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Lösungen für das Gesundheitswesen S

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ISSN 2223-1080

Fast Track Surgery Der Turbo für die Orthopädie?

18 | Pathologie Computer sollen Subjektivität reduzieren

© edwardolive – stock.adobe.com

Österreichische Post AG, MZ09Z038040M MEDMEDIA Verlag, Seidengasse 9/top 1.1, 1070 Wien

07 | OP-Management Prozesse interdisziplinär denken

26 | Pflege Herausforderungen für die Zukunft www.das-medizinprodukt.at


INHALT Politik, Verwaltung & Management News aus Österreichs Krankenhäusern

04

Jährlich grüßt das Murmeltier ...

06

Modernes OP-Management

07

Medizin & Wissenschaft Fast Track Surgery: Rascher wieder mobil

09

News aus der Orthopädie

10

Pädiatrische Neurochirurgie

12

Diagnose und Therapie von Prostataerkrankungen

14

Prostatakrebs: Schaden einer Früherkennung?

16

Computergestützte Pathologie

18

Neue Pocket-Guidelines für das Magenkarzinom

20

Pflege & Home Care Konzepte zur Palliativversorgung

22

Herausforderungen in der Pflege

26

News aus Pflege und Home Care

28

Service Produkte & Anbieter

30

Termine & Kongresse

32

AUSTROMED-News34 Schlusswort35

ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER

www.das-medizinprodukt.at

2 DAS MEDIZINPRODUKT 04/17

Druckauflage: 21.540 im 1. Halbjahr 2017 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Nachhaltige Diskussion? D

ie AUSTROMED war als Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen auch heuer wieder als Partner der Gesundheitsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach vertreten. Umso mehr hat es uns gefreut, dass sich die Medizin­ technik – nicht nur in Form eines Hauptsponsors des Events, sondern auch in einer mehr als gut besuchten Pressekonferenz zu den Leistungen der Telemedizin im Krankenhaus – als wichtiger Partner in Gesundheitsfragen präsentieren konnte. Immerhin wird die Zahl der am europäischen Markt befindlichen ­Medizinprodukte auf rund 500.000 unterschiedliche Artikel in über 10.000 Produktfamilien geschätzt. Zu hoffen bleibt, dass die vielen Diskussionen auch nachhaltigen Erfolg zeigen, nämlich auch dann, wenn es nach den informellen Meetings im idyllischen Tiroler Bergdorf motiviert zurück in den beruflichen Alltag geht. Während die hohen Arzneimittelkosten für individuelle Therapien in den Vorträgen immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik standen, liegt genau hier der große Vorteil vieler Medizin­ produkte: Sie haben keine langen klinischen Studienphasen oder jahrelange Forschungen zu durchlaufen. Im Gegenteil: Sie werden in sehr enger Zusammenarbeit mit den Anwendern und für die Anwender entwickelt und möglichst rasch in den Krankenhausbetrieb integriert, um sich in der Praxis zu bewähren oder, wenn nötig, adaptiert zu werden – und das ganz im Sinne des Patientennutzens und der Patientensicherheit. Auch die Gewinnorientierung von Unternehmen im Gesundheitssektor wurde von den Gesundheitspolitikern in so manchen Alpbacher Vorträgen kritisch angemerkt. Das Anliegen der AUSTROMED-Mitglieder ist es, qualitativ hochwertige Produkte zum Wohle und zur Verbesserung der Lebensqualität in den Markt zu bringen. Niemand muss sich dafür schämen, auch Geld zu verdienen, schließlich wird damit Wertschöpfung im Land generiert, Arbeitsplätze werden bereitgestellt und der Wirtschaftsstandort Österreich wird gesichert. Anders als die Pharmabranche sind die heimischen Medizinprodukte-Unternehmen zu einem hohen Prozentsatz als Klein- und Mittel­ betriebe strukturiert und schon allein aus diesem Grund sehr

nahe am Kunden – den Gesundheitsdienstleistern und ihren Patienten. Umso mehr haben sie hohes Interesse daran, dass ihre Produkte den Bedürfnissen der Anwender entsprechen und in sehr engem Kundenkontakt entwickelt bzw. weiterentwickelt werden (mehr dazu auf Seite 31). Diese Schrittinnovationen waren bisher einer der Erfolgsfaktoren der Branche, die durch neue Gesetze und Verordnungen jedoch überbordender Bürokratie und Administration zum Opfer fallen können. Regulatorien werden innovativen Start-ups der Branche den Marktzugang erschweren und das Wachstum etablierter Unternehmen einschränken. Unter diesem Aspekt gäbe es in Alpbach noch viel zu diskutieren und transparent zu machen. In diesem Sinne wünschen wir uns, dass das Europäische Forum als Kommunikationsplatt­ form zwischen Politik, Wirtschaft und Gesundheitsexperten aus den Krankenhäusern weiter ausgebaut wird und nachhaltigen Erfolg zeigt, indem das Motto „Kooperation statt Konflikt“ und der innovative Spirit, der hier zu spüren war, auch in das Tagesgeschäft Eingang finden.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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© Oreste Schaller

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NEWS Mit einer innovativen plastisch-chirurgischen Technik baute OÄ Dr. Andrea Oßberger für einen Krebspatienten eine neue Nase auf der Stirn auf und replantierte sie anschließend an der Amputationsstelle.

Informations- und Kommunikationstechnologie spielen im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. Das Netzwerk-Event build.well.being an der Fachhochschule St. Pölten stellte daher kürzlich konkrete Projekte an der Schnittstelle von Gesundheit und Technik vor und vernetzte Pionierarbeiten der digitalen Gesundheit. Studierende des Studiengangs Digital Healthcare der FH St. Pölten präsentierten ihre Projekte zu Telemedizin als Verbindung zwischen Pflegeheimen und Krankenhausambulanzen, zum Einsatz von Virtual Reality in der Therapie, Training mit Bewegungserfassungssystemen, die Sitzmatte des Start-ups gogoPAD, die Sitzverhalten aufzeichnet und mittels Benachrichtigungen auf dem Smartphone zum Aufstehen motiviert, und zum Einsatz der HoloLens, einer MixedReality-Brille von Microsoft, um Patienten Angst vor Strahlentherapien zu nehmen.

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Primarius Dr. Thomas Hintringer leitet die Abteilung seit 2006.

Neue Geschäftsführung für Ordensklinikum Linz Mit 1. Juli 2017 erfolgte die formale Gründung der Ordensklinikum Linz GmbH. Damit wurde die rechtliche Basis für das schrittweise Zusammenrücken der beiden Ordensspitäler gelegt. Dies bedeutet auch eine Veränderung in der Führungsstruktur der beiden Ordenskrankenhäuser. Das Ordensklinikum Linz besteht aus den zwei Krankenanstalten der Barmherzigen Schwestern und Elisabethinen. Die Eigentümer der Ordensklinikum Linz GmbH sind zu je 50 % die Vinzenz Gruppe und die Elisabeth von Thüringen GmbH. www.ordensklinikum.at

Die Geschäftsführung der Ordensklinikum Linz GmbH (v.l.n.r.): Mag. Raimund Kaplinger (Personal, Organisation, IT), MMag. Walter Kneidinger (Finanzen, Recht), Dr. Stefan Meusburger, MSc. (Medizin)

© schulzfoto - stock.adobe.com

Digitale Projekte für die Zukunft des Gesundheitswesens

Das Team der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie ist national und international zu einem Aushängeschild des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern geworden. Speziell in der Wiederherstellung der Körperform und -funktion nach Tumorerkrankungen werden plastisch-rekonstruktive Techniken eingesetzt. Experten der Abteilung sind bei der interdisziplinären Therapie in den onkologischen Zentren von Anfang an dabei. „Unser Spektrum reicht vom Brustaufbau nach Teil- oder Vollamputation über die Wiederherstellung von Augenlidern, mund- und gesichtschirurgischen Eingriffen, Deckung großer Haut- und Muskeldefekte bis hin zum Beckenboden. Neben der funktionalen Rekonstruktion ist auch die ästhetische Wiederherstellung ein umfangreiches Aufgabengebiet“, erklärt Prim. Dr. Thomas Hintringer. Ein österreichweit besonders spektakulärer Eingriff half beispielsweise einem 58-jährigen Patienten, dessen gesamte Nase infolge eines

aggressiven Tumors amputiert werden musste. Großes Aufsehen erregte eine der österreichweit ersten Handnerventransplantationen. Hier ersetzte das Chirurgenteam einen durch einen Unfall zerstörten Handnerv durch ein speziell aufbereitetes Nervenstück eines verstorbenen Spenders. Das Resultat übertraf alle Erwartungen – die Sensibilität der zuvor völlig gefühllosen Hand konnte praktisch vollständig wiederhergestellt werden. www.ordensklinikum.at

© Werner Harrer

Virtual Reality findet neue Einsatzgebiete in der Therapie.

© Ordensklinikum Linz/Herbe (1,2), Werner Harrer (3,4)

© FHSTP_Marion Ingerle

30 Jahre plastisch-­ chirurgische Kompetenz


Traumazentrum Wien: Neues Exzellenzzentrum für Unfallchirurgie Die AUVA bündelt ihre Kompetenzen der Standorte der Unfallkrankenhäuser Meidling und Lorenz Böhler in Wien unter einem organisatorischen Dach: Ab 1. Jänner 2018 startet das „Traumazentrum Wien“. In den beiden AUVA-Unfallkrankenhäusern Lorenz-Böhler und Meidling versorgt die AUVA derzeit mehr als die Hälfte aller Unfallpatienten in Wien. Die beiden Standorte bleiben als tragende Säulen weiter bestehen. Offizieller Start des Traumazentrums Wien ist der 1. Jänner 2018 am Standort Meidling. Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Fialka wird neben seiner Funktion als Leiter des Standorts Meidling auch die ärztliche Leitung des Traumazentrums Wien übernehmen. Stellvertretender Leiter des Traumazentrums Wien wird Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Hausner, der weiterhin als Standortleiter das UKH Lorenz Böhler führen wird. Aufgrund einer höheren Fallzahl entsteht durch die Schwerpunktsetzungen tieferes Expertenwissen und die Qualität der Unfallheil-

© AUVA/R. Gryc

© AUVA/R.Gryc © schulzfoto - stock.adobe.com

behandlung kann weiter gesteigert werden. Darüber hinaus schont die Spezialisierung die Ressourcen und erhöht die Effizienz. Denn eine noch bessere Auslastung von teuren Geräten und Infrastruktur ermöglicht mittelfristig einen günstigeren Spitalsbetrieb. Das neue Traumazentrum Wien bietet die komplette unfallchirurgische Versorgung der Patienten: die Akutversorgung schwerstverletzter Polytraumapatienten, 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche, die rekonstruktive Chirurgie durch hochqualifizierte Fachärzte, wie zum Beispiel traumatologisch plastische Chirurgie und periphere Nerven­ rekonstruktion, und ein wegweisendes ­Schockraumkonzept zur bestmöglichen Erstversorgung Schwerstverletzter. Standortübergreifende Spezialteams unter anderem für Wirbelsäule, Schulter, Hand und Knie stehen 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zur Verfügung. www.auva.at

AUVA UKH Meidling uA  kutversorgung schwerstverletzter ­Patienten mit Polytraumen uW  egweisendes Schockraumkonzept u2  4 Stunden/7 Tage pro Woche u7  .718 stationäre Fälle, 66.573 ambulante Fälle, 59,5 Mio. Euro Ausgaben für ­Heilbehandlung (Eckdaten aus 2016)

AUVA UKH Lorenz Böhler uR  ekonstruktive Chirurgie uW  eiterhin Akutversorgung nicht ­lebensgefährlich Verletzter u6  .190 stationäre Fälle, 65.876 ambulante Fälle, 48,6 Mio. Euro Ausgaben für Heilbehandlung (Eckdaten aus 2016)

© WGKK

BRANCHENNEWS

Univ.-Prof. Dr. Jörg Haller, Leiter des Zen­ tralröntgeninstituts des Hanusch-Krankenhauses vor dem neuen PET-CT-Gerät.

PET-CT-Diagnostik im Hanusch-Krankenhaus Seit Juni 2017 ist im Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ein hochmodernes PET-CT-Gerät (Positronen-Emissions-Tomografie und Computertomografie) in Betrieb. Es ist das fünfte derartige Gerät in einem öffentlichen Krankenhaus in Wien. Eingesetzt wird die PET-CT vor allem in der onkologischen ­Diagnostik, in der Therapieplanung und zur Verlaufskontrolle. „Mit der PET-CT lassen sich gleichzeitig anatomische Strukturen und erhöhte Stoffwechselaktivität darstellen. Die PET-CT ermöglicht so das Auffinden kleinster Tumoren und Metastasen, die von anderen Techniken nicht erfasst werden“, beschreibt Univ.-Prof. Dr. Jörg Haller, Leiter des Zentralröntgeninstituts des HanuschKrankenhauses, die Vorteile. Die WGKK als Betreiberin des HanuschKrankenhauses investiert 1,2 Mio. Euro alleine für die Anschaffung des Geräts. Dazu kommen noch die Kosten für die notwendigen Umbauarbeiten im Zentralröntgeninstitut des Hanusch-Krankenhauses. WGKKObfrau Ingrid Reischl: „Mit der neuen PET-CT unterstreicht die WGKK die Bedeutung des Hanusch-Krankenhauses für die Versorgung von onkologischen Patienten in Wien.“ Die Zuweisung zur Untersuchung erfolgt in der Regel von Abteilungen des Hanusch-Krankenhauses. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in den Tumorboards des Spitals von allen an der Behandlung beteiligten Ärzten besprochen. www.wgkk.at

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Jährlich grüßt das Murmeltier ...

Gesundheitsministerin Dr. Pamela Rendi-Wagner im Dialog mit ­EU-Kommissar für Gesundheit, Dr. Vytenis Andriukaitis.

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n kaum einem anderen Bereich prallen so viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinander wie im Gesundheitswesen. Dabei sollte es im Kern um ein Ziel gehen: Patienten bestmöglich – aus Sicht der Medizin und der Ökonomie – zu versorgen. Das Themenspektrum reichte vom globalen Vergleich verschiedener Gesundheitssysteme über die Frage regionaler Versorgung mit Medikamenten bis hin zur Kommunikation zwischen Gesundheitspersonal und Patienten.

Strategie fehlt Ein roter Faden oder eine verbindende Klammer zwischen den Themen fehlt ebenso wie die tiefgehende Auseinandersetzung mit Fragen, bei denen es „ans Eingemachte“ geht – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Aber vermutlich ist das wohl auch Ausdruck dessen, was das Gesundheitssystem widerspiegelt – eben Konflikt und Kooperation, das Generalthema der diesjährigen Alpbacher Events. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vizepräsidentin des Europäischen Forum Alpbach, bringt die Problematik auch in ihrer Eröffnungsrede deutlich auf den Punkt: „Das Ziel ist klar, doch die Strategien dazu sind unterschiedlich.“ Aus ihrer Sicht soll der interdisziplinäre und internationale Dialog in dem kleinen Tiroler Bergdorf helfen, ­gemeinsame Muster und Herausforderungen in den Gesundheitssystemen zu erkennen und nachhaltige Lösungen zu finden. „Gesundheitsversorgung ist keine Handelsware, sondern

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ein Menschenrecht. Wenn wir die Gesundheit verlieren, haben wir nichts mehr zu verlieren“, mahnt Schmidt-Erfurth. Gesundheitsministerin Dr. Pamela Rendi-Wagner stellt die Kooperation vor den Konflikt und fordert außerdem ein Denken über Legislaturperioden hinweg: „Eine erfolgreiche Gesundheitspolitik und -strategie ist nur mit einer systematischen Kooperation möglich.“ Der EU-Kommissar für Gesundheit, Dr. Vytenis Andriukaitis, appellierte leidenschaftlich für mehr Praxisbezug in der Gesundheitspolitik und will dazu die Indusn trie aktiver ins Boot holen.

IM GESPRÄCH Robert Körbler, Vorsitzender der ­Geschäftsleitung, Philips Austria Die Gespräche in Alpbach haben einmal mehr gezeigt, dass eine transparente und gesamtheitliche Sicht auf das heimische Gesundheitssystem fehlt. Warum übernimmt Philips diese Rolle? In Alpbach kommen die verschiedensten Stakeholder zusammen, um sich auszutauschen und Innovationen voranzutreiben. Das wollen wir unterstützen und wir wollen Denkansätze und Plattformen bieten, die das auch ermöglichen. Wir beschäftigen uns als Gesundheitsunternehmen mit dem, wie wir es nennen, „Health Continuum“, das heißt, die Themen starten mit der Prävention und gehen über die Diagnostik bis hin zum Home Monitoring. Über diesen gesamten Lebenszyklus wollen wir Innovationen vorantreiben. Dazu braucht es aber auch Daten und ein sektorenübergreifendes Denken, um wirklich ein integriertes Versorgungsmodell sicherstellen zu können. Was hat sich 2017 gegenüber dem Europäischen Forum 2016 verändert? Im Vorjahr haben wir eine Partnersession übernommen, heuer waren wir der Hauptsponsor des Gesundheitsevents. Unser Ziel war es, mit wichtigen Stakeholdern ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Innovationen in die Wege zu leiten. Das hat sich erfüllt. Gesundheit ist ein grenzüberschreitendes Anliegen und wir müssen die Eigenverantwortung der Menschen stärken, um in der Prävention erfolgreich zu sein – beides waren heuer wichtige Themen. Viele Ideen wurden angetriggert und ich denke, dass wir alle mit großem Enthusiasmus nach Hause fahren, um jetzt an die Umsetzung zu gehen.

© Petra Spiola

© Andrei_Pungovsch

u Die Alpbacher Gesundheitsgespräche waren Ende August traditioneller Treffpunkt von Gesundheitsexperten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. u Im Mittelpunkt zwei Kernthemen des heimischen Gesundheitswesens: Konflikt und ­Kooperation


OA Dr. Silvia Bodi, MSc OP-Managerin LK Baden-Mödling Vorsitzende VOPMÖ - Verband OP-Management Österreich Landesklinikum Baden-Mödling silvia.bodi@moedling.lknoe.at www.moedling.lknoe.at www.baden.lknoe.at

Modernes OP-Management I

n vielen Kliniken Österreichs wird OP-Management zur Steuerung der operativen Einheiten eingesetzt. Die Funktionen des OP-Managers und OP-Koordinators etablieren sich und sind vielfach aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken. Der Verband OP Management Österreich (VOPMÖ) hat über den Implementierungsstand von OP-Managementsystemen in österreichischen Kliniken eine Studie in Auftrag gegeben, die am Jahreskongress 2017 präsentiert wird. Grundsätzlich unterscheidet sich das Aufgabengebiet eines OP-Managers von dem eines OP-Koordinators. Der OP-Manager ist verantwortlich für das strategische Management und die Überwachung der gesteckten und klar formulierten Zielsetzungen, während der OP-Koordinator für das operative tagesaktuelle Management zuständig ist. Auch die bedarfsorientierte, transparente Vergabe von OP-Kapazitäten und der entsprechende Einsatz des notwendigen Personals stellen wesentliche Aufgaben des OP-Managements dar und führen zu einem wirtschaftlich sinnvollen Einsatz der vorhandenen Ressourcen. Die Einbeziehung der perioperativen Leistungen, die sinnvollerweise in perioperativen Behandlungseinheiten erbracht werden, in das Aufgabengebiet des OP-Managements führt zu einer weiteren Verbesserung der Ablauforganisation in Kliniken und zu einer Verbesserung einer Mehrzahl an Krankenhausleistungen. ­Somit beeinflusst das OP-Management den OP-Prozess interdisziplinär und berufsgruppenübergreifend. Die fachlichen und sozialen Kompetenzen der die Funktionen innehabenden Personen sind ausschlaggebend für eine dauerhafte und effiziente Ausübung dieser Tätigkeit. Zertifizierte Ausbildungen sind für beide Funktionen sehr empfehlenswert, diesbezüglich ist der VOPMÖ eine Kooperation mit der Donau-Universität Krems eingegangen. Der Verband selbst bietet seinen Mitgliedern fundierte Weiterbildung und Unterstützung durch ein starkes n Netzwerk.

4. VOPMÖ Kongress: „Entscheidungen ­treffen – Kopf oder Bauch?“ 20.-21. Oktober 2017, Schloss Mondsee www.vopmoe.at


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Künstliche Intelligenz peppt Medizintechnik auf Ob Herzkontrolle per App, perfekte Gangrehabilitation oder Mini-Lebensretter – die Mitglieder des steirischen Humantechnologie-Clusters sind mit innovativen Produkten in der Medizintechnik erfolgreich.

Über Human.technology Styria Die Human.technology Styria GmbH (HTS) ist eine 2004 gegründete Clusterorganisation mit dem Schwerpunkt Humantechnologie. Bei der HTS steht der Mensch im Mittelpunkt sowie Technologien und Dienstleistungen, welche die Entwicklung des Menschen vorantreiben, uns Menschen unterstützen oder unsere Gesundheit verbessern. Der Cluster zählt aktuell 110 Mitglieder aus Wirtschaft und Forschung. Die HTS ist in zwei Schwerpunktfeldern mit der Vision aktiv, für Mitglieder und Kooperationspartner einen wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen: Medizintechnik sowie Pharma und Biotechnologie. Daneben setzt Human. technology Styria auf Leuchtturmprojekte wie das aktive und gesunde Altern; die Steiermark ist seit Ende 2016 eine europäische Referenzregion. Dazu kommen der medizinische 3-D-Druck, das Zentrum für klinische Tests sowie die Innovationsförderung heimischer Unternehmen. Mehr Informationen gibt es unter www.humantechnology.at

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der Anwendung“, erklären die Unternehmensgründer Andreas Schriefl und Andreas Reinisch. Praktisch hört der Arzt den Patienten mit einem elektronischen Stethoskop ab, das die Herzgeräusche an die App weiterreicht. Danach wird die künstliche Intelligenz SADIE im Hintergrund aktiv, analysiert die Herzgeräusche und erstellt einen Diagnosevorschlag. Außerdem kann der Arzt die eigene Diagnose standardisiert elektronisch dokumentieren und verwalten. Das gesamte System ist durch zahlreiche internationale klinische Studien validiert. In den USA ist eMurmur bereits in der finalen Phase des Zulassungsprozesses und soll demnächst auch in Europa zum Einsatz kommen. Der HTS-Partner „Liimtec“ hat ein lebensrettendes Alltagsprodukt entwickelt – einen Defibrillator im Miniformat. Der „PocketDefi“ passt quasi in jede Tasche, egal ob Wander-Rucksack oder Handtasche, um im Falle eines Herzversagens sofort Leben zu retten. „Pro Jahr sterben 17 Millionen Menschen an einem Herzstillstand. Gut die Hälfte davon könnte gerettet werden, wenn Defibrillatoren zur Verfügung stünden“, erklärt der PocketDefi-Erfinder Jasper Ettema. Das Gerät ist etwa so groß wie zwei 10er-Packs Taschentücher und kann per SmartphoneApp geprüft und gewartet werden. Den Marktstart setzt Liimtec im Oktober über eine Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo, n über die der PocketDefi erstmals zu haben sein wird.

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eben, springen, laufen, was die Beine hergeben – nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen werden normal scheinende Bewegungen zum unvorstellbaren Luxus, weiß Christoph Hepp von der Firma Schepp Medtech. Das Unternehmen aus Niklasdorf hat ein Gerät zur Gangrehabilitation entwickelt, das Menschen wieder auf die Beine hilft. Das Ziel war, ein möglichst natürliches System aufzubauen, damit die Bewegungsabläufe wieder nachhaltig im Gehirn gespeichert werden. Verwirklicht haben die Spezialisten von Schepp dieses Vorhaben mit „PerPedes“. Der Ein- und Ausstieg in die Gehtrainingsmaschine funktioniert per Lift, die Steuerung mit einem Tablet. „PerPedes ist das einzige Gerät am Markt, das den natürlichen Bewegungsablauf samt Hüft- und Rumpfführung vollständig und realistisch stimulieren kann“, so Hepp. Mit einer medizinischen Software zur Analyse von Herzgeräuschen, die Probleme oder Herzfehler aufdecken kann, sorgt die Firma CSD Labs für Furore. Das intelligente System basiert auf der App „eMurmur“, die auf die eigens entwickelte künstliche Intelligenz namens „SADIE“ zurückgreift. Diese verwendet modernste Methoden aus Signalanalyse und Machine Learning. „Das System wurde mit vielen Herzgeräuschen und klinischen Daten trainiert und kann qualifizierte Aussagen treffen. Gleichzeitig lernt das System weiter und wird präziser in

Entgeltliche Einschaltung

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Der Turbo für die Orthopädie? u Mit dem Rapid-Recovery-Konzept lassen sich bessere OP-Ergebnisse erzielen und die Behandlungskosten senken. u Eine zentrale Basis – und oft größter Stolperstein – in der Umsetzung sind die multidisziplinäre Zusammenarbeit und das Neustrukturieren von Prozessen.

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Entgeltliche Einschaltung

Fast Track Surgery:

ie Entwicklung von „Fast Track Surgery“ hat ihren Ursprung in den USA, in England und in den Niederlanden. Dort wird die Methode als „Rapid Recovery“ bezeichnet und bringt das Ergebnis auf den Punkt: Im Zentrum steht die schnelle Rehabilitation eines Patienten nach einer Operation. Entwickelt wurde das Behandlungskonzept von dem Chirurgen Dr. Henrik Kehlet, einem Vorreiter auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin. Fast Track ist mehr als nur ein minimalinvasiver Eingriff mit all seinen Vorteilen. Das Konzept umfasst vielmehr ein Gesamtpaket von Maßnahmen: vom Aufklärungsgespräch über die Vorsorge, die Operationstechnik bis hin zur Nachbehandlung. Fokussiert wird dabei die Frage, durch welche Maßnahmen eine Minimalisierung der perioperativen Komplikationen erreicht werden kann. Durch eine schnelle Rehabilitation des Patienten wird sowohl die Behandlungsqualität gesteigert als auch eine Verkürzung der Liegedauer angepeilt, die sich wiederum positiv auf die Behandlungskosten auswirkt. Das Konzept eignet sich für urologische, gynäkologische, orthopädische oder unfallchirurgische Operationen. Auch unter dem Aspekt, dass das österreichische GesundheitsZielsteuerungsgesetz (G-ZG BGBl. I Nr. 26/2017 § 6 (Z 3 und 4) eine Optimierung der Prozesse und des Ressourceneinsatzes sowie die Sicherstellung der hohen Behandlungsqualität fordert, bietet das Konzept einen interessanten und wissenschaftlich fundierten Rahmen für effizientere Behandlungsprozesse und höhere Patientenzufriedenheit. Finanzielle Erwägungen und das Wissen um mehr Komplikationen bei langer Immobilisation machen den Ansatz auf den ersten Blick attraktiv, doch die Umsetzung stößt in manchen Kliniken an Grenzen, wenn es gilt, Strukturen zu ändern oder eingefahrene Muster zu hinterfragen. „Die Vorteile von Fast Track Surgery sind nicht wegzudiskutieren und auch gut mit Studien belegt. Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung in der Praxis nicht einfach“, weiß Dr. Peter Razek, Abteilungsvorstand der Chirurgie im SMZ ­Floridsdorf, aus Erfahrung und rät: „Die Akzeptanz ist oft in kleineren Einheiten höher. Fast Track ist jedenfalls Teamarbeit

zwischen Berufsgruppen, das erfordert oft weitreichendes Umdenken.“ In Österreich setzen zum Beispiel die Unfallchirurgie Innsbruck, das Orthopädische Spital Speising, das Herz Jesu Krankenhaus in Wien oder die Barmherzigen Schwestern in Ried auf das Rapid Recovery Programm beim Knie- oder Hüftgelenksersatz. Vorteile zeigen sich unter anderem in der aktiven Mitarbeit der Patienten. Die am Programm teilnehmenden Fachdisziplinen berichten, dass sich die interdisziplinäre Kommunikation deutlich verbessert und schon allein dadurch zu einer Qualitätsverbesserung der Behandlung beiträgt. Standardisierte Protokolle helfen, einen reibungslosen Übergang von der präoperativen über die peri- zur postoperativen Versorgung sicherzustellen und das gemeinsame Ziel – die rasche Rehabilitation – nicht aus den Augen zu verlieren. Das Qualitätsziel spiegelt sich auch in der Reduktion der Verweildauer wider: Aktuelle Studien belegen, dass Kosteneinsparungen zwischen 11 % und 26 % möglich sind. n

Vier Stufen zur Implementierung 1. Prozessoptimierung: Medizinische Abläufe werden vom interdisziplinären Behandlungsteam so organisiert, dass Patientenintegration, Gruppendynamiken und eine Mobilisierung am Tag der Operation ermöglicht werden. 2. Klinische Verbesserungen: optimiertes Drainagen- und Fluidmanagement; Anwendung lokaler Infiltrationsanästhesie. 3. Datenerfassung und -auswertung: Das Behandlungsteam evaluiert in ­regelmäßigen Abständen Qualitätsscores und Patientenzufriedenheitswerte. 4. Gesundheitskommunikation: Mit Rapid Recovery wird eine hauseigene Evidenz etabliert, die die Grundlage für eine glaubwürdige Gesundheitskommunikation bildet. Dabei versteht sich das Programm als Versorgungsmarke, die ein Qualitätsversprechen gegenüber Patienten, Krankenkassen, Rehaeinrichtungen und niedergelassenen Ärzten transportiert.

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ORTHOPÄDIE

Neue OP-Technik bei Knochenmarkschädigung des Fußgelenks Erstmals in Österreich setzte Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Trnka, Leiter des Zentrums für Fußchirurgie an der Privatklinik Confraternität, auf eine neue OP-Technik, die bis dato nur in den USA angewandt wurde. Der Experte in der operativen und konservativen Therapie von Fußerkrankungen entfernte eine direkt unter dem Gelenkknorpel im Knochen liegende Zyste im Fußgelenk mittels „SCP-Methode“ (Subchondroplasty) – eines minimalinvasiven Verfahrens: das Gelenk wird zunächst im Rahmen eines arthroskopischen Eingriffs gereinigt, danach Calciumphosphat injiziert – als dauerhaftes Ersatzmaterial, um defekte Knochenbereiche aufzufüllen. www.premiqamed.at

53. Jahrestagung der ­Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie 05.-07. Oktober 2017 Die 53. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie befasst sich thematisch mit Problemen des Schultergürtels und des Ellbogens. Die große Zahl an Abstracteinreichungen sowohl aus dem unfallchirurgischen als auch dem orthopädischen Bereich hat es ermöglicht, ein sehr umfassendes Programm zusammen zu stellen. Inhaltlich verteilen sich die Themen zu je einem Drittel auf arthroskopische Techniken, klassisch unfallchirurgische Frakturbehandlung sowie auf den endoprothetischen Gelenksersatz.Für die Keynote Lectures konnten nationale und internationale Vertreter von unfallchirurgischen sowie orthopädischen Abteilungen gewonnen werden. Dementsprechend sind die Schwerpunkte dieser Jahrestagung sowohl auf Seiten des Traumas, als auch auf Seite der degenerativen Veränderungen dieser beiden Körperregionen zu sehen. www.unfallchirurgen.at

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© Peter Brehm GmbH

NEWS

Innovation in der Endoprothetik

Die vollkeramische Knieprothese weist ein exzellentes biologisches Verhalten auf, allergische Reaktionen sind nicht zu erwarten.

Am Klinikum Wels-Grieskirchen wurden erstmals in Österreich vollkeramische Knie-Endoprothesen implantiert. Für Patienten mit Metallallergie stellen sie eine sichere Alternative dar. Als einziger Experte aus Österreich war Prim. Univ.-Prof. Dr. Klemens Trieb, Leiter der Orthopädie und Ärztlicher Leiter am Klinikum Wels-Grieskirchen, an der europäischen Entwicklung maßgeblich beteiligt. Mittlerweile wird das „Keramikknie“ in einigen Spitälern erfolgreich eingesetzt. Im Klinikum Wels-Grieskirchen werden pro Jahr knapp 1.000 endoprothetische Operationen durchgeführt, rund 300 davon betreffen künstliche Kniegelenke. Gängige Knie-Implantate bestehen aus Metalllegierungen. Bei einem Teil der Patienten können diese Standardmodelle zu allergischen Reaktionen führen, die Alternative ist ein Implantatsystem,

das vollständig aus Keramik besteht. Das zertifizierte Modell wurde am Klinikum WelsGrieskirchen erstmals eingesetzt und im Rahmen einer breit angelegten klinischen Studie mit dem Standardmodell verglichen. „Das Keramikmodell weist ein exzellentes biologisches Verhalten auf, allergische Reaktionen sind nicht zu erwarten. Darüber hinaus ist das Material extrem kratzfest und lässt im Vergleich zur Endoprothese aus Metall einen deutlich reduzierten Abrieb erwarten“, erklärt Trieb und ergänzt: „Für Patienten bedeutet das schmerzfreie Beweglichkeit und optimale Verträglichkeit im Körper.“ Das Operationsvorgehen ist ident zur Metallversion und der Eingriff kann von allen erfahrenen orthopädischen Chirurgen, die mit diesem Kniemodell vertraut sind, sicher und präzise vorgenommen werden. www.klinikum-wegr.at

Bandscheiben aus ­Stammzellen

mühevoll isoliert werden. Auch das Aufbringen auf ein körperfremdes Trägermaterial entfällt, sodass ein vollständig körpereigenes Transplantat möglich wird. Weiters ist es den Zellforschern gelungen, Stammzellen von Erwachsenen über drei Jahre hinweg in flüssigem Stickstoff bei minus 178 Grad einzufrieren und ohne Qualitätsverlust „aufzutauen“. Daraus ließen sich auch Bandscheibenzellen entwickeln, die als Basis für ein Bandscheibenimplantat dienen könnten. „Was nach der Geburt schon gängige Praxis ist, nämlich Stammzellen vorsorglich einfrieren zu lassen, ist auch im Erwachsenenalter noch möglich. Theoretisch könnte man also vorsorgen, um später bei Bedarf körpereigene Zellen für ein Implantat zur Verfügung zu haben“, fasst Eder die Zwischenergebnisse zusammen. www.oss.at

Eine Vision der Forscher am Wirbelsäulenzen­ trum im Orthopädischen Spital Speising in Wien ist es, Stammzellen als Bandscheibenersatz einzusetzen. Somit könnte anstelle einer Bandscheibenprothese aus Metall ein lebendiger Ersatz implantiert werden, der in den benachbarten Knochen einwachsen und am Stoffwechsel teilnehmen kann. Dass dies durchaus bald gelingen kann, zeigen zwei Zwischenergebnisse aus dem Speisinger Zelllabor: Zunächst konnte das Team rund um die Biologin und Orthopädin DDr. Claudia Eder zeigen, dass sich das körpereigene Fettgewebe in Bandscheibengewebe umwandeln kann. Somit müssen die Stammzellen, die natürlicherweise im Fett vorkommen, nicht mehr


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Innovation in der operativen Frakturversorgung Für die operative Stabilisierung einer Fraktur werden geeignete Implantate benötigt, die einerseits dem Patientenwunsch nach rascher Rehabilitation, andererseits auch dem Druck der Gesundheitsökonomie gerecht werden müssen.

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ei der Frakturversorgung kleiner Röhrenknochen mit einem Markraum unter 7 mm können Marknägel mit Verriegelungsoption nicht verwendet werden. Bei diesem Indikationsspektrum werden daher intramedulläre Osteosynthesen wie zum Beispiel der Titanic Elastic Nail (TEN) verwendet. Aufgrund der fehlenden Querverriegelung werden diese Stabilisierungssysteme auch mit einer inneren Knochenschienung verglichen, die jedoch axiale Zug- und Rotationskräfte nur begrenzt neutralisieren können. Zudem können Knochenimplantate aus Metall die Bruchheilung negativ beeinflussen und müssen regelhaft nach der Frakturheilung wieder entfernt werden.

Entgeltliche Einschaltung

Im Jahr 2005 entwickelte Priv.-Doz. Dr. Oliver Pieske ein in­ tramedulläres Osteosynthesesystem für Schaftfrakturen kleiner Röhrenknochen und konnte in dem Projekt „Bio-ISOS“ die Herstellbarkeit des Systems aus biodegradierbarem Polymer sowie die damit verbundene Operationstechnik sowohl ex vivo als auch im Tiermodell in vivo nachweisen. Im Gegensatz zu einer Frakturstabilisierung mittels TEN kann eine Kompression auf die Frakturenden ausgeübt werden, die sich positiv auf die Knochenheilung auswirkt. Die Stabilität gegen Verdrehung, Kippen sowie axiale und horizontale Verschiebung des Bio-ISOS-Systems im biomechanischen Modell ist wesentlich höher als die einer Plattenosteosynthese. Durch die eher geringe mechanische Festigkeit von Polymeren ist das Anwendungsspektrum des Bio-ISOS-Systems bisher allerdings auf nicht allzu dicke Knochen, die nur einer sehr geringen mechanischen Last ausgesetzt sind, beschränkt. In dem vom Land Niederösterreich geförderten Projekt Mg Bio-ISOS ist unter der Projektleitung des Austrian Institute of Technology (AIT) die Realisierung des „Bio-ISOS“-Konzeptes mit abbaubaren biokompatiblen Magnesium-Legierungen geplant. Durch Einsatz dieser am AIT entwickelten Legierungen sollen die durch Kunststoffimplantate hervorgerufenen Gewebeunverträglichkeiten und die mangelnde knochen­ bildende Wirkung vermieden werden. n www.ait.ac.at/themen/advanced-implant-solutions/

IM GESPRÄCH Priv.-Doz. Dr. Oliver Pieske, Chefarzt Unfallchirurgie & Orthopädie im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg Wie lösen Sie das Spannungsfeld zwischen Patientenwunsch, Ökonomie und Medizin? Für mich ist das zentrale Entscheidungskriterium immer, was das Beste für den Patienten ist. Im Mittelpunkt stehen Schmerzreduktion, Funktion und geringe Unannehmlichkeiten wie Liegezeit oder Arbeitsausfall. Habe ich dann noch zwei gleichwertige Implantate, dann muss ich mich natürlich auch für das ökonomisch sinnvollere entscheiden. Einen Sonderfall stellen bioresorbierbare Implantate dar, die heute aber noch sehr teuer sind, weil sie in kleiner Stückzahl hergestellt werden. Die ökonomische Beurteilung dieser Option zeigt aber nur die halbe Wahrheit, denn die Re-Operation zur Entfernung eines Metallimplantates und zusätzliche Arztkontakte werden in die aktuelle Gesamtkostenrechnung nie einbezogen und verfälschen daher das Bild. Was sind die Vorteile des von Ihnen entwickelten Bio-ISOS-Systems? Derzeit gibt es am Markt kein Material, das in kleinen Röhrenknochen die intramedulläre Schienung mit Kompressionseffekt im Schaftbereich erlaubt. Wir haben die Herstellbarkeit aus biodegradierbarem Polymer sowie die damit verbundene Operationstechnik sowohl ex vivo als auch im Tiermodell in vivo nachweisen können. Im nächsten Schritt ist die Realisierung des Bio-ISOS-Konzeptes aus biodegradierbaren Mg-Legierungen neuester Generation geplant. Prototypen sollen aus einer neuen von AIT entwickelten niedriglegierten Mg-Zn-CaLegierung hergestellt werden und auf biomechanische Parameter und das Degradationsverhalten getestet werden. Zusätzlich ist eine Optimierung der mechanischen Eigenschaften des Ausgangsmaterials mittels Equal Channel Angular Pressing geplant. Gibt es Limitierungen? Initial würde ich nicht mit komplexen Schaftfrakturen oder sehr ­gelenknahen Brüchen starten.

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Prof. Dr. med. Gabriele ­Schackert, Direktorin – Klinik und­ Poliklinik für Neurochirurgie Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

© Thomas Albrecht

Pädiatrische Neurochirurgie – ein Überblick u Primäre ZNS-Tumoren stellen nach den Leukämien die häufigsten malignen Erkrankungen des Kindesalters dar. u Pädiatrische Hirntumoren unterscheiden sich in ihrer Klassifizierung und Lokalisation wesentlich von denen des Erwachsenenalters.

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eurochirurgen sind bei der Planung der optimalen Intervention bei Kindern daher vor besondere Herausforderungen gestellt. Prof. Dr. med. Gabriele Schackert, Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum in Dresden, gibt einen Überblick über die wichtigsten praxisrelevanten Aspekte von Hirntumoren im Kindesalter.

Welche Arten von Hirntumoren begegnen Ihnen in der pädiatrischen Neurochirurgie am häufigsten? Im Wesentlichen gibt es drei große Entitäten von Hirntumoren im Kindesalter: die pilozytischen Astrozytome, die Ependymome und die Medulloblastome. Sie kommen am häufigsten im Kleinhirn vor. Im Großhirn finden sich besonders Plexustumoren, aber auch primitiv neuroektodermale Tumoren (PNET), die sehr aggressiv wachsen. Der Hirnstamm ist leider auch nicht selten betroffen. Hier wachsen Gliome, von benignen bis hochmalignen. Welche Tumoren im Säuglings- und Kindesalter vorkommen, unterscheidet sich stark vom Erwachsenenalter. Meningeome und Glioblastome, die im Erwachsenenalter häufig auftreten, findet man bei Kindern kaum. Dagegen treten im Kindesalter deutlich mehr Medulloblastome und Plexustumoren auf, die man im Erwachsenenalter kaum antrifft.

Welche neuen Methoden und Protokolle in der ­pädiatrischen Neurochirurgie würden Sie als ­besonders vielversprechend einstufen?

52. Jahrestagung der Österr. Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC) 13.-15. Oktober 2017, Linz www.neurochirurgie.ac.at

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In der operativen Vorbereitung wenden wir bei Kindern wie auch bei Erwachsenen die Navigation und die Darstellung der funktionellen Hirnareale in der Magnetresonanztomografie routinemäßig an. Sitzen die Tumoren im Kleinhirn oder im Kleinhirnwurm, so kann man diese auch ohne zusätzliche Hilfsmittel – bis auf das Mikroskop natürlich – operieren. Sind die Tumoren aber im Hirnstamm lokalisiert, was bei den Kindern leider nicht selten der Fall ist, dann monitoren wir während des Eingriffs zusätzlich die Hirnnervenkerne. Dadurch wird es erst möglich, Teile des Tumors sicher zu entfernen und bei einer guten Abgrenzung des Tumorgewebes diese unter Umständen sogar vollständig zu resezieren. Das elektrophysiologische Monitoring hat in letzter Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen und zur operativen Sicherheit der Kinder wesentlich beigetragen. Alle in Deutschland operierten Kinder sind dazu in den Protokollen des bundesweiten Behandlungsnetzwerks HIT erfasst, das sicherstellt, dass alle Kinder nach der Operation mit gleichen Standards weiterbehandelt werden.

Inwieweit können die Eltern in die Therapie der Kinder miteinbezogen werden? Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, Eltern gut aufzuklären und unter der Therapie mitzuführen, sie zum Beispiel genau aufzuklären, welche Ausfallserscheinungen auftreten können, damit sie diese auch mittragen können. Eltern sind ja die meiste Zeit bei ihren Kindern und ihre wesentliche psychische Stütze. Ein guter Kontakt zu den Eltern ist essenziell für die Vertrauensbildung und für die Beruhigung der Kinder. Auch in der Rehabilitation nach der Intervention sind Kinder nochmal ganz anders zu sehen als Erwachsene. Alleine dadurch, dass sich das Gehirn in den ersten zwei Jahren noch maßgeblich entwickelt, ist in dieser Altersstufe noch eine gewisse Plastizität vorhanden. Kinder können viel mehr wegstecken, was Erwachsene gar nicht mehr kompensieren können. In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von kindlichen Hirntumoren stark weiterentwickelt, die Operationen sind viel besser und sicherer geworden und ich denke, dass wir auf einem sehr guten Weg zu einer optimalen Behandlung der Kinder sind. n


GEMEINSAM GESUNDHEIT SCHÜTZEN. LEBEN VERBESSERN. Bei B. Braun verfolgen wir ein Ziel: die Gesundheit von Menschen zu schützen und ihr Leben zu verbessern. B. Braun-Produkte und Dienstleistungen entstehen im intensiven Austausch mit Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, Pflegekräften und Patienten. Das macht unsere Lösungen besonders wirksam. Gemeinsam mit Anwendern und Partnern entwickeln wir sie kontinuierlich weiter und schaffen so neue Standards. Das nennen wir „Sharing Expertise“.

B. Braun Austria GmbH www.bbraun.at


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Diagnose und Therapie von Prostataerkrankungen u Durch Fortschritte in der medizinischen Bildgebung werden sowohl Diagnose als auch die Therapie entscheidend vorangetrieben. u Bildgestützte und gezielte Biopsie werden direkt innerhalb der Magnetresonanztomografie durchgeführt oder nach Bildfusion mittels Ultraschall. u Wichtige Voraussetzungen sind die interdisziplinäre Expertise und Kooperation zwischen Radiologie und Urologie sowie eine qualitätskontrollierte Durchführung bildgestützter ­Prostatabiopsien. a Prostatakrebs im Anfangsstadium keine Beschwerden Dies stellt ein sehr relevantes Problem für den behandelnden verursacht, bleiben Tumoren der Prostata meist lange unbe- Arzt und den betroffenen Patienten dar, weil in Abhängigkeit merkt und werden ohne Vorsorge oft erst sehr spät erkannt. vom klinisch eingeschätzten Erkrankungsrisiko entweder LaEine möglichst frühe Diagnose kann die Behandlungsergeb- borkontrollen über Monate, ausgedehntere Re-Biopsien gegenisse durch individualisierte und zielgerichtete Therapie stark benenfalls unter Narkose oder aber eine weiterführende bildgeverbessern. Die Biopsie der Prostata und die histologische bende Abklärung mittels Magnetresonanztomografie (MRT) Charakterisierung stellen die Grundlage und Voraussetzung für die Folge sind. die Risikoeinschätzung, die Therapie und das Patientenmanagement bei einem ProstataGezielte Biopsie karzinom dar. „Die Rate an klinisch Mit der Etablierung der multiparametrirelevanten Karzinomen, die schen MRT der Prostata und der damit Hat Ultraschall ausgedient? möglichen Darstellung von klinisch relebei der ersten systemiLange war der Ultraschall die Methode der vanten Karzinomen war in den letzten schen Stanzbiopsie dem Wahl zur Steuerung der Stanzbiopsien, mittJahren die Entwicklung der bildgestützNachweis entgehen, liegt lerweile hat sich dieses bildgebende Verfahren ten und gezielten Biopsie dieser Herde für die verlässliche Erkennung eines Karzieine logische Folge. Zumal dies bei Verbei bis zu 40 Prozent.“ noms innerhalb der Prostata aber als ungeeigdacht auf eine maligne Erkrankung in nanet erwiesen. „Über Jahrzehnte etablierte sich hezu sämtlichen Organsystemen des Prim. Univ.-Doz. Dr. Martin Uggowitzer, Vorstand des Instituts für Radiologie und die systematische und ungezielte Biopsie, bei menschlichen Körpers bereits den dia­ Nuklearmedizin am LKH Hochsteiermark der ein transrektaler Ultraschall lediglich als gnostischen Standard darstellt. Die KomOrientierungshilfe verwendet wird, als das bination mehrerer Parameter erhöht die Standardverfahren zur Gewinnung von Gewebsproben aus der diagnostische Genauigkeit erheblich und liefert damit dem Prostata. Da hier der zufällige Treffer die histologische Diagnose ­behandelnden Arzt entscheidende Informationen. „Die multipabestimmt, ist es nicht verwunderlich, dass die Detektionsrate rametrische Magnetresonanztomografie der Prostata bietet nevon Karzinomen signifikant von der Anzahl der durchgeführten ben hohem Weichteilkontrast auch funktionelle GewebeinforBiopsien abhängig ist. Die Rate an klinisch relevanten Karzino- mationen und ermöglicht so eine akkurate Diagnostik. Dadurch men, die bei der ersten systemischen Stanzbiopsie dem Nach- können Tumoren der Prostata bildgebend visualisiert werden, weis entgehen, liegt bei bis zu 40 Prozent“, sagt Prim. ­Univ.-Doz. was eine gezielte Biopsie sowie eine verbesserte OperationsplaDr. Martin Uggowitzer, Vorstand des Instituts für Radiologie und nung ermöglicht. Durch die Kombination mehrerer Parameter Nuklearmedizin am LKH Hochsteiermark. erhöht sich die diagnostische Genauigkeit erheblich“, erklärt

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Dr. Pascal Baltzer von der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologie und Kinderradiologie am AKH Wien. Grundlage für die Eingriffssteuerung bilden morphologische und funktionelle Bilddaten des MRT, die bei einer diagnostischen MRT-Untersuchung der Prostata standardmäßig gewonnen werden. Insbesondere Biomarker, die auch Rückschlüsse auf die Aggressivität des Karzinoms geben, ermöglichen die zielgerichtete Biopsie dieser Areale sowie von Bereichen der Prostata, die mit den bisherigen ungezielten Biopsien nicht erfasst werden, wie etwa die Transitionszone, der Apex, das vordere Prostatadrittel und das anteriore Stroma.

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Rasche Diagnose Bildgestützte und gezielte Prostatabiopsien können einerseits direkt innerhalb des MRT durchgeführt werden, was bei kleinen und exzentrisch lokalisierten Tumoren vorteilhaft ist, andererseits aber auch nach Bildfusion mit geeigneter Software mittels Ultraschall (MR/US-Fusion) ambulant und tagesklinisch. Vorteile sind unter anderem eine Reduktion der Stanzbiopsien zur Diagnosestellung, eine geringere Belastung des Patienten sowie eine raschere Diagnose und Kostenreduktion. „Die interdisziplinäre Expertise und Kooperation zwischen Radiologie und Urologie und eine qualitätskontrollierte Durchführung bildgestützter Prostatabiopsien in Zentren ist für die Etablierung dieser Methode als zukünftiger Standard nicht nur wünschenswert, sondern unumgänglich“, spricht sich Uggowitzer klar für eine Etablierung der Methode aus.

Transarterielle Embolisation Klar zu unterscheiden vom Prostatakarzinom ist die sehr häufig auftretende Prostatahyperplasie. Jeder Zweite über 50 Jahre ist damit konfrontiert, bei den über 70-Jährigen sind es bereits 70 Prozent. Die Prostatahyperplasie geht unter anderem mit

vermehrtem Harndrang, mit Problemen bei der Blasenent­ leerung oder mit Schmerzen beim Harnlassen einher. Derzeit gibt es verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten: einerseits die Therapie mit Medikamenten, andererseits eine Operation, bei der die vergrößerten Teile der Prostata über die Harnröhre in Narkose mittels Strom oder Laser entfernt werden. Alternativ zur medikamentösen oder operativen Therapie besteht auch die Möglichkeit der ProstataArterienembolisation (PAE). Die Embolisation wird unter lokaler Anästhesie durchgeführt, ist schmerzfrei und es ist lediglich eine stationäre Aufnahme für eine Nacht erforderlich. „Der technische Aufwand ist ähnlich jenem einer Herzkatheter-Untersuchung und daher relativ gering. Allerdings gilt der Eingriff selbst als eine technisch sehr schwierige Intervention, da man in anatomisch sehr komplexe Regionen des menschlichen Körpers gelangt. Unter Röntgendurchleuchtung wird ein dünner Führungskatheter in die Leistenarterie bis zur inneren Beckenarterie eingebracht. Dort wechsle ich auf einen speziellen, sehr dünnen Mikrokatheter und dringe bis zu den Arterien vor, die die Prostata mit Blut versorgen. Durch diesen Mikrokatheter werden kleinste Kunststoffpartikel in die Gefäße eingebracht, der Blutfluss unterbrochen, was eine Schrumpfung der Vorsteherdrüse zur Folge hat. Während des Eingriffs ist der Patient wach und wird bei Bedarf mit Beruhigungs- und Schmerzmitteln versorgt“, beschreibt Dr. Florian Wolf, stellvertretender Leiter der Abteilung für Kardiovaskuläre Bildgebung und Interventionelle Radiologie am AKH Wien, den komplexen Eingriff. Entscheidend für den Erfolg der Methode ist eine intensive interdisziplinäre Kooperation zwischen dem behandelnden Urologen und dem durchführenden interventionellen Radiologen. Der Urologe stellt die Indikation zur Behandlung und betreut den Patienten urologisch vor und nach dem Eingriff. Der interventionelle Radiologe prüft vor dem Eingriff, ob dieser technisch möglich ist und führt diesen dann durch.  n

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Univ.-Prof. Dr. Uwe Siebert Vorstand des Departments für Public Health, Versorgungsforschung und HTA public-health@umit.at Tel +43 50-8648-3930 www.umit.at

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Prostatakrebs

Wie hoch ist der Schaden einer Früherkennung? u Das Risiko von Überdiagnose und Übertherapie bei der Früherkennung von ­ Prostatakrebs wurde an der Tiroler UMIT wissenschaftlich erforscht. u Ein Simulationsmodell errechnet die positiven und negativen Auswirkungen der Früherkennungsuntersuchung.

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ine von Forschern der Tiroler Health and Life Sciences Universität UMIT, des Oncotyrol-Zentrums, der Medizinischen Universität Innsbruck und der Universität Toronto im „BMC Public Health“ publizierte Simulationsstudie wirft ein kritisches Licht auf Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs und beleuchtet deren Nutzen und Risiken. „Wie die meisten medizinischen Verfahren können Früherkennungsuntersuchungen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich bringen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Uwe ­Siebert, Leiter des Departments für Public Health, Versorgungsforschung und Health Technology Assessment an der UMIT. Ein wesentliches Risiko der Prostatakarzinomfrüherkennung besteht in der Überdiagnose und Übertherapie. Derzeit existiert noch keine zuverlässige Methode, um ­klinisch unbedeutende von klinisch relevanten Tumoren zu unterscheiden. Infolgedessen kann es vorkommen, dass auch klinisch unbedeutende Tumoren behandelt werden, was die betroffenen Patienten unnötigen und nicht selten Langzeitkomplikationen wie Impotenz, Inkontinenz und Darmbeschwerden aussetzen kann.

Modellrechnung betrachtet Nutzen und Risiko Das von den Forschern im Rahmen eines Oncotyrol-Forschungsprojekts für personalisierte Medizin entwickelte Simulationsmodell errechnet die positiven und negativen Auswirkungen der Früherkennungsuntersuchung auf die Lebenszeit und Lebensqualität der teilnehmenden Männer und analysiert, unter welchen Gegebenheiten der mögliche Schaden der Früherkennungsuntersuchung den möglichen Nutzen überwiegt. Projektkoordinator Ass.-Prof. Dr. Nikolai Mühlberger fasst die

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Studienerkenntnisse wie folgt zusammen: „Die Ergebnisse unserer Studie weisen darauf hin, dass die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen das Risiko, an Prostatakarzinom zu versterben, verringert und die Lebenserwartung der an der Untersuchung teilnehmenden Männer verlängert. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Auswirkungen der Früherkennungsuntersuchung auf die Lebensqualität ergibt sich allerdings, dass vorwiegend Männer mit einem erhöhten familiären Prostatakarzinomrisiko von der Früherkennung profitieren, während bei Männern mit durchschnittlichem Risiko der Gesamtschaden durch die Früherkennung überwiegen kann. Darüber hinaus ergab unsere Modellrechnung, dass der Nutzen der Früherkennung bei Männern mit erhöhtem Risiko auch sehr stark von ihrer eigenen Bewertung der möglichen behandlungsbedingten Nebenwirkungen abhängt.“

Aufklärung von Patienten Die urologischen Experten im Forschungsteam, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Horninger, Leiter der Abteilung für Urologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, und Univ.-Prof. Dr. Helmut Klocker vom wissenschaftlichen Labor der Universitätsklinik für Urologie sehen in der Studie einen wichtigen Beitrag zum bedachteren Einsatz der Prostatakarzinomfrüherkennung. „Die Studie verdeutlicht das Problem der Überdiagnose und zeigt die Abhängigkeit des Nutzens der Prostatakarzinomfrüherkennungsuntersuchung von persönlichen Risikofaktoren und Bewertungen. Sie leistet damit einen Beitrag zur Verbesserung der Patientenaufklärung und dem gezielteren Einsatz der Früherkennungsuntersuchung, die uns allen am Herzen liegt“, sind sich Horninger und Klocker einig.  n


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DOSCH-SYMPOSIUM

Neueste Erkenntnisse zur Händedesinfektion Aktuelle Studien zeigen, dass die Langzeitwirkung alkoholischer Händedesinfektionsmittel mit Remanenzwirkstoffen in der chirurgischen Händedesinfektion vergleichbar ist mit der Langzeit­ wirkung, die mittels alkoholischer Händedesinfektionsmittel ohne diese Wirkstoffe erreicht wird. Händedesinfektion remanent wirksame Wirkstoffe keinen zusätzlichen Nutzen für die Wirksamkeit haben. Da sie jedoch mit Risiken für den Anwender verbunden sind, sollte heutzutage darauf verzichtet werden“, erläuterte der Experte die Studienergebnisse. Lediglich bei einer Anwendungsdauer von drei Minuten zeigte sich bei drei von sieben Datensätzen eine Langzeitwirkung für den Wirkstoff MES (0,2 %) (2). „Da heutzutage jedoch in der Regel die Anwendungsdauer bei 1,5 Minuten liegt, kann dies vernachlässigt werden“, so Kampf.

L+R handdisinfect blue jetzt auch in Österreich

L&R bietet mit L+R handdisinfect blue eine Händedesinfektion an, die sowohl den KRINKO-Empfehlungen entspricht, als auch praktisch in drei Gebindegrößen verfügbar ist.

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ür die chirurgische Händedesinfektion konnte für den Zusatz remanent wirksamer Wirkstoffe aufgrund der ungeklärten Nutzen-Risiko-Bewertung zum Erscheinungsdatum der KRINKO-Guideline (1) noch keine abschließende Empfehlung gegeben werden. Auf dem diesjährigen DOSCH-Symposium in Velden am Wörthersee stellte Prof. Dr. Günter Kampf, Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin aus Hamburg, nun Studien vor, die diese Nutzen-Risiko-Bewertung klären.

Entgeltliche Einschaltung

Nebenwirkungen beachten Sie zeigen, dass die Langzeitwirkung alkoholischer Händedesinfektionsmittel mit Remanenzwirkstoffen in der chirurgischen Händedesinfektion vergleichbar ist mit der Langzeitwirkung, die mittels alkoholischer Händedesinfektionsmittel ohne diese Wirkstoffe erreicht wird (2, 3, 4). Außerdem können die Wirkstoffe zu erworbenen bakteriellen Resistenzen (5), Hautirritationen (6) oder sogar zu einem anaphylaktischen Schock führen (7). „Diese möglichen Nebenwirkungen sollten bei täglichem, mehrfachem Gebrauch der Händedesinfektionsmittel nicht unterschätzt werden“, erläuterte Kampf und ergänzt: „Durch die Studien konnten wir belegen, dass auch bei der chirurgischen

Sowohl für die hygienische als auch für die chirurgische Händedesinfektion bietet Lohmann & Rauscher (L&R) in Österreich seit Juni 2017 das propanolische Händedesinfektionsmittel „L+R handdisinfect blue“ an. Dessen umfassende Wirksamkeit – auch gegen Noroviren und Adenoviren – ist vom Verbund für angewandte Hygiene (VAH) zertifiziert, enthält keinen Zusatz von remanent wirksamen Wirkstoffen und entspricht somit den aktuellen Empfehlungen der KRINKO (1). Die empfohlene Einwirkzeit unterscheidet sich je nach Anwendungsgebiet – 30 Sekunden für die hygienische Händedesinfektion und 90 Sekunden für die chirurgische Händedesinfektion. Das Produkt ist zusätzlich zur VAH-Liste ebenfalls im Expertisenverzeichnis der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP) gelistet. n

Lohmann & Rauscher International GmbH & Co. KG Johann-Schorsch-Gasse 4 1140 Wien www.lohmann-rauscher.com Quellen: 1. KRINKO am Robert Koch Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsblatt. 2016;59: 1189-220. 2. Kampf G et al. J Hosp Infect 2017;95: 163-168. 3. Kampf G. J Hosp Infect. 2017;96: 189-191. 4. WHO: WHO guidelines on hand hygiene in health care. First global patient safety challenge – clean care is safer care. Geneva, 2009 5. Kampf G. J Hosp Infect 2016;94: 213-227. 6. Slotosch CM et al. Contact Dermatitis 2007;57: 235-241. 7. https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm530975.htm, zuletzt aufgerufen: Juni 2017.

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Klasse statt Masse:

C ­ omputergestützte ­Pathologie u Subjektive Verfälschungen bei der morphologischen Analyse histologischer Schnitte können unterschiedliche Behandlungsmethoden für den Patienten zur Folge haben. u Durch den Einsatz von Computern soll die Subjektivität in der Diagnostik minimiert werden.

onspartner ist die maßgeschneiderte Therapie und Behandlung unterschiedlicher Krebsarten, Stoffwechselerkrankungen und Entzündungen. „Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf jede Therapie. Deswegen ist es umso wichtiger, mithilfe der genauen Diagnose und Analyse anhand der zutreffenden Biomarker die passende Behandlung zu finden, um den gewünschten Erfolg zu erzielen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber als wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums CBmed GmbH, Center for Biomarker Research in Medicine. In sechs Corelabs in Österreich werden daher ständig neue, unterschiedliche Analyse- und Diagnosemethoden erforscht.

© Regine Schöttl

Computational Pathologics

Im Corelab der CBmed-Zentrale in Graz: Biomarkerforschung auf ­internationalem Spitzenniveau

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ie Analyse von Biomarkern spielt eine wesentliche Rolle bei der Identifikation optimaler Therapien bei Krebserkrankungen. Durch die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft im Rahmen des österreichischen Forschungszentrums CBmed wird die Entwicklung, etwa auf den Gebieten der computergestützten Pathologie, der intelligenten Analyse von medizinischen Daten und des metabolischen Fingerabdrucks forciert. CBmed vernetzt wissenschaftliche Expertise mit führenden Pharma-, Diagnostik-, medizintechnologischen und IT-Unternehmen. Ein großes gemeinsames Ziel der Kooperati-

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Bei der morphologischen Analyse histologischer Schnitte unter dem Mikroskop besteht die Gefahr, dass beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Lichtverhältnisse oder Betrachtungswinkel unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden. Um diese subjektive Verfälschung zu vermeiden, werden Proben mittels Slide-Scanners digitalisiert. So kann das Bild vom Computer gelesen werden. Voraussetzung: Der Computer muss wissen, was er analysieren soll. „Wir haben mit Mathematikern zusammengearbeitet, unter anderem von der ETH in Zürich und Zentren in Amerika. Interessant dabei ist, dass der Mathematiker dem Computer einen Algorithmus vorgibt, wobei dieser selbst lernen kann. Heute können mit Plattformen für Genomics oder Prote­ omics bei Tumoren ganz klare Cut-offs erkannt werden“, erläutert CBmed Partner Dr. Johannes Haybäck, Institutsdirektor am Institut für Pathologie an der Medizinischen Fakultät an der Otto von Guericke Universität in Magdeburg. „Wenn eine spezifische Tumorentität über zwei Prozent proliferiert, dann ist der Tumor ganz anders einzustufen, als wenn er nur einen Proliferationsindex von einem Prozent aufweist“, ergänzt der Experte. Die Folge sind zum Teil unterschiedliche Behandlungsmethoden für den Patienten, um den größtmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen. Dank des Computereinsatzes bei der Analyse wird also die Subjektivität in der Diagnostik minimiert.


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IM GESPRÄCH

CBMed Führungsteam: Ing. Robert Fasching (li.), wirtschaftlicher Geschäftsführer, und Prof. Thomas Pieber, wissenschaftlicher ­Geschäftsführer (re.)

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ausgehend vom Patientengewebe aufzuzeigen, welches Chemotherapeutikum wirkt, indem der Befund dem Onkologen als individualisierter Behandlungsleitfaden ähnlich einem Antibiogramm dient. Aktuell ist diese Methode noch nicht weit verbreitet, doch Haybäck ist überzeugt, dass die computergestützte Pathologie in Zukunft eine immer stärkere Rolle spielen wird.

Standardisierung als Chance in der Analytik Aktuell gibt es hinsichtlich der Präanalytik von Patientenproben noch keine sinnvolle Standardisierung, was mitunter zu Schwierigkeiten bei der Auswertung und Befundung führt. Eine Automatisierung über die vier Schritte der Gewinnung, Lagerung, Transportierung und Vorbereitung von Proben würde den Prozess erheblich beschleunigen. Als treibende Kräfte der Standardisierung fungieren die einzelnen Wissenschaftsoder Fachgesellschaften, wie beispielsweise die Gesellschaft für Pathologie oder Onkologie. Labore arbeiten und publizieren nach „good clinical practice“ oder „good scientific practise“. Faktoren wie die Transportdauer einer Tumorprobe von der Entnahme bis zum Labor sind hingegen oft nicht standardisiert. „Wir haben in einer Studie mit Physikern große Unterschiede gesehen. Wenn Sie beispielsweise das banale 4%ige Formalin nehmen, gibt es bei verschiedenen Herstellern vollkommen andere Werte in der Zusammensetzung. Und damit ist die Präservation des Gewebes von Grund auf unterschiedlich“, beschreibt Haybäck. Wären alle Proben bei der Analyse identisch behandelt worden, wäre das ein wichtiger Faktor hinsichtlich der Vergleichbarkeit und damit der Identifikation von Biomarkern. n Quelle: CBmed Biomarker Conference, „The Future of Biomarker Research“, Medizinische Universität Graz 2017

Welche Vorteile haben die nuklearmedizinischen Verfahren PET und SPECT bei der Identifikation von therapierelevanten Zielstrukturen? Im Rahmen der von der Uni Graz initiierten CBmed Biomarkerforschung haben wir in letzter Zeit verstärkt versucht, die MedUni Wien insbesondere in den Bereichen Proteomics und Molecular Imaging in die Kooperation einzubinden – also neben der klassischen Biomarkerentwicklung auch die Entwicklung sogenannter Imaging-Biomarker ­voranzutreiben. In der modernen onkologischen Präzisionsmedizin ­vollzieht sich eine Entwicklung von der mehr morphologisch und Organ-orientierten, auf Antikörper basierenden Diagnostik hin zur genetischen und proteomischen Analyse potenzieller therapierelevanter Zielstrukturen auf Zellen und Zellbestandteilen. Ein neuer Ansatz ist, mittels hocheffizienter Therapeutika gezielt mit toxischen Substanzen über Verbindungsstellen zu therapieren. Hierzu ist allerdings die Identifikation dieser Zielstrukturen, idealerweise im lebenden Organismus und auf sämtlichen Tumorläsionen, notwendig. Bisher wurden hier die Möglichkeiten der molekularen Bildgebung nicht voll ausgeschöpft. Die Vorteile der nuklearmedizinischen Verfahren PET und SPECT liegen auf der Hand, denn bei diesen Methoden kann der ganze Körper dargestellt und sämtliche Tumorläsionen charakterisiert werden. Die ­Visualisierung und Quantifizierung der Tumoren erfolgt nach dem sogenannten Tracer-Prinzip: Es werden Radiopharmaka appliziert, die Signale aus dem Körper senden, wenn sie an bestimmten Zielstrukturen binden. Nur wenn eine solche Bindungsstelle für ein Medikament vorhanden ist, kann es wirken. Nun geht es darum, neue Imaging-Biomarker anhand der Informationen auf den Bildern zu definieren – nach dem Motto „What you see is what you treat“. Welche Vorteile bringt die Kooperation mit CBmed? Das Zusammenspiel öffentlicher Träger mit der Industrie ist ideal, um Gelder für die Forschung zu akquirieren. Durch die Teilnahme der Industrie ist die Forschung automatisch anwenderorientiert. Wir betreiben an der MUW direkt neben dem AKH Wien höchstqualifizierte und international kompetitive Grundlagenforschung, daher trifft sich das optimal. Der dritte Vorteil ist das Netzwerk zu anderen hochkarätigen Forschern, frei von politischer Motivation. Die MedUni Graz ist sehr offen an uns herangetreten und die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Da wir in Wien über andere Geräte und Technologien verfügen, ergänzen wir uns optimal. Insgesamt ist die Stärke von Konsortien wie CBmed die Quervernetzung verschiedener Biomarkerforschungen.

© Regine Schöttl

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Univ.-Prof. Dr. Marcus Hacker, Leiter der Klinischen Abteilung für Nuklearmedizin, Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Medizinischen Universität Wien

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Neue Pocket-Guidelines für das Magenkarzinom u Die European Society of Medical Oncology stellt regelmäßig Guidelines zur Diagnostik, Therapie und Nachbetreuung des ­Magenkarzinoms bereit. u Kürzlich erschienen eine aktualisierte Version in Form von Pocket-Guidelines und ein ­interaktiver Leitfaden für Handy und Tablet.

ine Million Menschen erkranken pro Jahr weltweit neu an einem Magenkarzinom, über 1.000 in Österreich. Die meisten Erkrankten überleben im Mittel nur etwa ein Jahr. Damit ist das Magenkarzinom zwar nicht das häufigste aller Karzinome, gehört aber immer noch zu den maligneren aller Tumoren. Eine Ursache dafür mag sein, dass die Symptome wie Gewichtsverlust, Dysphagie, häufiges Erbrechen, Appetitlosigkeit und eine Eisenmangelanämie eher unspezifisch sind und ein Magenkarzinom daher meistens erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. 90 % aller Menschen mit Magenkarzinomen haben ein Adenokarzinom, das sich nach der Laurén-Klassifikation in das intestinale (gut differenzierte), diffuse (schlecht differenzierte) und in Mischtypen unterteilen lässt. Die European Society of Medical Oncology hat es sich zur Aufgabe gemacht, regelmäßig aktualisierte und anwenderfreundliche Guidelines bereitzustellen. Sie hat kürzlich neue Guidelines zur Diagnostik, Therapie und Nachbetreuung des Magenkarzinoms mit einem Fokus auf das Adenokarzinom veröffentlicht und den Langtext durch

Die Guidelines für unterwegs Die ESMO Pocket-Guidelines und die interaktive App findet man bequem auf iTunes und im Play Store (http://www.esmo. org/Guidelines/Pocket-Guidelines-Mobile-App). In den interaktiven Guidelines gibt es zur Therapie des Magenkarzinoms einen übersichtlichen Logarithmus, der ausgehend vom Tumorstadium durch den empfohlenen Therapiepfad führt. Die Übersicht in den Pocket-Guidelines ist relativ umfassend, die dazugehörende Rationale und Details zur Literatur findet man in der Langversion der Guidelines. Neben diesen Leitlinien zum Magenkarzinom wurden auf der ESMO-Homepage auch Guidelines und Handheld-Apps zu anderen Karzinomen erstellt.

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eine Zusammenfassung in Form von Pocket-Guidelines und einen interaktiven Leitfaden für Handy und Tablet ergänzt (http://www.esmo.org/Guidelines).

Tumorstaging Nach der Diagnose eines Magenkarzinoms sollte ein genaues Tumorstaging erfolgen, um die weitere Behandlungsstrategie festlegen zu können. Dazu werden verschiedene Untersuchungen notwendig wie eine physikalische Untersuchung, ein Blutbild, Leber- und Nierenwerte, eine Endoskopie und Histologie aus den Läsionen und eine Computertomografie mit Kontrastmittel des Thorax, Abdomens und Beckens. Diese können um eine Endosonografie, ein PET-CT und eine Laparoskopie mit einer diagnostischen Peritoneallavage (im Stadium IB-III) ergänzt werden. Eine sorgfältige Diagnostik erlaubt die Einteilung in die klassische TNM-Klassifikation. Die Einteilung und auch der weitere Behandlungsplan sollten immer im multidisziplinären Team besprochen werden. Eine endoskopische Entfernung des Magenkarzinoms kommt in ausgewählten Fällen für einen Tumor bis zum Stadium IA – Tumor überschreitet die Lamina propria oder die Muscularis mucosae, aber nicht die Submucosa – infrage. Ab dem Stadium IB bis III sollten Tumoren radikal entfernt werden. Dabei muss nicht unbedingt der gesamte Magen entfernt werden. Eine subtotale Gastrektomie ist möglich, wenn zwischen ­Tumorgewebe und gastroösophagealem Übergang ein ­Abstand von mindestens 5 cm – bei diffusen Tumoren 8 cm – erhalten werden kann. Bis zum Stadium 1A ist eine Mitbeteiligung der Lymphknoten sehr unwahrscheinlich. Ab dem Stadium 1B kann generell eine Entfernung der perigastrischen Lymphknoten (D1) oder zusätzlich der Lymphknoten entlang der relevanten großen Gefäße (D2) vorgenommen werden. Das ESMO Guideline Committee empfiehlt bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand,

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wenn möglich, die radikalere D2 Dissektion, unter der Voraussetzung, dass der Eingriff an einem Zentrum mit ausreichender chirurgischer Expertise und umfassender postoperativer Betreuungsmöglichkeit durchgeführt werden kann.

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Perioperative und adjuvante Chemotherapie Für alle Patienten mit einem operablen Magenkarzinom ab dem Stadium IB wird eine prä- und postoperative Chemotherapie mit einer Platin-Fluoropyrimidin-Kombination empfohlen. Diese Kombination kann mit Epirubicin oder Docetaxel auf ein Dreierschema erweitert werden. Einzelne Substanzen dieser Doublette oder Triplette können auch durch andere, teilweise besser verträgliche Substanzen mit gleicher Wirksamkeit ersetzt werden. So kann statt Cisplatin auch Oxaliplatin verwendet werden, 5-FU kann durch das orale 5-FU-Derivat Capecitabine ersetzt werden. Die empfohlene Therapiedauer beträgt zwei bis drei Monate. Bei Tumoren, die im fortgeschrittenen Stadium eine HER2-Überexpression aufweisen – in der Regel zehn bis 15 % aller Tumoren –, sollte das Platin-Fluoropyrimidin-basierte Chemotherapie-Schema durch den monoklonalen Antikörper Trastazumab ­ ergänzt ­werden. Für Patienten mit einem Magenkarzinom ab Stadium IB, die keine präoperative Chemotherapie erhalten haben, wird eine postoperative Radiochemotherapie oder adjuvante Chemotherapie empfohlen. Auch bei Patienten mit einem fortgeschrittenen und inoperablen Karzinom ab dem Stadium IV kann eine palliative Chemotherapie die Überlebensdauer und die Lebensqualität verbessern. Sie sollte je nach Allgemeinzustand des Patienten in Betracht gezogen werden. Komorbiditäten und eine bereits bestehende Beeinträchtigung der Organe bestimmen oft, ob eine langwierige Chemotherapie überhaupt möglich ist, darüber hinaus sollten die Wünsche des Patienten, die aktuelle Lebenssituation und Lebensqualität unbedingt in die Therapieplanung miteinbezogen werden. Wie bei der perioperativen Chemotherapie kann auch hier die Kombination Platin/Fluoropyrimidin um Epirubicin oder alternativ Docetaxel erweitert werden. Auch eine Kombination aus Irinotecan/5-FU kann für ausgewählte Patienten in Betracht kommen. Ergebnisse einzelner Studien mit speziellen Studienpopulationen und Einschlusskriterien, die auf einzelne individuelle Patienten besser zutreffen als große Datenkollektive, sollten bei der Therapieentscheidung des jeweiligen Patienten berücksichtigt werden. Wie bei vielen anderen Erkrankungen sind ältere Patienten auch in den klinischen Magenkarzinom-Studien unterrepräsentiert. Eine Meta-Analyse dreier klinischer Studien zeigte, dass ältere Patienten über 70 Jahre gleich gut auf eine Chemotherapie bei Magenkarzinom ansprachen und ähnliche Überlebenszeiten wie jüngere Patienten hatten. Trotzdem handelte es sich hier um eine ausgesuchte Studienpopulation, die in ihren Eigenschaften ausgeglichen uniformer und meistens auch im

besseren Allgemeinzustand ist als der durchschnittliche ältere Patient im klinischen Alltag. Hier sollten individuelles biologisches Alter und der Grad der Selbstständigkeit des Patienten für eine Abschätzung der Verträglichkeit der Chemotherapie unbedingt berücksichtigt werden.

Second-Line-Therapie Auch bei Patienten mit einem rezidivierenden Magenkarzinom kann eine zweite Chemotherapie bei gutem Allgemeinzustand eine Verlängerung der Überlebenszeit und verbesserte Lebensqualität bieten. Die Zweitlinientherapie kann entweder aus Taxanen (Docetaxel, Paclitaxel), Irinotecan oder dem Antikörper Ramucirumab/±Paclitaxel bestehen. Bei Patienten, bei denen es nach mehr als drei Monaten nach Erstlinientherapie zu einer Tumorprogression kommt, kann auch ein neuerlicher Therapieversuch mit dem ersten Chemotherapie-Schema in Erwägung gezogen werden. Die Evidenz dafür ist allerdings niedrig. Eine hypofraktionierte Bestrahlung kann eine weitere gute Option zur palliativen Behandlung sein. Für die Effektivität eines dritten Chemotherapiezyklus gibt es derzeit keine Evidenz, auch die Entfernung peritonealer Metastasen wird außerhalb von klinischen Studien derzeit nicht empfohlen. n

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PFLEGE & HOME CARE

Palliativversorgung

Über den Tellerrand u Angesichts demografischer Entwicklungen ist es höchste Zeit, sich mit der optimierten Versorgung von Palliativpatienten auseinanderzusetzen. u Ein Blick nach Deutschland zeigt ähnliche Konzepte mit ähnlichen Erfahrungen und doch zum Teil auch unterschiedlichen Lösungsansätzen.

abine Loos ist stellvertretende koordinierende Brückenschwester des OSP Stuttgart und kennt die Situation der Palliativversorgung in Deutschland mit all ihren Höhen und Tiefen. Mag. Tomasz Tobolski, DGKP, MSc., Palliativbeauftragter der Volkshilfe Wien, erläutert jeweils die österreichischen Unterschiede dazu. „In Deutschland gilt das Motto ‚ambulant vor stationär‘“, schickt Loos voraus. Entsprechend großes Gewicht haben ambulante Dienste wie die Hospizdienste, die Brückenpflege und Palliative Care Teams. Stationäre Palliativstationen und Hospize ergänzen die Vielzahl an Angeboten.

Palliative Versorgungsformen in Deutschland  mbulante Versorgung: A uH  ospizdienste: derzeit etwa 1.500 in Deutschland uB  rückenpflege: nur in Baden-Württemberg; derzeit 22 Teams uP  alliative Care Teams: mehr als 295 Teams für Spezialisierte ­Ambulante

Palliativversorgung (SAPV) Stationäre Versorgung: uP  alliativstationen: bundesweit 304 uS  tationäre Hospize: 221 für Erwachsene, 14 Kinderhospize

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Dennoch werden Versorgungsdefizite registriert, was einerseits daran liegt, dass regionale Lücken bestehen können. Andererseits zählen Kapazitätsmängel im Team, die Unkenntnis der Versorgungsmöglichkeiten oder zu späte Kontaktaufnahme mit den palliativen Versorgern zu den Ursachen. Die Probleme während einer laufenden Versorgung unterscheiden sich kaum von jenen in Österreich.

Hospizdienste großteils ehrenamtlich „Als ambulante Hospizdienste gelten alle Dienste, Gruppen und Initiativen, die Sterbebegleitung und palliativ-pflegerische Beratung für Palliativpatienten, meist in deren häuslicher Umgebung, erbringen“, erklärt Loos und ergänzt: „Ziel der ambulanten Hospizarbeit insgesamt ist es, dem kranken Menschen zu ermöglichen, seine letzte Lebensphase mit größtmöglicher Lebensqualität in seiner gewohnten Umgebung zu verbringen.“ Ähnlich wie in Österreich sind Hospizdienste in Deutschland keine „Leistungserbringer“ im Gesundheitswesen, sondern sie erbringen ihre Leistungen großteils ehrenamtlich. Förderungen durch Krankenkassen sind verfügbar, die Hospizdienste müssen dafür jedoch bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Eine besondere Einrichtung stellen ambulante Kinderhospizdienste dar, bei denen schwerstkranke und sterbende Kinder mit ihren Familien und Kinder von schwerstkranken Familienangehörigen begleitet werden.

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PFLEGE & HOME CARE

Einen Anspruch auf hospizliche Begleitung gibt es in Deutschland nicht – Verfügbarkeit und Ressourcen entscheiden regional höchst unterschiedlich über diese Dienste. Koordiniert werden Hospizdienste von qualifizierten Fachkräften, häufig Pflegefachkräften mit palliativer Zusatzqualifikation. Die regelmäßige Begleitung erfolgt durch ehrenamtliche Mitarbeiter. „Die Tatsachen, dass ‚die Ehrenamtlichen‘ als normale Menschen ins Haus kommen, Zeit mitbringen, zu keiner Versorgungseinrichtung gehören und auch nicht abrechnen müssen, eröffnen oft Zugänge und Gespräche, die professionellen Helfern verschlossen bleiben“, sagt Loos. Ambulante Hospizdienste kommen vorwiegend zum Patienten nach Hause, zu seiner Familie, in Pflegeheime, in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung oder der Kinder- und Jugendhilfe. Sie können Patienten auch in Kliniken besuchen. Hospizdienste sind für Betroffene und ihre Angehörigen kostenfrei.

Palliative Versorgungsformen in ­Österreich

Quelle: HOSPIZ ÖSTERREICH, GÖG/ÖBIG 2004

Brückenpflege®: Finanzierung über Spitäler Die Brückenpflege ist ein Konzept zur Versorgung von schwerstkranken Tumorpatienten in Baden-Württemberg. Sie begleitet schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen von der Klinik nach Hause (Überleitungspflege) und zu Hause bis in den Tod. Brückenpflege ist immer an einen Onkologischen Schwerpunkt (OSP) oder ein Tumorzentrum angegliedert, die Finanzierung erfolgt über das Krankenhausbudget. „Entstanden ist die Brückenpflege durch verschiedene Modellprojekte, die alle das gemeinsame Ziel verfolgten, die Situation schwerkranker und sterbender Tumorpatienten zu verbessern, die verbleibende Lebenszeit zu Hause zu verbringen sowie die Lebensqualität der ­Patienten und deren Familien zu erhöhen“, sagt Loos. „Nach der Modellzeit wurde 1994 die Brückenpflege in die Regelfinanzierung (Umlage Krankenhausbudget) überführt. Gleichzeitig wurden landesweit in Baden-Württemberg 50 Stellen für Brückenschwestern® geschaffen.“ Viele Brückenpflegeteams sind außerdem Teil eines Palliative Care Teams (PCT). Die Arbeit der Brückenpflege unterscheidet sich generell nicht von der eines PCT, außer dass im PCT auch Ärzte mit integriert sind, was bei der Brückenpflege nicht der Fall ist.

Abb. 1: Anzahl Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Abb. 2: Hospiz- und Palliativbetten in Österreich

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PFLEGE & HOME CARE

Mag. Tomasz Tobolski, DGKP, MSc. Palliativbeauftragter der Volkshilfe Wien www.volkshilfe-wien.at Sabine Loos Brückenschwester des OSP Stuttgart www.osp-stuttgart.org

Unterentwickelte Versorgung in ländlichen Bereichen Mag. Tomasz Tobolski, DGKP, MSc., Palliativbeauftragter der Volkshilfe Wien, vergleicht: „Ein ähnliches Modell stellen die Palliativkonsiliardienste in vielen Krankenhäusern Österreichs dar. Sie unterstützen in erster Linie das ärztliche und pflegerische Personal, aber auch Patienten und deren Angehörige. Zu ihren Funktionen gehören unter anderem Schmerztherapie, Symptomkontrolle, psychosoziale Beratung und pflegerische Unterstützung, sie sorgen aber auch dafür, dass der Übergang vom Spital nach Hause so stressfrei wie möglich erfolgt. In einigen Bundesländern erfolgt danach in der unmittelbaren Umgebung eine weitere ambulante Unterstützung – besonders im ländlichen Raum, da hier die Versorgung mit Palliativstationen und Hospizen schlechter ist.“

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung Im Jahr 2007 wurde als individueller Leistungsanspruch die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) eingerichtet, die jedem Versicherten in Deutschland das Recht gibt, diese Versorgungsform zu nutzen. Die SAPV soll auch jenen Patienten eine Versorgung und Betreuung zu Hause ermöglichen, die einen besonders aufwendigen Betreuungsbedarf haben. Loos sagt dazu: „Damit wurde vom Gesetzgeber die Chance für den Ausbau und die Verbesserung der ambulanten Versorgung eröffnet. In den meisten Bundesländern wurden inzwischen SAPV-Strukturen aufgebaut, eine flächendeckende Umsetzung ist jedoch bislang bei Weitem noch nicht erreicht.“ Die Umsetzung ist in den Bundesländern höchst unterschiedlich. „Mobile Palliativdienste könnte man als das österreichische Gegenstück zur deutschen SAPV betrachten“, sagt Tobolski.

Palliativstationen in Krankenhäusern Palliativstationen in Krankenhäusern sind eigenständige, in ein Krankenhaus integrierte spezialisierte Einrichtungen zur Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen, die einer Krankenhausbehandlung bedürfen. Ziele der Behandlung sind eine Verbesserung oder Stabilisierung der jeweiligen Krankheitssituation sowie die anschließende Entlassung – soweit möglich – nach Hause. „Merkmal ist auch auf Palliativstationen der ganzheitliche, multiprofessionelle Betreuungsansatz; neben der palliativärztlichen und palliativpflegerischen Betreuung erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen wie Seelsorgern, Sozialarbeitern oder Psychologen. In vielen Palliativstationen erfolgt auch eine Begleitung durch Ehrenamtliche“, erläutert Loos. Zunehmende Bedeutung in der Krankenhausversorgung habe die Einrichtung pal-

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liativmedizinischer, zum Teil auch multiprofessionell und einrichtungsübergreifend arbeitender Konsiliardienste, die häufig an Palliativstationen angebunden seien. Der Bedarf wird in Deutschland auf derzeit insgesamt 50 Betten je 1 Million Einwohner geschätzt, international wird er zum Teil mit 80 bis 100 Betten je 1 Million Einwohner angegeben. Derzeit stehen etwa 40 Betten je 1 Million Einwohner zur Verfügung.

Stationäre Hospize „Stationäre Hospize sind baulich, organisatorisch und wirtschaftlich eigenständige Einrichtungen mit separatem Personal und Konzept. Sie verfügen mindestens über acht und in der Regel höchstens über 16 Betten. Stationäre Kinderhospize sind speziell auf die Bedürfnisse lebensverkürzend erkrankter Kinder ausgerichtet“, sagt Loos. Eine ganzheitliche Pflege und Versorgung werde durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizes in Zusammenarbeit mit palliativmedizinisch erfahrenen (Haus-)Ärzten gewährleistet. Das erste stationäre Hospiz Deutschlands wurde 1986 in Aachen eröffnet. „In Österreich ist die Finanzierung stationärer Hospize Landessache. Sie unterliegen dem Pflegebereich und der wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In Wien sind stationäre Hospize derzeit nicht zu finden, da derart gelagerte Einrichtungen vor einigen Jahren in Palliativstationen umbenannt wurden. Grundsätzlich erfüllen sie jedoch fast dieselben Funktionen wie Hospize und arbeiten nach denselben Prinzipien. Insgesamt gibt es in Österreich nur zehn Hospizstationen – das ist ganz sicher nicht genug“, gibt Tobolski Einblick. Seit 2013 gibt es ein österreichweit akkordiertes Konzept für die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit vier spezialisierten Versorgungsangeboten: mobile Kinder-Palliativteams für die Betreuung zu Hause, Kinder-Hospizteams mit ehrenamtlichen Hospizbegleitern, stationäre Kinder-Hospize und pädiatrische Palliativbetten an den Kinder-/Jugendlichen-Abteilungen in Akut-Krankenanstalten. Der Bedarf ist derzeit nicht einmal annähernd gedeckt. Voraussetzung für die Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist, dass der Patient an einer Erkrankung leidet, die progredient verläuft und bei dem eine Heilung ausgeschlossen ist. Hauptund ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizes versorgen in Zusammenarbeit mit palliativmedizinisch erfahrenen Ärzten schwerstkranke Patienten ganzheitlich. Seit 2009 sind Patienten von einem 5%igen Selbstbehalt befreit. Krankenkassen und Hospiz übernehmen die Kosten. Versorgungsdefizite – kein Versorger in der Nähe, Kapazitätsmängel im Team, Unkenntnis der Versorgungsmöglichkeiten oder zu späte Kontaktaufnahme – sowie gängige Probleme bei der laufenden n Versorgung bestehen auch hier. 


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PFLEGE & HOME CARE

Herausforderungen in der Pflege u Mit einem Anteil von rund 65 Prozent sind Gesundheits- und Krankenpflegepersonen die größte Gruppe der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe. u Ihre Bedeutung spiegelt sich aber nach Ansicht von Experten nicht in der passenden Verankerung im System wider. u Die Politik ist dringend gefordert, wenn es darum geht, das Image des Pflegeberufes zu verbessern.

D

ie Krankenpflege ist derzeit in einer Umbruchsituation, man- wird künftig eine besondere Bedeutung zukommen und dies che sehen es gar als „Krise“, denn Themen wie hohe Belas- sollte seitens der Politik unterstützt werden. Allerdings ist gegentungen, Personalmangel oder stagnierende Berufsreformversu- wärtig davon wenig zu spüren, denn die zur Schau gestellte Geche bei gleichzeitigen Pflegeskandalen machen das ohnehin ringschätzung der Arbeitsleistung der Pflege bewirkt das Gegenangekratzte Image der Berufsgruppe nicht besser. Die Themen teil. Anstelle von guten Strukturen bauen wir Kontrollstrukturen sind in der Medizin nicht neu und wurden in den letzten Jahren auf. Dieser Akt der Bürokratisierung zeugt aber nur von Fühvor allem von den Ärzten für sich beansprucht. Jetzt werden Dis- rungsschwäche. Der Umstand, dass die Best-Practice-Länder kussionen auch vonseiten der Pflege lauter und bildeten kürzlich Europas eine weitaus höhere Dichte an Pflege- und Betreuungsplätzen aufweisen, deutlich höhere Ausden Ausgangspunkt für einen zukunftsoriengaben für Leistungen für die älteren Mittierten Dialog des Karl Landsteiner Instituts menschen in Kauf nehmen und letztlich für Human Factors & Human Resources im auch ein deutlich besseres Image der PfleGesundheitswesen. Im Mittelpunkt stand die „Ich bin immer wieder mit in der Gesellschaft vorSituation der Pflege zwischen ProfessionaliBeschwerden konfrontiert, geeinrichtungen herrscht, sollte uns zu denken geben.“ sierung, Pflegenotstand, Arbeitsbelastung, die deutlich zeigen, dass Wertschätzung und Reformwillen.

Mehr Wertschätzung gefragt

es im Bereich der Pflege an Ressourcen mangelt.“

Arbeitsverdichtung führt zu ­Beschwerden

Mehr Kontrollstrukturen anstelle funktionieDass es an der Zeit ist, dass sich die größDr. Sigrid Pilz render Hintergrundstrukturen sind keine Löte Gruppe im Gesundheitswesen ihrer sung für die anstehenden Probleme, sind sich Stellung bewusst wird, fordert auch Dr. die Experten jedenfalls einig. „Wir stehen vor Sigrid Pilz, Wiener Patienten- und Pflegroßen gesellschaftlichen Herausforderungen, zu deren Bewälti- geanwältin: „Ich bin immer wieder mit Beschwerden konfrongung die Pflege lediglich dann einen Beitrag leisten kann, wenn tiert, die deutlich zeigen, dass es im Bereich der Pflege an Resdazu adäquate Strukturen vorgesehen werden“, stellt zum Bei- sourcen mangelt. Das Pflegepersonal berichtet von extremer spiel Markus Mattersberger, Präsident von Lebenswelt Heim, Arbeitsverdichtung in den letzten Jahren, den zunehmenden dem Bundesverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs, psychischen und physischen Belastungen sowie schlechter werfest. Er ist überzeugt, dass es ohne multiprofessionelle Zusam- denden Arbeitsbedingungen. Trotz der hochqualifizierten Ausmenarbeit und gut ausgebildetes Pflegepersonal nicht gehen bildung und verantwortungsvollen Tätigkeiten nimmt das Hierwird. Derzeit wird nach Einschätzung der Öffentlichkeit auf archiegefälle, das Pflegekräfte im Arbeitsalltag zu ‚ärztlichen Skandale fokussiert, die zwar ein Bild zeigen, aber das Große Hilfskräften‘ degradiert, zu.“ Dass diese Rahmenbedingungen und Ganze nicht abbilden. „Der Attraktivierung der Pflegeberufe die Ausbildung in einem Pflegeberuf für viele junge Menschen

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Dr. Sigrid Pilz, Wiener Patienten- und Pflegeanwältin Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes

unattraktiv macht, liegt auf der Hand. Gleichzeitig steigt der Be- Österreich ist kaum vorhanden. Flächendeckende Daten auf Bundesebene fehlen als notwendige Grundlage für passgenaue darf an gut ausgebildeten Pflegepersonen weiter an. Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- Interventionen im Bereich der Organisationsentwicklung. und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), zeigt anhand von Zahlen Mehr psychosoziale Unterstützungsprogramme wie fix impleden enormen Umfang der zu erbringenden Pflegeleistungen auf: mentierte Arbeitspsychologen, regelmäßige Teamentwicklun„Laut Statistik Austria leiden in Österreich 2,6 Millionen Men- gen, Sensibilisierung für psychosoziale Themen, eine Bereitschen an mindestens einer chronischen Erkrankung und im Jahr schaft für Supervision und Beratung und die laufende 2040 werden 27,2 Prozent der österreichischen Bevölkerung Weiterbildung der Mitarbeiter, aber auch die effiziente Orga­ über 65 Jahre alt sein.“ Mit einem Anteil von rund 65 Prozent nisationsentwicklung wären nach Einschätzung von Schmiedl sind Gesundheits- und Krankenpflegepersonen zwar die größte jedoch dringend notwendig. Gruppe der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe, ihre be- Dr. Heidi Pacher, Geschäftsbereichsleiterin der Volksanwaltdeutenden und zentralen Aufgaben im Gesundheitssystem wer- schaft, hält fest: „Die Einwohnerzahl Österreichs wächst, gleichden jedoch noch nicht ausreichend unter dem Aspekt der demo- zeitig altert die Bevölkerung. In Pflegeinstitutionen kommt es dementsprechend vermehrt zur Aufnahme grafischen Entwicklung betrachtet. Um den von multimorbiden Personen, Menschen gesellschaftlichen Veränderungen und den immer rascheren Entwicklungen des medi„Kompetente Gesundheits- mit Demenz oder anderen psychischen Erund Behinderungen. Dies stellt zinischen Bereiches mit pflegerischem und Krankenpflegepersonen krankungen hohe Anforderungen sowohl an die Präsenz Fachwissen begegnen zu können, bemüht werden in den kommenden als auch fachliche und soziale Kompetensich der ÖGKV um eine Reihe von Qualizen von Pflege- und Betreuungspersonal. tätsverbesserungen. Konkret sind es ReforJahren zunehmend von der Politik gestalteten Rahmenbemen rund um die Berufsausbildung sowie ­komplexere Pflegesituatio- Die dingungen tragen dem nicht Rechnung!“ der verpflichtende Eintrag aller Gesundnen zu bewältigen haben Das Missverhältnis zwischen steigenden heits- und Krankenpflegepersonen in das Gesundheitsberuferegister. „Kompetente und vermehrt medizinische Herausforderungen und den tatsächlichen personellen Ressourcen in Einrichtungen Gesundheits- und Krankenpflegepersonen Routinetätigkeiten wird von allen Kommissionen der Volksanwerden in den kommenden Jahren zuneh­übernehmen müssen.“ waltschaft wahrgenommen. „Wir appelliemend komplexere Pflegesituationen zu beren an die gesamtstaatliche Verantwortung wältigen haben und vermehrt medizinische Ursula Frohner von Bund und Ländern und fordern bundesRoutinetätigkeiten übernehmen müssen. einheitliche Mindeststandards und eine arGleichzeitig werden nach aktuellen Berechbeits- und pflegewissenschaftliche Bewernungen im Jahr 2030 etwa 30.000 ausgebildete Pflegepersonen fehlen. Es ist also hoch an der Zeit, nachhal- tung aktueller qualitativer und quantitativer Anforderungen in tige Versorgungskonzepte sowie Rahmenbedingungen, die mit der stationären Langzeitpflege.“ anderen Gesundheitsberufen auf gleicher Stufe stehen und dem Die Rolle der Volksanwaltschaft in der Pflegediskussion leitet erforderlichen Handlungsspektrum der Gesundheits- und Kran- sich aus der Aufgabe zur „präventiven Menschenrechtskontrolkenpflege entsprechen, zu implementieren“, fordert Frohner le“ ab. Die Volksanwaltschaft ist seit dem 1. Juli 2012 für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte in Österreich zunachdrücklich. ständig. Gemeinsam mit sechs regionalen Kommissionen werden Einrichtungen kontrolliert, in denen es zum Entzug oder zur Daten und Fakten fehlen Einschränkung der persönlichen Freiheit kommt oder kommen „Europäische Gesundheitsstatistiken zeigen, dass pflegende kann, so zum Beispiel auch in Pflegeheimen oder Einrichtungen Mitarbeiter in der stationären Altenpflege einen bedeutsam und Programme für Menschen mit Behinderungen. Im Kern schlechteren psychophysischen Gesundheitszustand aufweisen geht es darum, Risikofaktoren für Menschenrechtsverletzungen als andere Berufsgruppen“, stellt Mag. Sigrid Schmiedl, Ar- frühzeitig zu erkennen und abzustellen. Eine laufend aktualisierbeits- und Organisationspsychologin von APSC Business So- te Übersicht über festgestellte Missstände in der Bundesverwallutions, fest und ergänzt ihre Erfahrung aus zahlreichen Einzel- tung bzw. der Landes- und Gemeindeverwaltung sowie über die gesprächen: „Eine Zunahme bei der Arbeitsmenge, Zeitdruck, diesbezüglichen Veranlassungen der Volksanwaltschaft sind onLärm, Konflikte, schlechtes Teamklima bei geringer Anerken- line abrufbar: http://volksanwaltschaft.gv.at/berichte-und-pruefnung und Wertschätzung kennzeichnen den Alltag.“ Doch: ergebnisse/aktuelle-missstaende  n Evidenz im Sinne empirischer Daten zum aktuellen WissensQuelle: Gesundheitspolitisches Sonderforum „Pflege im Fokus“, Karl Landsteiner Institut für Human stand im Bereich beruflicher Belastungen von Pflegekräften in Factors & Human Resources im Gesundheitswesen, Juni 2017, Wien

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NEWS Interdisziplinarität

4. APUPA Symposium Dekubitusprävention in der Sitzposition 16. November 2017, Graz Dem Sitzen, sei es im Bett oder auf den unterschiedlichsten Sitzmöbeln, wird eine große Bedeutung bei der Positionsauswahl zugemessen. Für Betroffene wie auch für Angehörige oder Bezugspersonen resultiert eine sitzende Position oftmals in einer völlig veränderten Wahrnehmung und Teilhabe an der Umwelt. Diese äußerst wichtige Ressource gilt es zu erhalten, zu fördern und als erstrebenswert zu vermitteln. Wie hoch die Akzeptanz und Effektivität dieser Körperposition tatsächlich ist, hängt jedoch maßgeblich von der Handlungskompetenz der Kollegen in der Praxis ab. Körperschonende und kreative Möglichkeiten zur Vorbeugung von Druckstellen aufzuzeigen und anzuwenden, erfordert natürlich entsprechendes Fachwissen und Praxiserfahrung. Die Vorträge und Präsentationen der Referenten werden die Thematik der Dekubitus­ prävention mit dem Fokus auf der Sitzpo­ sition aus verschiedenen Blickwinkeln aufgreifen. Ziel ist es, Personen aus unterschiedlichen Berufsgruppen über die Möglichkeiten und Risiken bei der Gestaltung und Ausführung einer sitzenden Körperposition zu informieren. www.apupa.at

Am Rudolfinerhaus in Wien Döbling nahm kürzlich die interdisziplinäre Burnout-Ambulanz ihren Betrieb auf. Der Schwerpunkt unter der Leitung des Psychiaters, Neurologen und Psychotherapeuten Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek liegt auf klinischer, psychiatrischer sowie psychopathologischer Ursachenabklärung und Diagnosestellung in Zusammenhang mit entsprechenden Krankheitsbildern. In der Burnout-Ambulanz am Rudolfinerhaus sind alle zur Abklärung und Therapie erforderlichen medizinischen Fach-

bereiche unter einem Dach vereint. Diese multidisziplinäre Zusammenarbeit umfasst Psychiater, Neurologen, Psychologen sowie physikalische Mediziner, Therapeuten oder Diätologen und – bedarfsweise – jede weitere Fachrichtung. Da es sich um eine Privatambulanz handelt, bedarf es zudem keiner ärztlichen Überweisung und Termine werden – gegen telefonische Voranmeldung – kurzfristig vergeben. So kann die optimale Versorgung gewährleistet werden. Die Leistungen der Burnout-Ambulanz umfassen die Bereiche Vorsorge, gezielte Behandlung und Rückfallprophylaxe. www.rudolfinerhaus.at

Praktische Pflegeausbildung an modernsten Simulatoren Das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz wurde 2016 novelliert und die Berufsbezeichnung Pflegehilfe durch Pflegeassistenz ersetzt. Diese Neuerung ermöglicht es Pflegeassistenten, neue Kompetenzbereiche nach entsprechender Fortbildung zu übernehmen. Die dafür vorgesehenen Fortbildungsveranstaltungen werden vom Ausbildungsbereich Pflege der Johanniter Tirol angeboten. Die neuen Fortbildungsinhalte umfassen unter anderem das neue Berufsrecht, Blutentnahme aus der Vene, Absaugen aus den oberen Atemwegen sowie dem Tracheostoma, Mikro- und Einmalklistieren und die Verabreichung von Arzneimitteln sowie Mitwirkung bei der Pflegeeinschätzung („Assessment“). Den praktischen Übungen kommt bei den Zusatzqualifikationen besondere Bedeutung zu. Um die neuen Aufgabenbereiche in der gewohnt hohen Ausbildungsqualität in Theorie

und Praxis schulen zu können, wurde in modernste Trainingssimulatoren investiert. „Unseren Kursbesuchern stehen ein Trainingsarm für die Blutabnahme und ein Torso zum Üben des Absaugens aus den oberen Atemwegen zur Verfügung“, erklärt Nicole Raslagg, Leitung Ausbildungsbereich Pflege. „Im Rahmen dieses Fortbildungsangebotes bieten wir auf Wunsch zusätzlich eine Auffrischungsschulung für lebensrettende Sofortmaßnahmen inklusive Frühdefibrillation an. Auch hier trainieren wir an hochwertigen Reanimationspuppen mit LED-Visualisierung.“ Alle Fortbildungsangebote für die erweiterten Kompetenzbereiche der Pflegeassistenz werden nach individuellen Bedürfnissen, wie zum Beispiel Schulungsort, Termin etc., ­geplant und organisiert.  Anfragen an: pflegeausbildung.tirol@johanniter.at, Tel. 0512/24 11 DW 71.

13.-15. Oktober 2017, Linz Aus dem Inhalt: Selbstbewusste Pflege * Integriere Versorgung * GuKG-Reform * Schmerzmanagement * Neue Betreuungskonzepte und Wohnformen * Intra- und extramurale Vernetzung * Strategien gegen den Fachkräftemangel * Edukation von Patienten und Angehörigen * Arbeitszeitgestaltung * Robotik in der Pflege * Professionalisierung durch Technik * Gewaltprävention im Krankenhaus * Qualität in der Langzeitpflege www.pflegekongress.at

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15-jähriges Jubiläum – pflegekongress17 „Selbst:Bewusste Pflege“


PFLEGENEWS

Nominierungen sind noch bis zum 26. Oktober 2017 möglich.

„PflegerIn mit Herz“ 2017 Bereits zum sechsten Mal in Folge sucht die prominent unterstützte Initiative „PflegerIn mit Herz“ Österreichs beste und beliebteste Pfleger. Heuer werden erstmals Gewinner in drei Kategorien prämiert: Personen, die in Pflegeund Betreuungsberufen tätig sind, 24-Stunden-Betreuer und pflegende Angehörige. Nominierungen sind – online und postalisch – bis zum 26. Oktober 2017 möglich. Demografische und gesellschaftliche Entwicklungen zeigen, dass das Thema Pflege ungebrochen im Trend liegt und in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Um auf die Bedeu-

Online-Training in der ­Ernährungstherapie

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Das von der FH St. Pölten geleitete EU-Projekt IMPECD (Improvement of Education and Competences in Dietetics) entwickelt einheitliche Standards für die Ernährungstherapie in Europa. Vor Kurzem fanden die ersten Tests an virtuellen Patienten statt. IMPECD entwirft einheitliche Standards für die Ernährungstherapie in Form eines frei zugänglichen Online-Kurses (Massive Open Online Course – MOOC). MOOC sind offene OnlineKurse und -Vorlesungen mit einer meist großen Anzahl an Teilnehmenden. Solche Kurse werden seit einigen Jahren von Hochschulen verstärkt eingesetzt. Im Projekt IMPECD wird ein MOOC gestaltet, mit dem Diätologen an virtuellen Patienten trainieren können. Der Kurs wird nach Abschluss des Projekts 2018 für Hochschulen frei zugänglich sein. „Diese innovative Lernmöglichkeit fördert die Qualität in Studium

tung des Pflegethemas aufmerksam zu machen, rief der Wiener Städtische Versicherungsverein gemeinsam mit der Wiener Städtischen Versicherung 2012 die Initiative „PflegerIn mit Herz“ ins Leben. „Zahlreiche Pfleger stellen ihr eigenes Leben in den Hintergrund, um Tag für Tag für ihre pflegebedürftigen Mitmenschen da zu sein und sich aufopferungsvoll um sie zu kümmern. Dieses unvergleichbare Engagement wollen wir mit dieser Initiative auf ganz besondere Weise honorieren“, sagt Dr. Günter Geyer, Präsident des Vereins „PflegerIn mit Herz“ und Vorstandsvorsitzender des Wiener Städtischen Versicherungsvereins. Zu den Partnern der ersten Stun-

und Beruf sowie den internationalen Austausch. Hoch qualifiziertes Personal ist die Schlüsselressource des Gesundheitssektors. Das Projekt IMPECD zielt auf eine Qualitätssteigerung in der Ausbildung und Expertise von Diätologen ab“, erklärt Projektleiterin FH-Prof. Alexandra Kolm, MSc, vom Institut für Gesundheitswissenschaften der FH St. Pölten. Die FH St. Pölten kooperiert dazu im Projekt mit Hochschulen aus Antwerpen (B), Fulda (D), Groningen (NL) sowie Neubrandenburg (D) und entwickelt gemeinsam mit diesen fünf virtuelle klinische Fallbeispiele. Erste Tests und eine Evaluierung der virtuellen Patientenfälle im MOOC fanden vor Kurzem während eines Intensive-Study-Programmes zum internatio­ nalen Austausch in Antwerpen statt. „Die ­Anwendung europäischer Leitlinien für die Ernährungstherapie ist durchaus eine Heraus­ forderung, da neben der sprachlichen Barriere auch die Fähigkeit gefordert ist, theoretisches Wissen an einem realen Fallbeispiel anzuwenden“, berichtet FH-Prof. Daniela WewerkaKreimel, MBA, stellvertretende Leiterin des

de zählen das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz sowie die Erste Bank und Sparkassen. Die Wirtschaftskammern Österreichs und die Bundesarbeitskammer fördern seit 2014 die Initiative. Aktuelle Zahlen belegen die Relevanz des Themas Pflege: Rund 454.500 Österreicher beziehen heute Pflegegeld. Im Vergleich zu 2005, als es 381.000 Österreicher waren, bedeutet dies einen Anstieg von rund 20 Prozent. „Das österreichische Pflegesystem bietet eine Vielzahl an Unterstützungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Doch das beste System kann nur bestehen, wenn es Menschen gibt, die sich der Pflege anderer annehmen“, weist Alois Stöger, Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, auf die Relevanz pflegender Angehöriger im österreichischen Pflegesystem hin. Mehr als 436.000 Menschen kümmern sich um hilfsbedürftige Verwandte oder Bekannte – Einsatz, der Anerkennung verdient. Aus diesem Grund gibt es heuer mit „Pflegende Angehörige“ eine zusätzliche, dritte Kategorie. Damit werden dieses Jahr erstmals drei Pfleger pro Bundesland und somit insgesamt 27 Gewinner ausgezeichnet. https://pflegerin-mit-herz.at/start/

Studiengangs Diätologie an der FH St. Pölten, die die Fallbeispiele mitentwickelt hat. Der Kurs wird auf Englisch entwickelt – eine Voraussetzung für die internationale Vernetzung der Studierenden. https://impecd.fhstp.ac.at

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PRODUKTNEWS

© Stefan Renner

keit und Anwendung bei der Anbindung an bestehende Systeme optimal definiert werden. So lassen sich zum Beispiel Monitore optimal positionieren und sicher in der gewünschten Höhe fixieren. Durch eine spezielle Aluminiumlegierung reduziert sich zudem das Eigengewicht der Tragarme deutlich. Dieser Vorteil wirkt sich vor allem bei Anbindungen an mobile Systeme aus.  www.cim-med.com

Medizinische Trägersysteme von CIM med® ausgezeichnet Die höhenverstellbaren Trägersysteme der SSerie von CIM med® gehören in der Kategorie Medizintechnik zu den Besten des „Industriepreis 2017“. Mit diesem Award werden jährlich besonders fortschrittliche Industrieprodukte mit einem hohen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, technologischen und ökologischen Nutzen ausgezeichnet. Die neue S-Serie punktet unter anderem mit ihrem optimierten Design, der bedienerfreundlichen Installation sowie einem hohen Platzangebot für Kabel im Innern der Tragarme. Die eigens von CIM med® entwickelte und in allen Tragarmen inte­grierte Kabelführung schützt die Kabel vor Beschädigung, stellt eine einwandfreie Stromversorgung sicher und bietet hinsichtlich der Hygiene- und Infektionsprävention enorme Vorteile, da Keime sich nicht an freiliegenden Kabeln ansiedeln können. Wie alle Produkte von CIM med® verfügen auch die Tragarme dieser Generation über einen sechsfachen Sicherheitsstandard bei einem Maximalgewicht von 22 Kilogramm. Darüber hinaus verbessert die Begrenzung des Schwenkbereichs die Kippstabilität in Kombination der Tragarme mit mobilen Gerätewagen oder Narkosegeräten. Der innen liegende Rotationsanschlag kann zudem individuell umgesetzt und damit der Drehwinkel innerhalb des 310-Grad-Bewegungsradius je nach Notwendig-

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Adhärenz leicht gemacht Bei obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD ist die inhalative Applikation von Medikamenten ein zentraler Baustein der Therapie. Aufgrund fehlerhafter Handhabung der Inhalationssysteme kann sie ihr Potenzial allerdings bei einem Großteil der Patienten nicht voll entfalten. Mit dem InnoSpire Go bringt Philips nun einen tragbaren Mesh-Vernebler der nächsten Generation auf den Markt, der die ausreichende Wirkstoffdeposition im Sinne der Adhärenz noch einfacher und komfortabler macht. Hohe lokale Wirkstoffkonzentration, rasche Linderung der Symptome und geringe systemische Nebenwirkungen – die theoretischen Vorteile der Inhalationstherapie bei obstruktiven Atemwegs­ erkrankungen sprechen für sich. In der alltäglichen Praxis führen die unterschiedlichen Funktionalitäten der zur Verfügung stehenden

Oft sind Patienten mit dem korrekten Gebrauch der Dosieraerosole überfordert.

Applikationssysteme jedoch häufig zu Anwendungsfehlern. Die Folgen sind eine schlechtere Symptomkontrolle, eine erhöhte Exazerbationsrate und häufigere Arztkontakte. Studien bestätigen, dass der korrekte Gebrauch von Dosieraerosolen die meisten Patienten überfordert. Bei Verneblern wie dem InnoSpire Go gelingt die Wirkstoffdeposition auch ohne gute Koordinationsfähigkeit und spezielles Inhalationsmanöver. Der integrierte wieder wiederaufladbare Lithium­-Ionen-Akku liefert Energie für bis zu 30 Inhalationen. Die Therapie ist auch während des Ladevorgangs möglich. Akustische und visuelle Signale zeigen den Abschluss der Behandlung an, bevor das Gerät sich selbst ausschaltet. Der anwenderfreundliche zweiteilige Aufbau erleichtert die Reinigung und Pflege. Für Kinder und Erwachsene, die nicht mit dem Mundstück inhalieren können, sind LiteTouch-Masken in drei Größen erhältlich. www.philips.de/innospire-go

Sanova vor Übernahme von Menges Sanova GesmbH, Dienstleister auf dem österreichischen Gesundheitsmarkt, hat eine Verein­ barung zur Übernahme der Menges Medizintechnik GmbH, Medizinproduktehändler für Radiologie und den OP-Bereich, unterzeichnet. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde muss der Übernahme noch zustimmen. „Der Zukauf von Menges ergänzt unser bestehendes Geschäftsmodell und stärkt sowohl die Vertriebs- und Servicekraft als auch unser Produkt­ angebot“, sagt Wolfgang Wacek, Geschäftsführer von Sanova. „Die Übernahme wird unseren Zugang zum österreichischen Krankenhausmarkt festigen, unseren Kunden eine größere Flexibilität und erweiterten Service bieten und Herstellern die Möglichkeit eröffnen, unsere effiziente und professionelle Vertriebs- und Marketingstruktur zu nutzen.“ Sanova ist seit über 70 Jahren im österreichischen Gesundheitsmarkt in den Bereichen Medizintechnik, Pharma, OTC und Pharmalogistik tätig. Im Bereich Medizintechnik ist Sanova mit führenden Produktlinien für das Pathologielabor, die Point-ofCare-Diagnostik, die Sonografie und die Anäs-


Studie: Molekulardiagnostik-Markt Der westeuropäische Markt für Molekulardiagnostik (MDx) wird trotz zahlreicher Herausforderungen weiter wachsen. Moderne MultiplexingVerfahren, schnelles Wachstum in der Onkologie, der Bedarf an patientennahen, sogenannten Point-of-Care-Tests (POCT) und Veränderungen in der In-vitro-Diagnostik (IVD) sorgen für eine hohe Nutzungsrate an MDx. Anbieter müssen die richtige Mischung aus der Erschwinglichkeit für den Verbraucher und dem Testvolumen finden, um ihre Kundenbasis zu erweitern. Neben Initiativen in der Forschung und Entwicklung (F&E), Partnerschaften, Rückerstattungsmöglichkeiten und gesetzlichen Zulassungen konzentrieren sich die Top-Player auch auf die Einbeziehung von Strategien zum geistigen Eigentum, um die Vermarktung zu beschleunigen. Das Frost & Sullivan Growth Partnership Service Programm Life Sciences hat mit der Studie „Western European Molecular Diagnostics Market“ das Wachstumspotenzial des westeuropäischen Marktes für Molekulardiagnostik untersucht und die strategischen Maßnahmen verschiedener wichtiger Player im Markt wie Roche, Thermofisher, Siemens, Illumina und Agilent vorgestellt. Die Studie präsentiert Marktteilnehmer aus den Bereichen Life Sciences, Invitro-Diagnostik oder Forschungsunternehmen sowie Wettbewerber im POCT-Markt. Der Markt erreichte 1,79 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 und wird voraussichtlich bis 2020 auf 3,08 Milliarden US-Dollar bei einer durch-

Führungswechsel Christiane Grün, 56, leitet seit dem 1. August 2017 als Managing Director die D-A-CH-Region des Multitechnologiekonzerns 3M. Die Lebensmitteltechnologin folgt auf Dr. John Banovetz, der zum weltweiten Forschungschef des Unternehmens ernannt wurde, und verantwortet aus Neuss (D) das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz.  www.3M.de

© Dräger

schnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 11,5 Prozent anwachsen. Die Trends im westeuropäischen MDx-Markt zeichnen sich deutlich ab: MDx-Tests werden schneller, genauer und kostengünstiger; neue Geschäftsmodelle nutzen Social Media, um F&E-Entscheidungen sowie Analysen zur Optimierung von klinischen Studien zu beschleunigen; die Genauigkeit und Effizienz von MDx kann das POC-Portfolio auf der molekularen Ebene mit Schwerpunkt auf Onkologie und Pharmakogenomik verbessern; es vollzieht sich ein Übergang von der Computerund Molekularbiologie hin zu den „Omics“, die Genomik und Proteomik mit hohem Volumen und hohem Durchsatz durch Array-basierte Technologien kombinieren; Cloud-basierte, durch intuitive Systeme gestützte Datenbanken werden eingesetzt, um Proben zu untersuchen, und sorgen für das Wachstum bei automatisierten MDx-Test-Systemen. www.frost.com

Cyber-Sicherheit Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe sind für Krankenhäuser als Betreiber kritischer Infrastrukturen im Bereich des Gesundheitswesens auch rechtlich geboten: Mit Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft, mit der Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu 4 % des gesamten weltweiten Vorjahresumsatzes eines Unternehmens drohen (Art. 83 EU-DSGVO). Dräger bietet dazu umfassende Lösungen zur Erhöhung der CyberSicherheit im Krankenhaus: von Patientendaten-Managementsystemen (PDMS) über sichere Datenschnittstellen bis hin zu Beratung und Service. Das Programm umfasst außerdem stationäre, drahtlose und mobile MonitoringLösungen, kostengünstige geteilte Netzwerkinfrastruktur sowie Lösungen für die lückenlose Übertragung von Monitoring-Daten.  https://www.draeger.com/at_Cybersicherheit

Übernahme

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thesie ein starker Distributor mit einem exzellenten technischen Serviceteam. Sanova ist mit einem Umsatz von über 160 Millionen Euro und mit über 130 Mitarbeitern Teil der Herba-Chemosan-Unternehmensgruppe. Menges, mit Sitz in Gallspach (OÖ), wurde 2003 gegründet und verfügt über weitere Standorte in der Schweiz und in Tschechien. Menges hat sich, mit einem Umsatz von über 14 Millionen Euro und derzeit rund 50 Mitarbeitern, mit Produktlinien für die Radiologie, Urologie, Pulmologie, Anästhesie, Endoskopie und den OP (Operationsraum) sowie mit einem sehr starken Serviceteam sehr dynamisch zu einem führenden Medizintechnik-Distributor entwickelt. www.sanova.at

Cardinal Health hat kürzlich die Übernahme des Geschäftsbereiches Patient Care, Deep Vein Thrombosis and Nutritional Insufficiency von Medtronic bekannt gegeben. Die Integration und Umstellung soll im Lauf der nächsten 18 Monate abgeschlossen werden. Mit dem Erwerb des Geschäftsbereichs von Medtronic hat das Unternehmen ca. 50.000 Mitarbeiter in fast 60 Ländern.  www.cardinalhealth.com

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KONGRESSE uu AUSBLICK „Vernetzung in der Notfall- und Katastrophenmedizin“ 17. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin 16. und 17. Oktober 2017, Bad Hofgastein Spitäler erleben Zeiten des Umbruchs: Die personellen und finanziellen Ressourcen werden knapper, die Herausforderungen durch Spezialisierungen in der Medizin steigen. Die Katastrophenszenarien durch Naturereignisse, Kriegsauswirkungen und Terrorismus werden umfangreicher und anspruchsvoller, und zwar sowohl für die Organisation als auch für die Finanzierung. Das Motto „Vernetzung in der Notfall- und Katastrophenmedizin“ drückt einerseits aus, dass sowohl Notfall- als auch Katastrophenmedizin thematisiert werden, andererseits, dass der Vernetzung die Zukunft gehört. Nur im Zustand der engen Vernetzung aller beteiligten Berufsgruppen können diese Herausforderungen effizient bewältigt werden. Die Themen reichen von ACS bis Reanimation, von Atemwegsnotfällen beim Kleinkind bis zu Notfällen beim Palliativpatienten, von innerhospitaler Notfallmedizin bis zur Sicht des Finanzreferenten des Landes, von Berichten aus Kriegsgebieten, Naturkatastrophen und Erfahrungen aus der europäischen Übung Taranis bis zur Organisation des Katastrophenschutzes auf Bundeslandebene, von Kommunikation in Stresssituationen bis Verhalten im Eisenbahnbereich, von der Etablierung des ersten Traumanetzwerks in Österreich bis zu speziellen Aspekten des Airwaymanagementes.

Bei den Workshops werden unter anderem Megacodetraining, ALS, Reanimation, Kinderreanimation, Kindernotfälle, Airwaymanagement, Lagerungstechniken (ev. Bergung im Gelände), Intraossärer Zugang, End-of-Life Deci­ sion und CRM angeboten.  www.notarztkongress.at

Workshop Ärzte – Forscher – Firmen Interdisziplinäre Lösungsansätze für die Medizintechnik 18. Oktober 2017, Kepler Universität Linz Das erfolgreiche Eventformat Workshop „Ärzte – Forscher – Firmen“ der Initiative Digital MedTech (IDM) und der Initiative MedTech.Transfer geht in diesem Jahr in die nächste Runde. Ziel des Workshops ist der interdisziplinäre Wissenstransfer innerhalb der oberösterreichischen MedTech-Szene und die Entwicklung von Kooperationen und Projekten. Neben einer Key­ note zum Thema Kooperation und Innovation sowie der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen steht der Wissensaustausch im Zentrum der interaktiven Workshops.  www.medizintechnik-cluster.at

COMPAMED 2017 13.-16. November 2017, Düsseldorf Das Europäische Patentamt verzeichnet aus keiner Branche mehr Patentanmeldungen als aus der Medizintechnik. Das stetige Marktwachstum wird sich auch künftig fortsetzen und neben der Innovationskraft der Anbieter und eines weltweit insgesamt gesteigerten Interesses an guter medizinischer Versorgung sorgen bestimmte übergeordnete Technologietrends für zusätzliche Schubkraft. Von diesen positiven Faktoren profitieren nicht nur die Anbieter von Medizintechnik, sondern auch ihre Zulieferer. Sie präsentieren sich mit ihrer vollen Leistungs- und Know-how-Stärke bei ihrer internationalen Branchenplattform Nr. 1, der COMPAMED in Düsseldorf. Seit 25 Jahren findet sie stets in fester Parallelität zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA statt und ist mit mittlerweile mehr als 750 Ausstellern zu dem Ort geworden, an dem die Zukunft der Medizintechnik ein gutes Stück bereits als Realität greifbar ist.  www.compamed.de

E-Health Forum 16.-17. November 2017, Wien Die Konferenz zur Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt Anwender, Entscheidungsträger und Lösungsanbieter zusammen. Nutzen Sie die Möglichkeit zum konstruktiven Diskurs und informieren Sie sich über neueste Entwicklungen bei ELGA, e-Medikation und Telemedizin. Im Rahmen der Podiumsdiskussion wird hinterfragt, wie die Digitalisierung die ­Gesundheitsversorgung und die Rollen von Patienten, Ärzten und anderen Gesundheitsprofessionen verändert.  www.businesscircle.at

IIR ist jetzt imh Die Umbenennung des Seminar- und Konferenzveranstalters IIR zu imh erfolgt mit dem Auslaufen des Lizenzvertrages für den Namen IIR. Der Name imh steht für Institut Manfred Hämmerle und basiert auf dem Firmen­eigentümer und Geschäftsführer, der seit der Geburtsstunde von IIR in Österreich vor 25 Jahren dabei ist. Außer dem Namenswechsel ändert sich für die Teilnehmer aber nichts. Das Team bleibt unverändert, ebenso das breite Produktportfolio in bewährter Qualität. Aktuell werden jährlich über 400 Konferenzen und Seminare durchgeführt, zum Kundenkreis zählen rund 20.000 Unternehmen. www.imh.at

32 DAS MEDIZINPRODUKT 04/17


KONGRESSKALENDER 

t SEPTEMBER 2017

28.-29.09.2017 www.apupa.at 05.-07.10.2017

Drei-Länder-Tagung „Gesundheits­ berufe – Wege in die Zukunft“, FH E-Health Forum Forum Spital, Schlosspark ­Mauerbach Campus Wien bei Wien www.conftool.net/gesundheits­berufe16.-17. November 2017, Wien wege-in-die-zukunft-2017 Diewww.iir.at/forumspital Konferenz zur Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt Anwender, www.fh-campuswien.ac.at/die-fh/ Entscheidungsträger und Lösungsanbieter zusammen. Nutzen Sie die Mögveranstaltungen/gesundheitsberufelichkeit zum konstruktiven Diskurs und wege-in-die-zukunft.html informieren Sie sich über neueste ÖGVP Kongress, Pflegekongress – Entwicklungen bei ELGA, e-Medikation und Telemedizin. Im Rahmen der ­Österr. Gesellschaft für vaskuläre Podiumsdiskussion wird hinterfragt, wie die Digitalisierung die GesundPflege, Wien www.oegvp.at die Rollen von Patienten,2.Ärzten WundD.A.CH Dreiländerkongress heitsversorgung und anderen Gesundheits2017, St. Gallen, Schweiz professionen verändert. www.wunddach-kongress-2017.org  www.businesscircle.at ESCIM 2017 – European Society of Intensive Care Medicine, Wien t OKTOBER 2017 www.escim.org

20.-21.09.2017 21.-22.09.2017

28.-30.09.2017

23.-27.09.2017 26.09.2017

GS1 Healthcare Day 2017 „One Vision for Patient Safety“ Wien, www.gs1.at

26.-29.09.2017

ÖVKT-Jahrestagung, Österreichischer Verband der KrankenhaustechnikerInnen, Pörtschach am Wörthersee www.oevkt.at

02.-06.10.2017

Bauchaortenaneurysma Beratungs& Screeningtage, St. Gallen, Schweiz www.gefaessforum.at

04.-06.10.2017

Kongress der Österr. Röngtengesellschaft www.oerg-kongress.at

05.-07.10.2017

41. Jahrestagung der ÖGP www.oegp.at

IM GESPRÄCH Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl Universitätsklinik für Chirurgie, Koordinator der Pancreatic Cancer Unit (PCU) am Comprehensive Cancer Center (CCC), Medizinische Universität Wien / Allgemeines Krankenhaus, www.ccc.ac.at Wo liegen derzeit die großen Herausforderungen in der onkologischen Chirurgie? In der onkologischen Chirurgie haben wir heute die Herausforderung, dass die Erwartungen steigen bereits fortgeschrittene Tumorerkrankungen operativ entfernen zu können, oberer andererseits die Patienten älter werden mit zusätzlichen Erkranungen. Große Tumoren lassen sich heute sehr gut interdiszipilinär gut behandeln, unter Anwendung mehrere Einzeltherapien, die Zusammen den Therapieerfolg - die radikale Entfernung der Erkrankung unter Schonung der umgebenden Organe und Erhaltung der Körperfunktionen. Wie unterscheiden Sie zwischen „personalisierter Medizin“ und „individualisierter Medizin“? In der personalisierten Medizin werden Marker im Blut oder Tumorgewebe bestimmt, mit deren Hilfe das Ansprechen auf verschiedene Therapien vorhergesagt werden. Darauf basiert wird jene Therapie mit der höchsten Aussicht auf Erfolg ausgewählt. Bei der Planung der Behandlung müssen einerseits das Ausmaß der Erkrankung, d.h. das Tumorstadium, andererseits der Zustand des Patienten und das Behandlungsziel berücksichtigt werden. Daraus wird ein individuelles, für die vorliegend Situation optimal passendes Behandlungskonzept erstellt, basierend auf Ergebnissen

53. ÖGU Jahrestagung 2017, Salzburg www.unfallchirurgen.at

05.-07.10.2017

53. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC), Baden bei Wien www.neurochirurgie.ac.at

13.-14. 10.2017

ÖAK Diplomlehrgang Geriatrie, Salzburg, www.arztakademie.at/geriatrie-lehrgang

16.-17.10.2017

17. Kongress der Österr. Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin, Bad Hofgastein, www.notarzt.at

18.10.2017

ASQS-Symposium 2017, Gesundheitskompetenz: In den Schuhen des Patienten gehen, Graz, www.asqs.at

20.-21.10.2017

27. Jahrestagung der MKÖ Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich, Linz, www.inkontinenz.at

20.-21.10.2017

4. VOPMÖ Kongress, Verband der OP-Manager Österreichs, Schloss Mondsee, www.vopmoe.at

t NOVEMBER 2017

13.-16.11.2017 MEDICA, Düsseldorf www.medica.at

16.-17.11.2017 E-Health Forum, Wien www.businesscircle.at

16.-18.11.2017

Österreichischer Chirurgentag Jahrestagung des Berufsverbandes Österreichischer Chirurgen, Baden bei Wien, www.boec.at

29.11-01.12.2017

Symposium Labormedizin „Personalisierte Medizin – ­Möglichkeiten und Grenzen der Labordiagnostik“, Seggauberg bei Graz, www.oeglmkc.at

wissenschaftlicher Studien und klinischer Erfahrung. So ist etwa bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs die Frage, ob eine primäre Operation zur kompletten Tumorentfernung möglich ist, oder ob davor andere Behandlungsschritte, wie etwas die Chemotherapie oder eine Kombination mit Strahlentherapie zur Tumorverkleinerung notwendig sind. Die individualisierte Therapie bzw. Medizin geht mit der personalisierten Medizin Hand in Hand Welchen Stellenwert hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit? In der onkologischen Chirurgie ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie und im Management von Komplikationen mittlerweile Standard geworden. Wir treffen die KollegInnen der anderen Fächer in regelmäßigen Abständen im Rahmend er Tumorboards, besprechen Diagnosen und Behandlungspläne und erhalten Rückmeldungen, wie gemeinsam geplante Behandlungen verlaufen sind. Interdisziplinäre Zusammenarbeit nützt dem Patienten durch Verbesserung der Behandlungsqualität.

34. Jahrestagung der ACO-ASSO 2017 & 131. Fortbildungsseminar der OEGCH (Österreichische Gesellschaft für Chirurgie) Pankreaskarzinom, Vorstufen und periampulläres Karzinom 5.-7. Oktober 2017, St. Wolfgang www.aco-asso.at

04/17 DAS MEDIZINPRODUKT 33


AUSTROMED vertritt Interessen der In-vitro-Diagnostik N

ach der Auflösung des Verbandes der österreichischen Dia­ gnostica und Diagnostica-Gerätehersteller (ÖDGH) ist die AUSTROMED neuer Ansprechpartner und Interessenvertretung für Unternehmen der In-vitro-Diagnostik. „Bereits seit einigen Jahren zählen auch Unternehmen aus dem Bereich der In-vitro-Diagnostik zu unseren Mitgliedern – durch die Auflösung des ÖDGH ist dieser Bereich stark gewachsen und wir haben eine schlagkräftige Branchengruppe ‚In-vitroDiagnostik‘ gegründet. Mit dieser gebündelten Kraft können wir die Interessen noch effizienter als schon bisher vertreten“, so AUSTROMED-Präsident Gerald Gschlössl. Der ÖDGH verstand sich als ethische und wirtschaftliche Instanz und verpflichtete sich zu Qualität und Innovation. Dieses Selbstverständnis ist auch jenes der AUSTROMED. Bereits im Frühjahr 2014 wurde die damals schon bestehende Zusammenarbeit mit AUSTROMED durch eine enge Partnerschaft in Form einer korrespondierenden Mitgliedschaft vertieft. Der Anstoß dazu wurde auf europäischer Ebene gegeben, als die Dachver-

bände der beiden Interessenvertretungen – EDMA (European Diagnostic Manufacturers Association) und EUCOMED (European Medical Technology Industry Association) – eine Allianz namens „MedTech Europe“ eingegangen sind. Dies hat nicht nur Vorteile für die Mitglieds-Unternehmen, sondern auch für das Gesundheitswesen durch einen vereinten Ansprechpartner für die gesamte Branche. Dr. Ulrike Blaseio, bis zur Auflösung stellvertretende Obfrau des ÖDGH und kooptiertes Vorstandsmitglied der AUSTROMED: „Die Zusammenarbeit mit der AUSTROMED birgt große Chancen für die Diagnostikindustrie einerseits und auch für die Anwender von In-vitro-Diagnostika in medizinischen Labors. In unserem sich schnell wandelnden Umfeld liegen die herausfordernden Aufgaben bei der AUSTROMED in sehr guten Händen und bringen massive Synergien in der Interessenvertretung mit sich. Ich bin davon überzeugt, dass dies für die In-vitro-Diagnostik-Branche auf Hersteller- und auf Kundenseite positive Auswirkungen haben wird.“ n

www.austromed.org

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

OKTOBER Medizinisches Basiswissen II

9.+10. Oktober 2017, jeweils 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

19. Oktober 2017, 9:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien Lehrsaal Orthopädische Abteilung

NOVEMBER Workshop Vergaberecht in der Praxis

9. November 2017, 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz

21. November 2017, 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Info & Anmeldung: www.austromed.org

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Manuela Gütlbauer, m.guetlbauer@medmedia.at,­ Tel: +43-1-407 31 11-45. Kundenberatung: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich,­ ­ ruckerei Berger, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: c­ reativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: D A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

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DAS

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DAS SCHLUSSWORT

Von Äpfeln und Birnen G

erne werden Arzneimittel und Medizinprodukte über einen Kamm geschert, wenn über ökonomische Kennzahlen der Patientenversorgung gesprochen wird. Oder Medizinprodukte finden überhaupt keine Erwähnung, so als ob eine Diagnose und Therapie auch nur in einer Gesundheitseinrichtung ganz ohne sie auskommen würde. Auch im Rahmen der Gesundheitsgespräche beim Forum Alpbach standen die hohen Medika­mentenkosten zur Diskussion, ohne die Spezifika der Medizinprodukte gesondert zu betrachten. Während eine ­Studie aus dem Vorjahr belegt, dass die Entwicklungskosten ein Volumen von bis zu 2,8 Milliarden Dollar ausmachen, die forschende Pharmaunternehmen investieren müssen, um ein Arzneimittel zur Marktreife zu bringen, stellt sich das in der Medizinprodukte-Branche völlig anders dar: Sie werden nahe mit Anwendern und am Patienten entwickelt und kommen – wenn keine bürokratischen Hindernisse in den Weg gelegt werden – mitunter sehr rasch auf den Markt. Das heißt, dass der Zugang zu leistbaren Innovationen im Gesundheitswesen durchaus offenstünde und einer Kooperation mit Medizin­ produkte-Betrieben nichts im Weg steht! Doch – ja, es gibt sie, die teuren Medizinprodukte – wie etwa einen Hybrid-OP –, aber sie sind nicht für die Anwendung am einzelnen Patienten gedacht, sondern eine Einmalinvestition, die über viele Jahre zur Patientenversorgung beitragen kann. Je besser die Geräte ausgelastet sind, desto weniger hoch ist der Preis pro Patientenbehandlung. Und – ja, es gibt sie auch, die Zugangsrestriktionen zu bestimmten Medizinprodukten, aber die sind nicht durch Hersteller oder Anwender verursacht, sondern systembedingt. Auch hier sind Großgeräte ein gutes Beispiel. Wenn die Kassen die Kosten für Computertomografien (CT) und Magnetresonanztomografien (MRT) deckeln, dann ist das nicht den ­Radiologen anzulasten und schon gar nicht jenen Medizin­ produkte-Unternehmen, die diese hochleistungsfähigen ­Geräte auf den Markt bringen. Und – ja, Rohstoffe werden teurer und das trifft viele Branchen. Doch die Medizinprodukte-Hersteller haben eine Lösung in Form von Rohstoffindexanpassungen gefunden, die sich in der Praxis über viele Jahre bewährt haben und Preis-

schwankungen in beide Richtungen ausgleichen helfen. Auch hier gibt es wie immer Ausnahmen von der Regel, die vor ­allem den extramuralen Sektor betreffen. Hier gewähren zum Beispiel die erstattenden Stellen jährlich lediglich 0,5 Prozent Preisanpassung bei Produkten der saugenden Inkontinenz – trotz massiver Rohstoffpreiserhöhungen. Im Vergleich zur saugenden Inkontinenz werden vom Hauptverband zum ­Beispiel bei Verbandstoffen keinerlei Indexanpassungen in Erwägung gezogen. Und – ja, es gibt sie auch, die Beschränkungen zum Zugang zu innovativen Medizinprodukten. Verursacher sind die Kassen, die Produkte aus ihren Versorgungskatalogen streichen und damit Patienten zwingen, entweder privat in die Tasche zu greifen oder zu verzichten. Wenn Parallelwelten zwischen registrierten und zu erstattenden Medizinprodukten geschaffen werden, dann wird das System der Patientenversorgungen zunehmend intransparent. Und – ja, die neue Medizinprodukteverordnung ist zwar keine Zugangsbeschränkung im engeren Sinn, aber sie führt zu wettbewerbshemmenden Zugangsverzögerungen aufgrund der überbordenden Bürokratie. Dass sich diese Entwicklung auf den Preis auswirken muss, liegt auf der Hand, jedoch die Unternehmen tun ihr Bestmögliches, um trotzdem innovative Produkte für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen. Damit das auch in Zukunft noch möglich bleibt, arbeitet die AUSTROMED als Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen unaufhörlich im Dialog mit den Stakeholdern dafür, dass trotz aller Gedanken zur Harmonisierung oder Patientensicherheit der Blick auf das Wesentliche nicht verloren geht: Der Patient muss der Mittelpunkt bleiben! n

Ihr Christian Braun Vizepräsident AUSTROMED

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Dipl. BW Christian Braun Vizepräsident AUSTROMED


www.austromed.org

OHNE MEDIZINPRODUKTE WIRD ES PEINLICH

Weil das Leben innovative Lรถsungen braucht Austromed_Inserat_A4_RZ.indd 2

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Das Medizinpodukt 04/2017