganalyse auswerten und nach möglichen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat klassifizieren. Eine Beurteilung erfolgt zwar immer durch Experten, diese werden aber durch die vorhergehende automatische Analyse unterstützt. So könnten Gangabweichungen früher erkannt oder der Ort des Problems am Bewegungsapparat, etwa Knie oder Hüfte, einfacher identifiziert werden. Zudem soll das System dabei unterstützen, sekundäre Probleme zu identifizieren, die oftmals leicht übersehen werden. Die Technik wäre auch in der Prävention einsetzbar, um Anzeichen für Schäden zu entdecken, bevor Menschen mit Beschwerden zu einem Arzt gehen. „Zum Klassifizieren der Daten nutzen wir sogenannte maschinelle Lernmethoden, oft auch als ‚künstliche

Orthopädischen Spital Speising. Dabei wird ein Endoskop, an dessen Spitze sich eine zwei Millimeter kleine Kamera befindet, in den Rückenraum eingeführt. Durch das Endoskop wird eine Zange geschoben. Der Chirurg kann nun über Monitore, die hochauflösende Bilder zeigen, den Bandscheibenvorfall lokalisieren und mit der Zange den Sequester entfernen. Der Schnitt am Rücken beträgt nur acht Millimeter; die Operation dauert etwa eine halbe Stunde. Dieser Eingriff erfordert hohes chirurgisches Geschick und wird in Speising vom Wirbelsäulenoperationsteam bestehend aus Neurochirurgen und Orthopäden durchgeführt. 

www.oss.at, www.kreuzschmerzen.info

Intelligenz‘ bezeichnet. Im Prinzip sind das ähnliche Methoden, die in Smartphones zur Gesichtserkennung verwendet werden. Hier suchen wir aber nach Mustern und Abweichungen in Gangbildern“, erklärt Sportwissenschaftler Brian Horsak, FH-Dozent im Studiengang Physiotherapie der FH St. Pölten und Leiter des Projekts IntelliGait. „Da diese Muster rein objektiv auf statistischer Basis ermittelt werden, sind sie oft komplementär zu bisher bekannten Merkmalen und können so zu neuen Einsichten führen und einen Erkenntnisgewinn direkt aus den Daten heraus generieren“, ergänzt Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher am IC\M/T. Das Projekt IntelliGait wird vom Land Niederösterreich über die NÖ Forschungs- und Bildungsges. m. b. H. (NFB) im Rahmen des Life Science Call 2014 gefördert und in enger Kooperation mit der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) durchgeführt, die anonymisierte Daten aus 20 Jahren klinischer Praxis bereitstellt. Die Universität Wien ist wissenschaftlicher Partner im Bereich Biomechanik. Die FH St. Pölten bringt die klinische Expertise und das technische Wissen zu den Analysen ein. www.fhstp.ac.at/de/forschung/  projekte/­intelligait


BRANCHENNEWS

Aus Patientendaten lernen

Die Analyse von Patientendaten bildet die Grundlage der personalisierten Medizin

© Klinikum Wels-Grieskirchen

Herzklappenring-Implantation ohne ­Eröffnung des Brustkorbes

Mittels Katheter wurde der Herz­klappenring mit 17 Ankern fixiert Einer der häufigsten Herzklappenfehler ist die Mitralinsuffizienz, eine Undichtigkeit der Mitralklappe des Herzens. Häufige Ursache ist eine Erweiterung des Klappenrings. Bei einer Undichtigkeit der Mitralklappe aufgrund eines erweiterten Klappenrings wurde bisher im Rahmen einer chirurgischen Operation unter Eröffnung des Brustkorbes am offenen Herzen ein Klappenring implantiert. Erstmals in Österreich wurde kürzlich am Klinikum Wels-Grieskirchen ein künstlicher Herzklappenring minimalinvasiv ohne Eröffnung des Brustkorbes bei einer Patientin implantiert.  www.klinikum-wegr.at

Vergleicht ein Arzt viele ähnliche Therapiefälle miteinander, fällt ihm die Entscheidung für eine individuelle Therapiemethode meist leichter. Doch das Sichten solcher Patientenkohorten und die Suche nach auffälligen Gemeinsamkeiten und Unterschieden nimmt viel Zeit in Anspruch. Eine Unterstützung dafür bietet die Software VA4Radiomics, die von Forschern der Abteilung Informationsvisualisierung und Visual Analytics des FraunhoferInstituts für Graphische Datenverarbeitung IGD entwickelt wurde. Radiomics – eine Wortkreuzung aus „Radiology“ und „Genomics“ – bezeichnet die Analyse von quantitativen Bildmerkmalen in großen medizinischen Datenbanken. Dazu werden auf Basis radiologischer Bilddaten statistische Aussagen über Gewebeeigenschaften, Krankheitsverläufe oder Diagnosen eines Patienten getroffen. VA4Radiomics entnimmt radiologischen Bilddaten Informationen und verknüpft sie anschließend mit den dazugehörigen Patientendaten. Dadurch können Patientenkohorten erstellt und individuelle Patientenmerkmale visualisiert werden. Die wiederum dienen Medizinern als Vergleich für Diagnosen, Therapien und Behandlungsergebnisse. Ein weiterer Vorteil ist, dass Ärzte theoretisch auch solche Patienten in den Vergleich einbeziehen können, die sie persönlich nie kennenlernen würden – etwa, weil einige Krankheiten nur sehr selten auftreten. Dabei können Patienten statt nur nach Alter oder Geschlecht nach jedem Merkmal, das aus den Bildern extrahiert wurde, ausgewählt werden. www.igd.fraunhofer.de


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Das vernetzte Pflegebett – ­Zukunft oder Wirklichkeit? u Sowohl stationäre als auch ambulante Pflegebetten können Daten von Patienten erfassen und verarbeiten. u Das erleichtert unter anderem die Koordination von Kontrollbesuchen, das Abrufen des Patientenzustandes und rechtzeitiges Eingreifen.

Notrufsignal Wiegesensoren

Ruffunktion

Bett verlassen wird. Besonders bei Demenzkranken ist dies eine wichtige Funktion, da diese Patienten oft einen starken Bewegungsdrang haben“, gibt Glied Einblick in die zahlreichen Features.

Feuchte­ sensorgen

Bewegungsmelder

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ebensmittelpunkt vieler Patienten und Pflegebedürftiger ist das Bett. Mittlerweile Standard sind elektrische Erhöhung und Absenkung von Liegeflächen, um ein leichteres Aufstehen zu ermöglichen. Noch neu auf dem Markt sind digital vernetzte Pflegebetten, die langfristig für besseren Komfort bei Pflegebedürftigen sorgen und das Potenzial haben, Pflegekräfte zu entlasten. Diese „intelligenten Pflegebetten“ erkennen beispielsweise, ob der Patient die Liegefläche verlässt, senden Notrufsignale oder schalten das Licht an. „Nach einigen Pilotprojekten in den letzten fünf Jahren sind die Produkte nun auch technisch weitgehend ausgereift“, ist Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH, eines Unternehmens, das sich auf maßgeschneiderte IT- und Technik-Lösungen für die ­Sozial- und Gesundheitswirtschaft spezialisiert hat, überzeugt. Kleine, smarte Sensoren im vernetzten Bett erfassen Messwerte und verarbeiten diese mithilfe von Mikroprozessoren mit komplexen Logikeinheiten. Zukünftig können sowohl stationäre als auch ambulante Pflegebetten Daten eines Patienten umfassend verarbeiten. „Eingebaute Wiegesensoren mit Frühwarnsystemen erfassen Bewegungen und erkennen, ob das

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Sobald der Patient aufsteht, erhält das Pflegepersonal ein Signal und kann rechtzeitig eingreifen, um Unfälle zu vermeiden. Mithilfe einer Kopplung der Wiege- mit einer Lichtsensorik profitieren Patienten aufgrund der Ausleuchtung des Bodenbereichs von mehr Sicherheit. Das Licht schaltet sich automatisch an, wenn der Patient das Bett verlässt. Zudem erkennen smarte Feuchtsensoren in einer Matte unter dem Bettlaken mögliche Inkontinenz und eine kompatible Ruffunktion sorgt dafür, dass Pfleger den Patienten zeitnah versorgen können. Erste Anbieter stellen diese Daten nicht mehr nur am Bett selbst zur Verfügung, sondern übermitteln sie an Server. Dort stehen sie über eigene Programme den Pflegekräften gebündelt zur Verfügung. „Das ist aber nur der erste Schritt. Mittelfristig ist es von großem Vorteil, die Daten in die fachlichen Softwaresysteme zu integrieren und diese nicht in einem isolierten Datenpool zu erfassen. Das erleichtert die Koordination von Kontrollbesuchen und gestattet einerseits das Abrufen des Patientenzustandes und andererseits das rechtzeitige Eingreifen“, so Glied. Mithilfe eines Kommunikationstools kann der Pflegebedürftige mit dem Personal in Kontakt treten und mit einem Tastendruck die Dringlichkeit seines Anliegens priorisieren. „Eine flächendeckende Verbreitung ist aber noch lange nicht erreicht. Bisher finden sich solche intelligenten Vernetzungen erst auf Intensivstationen“, weiß der Experte aus Erfahrung. Dabei handelt es sich um eine Investition, die sich für Pflegeheime, Krankenhäuser und Patienten durchaus lohnt. Pflegepersonal wird entlastet – sein Einsatz ist zielgerichteter und die Prioritäten im Arbeitsalltag lassen sich besser überblicken. Ein „Ja“ zu vernetzten Pflegebetten bedeutet letztlich mehr „Hände am Bett“. n www.khgh.at

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Mehr Sicherheit durch Technik


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Prototypen, Analysen und Evaluation u Die FH St. Pölten bündelt Know-how zu Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen im „St. Pölten Center for Digital Health Innovation“. u Das neue Zentrum soll für Experten und Patienten nützliche Assistenzsysteme entwickeln.

© vostal – stock.adobe.com

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ebündeltes Wissen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Digitalisierung und IT-Sicherheit steht seit Kurzem erstmals in St. Pölten zur Verfügung. Hier wird interdisziplinäre Forschung Realität. Rund 30 Forscher arbeiten fächerübergreifend an Lösungen, um bei zunehmendem Kostendruck durch unterstützende Technik gleichbleibende Behandlungsqualität sicherzustellen. „Forscher an der FH St. Pölten entwickeln unter anderem intelligente Schuhsohlen, die Fehlbelastungen beim Gehen hörbar machen und in der Rehabilitation unterstützen, verbessern die Analyse und Visualisierung von Gesundheitsdaten, um Therapeuten in ihrer Diagnoseerstellung zu unterstützen, oder erfinden neue technologische Lösungen, die älteren Menschen so lange wie möglich eine aktive und unabhängige Lebensführung ermöglichen“, sagt Mag. Dr. Jürgen Pripfl, Leiter des Departments Gesundheit und des Instituts für Gesundheitswissenschaften der FH St. Pölten und Koordinator des neuen „Center for Digital Health Innovation“. Das Zentrum setzt drei Schwerpunkte: Zum Thema „Design & Prototype“ entwickelt es Informations- und Kommunikationstechnik für den Gesundheits- und Sozialbereich, der Bereich „Collect & Analyze“ widmet sich der Datenanalyse und im Schwerpunkt „Assess & Evaluate“ werden Forscher Experimente unter anderem zur Benutzungsfreundlichkeit und Wirksamkeit durchführen und Technologiefolgen für das Gesundheitswesen abschätzen. Im Zentrum forschen derzeit vier Institute der FH St. Pölten interdisziplinär an gemeinsamen Projekten. Durch die neue Einrichtung werden Lehrende und Forschende der FH St. Pölten, die Expertise im Anwendungsbereich von Digital Social Care and Health besitzen, noch intensiver als bisher zusammenarbeiten. Neben dem Department Gesundheit und dem Studiengang ­Digital Health Care bringt das Institut für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) Expertise im Bereich der Datenanalyse und -visualisierung ein. Das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung erforscht die soziale Akzeptanz der Innovationen und den Einsatz der neuen Technik etwa im Bereich der Sozialfürsorge zum Beispiel in der Betreuung älterer Menschen. Und das Institut für IT-Sicherheitsforschung widmet sich Fragen der ITSicherheit und dem sicheren Umgang vor allem mit personenbezogenen Daten. n

NACHGEFRAGT BEI ...

... Mag. Dr. Jürgen Pripfl, Leiter des Departments Gesundheit und des Instituts für Gesundheitswissenschaften der FH St. Pölten und Koordinator des neuen „Center for Digital Health Innovation“ Woher kommen die Ideen zu den Projekten? Wie greifen Probleme aus der Praxis auf und denken nach, wie man diese lösen kann. Wir arbeiten hier sehr eng mit Kooperationen aus der Wirtschaft oder forschen im Auftrag der Industrie. Die Projekte sind zum größten Teil aus Drittmitteln finanziert und werden über Forschungsförderung finanziert. Wie gelingt der Praxistransfer und wie rasch kommen die Ergebnisse zum Patienten? Da unsere Projekte fast immer in Zusammenarbeit mit Anwendern entstehen, ist der Praxistransfer vom ersten Tag an sichergestellt. Oft kommen wir auch über die Prototypen zu Unternehmensgründungen, die vonseiten der FH unterstützt werden. Woran konkret forschen Sie mit Ihrem Team derzeit? IntelliGait nutzt etwa maschinelles Lernen als Plattform für die Erkennung von Gangmustern. Daraus entstehen Algorithmen zur Erkennung von Gangmustern, die zum Beispiel in der Rehabilitation im AUVA-Zentrum Weißer Hof zum Einsatz kommen sollen. „Children’s KNEEs“ untersucht beispielsweise die Auswirkungen von Übergewicht auf die Gelenke von Kindern und Jugendlichen und erarbeitet und evaluiert aus klinischer und biomechanischer Sicht ein physiotherapeutisches Trainingsprogramm. In zwei Projekten mit dem Titel BRELOMATE (Breaking Loneliness with Mobile Interaction and Communication Technology for Elderly) entwickelten und testeten Forscher der FH St. Pölten einen Prototyp für eine Spiele-, Informations- und Kommunikationsplattform für das Kartenspiel Schnapsen und für Videotelefonie. Eine solche Plattform könnte die soziale Isolation älterer Menschen reduzieren und auch zur direkten Kommunikation mit zum Beispiel Ärzten oder Pflegekräften genutzt werden, wenn diese das Haus nicht mehr verlassen können. Ein Fernseher bildet in Kombination mit einem Steuerungstablet das Herzstück der Plattform.

http://cdhi.fhstp.ac.at

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Standardisierte Patientenübergabe u Ein verbesserter Informationsfluss bei der Übergabe von Patienten reduziert Risiken und erhöht die Versorgungsqualität. u Das Know-how vom Roten Kreuz und den Vorarlberger Landeskrankenhäusern wurde nun in einem gemeinsamen Projekt zur standardisierten Patientenübergabe gebündelt. von Patienten geht. Deshalb bedeutet eine Standardisierung der Kommunikation zwischen den Sanitätern und den Mitarbeitern der Pflege in doppelter Hinsicht eine enorme Verbesserung: Von den Informationen profitieren einerseits Arzt und Pflege im Krankenhaus für ihre Entscheidung, was zu tun ist – und in weiterer Folge dann auch der Patient selbst, weil im Vorfeld alles Notwendige geklärt worden ist.

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as Rote Kreuz Vorarlberg übergibt im Rettungsdienst über 35.000 Patienten jährlich an das Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Diese Übergabe erfordert eine präzise und rasche Weitergabe von Informationen über die Patienten. Um hier mögliche Fehler zu vermeiden, hat das Rote Kreuz gemeinsam mit den Vorarlberger Landeskrankenhäusern die Übergabe von Patienten neu geregelt – in Form der „standardisierten Patientenübergabe“. Dadurch gibt es bei kritischen Übergaben, etwa bei Zeitdruck oder erhöhtem Patientenaufkommen, keine Kommunikationsprobleme mehr.

Kommunikation entscheidet Zeitdruck, erhöhtes Patientenaufkommen oder Stress im Nachtdienst sind Faktoren, die beim Aufeinandertreffen von Rettungssanitätern und Pflegepersonal zu Kommunikationsproblemen führen können. „Am Einsatzort bekommen unsere Mitarbeiter viele Informationen zum Patienten, zu seinem Umfeld und seiner sozialen Lage. Wenn unsere Mitarbeiter dafür sensibilisiert sind, welche Informationen für die weitere Behandlung, Pflege und spätere Entlassung – neben den medizinisch relevanten Informationen – wichtig sind, dann können sie einerseits bereits gezielt nachfragen und andererseits bei der Übergabe dem Krankenhauspersonal diese Informationen gezielt weiterleiten“, erklärt Dir. Roland Gozzi, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Vorarlberg, die Idee hinter dem Projekt der „standardisierten Patientenübergabe“. Die richtigen Informationen sind bei jeder Entscheidung ausschlaggebend, so besonders auch, wenn es um die Behandlung

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Andreas Enne, MA, Leiter des Rotkreuz-Bildungscenters und Projektleiter, trat an die Krankenhäuser des Landes mit der Idee heran, die Patientenübergabe zu standardisieren. Das Projektteam, bestehend aus Mitarbeitern des Roten Kreuzes und Pflegern der Landeskrankenhäuser, erarbeitete aus den Umfrageergebnissen das sogenannte „SMS-Briefing“, bei dem die Standard-Informationen mündlich ausgetauscht werden: Wie war die Situation vor Ort – bezüglich Unfallhergang, Erstbefund und Symptomen? Welche Maßnahmen wurden gesetzt und hat sich während des Transports etwas verändert? Ein wichtiger Punkt im SMS-Briefing ist außerdem die Sozialanamnese: Gibt es eine Bezugsperson? Wer ist informiert? Wer kommt ins Krankenhaus oder ist bereits jemand dort? Zusätzlich zur mündlichen Patientenübergabe gibt es weiterhin ein schriftliches Einsatzprotokoll des Roten Kreuzes, das an die Ambulanzen im Krankenhaus übergeben wird. Unterstützt wird dieses neue Übergabegespräch durch hilfreiche Info-Karten mit entsprechenden Fragen. „Ziel ist es, dass jene Pflegekräfte, welche die Patienten übernehmen, die notwendigen Informationen erfahren – und nur das Wesentliche und Wichtigste weitergegeben wird“, erklärt Elke Kovatsch, MSc, Bereichsleiterin Pflege LKH Rankweil und Projektpartnerin der ersten Stunde seitens der LKH. „In der Ambulanz für Erstversorgung am LKH Bregenz läuft die standardisierte Patientenübergabe bereits seit Anfang letzten Jahres als Testphase. Der neue Übergabeprozess wurde im Herbst in allen Landeskrankenhäusern sowie im Krankenhaus Dornbirn ausgerollt“, gibt Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführung der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Einblick. In den Krankenhäusern erfolgt die Fortbildung zum neuen Übergabegespräch in Form von Teammeetings, beim Roten Kreuz wird ebenfalls intern geschult.  n

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Neues Übergabegespräch: „SMS-Briefing“


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Wirksam führen u Der „Weitmoser Kreis“ unterstützt Führungskräfte aus der Medizin, ihre Management­ kompetenzen weiterzuentwickeln. u Aktuelle Studienergebnisse unterstützen dabei mit einem Set an Handlungsmöglichkeiten zur optimalen Mittelverteilung und -verwendung im Spital.

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rganisatorische, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen in Spitälern sind einem massiven Veränderungsprozess unterworfen. Das erfordert auch einen neuen Zugang zu Fragen der Führung. Daher haben sich im „Weitmoser Kreis“ österreichische Führungskräfte aus der Medizin zusammengeschlossen und fördern gezielt Managementkompetenzen von Ärzten in Führungspositionen oder solchen, die diesen Weg anstreben. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Deloitte wurde daher auch der Frage nachgegangen, wo Ärzte in Führungspositionen Effizienzhebel ansetzen wollen und welchen Gestaltungsspielraum sie dabei tatsächlich haben.

Kosteneffizienz in der Praxis Einfach an der Kostenschraube zu drehen, kann dabei nicht die einzige Strategie sein, wenn von Reformen die Rede ist.

NACHGEFRAGT BEI ... ... Dir. Dr. Heinz Brock, MBA, MPH, ­Sprecher des „Weitmoser Kreises“ Was war der Grund, warum sich der „Weitmoser Kreis“ des Themas angenommen hat? Wir unterstützen Ärzte schon seit mehr als zehn Jahren dabei, ihre ­Führungsaufgabe besser wahrnehmen zu können. Jetzt sind wir den konkreten und wirksamsten Ansätzen nachgegangen, indem wir eine breite Expertise abgefragt haben. Die Rückmeldungen aus den Spitälern zeigen uns, wo es in der Praxis das meiste Potenzial gibt.

© Dietmar/Lisa Mathis

Gab es für Sie besonders überraschende Ergebnisse? Wir sind offen in die Studie gegangen. Die Ergebnisse waren nicht über­ raschend und durchaus schlüssig. Es zeigt sich in der Studie eine Schere zwischen den Hebeln, die genutzt werden, und jenen, bei denen man sich viel Wirkung erhofft. Wie geht das zusammen? Der Blickwinkel von Ärzten, die in Führungspositionen arbeiten, ist anders als

Oft fehlt es aber in den Spitälern an den erforderlichen Zahlen und Fakten, die als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden können. So ist zum Beispiel das Thema Sicherheit und Risiko ungebrochen wichtig, doch welche Kosten damit verbunden sind – vor allem in der Prävention –, ist nicht direkt erkennbar. Wenn Veränderungen in Gesundheitseinrichtungen gebracht werden sollen, dann erfordert das auf jeden Fall die Beteiligung ärztlicher Führungskräfte. Ihr Hebel, die Mittelverteilung und -verwendung zu optimieren, ist beträchtlich, denn für die stationäre Gesundheitsversorgung in Österreich wurden im Jahr 2015 rund 14,4 Milliarden Euro aufgewendet, das entspricht 41,1 % der laufenden Gesundheitsausgaben. Und genau hier setzt eine Studie an, die der „Weitmoser Kreis“ gemeinsam mit der Unternehmensberatung Deloitte initiiert hat. n

jener von Ärzten, die am Patienten arbeiten. Daher ist es zum Beispiel nicht verwunderlich, dass die IT als Hebel der Zukunft angesehen wird. Beruhigend ist die Tatsache, dass wir uns alle sehr gut um das Kerngeschäft, die Patienten, kümmern und uns von Zukunftstechnologien hier Unterstützungen erwarten. Künstliche Intelligenz oder Expertensysteme haben viel Potenzial, das noch gehoben werden kann. Ärztliche Führungskräfte haben mit den Studienergebnissen den klaren Auftrag, hier Ideen zu entwickeln. Warum gehen die Meinungen zu einer optimalen Ressourcenverteilung zwischen Ärzten und Ökonomen im Spital so weit auseinander? Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf das Kerngeschäft. Wir wollen erreichen, dass Ärzte die Notwendigkeit der budgetären Wahrheit mehr respektieren. Gesundheitsökonomie darf für Ärzte kein fremdes Fach sein, sondern ein zentrales Hilfsmittel, um die Kernprozesse zu optimieren. Wenn man nur auf der Kostenbremse steht, bringt das keine Weiterentwicklung. Ich denke, dass zum Beispiel in der Personalentwicklung noch viel Potenzial steckt. Wer heute in Ausbildung und Personalorga­ nisation investiert, kann damit auch in Zeiten knapper Ressourcen gut reüssieren. Nicht immer ist der Nutzen von Maßnahmen messbar. Wie lösen Sie das? Ja, man kann nicht alles direkt messen, aber man kann zum Beispiel für Patientensicherheit Kenngrößen festlegen und Surrogatparameter einführen, die eine Entwicklung zeigen. Man kann auch Ziele festlegen und Strategien formulieren, deren Erreichung dann auch ein Messkriterium ist.

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Leuchttürme in Sachen P ­ atientensicherheit u Sieben Projekte wurden im Rahmen des Austrian Patient Safety Award kürzlich ausgezeichnet. u Die Zahl der Einreichungen belegt, dass ein modernes und nachhaltiges Gesundheitswesen nicht ohne grundsätzliches Verständnis für Qualität, Risikobewusstsein und Fehlermanagement auskommen kann.

ie Projekte erfüllen höchste Ansprüche an Qualität und Innovation“, bestätigt Dr. Brigitte Ettl, Präsidentin der Plattform und Ärztliche Direktorin im Krankenhaus Hietzing. Einreichen konnten Krankenanstalten, Abteilungen und Stationen sowie ambulante Gesundheitseinrichtungen wie Institutionen, Ordinationen oder Gruppenpraxen. Die Entscheidung über die Preisträger traf eine Jury aus dem Gesundheits- und Patientensicherheitsbereich. Die Projekte im Einzelnen:

ABS-Briefing Im Bundesland Tirol werden jährlich ca. 70.000 nicht Notarztrelevante Akutpatienten vom Rettungsdienst an das Pflegefachpersonal der acht Tiroler Fondskrankenanstalten übergeben. Untersuchungen belegen, dass 70 % aller Fehler in der medizinischen Versorgung auf „menschlichen Faktoren“ beruhen. An Schnittstellen, wie jener vom Rettungsdienst zur Notaufnahme, zählen mangelhafte Information und Dokumentation zu häufigen Fehlerquellen. In der Pilotphase des Projekts „ABS-Briefing“ – Aufnahmeinformation, Begleitinformation, Sozialanamnese – wurden das diplomierte Ambulanzpersonal aus drei Tiroler Krankenhäusern sowie die Mitarbeiter des Rettungsdienstes anhand einer Online-Umfrage zur Übergabesituation befragt. Ziel war die Entwicklung einer Checkliste zu den wichtigsten pflegeund patientenrelevanten Informationen, die als Standard in allen acht Tiroler Fondskrankenhäusern verwendet werden sollte. Im Sanitäterprotokoll müssen diese Informationen dokumentiert werden. Das ABS-Briefing wurde mittlerweile tirolweit eingeführt und das Gesamtprojekt durch eine weitere Online-Umfrage evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass eine nachhaltige Struktur zur Optimierung der Patientenübergabe vom Rettungsdienst an die Ambulanz eingeführt wurde.

Infektionserfassung Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen und antibiotikaresistente Keime beschränken sich nicht nur auf Krankenanstal-

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ten, sondern können in allen Gesundheitseinrichtungen auftreten und zählen zu den bedeutendsten Herausforderungen dieser Settings. Durch die flächendeckende Infektionserfassung in der Albert Schweitzer Klinik (ASK) werden Infektionsprobleme erkannt, analysiert und es können gezielte Hygiene-optimierende Interventionen durchgeführt werden. Die Implementierung einer Infektionserfassung führt so zu einer Reduktion Gesundheitssystem-assoziierter Infektionen und hat damit einen infektionspräventiven Effekt. Das stellt einen wichtigen Qualitätsindikator dar und ist somit ein wesentlicher Faktor für die Patientensicherheit. Die Dokumentation erfolgt im hausinternen elektronischen Krankenhausinformationssystem (KIS) durch die behandelnden Ärzte. Eine statistische Analyse der erhobenen Daten erfolgt durch die verantwortlichen Stellen in der ASK, mit Unterstützung des Hygienefachpersonals. Dadurch können Infektionsraten sämtlicher Gesundheitssystemassoziierter Infektionen gemessen und evaluiert sowie Daten zum Erregerspektrum und zum Antibiotikaverbrauch nach der jeweiligen Infektionsart ermittelt und analysiert werden.

Mangelernährung im Krankenhaus Die Prävalenz der Mangelernährung bei hospitalisierten Patienten ist hoch und liegt laut Studien bei bis zu 60 %. Die Folgen sind unter anderem höhere Komplikations-, Morbiditäts- und Mortalitätsraten, langsamere Wundheilung, höhere Pflegebedürftigkeit und höhere Kosten. Daher ist es notwendig, Patienten mit Risiko für Mangelernährung frühzeitig zu erkennen. Für die Bestimmung des Mangelernährungsrisikos sollen laut Leitlinien valide und reliable Screening-Tools verwendet werden. In der Praxis wird der Ernährungszustand häufig mit unzuverlässigen Parametern erhoben, wie zum Beispiel dem BMI oder dem klinischen Blick von Ärzten oder Pflegepersonen. So können mangelernährte Patienten übersehen und dementsprechend auch keine ernährungstherapeutischen Maßnahmen gesetzt werden. Ziel einer Patientensicherheitsinitiative am LKH-Univ. Klinikum Graz war es daher, Risikopatienten frühzeitig zu erkennen, möglichst rasch

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Reduktion des Aspirationsrisikos

Die Preisträger des Austrian Patient Safety Award

eine adäquate Ernährungstherapie einzuleiten und damit die Patientensicherheit zu erhöhen sowie evidenzbasiertes Handeln zu gewährleisten. Daher wurde das Grazer MangelernährungsScreening (GMS) entwickelt, das für alle erwachsenen Patienten unabhängig von Alter, Geschlecht oder Diagnosen gleichermaßen anwendbar ist. Es wurde in das elektronische Dokumentationssystem der KAGes implementiert und steht damit allen KAGes-Häusern zur Verfügung. Damit einhergehend wurden ein multidisziplinärer Handlungsalgorithmus entwickelt, eine Prozesslandkarte und SOP erstellt sowie eine wissenschaftliche Studie zur Validität und Reliabilität des Screening-Tools durchgeführt.

© Rüdiger Ettl

„Inhouse“-Training für geburtshilfliche Notfälle Eine Arbeitsgruppe des deutschen Aktionsbündnisses Patientensicherheit hat im Jahr 2010 durch eine Auswertung geburtsrelevanter Schäden festgestellt, dass fehlerhafte Abläufe während der Geburt zum Großteil mit unklaren Verfahrensregelungen bei Notfallsituationen, mit Kommunikationsproblemen im Team, mit verzögerter Entscheidung zu Kaiserschnittentbindungen oder mit einer Fehlinterpretation des CTGs (Kardiotokografie) zusammenhängen. Die fachliche Kompetenz spielt in dieser Analyse eine nachgereihte Rolle. 2015 wurde daher im Eltern-Kind-Zentrum in Mödling begonnen, geburtshilfliche Notfälle in unangekündigten Szenarien multidisziplinär „inhouse“ zu trainieren. Die Schwangere wird von einer Hebamme mit einem am Bauch getragenen Geburtssimulator dargestellt. Im Gegensatz zu Simulationstrainings in dafür spezialisierten Zentren galt der Schwerpunkt auch der Optimierung von Prozessabläufen direkt vor Ort im eigenen Tätigkeitsbereich und der Erstellung, Etablierung und Verbesserung von Standard Operating Procedures (SOPs). Durch ein strukturiertes Nachbesprechen mit ausgebildeten Trainern wurde und wird nicht nur die Kommunikation untereinander, sondern auch das Verständnis der unterschiedlichen Disziplinen und Berufsgruppen füreinander gesteigert und trägt zur weiteren Maximierung der Sicherheit für die anvertraute Mutter und ihr ungeborenes Kind bei.

Schluckstörungen stellen ein zunehmendes Problem dar: Zwischen 16 und 22 % der Bevölkerung über 55 Jahre sind betroffen, Tendenz steigend. Im Krankenhaus Spittal/Drau steht werktags eine Logopädin zur Verfügung. In ihrer Abwesenheit gibt es keinen fachlichen Ersatz, was zu Ungleichgewichten in der Betreuungsqualität führte. Die Implementierung des GUSS (Gugging Swallowing Screen) half, dieses Problem zu lösen. Dabei handelt es sich um ein valides, von Fachgesellschaften empfohlenes Testverfahren, das für die Anwendung durch Logopäden und Mitarbeiter des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege konzipiert und freigegeben ist. Durch den Einsatz des GUSS ist es gelungen, das Aspirationsrisiko zu senken, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen und das Risiko der Mangelernährung positiv zu beeinflussen. Schulungen, Erfahrungsaustausch und Qualitätskontrollen trugen dazu bei, dass der Qualitätslevel auch im Regelbetrieb gehalten werden konnte. Die Kompetenz der Mitarbeiter im Umgang mit Dysphagiepatienten wurde gesteigert und die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert.

Hygiene-Co-Pilot Die Händehygiene ist nach wie vor eine der wichtigsten Grundlagen für die Infektionsprävention zur Unterbrechung der Infektionskette. Ziel ist die Anleitung zur Durchführung der richtigen und automatisierten Händedesinfektion. Mit der Einführung des Hygiene-Co-Piloten im AUVA-Unfallkrankenhaus Klagenfurt wird bei allen Berufsgruppen während der Visite noch mehr Augenmerk auf die Händehygiene gelegt, als es bisher schon der Fall war.

Interprofessionelles Teamtraining Um kritische Situationen in der Pädiatrie zu meistern, erfordert es Erfahrung, Routine und ein erfahrenes eingespieltes Team. Durch medizinische Simulationstrainings kann Erfahrung frühzeitig in einem geschützten Bereich aufgebaut werden, damit der „Ernstfall nicht zum Ernstfall“ wird. Seit dem Wintersemester 2016 finden an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien interprofessionelle Simulationstrainings mit Studierenden der Medizinischen Universität Wien und Auszubildenden der Schule für Kinder- und Jugendlichenpflege am AKH Wien statt. In diesen Übungssequenzen wird ein pädiatrisches Simulationstraining mit dem Fokus auf Kindernotfälle durchgeführt, das durch einen Lehrer für Gesundheits- und Krankenpflege und einen Mediziner interdisziplinär begleitet wird. Zielgruppe sind alle Studierenden der Medizinischen Universität Wien ab dem dritten Studienjahr sowie Auszubildende der Schule für Kinder- und Jugendlichenpflege am AKH Wien in der Sonderausbildung für Kinderheilkunde.  n www.plattformpatientensicherheit.at www.twitter.com/pps_patienten

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Früherkennung mit 3D-Technologie Tomosynthese und Elastografie zählen aktuell zu den modernsten Verfahren in der bildgebenden Diagnostik zur Brustkrebs-Früherkennung.

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m Brustzentrum des Goldenen Kreuzes werden jährlich rund 9.000 Frauen untersucht. Jeden Befund begutachten zwei erfahrene Radiologen. Zeigt sich ein Karzinom, so erfolgt im Rahmen des Tumorboards eine fächerübergreifende Besprechung jeder Patientin. „Beim Brustscreening wurden im Zeitraum von Oktober 2016 bis September 2017 bei 279 Frauen Verdachtsmomente gefunden. Sie wurden durch eine MR-Untersuchung oder Biopsie weiter abgeklärt“, gibt Dr. Andreas Brezina, Leiter des Brustgesundheitszentrums, Einblick. „Bei der Tomosynthese beurteilen wir Schichtaufnahmen und nicht zwei Röntgenbilder pro Brust wie bei der konventionellen Mammografie. Das verbessert die diagnostische Genauigkeit um bis zu 50 %“, sagt Dr. Hans Jantsch, Leiter der Röntgenordination im Goldenen Kreuz. „Mit dieser 3D-Technologie können um rund ein Drittel mehr bösartige Tumore entdeckt werden und es gibt um fast 15 % weniger falsch positive bzw. falsch negative Befunde.“ Weitere Vorteile der Tomosynthese mit C-View-Technologie, wie sie im Goldenen Kreuz bei jeder Mammografie zum Einsatz kommt, sind neben der hohen Detektionsrate auch eine verbesserte Lokalisationsdiagnostik und eine geringere Strahlenbelastung. Da weniger Druck auf die Brust ausgeübt werden muss, empfinden das die meisten Frauen als angenehmer.

Jeder Tomosynthese folgt eine Ultraschall-Untersuchung. Zur besseren Erkennbarkeit von Gewebe kann auch die Elastografie eingesetzt werden. Dabei wird ein Ultraschallkopf mit leichter Druckausübung über das diffuse Gewebe navigiert. Eine entsprechende Software färbt dieses auf den Bildern seiner Elastizität entsprechend ein. Dunkelblau sind harte Stellen, die weiter abgeklärt werden müssen, denn Tumorgewebe ist häufig fester und derber als gesundes Gewebe. Ein Vorteil dieser modernen UltraschallMethode ist, dass damit Biopsien vermieden werden können. Die Kontrast-Mammografie ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem neu gebildete Blutgefäße sichtbar gemacht werden können. Zur Abklärung von verdächtigen Tumoren werden zwei Bilder der Brust mit unterschiedlichen Aufnahme-Parametern gemacht. Manche Tumore wachsen im Bereich der Milchgänge und sind oft durch Flüssigkeitsabsonderungen aus der Brustwarze erkennbar. Da sich aus diesen Papillomen sehr schnell Krebs entwickeln kann, ist die Früherkennung wichtig. Dazu ist es notwendig, den betroffenen Milchgang mit Kontrastmittel zu füllen. Auch dabei ist die Darstellung mithilfe der „Subtraktionstechnik“ eine wesentliche Verbesserung.  n www.goldenes-kreuz.at

3D-Navigation für mikro­ chirurgische HNO-Eingriffe u A ls erste Privatklinik Wiens nützt die Privatklinik Döbling ein computerbasiertes Navigationssystem für mikrochi­ rurgische Eingriffe im HNO-Bereich.

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gungen, sondern auch die Positionen der Instrumente immer gut sichtund lokalisierbar. Das unterstützt den erfahrenen Chirurgen und macht diese Eingriffe auch in komplizierten Fällen sehr sicher. Dieses Verfahren funktioniert auf elektromagnetischer Basis ohne Strahlenbelastung. Es eignet sich unter anderem auch für die Beseitigung von ausgedehnten Polypen und Tumoren. Die meisten Patienten können minimalinvasiv – also ohne Hautschnitt – operiert werden und so im Regelfall bereits am Tag nach dem Eingriff die Klinik wieder verlassen. www.premiqamed.at

Entgeltliche Einschaltung

Mikrochirurgischer Eingriff mit dem neuen 3D-Navigationsgerät in der Privatklinik Döbling. Hier wird gerade eine Nasennebenhöhle saniert

© Fiagon GmbH

Bei häufiger Nasennebenhöhlen-Erkrankung ist ein chirurgischer Eingriff sinnvoll, wenn trotz antibiotischer Therapie und mehrwöchiger Anwendung kortisonhältiger Nasensprays die Symptome fortbestehen. „Seit Kurzem können wir HNO-Operationen mit einem computerbasierten 3DNavigationssystem durchführen, was speziell bei heiklen Gewebestrukturen viele Vorteile bringt“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Kainz, Ärztlicher Leiter der Privatklinik Döbling. Das Navigationsverfahren basiert auf einem Bilddatensatz, der aus der Computertomografie kommt. Damit wird von den Nasennebenhöhlen des Patienten ein dreidimensionales Bild erzeugt, das während der Operation am Bildschirm aufscheint. Vor der Operation tastet der Chirurg mit einem speziellen Instrument die Oberfläche des Gesichtes ab und erzeugt so Bezugspunkte, die mit dem gespeicherten Datensatz abgeglichen werden. So sind während der Operation nicht nur die anatomischen Bedin-


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Automatisierte Prüflösungen Nachdem die Fertigungsprozesse im Bereich der Medizintechnik in den letzten Jahren ein hohes Automatisierungslevel erreicht haben, sind die Hersteller zunehmend bestrebt, auch ihre Prüf­ prozesse zu automatisieren.

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abei sollen sowohl die produktionsbegleitenden als auch die Prüfungen für die Produktfreigabe weitgehend automatisiert werden. Neben dem höheren Probendurchsatz ist vor allem die Steigerung der Reproduzierbarkeit, durch Wegfall des Bedienereinflusses, ein Hauptanliegen der Hersteller. Zwick Roell bietet unterschiedliche Automatisierungsstufen für die Prüfung von Spritzen, Insulinpens und Autoinjektoren an.

Wirtschaftliche Lösungen Der Markt für Fertigspritzen wächst kontinuierlich. Diese Entwicklung spiegelt sich im Wachstum von biologischen und komplexen Wirkstoffen sowie in den steigenden Anforderungen von Patienten und Pflegepersonal wider. Experten schätzen, dass sich dieser Markt bis 2024 auf ca. 6 Milliarden Einheiten verdoppeln wird.* Die steigenden Produktionszahlen haben auch Auswirkungen auf die Qualitätskontrolle. Die Industrie ist zunehmend auf der Suche nach sichereren und gleichzeitig wirtschaftlicheren Prüflösungen. Zwick Roell bietet für die Prüfung vorgefüllter Fertigspritzen eine spezielle Prüfvorrichtung in Kombination mit einer semiautomatischen Zuführeinheit an. Die Prüfvorrichtung dient der Bestimmung der Losbrechkraft und Gleitkraft für Spritzen, Karpulen und ähnlichen Dosiereinheiten. Die Prüfung ist angelehnt an die Normen DIN EN ISO 7886-1, DIN EN ISO 11499 und ISO 11040-4.

Entgeltliche Einschaltung

Höhere Taktfrequenz Die Losbrech- und Gleitkraft sind wichtige Parameter bei der Wahl geeigneter Spritzen. Diese Kräfte dürfen bestimmte Grenzen nicht über- und unterschreiten, um eine sichere Medikamentenapplizierung zu ermöglichen. Die Kräfte werden neben der Reibkraft in der Spritze von der Viskosität des Medikamentes und der Kanülengröße beeinflusst. Zur Reduzierung der Bedienereinflüsse (MSA 3/Gauge R&R Type 3) bei gleichzeitiger Erhöhung der Taktfrequenz kann die Prüfvorrichtung mit einer semi-automatischen Zuführeinheit kombiniert werden. Dieses Rotationsmagazin fasst bis zu 15 Spritzen und ist flexibel einsetzbar, da die Vorrichtung für unterschiedliche Spritzendurchmesser verwendet werden kann. Mithilfe eines zweiten Rotationsmagazins auf derselben Maschine kann auch die Kappenabzugkraft vor der Gleitkraft ermittelt werden. Die Prüfung wird über die Prüfsoftware testXpert III gesteuert und ausgewertet, dabei können alle Anforderungen der erwei-

terten Nachvollziehbarkeit gemäß FDA 21 Part 11 erfüllt werden. Zusätzlich kann das Prüfsystem auch mit einer Präzisionswaage ausgestattet werden, womit neben der Losbrech-/ Gleitkraft auch die austretende Medikamentenmenge bestimmt werden kann. Zur Unterstützung der Validierung der Prüfmaschine kann Zwick auch eine komplette Qualifizierung (DQ/ IQ/OQ) durchführen. n

Zwick GmbH & Co. KG August-Nagel-Straße 11 D-89079 Ulm Tel.: +49 7305 10-0 info@zwick.de www.zwick.de * Quelle: Visiongain, Pre-Filled Syringes and Related Systems: World Market Outlook 2014-2024.

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Disruptive Chirurgie – ­Versprechen und Ausblick as diesjährige Dreiländertreffen der Gesellschaften für minimalinvasive Chirurgie Anfang Jänner im Design Center in Linz fand unter hoher Beteiligung von Chirurgen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz und Vorträgen zahlreicher Experten statt. Unter dem Titel „Disruptive Chirurgie – Versprechen und Ausblick“ wurden vor allem auch Techniken, die neu und innovativ, aber oft noch nicht etabliert sind, beleuchtet. Prim. Doz. Andreas Shamiyeh hat als Kongresspräsident und Hausherr in Linz dieses Thema bewusst gewählt. Einige Innovationen mit disruptivem Potenzial im Überblick:

1. Single Incision – die „narbenfreie Chirurgie“ Vor genau zehn Jahren wurden die ersten Operationen in Österreich (Universitätsklinik Innsbruck, KH Barmherzige Brüder Salzburg) in dieser Technik durchgeführt, die den Bauchnabel als natürliche Narbe als Zugang in den Bauchraum nutzt. Der Vorteil für Patienten liegt vor allem in der Kosmetik und geringeren Schmerzen. Inzwischen ist bewiesen, dass sämtliche Bauchoperationen in dieser Technik sicher durchgeführt werden können. Für den Chirurgen ist dies allerdings mit entsprechendem Aufwand und einer Lernkurve verbunden und letztlich haben nur wenige Zentren diesen Aufwand auf sich genommen und führen dies nun hochspezialisiert durch. Mit je über 4.000 Fällen in dieser Technik haben Spitäler wie das KH Barmherzige Brüder Salzburg, KH Barmherzige

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Schwestern Wien, KH Kufstein oder das Kantonsspital St. Gallen/Rorschach diese Lernkurven längst überwunden. Die Zugangssysteme (Ports), die dafür entwickelt wurden, haben sich auf jene fokussiert, die eine Schutzfolie integriert und einen abnehmbaren Deckel mit mehreren Zugangstrokaren für die Operation anbieten. Zum Teil haben sie auch Eingang in die konventionelle minimalinvasive Chirurgie gefunden aufgrund der Praktikabilität während der Operation, beispielsweise bei Dickdarmoperationen. Einbringen und Abbergen von Instrumenten, Nadeln, Tupfern oder dem Operations­ präparat selbst mit der Möglichkeit, umgehend die Operation fortsetzen zu können, sind überzeugend. Darüber hinaus sind in abgewandelter Form Modelle dieser Ports entwickelt worden, die im Rahmen einer anderen Innovation dringlichst benötigt wurden und umgehend Eingang gefunden haben – in der Operation des tiefen Mastdarmkrebses von transanal, also von unten nach oben.

2. TaTME – der Zugang zum Mastdarmkrebs durch den Anus Seit über 150 Jahren wird der Mastdarmkrebs operativ angegangen, Mitte der 80er-Jahre kam es mit der Einführung der schichtgerechten Operationstechnik (RJ Heald) und auch der qualitativen Präparatbeurteilung (P Quirke) zu einer Revolution und deutlichen Verbesserung des Patientenüberlebens. Die

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Dr. Walter Brunner Leitender Arzt – Standortleiter Rorschach Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Endokrinund Transplantationschirurgie, Leiter Kolorektale Chirurgie Kantonsspital St. Gallen walter.brunner@kssg.ch

Einführung der minimalinvasiven Chirurgie in den 90er-Jahren wurde bei Mastdarmkrebs nur sehr langsam umgesetzt und lag bis dato bei etwa 30 %. Noch immer wird die minimalinvasive Technik von einigen abgelehnt, obwohl es bereits gute Literatur zur Anwendung und den Vorteilen in Expertenhand gibt. Single Incision und NOTES (Zugang zur Operation über natürliche Körperöffnungen) haben ab etwa 2004 die Grundlage für eine neue Technik geschaffen und 2010 wurden die ersten Fälle von Operationen am Mastdarmkrebs vorgestellt, die den Zugang und die Resektion von transanal aus ermöglichen. Dabei wird ein Teil der Operation weiterhin minimalinvasiv über den Bauchraum mit kleinen Schnitten durchgeführt, der Hauptteil im Tumorbereich jedoch von unten, ohne am Tumor vorbeipräparieren zu müssen. Das Absetzen mit ausreichend Sicherheitsabstand zum Krebs lässt sich mit keiner Methode besser bewerkstelligen. In über 355 Mastdarmkrebsoperationen in St. Gallen in den letzten fünf Jahren konnten beispielsweise gezeigt werden, dass im Vergleich die Umstiegsrate auf offene Chirurgie beim Mastdarmkrebs von selbst in erfahrenen Händen üblichen 10–17 % auf 0–4 % gesenkt werden konnte, die Präparate die deutlich beste Qualität aufweisen und auch die Gesamtmorbidität gesenkt wurde. Die Technik eignet sich auch für Operationen bei Colitis ulcerosa.

NACHGEFRAGT BEI ... … Prim Univ.-Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, FACS, FEBS Vorstand Klinik für Allgemein- und ­Viszeralchirurgie, Kepler Universitätsklinikum GmbH andreas.shamiyeh@akh.linz.at www.keplerklinikum.at

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Wie definieren Sie disruptive Chirurgie? Disruptive Techniken sind neu und innovativ, oft aber noch nicht etabliert und weitgehend anerkannt. Dennoch haben sie das Potenzial, herkömmliche Techniken komplett zu verdrängen. Warum ist es so schwer, manchen Techniken zu einem raschen Durchbruch zu verhelfen? Weil wir in der Medizin von Evidence-based-Standpunkten ausgehen. Für jedes neue Verfahren, jede neue Technik benötigen wir große randomisierte Studien, die alte und neue Techniken vergleichen. In einer sehr kurzlebigen Zeit kommen wir oft gar nicht dazu, hier lange Evidenz zu suchen. Etwa bei der laparoskopischen Gallenblase gab es nie große

3. Die Roboterchirurgie Und letztlich erarbeitet sich der Roboter auch wieder einen zukunftsweisenden Stellenwert in der Viszeralchirurgie wie auch in anderen operativen Fächern, nachdem sich die ersten Systeme im Wesentlichen nur in der Urologie etablieren konnten. Warum erst jetzt? Die neuen Systeme ermöglichen auch ein Arbeiten in mehreren Bauchregionen, am besten gekoppelt mit einem kombinierten OP-Tischsystem. Dabei steuert der Operateur die Instrumente, die über den Roboter übertragen werden. Das dreidimensionale Bild wird über die Kamera vom Operateur selbst gesteuert und es stehen drei Roboterarme für Instrumente zur Verfügung. Damit ist eine hohe Präzision in der Resektionstechnik möglich, Bildauflösung, Kameraführung, zitterfreies Präparieren und Einsatz von drei „Händen“ im Bauchraum stellen sicher einen Vorteil dar. Die Haupteinsatzgebiete werden am rechtseitigen Dickdarm, Magen, Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse sein, weiters bei komplexen Bauchdeckenhernien und, sobald ein entsprechender Roboter vorhanden ist, auch der transanale Zugang zum Mastdarmkrebs.  n

Quelle: 16. Dreiländertreffen Minimal Invasive Chirurgie, AMIC-CAMIC-SALTC, 18.-19.1. 2018, Linz

Studien und dennoch hat sich die Technik weltweit durchgesetzt. Umgekehrt dürfen wir natürlich nicht planlos unreflektiert neue Techniken anwenden. Woher muss der Anstoß für derartige disruptive Techniken kommen? Bei der Darmchirurgie oder Hernien ist es eine enge Kooperation zwischen den Anwendern, Krankenhäusern und der Industrie. Gemeinsam müssen Daten zum Outcome gesammelt werden, wir brauchen also Registerdatenbanken. Register sind in der Medizin nicht immer gern gesehen, da sie doch einen gewissen „Kontrollmechanismus“ über Qualität und Leistung bringen. Wie sehen Sie das? Ich hätte keine Angst, ich melde an ein Benchmarkregister in Oberösterreich, zum Beispiel für die Darmchirurgie. Das ist zwar anonym, aber gar nicht so geheim, denn wir diskutieren gemeinsam auch die Ergebnisse und Verbesserungspotenziale. Ich sehe keine begründeten Berührungsängste. Insgesamt profitieren wir alle davon. Problematisch ist der bürokratische Aufwand, denn man braucht dazu eine Ethikkommission, viele Formulare und Manpower. Wenn die Daten nicht mit den Abrechnungscodes der Spitäler übereinandergelegt werden, dann besteht auch die Gefahr, dass nicht lückenlos dokumentiert wird, also zum Beispiel die negativen Fälle nicht erfasst werden.

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Organspende Niere u In Österreich beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere von einem hirntoten Spender 38 Monate. Diese Zeitspanne kann allerdings für schwer Erkrankte aufgrund der Verschlechterung der Erkrankung schwierig sein. u Mit dem Entschluss eines Angehörigen zu einer Lebendspende kann oft wertvolle Zeit gespart werden.

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ür fortgeschrittene schwere Nierenerkrankungen ist eine Or­ gantransplantation – und hier speziell der Lebendspenden – der beste Therapieweg. Dazu ist eine umfassende medizinische Betreuung von Spender und Patient vor und nach der Transplantation nötig. In Vorarlberg ist die Abteilung für Innere Medizin III (Nephrologie und Dialyse) am LKH Feldkirch Vorreiter. „Im Jahr 2016 gab es in Vorarlberg sieben Lebendspenden, so viele wie nie zuvor, und wir hoffen auf weitere Entscheidungen zur Lebendspende“, erklärt Nephrologin OÄ Dr. Hannelore Sprenger-Mähr. Aktuell werden über 250 Patienten mit einem funktionstüchtigen Nierentransplantat am Schwerpunktkrankenhaus betreut. 22 davon hatten eine Lebendspende. Derzeit warten in Vorarlberg 40 Personen auf eine Lebendspende, bundesweit beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere von einem hirntoten Spender 38 Monate. Diese Zeitspanne kann allerdings für schwer Erkrankte aufgrund der Verschlechterung der Erkrankung schwierig sein. Eine frühere Lebendspende, am besten be-

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vor mit einer Dialysebehandlung begonnen werden muss, ist daher die medizinisch beste Lösung.

Wertvolle Zeit sparen Im Fall einer fortgeschrittenen schweren chronischen Nierenerkrankung überprüfen Nephrologen den Bedarf und auch die gesundheitliche Eignung der betroffenen Person, ob eine Nierentransplantation als optimale Therapie infrage kommt. „In Vorarlberg haben wir derzeit ca. 190 Patienten. Von diesen eignen sich rund 25 % für eine Transplantation. Für die meisten Pa­ tienten stellt eine Transplantation allerdings ein zu großes Risiko dar. Mit jedem Patienten, der für eine Transplantation prinzipiell infrage kommt, wird auch die Möglichkeit einer Nierenlebendspende besprochen. Mit dem Entschluss eines Angehörigen zu einer Lebendspende kann oft wertvolle Zeit gespart werden. Überwiegend sind es die Ehe- oder Lebenspartner, die spenden,


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oder die Eltern von betroffenen Kindern.“ Es folgen verschiedene medizinische Untersuchungen wie etwa die Eignung des Spenders hinsichtlich medizinischer Voraussetzung wie bestimmter Gewebemerkmale für die Verträglichkeit oder der allgemeine Gesundheitszustand sowie die Überprüfung der Motivation zur Spende und psychischen Stabilität. „Beim Entschluss, eine Niere zu spenden, ist umfassende Aufklärung unbedingt notwendig. Eine Lebendspende beruht vor allem auf dem Prinzip der Freiwilligkeit des Spenders. Personen mit Diabetes, Übergewicht oder hohem Blutdruck kommen als Nierenspender nicht infrage“, gibt Sprenger-Mähr Einblick.

muss auf eine gesunde Lebensführung geachtet werden“, betont Sprenger-Mähr. Um die Nierenfunktion zu überprüfen und zu kontrollieren, werden zudem regelmäßige zumindest jährliche Kontrollen von Nierenfunktion, Harn und Blutdruck durchgeführt. „Wer sich Auto zu fahren traut, kann auch eine Niere spenden. Das gesundheitliche Risiko eines schweren Autounfalls ist bedeutend höher als bei einer Nierenspende“, bringt es Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta, Leiter Innere Medizin III – Nephrologie LKH Feldkirch, auf den Punkt. Allerdings können Spender nach der Nierenentfernung einen hohen Blutdruck entwickeln, der dann behandelt werden muss. Zusätzlich besteht ein gering erhöhtes Risiko, selbst einmal eine fortgeschrittene Nierenerkrankung zu bekommen. Für den betroffenen Empfänger jedenfalls bedeutet eine Nierenlebendspende eine sehr gute Prognose hinsichtlich Langzeitüberleben und -funktion der Spenderniere. Der Betroffene muss nach der Transplantation zwar Medikamente nehmen, die eine Abstoßung des transplantierten Organs verhindern, und wird weiter in der Nephrologie betreut, aber die Lebenserwartung und vor allem die Lebensqualität durch den Wegfall der Dialysebehandlung sind deutlich verbessert.  n www.lkhf.at/nephrologie

Geringes Risiko Steht der Entschluss fest und liegen keine medizinischen Hindernisse vor, finden in der Transplantationschirurgie in Innsbruck weitere Abklärungen bezüglich Gewebsverträglichkeit zwischen Spenderorgan und Empfänger statt. Die Vorbereitungen bis zur Transplantation dauern drei bis sechs Monate. Am Tag der Transplantation wird die Operation gleichzeitig bei beiden – dem Nierenerkrankten sowie dem Spender – durchgeführt. Der anschließende Krankenhausaufenthalt an der Klinik dauert etwa ein bis zwei Wochen. „Nach der Transplantation kann der Spender mit einer Niere problemlos weiterleben, allerdings

Facts & Figures Die Abteilung für Nephrologie und Dialyse am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch wurde 1975 als Abteilung für die ambulante oder stationäre Abklärung und Behandlung von Menschen mit Nierenerkrankungen in Vorarlberg gegründet. Im Jahr der ersten Hämodialyse in Feldkirch wurde auch die erste Nierentransplantation bei einem Vorarlberger Patienten durchgeführt. Derzeit müssen ca. 170 Patienten dreimal wöchentlich zur Hämodialyse, 26 Patienten brauchen eine Bauchfelldialyse. Jährlich bekommen etwa 20 Vorarlberger Patienten eine neue Niere an der Universitätsklinik Innsbruck, sie werden in Feldkirch vor- und nachbetreut. 250 Personen leben bereits mit einem funktionierenden Nierentransplantat im Ländle.

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Retten um jeden Preis? u Im Fall der Reanimation muss die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung durch den Arzt, in manchen Ländern auch durch die nicht ärztlichen Mitglieder einer Rettungsmannschaft getroffen werden. u Gibt es nun allgemeingültige Kriterien, die dem Rettungsteam im prähospitalen Bereich Anhaltspunkte auf „medical futility“ einer Reanimation geben und als Basis dienen könnten, eine Übertherapie zu vermeiden?

m Zweifel immer reanimieren“ ist ein Grundsatz in der Reanimationslehre, die Realität stellt sich Rettungsmannschaften aber häufig nicht so einfach dar. Oft werden sie zu Situationen gerufen, in denen ein Mensch aufgrund seines hohen Alters oder einer Erkrankung am Ende seines Lebens steht oder keine Reanimation und Intensivmedizin wünscht. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem anstelle des Rechts auf Heilbehandlung das Recht auf würdevollen Tod tritt. Eine Reanimation sollte in diesem Fall erst gar nicht begonnen oder auch beendet werden, wenn die notwendige Information erst im Verlauf des Wiederbelebungsversuchs zur Verfügung steht. Auch bei Menschen, die nicht am Ende ihres Lebens stehen, die aber aufgrund der Umstände oder der Dauer des Kreislaufstillstands keine Chance mehr haben zu überleben, ist eine Reanimation ethisch nicht vertretbar. Die Aussichtslosigkeit in der Medizin wird durch den Begriff „medical futility“ definiert, der nach den ethischen Richtlinien des Weltärztebundes als eine Heilbehandlung definiert wird, die „keine begründete Hoffnung auf Genesung oder Besserung bietet oder aus welcher der Patient auf Dauer außer Stande ist, irgendeinen Nutzen zu ziehen“. Im Fall der Reanimation muss die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung durch den Arzt, in manchen Ländern auch durch die nicht ärztlichen Mitglieder einer Rettungsmannschaft getroffen werden. Gibt es nun allgemeingültige Kriterien, die dem Rettungsteam im prähospitalen Bereich Anhaltspunkte auf „medical futility“ einer Reanimation geben und als Basis dienen könnten, eine Übertherapie zu vermeiden?

Wann mit einer Reanimation beginnen? Eine der progressivsten Positionen zur Verhinderung einer Übertherapie in der Reanimation vertritt Finnland. Hier ist es

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den Rettungsmannschaften per lokaler Richtlinie, die auf Studienergebnissen beruht, erlaubt, von Reanimationsmaßnahmen abzusehen, wenn der Kreislaufstillstand unbeobachtet war und eine Asystolie als Erstrhythmus vorliegt. Eine genaue Überprüfung der Definition von „unbeobachtet“ und mögliche reversible Ursachen wie eine Hypothermie oder Intoxikation müssen dabei aber immer berücksichtigt werden. Die American Heart Association gibt sich hier wesentlich zurückhaltender, führt lediglich drei allgemeine Gründe an, wann eine Reanimation nicht begonnen werden sollte: 1. Der Ersthelfer würde durch den Reanimationsversuch selbst Gefahr laufen, verletzt zu werden oder sein Leben zu verlieren, 2. es gibt sichere Todeszeichen, 3. es gibt eine Patientenverfügung oder eine valide DNAROrder, die eine Reanimation verbietet. Die zwei Beispiele zeigen, dass medizinisch-ethische Richtlinien sehr von lokalen ethischen Grundsätzen, aber auch der Zusammensetzung und vom Ausbildungsstand der Rettungsmannschaft abhängen.

Kriterien für den prähospitalen Bereich In vielen Ländern ohne Notarzt im Rettungsteam werden alle Patienten mit Kreislaufstillstand nach oder unter Reanimation ins Krankenhaus gebracht. Der Anteil der unter Reanimation ins Krankenhaus transportierten Patienten, die dann unmittelbar im Krankenhaus versterben, ist dementsprechend hoch. In den letzten Jahren wurden daher für den prähospitalen Bereich Kriterien entwickelt, die eine Grundlage liefern sollten, so rasch wie möglich nach Beginn der Reanimation zu erkennen, wann die Wiederbelebungsversuche keinen Sinn mehr machen und abgebrochen werden können. Die Universal Basic Life

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Support (BLS) Termination of Resuscitation (ToR)-Kriterien für Rettungsmannschaften ohne Notarzt wurden aus Beobachtungsstudien entwickelt und in Folge mehrmals validiert. Sie sind auch in den ethischen Teilen der Reanimationsleitlinien der American Heart Association (AHA) zu finden und werden sowohl für die Basisreanimation als auch für erweiterte Reanimationsmaßnahmen empfohlen. Sie umfassen folgende Kriterien: • der Kreislaufstillstand war unbeobachtet, der automatische externe Defibrillator (AED) gibt keine Schockempfehlung während der Reanimation ab (der Patient hat also eine Asystolie oder pulslose elektrische Aktivität [PEA]), • es lässt sich durch die ersten 3 Reanimationszyklen mit AED kein Spontankreislauf etablieren (entspricht drei bis sechs Minuten) (Abbildung 1). Grunau et al. konnten in einer rezenten Beobachtungsstudie mit über 4.000 Patienten zeigen, dass 98 % der Patienten, auf die alle diese Kriterien zutrafen, nach Aufnahme im Krankenhaus verstarben. Die Studienautoren zeigten darüber hinaus, dass sich dieser positive Vorhersagewert auf 99.8 % erhöhte, wenn man die ToR-Kriterien nach 30 Minuten, statt nach drei bis sechs Minuten erfolgloser Reanimation evalu-

Abb. 1: Standardmäßig sollte vor dem Transport nicht mehr als 3 Zyklen lang reanimiert werden (ein Zyklus entspricht 1-2 Minuten). „BLS termination of resuscitation rule“ (Morrison LJ; N Engl J Med 2006; 355: 478-87).

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• Arrest not witnessed by emergency medical services personnel • No return of spontaneous circulation (prior to transport) • No AED shock was delivered (prior to transport)

If ALL criteria are present, consider termination of resuscitation

If ANY criteria are missing, continue resuscitation and transport

ierte. Der positive Vorhersagewert der ToR-Kriterien für Sterblichkeit liegt im Vergleich mit anderen diagnostischen Tests sehr hoch. Das muss er auch, schließlich möchte man auf keinen Fall eine ­Reanimation bei Patienten mit einer realen Überlebenschance beenden. Umfragen haben ergeben, dass für die meisten Notfallmediziner ein prognostischer Test einen positiven Vorhersagewert für Sterblichkeit von mindestens 99.5 % haben sollte. Diese Vorgabe scheint man mit einer Evaluation der ToR-Kriterien nach einer Reanimationsdauer von 30 Minuten erfüllen zu können.

Andere Gründe, in aussichtslosen Situationen zu reanimieren Viele Angehörige haben den Wunsch, bei der Reanimation ihres Verwandten dabei zu sein. Diesem Wunsch wird in vielen Ländern entsprochen, wenn es möglich ist, dass die Angehörigen durch eine qualifizierte Person während der Reanimation begleitet werden. Was in diesem Zusammenhang unbedingt vermieden werden sollte, ist, eine Reanimation aus Rücksicht auf die Angehörigen unnötig zu verlängern. Einerseits ist es dem Patienten gegenüber unethisch, andererseits auch für die Verwandten nicht hilfreich. So gibt es Hinweise, dass Angehörige den Verlust eines nahestehenden Menschen besser bewältigen, wenn seine aussichtslose Reanimation gar nicht begonnen oder vor Aufnahme im Krankenhaus beendet wird. Neben der Diskussion über die Beendigung der Reanimation stellt sich die Frage nach der Aufrechterhaltung des Kreislaufes als Organprotektion im Hinblick auf eine eventuelle Organspende, was aber aufgrund der Komplexität des Themas nicht Gegenstand dieses Artikels ist.

Gemeinsame Entscheidung gegen Übertherapie treffen Die Entscheidung, eine Reanimation gar nicht zu beginnen oder zu beenden, ist für den Notfallmediziner oft nicht so einfach zu treffen. Häufig fehlen in den ersten Momenten der Reanimation Informationen über den Patienten und den Hergang des Kreislaufstillstands. Mögliche reversible Ursachen lassen sich ohne weitere Diagnostik oft nicht gut einschätzen. Eine Entscheidung über Leben und Tod des Patienten ist prähospital mit den limitierten Ressourcen und unter hoher Belastung häufig nicht möglich. Bei Übernahme in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation ist die Situation dann meist wesentlich klarer. Hier ist dann auch das weiterbetreuende Team aus Ärzten und Pflegern gefordert, gemeinsam mit dem Ersthelfer vor dem Hintergrund der persönlichen Situation des Patienten eine Entscheidung für oder gegen die Weiterführung der Therapie zu treffen, die der Würde und den Wünschen des Menschen, aber auch einer möglichen Aussicht auf gutes Überleben gerecht wird.  n

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Überlebensrate bei Brustkrebs im Visier der Forscher u An der Medizinischen Universität Graz wurde ein Biomarker für Brustkrebs mit schlechten Heilungschancen gefunden. u Zudem wurden zwei praktikable Nachweismethoden für Gewebeproben entwickelt. rustkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen weltweit. In Österreich erkranken knapp 5.500 Frauen jährlich an dieser Krebsart und 1.500 sterben trotz Früherkennung daran. Wenn ein Knoten in der Brust aufgespürt wird, ist eine Biopsie der nächste Schritt in der klinischen Praxis. Die Gewebeprobe gibt weitere Hinweise für Diagnose und Behandlung. Wenn der Brusttumor bösartig ist, wird gleich der Subtyp mitbestimmt. Je nach Tumor-Subtyp kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden infrage. „Mit der Patientin wird nach der Analyse im interdisziplinären Tumor-Board besprochen, welche Therapien zur Verfügung stehen und, wenn gewünscht, die Chance auf Heilung diskutiert“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Bauernhofer von der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin am Uniklinikum Graz. Parallel dazu hat der Onkologe, unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF, an der Medizinischen Universität Graz einen Biomarker untersucht, der auf schlechtere Heilungschancen von Brustkrebs-Patientinnen hinweist. In fünfjähriger Forschungsarbeit gelang in enger Abstimmung mit den Instituten für Biophysik und Pathologie im Haus der Nachweis: Ein höherer Gehalt von GIRK1-Protein zeigt eine höhere Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit von Patientinnen mit dem hormonabhängigen Tumor-Subtyp (ER+) nach der Operation des Brustkrebses an.

Besonders gefährdete Patientinnen identifiziert Das Protein GIRK1 ist einer von zumindest zwei benötigten Bausteinen, die funktionstüchtige Kalium-Ionenkanäle in der Zellmembran aufbauen. Solche Ionenkanäle sind in Herz, Hirn oder Bauchspeicheldrüse des Menschen unverzichtbar und sorgen etwa dafür, dass das Herz schlägt. Eine wissenschaftliche Publikation mit kleiner Fallzahl, die GIRK1 in Brustkrebs fand, brachte das Team auf die Spur des Proteins als Biomarker. Zunächst wurde eine große Menge Messenger RNA (mRNA), eine Vorstufe zur Herstellung des GIRK1-Proteins, in BrustkrebsZelllinien und -Geweben nachgewiesen. Durch die Korrelation von Gewebeproben und genetischen Profilen von Brust-Tumo-

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ren mit den Überlebensdaten der Frauen können nun besonders gefährdete Patientinnen identifiziert werden: „Brustkrebs-Patientinnen mit einem Östrogenrezeptor-positiven (ER+)-Tumor sprechen gewöhnlich gut auf eine Hormonbehandlung an. Wenn der ER+-Tumor jedoch viel GIRK1 erzeugt, haben die Patientinnen eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit“, erläutert Bauernhofer. Bei zirka 60 % aller Patientinnen mit Brustkrebs wird ein ER+-Tumor-Subtyp festgestellt. Im Rahmen des FWF-Projekts wurden zwei Methoden entwickelt, um die übersteigerte GIRK1-Produktion in Gewebeschnitten nachzuweisen. Viele Monate suchte das Team nach einer geeigneten Färbemethode mittels Immunhistochemie. Von der nun erfolgreich etablierten Methode profitieren auch Forscher, die sich mit dem GIRK-Ionenkanal in anderen Kontexten beschäftigen. Die zweite Nachweismethode (Fluoreszenz In-situ-Hybridisierung) ermöglicht es, die Expression der GIRK1-mRNA im Tumorgewebe mit automatischer Bildanalyse zu bestimmen.

Noch keine therapeutischen Konsequenzen In einer Gencluster-Untersuchung wies das Grazer Team zudem nach, dass neben dem Gen für GIRK1 drei weitere im Tumor sehr aktiv werden. „Zwei Gene sind mit einem Östrogenrezeptor assoziiert, ein weiteres mit dem Angiotensin IIRezeptor“, beschreibt Bauernhofer. Die höhere Sterblichkeit der Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Tumor und hoher GIRK1-Expression könnte mit einer schlechteren Wirkung der Hormontherapie oder einer höheren Metastasierungsfähigkeit zu tun haben. GIRK1 könnte aber auch ein neues Behandlungs­ target werden. Die Zusammenhänge möchte Bauernhofer nun genauer klären: „Es ist noch zu früh, den Biomarker bei jeder Biopsie mitzubestimmen. Unsere Ergebnisse haben noch keine therapeutischen Konsequenzen, aber um den Zusammenhang von GIRK1 mit der schlechten Überlebensrate müssen wir uns kümmern.“ n www.onkologie-graz.at

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Osteoporose:

Rasche Risikobestimmung u In Anbetracht der demografischen Entwicklung hin zu einer alternden Gesellschaft kommt der Früherkennung der Osteoporose große Bedeutung zu. u Im Rahmen eines von der Europäischen Union unterstützten Forschungsprojekts entwickeln Wissenschaftler ein Messgerät zur Früherkennung bzw. zur Identifizierung von Personen mit hohem Risiko an Osteoporose zu erkranken.

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steoporose betrifft überwiegend ältere Menschen, rund zwei Drittel aller Frauen über 80 Jahre in Österreich sind an Osteoporose erkrankt. „Bei der Osteoporose herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abbau von Knochengewebe vor. Durch den überwiegenden Abbau schwindet die Knochensubstanz, wodurch letztlich das Risiko für Knochenbrüche steigt“, fasst Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Dimai, Experte für Osteoporose an der Medizinischen Universität Graz, zusammen. Typischerweise sind Wirbelkörper, Oberschenkelknochen nahe der Hüfte, Unterarmknochen nahe des Handgelenks, Oberarmkopf und das Becken am häufigsten von Osteoporose-bedingten Frakturen betroffen. „Durch Frakturen sinkt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, die Krankheit geht auch mit weiterreichenden Folgen einher. Vor allem Brüche des Oberschenkelhalses sind im höheren Alter mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit verbunden“, so Dimai.

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Einfache Anwendung gefragt Obwohl in den letzten Jahren eine Reihe von durchaus aussagekräftigen nicht-invasiven Methoden zur Bestimmung des Osteoporoserisikos bzw. zur Osteoporosediagnostik entwickelt wurden, fehlt es aber abseits von hochspezialisierten Forschungseinrichtungen und Zentren an einem aussagekräftigen Biomarker bzw. einfach zu bedienenden Messgeräten, die während des Arztbesuches über das individuelle Osteoporoserisiko Auskunft geben könnten. Hier setzt das von der Europäischen Union mit einem Gesamtvolumen von 4 Millionen Euro unterstützte und von der Universität Gent koordinierte Forschungsprojekt „PoCOsteo – Point-of-care in-office device for identifying individuals at high risk of osteoporosis and osteoporotic fracture“ an. Das Projekt ist eines von drei, welche aus 64 Anträgen im Call „Nanotechnologies, Advanced Materials, Biotechnology and Advanced Manufacturing and Processing“ eine Förderung erhalten haben. Der Anteil der Medizinischen

Universität Graz unter der Projektleitung von Dimai am Gesamtprojektvolumen beträgt rund 350.000 Euro. Die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre.

Kostengünstige Lösung Das Forschungsziel von PoCOsteo liegt in der Entwicklung eines einfach anzuwendenden Werkzeuges zur Früherkennung der Osteoporose bzw. einer drohenden Fraktur. Dabei verfolgen die Wissenschaftler die Kombination verschiedener Zugänge wie beispielsweise die Messung unterschiedlicher, im Blut nachweisbarer, proteomischer und genomischer Faktoren. Entwickelt werden soll ein Vollblut-Point-of-care-Messgerät, das auch abseits hoch spezialisierter Zentren eingesetzt werden kann. Das soll über den Einsatz mikrofluidischer Kartuschen erreicht werden, die mit speziell entwickelten elektrochemischen Sensoren bestückt sind. Aufbauend auf diese Entwicklung wird ein umfassendes Frakturrisikobewertungsmodell aufgestellt, das wichtige weitere Daten liefern wird. Die Untersuchungen dafür werden unter anderem an der Medizinischen Universität Graz durchgeführt. „Der große Vorteil des neuen Verfahrens zur Bewertung des individuellen Osteoporoserisikos wird nicht nur in der einfachen Anwendung liegen, sondern vor allem auch darin, dass der Test kostengünstig und in Echtzeit während des Arztbesuchs durchgeführt werden kann“, hofft Dimai.  n

Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Dimai Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie Medizinische Universität Graz Tel.: +43 316 385 81790 hans.dimai@medunigraz.at

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PFLEGE & HOME CARE

„CANDA“ – Netzwerk für den ­fachlichen Austausch u Mit der Gründung der „Carinthian Nurse Directors Association“, kurz CANDA, haben sich die Pflegedirektionen der Kärntner Krankenanstalten vernetzt. u Die Vereinigung dient dem Informations- und Wissensaustausch der Pflegeführungskräfte in den Kärntner Krankenanstalten und Rehabilitationseinrichtungen.

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ANDA will den Entscheidungsträgern aus Politik und Gesellschaft als Expertengremium für Fragen rund um die Versorgung der Bevölkerung durch die allgemein-öffentlichen, privaten und konfessionellen Kärntner Krankenanstalten zur Verfügung stehen. „CANDA steht für den fachlichen Erfahrungsaustausch und das Einbringen von Fachexpertise bei Fragen rund um das Gesundheitswesen Kärntens“, so die Präsidentin der Vereinigung und Pflegedirektorin der Gailtal-Klinik, Doris Kazianka-Diensthuber, MAS. „Für uns ist es wichtig, uns zu vernetzen, Wissen untereinander auszutauschen und Synergieeffekte wirksam zu nutzen, um eine konstant hohe Pflegequalität für die Patienten sicherzustellen“, betont die Präsidentin weiter. Gerade in Anbetracht des zunehmenden Bedarfs an qualifizierten Pflegekräften sei es notwendig, eine „starke Stimme“ zu schaffen und gleichzeitig die Eigenständigkeit des Pflegeberufs zu fördern. Der Name der Vereinigung lehnt sich dabei an ANDA an, der nationalen österreichischen Vereinigung der Pflegedirektoren. „Eine der wesentlichen Aufgaben der offiziellen Vernetzung wird es sein, die Position der Pflege wirksam zu vertreten und gesundheitspolitische Entscheidungen aktiv mitzugestalten“, betont KaziankaDiensthuber. Viele Entscheidungen, die den Arbeitsalltag der Pflegekräfte prägen, werden in Gremien getroffen, in denen vor allem Ärzte und Kassen miteinander sprechen. Vertreter der Pfle-

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K a CANDA-Vorstand v. l. n. r.: Die Pflegedirektorinnen Claudia Blasnig (Humanomed Zentrum Althofen), Doris Kazianka-Diensthuber, MAS (KABEG GailtalKlinik Hermagor), Bettina Schwitzer, B. A. (Privatklinik Villach GmbH & Co KG) sowie DGKP Michaela Wutti, MBA (A. ö. Krankenhaus Spittal/Drau)

D m a t

gefachkräfte sitzen oft nicht mit am Tisch. „Die Erkenntnisse aus der Vielzahl an gemeinsamen Projekten, die wir bis jetzt schon als Arbeitsgruppe durchgeführt haben, sind immens wichtig für die Weiterentwicklung des Kärntner Gesundheitswesens“, ergänzt die Präsidentin.  n

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Doris Kazianka-Diensthuber, MAS doris.kazianka-diensthuber@gailtal-klinik.at

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Neues Positionspapier zu unterstützender und palliativer Pflege

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hervor, dass durch palliative und unterstützende Pflege nicht nur die Behandlung verbessert wird – sie trägt auch dazu bei, dass bestehende Ressourcen besser genutzt werden, dass Abfall vermieden wird und dass möglicherweise sogar die Behandlungskosten insgesamt verringert werden.“ Beurteilungen durch die Patienten sollten zudem in hohem Maße unterstützt werden, da so, im Unterschied zu klassischer Pflege, solche Therapieformen gewählt werden können, die mit einer Verbesserung der Lebensqualität, weniger Krankenhausaufenthalten und sogar einer höheren Überlebensrate in Verbindung gebracht werden. Inhalt des ESMO-Positionspapiers sind zentrale patientenorientierte Behandlungsmethoden und Schulungen, die Pflege am Lebensende, die Rolle interdisziplinärer Teams, die Integration von Gesundheitsressourcen sowie die Forschung und Ressourcen im Hinblick auf unterstützende und palliative Pflege.

www.esmo.org

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© Prosign Klaus Hadler

ESMO, die Fachorganisation für medizinische Onkologie, hat ein Positionspapier zu unterstützender und palliativer Pflege veröffentlicht, in dem sie auf die wachsende Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen von Krebspatienten und der tatsächlichen Anwendung patientenorientierter Pflege in der Praxis hinweist. Mit 17.000 onkologischen Fachkräften aus 150 Ländern weltweit ist ESMO die Bezugsorganisation für Bildung und Information in der Onkologie. „Neuen Studien zufolge gibt es möglicherweise einen Unterschied zwischen dem, wovon Ärzte denken, dass es für Patienten wichtig ist, und dem, was Patienten tatsächlich benötigen. Mit diesem Positionspapier möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Krebspatienten nicht nur Tumorbehandlungen, sondern auch physische, psychische, soziale und geistige Unterstützung benötigen, und zwar in jedem Krankheitsstadium und direkt ab Stellung der Diagnose“, so die Hauptautorin Karin Jordan, ESMO-Fachbereichskoordinatorin. Matti Aapro, Co-Autor und ehemaliger MASCC-Präsident, erklärt: „Aus jüngsten Studien geht

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Termine für den Herbstkurs 2018

Wundmanagement:

Kompetente Therapie braucht aktuelles Wissen Der Bedarf an hochqualifizierten Wundmanagern steigt. Das neue Weiterbildungsangebot der Sunmed-Akademie ist eine kompetente Antwort auf diese Entwicklung. Rund fünf Prozent aller Österreicher leiden unter chronischen Wundheilungsstörungen. Die Wundheilung zählt zu den komplexesten, biologischen Prozessen des menschlichen Organismus.

Die Weiterbildung umfasst 168 Stunden Theorie sowie 100 Stunden Praktikum. Die Theorie findet in vier Blöcken zu je einer Woche im Abstand von vier bis fünf Wochen statt.

Chronische Wunden schränken die Betroffenen in ihrer Lebensqualität stark ein. Schmerzen, nässende Wunden und oft starke Geruchsentwicklung beeinträchtigen die Mobilität massiv. Richtige und zeitgerechte Versorgung kann Qualität und Dauer der Behandlungen optimieren.

Zwischen den Theorieblöcken haben die Teilnehmer die Möglichkeit, die erforderlichen Praktikumsvorgaben zu erfüllen. Mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung vor der Prüfungskommission der Akademie wird die Ausbildung abgeschlossen.

Durch integratives Wundmanagement wird die medizinische Versorgung individuell auf die Betroffenen abgestimmt. Dazu bedarf es hochqualifizierter Wundmanager – ein Berufsfeld, in dem die Nachfrage ständig steigt.

© Prosign Klaus Hadler

17.09. – 22.09.2018 (inkl. Sa mstag)! 15.10. – 19.10.2018 19.11. – 23.11.2018 10.12. – 14.12.2018

Sunmed-Akademie

Sunmed Medizintechnische Produkte GmbH Jochen-Rindt-Straße 25/2.Stock, 1230 Wien T: +43 (1) 699 22 99 F: +43 (1) 253 3033 2464 E: akademie@sunmed.at I: akademie.sunmed.at

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PFLEGE & HOME CARE

Der intermittierende Katheterismus u Der intermittierende transurethrale Katheterismus hat sich als Methode bewährt, um die Harnblase bei chronischem Restharn zu entleeren und Nierenschäden zu vermeiden. u Er soll von den Patienten am besten bis zu sechsmal am Tag selbst durchgeführt werden.

rotz des Aufwandes bedeutet sie für die meisten Patienten im Vergleich zu anderen harnableitenden Hilfsmitteln ein Stück mehr Normalität und Unabhängigkeit und damit mehr Lebensqualität. Die Selbstkatheterisierung stellt im Alltag oft noch ein Tabuthema dar und ist auch vielen Medizinern abseits der Urologie weniger bekannt. Hier daher ein kurzer Überblick.

Wer kommt für die Methode infrage? Für einen intermittierenden Katheterismus kommen prinzipiell alle Patienten mit einer chronischen Harnretention, einer Blasenkapazität von über 200 ml, kompetentem Harnröhrenverschluss und einer freien Harnröhrenpassage in Betracht. Die Patienten müssen motorisch und kognitiv in der Lage sein, die Selbstkatheterisierung korrekt durchzuführen, bzw. muss sie mit Fremdhilfe realisierbar sein. Das ist in dem Zusammenhang besonders relevant, wenn man bedenkt, dass viele Patienten eine Harnblasenstörung als Folge einer Erkrankung des Rückenmarks, multipler Sklerose, Demenz, Parkinson, eines zerebralen Insults oder als Folge von Eingriffen im Beckenbereich entwickeln.

Unterschiedliche Hygienerichtlinien Mehrere rezente Übersichtsarbeiten haben gezeigt, dass die Infektionsgefahr des intermittierenden Katheterismus im Vergleich zum transurethralen Dauerkatheter und einem suprapubischen Katheter nicht erhöht ist. Bei einer Verweildauer von mehr als fünf Tagen gibt es sogar mehr Infektionen beim Dauerkatheter. Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Hygienestandards zum intermittierenden Selbstkatheterismus: 1. Der aseptische Katheterismus mit einer hygienischen Hände- und Schleimhautdesinfektion, einem sterilen Einmalkatheter und Gleitmittel in Non-Touch-Technik. Dieser wird in Österreich und Deutschland empfohlen.

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2. Der hygienische Katheterismus „clean intermittent catheterization – ClC“ mit aufbereiteten, aber nicht sterilen Kathetern und Gleitmitteln, Reinigung der Hände und des Meatus urethrae, ohne Anwendung der Non-Touch-Technik. Sie hat sich in anderen Ländern etabliert, wird in Deutschland und Österreich aber nur dann empfohlen, wenn die Durchführung durch den Patienten nicht anders möglich ist. Die dazugehörigen Harnkatheter sind in verschiedenen Längen für Frauen und Männer und mit unterschiedlichen Spitzen erhältlich, dazu gibt es spezielle Ausführungen, die besonders klein sind oder bei denen die Non-Touch-Technik besonders erleichtert wird. Bei der häufigen Durchführung ist es unbedingt notwendig, auch Mikrotraumen der Schleimhäute zu vermeiden. Es werden daher bevorzugt Katheter mit einer Beschichtung und erprobten Gleiteigenschaften empfohlen.

Praktische Aspekte der S­ chulung Selbstkatheterismus ist für Patienten eine relativ einfach zu erlernende Technik. Sie sollte am besten in etablierten Programmen oder spezialisierten Zentren vermittelt werden. Eine konstante Anlaufstelle für Fragen und Probleme und die Möglichkeit, die Technik im vertrauten Umfeld der Patienten zu schulen, sollte vorhanden sein. Neben den körperlichen und kognitiven Fähigkeiten müssen bei der Sensibilität des Verfahrens auch kulturelle und soziale Hintergründe der Patienten und ihres Umfelds berücksichtigt werden, die für eine dauerhafte Akzeptanz und Integration in den Alltag der Patienten ausschlaggebend sein können. Auch Kinder im Volksschulalter können die Handhabung des Katheters erfolgreich lernen. Wie in anderen Bereichen funktioniert die Schulung bei Kindern dann besonders gut, wenn die Technik anschaulich und spielerisch gezeigt wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene auch über Online-Foren Erfahrungen austauschen können.  n

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Fachwissen zur Evaluation

Allrounder stehen auf dünnem Eis

Im März startet ein neuer Lehrgang, der spezifische Fachkenntnisse zur Evaluation von Projekten im Gesundheits- und Sozialbereich vermittelt. Der Lehrgang wurde von der FernFH und dem Verein pro mente Forschung entwickelt. Wissenschaftliche Evaluation ist eine zentrale und notwendige Maßnahme zur Qualitätssicherung von Programmen und Maßnahmen und ermöglicht wissenschaftsgestütztes Lernen. Deshalb ist eine Evaluation ein fest integrierter Bestandteil bei einer Vielzahl von Entscheidungsprozessen im Gesundheits- und Sozialbereich. Dafür besteht ein hoher Bedarf an entsprechend ausgebildeten Personen. Die Ferdinand Porsche FernFH und der Verein pro mente Forschung haben deshalb gemeinsam den Weiterbildungslehrgang „Evaluation im Gesundheits- und Sozialbereich: Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung“ entwickelt. Wer Evaluationsprojekte im Gesundheits- und Sozialbereich in der eigenen Organisation oder als externer Auftragnehmer durchführt oder Evaluationen beauftragt, ist mit diesem zweisemestrigen Lehrgang bestens gerüstet. Der neue Lehrgang gibt einen Überblick über wissenschaftliche Evaluationen im Gesundheits- und Sozialbereich, liefert spezifische theoretische Grundlagen wie international anerkannte Evaluationsstandards und vermittelt die notwendigen Kompetenzen zur Planung, Organisation und Durchführung von Evaluationsprojekten. www.fernfh.ac.at

Am 13. Pflegeforum Alpbach, das am 13. April 2018 im Kongresszentrum Alpbach stattfinden wird, steht das Expertentum im Mittelpunkt der Diskussion. „Spezialisierung ist die kleinste Form des Monopols. Je tiefer die Expertise, umso breiter das Netzwerk“, sagt Dr. Christoph Zulehner, der über Ko-Kompetenz, die Zusammenarbeit in Zeiten der Spezialisierung, referieren wird. Er ist überzeugt: „Wer auf sich hält, hat den Begriff des Experten längst hinter sich gelassen. Jetzt sind die Koryphäen die Meinungsbildner. Sie nennen sich Web-Guru, Mode-Zar, Literatur-Papst, Hunde-Flüsterer, Hack-Crack oder Gaming-Großmeister. Man hat den Eindruck, die Welt quillt über von Experten. Bei genauer Betrachtung muss die Botschaft allerdings lauten, dass wir täglich mehr davon benötigen.“ Im Jahr 2016 haben mehr als 75 % der Menschen ihr Geld mit Dienstleistung verdient. Der wichtigste Produktionsfaktor ist nicht mehr Grund- und Boden, sondern das Know-how. Information wächst exponentiell und verdoppelt sich alle 15 Jahre. Aktuelle Messungen gehen davon aus, dass sich unser Wissen alle zwei bis drei Jahre verdoppelt, doch kein Mensch ist in der Lage, sein Wissen so schnell zu vermehren, daher gibt es Bewältigungsstrategien: Spezialisierung und Digitalisierung. 13. Pflegeforum Alpbach „Der Untergang der Alleskönner – Warum die Zukunft den Spezialisten gehört“ 13. April 2018, Forum Alpbach, pflegeforum-alpbach.at

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Ein weiterer Grund VaPro Einmalkatheter zu wählen.

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Berührungsfreier, hydrophiler Einmalkatheter

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Der VaPro F-Style ist ein Einmalkatheter aus festerem Material für Anwender mit dem Wunsch nach noch mehr Kontrolle mit den bewährten Sicherheitsmerkmalen der VaPro-Produktfamilie.

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© 2018 Hollister Incorporated. Hollister und Logo sowie VaPro und VaPro F-Style sind Warenzeichen von Hollister Incorporated.


PFLEGE & HOME CARE

Sturzprophylaxe ist Teamwork u Die Stationskoordinatoren im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien haben unter der Leitung von Bereichsleiter DGKP Wolfgang Sissolak, MSc das Thema „Sturz“ wissenschaftlich fundiert aufbereitet. u Fazit: Wer Angst vor Stürzen hat, ist besonders gefährdet zu stürzen.

„W

ie können wir ein Sturzrisiko erkennen und vermindern?“ Diese Frage stellte sich das Team rund um Sissolak zu Beginn des Projektes. Erarbeitet wurden einerseits die Risikofaktoren, andererseits auch gezielte Maßnahmen, die diese Faktoren reduzieren. „Stürze zu 100 % verhindern können wir nicht, aber wir können aufmerksam sein, die Patienten beraten und so das Risiko minimieren“, ist Sissolak überzeugt. Die Mitarbeiter der Pflege haben Schulungen in Kleingruppen durch die Stationskoordinatoren erhalten. „Ganz wichtig ist dabei, den Patienten die Angst vor einem Sturz zu nehmen. Das gelingt durch intensive Beratungen und Gespräche. Dabei werden zum Beispiel die Räumlichkeiten gezeigt, die passende Betthöhe eingestellt und die richtigen Schuhe oder Gehhilfen ausgewählt“, gibt Sissolak Einblick. So können durch einfache Mittel kleine Verletzungen, aber auch größere Brüche verhindert werden. Höhepunkt des Projektes war ein Alterssimulator, mit dem die Projektmitarbeiter selbst spürbar und nachvollziehbar erlebten, wie sich die altersrelevanten Einschränkungen, wie zum Beispiel Gangunsicherheit, anfühlen. Ein Poster auf den Stationen fasst die wichtigsten Risikofaktoren und Maßnahmen zur Sturzprophylaxe punktuell zusammen. Ein Ergebnis des Projektes zeigte auch, dass das Krankenhaus bereits bisher gut in der Sturzvermeidung war. Die wissen-

Demenzkranke stürzen besonders häufig

schaftlich gewonnenen Erkenntnisse werden künftig auch in die Entscheidung von Anschaffungen einfließen. n www.bhswien.at

abhängig und steigt bei einer Komedikation mit Sedativa noch weiter an. Demenzkranke stürzen häufig und folgenschwer. In der psychogeriatrischen Einrichtung, die Carolyn Shanty Sterke von der Erasmus Universität in Rotterdam über zwei Jahre beobachtete, kam es pro Bewohner im Durchschnitt zu 2,9 Stürzen im Jahr. Jeder dritte Sturz führte zu einer Verletzung. In 3 % war dies eine Fraktur, häufig der Hüfte. Auf der Suche nach den Ursachen stieß die Forscherin auf die überaus häufige Verordnung von Antidepressiva, die zu 16,1 % aller Personen-Jahre verordnet wurden. Zu jedem Zeitpunkt stand also jeder sechste Demenzpatient unter der Wirkung von Antidepressiva, wobei in der Regel SSRI verordnet wurden (die bei Demenzpatienten auch als Mittel der ersten Wahl gelten, sofern eine Indikation vorliegt). © bhs

Demenzkranke Patienten haben laut verschiedener Studien ein rund 20-mal höheres Sturzrisiko als gesunde Gleichaltrige. Bei Parkinson-Kranken ist dieses Risiko 10-mal höher. Als Hauptrisikofaktoren für Stürze gelten Muskelschwäche und Gangstörungen sowie ein verringertes Sehvermögen oder eine Störung des Gleichgewichtssinnes – Symptome, die im Rahmen einer Demenz- oder Parkinson-Erkrankung auftreten. Auch mangelhafte Umgebungsbedingungen erhöhen das Sturzrisiko für alte Menschen. Demenzkranke, die im Pflegeheim mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt werden, erleiden dreimal häufiger als andere schwere Stürze. Das Risiko ist einer Studie im British Journal of Clinical Pharma­ cology (2012; doi: 10.1111/j.1365-2125.2011.04124.x) zufolge dosis­

So fühlt sich alt sein an – mit dem Alterssimulator erlebten die Mitarbeiter selbst, wie es sich mit Einschränkungen Leben lässt.

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© bhs


PFLEGE & HOME CARE

Raum für Neues Umfassendes Wissen über die Pflege von Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist die ­wesentliche Basis für die Produkte und Dienstleistungen von Arjo – einem Spin-off von A­ rjoHuntleigh.

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or rund zwei Jahren wurde ArjoHuntleigh Teil der GetingeUnternehmensgruppe, die weltweit zu den führenden Anbietern von Produkten, Systemen und Lösungen zählt, die im Gesundheitswesen zur Qualitätssteigerung und Kostensenkung beitragen. Zum Jahreswechsel erfolgte ein Spin-off, um unter dem Firmennamen „Arjo“ als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu gehen. Wegbegleiter der Umstrukturierung ist der langjährige General Manager von ArjoHuntleigh in Österreich, Torsten van Steelandt. Er gibt Einblick in die strategische Entwicklung des neuen Unternehmens.

Was steckt hinter dem Spin-off? Der Hauptgrund ist die Eigenständigkeit. Wir agieren sehr erfolgreich am Markt und dieser Umsatz, den wir erwirtschaften, soll nicht in einen großen Konzern fließen, sondern sehr direkt wieder in neue, innovative Produkte und Angebote investiert werden. Als eigenständiges Unternehmen sind wir hier flexibel, der Börsegang bringt Kapital und wir werden in den nächsten ein bis drei Jahre eine Reihe neuer Produkte in Österreich auf den Markt bringen. Das wäre ungleich schwieriger, wenn wir noch Teil der Getinge Group wären.

Welche Entwicklungen werden die Weichen für die künftigen Herausforderungen im Gesundheitsmarkt stellen? Chronisch Kranke und adipöse Patienten werden zunehmend zu einer pflegerischen und medizinischen Herausforderung. Arjo bietet heute schon Lösungen für diese Patientengruppen an und wir sind überzeugt, dass wir damit die Pflegeprozesse wesentlich verbessern können. Die Langzeitpflege wird hier in den nächsten Jahren in qualitativer Hinsicht den deutlichsten Entwicklungsschub durchmachen und das würde ich sehr gerne mit unserem Angebot unterstützen. Auch hier steht das Thema der Mobilität ganz oben auf der Tagesordnung, gleichzeitig darf die Kostenseite nicht aus den Augen gelassen werden. Wir müssen neue Business- und Finanzierungsmodelle anbieten, wenn wir uns in diesem Segment langfristig positionieren wollen. Wir können heute kaum beurteilen, welche Auswirkungen Entscheidungen wie etwa der Fall des Pflegeregresses auf den Sektor haben werden. Klar ist aber, dass wir mit unseren Leistungen dazu beitragen wollen und können, den hohen Standard in der Langzeitpflege zu halten und noch zu verbessern. Wir beobachten schon heute, dass die Menschen älter werden, aber auch länger gesund sind. In der Phase, in der sie dann wirklich der Pflege bedürfen, sind sie dann schon meist in Langzeitpflegeinrichtungen und „schwere“ Fälle.

Entgeltliche Einschaltung

Auf welche Produkte werden Sie sich spezialisieren? Wir sind jetzt schon sehr klar auf alle Produkte und Leistungen fokussiert, die mit der Förderung der Mobilität von Patienten und Pflegeheimbewohnern in Zusammenhang stehen. Damit unterstützen wir im Wesentlichen das Pflegepersonal, aber natürlich auch die Lebensqualität der Betroffenen. Der Schwerpunkt des Portfolios liegt traditionell im Bereich Hygiene, Desinfektion, der Lagerungstherapie und dem Bereich Kran-

kenhausbetten. Aus dem heraus werden wir das Geschäft in zwei Gruppen teilen: den Akutbereich und die Langzeitpflege. Das vorhandene Portfolio ist hier gleich, überlappend, aber auch gänzlich unterschiedlich. In Österreich wird die Langzeitpflege fokussiert, weil wir hier ein starkes Standbein und umfassende Kooperationen haben.

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Torsten van Steelandt, General Manager, Arjo

Wird die Umstellung auch Auswirkungen im Tagesgeschäft spürbare Folgen haben? Am Ablauf und der Organisation ändert sich nichts. Einzig im Vertrieb waren wir bisher auf Produktgruppen orientiert, das wird nun auf die Kundengruppen „akut“ und „Langzeitpflege“ geändert. Die Produktspezialisten werden dem Kundengruppenverantwortlichen zuarbeiten.

Welche Vorteile hat die „Stand-alone“-Lösung von Arjo aus Ihrer Sicht? Wir haben hier in Österreich schon immer eigenständiger agiert. Mir war es wichtig, die grundlegende Support-Infrastruktur wie Personalmanagement, Finanzen, Qualität oder IT hier lokal aufrechtzuerhalten. Mir war es wichtig, diese Aufgaben im Land zu behalten, denn das österreichische Umfeld ist sehr speziell – die Spitalslandschaft, das Gesundheitssystem, die Langzeitpflege, die Finanzierungsmodelle. Da braucht es schon ein besonders Verständnis, um die Bedürfnisse der Kunden richtig zu treffen. Wir haben auch eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause, das Modell gibt es nicht in vielen Ländern. Das führt aber auch dazu, dass wir weniger Betten in der Langzeitbetreuung haben. Ich freue mich über diese neue Entwicklung sehr, denn sie gibt Raum für Neues und für viele Innovationen, an die wir vorher vielleicht nicht gedacht haben. Um zu wissen, was uns die Veränderung bringt, müssen wir die Bewegung und die Dynamik einfach in unser Tagesgeschäft inte­ grieren und es als Chance wahrnehmen. Welche Vorteile haben die Kunden nun davon, dass Sie als eigenständiges börsenotiertes Unternehmen agieren? Ich denke, dass wesentlich ist, dass wir ein österreichisches Unternehmen sind und bleiben, das eine starke Marktposition hat. Wir können jetzt neue und noch flexiblere Businessmodelle anbieten, die auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden. Das Portfolio wird sich in den nächsten drei Jahren erweitern, wobei wir in den Kernbereichen, in denen wir jetzt schon tätig sind, unseren Schwerpunkt behalten. Wird es personelle Veränderungen geben? Wir sind mit mehr als 100 Mitarbeitern in Österreich sehr gut aufgestellt und können eine flächendeckende Versorgung sicherstellen. Niederlassungen in den Bundesländern und der bewährte 24/7-Service bleiben erhalten.

Wo werden Sie konkret investieren? Neue Businessmodelle werden kommen, denn die Zeit ist reif, neben den Produkten auch Know-how in den Markt zu bringen. Wir haben ein Programm, ProACT™, das diese neuen Businessmodelle wirksam unterstützt. Die häufigste Herausforderung für Gesundheitseinrichtungen ist heutzutage die Finanzierung. Sie zwingt viele Einrichtungen dazu, ihre Geräte weit über die empfohlene Lebensdauer hinaus zu behalten und zu verwenden, wodurch Bewohner, Patienten und Pflegepersonal unnötigen Risiken ausgesetzt werden. Das Analyseinstrument hilft, bei der Verbesserung der strategischen Planung und der Bereitstellung von Qualität in der Pflege zu helfen. ProACT™ steht für professionelle Investitionsplanung und wurde für Gesundheitseinrichtungen entwickelt, die ihre Rendite aus Finanzinvestitionen erhöhen, ihre Wirtschaftlichkeit verbessern und größere Erfolge für Bewohner und Patienten erzielen wollen. Mithilfe des ProACT™-Ansatzes werden abgestimmt auf die einzelne Organisation Empfehlungen für einen 5-Jahres-Finanzplan erstellt, basierend auf der Beurteilung des Geräteinventars und den Mobilitätsanforderungen der Bewohner und Patienten. Damit lassen sich Entscheidungen über Reparatur, Miete, Leasing oder Ankauf neuer Produkte und Geräte leicht treffen und transparente Kostenplanungen auf Basis organisationsspezifischer Daten aufstellen. Auf welche Erfolge würden Sie gerne in einem Jahr z­ urückblicken? Auf der einen Seite möchte ich das Thema der Frühmobilisation im Akutbereich implementiert haben, das als Konzept Fuß gefasst haben wird. In diesem Zusammenhang will ich auch den Bereich der Wissensvermittlung und das Training ausbauen. In der Langzeitpflege möchte ich präferierter Partner für die Pflegeeinrichtungen sein, wenn es um die Frage von Gesamtlösungen und Produkten geht.  n

ArjoHuntleigh GmbH Lemböckgasse 49/A/4 Tel.: +43 1 86656 4205 www.arjohuntleigh.at

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SERVICE & TERMINE

Wearables, die neuen „­ E-Medizinprodukte“ D

ie Smartwatch als Blutdruckmessgerät, die neue Weste als Defibrillator; bald kommen die ersten Sensor-Pflaster in den Handel. Fakt ist, der Markt für Wearables boomt, allen voran der Markt für „mobile wie auch textile Healthcare Wearables“. Dient solch ein Gerät diagnostischen und therapeutischen Zwecken, benötigt es – wie jedes andere Medizinprodukt – eine CE-Zertifizierung.

Erfassung gesundheitsbezogener Daten Wearables sind mobile Computersysteme, die während der Anwendung am Körper der Benutzer befestigt sind und über eine Netzverbindung verfügen. Eine Vielzahl verschiedener gesundheitsbezogener Daten kann mit Wearables erfasst werden. Die Auswertung der Daten erfolgt sogleich in Echtzeit und kann live am Handy, der Smartwatch oder über das Tablet verfolgt werden. Die Daten werden zusätzlich online, meistens über Cloud-Lösungen, gespeichert und – gewollt oder nicht – an die Betreiber dieser Apps übermittelt. Die Erfassung physiologischer Performancedaten ist seit jeher fester Bestandteil im Spitzensport. Apps und kompakte Smartwatches eröffneten diese Möglichkeiten auch dem breiten Publikum. Neueste Entwicklungen im Bereich Biosensoren und Labordiagnostik zeigen, wohin die Reise geht: weg von Ordinationen und Krankenhäusern, immer näher hin zum Patienten und Anwender. Die Erfassung von Daten soll unmittelbar beim Patienten erfolgen, die Auswertung der Daten zentral in Laboren, Krankenanstalten oder direkt beim behandelnden Arzt, in dessen Systemen sie verbunden sind.

Wearables sind längst nicht nur Lifestyle-Produkte, sondern stellen immer öfter komplexe Medizinprodukte dar. Die Frage, wann ein Wearable ein Medizinprodukt ist und wann nicht, ist anhand unionsrechtlicher Vorgaben zu beurteilen: Die maßgeblichen Bestimmungen finden sich in der MedizinprodukteRichtlinie 93/42/EWG bzw. der neuen Medizinprodukte-Verordnung 2017/745/EU wieder. Diese Richtlinie definiert Medizinprodukte als „alle einzeln oder miteinander verbundenen verwendeten Instrumente, Apparate, Vorrichtungen, Software, Stoffe oder andere Gegenstände, einschließlich der vom Hersteller speziell zur Anwendung für diagnostische und/oder therapeutische Zwecke bestimmten und für ein einwandfreies Funktionieren des Medi-

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zinprodukts eingesetzten Software, die vom Hersteller zur Anwendung für Menschen für folgende Zwecke bestimmt sind: • Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten; • Erkennung, Überwachung, Behandlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderungen; • Untersuchung, Ersatz oder Veränderung des anatomischen Aufbaus oder eines physiologischen Vorgangs;

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Prüfung anhand der Medizinprodukte-Richtlinie


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Mag. Paul Kessler DDr. Karina Hellbert, LL.M. Fiebinger Polak Leon Rechtsanwälte www.fplp.at

• Empfängnisregelung und deren bestimmungsgemäße Hauptwirkung im oder am menschlichen Körper, die weder durch pharmakologische oder immunologische Mittel noch metabolisch erreicht wird, deren Wirkungsweise aber durch solche Mittel unterstützt werden kann.“ Daran ändert auch die neue Verordnung nichts, außer dass sie bestimmte Lifestyle-Produkte mit kosmetischen Zwecken nun als Medizinprodukte einstuft.

Abgrenzung zu anderen Produktkategorien Der Medizinproduktebegriff der Richtlinie ist grundsätzlich weit gefasst. Daher stellt sich in der Praxis schon oftmals vor der Produktentwicklung bzw. im Rahmen der Produktideen die Frage, ob das geplante Produkt unter den Medizinproduktebegriff fällt oder unter, zum Beispiel, den Arzneimittelbegriff (sogenannte „borderline products“). Eine erste Abgrenzungshilfe bietet das Handbuch „Manual on Borderline and Classification in the Community Regulatory Framework for Medical Devices“ der Europäischen Kommission, das Abgrenzungshilfen vor allem anhand praktischer Beispiele aufzeigt. Ist die Abgrenzung trotz der Guidelines nicht möglich, besteht die Möglichkeit, beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ein Abgrenzungsverfahren einzuleiten, mit dem festgestellt wird, ob das Produkt unter den Medizinproduktebegriff fällt oder nicht. Die Kosten eines solchen Verfahrens betragen aktuell 2.546,- Euro zuzüglich Kosten für externe Gutachter.

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Konformitätsbewertungsverfahren Kommt man zu dem Ergebnis, dass das Wearable ein Medizinprodukt ist, so kann das Produkt nur dann in Österreich und in der Europäischen Union sowie in der Schweiz vertrieben werden, wenn es zuerst CE-klassifiziert wird. Die Medizinprodukte-Richtlinie kennt vier Risikoklassen beginnend bei I („niedriges Risiko“) bis hin zu III („hohes Risiko“). Abhängig von der Klassifizierung muss man in der Folge ein Konformitätsbewertungsverfahren durchführen, um das verpflichtende CE-Kennzeichen am Produkt anführen zu können. Bei Produkten der Risikoklasse I, worunter im Wesentlichen die meisten Wearables fallen (außer zum Beispiel eine Defibrillatoren-Weste: Klasse IIb), muss lediglich der Nachweis ­erbracht werden, dass das Wearable den Richtlinienanforderungen im Bereich Sicherheit, Biokompatibilität, Hautverträglichkeit, Leistungsdaten und der klinischen Wirksamkeit entspricht. Schwieriger wird das Verfahren bei Wearables der Risikoklasse I mit Messfunktion und Produkten der Risikoklassen

IIa/b bis III. Bei solchen Produkten muss die Prüfung mithilfe einer „Benannten Stelle“ erfolgen, das sind meist private, aber staatlich überwachte Prüfungsstellen, die mit der Durchführung von Prüfungen und der Erteilung von Bescheinigungen im Konformitätsbewertungsverfahren beauftragt sind. In Österreich ist momentan keine Benannte Stelle tätig, das Zulassungsverfahren kann daher bei Produkten der Risikoklassen I mit Messfunktion und Produkten der Klassen II bis III nur in Zusammenarbeit mit Benannten Stellen in anderen europäischen Ländern erfolgen.

Inverkehrbringen von Medizinprodukten Risikoklasse I Das Konformitätsbewertungsverfahren kann sehr zeit- und kostenaufwendig sein. Folgende Schritte sind notwendig: 1. Abgrenzung und Nachweis, dass es sich um ein Medizinprodukt handelt. 2. Nachweis, dass es sich um ein Medizinprodukt der Klasse I handelt. Dieser Nachweis erfolgt auf Basis des Anhangs 9 der Medizinprodukte-Richtlinie. 3. Nachweis der Erfüllung der grundlegenden Anforderungen. Das Produkt muss die grundlegenden Anforderungen gemäß Anhang 1 der Medizinprodukte-Richtlinie erfüllen. 4. Erstellen der technischen Dokumentation. Dabei wird kontrolliert, ob die bereitgestellten Informationen für den Anwender ausreichend sind (Gebrauchsanweisungen, Etikettierung etc.). Diese Dokumentation hat gemäß Anhang 7 der Richtlinie zu erfolgen. 5. Medizinprodukte mit Messfunktion: Nachweis eines geeigneten Verfahrens gemäß Richtlinie unter Beteiligung einer Benannten Stelle (außerhalb Österreichs). 6. Erstellen der Konformitätserklärung: Die Konformitätserklärung bestätigt die Durchführung eines geeigneten Konformitätsbewertungsverfahrens durch den Hersteller oder eines Bevollmächtigten und die Erfüllung von Anforderungen, die für das konkrete Medizinprodukt verpflichtend anwendbar sind. 7. Anbringen der CE-Kennzeichnung. 8.  Registrierung im Österreichischen Medizinprodukteregister: Die Registrierung von Medizinprodukten erfolgt zentral im Österreichischen Medizinprodukteregister für jene Unternehmen, die in Österreich ihren Sitz haben oder Medizinprodukte aus dem EU-Ausland nach Österreich importieren. 9. Laufende Dokumentation, Evaluierung und Meldung von Vorkommnissen an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. 10. Bewertung von Erfahrungen aus dem Post-Market-Surveillance-System. Hier unterscheiden sich Wearables nicht von anderen Medizinprodukten der Klasse I, auch wenn sicherlich die Wachstumschancen am Markt andere sind.  n

01/18 DAS MEDIZINPRODUKT 31


PRODUKTNEWS

Salesianer übernimmt Wozabal

Schätzungen zufolge leben derzeit 130.000 Menschen mit Demenz in Österreich, Tendenz steigend. Aktive Biografiearbeit bei der Gestaltung ihres Alltags trägt schon heute zu einer Verbesserung ihrer Situation bei. Jetzt klärt das Forschungsprojekt „VR4Therapy“ unter Führung der Linzer Digitalagentur Netural, ob Virtual Reality eine geeignete Technologie sein könnte, über Erinnerungen einen Zugang zu Betroffenen zu ­ finden. Das Forschungsteam des Konsortiums ­ bestehend aus der Caritas für Betreuung und ­ ­Pflege, der Fachhochschule Oberösterreich und Netural geht seit letztem Jahr der Frage nach, welche Rolle Virtual-Reality-Anwendungen für die Erinnerungspflege bei an Demenz erkrankten ­Personen einnehmen können. Die eigene Lebensgeschichte eines Menschen liefert ebenso Ausgangspunkte für Gespräche und Aktivitäten wie alltags- und ereignisbezogene Bild- und Ton-Aufnahmen zurückliegender Zeiten. Dieses Material wird jetzt zusammengetragen und aufgearbeitet. Getestet wird in den Caritas-Seniorenwohnhäusern Karl Borromäus und St. Anna in Linz sowie im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall in Bad Hall. Eine Förderung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, FFG, ermöglicht das Vorhaben. Zeigen sich nach dem ersten Jahr positive Erkenntnisse, soll das Projekt ausgeweitet werden. www.netural.com

32 DAS MEDIZINPRODUKT 01/18

www.salesianer.com



www.zwick.de

Bei Auftragsprüfungen und Vorprüfungen live dabei sein. Gleich mehrere Konferenzteilnehmer können die Versuche audiovisuell verfolgen.

Liveübertragung aus dem Prüflabor Schon lange besteht bei Zwick Roell die Möglichkeit, umfassende quasi-statische, zyklische und schlagdynamische Prüfungen im Kundenauftrag durchzuführen. Ein Team qualifizierter Prüfingenieure und Werkstoffprüfer setzt in eigens dafür eingerichteten Prüflaboren normgerechte Auftragsprüfungen um. Zusätzlich bietet der Service sogenannte Vorprüfungen an. Sie geben dem Kunden Aufschluss darüber, ob es für sein Probenmaterial eine passende Prüfmaschine gibt. Neu ist, dass Kunden per Webkonferenz live bei der Prüfung dabei sein können. Die Prüflabore sind mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet, die das Verfolgen der Prüfungen in Bild

Zusammenschluss BD (Becton, Dickinson and Company) und C. R. BARD haben zum Jahreswechsel fusioniert. Bard ist ein internationaler Entwickler, Hersteller und Anbieter von innovativen medizinischen Technologien für die Bereiche Gefäßerkrankungen, Urologie, Onkologie und chirurgische Spezialprodukte. Durch die Fusion wird es möglich, Kunden und Patienten weltweit ein umfassenderes Spektrum klinisch relevanter Lösungen anzubieten. 

bd.com, crbard.com

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Mit Virtual Reality das Erinnern stützen

SALESIANER MIETTEX hat im Insolvenzverfahren der Firmengruppe Wozabal den Zuschlag für die Übernahme des Unternehmens erhalten. Damit ist der Fortbestand des Unternehmens gesichert, ebenso die unterbrechungs- und reibungslose Versorgung aller Kunden, der Weiterbestand der übernommenen Betriebe und die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Sechs Wozabal-Betriebe mit rund 900 Mitarbeitern an den Standorten in Linz, Enns, Lenzing, Bad Hofgastein, Klagenfurt und Budweis wurden mit 1. 2. 2018 übernommen. SALESIANER MIETTEX wird als neue Muttergesellschaft auf gesundes Wachstum von Wozabal setzen und dadurch die übernommenen Betriebe sowie die dort vorhandenen Arbeitsplätze sichern. Die neue Konstellation ermöglicht umfangreiche Synergien, da SALESIANER MIETTEX weitgehend komplementäre Leistungen anbietet und die geografische Überlappung gering ist. Erleichternd für den Zusammenschluss ist auch die Tatsache, dass beide Unternehmen traditionsreiche österreichische Familienbetriebe sind und damit auch eine ähnliche Unternehmenskultur leben. Die Headquarter-Funktionen sollen weiterhin in Oberösterreich angesiedelt bleiben.

und Ton möglich machen. Eine über das Internet organisierte Konferenz gibt Kunden die Gelegenheit mit anzusehen, wie sich ihr Probenmaterial im Test verhält. Während der detailliert übertragenen Prüfung können Kunden Fragen stellen und den Prüfablauf kommentieren, um am Ende mit dem verantwortlichen Mitarbeiter das Prüfergebnis zu diskutieren. Im Vergleich zum reinen Prüfprotokoll erhalten Kunden so ein differenzierteres Bild darüber, wie ihre Proben untersucht werden und wann und wie das Material versagt hat. Für diesen neuen Service stehen im Zwick-Prüflabor rund 50 Prüfmaschinen und -geräte zur Verfügung. Das Angebot reicht von statischen Prüfmaschinen über Härteprüfgeräte und Pendelschlagwerke bis hin zu dynamischen Prüfmaschinen. Diese Prüfmaschinen decken dabei Anwendungen aus über 20 Branchen ab.


KONGRESSE t FEBRUAR

08.–09.03.2018

28.02.–04.03.2018 ECR 2018, Wien, www.myesr.org

35. Ernährungskongress des Verbandes der Diaetologen Österreichs, Wien, www.diaetologen.at

t MÄRZ

09.03.–10.03. 2018

02.–03.03.2018

ÖGH-Frühjahrsklausurtagung der Österr. Gesellschaft für Handchirurgie, Salzburg, www.handchirurgen.at

08.–10.03. 2018 Geriatriekongress 2018, Wien www.geriatrie-online.at

08.–10.03.2018

20. Kardiologie Kongress Innsbruck www.kardiologie-innsbruck.at

08.03–10.03. 2018

Wiener Anästhesietage 2018, Wien www.anaesthesietage.at

Frühjahrstagung der Österr. ­Gesellschaft für Pathologie, Wien, www.pathology.at

14.03.2018

10. Österr. Gesundheitswirtschaftskongress, Wien, www.oegwk.at

17.03.2018

Highlights in Cardiology 2017/18 Kardiologische Fortbildungsseminare, Wien, www.cardio-congress.com

t APRIL

05.04.2018

6. Grazer Risikotag, Graz risikomanagement@klinikum-graz.at

KONGRESSKALENDER

11.–14.04.2018

12. Österreichischer Infektions­ kongress, www.oegit.eu

12.–14.04.2018

16. Österreichischer Kongress Krebs bei der Frau, Salzburg www.ago-austria.at

12.–14.04.2018

Österreichkongress für Radiologietechnologie, Graz www.radiologietechnologen.at/ kongress-2018

17.–19.04.2018 conhIT, Berlin, www.conhit.de

19.–21.04.2018

Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie – OeGHO, Villach www.oegho.at

22.–25.04.2018

9th European Conference on Interventional Oncology – ECIO, Wien www.ecio.org

25.–27.04.2018

integra 2018, Wels, www.integra.at

27.–28.04.2018

25. Jahrestagung der Österreichischen Atherosklerosegesellschaft – AAS, St. Gilgen, www.aas.at

t MAI

03.–05.05.2018

26. Osteoporoseforum der Österreichischen Gesellschaft für Knochen & Mineralstoffwechsel, St. Wolfgang www.oegkm.at

t JUNI

06.–08.06.2018

59. Österreichischer Chirurgen­ kongress, Wien www.chirurgenkongress.at

uu AUSBLICK Forum Pharma: Blickpunkt Reinraum

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13.03.–14.03.2018 Wie kann die langfristige Planung in eine GMP-gerechte Zukunft gewährleistet werden? Aus dem Inhalt: Der betriebliche Alltag – regulatorische Anforderungen halten sich nicht an Betriebsgrößen, Kein Zutritt – Der Wandel vom aktiven Reinraum-Mitarbeiter zum Systemadministrator? Reinraumbau – Zwischen Bauplanung, Moduldesign und Instandhaltungsprozessen – GMP-Richtlinien nicht aus den ­Augen verlieren, Reinraum der Zukunft – Künftige Notwendigkeiten an Investitionen in Bau und ­Technik. www.imh.at

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Pflege-Management Forum 08.–09. März 2018, Wien Das Pflege-Management Forum ist seit 10 Jahren Österreichs größtes Forum für Führungskräfte der Gesundheits- und Krankenpflege aus dem mobilen, ambulanten und (teil)stationären Bereich. 10 Jahre Pflege-Management-Forum ist Anlass, um einen Blick zurück zu werfen. Was wurde aus den Themen, die 2009 beim ersten Pflege-Management-Forum behandelt wurden? Wo stehen wir heute im Vergleich zu damals? Die führende Plattform für das Pflegemanagement bildet den idealen Rahmen, herausragende Leistungen in der Akut- und Langzeitpflege auszuzeichnen. Deshalb verleihen wir gemeinsam mit dem Sozialund Gesundheitsministerium bereits zum 4. Mal den Pflege-Management AWARD „cura“. Wir bedanken uns bei all jenen, die diese Initiative unterstützen und wünschen allen Einreichern viel Erfolg!  www.businesscircle.at

am 14. März 2018 in Wien im Austria Trend Hotel Savoyen Vienna

Ethik, Personalakquisition, Finanzierung, Innovation, Reform, Digitalisierung Die Stichworte der öffentlichen Diskussion sind eindeutig: Der allgemeine gesellschaftliche Umbruch hat jetzt auch die Gesundheitsmärkte in Europa erreicht. Wichtig ist daher, über die Grenzen zu schauen und Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Diskutieren Sie im Kreise der TOP-Manager der Gesundheitswirtschaft unter anderem diese wichtigen Themen der Zukunftsbranche:

 Ethik ist kein Luxus: Gemeinsam für Patienten  Pflege 4.0: Mit Technik zu mehr Humanität?  Gemeinsam geht es besser: Innovative Kooperationen sichern Zukunft  Ohne Menschen geht es nicht: Personalakquisition modern  Angst bremst: Perspektiven für die Akteure im Umbruch  Leistung muss sich lohnen: Moderne Spitäler brauchen moderne Finanzierung  Papiertiger Reform: Was hilft wirklich?  Mach Dir einen Plan: An Qualität geht kein Weg vorbei  Digitalisierung ist Chefsache: Strategie vor Technik  Politik kann Staat, Betrieb kann Betrieb: Weiterentwicklung der öffentlichen Krankenhäuser  Gemeinsam für den Patienten: Behandlung ist Kerngeschäft  Guter Rat ist gefragt: Marketing auf neuen Wegen

Informieren Sie sich online über das Programm und die Referenten des 10. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES

Anmeldung & Infos zum Kongress unter: www.oegwk.at


SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

MÄRZ Verhalten im OP

15. März 2018, 9:00–16:00 Uhr

Medizinproduktegesetz

23. April 2018, 9:00–17:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

APRIL Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

MAI Medizinisches Basiswissen II

7.+8. Mai 2018, jeweils 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

JUNI Workshop Vergaberecht in der Praxis

6. Juni 2018, 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

7. Juni 2018, 9:00–16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

AUGUST Medizinproduktegesetz

16. August 2018, 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Repetitorium Befähigungsprüfung (Rechtliche Rahmenbedingungen)

17.+18. August 2018 9:00 - 17:00 Uhr bzw. 9:00–13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Repetitorium Befähigungsprüfung (Medizinisches Basiswissen)

20.+21. August 2018 jeweils 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen I

22.+23. August 2018, jeweils 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

OKTOBER Medizinisches Basiswissen II

8.+9. Oktober 2018, jeweils 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

11. Oktober 2018, 9:00–16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

Workshop Vergaberecht in der Praxis

7. November 2018, 09:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz

20. November 2018, 9:00–17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

NOVEMBER

*) Die schriftliche Prüfung wird am 18. September 2018 von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien abgenommen. Die mündlichen Prüfungstermine finden je nach Kandidatenanzahl ab dem 8. Oktober 2018 statt. Es besteht die Möglichkeit, für die mündliche Prüfung einen Wunschtermin bei der Meisterprüfungsstelle zu deponieren. ACHTUNG: Mit der Anmeldung zu unseren Vorbereitungsveranstaltungen sind Sie nicht automatisch zur Befähigungsprüfung angemeldet. Eine gesonderte Anmeldung bei der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien ist bis 3. August 2018 erforderlich: Manfred Stolzer, Tel 01 51450-2450 oder manfred.stolzer@wkw.at

Info & Anmeldung: www.austromed.org

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Manuela Gütlbauer, m.guetlbauer@medmedia.at, ­Tel: +43-1-407 31 11-45. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich, M ­ ag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: c­ reativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: ­Druckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über B ­ ranchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder ­wissenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

34 DAS MEDIZINPRODUKT 01/18


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DAS SCHLUSSWORT

Wo bleibt die Solidarität? Ö

sterreich ist bekannt dafür, dass in vielen Bereichen der Wirtschaft eine gewisse ethisch-politische Grundhaltung herrscht: die Verbundenheit und Unterstützung von Ideen, ­Aktivitäten und Ziele der anderen – kurz: Solidarität. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, die Tugend der Kameradschaft, das freiwillige „Aufeinander-Schauen“ ist besonders in Krisenzeiten ein wertvolles und oft unausgesprochenes Tool, um anstehende Herausforderungen einfacher zu meistern. Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas bringt das Wesentliche des Begriffes in einem Satz auf den Punkt: „Wer sich solidarisch verhält, nimmt im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, im langfristigen Eigeninteresse Nachteile in Kauf.“ Auch wir als Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen kennen diese Solidarität – im Gesundheitswesen im Allgemeinen und in der Zusammenarbeit mit Kranken­ kassen und Sozialversicherungsträgern im Speziellen. Das österreichische Gesundheitswesen ist geprägt durch die föderalistische Struktur des Landes, die Delegation von Kompetenzen an die Selbstverwaltung und durch Akteure-übergreifende Institutionen. Eine effiziente und effektive Zusammenarbeit wäre ohne diesen solidarischen Grundgedanken in der Praxis gar nicht möglich. Und auch ohne Krise ist es erforderlich, dass wir uns auf andere Player und Partner im Gesundheitssystem verlassen können. Unternehmen, die in volatilen Zeiten ohnehin schon sehr flexibel geworden sind, benötigen ein grundlegendes Maß an Planbarkeit, um am Markt agieren zu können. In den letzten Monaten haben wir beobachtet, dass es einen Trend hin zur Entsolidarisierung von den Kassen zu ihren Vertragspartnern gibt. Sehr kurzfristig wurden Verträge verändert, das hat zur Folge, dass für die Medizinprodukte-Unternehmen planbare Regelungen in nicht-planbare Regelungen verändert wurden. Noch vor dem Jahreswechsel konnten Unternehmen an ihre Konzernzentralen Meldungen über die Entwicklungen und Vereinbarungen mit den Kassen melden, die aber aktuell – nur wenigen Wochen danach – völlig anders sind.

In diesem Zusammenhang darf ich mit Fug und Recht behaupten, dass wir uns als Interessensvertretung Sorgen machen, dass sich hier eine neue Art der Verhandlungsführung zeigt, die einseitig zum Nachteil vieler Unternehmen der Medizinprodukte-Branche ausgeht. Wir alle wünschen uns einen Wandel im Gesundheitswesen zu mehr Effizienz und Effektivität. Dieser Wandel muss nachhaltig sein und auf diesem solidarischen Miteinander der Player aufbauen. Wir können nicht akzeptieren, dass hier, nur um Veränderung der Veränderung willen voranzutreiben, ohne Ziel und Plan agiert wird. Das Gesundheitssystem ist aufgrund der vielfältigen Verflechtungen sehr komplex und es braucht einen großen, umfassenden und vor allem akkordierten Plan, um Veränderungen auf einen wirkungsvollen Weg zu bringen. Es kann nicht sein, dass zulasten einiger Partner im System kurzfristige Erfolge erzielt werden, die keine nachhaltige Wirkung haben. Mit den Gesundheitszielen hat sich Österreich bereits dazu verschrieben, die Lebensqualität aller hierzulande verbessern zu wollen. Dazu arbeiten Vertreter unterschiedlicher Organisationen und Politikbereiche eng zusammen und identifizieren Rahmenbedingungen und Voraussetzungen und setzen gemeinsam Maßnahmen um, die dieses Ziel Wirklichkeit werden lassen. Die Medizinprodukte-Branche akzeptiert diese Gesundheitsziele und trägt sie vollinhaltlich mit. Das funktioniert aber nur, wenn alle in einem Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern. Das erfordert dringend, dass die involvierten Player miteinander reden und nicht einfach im Alleingang entscheiden, in welche Richtung es künftig gehen soll!  n

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

01/18 DAS MEDIZINPRODUKT 35

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Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED


www.austromed.org

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