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ISSN 2223-1080

Tumorbehandlung

P.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“, Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien

© icotec

Carbon/PEEK in der Wirbelsäulenchirurgie ­ermöglicht Protonenbestrahlung Seite 16

www.das-medizinprodukt.at

26 | Fehlervermeidung Welche Vorteile Checklisten in der Chirurgie bringen können 32 | Palliativpflege Verbesserte Aus- und Weiterbildung gefordert


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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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Editorial

Alle Jahre wieder ... ... ist das Ende der Sommerferien gleichzeitig auch der Auftakt zu den Alpbacher Gesundheitsgesprächen, dem Treffpunkt für die heimischen Experten und Entscheidungsträger. Auch wir als Interessensvertretung der österreichischen MedizinprodukteUnternehmen waren dabei, um einerseits den Denk- und Diskussionsprozess aktiv mitzugestalten und andererseits Trends und Ergebnisse in unsere Arbeit einfließen zu lassen. Zu den zentralen Ergebnissen zählten unter anderem die öffentliche Wahrnehmung vernachlässigter Themen, partizipatives Policy Making und die Verstetigung existierender Lösungen. Expertengruppen und Betroffene sollen auf allen Ebenen intensiver als bisher in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden – eine Forderung, die vonseiten der AUSTROMED mehr als unterstützt und bereits gelebt wird. Bei der Vertretung der Interessen der Unternehmen der Medizinproduktebranche steht die Zusammenarbeit mit den Anwendern für eine qualitativ hochwertige und sichere Patientenversorgung an oberster Stelle. Die Empfehlungen aus den zahlreichen Arbeitsgruppen, die in Alpbach das Thema „Ungleichheit“ aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten, wurden traditionell den jeweiligen Ministern präsentiert. Heuer waren Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser und Familien- und Jugendministerin Dr. Sophie Karmasin am Podium, die sich rasch einig waren, „die Energie und Expertise“ aus den Gesprächen auch mit in ihre Arbeitsprozesse zu nehmen. Und das ist gut so, denn jetzt ist die Politik gefragt, den Rahmen dafür abzustecken, damit bis zu den Gesundheitsgesprächen im kommenden Jahr auch entsprechende Ergebnisse folgen. Zukunftsweisend präsentiert sich auch die aktuelle Ausgabe von DAS MEDIZINPRODUKT mit dem Schwerpunkt Orthopädie und Unfallchirurgie. Wie kaum ein anderes Thema in der Medizin ist das Fach innovations- und technologiegetrieben. Neue

Materialien für Implantate oder ein Schnelltest für Infektionen haben heute möglich gemacht, was vor Jahren noch nicht einmal denkbar war. Die Produkte bieten einen hohen Komfort für die Arbeit der Mediziner und schaffen gleichzeitig mehr Lebensqualität für Betroffene, denn sie werden verträglicher, sicherer und langlebiger. Damit zeigt sich, dass die innovative Versorgung mit modernen Medizinprodukten, die sich nicht an der üblichen „Geiz ist geil“-Mentalität orientiert, langfristig an einem hochwertigen und zugleich leistbaren Gesundheitssystem ausgerichtet sein muss. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lesezeit!

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-Bestellungen und ­ Adressänderungen unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-45

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Firmenporträt: Publicare44 Kongresse und Termine46 Schlusswort47 Impressum46

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Allgemeines

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Revolution in der Prothesenforschung06 Schulterschmerzen: Diagnose und Therapie08 Anpassung künstlicher Hüftgelenke10 Diagnose und Therapie des ­„Tennisellenbogens“ 12 Stoßwellentherapie nach Kreuzband-OP14 Produktradar: Implantate18

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

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Medizin & Wissenschaft Therapeutische Hypothermie: Anwendung in der Praxis20 Peripherer Gefäßverschluss: Innovative Devices und Techniken22 Aktuelle Umfrage: Fehlervermeidung in der Chirurgie26 Virtueller OP-Assistent für Sicherheit bei seltenen Eingriffen29


Inhalt

Pflege & Home Care Sterben aus Sicht der komplementären Pflege32 Biologisches Alter: Große Unterschiede erkennbar33 Partner im Demenz- und Pflegebereich34

Politik, Verwaltung & Management Qualitätsoffensive: Gemeinsam Klug ­Entscheiden36 PDMS – Datengrab oder digitaler ­Entscheidungsassistent38 Gastkommentar von DI Manfred Bammer, MAS40 Branchennews42

Alle Beiträge jetzt auch online unter

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Revolution in der ­Prothesenforschung

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er seit 2012 an der Fakultät für Gesundheit und Soziales der FH Oberösterreich tätige Professor für Prothetik Dr. Hubert Egger, der bereits an der Entwicklung eines Prototyps der gedankengesteuerten und fühlenden Armprothese maßgeblich beteiligt war, hat nach jahrelangen Forschungsstudien nun erstmals erfolgreich einem Menschen eine fühlende Beinprothese angepasst. Egger hat dafür einen bereits länger verfügbaren, mikroprozessorgesteuerten Hightech-Prothesenfuß aus Karbon mit auto­ adaptivem Gelenk verwendet und diesen zusätzlich mit sechs

Der Hightech-Prothesenfuß aus Karbon wurde von Dr. Hubert Egger mit sechs Sensoren im Fersen-, Mittel- und Vorfuß- sowie im Zehenbereich ausgestattet,­ die Druckbewegungen aufnehmen und Signale an die auf die Haut des ­Stumpfes verlegten „Fußnerven“ weiterleiten.

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Drucksensoren im Fersen-, Mittel- und Vorfuß- sowie im Zehenbereich ausgestattet. Damit stellt die Prothese – ähnlich wie ein gesunder Fuß – den unmittelbaren Kontakt zum Boden her. „Sobald der Patient mit der Sohle den Boden berührt und den Fuß beim Gehen am Boden abrollt, nehmen die Sensoren die Druckbewegung auf“, erläutert Egger seine Entwicklung. Die elektrischen Signale werden verstärkt, weitergeleitet und bringen Stimulatoren im Schaft der Prothese zum Vibrieren, und zwar genau an der Stelle, an der die Chirurgen zuvor die „Fußnerven“ auf die Haut des Stumpfes verlegt haben. Diese senden entsprechende Informationen an das Gehirn weiter: Jetzt hat die Ferse Kontakt mit dem Boden! Jetzt findet die Abrollbewegung statt! Und so weiter. Das Gehirn bekommt auf diese Weise wieder reale Informationen aus der Umwelt, der Patient damit das Gefühl, „sein Bein zu haben“. Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes „Fühlende Beinprothese“ der FH Oberösterreich mit der Universitätsklinik Innsbruck wurden die Auswirkungen der neuen Prothese an einem aus Oberösterreich stammenden Patienten wissenschaftlich untersucht. Bei Wolfgang Rangger, der 2007 sein Bein verloren hatte, wurde im Oktober 2014 im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs an der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Innsbruck ein selektiver Nerventransfer (Targeted Sensory Reinnervation, TSR) durchgeführt. Ziel des Eingriffs war es, Nervenenden als Überträger sensorischer Informationen von künstlichen Sensoren aus der Fußprothese zu reaktivieren. Aufgrund der entstehenden neuronalen Verbindung zwischen Prothese und sensorischem Nervensystem erkennt der Patient die Beschaffenheit des Bodens sowie Hindernisse besser. Damit wird nicht nur die Sturzgefahr beim Gehen reduziert, der wiederhergestellte Informationstransfer trägt auch zur natürlicheren Integration der Prothese in das Körperbild des Patienten bei. „Der Patient empfindet die Prothese nicht mehr als gefühllose Gliedmaße, sondern als Teil seines Körpers“, sagt Egger.

Fotos: © FH OÖ.

u Erstmals ist es einem österreichischen Forscherteam gelungen, einem Menschen eine fühlende Beinprothese anzupassen. u Die Vision der Forscher: Hightech-Prothesen als globale Selbstverständlichkeit


Fotos: © FH OÖ.

Dr. Hubert Egger, Professor für Prothetik am Department für Medizintechnik an der FH Oberösterreich

Das Studienergebnis habe deutlich gezeigt, so Baur, dass mit der Methode der Targeted Sensory Reinnervation das Leben von Menschen mit Amputationen deutlich erleichtert werden könne. Im Zuge der Studie wurden nicht nur Labortests, sondern auch Bewegungen­ in freier Natur durchgeführt, etwa Radfahren, Stiegensteigen, aber auch Klettern an der Kletterwand.

Ethische Verantwortung der Forschung

Auf Basis der positiven Studienergebnisse hat sich Egger nun das Ziel gesetzt, die von seinem Team entwickelte innovative Prothetik-Technologie zukünftig einem möglichst breiten Patientenkreis leistbar zugänglich zu machen. Er spricht von einer „ethischen Verantwortung“, Menschen mit Prothesen zu versorgen, die diese brauchen. „Arm- und Beinprothesen müssen für alle zugänglich sein, weltweit, auch und vor allem in Schwellenländern und Kriegsregionen. Wir müssen gerade auch die Länder unterstützen, die sich eine solche Forschung nicht leisten können.“ Der Standard in der Prothesenversorgung hinke im Vergleich zu anderen Lebensbereichen hinterher. Nur wenige Menschen könnten sich eine Hightech-Versorgung leisten. In Schwellenländern und Entwicklungsländern finde man noch immer Menschen mit Amputationen, darunter Targeted Sensory Reinnervation Kinder, die unversorgt sind. Das müsse sich ändern, findet EgEine weitere Indikation bestand darin, schmerzhafte Nerven- ger. Es gehe hier schließlich nicht um einen Consumer- oder narben durch die Umleitung der Nerven positiv zu beeinflus- Unterhaltungsartikel. sen. „Bei Menschen mit Gliedmaßen-AmEgger will nun die Forschung vorantreiputationen sind somatosensorische Nerven ben, um möglichst bald einen Industrieabgetrennt“, erklärt Dr. Eva-Maria Baur, partner zu finden, der den Prototyp ent„Mit dem Fühlen verdie gemeinsam mit Dr. Thomas Bauer den sprechend weiterentwickelt und daraus ein serienreifes Produkt macht. Dafür wollen chirurgischen Eingriff in Innsbruck durchbinden wir alle einen Teil Egger und sein Team ihr Wissen der Indusgeführt hatte. „Obwohl die im Körper verunserer Identität. Wenn trie frei zur Verfügung stellen, in erster Libleibenden Nervenreste intakt sind, nehwir eine Prothese nicht nie heimischen Mittelbetrieben. „Gerade men sie keine Informationen mehr auf. Am junge Unternehmen sollen dadurch die Nervenende bildet sich eine häufig fühlen, ist sie ein Gerät Möglichkeit haben, ohne besondere Hürschmerzhafte Nervennarbe, ein Neurom. am Körper, wenn wir sie den auf diesem Marktsegment tätig zu werInnerhalb der kortikalen Repräsentanz des aber fühlen, dann ist sie betroffenen Gliedes kommt es durch das den“, wünscht sich Egger. „Wir hoffen, Fehlen der sensorischen Information zu eidass möglichst viele Unternehmen die ein Teil davon.“ ner Art Überkompensation mit im Gehirn Technologie umsetzen, damit sich mögautonom generierten Signalen, die zu lichst viele Betroffene zukünftig so eine Dr. Hubert Egger Phantomschmerzen führen können.“ Prothese leisten können.“ Seine Vision sei, Im konkreten Fall erregen sechs an der dass das eines Tages so selbstverständlich Hautoberfläche platzierte Stimulatoren werde wie heute eine Brille zur Korrektur (künstliche Reizgeber) die Rezeptoren gemäß dem Muster der der Fehlsichtigkeit. Auch diese sei noch vor einem Jahrhundert momentanen Druckverteilung an der Sohle der Fußprothese. nur einem elitären Kreis zugänglich gewesen. „Es muss gleiDie auf diese Weise in den Nervenenden erzeugten elektri- chermaßen zur Selbstverständlichkeit werden, dass Menschen schen Signale werden zum Gehirn geleitet und stellen somit mit Hightech-Arm- und Beinprothesen versorgt werden, um „reale“ Informationen des Fußes dar, die nicht mehr von auto- sie weitgehend mobil und unabhängig von fremder Hilfe manom generierten Signalen kompensiert werden müssen. n chen.“

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Schulterschmerzen: ­Diagnose und Therapie u Schmerzen im Bereich der Schulter führen meist zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität. u Der physikalisch-medizinischen Therapie und der physiotherapeutischen Heilgymnastik kommt in der Therapie kleinerer Verletzungen eine entscheidende Rolle zu. u Bei größeren Verletzungen oder Rissen der Rotatorenmanschette ist eine chirurgische ­Sanierung unumgänglich.

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chulterbeschwerden sind unterschiedlichster Natur und können durch Unfälle, Abnützungserscheinungen im Rahmen des normalen Alterungsprozesses, bei Funktions­ ­

störungen, durch entzündliche Prozesse, pathologische Veränderungen an der Halswirbelsäule und in seltenen Fällen auch durch Tumorerkrankungen hervorgerufen werden.

Eine Vielzahl an Erkrankungen im Schulterbereich hat ihre Ursache in einer Störung des sogenannten scapulo-thorakalen Rhythmus.

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Die anatomische Beschaffenheit des Schultergelenkes, als Kugelgelenk mit einer relativ kleinen Pfanne verstärkt durch einen Faserring, das Labrum, und einem verhältnismäßig großen Oberarmkopf, erlaubt ein hohes Maß an Beweglichkeit in allen drei Ebenen des Raumes. Dabei ist das knöcherne Gerüst aus Schulterblatt, Oberarm, Schlüsselbein und Wirbelsäule durch Bänder und Sehnen miteinander und am Oberkörper verbunden. Die zugehörigen Muskeln, die Rotatorenmanschette, und kräftigere Muskeln, wie der Kappen- oder große und kleine Brustmuskel, ermöglichen bei gutem Zusammenspiel ein harmonisches Bewegungsmuster. Eine Vielzahl an Erkrankungen im Schulterbereich hat ihre Ursache in einer Störung dieses sogenannten scapulo-thorakalen Rhythmus. Länger bestehende Disharmonien der Funktion der Schultermuskulatur können schließlich auch zu strukturellen Schäden der zugehörigen Sehnen und des Kapsel-Band-Apparates führen. Die funktionellen Störungen und häufig auch anatomisch unterschiedlich ausgeprägte Varianten des knöchernen Schulterdaches, wie zum Beispiel das hakenförmige Schulterdach, können dann zu einem sogenannten Impingementsyndrom führen. Bei dieser Form der Erkrankung kommt es zum Einklemmen von Strukturen unter dem Schulterdach, was vor allem bei Überkopftätigkeit zu erheblichen Schmerzen führen kann. Häufig führt diese Einklemmungssymptomatik dann

© Lerche&Johnson - shutterstock.com

Funktionale Disharmonien


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auch zu einer Entzündung der Gleitschichten zwischen Sehne und Muskel, der sogenannten Bursitis. Diese Schleimbeutelentzündung ist häufig auch gekennzeichnet durch Nachtschmerzen. Länger anhaltende Einklemmungssymptomatiken können schließlich vor allem bei älteren Patienten zu einer Schädigung oder einem Abriss von Teilen der Sehnen der Rotatorenmanschette führen. Diese Abrisse wiederum führen zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Störung der Schulterfunktion, mit Schwäche bei Überkopfarbeiten bis hin zum völligen Verlust der Funktion der oberen Extremität (Pseudoparalyse; Drop arm sign). Selbstverständlich sind solche Verletzungen auch im Rahmen von Unfällen möglich.

Konservative Therapie Kleinere Verletzungen der Rotatorenmanschette oder Einklemmungssymptomatiken im Frühstadium sollten in erster Linie konservativ behandelt werden. Dabei kommt der physikalischmedizinischen Therapie und der physiotherapeutischen Heilgymnastik eine entscheidende Rolle zu. So konnte eine rezente Studie zeigen, dass bei einem Drittel aller Patienten, die bereits zu einer Operation mit der Diagnose Impingement angemeldet waren, durch eine physiotherapeutisch begleitete Eigentherapie auf eine operative Sanierung verzichtet werden konnte. Weitere konservative Therapiemaßnahmen des Impingementsyndroms umfassen die medikamentöse Therapie mit antiphlogistischen und antirheumatischen Medikamenten oder auch infiltrative Therapie mit Cortison und Lokalanästhetika in den Subacromialraum.

Arthroskopische Operation Sollten diese Bemühungen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis für den Patienten führen, kann mit einer arthroskopischen Operation die Ursache für die Einklemmung mit der sogenannten Acromionplastik, das heißt Abfräsen der überstehenden Knochenteile und Entfernung des entzündeten Schleimbeutels, eine anhaltende Beschwerdebesserung erreicht werden. Bei größeren Verletzungen oder Rissen der Rotatorenmanschette, die häufig auch mit einer erheblichen Funktionseinschränkung einhergehen, ist eine chirurgische Sanierung unumgänglich. Die meisten operativen Verfahren an der Schulter können heute in Händen erfahrener Schulterchirurgen minimalinvasiv in der Knopflochtechnik durchgeführt werden. Dabei werden die gerissenen Anteile der Sehne mit Knochenankern wie Schrauben aus Titan, Kunststoff oder organischen Materialien und sehr reißfesten Fäden wieder an ihrem Ursprungsort befestigt. Nach einer entsprechenden Ruhigstellungsphase mit dem sogenannten Abduktionspolster oder Immobilisationsbandagen kommt es schließlich zu einer Anheilung der Sehne an dem ursprünglichen Knochen und damit zum Wiedererlangen der vollen Schulterfunktion.

Chronische Schulterluxation Eine weiterer Symptomenkomplex, der vor allem infolge von Unfällen mit Ausrenkung des Schultergelenkes auftritt, ist die chronische Schulterluxation. Dabei kommt es meist nach entsprechendem Trauma zu einer immer wiederkehrenden Ausrenkung oder sogenannten Subluxation, der krankhaft erhöhten Beweglichkeit des Oberarmkopfes im Schultergelenk. Es gibt auch seltenere angeborene Formen, die sogenannte habituelle Schulterluxation, bei der aufgrund von Schwäche der Gelenkskapsel und verstärkenden Bändern eine Ausrenkung der Schulter auch ohne entsprechenden vorangegangenen Unfall beobachtet wird. Vor allem bei Kontaktsportarten oder Überkopfsportlern kommt es immer wieder zu solchen Schulterverletzungen. Besonders gefährdet zeigen sich dabei Sportarten wie Fußball, Handball, Eishockey, aber auch Tennis oder Volleyball. Eine erstmalig aufgetretene Ausrenkung der Schulter kann nach operativer oder sogenannter gedeckter Reposition mit einer drei- bis sechswöchigen Ruhigstellung behandelt werden. Sollte diese Therapie jedoch erfolglos bleiben, ist eine chirurgische Versorgung unumgänglich, vor allem bei jungen und sportlich sehr aktiven Patienten wird diese empfohlen. Dabei werden abgerissene Teile der Gelenkslippe und Gelenkskapsel wieder an der Pfanne refixiert. Bei größeren Schäden am knöchernen Pfannenlager müssen größere chirurgische Eingriffe mit Befestigung eines Knochenblockes an die Gelenkspfanne erfolgen. Auch diese operativen Techniken können heute in Händen erfahrener Schulterchirurgen minimalinvasiv arthroskopisch durchgeführt werden. Dabei stellt eine der erfolgreichsten Methoden die sogenannte Latarjet/Lafosse-Operation dar, bei der ein Teil des Schulterblatts gemeinsam mit Sehnen des Oberarms an die Gelenkspfanne mit Schrauben befestigt wird und damit sehr stabile Verhältnisse im Schultergelenk geschaffen werden können.

Ausblick In Zukunft wird sicherlich der Einsatz der früh physiotherapeutischen Therapiemaßnahmen eine Verbesserung in der Behandlung von Schulterbeschwerden einen hohen Stellenwert einnehmen. Weiter sind Verbesserungen im Bereich der arthroskopischen Schulterchirurgie zu erwarten, sodass vor allem im Bereich der degenerativen und posttraumatischen Schultererkrankungen minimalinvasive Operationen zur Verfügung stehen werden. Auch Weiterentwicklungen im Bereich der endoprothetischen Versorgung mit neuen Materialien und Prothesendesigns werden in Zukunft zu einem breiteren Einsatz der Schulterendoprothetik und hoffentlich zu ähnlichen Ergebnissen wie die erfolgreiche Hüftendoprothetikversorgung führen. n

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© arthroclinic/APA-Fotoservice/Hautzinger

Dr. Dominik Meraner Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie dominik.meraner@oss.at www.arthroclinic.org


Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Anpassung künstlicher Hüftgelenke u Eine neue Messmethode und ein modulares Implantat machen die Anpassung der Beinlänge nach einer Operation möglich. u Zudem setzen die Forscher des Fraunhofer-Instituts IWU auf ein Baukastensystem anstelle vorgefertigter Implantate.

S Modulares Hüftimplantat

chmerzen, mangelnde Beweglichkeit und hohe Instabilität in der Hüfte führen oft dazu, dass Patienten eine Hüftprothese erhalten. Allein in Deutschland betrifft das pro Jahr mehr als 200.000 Menschen. Neue Materialien und verbesserte Operationstechniken haben mittlerweile die Chance auf eine lange Lebensdauer der Endoprothesen bereits deutlich verbessert. Dennoch werden die zu behandelnden Patienten immer jünger und damit auch die Herausforderungen an die Implantathersteller immer größer.

Geringe Fehlertoleranz

© Fraunhofer IWU

Bisher fehlte vor allem auch eine geeignete Methode, um die Beinlänge vor der Operation präzise zu messen und die Implantate entsprechend anzupassen. Als Folge kann das Bein durch die Operation kürzer oder länger werden und zu Folgenschäden an der Wirbelsäule führen. Schuheinlagen oder orthopädisches Schuhwerk können hier zwar unterstützen, aber nur einen Teil der Längendifferenz ausgleichen. Bisher messen Ärzte die Beinlänge mit einem Maßband, dabei kann ein Fehler bis zu zwei Zentimeter betragen. Künftig lässt sich die Beinlänge der Patienten deutlich genauer bestimmen, denn Forscher am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden haben eine neue Messmethode entwickelt. Das innovative Verfahren entstand gemeinsam mit Projektpartnern der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie des Universitätsklinikums Leipzig, der Westsächsischen Hochschule Zwickau und ihrem Forschungs- und Transferzentrum e.V., der AQ Implants GmbH sowie der MSB-Orthopädie-Technik GmbH. „Bei unserem Verfahren liegt der Fehler unter einem Zentimeter, langfristig wollen wir ihn sogar auf fünf Millimeter reduzieren“, erklärt Dr. Ronny Grunert, Koordinator des „Kunstgelenk-Netzwerk Endoprothetik“ am IWU.

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Das Prinzip der neuen Methode: Der Arzt befestigt ein Kunststoffkästchen, in dem sich zwei LEDs befinden, auf dem Schienbein des liegenden Patienten. Nun fasst er das überstreckte Bein an der Ferse und bewegt es nach oben. Die Lichtpunkte durchlaufen aufgrund der Bewegung eine Kreisbahn, die eine etwa eineinhalb Meter seitlich vom Patienten stehende Kamera aufnimmt. Dies ist ähnlich wie bei einem Zirkel: Das Hüftgelenk, in dem das Bein hängt, wäre die Nadel, die LEDs entsprächen dem Bleistift. Ändert sich der Abstand, da das Bein länger oder kürzer wird, ändert sich auch die Kreisbahn, die die LEDs ziehen. Diese Messung führt der Mediziner einmal direkt vor der Operation durch und ein zweites Mal, nachdem er das Implantat probeweise eingesetzt hat – das Kästchen verbleibt während der Operation am Bein. Eine Software vergleicht die beiden Kreisbahnen und stellt auf diese Weise fest, ob das Bein ebenso lang ist wie vor dem Eingriff. Falls erforderlich, passt der Arzt die künstliche Hüfte an. Einen Prototyp des Messsystems gibt es bereits, erste Tests in der Universitätsklinik Leipzig verliefen erfolgreich. Eine klinische Studie soll noch in diesem Jahr folgen, in etwa zwei Jahren könnte die Entwicklung auf den Markt kommen.

Bruchsichere Hüftimplantate Auch die Hüftimplantate selbst haben die Forscher optimiert. „Wir haben ein Implantat entwickelt, das individuell an den Patienten angepasst werden kann“, so Grunert. Statt vorgefertigter Implantate in verschiedenen Größen setzen die Forscher auf ein Baukastensystem. Daraus kann der Arzt individuell für jeden Patienten den passenden Hüftschaft sowie den richtigen Gelenkhals auswählen. Über spezielle Schraubverbindungen fixiert der Mediziner die einzelnen Teile aneinander und setzt das Implantat probeweise ein. Nun misst er die Beinlänge und kann, wenn nötig, die Module des Implantats leicht wieder voneinander lösen, gegen passende austauschen oder sie entsprechend justieren. Das künstliche Gelenk ist bruchsicherer als herkömmliche modulare Modelle mit konischer Klemmung. Bisher setzt der Arzt den Grundkörper und den Hals der vorgefertigten künstlichen Hüfte im OP mit einem gezielten Hammerschlag zusammen. Die Verbindungsstelle – eine konische Klemmung – wird dabei stark belastet. Zum anderen lassen sich einmal zusammengefügte Teile kaum noch voneinander lösen und anpassen. Anders dagegen die speziellen Schraubverbindungen, die die Teile des neuen Implantats zusammenhalten: Diese Verbindungsstelle ist mechanisch stabil und vermeidet Implantatbrüche. n

© Fraunhofer IWU

Messung per Lichtpunkt

Das Messsystem zum Ermitteln der Beinlänge

Neue Darstellung im vollen ­Belastungszustand Als erstes Hochschulkrankenhaus Deutschlands hat die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt am Main ein völlig neuartiges Röntgensystem in Betrieb genommen. Die neue Untersuchungsstation ermöglicht erstmals eine dreidimensionale Darstellung der analysierten Körperpartien im Stehen und damit in der Funktion und liefert damit deutlich präzisere Informationen über das Skelett in der Belastung bei Patienten als bisherige Röntgenuntersuchungen. „Die wertvollen Informationen ermöglichen eine sehr präzise Diagnostik statischer Probleme, eine besser angepasste Behandlung und eine optimale Kontrolle der Therapie“, sagt die Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin der Universitätsklinik Friedrichsheim, Univ.-Prof. Dr. med. Andrea Meurer. Ingenieure, Orthopäden, Chirurgen und Radiologen in Frankreich haben die Röntgentechnologie gemeinsam erforscht, die jetzt zum ersten Mal in einer deutschen Universitätsklinik eingesetzt wird. Maßgeblich mitentwickelt wurde die an eine Kabine erinnernde Diagnosestation von dem inzwischen verstorbenen französischen Nobelpreisträger und Physiker Georges Charpak. Die revolutionäre Technologie ermöglicht durch die komplette Darstellung der Wirbelsäule und der Gelenke im vollen Belastungszustand völlig neue Möglichkeiten. „Das ist in der Orthopädie deshalb besonders wichtig, weil die Beine das gesamte Gewicht eines Menschen tragen und im Falle von Abweichungen und Krankheiten dort große statische Probleme auftreten können“, erklärt Meurer. Zu den Hauptanwendungsbereichen gehören neben Beingelenken und Wirbelsäule Fehlstellungen des Beckens, Differenzen bei Beinlängen oder Achsenabweichungen der Beine sowie die Analyse von Positionen und Funktionen künstlicher Gelenke. www.orthopaedische-uniklinik.de

www.fraunhofer.de

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© arthroclinic/APA-Fotoservice/Hautzinger

Autor: Dr. Christian-Thomas Radda Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Zusatzfach Rheumatologie, ÖÄK Spezialisierung Handchirurgie Orthopädisches Spital Speising www.ortho-radda.at www.arthroclinic.org

Diagnose und Therapie des „Tennisellenbogens“ u Die Epikondylitis lateralis humeri, „Tennisellenbogen“, bezeichnet eine Insertionstendopathie der am Epikondylus lateralis humeri entspringenden Unterarmextensoren. u Kennzeichen ist ein dumpfer Schmerz über der Außenseite des Ellenbogens, der sich beim Heben von Gegenständen bzw. Drehbewegungen verstärkt. u Die Diagnose erfolgt meist klinisch. ei der Epikondylitis humeri radialis kommt es zu einer Insertionstendinose der Sehnenursprünge am Epikondylus radialis, insbesondere des Extensor carpi radialis brevis und des Extensor digitorum communis. Es handelt sich um das häufigste Überlastungssyndrom der oberen Extremität. Meist entsteht die Endzündung durch inadäquate Belastung oder Überlastung mit repetierender Aktivierung der Handgelenks- und Fingerextensoren, wie zum Beispiel bei falscher Technik bei der Tennisrückhand. Weitere typische Ursachen sind Computerarbeit, Handwerken und das Tragen schwerer Gegenstände. Häufig führen auch Veränderungen von gewohnten Tätigkeiten zur Reizung, wie der Arbeitsplatzwechsel, der Wechsel des Tennisrackets oder die Technikumstellung. Beim klassischen Tennisellenbogen ist meist der Extensor carpi radialis brevis betroffen, bei der Überlastung durch Büroarbeit der Extensor digitorum communis. Möglicherweise können auch metabolische Veränderungen eine Rolle spielen. Es kommt zu einem dumpfen Schmerz über der Außenseite des Ellenbogens, der sich beim Heben von Gegenständen bzw. Drehbewegungen verstärkt.

Nervenkompressionssyndrome beachten Die Diagnose erfolgt meist klinisch. Typisch ist ein Druckschmerz der radialen Muskelgruppe im Bereich des lateralen Epikondylus. Bei diversen Provokationstests (Chair Test, Maudsleys Test) wird durch Pronation und Finger- und Handgelenksstreckung die Muskelgruppe gereizt. Ist vor allem der Extensor carpi radialis brevis betroffen, ist die Dorsalextension des gesamten Handgelenks schmerzhaft, beim Extensor digitorum communis die Streckung des Zeige- und Mittelfingers. Zum Ausschluss

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von anderen Ursachen müssen Halswirbelsäule, Schulter und Handgelenk genau mituntersucht werden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf Nervenkompressionssyndrome geworfen werden. Ergänzend können Röntgenbilder des Ellenbogens in zwei Ebenen Ossifikationen im Bereich des Sehnenansatzes zeigen bzw. andere Erkrankungsbilder ausschließen (Arthrose, freie Körper, Osteochondrosis dissecans). In schwierigen Fällen und zur Abklärung von Differentialdiagnosen helfen Sonografie inklusive Nervensonografie (Kompressionssyndrome), MRT (Synovitis, Plica, Knochenmarködem/Osteonekrose) und Nervenleitgeschwindigkeit (Kompressionssyndrome). Bei Verdacht auf ein entzündlich rheumatisches Geschehen kann ergänzend eine Laboruntersuchung durchgeführt werden.

Ergänzende Diagnostik Durch genaue Anamnese, klinische Untersuchung und bei Bedarf ergänzende apparative Diagnostik können folgende Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden: Cervikalsyndrom, Neuroforamenstenosen, Impingement der Schulter, Kompressionssyndrome der Nerven (Pronator teres syndrom, Supinatorschlitzsyndrom), radiale Arthrose des Ellenbogengelenks, Osteonekrose/Osteochondritis dissecans, freie Gelenkkörper, Plicasyndrom, Instabilität, rheumatoide Arthritis, Thoracic outlet syndrom und Bursitis olecrani.

Konservative Therapie wirkt In den meisten Fällen kann der Tennisellenbogen durch eine konservative Therapie gut behandelt werden. Am Anfang stehen

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An ein operatives Vorgehen ist bei Beschwerdepersistenz trotz intensiver konservativer Therapie mit entsprechendem Leidensdruck zu denken. Es wurden etliche Operationstechniken beschrieben, kombiniert und modifiziert: ursprungsnahe Ablösung der betroffenen Strecksehnen (Hohmann), Entfernung von angiofibroplastischem Sehnengewebe (Nirschl), Denervierung am lateralen Epikondylus (Wilhelm), Verlängerung der Sehnenursprünge (Gardner), Dekompression des Supinatorschlitzes (Dewey) und die Epikondylectomie. Bisher konnte sich keine Technik bzw. keine Kombination der Techniken durchsetzen. Meist wird jedoch eine Kombination von Sehnenkerbung und Denervierung durchgeführt. Diese kann auch arthroskopisch angegangen werden. Dies hat den Vorteil eines minimalinvasiven Verfahrens mit weniger Wundschmerz und die Möglichkeit zur gleichzeitigen Behandlung von intraartikulären Pathologien (Plica, freier Körper, Synovitis).n

INNOVATION I Eine neue OP-Methode beim Kniegelenksersatz erhält das vordere Kreuzband und sorgt damit für mehr Stabilität in der Bewegung und ein besseres Körpergefühl. Im Herz-Jesu Krankenhaus Wien-Landstraße wird diese innovative Methode österreichweit erstmals angewandt. „Für den Einsatz herkömmlicher Implantate muss das vordere Kreuzband durchtrennt werden, da das künstliche Gelenk genau an der Stelle platziert werden muss, an der das vordere Kreuzband in den Schienbeinkopf mündet“, erklärt Primarius Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Schneider, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie im Herz-Jesu Krankenhaus. „Das neue Implantat hat eine andere Form mit einem großen Einschnitt in der Mitte, der Platz für dieses wichtige Band lässt.“ Bereits in den 1970er-Jahren versuchten Mediziner, beim Kniegelenksersatz das vordere Kreuzband zu erhalten. „Durch die damals zur Verfügung stehende Technik und das Fehlen optimaler Materialien musste diese Idee allerdings wieder verworfen werden“, so Schneider, der die Entwickler der neuen OPMethode die vergangenen Jahre im Entstehungsprozess begleitet hat. „Mehr

INNOVATION II Ein neuer Infektionsschnelltest hilft Orthopäden, Gelenksinfektionen rasch zu erkennen. In Wien-Speising wurde er europaweit zum ersten Mal angewandt. Schmerzen am Knie oder am Hüftgelenk sind oft Folgen von Abnützungserscheinungen, manchmal aber auch von Entzündungen. Wenn es sich tatsächlich um eine Entzündung handelt, muss der Orthopäde rasch erkennen können, ob eine akute eitrige Infektion vorliegt oder lediglich ein unbedenklicher Reiz bzw. rheumatische Zustände, denn das entscheidet über den weiteren Behandlungsweg. Dabei hilft nun ein neuer Infektionsschnelltest: „Nur wenige Tropfen der Gelenksflüssigkeit, die mit einer Trägersubstanz gemischt wird, genügen für die Analyse. Das handliche Testgerät zeigt dann innerhalb von nur zehn Minuten an, ob bei dem Patienten eine Infektion vorliegt. Damit kann dieser Check unkompliziert auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden und

Primarius Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Schneider, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, begleitete die Entwicklung der neuen OP-Methode im Entstehungsprozess.

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Schonung, lokale Kryotherapie, Dehnungsübungen/Querfriktion, Beratung bezüglich Sporttechnik/Arbeitsplatz und heilgymnastische Betreuung durch Physio- oder Ergotherapie zur Beseitigung von Muskeldysbalancen. Unterstützend kann eine Epikondylitisbandage oder -spange verordnet bzw. mit Kinesiotape gearbeitet werden, bei hartnäckigen Fällen ist eine komplette Ruhigstellung erforderlich. An physikalischen Maßnahmen sind die Iontophorese, Ultraschall, extrakorporale Stoßwellentherapie und TENS zu erwähnen. Medikamentös kommt die topische und orale NSARAnwendung infrage, lokale Infiltrationen mit Lokalanästhetika mit Zusatz von kristallinem Cortison, wobei dies aufgrund der Gefahr einer Haut- bzw. Fettgewebsnekrose nicht öfter als zweibis dreimal durchgeführt werden sollte. Neuere Studien zeigen Versuche mit Botulinumtoxin-Injektionen, Hyaluronsäureapplikation und Infiltrationen mit Platelet rich plasma.

Erfahrung, ein besseres Verständnis der Biomechanik und geeignete Materialien machen die Operation nun möglich.“ Alters- oder überlastungsbedingte Gelenksabnutzung, Gelenksprobleme als Spätfolge von Unfällen oder durch rheumatische und andere entzündliche Erkrankungen können ein künstliches Kniegelenk notwendig machen. Schneider sieht in der neuen Methode eine wichtige Entwicklung für die verbesserte Lebensqualität der Betroffenen nach dem Eingriff, denn „durch die neue Kreuzband-erhaltende Operationsmethode können wir unseren Patienten die natürliche Stabilität und Funktion ihrer Kniegelenke zurückgeben“. Das Ziel dabei ist, mit dem künstlichen Gelenk eine so gute Funktionalität zu gewährleisten, dass die Patienten keinen Unterschied zu ihrem natürlichen, gesunden Knie empfinden – im Alltag wie auch beim Sport.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Dominkus, Knie- und Hüft-Endoprothetik-Experte an der orthopädischen Spezialklinik in Wien-Speising, testet den Infektionsschnelltest in der Praxis. über die Notwendigkeit einer stationären Behandlung des Patienten entscheiden“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Dominkus, Knie- und Hüft-Endoprothetik-Experte am Orthopädischen Spital in Speising. Denn: Der Schnelltest gibt Aufschluss über eine mögliche Infektion. Bei eitrigen Entzündungen dürfen keine Prothesen implantiert werden. Der neue Schnelltest verspricht eine hohe Reliabilität. „Derzeit überprüfen wir die Zuverlässigkeit, indem wir parallel auch andere Verfahren zur Infektionsbestimmung anwenden; der neue Schnelltest scheint jedoch vielversprechend“, so Dominkus.

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie


Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Stoßwellentherapie nach Kreuzband-OP u Gerissene Kreuzbänder werden mit körpereigenen Sehnen ersetzt, der Zeitpunkt der Stabilisierung ist individuell verschieden. u Der Remodelling-Prozess kann mithilfe von Magnetresonanzuntersuchung überwacht werden.

Warum die Sportpause nach einer Kreuzband-Operation notwendig ist, erklärt Doz. Dr. Patrick Weninger, Leiter der Praxis KNIE & SPORT und Oberarzt im Orthopädischen Spital Speising: „Einerseits kommt es nach der Verletzung und auch nach der Operation zu einem muskulären Defizit, das über die nächsten Monate ausgeglichen werden muss. Dieses muskuläre Defizit ist vor allem für Personen mit stark kniebelastenden Sportarten ein Problem. Erst, wenn die Muskulatur wieder annähernd seitengleich ist, sollten diese Sportarten betrieben werden. Zusätzlich dauert es relativ lange, bis die Patienten ihre koordinativen Fähigkeiten zurückerlangt haben.“ Bei der Kreuzband-Ersatzoperation werden körpereigene Sehnen verwendet, um das gerissene Kreuzband zu ersetzen. Diese werden im Oberschenkel und im Schienbein in Bohrkanälen stabil befestigt und müssen in diese einwachsen. „Es dauert relativ lange, bis die Sehnen in die Bohrkanäle des Knochens eingewachsen sind“, weiß der Experte und ergänzt: „Es werden eine oder mehrere Sehnen verwendet, um das gerissene Kreuzband zu ersetzen, und es dauert sehr lange, bis das Sehnengewebe in eine bandartige Struktur umgewandelt ist.“

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in Kreuzbandriss ist ein gravierender Einschnitt in jeder Sportlerkarriere. Nach dieser Verletzung ist in vielen Fällen eine Operation zum Ersatz des gerissenen Kreuzbandes erforderlich. Dennoch leiden viele Leistungs-, aber auch Hobbysportler unter der langen Sportpause, die sie nach der Operation einhalten müssen. Der Ausfall vom Sport hat vor allem für Profisportler auch finanzielle Einbußen zur Folge und ist deshalb mehr als unangenehm.

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Das Dilemma war bisher, dass man nicht genau wusste, wann ein Sportler wieder vollständig zu seinem Sport zurückkehren kann, ohne dass er dem ersetzten Kreuzband Schaden zufügt. In der Praxis KNIE & SPORT in der arthroclinic in 1130 Wien verwenden die Ärzte seit einiger Zeit routinemäßig die Magnet­ resonanzuntersuchung, um den Remodelling-Prozess zu überwachen und einen Eindruck über das Sehnentransplantat nach der OP zu bekommen. Dabei zeigte die Erfahrung bei über 100 Patienten, dass es bei den meisten Patienten über ein Jahr dauert, bis aus dem Sehnengewebe eine stabile bandartige Struktur geworden ist. Auch ist es aus gesundheitsökonomischer Sicht nicht möglich, bei allen Patienten nach Kreuzband-Ersatz routinemäßig mehrfache MR-Untersuchungen durchzuführen.

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Sport: Der richtige Zeitpunkt


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Nun scheint es, dass es durch ein spezielles Therapieverfahren möglich ist, die Heilung nach einer Kreuzband-Operation deutlich zu beschleunigen. Damit ist es für Sportler nach einer KreuzbandOperation möglich, schneller wieder „back to sports“ zu sein. „Wir haben eine Studie durchgeführt, die klar gezeigt hat, dass Patienten nach einer Kreuzband-Operation schneller zu ihrem gewohnten Sport-Level zurückkehren, wenn sie nach der Operation auch eine spezielle Art der Stoßwellenbehandlung bekommen“, weiß Weninger.

gestartet werden. Dieses Wissen machen sich Weninger und sein Team nun auch bei der Behandlung von Kreuzband- und Meniskusrissen zunutze: „Jeder unserer Patienten bekommt eine speziell auf die Indikation abgestimmte Stoßwellenbehandlung, je nachdem, ob er einen Kreuzbandriss hatte oder der Meniskus genäht ­wurde.“ Der Kniespezialist vermutet drei Gründe, weshalb die Stoßwellenbehandlung nach einer Kreuzband-Operation solch positive Wirkung hat: Das zum Ersatz des Kreuzbandes verwendete Sehnengewebe heilt schneller in den Knochen Stoßwellen in der Therapie des Oberschenkels und des SchienbeiSchon lange werden Stoßwellen vernes ein, das neue Kreuzband wandelt wendet, um Steinbildungen in den ableisich schneller von einer Sehne in eine tenden Harnwegen zu beseitigen oder um bandartige Struktur um und das operierte Überlastungen von Sehnen zu behandeln. Gewebe rund um das Knie regeneriert sich Darüberhinaus findet die Stoßwellenbehandlung schneller, sodass die Stoßwellenbehandlung auch Anwendung bei schlecht oder nicht heilenden auch schmerzstillend wirkt. Derzeit läuft bei KNIE & Wunden oder Knochenbrüchen. Die Wirkung beruht darauf, SPORT eine Studie, die den Effekt der Stoßwellenbehandlung dass durch Stoßwellenimpulse auf das Gewebe die Durch­ auf das ersetzte Kreuzband mittels MR-Untersuchung erblutung verbessert wird und somit Reparaturvorgänge­ forscht. n

51. Jahrestagung der ÖGU Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie, Wirbelsäulenverletzungen 1.-3. Oktober 2015, Salzburg Die 51. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie ist dem Thema „Verletzungen der Wirbelsäule“ gewidmet. Gerade die Komplexität der Wirbelsäule als „Organ“ erfordert ein umfassendes fächerübergreifendes Verständnis der Anatomie, Pathophysiologie und Biomechanik, um korrekte therapeutische Ansätze zu entwickeln. Die Themen präklinische Versorgung, konservative und operative Behandlung, posttraumatische Veränderungen, Wirbelsäulenverletzungen im Alter, Rehabilitation sowie Qualitätssicherung werden diese Tagung prägen. Geladene, national und international bekannte Experten aus den Fachgebieten der Unfallchirurgie, Orthopädie, Neurochirurgie und physikalischen Medizin und Rehabilitation werden den interdisziplinären Charakter der Behandlung der Wirbelsäulenverletzung hervorheben. Darüber hinaus laden wir alle unsere Mitglieder ein, sich aktiv einzubringen und eigene Vorträge zu den einzelnen Themen anzumelden. Die Vorträge im Rahmen des experimentellen Forums, die Arbeitskreissitzungen, die Sitzung der leitenden Ärzte, sowie weitere interessante Satellitensymposien werden in gewohnt hoher Qualität angeboten. © Red On - shutterstock.com

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Doz. Dr. Patrick Weninger Facharzt für Unfallchirurgie und Oberarzt im Orthopädischen Spital Speising www.knieundsport.at www.arthroclinic.org

Wissenschaftliche Leitung Prim. Univ.-Prof. Dr. Mehdi Mousavi, Präsident der ÖGU 2015/2016 SMZ-Ost, Donauspital Wien, Abt. für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie Tel: +43 (0)1 28802-3400, E-Mail: mehdi.mousavi@wienkav.at

Tagungssekretariat ÖGU Geschäftsstelle, c/o vereint: Vereins- und Konferenzmanagement GmbH E-Mail: office@unfallchirurgen.at www.unfallchirurgen.at

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Nichtmetallische Carbon/PEEK-Implantate

Neue Wege in der Tumortherapie Hochfeste Implantate aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen (Carbon/PEEK) ermöglichen eine ­störungsarme Bildgebung in der Wirbelsäulenchirurgie. Dies führt zu Erleichterungen in der Planung, der Therapie und der Nachkontrolle von Patienten mit spinalen Tumoren und Metastasen.

B

is zu 40 % aller Krebspatienten entwickeln einen Tumor im Bereich der Wirbelsäule, dem häufigsten Ort für Metastasen des Skeletts1. Ist die Entscheidung für eine chirurgische Behandlung erst einmal gefallen, stehen Dekompression und Stabilisierung der Wirbelsäule im Vordergrund, oftmals auch gleichzeitig mit der Entfernung des Tumors. Eine Bestrahlung des Tumors wird oft in einer begleitenden Therapie durchgeführt, um das verbleibende Tumorgewebe zu zerstören und von der schmerzlindernden Wirkung der Bestrahlung zu profitieren. Der Einsatz von metallischen Implantaten, zum Beispiel aus Titan, verursacht Störungen in der Bildgebung, die jedoch die Basis für die Planung der Bestrahlung und die weitere Kontrolle des Tumors ist.

Durchlässigkeit verhindert Artefakte Implantate aus Carbon/PEEK (Polyetheretherketon) besitzen eine vergleichbare Festigkeit wie Titansysteme, sind jedoch strahlendurchlässig und verursachen dadurch im Prinzip keine Bildstörungen. Der langjährige Einsatz von Implantaten aus Carbon/PEEK hat die klinische Äquivalenz zu metallischen Implan-

taten in den Bereichen Traumatologie und Wirbelsäulenchirurgie gezeigt. Die Anwendung von Carbon/PEEK im Tumorbereich erhält seit der Einführung der ersten Pedikelschrauben aus Carbon/PEEK erhöhte Aufmerksamkeit, wobei die Strahlendurchlässigkeit des Materials hauptsächlich peridural und im Bereich des Wirbelkörpers relevant ist. Für die korrekte Dosisplanung des zu bestrahlenden Gewebevolumens muss sich der Radiologe auf akkurate CT- und MRT-Daten verlassen können. Sobald aber metallische Implantate vorhanden sind, werden Artefakte verursacht, die eine klare Darstellung der anatomischen Strukturen und somit die genaue Berechnung der Dosisverteilung erschweren. Dagegen verursachen Wirbelsäulenimplantate aus Carbon/PEEK nur minimale Bildartefakte, womit sie die präzise Abgrenzung des Tumors vom gesunden Gewebe und die Dosisplanung in der Strahlentherapie erleichtern. Während der Therapie können Metallimplantate verbleibende Tumorzellen von der Bestrahlung abschirmen bzw. zusätzlich eine Streustrahlung in umliegendes Gewebe und Organe verursachen. Träger von Metallimplantaten müssen in gewissen Fällen sogar von der Bestrahlungstherapie ausgeschlossen werden2.

Axiales CT einer Titan Pedikelschraube links und eines Carbon/PEEK-Implantates rechts

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Axiales Planungs-CT für die ­Bestrahlungstherapie mit Carbon/PEEK-Pedikelschrauben

Carbon/PEEK-Implantate ermöglichen den Durchtritt der Strahlen durch das Material ins geplante Zielgewebe, daher kommt es kaum zu Abschirmungen oder Streustrahl-Effekten. Das Risiko einer zu großen oder zu niedrigen Strahlendosis im Gewebe wird minimiert und sensible Gewebestrukturen können geschont werden. Dieselben Materialeigenschaften sind auch für die Bildgebung während der klinischen Nachkontrolle relevant. Durch die minimierten Artefakte kann die Zone um den behandelten Tumor sehr detailliert untersucht und auf etwaige Rezidive kontrolliert werden. Die weitgehend störungsfreie Sichtbarkeit der diagnostisch interessanten Strukturen wie zum Beispiel des Spinalkanals, der Neu-

Entgeltliche Einschaltung

Schonung sensibler Gewebebereiche


Entgeltliche Einschaltung

Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

roforamina, der radikulären Strukturen, aber auch der Implantatposition konnte mittels CT und MRT im Labor3 und im Patienten4 gezeigt werden. Erste Erfahrungen im Tumorbereich wurden von Eicker et al. und Süss et al. beschrieben. Bei analoger OP-Technik im Vergleich zu einem klassischen Metallimplantat wurden die klare Darstellung der Strukturen im Bereich des Tumors und der Implantatlage im CT sowie die vereinfachte und besser fokussierte Planung und Bestrahlung für Carbon/PEEK-Implantate hervorgehoben6.

Bestrahlungsplanung und -therapie Für die Strahlentherapie sind Daten aus CT oder MRT für die Dosisplanung unerlässlich, um das zu bestrahlende Volumen des Tumorgewebes gegen das gesunde Gewebe genau zu bestimmen. Carbon/PEEK-Implantate verursachen nur minimale Bildartefakte. Damit erleichtern sie die präzise Abgrenzung des Tumors und die Dosisplanung in der Strahlentherapie, manuelle Korrekturen entfallen. Die physikalischen Eigenschaften von nichtmetallischen Implantaten ermöglichen einen Durchtritt der Strahlen durch das Implantat ins vorher geplante Zielgewebe. Auf dem Weg ins Tumorgewebe kommt es zu keinen Abschirmungen oder Streustrahl-Effekten durch das Carbon/PEEK-Material. Das Risiko einer zu großen oder zu niedrigen Strahlendosis im Gewebe wird dadurch minimiert und sensible Gewebestrukturen können geschont werden.

Erleichterung in der Nachkontrolle Dieselben Materialeigenschaften sind auch für die Bildgebung während der klinischen Nachkontrolle relevant. Durch die minimierten Artefakte kann der Arzt die Zone um den behandelten oder entfernten Tumor sehr detailliert untersuchen und auf etwaige Rezidive kontrollieren. Die Minimierung von Artefakten führt zur störungsarmen Bildgebung bei nichtmetallischen Carbon/PEEK-Implantaten. Dies kann zu Erleichterungen in der Planung, der Therapie und der Nachkontrolle von Patienten mit spinalen Tumoren und Metastasen führen, wie in ersten klinischen Erfahrungen gezeigt werden konnte. n

icotec medical gmbH 8045 Graz, Ziegelstr. 20 Tel.: +43-316-672 212 www.icotec-medical.at

Im Gespräch Univ-Prof. Dr. Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie, AKH Wien Welche Vorteile haben nichtmetallische Carbon/PEEK Implantate? Ein klarer Vorteil liegt auf der Hand: die bessere Visualisierung in MRT-Untersuchungen, da keine oder kaum Artefakte auftreten. Gerade in der Tumorrezidivdiagnostik und bei einer Reihe weiterer Indikationen ist es essenziell, wenn im rückenmarksnahen Bereich keine Signalstörungen auftreten. An sich sind die Metallreduktionsprogramme der MRTHersteller schon sehr weit fortgeschritten und bieten ein hohes Maß an Störungsfreiheit. Dennoch ist gerade in der Onkologie die differenzierte Vorgangsweise in Bezug auf Nachsorge besonders wichtig und da spielen die Carbon/PEEK-Implantate ihre Vorteile aus. Welche neuen Therapieoptionen eröffnen diese Implantate? Es konnte gezeigt werden, dass die Protonentherapie, eine neue Form der Behandlung bei Primärtumoren der Wirbelsäule, schlechtere Ergebnisse liefert, wenn metallische Implantate im Operationsgebiet vorhanden sind. Das Verfahren wird insbesondere bei Patienten angewandt, bei denen die herkömmliche Röntgenbestrahlung nicht ausreichend genutzt werden kann, weil der Tumor entweder zu tief im Körper sitzt oder aber von empfindlichen Organen umgeben ist. Die Protonentherapie ermöglicht eine optimierte Dosisverteilung innerhalb der zu bestrahlenden Region und erfordert Irritationsfreiheit, wie sie bei den Carbon/PEEK-Implantaten gegeben ist. Gibt es Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten? Carbon ist extrem inert und Unverträglichkeiten sind so gut wie nicht bekannt. Die Osteointegration ist durch die Titanbeschichtung gegeben. Kontraindikationen sehe ich keine. Derzeit ist die einzige Limitierung die Länge der Stäbe, die in Zukunft auch in größeren Längen erhältlich sein werden, um mehrere Segmente zu fusionieren.

Literatur: 1. Singh, K., Samartzis, D., et al.: Current concepts in the management of metastatic spinal disease THE ROLE OF MINIMALLY-INVASIVE APPROACHES. J Bone Joint Surg [Br], 434–442. 2006 2. Friedrich, R. E., et al.: Simulation of Scattering Effects of Irradiation on Surroundings Using the Example of Titanium Dental Implants Anticancer Research, 30, 1727–1730. (2010) 3. Kilian, F., et al.: Radiologic Evaluation of a Novel Radiolucent CF/PEEK Pedicle Screw Using Fluoroscopy, CT and MRI; ISASS 2014, Miami. 4. Eicker, S.O et al.: First Experience with Carbon fibre/PEEK Pedicle Screws in Spine Surgery; DGNC 2014, Dresden. 5. Eicker, S.O., et al.: First Experience with Carbon Fibres/PEEK Pedicle Screws; DWG 2014, Leipzig. 6. Süss, O., et al.: First Clinical Experience with Titanium Coated Carbonfibre/PEEK Screws in Spinal Tumor Surgery; DWG 2014, Leipzig.

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Fokus: Orthopädie und Unfallchirurgie

Beschreibung

Indikationen / Einsatzbereiche

Materialien

Vorteile auf einen Blick

Firma (Webadresse)

iBalance Unicondylar Knee

Aesculap® univation® X

Aesculap® Quintex®

Anatomisches Implantat - Weichteilberücksichtigendes instrumentiertes Vorgehen zur Rekonstruktion der anatomischen Gelenklinie.

Minimalinvasives unikondyläres Knieendoprothesensystem mit fixer oder mobiler Plattform.

Universell einsetzbares Verplattungssystem für die anteriore Halswirbelsäule

Die ideale Indikation liegt in der ­unikompartimentellen Arthrose/Rekonstruktion der Gelenksgeometrie.

univation® ist für alle Patienten indiziert, für die eine mediale Schlittenprothese infrage kommt. Voraussetzungen: u Ausschließlich mediale Gonarthrose u Intakte Kreuzbänder u Intakte Seitenbänder u Passiv korrigierbare Beinachse u Varus-Deformität unter 15° u Beugefähigkeit von mind 90° u Streckdefizit nicht mehr als 5–10°

Anteriore Stabilisierung der zervikalen Wirbelsäule in Fällen von: u Degenerativen Bandscheibenerkrankungen u Trauma (einschließlich Frakturen u. Dislokationen) u Deformitäten u Posttraumatischen Kyphosen oder Lordosen u Wirbelkörpergleiten u Spinalstenose u Tumoren

Kobald Chrom Molybden; GUR-1050-Polyethylen CoCr UHMWPE

CoCrMo2 bzw. Beschichtung mit Zirkoniumnitrid

Ti6AI4V - Titanlegierung

u Fixed Bearing u Dünner konisch auslaufender anteriorer Bereich vermindert Patellaimpingement und Weichteilkonflikte u Gleichbleibender Implantatradius und Implantatdicke (7 mm) von 0° bis 138° Flexion u Mikrobewegungen der Gleitfläche werden auf ein Minimum reduziert. u 6 Größen, jeweils für Rechts & Links – uneingeschränkte Kompatibilität im Rahmen des Größenspektrums. u Fixe Tibia Plattform, Ploly Inlay Dicken von 8 - 14mm.

Das univation® X System vereint die Vorteile u Intelligentes Implantatedesign u AS Advanced Surface Technologie umultilayer Beschichtung zur Allergie­ prävention uLanglebigkeit R 65 % weniger Verschleiß u Einfache & schnelle Arbeitsabläufe durch IQ Instrumentarium uPräzise und weniger Instrumente uSchnellverschlüsse uErgonomische Griffe uFarbkodierung uValidierte, bewährte Waschtrays ... Arbeitserleichterung für alle – vom Chirurgen, über das OP-Team bis hin zur Aufbereitung. u Wenn gewünscht: Präzision durch Navigation - präzise und reproduzierbare Implantation mit der OrthoPilot® Navigation

Das zervikale Plattensystem Quintex® bietet: u Vier mögliche Versorgungsoptionen von rigide bis dynamisch u Großzügiges Sichtfenster bei allen Platten u Winkelstabile Versorgung u Hybrid-Konstruktionen u Niedriges Plattenprofil (2 mm) u Selbstverriegelnde Schrauben u Selbstbohrende und selbstschneidende Schrauben u Farbkodierte Implantate u Intuitive Instrumente – ein Instrumentenset für alle Versorgungsoptionen

www.arthrex.at

www.bbraun.at

www.bbraun.at

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PRODUKTRADAR Implantate

IXOS® Radiusplattensystem

APTUS® Distales Radius-System 2.5

Richard Wolf BioactIF Osteotrans

Richard Wolf T-Lock Osteotrans

Mit IXOS® steht ein ganzheitliches, einfach zu handhabendes Radiusplattensystem zur Verfügung, welches sowohl palmare, dorsale als auch laterale Platten beinhaltet. Alle Platten werden mit modernen smartDrive®-Schrauben fixiert. Nur vier Instrumente sind für eine sichere Osteosynthese notwendig.

Weiterentwicklung des bewährten APTUS distalen Radius-Systems 2.5. Neuartige, optimierte anatomische Plattendesigns und perfekte Passformen leiten eine neue Plattengeneration ein.

Bioaktive und bioresorbierbare ­Interferenz-Schrauben zur ACLund PCL-Rekonstruktion

Bioaktiver und bioresorbierbarer Sehnenanker für die ACL- und PCL-Rekonstruktion

Akute distale Radiusfrakturen

Einfache extraartikuläre bis zu komplexen intraartikulären Frakturen Korrekturosteotomien auch bei gravierenden Fehlstellungen

Femorale und tibiale Transplantat­ fixation bei der Rekonstruktion von vorderen oder hinteren Kreuz­ bändern

Femorale Transplantat­fixation bei der Rekons­truktion von vorderen oder hinteren Kreuz­bändern

Titanlegierung TiAl6V4

Reintitan Grade 4, Titanlegierung TiAl6V4

Osteokonduktiver Kompositwerkstoff aus PLLA (Poly-L-Laktid) und uHA (ungesintertes Hydroxylapatit als Mikropartikel)

Osteokonduktiver Kompositwerkstoff aus PLLA (Poly-L-Laktid) und uHA (ungesintertes Hydroxylapatit als Mikropartikel)

Platten: u Anatomische Plattengeometrie & abgerundete atraumatische Plattenkontur u Anodisierung Typ II für eine höhere Dauerfestigkeit, eine vereinfachte Metallentfernung und ein reduziertes Gewebehaftungsrisiko Schrauben: u Verriegelungsmechanismus mehrfach lös- und verriegelbar u Auslenkung +/– 15° für eine hohe Flexibilität und bestmögliche Schrauben­ positionierung u Atraumatische Schraubenspitze & atraumatischer Schraubenkopf für eine sichere und weichteilschonende bikortikale Verankerung u 2-gängiges, selbstschneidendes Gewinde für eine doppelt so schnelle Eindrehzeit Instrumente: u Farbkodiert für eine einfache Identifikation u Einteilig für eine gute taktile Rückmeldung u Anordnung gemäß OP-Ablauf für eine einfache und effiziente Instrumentierung Lagerung: u Große Öffnungen durch Honigwabendesign u Leicht, dennoch stabil

u Große Auswahl an Platten für spezifische Frakturtypen mit optimierten anatomischen Passformen u Ideale subchondrale Abstützung des Radiokarpalgelenks bei gleichzeitiger Stabilisierung des DRUG u Sehr distale Plattenpositionierung bei gleichzeitiger Schonung der FPL-Sehne u Hakenplatten für distale Kantenfragmente mit selbstbohrenden SpeedTip® Schrauben u TriLock®: Multidirektionale und winkelstabile (± 15°) Verblockungstechnologie u Feinjustierung einzelner Frakturfragmente u Minimale Gesamtbauhöhe

u Keine Osteolysen u Langzeitbioresorption u Verschiedene Größen, Durchmesser und Gewinde­ formen ver­fügbar u Knochenneubildung durch Remodelling u Hohe mechanische Stabilität durch speziellen Herstellungs­ prozess

u Gelenknahe, anatomische Fixation u Hohe Ausreißfestigkeit u Keine Osteolysen u Langzeitbioresorption u Verschiedene Größen verfügbar u Knochenneubildung durch Remodelling u Hohe mechanische Stabilität durch speziellen Herstellungs­prozess

www.heintel.at

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Medizin & Wissenschaft

Therapeutische Hypothermie:

Anwendung in der Praxis u Die therapeutische Hypothermie hat sich erst in den letzten Jahren als wirksame therapeutische Option etabliert. u Derzeit verfügbare Temperaturkontrollmethoden sind physikalisch extern, physikalisch intern oder medikamentös.

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n den späten 1980er-Jahren fand man durch Zufall in Tierversuchen, dass man auch dann den ischämischen Schaden an Nervenzellen vermindern kann, wenn man die Körpertemperatur nach Kreislaufstillstand nur leicht auf 32 bis 34 °C absenkt. Es folgte eine Vielzahl an geplanten randomisierten Tierexperimenten, Fallberichten und Beobachtungsstudien, die weltweit immer wieder diesen Effekt zeigten. Die ersten zwei randomisierten Humanstudien zur therapeutischen Hypothermie nach Kreislaufstillstad mit Kammerflimmern wurden 2002 publiziert. Auch diese bestätigten den neuroprotektiven Effekt, worauf in internationalen Guidelines die Empfehlung ausgesprochen wurde, Patienten nach einem nichttraumatischen prähospitalen Kreislaufstillstand mit Kammerflimmern oder ventrikulärer Tachykardie auf eine Zieltemperatur von 32 bis 34 °C abzukühlen und diese Zieltemperatur für 12 bis 24 Stunden beizubehalten.

Gutes neurologisches Outcome Diese Empfehlung wurde auch für einen Kreislaufstillstand ohne Kammerflimmern ausgesprochen, jedoch mit einem niedrigeren Evidenzgrad. Ein Cochrane Review fasste in Folge die Ergebnisse von fünf randomisierten Studien zu therapeuti-

Indikationen für therapeutische Hypothermie u nach kardiopulmonaler Reanimation (CPR) und Wiedererlangen von Spontanzirkulation

u bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie bei Neugeborenen u bei refraktär erhöhtem intrakraniellen Druck u bei schwerer hepatischer Enzephalopathie

20 Das Medizinprodukt 04/15

scher Hypothermie zusammen und kam zu dem Ergebnis, dass nach einem Kreislaufstillstand gekühlte Patienten eine um 55 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein gutes neurologisches Outcome haben, im Vergleich zu nicht gekühlten Patienten, entsprechend einer „number needed to treat“ von 6. Die Guidelines wurden damit inhaltlich bestätigt und auch in der neuesten Version der Empfehlungen der American Heart Association und des European Resuscitation Council von 2010 zur Behandlung von Patienten nach Kreislaufstillstand wurden diese Empfehlungen so ausgesprochen.

Kein Unterschied bei Nebenwirkungen Nach 2010 bestätigten Register und Beobachtungsstudie zum überwiegenden Teil die positive Wirkung therapeutischer Hypothermie mit 32 bis 34 °C in der täglichen klinischen Routine. Rezent Ende 2013 wurde eine große randomisierte Multicenter-Studie von Nielsen und Kollegen veröffentlicht (Nielsen N, et al. NEJM. 2013. 369(23):2197-206). Sie zeigte, dass es sowohl hinsichtlich der Mortalität und des neurologischen Outcomes, aber auch hinsichtlich der Nebenwirkungen keinen Unterschied macht, ob Patienten auf 33 °C oder 36 °C gekühlt werden. In Studien konnte gezeigt werden, dass therapeutische Hypothermie, abhängig von Dauer und Tiefe, häufig zu unterschiedlichen Komplikationen führen kann: Elektrolytverschiebungen (insbesondere Serummagnesium, Serumnatrium), Insulinresistenz (und damit Hyperglykämie), Kältezittern (shivering), Gerinnungsstörungen, Erhöhung der Infektionsrate, „rewarming injury“ bei der Wiedererwärmung des Patienten sowie ausgeprägte pharmakokinetische bzw. -dynamische Veränderungen insbesondere von Plasmaspiegeln von Medikamenten. Werden diese Komplikationen nicht entsprechend berücksichtigt und behandelt, können sie natürlich direkt oder indirekt zu einer eingeschränkten neuroprotektiven Wirkung therapeutischer Hypothermie führen.  n


Medizin & Wissenschaft

Im Gespräch

Peripherer Gefäßverschluss:

Innovative Devices und Techniken

Die kathetergestützte Therapie etabliert sich zunehmend auch in der Behandlung von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Bei welcher Art von peripheren Gefäßverengungen bzw. -verschlüssen ist der Stellenwert dieser neuen Behandlungsform heute bereits gesichert? Gemäß den aktuellen Leitlinien gilt die endovaskuläre Therapie der AVK unabhängig von der Höhenlokalisation inzwischen als Therapie der ersten Wahl. Lediglich bei Versagen der

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endovaskulären Therapie oder zu komplexer Läsionsmorphologie wird die chirurgische Revaskularisation noch als Erstrevaskularisationseingriff empfohlen. Insbesondere im Bereich der Beckenarterien sind die Akut- und Langzeitergebnisse der Stent- und Stentgraft-gestützten Revaskularisation so gut, dass mit Ausnahme einiger hochspezialisierter gefäßchirurgischer Zentren in diesem Gefäßgebiet fast ausschließlich zunächst ein endovaskulärer Therapieversuch unternommen wird. Im Bereich der femoropoplitealen Strombahn haben sich durch tech-

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u Die endovaskuläre Revaskularisierung bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) ist in vielen Fällen die Therapie der Wahl. u Innerhalb nur weniger Jahre hat sich die Effizienz der endovaskulären Therapie verbessert, insbesondere durch den Einsatz medikamentenbeschichteter Stents und Ballone.


nische Verbesserungen die Akutbehandlungserfolge bei kom- moropoplitealen Gefäßsegment ein Paradigmenwechsel eingeplexen langstreckigen Gefäßverschlüssen auf mehr als 90 treten. Stenting sollte als Bailout Stenting bei persistierenden Prozent erhöhen lassen. In Verbindung mit neuen Katheter- mechanischen Problemen eingesetzt werden. technologien lassen sich zwischenzeitlich auch bei komplexen Komplexe Läsionen, etwa ulzerierte oder exzentrische partiell verkalkte Stenosen, sollten primär mit eifemoropoplitealen Läsionen Offenheitsranem Medikamente freisetzenden Stent ten von über 70 Prozent nach zwei Jahren „Technische Weiterentoder auch einem speziellen Nitinolstent, erzielen. Im Bereich der Arteria poplitea, dem SUPERA-Stent, behandelt werden. die bisher als sogenannte „No-Stent-Zone“ wicklungen im Bereich Trotz des Nachweises der sicheren Anwenangesehen wurde, konnte in einer ETAPder Kathetertechnik haben dung von Stents im Bereich der Arteria Studie 2012 erstmals nachgewiesen werdie Möglichkeiten der poplitea halte ich in diesem Gefäßsegment den, dass in diesem stark mechanisch beMedikamente freisetzende Ballone neben lasteten Gefäßsegment Stents sicher und endovaskulären Therapie der Atherektomie für eine ideale Therapieeffektiv anwendbar sind. Im Bereich der bei peripheren arteriellen form. Unterschenkelarterien haben sich ebenGefäßverschlüssen erheb- Im Unterschenkelbereich ist die Datenlage falls durch technische Verbesserungen des etwas komplizierter. Hier haben MedikaKathetermaterials sowie neue Zugangslich verbessert.“ mente freisetzende Stents ihre Überlegentechniken – retrograd über die distalen heit gegenüber unbeschichteten Stents beUnterschenkelarterien – die akuten Be­ Ao. Univ.-Prof. Dr. Marianne Brodmann ziehungsweise der Ballonangioplastie handlungserfolge verbessern lassen. Insnachgewiesen. Allerdings wurden hier besondere im Unterschenkelbereich lassen sehr kurze Läsionen behandelt. Die ursich durch Anwendung medikamentenbeschichteter Ballone und Stents sowie Atherektomie die Offen- sprünglich sehr positive Datenlage hinsichtlich medikamentenbeschichteter Ballone wurde durch die INPACT DEEP Stuheitsraten nach einem Jahr auf über 75 Prozent erhöhen. die widerlegt, jetzt müssen neue Studien die Effizienz beschichteter Ballone im Unterschenkel belegen. Es gibt die Möglichkeit des Stentings mit medikamentenbe-

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Ao. Univ.-Prof. Dr. Marianne Brodmann Klinische Abteilung für Angiologie, Medizinische Universität Graz marianne.brodmann@medunigraz.at

schichteten (drug-eluting stents, DES) und unbeschichteten Stents sowie die Option des Drug-eluting-Ballons (DEB). Lassen sich diese endovaskulären Verfahren heute schon differenzialtherapeutisch einordnen? Im Bereich der Beckenarterien sind die Offenheitsraten unbeschichteter Stents bzw. von Stentgrafts langfristig so gut, dass hier keine Medikamente freisetzenden endovaskulären Techniken als Primärtherapie eingesetzt werden müssen, allenfalls bei Rezidivstenosen. Im Bereich der Femoropopliteal-Arterie hat sich ein Paclitaxel-freisetzender Stent der reinen Ballonangioplastie beziehungsweise der Platzierung eines unbeschichteten Stents gegenüber als signifikant überlegen erwiesen, ­siehe Zilver PTX-Studien. Da die Behandlung von In-StentRestenosen relativ komplex ist, sollten meines Erachtens Läsionen, die für die Ballonangioplastie geeignet sind, primär mit einem medikamentenbeschichteten Ballon behandelt werden. Für diese Behandlungsstrategie gibt es mittlerweile auch ausgezeichnete Studienergebnisse mit diversen medikamentenbeschichteten Ballonen, mit aktuell veröffentlichten Zweijahresdaten. Diese Ergebnisse machen es zurzeit eigentlich unmöglich, eine Läsion im femoropoplitealen Gefäßsegment nicht mit einem medikamentenbeschichteten Ballon zu behandeln. Die Reinterventionsrate nach einem Jahr konnte damit zum Beispiel auf 2,6 Prozent gesenkt werden. Somit ist im fe-

Ist die interventionelle endovaskuläre Kathetertherapie nur den schweren Fällen vorbehalten oder kann sie auch schon in frühen Stadien der pAVK zum Einsatz kommen? Prinzipiell hängt eine Revaskularisationsindikation von den individuellen Beschwerden des Patienten ab. Da es sich im AVK-

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Medizin & Wissenschaft

Wo sehen Sie noch zu lösende Probleme oder Limitierungen der interventionellen Therapie? Was bleibt an klaren Indikationen für die chirurgische Behandlung eigentlich noch übrig? Trotz deutlicher Verbesserung der Kathetertechnologien sind die Langzeitoffenheitsraten bis zu fünf Jahre noch optimierungsbedürftig. Kombinationen unterschiedlicher Verfahren haben das Potenzial, dieses Problem mittelfristig zu lösen. Prinzipiell gilt es festzuhalten, dass es auch in Österreich noch immer keine flächendeckende Expertise für hochkomplexe revaskularisierende Eingriffe gibt, sondern dass diese an einige Zentren mit hohen Behandlungszahlen gebunden ist – dies gilt sowohl für die endovaskuläre als auch die chi­ rurgische Therapie. Deshalb sollte prinzipiell ein Patient mit einem komplexen Problem an eine derartige Einrichtung überwiesen werden, unabhängig davon, ob es sich um ein Gefäßzentrum mit überwiegend endovaskulärer oder gefäßchi­ rurgischer Expertise handelt. n

VASCMED 2015 2. Kongress des Österreichischen Verbandes für Gefäßmedizin 22. – 24. Oktober 2015, Congress Innsbruck www.vascmed.at

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Stadium der Claudicatio um eine die Lebensqualität bessernde Behandlung handelt, gibt es durchaus auch Indikationen zur endovaskulären Revaskularisation in einem leichteren AVKStadium. Entscheidend hierbei ist die Expertise des Behandlers, das heißt dessen Komplikationsrate. Dies betrifft auch Eingriffe im Bereich der Unterschenkelarterien, bei denen die Patienten nur in ihrer Gehstrecke eingeschränkt sind, jedoch noch keine kritische Extremitätenischämie aufweisen. Auch hier sollte meines Erachtens den Patienten eine Revaskularisation angeboten werden. Im Bereich der Beckenarterien dürfte der Anteil der endovaskulären Revaskularisationsverfahren inzwischen bei deutlich über 90 Prozent liegen, im Bereich der Femoral- und Unterschenkelarterien wahrscheinlich bei etwa 70 Prozent. Anzumerken ist, dass, bedingt durch die Zunahme der endovaskulären Eingriffe, die Anzahl der gefäßchirurgischen Revaskularisation weltweit rückläufig ist. Daraus ergibt sich mittelfristig auch ein Ausbildungsproblem für kommende Generationen von Gefäßchirurgen, da in vielen kleineren gefäßchirurgischen Einrichtungen vor allem Bypass-Anlagen im Bereich der Unterschenkel- und Fußarterien nicht mehr in ausreichender Anzahl durchgeführt werden.

Facts & Figures Dem Österreichischen Verband für Gefäßmedizin gehören die Österreichischen Gesellschaften für Gefäßchirurgie, für Internistische Angiologie, für Interventionelle Radiologie und für Phlebologie und Dermatologische Angiologie an sowie die Arbeitsgemeinschaft für Angiogenese und Gefäßbiologie, deren jeweilige Jahrestagungen teilweise in den Kongress integriert sind. Der Kongress bietet wissenschaftliche Sitzungen und Symposien zu allen Gebieten der Gefäßmedizin und möchte die multidisziplinäre und fachübergreifende Behandlung aktueller Themen gewährleisten. Die Schwerpunkte: uN  eue endovaskuläre Devices und Techniken u K urskorrekturen und Visionen in der Gefäßmedizin u E ntzündliche Vaskulopathien u Infektionen in der Gefäßmedizin u E ndovenöse Rekanalisation u V ergleich epifaszialer Behandlungsverfahren u L ymphödeme u T ranslationale Forschung und Biologie in der Gefäßmedizin u A usbildungsordnungen und Zukunftsperspektiven uN  achwuchssitzung mit Preisen Im Fokus der Workshops liegen folgende Themen: Duplexsonografie der Venen, perkutaner Gefäßverschluss, Varizenchirurgie im niedergelassenen Bereich, Kompressionstherapie, Gefäßdiagnostik (ABI/Oszillografie), Interpretation bildgebender Verfahren, Ulcus-Chirurgie. Weiters sind Impulsreferate angesetzt, wobei auch freien Vorträgen ausreichend Platz eingeräumt wird. Zusätzlich werden jüngere Kollegen im Rahmen einer Nachwuchssitzung zu Vorträgen motiviert.


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Aktuelle Umfrage:

Fehlervermeidung in der Chirurgie

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ine Umfrage unter mehr als 3.000 Chirurgen belegt aktuell, dass deutsche Krankenhäuser bereits eine Reihe von Maßnahmen für die Verbesserung der Patientensicherheit implementiert haben. So nutzen beispielsweise 90 Prozent der Kliniken Sicherheits-Checklisten sowie die Anzeichnung der späteren Schnittführung mit nicht abwaschbaren Stiften auf der Haut, um Seitenverwechslungen auszuschließen. „Damit sind auf dem Gebiet der Patientensicherheit enorme Fortschritte gemacht worden“, ist Prof. Dr. Peter M. Vogt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), überzeugt. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) schätzt, dass in deutschen Krankenhäusern jährlich etwa 17.000 Patienten we-

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gen medizinischer Fehler sterben. Zu den häufigsten Ursachen gehören Krankenhausinfektionen, die Verwechslung von Patienten oder der zu operierenden Körperpartien, Kommunikationsstörungen und mangelnde Qualifikation. „Als weitere Fehlerquelle kommt inzwischen Personalknappheit hinzu“, ist Dr. Matthias Rothmund überzeugt.

Sicherheitsstandards erhöhen Anhand von internationalen Klinikvergleichen und methodischen Entlehnungen aus anderen risikobehafteten Berufsfeldern wie der Luftfahrt wurden deshalb in den vergangenen zehn Jah-

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u Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) schätzt, dass in deutschen Krankenhäusern jährlich etwa 17.000 Patienten wegen medizinischer Fehler sterben. u Neun von zehn deutschen Kliniken arbeiten bereits mit Checklisten und Schnittmarkierung, um Seitenverwechslungen auszuschließen.


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Medizin & Wissenschaft

Infektionsprophylaxe wirkt Ein weiterer Aspekt, auf den die DGCH in diesem Zusammenhang vehement aufmerksam macht, ist die Vorbeugung gegen Krankhausinfektionen. „Sie muss schon vor der Aufnahme in die Klinik beginnen“, fordert die DGCH. Patienten sollten vor jeder medizinischen Behandlung einen Fragebogen ausfüllen, der Aufschluss über ihr Infektionsrisiko gibt und einem Test auf multiresistente Erreger vorgeschaltet ist. Zugleich sollten Patienten über die Grundregeln der Hygiene aufgeklärt werden. Zwischen 400.000 und 600.000 Personen erkranken jedes Jahr an einer Infektion, die sie im Krankenhaus erwerben. Nosokomiale Infektionen (NI) fordern jährlich bis zu 15.000 Todesopfer, besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen. Große Sorgen bereitet Experten dabei die steigende Zahl multiresistenter Erreger (MRE), die auf kein Antibiotikum mehr reagieren. „Wir haben praktisch keine Waffe gegen solche Keime in der Hand“, stellt Vogt fest.

Patienten früh sensibilisieren ren Maßnahmen identifiziert, die geeignet sind, die Sicherheitsstandards zu erhöhen. So können Identifikationsarmbänder Verwechslungen bei Patienten vorbeugen, Schnittmarkierungen mit einem nicht abwaschbaren Stift Eingriffe an der falschen Körperseite etwa bei Leistenbruch-Operationen oder Meniskus-Entfernungen verhindern. „Sehr hilfreich sind auch Checklisten, die vor Beginn einer Operation abgearbeitet werden“, so Rothmund. Sie stellen sicher, dass es sich um den richtigen Patienten handelt, die korrekte Seite operiert wird, Röntgenbilder und benötigte Implantate vorliegen. Schulungen, anonyme Fehlermeldesysteme sowie Morbiditätskonferenzen, in denen Todesfälle offen besprochen werden, runden das Sicherheitspaket ab.

Sicherheitskultur verbessert sich Vor zehn Jahren gab es solche Maßnahmen an deutschen Kliniken und Abteilungen nur vereinzelt. Wie eine neue Umfrage zeigt, hat sich dies gründlich geändert. Im Herbst vergangenen Jahres wollten der DGCH und der Berufsverband Deutscher Chirurgen (BDC) von ihren Mitgliedern wissen, wie es um die Sicherheitskultur an deutschen Kliniken bestellt ist. Ergebnis des repräsentativen Rücklaufs von 3.000 Chirurgen: Checklisten und Körpermarkierungen sind an mehr als 90 Prozent der befragten Kliniken Standard. Identifikationsarmbänder, Fehlermeldesysteme und Morbiditätskonferenzen nutzen 75 Prozent aller Krankenhäuser, Sicherheitsschulungen gibt es an zwei Drittel aller Kliniken. „Ob sich aufgrund der verbesserten Sicherheitskultur weniger tödliche Zwischenfälle ereignet ­haben, lässt sich allerdings nicht sicher zurückverfolgen“, so Roth­mund. Experten gehen jedoch davon aus.

Neben der Unterstützung des Zehn-Punkte-Planes des Bundesgesundheitsministeriums zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen und Antibiotikaresistenzen empfehlen die Chirurgen, die Vorgeschichte der Patienten bezüglich ihrer Infektionsgefahr vor der Aufnahme ins Krankenhaus abzuklären. Ein Fragebogen, wie ihn beispielsweise die chirurgische Klinik in Greifswald bereits verwendet, kann wichtige Informationen etwa über frühere Behandlungen, Auslands- oder Krankenhausaufenthalte liefern. „Liegen Risikofaktoren vor, folgt ein Test auf MRE. Ist ein Patient Träger multiresistenter Bakterien, wird die Operation verschoben. Lässt sich der Eingriff nicht aufschieben, müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Eine Isolation von anderen Patienten ist ebenso sinnvoll wie eine antiseptische Ganzkörperwaschung“, erklärt Prof. Dr. Claus-Dieter Heidecke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Direktor der chirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin in Greifswald. Beides vermindert das Risiko, die Erreger weiterzugeben. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige Sensibilisierung der Patienten für die Problematik. „Wenn wir dem Patienten einfache Grundregeln des hygienebewussten Verhaltens im Krankenhaus vermitteln, die ihn, seine Mitpatienten und Angehörigen vor NI schützen, fühlt er sich ernst genommen und sicher aufgehoben, was letztlich den Heilungsprozess unterstützt“, erläutert Heidecke. Schließlich seien Verunsicherung und Ängste bei Patienten und Angehörigen oft groß. Einfache Maßnahmen wie das Desinfizieren von WC-Sitz, Händen und Türklinken vor und nach jedem Toilettengang können die Gefahr einer Ansteckung deutlich reduzieren.  n www.chirurgie2015.de

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Medizin & Wissenschaft

Training für den Notfall

15. Österreichischer Chirurgentag, How to do it – Kolorektal 12.–13.11.2015, Baden bei Wien Der Österreichische Chirurgentag findet dieses Jahr zum 25. Mal statt und ist damit eine besonderer Anreiz, neue Akzente in der chirurgischen Kongresslandschaft in Österreich zu setzen. Von Beginn an hat der Österreichische Chirurgentag es sich zur Aufgabe gemacht, chirurgische Themen anschaulich, kompakt und praxisnah im Sinne einer „State of the Art“-Fortbildung aufzuarbeiten. Unter dem Titel „How to do it“ geht der 25. Österreichische Chirurgentag konsequent den Weg der Praxisnähe weiter. „Mit einem neuen didaktischen Konzept wird das Kongresserlebnis spannender und interaktiver, denn wir stellen die Teilnehmer, Dr. Sebastian Roka, BÖC Präsident mit ihrem Wissen und ihren Interessen in den Mittelpunkt. Wir kombinieren fachlich hochwertige Vorträge mit Raum für Erfahrungsaustausch, Networking und Reflexion in angenehmer Atmosphäre. Denn wir sind überzeugt, dass erst die lebendige Mischung von Wissenschaft, Lebenserfahrung und Schnittstellenmanagement Spitzenergebnisse bringt“, betont Dr. Sebastian Roka, BÖC Präsident, im Namen des BÖC Präsidiums. Info und Anmeldung: boec@vereint.com www.boec.at

5. Forum Niedergelassener Chirurgen 14.11.2015, Aktuelle Themen zur Endoskopie in der Praxis Der Stellenwert der niedergelassenen Chirurgen im Gesundheitssystem

www.bhswien.at, www.bhslinz.at, www.barmherzige-brueder.at

Notaufnahme eröffnet Das Krankenhaus Schwarzach verfügt ab sofort über eine neue, hochmoderne „Zentrale Notaufnahme“ (ZNA). Auf 400 Quadratmetern stehen künftig zwei Rezeptionen, eine zentrale Leitstelle und mehrere Behandlungsräume zur Verfügung. Das Spital im Salzburger Pongau hat mehr als 1,6 Mio. Euro in den Umbau investiert. Die ZNA ist die erste Anlaufstelle für Patienten mit akuten Symptomen und Erkrankungen. „Hier erfolgt eine Abklärung und Einschätzung der Dringlichkeit weiterer Behandlungsschritte”, erklärt Prim. Dr. Andreas Valentin, Leiter der Inneren Medizin im Kardinal Schwarzenberg’schen Krankenhaus, in dessen Abteilung die Notaufnahme integriert ist. Neben einer Leitstelle sowie einem Ersteingriffs- und einem Ersteinschätzungsraum stehen fünf Untersuchungsräume zur Verfügung. Alle Zimmer sind mit modernem Monitoring und neuesten technischen Einrichtungen zur Notfallversorgung ausgerüstet. www.kh-schwarzach.at

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Jubiläumstagung des BÖC

Effiziente Teamarbeit in Extremsituationen will trainiert sein – umso mehr, wenn Ärzte und Pflegepersonal zweier Spitäler reibungslos fach- und hausübergreifend zusammenarbeiten müssen und die Notfallpatienten Neugeborene, Babys und Kleinkinder sind. Das ist tagtäglich in den Krankenhäusern der Barmherzigen Schwestern (BHS) und Barmherzigen Brüder (BHB) der Fall. Bei einem äußerst wirklichkeitsnahen Training mit einer Hightech-Puppe waren die Teams gehörig gefordert. Die vom Nebenraum ferngesteuerte Hightech-Puppe simuliert in verschiedensten Szenarien, wie ein realer Säugling bei einem Kindernotfall und in der Folge auf die vom Spitalsteam gesetzten Maßnahmen reagieren würde. Die Helfer werden dabei auch gefilmt. „Das Gefühl ist während des Arbeitens am Baby extrem realistisch, die gemeinsame Nachbesprechung und Videoanalyse verankern die Erfahrungen“, zeigen sich die Teilnehmer aus den Fachgebieten Kinderheilkunde, Anästhesie bzw. Pädiatrie sowie die Schwestern und Pfleger der Kinderintensivüberwachung (IMCU) der BHS begeistert.


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Medizin & Wissenschaft

Virtueller OP-Assistent u Ein virtueller und empathischer Assistent für Operationsteams soll die Sicherheit bei ­seltenen Eingriffen oder unvorhersehbaren Ereignissen stabil halten. u Sensorische Systeme erfassen dazu die Emotionen der Mitglieder des OP-Teams und aktivieren im Bedarfsfall das Assistenzsystem. er Einsatz eines Assistenzsystems in der Medizin ist nicht neu. Unterstützende Systeme im OP, die einzelne Schritte vorgeben und sich auch versichern, dass diese korrekt ausgeführt wurden, sind bereits verfügbar. Ein durchaus visionäres Projekt stellt nun „KonsensOP“ dar, das sich nur dann an die Seite des Chirurgen bzw. des OP-Teams stellt, wenn Unterstützung angebracht ist, und zwar „ungefragt“, proaktiv und empathisch. Die Idee des Projektes ist aus der orthopädisch-unfallchirurgischen Praxis geboren: Ein virtueller „Assistent“, der die Mitglieder des Operationsteams gezielt in Situationen unterstützt, die nicht Routine sind, und zwar individuell, entsprechend ihrer jeweiligen Rolle und Aufgaben innerhalb des OP-Teams. Das Projekt, an dem ein Team aus Forschern des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe, Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie Wissenschaftler des Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrums (OUZ) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg beteiligt sind, wird mit insgesamt 2,2 Mio. Euro gefördert.

Proaktive Unterstützung Die Aufgabe, die sich dem Team aus Wissenschaftlern stellt, ist also, ein System zu entwickeln, das quasi mit geschärften Sinnen den Eingriff im OP in einer Art aufmerksamem Stand-by-Modus begleitet und das in der Lage ist, eine unvorhergesehene Situation, die von der Routine abweicht, sofort zu erkennen. Zum Einsatz soll dabei eine neuartige Kombination sensorischer Systeme kommen, die die Emotionen der Mitglieder des OP-Teams erfassen und im Bedarfsfall das Assistenzsystem aktivieren. Dieses unterstützt das Team proaktiv, indem es situationsbezogen einen evidenzbasierten alternativen Arbeitsablauf anbietet und diesen assistiert, und zwar auf die einzelnen Rollen innerhalb des Teams angepasst. Dabei führt der Chirurg weiterhin die Regie, denn im Zentrum des Handelns im Operationssaal steht die Interaktion zwischen dem Chirurgen und seinem Patienten sowie auch den übrigen Ärzten, Pflegern und dem Hilfspersonal seines Teams.

Multidisziplinäre Partner Das Projekt wird von Fraunhofer IOSB koordiniert. Die Wissenschaftler entwickeln vornehmlich die sensorischen Systeme,

© Fraunhofer IOSB, Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim

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In dem Forschungsprojekt KonsensOP soll ein virtueller Assistent entwickelt werden, der die Mitglieder des Operationsteams entsprechend ihrer Rolle und Aufgaben individuell unterstützt.

durch deren Signale der korrekte Zeitpunkt des Eingreifens eines solchen Assistenzsystems ermittelt wird. Sie arbeiten dabei mit dem Computer Vision for Human-Computer Interaction Lab (cv:hci) des KIT zusammen. Die medizinische Leitung des Projektes liegt bei der Sektion Experimentelle Orthopädie und Unfallchirurgie des OUZ. Die Wissenschaftler bilden auch die direkte Schnittstelle zum Nutzer des zu entwickelndenAssistenzsystems. Seitens des KIT sind mehrere Einrichtungen beteiligt: Das Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation (ifab) ermittelt über arbeitswissenschaftliche Analysen die Anforderungen an die Personen und das Assistenzsystem. Für die Modellierung des Arbeitsablaufs ist das Institut für Anthropomatik und Robotik (IAR) – Intelligente Prozessautomation und Robotik (IPR) zuständig, das auch mit seinen Erfahrungen im chirurgischen Umfeld an zentraler Stelle der Systemintegration steht. Und für die Erkennung der Abweichungen vom Arbeitsablauf ist der Lehrstuhl für Interaktive Echtzeitsysteme (IES) zuständig.  n

www.iosb.fraunhofer.de

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Pflege & Home care

25. Jahrestagung der MKÖ

Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich Tumortherapie und Kontinenz 2. – 3. Oktober 2015, Linz

Die MKÖ hat sich die Förderung von Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Versorgung der Harn- und Stuhlinkontinenz zum Ziel gesetzt. Inkontinenz soll aus der Tabuzone geholt werden, Betroffenen und ihren Angehörigen sollen Rat und Hilfe gewährt sowie Forschung, Lehre und Praxis in der interdisziplinären Behandlung gefördert und koordiniert werden. Im Mittelpunkt der 25. Jahrestagung der MKÖ werden folgende Themen stehen: Pathophysiologie der Inkontinenz  u Therapie – konservativ & operativ  u Sexualität und Kontinenz  u Psychoonkologie  u Herausforderungen an die Pflege  u Round Tables zu neuesten Entwicklungen

Tagungsteam Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilhelm A. Hübner, Vorstand der Urologischen Abteilung, Landesklinikum Korneuburg OÄ Dr. Ingrid Haunold, 1. Oberärztin an der Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien Kontakt: Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich – MKÖ info@kontinenzgesellschaft.at www.kontinenzgesellschaft.at

„Hygienischer und sicherer ­Umgang mit Gefäßkatheter und Infusionslösungen“ Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen sind eine der Hauptursachen der nosokomialen Bakteriämie und schätzungsweise für 90 % aller Bakteriämien verantwortlich. Sie sind auch primäre Ursache von 10 bis 20 % Sterblichkeit bei betroffenen Patienten, in Intensivstationen kann die geschätzte zurechenbare Sterblichkeit sogar bis zu 35 % betragen. Die Infektionsraten variieren länder- und einrichtungsabhängig stark und zeigen Unterschiede hinsichtlich der Art des verwendeten Katheters, Liegedauer, Einhaltung hygienischer Maßnahmen und des Schulungsgrades des medizinischen Personals hinsichtlich sicheren Umgangs mit Gefäßkathetern. Aus diesen Gründen muss die Entscheidung für die Verwendung jeder Art von Gefäßkathetern stets auf der Grundlage einer strengen Risiko-Nutzen-Bewertung erfolgen und für jeden Patienten müssen die Gründe für die Katheterisierung klar festgelegt werden. Neben der Vorsorge kann aber auch durch Umsetzung bestimmter Regeln und Einhaltung hygienischer Techniken beim liegenden Gefäßkatheter das potenzielle Risiko einer Gefäßkatheter-assoziierten Infektion reduziert werden. Dazu sind Wissen und Können erforderlich, das im Rahmen des Fortbildungstages vermittelt werden soll.

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Nach fachbezogenen Vorträgen am Vormittag haben die Teilnehmer am Nachmittag Zeit und Gelegenheit, selbst Hand anzulegen. Prof. Dr. Ojan Assadian und DGKP Leo Karner (Hygienefachkraft UK Krems) zeigen in vier verschiedenen Workshops alles Wissenswerte über Händehygiene, Blutabnahme, das sichere Handling von Infusionslösungen und das risikofreie Legen einer Venenverweilkanüle. Info und Anmeldung www.aesculap-akademie.at

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6. Oktober 2015, Praxisorentierte Fortbildung für Pflegepersonen Aesculap Akademie, Maria Enzersdorf/Mödling


Aufklären, vorsorgen, ­entspannen ... ... mit diesen drei Schritten will Medizinproduktehersteller HARTMANN die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) aus der Tabuzone holen. Denn es gibt eine wissenschaftlich anerkannte Lösung: Prävention durch professionelle Hautpflege. HARTMANN hat sein Sortiment um ein IAD-Präventionskonzept für Pflegeeinrichtungen nach neuesten wissenschaftlichen Standards erweitert, um Personal und Betroffene optimal zu unterstützen. Die Einführung des IAD-Pflegemanagements mit der HARTMANN-Serie Menalind® professional bietet eine Reihe von Vorteilen: Der Pflegeaufwand wird reduziert, damit sinken die Kosten. Gleichzeitig wird die Lebensqualität der Bewohner verbessert und Stress für das Pflegepersonal reduziert.

Die Produkte aus dem IAD-Präventionskonzept von HARTMANN.

Hautschutz ist möglich IAD ist nach wie vor ein verbreitetes Problem und ein Tabuthema, doch mit dem Präventionskonzept von HARTMANN zeigt der Hautschutzexperte deutlich, dass es eine wirtschaftliche und zugleich effektive Lösung gibt, IAD zu vermeiden. Das Thema selbst ist in der Pflegewissenschaft noch jung: Erst im Jahr 2005 kam die erste Expertenrunde in den USA zusammen, die den Begriff prägte und definierte. Im Herbst 2014 wurde eine aktualisierte Fassung des deutschen Expertenstandards zur Förderung der Harnkontinenz vorgelegt. Darin wird IAD erstmalig als eine mögliche Komplikation von Inkontinenz aufgegriffen und der Stand der Forschung dargelegt. Eine sanfte Hautreinigung ohne Wasser und mit hautneutralen Reinigungsmitteln ohne zu Reiben sowie die Verwendung eines speziellen Hautschutzes entsprechen den Empfehlungen anerkannter Pflegeexperten.

Gezielte Prävention

Entgeltliche Einschaltung

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Pflege & Home care

Die Menalind® professional clean Reinigungsprodukte wurden speziell für die sanfte Reinigung der Haut bei Inkontinenz entwickelt. Sie ermöglichen eine Reinigung ohne Wasser, unterstützen die natürliche Barrierefunktion der Haut und beugen so typischen Hautirritationen bei IAD vor. Der Menalind® Reinigungsschaum zur schnellen und milden Reinigung von stark verschmutzen Bereichen bei Stuhlinkontinenz enthält Kreatin und unterstützt die hauteigenen Schutzmechanismen. Mit

feuchtigkeitsspendendem Panthenol und Urea zieht er besonders schnell ein und ist pH-hautneutral. Menalind® Feuchttücher sind alkoholfrei und eignen sich für das schnelle und praktische Reinigen zwischendurch. Waschhandschuhe zum Baden im Bett sind ebenfalls alkoholfrei und mild und enthalten zusätzlich pflegende und feuchtigkeitsspendende Stoffe wie Aloe Vera und Panthenol. Eine Hautschutzcreme bildet eine transparente Schutzschicht, die die Haut atmen lässt. Ohne Zinkoxid spendet sie Feuchtigkeit durch die Wasser-inÖl-in-Wasser-Emulsion. Sie ist pH-hautneutral und enthält einen Geruchsneutralisator. Damit ist ein wirksamer Hautschutz mit Menalind® professional Produkten gewährleistet, denn sie führen der Haut nährende Inhaltsstoffe zu und erhalten die natürliche Barrierefunktion der Haut. Alle Menalind-Produkte sind mit Moli-Inkontinenzprodukten kompatibel und zusammen schützen sie die Haut optimal vor IAD.  n

PAUL HARTMANN Ges.m.b.H. IZ NÖ Süd Straße 3, Objekt 64 2355 Wiener Neudorf , Tel.: +43-2236-64630-0 office@at.hartmann.info, at.hartmann.info

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Pflege & Home care

Sterben aus Sicht der ­komplementären Pflege

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m 19. und 20. Jahrhundert waren Sterben und Tod ein Teil der Lebenserfahrung aller Menschen, denn die meisten wurden im häuslichen Umfeld betreut und starben meist nach eher kurzen Krankheitsverläufen. Im 21. Jahrhundert wurde der Sterbeprozess weitgehend „unsichtbar“ – wer krank ist oder einen Unfall hat, wird in ein Spital eingeliefert und erfährt dort die bestmögliche medizinische Versorgung; Todesfälle in höherem Alter spielen sich zunehmend in professionellen Einrichtungen ab. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass sich die Sterbe- und Trauerbegleiter etabliert haben, denn: Sterben ist heute anonymer und oft abseits der Gesellschaft. Hospiz- und Palliativeinrichtungen übernehmen hochkompetent die anspruchsvolle Unterstützung am Lebensende – für die Betroffenen und ihre Angehörigen gleichermaßen.

Kriterien für einen „guten Tod“

Da Sterbeverläufe höchst individuelle Prozesse sind, ist es wichtig, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ebenen zu reagieren. So kann etwa auf der körperlichen Ebene ein Schmerz mit medikamentöser Schmerztherapie gelindert werden, aber auch Erleichterung mithilfe von Wärme- oder Kältepackungen geschaffen werden. Neben schulmedizinischen Behandlungen verfügt die anthroposophische Medizin über ein großes therapeutisches Spektrum wie Malen, Musik, Gesprächstherapie, Biografiearbeit, Ernährung, Physiotherapie oder Entspannungstechniken. Die Aromatherapie als spezieller Teil der Heilpflanzenanwendung, setzt auf ätherische Öle. Sie werden in der komplementären Palliativpflege vor allem wegen ihrer ausgleichenden und beruhigenden Wirkung auf die Psyche der Patienten geschätzt. Symptommildernd wirken ätherische Öle etwa bei der Pflege der Haut, bei Atembeschwerden, bei Verdauungsbeschwerden oder bei Schmerzen. n

u Information: Der Sterbende erhält alle erforderlichen Informationen, wie zum Beispiel die über Behandlungsentscheidungen

uA utonomie: Der Sterbende behält die Kontrolle über den Strebeort oder die Möglichkeit der Ablehnung von lebensverlängernden Maßnahmen uG  anzheitliche Begleitung: Schmerzen und andere Symptome werden behandelt, der Sterbende wird spirituell und emotional begleitet Quellen: Smith R., A good death. BMJ 2000; 320:129-130 Steinhauser K., et al., Factors considered important at the end of life by patients, family, physicians and other care providers. JAMA 2000; 284 (19): 2476-2482

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BUCHTIPP G. Huber, C. Casagrande, (Hrsg.), Komplementäre Sterbebegleitung. Ganzheitliche Konzepte und naturheilkundliche Therapien, 32 Abb., 94 Tab., Karl F. Haug Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8304-7347-3

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u Sterbebegleitung ist mehr als nur die Krankenpflege in der letzten Lebensphase. u Komplementäre Methoden in der Palliativpflege unterstützen das schulmedizinische Angebot für Sterbende und Angehörige. u Ein größeres Angebot an Fort- und Weiterbildungen wäre wünschenswert.


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Pflege & Home care

Biologisches Alter:

Im Gespräch Andrea Zangenfeind, MSc, DGKP, Mobiles ­Palliativteam Hartberg,­ andrea.zangenfeind@kages.at, www.palliativbetreuung.at Was sind die Kernaufgaben der komplementären Palliativpflege? Palliativpflege umfasst die Behandlung und Betreuung chronisch schwerkranker und sterbender Menschen, unabhängig vom Alter. Ziel ist es, möglichst lange eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Gerade in dieser Phase ist das oft nicht mehr mit klassischen schulmedizinischen Kenntnissen allein zu erreichen und Köper, Geist und Seele müssen mehr denn je als Einheit begriffen werden. Unsere Arbeit hat oft einen sehr esoterischen Touch, was aber nicht der Wirklichkeit entspricht. Wir beraten als mobile Einsatzkräfte zu Hause oder in Pflegeheimen Palliativpatienten und ihre Angehörigen und sind für sie in der Sterbephase unterstützend tätig. Rund 80 Prozent sind onkologische Patienten, die oft unter Schmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Hautveränderungen leiden. Dazu kommen Unruhe, Angst und Schlaflosigkeit. Hier achten wir beispielsweise darauf, dass die vom Arzt verordneten Medikamente eingenommen werden. Gerade in psychisch heiklen Phasen, die im Sterbeprozess immer wieder eintreten, bedarf es besonderer Anstrengung, die Compliance aufrechtzuerhalten. Wie sieht das konkret in der Praxis aus? Wir haben zum Beispiel das Symptom Juckreiz. Einerseits erhält der Patient vom Arzt ein Medikament, andererseits empfehlen wir von der Pflege eine Reihe von Maßnahmen, die zur Linderung der Beschwerden zusätzlich beitragen können, wie etwa das Waschmittel zu wechseln, hautfreundliche Kleidung und Bettwäsche oder Waschungen mit Tee und Apfelessig. Nicht jeder Mensch spricht auf alle Vorschläge gleichermaßen an, sodass hier ein breites Spektrum an Möglichkeiten wichtig ist, um individuell das Richtige zu finden. Wie wichtig ist dabei die Rolle der Ärzte? Ganz besonders wichtig ist die Unterstützung der Palliativmediziner. So verordnen sie zum Beispiel bei Husten durchaus auch Kartoffelwickel. Unsere Aufgabe ist es dann, die Anwendung anzuleiten und auf die richtige Umsetzung zu achten. Welche Weiterbildungen sind im Bereich der komplementären Pflege sinnvoll? Wir haben zum Beispiel Aus- und Weiterbildungen im Bereich der Aromapflege und der komplementären Pflege. Ich selbst habe eine Ausbildung in Deutschland an der Heilpflanzenschule gemacht. Das Thema ist sehr breit und facettenreich, im Vordergrund steht aber immer die Frage: Was darf ohne Anordnung des Arztes gemacht werden und was nicht? Sobald ein Symptom vorliegt, dürfen wir auch in der komplementären Pflege nicht ohne Anordnung des Arztes arbeiten. Wo sehen Sie derzeit den größten Handlungsbedarf? Ich würde mir wünschen, dass es viel bessere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, nicht nur für die Pflege, auch für die Mediziner. Das Interesse der Pflegenden an diesem Fachgebiet ist sehr groß, aber oft ist es nicht einfach, die kostenintensiven Kurse selbst zu finanzieren und noch in der Freizeit daran teilzunehmen. Komplementäre Pflege ist ein Thema, das auf jeden Fall auch schon in der Ausbildung integriert sein muss.

Große Unterschiede erkennbar B

isher konzentriert sich die Altersforschung vor allem auf ältere Menschen. „Wenn wir aber altersbedingte Krankheiten verhindern wollen, müssen wir das Altern schon bei jungen Menschen untersuchen“, erklärte Forscher Dr. Dan Belsky von der Duke University. Grundlage für die Studie, deren Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) vorgestellt wurden, ist die sogenannte „Dunedin-Studie“: Im Rahmen dieser fortlaufenden Langzeit-Erhebung wurden 1.037 Menschen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin von ihrer Geburt bis zu ihrem 38. Lebensjahr regelmäßig gesundheitlich und psychologisch untersucht. Laut Belsky zeigt sich der Prozess des Alterns an den menschlichen Organen früher als bei Augen, Gelenken und Haaren. Daher prüfte das internationale Forscherteam 18 entsprechende Biomarker, zu denen neben der Nieren- und Lungenfunktion auch Werte der Leber und des Immunsystems gehörten. Zusätzlich wurden Cholesterin, Herzfitness und die Länge der Telomere gemessen. Anhand der Werte berechneten die Wissenschaftler das biologische Alter der 38-jährigen Probanden: Es lag bei 28 bis 61 Jahren. Die Forscher verglichen die Daten dann mit den Untersuchungsergebnissen der Studienteilnehmer, als sie 26 und 32 Jahre alt waren, um individuelle Altersprozesse bestimmen zu können. Das Ergebnis: Die meisten Teilnehmer alterten tatsächlich jedes Jahr um ein biologisches Jahr. Einige aber alterten jedes chronologische Jahr um drei Jahre, während andere gar nicht alterten und jünger blieben als ihr biologisches Alter. Diejenigen, deren biologisches Alter höher als 38 Jahre war, alterten entsprechend schneller. Sie zeigten auch einen stärkeren IQ-Rückgang, Zeichen für ein erhöhtes Schlaganfall- und Demenzrisiko sowie verminderte motorische Fähigkeiten. Insgesamt hoffen die Wissenschaftler, dass ihr Analyseraster dabei hilft, in den Alterungsprozess im Ganzen einzugreifen, anstatt einzelne altersbedingte Krankheiten isoliert zu behandeln. Die Erkenntnisse sind vor allem vor dem Hintergrund einer alternden Weltbevölkerung relevant.  n

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Monika Sonnweber und ­Mario Gonner, Geschäftsführer Omigo, Qualitätssicherung und Organisation im Pflege- und Demenzbereich, www.omigo.at Fotos: © Marcel A. Mayer

Pflege & Home care

Partner im Demenzund Pflegebereich u Ein Aufenthalt in einem Alten- oder Pflegeheim ist für viele Bewohner oft mit Stress verbunden. u Die passende Planung und Organisation kann schon im Vorfeld dafür sorgen, dass Bewohner Geborgenheit und Normalität erleben können und Pflege nur als unterstützende Maßnahme eingreift.

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emenzerkrankungen sind bereits heute der häufigste Grund für eine Heimunterbringung. Die meisten Pflegeeinrichtungen sind jedoch weder baulich noch fachlich auf Menschen mit Demenz ausgerichtet. Rigide Tagesabläufe, das Defizit einer adäquaten Alltagsbeschäftigung oder einer demenzgerechten Begegnung verursachen für Bewohner und Mitarbeiter Stress. Als Experten für Demenz und Pflege haben DGKS Monika Sonnweber und Coach Mario Gonner vor sieben Jahren die Omigo OG gegründet und bieten ihr Know-how Gemeinden, Betreibern sowie Pflege- und Senioreneinrichtungen an. Einerseits als Berater, Coach und Trainer und andererseits als Manager auf Zeit.

Leben wie zu Hause „Wir begleiten Teams on the Job und bieten Weiterbildungen in Inhouse-Seminaren an“, beschreibt die Pflegeexpertin und di­ plomierte Gesundheits- und Krankenschwester Monika Sonnweber ihre Tätigkeit. Die Schwerpunkte beim Training bilden Führung und Zielerreichung, Kommunikation, Teamentwicklung und Weiterbildungen zur Leistungs- und Potenzialentwicklung. Bei der Arbeit von Omigo spielt die Philosophie des Hausgemeinschaftsmodells eine wichtige Rolle: „Unser Leitgedanke ist, dass Bewohner Geborgenheit und Normalität erleben sollen. Pflege und Betreuung sollen unterstützende Maßnahmen zu einer – soweit als möglich – selbstständigen Lebensgestaltung sein.“ Das Ziel des Modells für Senioreneinrichtungen liegt darin, dass das Personal gemeinsam mit den Bewohnern einen normalen, vertrauten, routinierten Alltag in den „eigenen vier Wänden“ gestaltet und umsetzt. „Dieser Alltag unterscheidet

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sich nicht sonderlich vom täglichen Leben in größeren Familien. Es dreht sich viel um die Haushaltsversorgung“, zieht Sonnweber den Vergleich.

Manager auf Zeit Die umfassende Praxiserfahrung in der Pflege- und Heimleitung befähigt Sonnweber und Gonner als Sparringspartner von Pflegeheimbetreibern. Bereits in der Konzeptionierungsphase neuer Einrichtungen kann Omigo miteinbezogen werden und wertvolle Unterstützung leisten. „Durch die praxisorientierte Bau- und Ausstattungsberatung können Kommunen, Betreiber oder Architekten die Anforderungen von Bewohnern und Mitarbeiter an eine Einrichtung schon im Vorfeld praxisgerecht optimieren und dadurch viele Ärgernisse im praktischen Betrieb vermeiden“, so Gonner. Ergänzend zur Arbeit als externer Berater übernimmt Omigo auf Wunsch auch operative Verantwortung in Pflege- und Senioreneinrichtungen. In zeitlich befristeten Ausnahmesituationen oder intensiven Projektphasen übernehmen die Experten Führungsrollen und unterstützen so bei der strategischen Umsetzung. Eines der Referenzprojekte des Expertenduos ist das Haus Klosterreben in Rankweil, das vor drei Jahren eröffnet wurde. „Auf der Suche nach Experten hat mich das Konzept von Omigo überzeugt“, berichtet Bürgermeister Martin Summer. Als Pflegeleitung und Heimleiter haben Sonnweber und Gonner die Pflegeeinrichtung zu einem vorbildlichen und zeitgemäßen Haus entwickelt. „Trotz Pflegebedürftigkeit wird von den Bewohnern eine gesteigerte Lebensqualität erlebt“, ist der Gemeindechef überzeugt.  n


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Das Therapiesystem bei Demenz Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die durch den langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten gekennzeichnet ist. Das Thevo Vital-System sorgt durch die MiS MicroStimulation® dass der Mensch seinen Körper besser fühlt und wahrnimmt. Der Bewegungsdrang und das Aufstehen in der Nacht werden deutlich verringert.

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Die Wissenschaft belegt, dass an Parkinson erkrankte Menschen häufig unter Schlafstörungen leiden. Bewegungseinschränkungen führen zu diesen und zu Verspannungen. Micro-Stimulationssysteme wirken durch die Kombination aus einer weichen Matratze und der Unterfederung, die jede Micro-Bewegung aufnimmt und an den Körper zurückgibt. Die Liegeposition ist ergonomisch korrekt d.h., dass hier auch Schmerzprophylaxe betrieben wird.

Muskelentspannung durch MiS Micro-Stimulation® Leichteres Aufrichten Bewegungsimpulse fördern Eigenbewegung Einfacher Positionswechsel Parkinson-Federung

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Politik, Verwaltung & Management

„Gemeinsam Klug Entscheiden“ (GKE)

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n manchen Fällen gelte auch in der Medizin durchaus das Motto „weniger ist mehr“, sagt Prof. Dr. Karl-Heinz Rahn, Präsident der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Daher hätten zahlreiche internationale Fachgesellschaften in den vergangenen Jahren auch sogenannte „Don’t do“-Empfehlungen erarbeitet, die etwa in den USA unter dem Begriff „Choosing Wisely“ bekannt geworden sind. „Die Choosing-Wisely-Intiativen sind angetreten, um Ärzten und Patienten den nötigen Mut zu geben, auch einmal etwas nicht zu tun“, erläutert Rahn. „Wir sollten aber nicht allein identifizieren, welche medizinischen Leistungen kritischer zu hinterfragen sind, sondern auch, welche zu selten in Anspruch genommen und stärker unterstützt werden sollten.“ Das Problem beginne schon bei der geringen Wertschätzung für Gespräche zwischen Arzt und Patient. Zudem sei die Betrachtung aus der Perspektive einzelner Fachgebiete zu kurz gesprungen, da für eine gute Versorgung die gemeinsame Abstimmung verschiedener Fachgebiete unabdingbar sei. Das sei auch

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der Ausgangspunkt für die AWMF-Initiative „Gemeinsam Klug Entscheiden“ (GKE) gewesen. Derzeit arbeitet eine Ad-hoc-GKE-Kommission in einem ersten Schritt daran, eine Methodik für die Erstellung von GKEEmpfehlungen zu erarbeiten und diese anhand erster Praxisbeispiele zu überprüfen und zu konkretisieren. Folgende Prinzipien sollen diesem Prozess zugrunde liegen: n Wissenschaftlichkeit: Auswahl von relevanten Empfehlungen auf der Grundlage multidisziplinär und formal konsentierter, evidenzbasierter S3-Leitlinien/gegebenenfalls weiterer, systematisch auszuwählender Quellen n Transparenz: Erarbeitung von Priorisierungskriterien für die Auswahl von Empfehlungen n Konsensbildung: Abstimmung mit Beteiligung von Patientenvertretern n Zielgruppenorientierung: Formate zur Stärkung der Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten sowie zur Information der Öffentlichkeit Laut Prof. Ina Kopp, Leiterin des Instituts für Medizinisches Wissensmanagement der AWMF, stellt die Initiative auch eine Antwort auf die „zunehmende marktwirtschaftliche Orientierung des Gesundheitssystems“ dar. Demnach sei es eine wesentliche Aufgabe, auch Empfehlungen zu implementieren, die „wirtschaftlich unpopulär und schwer zu messen, aber wissenschaftlich begründet sind“. Als Beispiel nennt Kopp ebenfalls die bereits erwähnte „sprechende Medizin“. Dazu müsse in jedem Fall das Vertrauen von Kostenträgern, Selbstverwaltung und Politik gewonnen werden. „Umso wichtiger ist die kluge Auswahl der Inhalte, die wir in die Qualitätsoffensive geben und der bedachte Einsatz von Öffentlichkeitsarbeit“, erläutert Kopp.

Themenpriorisierung Ziel der Qualitätsoffensive ist es also laut Eigendefinition, „wissenschaftlich begründete, fachübergreifend und mit Pati-

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u In Deutschland startete die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften vor Kurzem eine Qualitätsoffensive. u Ihr Ziel ist es, fachübergreifende wissenschaftliche Empfehlungen zu „wichtigen Fragen im Versorgungsalltag in den Vordergrund zu rücken“. u Im Zuge dessen sollen auch medizinische „Gewohnheiten“ kritisch hinterfragt werden.


Politik, Verwaltung & Management

entenvertretern abgestimmte Empfehlungen zu wichtigen Gesundheitsfragen stärker in die öffentliche Diskussion zu bringen“. Was aber sind überhaupt „wichtige Fragen im Versorgungsalltag“? Ein wesentliches Beurteilungskriterium dafür ist der Gesundheits- oder Versorgungsaspekt, wofür ohnehin schon Kriterien existieren, etwa Krankheitslast, Verbesserungspotenzial der Versorgungsqualität, Versorgungsunterschiede – auch ethische und soziale Aspekte oder interdisziplinärer bzw. interprofessioneller Koordinationsbedarf. Die konkreten Kriterien für die Auswahl von Empfehlungen für die Offensive „Gemeinsam Klug Entscheiden“ werden von einer GKE-ad-hoc-Kommission erarbeitet, erklärt Kopp. Dazu werden unter anderem gehören: n Klarheit der Empfehlung (eindeutig definierte Sachverhalte und Patientengruppen) n Existierende Hinweise auf Über- oder Unterversorgung

n Evidenzbasis der Empfehlung (Sicherheit des zugrunde liegenden Wissens) Anschließend wird die Kommission die festgelegten Kriterien an Pilotprojekten auf ihre Praxisrelevanz testen. Als erste Piloten wurden dafür die Themen unspezifischer Kreuzschmerz, chronische koronare Herzkrankheit und Husten ausgewählt. „Als Idee dahinter steht, dass es in Deutschland bereits zahlreiche ausgezeichnete evidenzbasierte Leitlinien gibt, an denen die verschiedenen Fachgesellschaften gemeinsam fachübergreifend, mit anderen Berufsgruppen und mit betroffenen Patienten arbeiten“, erläutert Prof. Dr. Rolf Kreienberg, Vorsitzender der Kommission Leitlinien der AWMF. Damit sei die Grundlage gesetzt, gemeinsam wichtige Versorgungsprobleme zu identifizieren und Empfehlungen zu ihrer Behebung zu erarbeiten. „Es geht nicht darum, etwas neu zu erfinden, sondern zu erkennen, wo Leitlinien nicht ausreichend umgesetzt werden oder fehlen.“  n

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Im Gespräch

Prof. Dr. Ina Kopp, Leiterin des Instituts für Medizinisches Wissensmanagement der AWMF

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Themenspezifische ­Kooperationen mit Österreich Bei der Erarbeitung von Empfehlungen, die über die bestehenden Leitlinien hinausgehen, sollen vor allem interdisziplinäre bzw. multiprofessionelle Themen im Mittelpunkt stehen. Wie kann hier eine gute Kooperation bzw. gemeinsamer Nenner zwischen den Disziplinen und Professionen erreicht werden? In Deutschland sind wir hierfür in einer strukturell günstigen Ausgangslage, da hier die AWMF bereits seit 20 Jahren die Entwicklung von Leitlinien ihrer derzeit 168 Mitgliedsgesellschaften koordiniert und unterstützt. Von den ca. 700 Leitlinien im Register der AWMF sind über 60 Prozent bereits interdisziplinär entwickelt. In mehr als 300 Leitlinienprojekten haben die interdisziplinären Gremien strukturierte Verfahren zur Konsensbildung eingesetzt mit Moderation durch AWMF-Leitlinienberater. Oft sind an diesen Leitlinien auch Vertreter anderer Berufsgruppen und der Patienten beteiligt. Es gibt also einen klaren Willen und viel Erfahrung zur Konsensbildung in strukturierter Form, die weit über einen kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgeht, und einen Dachverband, der das Vertrauen seiner Mitglieder genießt. Wie unterscheiden sich GKE-Empfehlungen von den Leitlinien? Sie unterscheiden sich durch den Umstand, dass besonders prioritäre Empfehlungen für die GKE-Offensive ausgewählt werden, von denen wir wissen, dass Verbesserungspotenzial trotz vorhandener Leitlinien sowie weiterer Informationsbedarf bestehen und weitere Kriterien erfüllt sein müssen.

Wer entwickelt die GKE-Empfehlungen ganz konkret? Die Ad-hoc-Kommission wird das methodische Werkzeug erarbeiten und die AWMF Unterstützung anbieten, damit die Mitgliedsgesellschaften der AWMF GKE-Empfehlungen entwickeln können. Konkret werden das dann Gremien sein, die für das Thema repräsentativ zusammengesetzt werden – in Analogie zu Leitliniengruppen: Mandatsträger der Fachgesellschaften, Patienten, gegebenenfalls auch andere Gesundheitsberufe. Wo GKE-Empfehlungen aus Leitlinien abgeleitet werden, werden diese auch die GKEEmpfehlungen gemeinsam konsentieren. Welche Rolle spielen eigentlich die Patientenvertreter bei der Entwicklung von neuen Empfehlungen? Sie werden als gleichberechtigte Partner in den Entwicklungsprozess einbezogen. Werden die GKE-Empfehlungen auch evaluiert? Eine Evaluierung der Umsetzung der GKE-Empfehlungen der Auswirkungen auf die Versorgungsqualität ist wichtig. Dies werden die Fachgesellschaften aber nicht allein leisten können. Bei der Planung der Evaluation muss man an vorhandene Strukturen der Qualitätssicherung und der Versorgungsforschung denken und strategische Partnerschaften suchen. Wie wird diese Qualitätsoffensive finanziert? Kopp: AWMF und Fachgesellschaften arbeiten derzeit rein aus eigenen „Bordmitteln“ an GKE. Redaktionelle Unabhängigkeit ist hier wesentlich. Gibt es Ihrerseits Bestrebungen bzw. Interesse, mit Österreich diesbezüglich zu kooperieren – oder auch umgekehrt gefragt: Gibt es Anfragen aus Österreich? Österreichische Fachgesellschaften arbeiten an vielen Leitlinienprojekten in Deutschland mit, teilweise sogar federführend. Auch arbeiten einige österreichische HTA-Institute für unsere Leitliniengruppen. Es bestehen also Grundlagen für themenspezifische Kooperationen. Allerdings sollte eine Qualitätsoffensive, das hören wir auch aus internationalen Erfahrungen, eine anerkannte, einigende Dachorganisation haben.

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Politik, Verwaltung & Management

PDMS – Datengrab oder digitaler Entscheidungsassistent?

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ragen wie diese lassen sich mithilfe eines PDMS fundierter beantworten, indem es dem Prinzip folgt: Verbessert werden kann nur, was steuerbar ist, und steuerbar ist nur, was wir kennen und was wir messen können. Nehmen wir das Beispiel Personalsteuerung: Der Personalaufwand beträgt im Schnitt 75 Prozent des Jahresaufwands einer Klinik. Eine effiziente Personalsteuerung implementiert damit ein erhebliches Einsparpotenzial. Auf der Grundlage objektiver, vollständig erfasster und strukturiert ausgewerteter Personaldaten können die vorhandenen Ressourcen besser eingesetzt werden. So können Personalmix und Arbeitszeiten optimiert oder auch flexibilisiert werden, indem etwa die jeweiligen Ressourcen an den tatsächlichen Aufwand angepasst werden.

PDMS und Patientensicherheit Letztendlich gehe es bei der Implementierung von PDMS aber nicht ausschließlich um wirtschaftliche Überlegungen, führte

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Keynote Speaker Univ.-Doz. Dr. Alex Blaicher, Geschäftsführer der Malteser in Sachsen, aus, sondern aus medizinischer Perspektive vor allem um die Frage: „Wie erleichtern wir die tägliche Arbeit in der Klinik, um mehr Zeit für den Patienten zu haben?“ Dem Thema Patientensicherheit sollte laut Blaicher bei der Überlegung über die Anschaffung eines PDMS also zumindest ein ebenso großer Stellenwert eingeräumt werden wie der Wirtschaftlichkeit. Bei zahlreichen Risiken in der stationären Versorgung, etwa dem Informationsverlust bei Dienstübergaben, einer falschen Verabreichung von Arzneimitteln, der Fehlbedienung von Medizinprodukten oder dem Entlassungsmanagement, kann PDMS merkbare Verbesserungen bringen, stimmte Dr. Ronny Beer, Neurologische Intensivstation Uni-Klinik für Neurologie an der MedUni Innsbruck, Blaicher zu. So könne PDMS etwa klinische Visiten strukturieren, Wechselwirkungen automatisieren und allen Beteiligten zugänglich machen, vor komplexen Zusammenhängen warnen und das Infektionscontrolling unterstützen. Au-

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u Machen Patientendatenmanagementsysteme, kurz PDMS, Krankenhäuser effizienter und sicherer? u Oder erhöhen sie deren Verwaltungsaufwand, Investitions- und Betriebskosten? u Werden die erhobenen und analysierten Daten zum sinnvollen Managementtool oder zur Gefahr für den Datenschutz?


ßerdem kann es die Disziplin in der Einhaltung von Therapie- und Pflegeleitlinien erhöhen, meinte Beer, der sich selbst als „PDMSBefürworter der ersten Stunde, ärztlicher Key User mit vollem Enthusiasmus, gleichzeitig aber auch konstruktiver Kritiker gegenüber dem System“ bezeichnete. Eine unmittelbare Arbeitsentlastung in der täglichen Patientenführung, wie das in der Pflege durchaus der Fall ist, sieht Beer für die Klinikärzte nicht, der Dokumentationsaufwand werde eher leicht erhöht als gesenkt. Im Gegenzug bekämen die Ärzte dafür aber eine „wesentlich exaktere, nachvollziehbare und übersichtlichere Dokumentation“, was wiederum die Fehleranfälligkeit verringern würde.

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Politik, Verwaltung & Management

Optimal- statt Maximalversion Laut Beer braucht es für die erfolgreiche Integration eines PDMS einen „klaren Umsetzungsauftrag, die Benennung eines interprofessionellen PDMS-Kernteams, eine umfassende Vorbereitung der Umstellungsphase sowie ein ausreichendes Change-Management“. Unbedingt notwendig sei auch die Anpassung standardisierter Systeme an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse. Nicht die technische Maximalversion sollte das Ziel sein, sondern die individualisierte Optimalversion für ein klar definiertes Anforderungsprofil. An der Innsbrucker UniKlinik für Neurologie wurde übrigens eine Data-Warehouse-Lösung realisiert, deren Funktionalität über die klassische Datenbank weit hinausgeht. W. H. Inmon, der sogenannte „Father of the Data Warehouse“, hatte sein Konzept bereits 1996 wie folgt definiert: „Eine themenorientierte, integrierte, chronologisierte und persistente Sammlung von Daten, die zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen analysierbar gemacht werden.“ Das entspricht weitgehend dem Anspruch eines modernen PDMS, das Daten nicht als Selbstzweck im Sinne einer Dokumentation sammelt, sondern diese gleichzeitig als Fundament für evidenzbasierte Prozessentwicklungen nützt.

Dr. Gerald Bachinger eröffnete die „PDMS Conference“ im Rahmen des diesjährigen „eHealth Summit Austria“. Patientensicherheit sei ihm im Zweifelsfall wichtiger als Datensicherheit, betonte der Sprecher der Patientenanwälte.

PDMS & Datenschutz Eine Fragestellung, die im Zusammenhang mit PDMS immer wieder kritisch aufgeworfen wird, ist die des Datenschutzes. Dieser sei selbstverständlich wichtig, erläutert Blaicher, zu viel Datenschutz könne aber auch „zum Problem für die Patientensicherheit werden. Da müssen wir einen goldenen Mittelweg finden.“ Er hätte jedenfalls noch keinen Patienten erlebt, der sich über mangelnden Datenschutz beschwert hätte. Das sieht im Übrigen auch der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte so. „Datenschutz spielt bei Patienten nicht diese große Rolle, die ihm gewisse Lobbying-Organisationen medienwirksam zuschreiben“, sagt Dr. Gerald Bachinger in der abschließenden Diskussion. Big Data sei ohnehin längst Realität. Die Frage sei nur, ob man sich dem Thema aktiv stellt oder „lieber den Kopf in den Sand steckt“, wie das halt in Österreich so üblich sei. Den oft verlangten absoluten Datenschutz gebe es nur dort, wo es keine Daten gibt. Ihm sei jedenfalls „der gläserne Patient lieber als der tote Patient.“  n

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E-Health Forum 2015

Patientendatenmanagementsysteme können – richtig konzipiert und eingesetzt – nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Krankenhausbetriebes erhöhen, sondern auch zur Patientensicherheit wesentlich beitragen, so die Essenz der Keynote von Univ.-Doz. Dr. Alex Blaicher, MBA, Geschäftsführer der Malteser in Sachsen.

7. Strategie-Forum zur Digitalisierung im Gesundheitswesen 22.–23. Oktober 2015, Wien, Courtyard by Marriott Wien Messe u Wie die Digitalisierung das Gesundheitswesen verändert u Start der ELGA und der e-Medikation u Telemedizin, Telemonitoring und mHealth u Elektronisch unterstützte Arzneimitteltherapiesicherheit u Entscheidungshilfen für bessere Diagnosen u Prozesse und IT im Krankenhaus Info & Anmeldung: www.businesscircle.at

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MEDIZIN PR DUKT DI Manfred Bammer, MAS Leiter Business Unit Biomedical Systems AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Europäisches Forum Alpbach

Ungleichheit & Innovation Im Zuge der kontroversen Debatten rund um die Auswirkungen von Ungleichheit auf die ­Gesundheit und die Gesundheitsversorgung hat DI Manfred Bammer, MAS, Leiter der Business Unit Biomedical Systems am AIT Austrian Institute of Technology GmbH das Thema aus Sicht der Medizinprodukteinnovationen beleuchtet. Ungleichheit und Gesundheit haben viele Aspekte. Welches Resümee ziehen Sie aus den diesjährigen Alpbacher Gesundheitsgesprächen? Bisher war ich traditionell immer Teilnehmer an den Technologiegesprächen, doch das Thema geht Hand in Hand mit Fragen der Gesundheitsversorgung. Gerade die Medizinprodukteindustrie ist besonders technologieaffin und die hier anwesenden inund ausländischen Wissenschaftler, Repräsentanten der Gesundheitspolitik, Vertreter von Selbsthilfegruppen und der Berufsgruppen im Gesundheitswesen sind wichtige Player für uns, wenn es um die Marktdurchdringung von Innovationen für eine bessere und damit vielleicht auch eine gerechtere Gesundheitsversorgung geht. An welches Beispiel denken Sie hier konkret? Zum Beispiel an die Telemedizin und das Home Monitoring. Ich habe mit diesen Technologien die Möglichkeiten, viel mehr Patienten mit chronischen Erkrankungen in kurzer Zeit und mobil zu betreuen sowie auch jenen einen Zugang zu einer sicheren Versorgung zu bieten, die nicht in der Nähe von medizinischen Zentren leben. In Österreich ist hier noch großer Aufholbedarf vorhanden und die Innovationen werden erst zögerlich angenommen. International zeigen schon viele Länder, dass das ein durchaus forcierbarer Weg wäre. Ist Ungerechtigkeit auch innovationsfeindlich? Innovationen können neue Ungerechtigkeiten erzeugen, vor allem für jene Menschen, die den Umgang mit der digitalen Welt nicht oder nicht ausreichend beherrschen. Hier sind neue Konzepte gefragt, denn unter dem Strich ist diese Entwicklung bereits Teil unserer Lebenswelt und ihr Fortschritt nicht aufzuhalten. Jetzt gilt es, die Partizipation aller Bevölkerungsgruppen – ob jung, alt, reich oder arm – daran sicherzustellen.

Der österreichische Markt ist bei Innovationen grundsätzlich sehr zurückhaltend. Je schneller neue Produkte oder Technologien auf den Markt kommen, desto rascher kann auch der breiten Bevölkerung damit eine bessere Versorgung zur Verfügung stehen. Natürlich ist die Einführung neuer Produkte und Technologien mit einem Risiko verbunden, doch die Mentalität hierzulande ist es, zu testen, zu evaluieren, zu projektieren oder abzuwarten bis andere Länder es implementiert haben und damit oft wertvolle Zeit zu verlieren.

Wie wettbewerbshemmend ist diese Mentalität? Natürlich ist sie das, aber wir forschen ja nicht nur für den heimischen Markt. Wir arbeiten in vielen internationalen Kooperationen und ich kann nur dazu raten, strategische Allianzen zu bilden und Netzwerke aufzubauen. Dazu sind Veranstaltungen wie diese hier in Alpbach natürlich bestens geeignet. Wie kann das Innovationsklima gefördert werden? Die Welt der komplexen Medizinprodukte und vor allem ihre Bedeutung für die Gesundheitsversorgung in eine zielgruppenaffine Sprache zu übersetzen, würde schon sehr viel helfen. Wenn wir uns hier im kommenden Jahr wieder zu den Gesundheitsgesprächen treffen, was soll sich verändert haben? Ich wünsche mir eine neue Innovationsfreudigkeit von den Krankenversicherungen und den Krankenhausbetreibern, innovative Technologien auszuprobieren. Ein Jahr ist keine lange Zeit, daher wäre es schön, schon bis zu den nächsten Gesundheitsgesprächen Ergebnisse zu haben. Das setzt voraus, weniger zu diskutieren und zu evaluieren, sondern einfach praktisch auszuprobieren und zu handeln. Ein Ergebnis heuer war genau das: kleine Projekte mit geringen Budgets auf den Weg zu bringen und damit rasch das Feedback im Echtbetrieb zu erfahren. n

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Ausbildung | Multikulturalität | Robotik

Welche Berufsfelder benötigt der steigende Pflegebedarf?

Künftige Anforderungen meistern • KA-AZG – Mehr Aufwand für die Pflege? • GuKG – Welche Neuerungen erwarten wir 2015? • Kultursensible Pflege – Erfahrungen im Umgang mit Patienten aus fremden Kulturkreisen • Advanced Nurse Practitioners – Integration einer Zusatzausbildung in die strategische Personalplanung • Robotik im Krankenhaus – Sinnvolle Einsatzgebiete für eine alternde Gesellschaft

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BranchenNews

Roche übernimmt US-Diagnostikfirma Geneweave

Neues Lehrberufspaket startet Vizekanzler und Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner hat kürzlich das Lehrberufspaket 2015 in Kraft gesetzt. Die Anpassung an neue Technologien und Trends am Arbeitsmarkt soll die Lehre fit für die Zukunft machen. Das Lehrberufspaket 2015 ist das größte seit den 1980erJahren und enthält insgesamt 18 neue bzw. modernisierte Ausbildungsordnungen. Unter den vier neuen Lehrberufen befindet sich auch der Medizinproduktekaufmann, der die hohe Beratungs- und Servicequalität, die aufgrund der Vielfalt an Medizinprodukten und den damit verbundenen Herausforderungen erforderlich ist, sichern soll. Dieser Lehrberuf tritt mit Anfang 2016 in Kraft, damit die Betriebe der Branche ausreichend Vorlaufzeit haben, eine Ausbildungsberechtigung zu erhalten.

Versorgung von Inkontinenz-assoziierter Dermatitis Patienten mit Harn- oder Stuhlinkontinenz sind häufig von Inkontinenz-assoziierter Dermatitis (IAD) betroffen und tragen in weiterer Folge ein höheres Risiko zur Entwicklung eines Dekubi-

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Firmenjubiläum bei Sysmex Sysmex Europe GmbH, Anbieter von Analysegeräten und Serviceleistungen in der Hämatologie, feiert heuer sein 35-jähriges Bestehen. Zu den Feierlichkeiten kamen Politiker und Amtsträger aus Japan, Hamburg und Schleswig-Holstein, um die Dienste des Unternehmens in der Gesundheitsversorgung in Europa, im Nahen Osten und in Afrika zu würdigen. Gleichzeitig wurde die neueste Erweiterung der Produktionsstätten von Sysmex in Europa ihrer Bestimmung übergeben. Das Werk in Neumünster steht beispielhaft für das kontinuierliche Engagement im Bereich Hightech-Technologie, Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit. www.sysmex-europe.com

tus. Das Multi-Technologieunternehmen 3M lud kürzlich, in Kooperation mit der APUPA, der Österreichischen Gesellschaft für Dekubitusprävention, und der MKÖ, der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich, zu einer Fortbildungsveranstaltung zu diesem sensiblen Thema und präsentierte gleichzeitig mit 3M Cavilon Reinigungstüchern sein jüngstes Produkt für den Umgang mit Patienten. 3M bietet zwei verschiedene Cavilon Reinigungstücher an: Für die tägliche Ganzkörperreinigung im Krankenbett empfiehlt es sich, pro Tag und Patient eine Packung 3M™ Cavilon™ Wasch- & Reinigungstücher einzusetzen. Diese Waschtücher bieten die Vorteile einer kombinierten Reinigung und Hautpflege in einem hautschonenden und feuchtigkeitsspendenden Reinigungstuch. Für jede der acht Körperzonen wird ein weiches Tuch verwendet. Die biologisch abbaubaren Tücher können anschließend im normalen Restmüll entsorgt werden, wie die

Inkontinenzartikel selbst. Die 3M™ Cavilon™ Wasch- & Reinigungstücher (2-in-1) sind die ideale Lösung bei der täglichen, hygienischen Patientenreinigung. Um die Haut nach jeder Inkontinenzepisode zu reinigen, bietet sich die Verwendung von 3M™ Cavilon™ Reinigungstüchern für die Inkontinenzpflege an. Diese Tücher ermöglichen die Reinigung, Pflege und den Schutz der Haut in einem Schritt und damit die einfache Umsetzung eines erfolgreichen Präventionsprogramms für die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis. Die 3M™ Cavilon™ Reinigungstücher für die Inkontinenzpflege (3-in-1) kombinieren effektive und sanfte Reinigung mit langanhaltendem Hautschutz. Cavilon Reinigungstücher sind pH-hautneutral, frei von Duftstoffen und Parabenen, hypoallergen, biologisch abbaubar und in der Mikrowelle erwärmbar.  www.3M-medizin.at

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Medizinproduktekaufmann

Der Basler Pharmakonzern Roche übernimmt die kalifornische Diagnostikfirma Geneweave für bis zu 425 Millionen Dollar. 190 Millionen werden sofort fällig, bis zu 235 weitere Millionen nach Erreichen von produktbezogenen Meilensteinen, wie Roche kürzlich mitteilte. Die Transaktion dient Roche zur Stärkung des Diagnostik-Zweigs. Ist sie erfolgt, wird Geneweave in die RocheSparte Molecular Diagnostics integriert. Das in Los Gatos ansässige Unternehmen Geneweave ist in der Entwicklung innovativer mikrobiologischer Diagnosemethoden tätig. Durch die Übernahme erhält Roche Zugang zur Smarticles-Technologie, die dem Nachweis multiresistenter Keime und zur Bestimmung der Antibiotika-Empfindlichkeit direkt aus klinischen Proben dienen. Damit entfallen die bisher nötigen Verfahren wie Anreicherung, Kulturansetzung oder Probenvorbereitung. Das erste von Geneweave entwickelte System ist nach Roche-Angaben derzeit in zahlreichen Labors in den USA in Erprobung. www.roche.at


SALESIANER MIETTEX:­ Wachstum in ­Deutschland

Brandschutz trifft Licht FURAL, führender Hersteller für Metall-, Brandschutz und Akustikdecken, und Phillips, Marktführer bei LED-Beleuchtungssystemen, haben zusammen ein Produkt entwickelt, das Brandschutz, Akustik, nachhaltige sowie wirtschaftliche LED-Beleuchtung und modernes Design kombiniert. FP-Secure ist die erste Brandschutzdeckenlösung mit direkt inte­ griertem LED-Lichtsystem, das die Vorzüge der FURAL Metalldecken mit den Vorteilen der Phillips LED-Technologie verbindet: maximaler Brandschutz, zuverlässiger Schallschutz, optimale Raumakustik, höchste Hygiene,

nachhaltige, angenehme LED-Beleuchtung, einfache Montage und Wartung, höchste Einsparwerte in Bezug auf Ökonomie und Ökologie und modernes, dynamisches Design. Neben den funktionellen und optischen Features stehen bei FPSecure die Vorteile der Beleuchtung im Fokus: langlebig, umweltbewusst, extrem sparsam und individuell steuerbar – das zeichnet das LED-System von Philips aus. Die Montage ist einfach und exakt planbar. Das intelligente Abklappsystem erleichtert Wartungsarbeiten enorm, Unbefugte können das Deckensystem dagegen nicht unbemerkt aufbrechen. Aufgrund seines modularen Systems kann FP-Secure in Fluren und Gängen jeder Länge und Breite eingesetzt werden. Die Brandschutzdecken sind als herkömmliches Einlegesystem oder als modernes Abklappsystem erhältlich und sind bis ins kleinste Detail auf die jeweilige Trägerkonstruktion abgestimmt. Die Brandschutzdecke ist europäisch geprüft und erreicht nach DIN EN 13501 die Klasse EI 30 bzw. EI 90. www.fural.at

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CSC Pharmaceuticals wird Angelini Pharma Österreich Angelini ist ein weltweit tätiges Privatunternehmen in der Gesundheitsversorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Produkten. Das Portfolio gliedert sich in fünf Bereiche: Psychiatrie/ Neurologie, Erkältung, Schmerz/Infektiologie/Wundheilung, Gynäkologie und Onkologie. Unter der Leitung von Francesco Angelini beschäftigt die Gruppe heute rund 4.000 Mitarbeiter in 20 verschiedenen Ländern weltweit. Die österreichische Niederlassung ist bereits seit 2007 Teil der Gruppe und wird ab sofort unter der gemeinsamen Dachmarke Angelini auftreten. www.angelini.at

Das österreichische Wäscherei- und Miettextilunternehmen SALESIANER MIETTEX übernimmt die Reinigung der Flachwäsche sowie der Dienst- und Schutzkleidung für das Klinikum Augsburg, das mit über 1.700 Betten eines der größten Krankenhäuser Deutschlands ist. SALESIANER MIETTEX konnte den Auftrag im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung gewinnen. Ausschlaggebend waren neben dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem die langjährige Erfahrung im ­Textilmanagement des Gesundheitsbe­ reiches, exzellente Qualitätsstandards, höchste Versorgungssicherheit und Referenzen im In- und Ausland. Bereits 2013 und 2014 konnten Alten- und Pflegeheime in Südbayern als Kunden gewonnen werden. „Im Medizinbereich gibt es auf dem deutschen Markt für uns ausgezeichnete Wachstumschancen. Wir verfügen in Westösterreich über hochmoderne Betriebe und können damit den süddeutschen Markt bestens betreuen“, sagt Dr. Andreas Philipp, Geschäftsführer von SALESIANER MIETTEX und zuständig für die Märkte Österreich, Deutschland und Italien. www.salesianer.at

Auszeichnung für ­Coloplast Coloplast hat zum wiederholten Male und so auch heuer den PatientView Platz 1 – vor Roche LifeScience und Medtronic – gewonnen. Bereits in den Jahren 2012, ­ 2013 und 2014 wurde das Unternehmen zum weltweit besten medizinischen Hersteller von über hundert Patientengruppen gewählt.“PatientenView“ ist eine unabhängige britische Forschergruppe, die globale Medizinprodukte-Unternehmen auf Basis von einer Befragung von 463 Patientenorganisationen in 58 Ländern bewertet. www.coloplast.at

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Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer von Publicare­GmbH Einblick in die ­Entwicklung

Produkte & Anbieter

Firmenporträt: Publicare

Patientenservice neu definiert u Publicare bildet die Schnittstelle zwischen Betroffenen, Fachpersonen, Institutionen und Krankenkassen. u Als kompetenter und zuverlässiger Partner mit langjähriger Erfahrung wird individuelle Betreuung in der Kontinenz-, Stoma- und Wundversorgung großgeschrieben.

ie Publicare AG wurde im Jahr 1993 vom Ehepaar Silvia und Walter Signer in Bellikon in der Schweiz gegründet. Im Mittelpunkt stand die Direktbelieferung von Patienten mit Produkten der Stomaversorgung. Die Geschäftsidee bestand darin, betroffene Patienten mit medizinischen Hilfs- und Heilmitteln direkt zu beliefern. Nach Verschreibung durch den Arzt sollten mühevolle Wege und Wartezeiten entfallen und die Lieferung erfolgte per Post. Ziel war es, damit die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Aufgrund des großen Erfolges wurde das Unternehmen im Lauf der Jahre um zwei weitere Geschäftsfelder, die Inkontinenz- und Wundversorgung, erweitert. Nach wie vor ist Publicare heute in drei Bereichen – der Stomaversorgung, der Inkontinenzversorgung und der Wundversorgung – tätig. Patienten werden direkt beliefert, die Abrechnung erfolgt mit den Krankenkassen. Aufgrund der Erfolge in der Schweiz entschloss sich Walter Signer, Tochterunternehmen in Deutschland (2001) und in Österreich (2002) zu gründen. Mit insgesamt über 600 Mitarbeitern, davon 30 in Österreich, ist Publicare damit das zweitgrößte Homecare-Unternehmen dieser Art in Europa. „Wir betreuen Menschen, die unter unwillkürlichem Harn- oder Stuhlverlust leiden, bieten effiziente Versorgung bei Colostomie, Ileostomie, Urostomie und Fisteln und haben sämtliche modernen Wundprodukte im Sortiment“, gibt Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer von Publicare GmbH, Einblick in die Entwicklung.

Wunderversorgung stark wachsend Mittlerweile hat in Österreich die Wunderversorgung die Stomaprodukte an Marktanteil längst eingeholt: „Die Zahl der betroffenen Patienten wird aufgrund der demografischen Entwicklung immer größer“, so Baumgartner. „Tendenz steigend“ verzeichnet er auch bei jenen Produkten, die außertariflich angeboten werden, wie zum Beispiel Pflegecremen. „Wir sind in

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vielen Nischen tätig und versuchen hier in sehr engen Kontakt mit Patienten und Gesundheitspersonal auf ihre jeweiligen Bedürfnisse einzugehen“, erklärt der Geschäftsführer und bestätigt: „Der seit der Gründung eingeschlagene Weg, die Produkte portofrei ins Haus zu liefern, hat sich bis heute bewährt.“ Dazu verfügt Publicare über ein überaus großes Lager, sodass rund 95 % der verordneten Produkte sofort bearbeitet und geliefert werden können. Diskretion ist oberstes Gebot, wenn Produkte der Kontinenz-, Stoma- und Wundversorgung ausgeliefert werden. Als Dienstleister bietet Publicare auch den passgenauen Zuschnitt von Beuteln für Stomapatienten und kostenlose Entsorgungsbeutel an.

Hoher Stellenwert der Fortbildung Die großen Herausforderungen der kommenden Jahre sieht Geschäftsführer Baumgartner in der konstanten Verbesserung des Versorgungslevels, denn: „Es kommen immer mehr neue Produkte auf den Markt und nur durch die enge Zusammenarbeit mit den Kassen können wir die Qualität der Versorgung für die Betroffenen hoch halten. Wichtig ist es aber auch, Innovationen zuzulassen, denn nur so ist auch die Qualität auf Produktebene gewährleistet.“ Ein großes Anliegen ist Baumgartner auch die fachliche Schulung im Bereich Hilfs- und Heilmittel. „Produkte sind immer nur so gut, wie die Anwender, die richtig damit umgehen können“, weiß der Experte. Daher wird intensiv in die Fortbildung von Arzt und Pflege investiert, um auch hier Versorgung auf hohem Niveau zu gewährleisten. n

Publicare GmbH Neuhauserweg 16, 4061 Pasching Tel. +43-7229-70 560 15, www.publicare.at

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Wolfgang Süßle, Vorsitzender der Geschäftsführung

Erfolgsfaktor: Dialog Lohmann & Rauscher ist mit innovativen Lösungen in Medizin, Pflege und Hygiene auf Erfolgskurs. Die hohe Kundenzufriedenheit und positive Umsatzentwicklung unterstreichen die aktuelle Wachstumsstrategie.

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ie Lohmann & Rauscher International GmbH & Co. KG (L&R) ist ein international führendes Unternehmen für Medizin- und Hygieneprodukte. Mit weltweit mehr als 4.000 Mitarbeitern, 39 Konzerngesellschaften und Beteiligungen in 21 Ländern erzielte der Konzern 2014 einen Jahresumsatz von mehr als 520 Millionen Euro. Als Lösungsanbieter für komplexe Anforderungen in der Pflege und Versorgung von Patienten entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen Produkte für die Wundversorgung, Binden und Verbände, Bandagen und Orthesen, Set-Systeme für Klinik und Praxis sowie Produkte für die Unterdruck-Wundtherapie. Ein Erfolgsfaktor von L&R ist unter anderem der regelmäßige Dialog mit Ärzten, Pflegepersonal sowie Vertretern von medizinischen Einrichtungen in zentralen Märkten. Eine repräsentative Kundenbefragung im Frühjahr 2015 in acht europäischen Ländern bescheinigt dem Unternehmen und seinen Lösungen erstklassige Qualität und Kompetenz, eine hohe Zuverlässigkeit und exzellenten Service.

© contrastwerkstatt / Fotolia.de Entgeltliche Einschaltung

Ambitionierte Wachstumsziele L&R entstand 1998 als Zusammenschluss der beiden deutschen und österreichischen Familienunternehmen Lohmann und Rauscher. Die Headquarter des Unternehmens sind heute in Rengsdorf und Wien. Seit der Fusion der beiden Unternehmen konnte L&R den Umsatz um annähernd 80 Prozent steigern. Diesen ambitionierten Wachstumskurs will das Unternehmen auch in den kommenden Jahren nicht nur erfolgreich weiterverfolgen, sondern da­ rüber hinaus noch weiter steigern. „Wir möchten sowohl durch organisches Wachstum als auch durch weitere Akquisitionen wachsen und setzen unsere Expansion in strategisch wichtige internationale Märkte in den nächsten Jahren fort. In 2014 haben wir bereits wichtige Akzente gesetzt: Die Akquisition des amerikanischen Unternehmens Solaris, eines Spezialisten in der Lymphologie, die Gründung von L&R China mit Büros in Shanghai und Peking sowie der Aufbau von Repräsentanzen in Mazedonien/Montenegro, Serbien und Dubai“, so Wolfgang Süßle, Vorsitzender der Geschäftsführung. Für die nächsten Jahre ist die weitere Expansion in strategische Märkte wie Südamerika und Asien geplant. Aktuell wird ein Großteil des Umsatzes in Europa realisiert; bis 2020 soll der Umsatzanteil aus internationalen Aktivitäten außerhalb Europas auf über 50 Prozent steigen.

Innovative Lösungen für die Wundversorgung im Fokus Zu den Schwerpunkten von L&R im Bereich Wundversorgung gehören zum Beispiel Debrisoft, ein innovatives Faserpad für eine schmerzarme Wundreinigung, und die Marke Suprasorb CNP, ein System aus innovativen Produkten für die UnterdruckWundtherapie. „Unser Ziel ist es, durch weitere Innovationen und Produkteinführungen in diesen Bereichen unsere Marktposition weiter zu stärken. Die Herausforderungen in internationalen Märkten und die hohe Zufriedenheit der Kunden mit unseren Produktlösungen in Medizin, Pflege und Hygiene bestätigen unseren Kurs“, so Georg Stadler, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. In internationalen Märkten engagiert sich der Medizinproduktehersteller auf den wichtigsten Branchenveranstaltungen. Allein im Jahr 2015 werden es über 200 Veranstaltungen und Kongresse weltweit sein, bei denen L&R mit Symposien, Studien und Dialogformaten vertreten sein wird. Der Kongress der European Wound Management Association in London (Mai 2015), die Arab Health in Dubai (Januar 2015) und die wichtigste Gesundheitsmesse in Chile (Juli 2015) standen unter anderen bereits auf der Agenda des Unternehmens. n

Lohmann & Rauscher GmbH
 Johann-Schorsch-Gasse 4, 1140 Wien
 www.Lohmann-Rauscher.com

04/15 Das Medizinprodukt 45


Kongresskalender t September 2015

24.-26.09.2015 46. Jahrestagung der ­Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin – ÖGIM Salzburg, www.oegim.at

t Oktober 2015

01.-03.10.2015 Österreichisch-Bayrischer Röntgenkongress Salzburg, www.oerg-kongress.at

02.-03.10.2015 51. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie – ÖGNC, Salzburg, www.neurochirurgie.ac.at

22.-23.10.2015 E-Health Forum 2015 7. Strategie-Forum zur ­Digitalisierung im ­Gesundheitswesen, Wien, www.businesscircle.at

23.-24.10.2015

t November 2015

26.11.2015

12.-14.11.2015

46. Kongress für Allgemeinmedizin Graz, www.stafam.at

AIC 2015, Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin Wien, www.oegari.at

26.-28.11.2015

16. Jahrestagung der Österreichischen Adipositas Gesellschaft Wien, www.adipositas-austria.org Bodenseesymposium 2015 – Neue Trends in der Allergologie Bregenz, www.bodenseesymposium.at ÖGRO 2015 32. Jahrestagung der 43. Jahrestagung der Österreichi­Österreichischen Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und schen Diabetes Gesellschaft – ÖDG, Salzburg, www.oedg.org Medizinische Radiophysik Wien, www.oegro.com

13.-14.11.2015

30.-31.10.2015

19.-21.11.2015

Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation – ÖGR Wien, www.rheumatologie.at

t Dezember 2015

01.-02.12.2015 16. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Notfallund Katastrophenmedizin – ÖNK Wien, www.notarztkongress.at

Seminartermine Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

Medizinisches Basiswissen II

28.+29. September 2015, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Der schwierige Kunde kauft

24.+25. September 2015, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

SEPTEMBER

OKTOBER Medizinisches Basiswissen / Refresher

30. September+1. Oktober 2015, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz Update Änderungen aufgrund Novelle 2009 für Absolventen MPG bis einschließlich Sommer 2009

12. Oktober 2015 09:00 – 13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

15. Oktober 2015, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

NOVEMBER Workshop Vergaberecht in der Praxis

5. November 2015, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz einschließlich Novelle 2009

24. November 2015, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Info & Anmeldung: www.austromed.org Impressum: Herausgeber: Austromed, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, ­Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Karin Duderstadt, k.duderstadt@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-29. Projektmanagement: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43/1/407 31 11 DW 706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­ publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, Mag. Volkmar Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: ­creativedirector. cc­lachmair gmbh. Druck: ­Druckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter ­­www.medmedia.at zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit ­verzichten wir auf ­geschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Druckauflage: 21.948 im 2. Halbjahr 2014 geprüft von der Österreichischen Auflagenkontrolle. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia. at/home/impressum.

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Das Schlusswort

Ungleichheit schafft (Un-) Recht „U

ngleichheit macht krank – Krankheit macht ungleich“ – unter diesem Motto standen heuer die Gesundheitsgespräche in Alpbach, die kürzlich zu Ende gegangen sind. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage, wie die Gesundheitspolitik Chancengerechtigkeit schaffen könnte. Die Antworten, die von den mehr als 400 Experten und Entscheidungsträgern erarbeitet wurden, sind Vision und Arbeitsauftrag zugleich: patientenorientierte Lösungen unterstützen und Versorgungsdefizite abdecken. Was mit bisherigen Mitteln nicht gelungen ist, soll durch innovative Ideen und Produkte nun in die Tat umgesetzt werden. Das setzt voraus, dass derartige Innovationen im existierenden politischen Rahmen auch zugelassen werden. Wir haben beispielsweise mit „Wund?Gesund!“ eine derartige Initiative gestartet und freuen uns, wenn noch mehr professionelle Partner daran teilnehmen möchten. Auch die Arbeits- und Branchengruppen der AUSTROMED setzen sich mit genau den Fragen auseinander, die in Alpbach gestellt wurden, und versuchen, zukunftsfähige, aber auch praxisorientierte Antworten zu geben. Im Mittelpunkt steht immer die Betrachtung der Medizinprodukteindustrie als Nutzenstifter und nicht als Kostenfaktor. Unser Arbeitsauftrag ist es nicht erst seit den Gesundheitsgesprächen, für den Abbau von Ungleichheit zu sorgen. Denn sie lässt sich nicht nur an der Versorgung von Kranken, an den Arbeitsbedingungen für Gesundheitsdienstleister oder am Zugang zu Gesundheit festmachen, sondern auch ganz offensichtlich an aktuellen gesetzlichen Regelungen, die den Rahmen für unser Gesundheitswesen abstecken. Ein aktuelles Beispiel ist die Wiederaufbereitung von Einmalprodukten, die im September in der neuen Medizinprodukte-Verordnung diskutiert werden soll. Damit könnte ein vom Hersteller zur Einmalverwendung konzipiertes Medizinprodukt, schon bald beim nächsten Patienten landen – wiederaufbereitet, versteht sich. Der Spargedanke mag ja recht und edel sein, doch stellt das ein kaum einschätzbares Risiko für Patienten dar, vom ethischen Aspekt und den Prozesskosten ganz abgesehen. Die Erlaubnis, derart verunreinigte Medizinprodukte alleine durch Desinfizierung und Sterilisierung wiederaufzubereiten wirft unser Gesundheitssystem um Jahrzehnte zurück!

Zusätzlich empfiehlt der EU-Rat, dass jedes EU-Mitgliedsland selbst seine Regeln bezüglich der Wiederaufbereitung erstellen darf. So würde eine Vielzahl von Varianten eines Originalproduktes geschaffen werden, die unterschiedlich hohe Sicherheitsniveaus aufweisen. Krankenhäuser würden sogar davon ausgenommen sein, den gleichen hohen Sicherheitsanforderungen, wie bei Originalherstellern notwendig, folgen zu müssen. Damit ist der in Alpbach viel diskutierten Ungleichheit Tür und Tor geöffnet, denn das widerspricht einer einheitlichen europäischen Vorgehensweise für einen fairen Wettbewerb der Anbieter und einer Patientenversorgung nach einheitlichen Standards. Wer es sich leisten kann, wird dann vermutlich bald sein eigenes Medizinprodukt zur Untersuchung mitbringen oder gegen einen Aufpreis mit einem Originalprodukt behandelt – ganz abgesehen davon, dass so ein Produkt in einem Land mit niedrigen Auflagen aufbereitet und in einem anderen Land verwendet werden könnte. Das ist ein Umstand, der die ohnehin auf weiten Strecken fehlende Transparenz bei der Patientenversorgung noch intransparenter macht. Derzeit ist das europäische und US-amerikanische System für die Zulassung von Medizinprodukten gleich sicher, Europa aber um 50 bis 70 Prozent schneller. Ein EU-Patient erhält zwei bis drei Jahre früher als in den USA ein innovatives Produkt. Die neue Verordnung sieht für die Zulassung spezieller Produkte noch mehr Bürokratie, Kontrollauflagen und Administrationsaufwand vor. Dass mit dieser Anlassgesetzgebung kriminelle Machenschaften nicht verhindert werden können, liegt auf der Hand, denn die Sicherheit von Medizinprodukten ist kein Zulassungs-, sondern ein Vollzugsproblem. Klein- und Mittelbetriebe sollen durch die geplanten Auflagen in einem untragbaren Ausmaß behindert werden, was die Innovationskraft senkt und die Kosten der Produkte erhöht. Das kann nicht im Sinne der Patienten sein.

Ihr Mag. Friedrich Thomasberger AUSTROMED Präsident

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© Foto Wilke

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Mag. Friedrich Thomasberger AUSTROMED Präsident


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Das Medizinprodukt 04|15  
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