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Lösungen für das Gesundheitswesen H

Wie viel Innovation verträgt die Medizin? 18 | Vorhofflimmern bei Dialysepatienten © Ociacia - shutterstock.com

Österreichische Post AG, MZ09Z038040M MEDMEDIA Verlag, Seidengasse 9/top 1.1, 1070 Wien

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ISSN 2223-1080

www.das-medizinprodukt.at

25 | Ist der Hightech-OP eine Fehlinvestition? 37 | Intermittierender­ Selbstkatheterismus


INHALT Politik, Verwaltung & Management Branchennews4 „Die Gesellschaft muss innovativ denken“

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Qualität und Innovation: Allheilmittel für ein krankes System?

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Die Kraft der Zivilgesellschaft

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Crowdfunding: Gesundheit lohnt sich

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Kongress-News16

Medizin & Wissenschaft Vorhofflimmern bei Dialysepatienten

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Individualisierte Implantate – Realität oder Fiktion?

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Pneumonie als Notfall

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News zu Infektion & Hygiene

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Gastkommentar „Infektion & Hygiene“: Die Zeit der Konzepte ist vorbei 23

Medizin & Technik Ist der Hightech-OP eine Fehlinvestition?

25

„Es braucht einen Plan B“

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Pflege & Home Care Bruch mit Traditionen

30

Pflegedaten durch Datenpflege

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Kongressvorschau: Gerieatriekongress 2017

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Intermittierender Selbstkatheterismus

37

Service Produktnews38 Kongresskalender41 AUSTROMED Seminartermine

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Kongresse: Rückblick, Ausblick, Termine

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AUSTROMED Schlusswort

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ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER

www.das-medizinprodukt.at

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Druckauflage: 21.134 im 2. Halbjahr 2016 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Mit Weitblick über den ­Tellerrand V

or wenigen Tagen war es so weit: Das EU-Parlament hat nach langen, zähen Verhandlungen die neuen EU-Verordnungen für Medizinprodukte und In-Vitro-Diagnostik verabschiedet. Damit sind einheitliche Regelungen innerhalb Europas gewährleistet und die Patientensicherheit erhöht. Erreicht wurde auch, dass der Gesundheitswirtschaft mit diesen Verordnungen zusätzliche Hürden auferlegt werden. Zahlreiche Produkte bestimmter stofflicher und chirurgisch-invasiver Medizinprodukte sowie der In-Vitro-Diagnostik werden künftig höher bzw. neu klassifiziert. Der Aufwand für die Marktzulassung ist drastisch erhöht. Vor allem den heimischen Klein- und Mittelbetrieben, aber auch den vielen Start-ups wird es nun viel schwerer gemacht, ihre neuen Produkte auf den Markt zu bringen.

regulatorisches Korsett nicht die professionelle und faire Zusammenarbeit zwischen den Herstellern und den Partnern im Gesundheitswesen torpedieren. Unter Einhaltung hoher ethischer Standards und aller Rechtsgrundlagen muss es dennoch gelingen, einen wissenschaftlichen Dialog zwischen den Herstellern und den Partnern im Krankenhaus sicherzustellen, denn nur so sind die Forschung, die Entwicklung und der Fortschritt auch in Zukunft gewährleistet.

In Zeiten strenger werdender gesetzlicher Rahmenbedingungen ist es ein zentrales Anliegen der Medizinprodukte-Unternehmen, den Weg für Innovationen dennoch offenzuhalten. Neue Produkte und Lösungen müssen rasch in den Markt und zum Patienten gelangen können, um auch in Zukunft eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen. Wir werden uns aktiv dafür einsetzen, dass die Umsetzung dieser Verordnung in Österreich nicht zulasten der Patienten oder der Anwender geht! Mehr dazu lesen Sie ab der Seite 6.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

Mit Weitblick und Augenmaß ist auch der neue AUSTROMED-Kodex zu beurteilen, der kürzlich einstimmig verabschiedet wurde. Ziel der Übereinkunft ist es, eine transparente und „saubere“ Beziehung zwischen Lieferanten, Beschaffern und Anwendern sicherzustellen. Doch auch hier darf ein enges

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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© Oreste Schaller

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NEWS

Die vor mehr als 20 Jahren gegründete Vinzenz Gruppe hat sich von einer reinen Krankenhaus-Holding zu einem vielfältigen Gesundheitsdienste-Anbieter entwickelt. Parallel zur strategischen Veränderung wurde in einem eineinhalbjährigen Markenprozess mit den Mitarbeitern die besondere Rolle im heimischen Gesundheitswesen auf den Punkt gebracht. „Wir wollen im Gesundheitswesen mehr denn je ein leiser, aber bestimmender Taktgeber sein. Mit Antworten auf Probleme, für die es im System noch keine Lösung gibt. Wir stehen für Innovationen, die nichts umstürzen, aber vieles besser machen“, so Geschäftsführer Dr. Michael Heinisch. Mit dem neuen Markenauftritt stehen alle Einrichtungen der Vinzenz Gruppe erstmals unter einem optischen Dach. „Der neue visuelle Auftritt der Vinzenz Gruppe ist nicht nur Ausdruck unserer gemeinsamen Weiterentwicklung, sondern sichtbares Signal für eine Gesundheitsversorgung, die den Unterschied macht“, so Heinisch. Dies macht die Vinzenz Gruppe auch mit ihrem neuen Claim deutlich: „Gesundheit kommt von Herzen.“  www.vinzenzgruppe.at

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Neuester Diagnosekatheter österreichweit erstmals eingesetzt Die neueste Generation der Diagnostik bei Herzrhythmusstörungen kommt österreichweit erstmals im Ordensspital Linz Elisabethinen zum Einsatz. Mit dem Katheterverfahren können genauer jene Stellen im Herz gefunden werden, die für Vorhof- oder Kammerflimmern verantwortlich sind. Der Katheter besitzt an der gefächerten Spitze 64 Elektronenpaare, er wird über die Leiste ins Herz geführt. Ist die Sonde platziert, wird sie ähnlich einem Schneebesen aufgeblasen und nimmt die elektrischen Herzsignale auf. Bis

zu 40.000 Punkte werden an ein bildgebendes Computerprogramm weitergeleitet, das eine exakte 3D-Darstellung auf den Monitor bringt. Dem Arzt wird eine millimetergenaue Navigation zu jenen Bereichen ermöglicht, wo der Fehlerstrom aufritt. Anschließend können die Stellen mit einem weiteren Katheter erhitzt und so verödet werden. Der Eingriff dauert zwischen zwei und fünf Stunden, der Patient kann nach spätestens fünf Tagen das Krankenhaus verlassen.  www.elisabethinen.or.at

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„Gesundheit kommt von Herzen“: Neuer Auftritt der Vinzenz Gruppe

Forscher des Fraunhofer IGD arbeiten an einem Verfahren, das Erfahrungswerte der Ärzte, Bilddaten und allgemeine Patientendaten für die Entscheidungsfindung miteinander verbindet. „Nachdem sich in den vergangenen Jahren die Bildgebung – insbesondere in 3D – ihren festen Platz bei Diagnose und Therapie gesichert hat, stellt sich nun die Frage, wie mit diesen Verfahren und den daraus gewonnenen Daten noch besser gearbeitet werden kann“, sagt Dr. Stefan Wesarg vom Fraunhofer IGD. Wesargs Team erregte kürzlich Aufsehen mit einem Verfahren, dass anhand von radiologischem Bildmaterial erkennen kann, ob ein Lebertumor nach einer Behandlung vollständig verschwunden ist. Die Fraunhofer-Forscher erzielen um 55 Prozent präzisere Antworten, als dies mit herkömmlichen Herangehensweisen möglich ist. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jörn Kohlhammer, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt, stellt sich Wesarg nun einer neuen Herausforderung: der Auswertung großer Datenbanken

radiologischer Untersuchungen. „Wir haben das Bedürfnis der Mediziner erkannt, aus den im Behandlungsalltag gesammelten Daten effektiver lernen zu wollen“, sagt Kohlhammer. „Unsere jahrelange Forschung in Visual Analytics, also in der Forschungsdisziplin, die große Datenmengen für Entscheidungsträger visuell erfahrbar macht, kommt nun Ärzten und damit auch Patienten zugute.“ Die bei radiologischen Untersuchungen anfallenden Aufnahmen werden klassifiziert. So wird eine Vielzahl an Parametern gewonnen, die mit allgemeinen Patientendaten wie Alter und sonstige Verfassung verknüpft werden. Da dieses Verfahren auch nachträglich auf bereits abgeschlossene Behandlungen angewendet werden kann, entwickeln Kohlhammer und Wesarg in ihrem Forschungsprojekt „VA4Radiomics“ sozusagen eine „Kristallkugel“ für Ärzte. „Ziel ist es, künftig sehr genau vorherzusagen, mit welcher Behandlungsform sich das individuelle Krebsleiden eines Patienten am besten bekämpfen lässt“, erklärt Wesarg.  www.igd.fraunhofer.de

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„Kristallkugel“ für Ärzte


„10 Jahre Zukunft“ Das Ionentherapiezentrum MedAustron in Wiener Neustadt ist seit Ende letzten Jahres in Betrieb und bereits eine beeindruckende Erfolgsgeschichte für Stadt, Land und ganz Österreich. „Die ersten abgeschlossenen Patientenbehandlungen stellen erst den Anfang einer neuen Ära der Krebsbekämpfung dar“, ist MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Klaus Schneeberger überzeugt. Anlässlich eines Festaktes sprachen Doz. DI Dr. Manfred Krammer, Leiter des Departments für experimentelle Physik am Europäischen Kernforschungszentrum CERN, und der

Fremdbluttransfusionen senken

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BRANCHENNEWS

Trotz exzellenter Kooperation mit der Blutbank des Roten Kreuz Kärnten und der hervorragenden Qualität der gelieferten Blutkonserven und Blutprodukte ist das AUVA-UKH Klagenfurt – dem internationalen Trend entsprechend – seit Jahren bemüht, die Rate an Fremdbluttransfusionen so gering wie möglich zu halten. Diese Bemühungen fruchten in einer deutlichen Reduktion der Bluttransfusionen und somit auch in einer Verminderung der möglichen Komplikationen von Fremdblutgaben. So wurden in den letzten zehn Jahren keine vital bedrohlichen, durch Bluttransfusionen verursachten Unverträglichkeitsreaktionen oder Infektionen im AUVA-Unfallkrankenhaus Klagenfurt verzeichnet. Die Anzahl der Patienten, die zum Beispiel bei Kniegelenksersatz durch Knieprothese postoperativ Fremdblut zur Anämie-Behandlung benötigen, konnte im Zeitraum von zehn Jahren halbiert werden. Aber auch die

ehemalige Rektor der Technischen Universität Wien, Univ.-Prof. DI Dr. Peter Skalicky, über die Bedeutung des Wissenstransfers von der Grundlagenforschung in Praxisanwendungen einerseits und den Stellenwert von MedAustron als Forschungsanlage andererseits. Beide Institutionen gelten als wesentliche Partner MedAustrons. MedAustron-Geschäftsführer DI Alfred Zens beleuchtete die spannende Phase der Transition des Zentrums vom Projekt zum Betrieb als ein Ambulatorium und Forschungszentrum, der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Eugen B. Hug gab Einblick in die Erfahrungen aus den ersten Patientenbehandlungen.www.medaustron.at

benötigte Anzahl an Konserven pro transfundiertem Patienten hat sich wesentlich ver­ ringert. So werden aktuell 93 Prozent der Knieprothesenimplantationen im von Prim. Priv.- Doz. Dr. Smekal geleiteten AUVA-UKH Klagenfurt ohne Bluttransfusionen durchführt. Eine weitere wichtige Säule des „Blood-PatientManagements“ ist ein restriktives Transfusionsregime mit strengen Indikationsstellungen zur Bluttransfusion und Ausnützung der individuellen Anämietoleranz bei gleichzeitig genauer Überwachung der Patientin bzw. des Patienten hinsichtlich ihrer/seiner Vitalparameter und eventueller Transfusionstrigger. Diese Überwachung ist durch die erst im Jahr 2015 neu gebaute und vergrößerte Intensivstation mit ebenfalls vergrößertem Postnarkosebereich möglich. Neben den sich für die Patienten ergebenden Vorteilen des gelebten Blood-Patient-Managements weist Blutdepotleiter Oberarzt Dr. ­Thomas Rieder auch auf sich ergebende nachhaltige gesundheitsökonomische Vorteile hin.  www.auva.at

Bessere Versorgung­ durch stärkere ­Vernetzung Mehr als 400.000 Personen sind in Österreich von einer seltenen Erkrankung (SE) betroffen. Der NAP.se, der Nationale Aktionsplan für seltene Erkrankungen, sieht als zentrale Maßnahme ein Bündeln, Vernetzen und Sichtbarmachen der in Österreich bestehenden Expertise zu seltenen Erkrankungen vor. Bisher wurde ein Expertisezentrum für seltene Erkrankungen designiert, die Ernennung eines weiteren erfolgt in Kürze. Der Anerkennungsprozess solcher Zentren verzögert sich jedoch aufgrund von Ressourcenmangel. Mehr Zen­ tren und die Anbindung an europäische Expertisezentren sollen den länderübergreifenden Austausch, die Vernetzung und die Bündelung von Expertise fördern, was insbesondere bei Krankheiten, die nur ein paar Personen betreffen, hochrelevant ist. Die Nationale Koordinationsstelle für seltene Erkrankungen (NKSE) ist, in enger Kooperation mit Orphanet Austria, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen mit dem Designationsprozess entsprechender Einrichtungen betraut. Die Entscheidungen trifft letztlich die Bundeszielsteuerungskommission, bestehend aus Vertretern von Bund, Ländern und Sozialversicherung, um durch die untereinander abgestimmte Beschlussfassung qualitätsvolle und nachhaltige Strukturen sicherzustellen. www.goeg.at

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

„Die Gesellschaft muss ­innovativ denken“ u Zu viel Bürokratie unter dem Deckmantel der „Patienten- und Anwendersicherheit“ macht es Innovationen schwer, auf den Markt zu kommen. u Betroffen sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Forschungseinrichtungen, Universitäten und letztendlich Anwender und Patienten.

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urch die kommenden EU-Verordnungen für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika werden einheitliche Regelungen innerhalb Europas umgesetzt werden. Patientensicherheit ist dabei oberstes Gebot. Doch, so fordert die AUSTROMED, die Interessenvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen, muss mit Augenmaß und Hausverstand an eine derart umfassende Neuregelung herangegangen werden, um überbordende Bürokratie zu verhindern. Denn zu viel Bürokratie wird wohl kaum dazu beitragen, die Patienten- und Anwendersicherheit zu heben. Im Gegenteil: Es ist bereits jetzt absehbar, dass es die neuen Regulatorien den Innovationen schwermachen, auf den Markt zu kommen. Damit sind nicht nur hochqualifizierte Arbeitsplätze, sondern auch medizinische Innovationen von morgen in Gefahr.

Innovative Produkte: Bitte warten ... Unternehmen, die in Europa Medizinprodukte herstellen oder in Verkehr bringen, benötigen eine Konformitätsbewertung durch eine sogenannte „Benannte Stelle“. In der Durchführungsverordnung der EU-Kommission Nr. 920/2013 wurden mit dem Ziel, die Anwendungssicherheit von Medizinprodukten zu steigern, die Anforderungen an Benannte Stellen von Medizinprodukten drastisch erhöht. Das hat neben der Halbierung der Benannten Stellen in Europa bis heute zur Folge, dass die einzigen zwei Benannten Stellen in Österreich ihre Tätigkeit eingestellt haben. Mit dem Wegfall der beiden österreichischen Benannten Stellen ist die heimische MedizinprodukteBranche auf Zertifizierungen durch ausländische Institute angewiesen. Das bedeutet eine massive Verschlechterung für viele Start-ups sowie Klein- und Mittelbetriebe, die durch diesen Standortnachteil im internationalen Wettbewerb zurückzufallen drohen. Österreich braucht rasch wieder eine Benannte

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Stelle. „AUSTROMED fordert daher die Politik auf, hier so schnell wie möglich entsprechende Maßnahmen zu setzen“, betonte AUSTROMED Präsident Gerald Gschlössl anlässlich der kürzlich in Wien abgehaltenen Hauptversammlung der AUSTROMED.

Finanzierung und Erwartungshaltungen abstimmen Unter dem Titel „Medizinprodukte als Erfolgsbeispiel für den Hochtechnologiestandort Österreich“ fand im Anschluss an die Hauptversammlung im Van Swieten Saal der MedUni Wien eine gemeinsame Veranstaltung von LISAvienna und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT) statt. In ihrem Begrüßungsstatement bezog sich Gastgeberin DI Dr. Michaela Fritz, Vizerektorin der MedUni Wien, auf die Hemmnisse von Innovation aus Universitäten bzw. Start-ups: „Meist scheitert es an der Finanzierung und den Erwartungshaltungen, die auf beiden Seiten, der Industrie und der Wissenschaft, auseinanderklaffen.“ Die Lösung sieht Fritz in der Bündelung von Kräften. Als Einleitung zum Thema präsentierte Univ.-Prof. Dr. Oskar Aszmann von der MedUni Wien beeindruckende Details und interessante Hintergründe über die österreichische Entwicklung der international einmaligen Bionic-Hand, die erst durch die Entschlüsselung der Sprache der Hand möglich wurde. Den Markt der Medizinprodukte aus wirtschaftlicher Sicht betrachtete Jürg Zürcher, Managing Partner von Ernst & Young Biotech/Medtech. Er zeigte anhand der Ergebnisse des aktuellen Medtech Reports 2016 auf, dass die Branche vor einem Umbruch und großen Herausforderungen steht: „Dadurch ergeben sich auch enorme Chancen, die gerade innovativen Unternehmen viele Möglichkeiten bieten“, ist Zürcher überzeugt.


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Gerald Gschlössl, Präsident der AUSTROMED, fordert mehr Interesse für Innovation in der gesamten Gesellschaft.

Experten diskutieren über die Chancen innovativer Medizinprodukte: Gerald Gschlössl (Präsident der AUSTROMED), Peter Halwachs, Wirtschaftsagentur Wien, Fredrik Debong (mySugr), DI Dr. Michaela Fritz (Vizerektorin der MedUni Wien), Sektionschef Mag. Dr. Andreas-Ulrich Schuh (Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft), Univ.-Prof. Dr. Oskar Aszmann ­(MedUni Wien), Dr. Herwig Ostermann (Gesundheit Österreich), Prof. DI Dr. Winfried Mayr (ÖGBMT), Jürg Zürcher (Ernst & Young Biotech/Medtech)

Vom Slow Follower wieder zum Innovationstreiber? In einer Podiumsdiskussion trafen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aufeinander und waren sich einig, dass Innovationen nicht immer leicht auf den Weg – sprich in den Markt – zu bringen sind. „Österreich ist in den letzten Jahren vom Innovationstreiber zum Slow Follower geworden. Das hat viele Gründe. Ein wesentlicher Aspekt ist eine mangelhafte Ausbildung. Unser Ziel muss es sein, dass die ganze Gesellschaft beginnt, innovativ zu denken“, wünscht sich Gschlössl. Sektionschef Mag. Dr. Andreas-Ulrich Schuh aus dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft setzt auf positives Denken: „Positive Stimmung ist ein wichtiger Faktor für Innovationen. Die Medizintechnik ist eine wesentliche Säule der Life Science-Strategien. Unser Ziel muss es sein, mit dem enormen vorhandenen Wissen entsprechende Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen. Nun gibt es gerade neue Richtlinien und neue Strukturen. Österreich hat – wie auch andere europäische Länder – bei den Benannten Stellen eine Übergangsphase zu bewältigen. Grundsätzlich handelt es sich um ein EU-Thema. Um das Problem hierzulande rasch zu lösen, ist es wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen.“ Die Frage, wie Innovationen zu bewerten sind, stellt Dr. Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich: „Es ist schwierig, den verbesserten Nutzen den jeweiligen

Kosten gegenüberzustellen. Viele Entscheidungen finden im Grenzbereich statt und sind daher extrem schwierig. Wichtig ist es, mit den Ressourcen sparsam umzugehen, damit für die wirklich bahnbrechenden Innovationen Mittel zur Verfügung stehen.“

Auswirkungen auf Inhouse-Products Die neuen EU-Verordnungen haben nicht nur Auswirkungen auf die Medizinprodukte-Unternehmen, sondern auch auf die universitäre Ausbildung und anwendungsorientierte Forschung. Vor allem die Inhouse-Products sind von den neuen EU-Verordnungen betroffen. „Das hat massive Auswirkungen auf die Ausbildung, da man hier sehr stark auf die Theorie zurückgehen muss und Studenten nur wenig praktische Erfahrung sammeln können. Insgesamt werden Regulatorien dann zum Problem, wenn Produkte vom Markt verschwinden oder innovative neue Produkte Jahre später am Markt ankommen. Das geht dann echt zu Lasten der Patienten. Das müssen wir verhindern“, so Prof. DI Dr. Winfried Mayr, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGBMT).  n

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Qualität und Innovation:

Allheilmittel für ein krankes System?

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as österreichische Gesundheitswesen fährt an die Wand“, so lautet die drastische Analyse von Dr. Günther Schreiber, Projektmanagement und Koordination für das Gesundheitswesen bei Quality Austria. Woran sich diese Entwicklung festmachen lässt, liegt für den Experten auf der Hand: Gemeinden haben Probleme, niedergelassene Ärzte zu finden und die ­medizinische Versorgung zu gewährleisten. Darüber hinaus prägen Patientengefährdungen und Todesfälle aufgrund von Hygienemängeln sowie Behandlungsfehlern in Gesundheitseinrichtungen die Schlagzeilen, aber letztendlich auch den medizinischen Alltag. Kein Wunder, sind auch die Rahmenbe-

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dingungen für die Arbeit der Gesundheitsdienstleister zunehmend schwieriger geworden. „Die Komplexität im Gesundheitswesen ist außen um das 6-Fache und innen um das 35-Fache gestiegen“, weiß Schreiber. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt und lassen sich einfach auf den Punkt bringen: Höhere Anforderungen müssen mit weniger Budget erfüllt werden. „Veränderungen werden nur bei genügend hohem Leidensdruck in Angriff genommen werden, aber bis dahin geht die Entwicklung ganz deutlich zulasten von Patienten und Mitarbeitern“, fasste Schreiber seine Erfahrungen zusammen.

© Sergey Nivens – shutterstock.com

u Die Rahmenbedingungen für die Arbeit in Spitälern sind zunehmend schwieriger geworden. u Qualitätsmanagementsysteme können unterstützen, flexibel auf komplexe Umwelteinflüsse zu reagieren. u Sie fördern auch Innovationen, die effizientes Ressourcenmanagement möglich machen.


© Sergey Nivens – shutterstock.com

POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Sparen zulasten der Qualität Wer hingegen genau diese Komplexität des Systems erkennt und zu steuern weiß, wird auch in Krisenzeiten Potenziale nutzen können. „Es darf nur um eines gehen, um Qualität, sprich die beste medizinische Versorgung. Stimmt diese, kommt der ökonomische Erfolg automatisch“, ist Schreiber überzeugt. Belegen lässt sich seine Erkenntnis zum Beispiel mit Ergebnissen der „Krankenhaus Restrukturierungsstudie 2015“ der Unternehmensberatung Roland Berger, die unter anderem belegt, dass rund die Hälfte der Befragten kein positives Jahresergebnis erreichen konnte, aber dennoch denken ebenso viele, dass die Einführung einer qualitätsorientierten Vergütung positive Impulse bringen könnte. „Wenn gespart wird, dann beim Personal und bei der Fortbildung. Das geht klar zulasten der Qualität“, so Schreiber. Auch Statistiken zu vermeidbaren Todesfällen sprechen die gleiche Sprache: Waren es 1999 noch 100.000 Patienten, die in den USA in der Folge medizinischer Behandlungsfehler starben, gehen die Schätzungen mittlerweile von bis zu 400.000 aus – und Fehler in der Medizin gelten bereits als die dritthäufigste Todesursache nach Autounfällen und Schusswaffenverletzungen.

Wie kommt das „Neue“ ins System? Lösungen sind also dringend gefragt und lassen im Gesundheitswesen immer wieder den Ruf nach „Innovation“ laut werden. „Neues“ muss her, um Probleme, die aus althergebrachten Mustern entstanden sind, zu lösen. Nicht immer sind es technische oder medizinische (Produkt-)Innovationen, die als „Heilsbringer“ gehypt werden. Vielmehr braucht es innovative Prozesse, innovative Führungsansätze oder auch innovative Finanzierungsformen, die das viel gepriesene „Neue“ erst möglich machen. Jedenfalls tun Gesundheitseinrichtungen gut daran, auf Qualität zu setzen, denn ohne sie wird auch die Innovation nicht viel Spielraum haben, einen nachhaltigen Wandel einzuleiten. Längst hat die Praxis gezeigt, dass das Vorurteil, Qualitätsmanagementsysteme (QMS) kosten nur Zeit und Geld, bringen aber keine Vorteile für die Einrichtung, nicht haltbar ist. Im Gegenteil: „Qualitätsmanagementsysteme könnten Innovationen fördern, wenn Führungskräfte das Potenzial aller Mitarbeiter fördern und entwickeln, wenn über den Tellerrand hinaus von den Besten gelernt wird, wenn Abteilungen Wissensmanagement betreiben und ihr Wissen mit anderen teilen und wenn es Benchmarks gibt“, ist Schreiber überzeugt, doch: „Die derzeitige Strukturschwäche im System, gekoppelt mit Führungsschwäche, verhindert das in vielen Fällen und der Kostendruck macht es nicht leichter.“

Wider die Komplexität QMS versuchen wie alle Managementsysteme, die Komplexität zu reduzieren, also mittels Vorgaben dort, wo es Sinn macht, standardisiertes Handeln zu bewirken und Entscheidungen ­möglich zu machen. Die Komplexität, in der sich eine Gesundheitseinrichtung bewegt, wird so erfasst und wichtige von un-

wichtigen Einflüssen getrennt – etwa die Rolle der Demografie, der Medizintechnik oder rechtlicher Vorgaben. Danach werden Ziele festgesetzt und Strategien entwickelt, um die Anforde­ rungen proaktiv zu gestalten, also zum Beispiel einem drohenden Mitarbeitermangel vorzubeugen oder geänderten Patientenanforderungen gerecht zu werden. Unmittelbar positive pekuniäre Auswirkungen lassen sich aus QMS ableiten, wenn etwa unnötig lange Abläufe reduziert, Doppelgleisigkeiten vermieden oder Liegezeiten verkürzt werden können. Kurz gesagt: QMS macht reaktionsschnell, sorgt für reibungslose Abläufe und macht bei Führungskräften den Kopf (und Ressourcen) frei für das viel zitierte „Neue“.

Die Rolle der Führungskräfte Damit das „Neue“ seine Vorteile ausspielen kann, dürfen Innovationen nicht Selbstzweck sein und nur ihrem Erfinder gefallen. Innovation heißt nicht, einfach „Neues“ um des Neuen willen zu implementieren, sondern dafür zu sorgen, dass es auch beim Kunden ankommt, Nutzen stiftet und einen Mehrwert bietet. Und hier schließt sich wieder der Kreis zu QMS: „Ein gutes QMS hilft zu klären, wie das jeweilige Krankenhaus seine Kunden sieht“, ist Dr. Franz-Peter Walder, QM-Experte und Geschäftsführer FACT-Consulting, überzeugt. Und davon gibt es gerade im Krankenhaus sehr unterschiedliche, wie etwa Patienten, Angehörige, Zuweiser oder Versicherungen. „Ob nun Neuerungen, Verbesserungen oder Veränderungen auf Produkt-, Prozess-, Management- oder strategischer Ebene stattfinden, ist letztendlich gleich. In jedem Fall stellt ein QMS eine wertvolle, pragmatische Basisinfrastruktur dar, von der aus fundierte Weiterentwicklung stattfinden kann“, so Walder. Klar ist auch, dass die erforderliche Führungsarbeit nicht „nebenbei“ erledigt werden kann, denn Führung und Management im Gesundheitswesen sind wie in allen Branchen ab entsprechender Organisationsgröße Fulltime-Aufgaben. „Eine Führungskraft führt sich selbst, andere Menschen und die Organisation. In dieser Rolle wird die Zusammenarbeit gestaltet, denn grundlos arbeiten Menschen nicht im Team. Sie benötigen eine Herausforderung, einen gemeinsamen Wert, für den es sich lohnt zusammenzuarbeiten. Diese Ziele und Werte zu gestalten ist Führungsarbeit, ebenso wie bei Ziel- und Wertekonflikten Entscheidungen zu treffen, Handlungsspielräume zu nutzen und die Konsequenzen zu tragen“, beschreibt Walder. Gute Führungsarbeit heißt nach Ansicht des Experten auch, die Transaktionskosten zu senken: „Gerade wenn Budget und Personalressourcen so wie im Gesundheitswesen knapp sind, liegt es an der Führungskraft, Lösungen zu erarbeiten, die mit weniger Aufwand auch zu einem hochwertigen Ergebnis führen.“ Und schließlich haben Führungskräfte die Aufgabe, die Zukunft zu sichern, das heißt, Angebote zu entwickeln, die auch morgen noch Bestand haben werden. Ob nun ein Manager oder ein Mediziner diese Führungsaufgabe übernimmt, ist nicht relevant, jedoch lautet die Konsequenz: „Wer als Experte Karriere machen will, ist gut beraten, keine Managementfunktion anzustreben, denn beides erfordert vollen u

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Einsatz“, so Walder und weiter: „Für Spitäler, wo mehrere Hundert Mitarbeiter beschäftigt sind, kann die Führungsaufgabe nicht ein leitender Arzt ‚nebenbei‘ übernehmen. Die Kernkompetenz heißt hier managen und führen, und das mit Leidenschaft. Wer mit Leidenschaft Arzt ist, wird hier nicht glücklich werden.“

Ist das Korsett zu eng? Zugegeben, Führungskräfte in einer Gesundheitseinrichtung haben selten die gleichen Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf Personal oder Budget wie große Industrieunternehmen. Aber gerade deswegen ist die Führungsherausforderung umso spannender, innerhalb des engen Korsetts von Vorgaben das Beste herauszuholen und Spielräume zu schaffen. „Mehr Leistung braucht nicht immer mehr Ressourcen, sondern oft nur innovati-

Renate Bauer, GF 14.40 Innovationsgestaltung, www.1440.at, beschäftigt sich mit Service Design von Dienstleistungen – vorrangig im Tourismus, doch vieles davon ist auch auf das Gesundheitswesen und im Speziellen auf das Angebot von Krankenhäusern übertragbar.

© Josef Bollwein

IM GESPRÄCH

Service Design im Gesundheitswesen Welche Rolle hat Service Design heute schon in der Hotellerie – und was davon kann auch im Gesundheitswesen funktionieren? Nur schlafen war gestern – Service Design hat in Tourismus und Hotellerie bereits seinen Platz gefunden. Man spricht hier von Dienstleistungsexzellenz und von Gästeverblüffung, die von führenden Betrieben angestrebt wird. Durch die strategische Gestaltung von Dienstleistung will man den Gast nicht mehr nur zufriedenstellen, sondern ihn begeistern. Health Trends vom Zukunftsinstitut wie etwa „Gesundzufriedenheit“ und „Menschenfreundlichkeit“ sind Ziele bzw. Ergebnisse von Service DesignMaßnahmen im Gesundheitswesen. Hier ist die Latte in Bezug auf Kundenbzw. Patientenerlebnisse noch etwas niedriger angesetzt, aber ein Krankenhaus ist ja nicht direkt mit einem Hotel vergleichbar. Mithilfe von Design werden im Gesundheitsbereich positive Emotionen wie Spaß, Genuss, Sicherheitsempfinden, Begehren etc. geschaffen, um Menschen in deren Gesundheitsalltag zu unterstützen und auch um Verhaltensänderungen anzustoßen. Dabei steht der Mensch immer im Mittelpunkt von Gestaltung.

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ve Ideen sowie den Willen und Mut, sie umzusetzen“, so Walder. Zum Glück braucht auch hier im Gesundheitswesen das Rad nicht neu erfunden zu werden, denn aus der klassischen Managementliteratur ist die engpassorientierte Steuerung und Planung durchaus bekannt. Auch die fehlende Motivation der Mitarbeiter scheint mehr eine Ausrede denn Realität. „Natürlich sind Angst und Sorge vorhanden, wenn Neues kommt. Aber genauso viel Platz haben Erwartung und Neugierde. Niemand wird wohl seinen ersten Arbeitstag mit dem Vorsatz beginnen, demotiviert und stur zu sein. Der erste Arbeitstag ist vergleichbar mit dem ersten Tag von Veränderungen“, beschreibt Walder. Auch im Umgang mit Unsicherheiten und Veränderungen gibt es bereits einschlägige Erfahrungen aus vielen anderen Branchen. n Quelle: 10. qualityaustria Gesundheitsforum, November 2016, Wien

Auf welchem Weg kommt Service Design in das Krankenhaus? Aus der Sicht von Produktentwicklung wird die Kernleistung – also die ärztliche Versorgung im Krankenhaus – um sichtbare und unsichtbare patientenorientierte Leistungen, das Service Design, ergänzt. Voraussetzung für Service Design in einem Krankenhaus ist ein multidisziplinäres Kernteam, um solche nutzbaren und nützlichen Lösungen zu entwickeln, die die Kernleistung aufwerten. Das heißt, dass Partizipation im Sinne von einem aktiven Zusammenspiel von ausgewählten Mitarbeitern und Führungskräften eine bedeutende Rolle spielt. Welche Rolle spielen Führungskräfte und Mitarbeiter? Wie schon erwähnt, betrachtet die Gestaltung von Dienstleistungen immer das ganze System, somit auch das wertvolle Wissen von Mitarbeitern und deren Vorgesetzten. Wichtig ist dabei, dass das Entwicklerteam einen Perspektivenwechsel vornimmt: Der User – in unserem Fall der Patient – steht im Zentrum und nicht das System. Lösungen durch derartige partizipative Prozesse werden von den Mitarbeitern wesentlich besser getragen als „Verordnungen“, wie man in Zukunft mit Patienten umzugehen hat. Wo stehen die Patienten? Natürlich im Mittelpunkt! Hier ist es die Herausforderung für die Gestalter, die Touchpoints – also die Berührungspunkte der Patienten mit der Institution oder dem Umfeld, für das gestaltet werden soll – im Rahmen einer „Customer Journey“ zu optimieren. Die hervorragenden Methoden von Service Design bieten sich an, um zu erheben, welche ausgesprochenen und unausgesprochenen Bedürfnisse Patienten im Kontext haben. Es wird quasi in die emotionale Befindlichkeit der Menschen hineingefühlt. Service Design liefert Antworten und Lösungen zu Fragen wie: Welche Aufgaben müssen unsere Patienten bewältigen und wie können wir dabei helfen? Welche Ansprüche haben diese? Wie möchten Patienten angesprochen werden? Darum gilt: Hinein in die Schuhe des Patienten! Warum nicht als Service Designer gleich mal im Krankenhaus übernachten?


© Peter M. Mayr

Dr. Michael Heinisch Geschäftsführer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe

IM GESPRÄCH

Mag. Dr. Christian Harant ist Mediziner, Innovationsdesigner und Organisationsentwickler. Er geht in seinen Beratungen der Frage nach, wie das „Neue“ in die Medizin kommen kann.

Innovationen im Gesundheitswesen Welche Dimension umfasst das Thema „Innovation“ im Gesundheitswesen? Innovation wird gerne für alles verwendet, was neu ist – egal ob es eine Idee, ein fertiges Produkt oder eine Dienstleistung ist. Im eigentlichen Sinn ist es jedoch ein Produkt oder eine Dienstleistung, die am Markt Erfolg hat. „Markt“ muss nicht nur der Profit-Bereich sein, sondern kann ebenso im NonProfit-Bereich liegen. Häufig wird der Begriff soziale Innovation für Neuerungen im Gesundheitswesen verwendet. Auch im Gesundheitssektor muss die Frage gestellt werden: Wer ist von Änderungen betroffen und wessen Stimme wird gehört? Patient, Pflege, Arzt, Verwaltung, Krankenkassen, Geldgeber? Wie kann das „Neue“ in das Gesundheitswesen kommen? Wenn man das „Neue“ hört, so sind schnell Assoziationen damit verbunden, die ganz gut in unsere Warenwelt passen. Neues Auto, neues Haus, neue Möbel – das klingt meist positiv. Tatsächlich bedeutet das Neue in Systemen aber Veränderung, die ist nicht immer angenehm. Fragen wie „Wer will das wirklich und wer profitiert davon?“ stehen rasch im Raum und machen das Neue unbequem. Wenn man das „Neue“ als Neuerung im medizinischen oder technischen Sinn versteht, so leistet das Gesundheitswesen das sehr gut. Bei „Neuem“ im Sinne von Gesundheitsdienstleistung stoßen wir sehr schnell an Grenzen des Systems, denn Neues benötigt Spielraum im eigentlichen Sinn. Wo liegen die größten Herausforderungen, wenn Innovationen den Weg in etablierte Systeme und Strukturen wie Spitäler finden sollen? Eine Herausforderung ist zunächst einmal, sich nicht der Parteilichkeit verdächtig zu machen. Jeder Player im System hat verständlicherweise eigene Interessen. Und Veränderungen (und Innovationen wären eben ein Spezialfall von Veränderung) werden von den Betroffenen nur dann gut angenommen, wenn diese als sinnvoll erlebt werden – und das setzt voraus, dass die Betroffenen in die Entwicklung dieser Veränderungen einbezogen werden. Dazu kommt noch, dass ein Team, das am Patienten arbeitet, unterschiedlichen Dienstrechten, Bezahlungsschemata und Leistungsanforderungen unterliegt. Spitäler sind einerseits hochkomplex und zugleich Systeme, die mit einer Null-Fehler-Toleranz arbeiten. Gut eingeübte Routinen sind eine Voraussetzung für geringe Fehlerquoten – unhinterfragt sind Routinen aber auch hinderlich für Veränderungen.

Im Gespräch

Die Kraft der ­Zivilgesellschaft Die Bedingungen der Entstehung, Umsetzung und Verbreitung sozialer Innovationen am Beispiel des österreichischen Gesundheitssektors hat eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der Vinzenz Gruppe untersucht. Fazit: Ohne „Slack“ im Sinne von Überschussressourcen fehlen auch die nötigen Spielräume, damit Innovationen in die Gänge kommen können.

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ie Bereiche Bildung, Soziales oder Gesundheit werden von Budgetknappheit, Sparmaßnahmen und Reformverweigerung dominiert, obwohl längst deutlich ist, dass mit den Rezepten der Vergangenheit den Herausforderungen der Zukunft nicht zu begegnen ist. Es braucht dringend einen Schub an gesellschaftlicher Innovation, doch der steckt hierzulande noch weitgehend in den Kinderschuhen. Welche Chancen systemische Innovationen im Gesundheitswesen haben, hat die Vinzenz Gruppe analysieren lassen. Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, gibt Einblick in die wesentlichen Erkenntnisse.

Was war Ihre Motivation, das Thema „soziale Innovationen“ näher untersuchen zu lassen? Wir haben den Eindruck, dass wir Innovationen nicht nur auf der technischen Ebene benötigen, sondern vor allem auf der System­ ebene. Dazu fehlen ganz klar die Rahmenbedingungen. Jedes klassisch gewinnorientierte Start-up, das die Absicht hat, Produkte und Märkte zu entwickeln, wird geschätzt, gefördert und unterstützt. Es gibt Partnerbörsen, Förderungen und Beratung. Im Bereich der Gemeinnützigkeit, also auch bei Gesundheitseinrichtungen, sind die Rahmenbedingungen nicht so günstig. Dieser Sektor kommt im BIP nicht vor, daher sind auch Innovationen hier offensichtlich nicht „förderungswürdig“. Wir wollen mit der Studie Bewusstsein schaffen und eine Diskussion anregen. Gemeinnützigkeit und soziale ­Innovation können nicht nur Arbeitsplätze schaffen und den Wohlstand wieder ausbauen helfen, sie sind auch eine tragfähige Antwort auf die vielerorts zutage tretende Sinnkrise der Gesellschaft.

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setzen. Gute Ideen werden vom Engagement einzelner Pioniere getragen und laufen sich langfristig dann in Projekten tot. Das Überführen in die Regelfinanzierung gelingt meist nicht.

Und das zentrale Outcome? Für die Studie hat die WU europaweit 250 soziale Innovationen sowie eine Feinanalyse von 13 Fallstudien mit Schwerpunkt in Österreich durchgeführt. Einen Mangel an Initiativen stellten wir gar nicht fest. Aber aufgrund des Fehlens einer politischen Gesamtstrategie bleiben soziale Innovatoren oft auf sich gestellt – und scheitern. Es mangelt an Zeit und Geld. Organisationen, die gemeinnützige Innovationen vorantreiben, haben zu wenig „Slack“. Damit ist gemeint, dass Ressourcen fehlen, um „innovativ“ sein zu können, also Freiräume für diese Offenheit Neues zuzulassen. Gemeinnützige Organisationen sind im „Normalbetrieb“ so dicht an ihren Kapazitätsgrenzen, dass praktisch keine Spielräume da sind. Das zweite große Problem ist, dass in diesem Sektor die Kultur fehlt, mit Innovationsmanagern professionelle Prozesse aufzu-

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Ein Vorschlag ist auch, „kreative Finanzierungssysteme“ zu erschließen. Was ist darunter zu verstehen? In Deutschland wird beispielsweise ein geringer Prozentsatz des Gesundheitsbudgets für innovative Projekte zweckgewidmet. Ich denke, dass ein solcher Schritt – etwa in Form eines Investitionsfonds – auch in Österreich Bewegung bringen würde. Ergänzend dazu ist die Erschließung privaten Risikokapitals ein möglicher Weg. Die Einrichtung sogenannter „Social Impact Bonds“ kann privates Kapital über Anreizsysteme akquirieren. Wenn ein soziales Projekt die gemeinsam mit den staatlichen Stellen gesteckten Ziele erreicht, wird das Kapital (verzinst) zurückerstattet – ein Modell, das etwa für den Bereich der Vorsorgemedizin prädestiniert erscheint. Soziale Innovatoren haben auch keine Mentoren. Würde das helfen? Natürlich, eine Plattform von „Social Business Angels“ wäre durchaus denkbar. Für den Erfolg eines sozialen Start-ups ist zentral, dass es an kompetente und wohlwollende Systemkenner gerät. Wir haben mit der Studie nur einen Impuls gesetzt, jetzt gilt es, dranzubleiben, an vielen Punkten. Ich sehe die Entwicklung auch nicht so pessimistisch, es gibt schon politisch Verantwortliche, die das Thema durchaus promoten möchten. Es geht nicht um „Privat gegen Staat“. Wir sehen nur mittlerweile, dass wir viele Probleme nicht vom Staat allein geregelt bekommen. Die Zivilgesellschaft muss Hand anlegen und dafür braucht es mutige Mitstreiter. Ich glaube an die Kraft der Zivilgesellschaft, an motivierte und mutige Menschen, die Herausforderungen erkennen und Lösungskompetenzen mitbringen.  n

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Was genau war der Untersuchungsgegenstand? Ein wesentlicher Teil der Studie beschäftigt sich, abgeleitet aus der Analyse des Status quo, mit konkreten Handlungsanleitungen zur Verbesserung der Situation sozialer Start-ups. Der Ausbau des Sektors hätte auch volkswirtschaftliches Potenzial. Die WU-Experten gehen für Österreich von rund 1.200 bis 2.000 Sozialunternehmen mit Umsätzen von rund 700 Millionen Euro und 16.000 Beschäftigten aus. Das mögliche weitere Wachstum hängt auch an den politischen Rahmenbedingungen. Laut WU könnte sich die Anzahl an Social Businesses in zehn Jahren jedenfalls verdoppeln, bei optimalen Bedingungen sogar bis zu verzehnfachen. 2025 könnte es 1.300 bis 8.300 gemeinnützige Institutionen mehr geben und diese würden zwischen 20.000 und 132.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Wie kann es zur Förderung der Bedeutung des Gemeinwohlgedankens kommen? Eine Abbildung der Leistungen des Sektors müsste im Bruttoinlandsprodukt vorkommen, denn dass hier Wertschöpfung passiert, kann nicht geleugnet werden. Dann braucht es eine klare politische Zuständigkeit, das führt in der Folge auch zur entsprechenden Wahrnehmung, wie beispielsweise an der OECD zu sehen ist.

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Das Bruttoinlandsprodukt muss auch den Gemeinwohlsektor­ abbilden, denn hier passiert ­Wertschöpfung.

Wie kann das Gesundheitswesen zu diesem – derzeit noch fehlenden – professionellen Innovationsmanagement kommen? Eine Transferstelle wäre erforderlich, wo Beratung und Unterstützung stattfinden können und genau dieses Know-how zur Verfügung steht. Die Interessenten müssen in die Lage versetzt werden, einen Innovationsprozess aufzusetzen, ihn zu begleiten und auch zu einer dauerhaften Finanzierung zu kommen. Nachdem das Thema derzeit auf viele politische Verantwortliche verteilt ist, fehlt es schon an der zentralen Koordination.


Crowdfunding:

Gesundheit lohnt sich u Ein neues Finanzierungsmodell scheint den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär für jeden zu ebnen, der eine zündende Idee und ein gutes Online-Netzwerk hat: Geld kommt von der „Crowd“, also vom potenziellen Patienten.

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napp zwei Jahre ist es her, seit aescuvest, die erste europäische Crowdinvesting-Plattform speziell für Beteiligungen an Unternehmen im Gesundheitsmarkt, ihren erfolgreichen Start gefeiert hat. Im Mittelpunkt des Business steht die Förderung von Geschäftsideen im medizinischen, technischen und dienstleistungsbezogenen Gesundheitssektor – abseits der klassischen Förder- und Finanzierungsschienen. Start-up-Unternehmer präsentieren online ihre Geschäftsidee und werden durch Crowdinvesting in die Lage versetzt, die Realisierung zu finanzieren. Jeder Anleger kann sich selbst auf Basis der Präsentation von einer Idee überzeugen lassen und entscheidet, wie viel er investieren will. Die Mindestbeteiligung beträgt 250 Euro. Höhere Summen können in 10-Euro-Schritten investiert werden.

Liegt das Geld jetzt auf der Straße?

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Die Idee steht und fällt mit der „Crowd“, also der Masse der Internetuser, ohne die das Finanzierungskonzept wohl nie zu seinem Hype gelangen konnte. Sie wird als Quelle nicht nur für künftiges Kapital, sondern auch für die Einschätzung des Marktpotenzials genutzt, denn die sogenannte „Intelligenz des Schwarms“, also der Masse der User, kann schon als potenzieller Testmarkt bewertet werden. Marktforscher nützen längst das Wissen und die Macht der „Crowd“, um ihre Produktentwicklungen an die Bedürfnisse der Käufer zu adaptieren, oder sammeln aus Foren und Netzwerken wichtige Information für ihr Business. Auch bei Crowdfunding oder Crowdinvesting setzen die Jungunternehmer auf das Wissen dieser User und ihre Bereitschaft, eine Idee auch finanziell zu unterstützen. Je mehr Menschen den Businessplan schon im Vorfeld gut finden, umso eher ist auch ein künftiger Erfolg zu erwarten. Taugt eine Geschäftsidee nicht, wird sie die erforderliche „Like“-Hürde in Form von Kapital nicht schaffen.

Per Mausklick zum Erfolg Während für Bankkredite oder -darlehen Sicherheiten nötig sind, die gerade Jungunternehmer oder Gründer nicht immer mitbringen können, ganz zu schweigen von positiven Bilanzen

oder Erfolgszahlen, braucht man gegenüber der Crowd vor a­ llem eines: Sympathie. Ein Wert, der, in Zeiten, in denen staatliche Fördergelder und die Kapazitäten für Mikrokredite knapp werden sowie die Konkurrenz an Jungunternehmern mit kreativen Ideen wächst, Crowdfinanzierungen zu einer attraktiven ­Alternative werden lässt. So manche Zahl – wenn auch nicht im Gesundheitswesen – lässt aufhorchen: Innerhalb von nur 32 Stunden wurden für „Omi’s Apfelstrudel“, dem weltweit ersten Apfelstrudelsaft, von 231 Investoren immerhin 249.990 Euro lockergemacht. Schon mit 250 Euro werden Fans zu Investoren und erhalten einen Anteil am Gewinn und Wert des Unternehmens. Crowdfunding war lange Zeit vor allem im Kreativ- und Sozialbereich erfolgreich, mittlerweile gibt es kaum eine Sparte, die davon nicht profitiert. So hat sich etwa in Österreich vor knapp zwei Jahren mit www.inject-power.at die erste Plattform für

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Der elektrische Rollator „ello“ überzeugte die Crowd: Er basiert auf einem handelsüblichen Rollator und wird mit elektrischem Antrieb, Bremse, GPS-Notruf und Licht nachgerüstet.

Wissenschaftsfinanzierung etabliert. Als Partner sind die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), das Naturhistorische Museum Wien (NHM), das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI), das Institut für Molekulare Biotechnologie IMBA und DEBRA Austria – Hilfe für Schmetterlingskinder mit im Boot. Die Projekte reichen von neuen Heilungsmethoden bei Kreuzbandriss bis hin zur Dokumentation privater historischer Dokumente. Jedoch kaum ein Projekt hat derzeit mehr als 500 Euro Unterstützung erhalten, ein Blick auf die „Media Relations“Seite zeigt möglicherweise auch den Grund dafür: Die letzte Presseaussendung ist Jahre alt, die Seite nicht gewartet und ein adäquater Ausdruck der Wertschätzung – zum Beispiel in Form von Rendite, Beteiligung oder Testprodukten – für die einzelnen Geldgeber fehlt. Das Beispiel zeigt deutlich, dass Crowdfunding mehr braucht als nur eine gute Idee und einen Eintrag auf einer Crowdfunding-Plattform. Am Anfang steht ein Pitch-Video, in dem die Idee der Community präsentiert wird. Zentrales Element ist die klare Abgrenzung für den Investor, also wie viel Geld wofür genau aufgestellt werden soll. Das zu finanzierende Projekt muss dem potenziellen Geldgeber etwas wert sein, daher zählt ein gelungener Mix aus Sympathie und Argumenten – und die intensive Beschäftigung mit klassischer Online-PR.

Vertrauen trifft Risiko Trotz innovationshemmender Sparpläne und dem verständlichen Wunsch nach neuartigen Finanzierungquellen fehlen im heimischen Gesundheitssektor nach wie vor also kreative Plattformen wie etwa die deutsche aescuvest. Die erste Investmentchance wurde hier im Herbst 2015 vorgestellt, seitdem wurden Geschäftsideen mit insgesamt über 700.000 Euro finanziert. Die Crowdinvesting-Plattform als ein digitaler Marktplatz will die Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessern – und zwar

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mit Unterstützung jedes einzelnen Bürgers. Als „Geburtshelfer für gute Ideen“ bringt aescuvest Innovatoren im Medizinbereich mit Geldgebern zusammen und schafft eine klassische Win-winSituation. Auf der Website www.aescuvest.de präsentieren Gründer aus der Medizin ihre innovativen Ideen. Private und institutionelle Anleger können sie mit Investments ab 250 Euro unterstützen. Das gesammelte Kapital von meist 100.000 Euro bis 400.000 Euro verwenden die Gründer dazu, ihre Produkte vom Prototypen bis zur Marktreife zu entwickeln. Die Investoren profitieren von attraktiven Renditekonditionen. So wurden zum Beispiel zwei Medizintechnik-Projekte mit über 350.000 Euro erfolgreich finanziert. Insgesamt 363.650 Euro steckten Investoren in snakeFX, ein neuartiges Fixationssystem zur Erstversorgung offener Knochenbrüche, das unter anderem in Krisengebieten zum Einsatz kommen soll, sowie Activoris, eine Strategieberatung, die junge Start-ups in der Medizintechnik-Branche berät. Auch der elektrische Rollator „ello“ überzeugte die Crowd. Er basiert auf einem handelsüblichen Rollator und wird mit elektrischem Antrieb, Bremse, GPS-Notruf und Licht nachgerüstet. Aufgrund des großen Erfolges wurde im Oktober 2016 das Biotechnologie-Portal BIOstartr.com übernommen, um das Know-how im wachstumsstarken BiotechSektor zu schärfen und auch Start-ups aus diesem Bereich anzusprechen. Für die europaweit einzige auf den Healthcare-Sektor spezialisierte Plattform sind Vertrauen und Transparenz besonders wichtig. Anleger erhalten die treuhänderische Absicherung der bereitgestellten Mittel und eine attraktive Verzinsung bei erfolgreichen Projektverläufen. Im Gegenzug erhält jedes Start-up nicht nur Zugang zu einer Finanzierungsquelle, sondern auch zu einem Netzwerk in der Gesundheitswirtschaft, das ein wichtiger Starthelfer bei der Realisierung einer Geschäftsidee bzw. beim Marktstart eines neuen Produkts sein kann.  n


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Dr. Patrick Pfeffer, Geschäftsführer, aescuvest

© Michael Weber

IM GESPRÄCH

Ist Crowdinvesting ein praktikables Instrument, um Investitionen im Healthcare-Sektor zu finanzieren? Ja sicher! Man muss sich aber der Tatsache bewusst sein, dass wir im Risikokapitalbereich unterwegs sind, die Menschen sind auch hier angehalten, das Risiko zu streuen und auf ein entsprechend breites Portfolio zu setzen. Wer gute Projekte fördert, wird sich auch über gute Rendite freuen können. Was war Ihre Motivation, eine Crowdinvesting-Plattform im Gesundheitssektor zu gründen? Wir sind ein Team von Healthcare-Spezialisten, die sehr gut mit Acceleratoren oder Förderinstitutionen vernetzt sind. Wir wissen, dass der Bedarf an medizinischen Lösungen laufend steigt. Der Markt ist sehr stark reguliert und dass er überhaupt „crowdfähig“ wird, hat auch einen hohen edukativen Anspruch. Menschen haben zunehmend besseres Wissen über ihre Gesundheit und werden ihre eigenen Gesundheitsmanager. Da muss es doch auch möglich sein, sie zu motivieren, in ihre medizinische Versorgung zu investieren. Wenn Sie so gut vernetzt sind, warum unterstützen Sie Start-ups nicht bei der Generierung von Fördermitteln? Einen Antrag auf Fördergelder zu schreiben kommt einer Dissertation gleich, der Aufwand ist ungleich höher als bei Crowdinvesting. Zusätzlich haben wir hier auch gleich einen wichtigen Marketingaspekt integriert, der den Start-ups immer wichtiger wird. Folgefinanzierungen kamen leichter, Bestellungen sind sofort eingelangt, der Markteintrittseffekt war ungleich größer. Wer einen Kreditvertrag ausfüllt, bekommt vielleicht Geld, aber keine Publicity. Wie schaffen es Projekte auf Ihre Plattform und was ist für heuer geplant? Alle eingehenden Projektvorschläge werden von einem wissenschaftlichen Beirat geprüft, der passende Ideen auswählt. Das Expertengremium setzt sich aus Fachleuten der Gesundheitsbranche wie zum Beispiel Medizinrecht, Medizintechnik und Digital Health zusammen. Ein Investorenbeirat prüft die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen. Nur rund fünf Prozent der Finanzierungsanfragen landen so überhaupt auf der Plattform. Im Jahr 2017 werden 15 neue Projekte auf die Plattform kommen – das ist der Faktor 3 zu bisher, der Trend zeigt steil nach oben!

Start-ups haben meist wenig Geld für Werbung und PR, die im Falle von Crowdfinanzierung aber wichtig sind. Wie ist das organisiert? Wir begleiten die Unternehmen nicht nur über die Kampagnendauer von acht Wochen, sondern auch über den gesamten Finanzierungszeitraum über drei bis sieben Jahre. In diesem Zeitraum berät aescuvest vor allem in der Kommunikation mit den Anlegern. Start-ups, die bei aescuvest um Investitionsmittel werben, profitieren von vielen Kooperationen, die wir haben. PR-Begleitung, Social Media Marketing, aber auch Newsletter direkt zu über 200.000 Entscheidungsträgern sind dabei inkludiert. Wir wollen, dass sich das Start-up um das Kerngeschäft kümmert, alles andere übernehmen wir. Gibt es außer aescuvest noch andere Plattformen für die Gesundheitsindustrie? Es gibt welche in den USA und Frankreich, eine deutsche steht kurz vor dem Start. Planen Sie, auch nach Österreich zu expandieren? Wir wollen uns heuer überhaupt in Europa breiter aufstellen, da wird die DACH-Region sicher im Vordergrund stehen. Der Markt zeigt große Wachstumschancen, aber wenig innovative Finanzierungen, warum? Weil man sehr viel Spezialwissen braucht, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Außerdem dauern Produktentwicklungen gerade in der Pharmaindustrie viele Jahre. Wir haben uns daher auf den Medizintechnik-Markt und Digital Health spezialisiert, wo auch die Zeitspanne bis zur Marktzulassung kürzer ist. Das wird aber mit der neuen Medizinprodukte-Verordnung nicht leichter werden. Wir nehmen das sportlich. Natürlich wird es mit Regulierungen immer enger, aber das heißt nicht, dass der Bedarf an Innovationen weniger wird. Und der Erfolg gibt uns bereits recht: Einige Start-ups zahlen bereits ihre ersten Zinsen an die Anleger zurück. Die Zeit ist auf unserer Seite! Sie haben derzeit Medizintechnikprodukte im Portfolio, aber keine Dienstleistungen. Warum? Doch, das kommt. Zwei Themen stehen auf der Warteliste für das heurige Frühjahr. Unsere Entwicklungsthemen für 2017 sind neben der Medizintechnik die digitale Gesundheit, Dienstleistungen, Biotechnologie und Gesundheitsimmobilien. Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung am Crowdinvesting-Markt? Ich würde mir auf EU-Ebene wünschen, dass die Voraussetzung für eine Finanzierung von Start-ups erleichtert wird. Die Prospektbefreiung wäre hilfreich, denn es ist ein echter Innovationskiller, wenn ohnehin kein Kapital vorhanden ist und um 50.000 Euro ein Prospekt aufgelegt werden muss. Eine EU-weite Harmonisierung würde auch die Voraussetzung sein, dass wir mit manchen Produkten und Leistungen nicht an den Landesgrenzen haltmachen müssten.

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oo RÜCKBLICK

Der Patient im Mittelpunkt

Wie effizient ist unser ­Gesundheitswesen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des 60. Österreichischen Krankenhausmanagementkongresses, der vom 8. bis 10. Mai in Krems stattfinden wird. Das Thema ist nicht neu und dennoch scheint es speziell: „Wir haben die letzten 59 Kongresse evaluiert und festgestellt, dass immer Spezialthemen abgedeckt wurden. Effizienz ist ein Kernthema, das uns ständig beschäftigt, und war in seiner Gesamtheit noch nie im Mittelpunkt“, sagt Mag. Klaudia Watzinger, Kaufmännische Direktorin, Landesklinikum Scheibbs, langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftlichen Leiter der Niederösterreichischen Landeskliniken und für die Organisation des Kongresses verantwortlich. Vorgestellt werden sollen spezielle Projekte, bei denen es um die Verbesserung der Effizienz im Kleinen geht. „Wir wollen und müssen nicht immer das Gesundheitssystem verbessern. Auch viele kleine Projekte aus den Häusern können durchaus etwas bieten“, so Watzinger. Natürlich ist nicht jede Erkenntnis übertragbar, denn es müssen die Verhältnisse vor Ort geprüft werden, doch Learnings, Anregungen und Ideen können aus erfolgreich umgesetzten Projekten immer mitgenommen werden. Mag. Klaudia Watzinger, Kaufmännische Direktorin, Landesklinikum Scheibbs, langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftlichen Leiter der Niederösterreichischen Landeskliniken und verantwortlich für die Organisation des 60. Österreichischen Krankenhausmanagementkongresses

60. Österreichischer Krankenhaus­ managementkongress 8.-10. Mai 2017, Krems an der Donau www.buko-krankenhaus.at

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„Wir erleben den größten technologischen Wandel seit der Erfindung des Buchdruckes. Was die Spitzenforschung auf dem Menüplan hat, ist maximal der Gruß aus der Küche, das mehrgängige Menü kommt erst“, ist Dr. Harald Mahrer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft überzeugt. Labore so groß wie ein Daumennagel sind längst verfügbar. Am 3D-Druck menschlicher Organe arbeiten Japaner und wollen in zwei Jahren die ersten Prototypen auf den Markt bringen. Mit „iPrint“, einem gemeinsamen Projekt der Medizinischen Universität Graz, Forschungseinheit für Experimentelle Neurotraumatologie, und der Montanuniversität Leoben, Department Kunststofftechnik, werden neue Verfahren und Materialien entwickelt, die während laufenden Operationen passgenaue, personalisierte Schädelimplantate fertigen. „Beschäftigen Sie sich mit dem Unbekannten und gehen Sie mutig Risiken ein, ansonsten wird uns die radikale Veränderungsgeschwindigkeit überholen“, mahnt Mahrer. Wer jetzt bremst, der verliert ... Quelle: 9. Österreichischer Gesundheitswirtschaftskongress, März 2017, Wien

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uu AUSBLICK

Die Digitalisierung in der Medizin ist nicht mehr aufzuhalten und fördert, dass der Patient und seine Interessen mehr und mehr zum entscheidenden Maßstab der Behandlungsangebote werden. Wie weit das Thema in der täglichen Praxis angekommen ist, stand im Mittelpunkt des 9. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongresses, der kürzlich in Wien stattfand. Was viele Akteure noch vor kurzer Zeit nicht für möglich gehalten haben, ist nicht mehr zu übersehen: „Patienten akzeptieren nicht mehr, wenn Ärzte beispielsweise nicht in der Lage sind, ihre über Jahre gesammelten Vitaldaten auszulesen und in die Diagnose miteinzubeziehen. Online-Terminvergaben und elektronische Datenübermittlung werden erwartet. Patienten werden somit zu zentralen Treibern des digitalen Wandels. Die Gesundheitswirtschaft ist insgesamt gut beraten, den Modernisierungsprozess tatkräftig voranzutreiben. Wer jetzt noch lange auf der Bremse steht, hat schon verloren“, meint Gesundheitsunternehmer und Kongresschef Prof. Heinz Lohmann. Er ist überzeugt, dass Technik und Humanität durchaus kein Widerspruch sein müssen, im Gegenteil, sie ermöglichen in vielen Fällen erst, dass Ärzte oder Pflegepersonal mehr Zeit für Patienten haben und nicht im „Improvisationstheater“ Krankenhaus ihre Zeit mit Dokumentations- und Logistikhilfsdiensten verbringen.


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Poppy Abeto Kiesse, MSc, Business Development Manager Healthcare

Standards für mehr Sicherheit Patientensicherheit ist ein Thema, mit dem sich alle Teilnehmer entlang der Healthcare Supply Chain befassen müssen. Dies verlangt auch immer mehr Transparenz sowie elektronische ­Vernetzung von Daten und Informationen. Dem Thema widmet sich GS1 Austria unter dem Motto ­ „One Vision 4 Patient Safety“. eder einzelne Teilnehmer innerhalb der Healthcare Supply Chain kann dazu beitragen, Zeit und Kosten einzusparen, um die Versorgungsqualität von Patienten zu steigern, denn nur so gelangt das Richtige zum richtigen Patienten. 30 % weniger Gesundheitskosten, vor allem durch die erhebliche Reduktion von Medikationsfehlern, bis zu 20 % einsparen durch verbesserte Bestandsführung und bis zu 70 % an Datenmanagement-Kosten reduzieren1. Dies und vieles mehr verspricht der richtige Einsatz von GS1 Standards im Gesundheitswesen, um am Ende der Versorgungskette dem Patienten hohe Sicherheit zu bieten.

Entgeltliche Einschaltung

Hohe Wertschöpfung In vielen Organisationen ist der Weg von der Beschaffung bis zur Lieferung und Bezahlung von Waren lang, umständlich sowie im Handling äußerst fehleranfällig. Des Weiteren können dabei wertvolle Informationen verloren gehen. International gültige Standards und moderne Technologien in Kombination mit einer umfassenden Warenwirtschaft bieten ein hohes Einsparungspotenzial und Nachhaltigkeit. Prozessoptimierungen durch die

Rund um die Patientensicherheit dreht sich alles am heurigen GS1 Healthcare Day. Im Mittelpunkt steht eine Reihe aktueller Fragen, die von den Vortragenden aus dem Bereich der Standardisierung sowie erfolgreichen internationalen Anwendern von Standards beantwortet werden: uW  ie können international anerkannte Standards Patientensicherheit gewährleisten? uW  as können Teilnehmer der Healthcare Supply Chain tun, um Standards effizient und wirtschaftlich umzusetzen? uW  er oder was steckt hinter diversen Standards?

GS1 Healthcare Day 2017 – ­ „One Vision 4 Patient Safety“

26. September 2017, Imperial Riding School Vienna Ungargasse 60, 1030 Wien, Info & Anmeldung: www.gs1.at/hcday2017

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Umstellungen in den Bereichen Einkauf, Verwaltung der Artikelstammdaten, Bestellung, Warenein- und -ausgang, Retouren, Produktrückrufe und Verrechnung sind die Folge.

Kompatibilität Die Anwendung von Standards unterstützt bei der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen auf nationaler und internationaler Ebene. Ziel ist es, gemeinsam rasch und effizient Standards zu erneuern bzw. weiterzuentwickeln, Überschneidungen zu vermeiden und internationale Richtlinien zu integrieren. Somit erhält der Anwender eine langfristige Investitionssicherheit. „Standards ermöglichen eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln und Medizinprodukten vom Hersteller zum Patienten zur Verbesserung der Patientenversorgung“, betont Poppy Abeto Kiesse, MSc, Business Development Manager Healthcare. n

Für nähere Details zum Programm sowie zu Sponsoring-­ Möglichkeiten kontaktieren Sie Poppy Abeto Kiesse, MSc, Business Development Manager Healthcare, abeto@gs1.at 1 Oktober 2012, McKinsey report: „Strength in unity: The promise of global standards in healthcare“, www.gs1.org

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Komplexes Krankheitsbild

In der aktuellen Arbeit konnten die Wissenschaftler mit einer Kohorte von 626 Patienten ein repräsentatives Abbild der gesamten Wiener Dialysebevölkerung von circa 850 Betroffenen abgeben und mittels direkter Patientenbefragung und umfangreicher Recherche die Prävalenz von Vorhofflimmern genauer erheben als in bisherigen Untersuchungen aus dezentralen, nationalen Registern oder Datenbanken von Versicherungsträgern. „Wir konnten feststellen, dass die Prävalenz von Vorhofflimmern mit dem Alter zunimmt und unter männlichen Patienten besonders verbreitet ist. Trotz des Risikos für Schlaganfälle, das von Vorhofflimmern ausgeht, wird nur die Hälfte der Betroffenen mit einem Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung therapiert“, beschreibt Königsbrügge die Ergebnisse. Säemann ergänzt: „Vorhofflimmern kommt extrem häufig bei Dialysepatienten vor, wodurch ein überdurchschnittlich hohes Schlaganfallrisiko entsteht. Bislang existieren jedoch immer noch keine guten Richtlinien zur adäquaten Therapie dieser häufigen Morbidität. Die Behandlung des Schlaganfallrisikos mit gerinnungshemmenden Medikamenten ist bei Dialysepatienten erschwert, da auch ein überaus großes Blutungsrisiko besteht und viele neue Medikamente zur Schlaganfallprophylaxe bei Hämodialysepatienten nicht zugelassen sind“, erklärt Studienleiter Ay. Die Studie unterstreicht nun die Bedeutung Quelle: www.meduniwien.ac.at dieser Begleiterkrankung in der Dialyse.

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Prim. Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Abteilungsvorstand II. Interne Abteilung, Landesklinikum Wiener Neustadt und Tagungspräsident

Personalisierte Medizin versus vorgegebene Behandlungspfade ist das Thema der Jahrestagung. Wo liegt das Spannungsfeld? Die maßgeschneiderte Therapie gilt in vielen medizinischen Diszi­ plinen als modernes Schlagwort. In der Kardiologie ist das anders. Wir haben große Patientenzahlen, die nach ESC-Guidelines behandelt werden. Hier stellt sich die Frage, ob die auch für jeden Patienten passend sind und welche Faktoren einbezogen werden müssen, um zu einer maßgeschneiderten Therapie zu kommen. Kardiologische Patienten haben oft eine Reihe von Risikofaktoren, denen in den Guidelines nicht immer Rechnung getragen wird. Welche Highlights sind auf der Tagung zu erwarten? Wir haben heuer zum zweiten Mal die Kooperation mit den HerzThorax-Chirurgen, damit wir alle Aspekte der kardiologischen Behandlung gut abdecken können. Zudem haben wir auch den Fortbildungsauftrag für die Internisten und einen Teil, in dem niedergelassene Kollegen über die neuen Erkenntnisse aus der Kardiologie und Herz-Thorax-Chirurgie informiert werden. Unter dem Titel „Heart meets brain“ haben wir zum Beispiel eine gemeinsame Sitzung mit den Neurologen. Erstmals werden die besten wissenschaftlichen Poster in die Hauptsitzung integriert, sodass auch junge Kollegen ihre Erkenntnisse vor einem großen Forum präsentieren können. Insgesamt wird es ein Mix zwischen den State-of-the-Art-Themen und dem, was wissenschaftlich auf dem Gebiet derzeit in Österreich geforscht wird.

Jahrestagung 2017

Österreichische Kardiologische Gesellschaft mit Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Thorax- und Herzchirurgie „Personalisierte Medizin versus vorgegebene Behandlungspfade“ Salzburg Congress, 7.-10. Juni 2017 www.atcardio.at, www.herz-thorax.at

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Die Herzrhythmuserkrankung Vorhofflimmern ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung von Schlaganfällen. Bei Patienten mit Nierenversagen in fortgeschrittenem Stadium, die auf ein Nierenersatzverfahren mittels Hämodialyse angewiesen sind, wurde das Auftreten von Vorhofflimmern bisweilen unterschätzt. Außerdem ist wissenschaftlich unklar, ob Hämodialysepatienten mit Vorhofflimmern von einer Antikoagulationstherapie zur Prävention von Schlaganfällen profitieren oder ob das Blutungsrisiko überwiegt. Die Prävalenz von Vorhofflimmern bei Hämodialysepatienten in Wien beträgt 26,5 Prozent und liegt damit weit über internationalen Einschätzungen von 10 bis 15 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam eine multizentrische Studie um Dr. Oliver Königsbrügge, Dr. Ingrid Pabinger und Dr. Cihan Ay von der klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Zusammenarbeit mit Dr. Marcus Säemann von der 6. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital und den Dialyseeinheiten des AKH Wien, des Donauspitals, des Kaiser-FranzJosef-Spitals, des Krankenhauses Hietzing, der Krankenanstalt Rudolfstiftung und des Wiener Dialysezentrums. In der Studie, die unter dem Akronym VIVALDI (engl. Vienna InVestigation of AtriaL fibrillation and thromboembolism in hemoDIalysis patients) zusammengefasst wird, untersuchen die Forscher das klinisch-wissenschaftliche Spannungsfeld des Risikos für Schlaganfälle und thromboembolische Komplikationen bei Hämodialysepatienten, insbesondere bei jenen mit Vorhofflimmern.

IM GESPRÄCH

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Vorhofflimmern bei ­Dialysepatienten


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Univ.-Prof. Dr. techn. Dieter Pahr Fachbereichsleiter Biomechanik Department für Anatomie und Biomechanik Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften dieter.pahr@kl.ac.at www.kl.ac.at

Individualisierte Implantate – Realität oder Fiktion? u Individualisierte Medizintechnik verbessert die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. u Für die Entwicklung von innovativen individualisierten Implantaten bedarf es noch ­umfangreicherer und genauerer Messdaten.

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ie Technik hält immer stärkeren Einzug in die Medizin. Gründe dafür finden sich im demografischen Wandel und den damit verbundenen sozioökonomischen Herausforderungen an das Gesundheitssystem. Innovationen mittels Individualisierung in der Medizintechnik sind notwendig, um den derzeit hohen Standard aufrechterhalten zu können. Muskuloskelettale Erkrankungen – wie Osteoporose oder Osteoarthrose – zählen dabei zu den Top-5-Erkrankungen im Alter. Aus diesem Grund wurde an der 2013 gegründeten Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems mit drei angeschlossenen Universitätskliniken – kurz KL – der Fachbereich für Biomechanik etabliert und ein Labor für Biomechanik mit dem letzten Stand der Technik ausgestattet.

Festigkeit von Implantaten Eine abnehmende Knochenmasse und ein erhöhtes Sturzrisiko führen zu einer Zunahme an Frakturen im Alter. Diese werden mittels unterschiedlichen Implantatsystemen versorgt. Ein gutes Design ist Garant für eine erfolgreiche Behandlung. Als Werkzeug verwendet man Simulationsmethoden aus dem Automobil- und Flugzeugbau, welche entsprechend adaptiert werden. Aber auch biomechanische Versuche im Labor sind dabei für die Validierung der Simulationen, die Entdeckung neuer Frakturmechanismen, aber auch die Untersuchung komplexer Systeme wie Implantaten von entscheidender Wichtigkeit. Die „Festigkeit von Implantaten“ umfasst dabei ein breites Spektrum. Statische Festigkeiten unter Zug-, Druck- und Biegebelastung gemessen mit Universalprüfmaschinen zielen auf die Primärstabilität ab, um Aussagen über mögliche Lockerungen bzw. das Anwachsverhalten zu erhalten. Aber auch ­Untersuchungen des Knochenmaterials, zeitabhängige Kriechund Relaxationsversuche sowie die Messung von Ausreißfestigkeit von Fixationselementen sind mit solchen

Biomechanische Prüfmethoden liefern eine Vielzahl von Kraft-Verschiebungsdaten für die Bestimmung der Festigkeiten von Implantaten.

Maschinen möglich. Neben statischen Untersuchungen ist die ­ rmittlung von Dauerfestigkeiten unter schwingenden BelasE tungen bei Implantatsystemen für die Untersuchung von ­In-vivo-Belastungen notwendig. Servohydraulische oder neue elektrodynamische Prüfsysteme kommen dabei zum Einsatz. Diese biomechanischen Prüfmethoden liefern eine Vielzahl von Kraft-Verschiebungsdaten, welche für die Bestimmung der Festigkeiten von Implantaten essenziell sind. Auf der KL in Krems stehen dafür zwei Prüfsysteme der Firma Zwick – eine 30 kN Universalprüfmaschine (Z030) und eine 5 kN elektrodynamische Prüfeinrichtung (LTM 5) – zur Verfügung. Zwick hat umfangreiche Erfahrung in der Implantatsprüfung und konnte diese im Auswahlprozess für die Laborausstattung zielführend miteinbringen. Dank der intelligenten Komponenten können sowohl normkonforme als auch individuell konfigurierte Prüfungen durchgeführt werden.  n

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Dr. Holger Flick Oberarzt der klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten Universitätsklinik für Innere Medizin LKH Universitätsklinik / Med. Universität Auenbruggerplatz 15, 8036 Graz holger.flick@medunigraz.at

Pneumonie als Notfall u Eine Lungenentzündung soll besonders bei älteren Menschen, analog zu Herzinfarkt, als medizinischer Notfall verstanden werden. u Eine neue Leitlinie soll die Behandlung optimieren und zielt auf eine Intensivüberwachung ab.

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und 10 % der Patienten, die mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert werden, sterben daran. Bei Patienten, die mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert werden, liegt die Sterblichkeit heute bei unter 5 %1. „Das liegt unter anderem daran, dass die Lungenentzündung als lebensbedrohliche Erkrankung grob unterschätzt wird“, erklärt Dr. Holger Flick, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Infektiologie und Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumonie (ÖGP).

Engmaschige Kontrolle erforderlich Auch wenn Patienten, die aufgrund einer Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert werden, vermeintlich nicht unmittelbar lebensbedrohlich erkrankt sind, bedürfen sie – den neuen Erkenntnissen zufolge – im Einzelfall von Beginn an einer intensiven Überwachung und Therapie. „Patienten mit Lungenentzündung scheinen bei der Erstbegutachtung im Krankenhaus oft nicht unmittelbar vital bedroht zu sein und werden daher auf die Normalstation gelegt. Dort aber sind die klinischen Kontrollen unter Umständen nicht ausreichend engmaschig. Der Zustand des Patienten kann sich innerhalb weniger Stunden dramatisch ver-

KURZ GEMELDET:

schlechtern. Vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren und Patienten mit Vorerkrankungen sind hier besonders gefährdet“, warnt Flick. Während bei einem Herzinfarktpatienten das gesamte Behandlungsteam von Beginn an hoch alarmiert ist und sofort eine genau definierte Abfolge von diagnostischen und therapeutischen Interventionen abläuft, wird die Gefährlichkeit einer Lungenentzündung immer wieder unterschätzt. Das grundlegende Ziel der neuen Guideline, die erstmalig für Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam erarbeitet wurde und bei deren Ausarbeitung Flick als Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie mitgearbeitet hat, ist die Reduktion der Sterbefälle durch eine Verbesserung der Behandlungsqualität. „Es wurden genaue Empfehlungen zur Umsetzung der Leitlinie formuliert, die in jedem Krankenhaus individuell angepasst werden können und sollen. Und auch der Überprüfung der so gesetzten Maßnahmen, Stichwort Qualitätssicherung, wurde in der Leitlinie große Bedeutung beigemessen.“  n Quelle: ÖGP-Jahrestagung 2016 Journal of the American College of Cardiology Vol.56, No.4, 2010 ISSN 0735-1097/ doi:10.1016/j-jacc.2010.05.008 „Treatments, Trends and Outcomes of Acute Myocardial Infarction and Percutaneous Coronary Intervention“ 1

+++ Tuberkulose: „Migration und Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten führen zu keiner Erhöhung der Erkrankungszahlen“, bestätigt Dr. ­Bernhard Benka, Leiter der Abteilung 4, Übertragbare Erkrankungen, Krisenmanagement, Seuchenbekämpfung im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. Im Jahr 2015 wurden 583 Fälle von Tuberkulose in Österreich registriert. Das sind um drei Fälle weniger als noch 2014. Damit gehört Österreich zu den westeuropäischen Ländern mit niedriger Inzidenz. Im Rahmen der verpflichtenden medizinischen Erstuntersuchung für Asylwerber wird ab einem Alter von sechs Jahren ein Lungenröntgen als Tuberkulosescreening durchgeführt. +++ Schlafapnoe: Rund 10 % der österreichischen Bevölkerung leiden an Schlafapnoe. Besonders Männer über 50, die übergewichtig sind, sind häufig betroffen. Abgesehen von diversen, mitunter lebensbedrohlichen Erkrankungen, die mit einer Schlafapnoe in Zusammenhang stehen – wie Bluthochdruck, Lungenhochdruck, stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt –, stellen Tagesmüdigkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit gerade im Straßenverkehr ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Der Gesetzgeber hat diesem Umstand nun Rechnung getragen. Basierend auf einer 2015 von der EU herausgegebenen Direktive, die in allen EU-Staaten umgesetzt werden muss, gibt es eine neue Verordnung des Verkehrsministeriums: Demnach darf bei „Personen, bei denen der Verdacht auf ein mittelschweres oder schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom…besteht,…eine Lenkberechtigung nur nach Einholung einer fachärztlichen Stellungnahme erteilt oder belassen werden“. Und: „Bei Personen, die ein mittelschweres oder schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom aufweisen, ist die Lenkerberechtigung unter der Auflage von ärztlichen Kontrolluntersuchungen im Abstand von drei Jahren für eine Lenkerberechtigung der Gruppe 1 (nicht Berufsfahrer) und einem Jahr für eine Lenkerberechtigung der Gruppe 2 (Berufsfahrer) zu erteilen oder zu belassen.“

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Mag. Markus Pöltenstein Geschäftsführer R. Heintel GmbH Medizintechnik www.heintel.at

Mehr Sicherheit im OP Die Arbeitsabläufe im OP machen es erforderlich, dass eine Vielzahl an Personen mit Klingen und Skalpellen hantiert und daher auch entlang des gesamten Prozesses – von der Instrumentenübergabe bis hin zur Entsorgung – Verletzungsgefahr besteht. Schutz und Rechtssicherheit stehen an oberster Stelle.

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Entgeltliche Einschaltung

Langjährige Partnerschaft Als Kommunikations- und Verkaufsdrehscheibe zwischen Hersteller und Anwender setzt R. Heintel Medizintechnik seit fast 100 Jahren auf langjährige Partnerschaften. Die Sicherstellung umfassender Produktqualität, aber auch von Serviceleistungen auf höchstem Niveau für Partner und Anwender stehen im Fokus der strategischen Ausrichtung. Auf dem Weg von der 1952 erstmals verkauften sterilen Klinge bis hin zu einem umfangreichen Klingen- und Messersortiment entsprechend modernen Sicherheitsverordnungen hat das Wiener Traditionsunternehmen ein Expertenteam auf diesem Gebiet aufgebaut. Weltmarktführer wie Swann-Morton zählen seit Jahrzehnten zum Partnernetzwerk

Die Vorteile auf einen Blick Sicher: Die Klinge befindet sich vollständig in einer schützenden ­Schiebehülse auch nach dem Gebrauch. Sauber: Die Öffnung und Verriegelung der Hülse zur Klingenanwendung erfolgt intuitiv. Einfach: Das Lösen der Klinge zur sicheren Entsorgung ist einfach und entspricht der Nadelstichverordnung.

entspricht der Sicherheitsverordnung

© Swann-Morton

wann-Morton hat mit dem KLEEN-Klingen-Managementsystem ein Sicherheitsprodukt entwickelt, das Chirurgen und deren Teams vor Stichverletzungen und damit verbundenen Ansteckungen schützt, gleichzeitig aber intuitiv in der Handhabung ist. Das neue Klingensystem entspricht der Sicherheitsverordnung zum Schutz der Arbeitnehmer vor Schnitt- und Stichverletzungen gemäß der Nadelstichverordnung (NastV). Der Sicherheitsmechanismus bei KLEEN kann – wie gesetzlich vorgeschrieben – einhändig aktiviert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Chirurgen erhalten erstmals die gewohnte Skalpellqualität mit einem Sicherheitsmechanismus, der der NastV entspricht. Mit dieser Lösung wird allen Beteiligten der bestmögliche Schutz geboten – vom Übergabehandling im OP bis hin zur Entsorgung – und außerdem ein rechtssicherer Raum geschaffen.

Das KLEEN-Klingen-Managementsystem von Swann-Morton

und tragen zum stetigen Know-how-Aufbau entscheidend bei. „Wir sind heute als Full-Service-Provider für den Spitals- und Pflegebereich am Markt etabliert. Vor 100 Jahren haben wir mit dem Vertrieb von Instrumenten und Skalpellen das Fundament für umfassendes Know-how und eine breite Produktpalette in diesem Bereich gelegt. In enger Zusammenarbeit mit unseren Herstellerpartnern streben wir danach, die Produkte permanent zu optimieren und an die Bedürfnisse des Chirurgen anzupassen. Hohe Qualität und praktikable Handhabung stehen bei der Produktentwicklung von Einmal-Klingen und Skalpellen stets im Fokus. Der Chirurg muss sich mit unseren Produkten absolut sicher fühlen – das ist unser Qualitätsanspruch! Wir sind überaus stolz darauf, dem Chirurgen nunmehr die erste der Sicherheitsverordnung entsprechende Einmal-Klinge in die Hand zu ­geben“, bringt es Mag. Markus Pöltenstein, Geschäftsführer, R. Heintel GmbH Medizintechnik, auf den Punkt. n

R. Heintel GmbH Medizintechnik Erdbergstraße 166, 1030 Wien Tel. +43-1-403 89 56-0 www.heintel.at

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Univ.-Prof. Dr. Cornelia Lass-Flörl, Direktorin Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Universität Innsbruck, Tagungspräsidentin Infektionskongress 2017 und Dosch-Symposium

Die WHO veröffentlichte kürzlich eine Liste von zwölf bakteriellen Erregern, die „die größte Bedrohung der menschlichen Gesundheit“ darstellen. In Fachkreisen wird vor der zunehmenden Resistenzentwicklung gegenüber diesen zwölf bakteriellen Erregern schon seit Jahren gewarnt. Mit der veröffentlichten Liste sollen allerdings weniger Maßnahmen zur primären Verhinderung von Infektionen eingeleitet, sondern Anreize zur Entwicklung neuer Antibiotika gegeben werden. Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH), betont, dass neben der Verhinderung von Infektionen für bestimmte Erreger die Notwendigkeit neuer therapeutischer Maßnahmen ebenso wichtig ist. Insbesondere wird dies anhand des in der WHO-Liste angeführten Erregers Helicobacter pylori deutlich, der bei Menschen vor allem durch das Hervorrufen von Magen-Zwölffingerdarm-Geschwüren bekannt ist. Univ.Prof. Dr. Albert Tuchmann, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (OEGCH), unterstreicht das: „Wenn man des Resistenzproblems hinsichtlich des Magenbakteriums H. pylori nicht Herr wird, liegt die Vermutung nahe, dass H. pylori-assoziierte Erkrankungen wie Magen-Zwölffingerdarm-Geschwür sowie Magenkarzinom zunehmen könnten. Das hätte eine Steigerung von Magenoperationen zur Folge.“ Das hat weitreichende Auswirkungen, denn jede Operation birgt neben der Hoffnung auf Linderung von Leiden auch das Risiko einer neuen Infektion. „Durch zunehmende Resistenz von H. pylori gegenüber Antibiotika wie Clarithromycin werden gegebenenfalls wieder operative Eingriffe nötig sein, die dann zu Infektionen durch andere Erreger wie S. aureus führen können“, so Assadian. Um Antibiotikaresistenzen einzudämmen, plädieren die Experten dafür, Antibiotika nur gezielt und richtig einzusetzen und die verordnete Einnahme korrekt zu befolgen. „Zielgerichteter mikrobiologischer Dia­ gnostik muss mehr Aufmerksamkeit und Wert geschenkt werden und Impfen ist als präventive Maßnahme zu forcieren.“ 

Download der Liste der WHO zu antibiotikaresistenten Bakterien: http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/bacteria-­ antibiotics-needed/en/

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„Was Sie immer schon über Infektionen wissen wollten: Diagnostik – Therapie – Prophylaxe“ stand heuer im Mittelpunkt des 11. Österreichischen Infektionskongresses, der Ende März in Saalfelden stattgefunden hat. Nosokomiale Infektionen (NI) waren ein Schwerpunkt, den wir auch beim 24. Dosch-Symposium behandeln werden. Das Thema ist ein Dauerbrenner im klinischen Alltag, vor allem, weil ihnen das Image eines „Fehlers“ anhaftet. Landläufig herrscht die Meinung, dass NI ein untrügliches Zeichen für Hygienemängel sind. Mir wäre es wichtig, NI endlich als das zu begreifen, was sie sind: ein Kollateralschaden der modernen Medizin. Wir haben immer mehr Patienten mit hohen Risiken, vor allem auf Intensivstationen. Trotz optimaler Hygiene lassen sich nicht alle Infektionen vermeiden. Wir haben in Tirol eine Hygieneplattform gegründet, die sich mit der Situation in Tiroler Krankenhäusern beschäftigt. Derzeit arbeiten wir an einem Hygienepass, der bis Herbst 2017 fertig sein soll. Insgesamt sind viele Aktivitäten auf einem guten Weg, wir dürfen aber nicht aufhören, für das Thema zu sensibilisieren.

24. DOSCH-Symposium

der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP) 15.-17. Mai 2017, Casino Velden www.oeghmp.at

© Stock-Asso – shutterstock.com. © Alexander Raths – stock.adobe.com

WHO-Liste zu antibiotikaresistenten Bakterien

© Christof Lackner

IM GESPRÄCH


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GASTKOMMENTAR

Die Zeit der Konzepte ist vorbei D

ie aktuellen Forderungen der AUSTROMED-Branchen- Die Aufgaben des Hygieneteams erstrecken sich von der hygigruppe Desinfektion & Hygiene für einen wirksamen In- enischen Visite über die Erstellung von Hygieneplänen bis zur fektionsschutz im Krankenhaus sind zu einem guten Teil schon Infektions-Surveillance und dem Führen einer Erreger- und weit in der Umsetzung. Es existiert eine Reihe gesetzlicher auch Resistenzstatistik. Aus- und Fortbildung werden durch Vorgaben, die es einzuhalten gilt, daher stellt sich die Frage Ärztegesetz sowie GuKG geregelt und sind genauso essenzielnach Konzepten eigentlich nicht mehr. Ein Blick auf die ein- ler Bestandteil einer funktionierenden Krankenhaushygiene zelnen Maßnahmen zeigt den aktuellen Stand der Umsetzung: wie die Personalentwicklung und das Einbeziehen von PatienDurch die Veröffentlichung des Qualitätsstandards „Organisa- ten und Besuchern. Die Ergebnisse all dieser Maßnahmen soltion und Strategie der Krankenhaushygiene“ wurde 2015 eines len in Jahresberichten verständlich dargelegt werden. der Ziele des Bundes-Zielsteuerungsvertrages 2013 – eine Die „Rahmenrichtlinie für die systematische Erfassung von bundesweit einheitliche Empfehlung für die Krankenhaushygi- Krankenhauskeimen“ präzisiert die sehr allgemeine Regelung ene zu entwickeln – umgesetzt. Ergänzend des § 8a (4) KAKuG, wonach eine Surveildazu beschloss die Bundes-Zielsteuelance nosokomialer Infektionen zu erfolrungskommission im April 2016 auf gen hat. Aus der Rahmenrichtlinie ist für höchster politischer Ebene eine „Rahmenalle Krankenanstalten klar ersichtlich, wel„Wir alle wollen valide richtlinie für die systematische Erfassung che Systeme verwendet werden können von Krankenhauskeimen“, die Grundlagen und wie die Datenerfassung, -weiterleiDaten. Vorhandenes für ein österreichweit einheitliches Surtung und -auswertung zu erfolgen hat. Dazusammenzuführen ist veillance-System vorgibt. Die Verpflichmit kann erstmals auch eine umfassende das Gebot der Stunde.“ tung zur Surveillance nosokomialer InfekMeldung österreichischer Daten an die tionen des Bundes im KaKuG wurde entsprechenden EU-Stellen erfolgen, was Dr. Silvia Türk konkretisiert, die unterschiedliche Handdie internationale Vergleichbarkeit ermöghabe betroffener Organisationen eingelicht. schränkt und eine Auswertung auf BundesBundesweit verpflichtend wurden Basisebene ermöglicht. datensätze zur Erfassung postoperativer Der Qualitätsstandard „Organisation und Strategie der Kran- Wundinfektionen bei Gallenblasenentfernungen und Hüftenkenhaushygiene“ wurde aus dem Expertendokument PRO- doprothesen-Implantationen sowie nosokomialer Infektionen HYG 2.0 heraus entwickelt und präzisiert die gesetzlichen auf Intensivstationen festgelegt. Die ersten Datenmeldungen Rahmenvorgaben im praktischen Kontext. Hauptziel ist primär sollen in einer Piloterhebung 2017 erfolgen. Einen umfassendie Reduktion der Rate nosokomialer Infektionen, was durch den Bericht über Krankenhauskeime in Österreich wird es vo13 konkrete Handlungsempfehlungen erreicht werden soll. Die raussichtlich 2018/2019 erstmalig geben. Stellung der Krankenhaushygiene als Stabsstelle der Anstalts- Gemeinsam mit weiteren aktuell in Erarbeitung befindlichen leitung wird in beratender, fachlich unabhängiger Funktion Maßnahmen wie zum Beispiel die Antibiotikaanwendung werbeschrieben, wodurch auch die Verantwortung für Hygiene in den derzeit die Voraussetzungen geschaffen, um im Bereich der Krankenanstalt klar bei der kollegialen Führung verankert Krankenhaushygiene den Behandlungserfolg und die Patienwird. Die Ressourcen zur Bewerkstelligung der Aufgaben sol- tensicherheit nachhaltig zu verbessern. Wesentliche Voraussetlen entsprechend der definierten Funktion der Hygieneteam- zung für das Gelingen dieser Bemühungen sind die EinbezieMitglieder und in Abhängigkeit von Infektionsrisiko, Leis- hung und aktive Mitarbeit aller Gesundheitsberufe sowie aller tungsangebot und Bettenanzahl zur Verfügung gestellt werden. anderen an Hygienemaßnahmen beteiligten Dienstleister. n

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MEDIZIN PR DUKT Dr. Silvia Türk, Leiterin der Abteilung Qualitätsmanagement und Gesundheitssystemforschung, Bundesministerium für Gesundheit und Frauen


MEDIZIN & TECHNIK

Katastrophen und Bedrohungen professionell begegnen Angesichts der immer massiver werdenden Bedrohung unserer Infrastrukturen sehen sich auch Gesundheitseinrichtungen gezwungen, ihre Schutzkonzepte und Notfallpläne neu zu überdenken. Viele Einrichtungen vertrauen dabei schon jetzt auf das Fachwissen von SANTESIS.

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ar bis vor wenigen Jahren ein Elementarereignis wie ein Brand die einzig vorstellbare Katastrophe in einem Krankenhaus, so sehen sich die Betreiber in jüngster Vergangenheit mit vollkommen neuen Szenarien konfrontiert. Viele sind dahingehend nicht oder nur unzureichend gerüstet. DI Martin Krammer, MSc, Geschäftsleiter und Prokurist von SANTESIS Technisches Gebäudemanagement & Service GmbH, bringt es auf den Punkt: „Viele bestehende Notfallpläne werden den Ansprüchen der Gegenwart nicht mehr gerecht und sind für die Bewältigung aktuell auftretender Krisen nicht brauchbar.“ Eine Feststellung, die den Status quo in zahlreichen Krankenhäusern widerspiegelt. Die existierenden Krisenpläne sehen bei einem Großschadensereignis als zentrale Maßnahme zumeist die Evakuierung eines bestimmten Bereiches vor. Für einen Brandfall mag dies die geeignetste Vorgehensweise sein. Bei sicherheitsrelevanten Themen wie einem Massenansturm von Verletzten, einem Anschlag oder einem Amoklauf wäre dieser Schritt jedoch kontraproduktiv, ja sogar grob fahrlässig.

Gänzlich neue Bedrohungen wie beispielsweise eine Cyber­ attacke verlangen darüber hinaus ebenfalls neue Ansätze in der Krisenbewältigung. Unterstrichen wird dies noch durch gesetzliche Regulatorien wie beispielsweise die EU NIS-Richtlinie.

Durchdachtes Krisenkonzept Entsprechend vorbereitet zu sein auf die derzeit möglichen Ernstfälle lohnt sich. Ein durchdachtes Krisenkonzept in Form eines zeitgemäßen OGK-Planes1 gibt nicht nur den Mitarbeitenden Sicherheit im Umgang mit einer gefährlichen Situation. Es erleichtert auch die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften der Feuerwehr, Rettung und Polizei. „Im Fokus unserer Arbeit steht immer der praktische Bezug, die Theorie bildet nur den erforderlichen Rahmen. Gerade in 1

Organisation für Großereignisse und Katastrophen

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Kompetenter Partner Als etablierter Anbieter im Gesundheits- und Sozialbereich hat sich SANTESIS neben den klassischen Krankenhaus-Serviceleistungen wie Baumanagement, Instandhaltung und Medizintechnik auf kundenspezifische Lösungen im Bereich Safety & Security spezialisiert. n

SANTESIS Technisches Gebäudemanagement & Service GmbH Gumpendorfer Straße 108, 1060 Wien office@santesis.at, www.santesis.at

Entgeltliche Einschaltung

EU NIS-Richtlinie

einem Spital kann sich eine Krise, ohne anwendbare Handlungsanweisungen und Hilfsmittel für den Notfall, zu einer noch gefährlicheren, noch kostspieligeren Katastrophe ausweiten, als sie es vielleicht ohnehin schon ist“, erläutert Consultingexperte Martin Krammer.


u Neue Anforderungen in der Medizintechnik erfordern auch angepasste Ausbildungskonzepte. u Hybrid-OPs sind mit hohen Investitionskosten verbunden, die sich nur bei einer optimalen Auslastung amortisieren. u Viele Kliniken denken bei der Planung nur an Investitions- und Betriebskosten, vergessen aber auf die Qualifizierungskosten für das Personal.

I © Hong xia, Kalinovskiy – shutterstock.com

Entgeltliche Einschaltung

Ist der Hightech-OP eine ­Fehlinvestition?

mmer mehr Kliniken modernisieren ihre Operationssäle. Der sogenannte „Hybrid-OP“ erweitert den Arbeitsplatz des Chi­ rurgen um bildgebende Verfahren wie zum Beispiel die Angiografie oder Computertomografie und stellt ihm manchmal auch ein robotisches Assistenzsystem zur Seite. Die „Hightech“Ausrüstung kann aber schnell zu einer Fehlinvestition werden, wenn das Personal sie wegen fehlender Fortbildungen nicht bedienen kann. Viele Operationen werden heute „minimalinvasiv“ durchgeführt – von der Prostataoperation bis zur Herzchirurgie. Diese Eingriffe erfordern eine hochwertige Ausrüstung mit HighEnd-Geräten, die sich in der Vergangenheit nur große Univer-

sitätskliniken leisten konnten. Mittlerweile sind auch mittlere und kleinere Krankenhäuser mit Hightech-Operationsräumen ausgestattet.

Masterplan erforderlich „Mehr als 200 Kliniken in Deutschland verfügen über einen Hybrid-OP. In den kleinen Kliniken reicht das Geld zumeist nur für eine Einheit. Gefäßchirurg, Neurochirurg, Traumatologe, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Urologe und Allgemeinchirurg müssen sich den Raum teilen und jeder bringt seine eigenen Ansprüche und Geräte ein. Die interdisziplinäre

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Instrumentenkunde sowie die erforderlichen Grundkenntnisse der medizinischen Aspekte der Prozeduren. Wenn das Personal nicht ausreichend geschult ist, können später viele geplante Operationen nicht durchgeführt werden. „Im schlimmsten Fall ist der Hybrid-OP angefüllt mit ungenutztem teurem Hightech-Spielzeug“, warnt Bulitta. Auch für die Klinik könne der Hybrid-OP zu einer teuren Investitionsruine werden. Vermeiden lässt sich das nach Überzeugung von Bulitta nur, wenn der Hightech-OP von Anfang an als ein Gesamtn system mit dem darin tätigen Personal geplant wird.  Quelle: Symposium „Hospital engineering: Workflow-driven hospital and clinical engineering“; MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016

IM GESPRÄCH

Nutzung erhöht die Komplexität im Projekt“, weiß Prof. Dr. Clemens Bulitta, der an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden das Institut für Medizintechnik leitet. Die Kliniken sollten daher nach Ansicht des Experten ausreichend Zeit und Aufwand investieren, damit der Hybrid-OP am Ende die Anforderungen aller Nutzer erfüllt. „Wir raten zu einem einzigen ”Masterplan“, der sich am klinischen Workflow orientiert und alle Gewerke wie Medizintechnik, technische Gebäudeausstattung und Bau berücksichtigt“, rät Bulitta. Building Information Modeling, also eine Gebäudedatenmodellierung, die am Computer alle Schritte durchspielt, verbessert die Planung, ist aber noch kein Standard. „Pragmatisch hilft daher derzeit am besten eine Visualisierung der 2D-Pläne in 3D. In den Planungsprozess sollten alle relevanten Interessengruppen umfassend einbezogen werden“, ist der Experte überzeugt.

Optimale Auslastung Für die Kliniken ist ein Hybrid-OP mit enormen Investitionskosten verbunden, die sich nur bei einer optimalen Auslastung amortisieren. Das gelingt nur, wenn auch das Personal entsprechend ausgebildet ist. „Viele Kliniken denken bei der Planung nur an die Investitions- und Betriebskosten, vergessen dabei aber die Qualifizierungskosten für das Personal“, sagt der Experte. Nicht nur die Hightech-Geräte sind anspruchsvoll in der Bedienung, das Personal muss auch die Grundlagen der modernen Bildgebung und Nachverarbeitung, die Möglichkeiten des Strahlenschutzes, die Patientenlagerung sowie die Organisation der Bestellung und der Lagerung interventioneller Materialien kennen. Hinzu kommen Kenntnis in Material- und

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Prof. Dr. Clemens Bulitta, Leiter des Instituts für Medizintechnik, Ostbayerische Technische Hochschule (OTH), www.oth-aw.de Neue Medizintechnik setzt voraus, dass der Anwender sie richtig bedienen kann. Wie kann hier die Ausbildung des Personals Schritt halten? Das ist die große Herausforderung! Wir haben zum Beispiel spezielle Schulungsprogramme aufgesetzt, um für die besonderen Anforderungen auch Hybrid-OP-Techniker vergleichbar dem Kardiotechniker zu haben. Da braucht es neue Antworten, die noch zu entwickeln sind! Der OP-Raum ist das System, dazu gehören die Medizintechnik, die Gebäudetechnik, aber auch Menschen, die mit dieser Technik richtig umgehen können. Das betrifft nicht nur Arzt oder Technik, sondern auch die medizinischen Assistenzberufe. Dazu kommt, dass viele am Markt befindliche Technologien noch nicht wirklich alltagstauglich sind. Hier sehe ich aber große Chancen, dass sich neue Berufsbilder entwickeln und traditionelle Aufgaben, etwa in der Pflege, für den Nachwuchs wieder interessant machen. Jetzt ist der OP ja schon immer als „Kostenfaktor“ bekannt. Wie kann durch ein Mehr an Technik daraus ein Profitcenter werden? In der Regel ist der OP die Cashcow eines Hauses, vorausgesetzt, die Effizienz stimmt. Was derzeit zu wenig diskutiert wird, ist die Tatsache, dass gerade die Medizintechnik hier als Produktionsfaktor einen wesentlichen Hebel darstellen kann, um effizient und effektiv zu „produzieren“ und so die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Aus anderen Branchen, wie etwa der Automobilindustrie, wissen wir, dass Investitionen in die Automatisierungstechnik einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten und die Profitabilität verbessern. In der Medizin wird das noch nicht erkannt. Auch hier müssen wir endlich vom kurzfristigen Kostendenken wegkommen und die Produktionsbedingungen verbessern. Zielgerichtete Investitionen in Technik und Ausbildung helfen durchaus, den Umsatz zu steigern.

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MEDIZIN & TECHNIK


MEDIZIN & TECHNIK

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Ein Boden für vielfältige ­Anforderungen Wenn Design und Funktionalität im Einklang stehen, kann das wesentlich zu einer beruhigenden Wohlfühlatmosphäre in Kliniken beitragen. Die dazu passenden Bodenbeläge, die Ergonomie, Trittschalldämmung, leichte Pflege und Reinigung sowie Rutschsicherheit vereinen, liefert nora®.

Entgeltliche Einschaltung

Ergonomisch, hygienisch und wirtschaftlich „Nachdem die Ambulanz sehr groß und stark frequentiert ist, haben wir einen langlebigen Boden gesucht, der auch strapazierfähig ist. Wir hatten damit bereits Erfahrung aus der chirurgischen Ambulanz und wussten, dass der Belag die Belastungen sehr gut aushält“, gibt Ing. Walter Brückler von der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H., Abteilung Technisches Dienstleistungszentrum, Team Planung, ­Einblick in die Entscheidungsfindung. Zudem sind nora® Bodenbeläge frei von Weichmachern (Phthalaten). Nach der Verlegung bleiben sie deshalb im Gegensatz zu anderen Belags­ arten maßstabil und schrumpfen nicht.

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ora® Bodenbeläge sind durch und durch aus Kautschuk und daher äußerst belastbar, dabei dennoch designorientiert. Ihre extrem lange Lebensdauer liegt deutlich über dem Durchschnitt anderer elastischer Bodenbeläge. Gerade aus diesem Grund werden Kautschukbeläge auch in hochfrequentierten Bereichen, wie zum Beispiel in Spitalsambulanzen, gerne eingesetzt. Ein aktuelles Projekt, bei dem die nora® Bodenbeläge ihre Vorteile klar ausspielen konnten, ist die Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit am LKH-Univ.-Klinikum Graz. Das Gebäude spiegelt die Kompetenz und Qualität der medizinischen Versorgung auch durch die Architektur wider. Auf einer Gesamtnutzfläche von rund 4.000 m2 wird die Patientenversorgung höchsten Ansprüchen gerecht. Besonders hohe Anforderungen werden in den hochfrequentierten Spitalsbereichen an die Bodenbeläge gestellt. Verlegt wurden die Produkte noraplan® stone sowie norament® grano, jedoch auf Wunsch des Architekten in einer Spezialausführung: der Rutschklasse R10. „Daher wurde der Belag nicht mit der klassischen Hammerschlagoberfläche, sondern mit einer Carréstruktur produziert“, erklärt Arch. DI Ernst Giselbrecht, von architektur zt gmbh in Graz. „Ein Boden in einem hellen, freundlichen Farbton war uns sehr wichtig, denn die Räume wirken dadurch größer. Gerade in einer Zahnklinik ist es wichtig, mithilfe von Design eine freundliche Atmosphäre zu schaffen, die beruhigend auf besonders ängstliche Patienten oder Kinder wirkt“, ergänzt der Architekt. Daher wurden von nora extra Labormuster zur Farb- und Oberflächenabstimmung erstellt.

Die widerstandsfähigen Kautschukböden von nora® sind hygienisch und sorgen für eine ergonomische und gesundheitsfördernde Umgebung.

nora® Bodenbeläge müssen über die gesamte Nutzungsdauer hinweg nicht beschichtet werden, damit wird Stillstand oder eine Unterbrechung von Arbeitsabläufen verhindert. Die Beläge sind aufgrund der extrem dichten Oberfläche beständig gegenüber Flächendesinfektionsmitteln und fleckunempfindlich. In jedem Fall gilt: Egal, um welche Art von Gesundheitsbau es sich handelt und welche Bereiche abgedeckt werden müssen – die auf das Gesundheitswesen spezialisierten nora Marktsegmentmanager beraten die Verantwortlichen bereits im Vorfeld umfassend, geben objektspezifische Empfehlungen und bieten weitreichende Unterstützung über alle Phasen des Projekts, auch über den Bau hinaus. So wurde etwa in der Grazer Zahnklink das Reinigungspersonal kostenlos eingeschult, die nora Mitarbeiter stehen für jegliche Fragen laufend zur Verfügung. n

nora flooring systems GesmbH Rablstraße 30/1, 4600 Wels, Tel: +43-7242-74001 0 info-at@nora.com, www.nora.com/at

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MEDIZIN & TECHNIK

Im Gespräch

„Es braucht einen Plan B“ Der aktuelle Technologie-Hype fordert das Gesundheitswesen: Automatisierung und Digitalisierung verändern die Rahmenbedingungen schneller, als so manchem vielleicht lieb ist. Welche Herausforderungen auf die Medizintechnik zukommen, skizziert DI Martin Krammer, MSc, Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen. Wie lässt sich die aktuelle Situation in der Medizintechnik aus Ihrer Sicht am besten beschreiben? Niemand wird von sich behaupten wollen, auf eine Automatisierung oder Digitalisierung verzichten zu wollen. Das wird zu einer Re-Dimensionierung der Spitäler führen und für uns Krankenhaustechniker bringt das eine neue Herausforderung. Wir werden kaum zusätzliches Personal bekommen, denn in der Verwaltung aufzustocken, ist derzeit nicht opportun. Auf der anderen Seite wird die Technik im Krankenhaus immer mehr forciert und rückt näher an das Kerngeschäft heran. Medizin ohne Technik ist praktisch unmöglich geworden. Wer jetzt also die Technikabteilungen ausdünnt, begibt sich auf gefährliches Eis. Wir brauchen dringend eine Organisationsentwicklung in der Krankenhaustechnik, um diese Entwicklung zu antizipieren. Welche Themen sind derzeit besonders virulent? Spannend ist zum Beispiel die Entwicklung des 3-D-Drucks. Wenn Implantatfirmen Material, Druck und Software liefern, dann brauchen wir hier dringend Regelungen im Bereich der Haftung. Die neue Medical-Device-Richtlinie geht auf diese Frage nur am Rande ein – das ist nicht besonders vorausblickend, denn die Fragestellungen sind nicht Zukunftsmusik, sondern sind schon heute aktuell. Die Fragen betreffen längst nicht mehr die Medizin oder die IT alleine, sondern sind ein komplexes Zusammenspiel aller Berufsgruppen. Restriktive Budgets in den Spitälern treffen auf den Technologiehype, Fragen der Datensicherheit sowie neue rechtliche Rahmen durch die Medizinprodukteverordnung sowie die Richtlinie der Netz- und Informationssicherheit, wo Krankenhäuser zur schützenswerten Infrastruktur gehören.

ÖVKT-Jahrestagung

„Technologiehype fordert das Gesundheitswesen – Medizin und Technik im Wandel durch Digitalisierung und Automatisierung“ 26. bis 29. September 2017, Pörtschach, www.oevkt.at

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Medizinprodukte sollen immer und überall vernetzt sein, aber gleichzeitig will man kein Geld in neue Prozesse investieren, ohne die es aber nicht gehen wird. Wenn die Zulassungsverfahren für Produkte und Medizintechnik komplexer werden, werden auch die Preise steigen müssen. Hintertürchen werden genutzt, wie jetzt bereits bei den Apps, die oft nicht als Medizinprodukte zertifiziert sind, aber dennoch zur kommerziellen Anwendung kommen. Einerseits werden die Zulassungsbedingungen für Software strenger, andererseits haben wir in Österreich gar keine Zulassungsstelle mehr. Damit werden viele wichtige Innovationen, die im Zuge der Digitalisierungswelle kommen könnten, gehemmt.

Können sich Krankenhäuser dennoch von Industrie 4.0 etwas abschauen? Es gibt durchaus Chancen, Geld einzusparen. Ein einfaches Beispiel sind Reinigungsroboter, die es ja schon gibt. So könnten etwa Fassaden automatisiert gereinigt werden – damit wäre auch ein Sicherheitsaspekt abgedeckt. Niemand muss die Technologie gleich kaufen, man kann auch über herkömmliche Reinigungsdienstleister die Leistung beziehen. Die Begehung von Dächern braucht nicht mehr über Industriekletterer erfolgen, sondern kann mit Drohnen durchgeführt werden. Das sind alles Themen, die in der Industrie schon längst an der Tagesordnung sind, aber noch weit weg vom konservativen Gesundheitssektor. Von welchem Zeithorizont sprechen wir, in dem die Automatisierung auch in den Spitälern einen Durchbruch erleben wird? Ich denke, dass es in den nächsten fünf Jahren Schlag auf Schlag gehen wird und für lange Diskussionen kaum mehr Zeit ist. Wer wird die Automatisierung im Krankenhaus anstoßen? Die Innovationen kommen sicher vonseiten der Medizintechnik. Wir werden aber kreative Ideen benötigen, wie wir die Forderungen mit der restriktiven Budgetpolitik in Einklang bringen können. Welche Rolle spielen Fragen der Sicherheit? Manchmal klingen die Bedrohungsszenarien wie in einem Action-Krimi, aber vieles ist denkbar und durchaus real: Sämtliche Behandlungsprozesse in einem Krankenhaus über Trojaner


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DI Martin Krammer, MSc Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen www.oevkt.at office@oevkt.at

lahmzulegen, ist heute keine Kunst mehr. Lüftungsanlagen oder die Gebäudeleittechnik werden jetzt schon von extern gesteuert, das öffnet Hackerangriffen buchstäblich Tür und Tor. Einerseits haben wir immer höhere Anforderungen, auf Großgeräte remote zugreifen zu können, um die Wartung rasch und kostengünstig zu machen, andererseits macht uns das auch immer mehr angreifbar. Ausfallskonzepte sind erforderlich und Blackout-Szenarien müssen durchgespielt werden. Es braucht also bei aller Automatisierung und Vernetzung immer einen Plan B. Bisher waren Spitäler aus ethischen Überlegungen meist Tabuthemen, wenn es um Terrorziele oder Angriffe ging. Doch die aktuelle Weltpolitik zeigt, dass diese ethischen Grundsätze längst keine so große Rolle mehr spielen. In den USA ist es schon üblich, Spitäler durch Sicherheitsschleusen zu betreten, und wir wissen, dass auch hierzulande die Gewaltbereitschaft von Patienten und Angehörigen gegenüber dem Personal zunimmt.

Diese Überlegungen sind aber schon sehr weit weg von der eigentlichen Kernleistung, nämlich der Patientenbehandlung. Wohin geht die Reise? Wir haben immer höhere technische Ansprüche an die Medizin und das zieht weite Kreise in die Medizintechnik abseits der direkten Arbeit am Patienten. Die Sekundärprozesse wie Dokumentation oder Logistik müssen ohnehin schon weitgehend automatisiert ablaufen. Die Ärzte und das Pflegepersonal müssen sinnvoll durch die Technik entlastet werden. Neue Systeme wie Versorgungsassistenten, die automatisierte Bestellvorgänge abwickeln, können zum Beispiel die optimalen Warenflüsse gewährleisten. Das ist in der Industrie heute schon „business as usual“. Da müssen wir im Spital noch hinkommen. Auch Pflegeroboter sind hierzulande schon im Einsatz, nur haben viele ein falsches Bild davon. Sie können das Personal entlasten und unterstützen, aber keineswegs ersetzen. Wir werden aufgrund der Personalengpässe noch dringend auf derartige „Hilfsmittel“ zurückgreifen müssen.  n

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PFLEGE & HOME CARE

Bruch mit Traditionen

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er zunehmende Arbeitsdruck in der Medizin macht auch vor der Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpflege nicht halt. Werden Ärzte entlastet, geht es aber oft auf Kosten der Pflege. Dass das nicht so sein muss, zeigt ein Pilotprojekt am Landesklinikum Waidhofen/Ybbs. „Wir haben die Arbeitssituation in der stationären Pflege analysiert und festgestellt, dass die traditionelle und über viele Jahre etablierte Verteilung von 80 % diplomiertem Personal und 20 % Pflegehilfe längst nicht mehr mit den tatsächlichen Tätigkeitsprofilen übereinstimmt“, erklärt Pflegedirektorin DGKS Doris FahrnbergerSchober, MSc.

Skill- und Grademix beachten Diese Schieflage auszugleichen war das Ziel einer umfassenden Prozessanalyse, die nicht nur Vorteile für die Pflege, sondern auch für den kaufmännischen Bereich brachte. Arbeitsspitzen wurden unter die Lupe genommen und eine quantitative Erhebung der einzelnen Tätigkeiten rund um den Patienten durchgeführt.

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Das Ergebnis zeigte, dass es nicht mehr zielführend ist, dass alle alles machen – sondern „künftig muss der Patient im Fokus stehen und dass er die richtige Leistung zur richtigen Zeit von der richtigen Personen erhält“, so die Pflegedirektion. Wichtig ist es Fahrnberger-Schober zu betonen, dass Personaleinsparungen nicht das Ziel dahinter waren: „Wir haben natürlich Sparpotenziale entdeckt, aber aus Sicht der Tätigkeitskaskade. Das heißt, wir haben jetzt einen klaren Überblick, welche Aufgaben in welche Berufsgruppe gehören, haben die Zahl der Köpfe nicht reduziert, aber die Tätigkeiten verschoben. Manches war einfach historisch gewachsen und wurde nie hinterfragt. Jetzt stehen die Aufgabenprofile im Vordergrund.“ Der Gesetzgeber spielt dem Projektteam zusätzlich in die Hände, denn hier ist die Ausbildung längst bedarfsorientiert neu gestaltet und unter dem Stichwort „Akademisierung der Pflege“ vieles ermöglicht worden, das nun im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs auch schon seine Umsetzung findet. „Im Mittelpunkt stand immer der Skill- und Grademix, also der optimale Einsatz von Berufsbildern und Qualifikation“, ergänzt der kaufmännische Direktor Mag. (FH) Martin Kaiser.

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u Das Landesklinikum Waidhofen/Ybbs hat aufgrund einer umfassenden Prozessanalyse im Pflegebereich ein neues Berufsbild kreiert. u Die Trennung in medizinisch-pflegerische Versorgung und Hotelkomponente entlastet das diplomierte Pflegepersonal und wertet die Tätigkeiten auf.


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Automatisch mit „ActiveSensor Technology“ Das Therapieunterstützungssystem IsoAir™ unterstützt die Vorbeugung und die Behandlung von Dekubiti (Druckgeschwüren) aller Kategorien/Stadien (einschließlich Stadium I, II, III, IV sowie Dekubiti, die nicht einem Stadium zuordenbar sind oder die Schädigung tiefer Gewebeschichten aufweisen). Dieses System ist für die Intensivpflege und Dauerbehandlung, einschließlich der häuslichen Pflege, geeignet.

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PFLEGE & HOME CARE

Mag. (FH) Martin Kaiser, kaufmännischer ­Direktor, Landesklinikum Waidhofen/Ybbs Welche Ausbildung bringen die neuen Servicekräfte mit? Wir haben Mitarbeiterinnen, die vorher Heimhilfen waren oder aus der Hotellerie kommen. Gewisse Eckpfeiler braucht es natürlich, auch von der Persönlichkeit her. Wer nicht gerne mit Menschen zu tun hat, ist in diesem Beruf sicher falsch. Nachdem das Berufsbild neu ist, gab es keine zwingenden Vorgaben, vieles wurde erst im Job erlernt und entwickelt sich jetzt in der Praxis. Wir schulen außerdem im Bereich Hygiene, Kommunikation mit Patienten, Qualitäts- und Beschwerdemanagement. Wir haben die betroffenen Berufsgruppen auch aktiv nach Verbesserungspotenzialen oder Lücken in der Aus- und Weiterbildung befragt, die wir natürlich schließen möchten. Wie ist das Feedback vonseiten der Ärzte? Wir haben in der Primarärztesitzung das Projekt vorgestellt. Die Ärzte unterstützen das Projekt auf jeden Fall, denn die Entlastung der Pflege bringt im nächsten Schritt auch eine Entlastung der Ärzte durch das diplomierte Pflegepersonal. Wo sehen Sie Chancen, aber auch Grenzen, die Qualifikationskaskade besser zu nutzen und weitere Tätigkeiten zu verlagern? In erster Linie geht es um die Unterstützung routinemäßiger, immer wiederkehrender Aufgaben und darum, sich letztendlich auf die Arbeitsverteilung auch verlassen zu können, ohne den Arbeitsdruck auf andere Berufsgruppen weiterzuverteilen. Klare Aufgabenbeschreibungen, Richtlinien und Grenzen sind extrem wichtig, damit das klappt. Welche unerwarteten Erkenntnisse waren für Sie aus dem Projekt noch wichtig? Mithilfe einer Arbeitspsychologin haben wir gelernt, dass es nicht genügt, schriftliche Arbeitsanweisungen auszugeben, es benötigt auch andere Formen der Schulung und Begleitung. Natürlich war der Bruch mit bisherigen Mustern und Regeln nicht für alle Mitarbeiter so einfach zu bewältigen. Dieser Lernprozess war individuell unterschiedlich, aber eine große Herausforderung für alle im Team. Was waren für Sie persönlich die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg? Die Erkenntnis, dass uns nur Geduld und Beharrlichkeit, aber auch das Thema Wertschätzung anderer Berufsgruppen weiterbringt.

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IM GESPRÄCH

Berufsbild: Servicekraft Das Ergebnis war, eine neue Berufsgruppe auf Service- und Logistikebene auf der Station zu etablieren: die sogenannten „Servicekräfte“. Sie verrichten alle nicht-pflegeimmanenten Arbeiten im stationären Bereich des Spitals und entlasten so den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Dazu zählen etwa Besorgungen für Patienten, Essen servieren, bei mobilen Patienten die Betten machen oder hauswirtschaftliche Aufgaben sowie administrative Tätigkeiten, die nicht Teil des Pflegeprozesses sind. Was auf den ersten Blick für die Stationsleitung fremd klang, hat das Führungsteam bei Referenzbesuchen in Schweizer Kliniken im Echtbetrieb kennengelernt und sich über die Abläufe intensiv informiert. Die Trennung in medizinisch-pflegerische Versorgung und Hotelkomponente wird dort bereits auf hohem Niveau perfektioniert. Dieses Know-how ist auch in die Personalauswahl der neuen Servicekräfte eingeflossen: „Wir haben bewusst Mitarbeiter gesucht, die aus dem Gastgewerbe kommen oder kaufmännischen Hintergrund mitbringen“, so Kaiser, dem die neuen Servicekräfte organisatorisch zugeordnet sind. Bewerbungsgespräche wurden mit der Pflegedirektorin gemeinsam geführt.

Training on the Job Über ein Jahr hat die Vorbereitung der Einführung der neuen Berufsgruppe gedauert, ein weiteres Jahr wurde eingeschult, denn die Umstellung von einem Hotel auf den Klinikbetrieb erfordert natürlich auch Sachkenntnis über Spitalsabläufe. „Wir wollten uns genug Zeit und damit dem Projekt eine hohe Erfolgschance geben. Daher war der Anteil an Training on the


PFLEGE & HOME CARE

IM GESPRÄCH

DGKS Doris Fahrnberger-Schober, MSc ­Pflegedirektorin, Landesklinikum Waidhofen/Ybbs

Job auch besonders hoch“, resümiert die Pflegedirektorin. Genaue Tätigkeitsanalysen und die Quantifizierung von Aufgaben sind der Umstrukturierung vorausgegangen, immer standen sie unter dem Motto, dass der richtige Patient zur richtigen Zeit die richtige Leistung von der richtigen Person erhalten soll. Derzeit sind zwölf Servicekräfte im Ausmaß von 20 bis 30 Wochenstunden in ein 365-Tage-Dienstrad eingebettet. Jede bettenführende Station sollte rund elf Stunden täglich – bei dem derzeit definierten Servicelevel – mit einer Servicekraft bewirtschaftet werden. „Man könnte hier natürlich den Level erhöhen, das würde aber zusätzliche Kosten verursachen. Daran denken wir derzeit nicht“, sind sich FahrnbergerSchober und Kaiser einig. Zukunftsmusik ist auch noch ein weiterer Ausbau der Tätigkeiten der Servicekräfte, wie zum Beispiel die Lagerverwaltung oder eine pharmazeutische Assistenz.

Identitätsfindung abgeschlossen Auch wenn die neue Berufsgruppe bei der Entlastung des di­ plomierten Personals eine zentrale Rolle spielt, ging die Implementierung nicht ohne Reibungsverluste vor sich. „Natürlich gab es auch Widerstände, denn die nun umgeschichteten Dienstposten als Pflegehelfer konnten eher einspringen, wenn Not am Mann war – das können Servicekräfte jetzt nicht mehr. Zudem ist ein 12-Stunden-Dienst, in dem ausschließlich hochqualifizierte Tätigkeiten am Plan stehen, extrem anstrengend. Da war auch für diplomiertes Personal das Wäscheeinschlichten eine willkommene Abwechslung“, beschreibt FahrnbergerSchober.

© LKW Waidhofen

© Landesklinikum Waidhofen/Ybbs

„Die Organisation der neuen Servicekräfte in einem Pool unter einer eigenen Leitung gewährleistet ein einheitliches Leistungsprofil und eine strukturierte Personalrotation samt Ausfallsmanagement“, erklärt Kaiser die Vorteile der Umorgani­ sation. Ein gemeinsames Büro und ein gemeinsamer Aufenthaltsraum – getrennt vom Pflegepersonal und den Stationen – sowie eine einheitliche Dienstkleidung unterstützen die „Identitätsfindung“ als eigene Berufsgruppe.  n

Welche konkreten Tipps haben Sie für andere Spitäler, die daran denken, ein derartiges Projekt zu starten? Es ist sehr wichtig, genügend Zeit einzuplanen und die Stationsleitung von Anfang an in die Überlegungen miteinzubeziehen. Zu kurz gefasste Konzepte sind nicht schlüssig, daher braucht es eine langfristige Vision und ein Gesamtkonzept, das über die Station hinaus gedacht wird. Wichtig war auch die Einbeziehung der Mitarbeiter auf der Station, denn nur der, der im Prozess arbeitet, weiß, wo für Veränderungen angesetzt werden muss. Stand das Thema der Personaleinsparung nie im Raum? Doch, natürlich gab es große Ängste, dass wir Dienstposten von der Pflege an die kaufmännische Direktion abgeben müssen. Das war aber weder die Intention noch das Ziel des Projektes. Wir wollten den Prozess aus Sicht des Patienten durchdenken, analysieren und Verbindungen sichtbar machen, die durch traditionelle Muster und Managementvorgaben im Lauf der Zeit in den Hintergrund getreten sind. Planen Sie, das Thema innerhalb der Landeskliniken-Holding auszurollen? Grundsätzlich wollten wir ein hohes Maß an Standardisierung bei den Servicekomponenten erreichen, natürlich ist das nicht in jeder Klinik ident. Die individuelle Situation muss beachtet werden und benötigt dann schon eine Anpassung an die jeweiligen Bedingungen. Das Konzept ist so dokumentiert, dass es problemlos übernommen werden kann. Es wurde auch in einer Masterthese evaluiert. Nachdem keine Planstellen eingespart werden sollen, sondern eine natürliche Umverteilung in Gang kommen muss, wird sich die Umsetzung in einem längeren Prozess erst einschleifen. Was waren für Sie persönlich die wichtigsten Erkenntnisse? Die Professionalität des diplomierten Personals ist jetzt viel deutlicher sichtbar als bisher und das steigert die Wertschätzung auf allen Ebenen.

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Univ.-Prof. Stefanie Auer Zentrum für Demenzstudien, Department für Klinische Neurowissenschaften und ­Präventionsmedizin Donau-Universität Krems Stefanie.Auer@donau-uni.ac.at www.donau-uni.ac.at

Pflegedaten durch Datenpflege

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PFLEGE & HOME CARE

u Pflegeheime stehen durch die wachsende Zahl von Personen mit Demenz vor hohen ­Herausforderungen. u Fehlende wissenschaftliche Untersuchungen der institutionellen Langzeitpflege machten bisher evidenzbasierte Entscheidungen schwierig. u Ein Projekt des Wissenschaftsfonds FWF ändert das nun und legt dabei besonderes Augenmerk auf Personen mit Demenz. vom Wissenschaftsfonds FWF und der tschechischen Partnerorganisation GACR gefördert. Der Fokus liegt auf Personen mit Demenz, die einer besonders intensiven Pflege und Begleitung bedürfen.

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ie Lebenserwartung steigt – und damit auch der Bedarf an professioneller Langzeitpflege. Tatsächlich kann das Angebot den Bedarf kaum decken. Intelligente Anpassungen der Ressourcen sind gefragt. Nur so können leistbare Dienste in der notwendigen Qualität auch zukünftig angeboten werden. Für die notwendigen Adaptionen sind fundierte und kritische Analysen gefragt, die für den Bereich der institutionellen Langzeitpflege in Europa kaum vorhanden sind. Erstmals werden nun an der Donau-Universität Krems in Kooperation mit dem oberösterreichischen Verein MAS Alzheimerhilfe und der Karls-Universität Prag Daten für die Situation in der Tschechischen Republik und in Österreich erhoben. Das Projekt wird

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„Im Mittelpunkt der Langzeitpflege steht der Bedürftige, doch genau der ist wissenschaftliche Terra incognita. Über seine Kognitions- und Leistungsfähigkeit sowie seine Verhaltensmuster ist viel zu wenig bekannt. Damit kann auch eine Anpassung des Pflegeangebotes bei gleichbleibender Qualität nicht erfolgen“, resümiert Projektleiterin Dr. Stefanie Auer vom Zentrum für Demenzstudien des Departments für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin. Genau diese fehlenden Daten werden Auer und ihre tschechischen Projektpartner nun in jeweils sechs zufällig ausgewählten Pflegeeinrichtungen in Österreich und Tschechien erheben. Insgesamt werden dabei bis zu 1.000 Pflegebedürftige erfasst, deren Daten anonymisiert in die Studie einfließen. Neben allgemeinen Daten zu Alter und Geschlecht stehen die kognitiven Fähigkeiten sowie medizinische und soziale Parameter im Mittelpunkt des Projekts. Drei weitere Bereiche, die wesentlichen Einfluss auf die Pflegesituation nehmen, werden erfasst: die Betreuungsteams in den Pflegeeinrichtungen und deren Belastungen, die Angehörigen der Pflegebedürftigen sowie Details zu den Pflegeeinrichtungen. Wie wichtig eine solche mehrdimensionale Datenerhebung ist, erläutert Auer anhand eines Beispiels: „Die Praxiserfahrung zeigt, dass Menschen mit Demenz im Pflegeheim häufig an Depressionen leiden, oft ruhelos sind und ziellos wandern. Diese Verhaltensauffälligkeiten stellen für andere Bewohner, das Pflegeteam und die Angehörigen eine enorme

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Aussagekräftige Daten fehlen


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BESSER IM GESUNDHEITSWESEN

Belastung dar. Und obwohl es Hinweise gibt, dass solche Verhaltensweisen durch Umgebungsfaktoren und Ausbildung beeinflusst werden, wissen wir sehr wenig über konkrete Zusammenhänge.“ Diese wichtigen, bisher aber weitestgehend unbekannten Faktoren, die sich auf die gesamte Pflegesituation auswirken, hoffen die Forscher zu identifizieren und besser verstehen zu lernen.

Daten vernetzen Tatsächlich werden in der Studie die Expertisen zweier Disziplinen in ein gemeinsames Studienprotokoll münden. Denn sowohl Erhebungsmethoden der Medizin als auch der Psychologie werden vereint und bieten so die Möglichkeit, größere und stärker vernetzte Datenmengen zu erfassen. Dies wiederum erlaubt eine bessere statistische Auswertung und damit bessere Entscheidungsgrundlagen. Dazu trägt bei, dass die für die Studie ausgesuchten Pflegeeinrichtungen aus allen drei Trägerbereichen – öffentlich, kirchlich und privat – stammen. So wird eine dem tatsächlichen Pflegeangebot entsprechende repräsentative Studie gewährleistet. n

22. Österreichischer Gesundheitsund Krankenpflegekongress 6.- 8. Juni 2017, Hofburg, Wien, www.oegkv-fv.at Der Kongress des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes findet alternierend alle zwei Jahre statt und ist als etablierte Fachveranstaltung der Gesundheits- und Krankenpflege auch zunehmend von Interesse für Teilnehmer aus den angrenzenden Nachbarländern. 2017 steht der 22. ÖGKV Kongress unter dem Motto „Pflege ist Zukunft – kompetent – aktiv – verantwortungsvoll“. Für die Teilnahme werden ÖGKV Fortbildungspunkte vergeben: 7 ÖGKV Fortbildungspunkte pro Kongresstag 14 Fortbildungspunkte für die Teilnahme an beiden Kongresstagen (7. und 8. Juni 2017).

Aus dem Programm:

Keynote: Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher *** Dr. Meinhild Hausreither (BMG), Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) *** Annelies Sieber, MBA, Visitieren Sie schon oder zaubern Sie noch? Die Pflegevisite zwischen Mythos und Realität *** Franziska Moser, BA, MA, Auswirkungen der GuKG-Novelle auf die Pflegeorganisation in Krankenanstalten *** Helmut Täubl, BScN, MScN, Einfussfaktoren auf Skill- and Grade-Mix aus Sicht von Pflegepersonen im basalen und mittleren Management am Beispiel der Tiroler Landeskrankenanstalten, Automatisierte Nutzung von Pflegeinterventionsdaten für eine bedarfs- und kompetenzorientierte Personaleinsatzplanung gemäß GuKG 2016 *** Gerhild Schüttengruber, BSc, MSc und Muna Abuzahra, BSc, MA, Tätigkeitsprofil von Diplomierten Gesundheits- und ­KrankenpflegerInnen in der Hausarztpraxis, u.v.a. Gesamtes Programm als PDF unter www.oegkv-fv.at

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Prim Dr. Ulrike Sommeregger Abteilung für Akutgeriatrie SMZ-Ost-Donauspital, Wien Kongresspräsidentin

PFLEGE & HOME CARE

Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland Institut für Soziologie, Universität Wien Kongresspräsident

KONGRESSVORSCHAU

Interdisziplinäre Zusammen­ arbeit ist entscheidend

Fit bis an das Lebensende

Neben dem medizinisch-geriatrischen Schwerpunkt hat die interdisziplinäre Behandlung der Patienten einen hohen Stellenwert – am Kongress und auch in der Praxis. „Alte Menschen werden in allen Fächern behandelt. Bei vielen klassischen Interventionen wäre die Beiziehung der Expertise des Geriaters sinnvoll, denn Fragen der Stabilisation oder der Remobilisation können im Team wesentlich besser beantwortet werden“, so Sommeregger. Die Gruppe jener hochaltrigen Menschen, die funktionell noch wenig Defizite aufweisen, wird zunehmend größer, daher meint die Expertin: „Es ist Aufgabe der Medizin, auch hier Konzepte anzubieten, die auf eine möglichst kurze Zeit der Krankheit, Abhängigkeit und Phasen des Leidens ausgerichtet sind. Das Bewusstsein für die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung hat schon einen Anteil daran, dass wir immer mehr Menschen über 80 haben, die zwar mit sechs bis acht relevanten Diagnosen zu uns kommen, aber dadurch in ihrer Lebensqualität wenig beeinträchtigt sind. Diese Entwicklung wird erst langsam evident und darauf sind wir noch nicht ideal vorbereitet“, fasst Sommeregger zusammen. In Österreich gibt es zwar über 1.000 Ärzte, denen das Zusatzfach Geriatrie zuerkannt wurde, dies beruht aber auf sehr weit gefassten Übergangsbestimmungen, als es in den Jahren 2011 bis 2015 offiziell das Additivfach Geriatrie in Österreich gab – das dann aber wieder abgeschafft wurde. Die Zahl spezifisch gut ausgebildeter Geriater ist in Österreich daher gering und hinkt der internationalen Entwicklung nach. Der Bedarf nimmt vor allem in der Zusammenarbeit mit all jenen Fächern zu, die auch sehr hochaltrigen Menschen durch die heute verfügbaren Interventionsmöglichkeiten Hilfe anbieten können. Denn vor und/oder nach belastenden Therapien ist oft der Geriater zur Stabilisierung und Optimierung der funktionellen Fähigkeiten dieser Patienten gefragt, um ein wirklich gutes Gesamtergebnis zu gewährleisten. „Die Physiologie ist in jeder Lebensphase anders, so auch im Alter“, betont Sommeregger. Gerade in der Erstversorgung und der Unfallchirurgie in Spi-

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tälern sind die ausgewiesenen Experten zunehmend gefragt, denn: „Das Alter allein ist ebenso kein Beurteilungskriterium für den Allgemeinzustand eines Patienten wie die Diagnosen. Der Grad der Vulnerabilität entscheidet, und den stellt der Geriater fest und trägt damit zur Entscheidungsfindung über lohnenden Nutzen oder belastende Übertherapie bei“, sagt die Expertin. Die Vulnerabilität ist die Messlatte, die über den oft nur schmalen Grat zwischen optimaler Therapie und unnötiger Belastung entscheidet.

„Gut“ altern

Weit über medizinische Fragen hinaus stellt Kolland die Frage, wie das Leben auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit „gut“ gelebt werden kann, sodass die Abhängigkeit zu keiner zusätzlichen Belastung wird. „Nicht nur in Österreich, sondern auf europäischer Ebene steht die soziale Ungleichheit in der Lebenserwartung im Zentrum der Diskussion. Die Verringerung der Dysparitäten ist vor allem auch eine Frage des Einkommens in sozial schwächeren Schichten, die es auszugleichen gilt“, so Kolland. Werden die grundlegenden sozialen Fragen nicht geklärt, wird die Medizin auch im Alter keine wesentliche Besserstellung bringen. Die drei größten Defizite ortet der Experte in der Bewegung, dem Lernen und der sozialen Erziehung: „Wir wissen alle, dass Bewegung die Gesundheit fördert, aber im Alter nimmt die Bewegung drastisch ab. Gleiches gilt für das lebenslange Lernen. Das Postulat gibt es seit Langem, doch wir wissen, dass nach der Pensionierung die kognitive Beschäftigung rapide abnimmt. Und schließlich sind wir auf das lange Leben auch in unseren sozialen Beziehungen derzeit nicht vorbereitet.“ Wie viel Zeit den Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen noch bleibt, um angesichts der demografischen Entwicklung diese vielen anstehenden Themen zu bearbeiten, wird ebenfalls am Kongress diskutiert. „Das Alter ist für die meisten fern und fremd, eine Auseinandersetzung mit den Fragen findet derzeit nur auf Ebene der Pensionsgelder statt, aber nicht im Hinblick auf soziale Belange“, sind sich die Kongresspräsidenten einig. Ein Umn stand, der sich mit dem Kongress ändern soll!

57. Kongress der Österreichischen ­Gesellschaft für Geriatrie und ­Gerontologie Wissen und Forschung für ein gelingendes Alter(n) 20.-22. April 2017, Universität Wien geriatriekongress.univie.ac.at

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Der Anteil hochaltriger Menschen wächst seit Jahren. Das erfordert eine systematische Auseinandersetzung mit den sozialen, medizinischen und ökonomischen Implikationen, will man diese nicht der Zufälligkeit individueller Problemlösungskapazität der einzelnen Betroffenen und der sie Betreuenden bzw. behandelnden Ärzte überlassen. „Die Geriatrie muss vor dem aktuellen demografischen Hintergrund als analoges Fach zur Kinderheilkunde wahrgenommen werden und sowohl in Ausbildung und Angebot den höchsten qualitativen Anforderungen gerecht werden können. Auch alte Menschen haben ein Recht auf Behandlung durch Spezialisten“, betont Kongresspräsidentin Prim. Dr. Ulrike Sommeregger. Gemeinsam mit Kongresspräsident Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland hat sie sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des 57. Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie über die Fortschritte auf allen Gebieten der Alternswissenschaften zu informieren und den Austausch zwischen den Disziplinen zu fördern.


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DGKP Gerlinde Schwarz, KSB AUVA-Rehabilitationszentrum Häring Station 2 gerlinde.schwarz@auva.at www.auva.at

Intermittierender ­Selbstkatheterismus u Die Schulung und Anleitung von Patienten mit neurogenen Blasenentleerungsstörungen zum intermittierenden Selbstkatheterismus geschieht individuell. u Dennoch ist die Verunsicherung bei Patienten aufgrund der Informationsvielfalt hoch. u Die Demonstration und die Übung sind die wichtigsten Methoden zur Durchführung.

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twa 70 % aller Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung können mithilfe des intermittierenden Katheterismus erfolgreich und ohne Gefährdung der Nierenfunktion behandelt werden. „Werden die Betroffenen im intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) geschult und angeleitet, geschieht das je nach Pflegeperson sehr individuell“, erklärt DGKS/KSB Gerlinde Schwarz vom AUVA-Rehabilitationszentrum Häring. Sie und ihr Team haben in einer Projektarbeit das Optimierungspotenzial bei der Patientenedukation untersucht. Die Arbeit wurde mit dem Comitatus Award, dem Österreichischen Award für hervorragende Leistungen in der Versorgung von Blasenfunktionsstörungen, gesponsert von Hollister, ausgezeichnet. Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche wurden Edukationshilfsmittel und ein Dokumentationsblatt zur Anleitung und Schulung anfertigt. Ziel war es, ein möglichst großes Spektrum der verschiedenen Lerntypen abzudecken und die Edukation zu vereinheitlichen. Ein Fragebogen evaluierte die Ergebnisse in der praktischen Anwendung. Aufgrund einer guten Durchmischung von weiblichen und männlichen Pflegenden kann auf eine geschlechterspezifische Edukation Rücksicht genommen werden. Bei der Auswahl von Materialien und Hilfsmitteln besteht die Möglichkeit, aus dem gesamten Pool der in Österreich erhältlichen Produkte zu schöpfen. Zudem werden im Bedarfsfall mithilfe der Ergotherapie spezielle Hilfsmittel für den ISK angefertigt. Ein Blasenentleerungsprotokoll erleichtert den Betroffenen als auch dem Pflegeteam die Dokumentation der Trink- und Harnmengen. Dadurch sind der Zeitpunkt und die Häufigkeit des ISK leichter ersichtlich. Im Rahmen der Rehabilitation wird jener Zeitpunkt abgewartet, ab dem die Betroffenen selbst bereit sind, den ISK durchzuführen. Für die erforderliche Information, Beratung, Schulung und Anleitung stehen zeitliche Ressourcen für die Pflegenden zur Verfügung. Schwachstellen im stationären Bereich sind oft räumliche Beschränkungen, dadurch kommt es immer wieder zu Störungen durch Pflegepersonen, Reinigungspersonal oder Mitpatienten. Die Praxis hat auch gezeigt, dass Betroffene anfangs oft mit

Edukationshilfsmittel unterstützen beim Patientengespräch.

den vielen Informationen überfordert sind. Edukation kann mit den richtigen Hilfsmitteln effektiver und effizienter gestaltet werden. Die Demonstration und die Übung sind die wichtigsten Methoden zur Durchführung von Anleitungssequenzen. Dazu wird mit Hintergrundwissen in mündlicher oder schriftlicher Form geschult. Die Anleitung und Schulung kann mit verschiedenen Werkzeugen zur Edukation individuell auf die n Betroffenen abgestimmt werden. Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ), der Verein Kontinenz- und Stoma-Beratung (KSB) und Hollister setzen sich für die Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit Blasenfunktionsstörungen aktiv ein. Daher wurde der COMITATUS AWARD ins Leben gerufen, der seit 2015 jährlich für hervorragende Leistungen in der Versorgung von neurogenen Blasenfunktionsstörungen verliehen wird. Der Preis ist mit EUR 5.000.– ­dotiert und wird auch 2017 wieder vergeben. Information und Einreichung: www.comitatus-award.at

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© Greiner Bio-One International GmbH

PRODUKTNEWS

Blutröhrchen werden mit dem Barcode-Scanner gescannt und im GeT-System erfasst.

der Probeneingang und die Befundrückübermittlung optimiert werden. Durch den Einsatz der GeT-Lösungen rund um die Blutabnahme können manuelle zeitintensive Schritte in den Krankenhäusern der gespag vermieden und die Prozesse effizienter und sicherer gestaltet werden. Das System unterstützt eine durchgängige Qualitätssicherung und eine transparente digitale Dokumentation von der Anforderung bis hin zum Endbefund. Im Labor unterstützt die Lösung GeT LabFlow in Zusammenarbeit mit Systempartnern wie der Firma Bartelt bei der Verarbeitung und lückenlosen Rückverfolgbarkeit der Probenröhrchen bis ins Archiv.  www.greiner.at

Schonende Krebstherapien via Ultraschall Gebündelter Ultraschall kann Tumorzellen effektiv zerstören. Bislang lässt sich diese Methode jedoch nur bei Organen wie Prostata und Gebärmutter anwenden. Fraunhofer-Forscher stellten ein im EU-Projekt TRANS-FUSIMO entwickeltes Verfahren vor, mit dem per fokussiertem Ultraschall auch die Leber behandelt werden kann. Zur Therapie von Organen, die sich mit der Atmung bewegen, taugt die Methode bisher nur ansatzweise, denn der Patient müsste dafür zuverlässig die Luft anhalten können. Die Wissen-

Digitale Systemlösungen

Sunmed Akadmie: Termine 2017

Ausbildung: Wundmanagement 1. Woche: 18.09.-23.09.2017 (inkl. Samstag)

2. Woche: 16.10.-20.10.2017 3. Woche: 20.11.-24.11.2017 4. Woche: 11.12.-15.12.2017 Info und Anmeldung: www.sunmed.at

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Bauchfelldialyse verträglicher Rund zehn Prozent der derzeit etwa 5.000 Dialysepatienten in Österreich setzen die flexible Methode der Peritonealdialyse (PD) ein, bei der die Membran des Bauchfells als Filter verwendet wird. Allerdings kann das Bauchfell nach einiger Zeit „erschöpft“ sein, wenn wichtige körpereigene Schutzmechanismen gegen die Dialyseflüssigkeiten nicht wirksam werden. Eine Studie der MedUni Wien zeigt, dass die Beigabe einer neuartigen Peritonealdialyse-Lösung mit dem aktiven Inhaltsstoff Alanyl-Glutamin die Aktivierung von Hitzeschockproteinen, die einen zentralen Bestandteil der natürlichen Zellreparatur darstellen, erhöht. Die Hitzeschockproteine können, wenn sie im richtigen Ausmaß produziert werden, der Schädigung der Zellen in der Bauchhöhle, die durch die Dialyselösung verursacht wird, entgegenwirken. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die neuartige PD-Lösung die Reaktionsfähigkeit von peritonealen Immunzellen steigert. Nachdem diese wichtige Erkenntnis ein Hinweis darauf ist, dass die neue Lösung die Schädigung des Bauchfells bei PD-Patienten senken könnte, wurde dieser Parameter als Primärparameter der derzeit laufenden klinischen Phase-II-Studie weiterentwickelt. Quelle: Addition of Alanyl-Glutamine to Dialysis Fluid Restores Peritoneal Cellular Stress Responses – A First-In-Man Trial, Klaus Kratochwill, Michael Boehm, Rebecca Herzog, Katharina Gruber, Anton Michael Lichtenauer, Lilian Kuster, Dagmar Csaicsich, Andreas Gleiss, Seth L. Alper, Christoph Aufricht, Andreas Vychytil –http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0165045

© Fraunhofer MEVIS

Greiner Bio-One (GBO) und die Oö. Gesundheitsund Spitals-AG (gespag) haben eine strategische Partnerschaft abgeschlossen und arbeiten gemeinsam an der Implementierung einer neuen digitalen Systemlösung der Blutabnahme für die Krankenhäuser der gespag. Greiner eHealth Technologies (GeT) heißt der neue Geschäftsbereich von Greiner Bio-One, der digitale Systemlösungen bietet. Damit können der gesamte Ablauf des präanalytischen Prozesses – von der Blutanforderung über die Blutabnahme bis zum Blutprobentransport ins Labor – sowie

Per fokussiertem Ultraschall wollen Mediziner künftig Tumore in Organen behandeln, die sich bewegen. schaftler des EU-Projekts TRANS-FUSIMO, koordiniert vom Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen, verfolgen einen anderen Weg: Sie führen den Ultraschallstrahl der Leber in ihrer Bewegung nach. Dadurch soll der Tumor effektiv getroffen und gleichzeitig das umliegende Gewebe geschont werden. Der Patient liegt in einem MR-Scanner. Dieser liefert jede Zehntelsekunde ein Bild von der augenblicklichen Lage der Leber. Gleichzeitig befindet sich auf dem Bauch des Patienten der Schallgeber – eine Scheibe bestückt mit mehr als 1.000 kleinen Ultraschallsendern. Sie können so gesteuert werden, dass sich ihre Wellen präzise in einem reiskorngroßen Punkt im Tumor treffen. Der MR-Scanner kontrolliert diesen Pro-


PRODUKTNEWS

zess. Er misst die Temperatur in der Leber und prüft, ob an der richtigen Stelle lange genug erhitzt wurde. „Jede Zehntelsekunde ein Lagebild von der Leber zu erhalten, genügt nicht, um den Ultraschallstrahl zuverlässig nachführen zu können“, erläutert Projektmanagerin Sabrina Haase, Mathematikerin am Fraunhofer MEVIS. „Deshalb haben wir eine Software entwickelt, die berechnet, wo genau sich die zu beschallende Region im nächsten Augenblick befindet.“ Das Programm bestimmt den Weg, den der Ultraschall nehmen muss, damit er den Lebertumor trotz der Atembewegung im Visier behält. Die Herausforderung beim Schreiben der Software bestand darin, dass sie in Echtzeit und zugleich höchst zuverlässig laufen muss. Eine weitere Schwierigkeit lag darin, dass vor der Leber die Rippen liegen.   www.trans-fusimo.eu

sen Kits zu neuen Erkenntnissen sowohl in der Früherkennung als auch in der Behandlung von Brustkrebs zu gelangen – der häufigsten Krebsart bei Frauen. Bei dem neuen, zum Patent angemeldeten Verfahren zur Diagnose von Brustkrebs werden mit den Kits tumorspezifische Veränderungen der Metabolit-Mengen im Blut gemessen. Die von Biocrates gewonnenen Daten belegen, dass Brustkrebs so nicht nur deutlich früher diagnostiziert werden kann, sondern auch die Anzahl der fälschlich als positiv diagnostizierten Patientinnen deutlich geringer ist als bei der derzeit üblichen und nicht

unumstrittenen Mammografie. Das könnte die Brustkrebsvorsorge revolutionieren. Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler am National Cancer Institute in Aviano, Italien, mit den Kits von Biocrates bereits eine Methode entwickelt, mit der der Erfolg einer Brustkrebstherapie bereits vor Beginn der Behandlung vorhergesagt werden kann. Die Methode findet bei einer der aggressivsten Brustkrebsformen mit besonders schnellem Tumorwachstum und schneller Tumor­ ausbreitung Anwendung, die mit einem auffällig hohen Level des Proteins HER2 einhergeht.  www.biocrates.com

Neues Verfahren zur BrustkrebsFrüherkennung Die Biocrates Life Sciences AG in Innsbruck hat ein neues Verfahren zum Patent angemeldet, mit dem Brustkrebs anhand nur eines Tropfens Blut deutlich früher als bisher diagnostiziert werden kann. Zudem liegt die Anzahl der Fehldiagnosen dabei weit unter denen der Mammografie. Das neue Verfahren beruht auf den Metabolomik-Kits von Biocrates. Bereits im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler aus Italien mit diesen Kits eine Methode entwickelt, mit der die Erfolgsaussicht einer häufig verwendeten Chemotherapie bei Brustkrebs vorhergesagt werden kann. Wissenschaftler aus aller Welt forschen derzeit an neuen Methoden zur Diagnose und Behandlung von Krebs. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt dabei die wissenschaftliche Disziplin der Metabolomik, bei der die Stoffwechselprozesse im Körper detailliert charakterisiert werden. Biocrates hat dies früh erkannt und MetabolomikKits entwickelt, mit denen man in einem Standard-Massenspektrometer aus einem einzigen Bluttropfen bis zu 188 Zwischenprodukte im Stoffwechselprozess – sogenannte Metabolite – charakterisieren kann. Mit keinem anderen Kit kann man derzeit so breit gefächert testen. Innerhalb kurzer Zeit ist es nun gelungen, mit die-

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PFLEGE & HOME CARE

Human.technology Styria ist eine wirtschaftspolitische Initiative zur Stärkung der Wettbewerbs­ fähigkeit von steirischen Unternehmen, Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Bereich Humantechnologie.

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er Cluster wurde im Jahr 2004 als Private Public Partnership (PPP) Organisation vom Land Steiermark sowie von steirischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gegründet und hat derzeit 107 Mitglieder, vor allem in der Steiermark, aber auch in Kärnten, Salzburg und Wien. n

Entgeltliche Einschaltung

Wirtschaft trifft Wissenschaft

IM GESPRÄCH Dr. Johann Harer, Geschäftsführer, Human.technology Styria

Zum ersten Mal organisiert Human.technology Styria (HTS) einen Österreichstand auf der Medizintechnik-Fachmesse „MT-Connect“ sowie dem begleitenden Fachkongress „MedTech Summit“ in Nürnberg. Der Schwerpunkt liegt im Anbahnen neuer Geschäftsmöglichkeiten. Diese Medizintechnik-Fachmesse soll den aktuellen Stand der Technik aufzeigen und die Gelegenheit bieten, zukunftsweisende Entwicklungen hautnah zu erleben sowie Kooperations- und Geschäftspartner kennenzulernen. Der internationale Fachkongress „MedTech Summit“, der zeitgleich mit der „MT Connect“ stattfindet, ist seit vielen Jahren einer der bedeutendsten Treffs der Gesundheitsbranche. Der Kongress widmet sich den aktuellen Entwicklungen sowie Zukunftsthemen der Gesundheitsbranche. Die Veranstalter erwarten heuer 1.000 Teilnehmer aus Forschung und Entwicklung, von Herstellern und Zulieferern, Markt- und Finanzierungsexperten sowie Anwender, die in zahlreichen Vorträgen, Partnering Events und einem Staatsempfang Kongressthemen wie medizinische Technologien, Diagnostik, Digitalisierung, mobile Gesundheitstechnologien, Innovationsmanagement, Vorgaben von Behörden und strategische Partnerschaften diskutieren werden. www.mt-connect.de, Infos zum Österreichstand unter Tel.: 0316/587016-11 Die Teilnahme am 32 m2 großen Österreichstand kostet 1.200 Euro (exkl. Ust). Im Preis enthalten sind das Logo am Standdisplay, die Auflagemöglichkeit für Werbematerial, die Darstellung im Ausstellerverzeichnis, die Verpflegung während der Messe, zwei Ausstellerausweise, ein Kongressticket, das Nutzen der Marketingservices der Messe sowie die Messebetreuung.

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Warum gibt es diesen Fokus auf Humantechnologien? Humantechnologie ist eines von drei Schwerpunktthemen in der steirischen Forschungs- und Wirtschaftsstrategie. Der gesamte Bereich der Gesundheitstechnologien wächst international vergleichsweise stark und ein Ende des Wachstums ist durch die demografische Entwicklung sowie neuartige Methoden in der Diagnose und Therapie verschiedenster Krankheiten – Stichwort „personalisierte Medizin“ – nicht zu erwarten. Außerdem können diese neuartigen Methoden auch in der Prävention große Fortschritte bewirken und damit insgesamt die Gesundheit der Bevölkerung verbessern und unser Gesundheitssystem langfristig finanzierbar machen. Die Steiermark mit ihren ausgezeichneten Universitäten, mit ihrer starken Industrieinfrastruktur und mit einer Forschungsquote von fast fünf Prozent ist geradezu prädestiniert, ganz vorne dabei zu sein, wenn es um innovative Lösungen und technologisch anspruchsvolle Neuentwicklungen geht. Wir als Cluster versuchen, unseren Mitgliedern die vorhandenen Potenziale im Humantechnologie-Umfeld aufzuzeigen und ihnen durch nationale und internationale Vernetzung neue Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.

© artemegorov – shutterstock.com

Geschäftsmöglichkeit für die Medizintechnik

Was sind die Schwerpunkte von Human.technology Styria? Wir fokussieren uns auf zwei strategische Stärkefelder: Medizintechnik sowie Pharma und Biotechnologie. In der Medizintechnik betreuen und vernetzen wir Unternehmen mit Schwerpunkt Mikroelektronik, Material- und Produktionskompetenzen, Software und Kommunikationstechnologien sowie Biosensorik, Biomarker und Diagnosesysteme. Im Pharma- und Biotechnologiebereich sind unsere Mitglieder in der Herstellung von Pharmazeutika, im Anlagenbau, in der Prozessentwicklung, -simulation und -optimierung, in der industriellen Biotechnologie und chemischen Synthese sowie in der Bioinformatik aktiv. Wir als Cluster versuchen weiters, unseren Mitgliedern ständig neue Geschäftsfelder im Humantechnologie-Umfeld aufzuzeigen. In diesem Sinn setzen wir auch neue Schwerpunkte wie zum Beispiel das „aktive und gesunde Altern“. Hier erhielt die Steiermark kürzlich als erste österreichische Region überhaupt von der EU-Kommission eine Auszeichnung als Europäische Referenzregion. Nun wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern Technologien und Produkte entwickeln, damit die Zahl der gesunden Lebensjahre steigt und gleichzeitig zusätzliche Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden.


Entgeltliche Einschaltung

KONGRESSKALENDER

08.-10. 05. 2017

t APRIL 2017

20.-22. 04. 2017 Geriatriekongress 2017, Wien geriatriekongress.univie.ac.at

20.-22. 04. 2017 Osteoporose-Forum 2017, St. Wolfgang www.medacad.org/osteoporose2017/

25.-27. 04. 2017

60. Österreichischer Kongress für Krankenhausmanagement, Krems/Donau www.noe-kongress-krankenhausmanagement.at

23.-24. 05. 2017

19.-20. 06. 2017

Additive Fertigung in der Medizin www.iir.at

20.-21. 06. 2017

Medikamenten(fehler)management im KH, Mauerbach www.iir.at

30. ÖBAI-Symposium, Gmunden www.oebai.at

t JUNI 2017

21.-22. 06. 2017

11.-12. 05. 2017

01.-02. 06. 2017

10.-12. 05. 2017

Bauprojekte im Gesundheits­ wesen, Wien www.businesscircle.at

t MAI 2017

11.-13. 05. 2017

7. Tullner Neuroradiologischer Workshop: Ischämie und zerebrovaskuläre Erkrankungen Tulln, www.oerg.at

med.Logistica – Kongress für Krankenhauslogistik, Leipzig www.medlogistica.de

eHealth Summit Austria 2017, Wien, www.ehealthsummit.at

conhIT 2017, Berlin www.conhit.de

06.-07. 05. 2017

17.-18. 05. 2017

REHAB 2017, Karlsruhe www.rehab-karlsruhe.com

15.-17. 05. 2017

24. Dosch Symposium, Velden www.oeghmp.at

Krankenhauslogistik 2017: Fachtagung mit Best Practices + Besichtigung, Wien www.management-forum.de

06.-08. 06. 2017 22. ÖGKV-Kongress, Wien www.oegkv.at

07.-10. 06. 2017

5. Europäisches Forum für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention, Krems/ Donau, www.eufep.at

22.-24. 06. 2017

Führungslabor 2017: Ärztliche Führungskräfte von morgen treffen Profis von heute, Stift St. Florian www.weitmoser-kreis.at

ÖKG-Jahrestagung, Salzburg www.atcardio.at

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

MAI Medizinisches Basiswissen II

8.+9. Mai 2017, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Workshop Vergaberecht in der Praxis

7. Juni 2017, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

8. Juni 2017, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

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AUGUST Medizinproduktegesetz

17. August 2017, 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz **) für die Befähigungsprüfung (Rechtliche Rahmenbedingungen)

18.+19. August 2017 9:00 – 17:00 Uhr bzw. 9:00 – 13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen **) für die Befähigungsprüfung

21.+22. August 2017, jeweils 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen I

23.+24. August 2017, jeweils 9:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

** Die schriftliche Prüfung wird am 19. September 2017 von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien abgenommen. Die mündlichen Prüfungstermine finden je nach Kandidatenanzahl ab dem 9. Oktober 2017 statt. Es besteht die Möglichkeit, für die mündliche Prüfung einen Wunschtermin bei der Meisterprüfungsstelle zu deponieren. ACHTUNG: Mit der Anmeldung zu unseren Vorbereitungsveranstaltungen sind Sie nicht automatisch zur Befähigungsprüfung angemeldet. Eine gesonderte Anmeldung bei der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien ist bis 4. August 2017 erforderlich: Manfred Stolzer, Tel 01 51450-2450 oder manfred.stolzer@wkw.at

Info & Anmeldung: www.austromed.org

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KONGRESSE Die Gesundheitspolitik ist auf dem richtigen Weg Die neunte Auflage des Pflege-Management-Forums beschäftigte sich mit der Zukunft des österreichischen Gesundheitswesens. Als maßgebliche Themenschwerpunkte standen die GuKG-Novelle, die Dokumentation von Pflegedaten, Roboter als intelligente Unterstützer im vernetzten Pflegealltag und die Bedarfsänderung an Pflege und Betreuung auf dem Programm. Erstmals präsentierten Studierende im Rahmen des Business Circle Jahresforums ihre Visionen zur Zukunft der Pflege. Ein weiteres Highlight war die von Kornelia Fiausch geleitete Podiumsdiskussion mit Karl Forstner (ÖÄK), Ursula Frohner (ÖGKV), Eva-Maria Kernstock (GÖG) und Martin Schaffenrath (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger). Für Frohner befindet sich das österreichische Gesundheitssystem in einer enormen Übergangsphase, die von demografischen Umwälzungen und einer immer rascheren und schnelleren Versorgung geprägt ist. Sie betonte die im europäischen Vergleich hohe krankenhauslastige Versorgung und forderte vor allem einen fachlichen, sachlichen und konstruktiven Dialog aller Gesundheitsberufe, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. ­Forstner entgegnete, dass das Gesundheitssystem auch schon die letzten Jahrzehnte einem ständigen Wandel ausgesetzt war und die hohe Versorgungsqualität nur arbeitsteilig zwischen Medizinern und Pflegefachkräften gemeistert werden kann. Schaffenrath lobte zwar die hohe Lebenserwartung der Österreicher, verwies aber darauf, dass sie eine überdurchschnittlich lange Zeit in nicht guter Gesundheit verbringen. Eva-Maria Kernstock forderte, noch mehr zu hinterfragen und nachzuforschen, um mit der notwendigen Evidenz an der Versorgungsqualität arbeiten zu können. Sie sprach sich für eine Stärkung der Primärversorgung und eine Verbesserung des Gesundheitswissens der Österreicher aus. Abschließend herrschte Konsens, dass die Gesundheitspolitik trotz aller Herausforderungen auf dem richtigen Weg ist.

pflegekongress17

„Selbst:Bewusste Pflege“, 30. November und 1. Dezember 2017, Wien www.pflegekongress.at

Symposium Labormedizin

„Personalisierte Medizin“, 30. November und 1. Dezember 2017, Schloss Seggauberg, www.oeglmkc.at

uu AUSBLICK 39th Annual International Congress of the European Hernia Society 24.-27. Mai, Wien Auf einem der weltweit größten Kongresse rund um die Hernienchirurgie und Europas bedeutendstem Treffpunkt der Hernienchirurgen werden hier die modernsten Entwicklungen und innovativsten Technologien des Fachgebietes präsentiert. Kongresspräsident OA Univ.-Prof. Dr. Renè H. Fortelny hat zusammen mit seinen Vizepräsidenten OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler und Dr. Walter Brunner, MSc, MBA ein umfassendes, interaktives Programm zusammengestellt, das die kommenden Herausforderungen des Faches auf den Punkt bringt. Über 1.000 Teilnehmer aus der ganzen Welt werden erwartet.  www.ehs2017vienna.com

58. Österreichischer Chirurgenkongress 28.-30. Juni 2017, Wien Als Vertreter einer assoziierten Fachgesellschaft ist es dem Kongresspräsidenten Univ.-Prof. Dr. Reinhard Windhager ein besonderes Anliegen, möglichst alle Fachgesellschaften zu motivieren und zu mobilisieren, um die Gemeinsamkeit dieser interdisziplinären Veranstaltung zu stärken. In diesem Sinne wurde als übergeordnetes Motto „Innovation trifft Reformation“ gewählt. Innovationen sind in allen diagnostischen und therapeutischen Bereichen von essenzieller Bedeutung, um Behandlungen zu verbessern und die Morbidität zu senken oder überhaupt Krankheiten zu verhindern. Innovationen sind in der Regel mit einer Steigerung der Behandlungskosten verbunden, denen der Reformzwang aufgrund ausufernder Kosten im Gesundheitswesen, aber auch Zwänge, die durch das Arbeitszeitgesetz aufkommen, gegenüberstehen. Innovation bedeutet aber auch, Auswege zu suchen, die von scheinbar unüberwindbaren Engpässen durch Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit und Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben am Patienten zu neuen diagnostischen und therapeutischen Pfaden führen. Neben technologischen Themen wie Translationale Forschung und Tissue Regeneration sowie Roboter und Virtuelle Realität sollen weitere Schwerpunkte auf Interdisziplinäres Notfallmanagement sowie Gesundheitsökonomie gelegt werden. Schwerpunktsymposien, die unter Einladung nationaler und internationaler Spitzenreferenten abgehalten werden, und die Wahl von Berlin als Partnerstadt gewährleisten, dass der Kongress zu einem stimulierenden und über die Bundesgrenzen hinaus nachhaltig wirkenden Ereignis wird.  www.chirurgenkongress.at

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Manuela Gütlbauer, m.guetlbauer@medmedia.at,­ Tel: +43-1-407 31 11-45. Kundenberatung: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich,­ ­ ruckerei Berger, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: c­ reativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: D A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

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DAS SCHLUSSWORT

Denken Sie innovativ! I

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ch führe oft Gespräche mit jungen Forschern oder Gründern von Start-ups und bin immer wieder beeindruckt von ihrem Engagement und ihrem Zug zum Erfolg, den sie an den Tag legen. Auch wenn sich die ältere Generation selten etwas von den Jüngeren abschauen möchte, so plädiere ich doch dafür, diese Neugier, mit der die junge Generation an Neues herangeht, doch auch einmal in den Arbeitsalltag einfließen zu lassen. Neue Perspektiven werden sich eröffnen, die Sichtweisen ändern sich und wir werden plötzlich wieder Lösungen für Probleme finden, die uns längst aufgrund der scheinbaren Aussichtslosigkeit zermürbt haben. Viele der jungen Forscher oder Gründer sind überzeugt, dass sie Gutes tun wollen und können, haben einen positiven Blick auf den Markt und die Zukunft; im Mittelpunkt steht doch der Patient und nicht die Geschäfte. Erinnern Sie sich noch, dass auch Sie einmal am Beginn der Karriere diesen Zugang hatten? Was hindert uns daran, heute noch einmal allen Mut zusammenzunehmen und ausgetretene Pfade zu verlassen, um nicht dieselben Fehler zu machen, die uns zu einem Status quo geführt haben, der uns nur mehr die negativen Entwicklungen wahrnehmen lässt? Ich beobachte, dass Institutionen, die bisher die Regeln für unsere Branche, ja für die gesamte Wirtschaft, gemacht haben, längst von der Geschwindigkeit des Marktes überholt werden. Die Regeln hinken weit hinter dem her, was in der Realität tagtäglich stattfindet. Da werden Apps programmiert und bewähren sich erfolgreich am Markt, die keine Rücksicht auf Gewerbeordnungen oder Medizinprodukte-Verordnung nehmen. Uber, AirBnB oder zahlreiche Gesundheits-Apps werden von den Konsumenten angenommen, ohne die Frage nach der „Rechtmäßigkeit“ zu stellen. Für etablierte Unternehmen muss sich das natürlich wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen – die einen scheitern an dem Fehlen einer Benannten Stelle in Österreich, die aufgrund zunehmender Bürokratie ihren Dienst quittiert hat, gleichzeitig sprießen Start-ups aus dem Boden, die bestehende Regeln hinterfragen oder auf den Kopf stellen. Innovation ist gut und wichtig, doch dürfen wir diese Entwicklung nicht aus den Augen lassen und müssen eine Symbiose zwischen denen finden, die sich an die geltenden Gesetze halten, und jenen, die ausgetretene Pfade verlas-

sen und heute Marktnischen erschließen, an die wir morgen noch nicht einmal gedacht haben. Start-ups verändern die Wirtschaft überaus dynamisch und positiv, das ist aber dann auch von den Institutionen einzufordern, die heute die Spielregeln dafür festlegen – sie müssen ebenso flexibel, schnell, agil und positiv agieren lernen, sonst verlieren sie den Anschluss an die marktwirtschaftliche Realität. Dass die Medizinprodukte-Branche und in Folge die Anwender und Patienten trotz allem künftig nicht benachteiligt werden, hat Sektionschef Mag. Dr. Andreas-Ulrich Schuh vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft anlässlich unserer Veranstaltung „Medizinprodukte als Erfolgsbeispiel für den Hochtechnologiestandort Österreich“ bekräftigt. Ziel der Strategie ist es, Österreich zu einem weltweit führenden Life Sciences- und Pharmastandort auszubauen. Über 250 Expertisen und Meinungen von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Förderagenturen, Wirtschaft und administrativen Stellen wurden bei der Erstellung des Papiers berücksichtigt. Die Life Sciences-Strategie umfasst ein Paket aus 27 konkreten Maßnahmen in neun Handlungsfeldern wie Grundlagenforschung, Forschungsinfrastruktur, Big Data oder Klinische Forschung. Bleibt zu hoffen, dass diese Strategie auch dazu beiträgt, dass Innovationen am österreichischen Gesundheitsmarkt ankommen und angenommen werden. Dazu ist es erforderlich, dass sich auch diejenigen mit dem Thema intensiv auseinandersetzen, die für die Kostenübernahme verantwortlich zeichnen und erkennen: Innovationen sind möglicherweise ein wenig teurer, sparen aber im Behandn lungsprozess deutlich Geld ein! 

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

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