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ISSN 2223-1080

Orthopädie & Traumatologie P.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“, Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien

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Möglichkeiten und Grenzen der Gelenkerhaltung

20 | Radiologie: LowDose wirkt! www.das-medizinprodukt.at

34 | iToilet: Sturzprophylaxe am WC 45 | Digital Healthcare für eine bessere Versorgung


ThevoRelief Das Therapiesystem bei Schmerzen

Einordnung des Krankheitsbildes: Menschen mit Arthrose, Osteoporose oder Krebs leiden häufig unter starken Liegeschmerzen. Schlafstörungen sind die Folge. Das Immunsystem wird geschwächt. Eine Krebserkrankung äußert sich in verschiedenen Ausprägungen und Krankheitsbildern. Aus diesem Grund können keine generellen Aussagen bezüglich Heilungschancen und Lebenserwartung getroffen werden. Es sind gegenwärtig mehr als 300 verschiedene Krebserkrankungen bekannt, die sich in Behandlungsmöglichkeiten, der Neigung zur Bildung von Metastasen und Überlebenschance teilweise stark unterscheiden. Die Symptome sind vielfältig, je nach betroffenem Organ, Metastasenbildung etc. Einige dieser Symptome sind Schmerzen, Gewichtsverlust, Schw äche, nächtliches Schwitzen, Depressionen uvm.

Komponenten der ThevoRelief Flügelfedern Anpassung an die Körperkonturen, entlastet schmerzende Körperzonen Matratze Für ein extra weiches Liegegefühl Schmerz-Federung Weiches Liegegefühl - Schmerzlinderung ist optimal an die Schlaf- und Liegebedürfnisse des Schmerz-Patienten angepasst

Wirkung von ThevoRelief: optimale Druckentlastung durch Flügelfedern Reduktion des Druck- und Liegeschmerzes + weniger Schlafstörungen (welche den Schmerz häufig verschlimmern) nicht-medikamentöse Schmerzlinderung / Reduktion der Schlafmittel + Entlastung der Pflegeperson + Verbesserung des Allgemeinzustands durch Verbesserung der Schlafqualität ergibt eine ökonomische Gesamt-Konstruktion hohe Wirtschaftlichkeit durch Wiedereinsatz (autoklavierbar) bestehend aus High-Tech-Material für höchste Qualität und Haltbarkeit keine manuellen Einstellungen notwendig einsatzbereit ohne aufwendige Schulungen der Pflegepersonen Steigerung der Lebensqualität Entlastung schmerzhafter Körperstellen sanfte Bewegung hervorragendes Bettklima

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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Es ist, wie es ist... … oder „ich weiß, dass ich nichts weiß“? Nicht etwa dem Sommerloch ist es zuzuschreiben, dass derartig philosophische Überlegungen im Gesundheitswesen aufgepoppt sind. Wir spüren es längst, doch sprechen es selten so offen an: Wissen ist allgegenwärtig, mächtig und gleichzeitig inflationär und damit zunehmend wertlos. „Jeder hat heute Superkräfte. Sie können jede Frage beantworten, Millionen Menschen auf der Stelle eine Nachricht schicken, einfach unglaubliche Dinge tun“, bringt der Pay Pal-Gründer und Tesla-Chef Elon Musk Fluch und Segen unserer Zeit auf den Punkt. Nicht von ungefähr kommt es daher, dass auch die heurigen gesundheitspolitischen Gespräche im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach ganz im Zeichen von Wissen, Daten und Informationsflut standen. Unter dem Motto der „Neuen Aufklärung“ diskutierten rund 500 Experten über Mythos und Wahrheit in der Medizin und die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung der Branche eröffnen. Themen wie Sicherheit, Transparenz und Fortschritt zogen sich wie ein roter Faden durch die Vorträge und Workshops. Für Ehrlichkeit und Transparenz sorgte auch das Zitat des finnischen Orthopäden und Unfallchirurgen Dr. Teppo Järvinen: „Eine retrospektive Analyse der im New England Journal of Medicine zwischen 2001 und 2010 erschienenen Studien mit 363 in der Medizin praktizierten Therapien hat ergeben, dass ein erheblicher Teil dessen, was wir tun, nichts anderes als medizinischer Abfall ist.“ Die Tatsache ist nicht ganz neu, aber selten so erfrischend ehrlich formuliert worden. Schon der amerikanische Mathematiker, Publizist und Nobelpreisträger Samuel Arbesman hat das Thema in seinem Buch „Halbwertszeit von Tatsachen“ ebenfalls aufgegriffen und ist überzeugt, dass sich Fakten laufend ändern und hat dafür den Begriff „Meso-Fakten“ eingeführt. Dazu zählt etwa das Periodensystem der Elemente, das noch vor einigen Jahrzehnten 113 Elemente enthielt, derzeit auf 118 steht und – geht es nach den Japanern – auf 120 ausgeweitet werden soll. Milliarden gesundheitsrelevante Daten des Einzelnen sollen in Zukunft zu einer „Wolke“ für eine verbesserte Gesundheitsversorgung zusammengeführt werden. „Doch nützt das dem Individuum und der Gesellschaft?“, lautete die Frage, die bei der Eröffnung der Alpbacher Gesundheitsgespräche gestellt wur-

de. Ab diesem Zeitpunkt schwebte „Big Data“ drei Tage meist wie eine düstere Wolke über dem sonnigen Bergdorf Alpbach und warf ihren Schatten auf so manches Gespräch. Kann ein Mehr an Daten die Diagnose und Therapie revolutionieren oder entsteht nur ein Plus an Information, die nicht automatisch auch zu besserem Output führt? Wie sind diese Datenmengen zu nutzen, zu interpretieren und zu verwalten? Lässt sich dadurch gesundheitsförderndes Verhalten verbessern? Macht uns Big Data gesünder oder zumindest klüger im Sinne von Health Literacy? So offen wie diese und viele andere Fragen waren auch die Gesundheitsgespräche. Konkrete Wünsche und Forderungen an politische Entscheidungsträger, erarbeitet im Thinktank der Experten, blieben heuer erstmals aus. Ein Zeichen, dass die „neue Aufklärung“ das ist, was es ist: eine Besinnung auf die Vernunft, ein Kampf gegen Vorurteile, ein Plädoyer für Toleranz und Emanzipation. Bleiben wir also optimistisch, so wie unsere Vorfahren im Zeitalter der (alten) Aufklärung im 18. Jahrhundert überzeugt waren, dass eine vernunftorientierte Gesellschaft die Hauptprobleme menschlichen Zusammenlebens lösen wird.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

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Medizin & Wissenschaft 6 8 11 13 14 16 18

Allgemeines Impressum Kongresse und Termine Update in der neurochirurgischen Therapie Schlusswort

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Unfallchirurgen diskutieren neue Herausforderungen Diagnose und Therapie von Handwurzelver­letzungen Möglichkeiten und Grenzen der Gelenkerhaltung Operative Behandlung von Skoliosen Achillodynie: minimalinvasiv versorgt Children’s KNEEs Study: gesunde Gelenke bei Übergewicht erhalten Produktradar: Implantate

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Fokus: Orthopädie & Traumatologie

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Radiologie: LowDose wirkt! EKG deckt Risiken auf Intensivmedizin: „Ein Masterplan macht niemanden gesund“ Anästhesie trifft auf Ultraschall Die Zukunft der Pneumologie

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Politik, Verwaltung & Management Bundesvergabegesetznovelle 2015: Bester Preis entscheidet Gastkommentar: Big Data – Big Health? Reform der Krankenhausfinanzierung Digital Healthcare für eine bessere Versorgung

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INHALT

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Pflege & Home Care ­ om Mitgefühl zur Traumatisierung V Pflege und Nachbetreuung bei Knochenbrüchen  iToilet: Sturzprophylaxe am WC Diabetes-Netzwerk setzt auf Grazer Know-how  Jahrestagung der MKÖ: Im Gespräch mit Dr. Evi Reinstadler Branchennews

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Mehdi Mousavi Präsident der Österreichischen Gesellschaft für ­Unfallchirurgie © Fotostudio Wilke/Mediendienst.com

FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

IM GESPRÄCH

Unfallchirurgen diskutieren neue ­Herausforderungen Im Oktober trifft sich die Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU) im Rahmen der Jahresversammlung in Salzburg, um ihre Mitglieder nicht nur über aktuelle medizinische Innovationen zu informieren, sondern mit ihnen auch über wichtige organisatorische, politische und strategische Weichenstellungen zu beraten. Nicht zuletzt aufgrund der derzeitigen Zusammenführung der Unfallchirurgie mit der Orthopädie ist der Gesprächsund Informationsbedarf groß. DAS MEDIZINPRODUKT sprach mit dem Präsidenten der ÖGU, Prof. Mehdi Mousavi, er ist auch wissenschaftlicher Leiter der Jahrestagung, über Inhalte und Zielsetzungen der Veranstaltung.

Was sind bei der Zusammenführung der beiden Fächer die größten Herausforderungen? Mousavi: Ein ganz entscheidendes Thema ist die Facharztausbildung im neuen Fach. Unsere Aufgabe ist es, die Ausbildungsqualität in den jeweiligen Schwerpunkten Orthopädie und Unfallchirurgie trotz der zunehmenden Breite zu erhalten. Was uns derzeit auch sehr beschäftigt, sind die notwendigen organisatorischen Anpassungen der Abteilungen in den Spitälern aufgrund der Zusammenlegung. Wir werden uns auf der Jahrestagung genau ansehen, wie der aktuelle Stand bei der Zusammenlegung auf regionaler und Landesebene ist und darüber diskutieren, wie eine sinnvolle Organisation in den neuen Abteilungen aussehen muss, um die Patienten optimal versorgen zu können.

52. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie 6. - 8. Oktober 2016, Salzburg www.unfallchirurgen.at

Wie ist das (Gesprächs-) Klima zwischen den beiden Fachgesellschaften in den laufenden Verhandlungen zur Zusammenführung? Mousavi: Das Klima ist sehr gut. Wir kommunizieren ja schon seit Jahren intensiv miteinander, haben unter anderem auch gemeinsam das Curriculum für das neue Fach erstellt. Inzwischen haben wir auch bereits einen neuen Dachverband gegründet: Die Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie. Sie wird zukünftig die gemeinsamen Agenden unserer beiden Fachgesellschaften nach außen vertreten, auch die politischen Angelegenheiten. Die beiden etablierten Fachgesellschaften bleiben jedoch erhalten. Die neue gemeinsame Gesellschaft dient sozusagen als zusätzlicher Verband mit klar definierten Aufgabenstellungen. Das Junge Forum der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie führt aktuell eine Umfrage bezüglich der Übergangsregelungen für das neue Sonderfach Orthopädie und Traumatologie durch, weil (Zitat) „viele KollegInnen mit den momentanen Übergangsregelungen sehr unzufrieden sind“. Was wird mit den Ergebnissen der Umfrage weiter geschehen? Mousavi: Die Umfrage ist von mir initiiert worden, weil wir ein Stimmungsbarometer haben wollen, wie es vor allem den jungen Fachärzten mit der Umstellung aktuell geht: Wie denken sie darüber? Wo sehen sie die Hauptschwierigkeiten? etc. Wir werden uns die Ergebnisse der Umfrage sehr genau ansehen, sie im Rahmen des Kongresses präsentieren und gemeinsam diskutieren. Ein anderes ganz aktuelles Thema ist das viel diskutierte österreichweite Traumanetzwerk. Wie ist dazu der aktuelle Stand? Mousavi: Wir haben unsere Ideen zur Polytraumaversorgung auf den Tisch gelegt. Jetzt läuft der politische Prozess. Die Fachgesellschaft ist hier intensiv eingebunden, daher bin ich zuversichtlich, dass unsere Ideen auch politisch umgesetzt und im Rahmen des Österreichischen Strukturplans Gesundheit verbindlich festgeschrieben werden. Wie viele Teilnehmer erwarten Sie zur diesjährigen Jahrestagung? Mousavi: Nach aktuellem Anmeldestand werden rund 800 Teilnehmer nach Salzburg kommen, dazu zahlreiche internationale Gäste und Gastredner, vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, aber verstärkt auch aus unseren östlichen Nachbarländern.

© Robert Adrian Hillman – shutterstock.com

Welche Themen werden im Mittelpunkt der diesjährigen Jahrestagung stehen? Mousavi: Fachlich werden wir uns auf der Jahrestagung besonders den Verletzungen des Beckenrings und des Acetabulums bzw. der Versorgungsstrategie der hüftnahen Frakturen widmen. Beide Themen gehören zu den Kernaufgaben der Unfallchirurgie in Österreich. Aufgrund der steigenden Anzahl älterer Patienten sind wir einerseits mit ganz neuen Verletzungsmustern im Beckenring- und Acetabulumbereich konfrontiert, andererseits nimmt die Zahl hüftnaher Frakturen, die fast ausschließlich ältere und betagte Patienten betreffen, massiv zu und ist dadurch zu einem großen Versorgungsthema geworden. Aus politischer Sicht steht natürlich die Fächerzusammenlegung bzw. die Ausgestaltung des neuen Faches Orthopädie und Traumatologie auf dem Programm.

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

Diagnose und Therapie von Handwurzelverletzungen u Verletzungen der Handwurzelknochen bzw. deren Bänder dürfen nicht bagatellisiert werden. u Anhaltende Schmerzen müssen klinisch und radiologisch genau abgeklärt werden, um mögliche sekundäre degenerative Veränderungen zu verhindern.

Zur Diagnostik gehört neben der Anamnese die klinische Untersuchung mit dem Watson Test. Hierbei versucht der Untersucher, das Kahnbein von palmar mit seinem Daumendruck auf das distale Scaphoid während einer Ulnarabduktion des Handgelenks nach dorsal zu luxieren.

Endoprothetik bewährt sich nicht

ie Handwurzelknochen sind durch mehrere Bänder miteinander verbunden. Eine Verletzung dieser Bänder bzw. eine nicht verheilte Fraktur führt zu einer Störung der Biomechanik und in weitere Folge zu Abnützungen und carpalem Kollaps.

Folgen von Instabilität Meist erfolgt die Verletzung des Bandes zwischen Kahnbein und Mondbein (SL Band) durch ein Hyperextensionstrauma und axiale Stauchung. Der einwirkende Kraftvektor ist bei zusätzlicher Ulnarabduktion am größten. Die scapholunäre Dissoziation ist die wichtigste Instabilitätsform des Handgelenks. Es kommt zu einer Entkoppelung von Scaphoid und Lunatum und damit zu einer radiodorsalen Subluxation des Kahnbeins und einer ulnopalmaren Subluxation des Lunatums. Durch diese Instabilität kommt es mit der Zeit zu einer Chondropathie und einem carpalen Kollaps (scapholunate advanced collapse, SLAC wrist).

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Kurzfristige Kontrollintervalle Die Kahnbeinfraktur ist die häufigste isolierte Handwurzelfraktur. Der Verletzungsmechanismus ist in der Regel ein Sturz auf die dorsalextendierte, radialabduzierte Hand mit Impression des Kahnbeins durch den Radius. Das Scaphoid ist ein entscheidendes Verbindungsglied zwischen proximalen und distalen Handwurzelknochen. Die Durchblutung er-

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Im Nativröntgen (Handgelenk dp/seitlich) können nur statische SL Instabilitäten (SL Winkel, Ringzeichen, Terry Thomas-Zeichen) und Arthrosen festgestellt werden, in Faustschlussaufnahmen und Radial/Ulnarabduktionsaufnahmen auch dynamische SL Instabilitäten. Das MRT dient zur Dia­ gnosesicherung. Frische Verletzungen des SL Bandes sollten rekonstruiert werden. Ältere Verletzungen können durch Kapsel oder Bandplastiken bzw. Tenodesen, meist mit Streifen der Flexor carpi Radialis Sehne (Brunelli Plastik), versorgt werden. Bei bereits vorhandener Arthrose zwischen Scaphoid und Radius können nur mehr Teilarthrodesen (4 Corner Fusion) bzw. Resektionsarthroplastiken (proximale Reihenentfernung, Styloidektomie) durchgeführt werden. Bei fortgeschrittener Arthrose bzw. Kollaps der Handwurzelknochen ist nach Versagen der konservativen Methoden nur mehr eine Handgelenksarthrodese bzw. die Denervierung sinvoll. Die Endoprothetik des Handgelenks hat sich nicht bewährt.


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folgt zu ca. 75 % von dorsal nach distal. Bereits Brüche im mittleren Drittel führen zu ca. 30 % zu einer Störung der Durchblutung. Bei proximalen Frakturen kommt es bis zu 60 % zu einer avaskulären Nekrose. Durch diese anatomischen Besonderheiten bzw. ein Übersehen der Fraktur kommt es nicht selten zu einer Pseudoarthrose und in weiterer Folge zu einer Instabilität mit progredienter radiocarpaler und midcarpaler Arthrose (scaphoid nonunion advanced collapse, SNAC wrist). Bei klinischem Verdacht einer Kahnbeinfraktur (Schmerzen Tabatiere, Schwellung radiodorsal, Stauchungsschmerz Daumen) sollten Röntgenbilder angefertigt werden (Kahnbeinserie). Da der klinische Befund anfangs oft nur gering ausgeprägt ist, sollten Patienten auch kurzfristig wiederbestellt werden. Bei fraglichen Fällen hilft die Computertomografie.

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Dr. Christian-Thomas Radda Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Zusatzfach Rheumatologie, ÖÄK Spezialisierung Handchirurgie www.ortho-radda.at

Bei Pseudoarthrosen sollte präoperativ ein KontrastmittelMRT zu Beurteilung der Durchblutung angefertigt werden. Frische Frakturen werden je nach Lage der Fraktur und Dislokation konservativ oder operativ versorgt. Aufgrund der kürzeren Nachbehandlung ist die Verschraubung meist zu bevorzugen. Pseudoarthrosen ohne sekundäre Arthrose werden je nach Ausprägung und Lokalisation mit Spongiosaplastiken oder Knochenspänen mit oder ohne Osteosynthese behandelt. Teils kommen gefäßgestielte Späne aus dem Radius (Zaidenberg) oder Knie (Bürger) zur Verwendung. Bei bereits vorhandener Arthrose zwischen Scaphoid und Radius können nur mehr Teil­ arthrodesen (4 Corner Fusion) bzw. Resektionsarthro­ plastiken (proximale Reihenentfernung, Styloidektomie) durchgeführt werden. Im Endstadium ist auch hier nur mehr eine Hangelenksarthrodese bzw. Denervierung möglich. n

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

Beweglich ohne Schmerz Die sphärische Herbert-Ulnakopfprothese® von KLS Martin vereinfacht handchirurgische Eingriffe und sorgt so für optimale Operationsergebnisse. törungen des distalen Radioulnargelenkes sind häufig. Klinisch steht eine schmerzhafte Einschränkung der Unterarmdrehung mit Kraftverlust und möglicher Instabilität des distalen Radioulnargelenkes im Vordergrund. Ziel der chirurgischen Behandlung muss die Wiederherstellung einer schmerzfreien Unterarmdrehung bei gleichzeitiger Stabilität des distalen Radioulnargelenkes sowie des ulnaren Handgelenkkompartimentes sein. Dazu wurde die Herbert-Ulnakopfprothese® von KLS Martin entwickelt. Neben der Schmerzfreiheit kann das Längenverhältnis von Radius und Ulna wiederhergestellt werden. Die Stabilität des distalen Radioulnargelenkes wird durch eine Weichteilrekonstruktion unter Verwendung eines speziellen ulnargestielten Weichteillappens mit gleichzeitiger Rekonstruktion des ulnokarpalen Komplexes (TFCC) erreicht. In Zusammenarbeit mit dem Department of Biomechanical Engineering der Universität von New South Wales wurden im Vorfeld der Prothesenentwicklung biomechanische Studien

IM GESPRÄCH OA Dr. Christian Krasny, MBA, MSc, S­ pezialteam-Leiter Hand- & Ellenbogen­ chirurgie, Orthopädisches Spital Speising, www.oss.at Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Einsatz der Herbert-Ulnakopfprothese® von KLS Martin? Wir arbeiten mit der Prothese bei Arthrosen des distalen Radioulnargelenkes. Die Ulnakopfprothese ist eine sehr gute Alternative zu anderen OP-Methoden, wie etwa der Teilresektion oder Sauve-Kapandji-Operation, die eigentlich als obsolet gilt.

durchgeführt. Anhand von röntgenologischen und computertomografischen Messungen an 100 normalen Handgelenken wurden die notwendigen Prothesenschaft- und Kopfgrößen ermittelt. Dabei ergab sich, dass drei unterschiedliche Schaftdurchmesser und drei verschiedene Kopfgrößen genügen, um die gesamte Bandbreite abzudecken. Im Rahmen dieser Untersuchungen ergab sich die Notwendigkeit für eine Revisionsprothese mit aufgebauter Prothesen-Halslänge, um eine durch vorangegangene Operationen starke Verkürzung der Ulna auszugleichen. Als beste Lösung erschien eine zementfreie Verankerung des Prothesenschaftes in der Ulna. Die Schaftoberfläche wurde durch eine aufgeraute Reintitanbeschichtung vergrößert, sodass eine Osteointegration gefördert wird. Der Kopf ist größenmäßig der Incisura ulnaris angepasst und stellt die parallele Ausrichtung von Radius und Ulna wieder her. Gleichzeitig verschafft der Ulnakopf dem rekonstruierten Weichteillappen die notwendige Spannung, damit dieser seine stabilisierende Funktion wahrnehmen kann. Das distale Kopfende ist konkav geformt, um übermäßigen Druck auf die Unterseite des ulnokarpalen Bandkomplexes zu vermeiden. Als Material für den Prothesenkopf wurde Keramik gewählt, weil es die größte Bioverträglichkeit und für eine Hemiresektionsarthroplastik die besten biomechanischen Voraussetzungen erfüllt. Es wurde ein einfaches und elegantes Instrumentarium entwickelt, das die Implantation der Prothese erleichtert und eine exakte Längenkorrektur sowie größenmäßige Anpassung der Prothese ermöglicht.  n

R. Heintel GmbH Medizintechnik Erdbergstraße 166, 1030 Wien Tel: +43-1-403 89 56-0, www.heintel.at www.klsmartin.com

Welche Vorteile haben Sie besonders überzeugt? Die Prothese mit dem Keramikkopf hat die größte Bioverträglichkeit und erfüllt für eine Hemiresektionsarthroplastik die besten biomechanischen Voraussetzungen. Die unterschiedlichen Kopfgrößen machen die Arbeit sehr anwenderfreundlich und das Verfahren ist einfach.

Workshop „Hands on Hands Vienna – Theorie & Praxis // Handchirurgie“

Gibt es auch Kontraindikationen? Eine ungenügende Knochenstruktur und insuffiziente Weichteilverhältnisse sind die einzigen Kontraindikationen. Diese Instabilität muss gesondert adressiert werden.

Ulnarer Handschmerz – von der Nervendekompression bis zur ­Ellenkopfprothese 10.-11. November 2016, Orthopädisches Spital Speising Anmeldung: www.oss.at/anmeldung

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Entgeltliche Einschaltung

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© www.wernerharrer.com

Priv.-Doz. Dr. Patrick Weninger Oberarzt im Orthopädischen Spital Speising Team für gelenkerhaltende Kniechirurgie www.dr-weninger.at

Möglichkeiten und Grenzen der ­Gelenkerhaltung u Das Kniegelenk ist weltweit mit Abstand am häufigsten von arthrotischen Veränderungen betroffen. u Unterschiedliche gelenkerhaltende Therapien – sowohl konservativ als auch chirurgisch – können den Arthrose begünstigenden Faktoren entgegenwirken.

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Entgeltliche Einschaltung

norpelabnützung und Arthrose sind die häufigsten orthopädischen Erkrankungen und die häufigsten Ursachen für Schmerzen am Bewegungsapparat. Aufgrund der pandemischen Ausbreitung der Arthrose wurden die letzten zehn Jahre weltweit von der WHO auch als „joint decade“ bezeichnet, um die Relevanz der Arthrose für die Weltbevölkerung zu unterstreichen. Besonders beeinträchtigend für die Patienten ist die Arthrose der Kniegelenke, die am häufigsten von arthrotischen Veränderungen betroffen sind. Der Endpunkt der Arthrose, die vollständige Zerstörung des Gelenkknorpels, mündet nicht selten in einen Ersatz des eigenen Gelenkes durch eine Endoprothese. Arthrose ist auch eine Alterserscheinung, die durch Verschleiß und Degeneration zum progredienten Abbau des Gelenkknorpels führt. Dieser Alterungsprozess ist nicht aufzuhalten, doch gelenkerhaltende Therapien – sowohl konservative als auch chirurgische Behandlungsformen – schaffen Behandlungsmöglichkeiten.

© Africa Studio – shutterstock.com

Konservative Therapieformen Hyaluronsäure: Die am meisten verbreitete Therapieform der Arthrose ist die intraartikuläre Verabreichung sogenannter Viskosupplementiva. Dabei handelt es sich in erster Linie um Hyaluronsäure-Präparate, die über eine Modifikation der Zusammensetzung der Synovialflüssigkeit zu einer Schmerzreduktion führen sollen. In Studien ist die Wirksamkeit von Hyaluronsäure zur Behandlung von arthrosebedingten Kniegelenkschmerzen gesichert, wenngleich die Langzeitwirkung fraglich ist. Meist ist die Schmerzlinderung kurz andauernd und wiederholte Gaben sind notwendig. Der oft fälschlich verwendete Begriff „Knorpel­ aufbau“ ist irreführend, da die Wirksamkeit auf einer geänderten Viskosität der Synovialflüssigkeit beruht, nicht jedoch auf einer Erneuerung des Knorpelvolumens.

Plättchenreiches Plasma (PRP): Bei diesem Therapiever­ fahren werden dem Patienten etwa 10 ml Vollblut entnommen. Dieses wird zentrifugiert, sodass plättchenreiches Plasma gewonnen wird, das dann intraartikulär verabreicht wird. In ­mehreren Studien konnte bisher gezeigt werden, dass die Wirksamkeit vom PRP hinsichtlich der Dauer und Intensität der Schmerzreduktion jener der Hyaluronsäure überlegen sein dürfte. PRP wird in der Orthopädie und Unfallchirurgie auch bei akuten Sehnen- oder Muskelverletzungen oder auch bei Verletzungen des vorderen Kreuzbandes oder der Menisken eingesetzt. Die intraartikuläre Verabreichung nach arthros­ kopischen Operationen, erscheint ebenfalls Erfolg ver­ sprechend, wenngleich eindeutige klinische Daten dazu noch ausständig sind.

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

Extrakorporale Stoßwelle (ESWT): Stoßwellen-Behandlungen sind seit Jahrzehnten in der Orthopädie etabliert. Besonders wirksam ist die Behandlung mit Stoßwellen bei verkalkenden Erkrankungen – zum Beispiel Kalkschulter – und bei chronischen Überlastungen der Sehnen. In vielen Fällen kann bereits eine einzige Behandlung mit fokussierten Stoßwellen sinnvoll sein und Beschwerdelinderung bringen. Innovative Therapiestrategien berücksichtigen die Stoßwelle auch bei Abnützungen des Gelenkknorpels als additives Verfahren. In mehreren experimentellen Arbeiten konnte der positive Effekt der Stoßwelle auf das intraartikuläre Milieu und auf den Gelenkknorpel gezeigt werden. Klinische Studien, die diese experimentellen Arbeiten stützen, fehlen jedoch noch.

Arthroskopische Operationen Meniskus: Gelenkerhaltende Operationen sind seit Langem eine Domäne der arthroskopischen Chirurgie. Nahezu alle Indikationen der Meniskus- und Kreuzbandchirurgie sind arthros­kopisch lösbar und sind dementsprechend zum Goldstandard gereift. Die minimalinvasiven Verfahren haben offene Operationen in diesem Zusammenhang zur Gänze abgelöst, zum Vorteil für die Patienten hinsichtlich verkürzter Spitals­ liegedauer und perioperativen Infektraten. Bei meniskus­ chirurgischen Eingriffen ist möglichst der Erhalt des Meniskusgewebes anzustreben. Unter Kenntnis der fortschreitenden Arthrose nach ausgedehnten Teilresektionen hat die Meniskusrefixation bei geeigneten Rissformen resezierende Verfahren abgelöst. Wichtig ist dabei auch die zeitliche Komponente, zumal der Erfolg der Meniskusnaht von der möglichst frühzeitigen Operation abhängt. Die Meniskustransplantation ist in Einzelfällen eine Möglichkeit, ausgedehnte Meniskusdefekte nach resezierenden Eingriffen zu kompensieren. Die Indika­ tionen für die Transplantation sind jedoch sehr eng zu stellen, weshalb die Fallzahlen generell gering sind. Dementsprechend sollte die Durchführung wenigen Zentren vorbehalten bleiben, die entsprechende Expertise vorweisen können. Bandchirurgie: In der Behandlung von Bänderverletzungen um das Kniegelenk hat die Kenntnis um die biologischen Abläufe der Bandheilung die Prozesse in den letzten Jahren verändert. Die Wiederherstellung der Anatomie sowohl bei Seitenband- als auch Kreuzbandverletzungen führte zu innovativen und logischen Therapiekonzepten. Dabei werden auch die biologischen Besonderheiten intra- und extraartikulärer Bänder berücksichtigt. So ist es heute durchaus Standard, ein gerissenes vorderes Kreuzband bei entsprechender sportlicher Aktivität auch in der Frühphase der Verletzung operativ zu versorgen. Spezielle minimalinvasive Operationsmethoden ermöglichen heute ein subtiles, arthroskopisches Vorgehen, um das verletzte Band an der Ausrissstelle wieder zu befestigen, um es somit zu erhalten. Auch die Ersatzoperation des vorderen Kreuzbandes wurde durch die Kenntnis der Anatomie modifiziert. So sind extraanatomische Rekonstruktionsverfahren (transtibiale Technik)

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heute zugunsten der anatomischen Rekonstruktion (anteromediale Technik) obsolet. Auch die Versorgung von Seitenbandverletzungen, bislang eher eine Domäne der konservativen Therapie, erfolgt zunehmend häufiger chirurgisch. Durch „Internal Bracing“, also innere Schienung der gerissenen Bandstrukturen, können anatomische Ausheilungen ermöglicht werden. Somit kann die Rate an sekundär auftretenden Instabilitäten verringert werden. Ergänzt werden diese chirurgischen Maßnahmen vielfach durch Augmentationen mit PRP. Auch die Stoßwelle kommt in der Nachbehandlung immer mehr zum Einsatz, da die positiven Effekte auf die Gewebearten auch in der postoperativen Phase bekannt sind. Knorpelchirurgie: Regenerative Knorpeleingriffe sind heute State of the Art und ermöglichen eine Ausdehnung gelenkerhaltender Eingriffe auf Indikationen, die früher wenig Erfolg versprechend erschienen. Zum einen sind es knochenmarkstimulierende Verfahren, die eingesetzt werden. Diese werden heute in „Microfracture“-Technik durchgeführt und haben die klassische Pridie-Bohrung abgelöst. Im Rahmen der Microfracture-Operation werden bei geeigneter Knorpeldefektgröße und -form k­ leine Löcher in den subchondralen Knochen geschlagen. Es kommt sodann zum Austritt von Knochenmarkbestandteilen und Wachstumsfaktoren in einen Fibrin-Clot innerhalb des Knorpeldefektes. Über diesen kommt es zur Bildung eines Regeneratknorpels. Dieser ist histologisch nicht ident mit dem hyalinen Knorpel, jedoch kommt es in über 80 Prozent der Fälle zu einer signifikanten Beschwerdebesserung. Eine Alternative sind knorpelersetzende Eingriffe. In diesen Fällen werden entweder Kochen-Knorpel-Zylinder entnommen und in den Defekt eingesetzt oder Knorpelzellen gezüchtet, um danach reimplantiert zu werden (Knorpelzelltransplantation). Durch diese Eingriffe ist es möglich, echten hyalinen Knorpel in dem Defekt zu erzeugen. Diese Eingriffe eignen sich besonders bei jungen Patienten mit frischen, fokalen Knorpeldefekten.

Grenzen der Gelenkerhaltung Die Grenzen sind immer dann gegeben, wenn es sich um vorwiegend degenerative Knorpelschäden im fortgeschrittenen Lebensalter handelt. Arthroskopische Eingriffe alleine, wie die früher populäre „Gelenktoilette“ oder „Knorpelglättungen“, haben keinerlei positive Effekte und sind nicht mehr zu empfehlen. In diesen Fällen können jedoch durchaus gelenkerhaltende Methoden, wie oben angeführt, in Kombination sinnvoll sein. Besonders hervorzuheben ist dabei auch die Relevanz der Beinachse. Osteotomien zur Korrektur der Beinachse können bei relativ jungen Patienten mit entsprechender Abweichung der Beinachse sehr sinnvoll sein. Dabei ist „relativ jung“ in erster Linie nach dem biologischen, weniger nach dem kalendarischen Alter der Patienten zu definieren. Auch Beinachsenkorrekturen können mit den erwähnten bandrekonstruktiven und knorpelregenerativen Eingriffen kombiniert werden.  n


Operative Behandlung von Skoliosen Kürzlich wurde am LKH Feldkirch österreichweit erstmalig ein neues ­Stabsystem zur Behandlung von Skoliose bei einem elfjährigen Kind eingesetzt. Skoliosen treten bei ca. 0,1 bis 2 % der Bevölkerung auf, behandlungsbedürftig sind aber weniger als 0,25 %. Eine von 100 betroffenen Personen muss operiert werden. Die Ursachen für Skoliose sind noch unerforscht, bei 20 % handelt es sich um eine Fehlbildung der Wirbel aufgrund neurologischer Grunderkrankungen. „Eine Krümmung der Wirbelsäule kann bereits vor dem 1. Lebensjahr, am häufigsten aber vor dem pubertären Wachstumsschub im Alter von etwa zehn Jahren auftreten“, erklärt Wirbelsäulenspezialist Prim. Univ.-Doz. Mag. Dr. Christian Bach, Leiter von Vorarlbergs Schwerpunktabteilung für Orthopädie. Operativ behandelt werden Skoliosen ab einem Krümmungswinkel von 40° bis 50°, unabhängig vom Alter des Kindes. Wenn die Wirbelsäule operativ gerade gerichtet wird, spielen die Wahl der Methode und die Expertise des Operateurs eine große Rolle, um möglichst knochen- und wirbelschonende sowie erhaltende Ergebnisse zu erzielen. „Bei dieser Operation werden im oberen sowie im unteren Bereich links und rechts von der Wirbelsäule jeweils zwei bis vier Schrauben mit offenen Schraubköpfen fixiert, durch die zwei Metallstäbe zur Aufrichtung der Wirbelsäule geschoben werden. Diese Korrektur ist nicht endgültig, sondern muss gemäß dem Wachstum des Kindes nachadjustiert werden, sodass die Wirbelsäule sich auch beim Wachsen weiter aufrichten kann“, führt Bach aus. Bei der üblichen Methode muss das Kind dann einmal jährlich eine sogenannte Nachspann-Operation über sich ergehen lassen, bis es ausgewachsen ist. Bei der Verwendung des MAGEC® Wachstumsstabes wird ein anpassbarer Stab implantiert, der per Fernbedienung von außerhalb des Körpers verlängert werden kann. Der MAGEC® Wachstumsstab ist ein spinaler Titanstab, der chirurgisch implantiert und mit spinalen Fixierungskomponenten gesichert wird. Das System beinhaltet eine externe Fernbedienung (ERC), die mehrere Male nach der Implantation verwendet wird, um den implantierten Stab von außerhalb des Körpers zu verlängern oder zu verkürzen.

Prim. Univ.-Doz. Mag. Dr. Chrisitan Bach: „Wachstumsbedingte Anpassungen der Stäbe können ambulant und außerhalb des Körpers durchgeführt werden.“


OA. Dr. Michel Chraim Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Spezialteam: Fußchirurgie Orthopädisches Spital Speising www.oss.at

Im Gespräch

Achillodynie: minimalinvasiv versorgt Eine neue minimalinvasive Operationsmethode zur Behandlung der chronischen Achillessehnenschmerzen, der Achillodynie, wird am Fußzentrum im Orthopädischen Spital Speising durchgeführt – mit großem Erfolg und bei hoher Patientenzufriedenheit, wie OA Dr. Michel Chraim berichtet.

Welche Symptome treten bei den Patienten auf? Klassische Symptome sind Schmerzen, Schwellung, Überwärmung und Druckempfindlichkeit in der Region der Achillessehne. Bei einer chronischen Entzündung kann dieser Schmerz dauerhaft werden. Wann muss das behandelt werden? Die Beschwerden treten häufig morgens bei den ersten paar Schritten auf oder nach langem Sitzen. Beim Sport treten meist nach etwa eineinhalb Stunden besonders heftige Beschwerden auf. Es kommt zu einer Verdickung im Unterschenkelbereich distal und die Achillessehne schmerzt oberhalb vom Ansatz. Die Gefahr einer Ruptur besteht. Eine konservative Behandlung ist bei den ersten Anzeichen von Schmerzen auf jeden Fall indiziert. Dazu gehören zum Beispiel Ruhigstellung, Heilgymnastik oder Wärmebehandlungen sowie Dehnungsübungen oder Stoßwellenbehandlung. Das Problem bei den Dehnungsübungen ist die mangelnde Compliance, sodass die Schmerzen meist nicht lang-

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fristig verschwinden. Im Akutfall sind auch Cortisonspritzen eine passende Therapie, nicht jedoch, wenn die Schmerzen chronisch sind, da damit die Struktur der Sehnen weiter geschwächt wird. Auch das Infiltrieren zur Lösung des Narbengewebes, des sogenannten Brisement, ist heute nicht mehr State of the Art.

Welche Vorteile bietet eine Operation? Gerade bei den Achillessehnenoperationen sind Wund­ heilungsstörungen sehr häufig und die Gefahr, dass Nerven verletzt werden, ist groß. Daher gehen wir hier minimal­invasiv vor, mit allen Vorteilen, die derartige Eingriffe mit sich bringen: ohne Vollnarkose, ohne Nervenverletzungen und ohne Wundheilungsstörungen. In Lokalanästhesie wird oberhalb des Achillessehnenansatzes ein Schnitt von 0,5 bis 0,7 cm durchgeführt. Mit einem Spezialinstrument dringt man in die Sehnenscheide ein und kann bei diesem Manöver auch Vernarbung zwischen der Sehnenscheide und der Achillessehne lösen. Über eine Kamera werden die Verdickungen der Sehne lokalisiert und dort wird durch wiederholten Tenotomien der Achillessehne die Durchblutung wieder gezielt aktiviert. Die Methode ist durchaus bekannt und auch in der Literatur mit einer hohen Zufriedenheitsrate beschrieben. Neu daran ist, dass wir den Eingriff unter Kontrolle einer Endoskopie-­ Kamera machen. Der Eingriff dauert lediglich zehn Minuten und hinterlässt auch keine große Narbe. Ein Wermutstropfen ist, dass danach vier Wochen Gips oder ein Walker notwendig ist. Danach ist eine Physiotherapie zum rascheren Muskelaufbau, vor allem bei älteren Patienten oder Leistungssportlern, angeraten.  n

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Wie entstehen chronische Achillessehnenschmerzen? Das Sehnengewebe wird durch Mikrotraumata und Überbelastung geschädigt. Die Folge ist eine entzündliche Reaktion. Chronisch wird die Achillodynie, wenn sich die Achillessehne spindelförmig verdickt. Die Symptomatik tritt häufig bei Sportlern auf. Der Grund für die Reizung sind meist Trainingsfehler oder ein unpassendes Schuhwerk. Es können jedoch auch Beinachsenprobleme verantwortlich sein. Auch das Tragen von High Heels oder zunehmende Immobilität durch sitzende Tätigkeiten können eine Achillodynie auslösen.


Endoret®:

Vielseitig und fortschrittlich Endoret® ist eine biomedizinische Technologie, die eine Geweberegeneration mithilfe autologer Proteine stimuliert.

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ie Technologie – auch als PRGF®-Plasma Rich in Growth Factors bezeichnet – basiert auf der Aktivierung der autologen Thrombozyten des Patienten, um das Gewebe zu stimulieren und dessen Regeneration zu beschleunigen. Diese spezielle Technologie führt zu außerordentlich positiven Ergebnissen bei zahlreichen Indikationen aus den verschiedensten Fachbereichen, sei es in der Orthopädie und Sportmedizin, der plastischen und ästhetischen Chirurgie oder bei der Behandlung von chronischen Wunden. Der große Vorteil: Ohne bekannte Nebenwirkungen wird die Rehabilitationszeit nach Brüchen, Muskel- und Sehnenverletzungen und chirurgischen Eingriffen deutlich verkürzt.

Rasche Geweberegeneration Hunderte endogene Proteine sind an den Prozessen der Geweberegeneration beteiligt. Dazu gehören unter anderem die Angiogenese, die Chemotaxis und die Zellproliferation. Es gibt keinen exogenen Wirkstoff, der diese Prozesse wirksam beeinflussen kann. Mit der Endoret®-Technologie können Proteine, die an der Geweberegeneration beteiligt sind, aus dem Blut isoliert und konzentriert und entsprechend in situ angewandt werden. Endoret® stimuliert die Geweberegeneration, da es Wachstumsfaktoren in einer höheren Konzentration als im Blut enthält. Durch eine Fibrinmembran wird die gleichmäßige und progressive Freisetzung einer großen Molekülanzahl, einschließlich Wachstumsfaktoren und sonstigen Proteinen, ermöglicht.

Hohe Sicherheit

Entgeltliche Einschaltung

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

Diese Technologie ermöglicht es, vier verschiedene therapeutische Applikationsverfahren zu erstellen, die sich an die verschiedensten klinischen Ziele anpassen lassen: als Flüssigkeit, als Koagulum, zur Anreicherung eines Transplants mit Biomaterial oder als Fibrinmembran. Alle Applikationsmöglichkeiten verfügen sowohl über eine bakteriostatische als auch eine bakterizide Wirkung, insbesondere in den ersten vier Stunden nach der Anwendung. Da es sich um ein vollständig autologes, biokompatibles Produkt handelt, besteht auch kein Risiko einer Abstoßung. Entroa, eine randomisierte klinische Studie, evaluiert Endoret® im Vergleich zu Hyaluronsäure bei der Behandlung von ­Osteoarthritis. Hier konnte belegt werden, dass im Vergleich zu drei Infiltrationen mit Hyaluronsäure bei der Behandlung der symptomatischen Kniearthrose die Schmerzen und die Steifigkeit unter Endoret® wesentlich reduziert wurden. Bei 70 % der

behandelten Arthrose-Patienten traten deutliche Verbesserungen ein. Über die Dauer der Studie hinweg reduziert Endoret® die Schmerzen zunehmend effektiver, während die Wirksamkeit bei Hyaluronsäure dagegen graduell nachlässt. Bei keinem der behandelten Patienten konnten darüber hinaus unerwünschte ­Nebenwirkungen beobachtet werden. Endoret® ist das einzige wachstumsfaktorenreiche Plasma, dessen Wirksamkeit in zwei klinischen Studien der Evidenzklasse I nachgewiesen wurde.

Weitere Anwendungen Bei Verletzungen der Bänder stimuliert Endoret® die Zellproliferation der Sehnen und steigert die Synthese der wichtigsten Moleküle. Die ambulante Infiltration von Endoret® stellt eine Alternative zur regenerativen Chirurgie bei chronischen Achillodynien, akuten Sehnenrissen, chronischen Sehnenrissen bei Patienten mit geringer funktioneller Anforderung oder Bänderrissen dar. Die Verwendung bei der Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes fördert die Reife und Ligamentisierung der autologen Transplantate. Bei Sportlern kann die Rekonvaleszenzzeit bei Muskelverletzungen verkürzt werden. Bei der Behandlung von Pseudoarthrose wird die Knochenregeneration gefördert.  n

Crosstec GmbH Rotenlöwengasse 19, 1090 Wien Tel: +43-1-310 31 00-0, www.crosstec.eu

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

Gesunde Gelenke bei ­Übergewicht erhalten u Übergewicht kann Gelenke schädigen und erhöht das Risiko, Gelenksarthrose zu entwickeln. u Die Analyse biomechanischer Vorgänge soll zur Erarbeitung von Trainingsprogrammen zur Prävention beitragen.

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und 17 % der Kinder in Österreich sind übergewichtig, sieben Prozent leiden unter Adipositas, Tendenz steigend. Das Gewicht belastet die Knochen und Gelenke und kann mittelbis langfristig zu Gelenksproblemen führen. Studien haben einen hohen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dessen negativen Auswirkungen auf biomechanische Abläufe beim Fortbewegen festgestellt. Der Studiengang Physiotherapie der Fachhochschule St. Pölten untersucht daher aktuell im Projekt „Children’s KNEEs“ die Auswirkungen von Übergewicht auf die Gelenke von Kindern und Jugendlichen und erarbeitet und evaluiert aus klinischer und biomechanischer Sicht ein physiotherapeutisches Trainingsprogramm. Vor allem die Kombination aus erhöhtem Körpergewicht und biomechanischen Fehlstellungen kann zu einer erhöhten und somit unphysiologischen Gelenksbelastung in Hüft-, Knieund Sprunggelenken führen. Besteht diese Mehrbelastung über einen längeren Zeitraum hinweg, kann dies zu einem erhöhten Risiko führen, frühzeitig eine Gelenksarthrose zu entwickeln.

Mechanik des Bewegungsapparats In der Studie „Children’s KNEEs“ analysiert der Studiengang Physiotherapie der FH St. Pölten die veränderten biomechani-

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Ganganalyse in 3D Untersucht werden rund 50 übergewichtige Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren. Das Trainingsprogramm wird über zwölf Wochen stattfinden und eine Kombination aus neuromuskulären Übungen und Kräftigungsübungen für Hüft- und Oberschenkelmuskulatur beinhalten. Im Rahmen der Studie wird eine biomechanische 3D-Ganganalyse zu Beginn und am Ende des Trainingsprogrammes durchgeführt, um Unterschiede in biomechanischen Abläufen vor und nach dem Training festzustellen und zu analysieren. Das Projekt „Children’s KNEEs Study“ wird vom Land Niederösterreich im Zuge des Life Science Calls der NÖ Forschungs- und Bildungsges.m.b.H. (NFB) gefördert. Partner im Projekt sind das Zentrum für regenerative Medizin und Orthopädie der Donau Universität Krems, die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde des AKH Wien und das Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien.  n Quellen: • Horsak et al., Trials (2015), 16:586. The effects of a strength and neuromuscular exercise programme for the lower extremity on knee load, pain and function in obese children and adolescents: study protocol for a randomised controlled trial. DOI 10.1186/s13063-015-1091-5 • www.fhstp.ac.at/kneestudy • http://carma.fhstp.ac.at/projects/childrensknees

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„Children’s KNEEs“ analysiert veränderte biomechanische Abläufe beim Fortbewegen von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen.

schen Abläufe beim Fortbewegen von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Dabei kommt die Methode des „Motion Capturing“ aus der Produktion von Animationsfilmen zum Einsatz: Mit dieser Methode werden Bewegungen der einzelnen Körpersegmente im dreidimensionalen Raum erfasst und analysiert. „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass spezifische Trainingsprogramme zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle und der Muskelkraft dieser unphysiologischen Mehrbelastung entgegenwirken können. Dennoch sind die biomechanischen Mechanismen, die dahinterstecken, noch relativ unklar“, erklärt Projektleiter Dr. Brian Horsak, Sportwissenschaftler und FH-Dozent am Department Gesundheit der FH St. Pölten.


Festigkeit entscheidet Am Health & Environment Department, einem von fünf Departments des AIT Austrian Institute of Technology, stehen Innovationen im Bereich Gesundheit und Umwelt im Mittelpunkt. Geforscht wird unter anderem an bioresorbierbaren Magnesiumlegierungen für Implantate.

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agnesiumlegierungen sind vielversprechende Materialien für selbstauflösende medizinische Implantate, zum Beispiel im orthopädischen Bereich. Neben einer hohen Biokompatibilität und einer geeigneten Degradationsrate werden auch besondere mechanische Eigenschaften erwartet. Der vom AIT verfolgte Ansatz bei der Entwicklung von neuen Magnesiumlegierungen mit höchster Biokompatibilität ist, nur geringe Legierungsanteile (< 1 %) von sehr biokompatiblen Elementen – wie Zink und Calcium – zu verwenden. Solche niedriglegierten Magnesiumlegierungen vereinen gute mechanische Eigenschaften mit einer erwünschten, niedrigen Degradationsrate. Durch die Variation der Prozessparameter bei der Herstellung kann die Degradation zusätzlich in einem bestimmten Bereich eingestellt werden. Degradation „on demand“ ist somit möglich. Zusätzlich wird durch die ECAPTechnik „Equal Channel Angular Pressing“ eine hochgradige plastische Umformung erreicht und dadurch die mechanischen Eigenschaften weiter verbessert. Solche hochfesten, niedriglegierten Materialien eröffnen die Möglichkeit, permanente Implantate wie Schrauben und Platten zur Fixierung von Knochenbrüchen, die nach der Erfüllung ihrer Aufgabe durch eine Zweitoperation entfernt werden müssen, durch selbstauflösende Implantate zu ersetzen. Außerdem sind völlig neue Implantatkonzepte denkbar, wie zum Beispiel Dübel für Röhrenknochen, die mit permanenten Biomaterialien aus regulatorischen Gründen nicht erlaubt sind.

Neues ECAP-Werkzeug

Entgeltliche Einschaltung

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

In speziellen am AIT entwickelten ECAP-Werkzeugen werden zylindrische Bolzen mehrfach unter sehr hohem Druck durch einen abgewinkelten Kanal gepresst. Die dabei stattfindende hochgradige Verformung führt zur Ausbildung einer ultrafeinkörnigen Struktur im Submikrometerbereich und zu einer außergewöhnlichen Kombination von Festigkeit und Verformbarkeit. Ein komplett neues, speziell für Magnesiumwerkstoffe ausgelegtes ECAP-Werkzeug wurde vor Kurzem am AIT in Wiener Neustadt entwickelt. Dieses neuartige Werkzeug besteht aus drei Kanälen, die unter zwei verschiedenen Winkeln (90° und 120°) gegeneinander geneigt sind. Dadurch werden eine extrem hohe Umformung pro Pressung und eine signifikante Reduktion der insgesamt notwendigen Umformungsschritte erreicht. Erste umfangreiche Versuche mit dieser neuen

Mit dem neuen ECAP-Werkzeug konnte die Festigkeit um 60 % erhöht werden.

ECAP-Geometrie wurden bereits durchgeführt – mit sehr vielversprechenden Ergebnissen. Die Festigkeit konnte um 60 % erhöht werden, ohne nachteilige Veränderung der Degradationsrate.

Wirkungen und Effekte ECAP ist eine leistungsfähige Methode, um in metallischen Materialien eine einzigartige, ultrafeinkörnige und homogene Mikrostruktur zu erzeugen. Da eine ECAP-Umformung das größte Potenzial bei eher weichen Ausgangsmaterialien hat, ist es mit dem neuen ECAP Werkzeug möglich, niedriglegierte Mg-Legierungen deutlich zu optimieren und eine neue Generation von Magnesiumlegierungen für Implantate herzustellen.  n

AIT Austrian Institute of Technology GmbH Viktor Kaplan Straße 2, 2700 Wiener Neustadt, Tel: +43-50550-4849, www.ait.ac.at

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FOKUS: ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

VascuFlex® 5F und 6F

Aesculap Patientenspezifische Implantate

UHP - Herbert-Ulnakopfprothese

CapFlex PIP - A real surface ­replacement!

Beschreibung

Peripherer selbstexpandierender Stent

Transparente Acryl-Implantate für die Kranioplastie

Die Ulnakopfprothese wurde entwickelt, um eine schmerzfreie Beweglichkeit des distalen Radioulnargelenkes bei gleichzeitiger Korrektur des Längenverhältnisses von Radius und Ulna wiederherzustellen. Die Stabilität des DRUG wird durch eine Weichteilrekon­ struktion unter Verwendung eines speziellen ulnargestielten Weichteillappens mit gleichzeitiger Rekonstruktion des ulnokarpalen Komplexes (TFCC) erreicht.

Mit der CapFlex PIP steht ein neuartiger, innovativer Gelenkersatz zur Verfügung. Die aus der Kombination Metall und Polyethylen gefertigte Oberflächengleitprothese verleiht durch Arthrose oder Unfall zerstörten Fingermittelgelenken hohe Stabilität und Beweglichkeit.

Indikationen/ Einsatzbereiche

Der B. Braun VascuFlex® periphere Stent ist ein hochflexibler selbst-expandierbarer Stent für die Behandlung arterieller Gefäßverengungen. Seine Stent-Architektur ermöglicht eine hohe Flexibiliät und eine hervorragende Gefäßangleichung bei gleichzeitig geringer Stent-Verkürzung.

Die patientenspezifischen Schädelimplantate dienen zur Wiederherstellung von Knochendefekten. Diese können auftreten bei: u angeborenen Knochendeffekten u erworbenen Knochendeffekten u entzündeten und resorbierten Knochendeckel u dekompressive Kraniektomie

u Revision bei unbefriedigenden Resultaten nach: u Darrach-Operation u Bowers-Operation u Sauve-Kapandji-Operation u Primäre Arthrose u Posttraumatische Arthrose nach: u Radiusfrakturen u Einrissen im ulnokarpalen Bandkomplex u Ulna-Impaction-Syndrom u Rheumatoide Arthritis u Tumore

Die CapFlex-PIP-Prothese dient der Versorgung von schmerzhaft zerstörten proximalen Interphalangealgelenken im Rahmen u einer primär degenerativen, sekundären oder posttraumatischen Osteoarthrose u eines entzündlich rheumatischen Grundleidens mit geringer ­Entzündungsaktivität und guten Knochenverhältnissen

Materialien

Nitinol (Legierung aus Nickel und Titanium)

In 3 Varianten verfügbar Acryl - PoroStar - Titan

Prothesen-Schäfte: Titanlegierung Ti6Al4V mit Reintitan-Beschichtung Keramik-Köpfe: Zirkonium-Keramik Kobalt-Chrom-Köpfe: CoCr

Proximale Komponente: CoCr mit Reintitanbeschichtung Distale Komponente: CoCr mit Reintitan­ beschichtung und Polyethylen-Einsatz (UHMWPe)

Vorteile auf einen Blick

u Umfangreiches Produktportfolio u 5F und 6F Stentsystem u verschiedene Schaftlängen u Flexible Stentarchitektur u Stentsichtbarkeit durch laserverschweißte Tantal-Marker u kontrollierte, präzise Stentfreisetzung

Klare Sicht durch das Implantat (Acryl-Implantat) u Befestigungslöcher u Strahlendurchlässig (MRT 1,5 und 3,0 Tesla) u Herstellung patientenspezifischer Schablonen für die Knochenresektion u sofort einsatzbereit u Patientenspezifisches Implantat auch in Titan oder in PoroStar (ermöglicht Osteointegration) erhältlich

u Hohe Primärstabilität und rasche Osseointegration durch Reintitanbeschichtung der Prothesenschäfte u Intraoperative Flexibilität durch die freie Kombination der unterschiedlichen Größen an Prothesenkomponenten u Operation auch bei stark verkürzter Ulna aufgrund der Verfügbarkeit von Revisionsschäften möglich u Materialien mit hoher Bioverträglichkeit bei gleichzeitig besten biomechanischen Voraussetzungen für eine Hemiresektionsarthroplasik u Gute Langzeitergebnisse vorhanden (>20 Jahre)

u Hohe Primärstabilität und rasche Osseointegration durch die ReintitanBeschichtung der Prothesenkomponenten und große knöcherne Stützflächen u Intraoperative Flexibilität durch modulare Verwendbarkeit der in ihrer Größe unterschiedlichen Prothesenkomponenten u Hohe postoperative Stabilität durch Erhalt der Seitenbänder wegen minimaler Knochenresektion u Bessere Seitwärtsstabilität durch Gelenkführung über die gesamte Bewegungsamplitude u Bestmögliche Revisionsvoraussetzungen aufgrund kurzer Spikes u Geringer Abrieb und günstige Laufeigenschaften durch die Verwendung einer seit Jahrzehnten in der Endoprothetik bewährten Materialkombination (Metall/ Polyethylen)

www.heintel.at

www.heintel.at

Unser Service: u AnatomicsC3D - Interaktiver Onlineservice Gemeinsame Planung des Implantates anhand der CT-Daten bei komplexen Fällen u Einfache Bestellung per Software u Sterile Anlieferung des Implantats u ein passendes anatomisches Modell kann zusätzlich geordert werden Firma (Webadresse)

www.bbraun.at

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www.bbraun.at


PRODUKTRADAR Implantate

COPAL® knee moulds

Galaxy UNYCO

CTN - Kanülierter Tibianagel

optimys Schaft – System ­Bonepreservation

COPAL® knee moulds sind sterile Einmalformen zur Herstellung von hochwertigen patientenindividuellen Knie-Platzhaltern (Spacern) bei Revisionsoperationen künstlicher Kniegelenke.

Galaxy UNYCO stellt einen großen Schritt in der temporären Frakturstabilisierung (DCO) dar. Es basiert auf monokortikalen Knochenschrauben und ist konzipiert für ein minimalinvasives Vorgehen und wenige OP-Schritte; das hilft, die Operationszeit zu reduzieren und Kosten zu senken.

Der neu entwickelte CTN - Kanülierte Tibianagel ermöglicht die Versorgung von verschiedensten Frakturen der Tibia.

Zementfreie Kurzschaftprothese, die die individuelle Anatomie des Patienten rekonstruiert. Knochenschonend unter weitgehender Erhaltung des Trochanter majors. Geeignet für alle minimalinvasiven Zugänge, sowohl anterior als auch antero-lateral.

Herstellung implantatähnlicher Knie-Spacer mit artikulierender Gleitpaarung, die zum temporären Kniegelenkersatz im Rahmen vom zweizeitigen septischen Gelenkprothesenwechsel bestimmt sind.

u Offene und geschlossene Trümmerfrakturen des Tibiaschafts u Polytraumatische Patienten (DCO) u Temporäre Stabilisierung von Frakturen mit schweren Weichteilverletzungen u Periprothetische und periimplantäre Frakturen u Luxationen, intra- und extraartikuläre Verletzungen, die eine überbrückende Fixation erfordern u Intraoperative Frakturreposition u Zwischenzeitliche Stabilisierung bei mehrstufigen Eingriffen u Infizierte Pseudarthrosen, die eine zweistufige Versorgung erfordern, Knochenverlust-Behandlung und andere rekonstruktive Verfahren

u Proximale, metaphysäre, diaphysäre und distale metaphysäre Frakturen u Einfache, segmentäre und zusammengesetzte Frakturen u Offene Frakturen der Tibia u Korrektur von Pseudoarthrose, Fehlheilung und verzögerter Knochenheilung u Pathologische Frakturen u Frakturen mit osteopenischem und osteoporotischem Knochen

Zementfreier Hüftgelenksersatz für die Primärversorgung

Alle Bestandteile der COPAL® knee moulds bestehen aus medical-grade Kunststoff und sind latexfrei und PVC-frei.

Fixateurstangen: Carbon Fixateurbacken: Aluminiumlegierung Knochenschrauben: Edelstahllegierung (316L)

Nagelmaterial: TiAl6V4 ELI Schraubenmaterial: TiAl6V4 ELI

Schaft: Ti6AI4V-Tiplasmaspray/ Calciumphosphat beschichtet RM Pfanne: hochvernetztes UHMWPE mit Vitamin E, titanpartikelbeschichtet. Kopf: 20% Aluminiumoxid/80% Yttriumoxid stabilisiertes Zirkoniumoxid

DESIGN u Zur Herstellung von implantatähnlichen Spacern mit artikulierender Gleitpaarung u Spacer individuell an den Patienten und dessen Knochensituation anpassbar durch drei verschiedene Formgrößen, höhenverstellbare Tibiakomponente und optionalen Schaft QUALITÄT u Einfache und zeitsparende Handhabung u Reproduzierbares qualitativ hochwertiges Spacerdesign durch Formbeständigkeit der COPAL® knee moulds

u Vermeidung einer Kontamination des Markraums u Vereinfachung des Wechsels von einer temporären zu einer definitiven Versorgung u Modularer Aufbau, kompatibel mit dem Galaxy-Fixationssystem für eine Knie- oder Sprunggelenküberbrückung u Gebrauchsfertige Sterilkits – ideal für DCO u Stabilität durch Kombination aus mindestens 3 UNYCO-Schrauben u Vielseitigkeit und Benutzerfreundlichkeit u Drehmomentbegrenztes Einbringen der Knochenschrauben

u Anatomische Form u Röntgendurchlässiges Zielgerät u Frühe Belastbarkeit durch intramedulläres Implantieren u Multidirektionale Verriegelungsmöglichkeiten u Dynamische Verriegelung zur axialen Frakturkompression mit Rotationsstabilität u Distales Loch gegenüber der Schaftachse um 15° in AP Richtung nach dorsal geneigt, um Scherkräften entgegenzuwirken

Das System ‚Bonepreservation‘ besteht aus: optimys Schaft: Rekonstruktion der individuellen Anatomie des Patienten (Offset/CCD Winkel) durch mediale Schaft-Kurvatur, dreifach konisches Design zur Unterstützung der Primärstabilität, rasche Osseointegration, Reduktion des Oberschenkelschmerzes durch doppelt polierte distale Spitze RM vitamys Pfanne: belegte klinische Evidenz der RM Pfanne, mit Vitamin E homogen vernetzt, hohe Abriebs- und Alterungsbeständigkeit, knochenähnliche Elastizität, rasche Osseointegration, zusätzl. Option der Verschraubung. ceramys Kopf: Hohe Bruchfestigkeit, reduziertes Risiko von Absplitterung und Oberflächenaufrauhung, Alterungsresistent Alle Komponenten werden von der Mathys AG Bettlach, Schweiz hergestellt.

www.heraeus-medical.com

www.spectromed.net www.orthofix.de

www.its-implant.com

bonepreservation.com, mathysmedical.com

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Radiologie

LowDose wirkt! u Der „Half-slice thickness approach“ soll für eine deutliche Dosisreduktion bei ­CT-Untersuchungen sorgen. u Eine EU-Richtlinie schreibt ab 2018 das Verwenden von diagnostischen ­ Referenzwerten zwingend vor.

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m letzten Jahrzehnt gab es große Fortschritte im Bereich der Dosisreduktion bei Computertomografie-Untersuchungen. Ausgelöst wurden sie vorwiegend durch neue Entwicklungen bei der CT-Hardware, der Bildverarbeitungssoftware und durch die Entwicklung von ALARA-Untersuchungsprotokollen (As Low As Reasonably Achievable). Aber auch internationale Harmonisierungs- und Standardisierungsbestrebungen haben ihren Beitrag dazu geleistet. Dennoch gibt es noch Optimierungspotenzial. „Die fehlende Organisation innerhalb eines radiologischen Departments kann ein Grund sein kann, warum indikationsbasierte CT-Protokolle oder standardisierte Niedrigdosis-CT-Protokolle nicht implementiert werden“, glaubt Prof. Dr. Erich Sorantin von der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Medizinischen Universität in Graz. Sorantin empfiehlt eine sogenannte „Halbe Schichtdicke“-Herangehensweise (half-slice thickness approach), die in Graz vor rund einem Jahr eingeführt wurde. Diese basiert auf dem entgegengesetzten Verhältnis von Störsignalen und Röntgenröhrenstrom. Um dieselbe Bildqualität bei halber Schichtdicke bewahren zu können, muss die doppelte Dosis zum Einsatz gebracht werden. Dieser Prozess wird nun umgekehrt. Nach einer Untersuchung berechnet ein Radiologietechnologe Schichten mit halber Dicke, bei welchen ein fortlaufend stärkeres Störsi-

gnal auftritt. Dann wird von einem Radiologen die Bildqualität überprüft und wenn sie ausreichend ist, sollte die nächste ähnliche Untersuchung mit einer von Beginn an um 20 Prozent reduzierten Strahlendosis durchgeführt werden. Dieses Prozedere wird so lange durchgeführt, bis die diagnostische Bildqualität nicht mehr akzeptabel ist.

Erfahrungen teilen „Wenn eine Standarduntersuchung bei halber Schichtdicke rekonstruiert wird und die Bildqualität noch immer angemessen ist, dann ist die Menge an überflüssiger Strahlung im Bereich von 100 Prozent“, erklärt Sorantin. „Der ‚half-slice thickness approach‘ ist leicht durchzuführen und man benötigt keinerlei zusätzliches Equipment. Ein Team von klinischen Radiologen und Radiologietechnologen kann gemeinsam daran arbeiten, so die optimale Dosis für jede Untersuchung zu finden.“ Die Teams könnten auch ihre Erfahrungen von Kunden weitergeben, denn wenn es auch nicht möglich ist, angepasste Protokolle von einem Scanner auf einen anderen zu übertragen, so ist es doch möglich, die algorithmische Herangehensweise von anderen zu erlernen.

Technische Fortschritte

Österreichischer Röntgenkongress 7. bis 29. Oktober 2016, Kongresszentrum Salzburg Schwerpunkte: Notfallradiologie und bildgebende onkologische Diagnostik www.oerg-kongress.at

ECR 2017 Europäischer Röngtenkongress, Austria Center Vienna, Wien, 1.-5. März 2017 www.myesr.org

Für die weitere Optimierung von CT-Dosen werden die Entwicklungen der Hardware entscheidend sein. Neue Detektoren mit Photonenzählung erhöhen dramatisch die geometrische Effizienz von derzeit 60 Prozent auf ein Ideal von nahe 100 Prozent. Es gibt viele Zentren in Europa, die diese Technologien sofort einsetzen würden, allerdings fehlt es oft am erforderlichen Budget. Dennoch muss das ALARA-Prinzip immer angewendet werden, wenn mit niedrigerer Dosis akzeptable Bilder erstellt werden können. Im Februar 2018 wird dazu eine Richtlinie der EU in Kraft treten, die das Verwenden von dia­ gnostischen Referenzwerten zwingend vorschreibt. n Quelle: European Congress of Radiology, ECR, März 2016, Wien

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Innovative Technologien entlasten Patienten Siemens Healthcare, der einzige Hersteller von Computertomografen mit je zwei Röntgenröhren und Detektoren, stärkt sein Dual-Source-Portfolio und präsentierte auf dem Europäischen ­Radiologiekongress ECR erstmals sein neuestes Modell Somatom Drive.

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ank einer Vielzahl innovativer Technologien eignet sich Somatom Drive für alle klinischen Felder. Die neuen Straton-MXSigma-Röntgenröhren und die Sigma-Generatoren des Somatom Drive lenken den Röntgenstrahl präzise und erlauben dessen genauere Fokussierung. Dabei werden Untersuchungen mit besonders hohem Energieniveau und gleichzeitig niedrigeren Spannungswerten möglich. So kann die Kontrastmittelmenge entsprechend gesenkt werden und entlastet gerade Schwerkranke oder Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Stromspannung der Röntgenröhren lässt sich dabei in 10-KilovoltSchritten flexibel zwischen 70 und 140 kV einstellen. So kann für jeden Patienten die individuell passende Spannung und damit die richtige Dosis ausgewählt werden.

Entgeltliche Einschaltung

Optimiertes Röntgenspektrum Die hohe zeitliche Auflösung des Dual-Source-Computertomografen von 75 Millisekunden und seine Scan-Geschwindigkeit von bis zu 45,8 Zentimetern pro Sekunde kombiniert Siemens Healthcare im Somatom Drive mit speziellen Spektralfiltern aus Zinn. Diese Selective Photon Shields II genannten Filter optimieren das Röntgenspektrum, indem sie die Teile des Röntgenstrahls herausfiltern, die nicht zur Bildgebung beitragen. Lungen-Aufnahmen lassen sich daher mit äußerst niedrigen Dosiswerten durchführen, was gerade bei regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen von großem Vorteil sein kann. Die Spektralfilter erlauben aber zum Beispiel auch beim Kalzium-Scoring zur Herzdiagnostik besonders niedrige Dosen. Und für Anwendungen in der Orthopädie oder der Wirbelsäulendiagnostik bietet sich Somatom Drive aufgrund seiner Niedrigdosiswerte bei hoher Aussagekraft der klinischen Bilder ebenfalls an. Zudem kann der Dual-EnergyModus des Dual-Source-Scanners die verschiedenen Materialien im Körper – Gewebe, Knochen, Implantate – präzise voneinander differenzieren und Metallartefakte vermeiden. Was von Vorteil für die Patienten ist, entlastet zugleich die Arbeitsabläufe in der Radiologie: Haben die klinischen Bilder bereits beim ersten CT-Scan diagnostische Qualität, lassen sich Mehrfach-Aufnahmen vermeiden. Eine reduzierte Kontrastmittelgabe macht in den meisten Fällen eine entsprechende Vor- und Nachsorge bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Mit dem Somatom Drive steht ein hochleistungsfähiger CT-Scanner zur Verfügung, der es einer deutlich größeren Anwendergruppe möglich machen wird, ihren Patienten die Vorteile der Dual-Source-Technologie zur Verfügung zu stellen: eine überaus präzise Bildgebung und sehr niedrige Dosiswerte.

überflüssig. Und ohne Sedierung ist auch keine Anästhesie-Unterstützung und intensivmedizinische Betreuung notwendig. Die neue Touchscreen-Steuerung des Somatom Drive erlaubt die intuitive Steuerung des Systems. So lässt es sich auch von weniger erfahrenen Nutzern zuverlässig steuern, der Schulungsaufwand für das medizinische Personal kann daher reduziert werden und auch Wiederholungsuntersuchungen aufgrund von Fehlbedienung lassen sich vermeiden. Darüber hinaus gibt die Positionierung der Steuerungselemente dem medizinischen Personal die Möglichkeit, näher am Patienten zu agieren, etwa bei interventionellen Eingriffen. Dass sich die Touch-Displays leicht reinigen lassen, verbessert bei den Prozeduren zudem die Hygiene.  n

Siemens Healthcare Diagnostics GmbH Siemensstraße 90, 1210 Wien www.healthcare.siemens.at

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EKG deckt Risiken auf u Eine neue EKG-Analyse hilft, das Risiko für einen Herzstillstand bei Patienten früher als bisher zu erkennen. u Das Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD) zeigt in einem hochfrequenten EKG-Gerät bisher nicht erkannte T-Wellen. in plötzliches Aussetzen des Herzschlags ist für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Zumeist handelt es sich dabei um Menschen, die Monate oder Jahre zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten. Bislang ist es jedoch nur bedingt möglich, die Risikopatienten rechtzeitig zu erkennen. Der einzige Hinweis war ein Abfall der Pumpfunktion der linken Herzkammer. Sinkt diese auf einen Wert von 30 bis 35 Prozent oder weniger, erhalten die Patienten einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD). Jedoch hatten zwei Drittel aller Menschen, die an einem Herzstillstand starben, vor ihrem Tod eine bessere Pumpfunktion.

Tödliche Aussetzer Eine neuartige Analyse der EKG-Kurve soll jetzt auch in dieser Gruppe diejenigen Personen mit einem drohenden Herztod identifizieren. Das Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD) entwickelte ein Team um Dr. Axel Bauer, Geschäftsführender Oberarzt am Klinikum der Universität München. Es misst den Einfluss des sympathischen Nervensystems auf die sogenannte Repolarisation, die Erholungsphase am Ende der Herzaktion. Im EKG wird dies als T-Welle sichtbar.

Auszeichnung Wie Stress für Menschen mit geschädigtem Herzen zum tödlichen Risiko werden kann, zeigt eine neuartige Analyse des Elektrokardiogramms (EKG). Dafür entwickelte der Internist Dr. Axel Bauer am Klinikum der Universität München das EKG-Standardverfahren rechnerisch weiter und untersuchte die Herzströme von Risikokandidaten. Für das neue Analyseverfahren wurde er von der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit dem Präventionspreis 2015 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

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Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass eine gesteigerte Aktion des sympathischen Nervensystems, etwa bei Anstrengungen oder Stress, zu einem tödlichen Aussetzer der Herzaktion führen kann. Im Standard-EKG ist das jedoch nicht erkennbar. In der PRD, die mit einem besonderen, hochfrequenten EKG-Gerät aufgezeichnet wird, sind innerhalb der TWelle jedoch hohe Ausschläge zu erkennen. Bauer bezeichnet sie als dT-Signale. Um die Vorhersage zu verbessern, koppelt er die PRD-Analyse mit einem weiteren Messwert der EKGAnalyse: Die sogenannte Dezelerationskapazität (DC) misst den Einfluss des Nervus vagus. Dieser Gegenspieler des sympathischen Nervensystems verlangsamt den Herzschlag und vermindert die Pumpleistung. Beides erhöht ebenfalls das Risiko für einen plötzlichen Herztod.

Kardialer Monitor In der abgeschlossenen „ISAR-Risk-Studie“ konnte gezeigt werden, dass auffällige Werte von PRD und DC nach einem Herzinfarkt ein deutlich erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod anzeigen, auch wenn die Pumpfunktion mit 35 bis 50 Prozent noch relativ gut ist. In der nun geplanten „SMART-MIStudie“ soll 908 Patienten mit guter Pumpfunktion, aber auffälligen PRD- und DC-Werten zunächst ein kardialer Monitor implantiert werden. Er zeichnet Herzrhythmusstörungen auf, die von den Patienten nicht bemerkt werden, aber laut den Ergebnissen einer dänischen Studie dem plötzlichen Herztod häufig vorausgehen. Wenn der Herzmonitor Alarm schlägt, sollen die Patienten der SMART-MI-Studie innerhalb von 48 Stunden in einem Speziallabor behandelt werden. Gegebenenfalls wird ein ICD implantiert, der im Fall einer gefährlichen Herzrhythmusstörung einen lebensrettenden Stromstoß abgibt. n Quelle: K. Rizas und A. Bauer: Periodic Repolarization Dynamics – neue Strategien zur Bekämpfung des plötzlichen Herztods DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift , Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016; 141 (7); S. 504–508

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Höhere Kompressionsqualität = bessere Überlebenschancen Die Überlebensraten nach Herzstillstand haben sich trotz zumeist schneller Defibrillation noch nicht auf ein befriedigendes Niveau entwickelt. Grund dafür ist die Qualität der manuellen ­kardiopulmonalen Kompression. Hier überzeugt LUCAS® 3 nun mit einer kompromisslosen ­Leistungsfähigkeit auch in schwierigsten Situationen.

Entgeltliche Einschaltung

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ei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist selbst für erfahrene Retter die konventionelle manuelle Herzmassage eine extreme körperliche Belastung und zudem auf schwierigen Transportwegen nahezu unmöglich. Anders sieht es beim Einsatz eines hochwertigen automatischen Thoraxkompressionsgeräts aus. Weltweit führend ist das System LUCAS®, mit dem Physio-Control seit mehr als zwölf Jahren Rettungsteams, Klinikärzten und Pflegekräften die Notfallversorgung von ­ ­Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand erleichtert. LUCAS® überzeugt durch erstklassige Qualität, einfache Handhabung, schnelle Einsatzbereitschaft und vor allem eine kompromisslos effektive ununterbrochene kardiopulmonale Kompression gemäß ERC- und AHA-Leitlinien.

Keine Kompromisse im Notfall LUCAS® 3 ist das fortschrittlichste mechanische Thoraxkompressionssystem von Physio-Control mit hoher CPR-Qualität

Physio-Control: Weltmarktführer in der ­Notfallversorgung Die Firmengeschichte von Physio-Control steht zugleich für die Entwicklung der mechanischen Reanimationstechnik. Begonnen hat es mit dem ambitionierten Arzt Karl William Edmark, der 1955 seinen „Herzschlagindikator“ patentierte und damit den Grundstein seines Unternehmens Physio-Control legte. In den folgenden Jahrzehnten folgten bahnbrechende Innovationen für das Rettungswesen wie das EKG-Monitor-Oszilloskop (1960), der Druckpulsometer für Finger oder Zeh (1964), der tragbare Defibrillator LIFEPAK 33 (1968), der LIFEPAK 4 mit integriertem EKG-Gerät (1974), das softwaregesteuerte CODE-STAT Datenmanagementsystem (1994), LIFEPAK 12 mit ­erweiterten Diagnose- und Überwachungsfunktionen (1998) oder das mechanische Thoraxkompressionssystem LUCAS (2004). Zuverlässige, anwenderorientierte Hochleistungstechnologie und studiengeprüfte Rettungstechnik tragen heute weltweit das rote Physio-Control-Siegel.

und nachgewiesener Sicherheit. Mit einer Kompressionsleistung von mindestens 100 Kompressionen pro Minute kann das ­Gerät ohne manuellen Kraftaufwand eine über 90-prozentige Handson-Zeit bei konsequent gleichmäßiger Drucktiefe leisten, Präschockpausen minimieren und das Wiedereinsetzen des spontanen Kreislaufs fördern. Dabei ist die Sicherheit für Patienten und Anwender jederzeit gewährleistet – ob auf der Drehleiter, in engen Treppenhäusern oder beim Transport unter Interventionsbedingungen. Die dritte LUCAS®-Generation ist mit einer Bluetooth-Schnittstelle für die Datenauswertung und Fallbetrachtung ausgestattet. Hightech-Material macht das Rückenbrett sehr dünn, und es kann während der Röntgendarstellung im Herzkatheterlabor eingesetzt werden. Neu ist auch ein kompakter, einfach zu handhabender robuster Tragerucksack, der die Mitnahme vereinfacht, Rettungsteams durch Reflektoren sichert und die Möglichkeit der Ladung innerhalb dieses Transport-Cases vorsieht.  n

Physio-Control Tel.: +49-(0)2131-6617-000 www.physio-control.de

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Univ.-Doz. Dr. Petra Innerhofer Präsidentin der ÖGARI Univ. Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Medizinische Universität Innsbruck Tel:+43-512 504-80407 www2.i-med.ac.at/anaesthesie

Im Gespräch

„Ein Masterplan macht ­niemanden gesund“ Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin steht unter dem Motto „Anästhesiologie und Intensivmedizin im Spannungsfeld von Menschlichkeit und Ökonomie“. Kongresspräsidentin Univ.-Doz. Dr. Petra Innerhofer beschreibt die Themen im Detail. Wo genau orten Sie das Spannungsfeld von Menschlichkeit und Ökonomie? Und wo kann es aufgelöst werden? Der Stellenwert der Verwaltung und insbesondere des Controllings hat über die letzten zehn Jahre kontinuierlich zugenommen. Das oberste Ziel ist klar: betriebswirtschaftlich ausgeglichene Bilanzen. Es gibt Krankenhäuser, in denen mehr Verwaltungspersonal angestellt ist als ärztliches Personal. Doch der Patient braucht letztlich immer einen Arzt und die ausgebildeten Pflegekräfte. Beim Gesundwerden oder Lindern von Krankheiten und Verletzungen hilft kein weiterer Masterplan, der von teuren externen Beratern erarbeitet wird, um die Auslastung immer weiter zu steigern. Alleine wir in Innsbruck haben 40.000 Eingriffe pro Jahr, wo unsere Anästhesisten den häufig schwerkranken Patienten zur Seite stehen. Zeit für den direkten Kontakt mit dem Menschen gibt es immer weniger, dafür benötigen wir mehr Zeit für Besprechungen, Analysen und die Dokumentation. Und ganz nebenbei sollen wir Studenten und Jungmediziner bestens ausbilden – Zeit dafür gibt es keine. Die personelle Ausstattung war aus betriebswirtschaftlichen Gründen immer schon zu knapp bemessen, die nun geltenden Arbeitszeitbeschränkungen verschärfen die Situation weiter im Sinne einer Arbeitsverdichtung für den Einzelnen. Bemerken das auch Patienten oder Angehörige? Natürlich! Die Patienten warten immer häufiger ein bis zwei Tage, bis sie ihre Operation erhalten, sofern sie nicht akut gefährdet sind, da wir schlicht nicht mehr Ärzte haben. Die OPs

AIC 2016 29. September bis 1. Oktober 2016 Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin unter dem Motto: „Anästhesiologie und Intensivmedizin im Spannungsfeld von Menschlichkeit und Ökonomie“, Innsbruck www.oegari.at

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laufen bis spät in der Nacht und fünf- bis sechsmal im Monat 24-Stunden-Dienste zusätzlich zur normalen Arbeit bringen unser Team, besonders die Assistenzärzte, bis an den Rand der Belastbarkeit.

Welche ethischen Herausforderungen begleiten Sie im klinischen Alltag und wie gehen Sie damit um? Die Entwicklungen in der operativen Medizin und Intensivmedizin ermöglichen die Durchführung komplexer Eingriffe, die auch bei polymorbiden Patienten zumindest technisch erfolgreich durchgeführt werden können. Doch wie sieht der postoperative Verlauf aus? Wie ist die Lebensqualität? Wo liegen die Grenzen? Wer soll das entscheiden? Ist weniger vielleicht mehr? All das sind Fragen, die das behandelnde Ärzteteam des jeweiligen Patienten zu beantworten hat. Dabei können Ethikboards sicherlich hilfreich sein, sofern diese rasch und unkompliziert kontaktiert werden können. Außerdem wären Schulungen zum Thema Ethik und eindeutig formulierte Patientenverfügungen für schwerkranke Patienten wichtig, um noch mehr im Sinne des jeweiligen Patienten handeln zu können. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, vor denen Ihr Fach in den nächsten Jahren steht? Für unser Fach gilt, dass wir unserem Nachwuchs wieder zeigen, wie vielfältig und patientennahe unsere Spezialisierung ist und auch, wie groß die dabei zu tragende Verantwortung. Dazu gehört es, die Begeisterung für unser Fach zu erhalten und zu stärken, die Forschung weiter voranzutreiben und, damit verbunden, auch die Ärzte wieder im Land zu halten. Der von der Politik forcierte Lösungsansatz, ein „Dr. Light“, der losgelöst von der wissenschaftlichen Tätigkeit nur praxisnahe in landeseigenen FHs ausgebildet wird und durch Vertrag gebunden mindestens fünf Jahre im Land verbleibt, ist für uns undenkbar, so funktioniert Medizin nicht, das wird den Ärztemangel nicht beheben. Doch generell müssen wir vor allem eines tun: den Patienten wieder in den Mittelpunkt rücken – alles andere ist unbefriedigend und wird wirklich teuer. Letztlich für jeden. n


cobas® POC IT Lösungen Vernetzung für die dezentrale Diagnostik Erweitern Sie Ihr Labor im Point-of-Care-Bereich: - Datenkonsolidierung für POC-Systeme - Vollständige Verwaltung des POC-Testings

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Dr. Marcus Neumüller Anästhesiologie und Intensivmedizin Krankenhaus Steyr www.lkh-steyr.at

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Anästhesie trifft Ultraschall u Die ultraschallgezielte Regionalanästhesie stellt eine der effizientesten Innovationen in der Anästhesie der letzten Jahre dar. u Mit geringstem materiellem Aufwand lässt sich durch ein bis zwei Punktionen die ­ gesamte obere Extremität betäuben. Voraussetzung dafür sind entsprechende ­ anatomische Kenntnisse sowie ein gutes „Handling“ für den Schallkopf.

D

as operative Spektrum, bei dem diese Ultraschalltechnik Anwendung findet, reicht von der einfachen Fingerverletzung über komplexe Oberarmfrakturen bis zu Eingriffen an der Schulter. Zur regionalanästhesiologischen Versorgung ist, je nach operativem Eingriff, die Darstellung in drei verschiedenen Etagen entlang des Plexus brachialis möglich. So ist zum Beispiel für die Schulterchirurgie der Interskalenus-Block (ISB) das Verfahren der Wahl. Dieser Zugang ist am leichtesten auffindbar, wenn man den linearen Schallkopf (SK) in die Fossa supraclavicularis parallel zum Schlüsselbein anlegt und dann den SK entlang der Halsmuskulatur Richtung Ohrläppchen entlangführt, bis die Wurzeln C5, C6 und C7 sichtbar werden. Zur Vermeidung einer iatrogenen Phrenicusbetäubung empfiehlt es sich, die Nadelspitze am besten in der Kurzachsentechnick von lateral her an die Nervenwurzeln anzunähern, ohne diese zu berühren. Dann wird das entsprechende Lokalanästhetikum in einer Dosierung von zehn bis 15 ml appliziert (Bild 1). Die Vorteile liegen vor allem in der perioperativen Schmerzfreiheit, der hämodynamischen Stabilität und einem hohen Zeitgewinn im Vergleich zu einer Vollnarkose. Ein sehr effizienter Zugang des Plexus brachialis, der sämtliche Eingriffe an der gesamten oberen Extremität ab dem Humeruskopf abdeckt, ist der supraklavikuläre Block. Dieser von Kulenkampff im Jahr 1911 erstmals beschriebene Block hat

Bild 1: Interskalenus-Block C5, C6, C7 Links: M. scalenus med., Rechts: N. scalenus ant., Pfeil: N. phrenicus

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durch die Einführung des Ultraschalls eine Renaissance erfahren, da Pleura und Gefäße im Ultraschall sehr gut darstellbar sind. Erleichternd kommt hinzu, dass der genannte Ausgangspunkt dieses Blockes in der Fossa supraclavicularis derselbe ist wie beim Interskalenus-Block. Man stellt die entsprechenden Landmarks Pleura-1. Rippe-Art. subclavia in der Fossa supraclavicularis dar und versucht, eine optimale Darstellung dieser Strukturen zu erreichen. Der Plexus brachialis liegt in dieser Etage immer lateral der Art. subclavia. Das Nervengeflecht zeigt an dieser Stelle eine rund-ovale bis rhomboide Ausdehnung, die in bis zu 30 % der Fälle von Arterien innerhalb der Truncusanteile (Art. dorsalis scapulae) geteilt bzw. nach kranial von der Fascia praevertebralis (Art. cervicalis transversa) getrennt werden kann. Bei diesem Block hat sich die Langachsentechnik von lateral mit Darstellung des gesamten Nadelschaftes durchgesetzt (Bild 2). Eine der mit Abstand am häufigsten durchgeführten Blockaden an der oberen Extremität ist der axiläre Zugang. Bei dieser Blocktechnik werden die vier peripheren Nerven (N. medianus, N. ulnaris, N. radialis, N. musculocutaneus), die sich zirkulär um die Art. axillaris anordnen, in der regio axillaris in abduzierter Armstellung nacheinander blockiert (Bild 3). Dieser Block eignet sich aufgrund seiner geringen Komplikationsrate vor allem für Eingriffe an der Hand bzw. am Handgelenk im tagesklinischen Setting. n

Bild 2: Supraklavikulärer Block Pfeil: In plane Nadeltechnik Gelbe Punkte: Plexus brachialis

Bild 3: Axillärer Block, 1: N. medianus 2: N. ulnaris, 3: N. radialis, 4: N. musculocutaneus


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Wenn Sichtbarkeit entscheidet Stimuplex® Ultra 360® und Ultraplex® 360 Kanülen von B. Braun Austria bieten optimale Eigenschaften zur Durchführung Ultraschall-unterstützter peripherer Nervenblockaden, mit und ohne Nervenstimulation. Das zirkuläre X-Print-Design sorgt für eine optimale Nadeldarstellung.

I

n die Entwicklung der neuen Ultraline 360 wurden umfassendes Wissen und langjährige Erfahrung der B. Braun-Experten investiert, um eine Nadel mit ausgezeichneter echogener Sichtbarkeit zu erzeugen. Aufgrund der hohen Sichtbarkeit ist die Nadel sehr einfach mit einem Minimum an Artefakten zu visualisieren.


Entgeltliche Einschaltung

X-Print-Design und Sicherheitsmuster Die besonders gute Sichtbarkeit wird durch das neu- und einzigartige X-Print-Design erzielt. Die neuen Ultraline 360-Nadeln haben ein unverwechselbares Sicherheits-X-Muster. Aufgrund seiner überaus hohen Anzahl von reflektierenden Ecken ist das X für den Einsatz auf Ultraschallkanülen sehr gut geeignet, insbesondere auch bei steilen Winkeln. Die innovativen X-Prints sind in einem genau definierten Muster zirkulär (360°) in die Kanüle eingebracht und bieten dem Anwender ausgezeichnete Sicht in allen Lagen. Mit dem integrierten Safety Code bietet die B. Braun Ultraline 360 zudem eine ideale Unterstützung bei der Lokalisation der Nadelspitze. Das X-Muster ist auf den ersten 20 mm des Na-

Vorteile auf einen Blick u Sichtbarkeit: zirkulär (360°) eingebrachtes X-Print-Design für optimale Nadeldarstellung u Navigierbarkeit: Safety-Code für sicherere Nadelführung u Design: spezielle Produktions- und Beschichtungstechnologien sowie 30°-Schliff für optimale Punktions- und Gleiteigenschaften u Integrierter 50 cm langer DEHP-freier Injektionsschlauch

Aufgrund der hohen Sichtbarkeit ist die Nadel sehr einfach mit einem Minimum an Artefakten zu visualisieren.

delschafts platziert. Der in drei Segmente geteilte Code „kurzkurz-lang“ ermöglicht eine optimale Unterscheidung zwischen der Nadelspitze und dem oberen Nadelschaft. Der 30°-Schliff kombiniert mit der hochwertigen Beschichtung ermöglicht ein exzellentes Gefühl beim Vorschieben durch das Gewebe.  n

B. Braun Austria GmbH 2344 Maria Enzersdorf, Tel. +43-2236-46 541-0 www.bbraun.at

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Zukunft der Pneumologie u COPD wird schon bald an die dritte Stelle der Todesursachen vorrücken und ist damit eine hochgradig unterschätzte Erkrankung. u Zahlreiche Innovationen der letzten Jahre erleichtern heute die Therapie von Lungener­ krankungen – besonders jener in frühen Stadien.

ufgrund demografischer Entwicklungen und einer immer größeren Anzahl älterer Menschen nimmt auch die Bedeutung von Lungenerkrankungen zu, denn es handelt sich dabei in vielen Fällen um altersbedingte Erkrankungen. So wurde die Pneumologie im Laufe der Zeit zu einem zentralen Fach der Inneren Medizin, das mit vielen anderen Fächern in engem Zusammenhang steht. Der Internist und Lungenfacharzt Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber leitet die I. Interne Lungenabteilung im SMZ Baumgartner Höhe Wien. Die überwiegende Zahl der Patienten seiner Abteilung leidet an COPD, Asthma bronchiale oder einem Lungenkarzinom. Bei der Therapie der Lungenerkrankungen kommt eine ganze Reihe von Medizinprodukten zur Anwendung – ohne sie wäre die Pneumologie heute nicht denkbar. In vielen Fällen sind Medizinprodukte sogar erforderlich, um grundsätzliche Diagnosen in frühen Fällen zu erstellen, da speziell die COPD lange subklinisch und stumm bleibt.

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Kompetenzzentrum für COPD COPD (chronic obstructive pulmonary disease) macht sich schleichend breit und macht daher die Therapie besonders schwierig. Sie stellt für Burghuber daher ein großes Anliegen dar. „Die Dimension der COPD ist leider nach wie vor nicht adäquat erkannt“, sagt Burghuber. „Schon bald wird jeder dritte Todesfall auf diese Krankheit zurückgehen, wobei die Dunkelziffer – vor allem bei leichteren Frühformen – bei etwa 80 % liegt. Die Awareness ist leider sehr schlecht.“ Bis heute existieren keine nachgewiesenen Biomarker für COPD, obwohl die Forschung auf Hochdruck arbeitet – die Erkrankung gilt weltweit als eine der häufigsten Todesursachen und wird dennoch unterschätzt. Sie ist nicht heilbar, die Mortalität kann jedoch mittlerweile lange hinausgezögert werden, wenn sie in einem Frühstadium therapiert wird. Als großer Wunsch für die Zukunft bleibt dem Pneumologen der kausale Therapieansatz, denn „ohne kausalen Mechanismus können wir nicht heilen, sondern

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nur die Mortalität hinauszögern“, so Burghuber. Nachdem COPD weltweit eine bedrohliche Dimension eingenommen hat, würde eine derartige Entwicklung sehr positiv aufgenommen werden. Für die Diagnose der COPD wird die Spirometrie, ein Verfahrung zur Messung und Aufzeichnung des Lungenvolumens und der Luftflussgeschwindigkeit, eingesetzt und ist damit das am häufigsten eingesetzte Verfahren in der Pneumologie. Für die Therapie der COPD, aber auch des Asthma bronchiale, kommen in der I. Internen Lungenabteilung im SMZ Baumgartner Höhe verschiedene Formen von Inhalatoren zum Einsatz. „Die Inhalations-Devices bei obstruktiven Lungenerkrankungen sind technisch bestens ausgefeilt und effizient. Medikamente können so direkt zum Erkrankungsort gebracht werden und ihre Wirkung entfalten“, schätzt der Lungenexperte die Unterstützung durch die Medizinprodukte. Für die bahnbrechende Entwicklung der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion – die im Falle einer krankhaften Überblähung der Lunge bzw. einem reduzierten funktionsfähigen Lungenanteil eingesetzt wird – kommen mehrere Methoden zum Einsatz, für die die Lungenabteilung des SMZ Baumgartner Höhe eine Vorreiterrolle einnimmt. Irreversiblen Methoden zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion wie etwa endoskopischen Verödungen mit Hitze oder Schaum stehen reversible Methoden gegenüber. „Ventile oder noch neuere Coils bringen das Lungenvolumen zum Schrumpfen – dafür sind wir österreichweit das Kompetenzzentrum“, berichtet Burghuber. Die kleinen Implantate werden hochselektiv eingesetzt, wobei etwa 30 bis 60 Fälle pro Jahr in der Abteilung behandelt werden – Tendenz steigend. Peak-Flow-Meter für die Lungenfunktionsmessung bei Asthmatikern, Vernebler für Medikamente etwa bei BronchiektasenPatienten, aber auch palliativ eingesetzte Stents und Drainagen bei Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge ergänzen das Medizinprodukte-Repertoire der Abteilung. In den vergangenen Jahren kamen zudem einige Medikamente gegen Interstitielle Lungenfibrose auf den Markt. „Große Fortschritte werden zudem für die Therapie des Asthma bronchiale erwartet“, betont Burghuber, selbst für Erkrankungen im Spätstadium. Neue Erkenntnisse in der Immunologie führten zur Entwicklung neuer Medikamente, die noch in der Pipeline oder schon auf dem Markt sind.

Erfolge wie beim Mammakarzinom mit einer stark hinausgezögerten Mortalität. Weitere Innovationen im Pharmasektor werden für die nächsten Jahre erwartet, mehr Patienten sollten zudem für personalisierte Therapie in Frage kommen. „Die Immunonkologische Therapie ist derzeit eine ‚second line’ Therapie. Speziell in Kombination mit anderen Therapien wird sie aber schon bald ‚first line’ sein“, wagt der Pneumologe einen Blick in die Zukunft. Dann könnte es durch effizientes Management des Lungenkrebses selbst in fortgeschrittenen Stadien Langzeitüberleber geben.

Interdisziplinäre Bemühungen Lange Zeit galt Interdisziplinarität als notwendige Maßnahme, um die isolierte Position der Pneumologie als Fachgebiet zu kompensieren. Das ist nun anders. „Die Pneumologie war viel zu lange Zeit kein Bestandteil der Inneren Medizin“, kritisiert Burghuber. Erst seit Juli 2015 wurde sie mit der neuen Ausbildungsordnung in die Innere Medizin integriert. Ursache davon war die historische Entwicklung des Faches aus der Tuberkulose, doch während andere Länder sie schon deutlich früher integrierten, hinkte Österreich hinterher. Mit der neuen Regelung als integraler Bestandteil der Inneren Medizin ist eine breitere Ausbildung und bessere Vertiefung möglich, freut sich der versierte Fachmediziner. „Gerade im Fall der COPD mit ihren zahlreichen und häufigen Komorbiditäten wie Diabetes, Hypertonie oder Osteoporose halte ich es für einen großen Vorteil, die Krankheit aus einer allgemein internistischen Warte zu betrachten“, sagt Burghuber. „Dadurch können Diagnose und therapeutisches Management deutlich verbessert werden.“ Die Pneumologie unterhält enge Kontakte zu Radiologie, ­Pathologie und Kardiologie, aber natürlich auch zu anderen Fächern wie der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung oder zur Neurologie, speziell wenn es um das Schlafapnoesyndrom geht. Insgesamt ist die Pneumologie ein Fach, das sowohl auf pharmazeutischen Gebiet als auch im Bereich der Medizinprodukte auf laufende Innovationen und technische Neuerungen angewiesen ist. Für die Lungenfachärzte bedeutet dies eine breite Palette an klinischem, pharmazeutischem und technischem Know-how, das sie laufend auf dem neuesten Stand halten müssen. Einmal mehr spielen Medizinprodukte hier eine entscheidende, zukunftsträchtige Rolle. n

Personalisierte Medizin beim Lungenkarzinom Neben COPD, Asthma bronchiale, Lungenfibrose, Pneumonien oder auch Tuberkulose therapiert Burghubers Abteilung auch zahlreiche Lungenkarzinompatienten. Personalisierte Therapie im Fall von Lungenkarzinomen verzeichnet laufend respektable Erfolge. Lungenkrebs gilt zwar nach wie vor als eine der tödlichsten Krebsformen mit einer weiterhin hohen Mortalitätsrate, doch konnte die Erkrankung in den letzten Jahren stärker chronifiziert werden, wie Burghuber betont. Das Ziel blieben freilich ähnliche

Jahreskongress der Österreichischen ­Gesellschaft für Pneumologie 6. - 8. Oktober 2016, Wien www.ogp-kongress.at

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© Foto von ERS (European Respiratory Society)

Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber I. Interne Lungenabteilung SMZ Baumgartner Höhe Wien www.wienkav.at


Vom Mitgefühl zur ­Traumatisierung

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rzte, Therapeuten, vor allem aber Pflegekräfte befinden sich in ihrem Arbeitsalltag in einem Spannungsfeld zwischen normativem Anspruch an eine am Einzelnen orientierte Medizin bzw. Pflege (Patientenorientierung) und den ökonomischen Zwängen im klinischen Alltag. Die Strukturen im Gesundheitsbereich fordern gerade von den Pflegenden die Verwirklichung dieses normativen Anspruchs, etwa die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse, umfassende Begleitung, Beratung, Betreuung, wertschätzende Interaktion und Kommunikation oder auch die Berücksichtigung der Selbstbestimmung. Der normative Anspruch mache die Pflegeinrichtungen erst zu humanen Institutionen, die wirtschaftlichen Zwänge aber nötigen zugleich zu funktionalem Handeln, beschreibt Dr. Karin Kersting, Professorin für Pflegewissenschaften an der Hochschule Ludwigshafen, das Dilemma, dem sich Pflegende immer häufiger gegenüber sehen: „Die Strukturen fordern etwas, das nicht einzulösen ist. Sie sind Kälte verursachend.“ Kersting erklärt ihre

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Schlussfolgerung wie folgt: „Nimmt man Anspruch auf individuelle Betreuung ernst, müsste man verzweifeln, ausbrennen oder aussteigen. Die meisten von uns tun das aber nicht, sie halten durch, machen weiter, Tag für Tag.“ Das sei aber nur möglich, „indem wir uns kalt machen. Mit der Kälte können wir mehr oder weniger widerstandslos hinnehmen, dass die Welt nicht so ist, wie sie zu sein beansprucht bzw. wie sie sein sollte.“ Kälte müsse in diesem Sinne als eine Reaktionsform des Einzelnen auf die strukturellen Bedingungen verstanden werden, als eine Strategie, um alltägliche Normverletzungen hinnehmen zu können. Gerade die Alltäglichkeit und fehlende Besonderheit der Normverletzung birgt dabei eine Normalitätstendenz, die zum Maßstab für Normalität selbst gesetzt wird. Die Pflegenden lernen laut Kersting, „sich selbst kalt zu machen, die vorgegebenen Zwänge mit mehr oder weniger Widerstand hinzunehmen. Damit stabilisieren sie allerdings letztendlich genau das, wovor sie sich zu schützen suchen: Kälte.“

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u Auf die Unvereinbarkeit von persönlichem Anspruch und funktionalen Strukturen reagieren Angehörige helfender Berufe nicht selten mit emotionaler Kälte. u Die Wissenschaft spricht dann von Coolout, moralischer Desensibilisierung oder Mitgefühlserschöpfung.


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PFLEGE & HOME CARE

Coolout-Studien Der unauflösliche Widerspruch zwischen Norm und Rahmen ist das zentrale Thema sogenannter Coolout-Studien, an denen auch Kersting arbeitet. Der Begriff Coolout beschreibt und erklärt „den Prozess einer moralischen Desensibilisierung aufgrund dieses Spannungsfeldes, der sich im Laufe der beruflichen Tätigkeit im Gesundheitsbereich entwickelt“. Coolout-Studien wurden ursprünglich nicht für den klinischen Bereich entwickelt, haben ein breites Einsatzspektrum, unter anderem im Bereich der Pädagogik. Die Methode ist aber eben auch besonders gut auf den klinischen Alltag anwendbar. Zielgruppe klinischer Coolout-Studien ist meist das Pflegepersonal, häufig in der Intensivmedizin als besonders exponiertes Forschungsfeld. Viele der beschriebenen Verhaltens- und Reaktionsmuster sowie der angewandten kognitiven wie emotionalen Strategien sind aber durchaus auch auf Ärzte und anderes Gesundheitspersonal übertragbar. Solche Coolout-Strategien lassen sich in Form von Reaktionsmustern beschreiben. Sie reichen vom fraglosen Hinnehmen des scheinbar Unveränderbaren über das bewusste Anpassen an Unvermeidliches bis hin zur Idealisierung einer falschen Praxis. In diesem Sinn nehmen Coolout-Studien per se immer eine negative Perspektive ein, räumt Kersting ein, eine Auseinandersetzung damit hätte aber trotzdem auch etwas Entlastendes, indem der Widerspruch einer Diskussion zugänglich gemacht wird: „Die Offenlegung der Zusammenhänge ist notwendig, sonst führt es dazu, dass berufliches Handeln dem Scheitern unreflektiert ausgeliefert wird, dass das Scheitern personalisiert, also dem Einzelnen zugeordnet wird“, erklärt Kerting. Der würde dann für etwas therapiert, was in Wahrheit strukturell bedingt ist. Man könne dem Widerspruch aber nicht auf individueller Ebene begegnen.“

Empathie und Trauma Auch Silke Doppelfeld, Intensivpflegekraft im Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler, setzt sich als Pädagogin und Beraterin für Pflege und Gesundheit seit Jahren mit Bewältigungsstrategien im klinischen Prozess auseinander. Der Pflege- bzw. Behandlungsprozess ist ihrer Ansicht nach immer auch eine Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz und birgt die Gefahr einer emotionalen Dissonanz. Empathie und Mitgefühl spielen dabei eine entscheidende Rolle. „Mitgefühl stärkt uns, anstatt Energie zu rauben“, ist Doppelfeld überzeugt. Und Empathie sei bei Heilberufen ohnehin absolut notwendig, ein essenzieller Bestandteil jeder qualitativ hochwertigen Versorgung – zugleich aber auch „ein Damoklesschwert, wenn Gefühle auf uns überschwappen.“ Eine solche Übertragung der Gefühle von Betroffenen auf Helfende kann in der Folge zu einer sekundären Traumatisierung führen – eine Belastung, die durch das Wissen über ein traumatisches Ereignis ausgelöst wird, das einer anderen Person widerfährt oder widerfahren ist. Personal auf Intensivstationen ist aufgrund der speziellen Dynamik der kumulativen Traumatisierung,

gepaart mit meist sehr kurzen Erholungszeiten besonders gefährdet. Bei solcherart traumatisierten Helfern setzt eine körperliche Schutzreaktion ein, die in einer reduzierten Empathiefähigkeit gipfelt. Der Kontakt zu den Patienten wird möglichst begrenzt, die Tätigkeiten werden nur mehr mechanisch bzw. instrumentell ausgeführt.

Mitgefühlserschöpfungssymptom Die psychotraumatologische Forschung hat für die Wechselwirkung zwischen traumatisierten Menschen und deren professionellen Helfern den Begriff „Compassion fatigue“ geprägt (Charles R. Figley, 1999), übersetzbar mit: Mitgefühlserschöpfungssymptom. Josefa Günthör, Oberschwester in der Krankenanstalt Rudolfstiftung, beschreibt diese „Metamorphose von der Lust zur Last“ in der klinischen Praxis so: „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man nicht mehr mehr geben kann. Dann sind die Ressourcen aufgebraucht, vor allem die seelischen.“ Bislang werde der Traumadynamik im klinischen Alltag viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, kritisiert die bekannte Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin und Gesundheitspsychologin, Juristin und Theologin Rotraut A. Perner. „Traumen wegzutherapieren oder Bedingungen zu ändern, damit so etwas nicht passiert“, halte sie allerdings „für eine Frage der Ethik“. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Team zu. „Traumatisierungen haben vielfach damit zu tun, weil in dem Augenblick, wenn man überfordert ist, niemand da ist, der einem sagt, wie es geht“, erläutert Perner: „Wir haben alle unsere Mikrotraumen, und wenn sich die multiplizieren, lösen sie dann oft eine großes Trauma aus.“ Nicht selten würden solche Mikrotraumen dabei auch durch die Kollegen selbst ausgelöst.

ABC der Selbstfürsorge Um Traumatisierungen oder Mitgefühlserschöpfungssymptome zu vermeiden, müssten Betroffene Strategien entwickeln, um die Resilienz, ihre psychische Widerstandsfähigkeit, zu stärken und gleichzeitig zu lernen, mit den Belastungen der Arbeitswelt in angemessener Weise umzugehen, ergänzt Doppelfeld. Zur Förderung der Resilienz hat L.A. Pearlmann Ende der 1990er-Jahre sein „ABC der Selbstfürsorge“ entwickelt: u A wie Achtsamkeit: Achte auf dich selbst, auf deine Bedürfnisse, Gefühle, Grenzen und Ressourcen. u B wie Balance: Achte auf dein Gleichgewicht von Arbeit, Freizeit und Ruhe. u C wie Connection: Bleibe in Verbindung mit dir selbst, anderen Menschen und mit der Natur. Neben den persönlichen Präventions- und Schutzfaktoren spielt wiederum das Team eine entscheidende Rolle. Doppelfeld empfiehlt etwa innerhalb des Teams eine „Kommunikation von Gelungenem und Guten“, anstatt „sich gegenseitig nur mit Traumathemen zu bombardieren“. Natürlich brauche es zudem entsprechende Informations-, vor allem aber auch Beratungsund Reflexionsangebote durch den Arbeitgeber. n

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PFLEGE & HOME CARE

Pflege und Nachbetreuung bei ­Knochenbrüchen u Altersbedingte Verletzungen wie Schenkelhalsbrüche münden oft direkt in Pflegebedürftigkeit. u Durch multidisziplinäre, orthopädisch-geriatrische Rehabilitationskonzepte könnten auch ältere Patienten von den Fortschritten in der Orthopädie profitieren.

­ ongress für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und UnfallK chirurgie (EFORT), der kürzlich in Genf stattfand. Eine deutsche Meta-Studie, an der Pohlemann mitgewirkt hat, zeigt etwa, dass die Sterblichkeit nach Polytraumata zwar deutlich zurückgegangen ist, doch die Lebensqualität der Betroffenen nicht im gleichen Ausmaß verbessert werden konnte. Besonders schlecht geht es der Studie zufolge Frauen, die sehr alt sind, einen geringen sozialen Status haben, sich eine Fraktur an den unteren Extremitäten zugezogen und zusätzlich am Kopf verletzt haben.

Die Nachbetreuung von Knochenbrüchen sollte multidisziplinär aufgestellt sein.

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türze und Knochenbrüche haben bei älteren Menschen oft dramatische Folgen: Viele müssen nach einer Fraktur eine Behinderung hinnehmen oder werden zum Pflegefall. „Das ließe sich vielfach verhindern. Orthopädisch-geriatrische Rehabilitationskonzepte können nachweislich viel dazu beitragen, Therapieziele wie Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität auch bei Menschen fortgeschrittenen Alters zu erreichen. Sie sollten daher dringend weiterentwickelt und flächendeckend implementiert werden“, ist Prof. Tim Pohlemann vom Universitätsklinikum Saarland überzeugt. Thematisiert wurden Knochenbrüche über 70 heuer auf dem 17. Europäischen

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Laut Pohlemann brauche es nicht nur eine Akuttherapie, um Brüche und andere Verletzungen zu behandeln, sondern überlappend frührehabilitative Maßnahmen und eine geriatrische Komplextherapie. Entscheidend sei dabei unter anderem die intensive Zusammenarbeit mit spezialisierten Internisten, denn Polytraumata sind bei älteren Menschen besonders schwer zu behandeln. Jeder zweite Patient über 55 weist mindestens eine Begleiterkrankung auf, allen voran Bluthochdruck. „Häufige Komorbiditäten wie koronare Herzerkrankungen, kongestive Herzinsuffizienz, chronische Lungenerkrankungen oder Diabetes mellitus können chirurgische Eingriffe besonders riskant gestalten, die Wund- und Knochenheilung verzögern und das Infektionsrisiko vergrößern“, so der Experte. Die Nachbetreuung sollte ebenfalls multidisziplinär aufgestellt sein und alles daran setzen, die Betroffenen körperlich und, gerade nach schweren Verletzungen und Operationen, auch seelisch wieder aufzurichten und zu mobilisieren, wenn nötig mithilfe einer Psychotherapie. Da ältere Menschen nach einem ersten Knochenbruch ein sehr hohes Risiko für erneute Frakturen haben, müssen bereits vor der Spitalsentlassung Maßnahmen zur Sturzprävention getroffen werden – von der Unterstützung im Haushalt bis zur Beseitigung von Stolperfallen. Hier sei die Organisations- und Beratungsleistung eines professionellen Entlassungsmanagements unerlässlich. n

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Multidisziplinäre Strategien


Dekubitusprophylaxe in der Langzeitpflege Druckgeschwüre stellen Pflegeeinrichtungen in der Langzeitpflege vor eine große ­Herausforderung. Sie führen zu erhöhter Pflegebedürftigkeit und damit zu einem größeren ­ Zeit- und Kostenaufwand.

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ie Zahlen sprechen für sich: 61 Prozent aller Bewohner in Pflegeeinrichtungen gelten als Risikogruppe für einen ­Dekubitus; rund 14,5 Prozent aller immobilen Bewohner sind bereits betroffen. Dadurch wird das Risiko für weitere Komplikationen erhöht und eine adäquate Mobilisation verhindert. Nicht zuletzt führt ein Dekubitus zu deutlichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität der betroffenen Bewohner.

Risiken erkennen Die Herausforderung für Pflegeeinrichtungen besteht darin, Risikobewohner zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. In den meisten Fällen gilt ein Dekubitus bei entsprechender Prophylaxe als vermeidbar. Tatsächlich werden aber heute nur 10 % aller Bewohner prophylaktisch mit Lagerungssystemen versorgt. Mithilfe der MobilitätsgalerieTM von ArjoHuntleigh können Pflegebedürftige hinsichtlich ihrer vorhandenen funktionellen Mobilität in die Kategorien von A bis E eingeteilt werden. Daraus lässt sich der jeweilige Hilfsmittelbedarf und der benötigte Pflegeaufwand durch das Pflegepersonal ableiten. Für jeden Pflegebedürftigen kann ein Maßnahmenplan entwickelt werden, der dann als Vorgabe für die täglichen Abläufe dient. Dieser Maßnahmenplan beinhaltet einen bewohnerorientierten Ressourcenbogen und beschreibt unter anderem, wie der jeweilige Pflegebedürftige transferiert und gelagert oder wie seine hygienische Versorgung ausgeführt werden sollte.

Prophylaxe durch Lagerungssysteme

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PFLEGE & HOME CARE

Bei Pflegebedürftigen mit Risiko müssen laut „Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ prophylaktische Maßnahmen eingeleitet werden (1). Dazu gehört eine scherund reibungskraftarme Lagerung und Mobilisation der Bewohner, genauso wie der Einsatz von druckverteilenden Lagerungssystemen und Transferhilfen. Jedes medizinische Lagerungssystem ist darauf ausgelegt, den Auflagedruck über die gesamte Auflagefläche zu verteilen, damit der punktuelle Druck im aufliegenden Gewebe gesenkt wird. Zielsetzung ist es, die Durchblutung im Gewebe zu erhalten sowie den Druck auf die betroffenen Gewebezellen zu senken. Dazu stehen Systeme zur Vergrößerung der Auflagefläche, zur abwechselnden

Risikostufenzuordnung anhand der MobilitätsgalerieTM von ArjoHuntleigh

Druckentlastung oder der Einsatz spezieller Schonbezüge zur Verfügung, die Scher- und Reibungskräfte vermindern. Das Portfolio von ArjoHuntleigh umfasst eine Vielzahl von hochwertigen Systemen zur Prophylaxe. Schaumstoffsysteme eignen sich aufgrund ihrer Technologien zur Dekubitusprophylaxe bei Bewohnern mit niedrigem Risiko. Hybridsysteme bestehen aus Luftzellen und verschiedenen Schaumstoffarten. Die vollintegrierten Ventilsysteme reagieren auf Druck und lassen die Luft bei Bedarf einströmen oder entweichen (SAT™ Technologie). Die Luftzellen passen sich den Körperkonturen und dem Gewicht des Bewohners bei jeder Bewegung an und verteilen den Druck gleichmäßig über die Auflagefläche. Atmungsfähige und wasserabweisende Schonbezüge unterstützen die Reduktion von Reibungs- und Scherkräften. Je nach Modell und Anzahl der enthaltenen Luftzellen sind Hybridsysteme zur Dekubitusprophylaxe bis zu hohem Risiko geeignet.  n

ArjoHuntleigh GmbH Tel: +43-1-866 56, office-at@ArjoHuntleigh.com www.arjohuntleigh.at Literatur: (1) Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2010), 1. Aktualisierung, S. 21 und 33

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Dipl.-Ing. Paul Panek Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien (AAT), Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung, Technische Universität Wien Tel: +43-1-58801-187713, paul.panek@tuwien.ac.at

PFLEGE & HOME CARE

iToilet:

Sturzprophylaxe am WC u Im Forschungsprojekt iToilet wird ein computerunterstütztes Toilettensystem entwickelt, damit hochbetagte Menschen autonom und unter der Wahrung ihrer Intimsphäre die Toilette benutzen können. u Das Produkt soll im Home-Care-Bereich und in Pflegeeinrichtungen auch das Pflegepersonal entlasten.

Oft kann die Höhe von Standardtoiletten ein unüberwindbares Hindernis sein.

Toilettenmodul dient als Basis für neu hinzugefügte Verbesserungen und Dienste wie zum Beispiel die Steuerung per Sprache, die automatische Erkennung von und Anpassung an Vorlieben der Nutzer bereits beim Betreten des WCs, die Erkennung von potenziell gefährlichen Situationen und andere Funktionen wie etwa die Anbindung an die Pflegedokumentation. iToilet verfolgt einen konsequent nutzerzentrierten Ansatz und beinhaltet eine kontinuierliche ethische Überprüfung und Überwachung. Endanwender sind von Beginn an zur Ermittlung der Nutzeranforderungen und bei der partizipativen Entwicklung eingebunden. Der Prototyp wird im Labor und im Praxiseinsatz in der CS Caritas Socialis und einer Reha-Einrichtung in Ungarn vier Monate lang mit Beteiligung von mindestens 25 Endanwendern und fünf bis sieben Betreuern pro Einrichtung erprobt.

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tudien haben gezeigt, dass fast 25 % der hochaltrigen Menschen angeben, dass sie bei der Nutzung der Toilette Angst vor Stürzen oder anderen Zwischenfällen haben. Mehr als 50 % bestätigen, dass sie zumindest manchmal längere Ausflüge vermeiden, um nicht eine meist unpassende Toilette nutzen zu müssen. Für hochaltrige Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität kann damit die Standardtoilette ein schwerwiegendes Hindernis darstellen.

iToilet unterstützt aktives Leben iToilet greift die Bedürfnisse hochaltriger oder physisch beeinträchtigter Menschen bei der Nutzung einer Toilette auf. Dazu wird eine automatisierte, unterstützende Toilette entworfen, die sich an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpasst. Gleichzeitig berücksichtigt das Projekt auch die Bedürfnisse von Betreuungspersonen. Ein in der Höhe und Neigung verstellbares

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Die iToilet bringt Unabhängigkeit der Endanwender und Würde durch die Verbesserung der Körperstabilität beim Sitzen auf der Toilette durch eine individuell einstellbare, optimale Höhe, freie Hände für Griffe, Unterstützung des Niedersetzens und Aufstehens und durch erhöhte Sicherheit durch Notfallerkennung. Für das Personal reduziert sich damit unter anderem auch die physische Belastung beim unterstützten manuellen Transfer. Dies führt zu besserer Arbeitsgesundheit und beugt Haltungsschäden oder Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates vor. Die Ergebnisse des Projektes werden in etwa zwei Jahren vorliegen. Das Projekt iToilet wird teilweise durch das AAL Programm und durch nationale Institutionen und Forschungsförderungen in Österreich, Ungarn, Italien und Slowenien gefördert. n http://itoilet-project.eu

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Entlastung des Personals


Rasche Wundheilung Die Durchführung der Wundbehandlung hat sich mit den leistungsstarken Präparaten H ­ ydroClean® plus und HydroTac® entscheidend vereinfacht.

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rundlage eines neuen Ansatzes zur Wundbehandlung der Paul Hartmann-Experten war die Frage, ob die Aktivität von Wachstumsfaktoren im Wundbett so gesteigert werden kann, dass epitheliale Zellen rascher einwandern, um die Wunde zu verschließen. Erreichen lässt sich das mit einer speziellen Polymerchemie in Wundauflagen, die auch die Basis der AquaClear-Technologie von HydroTac® bilden. Mit nur zwei Präparaten – HydroClean® plus und HydroTac® – können Wunden unterschiedlichster Genese einfach und rasch wirksam versorgt werden.

HydroClean Plus zur Wundreinigung und -­ konditionierung HydroClean® plus ist ein hydroaktives Wundkissen mit einem Saug-Spülkörper aus superabsorbierendem Polymer (SAP), der gebrauchsfertig mit Ringerlösung getränkt ist. Diese wird kontinuierlich an die Wunde abgegeben, wodurch Beläge und Nekrosen rasch aufgeweicht und abgelöst werden. Gleichzeitig werden mit dem Wundexsudat Detritus und Bakterien in den Saug-Spülkörper aufgenommen und dort sicher gebunden. So entsteht der einzigartige Saug-Spül-Mechanismus, durch den pathophysiologische Wundverhältnisse in Richtung physiologisches Wundmilieu hin beeinflusst werden können: Die rasche und tiefenwirksame Reinigung verringert die Infektionsgefahr und fördert die Wundkonditionierung als wichtige Voraussetzung für die Ausbildung von Granulationsgewebe. HydroClean plus schützt außerdem vor Rekontamination durch ein im SAP-Saugkern gebundenes Antiseptikum, das mit dem Wundexsudat aufgenommene Bakterien abtötet und diese ebenfalls im Saugkern bindet. Durch die konti-

nuierliche Abgabe der Ringerlösung gewährleistet HydroClean® plus, dass die Wunde dauerhaft feucht gehalten wird und die Wundflächen nicht austrocknen. Darüber hinaus tragen die Feuchtigkeit sowie die in der Ringerlösung enthaltenen Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Calcium zur Zellproliferation bei.

HydroTac fördert die Granulation und beschleunigt die Epithelisierung HydroTac® besteht aus einem exsudatabsorbierenden Schaumkörper, der auf der wundzugewandten Seite mit einem Hydrogel netzförmig beschichtet ist. Die feine Gelstruktur wirkt einem Verkleben mit der Wundfläche entgegen und ermöglicht das Abfließen überschüssigen Exsudats. Die Größe der Gelfläche sorgt für eine optimale Feuchtigkeitsabgabe. Die Geldicke gewährleistet, dass die Wunde kontinuierlich und beständig feucht gehalten wird. Durch das Nichtverkleben ist ein schmerzarmes Abnehmen von HydroTac® gewährleistet. Zudem bleibt die Wundruhe erhalten, was eine wichtige Voraussetzung für einen störungsfreien Heilungsverlauf ist. Außerdem haftet die netzartige Hydrogelbeschichtung leicht auf der Haut, wobei dieser „Initial Tack“ eine Vorfixierung von HydroTac® ermöglicht. n

PAUL HARTMANN Gesellschaft.m.b.H. IZ NÖ Süd Straße 3, 2355 Wiener Neudorf, Tel: +43-2236-64630-0, office@at.hartmann.info, www.at.hartmann.info

Mit HydroTac® die Wundheilung beschleunigen

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PFLEGE & HOME CARE

Wundverschluss ohne HydroTac® Wachstumsfaktoren sind zwar vorhanden, aber nicht konzentriert.

Beschleunigter epithelialer Wundverschluss mit HydroTac® Erhöhte Konzentration von Wachstumsfaktoren stimuliert die Zellvermehrung (Proliferation) und Zellbewegung (Migration) in Richtung Wundverschluss.

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Priv.-Doz. Dr. Elke Fröhlich Reiterer Klinische Abteilung für allgemeine Pädiatrie, Diabetologie und Endokrinologie Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz Tel.: +43-316-385 80562, elke.froehlich-reiterer@medunigraz.at

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Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie Univ.-Klinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz Tel. +43-316-385 82383, thomas.pieber@medunigraz.at

Diabetes-Netzwerk setzt auf Grazer Know-how u Im Forschungsnetzwerk INNODIA wird nach Therapieoptionen zur Vorbeugung und Heilung von Typ-1-Diabetes gesucht. u Das Gesamtbudget des Projektes beläuft sich auf 36,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von sieben Jahren.

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Biomarkerforschung im Fokus Die Errichtung von INNODIA gründet in der Innovative Medicines Initiative (IMI), Europas größter öffentlich-privater Initiative zur Förderung der Entwicklung von sicheren und verbesserten Medizinprodukten. Das Gesamtbudget des Projektes beläuft sich auf 36,5 Millionen Euro, wobei das Projekt auf eine Laufzeit von sieben Jahren ausgelegt ist. Der Ausbau der Biomarkerforschung wird eine große Rolle spielen und vor allem hier tragen die Experten der Med Uni Graz entscheidend zum Projekterfolg bei, befindet sich am Standort doch beispielsweise das K1 Kompetenzzentrum CBmed, ein Zentrum

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In einem internationalen Netzwerk soll der Ausbau der Biomarkerforschung intensiviert werden.

zur systematischen Biomarkerforschung in der Medizin. Zum anderen werden eine Reihe neuer klinischer Studien und die Arbeit mit Krankheitsverlaufsmodellen dazu beitragen, Diabetes Typ 1 auf zellulärer und molekularer Ebene besser verstehen zu lernen,

Nationales Diabetes Typ 1 Zentrum vor Start In Graz wird eine europaweit einheitliche Kohorte rekrutiert, um den Krankheitsverlauf von Diabetes Typ 1 normiert zu studieren. Ebenso finden im Rahmen des Projekts FACS-Analysen – ein Messverfahren, das Zelleigenschaften ableiten lässt – statt, um die Eigenschaften von Zellen der Immunabwehr zu analysieren. Die strategische Langzeitausrichtung von INNODIA wird die Einrichtung eines nationalen Zentrums für Diabetes Typ 1 an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med Uni Graz zum Ziel haben. n

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ie Medizinische Universität Graz ist als einzige österreichische Universität Projektpartnerin neben vielen namhaften Institutionen wie der University of Cambridge oder dem King’s College London. Die Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med Uni Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. Thomas Pieber trägt mir ihrer Expertise maßgeblich zum Projekterfolg bei: Aktuelle Entwicklungen sind etwa die künstliche Bauchspeicheldrüse oder das GlucoTab, die App zum Diabetesmanagement. Rund 10 % der gesamten Weltbevölkerung sind aktuellen Schätzungen zufolge von Diabetes betroffen. Obwohl die Entwicklung neuer Therapieoptionen voranschreitet und die Lebensqualität für Betroffene immer weiter verbessert werden kann, ist noch immer relativ wenig über die auslösenden Faktoren und die pathophysiologischen Vorgänge, die mit der Erkrankung assoziiert sind, bekannt. Aus diesem Grund wurde jüngst das Forschungsnetzwerk INNODIA aus der Taufe gehoben.


„The Spirit of Innovation“ Seit mehr als 160 Jahren ist es für Lohmann & Rauscher Kern der Unternehmensphilosophie, Herausforderungen in der Wundversorgung bestmöglich und patientenorientiert zu lösen.

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ürzlich fand in Bremen der Europäische Wundkongress von EWMA (European Wound Management Association), ICW (Initiative Chronische Wunden e. V.) und WundD•A•CH statt. Lohmann & Rauscher (L&R), international führender Anbieter von Medizin- und Hygieneprodukten von höchster Qualität, präsentierte dort bewährte und innovative Produktund Therapielösungen für die Probleme und Herausforderungen der Wundversorgung. Die von L&R unterstützten ­Symposien zu den Themen „Moderne Wundversorgung – Herausforderungen und Lösungen. Vom Biofilm, Debridement bis hin zur stark exsudierenden Wunde.“ und „Kompression – Herausforderung und Lösungen für unsere Patienten.“ boten praxisorientiertes Wissen in wissenschaftlicher Aufbereitung. Zusätzlich erläuterten ärztliche und pflegerische Experten mittels dreier Workshops dem Fachpublikum Tipps und Tricks rund um die Kompressionswickeltechnik, die Versorgung schwer zu behandelnder Wunden und die Unterdrucktherapie. Den Messeauftritt stellte L&R ganz unter das Motto „The Spirit of Innovation“, denn L&R setzt intensiv auf den interdisziplinären Austausch sowie die Vernetzung von Ärzten und Pflegekräften als wichtige Voraussetzung für die Entwicklung moderner und praxisorientierter Produkt- und Servicelösungen. Am Messestand wurden neue Produktlösungen präsentiert, wie zum Beispiel die Unterdrucktherapie mit dem innovativen Verband für Extremitäten, Suprasorb® CNP EasyDress, und das gesamte Produktspektrum zur Modernen Wundversorgung – vom Debridement über die lokale Versorgung mit geeigneten Wundauflagen bis hin zur Kompression.

Effektive Wundbehandlung

Entgeltliche Einschaltung

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PFLEGE & HOME CARE

Im Rahmen des Symposiums „Moderne Wundversorgung – Herausforderung und Lösungen. Vom Biofilm, Debridement bis hin zur stark exsudierenden Wunde.“ stellten Experten aus Medizin und Pflege aktuelle Erkenntnisse zur Behandlung chronischer Wunden in der Praxis vor. Biofilm, Infektionen oder Mazerationen stellen Herausforderungen für die Wundbehandlung dar und beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten. Moderne, innovative Produkte können maßgeblich zum Wohl des Patienten beitragen. Ein Beispiel hierfür ist die Monofilamentfaser-Kompresse Debrisoft®, die ein schnelles, effektives und für den Patienten schmerzarmes mechanisches

EWMA-Kongress 2016: Am L&R-Messestand informierten sich Besucher über die innovativen Produkte des Unternehmens.

Debridement bei oberflächlichen Wunden ermöglicht. Experten im Symposium „Kompression – Herausforderungen und Lösungen für unsere Patienten.“ stellten anhand von Fallbeispielen vor, wie neue Produkte für die Kompressionstherapie, zum Beispiel die vom Patienten selbst nachjustierbaren Velcro®-Bandagen ReadyWrap™, die Anwendung im ambulanten Bereich in UK und den Niederlanden erleichtern und zum Erreichen des Therapieerfolgs beitragen können.  n

Lohmann & Rauscher International GmbH & Co. KG Johann-Schorsch-Gasse 4, 1140 Wien Tel: +43-1-57670-100, www.lohmann-rauscher.com

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PFLEGE & HOME CARE

Dr. Evi Reinstadler Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe Krankenhaus der Stadt Dornbirn www.krankenhaus.dornbirn.at

Im Gespräch

Wissen gibt Sicherheit Die aktuelle Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) wird den Themenbogen von geburtshilflichen Themen bis hin zur Selbstkatheterisierung spannen. Tagungspräsidentin Dr. Evi Reinstadler gibt Einblick in Details. Trotz vieler Initiativen zur Aufklärung ist Inkontinenz noch immer ein Tabuthema – warum? Inkontinenz ist eine tabuisierte Volkskrankheit. Trotz massiver Beeinträchtigung der Lebensqualität sucht nur etwa die Hälfte der Betroffenen ärztliche Hilfe. Harn- und Stuhlinkontinenz können heute in vielen Fällen mit gutem Erfolg behandelt werden, nur wissen zu wenige Betroffene davon. Viele meinen, Inkontinenz sei eine Alterserscheinung. Zudem kommt die Tatsache, dass in unserem Gesundheitssystem für längere und oft heikle Gespräche wenig Zeit bleibt. Was muss passieren, damit sich das ändert? Patienten mit Inkontinenz oder Blasenentleerungsstörungen geraten oft sehr leicht in soziale Isolation. Wir wollen zeigen, dass eine optimale Versorgung mit entsprechenden Produkten auch außerhalb der eigenen vier Wände gut funktionieren kann. Patienten sollen über umfassende Aufklärung und Schulung die notwendige Sicherheit bekommen, damit sie sich auf jeder Toilette selbst katheterisieren können und so nicht Gefahr laufen, sozial isoliert zu werden. Ich denke, dass man an der Strategie der Aufklärung dranbleiben muss. Wenn Inkontinenz immer wieder zum Thema gemacht und ausreichend Information verbreitet wird, dann höhlt steter Tropfen auch den Stein. Wir merken deutlich, dass nach Beratungsevents oder Tagungen plötzlich doch mehr Patienten mit ihrem Anliegen zu uns kommen.

26. JAHRESTAGUNG DER MKÖ Thema Kontinenz: Basics & Highlights 21. - 22. Oktober 2016, Linz www.kontinenzgesellschaft.at

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Welche Schwerpunkte dürfen die Teilnehmer von der diesjährigen 26. MKÖ Jahrestagung erwarten? Als Gynäkologin sind mir natürlich die geburtshilflichen Themen ein großes Anliegen. Zudem ist mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Lothar C. Fuith erstmals auch ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe Präsident der MKÖ. Das spiegelt sich natürlich im Programm wider. In der Geburtshilfe heißt es oft, rasch zu reagieren, das gilt auch für Geburtsverletzungen. Wenn hier auf eine optimale Versorgung geachtet wird, dann können Folgeprobleme reduziert oder überhaupt vermieden werden. Das Personal im Kreissaal sollte entsprechend geschult werden, um höhergradige Dammrisse noch besser zu erkennen und fachgerecht zu versorgen. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass es Hinweise gibt, dass mit zunehmendem Alter der Mutter das Risiko für Beckenbodenschäden im Rahmen der Geburt steigt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für eine rfolgreiche Therapie wichtig. Wie sieht das in der „gelebten Praxis“ aus? Kurze Kommunikationswege und ein regelmäßiger inter­ disziplinärer Austausch tragen wesentlich zum Behandlungserfolg bei komplexen Fällen bei. Die MKÖ fördert diese ­Entwicklung, indem Zentren mit entsprechenden Organisationsstrukturen und fachlicher Expertise ein Zertifikat verliehen wird. Neben Ihnen ist auch noch Physiotherapeutin Elisabeth Udier im Tagungsteam. Wie kam es dazu? Die MKÖ hat sich die Förderung von Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Versorgung der Harn- und Stuhlinkontinenz zum Ziel gesetzt. Dies kann nur durch eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen umgesetzt werden. In diesem Sinn hat sich die interdisziplinäre Kooperation bereits in den letzten Jahren im Tagungsteam bewährt und ich könnte mir für diese Aufgabe keine bessere Partnerin wünschen. n


Mag. Elisabeth Schneider Product Manager Continence Care bei Hollister

Hollister

Menschen im Mittelpunkt „Only first class is good enough“ war das Credo des Hollister-Gründers John Dickinson Schneider. Mit dynamischen Innovationen und hochqualitativen Produkten ist Hollister bis heute weltweit erfolgreicher Anbieter von Medizinprodukten und Services.

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us Erfahrung weiß das Hollister-Team, dass Inkontinenz noch immer ein Tabuthema ist und setzt sein unermüdliches Engagement fort, aufzuklären und neue Produkte zu entwickeln. „Schätzungen zufolge leiden in Österreich rund eine Million Menschen an einer Form von Inkontinenz. Die Dunkelziffer ist hoch“, betont Mag. Elisabeth Schneider, Product Manager Continence Care bei Hollister. Immerhin benötigen die Patienten die Medizinprodukte tagtäglich, die meisten ein Leben lang – warum auch eine rasche Versorgung und Lieferung zu den obersten Prinzipien von Hollister gehört. Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, werden die Produkte in enger Zusammenarbeit mit Anwendern, Pflegekräften und Ärzten entwickelt. „Dabei lehrt uns die Erfahrung: Oft sind es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen“, weiß Schneider. Das umfassende Produktsortiment für das Management und die Behandlung von Kontinenzstörungen umfasst Katheter zur intermittierenden Selbstkatheterisierung, Kondom-Urinale, Beinbeutel, Nachtbeutel, Sekretbeutel, externe Urinableiter, Fäkalkollektoren und Zubehör wie Beingürtel oder Beinlinge.

Maximaler Support bei Kathetherisierung

Entgeltliche Einschaltung

Der intermittierende Selbstkatheterismus hat sich bei Patienten mit neurogener Blasenentleerungsstörung oder myogener chronischer Restharnbildung als Therapiestandard durchgesetzt.

Die Schutzhülse hilft, den Katheter vor Kontakt mit Keimen und Bakterien in den vorderen 15 mm der Harnröhre zu schützen.

Mit dem neuen VaPro Pocket wurde einmal mehr auf Anwenderbedürfnisse reagiert: In einer handlichen Verpackung mit weniger Umfang befindet sich der Katheter in voller Länge und passt so spielend in eine Tasche oder einen Rucksack.

2 von 3 Patienten, die diese Technik erlernen, verwenden sie ­dauerhaft. Maximale Hygiene ist dabei oberstes Gebot. Mit der VaPro-Linie ist Hollister einer der Innovationsführer im Segment der hydrophilen Einmalkatheter. Die Sterilschutzkappe gewährleistet die Sterilität der Katheterspitze nach dem Öffnen der Verpackung. Die Schutzhülse hilft, den Katheter vor Kontakt mit Keimen und Bakterien im Eingangsbereich der Harnröhre zu schützen. Sie hilft dabei, das Risiko eines Bakterientransfers in die Blase zu reduzieren. Die sterile Folienumhüllung ermöglicht die berührungsfreie und sichere Anwendung, weil der Katheter vor der Kontamination mit Keimen und Bakterien geschützt wird. Die innovative Wasserdampftechnologie sorgt dafür, dass der Katheter beim Öffnen der Verpackung bereits hydriert ist und eine optimale Gleitfähigkeit gewährleistet. Aufgrund des Laserverfahrens in der Nachbehandlung sind die Katheteraugen des VaPro atraumatisch und sorgen so für eine sanfte und sichere Anwendung.  n

Hollister GmbH Bergmillergasse 5/1/1, 1140 Wien, Tel: +43-1-877 0800-0 www.hollister.com

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BRANCHENNEWS

Akademisierung der Pflege

Höchste Fallzahl bei ­Mini-Herzschrittmachern Kürzlich führten Prim. Priv.-Doz. Dr. Clemens Steinwender, Vorstand der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Kepler Universitätsklinikum, und sein Team die bereits einhundertste Implantation des Micra™Herzschrittmachersystems durch. Damit kann die Klinik für Kardiologie die weltweit höchsten Fallzahlen in diesem Bereich aufweisen. Bereits die Erstimplantation war eine große Auszeichnung für die Linzer. Mit der Implantation des Mini-Herzschrittmachers sind gleich mehrere Forschungsprojekte verbunden. Zum einen arbeitet man gemeinsam mit amerikanischen Herstellern an der Entwicklung neuartiger Katheter, mit denen die Entfernung solcher Schrittmacher optimiert werden soll. Zum anderen will man in Kooperation mit dem Institut für angewandte Physik und dem Institut für Medizinund Biomechatronik der Johannes Kepler Universität Linz herausfinden, wie die Oberfläche des Micra™ beschaffen sein muss, um ein Einwachsen zu beschleunigen oder zu behindern. Aktuell laufen Versuche, wie Laser-induzierte mikroskopisch kleine Oberflächenstrukturen auf der Titanhülle des Micra™ die Zellbesiedelung verändern. Zudem gilt die Abteilung mit zwei Katheter-Messplätzen und einem Raum zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen als Referenzzentrum für sondenlose Schrittmacher-Implantationen.  www.kepleruniklinikum.at

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BACHELOR

gen des Gesundheitswesens. Im Rahmen des IIR Krankenhaus-Vertrauensindexes (KHVI) wird im ersten Schritt erhoben, ob sich die Angestellten im eigenen Krankenhaus behandeln lassen würden, um eine Aussage über die Qualität der österreichischen Gesundheitsversorgung treffen zu können. Wie auch im letzten Jahr gibt es auf die Frage eine breite Zustimmung: 87 % aller Befragten wählen „ja“ oder „eher ja“.  www.iir.at/kh-index

Medizinsoftware in der Krebsbehandlung

Ein Lebertumor wird entweder durch Resektion oder durch Ablation behandelt. Die Verfahren sind erprobt, aber die Kontrolle ist schwierig. Fraunhofer-Forscher präsentierten nun einen Ansatz, der Medizinern und Patienten Gewissheit gibt. „Ein bildbasiertes Verfahren ist die einzige Möglichkeit der Erfolgskontrolle. Das ist aber alles andere als einfach, da sich die Leber im Vergleich

zum Zeitpunkt vor dem Eingriff, worauf die Behandlungsplanung basiert, deutlich verändert hat“, erklärt Dr. Stefan Wesarg vom Fraunhofer IGD. Daher wurde ein Verfahren entwickelt, das automatisch diese Veränderungen berücksichtigt und damit bis zu 55 Prozent präzisere Antworten gibt als bisher existierende Methoden. Die Lösung des Fraunhofer IGD kann Überlagerungen und Verformungen der Leber vor und nach der Behandlung einschätzen. Auch bildverarbeitungstechnisch schwierige Fälle, wo Tumor und Ablationszone am Leberrand liegen, sind für das Verfahren kein Problem mehr. Die Software ist dabei sehr flexibel einsetzbar und kann neben Ablationen auch zur Erfolgskontrolle von Resektionen genutzt werden. Die Testphase des neuen Software-Tools im klinischen Umfeld ist bereits gestartet. Partner der Fraunhofer-Forscher ist Prof. Dr. Reto Bale, Abteilung für mikroinvasive Therapie der Medizinischen Universität Innsbruck.    www.igd.fraunhofer.de/vht

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Die klassische Pflegeausbildung hat ausgedient, die neu eingeführte Ausbildung zum Bachelor führt zu einer Akademisierung der Pflege. Eine Studie der IIR GmbH zeigt: 49 % der befragten Pflegekräfte erwarten sich keine Verbesserung, nur 27 % gehen von einer positiven Entwicklung aus und der Rest ist unentschlossen. Die größten Skeptiker unter den anderen Berufsgruppen im Spital sind Ärzte, während das Verwaltungspersonal der Entwicklung positiver gegenübersteht. Befragte befürchten unter anderem, dass es zu einer Verlagerung der Ressourcen kommt – weg vom Krankenbett, hin in die Organisation – und zum Verlust der patientennahen Versorgung. Ein weiteres Gegenargument ist, dass die direkte Arbeit am Krankenbett dann von weniger qualifizierten Pflegefachassistenten übernommen wird. Andererseits kann laut den Befragten der Berufsstand durch die Akademisierung aufgewertet werden, da der Pflege bisher nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht wurde. Die IIR GmbH befragt jährlich über 300 Krankenhausmitarbeiter zu aktuellen Fra-


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Mag. Paul Kessler DDr. Karina Hellbert, LL.M. Fiebinger Polak Leon Rechtsanwälte www.fplp.at

Bester Preis entscheidet u Im März dieses Jahres traten wesentliche Änderungen durch die Bundesvergabe­ gesetznovelle 2015 (BVergG-Novelle 2015) in Kraft. u Neu ist, dass dem Bestpreisprinzip klarer Vorrang eingeräumt wird.

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ie Novelle brachte ein einheitliches Zuschlagsregime für Oberschwellenbereich- (OSB)- und Unterschwellenbereichausschreibungen (USB). Die neue Grundregel lautet: „Es ist anzugeben, ob der Zuschlag dem technisch und wirtschaftlich günstigsten Angebot oder – sofern der Qualitätsstandard der Leistung durch den (Sektoren-) Auftraggeber in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht klar und eindeutig definiert ist – dem Angebot mit dem niedrigsten Preis erteilt werden soll.“ Daraus folgt: Nur unter der Voraussetzung, dass der Qualitätsstandard einer Leistung in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht klar und eindeutig auf dem definierten Niveau beschrieben wird, kann der Auftraggeber zwischen dem Zuschlagsprinzip des technisch und wirtschaftlich günstigsten Angebotes oder dem des Angebotes mit dem niedrigsten Preis wählen. In allen anderen Fällen, wenn also kein vordefiniertes Niveau – beispielsweise mangels standardisierter Normen – vorhanden ist, ist dem Bestpreisprinzip der Vorrang zu geben. Die Änderungen sind auch für Anfechtungen relevant: Sofern das Bestangebotsprinzip zur Anwendung kommt, sind Ausschreibungen, die keine Zuschlagskriterien oder nur den Preis bzw. den fixierten Angebotspreis als Zuschlagskriterium enthalten, rechtswidrig und bekämpfbar. Darüber hinaus sind aber auch solche Ausschreibungen bekämpfbar, die formal zwar mehrere Zuschlagskriterien enthalten, für die de facto aber alleine der Preis als Leistungseinheit ausschlaggebend sein soll.

Neue Subunternehmerkonstruktion Erstmals wurde in der BVerG der Subunternehmer definiert. Die Definition findet ihre Grundlage im Werkvertragsrecht, bei der die Herstellung eines bestimmten Werkes bzw. Erfolges geschuldet ist. Eine Beteiligung an der Ausführung eines Auftrages liegt dann vor, wenn ein Unternehmer einen Leistungsteil des Auftrages vertraglich übernimmt und diesen Teil

in Eigenverantwortung selbst oder mit Gehilfen ausführt. Zulieferer sind, wie schon nach bisheriger Rechtslage, von der Definition nicht umfasst. Bereits vor der Novelle gab es Regelungen zur Information zu Subunternehmerleistungen. Diese Informationspflichten wurden erweitert: Durch die Stärkung des Bestangebotsprinzips wird durch die Verpflichtung zur Bekanntgabe aller Subunternehmer bereits im Angebot der Einblick des Auftraggebers in die Ausführungsstruktur des potenziellen Auftragnehmers ermöglicht. Im Stadium der Vertragsausführung ist jeder Wechsel bzw. jede Neuerung in der Subunternehmerkette nur aus sachlichen Gründen zulässig und bedarf der vorherigen Zustimmung des Auftraggebers.

Verbesserter Rechtsschutz Aufgrund der EuGH-Entscheidung Fastweb S.p.A. ist der Auftraggeber nunmehr verpflichtet, bei Vergabeverfahren ohne vorherige Veröffentlichung transparent und nachvollziehbar zu begründen, warum kein öffentliches Verfahren durchgeführt wurde. Gelingt dies dem Auftraggeber nicht, führt dies zur Ungültigkeit des Vertrages. Nach der Rechtsprechung des EuGH müssen die Begründungen eindeutig und nachvollziehbar sein, sodass formelhafte Begründungen unzulässig sind. Die Novelle setzt zwar Einzelbestimmungen der Vergaberichtlinie 2014/24/EU um, die vollständige Umsetzung der Richtlinie fand jedoch nicht statt. Dies führt dazu, dass durch das Verstreichen der Umsetzungsfrist am 16. April 2016 Teile der Richtlinie unmittelbar anzuwenden sind. Dadurch stellt der Gesetzgeber den Rechtsanwender vor eine unnötige Herausforderung: Widerspricht das BVerG der Richtlinie, so ist das Gesetz entweder richtlinienkonform auszulegen oder nicht anzuwenden. Warum der Gesetzgeber diese unklare Rechtslage in Kauf nimmt, ist nicht nachvollziehbar. n

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GASTKOMMENTAR

Big Data – Big Health? D

ie Gesundheitsgespräche im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach sind kürzlich zu Ende gegangen und der Konsens unter den rund 500 anwesenden Stakeholdern, die in vielen Foren, Workshops, Diskussionen und World Cafés über alte und neue Mythen im Gesundheitswesen diskutierten, war deutlich: Transparenz und Aufklärung sind wichtige Eckpfeiler, auch wenn das manchmal gegen die eigenen Interessen spricht. Es wird uns über kurz oder lang nichts anderes übrig bleiben, nicht nur die Frage zu stellen, ob wir „das Richtige“ machen, sondern auch, ob es Felder gibt, in denen wir zu wenig oder – vielleicht noch unangenehmer – zu viel machen. Transparenz heißt demnach auch, ein großes Stück weit ehrlich zu sein – zu sich selbst und zu allen Partnern im Gesundheits­ wesen. Es waren nicht die großen Entscheidungen, die in Alpbach nach drei intensiven Tagen auf dem Tisch lagen, vielmehr waren es viele einzelne Ideen. Jede Idee, die geboren wird, hat damit die Chance, sich durchzusetzen und in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zu kommen. Manche schaffen es, manche nicht. Gelingt es einer Idee zu keimen, kann sie sich weiter entwickeln, in Maßnahmen, Projekte und Programme. Denken wir beispielsweise an die Primärversorgung. Vor fünf Jahren wurde darüber kaum nachgedacht und heute liegt ein Zukunftsthema auf dem Tisch, das nicht nur die Gesundheitspolitiker beschäftigt. Ein zweites Thema, das sich durch den Expertendialog im August zog, war „choosing wisely“ – also die Frage, wie ausgehend von den zur Verfügung stehenden Informationen auf Grundlage (weitestgehend) gesicherter Evidenz informierte Entscheidungen vorgenommen werden können, auch mitunter gegen eine bestimmte Intervention. Und schließlich daran anknüpfend die Frage, wie die enorme Menge an Daten – im Fachjargon nahezu liebevoll als „Big Data“ bezeichnet – darüber hinaus auch für eine Gestaltung des Gesundheitssystems genutzt werden kann. Generell ergeben sich zunächst einmal in Bereichen, in denen eine Vielfalt von isolierten Daten (und damit auch isolierter Evidenz) vorliegt, Interpretationspielräume, die dazu führen,

dass sich Mythen und Wahrheiten etablieren, die irgendwann nicht mehr voneinander getrennt werden. Ein solcher Mythos ist zum Beispiel die Annahme, dass jeder von uns, sofern ihm ausreichend Information und Evidenz vorliegt, rational und unter Bewertung aller Alternativen entscheidet. Das ist der Anspruch der Systemsteuerung und selbst hier bedarf es eines kontinuierlichen und offenen Dialogs zwischen Wissenschaft und Praxis, um diesem Anspruch zumindest dem Grunde nach gerecht zu werden. Wenn wir aber die Frage auf die Ebene des Individuums stellen, zum Beispiel des Patienten oder auch des Arztes, dann halte ich es für einen Mythos, dass er immer sämtliche Informationen sammelt, analysiert, auswertet und seiner Entscheidung – etwa der Wahl eines Krankenhauses oder einer passenden Therapie – zugrunde legt. Wir unterstellen das gerne – dem Arzt, dem Patienten, dem Krankenhausleiter, dem Politiker. Das soll aber nicht heißen, dass wir jetzt Abstand nehmen sollten davon, die vorliegenden Informationen allen Akteuren im Gesundheitssystem transparent zur Verfügung zu stellen. Denn selbst wenn wir aus der Empirie wissen, dass Information und Transparenz über die Qualität von Leistungserbringern im Gesundheitswesen kaum einen Einfluss auf die Entscheidung von Patienten bei der Wahl des Krankenhauses oder des Arztes hat, so wissen wir doch auch, dass nur dann die Qualität von Krankenhäusern und Ärzten steigt, wenn wir diese Informationen publizieren. Die Öffentlichkeit – ganz im Sinne des Mottos des heurigen Europäischen Forums Alpbach – ist hier der maßgebliche Mechanismus zur Qualitätsverbesserung. Mit „Big Data“ haben wir es nunmehr in der Hand, gemeinsam zu lernen: Wir können Zusammenhänge besser analysieren und verstehen, die Versorgungskette nachverfolgen und Defizite erkennen oder früher Interventionen setzen. Bis zu den Gesundheitsgesprächen in Alpbach 2017 wünsche ich mir jedenfalls ein Plus an Transparenz, aber auch ein Plus an Vertrauen unter den Stakeholdern, Daten offenzulegen. Wir brauchen Strukturen, die festlegen, wie Daten gesammelt, wie sie analysiert werden und wie sie die Leistungserbringer am besten unterstützen können, um sie unmittelbar in den Behandn lungsprozess einfließen zu lassen.

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Dr. Herwig Ostermann Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG)


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Gesundheitspolitisches Forum Alpbach:

Reform der Krankenhaus­ finanzierung u Gesundheitsdienstleistungen sind bundesweit einheitlich zu kalkulieren. u Der Trend in Richtung Privatmedizin wird Änderungen im System provozieren.

Intransparenz beenden

v.l.n.r.: Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, Mag. Ulrike Rabmer-Koller, Prof. Heinz Lohmann, Mag. Thomas Kreuz, Mag. Sonja Wehsely, KR Mag. Julian Hadschieff

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m Zuge einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Gesundheitspolitischen Gespräche in Alpbach standen die Vor- und Nachteile bundesweit einheitlicher LKF (leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung)-Punktewerte sowie Ansätze für eine mögliche Umsetzung im Zentrum. Ausgangspunkt war eine Studie von Prof. Dr. Gottfried Haber, Vizedekan der Fakultät für Gesundheit & Medizin an der Donau-Universität Krems, der darin die unterschiedliche LKF-Bewertung zwischen öffentlichen und privaten Krankenanstalten infrage stellt. In Österreich liegt jeder medizinischen Indikation im Spital ein sogenannter LKF-Punktewert zugrunde. Die Bewertung ist jedoch unterschiedlich, je nachdem ob die Leistung von einer öffentlichen oder privaten Krankenanstalt erbracht wird. „Damit wird ohnehin eine Differenzierung auf Basis der variablen Kosten vorgenommen. Eine unterschiedliche Gestaltung der LKF-Punktewerte selbst ist daher systematisch nur schwer argumentierbar. Eine Weiterentwicklung des prinzipiell ökonomisch sinnvollen Systems würde vor allem zu mehr Transparenz führen“, ist Haber überzeugt.

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Daher fordern der Fachverband der Gesundheitsbetriebe sowie der Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs eine dringende Veränderung im Finanzierungssystem: „Ein bundesweit einheitlicher Wert je LKF-Punkt für öffentliche und private Krankenanstalten, ein effizienter Mitteleinsatz und Transparenz sind die essenziellen Schritte, um unser solidarisches Gesundheitssystem nachhaltig und langfristig abzusichern“, sagt Julian M. Hadschieff, Obmann des Fachverbandes der Gesundheitsbetriebe in der Wirtschaftskammer Österreich. Auch für Thomas Kreuz, Präsidiumsmitglied im Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs, sind Transparenz und Effizienz vordringliche Ziele: „Die Intransparenz muss endlich ein Ende haben und Gesundheitsdienstleistungen sind bundesweit einheitlich zu kalkulieren.“ Eine notwendige Harmonisierung wünscht sich Mag. Ulrike RabmerKoller, Vorsitzende des Verbandsvorstands im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: „Ein einheitlicher Finanzierungstopf muss unser Ziel sein, wobei im ­Mittelpunkt immer der Patient steht und das, was er an medizinischen Leistungen braucht.“ Auch die Wiener Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely plädiert für mehr Transparenz als Basis für einheitliche Entscheidungen: „Es muss Gleiches mit Gleichem verglichen werden. Wenn wir uns anschauen, was der öffentliche und der private Bereich leisten, ist das kein Vergleich auf Augenhöhe.“

Private schließen Lücken Die Rolle der Privatkrankenanstalten stellt dabei keiner der Experten infrage. Die Wahlfreiheit für Patienten soll bleiben, denn Pluralismus ist auch im Gesundheitssystem wichtig. Der Trend in Richtung Privatmedizin, der nicht zuletzt auf Lücken im öffentlichen System zurückzuführen ist, wird sich wohl weiterhin fortsetzen und Änderungen im System provozieren. Voneinander lernen ist angesagt.  n


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Gesundheitspolitisches Forum Alpbach:

Digital Healthcare für eine bessere Versorgung u In ausgewählten Regionen der Steiermark und in Tirol sollen neue Versorgungsund ­Disease-Management-Programme ausgerollt werden. u Damit soll Patienten mit chronischen Krankheiten wie beispielsweise Diabetes und ­Herzinsuffizienz eine optimale Betreuung und Therapie ermöglicht werden.

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ie Tirol Kliniken GmbH und die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m. b. H (KAGes) arbeiten gemeinsam mit dem Land Tirol, dem Land Steiermark und der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) am Aufbau der Infrastruktur und der Organisation für spezifische DiseaseManagement-Programme mit aktiver Integration der Patienten. Sie übernehmen dabei die Provider-Rolle für Telegesundheitsdienste im regionalen Setting. Auf Basis einer speziellen telemedizinischen Technologieplattform, die am Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelt wurde, existieren bereits seit über fünf Jahren erfolgreiche Pilotprojekte in beiden Bundesländern. So läuft beispielsweise im Gesundheitszentrum der VAEB in Breitenstein das Telemedizin-Projekt „Gesundheitsdialog Diabetes“, an dem über 600 Patienten teilnehmen. Auch in Krankenhäusern der Tirol Kliniken wird die AIT-Technologie für die Therapie und Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz eingesetzt. „Vor allem im Medizinbereich gilt es, unterschiedlichste Anforderungen an die technischen Lösungen im Vorhinein zu berücksichtigen. Sicherheit der Daten, einfachste Handhabung, hohe Zuverlässigkeit und Flexibilität für die Benutzer sind grundlegende Anforderungen für moderne digitale Anwendungen im Medizinbereich. Das AIT hat in diesem Bereich bereits hohe Kompetenz entwickelt“, betont DI Helmut Leopold, Head of Department Digital Safety & Security, AIT Austrian Institute of Technology.

Wiederaufnahmequote reduzieren „Die Zahl der Herzschwäche-Patienten steigt an und nach einem stationären Aufenthalt wegen Herzinsuffizienz beträgt die Wiederaufnahmequote nach sechs Monaten derzeit 50 Prozent“, gibt Univ.-Prof. OA Dr. Gerhard Pölzl von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Tirol Kliniken, und medizinischer Leiter des Versorgungsnetzwerkes HerzMobil Tirol, Einblick. Die aktuellen Therapieleitlinien der Europäischen

Die digitale Gesundheitsversorgung stand heuer im Mittelpunkt der Gesundheitsgespräche am Forum Alpbach.

Kardiologischen Gesellschaft empfehlen daher den Einsatz von Disease-Management-Programmen zur Reduktion der Wiederaufnahmerate und Mortalität. Aktuell werden im Pilotprojekt „HerzMobil Tirol“ 50 Patienten telemedizinisch versorgt. Mit einfach zu bedienenden Messgeräten werden täglich die Vitaldaten erfasst und über die HerzMobil Tirol-App an das zentrale Datenservice übermittelt. Im Versorgungsnetzwerk übernehmen besonders ausgebildete Herzinsuffizienz-Schwestern in enger Abstimmung mit den Ärzten die unmittelbare Betreuung und direkte Kommunikation mit den Patienten. „Bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte können die behandelnden Ärzte rasch reagieren und zeitnah die Therapie anpassen“, so Pölzl. Ähnlich wie bei HerzMobil Tirol werden auch im Rahmen des „Gesundheitsdialogs Diabetes“ Vitaldaten der Patienten über einfach handzuhabende Mobilgeräte an eine Monitoring-Zentrale übermittelt. Derzeit nehmen rund 600 Patienten am Gesundheitsdialog Diabetes der VAEB teil.  n

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PRODUKTE & ANBIETER

Wozabal zählt zu den heimischen Leitbetrieben.

Innovation und Transparenz Die Unternehmensgruppe Wozabal ist international ausgerichteter, oberösterreichischer Leitbetrieb mit acht Standorten und rund 950 Mitarbeitern. Als Spezialist für die Aufbereitung von Bekleidung und Wäsche verpflichtet sich ­Wozabal zu strengsten Hygienevorschriften, die dank ständiger Investitionen in die modernste Technik laufend verbessert werden. Mit der Kennzeichnung aller Textilien durch einen UHFChip werden Optimierungspotenziale im ­Wäschemanagement eröffnet und für Kostentransparenz wird gesorgt. Durch den Erfolg dieser Technologie konnte Wozabal sein Netzwerk zuletzt weiter ausbauen – 2015 eröffnete der Standort Rankweil, um auch den Westen Österreichs noch besser zu versorgen. Die Verbesserung der Umweltstandards und der Energieeffizienz genießen beim KlimabündnisPartner und klima:aktiv-Preisträger Wozabal ebenfalls einen sehr hohen Stellenwert. Sowohl

im internen F&E-Bereich als auch mit externen Partnern wird laufend an den entsprechenden Prozessen gearbeitet. Aus diesem Grund zählte Wozabal zum wiederholten Mal auch 2016 zum exklusiven Kreis der Nominierten für den kürzlich verliehenen Energy Globe Award.   www.wozabal.com

Mehr Schutz für medizinisches Personal Häufig werden bei Reparaturen von Medizinprodukten Teile oder Substanzen verwendet, die nicht den Herstellerangaben entsprechen. ­AUSTROMED, Wirtschaftskammer und Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) haben daher gemeinsam eine Klarstellung erarbeitet, die seit Kurzem die richtige Vorgehensweise konkretisiert. Damit sollen auch Patienten und medizinisches Personal geschützt werden, da Verletzungen aufgrund falsch reparierter Medizinprodukte verhindert werden sollen. Wenn sich eine Firma oder ein Auftraggeber bei der Reparatur von Medizinprodukten nicht an die Vorgaben des Herstellers hält, keine Originalteile oder dazu gleichwertige Ersatzteile verwendet oder selbst nicht geeignet ist, Instandsetzungen an dem Medizinprodukt durchzuführen, entsteht ein neues Medizinprodukt.   Weitere Informationen unter http://www.basg.gv.at/medizinprodukte/faq/ medizinprodukte

Diktieren mit der neuesten ­Philips-Generation Das neueste mobile Diktiergerät von Philips wirkt auf den ersten Blick wie ein Smartphone. Und in der Tat funktioniert es auf Android-Basis, was die Nutzung anderer Apps ermöglicht: beispielsweise einer Klientenmanagement-App oder einer Zeiterfassungs-App. Auch mit einem Touchscreen sowie einer Kamerafunktion wartet dieses neue Gerät auf. Und doch: Das SpeechAir ist ein dediziertes Diktiergerät und kein Smartphone. SIM-Karte kann ganz bewusst keine verwendet werden; Diktate werden direkt nach der Aufnahme über WLAN und sicher verschlüsselt übermittelt. Das bedeutet für Anwender, mit der Diktatweitergabe ans Sekretariat oder die Software nicht erst warten zu müssen, bis das Gerät im Büro mit dem PC verbunden werden kann. Neben dem vertrauten Schiebeschalter und einer extralangen Akkulaufzeit ist das SpeechAir in bekannter Philips-Manier mit den besten Präzisionsmikrofonen ausgestattet. www.dictation.philips.com  Philips macht das Diktieren noch einfacher.

KURZ GEMELDET: +++ Die neueste technische Errungenschaft des australischen Hörimplantat-Herstellers Cochlear™ vereint die weltweit dünnste Elektrode in voller Länge mit einer neuartigen Insertionstechnik. Das Nucleus® Profile mit Slim-Modiolar-Elektrodenträger (CI532) sollte einen Vorteil für den Restgehörerhalt von Cochleaimplantat-Kandidaten bringen. Erste klinische Studienergebnisse werden im Herbst 2016 erwartet. +++ Kürzlich wurde das Olympic Team Austria im Rahmen der offiziellen Einkleidung mit den 50 ml septDES GEL Flaschen von HAGLEITNER ausgestattet. Die praktischen Reisebegleiter garantieren sorgloses Händeschütteln während der Wettkämpfe – denn schon der kleinste Infekt hat Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit. +++ Die WHO hat eine Empfehlung für einen Tuberkulose-Schnelltest der Firma Hain Lifescience GmbH veröffentlicht, um Fehlbehandlungen und eine weitere Zunahme von Resistenzen zu verhindern. Mithilfe dieses Tests lässt sich der Nachweis von resistenten TB-Erregern beschleunigen, die Medikation der Patienten zeitnah und individuell anpassen und die Chancen auf einen Behandlungserfolg erhöhen.

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PRODUKTE & ANBIETER

Firmenporträt: MED-EL

Technologie, die Gehör ­verschafft Der intensive Austausch mit Experten aus der Praxis ist die Basis des internationalen Erfolgs mit innovativer Implantattechnologie.

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n den 1970er-Jahren erfand das Wiener Ehepaar Hochmair sein erstes mikro-elektronisches Mehrkanal-Cochleaimplantat – gemeinsam mit den Klinikärzten wurde die Technologie permanent weiterentwickelt und zu einzigartiger Perfektion geführt. So ist aus der Idee von damals ein global agierendes Medizintechnikunternehmen geworden, dessen Produkte aktuell in 111 Ländern genutzt werden. Seit der Jahrtausendwende konnte MED-EL 13 Weltneuheiten auf den Markt bringen. Heute ist das Unternehmen einer der Weltmarktführer in seinem Bereich und stellt in Innsbruck hochentwickelte Hörimplantate her, die in enger Zusammenarbeit mit den implantierenden Ärzten ständig optimiert werden. „Mit Hörimplantaten können wir Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit als Kommunikationsbarriere überwinden“, sagt Ingeborg Hochmair, CEO und CTO von MED-EL. „Es besteht jedoch nach wie vor Aufklärungsbedarf: Derzeit erhalten weniger als zehn Prozent der neu ertaubten Menschen ein Implantat, obwohl bei vielen die Lebensqualität dadurch stark verbessert werden könnte.“ Bis heute ist das Cochleaimplantat die einzige Technologie, die bei gehörlosen Menschen ein fehlendes Sinnesorgan ersetzen

kann. MED-EL hat mittlerweile die breiteste Produktpalette implantierbarer Lösungen, je nach Art und Ausprägung des Hörverlusts: Wenn medizinische Gründe gegen ein Hörgerät sprechen, stehen auch Mittelohrimplantate wie die Vibrant Soundbridge oder die BoneBridge Knochenleitungsimplantate zu Verfügung. Ist noch ein Restgehör vorhanden, helfen Systeme für Elektrisch Akustische Stimulation (EAS) – eine Kombination aus Cochleaimplantat und Hörgerät. MED-EL investiert am Forschungsstandort Österreich laufend 15 bis 20 Prozent des Umsatzes. In Kooperation mit den Experten aus dem klinischen Bereich treibt das Unternehmen die Weiterentwicklungen stetig voran. Das Unternehmen ist heute einer der größten Arbeitgeber Tirols und beschäftigt weltweit mehr als 1.700 Mitarbeiter. Über 95 Prozent der Hörimplantate werden exportiert und von rund 2.500 HNO-Kliniken auf der ganzen Welt abgenommen. n

Weltweit tätig, in Tirol verwurzelt: Das MED-EL Gebäude für Forschung und Entwicklung in Innsbruck

Ein Blick in die hochtechnisierte Fertigung der Implantatsysteme von MED-EL

MED-EL Elektromedizinische Geräte Gesellschaft m.b.H. Fürstenweg 77a, 6020 Innsbruck www.medel.com

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KONGRESSE uu AUSBLICK MedConf 14. - 16. Oktober 2016, München Seit 2008 hat sich die MedConf als eine der wichtigsten MedizintechnikKonferenzen etabliert. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist, dass sie sich ausschließlich mit der Softwareentwicklung und dem Systementwurf für medizinische Geräte beschäftigt. Die MedConf adressiert brisante Themen wie das MPG, Auswirkungen gesetzlicher Rahmenbedingungen durch die EU oder die FDA sowie Methoden und Techniken des Software Engineerings. Neben den genannten Themen werden auch aktuelle Trends aufgegriffen und beleuchtet. www.medconf.de

6. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und klinische Chemie 8. - 11. November 2016, Salzburg Aus dem Programm: Big Data-Analyse in der Medizin, Seminar Bioinformatik (nur gegen Voranmeldung!), Labor und Psychiatrie: neue Leiblichkeitskonzepte in der Medizin, Kohlenhydratintoleranz und Depression, Inflammation bei affektiven Erkrankungen, neue Laborforschung u. a. www.kongress.oeglmkc.at

33. Jahrestagung der ACO-ASSO 2016 & 125. ­Fortbildungsseminar der ÖGC 6. - 8. Oktober 2016, St. Wolfgang Thema: Maligne Erkrankungen des Magens und des Ösophagus – von der Diagnostik bis zur Therapie. Auszug aus dem Programm: Epidemiologie und Ätiologie der Speiseröhren- und Magenkarzinome. Gibt es verlässliche Biomarker/Tumormarker beim Barrett Speiseröhren- und Magenkarzinom? Standard-Staginguntersuchungen des Ösophagus und Magenkarzinoms. Wertigkeit des PET-CT beim Ösophagus und Magenkarzinom; u. a. www.aco-asso.at

Jahrestagung des Berufsverbandes Österreichischer Chirurgen (BÖC) 10. - 11. November 2016, Congress Casino Baden Ziel der Veranstaltung ist es, relevante und aktuelle Themen möglichst praxisnah zu präsentieren und mit den Teilnehmern zu diskutieren. Eine Besonderheit stellt das Forum Niedergelassener Chirurgen dar: Hier liegt das Augenmerk auf den speziellen Herausforderungen und Bedürfnissen der Chirurgen aus dem niedergelassenen Bereich. www.boec.at

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Karin Duderstadt, k.duderstadt@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-29. Projektmanagement: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, Mag. Volkmar Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +432236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: c­reativedirector.cc­ lachmair gmbh. Druck: D ­ ruckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder ­wissenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at leichteren Lesbarkeit ­verzichten wir auf ­geschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

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KONGRESSKALENDER

t SEPTEMBER 2015

22. – 24.9.2016

47. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin – ÖGIM, Salzburg www.oegim.at

27. – 30.9.2016

ÖVKT - Tagung des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen Pörtschach am Wörthersee www.oevkt.at

29.9. – 1.10.2016 ÖGS Jahrestagung 2016 Salzburg, www.senologie.at

t OKTOBER 2015

t NOVEMBER 2015

17. – 19.10.2016 44. Jahrestagung der ÖDG (Österreichische Diabetes Gesellschaft) Salzburg, www.oedg.at

21. – 22.10.2016

17. Jahrestagung der Österreichischen Adipositas Gesellschaft Innsbruck www.adipositas-austria.org

24. – 26.10.2016

47. Kongress für Allgemeinmedizin Graz, www.stafam.at

30.9. – 1.10.2016 Kardiologie im Zentrum, Linz www.kardiologieimzentrum.at

14. – 17.11.2016

4. – 5.11.2016

Jahrestagung 2016 der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin & Rehabilitation, Wien www.oegpmr.at

8. – 11.11.2016

6. Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und klinische Chemie, Salzburg, www.hno.at

10. – 12.11.2016

Jahrestagung der Österreichischen & Schweizer Gesellschaften für Pathologie, Wien www.pathology.at

MEDICA, Düsseldorf, www.mediaca.de

18. – 19.11.2016

3. Kongress des VOPMÖ (Verband OP-Management Österreich), Schloss Mondsee, www.vopmoe.at

18. – 19.11.2016

Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, Wien www.hochdruckliga.at

18. – 19.11.2016

Herbsttagung der AG INTERVENTIONELLE KARDIOLOGIE der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), Wien www.atcardio.at

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

Medizinisches Basiswissen II

3.+4. Oktober 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Der schwierige Kunde kauft

5.+6. Oktober 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

© Syda Productions – Fotolia.com

OKTOBER

Verhalten im OP

13. Oktober 2016, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

Medizinproduktegesetz Update Änderungen aufgrund Novelle 2009 für Absolventen MPG bis einschließlich Sommer 2009

14. Oktober 2016, 09:00 – 13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Workshop Vergaberecht in der Praxis

10. November 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz, einschließlich Novelle 2009

22. November 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

NOVEMBER

Info & Anmeldung: www.austromed.org

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OA Dr. Martin Aichholzer Leitender Oberarzt am Neuromedizinischen Ambulanzzentrum Kepler Universitätsklinikum Linz Tagungsorganisation ÖGNC www.kepleruniklinikum.at

Update in der neurochirurgischen Therapie u Im Rahmen der ÖGNC-Jahrestagung werden die Quantensprünge in Diagnose und Therapie neurochirurgischer Krankheitsbilder der letzten sieben Jahrzehnte beleuchtet.

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Standortbestimmung bei Diagnose und Therapie Zur Standortbestimmung und Aktualisierung der Behandlungsstrategien werden erfahrene Referenten zu ausgewählten Themen eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung derzeitiger Therapiestrategien geben. Diese stellen ein „Update“ zu praxisrelevan-

52. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie 13. - 15. Oktober 2016 Neurochirurgische Therapie im Wandel der Zeit Palais Kaufmännischer Verein, Linz www.oegnc-jahrestagung.at

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State-of-Art-Therapien in der Neurochirurgie werden am Kongress diskutiert.

ten neurochirurgischen Themen dar und werden in 15-minütigen Impulsreferaten zwischen den jeweiligen Einzelvorträgen stattfinden. „Damit wird einerseits dem Fortbildungsauftrag der Gesellschaft Rechnung getragen und andererseits werden jüngere Kollegen besonders einbezogen. Sie erhalten einen kompakten Streifzug durch das Fach und können von routinierten Kollegen wichtige Inputs für State-of-Art-Therapien erhalten“, gibt OA Dr. Martin Aichholzer, leitender Oberarzt am Neuromedizinischen Ambulanzzentrum am Kepler Universitätsklinikum Linz und federführend in der Tagungsorganisation der ÖGNC, Einblick in den Ablauf. Zu den großen aktuellen Veränderungen zählt die neue WHOKlassifikation der Tumore in der Neuroonkologie, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. „Hier werden neue Behandlungsstrategien für die Tumorresektion festgeschrieben, die durchaus eine Neuorientierung in unserem Fach beschreiben. Während früher bei niedriggradigen Tumoren oftmals keine Komplettresektion erfolgte, belegen nun aktuelle Erkenntnisse, dass mit maximaler Resektion auch größere rezidivfreie Intervalle möglich sind“, beschreibt Aichholzer. Mehr als 140 Teilnehmer werden erwartet und die eingereichten Vorträge lassen bereits jetzt auf eine spannende und abwechslungsreiche Tagung schließen.  n

© Triff – shutterstock.com

as Jahr 2016 ist für die neurochirurgische Abteilung Linz ein sehr spezielles Datum. Mit 1.1. 2016 wurde Linz mit dem Kepler Universitätsklinikum auch medizinisch universitär und aus der Abteilung für Neurochirurgie eine Klinik für Neurochirurgie. Über 70 Jahre sind mittlerweile vergangen – von den Anfängen im neurochirurgischen Lazarett über die erste selbstständige österreichische neurochirurgische Abteilung in Bad Ischl bis hin zur Übersiedelung 1968 an das Wagner-Jauregg-Krankenhaus in Linz. Es liegt daher nahe, sich im Rahmen der 52. Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC) mit dem Thema „Neurochirurgische Therapie im Wandel der Zeit“ zu beschäftigen. Diese Zeitspanne umfasst Quantensprünge, sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung neurochirurgischer Krankheitsbilder. Im Rahmen der diesjährigen Tagung bietet sich daher die Möglichkeit, einerseits Bewährtes in Erinnerung zu bringen und andererseits neue Entwicklungen kritisch zu beurteilen. Originale Filmdokumente aus der Zeit der ersten selbstständigen österreichischen neurochirurgischen Abteilung in Bad Ischl werden einem breiten Publikum erstmalig zugänglich gemacht.


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DAS SCHLUSSWORT

Alte und neue Mythen in der Medizin S

ubjektive Wahrnehmungen und Wahrheiten von Gesundheit stammen teilweise aus vorwissenschaftlichen Zeiten und halten sich dennoch bis heute in Medizin und Gesellschaft auf unerwartete Weise. Moderne Kommunikationsmöglichkeiten tragen ihres dazu bei, dass sich unbewiesene Theorien und falsche Erwartungen rascher denn je verbreiten. Wo viele Daten, da auch viele Interpretationsspielräume. Immer deutlicher zeigt sich: Medizin ist nicht allmächtig. Unterstützung bekommt diese – be- und widerlegbare – Theorie von den Ergebnissen der heurigen Gesundheitsgespräche am Europäischen Forum Alpach. Wir wissen, dass wir nichts wissen und es ist weder be- noch widerlegt, ob zum Beispiel Disease-Management-Programme wirklich Leben retten oder nur die Statistik der Erkrankten hinauftreiben. Oder ob Fleisch krebserregend ist und Krebs endlich heilbar ist. Auf den Punkt brachte es der finnische Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Teppo Järvinen: „Eine retrospektive Analyse der im New England Journal of Medicine zwischen 2001 und 2010 erschienenen Studien mit 363 in der Medizin praktizierten Therapien hat ergeben, dass ein erheblicher Teil dessen, was wir tun, nichts anderes als medizinischer Abfall ist.“ Mit einigen hartnäckigen Mythen kann auch die Medizinprodukte-Branche gut mithalten, wie etwa mit der Überzeugung, dass Medizinprodukte überaus unsichere Hilfsmittel der Mediziner sein müssen und daher eine neue Verordnung dringend erforderlich sei. Nur so könne das Dahinscheiden vieler Patienten – verursacht durch schlecht funktionierende oder qualitativ mangelhafte Medizinprodukte – eingedämmt werden. Dem Aberglauben ist auch mit Fakten nicht entgegenzutreten, obwohl der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in einer Publikation belegt, dass nur 0,2% aller dokumentierten Fälle von Behandlungsfehlern auf ein Medizinprodukt zurückzuführen ist. Der Rest liegt etwa in der mangelnden Hygiene oder der faschen Anwendung, also Faktoren, die vom Produkt selbst gar nicht zu beeinflussen sind. Ein weiterer Mythos hält sich ebenso hartnäckig und macht vielen Anwendern oft das Leben schwer: Es muss gespart werden, vorzugsweise an teuren Medizinprodukten, die ohnehin nichts bringen würden. Dass Forschung und Entwicklung in der Medizinprodukte-Branche seit jeher eine wesentliche Rolle spielen und nur so hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards,

aber auch Einsparungen im Gesundheitswesen garantiert werden können, bleibt im Verborgenen. Kürzere Krankenhausaufenthalte, eine kürzere Heilungsdauer und verbesserte Prozesse sowie eine verbesserte Lebensqualität spielen in der öffentlichen Spardebatte meist eine geringe Rolle. Damit im Zusammenhang steht bereits der nächste hartnäckige Aberglaube: Medizinprodukte-Unternehmen werden als Wirtschaftsfaktor überschätzt. Tatsächlich aber generiert jeder Euro an Produktion der AUSTROMED-Mitgliedsunternehmen einen weiteren Euro an Produktion in der heimischen Wirtschaft. Der so ermittelte Produktionswert beläuft sich damit auf mehr als 3,4 Milliarden Euro. Ähnlich verhält es sich mit den geschaffenen Arbeitsplätzen: Je ein Beschäftigter innerhalb der AUSTROMEDMitglieder sichert indirekt mehr als einen weiteren Arbeitsplatz in Österreich. In Summe sind das rund 20.000 Arbeitsplätze. Nahtlos erfolgt damit der Übergang zum nächsten Mythos: Den Unternehmen ginge es doch ohnehin viel zu gut. Dringend sind aus Sicht der AUSTROMED jene politischen Rahmenbedingungen schaffen, die die gewachsene Struktur und das gesunde Unternehmensumfeld unserer Branche erhalten und diese nicht durch einseitige Maßnahmen zur Kostendämpfung aufs Spiel setzen. Und auch der Bundeskanzler forderte kürzlich in einem in einem Gastkommmentar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein Umdenken hin zu mehr Investitionen, um die heimische Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Nur Österreich als starker Standort gewährleistet eine patienten- und anwendernahe Versorgung! Wie Aufklärung in der Medizin nun an Stelle des Aberglaubens treten kann, konnte letztendlich auch in Alpbach nicht restlos geklärt werden. Halten wir es vorläufig mit den Science Busters und ihrem gleichnamigen Buch „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ und setzen wir unermüdlich die Arbeit als Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen im n Sinne der neuen Aufklärung fort!

Ihr Christian Braun Vizepräsident AUSTROMED

04/16 DAS MEDIZINPRODUKT 51

© AUSTROMED

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MEDIZIN PR DUKT Dipl. BW Christian Braun Vizepräsident AUSTROMED


Das Medizinprodukt 04 | 2016  
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