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Lösungen für das Gesundheitswesen S

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ISSN 2223-1080

Diabetes:

Österreichische Post AG, MZ09Z038040M MEDMEDIA Verlag, Seidengasse 9/top 1.1, 1070 Wien © Mediteraneo – stock.adobe.com

Therapie­ standards 2017

16 | Radiologie MRT bei fetalen Erkrankungen www.das-medizinprodukt.at

24 | Schluckstörungen Verfahren zur Diagnose 28 | Digitalisierung Mehr Hände ans Bett


INHALT Politik, Verwaltung & Management Branchennews4 Risikoprofilrechner: So werden OP-Risiken im Voraus berechnet

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Medizin & Wissenschaft Schwerpunkt: Diabetes Therapiestandards 2017

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Sepsis – neu definiert

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Radiologie: MRT bei fetalen Erkrankungen

16

Aktuelle Trends in der Strahlentherapie

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Ellenbogen-Verletzungen bei Kindern

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News aus der Unfallchirurgie

20

Pathologie: Personalisierte Medizin im Trend 

21

Endoskopische Besonderheiten von Refluxösophagitis und ­Barrett-Ösophagus

22

Qualitätsnachweis in der Adipositasbehandlung

23

Diagnoseverfahren bei Schluckstörungen

24

Pflege & Home Care Wundversorgung: Von der Vision zur Realität 

26

Digitalisierung in der Pflege: Mehr Hände ans Bett

28

Service Produktnews30 Kongresse & Termine

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Impressum33 AUSTROMED Dabei

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AUSTROMED Schlusswort

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ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER

www.das-medizinprodukt.at

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Druckauflage: 21.540 im 1. Halbjahr 2017 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Kooperation ist nicht Korruption B

eziehungen sind keine einfache Sache, erst recht nicht im Berufsleben. Arbeiten Menschen bei Praxisprojekten oder in der Forschung sehr eng zusammen, wie etwa Ärzte in Gesundheitseinrichtungen mit Vertretern von MedizinprodukteUnternehmen, kann schon schnell der Verdacht aufkommen, dass nur gute Beziehungen auch gute Geschäfte zur Folge haben. Die Grenze zwischen Kooperation und Korruption ist auf den ersten Blick nicht leicht zu ziehen, aber sie kann im Zweifelsfall sehr eindeutig sichtbar gemacht werden. Ein hilfreiches Instrument sind freiwillige Selbstverpflichtungen. Die Mitglieder der AUSTROMED haben sich auch schon vor der Gesetzesänderung im Jahr 2011 klar zu einem Verhaltenskodex in puncto korrekten Umgangs im geschäftlichen Verkehr bekannt, der im Wesentlichen das Verhältnis zwischen Lieferanten und Anwendern regelt. Nach der vorletzten Novellierung des Antikorruptionsgesetzes wurde der Verhaltenskodex nun auch an die neue Situation angepasst. Dabei wurden die Änderungen im Antikorruptionsgesetz und die europäische Sichtweise im Sinne der Dachorganisation der Medizinprodukte-Unternehmen „MedTech Europe“ berücksichtigt. Die aktuelle Fassung kann unter www.austromed.org abgerufen werden. Mehr dazu lesen Sie in AUSTROMED Dabei auf Seite 34 und im Schlusswort auf Seite 35. Warum uns diese Selbstverpflichtung so wichtig ist, liegt vor allem in der engen Zusammenarbeit von Anwendern und Medizinprodukte-Unternehmen, ohne die es keine Innovationen im Gesundheitswesen geben kann. Forschung, Entwicklung und Fortschritt sind nur dann gewährleistet, wenn ein wissenschaftlicher Dialog zwischen Herstellern und Anwendern möglich ist. Daher muss die Sicherstellung des gesetzlichen Auftrags zur Schulung, Information und Einweisung im Vordergrund stehen. Unser gesetzlicher Auftrag zum Know-howTransfer muss bestmöglich erfüllt werden, denn nur so können Innovationen im Gesundheitswesen vorangetrieben werden. Die rechtlichen Regeln haben aber die Zusammenarbeit nicht leichter gemacht, im Gegenteil. In der Praxis zeigt sich näm-

lich, dass zur Vermeidung eines Vorwurfes der Korruption teilweise das Dienstrecht so abgeändert wurde, dass keinerlei Leistungen mehr möglich sind oder eine Teilnahme an Veranstaltungen schlichtweg „verboten“ wird. Ein sinnvolles Miteinander wird dadurch unmöglich gemacht, die Vielfalt an unterschiedlichen Dienstvorschriften stellt eine zusätzliche Hürde dar. Die absolut notwendige Aufrechterhaltung des wissenschaftlichen Dialogs zwischen Anwendern und Industrie zur Weiterentwicklung von Produkten und Behandlungsmethoden darf nicht beeinträchtigt oder sogar verhindert werden! Die Botschaft des Gesetzgebers ist jedenfalls klar und zu unterstützen: saubere und transparente Beziehungen zwischen Lieferanten, Beschaffern und Anwendern!

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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© Oreste Schaller

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NEWS

www.klinikum-wegr.at Prim. Priv.-Doz. Dr. Ronald K. Binder, Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie

© Bernhard Schramm

Neben der MedUni Wien und dem AKH Wien sind in das Wiener Notfallkonzept auch die Berufsrettung Wien, der Wiener Krankenanstaltenverbund, die Wiener Berufsfeuerwehr und die Wiener Polizei mit eingebunden. Über die Zukunft der Kooperationen in der präklinischen Notfallmedizin und deren Herausforderungen wurde kürzlich auf den 1. Wiener Notarzttagen diskutiert. Eines der bereits erfolgreich umgesetzten Projekte für die optimale Versorgung im Notfall ist, dass dieselben Ärzte seit rund einem Jahr die Notfallpatienten sowohl am Notfallort als auch in der Klinik betreuen. „Neu ist, dass die Notfalleinsätze direkt von den Spitälern bestückt werden“, erklärt Dr. Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien, AKH Wien. Ein weiteres Erfolgsprojekt wurde zwischen dem Verein „PULS“ und der Wiener Polizei umgesetzt: Im Rahmen von „First Responder Polizei Wien“ wurden Defibrillatoren in Polizeiinspektionen sowie mobil in Polizeiautos installiert, zudem gab es Schulungen für die Exekutivbeamten im Kampf gegen den plötzlichen Herztod. Die Projekte wurden innerhalb der MedUni Wien auch wissenschaftlich begleitet.

Durch die Anwendung minimalinvasiver Methoden kann ein Herzklappeneingriff heute ohne Eröffnung des Brustkorbes von der Leiste aus durchgeführt werden. Dabei wurde bis dato jeweils nur an einer der vier Herzklappen interveniert. Erstmals in Österreich wurden kürzlich am Klinikum Wels-Grieskirchen zwei Herzklappen gleichzeitig in einem minimalinvasiven Eingriff bei einer Patientin behandelt.

© Klinikum Wels-Grieskirchen

Präklinische ­Notfallversorgung

Minimalinvasiver ­Doppel-Herzklappeneingriff

Umbau in Graz Mit modernster Infrastruktur und Ausstattung punktet die Privatklinik Graz Ragnitz schon seit ihrer Gründung im Jahr 2000. Rund neun Millionen Euro investiert die PremiQaMed Group, Eigentümer der Privatklinik Graz Ragnitz, nun in den Um- und Zubau der Klinik. Ein fünfter Operationssaal plus neuem Funktions-

trakt wird künftig den operativen Schwerpunkt der Privatklinik Graz Ragnitz stärken, es entstehen weitere Ordinationsräumlichkeiten. Für noch mehr Patientenkomfort wird der Einbettzimmeranteil aufgestockt. Baubeginn des in drei Phasen geplanten Vorhabens ist Oktober 2017, die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant. www.premiqamed.at

Zuwachs in Privatkliniken Immer mehr Menschen vertrauen auf die österreichischen Privatspitäler. Das belegt der soeben erschienene Jahresbericht des ­ ­Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (PRIKRAF). Insgesamt 101.811 Aufenthalte im Jahr 2016 bedeuten ein Plus von 4,7 %. Im letzten Jahr haben sich erstmals über 100.000 Menschen für eine Behandlung/Operation in

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einem der österreichischen Privatspitäler entschieden, das sind um über 4.500 mehr als 2015. Der überwiegende Teil, nämlich 92 %, sind geplante Aufnahmen. „Die Patienten von heute setzen auf Transparenz und Qualität, beides wird für die Privatkliniken jährlich vom PRIKRAF überprüft und sichtbar gemacht“, erklärt der Präsident des Verbands der Privatkrankenanstalten Prim. Dr. Josef Macher den Zuwachs. www.privatkrankenanstalten.at

© VanHope – stock.adobe.com

www.meduniwien.ac.at/notarzttage


Neue OP-Methode für ­große Zwerchfellbrüche Die operative Behandlung eines Zwerchfellbruchs ist gut etabliert und wird in der Regel minimalinvasiv durchgeführt. Dabei wird der Magen wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert und die vergrößerte Lücke im Zwerchfell durch Nähte an der Muskulatur so weit verkleinert, dass nur noch die Speiseröhre durchtreten kann, nicht aber der Magen. Der Schwachpunkt des Verfahrens: Nach fünf Jahren liegt die Redizivrate bei 15 bis 20 Prozent. Eine Möglichkeit, diese Rate zu verringern, ist

der Einsatz von Kunststoffnetzen – eine Methode, die sich bei vielen anderen Brucharten durchgesetzt hat, in der Umgebung der Speiseröhre jedoch durch Einengungen oder Einwachsen des Netzes zu schweren Komplikationen führen kann. Das chirurgische Team im St. Josef Krankenhaus Wien setzt stattdessen zur Verstärkung der Bruchnaht auf rein biologisches Gewebe: den linken Leberlappen. Dieser befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Speiseröhre und Magen und kann hinter die beiden Organe gelegt und zur Verstärkung der Bruchnaht verwendet werden, ohne dass die Leber selbst dadurch beeinträchtigt wird. www.sjk-wien.at

Interdisziplinäre ­Burnout-Ambulanz Am Rudolfinerhaus in Wien Döbling nahm kürzlich die interdisziplinäre Burnout-Ambulanz ihren Betrieb auf. Der Schwerpunkt unter der Leitung des Psychiaters, Neurologen und Psychotherapeuten Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, liegt auf klinischer, psychiatrischer sowie psychopathologischer Ursachenabklärung und Diagnosestellung in Zusammenhang mit entsprechenden Krankheitsbildern. Die Leistungen der Burnout-Ambulanz umfassen die Bereiche Vorsorge, gezielte Behandlung und Rückfallprophylaxe. Burnout wird in der Regel dann diagnostiziert, wenn Erschöpfung, ein subjektiver oder objektiver Leistungsabfall bzw. eine gewisse Entfremdung vom eigenen Arbeitsumfeld auftreten. In vielen Fällen geht das Krankheitsbild mit anderen psychischen, körperlichen oder sozialen Störungen bzw. Erkrankungen einher. Eine interdisziplinäre Prim. Univ.-Prof. Dr. Herangehensweise an das Krankheitsbild ist daher essenziell. Michael Musalek leitet die  neue Burnout-Ambulanz www.rudolfinerhaus.at im Rudolfinerhaus.

Neue Darstellung von Gehirnarealen Bislang gibt es verschiedene Verfahren funktionelles Gehirngewebe darzustellen, wobei die direkte Stimulation an der Hirn­ oberfläche seit Jahrzehnten der Standard ist. Die Voraussetzung dieser direkten Stimulation ist jedoch der wache Zustand des Patienten während der Operation und ein geistiger Zustand mit vollständiger Kooperation während der Testung. Neben diesen grundsätzlichen Voraussetzungen werden der zeitliche Aufwand und das potenziell mögliche Auftreten von epileptischen Anfällen als Belastung für den Patienten empfunden. Die vollständige Entfernung von Gehirntumoren und epileptischen Arealen in der Gehirnchirurgie ist oft durch ein funktionelles Hirngewebe eingeschränkt. Der internationale Experte und neue Gastprofessor an der Med Uni Graz Dr. Gerwin Schalk bringt nun ein neues Verfahren zur Darstellung von Gehirnarealen an die Klinik. Es benötigt keine elektrische Stimulation, sondern basiert rein auf einer physiologischen Hirnstromanalyse, die durch Auflegen von Elektroden an der Hirnoberfläche basiert. Im Speziellen handelt es sich um die Darstellung von sogenannten GammaWellen, die sich in ihrer Amplitude bei Aktivierung spezieller Hirnareale verändern. Ein dafür speziell entwickeltes Computerprogramm filtert diese, für das freie Auge nicht sichtbaren, Gamma-Wellen und stellt die Veränderung der Amplituden grafisch dar. Ein Vorteil dieser Methode ist die rasche Identifikation der funktionellen Hirnareale in wenigen Minuten. Dies bedeutet für die Patienten einen wesentlich besseren Komfort und insgesamt eine kürzere Operationsdauer. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass lediglich Hirnströme abgeleitet werden und keine Stimulation, das heißt kein Strom der Hirnoberfläche zugeführt wird, sodass eine zusätzlich mögliche Belastung in Form von epileptischen Anfällen praktisch nicht vorkommt. www.medunigraz.at

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© Med Uni Graz

© St. Josef Krankenhaus Wien / Alek Kawka

Die Hiatus-Hernie sollte von Experten für Speiseröhren- und Magenchirurgie operiert werden.

© Rudolfinerhaus

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BRANCHENNEWS


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

OP-Risiken im Voraus berechnen u Ein Risikoprofilrechner kalkuliert die statistische Wahrscheinlichkeit, bei einer ­Darmkrebsoperation Komplikationen zu erleiden. u Arzt und Patient können sich so besser auf die Operation vorbereiten und individuelle Vorsichtsmaßnahmen treffen.

n Deutschland ist Darmkrebs bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Eine Operation ist für viele Betroffene die wichtigste Behandlungsmöglichkeit. Grundsätzlich sind diese Eingriffe sehr sicher. Das Risiko für Komplikationen hängt zu einem großen Teil von individuellen Voraussetzungen des Patienten, etwa den bestehenden Vorerkrankungen, ab. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchi­ rurgie (DGAV) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie der LMU München, einen Rechner entwickelt, der das individuelle Risiko eines Patienten, bei einer Darmkrebsoperation Komplikationen zu erleiden, mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit kalkuliert.

75.000 Patientenverläufe analysiert „Jeder Patient trägt ein individuelles Risiko, das den Verlauf einer operativen Behandlung beeinflussen kann. Das können Begleiterkrankungen sein wie etwa ein Diabetes, eine Durchblutungsstörung der Schlagadern, eine Lungengerüsterkrankung, aber auch Voroperationen oder das Ausmaß der zu behandelnden Erkrankung“, erklärt Prof. Dr. Albrecht Stier, Präsident der DGAV. Grundsätzlich sind operative Eingriffe in Deutschland sehr sicher. Um jedoch schon vor der Operation möglichst genau kalkulieren zu können, wie hoch das individuelle Risiko eines Patienten ist – welche Komplikationen also bei welchem Patienten auftreten könnten –, wurde der Risikoprofilrechner entwickelt. Gespeist wird er mit Daten des seit 2012 bestehenden Studien-, Dokumentations- und Qualitätszentrums (StuDoQ) der DGAV. Dieses besteht derzeit aus acht Registern, die insgesamt 75.000 Patientenverläufe zu gut- und bösartigen Erkrankungen, vom Schilddrüsenknoten bis zum Mastdarmkrebs, umfassen. Die Daten stammen aus 330 spezialisierten Organzentren in Deutschland und werden von der DGAV ausgewer-

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tet. Sie beinhalten für jede dokumentierte Operation Informationen zu Begleiterkrankungen des Patienten, dessen Laborwerte, Vorbehandlungen sowie Komplikationen beim Eingriff und der Nachsorge, wie etwa das Auftreten von Lungenentzündungen, Thrombosen oder Wundheilungsstörungen. Die Register unterliegen dabei strengsten Datenschutzbestimmungen.

Daten weiter verknüpfen „Der Risikoprofilrechner speziell für Darmkrebsoperationen basiert derzeit auf den Daten von 16.000 Verläufen von Operationen am Dick- und Mastdarm, die im StuDoQ-Register erhoben und ausgewertet worden sind“, erklärt Professor Dr. med. Heinz-Johannes Buhr, Sekretär der DGAV. „Ziel ist es, den Rechner zukünftig mit mehr Daten weiter zu verfeinern, denn je höher die Datenmenge, desto differenzierter kann dieser Risiken kalkulieren. Es muss immer berücksichtigt werden, dass es sich um statistische Wahrscheinlichkeiten und nicht um absolute Werte handelt.“ Wenn Risiken schon vor der Operation besser abgeschätzt werden können, können sich Arzt und Patient besser auf die anstehende Operation vorbereiten: Nach den Aufklärungsgesprächen wissen beide um die potenziellen Gefahren, können eine erhöhte Achtsamkeit entwickeln und präventiv wirkende Maßnahmen ergreifen. Der Risikoprofilrechner für Darmkrebs-Operationen wird derzeit in mehreren Testkliniken validiert. Erste Ergebnisse sehr vielversprechend, so die Experten. Sie schätzen, dass der Rechner ab etwa Anfang 2018 in die breitere Anwendung gehen kann. Langfristiges Ziel sei es, den Rechner auch für andere Operationen, etwa für Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse, aufzusetzen. n Quelle: Kongress Viszeralmedizin 2017, Dresden , www.viszeralmedizin.com

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Dr. Michael Müller-Korbsch 5. Medizinische Abteilung mit Endokrinologie Wilhelminenspital, Wien

Therapiestandards 2017 zur Behandlung des Diabetes u Seit 2015 ist es möglich, anstelle von Blutzucker Gewebszucker für die Therapieentscheidung zu nutzen; die Messung kann kontinuierlich über subkutan platzierte Sensoren erfolgen. u Die Insulinapplikation kann entweder über Pumpen oder über Pen-Systeme erfolgen.

Die Technik der Blutzuckermessung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

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ie Technik hält weiter starken Einzug bei der Therapie des Diabetes mellitus Typ 1. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde dem Diabetiker die Blutzuckerselbstmessung durch tragbare Geräte ermöglicht und seit dem Jahr 2015 bieten mehrere Hersteller die Möglichkeit, den Gewebszucker als Option für die Therapieentscheidung zu nutzen. Somit entfällt die für den Patienten lästige und schmerzhafte Messung des Blutzuckers. Dadurch, dass ein kontinuierlicher Glukoseverlauf über den gesamten Tag vorliegt, sind Therapieverbesserungen viel einfacher und genauer möglich als mit den bisher nur verfügbaren punktuellen Blutzuckermesswerten.

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Mittlerweile ist die kontinuierliche Messung des Gewebszuckers (CGM) eine schon sehr genaue Technik und die subkutan platzierten Sensoren sind robuster und länger funktionell als zu Beginn. Der Gewebszucker ist im Vergleich zum Blutzucker insofern ein anderes Medium, als zwischen Blut- und Gewebszucker eine Zeitverzögerung von bis zu ca. 15 Minuten vorliegt. Jedoch kann dieser Unterschied durch die alle fünf bis 15 Minuten von den Messsystemen gelieferten Zuckerwerte und die Angabe eines Trends ohne Probleme in der Therapie ausgeglichen werden. Die Messgenauigkeit der CGM-Systeme wird mit dem MARD (Mean Absolute Relative Deviation) definiert. Dieser Wert gibt die Fehlerrate des Systems an. Ein Fehler des Systems ist so definiert, dass der Patient basierend auf dem Wert eine nicht ganz korrekte Therapieentscheidung treffen würde. Systeme, die eine Gesamtfehlerrate (MARD) von 10 % aufweisen, können im Patientenalltag zur Insulindosierung verwendet werden. Der Patient muss beim Setzen des Sensors darauf achten, dass dieser auf normalen Hautarealen ohne Lipodystrophien und am Besten im Bauchbereich oder am Oberarm platziert wird. Weiters darf die Kalibration der Systeme, wenn dies notwendig ist, nicht in extremen Blutzuckerbereichen erfolgen, sonst weist der Sensor eine inakzeptabel hohe Abweichung und Zeitverzögerung auf. Die Werte des CGM-Systems können dann auch als Ersatz für Blutzuckermessungen zur Festlegung von Therapieentscheidungen verwendet werden. Die von den subkutanen Sensoren ermittelten Werte werden mittels Bluetooth an einen Receiver, ein Smartphone oder eine Pumpe übertragen. Aktuell verfügbare CGM-Systeme sind Dexcom G5 mobile, Dexcom G6, FreeStyle Libre, Medtronic Guardian Connect, ­Roche ACCU-CHEK Insight CGM und Eversense/Senseonics. Eine Besonderheit des Medtronic Guardian Connect ist, dass dieses CGM-Gerät zusätzlich über eine bereits in der Insulin-

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Kontinuierliche Glukosemessung


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HÖCHSTE ZEIT, ZU WECHSELN.

Bis zu 20 % der Geräte in Europa erfüllen die neuen Anforderungen an Blutzuckermesssysteme nicht!1 Die neue DIN EN ISO-Norm 15197:2015, die am 1. Juli 2017 in Kraft getreten ist, bringt strengere Anforderungen an die Messgenauigkeit mit sich. Die neuen Qualitätsanforderungen können im Alltag von Menschen mit Diabetes zu einer höheren Therapiesicherheit beitragen. Grund genug, jetzt zu einem CONTOUR® NEXT Blutzuckermesssystem zu wechseln, denn CONTOUR® NEXT Systeme übertreffen die Anforderungen. VORSICHT: NICHT ALLE BLUTZUCKERMESSSYSTEME ENTSPRECHEN DEN NEUEN ANFORDERUNGEN! Die neue ISO-Norm stellt strengere Anforderungen an die Genauigkeit der Messsysteme. Demnach müssen 95 % aller gemessenen Blutzuckerwerte in einem Toleranzbereich von ± 15 % bei einer Glukose-Konzentration ≥ 100 mg / dl und bis zu ± 15 mg / dl bei einer Konzentration < 100 mg / dl im Vergleich zu einer Labormessung liegen.2 Zudem wird die Anwenderfreundlichkeit der Geräte erstmals als Qualitätsmerkmal definiert: So soll der Patient das Blutzuckermesssystem spontan nach dem Lesen der Bedienungsanleitung ohne vorherige Schulung oder Einweisung durch Fachpersonal nutzen können.

DARAN ERKENNEN SIE EIN HOCHWERTIGES BLUTZUCKERMESSSYSTEM: Erfüllung aller Anforderungen der DIN EN ISO-Norm 15197:2015 Nachgewiesene Systemgenauigkeit und leichte Handhabung bei Verwendung durch Fachpersonal und Patienten Keine Beeinflussung der Messgenauigkeit durch Störfaktoren, wie z. B. Medikamente und hohe oder niedrige Hämatokritspiegel

Das Problem: etwa 20 % der Messsysteme in Europa erfüllen die neuen Anforderungen nicht. Da nicht konforme Blutzuckerteststreifen seit dem 1. Juli nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen, müssen Menschen mit Diabetes gegebenenfalls auf neue Systeme umgestellt werden.

Intelligente Nachfülloption zum Einsparen von Teststreifen

MIT CONTOUR® NEXT MESSSYSTEMEN AUF DER SICHEREN SEITE.

Guter Service rund um das Blutzuckermesssystem, z. B. umfassende, kostenfreie telefonische Betreuung mit kompetenten Ansprechpartnern

Ascensia Diabetes Care unterstützt Sie bei der Auswahl neuer Blutzuckermessgeräte: Alle Messsysteme der CONTOUR® NEXT Generation erfüllen die neuen Anforderungen – ihre hohe Messgenauigkeit übertrifft sogar diese Norm in einem noch engeren Toleranzbereich von ± 10 % bzw. ± 10 mg / dl und bei CONTOUR® NEXT ONE sogar von ± 8,4 % bzw. ± 8,4 mg / dl.3-6

Unterstützende Zusatzfunktionen wie smartLIGHTTM Farbsignal und Diabetes App für ein unkompliziertes Diabetesmanagement im Alltag

Literatur 1 Data on file, Ascensia Diabetes Care, Europäische Marktdaten (CH, DE, ES, FR, GR, IR, I, NOR, PL, POR, UK), basierend auf IMS Daten (MAT Sept. 2016). 2 BS EN ISO 15197:2015-12. Testsysteme für die In-vitro-Diagnostik – Anforderungen an Blutzuckermesssysteme zur Eigenanwendung bei Diabetes mellitus; Beuth Verlag, Berlin; Dezember 2015. 3 Bernstein R et al. J Diabetes Sci Technol 2013; 7 (5): 1386–1399. 4 Bailey TJ et al. „Accuracy (…), Contour® Next Link 2.4 (…)”, Posterpräs., ATTD, 02/2014; Wien. 5 Christiansen M et al. „A new, wireless-enabled blood glucose meter (…)”, Posterpräs., ATTD, 02/2016; Mailand. 6 Link M et al. „Performance evaluation of four blood glucose monitoring systems”, Posterpräs., ATTD, 02/2014, Wien. Ascensia Diabetes Care Austria GmbH, 1060 Wien

FÜR MEHR EINFACHHEIT UND HÖHERE MESSGENAUIGKEIT. Bestellen Sie Ihr kostenloses CONTOUR® NEXT Blutzuckermesssystem unter 0800 / 220 110 (kostenfrei) und erfahren Sie mehr über unsere Produkte unter: www.diabetes.ascensia.at


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Insulinpumpen

In Österreich verfügbare Pumpenmodelle

Accu-Chek Insight (Roche)

Minimed G640 ­(Medtronic)

Mylife OmniPod (Ypsomed)

In Österreich verfügbare CGM-Systeme im Vergleich Dexcom FreeStyle Guardian G5 Libre Connect mobile Kalibrierung ja nein ja erforderlich Alarm­ ja nein ja mit funktion Vor­ alarmen

ACCU-CHEK Dexcom Eversense Insight CGM G6 CGM ja ja

bei Bedarf ja

ja ja

Sensor­ tragedauer

7 Tage

14 Tage

3-6 Tage

7 Tage

10 Tage 90 Tage

Fehlerrate (MARD)

9%

10 %

10 %

10 %

Zulassung zur Therapie ohne Blutzuckermessung

ja

ja

nein

ja

8,1 %; Ohne Kal. 8,8 % ja

mit Software Zeitversatz von Blut- zu Gewebszucker nur 5 Minuten

9%

ja Sensor subkutan zu implan­ tieren

pumpe angewandte Smart-Guard-Technik verfügt, bei der ein Alarm abgegeben wird, wenn der Glukoseverlauf stark fallend ist und wenn der festgesetzte Grenzwert überschritten werden wird. Beim Roche ACCU-CHEK Insight-System wird durch die etablierte Software eine nur 5-minütige Zeitverzögerung zwischen Blut- zu Gewebszucker erreicht. Beim Eversense/Senseonics-CGM-System wird der Sensor subkutan implantiert und hat dadurch eine längere Tragedauer (Tab.).

Insulinapplikation Die Insulinapplikation kann entweder über die bekannten PenSysteme direkt mit einer subkutanen Nadel oder über Insulinpumpen erfolgen. Als neuere und noch einfachere Methode für die Pen-Applikation wurde ein Port, der alle drei Tage zu wechseln ist, auf dem ATTD (Advanced Technologies & Treatments for Diabetes) in Mailand letztes Jahr vorgestellt.

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Moderne Insulinpumpen sind multifunktionelle Geräte, die in der Steuerung ähnlich wie ein Smartphone zu bedienen sind. Alle Pumpen besitzen einen Bolusrechner und eine Blutzuckermessvorrichtung, die den aktuellen Blutzuckerwert an den Bolusrechner der Pumpe übermittelt. So wird anhand der einprogrammierten Parameter sowohl der prandiale Insulinbolus als auch das notwendige Insulin zur Korrektur von erhöhten Glukosewerten automatisch, unter Berücksichtigung des noch aktiven Insulins, errechnet. Es können sechs bis acht unterschiedliche Basalraten programmiert werden, sodass je nach Situation die Basalrate vom Patienten gewechselt werden kann. Zum Beispiel liegt bei Infektionen ein deutlich höherer Basalinsulinbedarf vor, weswegen dann eine stärkere Basalrate hinterlegt werden kann. Im Gegensatz dazu wird bei körperlicher Aktivität viel weniger Insulin benötigt. Die Insulinapplikation in das subkutane Gewebe kann entweder über eine auf der Haut platzierte Kanüle und einen Verbindungsschlauch zur Pumpe oder über die Patchpumpe ohne Schlauch erfolgen. Die Roche Pumpe Accu-Chek Insight ist eine klassische Kabelpumpe, die jedoch nicht mit einem CGMSystem kombinierbar ist. Die Medtronic G640 Minimed ist eine Kabelpumpe, die von Haus aus mit einem CGM-System kombiniert ist und dieses auch zur Steuerung verwendet. Eine Steuerung der Insulintherapie seitens des Patienten mittels der vom CGM-System gelieferten Glukosewerte ist möglich, jedoch muss der Sensor hierfür alle drei Tage gewechselt werden. Eine Zulassung zur Therapie ohne Blutzuckermessung besteht jedoch nicht! Die Pumpendaten können über den PC ausgelesen werden und sind somit verfügbar, ohne dass der Patient ein Tagebuch führt. Die Insulinpumpe Mylife OmniPod ist eine Patchpumpe ohne Kabel und daher auch an alternativen Körperstellen tragbar. Es besteht die Möglichkeit, ein externes CGM-System zur Steuerung heranzuziehen. Wie solch eine von dem Patienten gesteuerte Insulinpumpentherapie mit einem CGM-System möglich ist, ist auf folgender Homepage dargestellt: www. diabetestherapie.at Eine einfachere Membranpumpe PaQ (CeQur) kann für die Therapie des Diabetes Typ 2 eingesetzt werden. Die Pumpe hat vorprogrammierte, einfach auswählbare Basalprogramme mit 16 bis 60 IE Insulin/Tag, zusätzlich kann per Knopfdruck ein Bolus mit 2 IE für die Mahlzeiten abgegeben werden. Die Einwegpumpe muss alle 72 Stunden gewechselt werden. Eine aufwendige Programmierung ist nicht notwendig. Iport-Advance Medtronic: Der Port kann für bis zu drei Tage – auch während aller täglichen Aktivitäten und nachts – an der Hautoberfläche verbleiben und erlaubt die Insulininjektion mittels Spritze oder Pen ohne direkten Kontakt mit der Einstichstelle. Dies bedeutet besondere Vorteile für Patienten mit Spritzenangst oder neu diagnostizierte Patienten, die auf diesem Weg Sicherheit mit der Insulininjektion erlangen n möchten.


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Innovationen am ­Diabetesmarkt Innovationen im Hinblick auf die Diagnose, die Therapie, eine bessere Lebensqualität sowie das Diabetesmanagement sorgen für nachhaltige Veränderungen im Diabetes-Care-Markt.

Neu Accu-Chek® Guide System: Blutzuckermessen auf den Kopf gestellt Einfach: Beleuchteter Teststreifeneinschub ACCU-CHEK, ACCU-CHEK GUIDE und SOFTCLIX sind Marken von Roche.© 2016 Roche Diabetes Care

Eine aktuelle Studie unter dem Titel „Future of Diabetes Care Paradigms, Forecast to 2022“ der Unternehmensberatung Frost & Sullivan hat ergeben, dass die Gesundheitsausgaben für Diabetes bis 2040 jährlich um 19 Prozent ansteigen werden. Untersucht wurden Diabetes-bezogene Medizintechnik, Pharmazeutika und digitale Technologien wie Smartphone-Apps, tragbare Geräte, Telemedizin, Analytik und künstliche Intelligenz. „Die steigene Prävalenz von Diabetes und die damit verbundenen Kosten verschieben den Fokus von der Kontrolle und Therapie hin zur Prävention und dem allgemeinen Wohlbefinden von Diabetikern und Menschen im Prä-Diabetes-Stadium und treiben so das Wachstum im Wellness-Segment voran”, erläutert Transformational Health Research Analyst Siddharth Shah von Frost & Sullivan. Lediglich die Diagnose stellt aus Sicht der Expertin noch immer einen vernachlässigten Bereich dar und innovative Ansätze sind notwendig, um das Diabetes-Screening und die Früherkennung zu verbessern und langfristige Kosteneinsparungen möglich zu machen. Personalisierte körperliche Fitness und Diätratschläge mithilfe von künstlicher Intelligenz stellen beispielsweise einen innovativen Ansatz im Bereich der Verbesserung der Lebensqualität und Adherence dar. Bei der Diagnose kommen laufend schnellere und nicht-invasive Methoden zur Feststellung von Diabetes auf den Markt. Im Bereich der Kontrolle fassen im Markt semi- und nicht-invasive Produkte bei der Blutzuckermessung sowie Implantate für eine kontinuierliche Blutzuckerüberwachung Fuß. Auch das Disease Management, das sich der Datenanalytik und KI bedient, hat das Potenzial, die Lebensqualität von Diabetikern deutlich zu verbessern. In der Therapie liegt der Fokus derzeit auf der künstlichen Bauchspeicheldrüse, während die Zelltherapie oder Zelltransplantation wahrscheinlich zur nächsten hochkarätigen Entwicklung wird. Diabetes bleibt oft lange unerkannt, bis andere Symptome dafür sorgen, dass Ärzte einen Bluttest verordnen. Die Tests selbst sind weder schnell noch für Reihenuntersuchungen geeignet und das insbesondere in abgelegenen oder unterentwickelten Regionen. Es gibt daher einen unerfüllten Bedarf an Hilfsmitteln, die nichtinvasiv, erschwinglich und auch schnell genug sind, um Diabetes festzustellen, und zwar am besten patientennah, also direkt am Point of Care. Während die Diagnose die größte Herausforderung für die Industrie darstellt, erwirtschaftet die Therapie den höchsten Umsatz. Probleme mit inhalierbaren Insulinprodukten lenken die Forschung in andere Richtungen, wie etwa Inkretin-Analoga und zell-basierte Therapien. Hohe Wachstumsraten im Diabetesmarkt werden für Südostasien, den Nahen Osten und Nordafrika sowie Süd- und Mittelamerika prognostiziert. www.frost.com

Smart:

Hygienischer Streifenauswurf

Clever:

Neue Dose verhindert das Herausfallen der Teststreifen

Genau:

Übertrifft die heutige ISO-Norm1

1 Brazg RL, et al. New Generation Blood Glucose Monitoring System Exceeds International Accuracy Standards. J Diabetes Sci Technol. June 2016.

Weitere Informationen zum Accu-Chek Guide System unter www.accu-chek.at/guide Roche Diabetes Care Austria GmbH 1200 Wien, Handelskai 94-96

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Zertifizierung für therapie­ unterstützende Apps u Menschen mit Diabetes nutzen immer häufiger digitale Unterstützung in Form spezieller Diabetes-Apps. u Behandler stehen immer öfter vor der Herausforderung, die Angebote qualitativ einzuordnen. u Ein deutsches Gütesiegel soll bei der Bewertung helfen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) und die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) haben unter der Federführung der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie (AGDT) der DDG die „DiaDigital“-AppGruppe gegründet. Mit dem Bochumer Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) hat „DiaDigital“ unter anderem ein Qualitätssiegel für Diabetes-Apps entwickelt, das erstmals den Nutzen der Apps für Be-

handler, Betroffene und den Hersteller beurteilt. Die ersten vier von „DiaDigital“ (www.diadigital.de) geprüften Apps wurden kürzlich mit dem Siegel ausgezeichnet. Unter dem Oberbegriff DiaDigital werden in Zukunft weitere Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung in der Diabetologie erfolgen. Das Angebot von diabetesbezogenen Apps geht weltweit mittlerweile in die Zehntausende. Im Rahmen von DiaDigital werden die Apps nach einem Kriterienkatalog evaluiert, der den Nutzen für Betroffene und Behandler gleichermaßen berücksichtigt. Die Angaben werden auf der DiaDigital-Website veröffentlicht, auch um die notwendige Transparenz und eine rasche Anpassung der Bewertung an Weiterentwicklungen der Apps zu gewährleisten. Vier Apps haben das Gütesiegel bereits erhalten. Die Namen und Ergebnisse sind auf der Homepage www.diadigital.de abrufbar. Über 50 Betroffene und Behandler haben sich als App Tester bei ­DiaDigital registriert. App-Hersteller können sich um das Siegel bewerben und müssen dazu eine Selbstauskunft zum Produkt abgeben (http://diadigital.de/selbstauskunft/). Das Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum (ZTG) nimmt eine technische Überprüfung vor und erstellt einen Prüfbericht. www.ddg.info

PRODUKTRADAR BLUTZUCKERMESSGERÄTE

Systemgenauigkeit ISO-Norm (15197:2013)

Codierung Probenmenge Messbereich Hämatokrit-Range Enzymatik Haltbarkeit der Teststreifen Kalibirierung

Accu-Chek® Guide

GlucoMen areo

FreeStyle Precision Neo

CONTOUR®NEXT ONE

Ja

Ja

Ja!

Ja, misst nahezu doppelt so genau (± 8,4 mg/dl bzw. oder ± 8,4 %), wie es die DIN EN ISO-Norm 15197:2015 verlangt.

Nein

No coding

Ohne Codierung

No Coding

0,6 µl

0,5 µl

0,6 Mikroliter

0,6 µl

10-600 mg/dL

10-600 mg/dl

20-500 mg/dL

10-600 mg/dl

10-65 %

10-70 %

30-60 %

0-70 %

Glukosedehydrogenase (GDH) mit Flavin-Adenin-Dinucleotid (FAD)

GOD

GDH-NAD

GDH - FAD

ca. 18 Monate

24 Monate ab Produktionsdatum; 12 Monate ab Öffnen

einzeln verpackt, daher geschützt, ca. 16 Monate nach Produktion

24 Monate ab Produktionsdatum unabhängig vom Öffnungsdatum

Plasma Kalibrierung

Plasma referenziert

Plasmaäquivalent, bei Herstellung

Plasma-kalibriert

Ja, mit Accu-Chek Connect App, Onlineportal, Accu-Chek Smart Pix und mySugr App

Ja (Software und App)

Software kostenlos verfügbar

Ja, mit CONTOUR®DIABETES App und der GLUCOFACTS®DELUXE Software

Ja, Continua Standard

Nein

Nein

Nein

Abmessungen (LBH)

80 x 47 x 20 mm

85 x 56 x 18 mm

5,97 cm (B) x 8,68 cm (L) x 0,87 cm (T)

97 x 28 x 14,9 mm

Firma (Webadresse)

www.accu-chek.at

www.glucomenareo.at

www.freestyle-precision-neo.at

www.contournextone.at www.diabetes.ascensia.at

Vernetzbar

Einbindbar in ein Krankenhaus-Point-ofCare-Datenmanagmentsystem

12 DAS MEDIZINPRODUKT 05/17


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Norovirus-Saison 2017 Experten erwarten neuerlich hohe Infektionsraten. Das Ausmaß der Ausbreitung der Erkrankung kann durch eine frühzeitige Diagnostik und die konsequente Durchführung geeigneter Hygienemaßnahmen eingedämmt werden.

D

er Norovirus ist in Deutschland mit 84.575 gemeldeten Fällen erneut die häufigste, meldepflichtige Infektionskrankheit in 2016 gewesen (1). Ihren saisonalen Höhepunkt wird sie wieder in den bevorstehenden Wintermonaten haben. Dabei liegen die gemeldeten Fälle bereits Ende Juli 2017 mit 46.401 um 9.133 höher als im Vergleich zum Vorjahr (2). Um einer Ansteckung oder sogar einem Ausbruch vorzubeugen, sind konsequent durchgeführte Hygienemaßnahmen die wirksamste Methode. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Händedesinfektion.

Inzidenz vermultich höher als erwartet Noroviren sind für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Gastroenteritiden im Kindes- und Erwachsenenalter verantwortlich (1). Die Wochenzahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von 2016/2017 zeigen, dass ab Oktober mit einem sprunghaften Anstieg zu rechnen ist, der sich in der Regel bis April hält (1). Dabei kommt es laut dem RKI, da nur die klinisch-labordiagnostisch bestätigten Fälle die Referenzdefinition erfüllen, zu einer deutlichen Unterschätzung der tatsächlichen Fallzahlen. Dies sieht die „AGES – IMED Graz Zentrum für lebensmittelbedingte Infektionskrankheiten“ in Österreich ähnlich: „Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Inzidenz wesentlich höher ist als die aus den gemeldeten Fallzahlen für das Jahr 2016 berechnete Inzidenz von 9,3/100.000 Einwohner.“ (3) Die höchsten altersspezifischen Inzidenzen in Deutschland lagen 2016, wie in den Vorjahren, bei Kindern unter fünf Jahren (595 Erkrankte/100.000 Einwohner) sowie bei über 79-Jährigen (289 Erkrankte/100.000 Einwohner). Krankenhäuser (28 Prozent), Alten- und Pflegeheime (21 Prozent) sowie Kinderbetreuungseinrichtungen (21 Prozent) hatten 2016 erneut die höchsten Fallzahlen zu verzeichnen (1). Diese Gemeinschaftseinrichtungen haben somit die höchste Wahrscheinlichkeit, auch in der anstehenden Saison wieder die Statistiken anzuführen.

Entgeltliche Einschaltung

Hygienische Händedesinfektion Das Ausmaß der oft explosionsartigen Ausbreitung der Erkrankung kann durch eine frühzeitige Diagnostik und die konsequente Durchführung geeigneter Hygienemaßnahmen, insbesondere der Händehygiene, wie sie von der WHO in ihrer Guideline empfohlen wird (4), eingedämmt werden. Sowohl für die hygienische als auch für die chirurgische Händedesin-

L&R bietet mit „L+R handdisinfect blue“ und „L+R handdisinfect green“ eine Händedesinfektion an, die sowohl den KRINKO-Empfehlungen entspricht – also ohne Zusatz von Remanenzwirkstoffen – als auch praktisch in 3 Gebindegrößen verfügbar ist.

fektion bietet Lohmann & Rauscher (L&R) seit Anfang 2017 zwei Händedesinfektionsmittel an, „L+R handdisinfect blue“ auf propanolischer Basis sowie „L+R handdisinfect green“ auf ethanolischer Basis. Die Wirksamkeit aller Produkte ist vom Verbund für angewandte Hygiene (VAH) zertifiziert. Sie ­enthalten keinen Zusatz von remanent wirksamen Wirkstoffen und entsprechen somit den aktuellen Empfehlungen der ­KRINKO (5). Die empfohlene Einwirkzeit für den Einsatz bei Noroviren liegt bei 30 Sekunden, also innerhalb der praxisrelevanten Zeit der hygienischen Händedesinfektion. 90 Sekunden werden für die chirurgische Händedesinfektion benötigt. Alle Produkte sind zusätzlich zur VAH-Liste ebenfalls im ÖGHMPExpertisenverzeichnis gelistet.  n

Lohmann & Rauscher International GmbH & Co. KG Tel.: +43 1 57670-0 www.lohmann-rauscher.com Quellen: 1 Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016, Berlin 2017. 2 Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin, 17. August 2017 / Nr. 33. 3 Nationale Referenzzentrale für Noroviren, Jahresbericht 2016, AGES – IMED Graz Zentrum für lebensmittelbedingte Infektionskrankheiten; https://www.ages.at/service/service-oeffentlichegesundheit/referenzzentralen/rz-noroviren/, zuletzt aufgerufen: August 2017. 4 WHO: WHO guidelines on hand hygiene in health care. First global patient safety challenge—clean care is safer care. Geneva, 2009. 5 KRINKO am Robert Koch Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsblatt. 2016;59: 1189-220

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Sepsis – neu definiert u Die alte Definition der Sepsis – „Infektion + SIRS“ – wurde vor mehr als 20 Jahren von den großen Fachgesellschaften ins Leben gerufen und seitdem nicht mehr relevant verändert. u In der Zwischenzeit gab es zahlreiche neue Erkenntnisse zur Entstehung und dem klinischen Bild der Sepsis. u Die Definition der Sepsis wurde neu überarbeitet.

E

xperten der der European Society of Intensive Care Medicine und der Society of Critical Care Medicine haben in einem zweijährigen Prozess die alte Definition der Sepsis völlig neu überarbeitet und eine qSOFA (quick sequential organ failure assessment)-Score der Diagnose der Sepsis zugrunde gelegt. Die Definition der Sepsis hat in den neuen Guidelines eine Revolution erfahren. Der Begriff des SIRS (systemic inflammatory response syndrome) wurde aus den Guidelines gestrichen, da er nur eine unspezifische Reaktion des Körpers auf eine „Gefahr“ wie eine Infektion oder einen Insult darstellt. Stattdessen wurde die inadäquate Immunantwort des Körpers auf die Infektion und der daraus folgenden Organschädigung in den Fokus gerückt. Dementsprechend lautet die neue Defi-

System/Punkte

0

1

2

3

4

Respiration PaO2/FiO2, mmHg (kPa) Gerinnung Thrombozyten, x 103/μl Leber Bilirubin, mg/dl (μmol/l) Herz-Kreislauf Hypotonie Katecholamine μg/kg/min

≥400 (53,3)

<400 (53,3)

<300 (40)

≥150

<150

<100

Beatmung <200 (26,7) <50

Beatmung <100 (13,3) <20

<1,2 (20)

1,2-1,9 (20-32)

MAD> 70 mmHg

MAD < 70 mmHg

2,0-5,9 (33-101) Dopamin < 5 oder Dobutamin (jede Dosis)

ZNS Glasgow Coma Scale Niere Kreatinin, mg/dl (μmol/l) Urinausschiedung, ml/Tag

15

13-14

10-12

6,0-11,9 (102-204) Dopamin 5,1-15 oder Adrenalin ≤0,1 oder Noradrenalin ≤0,1 6-9

>12,0 (>204) Dopamin >15 oder Adrenalin >0,1 oder Noradrenalin >0,1 <6

<1,2 (<110)

1,2-1,9 (110-170)

2,0-3,4 (171-299)

3,5-4,9 (300-400)

>5,0 (>440) <200

14 DAS MEDIZINPRODUKT 05/17

<500

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Tab. 1: SOFA Score nach Vincent et al. Int Care Med 1996


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Abb. 1: Klinische Kriterien zur ­Identifikation von Patienten mit Sepsis und ­septischem Schock

(Algorithmus der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv­medizin und Notfallmedizin)

Patient mit Verdacht auf Infektion nein

ja qSOFA Score ≥2 (s. Tabelle 2)

nein

ja

Weiterhin Verdacht auf Sepsis

Klinik ü­ berwachen Reevaluation für mögliche Sepsis, wenn klinisch indiziert

Organdysfunktion erfassen ja

nition: „Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion hervorgerufen wird.“ Die Organdysfunktion kann anhand des SOFA (sequential organ failure assessment)-Scores erhoben werden, der Beeinträchtigungen der Respiration und des Kreislaufs, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Blutgerinnungsstörungen sowie Einschränkungen des Bewusstseins erfasst (siehe Tabelle 1).

SOFA Score ≥2 (s. Tabelle 1) ja SEPSIS nein Septischer Schock

1. Vasopressorengabe erforderlich, um bei persistierender Hypotonie einen mittleren arteriellen Druck ≥65 mmHg aufrechtzuerhalten und

ja

2.Serumlaktat ≥2 mmol/l (18 mg/dl)

Diagnose beschleunigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die richtige Diagnose und der Therapiebeginn von Sepsis-Patienten vielerorts noch sehr verzögert erfolgen. Um die erste Verdachtsdiagnose vor allem in den Bereichen der Erstversorgung zu erleichtern, wurde aus dem SOFA-Score der qSOFA-Score entwickelt und dem Anfang des Diagnosealgorithmus hinzugefügt (siehe Abbildung 1). Der qSOFA-Score besteht aus drei Variablen: der Atmung, dem Blutdruck und dem Bewusstsein (siehe Tabelle 2). Wenn mindestens zwei dieser Systeme bei einem Patienten mit Infekt beeinträchtigt sind, so ist eine Sepsis möglich und es muss in einem weiteren Schritt mithilfe nach einer Organdysfunktion gesucht werden (siehe Abbildung 1). Das neue Konzept soll eine rasche Diagnostik und adäquate Therapie von Sepsis-Patienten bei dieser sehr zeitkritischen Erkrankung beschleunigen und die Definition für Klinik und Forschung vereinheitlichen. Ob damit tatsächlich auch eine Verbesserung der Mortalität erreicht werden kann, werden die kommenden Studien zeigen. n

Tab. 2: Quick SOFA (qSOFA) nach ­Seymour et al. JAMA 2016 Atemfrequenz ≥ 22/min Systolischer Blutdruck ≤ 100mmHG Verändertes Bewusstsein (GCS <15)

AIC 2017

Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, ­Reanimation und Intensivmedizin „Anästhesie: Brückenschlag von der Präklinik zur Klinik“ 23. bis 25. November 2017, Wien, www.oegari.at

05/17 DAS MEDIZINPRODUKT 15


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MRT bei fetalen Erkrankungen u Österreich liegt bei der Zahl der fetalen Magnetresonanztomografien (MRT) zur Diagnose und Therapieplanungen im internationalen Spitzenfeld. u Erstmals konnten in Wien nun Radiologen und Pränataldiagnostiker ein Basiszertifikat für fetale MRT erlangen.

ir können bei Verdacht auf Hirnschäden und -blutungen, bei Lungenproblemen und anderen kritischen Situationen mithilfe fetaler Magnetresonanztomografien klare Diagnosen und damit die Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte erstellen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer, Abteilungsleiterin für Neuroradiologie und Muskuloskeletale Radiologie. Sie untersucht im Wiener AKH rund zehn Schwangere pro Woche mittels MRT. „Im internationalen Vergleich ist das ein Spitzenwert. Die Abklärungsquote bei den meisten Zentren sind zwei bis fünf fetale MRT pro Woche. Damit machen wir in Österreich doppelt so viele Untersuchungen. Bei Auffälligkeiten kann schnell reagiert werden und durch die exzellente Infrastruktur, wie etwa im AKH, rasch Klarheit geschaffen werden“, so Prayer.

Lungenreifegrad als entscheidender Indikator Bereits ab einem rund 24 cm großen Fötus (20. Schwangerschaftswoche) können durch MRT-Schnittbilder die Reife der

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MRT-Zertifizierung für Nachwuchs Derzeit gibt es noch sehr wenige Ausbildungsplätze für Radiologen und Pränataldiagnostiker für den Einsatz von fetalen MRTs. Beim Weltkongress der internationalen Ultraschallgesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie (International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology – ISUOG), der kürzlich in Wien stattgefunden hat, wurde erstmalig eine spezielle Ausbildung angeboten, um ein „Basic Zertifikat“ für fetale MRTs zu erlangen. „Das ist für uns ein wesentlicher Schritt, um international das Niveau der fetalen Kernspintomografie zu heben“, so Prayer. n

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„W

Lunge und auch das Lungenvolumen festgestellt werden. Bei Frühgeburten, die durch einen spontanen Blasensprung ausgelöst werden, können so rechtzeitig für die Geburt die richtigen Lungenfunktionsgeräte für das Baby vorbereitet werden, durch die das Kind – trotz bestehender Lungenunreife – gute Überlebenschancen hat. Hier konnte das Wiener AKH bereits bei Frühchen ab der 22.Schwangerschaftswoche erhebliche Erfolge verbuchen. Auch für die Diagnose und Vorbereitung von Operationen beim Ungeborenen liefern sie ganz wichtige Informationen. Wird zum Beispiel rechtzeitig durch Ultraschall und MRT eine Zwerchfellhernie festgestellt, können in speziellen internationalen Zentren Operationen beim Ungeborenen durchgeführt werden, die es dem Baby schlussendlich erlauben, mit ausreichend großen Lungen auf die Welt zu kommen und damit selbst atmen zu können. Durch die fetale MRT können auch die Entwicklung des Gehirns untersucht und eventuelle Auffälligkeiten wie zum Beispiel vergrößerte Hirnventrikel und Gehirnblutungen frühzeitig abgeklärt werden. „Zukünftig soll sich der Einsatz von fetalen MRTs noch mehr auf die Darstellung der Gehirnfunktionen spezialisieren, um bei bestimmten Hirnschädigungen feststellen zu können, ob andere Hirnregionen des Fötus bestimmte Funktionen übernehmen können“, erklärt die Neuroradiologin.


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Aktuelle Trends in der Strahlentherapie u Durch Hypofraktionierung in der Behandlung von Brust- und Prostatakrebs kann die ­Bestrahlungszahl um 30 bis 40 Prozent reduziert werden. u Bei der intraoperativen Bestrahlung arbeiten Chirurgen, Strahlentherapeuten, ­Strahlenphysiker und Narkoseärzte während des Eingriffs eng zusammen.

D

ie Behandlungsmöglichkeiten in der Krebstherapie entwickeln sich rasant weiter. Die auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmte Therapie ist derzeit Gegenstand von Wissenschaft und Forschung. Mit zielgerichteten Therapien sollen Krebszellen – unter größter Schonung von normalen Geweben – gezielt angegriffen werden, um so einen Wachstumsstopp des Tumors zu erreichen. Im Rahmen der 34. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und Medizinische Radiophysik, die kürzlich in Linz stattgefunden hat, setzten sich Experten unter anderem mit der Frage auseinander, welche Wechselwirkungen es in der Kombination von medikamentöser Therapie und Strahlentherapie gibt. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten aktuelle Erkenntnisse zur hypofraktionierten Bestrahlungstherapie.

Höhere Strahlendosis, geringere Frequenz Die hypofraktionierte Bestrahlungstherapie wird seit neun Jahren im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz bei Brustkrebs und seit zwei Jahren auch bei Prostatakrebs eingesetzt. Im Prinzip wird hier mit einer erhöhten Dosis die Zahl der nötigen Bestrahlungen um 30 bis 40 Prozent reduziert. Die klinischen Ergebnisse bleiben trotz erhöhter Effizienz und Patientenfreundlichkeit praktisch gleich erfolgreich. „Die Dosis der hochenergetischen Röntgenstrahlen pro Sitzung ist höher, dafür kommen wir mit 15 statt 25 Sitzungen aus. Nur bei Patientinnen unter 50 Jahren wenden wir die Methode aufgrund noch geringer Langzeiterkenntnisse bislang nicht an. Vorsichtig interpretiert kann man die bisherigen Daten so zusammenfassen: Diese Therapie ist gleich effektiv und langfristig etwas besser verträglich als die seit Jahrzehnten verwendete Bestrahlungsmethode“, erklärt Primarius Univ.-Prof. Dr. Hans Geinitz, Vorstand der Radio-Onkologie im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz. Seit 2015 werden auch infrage kommende Patienten mit Prostatakrebs nach dieser Methode bestrahlt. Hier kann bei glei-

chem Behandlungserfolg die Zahl der notwenigen Bestrahlungen von 37 auf 20 reduziert werden. Hypofraktionierung ergibt einen großen Gewinn an Zeit und damit Lebensqualität. Dazu kommen auch ökonomische Aspekte: In gleicher Zeit können durch die eingesparten Sitzungen mit der gleichen Geräteanzahl mehr Patienten bei kürzeren Wartezeiten behandelt werden. Ebenso kommt es beim Fahrtspesenersatz der aus ganz Oberösterreich und dem westlichen Niederösterreich anreisenden Patienten zu deutlichen Kostenreduktionen für die Krankenkassen.

Intraoperative Strahlentherapie Die Methode hat sich an der Abteilung laufend weiterentwickelt. Lag der Fokus bei Inbetriebnahme der Anlage vor allem in der Brustkrebstherapie, so wird die Methode in speziellen Fällen nun auch zur Bestrahlung nach Tumorentnahmen in Dick- und Mastdarm, Bauchspeicheldrüse, Prostata, im HNO-Bereich und bei Weichteiltumoren eingesetzt. Diese Bestrahlung erfolgt in Narkose schon während der Operation. Sie erreicht sehr hohe Effektivität, ohne dass zuerst die Erholung von diesem Eingriff oder einer Chemotherapie abgewartet werden muss. Chirurgen, Strahlentherapeuten, Strahlenphysiker und Narkoseärzte arbeiten beim Eingriff eng zusammen. Nach exakter Positionierung des Bestrahlungskopfes wird die offen liegende Stelle wenige Minuten lang direkt behandelt. Dadurch wird lokal eine hohe Dosis eingestrahlt, gleichzeitig wird gesundes Umgebungsgewebe geschont und benachbarte, besonders strahlenempfindliche Organe können wesentlich besser geschützt werden als bei einer Bestrahlung von außen. Bei kleineren Brusttumoren mit günstiger Prognose kann die IORT oft weitere strahlentherapeutische Behandlungen ersetzen.  n Quelle: www.oegro2017.at

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Im Gespräch

Ellbogen-Verletzungen bei Kindern

Welche Ellbogen-Verletzungen treten bei Kindern am ­häufigsten auf? Die häufigsten Verletzungen beim kindlichen Ellbogen sind die Brüche oberhalb der Gelenkslinie am Oberarmknochen, die sogenannten suprakondylären Humerusfrakturen. Hier gibt es eine große Bandbreite an Verletzungen, angefangen von einfachen Formen, die man mit einem Verband versorgen kann, bis hin zu schwersten Dislokationen mit begleitenden Gefäß- und

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Nervenverletzungen. Am zweithäufigsten findet man Verletzungen der Kondylen, das sind Frakturen, die bis in das Gelenk hineinreichen und meistens operativ behandelt werden müssen (siehe Abbildung 1). An dritter Stelle stehen die Verletzungen der Unterarmknochen, des Caput radii und des Olecranons. Meistens sind es Spiel- und Sportverletzungen, typischerweise der Sturz auf die Hand mit ausgestrecktem Arm mit einer gleichzeitigen Drehbewegung des Körpers, die zu einem Stau-

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Der Ellbogen ist relativ komplex aus drei verschiedenen Gelenken aufgebaut. Schmerzen und ­Bewegungseinschränkungen nach Verletzungen des Ellbogens sind bei Kindern oft mit einer Fraktur assoziiert. Primarius Dr. Thomas Neubauer ist der Leiter der Unfallchirurgie in Horn und gibt einen praxisrelevanten Überblick über die Häufigkeit, Diagnose und Behandlung von Ellbogen ­Verletzungen im Kindesalter.


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Prim. Dr. Thomas Neubauer Abteilungsvorstand Unfallchirurige, Landesklinikum Horn www.horn.lknoe.at

chungstrauma des Ellbogens führen. Sie treten häufig beim Schifahren auf oder bei Wurf- und Überkopf-Sportarten wie Tennis, Volleyball, Baseball und American Football.

In den meisten Fällen wird für die Diagnose ein Röntgen benötigt, gibt es Fälle, bei denen man ohne auskommt? Die einzige Verletzung, die man in diesem Bereich ohne Röntgen behandeln kann, ist der sogenannte Nursemaid’s Elbow oder die Radiusköpfchen-Subluxation, bei der das Radiusköpfchen teilweise aus dem Ringband herausrutscht. Die Verletzung betrifft vor allem Kleinkinder bis zum Alter von vier Jahren und passiert typischerweise durch einen starken Zug an der Hand des ausgestreckten Arms. Beispiele wären das Hochziehen des Kindes vom Boden oder das beliebte „Fliegen“ Spiel beim Spazierengehen. Wenn die klassische Anamnese und Klinik und ausreichende Erfahrung des betreuenden Arztes zusammenkommen, so kann ein Röntgen bei dieser Diagnose eventuell eingespart werden. Bei allen anderen Verletzungen im Bereich des Ellbogens sollte man sehr konsequent und gezielt zur Abklärung ein Skelettröntgen machen. Welche Operationstechniken werden bei Ellbogenverletzungen angewandt? Gibt es Neuigkeiten? Ellbogenfrakturen werden traditionell mit Implantaten wie Metallstiften und Schrauben versorgt, wobei die Verwendung

Abbildung 1. 11-jähriger Bub nach Sturz beim Trampolinspringen. Suprakondyläre Extensionsfraktur vom Typ 4 (nach von Laer).

von der Konfiguration des Bruches abhängt (siehe Abbildung 2). Seit einiger Zeit wird versucht, bioresorbierbare Implantate zu verwenden, die natürlich den Vorteil haben, dass man sie mit einem weiteren Eingriff nicht mehr entfernen muss. Leider hat sich gezeigt, dass die Implantate der ersten Generationen eine ausgeprägte Gewebsreaktion verursachen. Eine suffiziente Evaluierung von neueren Implantaten steht noch aus, sodass man über die möglichen Vorteile für die Patienten noch keine verlässlichen Aussagen machen kann. Sehr komplexe Ellbogenverletzungen mit schwerem Weichteilschaden und begleitendem Gefäß- und Nervenschaden müssen häufig zunächst mit einem externen Fixateur stabilisiert werden. Dieser wird auch zur Sekundärkorrektur von Ellbogenfrakturen angewandt.

Was wäre Ihnen für die Zukunft der Kindertraumatologie wichtig? Wenn es um die Behandlung von verletzten Kindern geht, sollte immer jener Kollege vorrangig operieren, der die größte Expertise auf dem jeweiligen Gebiet hat. Rivalitäten zwischen den Fachrichtungen müssen speziell auf dem Gebiet der Kindertraumatologie unbedingt hintangehalten werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Patient am meisten profitiert, wenn Kollegen unterschiedlicher Fachrichtung interdisziplinär zusammenarbeiten und gegenseitig therapeutische Impulse setzen.  n

Abbildung 2. Gedeckte Reposition und Fixation mit perkutanen, gekreuzten Bohrdrähten.

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Chirurgische Schrauben aus menschlichen Spenderknochen

Forderung nach längerer ­Übergangsfrist Durch die steigende Lebenserwartung wird von internationalen Gesundheitsexperten eine Verdreifachung der Oberarmkopffrakturen bis 2030 prognostiziert. Da Osteoporose ein Risikofaktor ist, betrifft diese Entwicklung vor allem Frauen. Für altersbedingte Verletzungen lassen sich kaum Präventionsmaßnahmen setzen, umso wichtiger ist die State-of-the-Art-Versorgung dieser Frakturen. Die Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU) hat Schulterverletzungen daher in den Fokus ihrer 53. Jahrestagung gestellt, die kürzlich in Salzburg stattgefunden hat. „Orthopäden und Traumatologen werden künftig mehr gebraucht denn je“, ist Prim. Prof. Dr. Christian Fialka, Ärztlicher Leiter des AUVA Unfallkrankenhauses Meidling und Präsident der ÖGU, überzeugt, wie auch die Diskussionen und präsentierten Forschungsergebnisse am Kongress deutlich belegten. 1.403 Fachärzte für Unfallchirurgie gibt es derzeit in Österreich, 1.152 Fachärzte für Orthopädie. 2015 wurde jene Ausbildungsreform verabschiedet, die die beiden Fächer zusammenführt. Als Folge werden Stellen in Zukunft nur mehr für Fachärzte für Orthopädie und Traumatologie ausgeschrieben. Der Gesetzgeber hat bis Ende Mai 2021 eine Übergangsfrist eingeräumt, in der Fachärzte für Orthopädie oder Unfallchirurgie fehlende Ausbildungsteile im jeweils anderen Fach ergänzend nachmachen können. Diese erforderliche Ausbildungszeit variiert zwischen zwölf und 27 Monaten und wird von einer Kommission festgelegt. Angesichts der Rahmenbedingungen ist die Übergangsfrist bis 2021 zu kurz. „Mittlerweile haben mehr als 300 Ärzte ihren Antrag auf weitere Ausbildung bei der Österreichischen Ärztekammer eingereicht. Diese benötigen nun einen Ausbildungsplatz, der nicht immer am Wohnort verfügbar bzw. oft schon besetzt ist. Für einige Kollegen wird sich die geforderte Ausbildungszeit im Rahmen der bestehenden Übergangsfrist nicht ausgehen. Daher arbeiten wir mit Nachdruck daran, dass der Gesetzgeber die Frist für die ergänzende Ausbildung erstreckt. Der Bedarf nach mehr Wissen und besserer Qualifikation, die letztlich der wachsenden Zahl an Patienten zugutekommt, kann mit der bestehenden Regelung nicht gedeckt werden.“ Quelle: 53. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie

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www.biomech.tugraz.at

Unfallchirurgen:

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Wenn Knochen mit medizinischer Unterstützung wieder zusammenheilen müssen, waren das chirurgische Mittel der Wahl seit Jahrzehnten Metallschrauben, meist aus Titan oder Edelstahl, die nach dem Heilungsprozess operativ entfernt werden müssen. Der Orthopäde Dr. Klaus Pastl entwickelte gemeinsam mit dem Institut für Biomechanik der TU Graz 2013 eine Alternative in der Orthopädie und Unfallchirurgie: die Schraube „Shark Screw“, hergestellt aus dem besonders kompakten und harten Mittelteil des menschlichen Oberschenkelknochens. Das Spendermaterial heilt vollständig in den Knochen ein, sodass das Transplantat nach etwa einem Jahr nicht mehr im Röntgen sichtbar ist. Zudem erkennt der Körper die Knochenschrauben als körpereigen, die Infektionsgefahr und Komplikationen werden auf ein Minimum reduziert. Die „Shark Screw“ wird vom 2016 gegründeten Start-up surgebright in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) in Berlin produziert. Die patentierte Technologie ist bereits in 14 österreichischen Krankenhäusern im Einsatz. Derzeit wird im FFG-geförderten Projekt „Bonescrews“ an neuen Prototypen der Knochenschraube für die Fuß- und Kieferchirurgie geforscht. „Für Kiefer-OPs braucht es möglichst kleine Schrauben, ca. 20 Millimeter lang, die aber großen Belastungen standhalten müssen. Denn relativ zur Größe ist der Kiefermuskel der stärkste Muskel im menschlichen Körper. In der Fußchirurgie sind die Schrauben zwar größer, zwischen 4 und 6 Zentimeter lang, aber auch sie sind großen Kräften ausgesetzt, beispielsweise Biegekräften bei operativen Korrekturen am Rückfuß“, erklärt DI Dr. Gerhard Sommer vom Institut für Biomechanik der TU Graz. Alleine das Gewindedesign der Schrauben wirkt sich enorm auf die Biege- und Scherfestigkeit und das Bruchdrehmoment aus. Diese Kräfte im Fuß- und Kieferknochengerüst müssen die Forscher im ersten Schritt durch Labormessungen und Simulationen biomechanisch erfassen und verstehen. Sind die Parameter für die optimale Festigkeit der Schraube definiert, wie etwa der Innen- und Außendurchmesser des Gewindes oder der Gewindetalradius, stehen reale Tests der Knochenschrauben nach DIN-Standard an.


Kick für ­personalisierte Medizin u Inzwischen ist in rund einem Drittel aller Fälle in der Onkologie die molekulare Analyse entscheidend für die Auswahl der Therapie. Ziel der Pathologen sind 100 Prozent und damit eine echte personalisierte Medizin. u Next Generation Sequencing und die Flüssigbiopsie spielen dabei eine wichtige Rolle.

D

ie Österreichische Gesellschaft für Pathologie (ÖGPath) stellte kürzlich eine Reihe von Entwicklungen vor, die ganz konkrete Auswirkungen auf die Versorgungslage der Patienten haben werden. „Die Grundlagen dieser Fortschritte wurden zum Teil schon vor mehr als 30 Jahren gelegt. Gerade in einem so komplexen Fachgebiet wie der Pathologie ist die Realität die, dass Jahr für Jahr ein Puzzlestein gefunden und nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengesetzt wird“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger vom Pathologisch- Bakteriologischen Institut am SMZ Süd Kaiser-Franz-Josef-Spital und Past President der ÖGPath. So können etwa im Rahmen von Liquid Biopsy durch die Analyse von ausgeschwemmten Tumorzellen im Blut aufwendige und teilweise belastende Gewebsentnahmen zumindest in speziellen Fällen in naher Zukunft durch einfache Blutproben ersetzt werden. Die klinische und molekularpathologische Expertise hat bei Eierstockkrebs zu präzisen Diagnosen, gezielten Therapien und einer sehr deutlich abnehmenden Sterblichkeit geführt. Eine wichtige Neuerung wird es in der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses geben: Der kombinierte Einsatz von HBV-Nachweis und Zelldiagnostik wird die Früherkennung verbessert.

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Pathologie:

Die Flüssigbiopsie erspart zunächst einmal Patienten den zur Gewebeentnahme nötigen kleinen chirurgischen Eingriff. Sie bietet zum Beispiel bei besonderen Fragestellungen den Vorteil, dass sie häufig zur Verlaufskontrolle wiederholt werden kann, ohne den Patienten zu belasten. Das kann bei Metastasen eine Rolle spielen oder bei der Frage, ob der Tumor sein genetisches Profil verändert hat. Tumoren sind oft sehr anpassungsfähig und die Flüssigbiopsie hilft dabei, die Therapie nötigen-

falls umzustellen. Tumoren können zum Beispiel Resistenz gegen eine bestimmte Chemotherapie entwickeln, das kann anhand von Veränderungen seiner DNA festgestellt werden. „Standardmäßig wird die Flüssigbiopsie heute beim Lungenkrebs eingesetzt, zum Beispiel beim malignen Melanom und beim Prostatakrebs ist sie derzeit noch in Erprobung. Der Weg der Flüssigbiopsie in den Mainstream und zur breiten Anwendung ist jedoch vorgezeichnet“, so Univ.-Prof. Dr. Gerald Höfler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie. „Sie wird die herkömmliche Untersuchung zunehmend ergänzen, aber nicht ersetzen. Ist ein Tumor noch sehr klein, dann gibt er oft noch keine DNA ab. Entdeckt werden kann er dann nur mittels herkömmlicher Krebsvorsorge durch Zelluntersuchungen von Gewebeproben, die aus heutiger Sicht unersetzlich bleibt“, so Höfler weiter.

Next Generation Sequencing erhöht Tempo Next Generation Sequencing (NGS) ist heute bereits Standard in der Diagnostik von Dickdarmkrebs, Melanom, Lungenkrebs oder bei Leukämie. Während ursprünglich jeder Gen-Abschnitt einzeln – zeitaufwendig und kostspielig – analysiert wurde, haben sich in den vergangenen Jahren innovative Methoden der Hochdurchsatz-Sequenzierung entwickelt, die unter dem Begriff Next Generation Sequencing zusammengefasst werden. Sie fußen auf dem Konzept der parallelen Sequenzierung von ­Millionen DNA-Fragmenten in einem einzigen Sequenzierlauf. Heute sind bereits millionenfache Parallel-Sequenzierungen von DNA-Fragmenten in einem vergleichsweise kleinen Tischgerät möglich, ohne dass dieser Fortschritt zu Ungenauigkeit führt – tatsächlich konnte die Sensitivität erhöht werden.  n Quelle: Herbsttagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie – ÖGPath/IAP Austria

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Dr. Marko Weber Leiter der Interdisziplinären Endoskopie Universitätsklinikum in Jena

Im Gespräch

Endoskopische Besonderheiten von ­Refluxösophagitis und Barrett-Ösophagus B

is zu 15 Prozent aller Menschen in den Industrieländern leiden unter typischen Refluxbeschwerden, von denen etwa die Hälfte endoskopisch erkennbare Schleimhautläsionen aufweist. Zu diesen gehören die Refluxösophagitis und der Barrett-Ösophagus. Dr. Marko Weber, Leiter der Interdisziplinären Endoskopie am Universitätsklinikum in Jena, gibt Einblick in die wichtigsten endoskopisch relevanten Eckpunkte der gastroösophagealen Refluxkrankheit und des Barrett-Ösophagus.

Wie wird endoskopisch ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert? Ein Barrett-Ösophagus stellt eine Präkanzerose mit einem 30fach erhöhten Risiko für ein Adenokarzinom dar. Die Prävalenz des Barrett-Ösophagus wird mit bis zu zwei Prozent angegeben. Chronische Refluxbeschwerden sind der größte Risikofaktor, aber auch Patienten ohne typische Refluxsymptomatik können einen Barrett-Ösophagus entwickeln. Typischerweise kommt es zu einer Umwandlung des Plattenepithels des distalen Ösophagus zu einem intestinalen

17. Österr. Chirurgentag 2017 16.-17. November 2017, Baden, www.boec.at

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metaplastischen Zylinderepithel mit oder ohne Becherzellen. Die Veränderungen können endoskopisch vermutet werden, wenn sich das Epithel ausgehend vom gastroösophagealen Übergang zirkulär oder zungenförmig nach kranial fortsetzt. Bestätigt wird dieses Bild durch die pathologische Beurteilung von Schleimhautbiopsien aus dem verdächtigen Areal.

Wie geht man nach der ersten Verdachtsdiagnose weiter vor? Je nach Ausdehnung der Veränderungen unterscheidet man einen ultrashort (makroskopisch nicht sichtbar), short (<3cm), und long segment (≥3cm) Barrett-Ösophagus, wobei nach der neueren Prag-Klassifikation sowohl die Länge des zirkumferenten Anteils als auch die längste Ausdehnung der zungenförmigen Anteile berücksichtigt werden. Man konnte zeigen, dass Patienten mit einem long segment Barrett-Ösophagus ein höheres Risiko für Dysplasien und ein Adenokarzinom haben. Zusätzlich zur Sicherung der endoskopischen Verdachtsdia­ gnose müssen deshalb alle ein bis zwei Zentimeter und zusätzlich aus suspekten Arealen 4-Quadranten-Biopsien entnommen werden, um dysplastische Veränderungen frühzeitig zu diagnostizieren. Um dysplastische Areale besser zu identifizieren, empfiehlt sich der Einsatz einer Chromoendoskopie. Hier werden die Zellgrenzen mit Essigsäure hervorgehoben und mit einer Lichtumstellung am Endoskop (NBI, FICE) eine bessere Feindarstellung der Mukosa erreicht. Als weiteres Verfahren zur Abgrenzung von Dysplasien wird der Einsatz der konfokalen Laser-Endomikroskopie untersucht, die allerdings in der klinischen Routine nicht zum Standard gehört.  n

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Welche endoskopischen Zeichen der Refluxösophagitis gibt es in der Endoskopie und wie wird sie primär therapiert? Eine gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD) liegt vor, wenn Reflux von Magensäure störende Symptome wie Sodbrennen oder Komplikationen verursacht. Endoskopisch zeigt sich bei 50 Prozent dieser Patienten eine erosive Refluxösophagitis (ERD) mit Erosionen und Ulzerationen, die nach der Los Angeles-Klassifikation in vier Schweregrade eingeteilt werden können. Grad A und B können dann mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) in Standarddosis über vier Wochen, Grad C und D sollten über acht Wochen behandelt werden. Insbesondere eine höhergradige Refluxösophagitis neigt zu Rezidiven, sodass häufig eine Langzeittherapie notwendig wird. Es sollte jedoch stets nach der Akutphase versucht werden, den PPI auf die geringste Dosis zu reduzieren, unter der noch Beschwerdefreiheit erreicht werden kann.


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Qualitätsnachweis in der Adipositasbehandlung u Wenn bei schwer übergewichtigen Patienten weder Ernährungsumstellung noch Bewegung zur Gewichtabnahme führen, kann eine Operation sinnvoll sein. u Für den langfristigen Erfolg ist vor allem die Qualität der Behandlung entscheidend und wie umfassend Patienten vor und nach der Operation begleitet werden.

as Adipositas-Zentrum des Göttlicher Heiland Krankenhauses ist das erste in Österreich, das von der internationalen Zertifizierungsgesellschaft IFSO ausgezeichnet wurde. Die International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders (IFSO) ist der Internationale Zusammenschluss aller nationalen Gesellschaften für Adipositaschirurgie. Unabhängige Auditoren der IFSO überprüfen für die Zertifizierung alle Strukturen, Prozesse und die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team, bestehend aus Experten der Chirurgie, Anästhesie, Pflege, Ernährungsberatung und Psychotherapie. „Wichtig ist die lückenlose Dokumentation der im Schnitt 120 operierten Patienten im Jahr. Die Ergebnisse müssen den hohen Anforderungen der IFSO entsprechen. Selbstverständlich muss auch die Ausstattung in allen beteiligten Bereichen an stark übergewichtige Patienten angepasst sein“, gibt Dr. Brigitte Obermayer, Chirurgin und Leiterin des Adipositas-Zentrums im Göttlicher Heiland Krankenhaus, Einblick in den Prozess.

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Das Adipositas-Zentrum im Göttlicher Heiland Krankenhaus ist das erste in ­Österreich, das den hohen Qualitätsanforderungen entspricht.

Chirurgischer Eingriff Im Adipositas-Zentrum werden alle gängigen Methoden der Adipositas-Chirurgie angeboten. Dabei sind zwei Methoden vorherrschend: die operative Verkleinerung des Magens und die operative Verkürzung der Verdauungsstrecke. Die meisten OP-Methoden sind jedoch eine Kombination aus beiden. Die OP-Methode wird individuell für den Patienten abgestimmt. „Am häufigsten werden bei uns die ‚Sleeve Resection‘, der ‚Y-Roux Magenbypass‘ und der ‚Omega Loop Bypass‘ durchführt. Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv, auch nach bereits erfolgten bariatrischen Operationen. Die OP-Methoden werden je nach Begleiterkrankungen und Ernährungsgewohnheiten ausgewählt und mit den Patienten besprochen“, sagt Obermayer.  n

Methoden im Überblick u Y-Roux Magenbypass: Es wird ein kleiner Vormagen gebildet und mit dem Dünndarm verbunden. Dabei wird einerseits das Aufnahmevolumen verkleinert und gleichzeitig die Verdauungsstrecke verkürzt. u Omega Loop Bypass: Bei dieser Variation der Magenbypass-Operation wird mit nur einer Darmverbindungsnaht gleiche Ergebnisse erzielt. Dabei können sowohl die Operationszeit als auch die Aufenthaltsdauer verkürzt werden. u Sleeve Resection: Ein großer Teil des Magens wird entfernt und somit das Aufnahmevolumen stark reduziert. Es kommt zu keiner Verkürzung der Verdauungsstrecke. u Magenband: Aufgrund schlechter Ergebnisse im Langzeitverlauf wird diese Operationsmethode nur noch im Einzelfall durchgeführt.

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Ao. Univ.-Prof. Dr. Doris-Maria Denk-Linnert Univ.-HNO-Klinik Interimistische Leiterin Klinische Abteilung Phoniatrie-Logopädie Medizinische Universität Wien

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Diagnoseverfahren bei Schluckstörungen u Schluckstörungen können in jedem Lebensalter auftreten, betreffen aber häufig ältere ­Menschen. u Zwei dynamische instrumentelle Untersuchungsverfahren sind für die Diagnostik ­unverzichtbar: die Videoendoskopie und die Röntgen-Videokinematografie.

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chluckstörungen bedeuten eine Störung der Aufnahme oder des Transportes der Nahrung von der Mundhöhle bis in den Magen. Möglicherweise kann eine Aspiration vorliegen, das heißt das Eindringen von Nahrung, Flüssigkeit, Speichel oder Magensaft in die Luftwege unterhalb der Stimmlippen. Schluckstörungen führen zu Mangelernährung und Dehydration der Betroffenen. Eine mögliche lebensgefährliche Folge einer Aspiration ist die Aspirationspneumonie. Diese Form der Lungenentzündung entsteht, wenn aspiriertes Material Entzündungsreaktionen hervorruft. Die Folge können schwere, lebensbedrohende Entzündungen der Lunge und der Bronchien sein. Durch die Häufigkeit dieser Beschwerden und ihrer Folgen entstehen auch Kosten für das Gesundheitssystem, die nur durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln minimiert werden können. Schluckstörungen können unterschiedlichste Ursachen haben. Daher ist ein multiprofessionelles Management unverzichtbar. Für Schluckstörungen, die sich im Bereich der Mundhöhle und des Rachens auswirken, kommen folgende Ursachen infrage: u Strukturelle Veränderungen in Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf, wie zum Beispiel Geschwülste und die Folgen der Therapie (Operation, Strahlentherapie)

u Neurologische Erkrankungen wie nach einem Schlaganfall, bei Morbus Parkinson, nach Schädel-Hirn-Verletzungen oder bei Muskel- und Nervenerkrankungen, u Psychogene Faktoren Zwei dynamische instrumentelle Untersuchungsverfahren sind für die Diagnostik unverzichtbar: u Die Videoendoskopie (FEES(ST) – fiberoptic endoscopic evaluation of swallowing (with sensory testing)): Dabei wird ein Endoskop durch die Nase in den Rachen eingeführt, die Untersuchung wird digital aufgezeichnet. Kehlkopf und Rachen werden in Ruhe und bei Stimmgebung und Sprechen untersucht. Der Patient schluckt Nahrung unterschiedlicher Konsistenz. Die Rachen-Phase des Schluckaktes kann genau analysiert werden. u Mittels Röntgen-Videokinematografie, die vom Radiologen vorgenommen wird, kann der gesamte Weg der Nahrung von der Mundhöhle in den Magen untersucht werden. Durch die dynamische Untersuchung können nicht nur Passagehindernisse, wie zum Beispiel ein Tumor, sondern auch Funktionsstörungen diagnostiziert werden.

Multiprofessionelles Management ist bei der Behandlung von Schluckstörungen wesentlich.

In vielen Fällen, bei denen eine Beseitigung der DysphagieUrsache nicht möglich ist, kommt die funktionelle DysphagieTherapie zum Einsatz, die von Logopäden durchgeführt wird. Diese Therapie erfolgt maßgeschneidert für die jeweilige Schluckstörung. Wesentlich für ein optimales Management des schluckgestörten Patienten ist der multiprofessionelle Zugang: Neben Phoniatern beziehungsweise HNO-Fachärzten und Logopäden sind auch Radiologen, Neurologen, Internisten, Intensivmediziner, Chirurgen oder Kinderfachärzte wichtige Teammitglieder. n Quelle: HNO-Kongress 2017, Wien

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Dysphagiemanagement


Implantierbare Hörsysteme Implantierbare Hörsyssteme sind eine sinvolle Ergänzung zu konventionellen Hörgeräten. Seit kurzem neu ist eine Innovation des Audiopro­zessors von MED-El, dem führendem Österreichischen Hersteller von Hörimplantaten: der erste kabellos aufladbare Single-Unit Prozessor RONDO 2. Mechanische Verstärker Aktive Mittelohrimplantate bestehen aus einem Außen- und einem Innenteil: Über den äußeren Teil, der Elektronik, Batterie und ein Mikrofon enthält, wird der an das Ohr tretende Schall aufgenommen und über magnetische Induktion an den inneren Teil weitergeleitet. Im Bereich des Mittelohres befindet sich ein elektromagnetischer Wandler, der operativ an die Gehörknöchelchenkette angekoppelt wird. Das Restgehör ist bei diesem System nicht beeinträchtigt, da die nur 25 g schweren Ankopplungssyteme den Gehörgang nicht blockieren. Die kleinen mechanischen Verstärker können auch bei einem völligen Verlust aller Gehörknöchelchen implantiert werden, indem sie an Teilen der Hörschnecke angebracht werden. Geeignet für diese Art von Implantat sind Erwachsene, die aufgrund von Außen- und Mittelohrmissbildungen keine konventionellen Hörgeräte verwenden können. Patienten mit wiederkehrenden Gehörgangsentzündungen, unangenehmer Schallblockierung durch Hörgeräte (Okklusionseffekt) oder Allergien auf Hörgerätematerialien haben ebenfalls die Möglichkeit, ein aktives Mittelohr­implantat zu erhalten.

Konchenleitungsimplantate „Bei der Variante der Knochenleitung wird der Schall über Knochenvibrationen übertragen“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Franz vom Wiener Donauspital anlässlich der Pressekonferenz zum 61. Österreichischen HNO Kongress. Das Funktionsprinzip ist wie beim Mittelohrimplantat eine Außen-Innen-Übertragung durch magnetische Induktion. Das Implantat wird vollständig unter der Kopfhaut hinter dem Ohr in den Schädelknochen eingesetzt. Eine Indikation, bei der ein Knochenleitungsimplantat zum Einsatz kommen kann, ist die Hörstörung bei chroni-

schen Mittelohrerkrankungen, die nicht durch eine konventionelle Mittelohroperation behoben werden können. Bei Patienten mit nicht vorhandenem Gehörgang, bei ansonsten normalem Aufbau des Ohres, ergibt sich eine weitere Anwendungsmöglichkeit. Auch bei einseitigem Hörverlust kann die Technik helfen, da die Knochenvibrationen des tauben Ohres an das funktionierende geleitet werden können.

Cochlea-Implantat-Technik Die weiter verfeinerte Technik der Cochlea-Implantate kommt heute bei schwer hörgeschädigten Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgreich zum Einsatz. Nach Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Universitätsklinik für HNO, Medizinische Universität Wien, war das Neugeborenenhörscreening ein entscheidender Motor, der die Erfolgsserie bei den Cochlea-Implantaten vorangetrieben hat. „Neben der Früherkennung und Diagnoseabklärung mittels Hirnstammaudiometrie ist es wichtig, im ersten Halbjahr des Lebens eine Therapie – in Form eines Hörimplantates – einzuleiten“, so Gsöttner. Zu diesem Zeitpunkt profitieren die Kinder maximal von der Plastizität ihres Gehirns, eine Hörentwicklung wie bei einem normalen Kind wird so möglich gemacht. Die Cochlea-Technik wird auch höchst erfolgreich bei Erwachsenen angewendet. Wurden früher hauptsächlich Kinder versorgt, sind es heute bis zu 70 % Erwachsene. MED-EL, der führende Österreichische Hersteller von Hörimplantaten, präsentierte am 61. Österreichischen HNO Kongress eine Innovation des Audioprozessors: der RONDO 2 ist der erste kabellos aufladdbare Audioprozessor. Außerdem sind sämtliche Implantate des österreichischen Herstellers MRT tauglich ohne Magnetentfernung. Die neuste Generation der Cochlea-Implantate ist bis zu 3,0 Tesla MRT tauglich.  n

Entgeltliche Einschaltung

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

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PFLEGE & HOME CARE

Wundversorgung:

Von der Vision zur Realität u Die Barmherzigen Brüder im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt haben ein ­Kompetenzzentrum für multiprofessionelles Wundmanagement eröffnet. u Erkenntnisse aus der Praxis und Wissenschaft sollen hier zusammenfließen. ie Versorgung von Wundpatienten in Österreich muss verbessert werden. Dafür bedarf es einer grundlegenden Entwicklungsarbeit, in die die Erfahrungen aus der Praxis und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einfließen. Im neuen Kompetenzzentrum Multiprofessionelles Wundmanagement der Barmherzigen Brüder in Klagenfurt erarbeiten Ärzte und Pflegepersonen gemeinsam Lösungen, die die Versorgung der Wundpatienten verbessern.

Adäquate Versorgung Im Jahr 2015 wurden Wundpatienten aufgrund der nationalen Gesamtsituation zu Randgruppen der Gesellschaft definiert, denn nach Angaben des Wundreport 2015 erhalten nur etwa 15 Prozent der Betroffenen eine angemessene Versorgung. „Aufgrund der Erfahrungen in der Wundversorgung in Österreich sehen wir, dass es viele unterversorgte Wundpatienten gibt. Wir wollen daher mit dem ersten derartigen Kompetenzzentrum in Österreich einen Beitrag zur besseren Versorgung dieser Patienten leisten“, sagt Dir. Adolf Inzinger, Gesamtleiter der Österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder. Als Entwicklungszentrum bildet das Kompetenzzentrum Multiprofessionelles Wundmanagement nun eine österreichweit einzigartige, interne Dienstleistungseinheit für die Praxis und das Management, um die kontinuierliche Weiterentwicklung der Wundversorgung in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen der Barmherzigen Brüder nachhaltig zu begleiten, zu unterstützen und zu steuern. Das Kompetenzzentrum ist eine Entwicklungseinheit für die Krankenhäuser und Betreuungseinrichtungen der Barmherzigen Brüder, wo Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft aufbereitet und den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. „Letztendlich profitieren von diesem Kompetenzzentrum Mitarbeiter und Management durch den Wissenstransfer. An erster

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Stelle kommt die Entwicklungsarbeit aber den Patienten und betreuten Menschen zugute, indem wir den Versorgungsprozess noch besser absichern, steuern und unterstützen“, sagt Dir. Lydia Viktoria Gromer BA, Leitung Zentrales Pflegemanagement der Österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder.

Denkwerkstätte für Wundversorgung Univ.-Prof. Ing. Dr. Gerhard Stark, Ärztlicher Direktor der Österreichischen Ordensprovinz, unterstreicht die Relevanz des neuen Kompetenzzentrums: „Der Wunde eine Denkwerkstätte zu widmen, ist eine hoch innovative Maßnahme des Krankenhausträgers Barmherzige Brüder. Das Kompetenzzentrum und sein Team, zusammen mit der hohen klinischen Kompetenz für die Behandlung von Wunden durch die Mitarbeiter am Standort Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt, bilden das Herzstück für das Bemühen um die bestmögliche Wundtherapie in allen Gesundheitseinrichtungen der Barmherzigen Brüder.“ Die Konzeptentwicklung und intensive Planungsphase begann bereits 2015, seit Kurzem läuft der Regelbetrieb. Die Erkenntnisse aus der Arbeit im Kompetenzzentrum stehen allen Ärzten und Pflegepersonen der Barmherzigen Brüder digital zur Verfügung und fließen direkt in die Arbeit mit den betroffenen Patienten in den Wundambulanzen und Stationen ein. Das multiprofessionelle Team verbindet Erfahrungen aus der Praxis in der Akutversorgung und Langzeitpflege mit dem neuesten internationalen Forschungs- und Wissensstand. Dabei ist die Arbeitsweise des Kompetenzzentrums flexibel: Je nach Arbeitsanforderung und Arbeitsagenden trifft sich das Team persönlich oder arbeitet virtuell miteinander. Verortet ist das Kompetenzzentrum am Standort Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt.  n

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Professionelle Versorgung für die Pflege zu Hause!

Nicht selten kommt es vor, dass kurz vor dem Wochenende pflegebedürftige Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden und ihre Angehörigen vor einer ihnen unbekannten Situation stehen. Einige Krankenhäuser haben hierfür ein eigenes Entlassungsmanagement, welches sich um die dringendsten Fragen kümmert. Oft haben die Angehörigen dann ein paar Verordnungen für diverse Hilfsmittel und Verbandsmaterial. Doch was nun?

Wir bieten Beratung indviduell auf den Kunden zugeschnitten an. Unsere Philosophie ist es dem Kunden das Leben zu erleichtern, da die Pflege eines Patienten, oder der eigene gesundheitliche Zustand oft schon anstrengend genug sind, ohne sich noch Sorgen über benötigte Produkte, deren Beschaffung und Verrechnung machen zu müssen. Wir kümmern uns um die Beratung, ebenso um die Bewilligungen bei den Krankenkassen, suchen Ihnen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei Kaufinteresse, achten auf hohe Qualität, liefern innerhalb von Wien kostenfrei und dies so schnell wie möglich.

An dieser Stelle gibt es leider oft eine große Informationslücke. Viele Leute wissen nicht, was sie brauchen, wo sie diese Dinge herbekommen und in den seltensten Fällen wissen sie was sie über die Krankenkassen beziehen können oder privat kaufen müssen. Auch bei Sonderfällen bemühen wir Hier tritt die Firma Sunmed in Aktion. uns stets eine Lösung für unsere Patienten zu finden. Sollten wir mal nicht helfen können, verweisen wir selbstverständlich auf die Stelle, die Ihnen die gewünschte Sunmed Medizintechnische Produkte GmbH Sanitätsfachhandel & Pflegebedarf

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Information liefern kann. Viele unserer Produkte finden Sie auch auf unserer Homepage unter www.sunmed.at, wo sie auch gerne um weitere Informationen anfragen können. Sollten Sie Interesse daran haben sich ein Produkt einmal anzusehen, so können Sie dies auch, nach Terminvereinbarung, in unserem Schauraum tun. Wir versuchen unseren Service auf höchstem Niveau zu halten und durch unsere Kundenrückmeldungen stets zu verbessern.

Wir freuen uns auf die Kontaktaufnahme mit Ihnen und stehen Ihnen selbstverständlich auch mit unserem 24 Stunden-Service zur Verfügung. Isabella Mayrhauser, O.I.S.-Coordination Sunmed GmbH

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PFLEGE & HOME CARE

Mehr Hände ans Bett u Die Digitalisierung der Pflege schafft freie Ressourcen für die Arbeit am Patienten. u Derzeit wird aber noch zu wenig in zukunftsweisende Technologien investiert, um sie über weite Bereiche im Gesundheitswesen in den Regelbetrieb zu bringen. u Strategien im Gesundheitssystem, die Digitalisierung zu nutzen, fehlen derzeit noch weitgehend.

uch im sozialwirtschaftlichen Bereich führt kein Weg am digitalen Wandel vorbei. Eine Umstellung auf digitale Prozesse kann die Branche immens voranbringen und für mehr Hände am Bett sorgen“, ist Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH und Experte für die Begleitung bei der positiven Gestaltung der Digitalisierung, überzeugt. Allerdings schwingt beim Stichwort „Digitalisierung“ häufig die Angst vor Wegrationalisierungen mit. Wie weit sie begründet ist –

oder nicht –, formuliert Glied so: „Es kommt darauf an, was die Gesundheitseinrichtungen daraus machen. Die Technik per se bringt zuerst einmal Erleichterungen, wenn wir etwa an Dokumentationsaufgaben denken oder das Ersetzen von Routinearbeiten. Das eröffnet jedenfalls Chancen, sich mehr um die Patienten zu kümmern.“

Einsparen ist der falsche Zugang Dass manche Krankenhausträger dabei auch Personaleinsparungen anpeilen, will er nicht bestreiten, steht aber für ihn als Ziel nicht im Vordergrund, wenn IT-Lösungen geplant und implementiert werden. „Wenn wir eine neue Software entwickeln, dann stellen wir uns ja nicht die Frage, wie kann ich die Pflegekraft überflüssig machen, sondern wir stellen zu allererst die Frage, wie der Alltag der Mitarbeiter einfacher gestaltet werden kann, also die Entlastung der Pflegekräfte. Der zunehmende Einsatz mobiler Lösungen wie Tablets etwa zur Dokumentation am Krankenbett oder zur Erfassung der Medikation macht Prozesse schneller und fehlerfreier. „Ein gutes Beispiel ist auch die Krankenhaustechnik. Viele Aufgaben, die früher manuell erledigt und notiert werden mussten, können jetzt mit einem mobilen Datenerfassungsgerät viel rascher und besser erfasst werden“, so Glied. So werden etwa Kühltemperaturen im Medikamentenschrank automatisch erfasst, aufgezeichnet und bei Fehlern automatisch Alarm geschlagen. „Wir kennen noch die Zeiten, in denen das von einer Person regelmäßig kontrolliert werden musste, diese Errungenschaften machen zweifelsohne den Tagesablauf einfacher, ohne dabei auf Manpower zu verzichten.“ Aber er geht noch einen weiteren Schritt zurück: „Digitalisierung fängt im ganz Kleinen an, beispielsweise bei einer schnellen Internetverbindung oder dem automatischen Staubsauger, der zusätzliche Arbeit abnimmt. Das sind kleine Veränderungen, die Großes bewirken können“, betont Glied.

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Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH

Wenig läuft im Regelbetrieb Studien, wie viel Zeit damit tatsächlich im Krankenhausprozess eingespart oder noch in Zukunft optimiert werden kann, gibt es derzeit keine. Aber die Frage muss nach Ansicht des Experten anders lauten: „Der Gesundheitssektor ist massiv von der Finanzierung durch die öffentliche Hand abhängig. Ich sehe hier derzeit wenig Interesse oder Anreize in solche zukunftsweisenden Themen zu investieren und damit auch wenig Potenzial, dass die Technologien Eingang in den Regelbetrieb finden und ihr Vorteile voll ausspielen können. Wenn wir die Förderungen für Personal ausschöpfen und für Technologien keine bekommen, dann fällt es Spitälern schwer, sich für den Fortschritt zu engagieren“, meint Glied. Gleiches gilt nach Ansicht des Experten aber auch für den extramuralen Sektor: „Viele sensorische Hilfsmittel, die es ja bereits gibt, finden keinen Eingang in die Erstattungssysteme der Krankenkassen. Solange das nur von wenigen Patienten, die es sich leisten können genutzt werden kann, wird sich keine Technologie am Markt bewähren. Wir stecken zwar oft Forschungsgeld in gute Ideen, aber wenn es um die Umsetzung geht, hört die Förderung schon wieder auf.“

Ohne Strategie kein Plan

sind entscheidend für die Prozesse in sozialen Einrichtungen. Gerade digitale Lösungen für den Verwaltungsbereich, wie etwa die elektronische Pflegedokumentation oder die Dienstplanung, erleichtern den Arbeitsalltag enorm. „Weniger Verwaltung, mehr Zuwendung – das sollte das Motto der Branche sein“, so Glied. „Digitalisierung wird Teil eines digitalen Ausbaus sind auch häufig mit der Angst vor passgenaue technische Lösungen wie BeWegrationalisierungen wohner-Telefonie, intelligente Lichtrufanlagen bis hin zu integrierten Hinläuferverbunden.“ schutzlösungen.

IT und Telekommunikation gehören heute zu den fundamentalen Arbeitsmitteln, auch im Gesundheitswesen. Sie müssen zuverlässig arbeiten, sicher, einfach und intuitiv bedienbar sein. In diesem Bereich Karsten Glied hat die gesamte Branche noch immensen Mobile Pflege braucht mobile Nachholbedarf. Um die richtigen Schritte ­Lösungen in Richtung Digitalisierung zu gehen, ist eine durchdachte Strategie vonnöten. „Die Verantwortlichen Auch in der ambulanten Pflege kann die Digitalisierung für ein müssen sich aktiv um eine Strategie bemühen. Der digitale effizienteres Arbeiten und damit für mehr Zeit bei den HausbeWandel muss endlich auch im Gesundheitssektor als strategi- suchen sorgen. Ein mobiler Zugriff auf Klientendaten, Dokusches Thema begriffen werden“, fordert Glied. Spitäler müs- mentation, Tourenplanung und Kalender ermöglicht ein flexibsen in der Digitalisierung echte Chance sehen, dazu braucht es les und sicheres Arbeiten. Anstatt nach der Tour noch alle Konzepte, die den Weg und die Ergebnisse beschreiben, wenn Tätigkeiten im Büro erfassen zu müssen, sind die Daten bereits sich ein Haus darauf einlässt – das muss weit über Leucht- MDK-konform gespeichert und zugänglich. Die Kostenträger turmprojekte hinausgehen. fordern schon lange „ambulant vor stationär“ – dies bedarf immer effizienterer Lösungen, die den Verwaltungsaufwand minimieren und so für mehr Spielraum beim Hausbesuch sorgen. Digitale Klassiker Entscheidend bei der Auswahl digitaler Lösungen sollten imGerade in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern mer die sichere und komfortable Bedienung sowie der Nutzen oder Pflegeheimen können vernetzte IT- und Kommunikati- für den Tagesablauf des Pflegepersonals sein. Ein solches Sysonslösungen das Personal unterstützen und Zeit für das We- tem muss alle Leistungen komplett und übersichtlich erfassen sentliche schaffen: die Pflege direkt am Menschen. Eine ver- und eine minutengenaue Dokumentation der Pflegezeiten zur lässliche Kommunikation und Planung sowie Dokumentation Abrechnung ermöglichen.  n

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PRODUKTNEWS

Ein EU-Netzwerkprojekt untersucht biologische Klebstoffe unter Laborbedingungen.

Biologische Klebstoffe für ­Wundheilung Was haben Salamander aus den nordamerikanischen Wäldern, Insekten aus Neuseeland und Zwergtintenfische aus Thailand gemeinsam? Sie alle produzieren Klebstoffe, um sich anzuheften, zu tarnen, zu verteidigen oder um Beute zu fangen. Im Rahmen eines neuen EU-Netzwerkprojekts werden Forscher mit unterschiedlichem wissenschaftlichen Hintergrund diese und andere biologische Klebstoffe unter Laborbedingungen untersuchen und ihre Ergebnisse in neue bionische Klebstoffe für Anwendungen wie etwa die

Wundheilung einfließen lassen. Das Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie und die Universität Wien sind die österreichischen Projektpartner. Das neu gegründete Europäische Netzwerk für Bioadhäsion, finanziert durch COST (Projekt CA15216), vereinigt Forscher aus Europa und der ganzen Welt, um die biologische Klebstoffforschung voranzubringen, und wird von Janek von Byern vom Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie von Wien aus finanziell koordiniert. In den nächsten vier Jahren wollen sie die Vielfalt der biologischen Klebstoffe erforschen, verstehen und im weiteren Verlauf in praktische, bio-inspirierte Anwendungen umsetzen. Ziel dabei ist es, bereits bestehende, teilweise giftige Klebstoffprodukte aus der Medizin und Kosmetik zu verdrängen und durch natürliche und ungiftige biologische Produkte zu ersetzen. Kontakt: Core Facility für Cell Imaging und Ultrastrukturforschung Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie, janek.von.byern@univie.ac.at

Zuhören und verstehen

Schnupfen-App für Allergiker Mithilfe einer App wollen Mediziner neue Einblicke in das Auftreten und in Hintergründe des allergischen Schnupfens bekommen. So soll sich feststellen lassen, welche Therapien funktionieren, ob das Medikationsverhalten auf dem letz-

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PERSONALIA Mag. Thomas Krautschneider (46), Geschäftsführender Gesellschafter von SALESIANER MIETTEX, dem österreichischen Marktführer für Textilmanagement, wurde bei der jüngsten Hauptversammlung der „European Textile Services Association“ (ETSA) zum neuen Chairman gewählt. Der europäische Branchenverband vertritt die führenden industriellen Textilmanagementunternehmen in Europa. Als wichtigste Punkte auf der Agenda der ETSA nennt Krautschneider, die bedeutenden wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile des Outsourcing von Textildienstleistungen stärker bewusst zu machen. „Im Hinblick auf Kosteneffizienz, Hygiene sowie Ressourcenverbrauch und Minimierung der Schadstoffbelastung erfüllen industrielle Textilmanagementunternehmen heute so hohe Standards, dass es weder für Unternehmen noch für die Umwelt sinnvoll ist, das Textilmanagement selbst zu organisieren statt auszulagern. Das gilt für alle großen Geschäftsbereiche, insbesondere für das Gesundheitswesen.“ www.textile-services.eu

ten Stand ist und wie man chronischen Schnupfenpatienten am besten helfen kann. Das „Allergy Diary“ getaufte Allergietagebuch ist in 20 Ländern und in 15 Sprachen verfügbar und wird bereits von mehr als 5000 Menschen getestet. „Derzeit wissen wir kaum etwas über das Patientenverhalten und die Behandlung der Symptome“, erklärt Projektleiter Peter Valentin Tomazic, HNO-Spezialist an der Medizinischen Universität Graz. Wie wichtig diese Daten sind, zeigt ein Blick auf die Statistik am LKH Graz: Täglich werden allein hier drei Menschen mit chronischer Nebenhöhlenentzündung operiert, mehrere Allergiepatienten kommen pro Woche zur Klinik. Die App „Allergy Diary“ (von Macvia Aria) ist für iPhones und Android-Handys im App-Store verfügbar. Für eine nun startende Studie suchen die Grazer Mediziner neue Nutzer für die anonymisierte und einfach zu bedienende App, die für alle von Vorteil sei. Informationen zum Projekt: peter.tomazic@medunigraz.at, Tel.: 0316/385 80404

Kürzlich feierte die österreichische Niederlassung des dänischen Unternehmens Coloplast ihr 60-jähriges Firmenjubiläum Rahmen. Der stellvertretende dänische Botschafter Mads Weck Hansen gratulierte persönlich zu diesem feierlichen Anlass. Coloplast bietet medizinische Innovationen für die Bereiche Stoma-, Kontinenz-, Wundversorgung und Urologie. Ziel ist es, das Leben von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen zu erleichtern und weiter zu verbessern. 60 Jahre zeigt Coloplast bereits Nähe zum Kunden und richtet unter dem Motto „listen and respond“ den Fokus auf die Bedürfnisse der Patienten. „Fortschritt kann nur mit vereinten Kräften und entschlossenen Taten erreicht werden, die von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Engagement geprägt sind“, sagt Mag. Michaela Latzelsberger, Geschäftsführerin von Coloplast Österreich anlässlich der Feier. Mit der Initiative „Stronger Together“ positioniert sich Coloplast als ein vertrauensvoller Begleiter für alle Beteiligten: für Betroffene, deren Angehörige sowie für medizinische Fach- und Pflegekräfte. www.coloplast.at

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konnten diese mithilfe einer App mit dem Prädikat „besonders innovativ“ bewerten. Die Liste ist auf http://dkou.org/brandnew/ veröffentlicht.

Innovative Produkte im Fokus Mit dem Prädikat „besonders innovativ“ will Europas größter Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, der DKOU, Produkte auszeichnen, die als besonders fortschrittlich gelten. „Der medizinische Fortschritt lebt von der Innovationskraft der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie“, sagt Prof. Dr. Alexander Beck, Kongresspräsident des DKOU 2017. „Mit dem Format BrandNew@DKOU möchten wir einigen Firmen, die besonders zur Innovationskraft der Branche beitragen wollen, die Möglichkeit geben, ihre Produkte in einem besonderen Rahmen zu präsentieren“, so der Kongresspräsident Prof. Dr. Ingo Marzi. Die 17 Produkte der 16 teilnehmenden Firmen wurden in Glasvitrinen ohne Standpersonal präsentiert. Die Kongressteilnehmer

Cyber-Sicherheit im Krankenhaus Die Experten für Cyber-Sicherheit von Dräger helfen, Krankenhäuser wirksam gegen Cyberangriffe zu schützen. Schutzmaßnahmen sind für Krankenhäuser als Betreiber kritischer Infrastrukturen im Bereich des Gesundheitswesens auch rechtlich geboten: Mit Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft, mit der bei Verstößen hohe Bußgelder drohen (Art. 83 EU-DSGVO). Dräger bietet umfassende Lösungen zur Erhöhung der Cyber-Sicherheit: von PatientendatenManagementsystemen (PDMS) über sichere Datenschnittstellen bis hin zu Beratung und Service,

stationären, drahtlosen und mobilen MonitoringLösungen, kostengünstiger geteilter Netzwerkinfrastruktur sowie Lösungen für die lückenlose Übertragung von Monitoring-Daten. www.draeger.com/at_Cybersicherheit

SAVE THE DATE

SCI…NC… SUMMIT AUG…NH…ILKUND…

Neue …rkenntnisse aus der klinischen Forschung – Konsequenzen für Diagnose und Therapie

¦ 01. DEZEMBER 2017 Das Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Frankgasse 8, 1090 Wien WISSENSCHAFTLICHE LEITUNG: Univ.-Prof. Dr. Susanne Binder

KONGRESSBÜRO/ANMELDUNG: MEDahead Gesellschaft für medizinische Information m.b.H. Part of the Medical Opinion Network von MedMedia Verlag Seidengasse 9/Top 1.3, 1070 Wien Frau Simone Nistl ¦ Tel.: 01/607 02 33-71 ¦ Fax: 01/607 02 33-971 ¦ s.nistl@medahead.at TEILNAHMEGEBÜHREN: EUR 84,– ¦ Ärzte in Ausbildung EUR 45,– ¦ Studenten frei Kosten inkl. Kongressunterlagen und Verpflegung inkl. MwSt. Bitte um Überweisung bis 24. November 2017 auf folgendes Konto lautend auf VSCR – Registrierung: IBAN: AT74 3818 6010 0036 7912 ¦ BIC: RZSTAT2G186 Verwendungszweck: VSCR Science Summit Augenheilkunde Kooperationspartner

Unter der Patronanz der

ONLINE-ANMELDUNG: ww.vscr.at Anmeldung erforderlich bis 24. November 2017! Diese Veranstaltung ist nur für medizinisches Fachpersonal. Bitte geben Sie bei der Anmeldung Ihre ÖÄK-Arztnummer bekannt. ANRECHENBARKEIT DER VERANSTALTUNG: DFP-approbierte Veranstaltung (9 Punkte) VERANSTALTER: VIENNA SCHOOL OF CLINICAL RESEARCH, PUBLIC HEALTH AND MEDICAL EDUCATION gGmbH Apollogasse 12, 1070 Vienna, Austria Tel. +43-1-394 1234 ¦ office@vscr.at ¦ www.vscr.at

LERNZIELE IM FOKUS Evaluierung der Wissensvermittlung

Wir danken folgenden Sponsoren (Stand bei Drucklegung):

Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft

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KONGRESSE oo RÜCKBLICK E-Health Konferenz 2017: Gesundheit IT-gestützt managen Staatliche Akteure, Forschende und Vertreter von Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich gaben im Rahmen der Konferenz der Arbeitsgemeinschaft Datenverarbeitung (ADV) einen Einblick, wie sie den aktuellen Herausforderungen im Bereich E-Health begegnen. Dabei standen die Aspekte Prävention, Behandlung sowie das aktuelle Gesundheits- und Sozialwesen ganz oben auf der Agenda – insbesondere, wie diese finanziert werden sollen und wohin wir uns im Bereich E-Health bewegen sollten. Am Beispiel AAL wurde aufgezeigt, welche (neuen) E-Health-Leistungsangebote Teil des Angebots an die Bürger und Patienten sein sollten oder bereits sind. www.adv.at

53. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie Vom 5. bis 7. Oktober 2017 fand die 53. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie statt. Aktuelle Trends und Perspektiven in der Neurochirurgie wurden kritisch in den Fokus genommen werden. Vier Themenbereiche standen dabei im Mittelpunkt: Pädiatrische Neurochirurgie, in und um die Sella, spinale Infektionen sowie das chronische Subduralhämatom.  www.neurochirurgie.ac.at

20. European Health Forum Gastein Rund 500 führende gesundheitspolitische Experten aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft waren kürzlich beim 20-jährigem Jubiläum des European Health Forum Gastein (EHFG) auf der Suche nach Zukunftsstrategien für mehr Gesundheit im Jahr 2037. Konkret ging es um das Verbessern der europäischen Gesundheitssysteme, um einen gesicherten Zugang zur medikamentösen Versorgung, um Innovationen und vor allem um das zentrale Thema, dass Gesundheit die Unterstützung und Integration aller Politikbereiche braucht. Im „EHFG Health Futures Project“ wurden drei Zukunftsszenarien diskutiert: „Die gesunde Zukunft liegt in den Gemeinden und Städten“, „Mit Eigenverantwortung die persönliche Gesundheit erhalten“ sowie „Technologische Innovation bestimmt die Gesundheit“.  www.ehfg.org

Europäischer Gesundheitskongress 2017 Der Europäische Gesundheitskongress München ist das herausragende gesundheitspolitische und gesundheitswirtschaftliche Kongressereignis für die DACH-Region – mit Fokus auf einen europäischen Gedankenaustausch. Zu dem zweitägigen Kongress im Oktober kamen knapp 1000 Teilnehmer und diskutierten rund um das Motto: „Das Gesundheitssystem gerecht und zukunftsfähig gestalten!“ Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Wird das Gesundheitswesen von den beteiligten Akteuren noch als gerecht empfunden? Und: Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit im Hinblick auf nachhaltige Finanzierung, demografischen Wandel, Zugang zu medizinischen Innovationen und notwendige Digitalisierung? Die mehr als 150 Referenten namen sich vieler weiterer Themen an: Es ging um integrierte Versorgung, telemedizinische Fernbehandlung, Personalmangel in Pflege und Arztberuf, finanzielle Benachteiligung der Reha, Cybercrime, Qualitätsmanagement, Digitalisierung, den Wettbewerb der Krankenkassen, die Auswirkungen des Korruptionsstrafrechts, eine funktionierende Notfallversorgung und vieles mehr.  www.gesundheitskongress.de

uu AUSBLICK

Primärversorgung „neu“: Dialogforum zur ­Neugestaltung der hausärztlichen Versorgung 16. November 2017, Wien Das Dialogforum bietet eine unabhängige, neutrale, österreichweite Informations- und Netzwerkplattform. Im Zentrum stehen aktuelle Informationen, Erfahrungen aus den Pilotprojekten und der Dialog zwischen allen Betroffenen und Beteiligten. Ziel der Veranstaltung ist ein Austausch auf Augenhöhe und ein konstruktiver Diskurs.  www.businesscircle.at

E-Health Forum 16.-17. November 2017, Wien Die Konferenz zur Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt Anwender, Entscheidungsträger und Lösungsanbieter zusammen. Nutzen Sie die Möglichkeit zum konstruktiven Diskurs und informieren Sie sich über neueste Entwicklungen bei ELGA, E-Medikation und Telemedizin. Im Rahmen der Podiumsdiskussion wird hinterfragt, wie die Digitalisierung die Gesundheitsversorgung die Rollen von Patienten, Ärzten und anderen Gesundheitsprofessionen verändert.  www.businesscircle.at

32 DAS MEDIZINPRODUKT 05/17


4. APUPA Symposium Dekubitusprävention in der Sitzposition 16. November 2017, Graz Dem Sitzen, sei es im Bett oder auf den unterschiedlichsten Sitzmöbeln, wird eine große Bedeutung bei der Positionsauswahl zugemessen. Für Betroffene wie auch für Angehörige oder Bezugspersonen resultiert eine sitzende Position oftmals in einer völlig veränderten Wahrnehmung und Teilhabe an der Umwelt. Diese äußerst wichtige Ressource gilt es zu erhalten, zu fördern und als erstrebenswert zu vermitteln. Wie hoch die Akzeptanz und Effektivität dieser Körperposition tatsächlich ist, hängt jedoch maßgeblich von der Handlungskompetenz der Kollegen in der Praxis ab. Körperschonende und kreative Möglichkeiten zur Vorbeugung von Druckstellen aufzuzeigen und anzuwenden, erfordert natürlich entsprechendes Fachwissen und Praxiserfahrung. Die Vorträge und Präsentationen der Referenten werden die Thematik der Dekubitusprävention mit dem Fokus auf der Sitzposition aus verschiedenen Blickwinkeln aufgreifen. Ziel ist es, Personen aus unterschiedlichen Berufsgruppen über die Möglichkeiten und Risiken bei der Gestaltung und Ausführung einer sitzenden Körperposition zu informieren.  www.apupa.at

KONGRESSKALENDER

t NOVEMBER 2017

13.-16.11.2017

16.-17.11.2017

MEDICA, Düsseldorf www.medica.at

Medizin & Management 2017, Wien Jahrestagung des Weitmoser Kreises www.weitmoser-kreis.at

14.-15.11.2017

Datenschutz im Krankenhaus, Wien www.imh.at

16.-18.11.2017

Pflege-Management Forum 8.-9. März 2018, Wien Die Konferenz ist Österreichs größte Plattform für Führungskräfte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen des mobilen, ambulanten und (teil-) stationären Bereichs. Nutzen Sie den Dialog: Tauschen Sie sich mit Fachkollegen, Experten und Entscheidungsträgern aus Politik & Verwaltung aus.   www.businesscircle.at

30.11. & 01.12.2017

pflegekongress17, Wien Selbst:Bewusste Pflege www.pflegekongress.at

Österreichischer Chirurgentag Jahrestagung des Berufsverbandes Österreichischer Chirurgen (BÖC), Baden bei Wien www.boec.at

17.11.2017

29.11.-01.12.2017

29.11.2017

Symposium Labormedizin „Personalisierte Medizin – Möglichkeiten und Grenzen der Labordia­ gnostik“, Seggauberg bei Graz www.oeglmkc.at

MTD 4.0 – Profile der Zukunft MTD Forum, Wien http://www.mtd-austria.at

ÖSG NEU - Österreichischer ­Strukturplan Gesundheit 2017, Wien www.businesscircle.at

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

NOVEMBER Workshop Vergaberecht in der Praxis

9. November 2017, 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz

21. November 2017, 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Info & Anmeldung: www.austromed.org

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Manuela Gütlbauer, m.guetlbauer@medmedia.at,­ Tel: +43-1-407 31 11-45. Kundenberatung: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich,­ ­ ruckerei Berger, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: c­ reativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: D A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

05/17 DAS MEDIZINPRODUKT 33


DABEI Auf der sicheren Seite Damit Korruption keine Chance hat, wurde kürzlich von der AUSTROMED der neue, aktualisierte Verhaltenskodex präsentiert, der im Wesentlichen den Umgang mit finanziellen Unterstützungen der Aus-, Fort- und Weiterbildung durch die Medizinprodukte-Branche festschreibt. Ärzte, Vertreter von Krankenanstalten und Rechtsexperten nahmen die Regeln, denen sich alle Mitgliedsunternehmen unterwerfen, genau unter die Lupe und diskutierten über Grenzen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Beschaffern und Anwendern. „Diese Zusammenarbeit ist für den Know-how-Transfer unumgänglich, sogar gesetzlich vorgeschrieben und dennoch sehr sensibel, daher haben wir uns mit dem neuen Kodex sehr intensiv auseinandergesetzt“, sagt Mag. Philipp Lindinger, Geschäftsführer der AUSTROMED. Der Verhaltenskodex ist für die Branche wichtig, um das Compliance-Risiko zu reduzieren, vorhandene Werte zu wahren, ein verantwortungsvolles Image der Branche zu fördern und die Integrität und Reputation der Medizinprodukte-Unternehmen zu schützen. Nachdem im Jahr 2011 bereits das Antikorruptionsgesetz umfassend novelliert wurde und 2017 vonseiten der Dachorganisation MedTech Europe zahlreiche Änderungen kamen, wurden zahlreiche Neuerungen in den bisherigen Verhaltenskodex eingearbeitet. Die aktualisierte Fassung

stellt nun sicher, dass die Bestimmungen des Medizinproduktegesetzes (MPG) mit den einschlägigen Richtlinien und Verordnungen eingehalten werden und zudem die Finanzierung klinischer Forschung sowie von Produkt-, Ausbildungsund Fortbildungsveranstaltungen transparent und verhältnismäßig gestaltet wird. Die freiwillige Selbstverpflichtung geht aber über die zugrundeliegenden Gesetzesregelungen hinaus und die Mitglieder der AUSTROMED zeigen deutlich auf, dass sie mehr als nur das Mindestmaß erfüllen. Fünf Grundsätze bilden die Basis des AUSTROMED Verhaltenskodex: 1. Grundsatz der Trennung: Leistungen an Beschäftigte und sonstige Partner in Einrichtungen des Gesundheitswesens dürfen nicht im Zusammenhang mit Umsatzgeschäften stehen. 2. Grundsatz der Transparenz: Leistungsverhältnisse sind schriftlich festzuhalten. 3. Grundsatz der Ausgewogenheit: Bei Vertragsbeziehungen müssen Leistung und Gegenleistung in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. 4. Grundsatz der Dokumentation: Leistungen und Gegenleistungen sind so zu gestalten und zu dokumentieren, dass sie überprüfbar und nachvollziehbar sind. 5. Grundsatz der Außenwahrnehmung: In der Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Gesundheitswesens ist darauf zu achten, dass den Grundsätzen des Kodex nicht widersprochen bzw. dem Ansehen der Medizinprodukte-Branche nicht geschadet wird.


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Für ein transparentes ­Miteinander W

er in der Arbeitswelt jemandem Vorteile gewährt oder Vorteile entgegennimmt, macht sich der Korruption verdächtig. In welchem Umfang diese „Vorteile“ einen Straftatbestand darstellen, regelt seit 2012 ein eigenes Gesetz. Das war offensichtlich notwendig, da der Missbrauch anvertrauter Macht zu privatem Vorteil längst die Ausmaße eines Kavaliersdeliktes übertroffen hat. Wie wichtig das Thema ist, zeigt zum Beispiel auch der „Bestechungsindex“ von Transparency International, der 174 Staaten anhand der öffentlichen Wahrnehmung zu Korruption unter Beamten und Politikern reiht. Im Jahr 2016 belegte Österreich Platz 17 der am wenigsten korrupten Staaten der Welt. Damit liegen wir zwar im vorderen Mittelfeld, aber stolz muss man auf diesen Platz dennoch nicht sein, denn wir rutschten seit 2006 vom zehnten Platz kontinuierlich ab. Rund 46 % der befragten österreichischen Manager geben außerdem an, dass Bestechung im eigenen Land zur Tagesordnung gehört. Und eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young belegt, dass hierzulande etwa ein Drittel der Manager ihre Unternehmensergebnisse oft besser darstellen, als sie sind. Die Zahlen sind bedenklich und lassen die Frage aufkommen: Welche Werte vertreten wir hier? Die AUSTROMED und ihre Mitgliedsunternehmen haben sich – schon lange vor den Bestimmungen des Antikorruptionsgesetzes – zu einem Ethikkodex verpflichtet, der festschreibt, was gelebte Praxis ist. Wir wollen unter korruptionsfreien Bedingungen – auf beiden Seiten – Geschäfte machen. Transparenz, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind die Basis, damit einerseits Medizinprodukte-Unternehmen in Zusammenarbeit mit Ärzten neue Produkte entwickeln können. Sie sind andererseits aber auch Voraussetzung dafür, dass Schulungen und Produktinformation – so wie es auch das Medizinproduktegesetz vorschreibt – in die Gesundheitseinrichtungen kommen können. Und zwar ohne dass auch nur der Verdacht besteht, dass hier ein Machtgefälle zu einem Vorteil der Beteiligten genutzt wird. Im Vordergrund stehen Innovation und Zusammenarbeit zum Wohl der Patienten und nicht die persönlichen Vorteile eines Einzelnen, egal auf welcher der beiden Seiten. Dass die Industrie fit dafür ist, hat sie jetzt neuerlich bewiesen, indem die Bestimmungen des Verhaltenskodex auch an die Bestimmungen des Strafrechtsänderungsgesetzes und des „Code of Ethical Busi-

ness Practice“ der Europäischen Dachorganisation „MedTech Europe“ angepasst wurden. Damit ist dem direkten Sponsoring auch über die Landesgrenzen hinaus auf jeden Fall ein Riegel vorgeschoben. Mit dem aktualisierten Verhaltenskodex wollen wir die Inte­ grität und Reputation der gesamten Branche schützen und uns bemühen, dass diese Werte auch gelebt werden. Die freiwillige Selbstverpflichtung beinhaltet explizit die in diesem Zusammenhang häufig zitierten Grundsätze des Strafrechtsänderungsgesetzes, wie Trennung, Transparenz, Ausgewogenheit und Dokumentation. Dazugekommen ist das neue Grundprinzip der Außenwahrnehmung. Trennung bedeutet, dass die Leistung in keinem direkten oder indirekten Zusammenhang mit Umsatzgeschäften steht. Transparenz bedeutet, Leistungsverhältnisse schriftlich festzuhalten, offenzulegen und gegebenenfalls genehmigen zu lassen. Ausgewogenheit bedeutet, dass Leistung und Gegenleistung in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen müssen. Dokumentation dient der Überprüfbarkeit und Nachvollziehung zu jeder Zeit. Außenwahrnehmung bedeutet, dafür Sorge zu tragen, dass der Außenauftritt der Unternehmen nicht den Grundsätzen dieses Kodex widerspricht und das Ansehen der MedizinprodukteBranche nicht beschädigt wird. Jedes unserer Mitglieder verpflichtet sich, diese Grundsätze zu befolgen. Doch man muss auch realistisch sein – ein Kodex kann nicht von einem Tag auf den anderen das Verhalten einer ganzen Branche ändern. Für uns ist es wichtig, als Botschafter und Bewusstseinsbildner zu agieren und alle Beteiligten im Gesundheitssektor über die neuen Regeln zu informieren, aufzuklären und im Sinne eines ehrlichen und wertschätzenden Miteinanders auf die Einhaltung zu pochen. Sie haben noch Detailfragen zur Umsetzung der Kodex-Richtlinien? Wir sind gerne für Sie da!  n

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

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Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED


PATIENTEN KÖNNEN DAS MIT IHREM SMARTPHONE1

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Warum stechen, wenn man scannen kann?4

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Das Medizinprodukt 05/17