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Lösungen für das Gesundheitswesen S

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DAS

ISSN 2223-1080

Blutzuckermessung

P.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“, Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien

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Wann, wie oft und wie? 22 | Mandelentfernung: Frequenz von Operationen rückläufig www.das-medizinprodukt.at

34 | Chronische Wunden: Qualität vor Quantität 45 | Forschungsprojekt: Der OP als Innovationszentrum


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Von der Kunst, es allen recht zu machen D

ie Herbstprognosen der Wirtschaftsforscher sind so trist wie das Wetter: Wir werden uns an die steigende Arbeitslosigkeit gewöhnen müssen. So sehen wir als AUSTROMED das ganz und gar nicht, denn das kann weder im Interesse der Medizinprodukte-Branche sein, die immerhin derzeit mehr als 25.000 Mitarbeiter in knapp 490 Unternehmen beschäftigt. Und es kann auch nicht im Interesse einer hochwertigen Gesundheitsversorgung für die heimische Bevölkerung sein, dass innovative Produkte nicht mehr zügig in den Markt finden. Heftiger Gegenwind kommt derzeit durch die für nächstes Jahr erwarteten EU-Verordnungen für Medizinprodukte und Invitro­-Diagnostika, die mit steigenden regulatorischen Anforderungen hochqualifizierte Arbeitsplätze und medizinische Innovationen von morgen in Gefahr bringt. Denn: Unternehmen, die in Europa Medizinprodukte herstellen oder in Verkehr bringen, benötigen eine Konformitätsbewertung durch eine sogenannte „Benannte Stelle“. Um die Anwendungssicherheit von Medizinprodukten zu steigern, wurden die Anforderungen an diese Stellen drastisch erhöht. Das hat zur Folge, dass die einzigen zwei „Benannten Stellen“ in Österreich ihre Tätigkeit einstellen bzw. reduzieren: die Europaprüf- und Zertifizierstelle für Medizinprodukte (PMG) an der TU Graz hat die Tätigkeit als Notified Body am 25.10.2016 eingestellt, aber bleibt akkreditierte Prüf- und Zertifizierstelle für aktive Medizinprodukte. Der TÜV Austria in Wien hat den Service als „Benannte Stelle“ eingestellt. Viele Hersteller müssen sich daher eine „Benannte Stelle“ im Ausland suchen. Dort gibt es bereits lange Wartezeiten, ganz abgesehen davon, dass dieser Zulassungstourismus für kleinere Betriebe ein kaum zumutbarer Zusatzaufwand ist. Laut Wirtschaftskammer Österreich sind rund 220 Unternehmen davon betroffen. Geht es nach den EU-Medizinprodukteverordnungen, so steigt ab kommendem Jahr der Bedarf nach hochqualifizierter Beratung und nach Personal im Bereich regulatorische Compliance für Medizinprodukte, doch diese Manpower ist derzeit am Ar-

beitsmarkt nicht verfügbar. Das Ergebnis wird nicht lange auf sich warten lassen und ist heute schon absehbar: Steigende Kosten für die Zulassung von neuen oder die Rezertifizierung von bereits am Markt befindlichen Produkten werden das innovative Klima einfrieren und Österreich einen kräftigen Standortnachteil bescheren. Mit der von der EU angepeilten Verbesserung der Patientensicherheit ist es dann bald nicht mehr weit her. Die AUSTROMED arbeitet derzeit vordringlich daran, mit zuständigen Ministerien rasch wieder eine „Benannte Stelle“ in Österreich aufzubauen. Wir bleiben dran und werden Sie auch im kommenden Jahr dazu auf dem Laufenden halten! „Dranbleiben“ ist auch das Motto, wenn es um chronische Wunden geht. Mehr Aufmerksamkeit für eine bessere Versorgung von Patienten soll ab sofort der jährlich stattfindende „Tag der Wunde“ Ende September bringen. Mehr dazu finden Sie auf Seite 34.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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MEDIZIN PR DUKT

Fokus: Diabetes

Medizin & Wissenschaft

Blutzuckermessung – wann, wie oft und wie? 6 Warum ist eine strenge HbA1c-Kontrolle ­wichtig? 10 Produktradar: Blutzuckermessgeräte 12

ÖGLMKC-Jahrestagung: Leistungsschau der Labormedizin Metabolischer Fingerabdruck aus Speichel Robotereinsatz optimiert HNO-­ Tumoroperationen Mandelentfernung: OP-Frequenz rückläufig Stimmlippenlähmung: Therapie via ­ Schrittmacher Interventionelle Schlaganfalltherapie Die unheilvolle Trias: Blutung, Anämie & ­Transfusion Temperaturmanagement nach ­ Kreislaufstillstand

Allgemeines Kongresse Impressum Schlusswort

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4 DAS MEDIZINPRODUKT 05/16

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INHALT Pflege & Homecare News Chronische Wunden: Qualität vor Quantität Evidence Based Nursing in der Praxis Pflege-Führungskräfte-Barometer 2016 

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Produkte & Anbieter Firmenporträt: VISTA-MEDICAL Firmenporträt: ROCHE Firmenporträt: Zwick News

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Politik, Verwaltung & Management News Gastkommentar von Dr. Markus Duft, Verein Wund Management Wien EU-Datenschutz-Grundverordnung: Wie viel Bürokratie verträgt die Medizin? Spitalskrise: Achtung Ansteckungsgefahr! OP als Innovationszentrum

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FOKUS: DIABETES

Blutzuckermessung – wann, wie oft und wie?

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m Grundsatzstatement der Österreichischen Diabetesgesellschaft zur Blutzuckerselbstkontrolle sind folgende Ziele definiert: Reduktion von Spätkomplikationen, erhöhte Sicherheit und verbesserte Krankheitsbewältigung durch Empowerment (Wascher und Stechemesser, Wien Klin Wochenschr 2016). Blutzuckerselbstkontrolle soll für jeden Patienten mit Diabetes mellitus verfügbar sein. Eine wesentliche Voraussetzung für strukturierte Blutzuckermessungen ist eine adäquate Schulung. Strukturierte Blutzuckermessung wird in der Praxis durch eine Vorgabe der Messzeitpunkte und Messhäufigkeit nach Erfordernis der aktuellen individuellen Therapie umgesetzt. Wichtig

dabei ist das Erfassen sowohl von präprandialen als auch von postprandialen Blutzuckerwerten. Ein „Zuviel“ an Blutzuckermessungen sollte ebenso wie ein „Zuwenig“ vermieden werden, da beide Extreme wahrscheinlich nicht zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung beitragen können. Es macht wenig Sinn, wenn die durchgeführte Messung lediglich zu einem „Aha-Erlebnis“ ohne Konsequenz führt – oder in einem schlechten Gewissen bzw. aufgrund fehlender Interventionsmöglichkeit gar in Angst und Panik des Patienten resultiert. Die Harnzuckerkontrolle ergibt kein aktuelles Abbild des Blutzuckerwertes, sondern stellt einen Sammelwert dar. Darüber

© Syda Productions – shutterstock.com

u Die strukturierte Blutzuckerselbstmessung verbessert die Sicherheit, Lebensqualität und in vielen Fällen die glykämische Kontrolle. u Häufigkeit und Zeitpunkte der Messungen richten sich unter anderem nach dem Hypoglykämierisiko der jeweiligen Therapie.

6 DAS MEDIZINPRODUKT 05/16

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Prim. Dr. Heidemarie Abrahamian Internistische Abteilung Otto-Wagner-Spital, Wien

hinaus ergeben sich durch die Einnahme von SGLT-2-Hemmern und in der Schwangerschaft „verfälschte“ Werte. Generell stellt sich für den Patienten auch die Frage nach einer sinnvollen Konsequenz bei hoher Glukosurie.

Strukturierte Blutzuckermessungen Angepasst an das jeweilige therapeutische Regime werden Blutzuckermessungen in strukturierter Form vorgegeben, wobei das Spektrum von niedriger Intensität mit zwei Blutzuckermessungen an bestimmten Tagen bis zur hohen Intensität mit sieben oder mehr Blutzuckermessungen/Tag reichen kann. Neben der strukturierten Vorgabe von Blutzuckermessungen gibt es natürlich auch besondere Situationen, die in jedem Fall eine oder mehrere Blutzuckermessungen erfordern. Solche besonderen Situationen sind subjektiver Hypoglykämieverdacht, Erkrankungen wie virale oder bakterielle Infektion, ein operativer Eingriff, enterale oder parenterale Kortisontherapie, Schwangerschaft, Neueinstellung und Hypoglykämiewahrnehmungsstörung.

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Die Durchführung von Blutzuckerselbstmessungen macht bei jedem Typ und in jedem Stadium des Diabetes mellitus Sinn. Die individuelle Zielsetzung, der Informationsgewinn und die mögliche Konsequenz unterscheiden sich jedoch. Die Blutzuckermessstreifen werden von den Krankenkassen bezahlt. Die Quantität der zu erstattenden Messstreifen hängt sinnvollerweise von der jeweiligen Therapie ab.

Effekte von Blutzuckerselbstmessungen Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes mellitus ist die positive Auswirkung von Blutzuckerselbstmessungen auf die Blutzuckereinstellung, die Blutzuckervariabilität und die Hypoglykämiefrequenz hinreichend untersucht und belegt. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus erhebt sich die Frage, ob und welche therapieverbessernden Effekte die Blutzuckermessung haben kann (Cefalu, Diabetes Care 2013). Die Vorteile für die unterschiedlichen Therapieformen sind in der Tabelle dargestellt. Daraus ist ersichtlich, dass auch Patienten ohne medikamentöse Diabetestherapie durch den Informationsgewinn zu-

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FOKUS: DIABETES

Konklusion Blutzuckermessungen uS  trukturierte Blutzuckerselbstmessungen verbessern die Sicherheit,

L­ ebensqualität (Krankheitsbewältigung, Autonomiegewinn) und in vielen Fällen die glykämische Kontrolle uS  chulung ist erforderlich uM  esszeitpunkte und Häufigkeit der Messungen hängen von der jeweiligen Therapie ab (Hypoglykämierisiko, Anpassung der Therapie etc.) u J ede Hypoglykämiesymptomatik sollte durch eine Blutzucker-Messung überprüft werden (Ausschluss von Pseudohypoglykämien) uH  arnzuckerkontrolle hat keinen Stellenwert in der Selbstkontrolle

Anpassung der oralen Therapie Bei Patienten mit oraler Diabetestherapie stellt sich die Frage, welche medikamentösen Interventionsmöglichkeiten an die Blut-

Tab.: Nutzen von Blutzuckermessungen ­unter verschiedenen Therapieformen Lebensstil allein

OAD ohne Hypoglykämiepotenzial

OAD mit Hypoglykämiepotenzial

Hypoglykämie­bestätigung

nein

nein

ja

Hyperglykämieerkennung

ja

ja

ja

Effekte von Nahrungsmitteln

ja

ja

ja

Effekte von Bewegung

ja

ja

ja

Möglichkeit einer adäquaten Reaktion

ja

ja

ja

Titration von Medikamenten

nein

ja

ja

Informationsgewinn für den Behandler

ja

ja

ja OAD = orale Antidiabetika

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zuckermessung gekoppelt werden könnten. Dazu wurde in einer interessanten Studie (DINAMIC-1) die Effektivität von Selbstmessungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und einem flexiblen Gliclazid-MR-Schema untersucht (Barnett et al; Diabetes Obes Metab 2008). In einem prospektiven randomisierten Studiendesign wurden 610 Patienten mit einer Diabetesdauer von 2,8 Jahren, die vor Studienbeginn keine Selbstmessungen durchgeführt hatten, unter einer oralen Diabetestherapie mit Gliclazid MR eingeschlossen. Es erfolgte eine Randomisierung in zwei Gruppen, wovon nur eine in Form eines Treat-to-Target-Regimes die Gliclazid-MR-Dosierung auf einen Nüchtern-Blutzuckerwert von ≤ 126 mg/dl titrierte. Blutzuckermessungen wurden an zwei Tagen in der Woche durchgeführt, wobei ein Werktag und ein freier Tag ausgewählt wurden. Auch postprandiale Blutzuckerwerte wurden erfasst. Die Kontrollgruppe führte keine Blutzuckerselbstmessungen durch. Nach einer Beobachtungsperiode von sechs Monaten ergab sich ein signifikanter Unterschied im HbA1c-Wert zwischen den Gruppen mit einem Vorteil der Gruppe mit Selbstmessungen (6,95 versus 7,20 %). Darüber hinaus wurde durch die messtechnische Bestätigung von Hypoglykämiesymptomen ein hoher Lerneffekt für die Patienten erzielt.

Selbsttitration der Insulindosis Eine neuere, sinnvolle Option für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus, für die eine Insulintherapie notwendig geworden ist, stellt die Selbsttitration der Insulindosis auf einen bestimmten Blutzucker-Zielwert dar. Voraussetzung dafür ist die Durchführung von Blutzuckerselbstmessungen durch die betroffenen Patienten. Einfache Algorithmen ermöglichen einer großen Gruppe von Patienten eine rasche und nachhaltige Zielerreichung durch konsequente Anpassung der Insulintherapie an die gemessenen Blutzuckerwerte. Dabei wird mit einer einmal täglichen Insulindosis, zumeist abends (zum Abendessen bei MOT = misch­insulinunterstützte orale Therapie bzw. beim Zubettgehen bei BOT = basalinsulinunterstützte orale Therapie) begonnen. Diese Insulindosis zu Beginn liegt meist bei 0,1 bis 0,2 Einheiten Insulin/kg Körpergewicht, das bedeutet bei einer 100 kg schweren Person 10 bis 20 Einheiten Insulin. Die initiale Dosie-

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mindest mit einer Veränderung der Ernährung oder der körperlichen Bewegung sowohl akut als auch dauerhaft intervenieren können. Der Lerneffekt, der sich durch die Information über den aktuellen Blutzuckerwert ergibt, ist ein wichtiger Teil des therapeutischen Konzeptes und erhöht möglicherweise auch die Therapieadhärenz. Die Frage, ob Blutzuckerselbstmessungen an Anpassungsmöglichkeiten der medikamentösen Therapie gekoppelt sein müssen, um einen Effekt auf den HbA1c-Wert auszuüben, lässt sich insbesondere für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus nicht so einfach beantworten. In jedem Fall besteht die Option, den aktuellen Blutzuckerwert nichtmedikamentös durch körperliche Bewegung oder Veränderung der geplanten Mahlzeit zu beeinflussen.


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rung wird je nach darauffolgenden Nüchternblutzuckerwerten um jeweils zwei bis vier Einheiten in der Regel zweimal wöchentlich angepasst. Eine derartige Insulinstrategie unterstützt die Autonomie des Patienten, fördert den Eigenbeitrag und damit die Eigenverantwortlichkeit und trägt damit entscheidend zur Therapieadhärenz bei. Die Therapieziele sind in der Regel rascher erreicht als bei einmal wöchentlicher Anpassung der Insulindosis durch den Hausarzt.

Blutglukosesensoren Die kontinuierliche Blutzuckermessung durch Blutglukosemonitoring über mehrere Tage mittels meist extern kalibrierten Sensoren ist an bestimmte Indikationsstellungen, wie Verdacht auf nächtliche, „überschlafene“ Hypoglykämien oder vordergründig unerklärlich stark schwankende Blutzuckerwerte, gebunden. Der Informationsgewinn ist hoch und resultiert zumeist in sinnvollen therapeutischen Konsequenzen. Die sensorunterstützte Insulinpumpentherapie kommt dem Closed-Loop-System bereits sehr nahe, eignet sich jedoch nicht für alle Patienten. Neu zu bewerten sind Blutglukosesensoren, die sich pro­ blemlos und bedingungslos in den Patientenalltag integrieren lassen. Der Blutglukosesensor FreeStyle Libre ist auf einem guten Weg dorthin. Die Error-Grid-Analyse stellt den Goldstandard zur Ermittlung der Genauigkeit von Blutzuckermessgeräten dar. Sie dient der Bewertung der klinischen Genauigkeit der Blutzuckermesswerte im Vergleich zu ­einem Referenzwert. Mithilfe dieser Analyse wurden die Genauigkeit und die Stabilität dieses Blutglukosesensors bestätigt. Derzeit noch bestehende Schwächen wie schlechte Haftbarkeit des Pflasters in besonderen Situationen und allergische Hautreaktionen sind zu verbessern.

Zusammenfassung Die Evidenzlage zu Blutzuckerselbstmessungen bei Patienten ohne Insulintherapie ist kontrovers, wobei in vorliegenden Studien vor allem Auswirkungen auf Messparameter erfasst wurden. Die Wertigkeit des Autonomiegewinnes der Patienten durch die Möglichkeit der nichtmedikamentösen Intervention mittels körperlicher Aktivität und Ernährungsverhalten und der subjektive Lerneffekt werden häufig unterschätzt. Die in der Tabelle angeführten Nutzen selbst bei Patienten ohne medikamentöse Diabetestherapie rechtfertigen die Abgabe einer angemessenen Menge von Blutzuckerstreifen für alle Patienten mit Diabetes mellitus. Wünschenswert sind Blutglukosesensoren für Patienten, die allen Herausforderungen des Alltags standhalten und damit eine echte Entlastung im Diabetikerleben darstellen.  n

Literatur beim Verfasser


FOKUS: DIABETES

Dr. Michael Resl Abteilung für Innere Medizin, Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz www.barmherzige-brueder.at

Warum ist eine strenge HbA1c-Kontrolle wichtig? u Für eine effektive blutzuckersenkende Therapie konnte eine signifikante Reduktion ­mikrovaskulärer Komplikationen gezeigt werden. u Diabetes bewirkt hauptsächlich aufgrund makrovaskulärer Komplikationen einen deutlichen Verlust an Lebensjahren.

urch die zunehmende Inzidenz wie auch Prävalenz von Diabetes mellitus Typ 2 rücken die Spätkomplikationen zunehmend ins Zen­trum. Aufgrund der Tatsache, dass die Grenzwerte für die Diagnosestellung des Diabetes mellitus über den signifikanten Anstieg mikrovaskulärer Komplikationen definiert wurden, scheint ein Effekt der blutzuckersenkenden Therapie auf mikrovaskuläre Komplikationen naheliegend. Demnach kann eine effektive blutzuckersenkende Therapie sowohl eine signifikante Reduktion der Retinopathie (relative Risikoreduktion, RRR 21 %) als auch eine signifikante Reduktion der Photokoagulationsraten (RRR 23 %) bewirken. Hinsichtlich der diabetischen Nephropathie kann das Auftreten einer Mikroalbuminurie signifikant reduziert werden. Bei derzeit noch nicht ganz eindeutiger Datenlage scheint auch eine Reduktion der terminalen Niereninsuffizienz möglich.

Kardiovaskulärer Risikofaktor Abhängig vom Alter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ­bewirkt Diabetes mellitus hauptsächlich aufgrund der makrovaskulären Komplikationen einen deutlichen Verlust an Lebensjahren. Der eindeutige Zusammenhang zwischen der Hyperglykä-

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Kardiovaskuläre Outcome-Studien Für die neuen Substanzklassen (DPP-4-Hemmer, GLP-1-Analoga, SGLT-2-Hemmer) ist aufgrund der seit 2008 gültigen Vorschriften der Zulassungsbehörden eine Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit unabhängig von der Blutzuckersenkung erforderlich. Demnach wurden in der EXAMINEStudie die Effekte von Alogliptin bei Patienten unmittelbar nach einem akuten Koronarsyndrom evaluiert. Unter einer Therapie mit Alogliptin wurde eine Ereignisrate (kardiovaskulärer Tod, nichtfataler Myokardinfarkt oder Insult) von 11,3 % vs. 11,8 % unter Placebo registriert und somit die kardiovaskuläre Sicherheit dieses Medikamentes demonstriert. Hinsichtlich des Auftretens von Herzinsuffizienz zeigte sich kein Unterschied zwischen Alogliptin oder Placebo. Analog zur EXAMINE-Studie für Alogliptin wurde in TECOS die kardiovaskuläre Sicherheit von Sitagliptin dokumentiert.

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mie und dem steigenden kardiovaskulären Risiko gilt heute als belegt. Steigt das HbA1c um 1 %, so erhöht dies das Risiko, an koronarer Herzkrankheit zu erkranken oder einen zerebralen Insult zu erleiden, um 18 %. Den Daten aus der Metaanalyse der Emerging Risk Factors Collaboration entsprechend, die an beinahe 700.000 Patienten erhoben wurden, haben an Diabetes mellitus erkrankte Patienten ein zweifach erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Tod. Darüber hinaus stellt Diabetes mellitus Typ 2 einen wesentlichen Risikofaktor für rezidivierende ­Myokardinfarkte dar (45 % der an Diabetes mellitus Erkrankten vs. 19 % ohne Diabetes mellitus erleiden einen Rezidivinfarkt). Bereits im Stadium der gestörten Glukosetoleranz ist der erhöhte Blutzucker in Kombination mit der arteriellen Hypertonie und der Hyperlipidämie wesentlich an der Progredienz der prämaturen Atherosklerose beteiligt. Beispielsweise korreliert die Nüchternglukose hervorragend mit der Zahl stenosierter Koronargefäße.


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Was ist aus den Outcome-Studien zu schließen? Basierend auf den Resultaten der großen kardiovaskulären Endpunktstudien 2008 kann man davon ausgehen, dass bei bereits progredienter Atherosklerose eine intensivierte Senkung des Blutzuckers kaum eine wesentliche Reduktion makrovaskulärer Ereignisse erreichen kann. Eine frühe Diagnosestellung des Diabetes mellitus ist für die maximale Effektivität der blutzuckersenkenden Therapie zur Reduktion makrovaskulärer Ereignisse essenziell. In den kommenden Jahren sollte ein entsprechender Fokus auf das Screening gelegt werden und darüber hinaus sollten primär koronar kranke Patienten hinsichtlich des Vorliegens eines Diabetes mellitus untersucht werden. Unabhängig von der Senkung des Blutzuckers ist die kardiovaskuläre Sicherheit mittlerweile für zahlreiche Sub­ stanzen in entsprechenden Studien eindeutig dokumentiert worden. Darüber hinaus bewirkt Empagliflozin bereits nach relativ kurzer Therapiedauer von nur wenigen Monaten eine imposante Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse. Ganz rezent liegen nun auch für Liraglutid und Semaglutid positive kardiovaskuläre Endpunktstudien vor. Nicht zuletzt aufgrund der komplexen Pathophysiologie der Erkrankung muss davon ausgegangen werden, dass die Wertigkeit der einzelnen Defekte wohl individuell deutlich unterschiedlich ist. Die bereits propagierte Individualisierung der Therapie wird auch in Zukunft einen großen Stellenwert einnehmen und zu unterschiedlichsten Behandlungsstrategien führen. n

Ist Gesundheit ein Glücksspiel?

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1] Czupryniak L. et al. Self-Monitoring of Blood Glucose in Diabetes: From Evidence to Clinical Reality in Central and Eastern Europe—Recommendations from the International Central-Eastern European Expert Group. Diabetes Technology & Therapeutics 2014;16:460-75.

Gegenüber EXAMINE und TECOS nimmt die SAVORTIMI 53-Studie eine besondere Position ein. Letztlich wurde in dieser Studie zwar die kardiovaskuläre Sicherheit von Saxagliptin dokumentiert, dennoch wurde unter dieser Therapie eine erhöhte Hospitalisierungsrate aufgrund von Herzinsuffizienz beobachtet (3,5 % vs. 2,8 %; HR 1,27; KI 1,07–1,51; p = 0,007). Hinsichtlich der für die GLP-1-Analoga liegt mit der ELIXA-Studie eine neutrale Studie vor, welche die kardiovaskuläre Sicherheit von Lixisenatid dokumentiert. Im Rahmen der LEADER (Liraglutid)- als auch der SUSTAIN-6 (Semaglutid)-Studie konnten positive kardiovaskuläre Effekte von Liraglutid bzw. Semaglutid dokumentiert werden. Besonders bemerkenswert sind die Daten der im September 2015 publizierten EMPA-REG OUTCOME®-Studie. Im Rahmen dieser Studie bewirkte der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin im Vergleich zu Placebo zusätzlich zur bereits etablierten blutzuckersenkenden Therapie eine signifikante Reduktion des primären Endpunkts (kardiovaskulärer Tod, nichttödlicher Myokardinfarkt, nichttödlicher Insult) um 14 %. Im Vergleich zu den bisher durchgeführten Endpunktstudien zeigte sich bereits innerhalb weniger Monate ein positiver Effekt von Empagliflozin auf den kombinierten, kardiovaskulären Endpunkt.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei den hier angeführten Produkten um Medizinprodukte zur Anwendung für Patienten handelt. Vor Gebrauch dieser Produkte muss die Gebrauchsinformation beachtet und ärztlicher Rat eingeholt werden. *Vom Gewinnspiel sind Mitarbeiter des Gesundheitswesens ausgenommen.

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12 DAS MEDIZINPRODUKT 05/16


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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Leistungsschau der Labormedizin

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ie wissenschaftlichen Sitzungen wurden so ausgerichtet, dass sowohl der praktische klinische Nutzen, neueste Technologien, Grundlagenforschung als auch wissenschaftliche Tätigkeiten von Arbeitsgruppen und jungen Kollegen ihren Platz finden. „Mit diesem sehr breiten Zugang wollen wir nicht nur viele Themen abdecken, sondern auch die Vielfalt des Faches darstellen. Ein Schwerpunkt ist die molekularonkologische Diagnostik und die genetische Diagnostik, weil das zwei zukunftsweisende Themen sind“, gibt Tagungspräsident Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander Haushofer Einblick. ­Anlässlich der Jahrestagung findet auch heuer wieder ­ein

IM GESPRÄCH Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander Haushofer, Tagungspräsident, Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik mit Blutbank, Klinikum Wels-Grieskirchen Welche Themenschwerpunkte dürfen die Teilnehmer erwarten? Neben der molekularonkologischen und der genetischen Diagnostik widmen wir unsere Symposien unter anderem der Pharmakogenetik, dem Liquid Biotracing, den neuesten kardialen Markern, dem Thema „Labor und Psychiatrie“ und den Forschungsergebnissen junger Kollegen. Ein Spezialseminar wird sich mit Bioinformatik beschäftigen, die im Rahmen der Sequenzierung des humanen Genoms größte Bedeutung erlangt hat. Die Auswertung der großen Datenmengen, die bei NGS erzielt werden, mittels Bioinformatik ist diagnostisch- und therapieentscheidend für Patienten. Daher bieten wir anlässlich der Jahrestagung 2016 ein hochwertiges Seminar für Bioinformatik an.

Symposium der Deutschen Fachgesellschaft statt. Experten aus Liechtenstein oder Frankreich sorgen für internationalen Input.  n

© gopixa – shutterstock.com

u Die 6. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie präsentiert sich einmal mehr als umfassende Leistungsschau mit breiter klinischer und wissenschaftlicher Ausrichtung.

6. Jahrestagung der Österr. Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie 8. - 11.11.2016, Salzburg, www.kongress.oeglmkc.at

Ist die Medizinerausbildung dann noch zeitgemäß? In unserem Fach auf jeden Fall! Wir hatten erst kürzlich eine Reform, die diese Entwicklungen sehr gut berücksichtigt. Aber auch vor 20 Jahren war unsere Ausbildung schon sehr am Puls der Zeit und wurde laufend erweitert. Bereits damals gab es diese Themen, nur wurden die Absolventen vorwiegend in der Forschung damit konfrontiert. Später kam das Thema an die Universität und heute ist in vielen großen Krankenhäusern eine Spezialisierung in molekularer bzw. molekularonkologischer Diagnostik gefragt. Hat die Labormedizin Nachwuchssorgen? So wie überall in der Medizin ist der Ressourcenmangel spürbar, da ist kein Fach ausgenommen. Die Frage ist weniger, ob genug Experten ausgebildet werden, sondern eher, wohin sie nach der Ausbildung gehen, denn gerade in unserem Fach sind im Ausland die Angebote durchaus attraktiv. Wir müssen auch hier in Österreich im Bereich der medizinisch-diagnostischen Laboratorien bzw. der laboratoriumsmedizinischen Forschung interessante Möglichkeiten bieten, um die Absolventen im Land zu halten. Wann war der Kongress ein Erfolg für Sie? Wenn die Resonanz der Teilnehmer, der Vortragenden und der Aussteller entsprechend gut ist. Wir erwarten etwa 250 bis 300 Teilnehmer, das geht über unsere Mitgliederzahl hinaus.

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Wo benötigen Sie schnelle und präzise Gerinnungswerte?

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Das intelligente Blutgas-Analysesystem Im Critical-Care-Bereich haben Innovationen von Werfen GmbH immer wieder technologische Meilensteine gesetzt, wie jüngst mit dem GEM Premier 5000.

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nalysesysteme der GEM-Produktlinie messen pH-Wert, Blutgase, CO-Oxymetrie, Elektrolyte, Metabolite und vieles mehr aus nur einer einzigen Vollblutprobe. Die wartungsfreien GEM-Blutgas-Analysesysteme sind einfach, zuverlässig und bedienerfreundlich und tragen so zur Entlastung des Personals und zu einer besseren Patientenversorgung bei. Eine umfassende Qualitätssicherung ist die Basis für eine rasche und sichere Patientenversorgung. Der GEM Premier 5000 verfügt über das neue iQM2 (intelligentes Qualitätsmanagement 2) mit IntraSpectTM Technologie, das vor, während und nach der Probenanalyse Qualitätsprüfungen in Echtzeit durchführt und damit ein vollständiges Bild der Qualität jeder Probe liefert. Die Sensor- und Kassettenleistung wird durch die kontinuierliche Analyse von fünf Prozess-Kontroll-Lösungen (PKL) sichergestellt. Die PKL sind auf Primärstandards des Clinical & Laboratory Standards Institute (CLSI) und des National Institute of Standards and Technology (NIST) rückführbar. Fehler werden in

IM GESPRÄCH Dr. Hugo Stiegler, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Klinische Chemie, Transfusionsund Laboratoriumsmedizin am Universitäts­ klinikum Bergmannsheil Bochum (D), hugo.stiegler@bergmannsheil.de Welchen Stellenwert haben Blutgasanalysen in Ihrem Krankenhaus? Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und eines der größten Traumazentren im Ruhrgebiet. Die Klinik besteht aus 23 Fachbabteilungen mit insgesamt 652 Betten. Jährlich werden rund 90.000 stationäre und ambulante Patienten behandelt. Wir werden dabei mit vielen intensivpflichtigen und beatmeten Patienten, zum Teil auch mit ECMO, konfrontiert. Dadurch ist bei uns die Blutgasanalyse (BGA) eine enorm wichtige Labordiagnostik am Point of Care. Seit vielen Jahren setzen wir dazu insgesamt 15 GEM Premier 3000 und 4000 BGA-Systeme von Werfen auf den verschiedenen Intensiv-

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wenigen Minuten durch Mustererkennung automatisch identifiziert, korrigiert und dokumentiert. Eine Ausgabe von fehlerhaften Ergebnissen wird durch iQM2 verhindert. Die in sich geschlossenen GEM-Kassetten sind in 30 verschiedenen Menü- und Testvolumenkonfigurationen erhältlich, um den unterschiedlichen Bedarf verschiedener Stationen flexibel zu decken. Das wartungsfreie 1-Kassetten-System erfordert einen einzigen Kassettenwechsel pro Monat. Die Handhabung ist einfach, da alle Komponenten enthalten sind: Sensoren, optische COOX-Zelle, Lyselösung, Referenzlösung, ProzessKontroll-Lösungen, Qualitätskontrollen, Probennehmer und Abfallbehälter. Aufgrund der automatisierten Fehlererkennung und Fehlerkorrektur ist kein zusätzliches manuelles Eingreifen des Anwenders notwendig. Die Sicherheit für Anwender ist durch den GEM Premier 5000 deutlich erhöht, denn die geschlossene gekapselte Kassette minimiert das Infektionsrisiko. Ab dem Zeitpunkt der Probenzufuhr verbleibt das Patien-

stationen, in den Operations- bzw. Aufwachräumen sowie auf der interdisziplinären Notaufnahmestation ein. Alle BGA-Systeme sind über den Conworx POCcelerator als Middleware mit dem Labor- (LIS) und dem Krankenhausinformationssystem (KIS) vernetzt. Hierüber erfolgt auch die notwendige Dokumentation der Qualitätskontrollen nach den Richtlinien der deutschen Bundesärztekammer (RiliBÄK). Pro Jahr führen wir über 165.000 überwiegend arterielle Blutgasanalysen durch. Wir wissen stets, wer wie viele Analysen durchführt. Dadurch haben wir auch eine optimale Kostenkontrolle im Bereich der Blutgasanalytik. Sie haben in Ihrer Klinik den GEM Premier 5000 getestet. Was waren die wesentlichen Erkenntnisse? Wir haben auf zwei unterschiedlichen Intensivstationen mit hohem täglichem Probenaufkommen zusätzlich zu den dort bereits vorhanden BGASystemen jeweils einen GEM Premier 5000 installiert. Eine Station ist die internistische Intensivstation, die zweite ist die Herz-Thorax-chirurgische Intensivstation. Die Stationen verfügen über jeweils zehn Betten. Beide GEM Premier 5000 wurden direkt mit Inbetriebnahme an den Conworx POCcelerator angeschlossen. Somit konnten von Anfang an Patientendaten abgerufen und Messwerte an das LIS zurückübermittelt werden. Wir haben nach einer gründlichen Einarbeitung der Anwender zunächst umfangreiche Vergleichsmessungen zu den Altsystemen durchgeführt. Dazu haben wir weit über 1.000 Patientenproben im gesamten Konzentrationsbereich parallel am


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Entgeltliche Einschaltung

tenblut in der Kassette, der Anwender kommt damit nie mehr in Berührung. Zeitersparnis und Effizienzsteigerung zeichnen die 1-Kassetten-Technologie aus, denn neben der minimalen Logistik kann die Lagerung der Kassetten bei Raumtemperatur erfolgen. Mit GEMweb Plus bietet GEM Premier 5000 ein kundenorientiertes Informationsmanagement, das flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann. Die damit automatisierte Dokumentation der Qualitätssicherung unterstützt bei der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und reduziert gleichzeitig den Arbeitsaufwand. Ein integriertes WLAN überträgt drahtlos Echtzeitdaten an die Krankenhausinformationssysteme. Jeder Anwender kann mittels GEMweb Plus bei entsprechender Berechtigung auf jedes vernetzte Analysesystem zugreifen – egal ob vom PC aus oder direkt am Gerät. Die Handhabung ist sehr einfach, da sowohl am PC als auch auf den Geräten die intuitive Menüführung vollkommen identisch ist. Ins­ gesamt sorgt der GEM Premier 5000 mit iQM2 sowie GEMweb Plus für noch mehr Effizienzsteigerung bei gleichzeitig sicherer Patientenversorgung. n

Farbcodierte ­Statusleiste Konfigurierbares QuickStart-Menü Informationsfeld für iQM2 Integrierter Barcodescanner im Präsenta­ tionsmodus Beleuchteter Probeneingang Universeller Probennehmer

iQM2 mit IntraSpect™ Technologie Automatische ­Kassettenvalidierung

Werfen Österreich Tillmanngasse 5, 1220 Wien at.werfen.com

alten und neuen BGA-System vermessen. Nachdem wir uns von der Qualität der Vergleichsmessungen und der Stabilität des Gerätes überzeugt hatten, haben die Stationen die neuen Systeme unter Routinebedingungen und möglichst ohne Hilfe und Einfluss von außen auf Herz und Nieren getestet. Wir haben natürlich jederzeit Zugriff auf die Messwerte und die Qualitätskontrollen gehabt und diese ständig überprüft. Seitdem laufen auf beiden Stationen beide GEM Premier 5000 rund um die Uhr quasi im Routinebetrieb – und das ohne einen einzigen Ausfall seit mehr als vier Monaten. Wir haben eine optimale Übereinstimmung der Messwerte zwischen den alten und neuen Systemen festgestellt. War der Schulungsaufwand für die Anwender hoch? Alle Mitarbeiter waren bereits nach kurzer Einführung in der Lage, den GEM Premier 5000 fehlerfrei zu bedienen. Das liegt zum einen an der intuitiven Bedienerführung des Softwaremenüs, zum anderen an der Vorerfahrung mit den Altsystemen. Letztlich war der Schulungsaufwand minimal. Wo sehen Sie die Vorteile des GEM Premier 5000 im klinischen ­Routinebetrieb? Das System ist sehr einfach zu bedienen und kommt mit einem sehr geringen Probenvolumen für ein breites Analysenspektrum aus. Die reine Messzeit beträgt nur noch 45 Sekunden, der Zeitraum zwischen zwei Messungen

Kassettenwechsel ­einfach von vorne

lediglich zirka zwei Minuten, was eine deutliche Verkürzung um rund eine Minute im Vergleich zum GEM Premier 4000 darstellt. Ein weiterer Vorteil aus meiner Sicht ist die 1-Kassetten-Technologie. So benötigt der GEM Premier 5000 nur eine einzelne Kassette, die nun auch bereits das CVP-Material enthält, das für die Kontrolle der werkseitigen Kalibration benötigt wird. Früher musste dieses Material in Form von Ampullen separat vermessen werden. Alleine der Wegfall dieses einzigen Schrittes spart dem Anwender bis zu 20 Minuten Zeit beim Kassettenwechsel. In der Kassette und der Software sind qualitätssichernde Mechanismen enthalten, die das Resultat der Patientenprobe entscheidend verbessern. Dies ist das iQM2-System mit integriertem IntraSpect. Mit dem iQM2-System des GEM Premier 5000 findet vor, während und nach der Probenanalyse eine Qualitätssicherung statt. Sollten die Werte nicht im vorgegebenen Zielbereich liegen, wird das Ergebnis unterdrückt. IntraSpect kann während des Messvorgangs auffällige Sensorsignale wie zum Beispiel Mikrogerinnsel, Mikroluftblasen oder Interferenzen erkennen. Dadurch erhöht sich nochmals die Qualität und Patientensicherheit bei der Blutgasanalyse. Auch möchte ich noch die überarbeitete Software erwähnen. Hier kann nun über ein konfigurierbares QuickStart-Menü die Analyse mit nur einem Knopfdruck gestartet werden. Sehr positiv haben sich die Anwender auf beiden Stationen über den beleuchteten Probeneingang geäußert, der gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen in der Nacht eine fehlerfreie Probenzufuhr erlaubt.

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Metabolischer Fingerabdruck aus Speichel u Grazer Stoffwechselforscher haben einen leicht zugänglichen Marker für ­ernährungsassoziierte Regulationsprozesse identifiziert. u Damit können Speichelproben künftig als einfach zu gewinnende Proben für die Metabolomanalyse eingesetzt werden.

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ie Metabolomanalyse als wichtige Möglichkeit zur Darstellung des tatsächlichen Stoffwechselzustandsbildes bietet wichtige Chancen, um körpereigene Regulationsprozesse, die mit der Ernährung assoziiert sind, besser verstehen zu können. Forscher der Medizinischen Universität Graz ist es in Kooperation mit Wissenschaftlern der Università degli Studi di Firenze gelungen, den individuellen metabolischen Fingerabdruck im Speichel abzubilden, womit eine nicht invasive und zeitsparende Methode etabliert werden könnte.

Chancen der Metabolom-Profilierung „Das Wissen um die Stoffwechselvorgänge im Körper ist wichtig, um dadurch beispielsweise den Gesundheitszustand bzw. die Gefahr, später einmal an bestimmten Krankheiten zu erkranken, ableiten zu können“, erklärt PD Mag. Dr. Sandra Wallner-Liebmann vom Institut für Pathophysiologie und Immunologie an der Med Uni Graz. Die Metabolomanalyse ist dabei ein bestens geeignetes Verfahren der modernen Ernährungsforschung, um den menschlichen Stoffwechsel als Zusammenhang zwischen stetigem Auf- und Abbau differenziert darstellen zu können. „Die Metabolom-Profilierung bringt Chancen, aber auch Grenzen, die es im Zusammenhang mit der Ernährung immer neu zu reflektieren gilt“, fasst Wallner-Liebmann zusammen.

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Das Metabolom als Gesamtheit aller endogen produzierten sowie exogen zugeführten Stoffe wird aktuell vorwiegend durch die Kernspinresonanz (NMR) und die Massenspektromie (MS) erfasst. „Ein wichtiger Aspekt ist die Beeinflussung von Metabolitspektren in Plasma-, Urin- oder Speichelproben durch endogene wie auch zahlreiche exogene Einflüsse“, erklärt Wallner-Liebmann. Endogene Einflüsse wie der Genotyp, Geschlecht, Hormonstatus und Alter sowie exogene Einflüsse wie Ernährungsund Bewegungsverhalten und Belastungs- bzw. Krankheitsprofile nehmen direkten Einfluss auf das Metabolom. Darüber hinaus können auch Medikamente und Suchtmittel bis hin zu kulturellen Gewohnheiten metabolische Prozesse stark beeinflussen.

Ernährungsumstellung sichtbar machen Der Speichel ist eine leicht zugängliche Flüssigkeit, die sehr sensitiv den allgemeinen Gesundheitszustand widerspiegelt. Zusätzlich zeigt die Speichelsekretion auch spezifische Metabolomics-Signaturen bei unterschiedlichen Erkrankungen und Lebensstilformen. „In einer Kooperation mit der Università degli Studi di Firenze wurde das Metabolitenprofil im Speichel und Urin zur Untersuchung der Einflussnahme der Ernährung herangezogen“, berichtet Wallner-Liebmann. Beginnende messbare Veränderungen von Stoffwechselprodukten konnten bereits 24 Stunden nach dem Essen bestätigt werden. Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass bei einer standardisierten Ernährung mit Verzicht auf Kaffee und rotes Fleisch bereits nach einem Tag eine Absenkung der Metabolite Trigonellin und Trimethylaminoxid stattfindet, die beide im Zusammenhang mit Atherosklerose stehen. Somit könnten Speichelproben zukünftig als einfach zu gewinnende Proben für die Metabolomanalyse Verwendung finden. „Eine wichtige Chance der Metabolomanalyse besteht im Bereich der individuellen Lebensmittel- und Inhaltsstoffverzehranalyse. Darüber hinaus gilt es, in der Entwicklung der personalisierten Ernährung das tatsächliche Stoffwechselzustandsbild und damit auch die zugrunde liegenden Regulationsprozesse besser verstehen zu können“, resümiert Wallner-Liebmann. n Quelle: http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jproteome.5b01060

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Stoffwechselzustandsbilder weisen den Weg zu einer personalisierten Diät.


Kleine Röhrchen ganz groß Was wäre, wenn wenige Tropfen Blut genügen würden, um eine Vielzahl an Parametern zu ­analysieren? Ohne Venensuche, Stauen oder unnötiges Zubehör schnell und unkompliziert zur Blutprobe. Durch ein paar raffinierte Neuerungen erleichtert ein kleines Röhrchen ab sofort ­Anwendern und Patienten den Alltag. anchmal ist weniger mehr. Es gibt Situationen, in denen geringe Mengen an Blut ausreichen müssen, um sowohl Sicherheit als auch maximalen Komfort für Patienten zu gewährleisten, etwa bei geriatrischen Menschen oder solchen, bei denen krankheitsbedingt sehr häufig Blut entnommen werden muss, auch Verbrennungsopfer profitieren beispielsweise von dem neuen System. Vor allem bei Kindern ist eine besonders behutsame Vorgehensweise gefragt. Daher hat Greiner Bio-One das brandneue MiniCollect® Kapillarblutentnahmesystem entwickelt. Die Punktion kann entweder durch Nach-unten-Drücken der Lancelino Sicherheitslanzette auf die zu punktierende Stelle (kontaktaktivierte Sicherheitslanzette) oder durch Nach-untenDrücken des Auslöseknopfes (druckaktivierte Sicherheitslanzette) durchgeführt werden. Die Nadel wird nach der Punktion automatisch eingezogen und sicher vom Kunststoffgehäuse umschlossen. Nadelstichverletzungen sind ausgeschlossen.

© Greiner

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Kapillare statt Vene

MiniCollect® Kapillarblutentnahmesystem

Nicht immer ist es möglich, bei einem Patienten venös Blut zu entnehmen, wie etwa bei schwierigen Venenverhältnissen bei geriatrischen Patienten. Eine andere Situation liegt bei Verbrennungsopfern vor, bei denen Infektionen durch unnötig große Punktionswunden eine zusätzliche Gefahr darstellen. Auch bei Patienten mit langwierigen Erkrankungen, bei denen häufig Blutproben entnommen werden müssen, sollte das Probenvolumen bei der Entnahme auf ein Minimum beschränkt werden. Eine passende Alternative für diese Situationen bietet die Kapillarblutentnahme mit dem neuen MiniCollect® System, denn über die Kapillare kann zumeist auch in schwierigen Situationen rasch und unkompliziert Blut entnommen werden.

Die Kappen sind absolut dicht, entsprechen dem höchsten Standard und können problemlos mit der Rohrpost oder anderen Transportsystemen verschickt werden.

Integrierter Blutentnahmespatel

Entgeltliche Einschaltung

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Umständliches Überführen des Bluttropfens mit Kapillaren oder Trichtern gehört mit dem neuen MiniCollect® System ebenfalls der Vergangenheit an. Die Besonderheit ist der in die breite Röhrchenöffnung integrierte Blutentnahmespatel. Auf diese Weise kann der Bluttropfen rasch und unkompliziert in das MiniCollect® Primärröhrchen überführt und die Adhäsion minimiert werden. Die Probe kommt umgehend in Kontakt mit dem Additiv.

Kombinierte Füllvolumen Für die Zentrifugation können die MiniCollect® Röhrchen mit einer einfachen Drehbewegung in ein Premium-Trägerröhrchen eingeschraubt werden. In der Kombination entspricht die Dimension einem herkömmlichen 13 x 75 mm Röhrchenformat und kann problemlos in ein Standardrack oder eine Standardzentrifuge platziert werden. Kombinierte Füllvolumen bei EDTAund Serumröhrchen erleichtern die Probenvorbereitung. Zwei gut sichtbare Füllmarkierungen am Röhrchen sorgen für mehr Flexibilität bei der Anwendung. Die Entscheidung im Vorfeld für ein bestimmtes Volumen ist nicht mehr notwendig, wodurch sich der logistische Aufwand verringert. n

Greiner Bio-One International GmbH Bad Haller Str 32, 4550 Kremsmünster Tel: +43-7583-6791-0, www.gbo.com/preanalytics

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Robotereinsatz optimiert ­HNO-Tumoroperationen

ie Behandlung von Rachen- und Kehlkopftumoren stellt eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar: Einerseits ist es wichtig, mit größtmöglicher Sicherheit eine Tumorentfernung zu erreichen, andererseits sind Funktionen wie Schlucken, Sprechen und Schmecken bestmöglich zu erhalten. Als Therapie gibt es einerseits die chirurgische Möglichkeit der Tumorentfernung von außen über den Hals oder die Operation über den Mund, andererseits die Bestrahlung des Tumors. Bei den chirurgischen Eingriffen wurden bisher hauptsächlich Operationen mit Laser über den Mund durchgeführt. Seit zwei Jahren wird an der HNO-Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz der hauseigene DaVinci-Operationsroboter bei ausgewählten Rachentumoren eingesetzt. Während diese Methode in den USA und anderen europäischen Ländern bereits häufiger angewandt wird, ist dieses Vorgehen österreichweit bisher einzigartig. Das HNO-Operationsteam besteht dabei aus zwei Chirurgen und dem DaVinci Robotersystem. Während des Eingriffs sitzt der Operateur an der Steuerungskonsole und bedient die Roboterarme. Der zweite ­Chirurg befindet sich beim Kopf des Patienten, wo er dem ­Operateur assistiert. Die drei filigranen Roboterarme sind in

Patient Gerhard Neubauer wurde von OA Dr. Andreas Strobl erfolgreich mit dem DaVinci-Roboter von einem Zungengrundkarzinom befreit.

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den Mund des Patienten eingebracht. Ein Kameraarm überträgt ein optimiertes Bild auf den Schirm des Operateurs. Die beiden anderen Arme dienen dem Chirurgen als Präparationsund Schneidewerkzeug. „Die Methode bietet gegenüber der Laserchirurgie mehrere Vorteile: Operieren in Vierhandtechnik ist trotz des im Mund naturgemäß sehr begrenzten Raumes möglich. Das steigert die Genauigkeit und senkt damit die Nachblutungswahrscheinlichkeit“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian, Vorstand der HNO-Abteilung und des Kopf-Hals Tumorzentrums der Barmherzigen Schwestern Linz. Er hat die innovative Technik eingeführt und in seinem HNO-Team mehrere Spezialisten in der Robotermethode ausgebildet. OA Dr. Andreas Strobl ist bereits erfahrener Nutzer der neuen Technik. „Ein wichtiges Kriterium beim Operieren ist die gute Übersicht, die durch die Kamera und die zarten Werkzeuge gewährleistet ist. Bei der Laserchirurgie habe ich das Operationsgebiet immer nur ausschnittsweise im Blick. Das macht es schwierig, zu beurteilen, ob der Tumor vollständig entfernt wurde, was natürlich bei Krebs entscheidend ist. Die durch den Roboter stark verbesserte ‚En bloc-Resektion‘ erleichtert auch dem Pathologen die Beurteilung ganz wesentlich“, so Strobl.  n

HNO-Operation mit dem DaVinci-Roboter. Drei platz­ sparende Roboterarme werden in die Mundhöhle eingebracht und vom Operateur ferngesteuert.

Der Operateur im Hintergrund steuert über die Konsole die Roboterarme. Direkt am Kopf assistiert ein zweiter Chirurg.

© BHS Linz/Herbe

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© Cochlear™

u An der HNO-Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz wurden bisher 20 Patienten mit HNO-Tumoren mithilfe des DaVinci-Roboters operiert. u Operieren in Vierhandtechnik ist trotz des im Mund naturgemäß sehr begrenzten Raumes möglich. Sicherheit und Behandlungskomfort sind hoch.


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Über die Grenzen des Machbaren Seit der Gründung im Jahr 1981 hat sich Cochlear™ als globaler Marktführer auf dem Gebiet ­innovativer implantierbarer Hörlösungen etabliert. Über 450.000 Menschen in mehr als 100 Ländern weltweit sind mittlerweile durch eines der Hörsysteme aus dem Hause Cochlear™ versorgt. Produkte, die überzeugen

© Cochlear™

Der neueste Soundprozessor KansoTM ist besonders klein und diskret.

8,6 g leicht mit einem 3,9 mm ­ dünnen Profil-Implantatkörper: Das neue Nucleus Profile Implantat mit Slim Modiolar-Elektrodenträger (CI532)

E © BHS Linz/Herbe

ine konsequente Ausrichtung auf innovative Produkte und Services, eine Vielzahl an aktuellen Produktentwicklungen sowie ein Team aus visionären Führungskräften und engagierten Mitarbeitern bieten die bestmögliche Versorgung für Menschen mit Hörverlust. Die Meilensteine der Produktentwicklung können sich mehr als sehen lassen: 1998 eroberte der erste Mehrkanal-HdO-Soundprozessor den Markt, nur zwei Jahre später wurde der perimodiolare Nucleus 24 Contour Elektrodenträger präsentiert.

Entgeltliche Einschaltung

Investitionen in den Fortschritt Mit den Übernahmen von Philips Hearing Instruments, Entific Medical Systems und zuletzt im Jahr 2012 der Hörtechniksparte des US-Unternehmens Otologics LLC werden der Forschungsstandort Europa und das Produktportfolio laufend erweitert. Als technologischer Marktführer investiert Cochlear™ etwa doppelt so viel wie der Branchendurchschnitt und schafft ergebnisorientierte Innovationen, die den Markt prägen. Hand in Hand mit den Produkten zur Verbesserung der Hörergebnisse sind es aber auch Prozesse und Service, die Cochlear™ laufend optimiert.

Kanso™ ist der neueste Soundprozessor von Cochlear. Er ist klein und diskret, denn die auf viele Haarfarben abgestimmten Modelle machen ihn fast unsichtbar. Zudem ist Kanso™ einfach zu bedienen, ohne dass dies auf Kosten der Hörleistung geht. Nach dem Drücken der Ein/Aus-Taste wird er am Kopf angelegt, alles Weitere übernimmt die Cochlear Nucleus® 6 Technologie für den Träger. Der KansoTM ist als einziger am Kopf getragener Soundprozessor mit SmartSound® iQ mit SCAN und mit zwei Mikrofonen ausgestattet. Damit ist Sprache k­ larer und deutlicher zu verstehen, besonders in lauten Umgebungen.

Restgehör erhalten Die neueste technische Entwicklung vereint die weltweit dünnste Elektrode in voller Länge mit den chirurgischen und kosmetischen Vorteilen eines dünnen Cochlea Implantatkörpers: eine 0,5 mm dünne Elektrode mit dem Designziel, das Restgehör zu erhalten und so bessere Hörergebnisse zu erzielen. Das Nucleus® Profile mit Slim-Modiolar-Elektrodenträger (CI532) sollte einen Vorteil für den Restgehörerhalt von ­Cochlea-Implantat-Kandidaten bringen. Durch den verringerten Durchmesser werden die Strukturen in der Cochlea geschont. Zum Einsetzen ist eine neuartige Insertionstechnik erforderlich, die in Österreich erstmals von Prim. Univ.-Prof. Dr. Georg Sprinzl am Universitätsklinikum St. Pölten durchgeführt wurde. Die Elektrode wird nah an der knöchernen, kegelförmigen Achse der Hörschnecke gesetzt. Durch die Nähe zum Nerv wird weniger Strom zur Stimulierung benötigt und bessere Hörergebnisse werden erwartet. Die ersten klinischen Studien starteten im Herbst 2015. Insgesamt wurden mittlerweile global rund 500 Implantate gesetzt. n

Cochlear Austria GmbH Handelskai 94-96/45, 1200 Wien www.cochlear.at

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MR Dr. Wilhelm Streinzer Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Wien HNO-Bundesfachgruppenobmann der Österr. Ärztekammer

Mandelentfernung: OP-Frequenz rückläufig

© privat

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u Aktuelle Änderungen bei der OP-Indikation und der OP-Technik führen zu weniger Komplikationen, vor allem bei Kindern. u In der präoperativen Diagnostik erhielten Aufdeckungen von Blutungsneigungen einen höheren Stellenwert. Vorfeld des 60. Österreichischen HNO-Kongresses, der kürzlich in Villach stattfand, Einblick. In einigen Prozenten der operierten Patienten kann es zu Nachblutungen bei Abstoßung der Wundbeläge oder durch Aufplatzen von Gefäßen kommen. Von diesen Nachblutungen kann eine lebensgefährliche Bedrohung durch starken Blutverlust oder durch Verlegung der Atemwege ausgehen. In den Jahren 2006 und 2007 starben insgesamt fünf Kinder unter sechs Jahren nach Mandeloperationen. „Diese tragischen Todesfälle führten zu Änderungen hinsichtlich OP-Indikation und OP-Technik und einem deutlichen Rückgang der Operationen“, so Streinzer.

Rasche Reaktion

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ingriffe am lymphatischen System im HNO-Bereich sind in den westlichen Industrieländern rückläufig – besonders stark in Österreich und hier vor allem bei Kindern. Bei der Adenotomie liegt der Rückgang der Operationsfrequenz seit 2002 bei 40 Prozent, bei der Tonsillektomie sogar bei 62 Prozent über alle Altersgruppen. Bei Personen über einem Alter von 15 Jahren wurden um 37 Prozent weniger Mandeloperationen durchgeführt, bei Kindern zwischen sechs und 15 Jahren um 56 Prozent weniger und bei Kindern bis fünf Jahren sogar 87 Prozent. „OP-Frequenzen in Ungarn und Tschechien sind hoch, in Italien und der Schweiz niedrig, Österreich nähert sich durch den OP-Frequenzrückgang immer mehr Deutschland an“, gibt HNO-Facharzt MR Dr. Wilhelm Streinzer im

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Empfohlen wird, bei Kindern vor dem sechsten Lebensjahr keine Tonsillektomie, sondern eine Tonsillotomie oder eine Adenoidektomie durchzuführen. „Bei Erwachsenen sollten keine Mandeloperationen bei Zustand nach Abszess bei unauffälligen Mandeln und keine Mandeloperationen bei bloßem Verdacht auf einen Krankheitsherd durchgeführt werden“, so Streizner. Die intraoperativen Blutstillungsverfahren wurden geändert und in der präoperativen Diagnostik erhielten Aufdeckungen von Blutungsneigungen einen höheren Stellenwert. n

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Bei Kindern vor dem sechsten Lebensjahr wird eine Tonsillotomie oder eine Adenoidektomie empfohlen.

Bereits im Jahr 2007 veröffentlichten die Österreichischen Gesellschaften für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und für Kinder- und Jugendheilkunde eine gemeinsame Empfehlung zur Entfernung der Gaumenmandeln. Darin sind drei Hauptindikationen zur Entfernung der Gaumenmandeln bei Kindern definiert: 1.  Starke Vergrößerung (Hyperplasie) der Gaumenmandeln mit Luftwegeobstruktion 2. Wiederholte, schwere Infektionen der Gaumenmandeln 3. Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Gaumenmandeln


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Univ.-Doz. Dr. Claus Pototschnig, MSc Geschäftsführender Oberarzt, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Medizinischen Universität Innsbruck www.i-med.ac.at

Stimmlippenlähmung:

Therapie via Schrittmacher u Österreichs Forscher sind an der Entwicklung eines Kehlkopfschrittmachers maßgeblich beteiligt. u In der ersten Studie wurde bisher nur eine Seite des Kehlkopfs elektrisch stimuliert. u In einer weiteren Studie soll nun eine größere Patientengruppe das Implantat erhalten und auch beidseitig versorgt werden.

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und 1.000 Patienten in Österreich und Deutschland erkranken jährlich an beidseitiger Stimmlippenlähmung. Ende der 90erJahre versuchten erste Forschungsgruppen, durch künstliche elektrische Stimulation die Funktion des Kehlkopfs wiederherzustellen. Erst in den letzten Jahren gelang einer österreichischdeutschen Forschungsgruppe der Durchbruch mit der Entwicklung des Kehlkopfschrittmachers. „Ende 2012 konnten wir gemeinsam an den Universitätskliniken Innsbruck, Würzburg und Klinikum Gera in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Hörimplantathersteller MED-EL den weltweit ersten funktionsfähigen Nervenstimulator für Stimmlippenlähmungen am Patienten erfolgreich einsetzen“, gibt Univ.-Doz. Dr. Claus Pototschnig, MSc, geschäftsführender Oberarzt, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Medizinischen Universität Innsbruck, Einblick. Inzwischen wurde eine erste Humanstudie erfolgreich abgeschlossen. Unter den Studienteilnehmern gab es Patienten, die bereits mit einem Luftröhrenschnitt versorgt waren. Dieser konnte bei den Betroffenen dank des Implantats dauerhaft verschlossen werden. Die Erwartungen an den Kehlkopfschrittmacher sind hoch: eine wesentliche Verbesserung der Atmung, ohne dabei die Stimme zu beeinträchtigen, sowie eine bedeutende Steigerung der Lebensqualität durch die verbesserte Belastungsfähigkeit und eine Reduktion von Begleiterkrankungen der Patienten.

Sicherheit und Wirksamkeit nachgewiesen Das neu entwickelte Implantat wird am Brustbein unter die Haut implantiert und stimuliert über spezielle Elektroden die Kehlkopfnerven. So öffnen sich über die zugehörigen Muskeln eine oder beide Stimmlippen, abhängig von der individuellen Patientensituation. Die richtigen Informationen und Energie erhält das Implantat über einen externen Prozessor, der per Magnet über dem Implantat auf der Haut haftet und induktiv Daten überträgt, ähnlich einem Cochlea-Implantat. Zusätzlich wurde eine eigene,

Das Implantat wird am Brustbein unter die Haut implantiert und stimuliert über spezielle Elektroden die Kehlkopfnerven.

geringinvasive Implantationstechnik entwickelt und erfolgreich eingesetzt. Betroffene können zudem bereits vor einer Implantation getestet werden, um herauszufinden, ob ihnen das Implantatsystem helfen wird. In der ersten Studie wurde bei Patienten nur eine Seite des Kehlkopfs elektrisch stimuliert. Die Sicherheit des Schrittmachers und dessen Wirksamkeit konnten bereits nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie sollen die festgestellten positiven Trends anhand einer größeren Patientengruppe bestätigt werden. Zukünftig sollen Patienten auch beidseitig versorgt werden. Der Schrittmacher wird nun weiter optimiert, um in einer größer angelegten Studie getestet werden zu können. Die Universitätskliniken Wien, Graz, Mannheim, Berlin und Stuttgart wurden als neue Partner gewonnen. Bestätigt sich bei weiteren Implantationen der Erfolg des Schrittmachers, ist davon auszugehen, dass viele Patienten wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können und ihre Lebensqualität erheblich verbessert wird. Um einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten, ist geplant, die Implantation nur in spezialisierten Zentren anzubieten. n

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Im Gleichklang mit dem natürlichen Hören Die Lösungen von MED-EL ermöglichen es, Gehörlosigkeit als Kommunikationsbarriere zu überwinden und eröffnen den Patienten eine neue Lebensqualität. Die Produkte überzeugen durch Benutzerkomfort, Leistung und Zuverlässigkeit. MED-EL bietet mit dem Cochlea-Implantatsystem MAESTRO™,­ dem EAS™ System für kombinierte elektrisch-akustische Stimulation, dem Mittelohr-Implantat-System VIBRANT ­ SOUNDBRIDGE™, dem Hirnstammimplantat (ABI) und der Bonebridge™ die umfangreichste Auswahl an Hörimplantatsystemen. Der Bedarf weltweit ist nach wie vor hoch: Derzeit erhalten weniger als 10 Prozent der neu ertaubten Menschen ein Implantat, obwohl ihre Lebensqualität dadurch stark verbessert werden könnte. In den bestentwickelten Ländern werden jährlich rund 25 Cochlea-Implantate pro Million Einwohner eingesetzt, in anderen Regionen sind es nur fünf oder weniger. Produkte von MED-EL, dem technologisch führenden Unternehmen auf dem Gebiet implantierbarer Hörlösungen, sind das Ergebnis von fast 40 Jahren Forschung und des Bemühens der Unternehmensgründer, nach Höchstleistungen zu streben. Doch nicht nur der Blick zurück auf die bereits erfolgreich am Markt eingeführten Innovationen stand kürzlich im Mittelpunkt eines Satellitensymposiums, das im Rahmen des 58. Österreichischen HNO-Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheil-

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kunde, Kopf- und Halschirurgie stattfand. Österreichs Technologieführer MED-EL hat Vertreter aus Medizin und Forschung eingeladen, um über die jüngsten Entwicklungen aus der chi­ rurgischen Praxis sowie bessere Vernetzungsmöglichkeiten zwischen den Fachleuten zu diskutieren. Gleichzeitig wurde erstmals in Österreich die jüngste Innovation im Bereich der Cochlea-Implantatsysteme, das SYNCHRONY, vorgestellt.

Weltneuheut am HNO-Kongress: SYNCHRONY SYNCHRONY ist derzeit das kleinste und leichteste am Markt erhältliche Cochlea-Implantatsystem, das bei schwerer bis hochgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit eingesetzt wird. Indem die Nervenzellen entlang der Cochlea elektrisch ­stimuliert werden, während die nicht funktionierenden Teile des Innenohres umgangen werden, wird versucht, ein möglichst natürliches Hören wiederherzustellen. DI Ewald Thurner, Area Manager MED-EL Wien, sieht das SYNCHRONY Cochlea-Implantatsystem als einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte: „MRT-Untersuchungen nehmen in


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der Medizin einen zunehmend hohen Stellenwert ein und müssen bei der Implantatentwicklung berücksichtigt werden. Bonebridge und VIBRANT SOUNDBRIDGE waren bereits für MRT 1,5 Tesla zugelassen, SYNCHRONY schafft nun 3 Tesla. Das ist eine Weltneuheit.“ Möglich gemacht werden die MRT-Scans von bis zu 3 Tesla durch ein drehbares und selbstjustierendes Design des internen Magneten, sodass er vor der Untersuchung nicht entfernt werden muss. Damit sind die MRT-Untersuchungen für radiologische Institute einfach und sicher durchzuführen. Zusätzliche Operationen werden vermieden, bei der Untersuchung selbst ist weder ein Druckverband erforderlich, noch kommt es zu Hörunterbrechungen für den Patienten. Wartezeiten nach erfolgter Erstimplantation sind nicht erforderlich. Ein zusätzliches Handbuch, der persönliche Implantatpass mit MRT-Informationen in Landessprache sowie ein einseitiges „Kochrezept“ für die Untersuchungen selbst sorgen für noch mehr Sicherheit bei Anwendern und Trägern.

Entgeltliche Einschaltung

Operationstechniken maximal unterstützen Innovative Produkte allein machen aber noch keine umfassende Lösung aus, wie sie MED-EL für Patienten und Mediziner anbietet. „Das Hörvermögen ist immer eine Kombination aus Technologie, Training und Operationstechniken, die sicherstellen, dass die neuronalen Strukturen im Ohr beim Einsetzen von Implantaten nicht verletzt werden. Speziell bei Kindern, denen unter Umständen noch weitere Reimplantationen im Laufe ihres Lebens bevorstehen, ist der Schutz dieser Strukturen wichtig“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Leiter der Abteilung für Allgemeine Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Wiener AKH, ebenfalls am diesjährigen HNO-Kongress. Warum das Hörvermögen für Implantatträger so wichtig ist, beschreibt der Experte so: „Je besser neuronale Strukturen erhalten bleiben, desto eher können Patienten von künftigen

VIBRANT SOUNDBRIDGE: Eine Erfolgsgeschichte 1987: Geoffrey Ball, selbst von Hörbeeinträchtigungen betroffen, beginnt, für Prof. Dr. L. Goode an der Standford University zu forschen. Die Experten arbeiten am Laser Doppler Vibrometer, um ein optimales Vibrationsverhalten zu erreichen und dieses Wissen bei MittelohrImplantaten einsetzen zu können. 1992: Geoffrey Ball baut die ersten funktionierenden Floating Mass Transducers (FMTs), die in Felsenbeinen getestet werden. Zwei Jahre später wird die erste Generation dieses Mittelohr-Implantatsystems produziert. 1996: Der weltweit erste Patient wird implantiert 1998: Die VIBRANT SOUNDBRIDGE erhält die Zulassung (CE-Mark) in ­Europa und wird erstmals am AKH Wien implantiert. 2003: MED-EL übernimmt Symphonix und bringt die Technologie nach Innsbruck. 2007: CE-Zertifizierung auch für Schallleitungs- und kombinierten Hörverlust 2014: Neue SOUNDBRIDGE-Generation in Europa – VORP 503, neue Vibroplasty Couplers und SAMBA Audio Prozessor 2016: VIBRANT SOUNDBRIDGE aktuelle Generation aus einem extern getragenen Audioprozessor (SAMBA) und einem chirurgisch eingesetzten Implantat (VORP 503 mit FMT). Durch das spezielle Design der SOUNDBRIDGE lassen sich verschiedene Formen und Schweregrade eines Hörverlusts nicht nur äußerst flexibel kompensieren, sondern es wird auch eine natürliche Klangqualität von Sprache und Tönen erzielt.

Facts & Figures MED-EL Medical Electronics mit Hauptsitz in Innsbruck ist führender Anbieter für Hörimplantatsysteme. Das von DI Dr. Ingeborg und Prof. Dr. Erwin Hochmair gegründete Familienunternehmen zählt zu den Pionieren der Branche. Das von ihnen entwickelte weltweit erste mikroelektronische MehrkanalCochlea-Implantat wurde am 16. Dezember 1977 vom Chirurgen Prof. Kurt Burian einem Patienten eingesetzt. Seither wird kontinuierlich die Vision der Unternehmensgründer, mit innovativer Medizintechnik Hörverlust zu überwinden, den Menschen ihre Forschung zunutze zu machen und ihnen so die Welt des Hörens zu erschließen, in die Praxis umgesetzt. MED-EL bietet derzeit die breiteste Produktpalette implantierbarer Lösungen für Menschen mit Hörverlust an. Kontinuierliche hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung stehen an erster Stelle. Derzeit ist MED-EL in 111 Ländern vertreten. Über 95 Prozent der Hörimplantate werden exportiert und von rund 2.000 HNO-Kliniken weltweit abgenommen. MED-EL ist nach wie vor ein Privatunternehmen und eigentümer­geführt. Die Forschungsquote beträgt zwischen 15 und 20% vom Umsatz.

Therapien profitieren.“ Weiters können Patienten mit einem Restgehör oft noch niederfrequente Töne hören, sodass in Kombination mit dem Cochlea-Implantat dem natürlichen Hör­erleben sehr nahe gekommen wird. MED-EL unterstützt Operateure durch laufende Verbesserungen beim Elektrodendesign. Weiche und flexible Elektroden garantieren, dass während der Implantation die empfindlichen Strukturen der Cochlea erhalten bleiben. Zusätzlich unterstützt MED-EL operierende Ärzte durch Trainings und Workshops zur Perfektionierung ihrer OP-Technik.  n

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Interventionelle Schlaganfalltherapie u Interventionelle Neuroradiologen setzen zunehmend auf hoch spezialisierte Verfahren in der Schlaganfalltherapie. u Die mechanische Thombektomie erreicht Wiedereröffnungsraten von Gefäßen von 70 bis 90 Prozent.

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ährlich erleiden rund 25.000 Österreicher einen Schlaganfall. Gemeinsam mit dem Herzinfarkt zählt er somit zu den häufigsten Todesursachen. Die meisten Patienten erholen sich dank der enorm verbesserten Therapiemöglichkeiten wieder, aber zwei Drittel bleiben dennoch mäßig bis stark beeinträchtigt. Dies verursacht hohe Folgekosten, die in Europa ca. 26 Milliarden Euro pro Jahr ausmachen. „Als Risikofaktoren gelten Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Übergewicht und das Rauchen. Männer haben grundsätzlich ein höheres Schlaganfallrisiko als Frauen und auch mit steigendem Alter kommt es zu einem deutlichen Anstieg des Risikos. In 85 Prozent der Fälle wird der Schlaganfall durch ein verstopftes Gehirngefäß verursacht“, erklärt Prof. Dr. Hannes Deutschmann, Abteilungsleiter der klinischen Abteilung für Neuroradiologie, vaskuläre und interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik für Radiologie der Medizinischen Universität Graz.

Vier Fragen entscheiden Thromben stammen meist aus dem Herzen oder lösen sich von Ablagerungen an einer verengten Halsschlagader, von wo aus sie mit dem Blutstrom ins Gehirn verschleppt werden. Die Blutgerinnsel führen dann im Gehirn zu einer Minderversorgung mit Sauerstoff und in Folge zum Absterben des betreffenden Hirnareales. Pro Stunde gehen so ca. 120 Millionen Gehirnzellen zugrunde. Die rasche Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung des Gehirns durch Auflösung oder Entfernung des Gerinnsels ist dabei von größter Wichtigkeit und führt zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität und geringeren Sterblichkeit der Patienten. Prim. Dr. Johannes Trenkler, Vorstand am Institut für Neuro­ radiologie des Kepler Universitätsklinikums Linz, nennt vor allem vier Fragen, die gestellt werden müssen und die für das Überleben des Patienten und möglichst geringe Folgeschäden unabdingbar sind: „Liegt eine Hirnblutung vor? Besteht ein akuter Gefäßverschluss, der behandelt werden könnte? Ist bereits ein Hirninfarkt – also nicht mehr zu rettendes Gewebe – sichtbar? Ist noch zu rettendes Hirngewebe vorhanden?” Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können diese Fragen in kurzer Zeit beantwortet werden. Die Untersuchungsdauer beläuft sich auf maximal 20 Minuten, wobei jenes Verfahren eingesetzt werden sollte, das am schnellsten verfügbar ist.

Die Behandlung von Schlaganfällen ändert sich zurzeit deutlich. Interventionelle Neuroradiologen setzen hochspezialisierte Verfahren bei minimalinvasiven Eingriffen therapeutisch ein und entwickeln diese laufend weiter. „Seit der Publikation von fünf randomisierten multizentrisch kontrollierten Studien im ersten Halbjahr 2015 besteht höchste Evidenz, dass die angiografische Katheter-geführte mechanische Thrombektomie die Standardtherapie für diese schwer betroffenen Schlaganfallpatienten darstellt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Elke R. Gizewski, Geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Radiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

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© Ass. Prof. PD Dr. Florian Wolf,Medizinische Universität Wien

Fortschritte bei Behandlung


Prim. Dr. Johannes Trenkler Vorstand am Institut für Neuroradiologie des Kepler Universitätsklinikums Linz Univ.-Prof. Dr. Elke R. Gizewski Geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Radiologie an der ­Medizinischen Universität Innsbruck

Wichtige Faktoren sind vor allem die Größe des Blutgerinnsels und der Ort des Gefäßverschlusses, um zu entscheiden, ob das Gerinnsel noch mittels eines über die Vene verabreichten Medikaments auflösbar ist oder ob nur ein Eingriff auf dem Gefäßweg mit mechanischer Entfernung des Thrombus noch helfen kann. Blutgerinnsel, die länger als acht Millimeter sind, lassen sich medikamentös nicht mehr auflösen. In diesen Fällen ist es notwendig, mithilfe spezieller maschendrahtartiger Körbchen den Thrombus aus dem Gefäß zu ziehen.

Elf Zentren mit hoher Expertise Mittels Thrombektomie werden Wiedereröffnungsraten des verstopften Gefäßes von 70 bis 90 Prozent erreicht und die Wahrscheinlichkeit, den Schlaganfall nur mit minimalen neurologischen Ausfällen zu überleben, ist gegenüber der medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels um mehr als das Doppelte erhöht. Dieser technisch anspruchsvolle Eingriff wird in Österreich in spezialisierten interventionellen Zentren überwiegend von Radiologen durchgeführt, wobei die meisten Zentren auf eine schon langjährige Expertise in der Behandlung von anderen Hirngefäßerkrankungen mittels Kathetertechnik zurückgreifen können.

Derzeit gibt es elf Zentren, in denen die interventionelle Schlaganfalltherapie routinemäßig durchgeführt werden kann. Neben einer entsprechenden Geräteausstattung, bedarf es eines interdisziplinären Teams aus Neurologen, interventionell tätigen Radiologen bzw. Neuroradiologen, Anästhesisten oder Intensivmedizinern und Neurochirurgen für die optimale und rasche Behandlung dieser schwer betroffenen Schlaganfallpatienten. Diese Zentren müssen in der Lage sein, die interventionelle Schlaganfalltherapie sieben Tage die Woche rund um die Uhr durchführen zu können; das bedeutet mindestens fünf Radiologen bzw. Neuroradiologen mit Expertise in der Durchführung der mechanischen Thrombektomie pro Zentrum. Österreichische neurologische und radiologische Fachgesellschaften haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme den internationalen Richtlinien zur Durchführung der mechanischen Thrombektomie beim Schlaganfall angeschlossen und empfehlen, ausgewählte Schlaganfallpatienten nach diesen Kriterien zu behandeln. Sie wollen gemeinsam mit Gesundheitsbehörden und -anbietern die interventionellen Zentren strukturell und qualitativ weiterentwickeln, um die Schlaganfallpatienten besser versorgen zu können. n Quelle: ÖRG – Österreichische Röntgengesellschaft, www.oerg.at

Kopf-Hals-Tumore:

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OP verhindern? Etwa fünf Prozent aller Krebserkrankungen treten in der Schleimhaut von Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf auf. „Diese Kopf-Hals-Tumore bilden häufig Metastasen in den Lymphknoten im Halsbereich“, erläutert Professor Dr. Matthias Schmidt von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Köln. In diesem Fall gehört die chirurgische Entfernung aller Lymphknoten einschließlich der umgebenden Weichteile am Hals zur Behandlung. Diese Neck-Dissection kann durch Nervenverletzungen zu Komplikationen führen und auch dauerhafte kosmetische Einschränkungen im Halsbereich können verursacht werden. Seit Längerem ist bekannt, dass viele Patienten gar keine Neck-Dissection benötigen. Denn Bestrahlungen und Chemotherapie, die zur Krebsbehandlung gehören, können auch die Metastasen in den Lymphdrüsen zerstören. Es war jedoch lange Zeit nicht möglich, diesen Behandlungserfolg ohne die Entfernung der Lymphknoten mit anschließender feingeweblicher Untersuchung durch den Pathologen nachzuweisen, wie eine britische Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, zeigt.

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Univ.-Prof. Dr. Jens Meier Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin Med. Fakultät der Johannes-Kepler-Universität Linz jens.meier@akh.linz.at

Die unheilvolle Trias:

Blutung, Anämie & Transfusion

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ommt es im Rahmen eines operativen Eingriffs zu einer Blutung, so wird das verlorene Blutvolumen primär meist mit azellulären Lösungen ersetzt. Ziel ist die Aufrechterhaltung einer Normovolämie. Folge dieses Vorgehens ist eine Verdünnung sämtlicher Blutbestandteile, eine sogenannte Hämodilution mit konsekutiver Anämie. Diese Anämie kann bis zu einem gewissen Ausmaß vom Organismus toleriert werden. Überschreitet die Anämie allerdings die Kompensationsgrenzen des Organismus, droht eine generalisierte Gewebehypoxie. Um dies zu vermeiden, wird vor Erreichen dieser Gewebehypoxie mit der Transfusion von allogenen Blutkonserven begonnen. Was vordergründig wie die logische Abfolge einzelner therapeutischer Schritte klingt, ist in Wahrheit ein entscheidender Baustein für ein erfolgreiches perioperatives Outcome. In den letzten Jahren konnte vielfach gezeigt werden, dass sowohl das Ausmaß der perioperativen Blutung, das Ausmaß der perioperativen Anämie wie auch die Anzahl der transfundierten Blutprodukte unabhängige Risikofaktoren für perioperative Morbidität und Mortalität sind. Das Ziel eines ganzheitlichen therapeutischen Ansatzes kann also nicht sein, einen der drei Risikofaktoren dadurch zu reduzieren, dass man einen anderen billigend in Kauf nimmt, sondern es muss im Rahmen einer Operation immer darauf geachtet werden, dass sowohl die Blutungsmenge als auch das Auftreten einer Anämie und die Transfusion von Fremdblut so weit wie möglich reduziert werden. Was auf den ersten Blick drei konkurrierende Ziele sind, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als extrem wirkungsvolle Möglichkeit, Morbidität und Mortalität eines operativen Eingriffs zu verbessern. Die Kombination der einzelnen Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann, wird seit

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2007 als „Patient Blood Management“ (PBM) bezeichnet. Das Konzept besteht aus drei Säulen: der Optimierung des Erythrozytenvolumens, der Minimierung des Blutverlusts und der Ausnützung der Anämietoleranz mit strenger Indikationsstellung zur Transfusion. Während die zweite und die dritte Säule an vielen Krankenhäusern bereits in unterschiedlichem Ausmaß etabliert sind, wird die erste Säule nur relativ selten regelhaft umgesetzt. Grund ist die notwendige Umstrukturierung des Prozesses der Patientenvorbereitung auf den Eingriff. Die präoperative Optimierung des Erythro­ zytenvolumens setzt nämlich voraus, dass für die notwendigen Untersuchungen ein angemessener Zeitrahmen von bis zu vier Wochen vor dem Eingriff zur Verfügung steht. Allerdings ist die frühzeitige Detektion einer präoperativen Anämie wahrscheinlich eine der wichtigsten und effektivsten Maßnahmen des PBM.  n

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u Patient Blood Management (PBM) ist eine zentrale Strategie zur Vermeidung von Anämie, Blutung und Transfusion. u Die Optimierung des Erythrozytenvolumens wird noch nicht standardisiert umgesetzt, da sie neue Prozesse der Patientenvorbereitung erforderlich macht.

2 DFP Punkte

DFP-Literaturfortbildung Dieser Bericht beinhaltet einen Teilaspekt aus dem DFP-Beitrag „Bedeutung der Eisentherapie im Rahmen des Patienten-Blood-Managements“, erschienen in „die PUNKTE Innere Medizin“ 1/2015 bzw. auf www. meindfp.at oder www.diepunkte.at. Sie erhalten zwei DFP-Punkte durch die Beantwortung des dazugehörigen Fragebogens.


Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI)

Schonend und sicher Die transkathetergeführte Aortenklappenimplantation (TAVI) wird derzeit bei inoperablen Patienten und Patienten mit hohem Operationsrisiko angewandt. Künftig ist der Einsatz auch bei Patienten mit mittlerem Risiko möglich.

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ufgrund der demografischen Entwicklungen werden im Jahr 2020 in Österreich etwa 22.000 Menschen an einer hochgradig wirksamen Aortenstenose (AS) erkrankt sein. Von einer behandlungsbedürftigen AS spricht man ab einer Klappenöffnungsfläche ≤ 1 cm2. Typisch für die hochgradige AS sind die klinischen Symptome Dyspnoe, Angina pectoris und Schwindelsymptomatik bzw. Synkope. Oft sind Patienten in ihrer körperlichen Aktivität eingeschränkt und schwach. Symptomatische Patienten, die nicht behandelt werden, haben ein 1-Jahres-Mortalitätsrisiko von 50 %, das

Dr. Paul Vock, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Oberarzt an der Abteilung für HerzKreislauf-Erkrankungen am KH St. Pölten Welche Behandlungsoptionen für einen Aortenklappenersatz gibt es derzeit? Es gibt zum einen den herzchirurgisch durchgeführten operativen Aortenklappenersatz, zum anderen seit einigen Jahren eben auch die kathetergeführte Aortenklappenimplantation (TAVI). Diese kann über die Leiste, aber teilweise auch über die Herzspitze durchgeführt werden. Die Implantation über die Herzspitze ist aber auch ein chirurgischer Eingriff, wenngleich deutlich weniger belastend für den Patienten als der herkömmliche operative Aortenklappenersatz am geöffneten Brustkorb. In seltenen Fällen, wenn der Zugang weder über die Leiste noch über die Herzspitze möglich ist, kann die TAVI über die Schlüsselbeinarterie oder die Aorta durchgeführt werden. Wie häufig kommt die TAVI zum Einsatz? In Deutschland ist es bereits so, dass mehr als 60 % der Patienten mit AS eine TAVI erhalten. In Österreich sind es noch nicht so viele, die Anzahl der TAVI nimmt aber auch hierzulande zu, wenngleich es keine exakten Daten gibt. Um in Zukunft auch für Österreich genaue Zahlen zu haben, gibt es seit Kurzem ein gemeinsames Register von Herzchirurgen und Kardiologen, das Patienten- und Prozedurdaten zu allen TAVI-Eingriffen sammelt.

heißt, die Hälfte der Patienten verstirbt innerhalb eines Jahres, wenn sie nicht mittels operativem Aortenklappenersatz oder kathetergeführter Aortenklappenimplantation (TAVI) behandelt wird.n

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Wo sehen Sie mögliche Vorteile der interventionellen TAVI? Einen offensichtlichen Vorteil bedeutet die TAVI jedenfalls für alle Patienten, die bislang als inoperabel galten. Das sind immerhin ca. 30 % der Patienten mit hochgradig wirksamer Aortenstenose. Der Eingriff über die Arteria femoralis in der Leiste ist weniger invasiv, sodass die Liegezeit im Spital sinkt.

IM GESPRÄCH

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Wo gibt es Optimierungspotenzial? Limitierend ist teilweise immer noch der Zugang, das heißt, der Durchmesser des Katheters, mit dem die Klappe implantiert wird. Je kleiner der Katheter, desto einfacher wird der Eingriff. Dann kommt es auch nicht zu Komplikationen wie etwa, dass das Verschlusssystem in der Leiste nach der Implantation nicht hält und eine chirurgische Versorgung des Gefäßes in der Leiste nötig ist. Hier sind die Hersteller gefordert. Operateure führen die TAVI in Sedoanalgesie durch, das ist schonender für die Patienten. Wie lange halten die heute verwendeten Klappen? Bisher zeigt sich, dass alle TAVI-Klappen genauso lange halten wie die operativ eingesetzten Klappen. Wie wird sich die Indikationsstellung für TAVI weiterentwickeln? In Studien wurde bereits gezeigt, dass die TAVI bei Patienten mit intermediärem Risiko den Ergebnissen der Chirurgie nicht nachsteht. Ich glaube, es wird auf jeden Fall in die Richtung gehen, dass auch Patienten mit mittlerem Risiko eine TAVI bekommen werden müssen. Es ist ganz einfach die schonendere Methode und die Patienten, die davon gehört haben, wünschen sich das auch. Wenn mit einer TAVI derselbe Erfolg erzielt werden kann, warum sollte ich dann eine große Herzoperation auf mich nehmen? Mit der technischen Weiterentwicklung und wachsenden Erfahrung der Operateure wird der Eingriff auch immer einfacher werden.

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Temperaturmanagement nach Kreislaufstillstand u Targeted Temperature Management hat sich als ­wirksamste therapeutische Option zur ­Verminderung von neuro­logischen Schäden nach Kreislaufstillstand etabliert. u Zurzeit fehlt noch ein verbindlicher Konsens, mit welcher Temperatur konkret gekühlt werden soll.

n den späten 1980er-Jahren zeigten Tierversuche, dass der ischämische Schaden an Nervenzellen vermindert werden kann, wenn die Körpertemperatur nach Kreislaufstillstand auf 32 bis 34 °C abgesenkt wird. Die ersten zwei randomisierten Humanstudien zur therapeutischen Hypothermie (Target Temperature Management, TTM) nach Kreislaufstillstand mit Kammerflimmern wurden 2002 publiziert: Auch diese bestätigten den neuroprotektiven Effekt, worauf in internationalen Guidelines die Empfehlung ausgesprochen wurde, Patienten nach einem nicht traumatischen prähospitalen Kreislaufstillstand mit Kammerflimmern oder ventrikulärer Tachykardie auf eine Zieltemperatur von 32 bis 34 °C abzukühlen und diese Zieltemperatur für zwölf bis 24 Stunden beizubehalten.

Neurologisches Outcome verbessert Diese Empfehlung wurde auch für einen Kreislaufstillstand ohne Kammerflimmern ausgesprochen, jedoch mit einem niedrigeren Evidenzgrad. Ein Cochrane Review fasste infolge die Ergebnisse von fünf randomisierten Studien zu therapeutischer Hypothermie zusammen und kam zu dem Ergebnis, dass nach einem Kreislaufstillstand gekühlte Patienten eine um 55 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein gutes neurologisches Outcome haben, im Vergleich zu nicht gekühlten Patien-

TTM und ERC-Leitlinien Die Advanced Life Support Task Force des International Liaison Committee on Resuscitation erarbeitete mehrere Behandlungsempfehlungen zum zielgerichteten Temperaturmanagement, die in den ERC-Leitlinien 2015 reflektiert werden. Eine konstante Zieltemperatur zwischen 32 und 36 °C soll für jene Patienten eingehalten werden, bei denen eine Temperaturkontrolle angewendet wird. TTM wird für erwachsene Patienten nach prähospitalem Kreislaufstillstand mit defibrillierbarem Rhythmus empfohlen, wenn der Patient nach ROSC (Return of spontaneous circulation) weiterhin nicht reagiert. Die optimale Zieltemperatur für die Postreanimationsbehandlung ist derzeit nicht bekannt ist. Mehr qualitativ hochwertige große Studien sind erforderlich, um die offenen Fragen zu klären. n

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ten, entsprechend einer „number needed to treat“ von 6. Die Guidelines wurden damit inhaltlich bestätigt und auch in der neuesten Version der Empfehlungen der American Heart Association und des European Resuscitation Council von 2010 zur Behandlung von Patienten nach Kreislaufstillstand wurden diese Empfehlungen so ausgesprochen. Nach 2010 bestätigten Register und Beobachtungsstudien zum überwiegenden Teil die positive Wirkung therapeutischer Hypothermie mit 32 bis 34 °C in der täglichen klinischen Routine. Ende 2013 wurde eine große randomisierte Multicenter-Studie von Nielsen und Kollegen veröffentlicht (Nielsen N, et al. NEJM. 2013. 369(23):2197-206). Sie zeigte, dass es sowohl hinsichtlich der Mortalität und des neurologischen Outcomes, aber auch hinsichtlich der Nebenwirkungen keinen Unterschied macht, ob Patienten auf 33 °C oder 36 °C gekühlt werden. Trotz einer ausgefeilten Methodik wies auch diese Studie einige grundlegende Limitationen auf. Eine der wichtigsten Limitationen ist das Studiendesign: 36 teilnehmende Zentren in ganz Europa nahmen ohne detailliertes Protokoll zur Kühlung teil. Ein fehlender Unterschied könnte auf die Heterogenität zurückzuführen sein, statt auf einen wirklich fehlenden Unterschied in der Effektivität, wie von den Studienautoren resümiert wurde. Ohne Placebo-Arm können eigentlich keine weiteren Aussagen getroffen werden.

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NEWS „Pflegewissenschaft“: Neues Department an der FH Campus Wien

Ab 1.1.2018 werden alle Angehörigen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe registriert. Durch den verpflichtenden Eintrag in das Berufsregister für alle Gesundheits- und Krankenpflegepersonen wird es künftig möglich sein, valide qualitative sowie quantitative Daten aus ganz Österreich und aus allen Versorgungsbereichen zur Verfügung zu haben. Darüber hinaus wird das Pflegeleistungsangebot für Patienten sowie für Pflegebedürftige transparent. Genau dieser Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Pflegeleistungen ständig wächst. Darüber hinaus können Gesundheits- und Krankenpflegepersonen ihre fachliche Weiterentwicklung besser am Bedarf der Gesundheits- und Pflegebereiche orientieren und ihre individuelle Karriereplanung gestalten. Die Umsetzung des Registers erfolgt nach Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen durch die Bundesarbeiterkammer für die angestellten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, die Gesundheit Österreich GmbH listet die selbstständig Tätigen. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) übernimmt als Mitglied im Regis­ trierungsbeirat Aufgaben der Qualitätssicherung. Die Umsetzung der verpflichtenden Registrierung für alle Gesundheits- und Krankenpflegepersonen und somit die größte Gruppe der Gesundheitsberufe ist ein notwendiger Schritt für nachhaltige, professionelle Verankerung der Pflegefachberufe in den Systemen. www.oegkv.at 

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PFLEGE WISSEN SCHAFT

haben wir in den letzten Jahren bereits die Hebelwirkung verstärkt, um die Gesundheitsund Krankenpflege zu akademisieren. Die wachsende Anzahl an Studierenden in diesem Bereich und die Ausbildungsreform machen den Ausbau der ‚Pflegewissenschaft‘ für uns zum nächsten logischen Schritt“, so die neue Departmentleiterin und Vizerektorin für Lehre an der FH Campus Wien, FH-Prof. Mag. Dr. Ros­witha Engel. www.fh-campuswien.ac.at 

Mangel an Kassenhebammen Hebammen sind in der idealen Position, einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Lebensweise von Frauen und ihren Familien nehmen zu können und niederschwellig und ganzheitlich Mutter und Kind gleichzeitig zu betreuen. In Wien gibt es derzeit 17 Kassenhebammen, in den anderen acht Bundesländern sind es insgesamt 203 Kassenhebammen. Damit kommt österreichweit im Durchschnitt auf 317 Geburten ein Hebammen-Kassenvertrag, in Wien sind es 1.172 Geburten pro Kassenhebamme. Diesen gravierenden Mangel dringend zu beheben, fordert das Wiener Hebammengremium von der Wiener Gebietskrankenkasse. Als ersten Schritt soll es elf neue Kassenverträge geben. „Die Lage ist prekär. In Wien müssen sich die Frauen zur Wochenbettbetreuung durch eine Kassenhebamme oft Monate im Vorhinein anmelden. In elf Bezirken gibt es überhaupt keinen Kassenvertrag“, schildert Marianne Mayer, Leiterin des Wiener Hebammengremiums, die Situation.

Die Krankenkassen in Österreich übernehmen die Kosten für Hebammenbetreuung im Wochenbett, wenn die Frau vor dem vierten Tag nach der Geburt aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Im Falle eines Kaiserschnitts, einer Frühgeburt oder einer Mehrlingsgeburt muss die Entlassung vor dem sechsten Tag nach der Geburt erfolgen, um Hebammenbetreuung im Wochenbett als Kassenleistung in Anspruch nehmen zu können. Täglich einen Hausbesuch der Hebamme in den ersten fünf bzw. sechs Tagen bezahlt die Krankenkasse und danach bis zu sieben weitere Hausbesuche bis zur achten Woche nach der Geburt, wenn es Stillschwierigkeiten, Probleme mit der Gebärmutterrückbildung oder andere Probleme gibt. Die Hebamme mit Kassenvertrag verrechnet ihr Honorar direkt mit der Krankenkasse. Für einen Hausbesuch im Wochenbett beträgt der Kassentarif zurzeit 35,70 Euro plus 10,90 Euro Kilometerpauschale. www.hebammen.at 

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Gesundheitsberufe­ register-Gesetz tritt mit 1.1.2017 in Kraft

Mit Blick auf die aktuell beschlossene Ausbildungsreform der Gesundheits- und Krankenpflege richtet die FH Campus Wien ein eigenes Department „Pflegewissenschaft“ ein – mit dem Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege an seinen sechs Standorten sowie den drei Masterlehrgängen für Advanced Nursing Practice, Education und Counseling. Die Leitung übernimmt die bisherige Bachelorstudiengangsleiterin FH-Prof. Mag. Dr. Roswitha Engel zusätzlich zum Vizerektorat für Lehre. Anneliese Lilgenau wird neue Leiterin des Masterlehrgangs Advanced Nursing Practice. Die pflegewissenschaftliche und interdisziplinäre Forschung wird zukünftig noch weiter intensiviert. Die Ausbildung für Gesundheitsund Krankenpflegepersonen soll bis 2024 stufenweise umgebaut werden. Künftig gibt es drei Berufe: Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz und den gehobenen Dienst für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege. „Die FH Campus Wien hat 2008 als erste in Österreich die Gesundheits- und Krankenpflege als generalistisches Studium in Kombination mit der Berufsberechtigung angeboten. Mit Masterlehrgängen und Ausbildungskooperationen


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PFLEGE & HOME CARE

L&R College: ­ Neueröffnung mit Stil Nach einer umfassenden Sanierung und Modernisierung präsentiert sich das L&R College als Ort des Erfahrungsaustausches und des Wissenserwerbs, der modernsten Anforderungen genügt und gleichzeitig seinen geschichtsträchtigen Charme bewahrt hat.

Entgeltliche Einschaltung

eit 1986 befindet sich die Rengsdorfer Henkel-Villa im Besitz der Lohmann & Rauscher Unternehmensgruppe (L&R), die das historische Gebäude als Fortbildungs- und Tagungsstätte innerhalb ihrer L&R Academy nutzt. Nach einer umfassenden Sanierung eröffnet der international agierende Medizinprodukte­ anbieter die Villa nun unter dem Namen „L&R College“ am deutschen L&R Standort mit Headquarter-Funktion neu. Neben einer Reihe von Besprechungs- und Meeting-Räumen wurden Praxisräume für die Themenfelder Gips und Cast, Wundversorgung und den Bereich OP eingerichtet. Unter dem Dach entstand eine moderne Medialounge, in der die Tagungsgäste in den Pausen nicht nur ihre E-Mails checken können, sondern auch mit einem Bildband oder per iPad die Erholungsphasen gestalten können. Zusätzlich wurden im Dachgeschoß Büroräume geschaffen, um den kontinuierlichen Personalanstieg des stark wachsenden Unternehmens abbilden zu können. Aber auch der Park steht für einen Rundgang im Grünen den Tagungsgästen zur Verfügung. L&R hatte sich bei der Sanierung der Henkel-Villa bewusst ein regionales Kompetenzteam ins Boot geholt. „Die Villa Henkel stellt für uns die perfekte Mischung aus historischer Bausubstanz und modernem Design dar. Als L&R College ist sie ein

L&R stärkt seine Position auf dem ­Schweizer Gesundheitsmarkt Ab dem 1. Januar 2017 führen die beiden Unternehmen Lohmann & Rauscher AG, St. Gallen, und FLAWA AG, Flawil, den Marketing- und Vertriebsbereich für Medizinprodukte unter L&R zusammen. Beide Unternehmen versprechen sich von dieser Zusammenführung verbesserte Marktchancen für ihre Produkte, eine nachhaltigere Wachstumsstrategie sowie einen effizienteren Einsatz der Ressourcen, denn diese Integration ermöglicht eine Bündelung der Kräfte, eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen der jeweiligen Unternehmen, Kostenoptimierungen sowie neue und innovative Verkaufsmöglichkeiten.

© Nicole Bouillon

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Die feierliche Schlüsselübergabe für das „L&R College“: Anja Gasteiger, Projektleitung und Head of International Communication bei L&R, Architekt Jens Ternes, der Rengsdorfer Bürgermeister Christian Robenek, Wolfgang Süßle, Vorsitzender der Geschäftsführung der L&R Unternehmensgruppe, und Mathias Wollweber von eberle & wollweber COMMUNICATIONS (v.li.)

Ort des Erfahrungsaustausches und des Wissenserwerbs, der modernsten Anforderungen genügt und gleichzeitig seinen geschichtsträchtigen Charme bewahrt hat. Die Schulungen und Trainings innerhalb unserer L&R Academy werden unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern in diesem Ambiente noch mehr Freude machen. Das neue L&R College ist ein wichtiger Bestandteil unserer Markenstrategie: Es ist uns ein Anliegen, dass jeder Besucher die Marke L&R positiv erlebt, sie versteht, aufnimmt und weiterträgt“, so Wolfgang Süßle, CEO der L&R Unternehmensgruppe. n

Lohmann & Rauscher GmbH Johann-Schorsch-Gasse 4, 1140 Wien www.lohmann-rauscher.at

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PFLEGE & HOME CARE

Chronische Wunden:

Qualität vor Quantität u Qualitativ hochwertige und innovative Verbandstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Gesundheitssystems. u Kosteneinsparungen durch beschleunigte Heilungsprozesse und verkürzte ­Behandlungszeiten haben positive Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und auf die gesamte Volkswirtschaft.

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und 250.000 Menschen in Österreich leiden an chronischen Wunden, doch nur 15 % davon werden derzeit mit modernen Wundprodukten behandelt. Auch nur etwa die Hälfte der Patienten fühlt sich ausreichend aufgeklärt, wenn es um die Behandlung ihrer chronischen Wunden geht. „Jeder Patient muss das Recht haben, mit modernen Produkten behandelt zu werden“, fordert Mag. Martina Laschet, die Sprecherin der Initiative Wund?Gesund!, die Betroffenen, Patienten, Angehörigen, aber auch engagierten Ärzten, Pflegepersonal und Wundmanagern eine gemeinsame Stimme geben will. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach modernen Produkten, die es am Markt gibt, die aber oft nicht von der Kasse erstattet werden. Sie helfen aber mit, dass die Wundheilung schneller geht und damit weniger Schmerzen, aber auch weniger Kosten verursacht.

So steht es um die Wundversorgung in Österreich 250.000 1 39 Mio. 2

Österreicher leiden derzeit an chronischen Wunden

nur 15% 3

der an chronischen Wunden leidenden Österreicher erhalten eine „State of the Art“-Wundversorgung.

Verbandswechsel pro Jahr

+ 68.000 4

Österreicher erkranken jährlich an chronischen Wunden

Quellen: 1 Wundreport 2015; 2 Informationsbroschüre Wirtschaftlichkeit und Gesundheitspolitik, Einsatz von hydroaktiven Wundauflagen, BVMed 2011; 3 Wundreport 2015; 4 „Ersparnisse in Milliardenhöhe im Gesundheitswesen über ein fallgesteuertes Behandlungsmanagement“, Presseinformation der Hochschule Bremen, 29.6.2010,

Übergabe der Forderungen zu mehr Wundgesundheit: Mag. Philipp Lindinger (AUSTROMED), Dr. Sigrid Pilz (Patientenanwältin), Ursula Frohner (Präsidentin des Krankenpflegeverbandes), Doris Bures (Nationalratspräsidentin), Mag. Max Wellan (Präsident der Apothekerkammer), Mag. Martina Laschet (Sprecherin der Initiative Wund?Gesund!)

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Bossigasse 24/7, 1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12 offices@wund-gesund.at, www.wund-gesund.at

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Mehr Aufmerksamkeit für eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden war auch das Ziel des Aktionstages vor dem Parlament, im Rahmen dessen der Präsidentin des Nationalrates, Doris Bures, ein Positionspapier der Initiative Wund?Gesund! übergeben wurde. Der Inhalt: dringende Forderungen zur Verbesserung der Situation von Patienten – so zum Beispiel der Zugang zu verständlichen Informationen, Einblick zu Kosten und Leistungen der Krankenkassen, mehr Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegenden und allen voran die Behandlung mit modernen Produkten.  n


PFLEGE & HOME CARE

Mehr Komfort im OP Wer tagtäglich im OP steht, weiß, wie wichtig ein OP-Mantel ist, der höchste Materialsicherheit und angenehmen Tragekomfort verbindet. Die neuen Produkte des Foliodress® gown Sortiments von HARTMANN setzen in beiden Punkten neue Maßstäbe. Mehr Farbe für mehr Sicherheit Alle Foliodress® gown OP-Mäntel haben ab sofort einen farbigen Halsausschnitt für eine leichte Identifikation im OP. Ein grüner Halsausschnitt kennzeichnet einen OP-Mantel ohne Verstärkung, ein roter Ausschnitt dagegen einen mit Verstärkung. Die Kennzeichnung erleichtert die Vorbereitung im OP und sorgt dadurch für mehr Effizienz. Die Mantelinnenseite aller Foliodress® gown OP-Mäntel ist ab sofort weiß und verbessert so den Farbkontrast zwischen außen und innen. Ein weiteres Komfortmerkmal sind längere, geschmeidigere und weichere Bündchen. Geräuscharm auffalten, einfach drapieren und steril anreichen, das ermöglicht jetzt der weiße, DIN EN 868-2-konforme SMSEinschlag, der das bisher verwendete weiße Krepppapier ersetzt. Unverändert bleiben dabei Sicherheit und Funktion des Einschlagmaterials. Es ist leicht zu handhaben und ermöglicht ein verbessertes aseptisches Anreichen. Eine Partikelfreisetzung wird vermieden und auch scharfe Papierkanten sind nicht länger ein Problem.

Sicher und flexibel verschlossen

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Entgeltliche Einschaltung

© Nobelus – shutterstock.com

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asis für die hohe Funktionalität aller HARTMANN OPMäntel ist ein Vliesstoffmaterial, das die Einmal-OP-Mäntel aus der Foliodress® gown Protect-Serie flüssigkeitsabweisend, hoch widerstandsfähig gegen Durchfeuchtung und Keimdurchwanderung, abriebfest und fusselarm machen. Zudem sind sie mit ultraschallverschweißten Nähten, stabilen Bändern und elastischen, langen Strickbündchen ausgestattet. Noch mehr Komfort und zuverlässigen Schutz bieten die Einmal-OP-Mäntel Foliodress® gown Comfort, die zusätzlich alkoholbeständig sind und dank des Raglanarms mehr Bewegungsfreiheit bieten. Sie sind in den Verstärkungszonen mit dem atmungsaktiven AirActive System ausgestattet, das für einen exzellenten Tragekomfort sorgt. Alle OP-Mäntel sind steril, einzeln eingesiegelt und mit Einschlag und Papiertüchern erhältlich, bei den sogenannten „Peel & Go“-Varianten auch ohne Einschlag und Papiertücher. Beide Manteltypen wurden jetzt in zahlreichen Punkten weiter verbessert.

Unverändert bleibt das flexible und einfache Verschlusssystem Combitape. Es haftet an jeder Stelle im Rückenbereich und ermöglicht damit eine individuelle Größeneinstellung. Gleichzeitig gehört ein unangenehmes Kratzen am Hals oder eingeklemmte Haare der Vergangenheit an. Auch eine unkomfortable Wölbung des Mantels am Rücken wird mit dem Combitape vermieden. In Verbindung mit den vielen Detailverbesserungen wurde das Foliodress® gown Sortiment auch übersichtlich neu strukturiert. So verfügen jetzt alle Artikel über intuitive und selbsterklärende Produktnamen und Artikelnummern. n

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DGKS Indira Holub, MPH, Pflegequalitätsbeauftragte, St. Josef-Krankenhaus

Evidence-based Nursing in der Praxis u In einem Gemeinschaftsprojekt wurde vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien und dem St. Josef-Krankenhaus ein neuer Pflegestandard zur Prävention von ­Mundschleimhautinfektionen bei onkologischen Patienten erstellt. u Die Entwicklung erfolgte auf Basis von Evidence-based Nursing.

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m Zuge der „Akademisierung der Pflege“ sind Mitarbeitende, Gesundheitseinrichtungen, aber auch Ausbildungsstätten immer stärker gefordert, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu arbeiten. „Evidence-based Nursing (EBN) ist ein möglicher Weg, um diese Anforderung zu erfüllen“, beschreibt DGKP Wolfgang Sissolak, BSc. Er ist Bereichsleiter bei den Barmherzigen Schwestern Wien und hat sich in seiner Bachelorarbeit mit der Einführung von EBN in der Vinzenz Gruppe, einem der größten Träger von gemeinnützigen ­Gesundheitseinrichtungen, beschäftigt. Wichtig ist bei EBN, dass man nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch auf die Erfahrungen aus der Praxis und die Präferenzen der Patienten zurückgreift. „Die Patienten stehen weiterhin im Mittelpunkt. EBN kann und soll die Qualität der Pflegearbeit aber noch weiter steigern“, so sein Resümee. Ein aktuelles Gemeinschaftsprojekt vom Krankenhaus Barmherzige Schwestern und dem St. Josef-Krankenhaus, beides Einrichtungen der Vinzenz Gruppe, scheint ihm recht zu geben.

Evidenzbasierte Pflegestandards Veränderungen der Mundschleimhaut zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemo- und Strahlentherapie. „Wunde Stellen im Mund beeinträchtigen das Sprechen und das Essen. Sie wirken sich damit massiv auf die Lebensqualität, wenn nicht sogar auf den Erfolg der gesamten Therapie aus“, beschreibt DGKS Ana Cartaxo vom KH Barmherzige Schwestern Wien. Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin DGKS Indira Holub, MPH, Pflegequalitätsbeauftragte im St. Josef-Kranken-

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haus, einen neuen evidenzbasierten Pflegestandard zur Prävention von Mundschleimhautinfektionen speziell bei Patienten unter Chemo- und Strahlentherapie erarbeitet. Für den Standard wurden vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse erhoben, erfahrene Pflegepersonen befragt und lokale Daten genutzt, wie zum Beispiel die Angaben der Patienten über den Zustand ihrer Mundschleimhaut im Rahmen der Pflegeanamnese. Die Implementierung des Standards und der abgeleiteten Pflegemaßnahmen erfolgte vor allem über Fortbildungsveranstaltungen.

Von der Praxis gut angenommen Im St. Josef-Krankenhaus, das neben der Geburtshilfe auf die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiert ist, wird der neue evidenzbasierte Standard bereits gut angenommen. Die Implementierung in der im Aufbau begriffenen onkologischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern soll bald folgen. „Durch den neuen wissenschaftlichen Standard haben wir in der Pflege einiges, was wir bisher gemacht und gewusst haben, hinterfragt und wenn nötig auch geändert“, beschreibt Holub. Wurde früher beispielsweise Salbeitee als entzündungshemmendes Heilmittel empfohlen, weiß man nun, dass er die Mundschleimhaut austrocknet und damit für onkologische Patienten nicht geeignet ist. „Insgesamt konnten wir mit diesem Projekt sehr gut zeigen, wie wichtig die Verbindung von praktischer und forschungsbasierter Arbeit auch in der Pflege ist“, fasst Cartaxo zusammen. „Evidence-based Nursing bringt einen Nutzen für die Patienten, das Pflegepersonal und die Gesundheitseinrichtung insgesamt.“ n

© BHS Wien

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DGKS Licenciada Ana Raquel Valente dos Santos Cartaxo, KH Barmherzige Schwestern Wien

© St. Josef-Krankenhaus

DGKP Wolfgang Sissolak, BSc, Bereichsleiter, KH Barmherzige Schwestern Wien


PFLEGE & HOME CARE

Mobilität auf Schiene ­gebracht Die Lebens- und Arbeitsfreude steigt, wenn die Einrichtung in Pflegeinstitutionen Benutzern und Angehörigen sowie den Arbeitsbedingungen der Helfer gleichermaßen gerecht wird. Wie das funktionieren kann, belegt das Schienensystem von Pressalit Care. Hilfe unterschiedliche Situationen im Badezimmer einfach bewältigen. Zugleich kann sich der Benutzer sicher fühlen, denn die Produkte von Pressalit Care sind strapazierfähig und stabil. Durch das Design, die Materialauswahl und viel Perfektionismus im Detail lässt sich das System einfach integrieren – ohne dass Kompromisse hinsichtlich Funktionalität und Komfort eingegangen werden müssen. Brauchen Patienten bei ihrer Hygiene Unterstützung, so wird Bad oder Toilette rasch zu einem – sehr intimen – Arbeitsplatz. Reibungslose Arbeitsabläufe und gesunde Arbeitsbedingungen, die den sicherheitstechnischen Anforderungen entsprechen, können ebenfalls durch die flexiblen ­Lösungen garantiert werden.

Vorteile für Spitalsbetreiber

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ie Beeinträchtigung der Mobilität muss nicht gleichzeitig auch die Lebensqualität einschränken. Unter diesem Motto entwickelt das dänische Unternehmen Pressalit Care, in Österreich im Vertrieb des Medizinproduktexperten ArjoHuntleigh, Lösungen für Badezimmer in Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Die Ergebnisse überzeugen bereits seit 1979 Patienten sowie Pflegepersonal gleichermaßen und berücksichtigen auch die Anforderungen der wirtschaftlichen Entscheider. Die Lösung ist naheliegend und einfach: flexible Konzepte, basierend auf dem Wissen über Krankheitsverläufe und korrespondierende Platzbedürfnisse.

Entgeltliche Einschaltung

Individuelle Platzierung Pressalit Care hat dazu ein Schienensystem entwickelt, das den Anforderungen von Benutzern, Helfern und Raum durch größtmögliche Flexibilität gerecht wird. Eine waagerechte Wandschiene ermöglicht die horizontale Einstellung der Produkte. Mithilfe einer senkrechten Schiene können die Produkte auch in der Höhe verstellt werden. Die Produkte können problemlos dorthin verschoben werden, wo sie benötigt werden, oder komplett zur Seite geschoben werden, um Platz zu schaffen. So können Patienten mit Mobilitätseinschränkungen auch ohne fremde

Badezimmer für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen müssen größer als konventionelle Badezimmer sein. Es braucht Platz für den selbstständigen Benutzer und Mobilitätshilfsmittel sowie den nicht selbstständigen Benutzer und Helfer. Wendebereiche sind erforderlich, um sich im Verhältnis zu den verschiedenen Funktionen im Badezimmer platzieren zu können. Der Freiraum unter dem Waschtisch ist vor allem für Nutzer im Rollstuhl ein zentrales Thema. Durch die Komplettberatung rund um das funktionelle Badezimmer ist sichergestellt, dass der Raum den Bedürfnissen von Benutzern und Pflegepersonal entspricht und dass die Vorschriften des Arbeitsschutzgesetzes eingehalten werden. Auch das Nach- bzw. Umrüsten kleiner Räume oder Umbau und Renovierung ist mit dem Schienensystem einfach möglich. So können auch kleine und unvorteilhaft konzipierte Räume kostengünstig neu gestaltet werden.  n

ArjoHuntleigh GmbH Lemböckgasse 49/Stiege A/4.OG, 1230 Wien office-at@ArjoHuntleigh.com, Tel: +43-1-866 56 www.arjohuntleigh.at

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PFLEGE & HOME CARE

„Pflege-Führungskräfte-Barometer“ 2016

Neue Denkmuster gefordert u Die bisher größte Umfrage unter Österreichs Pflege-Führungskräften zeigt, dass ­ökonomische Sachzwänge, Personalmangel und Multikulturalität zu hohem Arbeitsdruck führen. u Wichtig für künftige Veränderung ist die hohe „Selbstwirksamkeitswahrnehmung“ der ­befragten Pflegepersonen.

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s ist mehr als irritierend, dass die Pflege als unverzichtbarer das auf Gesundheitsfragen spezialisierte BeratungsunternehTeil der Gesundheitsversorgung im politischen Denken und men health care communication insgesamt 1.577 Pflege-FühHandeln immer noch ausgeblendet wird“, bilanziert Ursula rungskräfte in allen Bundesländern befragt. „Wenn beinahe 60 Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Prozent eine solch aufwendige Befragung abschließen, zeigt Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), die Ergebnisse des „Pflealleine das schon, wie hoch die Brisanz des Themas bei den ge-Führungskräfte-Barometers“ 2016. Vor allem in Betroffenen ist“, erklärt der mit der Leitung der der steigenden Zahl an Vor- und NachuntersuUmfrage beauftragte Arbeitspsychologe Mag. chungen kommt es nach Ansicht der ExperAlexander Engelmann. „Es ist nicht die Fühtin aufseiten des Pflegemanagements zu rungsarbeit an sich oder die herausforständiger Mehrbelastung. Dazu kommt, dernde Arbeit am Krankenbett, die den dass Patienten älter und multimorbider Pflegekräften am meisten zusetzt. Vielwerden. Die Anforderungen an die mehr werden die Vielzahl an laufenden Kompetenz der Pflegekräfte steigen, Veränderungsprojekten und die ökojedoch halten die Fortbildungsangenomischen Rahmenbedingungen als bote damit nicht Schritt. Während die stark belastend erlebt“, gibt Engelgeburtenstarken Jahrgänge der 1960ermann Einblick. PFLEGE Jahre in Pension gehen, rücken immer weniger Berufseinsteiger nach. Sorgen BAROMETER Potenziale nutzen bereitet Frohner auch die Tatsache, dass viele Krankenhausbetreiber immer öfter In der Untersuchung sollten auch Stärken für noch nicht ausreichend qualifiziertes Personal die Zukunft identifiziert werden. „Die befragten anstellen. „Nach unserem Selbstverständnis besteht Führungskräfte verfügen trotz aller Probleme über Pflege aber nicht nur aus Routineaufgaben wie Blutabnahmen, ausreichendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das halEKG-Schreiben oder Infusionen anhängen. Vielmehr geht es ten wir aus psychologischer Perspektive für eine der wesentliuns um die Frage: Wie unterstütze ich jemanden allumfassend chen Ressourcen für zukünftige Veränderungen“, ergänzt der in seiner gesundheitsbeeinträchtigten Situation? Während Ärz- Arbeitspsychologe. Hilfe bei der Teamentwicklung, neue Ins­ te fragen: ‚Warum hat jemand diese Symptome?‘ und ihre Di- trumente im Umgang mit Konflikten sowie Methoden zur agnosemaßnahmen einleiten, fragen wir uns: ‚Wie kommt die- Stressbewältigung rangieren ganz oben auf der Wunschliste ser Mensch damit zurecht?‘ – das erfordert auch die der Führungskräfte. Um eine wirklich prozessorientierte Verentsprechende Ausbildung und das Fachwissen“, so Frohner. sorgung auf höchstem Niveau sicherstellen zu können, braucht es aber wohl neue Weichenstellungen und radikal andere Denkmuster. „Ziel muss es sein, dass Strukturen und Abläufe Daten zur Pflegesituation im Klinikalltag künftig von Pflegekräften und medizinischem Weil solche Klagen seit Jahren ins Leere gehen, hat sich der Personal gemeinsam gestaltet werden“, fordert Frohner. Fazit: ÖGKV entschlossen, einen validen Befund über die gesamtös- Zusätzliche Aufgaben erfordern auch zusätzliche Personalresterreichische Pflegesituation auf den Tisch zu legen. Dafür hat sourcen. n


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NEWS Schallen unter Palmen

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Neuer Pflegedirektor am LKH Bregenz

© khbg

Sono4You Graz – eine Gruppe engagierter Studierender an der Medizinischen Universität Graz – organisierte auch heuer wieder eine Weiterbildung zum Thema Ultraschall. Im Rahmen eines Peer-Teaching-Konzepts erhielten die Teilnehmer einen spannenden Einstieg in die Sonografie in kollegialer Atmosphäre abseits des Curriculums. Unterstützt wurde das innovative Angebot von MIDES Healthcare Technology mit 16 Ultraschallgeräten und Lehrenden der Med Uni Graz. Die Anfänge von Sono4You Graz lassen sich auf eine kleine Gruppe Studierender zurückverfolgen, die zu Hause im Wohnzimmer die ersten Schritte in der Sonografie anhand von Videoanleitungen auf dem Online-Portal YouTube trainierte. Schnell entwickelte sich aus dem Engagement der Wunsch, eine größere Initiative zu starten und auch weitere Studienkollegen für die Thematik zu begeistern. Seitdem hat sich einiges getan: ausgebuchte Summer Schools und Tutorien, deren Plätze innerhalb weniger Sekunden besetzt waren, sowie internationale Aufmerksamkeit und Teilnehmer aus der ganzen Welt. Bei der nun dritten Summer School für Ultraschall wollte man sich bewusst an die Anfänge zurückerinnern: In einer begleitenden Studie wurden Teilnehmer vor Ort an der Med Uni Graz mit Teilnehmern aus Berlin sowie mit Autodidakten aus dem „Selbststudium“ über YouTube verglichen. Sogar die Universität Rio de Janeiro hat das Programm live mitverfolgt. Sono4You zählt mittlerweile zum größten universitären Ul­ traschallkurs im deutschsprachigen Raum.  graz.sono4you.at

Bernd Schelling, MSc will die Servicequalität verbessern.

Prof. Dr. Alexandre Egon Pelzer, FEBU, übernahm die Leitung der Abteilung für Urologie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Leitlinienkommission zur Diagnostik von Prostatakrebs. Als ausgebildeter Qualitätsmanager und Absolvent des Studiums „MBA Health Care Management“ bringt Pelzer langjährige Erfahrung in der Zertifizierung und Leitung von Prostatakarzinomzentren mit sich.  www.klinikum-wegr.at

Am LKH Bregenz hat Bernd Schelling, MSc, bisher stellvertretender Pflegedirektor am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch, die Pflegedirektion übernommen und ist seit Juli Ansprechpartner für insgesamt 440 LKH-Pflegemitarbeiter in der Landeshauptstadt. Schelling bringt als ehemaliger Intensivpfleger und stellvertretender Pflegedirektor nicht nur praktisches Fachwissen in der Pflege, sondern auch wirtschaftliche Berufserfahrung aus seinem Erstberuf mit. Zudem wird er aufgrund seines Studienabschlusses der Pflegewissenschaften und dem derzeitigen Studium Gesundheitsmanagement und Public Health viele wichtige Inputs für die Weiterentwicklung der Pflege im LKH Bregenz einbringen. Arbeitsschwerpunkte sieht Schelling in der Servicequalität gegenüber den Patienten, aber auch darin, Arbeitsplätze für jede Generation zu adaptieren und Tätigkeitsprofile für Mitarbeitergruppen zu erstellen oder zu optimieren. www.khbg.at

© LKH Schärding

Seit 1. Juli 2016 leitet Prof. Dr. Alexandre Egon Pelzer, FEBU, die Abteilung für Urologie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Der bisherige Abteilungsleiter, Univ.-Doz. Dr. Walter Pauer, FEBU, tritt nach 28 Jahren als Primarius der Urologie und nach insgesamt 34 Jahren am Klinikum Wels-Grieskirchen in den Ruhestand. Pelzer ist Spezialist für Uroonkologie und international anerkannter Experte in der innovativen Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs. Weitere Spezialgebiete sind die moderne und schonende Behandlung der gutartigen Prostata unabhängig von der Größe mittels Lasertherapie und die Behandlung von Nierensteinen jeder Art. Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Urologie an der Urologischen Universitätsklinik Innsbruck wechselte er als Oberarzt an die Universitätsklinik für Urologie am Universitätsklinikum Tübingen und in weiterer Folge an die Universitätsklinik für Urologie am Universitätsklinikum Mannheim. Vor seiner Bestellung in Wels war der Träger zahlreicher wissenschaftlicher Auszeichnungen als leitender Oberarzt sowie stellvertretender Klinikleiter an der Klinik für Urologie des Klinikums Ingolstadt tätig. Pelzer ist Autor zahlreicher Publikationen und Bücher sowie Vorsitzender fachspezifischer Forschungsgruppen. In seinem Spezialgebiet ist er Teil der deutschen

© Klinikum Wels-Grieskirchen

Neuer Leiter der Abteilung für Urologie


BRANCHENNEWS

Im Vorjahr hat die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) drei neue große Forschungsthemen gestartet: seltene Krankheiten und innovative Krebsdiagnostik mit zwei neuen Instituten sowie psychische Erkrankungen mit dem Crowdsourcing-Projekt „Reden Sie mit!“. „Dazu kommen viele Forschungsergebnisse und erfolgreich abgeschlossene Forschungsprojekte aus den Instituten und Clustern“, so das Fazit von Josef Pröll, Präsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, anlässlich der Präsentation des Jahresberichts 2015 Anfang Juni. Die zwei neuen Institute, das Ludwig Boltzmann Institut (LBI) „Rare and Undiagnosed Diseases“ und das LBI „Applied Diagnostics“, können jetzt sieben Jahre forschen, und das

mit einem Jahresbudget von mehr als einer Million Euro je Institut. Sie arbeiten mit internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen. Das LBI „Rare and Undiagnosed Diseases“ wird sich mit der Entschlüsselung von seltenen Erkrankungen der Blutbildung, des Immunsystems und des Nervensystems beschäftigen und Grundlagen für personalisierte Therapieansätze liefern. Das LBI „Applied Diagnostics“ wird an einer innovativen und verbesserten Krebsdiagnostik arbeiten und Konzepte aus Nuklearmedizin und Molekularpathologie in klinischen Studien umsetzen. „Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft zeichnet aus, dass wir wesentliche Forschungsthemen anstoßen und sie mit einer großen Intensität verfolgen. Unsere Spitzen-

© LKH Schärding

Neuer Ärztlicher Direktor am LKH Schärding

Prim. Dr. Thomas Meindl will die hohen Qualitätsstandards der wohnortnahen Versorgung aufrechterhalten.

Prim. Dr. Thomas Meindl übernahm mit April 2016 die Position des Ärztlichen Direktors am LKH Schärding von Prim. Dr. Ernst Rechberger, der sich beruflich neu orientierte. Der Anästhesist und Intensivmediziner wurde vorerst zum interimistischen Nachfolger bestellt. „Wichtig ist mir in meiner neuen Funktion, die hohen Qualitätsstandards der wohnortnahen Versorgung aufrechtzuerhalten und die selbstständigen Teams bei uns im Haus bestmöglich zu unterstützen“, betont Meindl. www.lkh-schaerding.at

Neues akademisches Lehrkrankenhaus Seit Anfang Juli ist das LKH Rankweil ein Akademisches Lehrkrankenhaus und bietet Ausbildungsstellen für acht angehende Mediziner an der Erwachsenen-, der Geronto-, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und an der Neurologie an. In den Vorarlberger Landeskrankenhäusern stehen den Medizinstudenten damit nun insgesamt 84 Plätze für ihr klinischpraktisches Jahr zur Verfügung. Das LKH Hohenems ist seit 2015 „Akademisches Lehrkrankenhaus“ für die beiden Medizinischen Universitäten Innsbruck und Wien und bildet jeweils vier Mediziner an der Pulmologie sowie an der Inneren Medizin aus. Ab 2017 ist Hohenems mit einer weiteren Stelle auch Ausbildungspartner für die MedUni Graz.  www.khbg.at

© LBG/APA-Fotoservice/Preiss

Ludwig Boltzmann Gesellschaft ­zieht Bilanz

Josef Pröll, LBG-Präsident, Claudia Lingner, LBG-Geschäftsführerin, und Wolfgang Hesoun, LBG-Vizepräsident forschung kommt in der Gesellschaft an“, freut sich Claudia Lingner, Geschäftsführerin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. www.lbg.ac.at

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WDM® Dr. Markus Duft Facharzt für Allgemeinchirurgie Verein Wund Management Wien

GASTKOMMENTAR

Lebensherausforderung: Wunde „A

us der Praxis für die Praxis“ lautete das Thema des ersten Symposiums der österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung (AWA) hosted by Wund Management Wien (WMW). Erstmals hat ein lokaler Wundverein damit die Herausforderung angenommen, als Gastgeber für ein AWA-Symposium zu fungieren. Knapp 300 Personen – davon 230 Teilnehmer aus dem Bereich der Pflege und der Medizin – nahmen an der Veranstaltung teil und bewiesen einmal mehr, wie wichtig das Thema ist. Im Rahmen des Symposiums wurde den Medien der Kick-off zum „Wundtag“ unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser präsentiert. Unter einem neuen Logo wird der Wundtag als jährlich wiederkehrender Aktionstag, jeden dritten Freitag im September, stattfinden. Der Fokus dieses Events – und auch der ab sofort jährlich geplanten Folgeveranstaltungen – lag mehr denn je auf der Praxis und der Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit. Der Grund dafür liegt nahe: Erkrankungen mit dem Symptom der chronischen Wunde schränken die Lebensqualität oft massiv ein und sind daher für Betroffene und ihre Angehörigen schwer zu akzeptieren. Hilfesuchende finden im Gesundheitswesen meist erst nach einem langen Leidensweg – oder gar nicht – die passende Ansprechstelle. Beruflich vom Gesetzgeber verpflichtet aufzuklären und ermächtigt, „im Einzelfall einzelne ärztliche Tätigkeiten an Angehörige des Patienten“ zu übertragen, zeigt sich mir, dass es durch die aktive Einbeziehung der Betroffenen in die Therapie zu einer Steigerung des subjektiven Wohlbefindens kommt. Das ist durch entsprechende Aufklärung, Information und Schulung offensichtlich erreichbar. Betroffene, denen es ermöglicht wird, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen, werden so zu mündigen Partnern in der medizinischen und pflegerischen Betreuung. Das heißt aber auch, dass hier nicht nur die Theorie, sondern vor allem die Praxis zählt. Im Wundmanagement können wir nicht nachschlagen, welche Therapie die einzig richtige ist. Wir können auch keine Evidenz von Lokaltherapeutika erwarten. Wir können lediglich in Leitlinien nachlesen, die als Basis für eine Therapie herangezogen werden sollen. Aber was wir auf jeden Fall berücksichtigen müssen, ist die Erfahrung, die aus der Praxis all jener kommt, die tagtäglich in die Behandlung von chronischen Wunden involviert sind – die des Gesundheitspersonals, der Industrie, aber auch der Patienten selbst und ihrer Angehörigen. All jene haben wir in diesem

42 DAS MEDIZINPRODUKT 05/16

ersten Symposium vernetzt. Darüber hinaus war es uns auch ein Anliegen, den Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“, der in Österreich noch keine breite Bekanntheit hat, im Detail vorzustellen. Aus der Medizin wurden die S3-Leitlinie „Lokaltherapie chronischer Wunden bei chronischer venöser Insuffizienz, peripherer arterielle Verschlusskrankheit sowie Diabetes mellitus“ und die Leitlinie zur Prävention und Behandlung von Dekubitus ebenfalls von Experten präsentiert. Ein neues, spannendes und durchaus riskantes Unterfangen war „Dr. Wound House“. Experten aus der Gefäßchirurgie, Dermatologie, Diabetologie und Pflege waren gefordert, Fälle aus ihrer Sicht zu beurteilen. Hier habe ich einmal mehr auf die Kooperation der rationalen Egoisten gebaut. Es zeigte sich: So wie es in der Praxis läuft, wurde auch am Podium diskutiert. Je nachdem, wo der Patient zuerst im System aufschlägt, ist der Schwerpunkt der Behandlung ein anderer. Es ist an der Zeit, dass wir auch im Wundmanagement von Kollegen lernen – etwa aus onkologischen Zentren, wo gemeinschaftlich und strukturiert medizinische Fälle bearbeitet werden. Standardfloskeln ziehen in derartigen Boards nicht – hier geht es darum, dass Fakten rasch auf den Tisch kommen und das Verständnis für die jeweils andere Disziplin vorhanden ist. Wir müssen dazu übergehen, nach einem Therapieziel der inneren Wunde zu fragen und mit welchen Mitteln es erreicht werden kann. Die Lösungen können nur mit dem Patienten gefunden werden. Last but not least haben wir am Beispiel des ICW-Wundsiegels aus Deutschland gesehen, dass dieses Miteinander möglich ist. Mit einer großen Portion jugendlichem Leichtsinn haben wir das erste Symposium nun erfolgreich hinter uns gebracht und wollen diesen gemeinsamen Weg auch in diese Richtung weitergehen. Wir brauchen noch mehr Awareness, mehr Mitstreiter und Gallionsfiguren, wir brauchen aber auch entsprechende Strukturen, um diese gemeinsame Arbeit möglich zu machen. Ein Schulterschluss zwischen der Industrie, den Wundgesellschaften und den Vereinen ist erforderlich, damit wir den Switch vom eigenen Ziel hin zu einem übergeordneten gemeinsamen Ziel schaffen. Merken Sie sich daher jetzt bereits den 15. September 2017 vor – den Wundtag 2017 –, der dieser Vision neuerlich Aufschwung geben und unter dem Wundtagn logo Aufsehen erregen wird.


DDr. Karina Hellbert Fiebinger Polak Leon & Partner Rechtsanwälte GmbH k.hellbert@fplp.at www.fplp.at

EU-Datenschutz-Grundverordnung:

Wie viel Bürokratie verträgt die Medizin? u 2018 sind die Bestimmungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung zu erfüllen. u Für die Verarbeitung von sensiblen Gesundheitsdaten kann ein „Inhouse“ ­Datenschutzregister erforderlich werden. u Hohe Strafen drohen bei Nichteinhaltung.

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ie EU-Datenschutz-Grundverordnung gilt ab dem 25.05.2018 und bringt eine grundlegende Reformierung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen mit sich. Unternehmer, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen, haben ein „Inhouse“ Datenschutzregister zu führen, das unter anderem den Zweck, die Datenkategorien wie auch Beschreibung des technischen Datenschutzes umfassen muss. Es wäre nicht die EU, wenn es nicht eine Vielzahl an Ausnahmen gäbe, insbesondere wenn zum Beispiel sensible Daten verarbeitet werden, also über Gesundheit oder auch strafrechtlich relevante Daten. Dann müssen auch Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ein Datennutzregister führen. Wenn die Kerntätigkeit eines Unternehmens die Verarbeitung zum Beispiel sensibler Daten umfasst, sind die Unternehmen auch verpflichtet, einen Datenschutzbeauftragten zu bestellen. Auf den Unternehmer kommt auch eine Datenschutz-Folge-Abschätzung zu, wenn ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen durch die Verarbeitung besteht.

Erhöhte Pflichten Reglementiert wurde nun auch, wie eine „rechtskonforme“ Zustimmungserklärung auszuschauen hat, die nun fordert, dass etwa der Grund der Verarbeitung plus Gesetzesstelle angeführt wird. Darüber hinaus muss bei sensiblen Daten auch dargelegt werden, worin das überwiegende Interesse des Verarbeiters besteht. Nicht verwunderlich, die erhöhten Pflichten des Verarbeiters gehen einher mit der Ausweitung der Rechte für Personen, deren Daten verarbeitet werden. Neben dem Auskunftsrecht, das nun die Beweispflicht dem Verarbeiter überbindet, wenn er diese verweigert, bleibt weiterhin das Recht

auf Berichtigung und auf Widerruf bestehen; hinzu kommt noch das Recht auf Vergessen und auf Datenübertragung. Was früher die Standardanwendungen waren, sollen nun die „Codes of Conduct“ reglementieren. Diese sollen speziell den Bedürfnissen von KMUs gerecht werden, damit diese einen verbindlichen Leitfaden zur Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen haben. Nur diese „Codes of Conduct“ bedürfen der Genehmigung durch die Datenschutzbehörde und müssen erst einmal durch Interessengemeinschaften erarbeitet werden.

Hohe Strafen zu erwarten Zumindest sollte man die neuen Verpflichtungen nicht auf die leichte Schulter nehmen, da die Strafen drakonisch sind. Wenn kein Datenschutzbeauftragter bestellt worden ist, Verzeichnisse zur Verarbeitung fehlen oder kein ausreichender technischer Datenschutz sichergestellt wird, kann die Strafe bis 2 % des weltweiten Jahresumsatzes betragen. Bei einer nicht rechtskonformen Übermittlung der Daten in das EU-Ausland kann die Strafe sogar bis 4 % des weltweiten Umsatzes hochschnellen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Wegfallen der Meldung teuer erkauft wurde, nämlich durch die Bestellung eines Datenschutzbeauftragten, Führung von Datenverzeichnissen, erweiterte Rechte der Betroffenen wie auch einer verpflichtenden Folgeabschätzung unter bestimmten Umständen und hohe Strafen. Unternehmen müssen daher bis zum 25.5.2018 sicherstellen, dass sie die neuen Bestimmungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung erfüllen, um diesen Strafen zu entgehen, bzw. evaluieren und festhalten, wieso bestimmte Verpflichtungen nicht auf sie zutreffen. n

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Dr. Johannes Steinhart Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Vizepräsident der Österr. Ärztekammer

Spitalskrise: Achtung ­Ansteckungsgefahr! u Die Zusammenarbeit aller Stakeholder ist gefragt, um Lösungen für das Gesundheitswesen zu erarbeiten. u Bildungs- und Gesundheitspolitik müssen für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

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ir brauchen einen institutionenübergreifenden Gesund- Bildungspolitiker auch gefragt heitsversorgungsgipfel mit allen Stakeholdern, um die Fülle von Baustellen im österreichischen Gesundheitssystem Dass ein solches System überhaupt noch funktioniere, sei zu zu beseitigen“, ist Dr. Johannes Steinhart, Obmann der Bun- einem guten Teil den Wahlärzten zu verdanken, deren Zahl in deskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Öster- den vergangenen zehn Jahren auf zuletzt 9.790 angestiegen reichischen Ärztekammer überzeugt und weiter: „Daher soll sei. „Die Politik leistet sich also ein für Ärzte denkbar unatauch der Gipfel so lange dauern, bis die wesentlichen Fragen traktives System und das, obwohl auch Österreich massiv von konsensuell beantwortet sind.“ Eine mutiÄrztemigration und Ärztemangel betrofge Forderung angesichts der langen Entfen ist“, weiß der Mediziner. Die Zahl der scheidungshorizonte, die heimische PoliHumanmedizin-Absolventen ist von 2003 tiker in vielen Fragen an den Tag legen. auf 2015 nicht gestiegen, der Anteil ausAls eine der größten Baustellen nennt ländischer Studierender hat sich hingegen „Wir brauchen bessere Steinhart die Folgen des Krankenanstalmehr als verfünffacht. Das heißt, dass ein Arbeitsbedingungen, ten-Arbeitszeitgesetzes. „Ein konstant wesentlicher Teil der Medizinstudenten damit die Ärzte im hohes Arbeitsaufkommen bei gleichzeitinicht als Arzt in Österreich arbeiten wird. ger Reduktion ärztlicher Arbeitszeit ist „Hier müssen die Bildungspolitiker rasch Land bleiben.“ nur zu bewältigen, wenn auch die Mitargegensteuern, und zwar gemeinsam mit beiterzahl aufgestockt wird. Aber Persoder Gesundheitspolitik, die gleichzeitig Dr. Johannes Steinhart nalabbau, De-facto-Aufnahmestopps und für bessere Arbeitsbedingungen sorgen Überstundenverbote verschärfen die Lage muss, damit möglichst viele Jungmedizinoch“, so Steinhart. ner im Land bleiben“, forderte der ÖÄKVizepräsident.

Künstliche Verknappung Wer Spitalsleistungen zurückfährt, erhöht den Zulauf zu den Ordinationen. „Ambulanzentlastung durch Verlagerung von Leistungen in den niedergelassenen Bereich ist eine Kernforderung der Ärztekammer – aber das kann nicht ohne Investitionen und Reformen umgesetzt werden“, ist sich der Ärztekammervertreter sicher. Die Forderung der ÖÄK nach 1.400 zusätzlichen Kassenstellen zielt darauf ab, obwohl damit erst lediglich das Niveau von vor 17 Jahren wieder erreicht wird, aber noch keine substanziellen Verbesserungen eingetreten sind. Dazu kommt die künstliche Verknappung von Ressourcen durch Deckelungen und Degressionen.

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Primärversorgung endlich vorantreiben In Sachen Primärversorgungsgesetz hält Steinhart fest: „Der Entwurf ist für uns Ärzte inakzeptabel, weil das einzige Ziel die Aushebelung des Gesamtvertrags, also des Kollektivvertrags zwischen Kammer und Sozialversicherung zu sein scheint.“ Weiters erinnerte er an den „Kostendämpfungspfad“ im Zuge der Gesundheitsreform 2013: „Angesichts der schwachen Konjunktur, der wachsenden Bevölkerung und der neuen medizinischen Möglichkeiten kann die Orientierung am BIP nur auf massive Leistungseinschränkungen hinauslaufen.“ n

© NOLL

POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

OP als Innovationszentrum u Führende Medizintechnik-Unternehmen schaffen gemeinsam eine österreichweit einzigartige interdisziplinäre OP-Forschungsinfrastruktur. u Etablierte und neue Medizin-, Lüftungs-, Kühlungs- und Informationstechniksysteme werden in einer speziellen OP-Umgebung getestet, evaluiert und weiterentwickelt.

ie FH Campus Wien errichtet gemeinsam mit Partnern aus dem Gesundheitswesen am FH-Hauptstandort in Wien-Favoriten einen auf dem neuesten Stand der Technik ausgestatteten Hightech-Operationssaal. Im Mittelpunkt der Forschung: Medizin-, Lüftungs-, Kühlungs- und Informationstechniksysteme sowie Workflow und zugehörige Simulationsmodelle für den OP inklusive Vor- und Nachbereitung. „Wir sehen im Operationssaal – Innovation Center (OPIC) die Chance, Wien zu einem führenden Standort für OP-Innovationen zu machen“, ist FH Prof. DI Andreas Posch, Departmentleiter Technik an der FH Campus Wien und OPIC-Projektleiter, überzeugt. Nach der Inbetriebnahme wird der OP in einer zweiten Bauphase um eine Intensiv-Pflegestation samt zugehöriger intraoperativer Bildgebungstechnologie erweitert. Danach ist es möglich, den klinischen Patientenpfad von der bildgebenden Diagnostik über den OP bis hin zur intensivmedizinischen und pflegerischen Nachsorge zu Forschungs- und Ausbildungszwecken gesamtheitlich zu betrachten und zu analysieren.

Intensive Forschungskooperation Auf Unternehmensseite beteiligen sich am OPIC die gsm Gesellschaft für Sicherheit in der Medizintechnik GmbH, TRILUX Medical GmbH & Co. KG und MANN+HUMMEL Vokes Air GmbH, indem sie die Erst- und Forschungsausstattung sowie Personalressourcen bereitstellen. Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH-AW), die bereits einen Lehr- und Forschungs-OP aufgebaut hat, unterstützt das OPIC durch Peer-Review der wissenschaftlichen Ergebnisse und Empfehlungen. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bringt Forschungsthemen ein. Das Besondere ist die intensive Zusammenarbeit von Gesundheits- und technischem Fachpersonal. „Diese Lehr- und Forschungs-Operationssaalumgebung schafft die optimale Vernetzung zwischen technischen Studiengängen der FH Campus Wien, allen voran Clinical Engineering, und den Gesundheitsstudiengängen Gesundheits- und Krankenpflege und Radiolo-

© TRILUX Medical GmbH & Co. KG Fotograf: Rendering

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Das Operationssaal-Innovation Center (OPIC) soll zu einem führenden Standort für OP-Innovationen ausgebaut werden.

gietechnologie, indem sie vorhandene Expertise und Infrastruktur wie etwa die bildgebende Diagnostik, aber auch die Labordiagnostik miteinbezieht, verschränkt und nutzbar macht“, so Posch weiter. Durch das OPIC lassen sich etablierte und neue Medizin-, Lüftungs-, Kühlungs- und Informationstechniksysteme in der speziellen OP-Umgebung testen, evaluieren und weiterentwickeln. Prototypen medizintechnischer Geräte können vor Markteintritt getestet und für den Praxisbetrieb optimiert werden. Im Rahmen von wissenschaftlichen Studien soll auch der Einsatz neuer Lüftungstechnik analysiert werden, um Infektionsrisiken zu minimieren. Weitere Schwerpunktthemen sind Simulationsmodelle sowie die Reduktion des Energiebedarfs. Forschungsrelevant sind außerdem computerunterstützte OPPlanung und -Durchführung, die Beleuchtungstechnik, Videokonferenzsysteme und zugehörige neue Bedienungskonzepte sowie Diagnose- und Kommunikationssysteme. n www.fh-campuswien.ac.at, www.gsm.at, www.trilux-medical.com, www.vokesair.com

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PRODUKTE & ANBIETER

Firmenporträt: VISTA-MEDICAL

Maßgeschneiderte ­Lösungen Langfristige Kundenbeziehungen und partnerschaftliche Lösungen stehen im Mittelpunkt der Firmenphilosophie des Medizinprodukte-Experten VISTA-MEDICAL. Davon profitieren Kunden und Vertriebspartner gleichermaßen.

Ein zentraler Bestandteil der Leistungen ist die individuelle Beratung der Kunden. Durch die kontinuierliche Optimierung von Organisationsprozessen wird eine höchstmögliche Kundenzufriedenheit erreicht. Kundenservice heißt für die Medizinprodukte-Experten kurze Lieferzeiten, zuvorkommender Service und Qualität zu attraktiven Preisen. Zuverlässigkeit und Beratung der Anwender stehen für uns im Vordergrund. Unsere Kunden profitieren von unserer jahrelangen Erfahrung und unseren ausgezeichneten Kontakten zu Herstellern und Lieferanten. Neben dem Vertrieb von medizintechnischen Geräten für alle chirurgischen Disziplinen sowie für fächerübergreifende neurologische Diagnostik ist vor allem die Betreuung der Kunden, auch über die Gerätelebensdauer hinaus, ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells von VISTA-MEDICAL. Produktspezifische und technische Schulungen werden laufend – sowohl intern als auch extern – durchgeführt. Unser technischer Support kümmert sich um Reparaturen, Wartungen und vorgeschriebene Gerätekontrollen. n

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ISTA-MEDICAL bietet österreichweit medizintechnische Produkte, Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien im Bereich Beratung, Schulung, Instandhaltung und Instandsetzung an. Mit über 30 Jahren Erfahrung im Vertrieb und der Betreuung von medizintechnischen Produkten ist das Unternehmen ein zentraler Ansprechpartner für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen. Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte profitieren von den langjährigen Partnerschaften, die auch künftig immer wichtiger werden. Im Mittelpunkt stehen dabei qualitativ hochwertige Systemlösungen, kombiniert mit einer kompetenten und zuverlässigen Kundenbetreuung über die gesamte Produktlebenszeit. Die partnerschaftliche Beziehung zu den Kunden ist Kern der Unternehmensphilosophie.

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VISTA-Medical Medizintechnik GmbH
 Linzerstraße 76/6, 1140 Wien
 Tel: +43-1-786 22 22, office@vistamedical.at www.vistamedical.at

Vertriebspartner auf einen Blick Inomed: intraoperatives Monitoring, Schmerztherapie, Stereotaxie Univet: Lupenbrillen, Lichtsysteme DWL Compumedics: Ultraschalldoppler Atys: Transkranielles Holtersystem Magstim: Magnetstimulation Medoc: Thermostimulation Natus NeuroCom: Gleichgewichtsmessung

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Kundenzufriedenheit entscheidet


Dipl. Soz. Ök. Gordon Löwe Leiter Personal und Kommunikation Roche Diagnostics GmbH

Firmenporträt: Roche Diagnostics

Der Spezialist für ­personalisierte Medizin Seit 120 Jahren verpflichtet sich Roche zur Verbesserung der Lebensqualität und setzt als Pionier auf die Vorteile der personalisierten Medizin.

„A

ll fits one“-Modelle – gleiche Symptome gleich zu behandeln – haben in der modernen Medizin ausgedient. Personalisierung heißt das Stichwort, wenn es darum geht, die besten Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für Patienten auszuschöpfen. Die Vorteile für Betroffene, Behandler, aber auch die Kostenträger liegen auf der Hand: Bessere prognostizierbare klinische Ergebnisse, mehr Lebensqualität, verringerte Morbidität, weniger unnötige Behandlungen sowie Nebenwirkungen und Folgekosten, mehr Compliance und die optimierte Nutzung von Ressourcen im Gesundheitswesen.

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Personalisierte Medizin Der Pharma- und Diagnostik-Experte Roche setzt längst auf diesen zukunftsweisenden Weg: „Wir sehen ein enormes ­Potenzial und große Chancen in der personalisierten Medizin. Zielgerichtete Therapien und diagnostische Tests, die helfen, die medizinische Entscheidungsfindung zu verbessern, bieten nicht nur klinische Vorteile für die Patienten, sondern auch ökonomische Vorteile für Zulassungsbehörden und Kosten­ träger“, betont Dipl. Soz. Ök. Gordon Löwe, Leiter Personal und Kommunikation bei Roche Diagnostics Österreich. Dazu wird das Fachwissen aus den beiden Kerngeschäften Pharma und Diagnostics verknüpft und laufend in Forschung und Entwicklung investiert. „Roche ist weltweit führend, wenn es um das F&E-Investment geht“, ergänzt Löwe. Das größte BiotechUnternehmen weltweit ist auch mit 15 Milliarden Tests Marktführer in der In-vitro-Diagnostik.

Aktuelle Neueinführungen In Österreich wurde Roche im Jahr 1907 gegründet und führender Anbieter von modernsten Therapien sowie Diagnostik-Lösungen. Roche beschäftigt rund 400 Mitarbeitende in drei eigenständigen Gesellschaften (Pharma, Diagnostics und Diabetes Care) am Standort in Wien. Der Geschäftszweig Diabetes Care betreut von Wien aus 280 Mitarbeitende in 28 Ländern. Roche Diagnostics ist die klare Nummer eins am österreichischen Gesamtmarkt (EDMA, Marketshares Austria 2015).

„95% aller Blutproben, die in einem heimischen Labor abgearbeitet werden, kommen mit Geräten und Reagenzien von Roche Diagnostics in Berührung“, erzählt Löwe nicht ohne Stolz. Rund 170 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die etwa 3.000 aktiven Analysegeräte einwandfrei funktionieren und mit Reagenzien, Verbrauchsmaterial sowie Service und Support unterstützt werden. Auch im heurigen Geschäftsjahr ließ Roche Diagnostics mit einer Reihe von Neueinführungen aufhorchen: „Wir setzen einen besonderen Schwerpunkt im Bereich der Diagnostik bei Frauen, wie etwa in der Pränataldiagnostik und bei der Zervixkarzinom-Vorsorge“, gibt Löwe Einblick. Zudem liegt ein Fokus auf der Stärkung des Selbstmanagements, etwa bei Diabetes oder der Antikoagulation. Eine ­Reihe von Produktneueinführungen, wie etwas das Immunologie-System cobas e801, prägte das Geschäftsjahr. Auch das Färbe­system für Gewebeproben VENTANA HE 600 System setzt neue Standards im Labor. Ein großes Forschungsprojekt mit Schwerpunkt auf Genanalysen samt Therapieempfehlungen macht Österreich zudem zum europäischen Pilotstandort.

Im Dienste der Menschen Der europäische Konzern mit Hauptsitz in Basel (CH) zeichnet sich trotz der Größe – 91.747 Mitarbeiter sind weltweit im Einsatz – durch ein fast „familiäres“ Arbeitsklima aus. Mut, Integrität und Leidenschaft zählen zu den Kernwerten und prägen die Entwicklung, denn: „Innovationen sind nur möglich, wenn ich mutig auf Neues zugehe und an Ideen glaube. Das gilt für Mitarbeiter ebenso wie für Investoren“, beschreibt Löwe das Leitbild und ist stolz auf sein Team: „Wir haben Mitarbeiter, die sich für ihre Aufgabe engagieren und sich immer wieder bewusst machen, dass sie direkt oder indirekt für die Gesundheit der Menschen arbeiten.“ Nicht umsonst wurde das Unternehmen mehrmals als „Best Recruiter“ ausgezeichnet und steht für zufriedene Mitarbeiter, die bereit sind, für die Gesundheit der Patienten auch einen Blick über den Tellerrand zu werfen.  n Roche Diagnostics GmbH Engelhorngasse 3, 1211 Wien Tel: +43-1-277 87-0, www.roche.com

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PRODUKTE & ANBIETER

Firmenporträt: Zwick GmbH & Co. KG

Sicherheit in der ­Medizintechnik

I

n der Medizintechnik sind die Sicherheitsanforderungen noch ausgeprägter als in den meisten anderen Industriezweigen, da die Produkte direkten Einfluss auf das Leben haben. Eine anforderungsgerechte Qualitätsprüfung umfasst daher nicht nur ­Entwicklung, Produktion und Verpackung der medizinischen Produkte unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und gültigen Normen, sondern muss auch das Risiko für den Patienten und Anwender minimieren. Fehlkonstruktionen können zu hohen Schäden des Patienten sowie Kosten durch Produkthaftungsklagen bis hin zu neuen EU-Verordnungen führen.

Herausforderungen steigen Entsprechend der Medizinprodukterichtlinie 93/42/EWG müssen Prüfsysteme im medizinischen Bereich regelmäßig validiert werden. Ein wesentlicher Bestandteil der Validierung von Prozessen in der Medizintechnik- und Pharmaindustrie ist die technische Überprüfung einzelner Anlagen und Geräte. Im Zuge dieser Qualifizierung wird das von der Prüfmaschine und insbesondere der Prüfsoftware ausgehende Risiko betrachtet. Durch dokumentierte Tests wird geprüft, ob die Installation und die generellen Funktionalitäten von Maschine und Software den festgelegten Anforderungen entsprechen. Seit 2008 bietet Zwick seinen Kunden hier umfassende Unterstützung an, etwa mit modularen Testdokumenten für die Phasen der

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Designqualifizierung (DQ), Installationsqualifizierung (IQ) und Funktionsqualifizierung (OQ) nach GAMP 5. Die Durchführung der Tests erfolgt durch speziell geschulte Servicetechniker, die neben der Qualifizierung auch die Inbetriebnahme, Einweisung und Kalibrierung durchführen. Seit der Einführung hat Zwick 250 Prüfsysteme im In- und Ausland erfolgreich implementiert. Die Dokumente werden bei Zwick ständig weiterentwickelt, um zukünftig die Kunden in der Medizin- und Pharmabranche optimal zu unterstützen. Namhafte Unternehmen setzen auf das Know-how von Zwick: Im Rahmen der Forschungs- und Qualitätssicherungsaktivitäten setzt DePuy Synthes am Standort im schweizerischen Oberdorf eine Material-Prüfmaschine von Zwick ein. Auch W. L. Gore & Associates GmbH vertraut auf die Prüftechnik und den Qualifizierungsservice von Zwick. Der sensible Einsatzbereich Membranen zur Belüftung und Filtration stellt höchste Ansprüche an die Qualitätssicherung. „Der Servicemitarbeiter vor Ort zeichnete sich durch hohe Fachkompetenz aus und ist im Rahmen der Einweisung bereitwillig auf individuelle Fragen eingegangen“, resümiert Isabel Willim, Labor-Ingenieurin bei Gore.  n Zwick GmbH & Co. KG August-Nagel-Str. 11, D-89079 Ulm Tel: +49-7305-10-0, info@zwick.de www.zwick.de

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Technologien zur Sicherung der Funktionstüchtigkeit von Medizinprodukten minimieren auch das Risiko für Anwender und Patienten.


PRODUKTNEWS

Neuer Geschäftsführer von SALESIANER MIETTEX

Dr. Victor Ioane, 35, hat die Geschäftsführung der SALESIANER MIETTEX GmbH, Österreichs Marktführer für Textilmanagement, übernommen und wird das Unternehmen künftig gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter Mag. Thomas Krautschneider führen. Ioane begann seine Laufbahn bei SALESIANER MIETTEX im Jahr 2005 als Niederlassungsleiter in Bukarest. 2012 wechselte er in die Konzernzentrale in Wien und übernahm die Geschäftsführung der Auslandsgesellschaften in Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Kroatien und Rumänien. Seit 2014 wurden unter seiner Leitung in Serbien und Polen SALESIANER MIETTEX-Betriebe eröffnet. Ioane studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Polytechnischen Universität in Bukarest und der Technischen Universität in Darmstadt und verfügt über einen MBA in Strategic Management der Wirtschaftsakademie Bukarest.   www.salesianer.at

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3M übernimmt Semfinder 3M gibt die Übernahme des in der Schweiz ansässigen Kodierspezialisten Semfinder bekannt. Semfinder ist einer der führenden Entwickler von Lösungen für die semantische Kodierung von Medizindaten. Die Übernahme von Semfinder ermöglicht 3M Zugriff auf wichtige neue Kodiertechnologien. Diese erlauben es dem Unternehmen, sein 3M 360 Encompass System in Ländern, in denen elektronische Patientenakten eingeführt werden, noch schneller zum Einsatz zu bringen.

Die semantische Technologielösung von Semfinder ist eine der zentralen Komponenten für die 2015 in Deutschland eingeführte Kodierungssoftware 3M 360 Encompas. Ziel ist es, den Kodierprozess zu optimieren und zugleich die beteiligten Ärzte, Kodierfachkräfte und das Medizincontrolling zu entlasten. Die Software erlaubt erstmalig die Analyse der Sprache in der elektronischen Patientenakte, generiert selbstständig Kodiervorschläge und weist bei Bedarf auf fehlende Informationen im Kodierkontext hin. 3M Health Information Systems (HIS) gehört zum Geschäftsbereich 3M Health Care und ist einer der führenden Anbieter für medizinische Software, Serviceleistungen und Analysewerkzeuge in Europa.  www.3M.com/at

Erster bioresorbierbarer Magnesium Scaffold Im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben Kardiologen neueste Erkenntnisse beim Einsatz von selbstauflösenden Scaffolds diskutiert. Im Fokus standen dabei die klinischen Daten aus der BIOSOLVE-II Studie, die die Sicherheit und Effektivität des weltweit ersten bioresorbierbaren Scaffolds auf Magnesiumbasis untersucht hat. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die mittels der intravasalen Bildgebung gewonnenen Erkenntnisse zum Einheilungsverhalten des Scaffolds gelegt. BIOSOLVE-II ist eine prospektive, multizentrische First-in-man-Studie zur Beurteilung der Sicherheit und klinischen Leistungsfähigkeit des BIOTRONIK Magnesium Scaffolds. 123 Patienten in Deutschland, Belgien, Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz, Spanien, Brasilien und Singapur wurden in die Studie aufgenommen. Der primäre Endpunkt war der späte Lumenverlust im betroffenen Segment (In-Segment-­ LateLumen-Loss) nach sechs Monaten. Der Magnesium Scaffold wies einen In-Segment-Late-­ Lumen-Loss (LLL) von 0,27 ± 0,37 mm auf. Besonders beeindruckt hat das gute Sicherheitsprofil des Scaffolds, belegt durch das Fehlen jeglicher In-Scaffold-Thrombosen sechs Monate nach der Implantation.  www.biotronik.com

Gewebetransplantate – bewährt und sicher Transplantiertes Knochen-, Sehnen- und Bändergewebe wird vor allem in der Orthopädie, der Unfallchirurgie, der Neurochirurgie, der Kiefer- und Gesichtschirurgie und der plastischen und Wiederherstellungschirurgie eingesetzt. Im Mittelpunkt der chirurgischen Eingriffe stehen Verfahren zur Wiederherstellung der Funktion von Geweben nach Frakturen und Schädigungen, die durch Krankheiten und Verletzungen verursacht wurden. Beispiele sind der Ersatz von Knochen, die bei der Entfernung von Tumorgewebe eingebüßt oder bei Unfällen stark beschädigt wurden, die Behandlung von Erkrankungen des Zahnhalteapparates, die Rekonstruktion von Kiefer- und Gesichtsdefekten, die Behandlung von Frakturen oder altersbedingten Veränderungen an der Wirbelsäule und der Verschluss von größeren Wunden nach chirurgischen Eingriffen, Unfällen oder Verbrennungen. Häufig können durch Verwendung von Gewebetransplantaten Amputationen von Gliedmaßen und das Tragen von Prothesen vermieden werden.

Seit der Gründung des Deutschen Instituts für Zellund Gewebeersatz (DIZG) im Jahr 1993 sind dort etwa 150.000 Transplantate bereitgestellt worden. DAS DIZG stellt allogene Gewebetransplantate und autologe Zellkulturen her, fördert die Gewebespende und forscht und entwickelt neue Transplantate. Alle Gewebespenden werden in Krankenhäusern von speziell ausgebildeten Entnahmeteams entnommen. Danach kommt jedes Gewebe zunächst in Quarantäne, bis alle Testergebnisse über etwaige Kontamination vorliegen. Ein wichtiger Verarbeitungsschritt, den alle Gewebetransplantate des DIZG durchlaufen, ist die Sterilisation. Dabei werden potenzielle Krankheitserreger, die nicht im Rahmen des Bluttests untersucht wurden, inaktiviert. Anschließend werden die Transplantate konserviert. Das DIZG stellt insgesamt etwa 250 spezialisierte Transplantate zur Verfügung, die sich nach Art des Gewebes und den Abmessungen unterscheiden, um den Anforderungen von Chirurgen zu entsprechen.  www.dizg.de

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KONGRESSE uu AUSBLICK Endo Linz 2017 9.-20. Jänner 2017, Linz Mit Endo Linz 2017 soll die Tradition des interdisziplinären Zusammenseins von Chirurgen und Gastroenterologen fortgesetzt werden. Die Themen umfassen diesmal gutartige Erkrankungen der Gallenwege, des Dünndarms und des Dickdarms. Diagnostische und therapeutische Endoskopie sowie die Schnittstelle zur Chirurgie bei Gallengangskonkrementen, Dünndarmblutungen, Divertikulitis und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen stehen im Fokus. Namhafte Referentinnen und Referenten aus ganz Österreich werden den Teilnehmern diese Themen näher bringen, unterstützt von Fallbeispielen aus der Praxis. www.endolinz.at



IROS 2017 12.-14. Jänner 2017, Berlin Das IROS Programm wird auch 2017 wieder altbewährte Formate enthalten – Klassiker wie die Morbidity & Mortality Sitzung, die Refresherkurse oder auch die Fachkunde IR-Kurse. In den „Heiße Eisen“ Sitzungen werden Experten die neuesten Erkenntnisse und bedeutendsten aktuellen Themen der interventionellen Radiologie aufgreifen. In Hands-on Workshops zu verschiedensten Themen werden Teilnehmer die Möglichkeit haben, die Inhalte mit Übungen zur praktischen Anwendung zu vertiefen. Weitere Programmhighlights werden einmal mehr die Live-OP-Übertragungen und Video-Case-Präsentationen sein. Die Weiterbildung junger Ärzte und des Assistenzpersonals ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt des IROS. Aus diesem Grund wird es auch maßgeschneiderte Kurse für medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) und Radiologietechnologen (RT) sowie junge Ärzte geben, die sich auf ihre Facharztprüfung vorbereiten wollen. www.irosonline.org

KONGRESSKALENDER

1.-3.12.2016

Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation – ÖGR Wien, www.rheumatologie.at

4.-7.12.2016

IASLC 17th World Conference on Lung Cancer Wien, www.iaslc.org

8.-10.12.2016

Menopause Andropause Anti-Aging, Wien, www.menopausekongress.at

12.12.2016

Prävention bei Herzkreislauferkrankungen – 1. Jahreskongress des Österreichischen Herzfonds Wien, www.herzfonds.at

15.-17.12.2016

Trauma Imaging 2016 Hamburg, www.traumaimaging.de

t JÄNNER 2017

13.1-14.1.2017

Kardiologie Interaktiv Linz, www.cardio-congress.com

21.-24.1.2017

18th International Meeting Integrated Management of Acute and Chronic Cardiovascular Disease, Innsbruck, www.cardio-congress.com

27.-28.1.2017

7. D-A-CH Kongress für ­pneumologische Rehabilitation Salzburg, www.ogp.at

31.1.-3.2.2017

21. Jahrestagung der Österrei­ chischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Bad Hofgastein, www.mkg-kongress.at

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Karin Duderstadt, k.duderstadt@medmedia.at, Tel: +431-407 31 11-29. Projektmanagement: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, Mag. Volkmar Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: ­creativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: ­Druckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

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it der neuen Medizinprodukteverordnung hat sich die EU das Ziel gesetzt, die Sicherheit für Patienten weiter zu erhöhen. Auch höhere Qualität soll damit den Patienten zugutekommen – zwei Themen, die nicht nur den Entscheidungsträgern innerhalb der Europäischen Union ein Anliegen sind. Auch die AUSTROMED als Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen setzt seit Anbeginn ihrer Tätigkeit darauf, die Lebensqualität der Patienten mithilfe innovativer Produkte zu verbessern, gleichzeitig die Arbeit der Gesundheitsdienstleister leichter zu machen und auf lange Sicht damit auch Kosten im Gesamtsystem zu reduzieren. Denn eine hochwertige Versorgung ist die Basis für eine raschere Genesung der Patienten und einer Entlastung für das Gesundheitswesen. Dass diese Win-win-Situation nicht immer so leicht aufgeht wie hier beschrieben, liegt auf der Hand. Viele gegenläufige Interessen, gerade in einem komplexen Umfeld wie dem Gesundheitssystem, sind auf einen Nenner zu bringen, und das auch über die Landesgrenzen hinweg. Die neue Medizinprodukteverordnung wird – bei allen guten Wünschen nach mehr Sicherheit – für Hersteller bei Produktzulassung einen Mehraufwand mit sich bringen. Und genau an dieser Stelle wollen wir als AUSTROMED aktiv werden und uns mit unserem Netzwerk in Politik und Wirtschaft dafür einsetzen, dass innovative Produkte trotzdem den Weg zu den Patienten finden. Dazu kooperieren wir beispielsweise aktiv mit Life Science Austria (LISA), dem österreichischen Portal für alle Fragen der Finanzierung, Ansiedlung, Projekten und internationalem Marketing im Bereich Life Sciences. Damit Innovation passiert, muss auch in der breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welchen Stellenwert moderne Medizinprodukte in der Versorgung der Bevölkerung haben. Unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit und eine aktuelle Imagekampagne der AUSTROMED fördern die Ge-

sundheitskompetenz der Bevölkerung und damit die Nachfrage nach innovativen Produkten. Natürlich machen es die internationale Konkurrenz und der Kostendruck gerade kleineren Unternehmen schwer, sich bei hohen Auflagen und bürokratischen Hürden gegen Großkonzerne und ausländische Konkurrenz durchzusetzen. Das ist kein Novum, ist doch die heimische Wirtschaft aus Tradition von Klein- und Mittelbetrieben geprägt, die aber viel zu bieten haben. Mit hoher Qualität, viel Erfahrung und flexiblen Strukturen aufseiten der Betriebe und der Unterstützung einer schlagkräftigen Interessensvertretung werden wir uns dafür einsetzen, dass neue Regelungen wie jene der Medizinprodukteverordnung im österreichischen Gesetz so verankert werden, dass unseren Mitgliedern keine Wettbewerbsnachteile entstehen. Damit es zu einer raschen Abwicklung der Marktzulassung kommen kann, ist der Ausbau der benannten Stellen dringend erforderlich. Diesen Bottleneck bei der Zulassung neuer Produkte können wir nicht akzeptieren, daher sind wir bereits in intensiven Gesprächen, hier neue Möglichkeiten für die Medizinprodukte-Unternehmen zu schaffen. In diesem Sinne werden wir uns auch im kommenden Jahr als aktiver Partner in der Gesundheitspolitik positionieren und für den Erfolg der heimischen Medizinprodukte-Unternehmen einsetzen. Jammern und abwarten hat noch niemandem ­geholfen... n

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

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Das Medizinprodukt 05{2016  
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