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Lösungen für das Gesundheitswesen S

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ISSN 2223-1080

Hüft- und Knieoperationen

30 | Medizinprodukte Besser und trotzdem billiger? © iStockphoto.com/edwardolive

Österreichische Post AG, MZ09Z038040M MEDMEDIA Verlag, Seidengasse 9/top 1.1, 1070 Wien

Sind Infektionen vermeidbar?

www.das-medizinprodukt.at

23 | Lasertherapie Entfernung von Nierensteinen bei Kindern 24 | Akutgeriatrie Arbeitsprozesse nach Patientenbedarf


INHALT Politik & Management Branchennews4 Gastkommentar: „Rollenspiele“ 6 Gut gerüstet für 2017? Das Fehlen der „Benannten Stellen“ in Österreich stellt die Hersteller und Anwender vor große Herausforderungen. 7

Fokus: Infektion & Hygiene Hüft- und Knieoperationen Wie viele Infektionen vermeidbar wären 8 Diagnostik von Katheter-assoziierten Infektionen Zuverlässige In-situ-Diagnostik spart Zeit und Kosten.  12 Frühwarnsystem für Epidemien Was Experten in Datenbanken suchen und wo der Zusammenhang zu Epidemien ist, untersucht ein Forschungsprojekt.14 News zu Infektion & Hygiene15

Medizin & Wissenschaft Präzision trifft Expertise Roboter können helfen, Interventionsnadeln optimal zu positionieren. Neurochirurgie im Wandel der Zeit Die wesentlichen Entwicklungen der letzten 70 Jahre standen im Fokus der Jahrestagung.  Intensivmedizin – quo vadis? Die demografische Entwicklung bringt neue Herausforderungen mit sich. Laser in Theorie und Praxis Laser gegen Nierensteine und ­Forschungsprojekt zur Laserakupunktur

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Pflege & Home Care Primary Nursing in der Akutgeriatrie Arbeitsprozesse werden am Bedarf der Patienten ausgerichtet. Bedarfsgerechtes Wohnen in Pflegeeinrichtungen ­Architekturwettbewerb zeigt vorbildliche Lösungen

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Service Kongressnews20 Produktnews28 AUSTROMED Dabei: Medizinprodukte: besser und trotzdem billiger? 30 AUSTROMED Seminartermine 31 Kongresse: Rückblick, Ausblick, Termine 32 AUSTROMED Schlusswort 35

ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER

www.das-medizinprodukt.at 2 DAS MEDIZINPRODUKT 01/17

Druckauflage: 20.984 im 1. Halbjahr 2016 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Sicher gesund werden – sicher gesund bleiben! K

rankenhausinfektionen sind ein Dauerbrenner im Gesundheitswesen und bildern daher einmal mehr den Fokus der aktuellen Ausgabe von DAS MEDIZINPRODUKT. Sie ­ ­stehen auch ganz oben auf der Agenda, wenn es um die ­dringlichsten Forderungen der AUSTROMED, der Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen geht, denn Krankenhaus­infektionen bergen hohe Risiken für Pa­ tienten und stellen gleichzeitig eine vermeidbare wirtschaftliche Belastung für das ­Gesundheitswesen dar. Die Mitgliedsunternehmen der ­ AUSTROMED leisten einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen (NI), da qualitativ hochwertige und innovative Desinfektions- und Hygieneprodukte integraler Bestandteil von Strategien zur Erhöhung der Patientensicherheit und im Kampf gegen Krankenhausinfektionen sind. Ob Hände-, Flächen- oder ­ ­Instrumentendesinfektion, innovative Zugangssysteme oder das effektive Patienten-Screening – ohne Medizinprodukte wird der Kampf gegen NI ein aussichtsloser sein. Die Forderungen der AUSTROMED-Branchengruppe Desinfektion & Hygiene liegen klar auf dem Tisch: verpflichtende Mindeststandards in der Krankenhaus­hygiene analog zu internationalen Empfehlungen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO oder des Robert-Koch-Instituts. Beratungs- und Ausbildungsangebote zur Umsetzung von ­ Hygienekonzepten sind bei Ausschreibungen verpflichtend zu berücksichtigen. Eine konsequente Überwachung der vorhandenen Erfassungspflicht für nosokomiale Infektionen sowie die Zu­ sammenführung der Daten und die Veröffentlichung in ­patientenverständlicher Form sind erforderlich. Schließlich braucht es öffentliche Fördermittel zur Umsetzung von Hygienekonzepten. Ein öffentliches Committment wünschen wir uns auch im Hinblick auf das Innovationsklima. Einerseits werden Start-ups gefördert, andererseits werden die Anforderungen an Benannte Stellen von Medizinprodukten drastisch erhöht. Das hatte zur Folge, dass die einzigen zwei Benannten Stellen in Österreich – eine in Graz und eine in Wien – Ihre Tätigkeiten als Benannte­ Stellen eingestellt haben. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 7.

Ende Mai 2016 sind die langjährigen Verhandlungen für eine Überarbeitung der gesetzlichen Basis für Medizinprodukte in der EU zu einem Ende gekommen. Das Resultat sind die ­EU-VO Medizinprodukte und die EU-VO In-vitro-Diagnostika, die nach derzeitigem Stand Mitte 2017 in Kraft treten sollen. Die Bewältigung der regulatorischen Anforderungen wird dramatisch steigen, was unter anderem eine längere Entwicklungsdauer von Medizinprodukten und deutlich höhere Kosten nach sich ziehen wird. Ob und wie Medizinprodukte besser und dennoch billiger sein können, wurde unter anderem auch bei den AUSTROMED Herbstgesprächen diskutiert. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 30. Wir wünschen uns daher für das noch junge Jahr 2017, dass bei der nationalen Umsetzung der EU-Verordnungen nicht die Bürokratie Vorrang hat, sondern mit Hausverstand und Augenmaß agiert wird. Im Sinne der Patienten und aller im Gesundheitswesen Tätigen!

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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© W. Stieber/LKH Univ. Klinikum Graz

NEWS

v.l.n.r: ao. Univ.-Prof. Dr. Gernot Brunner, Ärztlicher Direktor, Primarius Univ.-Prof. Dr. Jörg Tschmelitsch, Ärztlicher Direktor am Allgemeinen öffentlichen Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan, Pater Prior Paulus Kohler, Rechtsträgervertreter des Ordens der Barmherzigen Brüder, Univ.- Prof. Dr. Karin S. Kapp, Sprecherin CCC Graz, ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. rer. nat. Wolfgang Sattler, Koordinator des Koordinationsboards Krebsforschung, Lehre, Aus- und Fortbildung

Alternative zur ­Brustkorböffnung Zur Implantation von Herzklappen haben Chirurgen am LKH-Uniklinikum Graz eine neue Methode entwickelt und erstmals angewendet. Sie wählen den Zugang zur Aortenklappe nicht über den geöffneten Brustkorb oder die Leistengefäße, sondern über einen kleinen Schnitt am Hals. Mehr als der gut heilende, nur etwa drei Zentimeter lange Schnitt im Bereich der Halsgrube zählt aber, dass sich die körperliche Belastung der Patienten, die eine klassisch durchgeführte Herzklappenimplantation mit sich bringen kann, deutlich verringert. Selbst bei minimalinvasiven Methoden wird der Zugang über einen kleinen Schnitt zwischen der dritten und vierten Rippe gewählt. Erleichterungen brachte seit 2007 in vielen Fällen die Implantation über die Leistengefäße und einen Katheter. Ist der Weg über die Leistengefäße aber nicht möglich, bietet der Halsschnitt eine schonende Alternative. Die Methode ist speziell für diese Patientengruppe bzw. ältere Patienten geeignet, bei denen eine Brustkorböffnung risikoreich ist. www.klinikum-graz.at

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Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit/Glan ist ab sofort Netzwerkpartner des „Comprehensive Cancer Center Graz“ (Krebszentrum Graz) der Medizinischen Universität Graz und intensiviert damit die Zusammenarbeit. Diese Kooperation steht für die bestmögliche Behandlung und Begleitung von Tumorpatienten als auch für eine enge Zusammenarbeit in der Krebsforschung. Durch die Kooperation erreicht der Patient zum einen die Expertise der behandelnden Ärzte vor Ort, zum anderen die Kom-

Forschungsnetzwerk Die kürzlich gegründete „Austrian Microbiome Initiative“ (AMICI) fördert die nationale Mikrobiomforschung und vernetzt Mediziner und Forscher verschiedenster Fachrichtungen. Das genaue Verständnis der Rolle der Mikroorganismen für die Gesundheit ihres Wirtes erfordert enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Zu den ambitionierten Zielen der Forscher gehört unter anderem auch die Entwicklung neuer Mikrobiota-basierter Diagnoseverfahren, Therapieansätze und Ernährungskonzepte. Bereits jetzt zeigen unkonventionelle An-

petenz universitätsmedizinischer Experten. Vertreter der Häuser unterzeichneten eine Zusammenarbeitsurkunde, die diese Partnerschaft festlegt. „Nicht jede Erkrankung verläuft gleich, nicht jeder Patient reagiert gleich auf die Therapie. Deshalb ist uns die Abstimmung mit den Medizinern des LKH-Universitätsklinikums Graz sowie den Wissenschaftlern an der Medizinischen Universität Graz sehr wichtig“, so der Ärztliche Direktor und Vorstand der Chirurgie am Krankenhaus St. Veit, Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Tschmelitsch, FACS, anlässlich der offiziellen Unterzeichnung der Kooperationsurkunde. www.ccc-graz.at

sätze wie Fäkaltransplantation ungeahnte Wirksamkeit bei akuten Durchfallerkrankungen, die von Clostridium difficile-Erregern verursacht werden. Die Zukunft der Mikrobiotatherapie liegt in der personalisierten Medizin, erläutert Dr. Patrizia Kump, Gastroenterologin an der Medizinischen Universität Graz und AMICI-Vizepräsidentin: „Es besteht berechtigte Hoffnung, dass wir die Kenntnisse über das individuelle Mikrobiom einer Person zur Behandlung nutzen können – etwa in Form von speziellen Probiotika-Mischungen, gezielter Auswahl von Antibiotika oder durch individuelle Ernährungspläne.“ www.microbiome.at

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Kooperation von Forschung und Medizin


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BRANCHENNEWS

Innovatives MRT-Verfahren Neuer Operationssaal für Privatklinik Ritzensee Die Klinik Ritzensee wird zur modernsten Privatklinik im Süden Salzburgs ausgebaut. Neben der Installation eines Magnetresonanztomografiegeräts (MRT) der neuesten Generation erfolgt nun der nächste Meilenstein: Ein neuer, den höchsten

Anforderungen an die Medizintechnik entsprechender Operationssaal soll den bestehenden Operationssaal ergänzen und künftig auch orthopädische Operationen am Standort Ritzensee ermöglichen. 1,3 Millionen Euro werden in den OP investiert. Damit setzt das Tauernklinikum einen weiteren Schritt für eine bestmögliche medizinische Versorgung im Pinzgau. www.privatklinik-ritzensee.at

Die Früherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson mithilfe eines „Eisen-Atlas“ des menschlichen Gehirns steht im Mittelpunkt eines gemeinsamen Forschungsprojektes an der FH Kärnten mit der Medizinischen Universität Wien und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Erhöhte Eisenkonzentrationen im menschlichen Gehirn können auf altersbedingte Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson hinweisen. Und das schon Jahre bevor die ersten Symptome auftreten und es zum Ausbruch kommt“, erklärt DI (FH) Günther Grabner, Ph.D., Lehrender und Forscher am Studiengang Radiologietechnologie der FH Kärnten, die Hintergründe des Forschungsprojekts zur Analyse von Eisenkonzentrationen. Ziel ist es, mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) die Konzentration von Eisen sichtbar und auswertbar zu machen. Aktuelle Berechnungsmethoden kommen klinisch nur eingeschränkt in Frage, daher werden an der

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Eisen-Atlas fördert ­Früherkennung

DI (FH) Günther Grabner, Ph.D. forscht an der Früherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Medizinischen Universität Wien Gehirne mittels MRT bildgebend und histologisch untersucht und lokale Eisenkonzentrationen bestimmt sowie Eisenfärbungen durchgeführt. An der FH Kärnten werden diese Färbungen 3D-rekonstruiert und in einem Eisenatlas dargestellt. Die weiteren Berechnungen zur Eisenkonzentration erfolgen an der FriedrichSchiller-Universität Jena. www.fh-kaernten.at

Grazer Wissenschaftlern ist es in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen gelungen, ein innovatives Magnetresonanztomografie-Verfahren (MRT) zu entwickeln, das neue Einblicke in Veränderungen des Gehirns verspricht. Das von den Grazer Forschern entwickelte MRT-Verfahren ermöglicht die Bestimmung von Eiseneinlagerungen im Gehirn durch die magnetische Suszeptibilität (QSM). Dieses beschleunigte Verfahren macht es möglich, die Aufnahmezeit im Scanner von rund fünf Minuten auf zehn Sekunden zu verkürzen. Durch ausgeklügelte mathematische Bildverarbeitung liefert das MRT trotz der kurzen Aufnahmezeit qualitativ hochwertige Bilder. Die Technik ist besonders für den Einsatz bei Patienten mit Alzheimer und Parkinson vorteilhaft, da konventionelle MRT-Bilder durch die lange Aufnahmezeit oftmals „verwackelt“ und somit klinisch eingeschränkt nutzbar sind. „Das neu entwickelte Verfahren soll helfen, die Rolle von Eisen im menschlichen Gehirn zu klären, was bisher noch nicht untersucht werden konnte“, beschreibt Ass.-Prof. Dr. Christian Langkammer von der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Graz. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team rund um Univ.-Prof. Dr. Kristian Bredies, Institut für Mathematik und Wissenschaftliches Rechnen, Karl-Franzens-Universität Graz, und Kollegen der Harvard Medical School sowie des Massachusetts Institute of Technology entwickelte der Wissenschaftler mit weiteren Kollegen an der Med Uni Graz das neuartige MRT-Verfahren.  neurologie.uniklinikumgraz.at

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MEDIZIN PR DUKT Dr. Willy Oggier Gesundheitsökonomische Beratungen AG Weinhaldenstrasse 22 CH 8700 Küsnacht Tel. +41 44 273 52 34 info@willyoggier.ch

GASTKOMMENTAR

Rollenspiele er Gesundheitsmarkt ist einer der großen Wachstumsmärkte und gewinnt ökonomisch stärker an Bedeutung. Wegen der demografischen Entwicklung, aber auch wegen medizintechnischen Innovationen führt kein Weg daran vorbei, die vorhandenen Ressourcen möglichst effektiv und effizient einzusetzen. Kein Wunder also, dass die Ökonomie in der Medizin eine zunehmend wichtigere Rolle übernimmt, aber nicht immer nur in gutem Sinn. Der Grund ist einfach: Ökonomie wird oft vom Blickwinkel der betriebswirtschaftlichen Einzelinteressen ins Spiel gebracht. Dies ist selten hilfreich, wenn es um die Rolle von Innovationen im Gesundheitssystem geht. Hier benötigen wir vor allem einen volkswirtschaftlichen Blickwinkel, denn der Nutzen der Innovation fällt oft nicht dort an, wo er bezahlt wird. Hat der Zahler aber keinen unmittelbaren Vorteil, wird er leichter auf der Bremse stehen ...

Innovative Finanzierungsformen Die Herausforderungen, vor denen Gesundheitssysteme in Europa stehen, sind längst bekannt: die demografische Entwicklung, multimorbide Patienten, neue Krankheitsbilder als Folge von Migrationsströmen, all das bei höheren Ansprüchen und knapper werdenden Budgets – um nur einige Eckpunkte zu nennen. Mit innovativen Produkten oder innovativen Versorgungsformen allein werden wir nicht weiterkommen. Es braucht auch innovative Finanzierungsformen. Das erfordert das Denken in Netzwerken und das Überwinden von Sektoren: zwischen ambulant und stationär, zwischen akut und postakut, zwischen Heilungskosten und Lohnfortzahlungen. Spätestens jetzt wird klar: Wir müssen Denkblockaden überwinden. Diese sind zwar verständlich, weil wir nach wie vor traditionelle ­Lösungen für das historisch gewachsene System suchen. Wir müssen uns aber verabschieden von der Frage, welche Ursache, z.B. Krankheit oder Unfall, für die Versorgungsleistung verantwortlich ist. Es gilt, sich vermehrt hin zur Frage zu wenden, welche Gesundheitsversorgung Menschen heute, aber auch in fünf Jahren benötigen werden. Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt nicht. Wir sind gut beraten, das Einzelkämpfertum und die Mikrostrukturen als Auslaufmodelle anzuerkennen, weil sie nicht mehr zukunftstauglich sind.

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Zukunftssicherung in einer jungen Gesellschaft braucht Investitionen in Bildung, in einer älter werdenden Gesellschaft wie der unseren muss in das Gesundheitssystem investiert werden. Hier geht es um langfristige, zukunftssichernde Maßnahmen!

Lenken statt steuern Die Medizin und die Gesundheitssysteme sind zweifelsohne in einer Umbruchphase. Eine langfristige Planung oder Steuerung ist angesichts der Tatsache, dass die Halbwertszeit des medizinischen Wissens kaum mehr als drei Jahre beträgt, ein Artefakt. Wir werden auf Basis von „Big Data“ die Menschen beraten und vielleicht ein wenig lenken können, um sie vor künftigen Bedrohungen zu schützen versuchen, aber wir müssen auch einen Eigenanteil an Verantwortung einfordern. Wir leben in einer Multi-Options-Gesellschaft. Daher werden auch unterschiedliche Versorgungsformen unterschiedlichen Optionen besser gerecht als ein zentral gesteuertes System.

Mehr Flexibilität ist gefragt Innovationen sind nicht der letzte Rettungsring für das Gesundheitswesen, aber ein Teil, der dazu beitragen kann, dass wir auch künftig eine hochwertige Versorgung für eine älter werdende Gesellschaft haben können. Wichtig ist, dass wir auf allen Ebenen Innovationen benötigen, also nicht nur bei Produkten, sondern auch bei Prozessen, dem Marketing oder den Organisations- und Finanzierungsformen. Es geht darum, mehr Wettbewerb zu wagen, um Innovationen zu fördern. Wettbewerb ist dabei nicht als eine Frage der Ideologie, sondern als ein Instrument zu verstehen. Wir benötigen beispielsweise eine offene und ehrliche Diskussion über Marktzulassungen von Produkten, die angesichts der kürzer werdenden Produktlebenszyklen, der sich rasch ändernden Ansprüche und der kurzen Halbwertszeit von medizinischem Wissen auch viel flexibler gehandhabt werden müssen. Dabei haben sowohl Zulassungsbehörden als auch Kostenträger und Produzenten die Bereitschaft aufzubringen, mehr Risiken einzugehen, anderseits aber auch konsequenter und häufiger anzupassen, falls Erwartungen und Versprechen nicht erfüllt werden. Innovation ohne Risiko gibt es nicht. n

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© Sandra Horak/AUSTROMED

Mag. Alexander Hayn Vizepräsident der AUSTROMED Obmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Bundesgremium des Foto-, Optik- und Medizinproduktehandels

Gut gerüstet für 2017? u Experten rechnen bis Mitte 2017 mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Medizinprodukte-­ Verordnung. u Das Fehlen der „Benannten Stellen“ in Österreich stellt die Hersteller und Anwender aber noch vor große Herausforderungen.

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enannte Stellen“ führen Prüfungen und Bewertungen im Rahmen der vom Hersteller durchzuführenden Konformitätsbewertung durch. Kurz gesagt: Ohne Prüfung gibt es keine Marktzulassung. In Österreich waren bisher die Europaprüfstelle für Medizinprodukte (PMG) der Technischen Universität Graz sowie der TÜV Austria die Ansprechpartner für die Hersteller. Beide haben ihre Tätigkeit als Benannte Stelle eingestellt. Der Grund dafür waren nicht zuletzt die schärfer werdenden Bedingungen: eine verstärkte Aufsicht vonseiten der Europäischen Kommission, erhöhte Mindestanforderungen, neue Prozesse zur Bewertung der technischen Dokumentation und klinischen Bewertung. Jährliche Überwachungsaudits sowie unangekündigte Audits und Rotationen bei den Auditoren führen zu einer Neuorganisation bei allen Beteiligten. So hat sich die Anzahl der Benannten Stellen in den letzten Monaten in Europa bereits halbiert.

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Engpässe rechtzeitig vermieden Ursprünglich sollte die Komplexität der Regularien reduziert werden. Der neue Text mit 600 Seiten – also einer Verfünffachung im Vergleich zum Umfang der bisherigen Richtlinien mit rund 120 Seiten – unternimmt dagegen den Versuch einer stärkeren Regelungstiefe mit vielen offenen Baustellen bei der Umsetzung. Dass noch viele Fragen ungelöst sind, bestätigt auch Mag. Alexander Hayn, Vizepräsident der ­AUSTROMED und Obmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) im Bundesgremium des Foto-, Optik- und Medizinproduktehandels, jedoch wurden einige wesentliche Punkte noch rechtzeitig klargestellt. „Eine neue Benannte Stelle nach Österreich zu bekommen ist natürlich das Ziel, aber eher ein Langfristprojekt, denn die verschärften Anforderungen machen etwa drei Jahre Vorlaufzeit realistisch. Das hilft den be-

troffenen Herstellern, Händlern, aber auch den Anwendern kurzfristig nicht weiter“, resümiert Hayn. Um die „subjektive Wahrnehmung“ auch mit Fakten zu hinterlegen, hat die WKO eine Mitgliederumfrage gestartet. Das Ergebnis war eindeutig: „Es ist sehr bedenklich, dass einerseits Startups gefördert werden, Österreich sich um den Sitz der European Medicines Agency (EMA) bewirbt, aber auf der anderen Seite keine Stelle erhalten bleiben kann, die Konformitätsbewertung für Medizinprodukte im eigenen Land durchführt“, so Hayn. Offen war für die meisten Unternehmen vor allem die Frage, was mit Waren zu geschehen hat, deren Zertifikat ausläuft, die aber bereits auf Lager liegen: „Das betrifft die komplette Supply Chain“, so der Experte. Positive Signale kamen nach Gesprächen dann aber von der Medizinmarktaufsicht: Bereits vor dem 31.1.2017 erstmalig in Verkehr gebrachte Ware kann auch weiterhin verkauft werden (laut § 2 Abs 10 MPG gilt bereits fertige Ware, die sich freigegeben im Ausgangslager befindet, als in Verkehr gebracht).

Langfristlösung fehlt Die Entspannung ist aber nur kurzfristig spürbar. Mittel- und langfristig heißt das Fehlen der Benannten Stellen, dass Unternehmen erhebliche Mehrkosten haben werden, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis wird auch für Einkäufer nicht ohne Folgen bleiben: Die Produktvielfalt und die Zahl der Anbieter werden sich reduzieren, Preiserhöhungen zur Deckung der Mehrkosten sind zu erwarten. Heimische Klein- und Mittelbetriebe können rasch auf Anforderungen der Spitäler reagieren, doch: „Wenn wir hier keine Lösung finden, dann wird sich die Branche ausdünnen und wir werden diese Stärke in Gesamteuropa nicht weiter ausspielen können“, fasst Hayn zusammen. n

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Infektionen sind vermeidbar u Infektionsraten, zum Beispiel infolge von Hüft- und Knieoperationen, sind in Österreich nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, denn verbindliche Datenerhebungen fehlen. u Mehr Transparenz und Bewusstsein, auch bei Patienten, wären wichtige Eckpfeiler für eine gelungene Infektionsprophylaxe.

ie Zahl der Hüft- und Knieimplantationen steigt weltweit stetig an. Die aktuellen Fallzahlen in Österreich liegen bei jeweils rund 15.000 pro Jahr, wobei die Eingriffe an den Hüften stagnieren und Knie-OPs tendenziell steigen. „Diese Entwicklung zeigt, dass künstliche Gelenke heute zu Routineoperationen zählen und längst keine Besonderheit mehr sind. Die Altersgrenze bei den Operationen ist hier deutlich gesunken, die Indikation zur Operation wird viel früher gestellt und gelenkerhaltende Operationen wurden in den Hintergrund gedrängt. Gleichzeitig spiegelt der Wunsch der Patienten, bis ins hohe Alter aktiv und mobil zu bleiben, den Trend ebenfalls wider“, beschreibt Dr. Max Böhler, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und Experte für Endoprothetik, die Situation. Jede Operation ist grundsätzlich mit Risiken verbunden, eine der gefürchtetsten dabei ist die Implantatinfektion. Und diese Sorge ist nach Einschätzung von Böhler durchaus begründet: In Deutschland resultieren aus jährlich 390.000 Implantateingriffen rund 65.000 Wechseloperationen, 9.000 bis 11.000 davon sind durch Infektionen hervorgerufen. Hierzulande sprechen die Zahlen eine ähnliche Sprache. „Die Rezidivrate liegt bei durchschnittlich 18 %,

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das heißt, jeder fünfte Patient kommt wieder“, weiß der Mediziner und ergänzt: „Derartige Eingriffe ohne Infektionen sind eine Illusion und dennoch sprechen viele Kliniken von einer nullprozentigen Infektionsrate und machen diese Zahl damit zur eigenen Visitenkarte. Das ist aus meiner Sicht aber eine Falschinformation, denn wir können derzeit oft gar nicht mit Sicherheit feststellen, ob und welche Infektionen auf einen Eingriff zurückzuführen sind.“

Einfach vorsorgen Um perioperative Infektionen zu vermeiden, gibt es mittlerweile eine Reihe von Maßnahmen, die den Gesundheitseinrichtungen vom Gesetzgeber auferlegt werden. Alle Basishygiene-Maßnahmen wie der Umgang mit Schutzbekleidung, Regelungen bezüglich der Isolierung infizierter Patienten sowie die richtige Händehygiene müssen jedenfalls beherrscht werden und ihre Umsetzung sollte nicht mehr infrage stehen. Hilfreiche Strategien sind auch die Etablierung von Hygieneteams und die Implementierung von Antibiotic bzw. Hygiene u

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Stewardship Programmen. Eine österreichweit einheitliche Checkliste der „Must-haves“ im Krankenhaus wäre ideal, ist aber nicht Realität. „Neben diesen weitgehend sehr gut reglementierten Maßnahmen gibt es aber auch eine Reihe von Möglichkeiten, die in der Eigenverantwortung der Patienten liegen“, weiß Böhler und beschreibt: „Wir wissen vor einer OP zum Beispiel nicht, wann der Patient zuletzt seine Zähne sanieren hat lassen oder wann das letzte Mal geduscht wurde und mit welchen Keimen die Haut des Patienten tatsächlich besiedelt ist. Das sind aber wichtige Eckpunkte für eine sichere Infektionsprophylaxe.“ Böhler ist überzeugt davon, dass passende Desinfektionsmaßnahmen vor der OP kein unzumutbarer Aufwand sind und das Risiko einer potenziellen Infektion deutlich reduzieren. Ebenso sind die korrekte Einstellung des Blutzuckers, Verzicht auf das Rauchen einige Tage vor dem Eingriff und auch die Behandlung einer präoperativ bestehenden Anämie einfache und wirksame Maßnahmen.

Das Aufklären der Patienten über ihre Rolle bei der Infektionsprophylaxe ist wesentlich.

IM GESPRÄCH

Worauf soll bei der Infektionsprophylaxe besonders Wert gelegt werden? Eigenverantwortung des Patienten ist ein zentrales Thema. Ich denke, dass wir im Spital schon die Infektionsprävention sehr ausgereizt haben, die gesetzlichen Vorgaben sind bekannt, aber was wir manchmal noch zu wenig beachten, sind die Risikogruppen. Patienten, denen ich Hüft- oder Knieimplantate einsetze, haben zu 60 % Stents und zwei bis drei weitere Grunderkrankungen oder andere Endoprothesen im Körper. In solchen Fällen handelt es sich dann nicht mehr um Routineeingriffe, sondern hier werden Hochrisikooperationen durchgeführt und da steigt auch das Risiko einer Infektion deutlich an. Kein Arzt will seinem Patienten gerne mitteilen, dass eine Infektion nach dem Eingriff entstanden ist und Schuldzuweisungen, wenn einmal etwas passiert ist, bringen uns nicht weiter. Meines Erachtens müssen wir in der Phase vor der stationären Aufnahme aktiv werden, wenn es noch möglich ist, die Keimbesiedelung des Patienten zu reduzieren. Sind Patienten potenzielle Keimträger, so müssen sie auch diesbezüglich aufgeklärt werden.

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Wie erkennen Sie frühzeitig das Auftreten von Infektionen nach einer Hüft- oder Knieimplantation? Neben dem klinischen Erscheinungsbild können wir bei Verdachtsfällen auch laborchemische Nachweise erbringen. Zudem gibt es PCR-Schnelltests, die rasch und sicher ein Ergebnis in der Infektionsdiagnostik bringen. Eine rasche Behandlung mit dem passenden Antibiotikum ist wichtig und sollte immer in Absprache mit einem auf Infektionen spezialisierten Internisten oder Infektiologen erfolgen. Bildgebende Verfahren erlauben zusätzlich eine Differenzialdiagnostik, feingewebliche und bakteriologische Untersuchungen ergänzen das Spektrum.

„Die meisten Keime haben wir im Mund, in der Nase und im Rachenraum. Wird hier Prophylaxe betrieben, können wir die Infektionsgefahr um das Drei- bis Vierfache reduzieren“, ist der Mediziner überzeugt. Im Evangelischen Krankenhaus in Wien werden seine Patienten über diese Möglichkeit aufgeklärt, das erfordert keinen Zusatzaufwand und braucht auch keine teuren flächendeckenden Screenings. „Wir erzeugen Bewusstsein und können schon mit gezielten Fragen Risikogruppen herausfiltern“, so Böhler. Dazu gehören etwa Patienten mit schlecht heilenden Wunden, Diabetes oder einem kürzlich vorangegangenen Aufenthalt auf einer Intensivstation. Die Fortschritte in der Medizin haben auch bei den Infektionen zur Reduktion beigetragen: kürzere OP-Zeiten, verbesserte OPTechniken, innovatives Prothesenmaterial oder blutsparende Maßnahmen sowie die perioperative Antibiotikagabe senken die Infektionsrate. „Wie weit die antibiotische Therapie ausgeweitet wird, hängt aber vom Behandler ab“, so Böhler. Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass auch die Zahl der Eingriffe zunimmt und das Patientengut aufgrund der Demografie älter und kränker wird. „Letztendlich können Patienten davon ausgehen, dass die Hygienestandards im Spital aufgrund der geforderten gesetzlichen Maßnahmen schon sehr hoch sind, ihr eigenes Zutun aber durchaus noch Verbesserungen bringen kann“, ergänzt Böhler. Wichtig ist dem Operateur auch, dass der OP als Arbeitsplatz zu respektieren ist: „Darin sollen sich nicht mehr Personen als nötig aufhalten und die Tür soll geschlossen bleiben. Händedesinfektion sollte nicht mehr infrage stehen, ist aber leider immer wieder ein aktuelles Thema.“  n

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Zahl der Eingriffe steigt

Dr. Max Böhler, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und Experte für Endoprothetik


Doppelte Wirkung:

Reinigung und Infektionsschutz Die Behandlung und Vorbeugung von nosokomialen Infektionen und multiresistenten Pathogenen stellt Spitäler vor große Herausforderungen. Das tägliche Waschen – vor allem auf Intensivstationen – mit einer CHG-Lösung hat sich als eine effektive und evidenzbasierte Maßnahme zur Infektionsprävention erwiesen.

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edes Jahr erkranken in Europa etwa 4,1 Millionen Menschen an einer nosokomialen Infektion (NI), wie aus Zahlen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hervorgeht. Neben dem Leid für Patienten machen die erforderlichen komplexen Therapien und verlängerte Liegezeiten auch die Kosten für die Behandlung teuer. Vor allem bei Menschen mit schwachem Immunsystem sind multiresistente Keime besonders gefährlich, die jedoch mithilfe eines einfachen und präventiven Instruments eingedämmt werden können: der antiseptischen Ganzkörperwaschung. In den meisten Fällen – vor allem auf den Intensivstationen – erfordert das nicht einmal einen zusätzlichen Arbeitsvorgang, da die Patienten ohnehin von den Pflegekräften gewaschen werden.

Gebrauchsfertige Tücher erleichtern Pflege Multizentrische Studien zeigen signifikante Erfolge beim Einsatz von Tüchern, die mit einer 2%igen Chlorhexidindigluconat (CHG)-Lösung getränkt sind. Sie verringern die Zahl der Keime auf der Haut des Patienten und hinterlassen zudem einen antimikrobiellen Film, der bis zu 48 Stunden anhält. Zum einen binden cellulosefreie Tücher CHG nicht und sorgen dafür, dass der Wirkstoff auf die Haut der Patienten abgegeben wird. Die gebrauchsfertigen, bereits vorgetränkten Produkte erleichtern die Ganzkörperwaschung bei Intensivpatienten und können anschließend einfach im Hausmüll entsorgt werden. Da es sich um eine alkoholfreie Lösung mit Pflegestoffen aus Aloe und Glycerin handelt, trocknet das Produkt die Haut nicht aus. Bei regelmäßiger Anwendung akkumuliert CHG auf der Haut und bildet einen effektiven Schutzfilm gegen Pathogene, ohne die natürliche Hautflora dauerhaft zu schädigen.

Einfache und anhaltende Wirkung © Tyler Olson – shutterstock.com

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

CHG ist ein kationisches Biguanid, das sich an die negativ geladene bakterielle Zellwand beziehungsweise -membran bindet und sie zerstört. Diese Funktion hält bis zu 48 Stunden an. Eine umfassende Wirksamkeit konnte gegenüber nationalen MRSA -Epidemiestämmen (multi-resistenter Staphylococcus aureus), einer Vielzahl klinischer Isolate von VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) und MRGN (multiresistente gramnegative­

Antiseptische Ganzkörperwaschungen bewähren sich auf Intensivstationen zur Infektionsprophylaxe.

Bakterien) sowohl in vitro wie auch in vivo nachgewiesenen werden. Im klinischen Alltag reduziert dies Harnweg- und Blutbahninfektionen sowie postoperative Wundinfektionen. Umfangreiche Studien untermauern die Überlegenheit der CHGLösung gegenüber anderen antiseptischen Mitteln und erbringen die nötige Evidenz. So belegten beispielsweise Dr. Susan Huang und ihr Team im Jahr 2013 in den USA eine Verringerung von nosokomialen Infektionen und Besiedelungen. An dieser Studie nahmen 43 Einrichtungen und 74.265 Patienten teil. Die universelle Dekolonisation reduzierte Blutbahninfektionen um 44%. Climo et al. untersuchten 7.727 Patienten auf sechs Intensivstationen in US-amerikanischen Kliniken und dokumentierten eine statistisch signifikante Differenz von minus 23 % zugunsten der lokalen antiseptischen Prävention. In Europa bezogen Derde et al. 9.000 Intensivpatienten an 13 Intensivstationen ein und kamen zu dem Ergebnis, dass sich die nosokomiale MRSA-Transmissionsrate deutlich (3–6 % pro Woche) reduzierte. In Heidelberg prüften Günther et al. unter konservativen Testbedingungen die antimikrobielle Wirksamkeit der antiseptischen Tücher und fanden die 2%ige Lösung als effizient gegenüber einer Vielzahl an klinischen Isolaten multiresistenter gramnegativer Bakterien. n Literatur beim Verfasser

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Frühzeitige Diagnostik von ­Katheter-assoziierten Infektionen u Hämatoonkologische Patienten zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für Katheter-assoziierte Infektionen im Rahmen ihrer Grunderkrankung. u Mit einer zuverlässigen In-situ-Diagnostik könnte auf das kosten- und personalintensive Entfernen der ZVKs verzichtet werden.

entralvenöse Katheter (ZVKs) haben einen bedeutenden Stellenwert für die Verabreichung von Medikamenten, die Diagnostik und Hämodialyse. Trotz zahlreicher Vorteile besteht immer auch ein Risiko für Katheter-assoziierte Infektion (Catheter-Related Blood Stream Infection, CRBSI), wobei der ZVK die Eintrittspforte darstellt. Vor allem hämatoonkologische Patienten zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko im Rahmen ihrer Grunderkrankung.

Zuverlässige In-situ-Diagnostik Die konventionelle Diagnostik empfiehlt die Entfernung des ZVK bei Verdacht auf CRBSI für eine semiquantitative Katheterspitzen-Kultur. Laut Literatur konnte nur bei 15 % der entfernten ZVKs eine CRBSI nachgewiesen werden, demzufolge wurden 85 % der ZVKs unnötig entfernt. Sind ZVKs weiterhin notwendig und müssen neu implantiert werden, führt das zu mehr Personalaufwand, höheren materiellen Kosten wie auch einem erhöhten Risiko für Mispunktionen und Gefäß- bzw. Organverletzungen. Dementsprechend ist ein wichtiger Ansatz der aktuellen Forschung die Entwicklung einer zuverlässigen In-situ-Diagnostik. In einer Studie (*) unter der Leitung von Prof. Robert Krause wurde bei hämatoonkologischen Patienten ein Screening auf CRBSI durchgeführt. Dabei wurde die erste Portion Blut- bzw. Spüllösung aus dem ZVK abgenommen, die verworfen werden muss, demzufolge kein zusätzlicher Blutverlust. Im Labor wurden anschließend zwei verschiedene Testmethoden evaluiert: 1) eine Peptide Nucleic Acid Fluorescence In-situ-Hybridisierung (PNA FISH) mit Universalsonde zur Detektion von humanpathogenen Bakterien und Pilzen; und 2) eine Acridine Orange Leukozyten Zytospin (AOLC) Färbung, der Goldstandard. Zusätzlich wurde jedes Röhrchen als Kontrolle auf Schokoladen­ agar ausgestrichen und täglich die klinischen Daten gesammelt. Alle Patienten hatten 2-, 3- oder 5-schenkelige ZVKs oder Ports. Implantationen wurden ausschließlich aus medizini-

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schen Gründen durchgeführt. Eine Katheterepisode wurde definiert als der Zeitpunkt der ZVK- /Port-Implantation bis zur ZVK-/Portnadel-Entfernung. Die behandelnden Ärzte wurden verblindet. Bestand von klinischer Seite der Verdacht auf eine CRBSI, wurden die Routinemaßnahmen durchgeführt inklusive Abnahme von Blutkulturen.

Zuverlässige Vorhersage schwierig Von März 2012 bis Dezember 2013 wurden insgesamt 182 Patienten in die Studie inkludiert und 342 Katheterepisoden analysiert. Mittels Routinemaßnahmen konnten in 6.466 beobachteten Kathetertagen 17 CRBSIs diagnostiziert werden, was zu einer CRBSI-Rate von 2,6 CRBSIs pro 1.000 Tagen führt. ­Diese Rate ist vergleichbar mit internationalen CRBSI-Raten (1,1 –7,5 pro 1.000 Kathetertagen). 15 Patienten zeigten insgesamt ein positives Screeningresultat (PNA FISH und/oder AOLC- Färbung); davon wurde bei fünf Patienten (33 %) mittels Routinediagnostik eine CRBSI diagnostiziert. Die verbleibenden zwölf von 17 CRBSI-Patienten zeigten kein positives Screeningergebnis. Wie auch in der Literatur beschrieben, war der häufigste CRBSI-Keim Staphylococcus epidermidis (sieben von 17 CRBSI), 6-mal wurden gramnegative Bakterien identifiziert und einmal Sprosspilze (Candida albicans). Trotz erfolgreicher Ergebnisse dieser zwei Testmethoden gelang es nicht, CRBSIs zuverlässig vorherzusagen: Gründe für falsch negative Ergebnisse inkludieren einen CRBSI-Ursprung von einem anderen nicht-gescreenten Katheterschenkel und falsch positive Ergebnisse entstanden durch eine Katheterkolonisation ohne hämatogene Streuung und dementsprechend keine klinischen Infektionszeichen.  n (*) Rabensteiner J, et al, Detection of central venous catheter-related bloodstream infections in haematooncological patients, Eur J Clin Invest 2015;45(8):824–832. Die Arbeit wurde mit dem Infektionspreis 2016 der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin ausgezeichnet.

© Andrii Muzyka, Jezper – shutterstock.com

Z


Kleine Röhrchen ganz groß Was wäre, wenn wenige Tropfen Blut genügen würden, um eine Vielzahl an Parametern zu ­analysieren? Ohne Venensuche, Stauen oder unnötiges Zubehör schnell und unkompliziert zur Blutprobe. Durch ein paar raffinierte Neuerungen erleichtert ein kleines Röhrchen ab sofort ­Anwendern und Patienten den Alltag. anchmal ist weniger mehr. Es gibt Situationen, in denen geringe Mengen an Blut ausreichen müssen, um sowohl Sicherheit als auch maximalen Komfort für Patienten zu gewährleisten, etwa bei geriatrischen Menschen oder solchen, bei denen krankheitsbedingt sehr häufig Blut entnommen werden muss, auch Verbrennungsopfer profitieren beispielsweise von dem neuen System. Vor allem bei Kindern ist eine besonders behutsame Vorgehensweise gefragt. Daher hat Greiner Bio-One das brandneue MiniCollect® Kapillarblutentnahmesystem entwickelt. Die Punktion kann entweder durch Nach-unten-Drücken der Lancelino Sicherheitslanzette auf die zu punktierende Stelle (kontaktaktivierte Sicherheitslanzette) oder durch Nach-untenDrücken des Auslöseknopfes (druckaktivierte Sicherheitslanzette) durchgeführt werden. Die Nadel wird nach der Punktion automatisch eingezogen und sicher vom Kunststoffgehäuse umschlossen. Nadelstichverletzungen sind ausgeschlossen.

© Greiner

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Kapillare statt Vene

MiniCollect® Kapillarblutentnahmesystem

Nicht immer ist es möglich, bei einem Patienten venös Blut zu entnehmen, wie etwa bei schwierigen Venenverhältnissen bei geriatrischen Patienten. Eine andere Situation liegt bei Verbrennungsopfern vor, bei denen Infektionen durch unnötig große Punktionswunden eine zusätzliche Gefahr darstellen. Auch bei Patienten mit langwierigen Erkrankungen, bei denen häufig Blutproben entnommen werden müssen, sollte das Probenvolumen bei der Entnahme auf ein Minimum beschränkt werden. Eine passende Alternative für diese Situationen bietet die Kapillarblutentnahme mit dem neuen MiniCollect® System, denn über die Kapillare kann zumeist auch in schwierigen Situationen rasch und unkompliziert Blut entnommen werden.

Die Kappen sind absolut dicht, entsprechen dem höchsten Standard und können problemlos mit der Rohrpost oder anderen Transportsystemen verschickt werden.

Integrierter Blutentnahmespatel

Entgeltliche Einschaltung

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Umständliches Überführen des Bluttropfens mit Kapillaren oder Trichtern gehört mit dem neuen MiniCollect® System ebenfalls der Vergangenheit an. Die Besonderheit ist der in die breite Röhrchenöffnung integrierte Blutentnahmespatel. Auf diese Weise kann der Bluttropfen rasch und unkompliziert in das MiniCollect® Primärröhrchen überführt und die Adhäsion minimiert werden. Die Probe kommt umgehend in Kontakt mit dem Additiv.

Kombinierte Füllvolumen Für die Zentrifugation können die MiniCollect® Röhrchen mit einer einfachen Drehbewegung in ein Premium-Trägerröhrchen eingeschraubt werden. In der Kombination entspricht die Dimension einem herkömmlichen 13 x 75 mm Röhrchenformat und kann problemlos in ein Standardrack oder eine Standardzentrifuge platziert werden. Kombinierte Füllvolumen bei EDTAund Serumröhrchen erleichtern die Probenvorbereitung. Zwei gut sichtbare Füllmarkierungen am Röhrchen sorgen für mehr Flexibilität bei der Anwendung. Die Entscheidung im Vorfeld für ein bestimmtes Volumen ist nicht mehr notwendig, wodurch sich der logistische Aufwand verringert. n

Greiner Bio-One International GmbH Bad Haller Str 32, 4550 Kremsmünster Tel: +43-7583-6791-0, www.gbo.com/preanalytics

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Anna Thorner, MD, stellvertretende Lektorin für Infektionskrankheiten und Ko-Direktorin Lektoratsprojekte bei UpToDate

Frühwarnsystem für Epidemien u Ein Forschungsprojekt untersucht Zusammenhänge zwischen Datenbanknutzungen und dem Ausbruch von Infektionskrankheiten. u Eine Korrelation lässt Vorhersagen als durchaus wahrscheinlich erscheinen. u So könnten Ausbrüche früher erkannt und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Anna Thorner, MD, stellvertretende Lektorin für Infektionskrankheiten und Ko-Direktorin Lektoratsprojekte bei UpToDate, und ihr Team analysierten für ihre Studie historische, anonymisierte tagesbezogene Suchdaten aus UpToDate zu MERS (Middle East respiratory syndrome). Geografisch konzentrierten sie sich auf die Städte Jeddah und Riyadh in Saudi-Arabien, in denen 2014 und 2015 drei Krankenhaus-basierte Ausbrüche von MERS auftraten. Die Wissenschaftler verglichen die Suchdaten mit tatsächlich dokumentierten Fällen zu jenen Zeitpunkten.

O

b die Websuche von Klinikern es möglich macht, den Ausbruch von Infektionskrankheiten frühzeitiger zu erkennen, wurde kürzlich beim International Meeting on Emerging Diseases and Surveillance (IMED) in Wien diskutiert. Mehr als eine Million Mitarbeiter in Medizin und Pflege weltweit nutzen die Ressource von UpToDate, einem Unterstützungssystem für klinische Entscheidungen. Die Datenbank bietet via Internet bzw. App aktuelles, strukturiert aufbereitetes medizinisches Wissen in mehr als 10.500 klinischen Themengebieten aus 24 Disziplinen. Forscher analysierten nun, ob Daten über die Nutzung des Systems durch Kliniker eine Rolle bei der Erkennung und der Verfolgung der Ausbrüche von Infektionskrankheiten spielen. Frühere Arbeiten in diesem Bereich, etwa von Google über Grippe-Trends, hatten die Modellierung tatsächlicher Ausbrüche im Vergleich zu Suchanfragen von Google-Nutzern zum Thema. In der aktuellen Forschungsarbeit galt es festzustellen, ob ein signifikanter Anstieg der Suchaktivität zu spezifischen Infektionskrankheiten in UpToDate Ausbrüchen vorausgeht bzw. mit ihnen korreliert.

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Ihre Erkenntnisse sind vielversprechend: Suchanfragen zu MERS während aller drei Ausbrüche zeigten eine Korrelation mit dokumentierten Fällen. Die Anzahl dieser Anfragen lag dabei deutlich höher als in einer Kontrollgruppe, die vier andere Städte Saudi-Arabiens umfasste, die von Ausbrüchen verschont blieben. Im Unterschied zu Suchanfragen in Google ist die Suche von Medizinern in einer professionellen Ressource wie UpToDate durch die tatsächliche Untersuchungssituation mit Patienten motiviert. „Dies erhöht die Genauigkeit und zeigt weniger Einfluss durch Medien oder durch Befürchtungen hinsichtlich eines Ausbruchs in der Öffentlichkeit“, so Thorner. Auch bei der Analyse von Suchaktivitäten in UpToDate im Kontext anderer Infektionskrankheiten bzw. weiterer Ausbrüche kamen die Forscher zu ähnlichen Ergebnissen. Die Abfragen von Medizinern in einer so weit verbreiteten Online-Lösung wie UpToDate könnten somit nach Ansicht der Wissenschaftler als „Frühwarnsystem“ eine große Bedeutung für Gesundheitsämter haben, die mit neuen Methoden Ausbrüche früh erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen wollen. n Die Ergebnisse wurden im Open Forum Infectious Diseases Journal (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4803184) erstveröffentlicht.

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Kann das Suchverhalten im Internet den Ausbruch von Infektionen ­vorhersagen?

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Korrelationen erkennbar


Impfplan 2017 In Österreich gibt es noch immer Lücken beim Impfschutz der Bevölkerung. Dies trifft besonders auf Masern, Keuchhusten und saisonale Influenza zu. Dies geht aus dem „Impfplan Österreich 2017“ hervor, der kürzlich im Rahmen des Österreichischen Impftages präsentiert wurde. „Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Geimpfte sind im Regelfall vor der entsprechenden Krankheit geschützt“, heißt es in den Vorbemerkungen des neuen Impfplans, der jedes Jahr aktualisiert wird. Die Mängel existieren in Österreich trotz des Gratis-Kinderimpfprogramms und vieler Angebote für Erwachsene. „Die derzeitige epidemiologische Situation in Österreich erfordert vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten und Masern. Influenza verursacht mit der fast jedes Jahr auch in Österreich auftretenden Epidemie bis zu 1.000 Todesfälle, hier ist es ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsraten deutlich zu erhöhen“, so die Autoren.

Infektionskrankheiten vermeiden

22. – 23. März 2017

Schlosspark Mauerbach bei Wien

Ein aktueller Bericht zeigt fünf Schritte zur Verbesserung der Hygienemaßnahmen und zur Reduzierung der Belastung durch Infektionskrankheiten bei Kindern auf. Das Global Hygiene Council (GHC) hat kürzlich den Bericht „Small Steps for Big Change“ veröffentlicht, in dem die alarmierende Zunahme vermeidbarer Infektionskrankheiten bei Kindern weltweit untersucht wird. Familien und Gesundheitspersonal werden vordringlich dazu aufgerufen, einen einfachen 5-Schritte-Plan einzuführen, um die täglichen Hygienepraktiken zu verbessern und Kinder davor zu bewahren, an leicht vermeidbaren Infektionen zu erkranken. In dem Bericht wird betont, dass jedes Jahr mehr als drei Millionen Kinder unter fünf Jahren an Infektionskrankheiten sterben, dass fast eine Million Kinder pro Jahr an Lungenentzündung sterben und mehr als 700.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund von Diarrhö ums Leben kommen. „Händewaschen mit Seife reduziert das Sterberisiko durch Diarrhö nachweislich um 50 %“, sagt Prof. John Oxford, britischer Experte für Infektionskrankheiten und Vorsitzender des GHC. Schlechte Körperpflege und Hygienepraktiken im Haus gelten weithin als die Hauptursachen für die Infektionsübertragung bei Erkältungen, Grippe und Diarrhö. Der 5-Schritte-Plan wurde von GHC-Experten, darunter Kinderärzte, Spezialisten für Infektionskrankheiten und Experten für Bevölkerungsgesundheit aus Großbritannien, Frankreich, den USA, Nigeria und Südafrika, entwickelt. © artemegorov – stock.adobe.com

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FOKUS: INFEKTION & HYGIENE

Five Small Hygiene Steps Video: https://www.youtube.com/watch?v=tN8Em-QYF50 Den vollständigen Bericht „Small Steps for Big Change“ finden Sie unter http://www.hygienecouncil.org Für weitere Presseinformationen und Medieninterviews kontaktieren Sie bitte: Catherine Major unter +44-(0)-1444-811099 oder per E-Mail: Catherine@Spinkhealth.com (oder info@hygienecouncil.org )

3 Fachkonferenzen unter einem Dach:

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Innovativer Textilservice

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Präzision trifft Expertise u Interventionsnadeln optimal zu positionieren ist schwierig und zeitaufwendig. u Roboter und die passende Software könnten künftig beim Positionieren helfen.

D

ie Nadel für Biopsien präzise zu platzieren, ist nicht immer einfach. Zum einen gilt es sicherzustellen, dass das „richtige“ Gewebe entnommen wird. Zum anderen darf die Nadel Adern, Nervenbahnen und Organe wie die Lunge nicht verletzen und durch knochenartige Strukturen wie die Rippen kann sie nicht hindurch.

Künftig sollen sich die Nadeln schneller und präziser an Ort und Stelle bringen lassen: mit einem Roboterarm, den Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie PAMB des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und des Fraunhofer-Instituts für Bildgestützte Medizin MEVIS an diese Aufgabe angepasst haben. In etwa drei Jahren könnte das System marktreif sein. Der Roboter sucht den richtigen Weg und positioniert die Nadelführung so, dass weder Patient noch Arzt getroffen oder verletzt werden. Anschließend übernimmt der Arzt wieder und führt die Nadel ins Gewebe ein. „Während ein Mensch 30 Minuten braucht, um die Nadel zu platzieren, vergehen mit Roboterassistenz maximal fünf Minuten“, weiß Andreas Rothfuss, Wissenschaftler am PAMB. Zunächst erstellt der Arzt eine computertomografische Aufnahme des Patienten, ebenso wie bisher. Allerdings hält der Roboterarm dabei ein Kalibrierungswerkzeug mit in das Bild. Dieses dient ihm zum Abgleich: Welche Position im Raum muss er einnehmen, um eine bestimmte Stelle im Bild anzufahren? Eine Software aus den Laboren des MEVIS analysiert das Bild und unterstützt den Arzt beim Platzieren der virtuellen Nadel. Die Software zeigt die Nadel im Bild an. Führt der Arzt eine Therapie statt einer Biopsie durch – soll die Nadel den Tumor also etwa durch Hitze zerstören –, simuliert die Software, wie sich die Wärme im Gewebe ausbreitet. Anschließend muss geklärt werden, wie viele Nadeln an welchen Stellen nötig sind, um den gesamten Tumor abzutöten. Ist diese Frage geklärt, wird das Kalibrierungstool am Roboterarm durch eine Nadelführung ersetzt. Mit dieser fährt der Roboter die errechnete Position an und setzt die Führung im passenden Winkel auf der Haut ab. Der Roboter hantiert also keineswegs selbst

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© Foto Fraunhofer IPA

Roboter arbeitet zeitsparend

Das neue Assistenzsystem benötigt lediglich fünf Minuten zum Platzieren der Nadel.

mit der Nadel. Dies übernimmt zu jedem Zeitpunkt der Arzt: Er schiebt die Nadel durch deren Führung, die der Roboter an Ort und Stelle hält, Stück für Stück in das Gewebe.

Geringere Strahlenbelastung Stimmt die tatsächliche Position der Nadel mit der geplanten überein? Um dies zu kontrollieren, macht der Arzt wie gewohnt Röntgenbilder, während er die Nadel ins Gewebe schiebt. Der Roboter bietet allerdings auch hier Vorteile: Bisher musste der Arzt die Nadel festhalten, seine Hand verdeckte daher einen Teil der Aufnahme. Zum anderen war die Hand des Arztes bei jedem Kontrollbild den Röntgenstrahlen ausgesetzt. Nun hält der Roboter die Nadel mit seiner Führung fest – ihm kann die Strahlung nichts anhaben. Auch für den Patienten ist die Strahlenbelastung deutlich geringer: Da der Arzt die Nadel durch die Führung schiebt, kann sie nicht verrutschen. Es sind daher deutlich weniger Kontrollaufnahmen nötig.  n


Prävention im Mittelpunkt Seit dem letzten IMED, dem Internationalen Meeting über neue Infektionserkrankungen und deren Überwachung (International Meeting on Emerging Diseases and Surveillance), im Jahr 2014 waren Ärzte, Wissenschaftler und Forscher durch Ausbrüche neuer und bereits bekannter Infektionskrankheiten weiterhin gefordert. Der westafrikanische Ebola-Ausbruch markierte eine Krise globalen Ausmaßes. Das MERS-Virus breitete sich nach Korea aus und wird zunehmend zu einer globalen Bedrohung. Das Zika-Virus, das 2015 erstmals in Südamerika auftauchte, ist eine ernst zu nehmende Gefahr für schwangere Frauen. Und die wachsende Resistenz von Krankheitserregern stellt ein grundlegendes Hindernis dar, um auf Epidemien angemessen reagieren zu können. Zusätzlich wurden durch die Flüchtlingskrise in Europa die Bedenken eines Wiederauftretens von Infektionskrankheiten sowie Forderungen nach einem effektiven Monitoring und Screening von Migranten wieder lauter.

Langzeitlösungen gefragt

Für die Forschung und Entwicklung effektiver Langzeitlösungen sind ein internationaler wissenschaftlicher Austausch und Kooperationen unerlässlich. Um neues Wissen und Forschungsergebnisse zu präsentieren sowie über Möglichkeiten zur Erkennung und Verhinderung von Ausbrüchen neuer Infektionskrankheiten zu diskutieren, trafen sich kürzlich internationale Wissenschafts- und Gesundheitsexperten in Wien. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen der Präventionsgedanke und der ganzheitliche, interdisziplinäre One-Health-Ansatz, der die komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier, Umwelt und neu auftretenden Infektionskrankheiten beschreibt und die enge Zusammenarbeit der im öffentlichen Gesundheits- und Veterinärwesen tätigen Berufsgruppen erfordert. Neue Labormethoden und Diagnosemöglichkeiten, Genomik, Risikokommunikation sowie politische und gesellschaftliche Reaktionen auf Krankheitsausbrüche wurden thematisiert.

Unterstützung von Big Data

Das globale Alarmsystem und Monitoring-Programm ProMED (Program for Monitoring Emerging Diseases) ist ein zentrales Informationstool, das eine schnelle, weltweite Informationsweitergabe über neu auftretende Infektionskrankheiten und Epidemien sicherstellt. ProMED ist frei zugänglich und politisch unabhängig. Durch die Bereitstellung und weltweite Verbreitung von aktuellen und seriösen Nachrichten über gesundheitliche Bedrohungen von Mensch, Tier und Pflanzenwelt können Vorsorgemaßnahmen rechtzeitig veranlasst werden, um eine Massenausbreitung zu verhindern und Leben zu retten. ProMED erreicht mehr als 70.000 Follower in 201 Ländern und ist ein Programm der ISID (International Society for Infectious Diseases). www.isid.org, www.promedmail.org

18th International Congress on Infectious Diseases (ICID) 1.-4. März 2018, Buenos Aires


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Dimensionale Geltechnologie Das IsoFlex LAL System ist eine therapeutische Gelauflage, die mithilfe des exklusiven Bezugs und des einzigartigen offenen Gitterdesigns die Steuerung von Druck, Scherkräften und Mikroklima unterstützt.

Bezug Der exklusive Bezug „Equilibrium by Dartex®” verteilt den Druck gleichmäßig und sorgt dank des hoch atmungsaktiven Stoffes für ein ausgewogenes Mikroklima. Die Kombination aus diesem Bezug und dem Open Gel Gitterdesign ermöglicht ein freies Strömen der Luft durch die Auflage ohne jede Behinderung. Das IsoFlex LAL System verfügt über mehrere unmittelbare Luftausgänge zur Haut in der Kreuzbeinregion. Die Luft strömt dann zum Oberkörper weiter.

dieser einsinkt und von der Auflage umgeben wird.

Management der Scherkräfte Die ShearGel ® Auflageschicht bewegt sich frei mit dem Patienten, um zu einer Reduzierung der Scherkräfte beizutragen. Das Feuchtigkeitsmanagement sorgt mit einem Luftstrom an der Haut für ein angenehmes Mikroklima.

Druckumverteilung Das IsoFlex LAL System führt im Kreuzbeinbereich Luft direkt an die Haut, die dann weiter zum Oberkörper fließt.

IsoFlex LAL verteilt den Druck im Kreuzbeinbereich mithilfe der CoreGel TM Technologie. CoreGel TM bewirkt eine Umverteilung des Drucks, indem es zu einer Wölbung kommt und das Gewicht des Patienten absorbiert wird, so dass

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

KONGRESSBERICHT

Neurochirurgische Therapie im Wandel der Zeit Die 52. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC) stellte die wesentlichen Entwicklungen des Faches in den letzten 70 Jahren in den Mittelpunkt.

OP-Simulator im Test Die Abteilungen für Neurochirurgie und für Radiologie der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg Linz, das zentrale Radiologie-Institut des AKH Linz, der Klip- und Zangenhersteller Aesculap AG und die RISC Software GmbH führten im Zeitraum von 2013 bis 2015 das FFG BRIDGE Forschungsprojekt „Virtual Aneurysm“ durch. Ziel des Forscherteams war die Kopplung eines virtuellen Gefäßmodells mit haptischen Eingabegeräten und die Erstellung von geeigneten Trainingsszenarien zur Ergänzung der Ausbildung von Neurochirurgen. Dazu wurden Algorithmen entwickelt, die modernste Grafikprozessoren nutzen, um in Echtzeit die Verformung und die Kraftrückkopplung der Gefäßwände zu berechnen. Eine haptische Rückkopplung sorgt für eine realistische Wahrnehmung von Berührungen. Die Simulation in der aktuellen Version umfasst das Betrachten des 3-D-Angiogramms, die Lagerung des Kopfes, die Kraniotomie, das Absetzen und Wiederaufnehmen von Klips, die aus einer Menge von unterschiedlichen KlipGeometrien ausgewählt werden können. Mit der zweiten Hand

kann nun ein zusätzliches Instrument verwendet werden. Postoperativ wird das Training anhand verschiedener Kriterien wie etwa Kraniotomie, Dauer, Ruptur, verwendete Klips, verbleibender Blutfluss ins Aneurysma bewertet. Ein Prototyp des Simulators wurde zu einer klinisch einsetzbaren Produktstudie weiterentwickelt. Diese Version enthält eine umfangreiche Klip-Bibliothek, vorgefertigte Trainingsszenarien für Media-Aneurysmen sowie die Möglichkeit der stereo­ skopischen 3-D-Darstellung während des Eingriffs. Eine Anlegezange wurde mittels Winkelmesssensor an die haptischen Geräte gekoppelt und kann zur Durchführung des Trainings realitätsgetreu verwendet werden. Die Rückschlüsse aus den ersten Testläufen in Linz und Wien wurden eingearbeitet und viele Verbesserungen im Ablauf und in der Bewertung der Ergebnisse vorgenommen. Die neue Version wurde im Juni 2016 in Linz einem weiteren Testlauf unterzogen. Aufgrund der Verwendung aktueller Consumer-Technologie soll ein sehr günstiger Anschaffungspreis erreicht werden. Zur Kommerzialisierung wurde eine Kooperation mit dem kanadischen Simulatorhersteller OSSIM Technologies eingegangen, die erste Produktversion soll Mitte 2017 auf den Markt kommen.

Neurochirurgische Wachoperationen Zerebrale Läsionen in eloquenten Hirnarealen werden häufig mittels einer Wachoperation reseziert. In einem multidisziplinären Operationsumfeld erfolgt bei kontinuierlicher neurologischer Überwachung die größtmögliche Tumorresektion. Ziel einer Studie von Aygül Wurzer, Stefan Wolfsberger, Thomas Czech und Engelbert Knosp von der Universitätsklinik für Neurochirurgie an der Medizinischen Universität Wien ist eine Darstellung der Erfahrungen, Indikationen und klinischen Ergebnisse von Wachoperationen. Retrospektiv wurden die klinischen Daten aller Wachoperationen der letzten zehn Jahre erhoben: Art und Ablauf des Eingriffs, präoperative Neurologie, Lokalisation und angrenzendes eloquentes Areal, Bildgebung und Navigation, Histologie und klinisches Ergebnis. Als eloquente Hirnareale wurden das u

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Broca- und Wernicke-Areal, die Insel der dominanten Hemisphäre sowie der sensomotorische Kortex beidseits definiert. Resultate: Im Zeitraum zwischen 2007 und 2016 wurden 63 Wachoperationen an 55 Patienten durchgeführt. Bei 43 Fällen erfolgte die Resektion einer Raumforderung, bei zwölf Fällen eines epileptischen Fokus. Die Erstsymptome waren: epileptischer Anfall (69 %), Sprachstörung (14 %), Hemihypästhesie (3 %), Hemiparese (2 %), Kopfschmerzen (5 %). Bei 7 % handelte es sich um einen Zufallsbefund. Die Indikation zur Wachoperation war die Nahebeziehung zum Wernicke-Areal (30 %), BrocaAreal (21 %), Übergang Broca/präzentral (11 %), zur Insel links (21 %) und zum sensomotorischen Kortex beidseits (17 %). Eine multimodale Bildgebung wurde bei allen Patienten zur intraoperativen Navigation verwendet. Histologisch fanden sich 23 high-grade Gliome, 24 low-grade Gliome, drei Kavernome, ein Meningeom sowie Dysplasien/gliotische ­Veränderungen bei den zwölf Epilepsiepatienten. Postoperativ bestand bei 45 % der Patienten eine Sprachstörung (36 % temporär, 9 % permanent); bei zwei Patienten (4 %) trat eine Wortfindungsstörung postoperativ neu auf. Eine subtotale bis totale Tumorresektion konnte bei 72 % der Fälle erzielt werden, eine

10. Wiener Anästhesietage

30. März bis 1. April 2017, Wien Die Wiener Anästhesietage (WAT), eine Veranstaltung der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der MedUni Wien, feiern heuer ihr zehnjähriges Jubiläum. Zielpublikum sind klinisch tätige Anästhesisten. „Wir wollen darstellen, wie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse den klinischen Alltag beeinflussen können“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Walter Plöchl, MBA, Leiter der Neurochirurgischen Intensivstation der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie und Gesamtleiter der Veranstaltung. Als Beispiel nennt Plöchl das intravenöse Narkosemittel Propofol. „Bei der WAT 2016 haben wir diskutiert, dass in etwa fünf Jahren Narkosegeräte kommerziell erhältlich sein werden, die Propofol in der Ausatemluft des Patienten bestimmen. Das wird die Steuerung der Narkose deutlich erleichtern, weil es dann mit einer Narkose durch Inhalationsanästhetika vergleichbar wäre“, so der Experte. Die WAT 2017 geht nun einen Schritt weiter und stellt die Frage: „Wie lange wirkt eine Narkose nach?“ „Es gibt Hinweise, dass, obwohl das Narkosemittel aus dem Körper vollständig eliminiert bzw. abgebaut ist, die Folgen der Narkose bzw. des Anästhetikums noch nachweisbar sind. So kann zum Beispiel die Genexpression in Neuronen noch Tage nach einer Narkose geändert sein“, gibt Plöchl Einblick. Neben aktuellen anästhesiologischen und intensivmedizinischen Fragestellungen werden in Übersichtsvorträgen die wichtigsten Publikationen des vergangenen Jahres innerhalb der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie präsentiert. Neben klassischen medizinischen Themen werden und wurden auf den Wiener Anästhesietagen aber auch Fragen wie etwa der Umgang mit aggressiven Patienten, Teamfähigkeit und Kommunikation oder die eigene Stressbewältigung diskutiert. Als besonderes Highlight ist eine Live-Demonstration mit einem Apnoetaucher geplant. „Dabei soll vorgeführt werden, wie anders trainierte Personen mit Hypoxie umgehen können“, so Plöchl.  www.anesthesietage.at

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partielle Resektion bei 24 %, eine Biopsie erfolgte bei 4 %. Die Ergebnisse zeigen, dass Läsionen angrenzend an eloquente Hirnareale mittels einer Wachoperation sicher und mit einem guten neurologischen Outcome reseziert werden können.

Methoden der Faserbahndarstellung Die weiße Substanz des Gehirns verbindet als ,,Informationsübermittler“ durch Projektionsfasern, Assoziationsfasern und Kommissurenfasern den Cortex, die einzelnen Kerngebiete und Rückenmarksganglien untereinander. Die Ursprünge der Faserbahndarstellung gehen auf den Anfang des letzten Jahrhunderts zurück, wie die makroskopische Dissektionstechnik nach Klingler und die klassischen neuroanatomischen Färbemethoden histologischer Schnittpräparate. Sie liefern ein zweidimensionales Bild. Den Schritt zur dreidimensionalen Bildgebung macht die konfokale Lasermikroskopie über die Multiphotonenmikroskopie bis hin zur STED-Mikroskopie. Schnittbildtechniken, die am lebenden Menschen angewendet werden können, sind das CT und das MRT, im Besonderen das funktionelle MRT sowie das DTI mit dem Fibertracking, das auf der Messung der Diffusionsbewegungen von Wassermolekülen im ZNS basiert. Die Annahme, dass die Richtung der schnellsten Diffusion der Richtung des Faserverlaufs entspricht, wird dazu genutzt, um die räumliche Orientierung der Nervenfaserbündel zu kartografieren. Die Vorteile der Methodik liegen darin, dass kein Kontrastmittel und keine ionisierende Strahlung dafür benötigt werden. Sie erlaubt uns, funktionelle Verbindungen und pathologische Veränderungen in vivo darzustellen und zu erforschen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Schlaganfalldiagnostik über die Erforschung von neurodegenerativen Erkrankungen bis zum Einsatz in der intraoperativen Neuronavigation. Die diffusionsgewichtete MRT ist charakterisiert durch ein niedriges Signal-Rausch-Verhältnis, eine hohe Artefaktanfälligkeit und damit Benutzerabhängigkeit. Ein weiterer Nachteil liegt in der nur begrenzt möglichen Visualisierung von ,,kissing“ oder ,,crossing fibers“ und den sogenannten ,,U-fibers“. Es gibt bereits einige interessante Ansätze, um die Benutzerabhängigkeit der Methodik zu verringern und die Auflösung zu verbessern, wie die n ,,proportional grid“ oder die TEND-Technik. Quelle: Abstracts zur ÖGNC Jahrestagung 2016, www.oegnc-jahrestagung.at

6th Vienna Symposium on Surgery of Peripheral Nerves

Present State of Peripheral Nerve Surgery and New Ideas to improve the Results 17.-19. März, Wien, www.medacad.org


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Wirbelsäulenchirurgie:

Immer öfter endoskopisch joimax® stellt sich den Herausforderungen, die eine Erkrankung der Wirbelsäule bietet, und arbeitet beständig an der Entwicklung und Erweiterung seines Produktportfolios – so ist für jede Diagnose die bestmögliche Behandlung realisierbar.

Entgeltliche Einschaltung

O

b Bandscheibenvorfall, Stenose oder Schmerztherapie – die endoskopische minimal-invasive Wirbelsäulenchirurgie liegt im Trend. Belegt wird das unter anderem durch die rasch zunehmende Zahl an internationalen Fachpublikationen, die jüngst von Prof. Dr. Jürgen Kiwit, Chefarzt Neurochirurgie Helios Klinikum Berlin Buch, beim 11. Kongress der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) in Hannover vorgestellt wurden. Auch das Online-Portal www.pubmed.gov verzeichnet inzwischen fast 2.800 Veröffentlichungen zum Thema endoskopische Wirbelsäulenchirurgie. Die aktuellste, viel beachtete Veröffentlichung stammt von Dr. Alastair Gibson, Wirbelsäulenchirurg aus Edinburgh (GB), der in einer umfassenden Patientenstudie zeigte, dass die endoskopischen Techniken den klassischen OP-Techniken mindestens ebenbürtig, in vielen Punkten sogar überlegen sind. Das Produktportfolio des führenden Anbieters und Entwicklers für endoskopische minimal-invasive Wirbelsäulenchirurgie, der in Karlsruhe (D) ansässigen joimax® GmbH, deckt eine Vielzahl von Indikationen ab (siehe Grafik): 1. Die Deherniation und Dekompression des Spinalkanals mit den Systemen TESSYS® (transforaminal), iLESSYS® (interlaminär) und CESSYS® (zervikal). Dem Operateur stehen je nach Lage der Pathologie verschiedene Zugangswege zur Verfügung. Direkt unter endoskopischer Sicht kann sowohl Bandscheibengewebe entfernt als auch Knochen abgetragen werden. 2. Die Schmerztherapie mittels intENTS® für die intradiskale endoskopische Nukleus-Therapie (lumbal und zervikal) zur Behandlung von Nervenkompressionen und diskogenen Schmerzen an Lenden- und Halswirbelsäule sowie Multi­ ZYTE® RT und MultiZYTE® SI für die endoskopische Schmerzbehandlung des Facettengelenks und des ISG-Syndroms. Hier führt die Denervierung zur Langzeitblockade der schmerzgenerierenden bzw. -leitenden Nervenfasern. 3. Die Implantate zur Wirbelkörperstabilisierung: EndoLIF® für den endoskopisch assistierten minimal-invasiven Eingriff zur Wirbelkörperfusion und Percusys® für die perkutane Stabilisierung der Wirbelsäule mittels Schrauben-Stab-System, oftmals auch in Kombination mit einem joimax® Kyphoplastiesystem (VBA-Management Programm).

Damit stehen bewährte und schonende Systeme zur Verfügung, mit denen bislang rund 300.000 Patienten in mehr als 950 Zentren in rund 45 Ländern behandelt wurden. Um die Qualifikation der Operateure zu gewährleisten, hat joimax® ein dynamisches 3-Stufen-Konzept zur Erlernung der joimax® OP-Methoden eingerichtet. Bisher wurden mehr als 3.500 Chirurgen für diese minimal-invasiven endoskopischen Techniken ausgebildet. Die Stärke von joimax® liegt in der Entwicklung von hoch spezialisierten Instrumenten, Methoden und Geräten. Diese chirurgischen Lösungen ermöglichen die schonendste Behandlung, wobei das Patientenwohl immer im Vordergrund steht. Garantiert wird die herausragende Produktqualität durch ein zertifiziertes Qualitätsmanagement nach internationalem Standard. Darüber hinaus sind alle Produkte „Made in Germany“. n

joimax® GmbH Amalienbadstraße 41 – RaumFabrik 61, 76227 Karlsruhe Tel.: +49-721-255140, www.joimax.com

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Univ.-Prof. DDr. Philipp Metnitz, MBA Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin am LKH Universitätsklinikum Graz, Medizinische Universität Graz Obmann des ASDI

© Foto Wilke

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Intensivmedizin – quo vadis? u Die demografische Entwicklung wird die österreichische Intensivmedizin vor große ­Herausforderungen stellen. u Die höhere Lebenserwartung, verbunden mit einer Zunahme an chronischen Erkrankungen, führt zu einem steigenden Bedarf an intensivmedizinischen Leistungen.

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as „Österreichische Zentrum für Dokumentation und Qualitätssicherung in der Intensivmedizin“ (ASDI) feierte kürzlich sein 20-jähriges Bestehen. Ziel der Initiative war es, Transparenz und Qualitätsstandards in der Intensivmedizin zu etablieren sowie ein computergestütztes System zur Qualitätssicherung aufzubauen und weiterzuentwickeln. Von der Definition eines einheitlichen Mindestdatensatzes für die Intensivmedizin über die Erstellung von entsprechender Software zur elektronischen Erfassung der relevanten Daten bis hin zur Bereitstellung von Instrumenten zur internen und externen Qualitätssicherung spannt sich der Bogen der umfangreichen Aktivitäten des ASDI von damals bis heute. Derzeit nehmen mehr als 125 Intensivstationen in ganz Österreich sowie eine Reihe von Intensivstationen in Italien und Portugal am laufenden ASDI-Benchmarking teil. „Die Intensivmedizin stellt Therapiemethoden zur Verfügung, mit deren Hilfe Patienten durch Phasen schwerer und schwerster Erkrankungen hindurch begleitet werden können. In den letzten 20 Jahren hat sich in unserem Fachbereich sehr viel verändert: Einerseits werden wir alle älter, andererseits steigen dadurch auch die Anzahl und der Schweregrad begleitender Erkrankungen. Trotz dieser Rahmenbedingungen können wir heute feststellen, dass die Forschung in diesem Bereich in den vergangenen Jahren sehr viel geleistet hat. Wir haben mit der Intensivmedizin einen großen Schritt nach vorne gemacht und können heute Erkrankungen gut behandeln, wo dies vor 20 Jahren noch nicht der Fall war“, resümiert Univ.-Prof. DDr. Philipp Metnitz, MBA, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin am LKH Universitätsklinikum Graz, Medizinische Universität Graz und Obmann des ASDI die Entwicklung. Wie die von ASDI erhobenen Daten zeigen, ist es in den letzten Jahren jährlich zu einer Verbesserung der Überlebenschancen der Intensivpatienten gekommen.

Mehr Kapazitäten erforderlich Derzeit werden jährlich rund 100.000 Patienten in Österreich an Intensivstationen betreut, einem großen Teil der Betroffenen kann so das Überleben gesichert werden. „Insgesamt verzeich-

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nen wir eine deutlich sinkende Sterblichkeit, trotz immer älterer und somit kränkerer Patienten. Bereits heute sind 50 % der Patienten, die in Österreich auf Intensivstationen versorgt werden, älter als 68 Jahre. Wobei der Anteil der über 80-Jährigen allein innerhalb von zehn Jahren um rund die Hälfte zugenommen hat. Man kann davon ausgehen, dass der Anteil der über 60-jährigen Österreicher in den kommenden Jahrzehnten von derzeit 20 % auf rund 30 % steigen wird“, so Metnitz. Internationale Studien schätzen, dass die Inzidenz beatmungspflichtiger Patienten pro Jahr um ca. 2 – 3 % wachsen wird. „Hier müssen neue Kapazitäten geschaffen werden und das wird nur auf zwei Wegen möglich sein: Es braucht mehr Betten oder eine selektivere Nutzung der Intensivmedizin“, so der Mediziner. Der steigende Druck aufgrund des schon durch die demografischen Entwicklungen bedingten steigenden Bedarfs an intensivmedizinischen Leistungen bei begrenzten Ressourcen beschreibt im Wesentlichen das wachsende Spannungsfeld zwischen Qualität und Kosten. „Aufgrund des steigenden Anteils älterer und alter Menschen an der Gesamtbevölkerung werden für die Intensivmedizin neue Grundsatzentscheidungen und Rahmenbedingungen in gesundheitspolitischer und gesundheitsökonomischer Hinsicht erforderlich sein“, so der Obmann weiter. Flächendeckende Konzepte, wie die Ressource „Intensivmedizin“ künftig bestmöglich im Rahmen eines Versorgungskonzeptes in Österreich genutzt werden kann, sind nach Auskunft des Experten derzeit keine vorhanden. Wie so oft im Gesundheitswesen ist auch hier die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ein deutlicher Hemmschuh. „In den letzten 20 Jahren ist es uns gelungen, mit unseren Erhebungen mehr als 400.000 Datensätze zu generieren, und wir können daraus sehr viel Information im Hinblick auf das Benchmarking von Intensivstationen ablesen. Damit haben wir das Qualitätsmanagement in unserem Fach auf eine sehr solide Basis gestellt. Insgesamt haben wir aber in Richtung mehr Transparenz in der Medizin noch einen langen Weg vor uns“, n ist Metnitz überzeugt. www.asdi.ac.at


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Laser I

Nierensteine bei Kindern

Fotos: © BHS Linz/Herbe

Prim. Univ.-Doz. Dr. Josef Oswald OA Dr. Christoph Berger

Laser II

Internationale Auszeichnung für Grazer Laserforschung Als erste Europäerin erhielt Mag. Dr. Daniela Litscher, TCM Forschungszentrum der Med Uni Graz, kürzlich den „Ohshiro Laser Therapy Best ­Paper Award“. Die junge Grazer Wissenschaftlerin widmet sich in ihrer Arbeit der Erforschung von Akupunktur mit modernsten Gelblasermethoden auf Basis naturwissenschaftlicher Verfahren. Die Laserakupunktur wird von vielen Mag. Dr. Daniela Litscher, Patienten als schmerzfreie Alternative TCM Forschungszentrum zur klassischen Akupunktur mit Nader Med Uni Graz deln geschätzt. Nach mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist es in Deutschland gelungen, den ersten medizinischen Gelblaser zu entwickeln. „Der gelbe Laser stellt nach der Entwicklung von roten, nahinfraroten, grünen und violetten Lasern eine weitere Option im Bereich der Laserakupunktur dar“, erklärt Litscher. Mithilfe des neuen, hochfokussierten gelben Lasers (Wellenlänge 589 nm, Ausgangsleistung 50 mW, Durchmesser 500 µm) wurden Echtzeiteffekte der Laserstimulation an den Akupunkturpunkten Baihui (höchster Punkt am Kopf), Neiguan (Bereich der Handgelenksfurche) und Taichong (Bereich Fußrücken) auf die Herzratenvariabilität und den Blutdruck im Rahmen einer experimentellen biomedizintechnischen Probandenstudie an der Med Uni Graz untersucht. Alle Probanden erhielten auch Laserstimulation an einem Placebopunkt, somit handelte es sich um eine kontrollierte Studie. Die Hypothese war, dass sich die nicht spürbare und visuell nicht wahrnehmbare gelbe Laserstimulation eventuell in herzfrequenzsenkenden, herzratenvariabilitätssteigernden und blutdruckregulierenden Akuteffekten äußern könnte, was auch tatsächlich der Fall war.  www.medunigraz.at

© Med Uni Graz

Ein relativ unbekanntes, aber gar nicht so seltenes Leiden bei Kindern sind Nierensteine. Sie können sich bereits bei Babys bilden und waren bisher schwierig zu behandeln. „Buben und Mädchen können gleichermaßen betroffen sein. Steinbildung ist bereits im Alter von sieben bis acht Monaten möglich, das Problem kann aber auch erst in der Pubertät auftreten. Kinderärzte haben es mitunter schwer, die richtige Diagnose zu stellen, weil die Symptome nicht eindeutig sind. Es können unspezifische Schmerzen sein, oft im Nabelbereich. Manchmal sind immer wieder auftretende Harnwegsinfekte oder veränderte Harnwerte auffällig und legen den Verdacht auf Nierensteine nahe“, erklärt Prim. Univ.-Dozent Dr. Josef Oswald, Vorstand der Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, das Phänomen der Nierensteine im Kindesalter. Nierensteine bei Kindern haben nicht nur viele Symptome, sondern auch mehrere mögliche Ursachen. „Einige Kinder haben eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Bei ihnen sind meist beide Nieren betroffen. Sie bekommen nach der Operation Medikamente, die sie lebenslang einnehmen müssen. Andere Kinder haben eine problematische Verbindung zwischen den Nieren und dem Harnleiter, wo es immer wieder zu Rückflüssen, dem sogenannten Reflux, kommt. Diese Fehlbildung wird im Zuge der Nierensteinentfernung chirurgisch korrigiert“, so Oswald. Eine neue schonende Operationsmethode der Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz wird seit Kurzem sehr erfolgreich angewendet und erspart den kleinen Patienten einen belastenden Eingriff: Die sogenannte „Mini Perc“-Methode arbeitet minimalinvasiv und äußerst schonend für die Patienten. Hochfrequente Laserpulse verwandeln dabei die Nierensteine zu sandähnlichen kleinen Körnchen. Nur stricknadeldünne Zugänge, über die das feine Laserwerkzeug eingeführt wird, sind für diesen Eingriff notwendig. Über ein anderes dünnes Röhrchen werden die „zerpulsten“ Reste des Nierensteins abgesaugt. „Durch die neue Technik wird der kindliche Organismus viel weniger belastet als bei der herkömmlichen Methode. Statt der früher notwendigen größeren Schnitte kommen wir jetzt mit Zugängen von wenigen Millimetern Durchmesser aus. Es gibt praktisch keinen Blutverlust und das Nierengewebe wird nicht verletzt. Bei der bisherigen extra-korporalen Stoßwellentherapie bleiben kleinere Brocken zurück. Außerdem sind mehrere Narkosen nötig, um eine Steinfreiheit zu erreichen“, beschreibt Oberarzt Dr. Christoph Berger den Unterschied zu bisherigen Methoden. Mit der Mini Perc-Methode ist die Behandlung in 70 bis 80 Prozent der Fälle mit einem einzigen Eingriff und zwei bis drei Tagen Krankenhausaufenthalt erledigt.

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PFLEGE & HOME CARE

Primary Nursing in der ­Akutgeriatrie

P

rimary Nursing (PN) ist ein ganzheitliches, bedürfnisorientiertes Pflegeorganisationskonzept – beginnend bei der Aufnahme bis hin zur Entlassung und stellt somit einen Paradigmenwechsel im Krankenhausalltag dar. PN wurde in den USA entwickelt, die Verbreitung im europäischen, insbesondere österreichischen Raum ist jedoch sehr rudimentär. Eine Pflegekraft übernimmt die Verantwortung für den gesamten Pflegeprozess von der Aufnahme bis zur Entlassung, die Pflege ist dadurch so organisiert, dass eine umfassende, kontinuierliche und individuelle Pflege verbessert wird. Die Stationsleitung übernimmt „nur“ noch das Stationsmanagement. „Es ist das Pflegeorganisationskonzept der Zukunft, denn aus dem demografischen, ökonomischen, medizinischen und technischen Fortschritt ergibt sich die Notwendigkeit, Arbeitsprozesse am Versorgungsbedarf der Patienten auszurichten sowie künftig die Prozesse einerseits so kostengünstig wie möglich zu gestalten und andererseits die Qualität der erbrachten Leistungen kontinuierlich zu verbessern und das Wichtigste – die Beziehungsarbeit – nicht zu vernachlässigen“, beschreibt Andrea

24 DAS MEDIZINPRODUKT 01/17

Sallegger, BSc, MSc, Pflegedienstleiterin der Albert Schweitzer Klinik II und Albert Schweitzer Hospiz, den Ansatz. Als Projektleiterin begleitet sie die Implementierung und laufende Adaptierung des Konzeptes im Bereich Akutgeriatrie und Remobilisation in der Grazer Albert Schweitzer Klinik. Primary Nursing ermöglicht den einzelnen Pflegefachkräften, auf der Handlungsebene den Prozess der pflegerischen Versorgung neu und individuell zu gestalten. Damit werden alle weiteren auf den Patienten bezogenen Prozesse beeinflusst, denn im Zentrum aller organisatorischen Überlegungen steht die zu betreuende Person („Patient first“). Darüber hinaus trägt ­Primary Nursing durch die Orientierung am Menschen zur weiteren Professionalisierung der Pflege und zur höheren Mitarbeiterzufriedenheit bei.

Höhere Arbeitszufriedenheit Dieses internationale Konzept wurde mit Unterstützung und nach Impulsgebung des Institutes für Pflegewissenschaft der

© Photographee.eu – shutterstock.com

u Mit dem Pflegeorganisationskonzept Primary Nursing (PN) sollen Arbeitsprozesse besser am Versorgungsbedarf der Patienten ausgerichtet werden. u Ein Pilotprojekt im Bereich der Akutgeriatrie und Remobilisation an der Albert Schweitzer Klinik in Graz zeigt Chancen und Risiken auf.


Med Uni Graz zwischen 2012 und 2014 als Pilotprojekt im Bereich der Akutgeriatrie und Remobilisation mit insgesamt 100 Betten in interdisziplinären Arbeitsgruppen nach den Bedürfnissen des alten ­ ­Menschen im PDCA – plan, do, act, check – Zyklus modifiziert. Ziele wurden definiert, wie die individualisierte pflegerische Versorgung, eine Verbesserung der Arbeitsabläufe oder die Verbesserung der Angehörigenarbeit zu gestalten ist. Für die Aufgabenbereiche der Primary Nurse, Associate Nurse und Stationsleitung wurden entsprechende Stellenprofile definiert. Die Elemente von Primary Nursing „Verantwortung“, „Kontinuität“, „Direkte Kommunikation“ wurden mit allen Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet und 2015 erfolgte eine systematische Evaluierung mittels des IzEP© (Instrument zur Erfassung von Pflegesystemen). „Die fünf Merkmale Pflegekonzeption, Arbeitsorganisation, Pflegeprozess, Kommunikation, Rollenverständnis wurden dabei ebenfalls untersucht und ergaben eine flächendeckend 74,5%ige Umsetzung von Primary Nursing in der Akutgeriatrie. Mit Primary Nursing ist sowohl die Zufriedenheit der Patienten als auch die der Mitarbeiter deutlich gestiegen“, betont Sallegger. n

Die innovativen Produkte der SpeediCath® Familie

IM GESPRÄCH Projektleiterin Andrea Sallegger, BSc, MSc, ­Akutgeriatrie der Albert Schweitzer Klinik Welche Ziele wurden mit dem Projekt konkret verfolgt? Im Mittelpunkt standen die Steigerung der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit, die individualisierte pflegerische Versorgung, die Verbesserung der Arbeitsabläufe, die Optimierung der Informationsflüsse im interdisziplinären Team und die Verbesserung der Angehörigenarbeit. Letztendlich führt das zu einem zunehmenden Bewusstsein bei den Pflegekräften, dass sie dem Patienten gegenüber für die Pflege verantwortlich sind. Welche Herausforderungen brachte das Konzept auf der Management-Ebene? Die Veränderung betraf sehr viele Professionen, allein in der Pflege galt es, über 65 Mitarbeiter zu sensibilisieren und im Sinne des Change Managements eine nachhaltige Änderung von Handlungs- und Kooperationsmustern zu erwirken. PN betrifft darüber hinaus nicht nur die Pflege, sondern das gesamte interdisziplinäre Team, da Informationsflüsse, ärztliche Visiten, interdisziplinäre Besprechungen etc. neu strukturiert wurden. Neben der Sensibilisierung und Wissensvermittlung wurde dieses Projekt in der Balanced Score Card und in weiterer Folge in den Jahreszielvereinbarungsgesprächen der Pflegedienstleitung und Stationsleitungen verankert.

NEU SpeediCath® Compact Set, für Männer

NEU SpeediCath® Compact Set, für Frauen

NEU SpeediCath® Flex, für Männer

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› SpeediCath® Flex – der neue Katheter für den Mann. Mit flexibler Kugelspitze, trockener Schutzfolie und elastischem Griff – leicht gemacht bis ins Detail.

› SpeediCath® Compact Set – der kompakte Katheter mit integriertem Beutel

für Frauen und Männer. Intuitive und leichte Anwendung, jederzeit und überall.

The Coloplast logo is a registered trademark of Coloplast A/S. © 2017-01. All rights reserved Coloplast A/S, 3050 Humlebaek, Denmark.

SpeediCath® Compact Set

Um die Versorgung Ihrer Patienten noch diskreter und einfacher zu gestalten, erweitert Coloplast das SpeediCath® Sortiment um zwei neue Produkte:

SpeediCath® Flex

© Photographee.eu – shutterstock.com

PFLEGE & HOME CARE


Bedarfsgerechtes Wohnen in Pflegeeinrichtungen

D

er österreichische Architekturwettbewerb für den Holzund Leichtbau von BAU.GENIAL stand heuer unter dem Schwerpunkt „Gesundheit und Pflege“ und zeigte vorbildhafte Lösungen für bedarfsgerechtes Wohnen in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Aus den Einreichungen lassen sich folgende Trends festmachen:

Bewohner uneingeschränkt nutzbar zu sein, muss sich das Gebäude an deren Bedürfnissen orientieren und barrierefrei sein. Bereits in der Planungsphase ist eine intensive Absprache zwischen Betreibern, Bauherren, Architekten und ausführenden Unternehmen notwendig. Gemeinsam erarbeiten sie die Anforderungen an eine zukünftige Gesundheits- und Pflegeeinrichtung.

Nutzerqualität

Hausgemeinschaftsmodell

Die Bedeutung der Architektur und die Bedürfnisse älterer und kranker Menschen sind eng miteinander verwoben. Um für alle

Pflege- und Gesundheitseinrichtungen werden zunehmend nach dem Hausgemeinschaftsmodell für generationenüber-

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© Tyler Olson – stock.adobe.com

u Architekturwettbewerb prämiert vorbildliche Lösungen für benutzerorientierte Funktionalität, konstruktive Lösungen und Nachhaltigkeit. u Pflege- und Gesundheitseinrichtungen werden zunehmend nach dem Hausgemeinschaftsmodell für generationenübergreifende Zwecke geplant und gebaut. u Bauherren setzen zunehmend auf natürliche Materialien wie Holz, Naturstein oder ­Kautschuk.


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

greifende Zwecke geplant und gebaut. Die familiäre Wohnatmosphäre steht mehr im Mittelpunkt. Komfortable Wohnund Aufenthaltsräume, in denen gemeinsam gekocht und gegessen wird, sind im Trend. Um dem erhöhten Bewegungsdrang vieler Bewohner zu entsprechen, werden weitläufige Gartenanlagen und Grünflächen mit natürlichen Begrenzungen angeboten. Der Bezug zur örtlichen Umgebung ermöglicht den Bewohnern die Teilnahme am täglichen Leben der Gesellschaft.

Tageslicht und Sonnenschutz Das Innen und Außen verschmilzt durch große Glasflächen. Architekten legen besonders viel Wert auf Tageslicht in den Räumen sowie effizienten Sonnenschutz. Moderne Bauelemente fügen sich in das örtliche Architekturbild zeitgemäß

Die Jury hat die Gebäude nach Architektur, fachgerechtem Holzeinsatz, benutzerorientierter Funktionalität, konstruktiven Lösungen und Nachhaltigkeit bewertet. Barrierefreiheit und der vorbildliche Holzeinsatz für bedarfsgerechtes Wohnen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen standen dabei im Vordergrund. Einer der drei Hauptpreise ging an das Architektenteam rund um Arch. DI Dietger Wissounig für seinen modellhaften Lösungsansatz bei der Planung von Pflegewohnheimen. Mit den beiden eingereichten Pflegewohnheimen Peter Rosegger und Erika Horn in Graz zeigt Wissounig, wie der Einsatz konstruktiver Elemente aus Holz sowie die außergewöhnliche Qualität für ein bedarfsgerechtes Tageslichtkonzept umgesetzt wurden. Das vorgegebene Bauherrenmodell bietet altersgerechtes Wohnen in kleinen Einheiten mit einem Gemeinschaftsansatz. Beide Pflegewohnheime wurden in Passivhausbauweise erbaut und mit dem EU Green Building Zertifikat ausgezeichnet.

Seniorenwohnhaus in Hallein

Natürliche Materialien Bei allen Projekten haben Bauherren aktiv natürliche Materialien wie Holz, Naturstein oder Kautschuk eingefordert. Der Baustoff Holz wird für die Außenwände, die Fassaden und die Oberflächen eingesetzt. Holzoberflächen in den Innenräumen schenken ein warmes und behagliches Gefühl. Projekte mit teils großem Holzmaterialeinsatz für Innen- und Außenbereiche zeigen, dass Holz ein verbindendes Element ist. n

Arch. DI Simon Speigner von SPS Architekten hat mit dem Seniorenwohnhaus in Hallein eine neue Heimat für betagte Menschen geschaffen. Der serielle Charakter der modularen Holzbauweise überzeugte den Bauherrn und auch die BAU.GENIAL Jury. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades und der daraus resultierenden günstigeren und schnelleren Bauweise in Passivhausqualität erhält das Architektenteam SPS den BAU. GENIAL Preis für modulare konstruktive Systemlösungen. Der Neubau in Massivholzbauweise mit 136 Zimmern konnte innerhalb von zwei Monaten fertiggestellt werden. Das Pflegezentrum Gurgltal in Imst ist das erste Wohn- und Pflegeheim in Tirol, das nach dem Hausgemeinschaftsmodell errichtet wurde. Die Arbeitsgemeinschaft Moser-Kleon-Moser rund um den Architekten DI Bruno Moser hat die urbane Herausforderung vorbildlich gelöst. Die Bewohner können am städtischen Leben teilnehmen und befinden sich in einer bedarfsgerechten und modernen Betreuungsumgebung. Die Farbkontraste im Bodenbereich sind besonders für sehschwache www.baugenial.at Personen im Alltag hilfreich.

Pflegewohnheim Peter Rosegger

Pflegezentrum Gurgltal

© Tyler Olson – stock.adobe.com

© Icon: Arcady – shutterstock.com

Siegerprojekte auf einen Blick

ein und bilden eine Symbiose mit dem Außenbereich. Die Innenräume sind freundlich und hell gestaltet, indem viele Räumlichkeiten nach Süden ausgerichtet sind. Der konstruktive Sonnenschutz inklusive Beschattung findet in den Neubauten aus Holz immer mehr Beachtung und wurde in vielen eingereichten Projekten vorbildlich gelöst.

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PRODUKTNEWS

SpeediCath Compact Set

SpeediCath Flex

Strikturen in der männlichen Harnröhre. Die Katheterspitze zentriert sich automatisch. Nach Gebrauch können Katheter und Verpackung wieder verschlossen werden, um sie später klein gefaltet zu entsorgen. Flüssigkeiten bleiben innerhalb der Schutzfolie. Das neue SpeediCath® Compact Set ist durch seine Kompaktheit im Vergleich zu bisher auf dem Markt befindlichen Set-Angeboten einzigartig. Der diskrete und kompakte Katheter mit integriertem Beutel für Frauen und für Männer ist jederzeit und überall einsetzbar und folgt einer intuitiven Anwendung.  www.coloplast.at

Videobrille im OP

SpeediCath Flex und SpeediCath Compact Set unterstützen Patienten mit Blasenentleerungsstörungen.

Innovationen in der ­Kontinenzversorgung Coloplast wartet 2017 mit einer Reihe von Innovationen auf: In der Kontinenzversorgung gibt es drei neue Katheter, SpeediCath® Flex für Männer und SpeediCath® Compact Set jeweils für Männer und Frauen. Die Sortimentserweiterung mit SpeediCath® Flex ist der erste Schritt einer zukunftsweisenden Ausrichtung von Coloplast, die auf einer breit angelegten Studie basiert, bei der knapp 3.000 Anwender mit mehr als 15.000 Jahren Katheterisierungserfahrung und rund 200 Pflegefachkräfte mit 1.700 Jahren Erfahrung in der Kontinenzversorgung befragt wurden. Die erstmalige Einschulung und das Erlernen des Katheterismus sollen möglichst problemlos und ohne Angst ablaufen. SpeediCath® Flex wurde entwickelt, um in dieser Phase hilfreich zu unterstützen. Er ist hygienisch, flexibel und einfach anzuwenden. Eine trockene Schutzfolie über den gesamten Katheter ermöglicht ein schrittweises und hygienisches Einführen, unterstützt vom elastischen Griff, der eine einfache Navigation und einen guten Halt der Schutzfolie ermöglicht. Die flexible Kugelspitze und der weiche Katheter gleiten sanft durch alle Biegungen und möglichen

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Durch den Einsatz einer neuartigen Videobrille wird den Patienten in der Privatklinik Confraternität jetzt direkt vor bzw. während einer Operation eine schonende, nicht-medikamentöse „Ablenkung“ in Form von Videofilmen angeboten. Das Feedback ist so gut, dass die Anwendung der Brille nun auch im tagesklinischen Bereich getestet wird. Die Brille ist mit einem Kopfhörer verbunden und kann zur Beruhigung bei OP-Patienten vor oder während eines Eingriffs beitragen. Zur Auswahl stehen Dokumentationen, klassische Konzerte, Entspannungsvideos, Sport, Serien sowie ein eigenes Kinderprogramm für die kleinsten Patienten. Die Videobrille ist mobil einsetzbar und kann per Knopfdruck intuitiv bedient werden.  www.premiqamed.at

organisatorischen Schritten, zur Hirntoddiagnostik, zum Gespräch mit den Angehörigen und zur Weiterführung der intensivmedizinischen Maßnahmen sind abrufbar.  Die App ist unter www.klinikum-graz.at/ transplant verfügbar.

Der Boden als Leinwand Mit dem neuen Kautschuk-Belag noraplan lona von nora systems können jetzt die unterschiedlichsten grafischen Designs in den Kautschukboden integriert werden. Möglich wird dies durch ein spezielles Herstellungsverfahren: Das gewünschte Design wird während der Vulkanisation mit hoher Temperatur und unter großem Druck in den Belag eingebracht – für eine dauerhaft attraktive Optik auch noch in Jahrzehnten. Der Name des neuen Belags entspricht dem spanischen Wort für Leinwand. Der Boden in seiner Grundfarbe bildet die Basis, mit den unterschiedlichen Designfarben kann der Planer seine kreativen Ideen verwirklichen – je nach Farbkombination und Blickwinkel ist die Raumwirkung sehr unterschiedlich. Wie alle Bodenbeläge von nora systems besteht auch noraplan lona durch und durch aus Kautschuk. Daher kann beispielsweise das Schieben von Gegenständen wie Betten oder Essenswagen im Krankenhaus dem robusten Belag nichts anhaben. Dadurch empfiehlt sich der neue Kautschuk-Belag nicht nur für Patientenzimmer, sondern auch für hoch frequentierte Bereiche im Gesundheitswesen sowie für andere öffentliche Gebäude. Eine wesentliche Rolle in Gesundheitseinrichtungen spielt naturgemäß das Thema Hygiene. Für ein umfassendes Hygienekonzept ist die Desinfizierbarkeit

Smartphone App für Organspende Obwohl in Österreich die Zahl der Organspenden im internationalen Vergleich hoch ist, sterben pro Jahr ca. 85 Menschen in Österreich, weil kein passendes Spenderorgan gefunden werden konnte. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die Verfügbarkeit der richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dazu wurde an der Med Uni Graz eine webbasierte App entwickelt, die nach der Beantwortung von drei Fragen maßgeschneiderte Informationen liefert, welche im Prozess einer Organspende gerade gebraucht werden. Informationen zur Erkennung von Organspendern, zu den

nora Bodenbeläge sind durch und durch aus Kautschuk, aufgrund der extrem dichten Oberfläche beständig gegenüber Flächendesinfektionsmittel und fleckunempfindlich.


PRODUKTNEWS

des Bodenbelags von großer Bedeutung. Aufgrund der extrem dichten Oberfläche sind nora Bodenbeläge beständig gegenüber Flächendesinfektionsmittel und fleckunempfindlich. Zudem lassen sie sich vollständig desinfizieren. Ein weiteres Plus: nora Bodenbeläge sind äußerst verschleißfest und sehen trotz hoher Beanspruchung auch nach vielen Jahren nahezu wie neu aus. Überdies lassen sie sich leicht reinigen und benötigen im Gegensatz zu anderen elastischen Fußbodenbelägen keine Beschichtung. Zudem überzeugt auch das jüngste Mitglied der noraplan Familie mit den bewährten Produkteigenschaften des Kautschuks wie guter Ergonomie und bester Akustik und ist gesundheits- sowie umweltverträglich. noraplan

lona gibt es im Standardsortiment in 24 unterschiedlichen Grundfarben. Die zwölf neutralen Grau-, Braun- und Beigetöne werden ergänzt durch zwölf attraktive Akzentfarben, die satt, gleichzeitig aber gedeckt wirken.  www.nora.com

Kooperation für besseres ­Diabetes-Management Roche Diabetes Care und der schwedische Kleidungshersteller AnnaPS® sind bekannte

Namen im Bereich Diabetes und stellen beide die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes in das Zentrum ihrer Aktivitäten. Seit Kurzem kooperieren die beiden Anbieter, sodass Patienten nun ihre Insulinpumpe diskret in spezieller Unterwäsche mit einer nahtlos integrierten Tasche tragen können. Die stilvollen Kleidungsstücke aus der AnnaPS®-Kollektion zeichnen sich durch hohen Tragekomfort aus. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Menschen mit Diabetes entwickelt und erlaubt Pumpenträgern noch mehr Freiheit und Flexibilität, da sie den natürlichen Bewegungen des Körpers folgt.  www.accu-chek.at, www.roche.at.

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Händedesinfektion

Flächendesinfektion

zur präoperativen Dekontamination der Haut, Haare und Nasenvorhöfe

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Einsatz- bzw. Anwendungs­ bereiche

für die hygienische und chirurgische Händedesinfektion sowie für alle hygienerelevanten Bereiche in Gesundheitswesen, Industrie und häuslicher Pflege

zur Schnell-Desinfektion für sensible, alkoholempfindliche Oberflächen bzw. Medizinprodukte, wie z. B. Kunstleder, Displays, Monitore, Tastaturen, Kunststoffe

bei elektiven chirurgischen Eingriffen

für chronische Wunden sowie Verbrennungswunden

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u bakterizid u levurozid u begrenzt viruzid u wirksam gegen Noro-, Polyoma- und Rota-Viren

u zur Ganzkörperwaschung bzw. Dekontamination der Nasenvorhöfe durch physikalische Reinigung (z. B. bei MRSA) u mit ausgesuchten Pflegesubstanzen und hautmilden Tensiden für alle Hauttypen geeignet, auch bei Seifenüberempfindlichkeit bzw. allergieempfindlicher Haut u mit Octenidin u besonders schonend durch einen hautneutralen pH-Wert u farbstoff- und parfümfrei

u 20 g und 250 g Tuben u unterstützt den natürlichen Wundheilungsprozess durch ein ideales Wundheilungsmilieu u mit Octenidin u steril und farblos

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DABEI

Medizinprodukte: besser und trotzdem billiger? u Innovative Medizinprodukte helfen dem Gesundheitssystem, langfristig Kosten zu sparen. u Dennoch geht die Schere zwischen Budgetknappheit und Nutzen aus innovativen Produkten immer weiter auf. Österreich droht, in eine Innovationsfalle zu tappen.

D

© Sabine Klimpt

as heimische Gesundheitssystem benötigt immer hochwertigere und sicherere Medizinprodukte. Dafür steht aber kaum mehr Geld zur Verfügung. Das führt langfristig dazu, dass Patienten moderne Produkte verwehrt werden, die jedoch Krankheitszeiten und Kosten reduzieren würden. Bei den AUSTROMED-Herbstgesprächen 2016 wurden mögliche Auswege aus der Innovationsfalle gesucht, in der das Gesundheitswesen und die österreichische Medizinproduktebranche stecken. „Mit innovativen Medizinprodukten kann das Gesundheitssystem langfristig Kosten einsparen. Unser Ziel muss es sein, Methoden zu finden, die es ermöglichen, die Ersparnisse durch innovative Produkte in Zahlen zu fassen. Derzeit werden noch immer hauptsächlich die Stückkosten betrachtet und nicht die Prozesskosten“, ist AUSTROMED-Präsident Gerald Gschlössl überzeugt.

Qualität vor Kosten In seiner Keynote betrachtete der Schweizer Gesundheitsökonom Dr. Willy Oggier (sh. auch Gastkommentar auf Seite 6) die Gesundheitssysteme in Europa und zeigte dabei deutlich auf, dass in Österreich vor allem noch von der Gesundheitspolitik zu klären ist, welche Ziele verfolgt werden und mit welchen Rahmenbedingungen diese erreichbar sind. Vor allem angesichts einer immer weiter alternden Gesellschaft, bei der die Versorgung an Bedeutung gewinnt, muss die Wirksamkeit der Maßnahmen vor der Wirtschaftlichkeit gereiht werden. Mit den Worten „Qualität kommt vor Kosten“ und „Nichts tun ist keine Alternative“ brachte es Oggier auf den Punkt. Er kritisierte vor allem den mangelnden Willen, eine Strukturdiskussion im Gesundheitswesen zu führen, und forderte einen raschen Kultur- und Strukturwandel, da sonst Österreich im internationalen Vergleich noch weiter abrutschen wird.

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v.l.n.r.: Dr. Willy Oggier, Prof. Dr. Sylvia Schwarz, Christian Schauer, Dr. Claudia Wild, Dr. Alexander Biach, Gerald Gschlössl

Im Anschluss an die Keynote diskutierten Experten das ­ pannungsfeld zwischen beschränkten Budgets und dringend S notwendigen medizinischen Innovationen einer Branche, die enorme finanzielle Ressourcen für Forschung und Entwicklung aufbringen muss, aber diese Kosten kaum mehr erstattet bekommt. Dr. Claudia Wild, Leiterin des Instituts für Health Technology Assessment des Ludwig Boltzmann Instituts, betonte, dass sie in der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung eine Chance sieht: „Verschärfte Vorschriften und die höhere ­Datentransparenz für die Zulassung von Hochrisikoprodukten könnten sich so positiv auf das Health Technology Assessment auswirken.“


Wege zu innovativen Produkten Vor allem die Erfahrungsberichte aus der Praxis und neue Methoden, um die Schere zwischen Budgetknappheit und Nutzen aus innovativen Produkten zu schließen, stießen bei den Gästen der Veranstaltung auf reges Interesse. „Standortbegrenzung und Zentrumsbildung sind wesentliche Schritte zur Effizienzsteigerung im Krankenhausbereich. Die Konzentration medizinischer Leistungen steigert die Qualität der Patientenversorgung und garantiert eine hochwertige medizinische Ausbildung für die zukünftige Ärzteschaft“, meint Prof. Dr. Sylvia Schwarz, Präsidentin des Obersten Sanitätsrats. Dr. Alexander Biach, WGKK, Stellvertreter der Obfrau und Stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer Wien, ergänzt: „Innovative Medizinprodukte sind für Krankenkassen wichtig, wenn sie Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Patienten nachweislich verbessern oder kostengünstiger machen. Im

Zentrum steht eine möglichst hochwertige Versorgung, die durch die finanziellen Möglichkeiten des Sozialversicherungssystems natürliche Grenzen hat. Eine darüber hinausgehende Versorgung mit speziellen, kostenintensiven Produkten könnte künftig noch stärker durch Beteiligung anderer Systempartner erfolgen.“ Die NÖ Landeskliniken-Holding versucht, mit einer Innovationsrichtlinie gezielt neue Produkte in das System einzuschleusen: „Besonders wichtig ist dabei, dass die neuen Produkte auf die Anwender optimal zugeschnitten sind. Transparenz und Daten sind dabei wichtig, um spezielle Themen voranzutreiben“, betont Christian Schauer, Abteilungsleiter Einkauf. Gschlössl weist abschließend auf die Bedeutung von Zusammenarbeit hin: „Unser Ziel muss eine Partnerschaft sein, bei der die Medizinproduktebranche direkt auf den Bedarf des Gesundheitswesens eingehen kann und damit sowohl der Patient als auch die bezahlende Stelle eine optimales Produkt erhält.“ n

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

Erste Hilfe-Kurs (Auffrischung)

6. März 2017 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes Börseplatz 6, 1010 Wien

Verhalten im OP

9. März 2017 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost – Donauspital, Wien Lehrsaal Orthopädische Abteilung

© Sabine Klimpt

MÄRZ

APRIL Erste Hilfe-Kurs (Betriebsersthelfer)

3.+4. April 2017 jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes Börseplatz 6, 1010 Wien

Medizinproduktegesetz

24. April 2017 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

APRIL Erste Hilfe- Kurs (Betriebsersthelfer)

3.+4. April 2017 Jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes, Börseplatz 6, 1010 Wien

Medizinproduktegesetz

24. April 2017 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen II

8.+9. Mai 2017, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

MAI Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

JUNI Workshop Vergaberecht in der Praxis

7. Juni 2017, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

8. Juni 2017, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

Info & Anmeldung: www.austromed.org

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KONGRESSE MKÖ-Jahrestagung Die interdisziplinäre wissenschaftliche Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) stand unter dem Motto „Basics & Highlights der Inkontinenz“. Der Fokus lag auf den wichtigen Grundlagen und klar definierten Abläufen im Behandlungsalltag und auf der kritischen Betrachtung und Verbesserung von Diagnose- und Behandlungsalgorithmen. An zwei Tagen präsentierten führende Experten dieser Disziplinen aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und Australien aktuelles Wissen, praktisch umsetzbare Information und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Auch die Workshops wurden mit großem Interesse angenommen.  Abstracts unter www.kontinenzgesellschaft.at

Gemeinsame ­Fortbildungstagung Im Februar fand die gemeinsame Fortbildungstagung für Biomedizi­nsche Analytiker und Ärzte (ÖGPATH – IAP Austria) im Tech Gate Vienna statt. Am Programm standen neue Methoden in der molekularen Diagnostik, die Mutationsanalytik und Resistenzmutationen sowie der Stellenwert der Immunhistologie. Diskutiert wurde unter anderem auch die Diagnostik des Lungenkarzinoms sowie immunologischer Erkrankungen.  www.pathology.at

Fortbildungstage der ­Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie „Ziel der Veranstaltung war es, mit einem breiten Programm möglichst viele Themen abzudecken“, fasst Prim. Univ.-Prof. Dr. Steffen Krause, Vorstand der Klinik für Urologie und Andrologie, Kepler Universitätsklinikum GmbH, die letzten Urologie- und Andrologie-Fortbildungstage zusammen. Für die rund 400 Teilnehmer und die 42 Industrieaussteller spannte sich der Themenbogen vom operativen Management über die Bildgebung in der Urologie bis zur

Neuro-Urologie. Die großen Herausforderungen liegen für Krause in der enormen Bandbreite des Fachs: „Es gibt eine wachsende Zahl an Therapiemöglichkeiten, die immer schwieriger zu erfassen sind. Allein die vielen Möglichkeiten in der Labordiagnostik eröffnen Behandlungspfade, die längst nicht mehr Routine sind.“ Selbst Fachärzte müssen sich auf einige wenige Bereiche spezialisieren, denn die Gesamtheit der Krankheitsbilder und der veröffentlichten Studien ist nach Ansicht des Klinikchefs kaum mehr zu überblicken. „Umso wichtiger sind Fortbildungstage, die einen guten Überblick geben und dabei unterstützen, ein Netzwerk mit Fachkollegen, aber auch mit Nebenfächern wie der Chirurgie oder Gynäkologie aufzubauen“, so Krause.

uu AUSBLICK Pflege-Management Forum 2.-3.3.2017, Wien Die Konferenz ist Österreichs größte Plattform für Führungskräfte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen des mobilen, ambulanten und (teil-)stationären Bereichs. Nutzen Sie den Dialog: Tauschen Sie sich mit Fachkollegen, Experten und Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung aus. Aus dem Inhalt: uG  uKG-Novelle: Update & Auswirkungen uD  okumentation: Pflegedaten abbilden und sinnvoll nutzen uR  oboter & Co: Intelligente Systeme im vernetzten Pflegealltag uM  igration: Wie verändert sich der Bedarf an Pflege & Betreuung?  www.businesscircle.at

Kardiologie-Kongress 2.-4.3.2017, Innsbruck Die Tagung steht unter dem Motto „Moderne Kardiologie im Zusammenspiel zwischen Zuweisern und Klinik“ und möchte alle Aspekte der derzeitig aktuellen diagnostischen und therapeutischen kardiologischen Methoden vor diesem Hintergrund beleuchten. „Wir glauben, dass nur durch eine enge Kooperation zwischen dem niedergelassenen Bereich, den Kollegen in den klinischen Primär- und Sekundärversorgungszentren und unserem

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Manuela Gütlbauer, m.guetlbauer@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-45. Kundenberatung: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Lektorat: Dr. Helmut Baminger, ­ ruckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: ­creativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: D ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder ­wissenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmen­­ zum Download. Hinweis: Aus news sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at Gründen der leichteren Lesbarkeit ­verzichten wir auf ­geschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

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© Syda Productions – Fotolia.com

oo RÜCKBLICK


KONGRESSKALENDER

t MÄRZ 2017

1.-5.3.2017

ECR 2017 Wien, www.myesr.org/ecr-2017

2.-4.3.2017

Kardiologie-Kongress Innsbruck, www.kardiologie-­ innsbruck.at

3.-4.3.2017

ÖGH-Frühjahrsklausurtagung „Nervenkompressionen an der oberen Extremität“, Bad Radkersburg, www.handchirurgen.at

15.3.2017

20.-22.4.2017

25.-27.4.2017

21.-22.4.2017

27.-29.4.2017

10. Wiener Anästhesietage 2017 Wien, www.anaesthesietage.at

Österreichkongress für ­Radiotechnologie Salzburg, www.radiotechnologen.at

t APRIL 2017

22.-25.4.2017

t JUNI 2017

9. Österr. Gesundheits­ wirtschaftskongress Wien, www.oegwk.at

Wiener Bluttage 2017 Wien, www.wienerbluttage.at

30.3.-1.4.2017

20.-22.4.2017

Geriatriekongress, Wien www.geriatriekongress.univie.ac.at

27. ECCMID, European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases Wien, www.eccmid.org

Team im tertiären Schwerpunktkrankenhaus eine optimale Versorgung der kardiologischen Patienten gewährleistet ist“, sagt OA Univ.-Prof. Dr. Guy Friedrich von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie im Namen des Programmkomitees.  www.kardiologie-innsbruck.at

9.3.2017, Linz Im Jahr 2017 feiert der Medizintechnik-Cluster der Business Upper Austria „15 Jahre Cluster“ – 15 Jahre Networking, Kooperation & Innovation. Aus diesem Anlass wird die Expertin für Erfolgsnetzwerke Dr. Magda Bleckmann in ihrer interaktiven Keynote „Erfolgreiches Netzwerken & Kooperieren“ mit Themen für die Praxis inspirieren. Wie oberösterreichische Gesundheitseinrichtungen erfolgreich kooperieren, erläutern die Diskutanten anschließend am Podium. Nach dem Motto „back to the future“ werden die Teilnehmer des Branchentreffs auf eine kurze Reise in die vergangenen Jahre und anschließend in die Zukunft der MedTech-Branche und des Clusters mitgenommen. 

6.-8.6.2017

22. Kongress des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes Wien, www.oegkv.at

am 17. März 2017 in Wien im Austria Trend Hotel Savoyen Vienna

Digitalisierung, Qualität, Finanzierung, Patientensouveränität, Berufsbilder, Arbeitszeiten Die Stichworte der öffentlichen Diskussion sind eindeutig: Der allgemeine gesellschaftliche Umbruch hat jetzt auch die Gesundheitsmärkte in Europa erreicht. Wichtig ist daher, über die Grenzen zu schauen und Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Diskutieren Sie im Kreise der TOP-Manager der Gesundheitswirtschaft u. a. diese wichtigen Themen der Zukunftsbranche:

www.medizintechnik-cluster.at

11. Österreichischer Infektionskongress Diagnostik – Therapie – Prophylaxe © Syda Productions – Fotolia.com

6. Österreichischer ­Palliativkongress Bregenz, www.palliativ.at

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MedTech.Circle 2017 – back to the future

29.3.-1.4.2017, Saalfelden Das heurige Kongressthema „Was Sie immer schon wissen wollten: Diagnostik – Therapie – Prophylaxe“ steht für die Diskussion offener infektiologischer Fragestellungen. Das infektiologische Potpourri ist breit und behandelt den sinnvollen Einsatz von Kombinationstherapien, ungewöhnliche Erkrankungen bei Asylsuchenden und Migranten sowie Impfungen.   www.oegit.at

conhIT – Connecting Healthcare IT Berlin, www.conhit.de

 Digitalisierung: Ist jetzt die Medizin dran?  Öffentlich, kirchlich oder privat?  Systempartner helfen zum Erfolg  Spezialisierung in Zentren  Pflege ist systemrelevant  Wissensmanagement optimiert Behandlung  Reha vor Renaissance  Beschaffungsmanagement ist mehr als Einkauf  Krankenkassen als Gestalter  Beste Medizin durch faire Finanzierung  Neue Mitarbeiter braucht das Spital  Ganzheitliche Prozesse

Informieren Sie sich online über das Programm und die Referenten des 9. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES

Anmeldung & Infos zum Kongress unter: www.oegwk.at

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KONGRESSE

MedTech.Factory: Idee – Produkt – Gründung Workshop zur Förderung der Produktentwicklung in der Medizintechnik 6.4.2017, Linz Bereits zum zweiten Mal veranstaltet der Medizintechnik-Cluster im Zuge der Initiative „MedTech.Transfer – business meets research“, gefördert aus Mitteln des Landes OÖ im Rahmen der Wachstumsstrategie für Standort und Arbeit, den Workshop MedTech.Factory zur Förderung der Produktentwicklung in der Medizintechik. 

www.medizintechnik-cluster.at

nischen und ökonomischen Implikationen. Alter und Altern verändern sich ständig: Technologische und kulturelle Umbrüche, neue Trends in der ­psychosozialen Versorgung und der Grundlagenforschung wirken auf die Spätlebensphase. Die Gerontologie hat einen Alternsprozess im Blick, der auf Veränderung und nicht Defizit ausgerichtet ist, und sucht forschungsbasierte Antworten und Empfehlungen zur besseren Gestaltung der Lebensphase Alter. Die Geriatrie muss vor dem aktuellen demografischen Hintergrund als analoges Fach zur Kinderheilkunde wahrgenommen werden sowie in Ausbildung und Angebot den höchsten qualitativen Anforderungen gerecht werden können. Auch alte Menschen haben ein Recht auf Behandlung durch Spezialisten. Der Kongress soll die Möglichkeit bieten, sich über die Fortschritte auf allen Gebieten der Alternswissenschaften zu informieren und Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.  geriatriekongress.univie.ac.at

57. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie 60. Österr. Kongress für Krankenhausmanagement 20.-22.4.2017, Wien Der Anteil hochaltriger Menschen wächst seit Jahren. Dies erfordert eine noch stärkere systematische Auseinandersetzung mit den sozialen, medizi-

8.-10.5.2017, Krems Thema ist die Frage: „Wie effizient ist unser Gesundheitswesen?“ Nach einleitenden Fachvorträgen steht am Nachmittag die tatsächliche Situation in den österreichischen Bundesländern im Mittelpunkt. Anschauliche Projekte zur Verbesserung der Effizienz in den Organisationen sollen zentrale „takehome-messages“ bringen.  www.buko-krankenhaus.at

24. DOSCH-Symposium 15.-17.5. 2017, Velden Das DOSCH-Symposium dient Experten und Interessierten an Forschung und Entwicklung in der Krankenhaushygiene zum Netzwerken und zur Diskussion. Ein Anliegen ist der Dialog zwischen Theorie und Praxis. Neuem Grundlagenwissen sollen die täglichen Probleme des Medizinbetriebes gegenübergestellt werden. Daraus sollen Impulse für wissenschaftlich fundierte, umsetzbare und im Alltag wirksame Verbesserungen erwachsen. Thema des kommenden Symposiums sind Hygiene und Infektionen in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Krankenhaushygiene sowie Entwicklungen und messbare Ergebnisse. Tagungsschwerpunkte sind nosokomiale Infektionen, Problemkeime und „emerging pathogens“, Infektionsprävention, Infektionskontrolle sowie die Aufbereitung technischer Geräte.  www.oeghmp.at

43. Gemeinsame Tagung der ­Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der ­Bayrischen Urologenvereinigung 18. – 20. Mai 2017, Wien www.uro-tagung.at

Fortbildungstagung der ­Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie 10. und 11. November 2017, Stahlwelt Linz www.uro.at

34 DAS MEDIZINPRODUKT 01/17

28.-30.6. 2017, Wien Innovationen sind in allen diagnostischen und therapeutischen Bereichen von essenzieller Bedeutung, um Behandlungen zu verbessern und die Morbidität zu senken oder überhaupt Krankheiten zu verhindern. Innovationen sind in der Regel mit einer Steigerung der Behandlungskosten verbunden, denen der Reformzwang aufgrund ausufernder Kosten im Gesundheitswesen, aber auch Zwänge, die durch das Arbeitszeitgesetz aufkommen, gegenüberstehen. Innovation bedeutet jedoch auch, Auswege zu suchen, die von scheinbar unüberwindbaren Engpässen durch Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit und Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben am Patienten zu neuen diagnostischen und therapeutischen Pfaden führen. Unter dem Motto „Innovation trifft Reformation“ sollen daher neben technologischen Themen wie Translationale Forschung und Tissue Regeneration sowie Roboter und virtuelle Realität weitere Schwerpunkte auf interdisziplinäres Notfallmanagement sowie Gesundheitsökonomie gelegt werden.  www.chirurgenkongress.at

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58. Österreichischer Chirurgenkongress


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DAS SCHLUSSWORT

Das Glück liegt in der Innovation N

eue Ideen und Lösungen sind immer dann gefragt, wenn Herkömmliches an seine Grenzen stößt. So auch im Gesundheitswesen. Neues muss her, um Probleme, die – zugegeben – meist aus althergebrachten Mustern entstanden sind, einer Lösung zuzuführen. Je größer der Rundumschlag, desto besser und innovativer – so scheint es. Das Wechselspiel zwischen Hindernissen, der Angst vor Veränderung und dem Wunsch nach etwas Neuem prägt schließlich die Geschwindigkeit dieser Umwälzung. Und hier schließt sich auch schon der Kreis, warum Innovationen ihre Rolle als Heilsbringer meist schlecht ausfüllen: Sie finden in keiner annehmbaren Geschwindigkeit in den Markt, werden blockiert, totgeredet oder krankkritisiert. Neues ist selten populär. Menschen lieben nun einmal Gewohnheiten und Rituale. Veränderungen bringen Unruhe, Ungewohntes und Unbekanntes. Ob Innovationen nun neue Ideen, Erfindungen, Dienstleistungen oder Prozesse sind – ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie müssen einen Mehrwehrt für die Menschen schaffen, der so groß ist, dass er diese soziale Beharrungskraft überwindet. Medizinprodukte können das, indem sie helfen, Krankheiten zu heilen oder zumindest zu lindern, die Liegezeiten im Spital ebenso zu reduzieren wie Schmerzen, den Heilungsverlauf zu beschleunigen oder Leben überhaupt erst entstehen zu lassen. Dass Medizinprodukte damit weit tiefer in das soziale Gefüge der Menschen eindringen, als auf den ersten Blick deutlich wird, macht es natürlich auch erforderlich, dass die Politik einen Rahmen setzt. Dazu zählen auch die beiden neuen europäischen Verordnungen über Medizinprodukte und In-vitro Diagnostika, die die bestehenden Medizinprodukte-Richtlinien ersetzen werden. Geplant ist ein Inkrafttreten Mitte 2017. Damit wird der Rahmen für unsere Branche neu geregelt und es wird aufwendiger werden, neue Produkte – also Innovationen – in den Markt zu bringen. Das wird sich auch im Preis niederschlagen, gleichzeitig wird die Sicherheit für Anwender und Patienten erhöht. Nachdem sich die Budgets der Leistungsträger nicht verändern, stellt sich die berechtigte Frage, wie es Innovationen dennoch gelingen wird, in den Markt zu kommen. Gerade das

Handeln unter dem Aspekt beschränkter Ressourcen zwingt uns dann dazu, neue Ideen entstehen zu lassen und neue Wege zu finden. Kurz gesagt: Innovation vorantreiben, und zwar mit einer höheren Geschwindigkeit, (noch) mehr Ernsthaftigkeit und unaufgeregter als bisher. Wir – und damit meine ich nicht nur die Medizinprodukte-Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft insgesamt – müssen uns zu Innovationen bekennen, aber nicht nur in der Diskussion, sondern auch im täglichen Tun. Nur so werden wir in Zukunft konkurrenzfähig bleiben und nachhaltige Jobs generieren. Billiger im Sinne der Stückkosten werden Innovationen nicht werden, aber wir müssen lernen, über Sektorengrenzen zu denken und auf der Ebene der Behandlungskosten gibt es durchaus noch Potenzial. Wenn intra- und extramuraler Bereich endlich zusammenarbeiten, bin ich überzeugt, dass Medizinprodukte die Versorgung besser und günstiger zugleich machen können. Bisher haben wir selbst neue Produkte entwickelt oder Entscheidungsträger und Einkäufer Innovationen gefordert. Jetzt muss es uns gelingen, dass auch Patienten, die schlussendlich die Leistung bezahlen, Innovationen einfordern. Dieser Prozess ist seit der App-Revolution auf den Smartphones schon längst im Gange und macht Patienten mächtiger, fordernder und mutiger. Diesen Zug dürfen wir nicht verpassen, indem wir nur über Innovationen diskutieren und die wirklichen Entwicklungen an uns n vorbeiziehen.  In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches 2017!

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

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© studio horak

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MEDIZIN PR DUKT Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED


www.austromed.org

OHNE MEDIZINPRODUKTE WIRD ES KOMPLIZIERT Weil das Leben innovative Lรถsungen braucht

Das Medizinprodukt 1|2017