Page 1

MEDIZIN PR DUKT IZINPROD ED

UK

M

BEN

UK

IZINPROD ED

BEN

LE

TB

A R F Ü R DA

S

M

H

TE

AR FÜR

DA

C

TB

UNVERZI

C

H

LE

Lösungen für das Gesundheitswesen S

LE

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

C

TB

IZINPROD ED

UK

BEN

TE

UNVERZI

H

S

M

2/16

DAS

ISSN 2223-1080

SONDER­THEMA MEDIZIN & TECHNIK

Topmodernes Dialysezentrum eröffnet Kooperation mit Industrie schafft neue Möglichkeiten

P.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“, Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien

© pirke - shutterstock.com

Seite 8

26 | Traumakurse Der Goldstandard in der ­Patientenversorgung

www.das-medizinprodukt.at

30 | Elastografie Neue Einblicke in die Plaque-Bildgebung 42 | Diskussion Zukunft der Medizinprodukte


Im OP wird alles immer komplexer.

Fast alles.

Einfach gutes Licht. Dr채ger Polaris 600 6304

Jetzt mehr erfahren auf draeger.com/polaris600

polaris-600-packshot-ad-6304-de.indd 1

21.03.16 11:10


IZINPROD ED

BEN

LE

TB

A R F Ü R DA

S

BEN

M

H

TE

LE

UK

A R F Ü R DA

C

TB

IZINPROD ED

S

M

LE

S

Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

C

H

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

C

TB

UK

BEN

TE

UNVERZI

H

IZINPROD ED

EDITORIAL

Wer billig kauft, kauft teuer D

er Kostendruck bei den Leistungen im Gesundheitswesen ist ein politischer Dauerbrenner, der auch vor Medizin­ produkten nicht haltmacht. Die Versorgung einer zunehmenden Zahl von Kranken in einer immer komplexeren ­Medizinwelt muss billiger werden. Ein wesentlicher und oft unterschätzter Treiber in diesem Zusammenhang sind Ausschreibungen. Erhalten Billigstbieter den Vorzug, kann eine Versorgung der Bevölkerung mit State-of-the-Art-Medizin und innovativen Produkten nicht weiter gewährleistet werden. Die Sichtweise ist mehr als kurzfristig, denn schon jetzt gibt es eine höhere Lebenserwartung, aber gleichzeitig keine höhere Zahl gesunder Lebensjahre. Eine bewusst in Kauf genommene billigere und qualitativ schlechtere Versorgung heißt nichts anderes als „wer billig kauft, kauft teuer“. Eine reine Preisbetrachtung kann zu keiner wertorientierten Gesundheitsversorgung führen. Patienten erhalten damit nicht automatisch innovative Produkte, die den Heilungsverlauf beschleunigen und damit teure Liegezeiten verkürzen, Reha-Aufenthalte vermeiden, Lebensqualität verbessern oder Menschen rascher wieder in den Arbeitsprozess eingliedern können. Nur innovative Produkte stellen sicher, dass Patienten bestmöglich und auch kosteneffizient versorgt werden, und die sind eben nicht immer billiger. Die Bedeutung von Lebenszykluskosten und Produktqualität bei Ausschreibungen steht aktuell auch im Mittelpunkt eines Tools der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und MedTech Europe, einem Zusammenschluss der europäischen Medizintechnikindustrie. Es soll öffentlichen Ausschreibern bei der Umsetzung des Bestbieterprinzips im europäischen Gesundheitswesen unterstützen. Der Fokus liegt dabei klar auf den Bedürfnissen der Patienten und nicht auf jenen der Einkaufsentscheider und anhand zahlreicher Beispiele aus dem Gesundheitswesen wird deutlich, dass ein ganzheitlicher, wertorientierter Ansatz in der Beschaffung langfristig weit mehr Vorteile bringt als kurzfristige Preisdrückereien. Österreich gilt innerhalb der EU längst nur mehr als Innovation Follower, aber wie lange noch? Um Innovationen im Gesund-

heitswesen schaffen zu können, müssen sie auch gefördert werden. Das passiert in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern noch in einem viel zu geringen Ausmaß. Im zweiten Schritt müssen diese Innovationen im Gesundheitswesen dann auch Patienten verfügbar gemacht werden, dazu braucht es bei der öffentlichen Auftragsvergabe das Bestbieterprinzip. Die Brisanz des Themas war auch im Rahmen der Podiums­ diskussion über die Zukunft der Medizinprodukte anlässlich der diesjährigen AUSTROMED-Hauptversammlung deutlich spürbar. Mehr dazu lesen Sie im Gastkommentar der Vorsitzenden des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Mag. Ulrike Rabmer-­ Koller, auf ­Seite 44 und in einer Zusammenfassung der Podiumsdiskussion auf den Seiten 42 bis 43.

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 3

11:10

© horak@AUSTROMED

UK

M

DAS

MEDIZIN PR DUKT


IZINPROD ED

UK

M

BEN

LE

A R F Ü R DA

S

M

BEN

LE

Allgemeines

4 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

TB

Medizin & Wissenschaft

Simulieren vor Optimieren 6 Revolution statt Evolution: Dialysezentrum Graz-West 8 Dokumentation für intelligente „Faule“ 10 ÖVKT: Die Zukunft hat begonnen 12 Baukonzepte mit dem „Gesundheits-Plus“ 14 Architektur kann Mobilität unterstützen 16 Produktradar: OP-Leuchten 18

Impressum  Kongresse  AUSTROMED Seminartermine  AUSTROMED Dabei – Eventrückblick  Schlusswort 

C

Sonderthema ­ Medizin & Technik

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

TB

IZINPROD ED

UK

C

H

H

S

LE

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

C

TB

IZINPROD ED

UK

BEN

TE

UNVERZI

H

S

M

DAS

MEDIZIN PR DUKT

46 48 48 50 51

Künstliche Ernährung: Zwischen sinnhaft und sinnlos  20 Neue Herausforderungen bei Infektionskrankheiten  22 Krankenhaushygiene: Prävention durch Aktion 23 Aktion Saubere Hände: Flächendeckende ­Compliance-Beobachtungen 24 Traumapatienten sicher versorgt  26 Chirurgen zeigen Leadership  28 Brennpunkt: Bildgebung  30

Produkte & Anbieter Produktnews 

46


INHALT

Pflege & Home Care Schulungsintensive Pflege in der Dialyse  „Erbsen auf halb sechs“: Pflege von ­Sehbehinderten  Intensivberatung für Schwerstkranke  Diätologen übernehmen Schlüsselrolle 

33 36 37 38

Politik, Verwaltung & Management Serie: Nadelstichverordnung im Praxistest Medizinprodukte: Branche mit Zukunft oder Zukunft ohne die Branche?  Gastkommentar

40 42 44

ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER Druckauflage: 20.403 im 2. Halbjahr 2015 laut Österreichischer Auflagenkontrolle.

www.das-medizinprodukt.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 5


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Simulieren vor Optimieren u Simulationsmodelle helfen, optimale Layouts zu entwickeln und Planungsfehler zu ­minimieren. u Das gilt für den Bau- und Infrastrukturbereich ebenso wie für die Personalplanung.

eine Simulation durchgeführt. Dabei sollten auch Verbesserungspotenziale im Bestand erkannt und umgesetzt werden. Für diesen Zweck wurden unterschiedliche Layout-Optionen entwickelt und nach quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet. Anschließend wurden erfolgversprechende Optionen weiterentwickelt und schließlich wurde das unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen optimale Layout identifiziert.

In der Simulation wurden verschiedene Layouts für die zentrale ­OP-Spange im LKH Feldkirch unter Einbeziehung von Echtdaten aus der Klinik virtuell analysiert und daraus die optimale Version berechnet.

D

as Werkzeug der Materialfluss-Simulation wird im Industrieumfeld seit mehr als 20 Jahren zur Planung von Fabriken und zur Optimierung von Fertigungsprozessen genutzt. Vor rund zehn Jahren haben auch im deutschsprachigen Raum erste Unternehmen begonnen, diese Methodik für die Abbildung von klinischen Prozessen zu adaptieren. Die Managementberatung UNITY war einer der Pioniere und ist heute führender Anbieter in Europa. Insgesamt wurden inzwischen weit mehr als 50 Simulationsprojekte alleine im Spitalsbereich abgewickelt – und die Nachfrage wächst. Ein aktuelles Projekt wickelt UNITY Austria derzeit mit dem Landeskrankenhaus Feldkirch in Vorarlberg ab. An diesem Schwerpunktkrankenhaus mit 540 Betten und mehr als 15.000 Operationen pro Jahr entsteht bis 2017 ein völlig neues OP-Zentrum, eine zentrale OP-Spange mit zwölf OP-Sälen, 16 Aufwachraum-Plätzen und zehn IMCU-Betten. Um diese optimal zu dimensionieren und zu gestalten, wurde

6 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Anhand von Simulationsmodellen können Abläufe und Prozesse optimiert bzw. Raumbedarf und Infrastruktur entsprechend geplant werden, fasst UNITY-Teamleiter Dipl.-Kfm. Dennis Braun die Vorteile dieser Methode zusammen: „Kern des Simulationsmodells sind die im Projekt erarbeiteten Soll-Prozesse. Klinikindividuell werden zusätzlich das Layout, die Raum-, Personalund Materialressourcen sowie Störungen abgebildet und die Prozesse von allen relevanten Fachbereichen als digitale Behandlungsschritte im Computer modelliert.“ Dafür ist eine enge Abstimmung mit den betroffenen Mitarbeitern erforderlich, um sicherzustellen, dass alle relevanten Aspekte auch tatsächlich berücksichtigt werden. In die Simulation fließen auch Echtdaten und -zeiten ein: individuelle Prozesszeiten, Patientenzahlen und Patientenwege sowie Behandlungs- und OP-Zeiten. „Das Ergebnis ist ein Simulationsmodell“, sagt Braun, „das die realen Daten der einzelnen Klinik berücksichtigt und gleichzeitig die in der Planung festgelegten Rahmenbe­ dingungen abbildet.“ Auf diese Weise sei es möglich, die Verhältnisse der Zukunft zu untersuchen, Engpässe zu beheben und die bisherige Planung „kritisch zu prüfen und zu optimieren – bevor durch Stahl und Beton unumgängliche Fakten geschaffen werden“. Verschiedene Prozessvarianten oder Fallzahlszenarien können so virtuell erprobt werden und müssen nicht im Echtbetrieb ausprobiert werden. Durch die intensive Einbeziehung der Mitarbeiter in den Entwicklungsprozess und die klaren, transparenten Aussagen, die aus dem Simulationsmodell abgeleitet werden, ist das Commitment der Mitarbeiter üblicherweise sehr hoch.

Abbildungen: © UNITY AG, © Can Yesil – Fotolia.com

Reale Datenbasis


Abbildungen: © UNITY AG, © Can Yesil – Fotolia.com

SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Weitere Anwendungsmöglichkeiten Inzwischen hat die Simulationsmethode längst auch andere klinische Anwendungsbereiche gefunden, unter anderem Notaufnahmen, Elektivambulanzen, Funktionsbereiche oder die Sterilgut- und Materialversorgung. „Mittels dieser Technik lässt sich ein Zukunftsmodell der Klinik erstellen“, so Braun, „um die zuvor skizzierten Fragestellungen in unterschiedlichen Szenarien zu bewerten und frühzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Damit leiste sie einen wichtigen Beitrag, um die Planungszeiten von Klinikneubauten oder Erweiterungen zu verkürzen und die bestmögliche Alternative für die Realisierung auszuwählen, ist Braun überzeugt: „In verschiedenen Projekten konnten wir hohe sechsstellige Einsparungen bei Bau- und Investitionskosten realisieren sowie spätere Umplanungen oder Umbauten im Betrieb vermeiden.“

Modellbasierte Personaleinsatzplanung Organisationskonzepte und Personaleinsatzszenarien lassen sich ebenfalls virtuell bewerten. Nicht zuletzt aufgrund des neuen Arbeitszeitgesetzes (AZG) müssen Abläufe neu organisiert, Pro-

zess- sowie Rollendefinitionen analysiert und neu angepasst werden. Durch die Modellierung können Auswirkungen von Tätigkeitsverschiebungen in Richtung eines ausbildungsgerechten Personaleinsatzes realistisch abgebildet werden. „Bei der modellbasierten Personaleinsatzplanung legen wir den Fokus auf die Abbildung der Tätigkeitsverteilung der einzelnen Berufsgruppen“, erläutert Braun. Ziel sei, zu überprüfen und zu bewerten, welche Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen umverteilt werden können oder welche Auswirkungen Prozessoptimierungen haben. „Mit dem Einsatz eines Simulationsmodells wird eine sehr gute Arbeitsgrundlage geschaffen, um Prozessveränderungen und Tätigkeitsverschiebungen sehr offen zu diskutieren und die Auswirkungen auf den Einsatz der Berufsgruppen und die notwendigen Dienstmodelle sehr transparent aufzuzeigen.“ In bereits abgeschlossenen Projekten habe sich gezeigt, so Braun abschließend, dass sich mit solchen Modellen „Einsparpotenziale der klinikbezogenen Personalkosten von weit mehr als zehn Prozent erzielen lassen“, im Ambulanzbetrieb eher noch mehr, im Stationsbetrieb etwas weniger. Derzeit läuft ein aktuelles Projekt an einem österreichischen Universitätsklinikum.  n www.lkhf.at


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Prim. Dr. Hanns Manfred Winkler Chef des Dialysezentrums Graz-West Dr. Pedram Afschar Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Tageschirurgie und Medizinischer Entwicklungsvorstand der ACG Tagesklinik ErrichtungsGmbH

Revolution statt Evolution u Ein völlig neues Konzept wird in Graz-Reininghaus Tagesklinik, Tageschirurgie, Ambulanzen und Facharztpraxen verbinden. u Der erste Meilenstein – ein hochmodernes Dialysezentrum – wurde kürzlich in Betrieb genommen.

W

ährend die Politik noch weiter um die besten Versorgungseinheiten zu leistbaren Konditionen sowie die Lenkung der Patientenströme diskutiert, haben es zwei Mediziner in die Hand genommen, ein fast revolutionäres Konzept umzusetzen: den Gesundheitspark Graz-Reininghaus. Bis 2021 soll dort auf einem rund 28.000 m2 großen Areal ein multidisziplinäres Di­ agnose- und Therapiezentrum entstehen. „Der Mix aus Tagesklinik und -chirurgie sowie Ambulanzen, Arztpraxen und einem Med-Hotel wird den künftigen Bedarf im extramuralen Bereich optimal abdecken und Versorgungssicherheit, Patientenkomfort, aber auch ein Extraplus an hochmodernem Arbeitsumfeld für engagierte Ärzte bieten“, beschreiben die beiden Initiatoren, der Internist Prim. Dr. Hanns Manfred Winkler und Gynäkologe Dr. Pedram Afschar, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Tageschirurgie und Medizinischer Entwicklungsvorstand der ACG Tagesklinik Errichtungs GmbH, das Pionierprojekt. Dass es sich bei dem Projekt nicht nur um die Vision zweier engagierter Ärzte handelt, belegt das Dialysezentrum GrazWest – der erste Schritt des künftigen Gesundheitsparks, das kürzlich bereits seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Kapazitäten sind für rund 60 Patienten pro Tag an 16 Dialyseplät-

zen ausgelegt. Knapp 40 Mitarbeiter stehen von 6.00 Uhr früh bis 2.00 Uhr nachts an sechs Tagen pro Woche zur Verfügung und verbinden hier medizinische Spitzenqualität mit einem Extraplus an Wohlfühlatmosphäre. Dafür sorgt einerseits das Know-how der Initiatoren, aber auch das der am Bau und der Ausstattung beteiligten Unternehmen, wie etwa des Medizinprodukteexperten B. Braun, der die gesamte Ausstattung – von der Hightech-Dialysestation bis hin zum Desinfektionsmittelspender – geliefert hat. „Die Zusammenarbeit mit B. Braun war sowohl in der Planung als auch in der Beratung und Umsetzung extrem hilfreich und es gibt kein vergleichbares Unternehmen, das ein gesamtes Krankenhaus mit Produkten ausstatten kann. Für die Entwicklung einer Krankenanstalt haben wir dort unseren idealen Partner gefunden“, so Winkler.

Wo Medizin und Ökonomie verschmelzen Genau genommen verdanken die beiden Mediziner den Erfolg ihrer Idee nicht zuletzt auch der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie und ihrer eigenen Klinikerfahrung. „Ich bin seit vielen Jahren nicht nur Arzt, sondern Unternehmer und Chef von rund 40 Mitarbeitern. Da lernt man zwangsläufig, auch mit

Vor wenigen Tagen wurden die ersten Patienten im hochmodernen Dialysezentrum Graz-West behandelt.


Firmen außerhalb der Medizin zu arbeiten, zu verhandeln und Ideen zu entwickeln“, gibt Winkler Einblick in die Vorgeschichte und erzählt weiter: „Im Lauf der Zeit reifen die Gedanken, etwas auf die Beine stellen zu wollen, das Patienten, Personal und auch die Kostenträger zufriedenstellt.“ Mit steigendem Kostendruck und knapper werdenden Ressourcen im öffentlichen Versorgungssystem reduzierte sich auch der Widerstand etablierter Player gegen das Projekt. „Wir sind kein Primary Healthcare Center, denn dort wird das Problem zwischen intra- und extramuraler Verteilung auch nicht gelöst werden. Die meisten Patienten werden wieder im Spital landen, somit kann es keine Kostenvorteile geben und erst recht keine Strukturveränderung“, sind die Mediziner überzeugt. Warum die Ideen der Regierung auch für Mediziner kaum attraktiv sind, erklärt Afschar: „Ärzte wollen sinnvolle Arbeitsbedingungen bei geringem Risiko. Eine Tagesklinik kann genau das bieten.“ Eine fixe Anstellung ohne Nachtdienste und maximale Zeit für die Patientenversorgung schafft dieses Umfeld. Im Dialysezentrum Graz-West sind Ärzte auf Basis eines Krankenanstaltenvertrages angestellt, die Behandlungskosten übernimmt die Kasse. Für den Gesundheitspark wird eine Kooperation mit der KAGES angestrebt, der einen Versorgungsauftrag beinhalten wird, sodass auch hier eine Krankenanstalt als Rechtsform vorliegen wird.

Patientenströme lenken, aber richtig! In der Steiermark ist die höchste Dichte an Krankenhausbetten Österreichs. In den nächsten 20 Jahren soll sich die Zahl der Einwohner verdoppeln und bis 2021 würden 500 neue Ärzte gebraucht, um die Versorgung in der jetzigen Form aufrechtzuerhalten. „Wir haben weder den Nachwuchs noch die finanziellen Mittel, um das zu schaffen“, weiß Afschar. Daher werden Spitalskapazitäten reduziert, Mitarbeiter freigesetzt und Patienten sollen in den niedergelassenen Sektor wandern. „Auch das kann nicht funktionieren, weil es das erforderliche extramurale Angebot ja auch nicht gibt“, so der Experte weiter. Im Grazer Gesundheitspark wird die Versorgung durch alle Fachdisziplinen angeboten, die es derzeit auch im Spital gibt, jedoch ohne Bettenkapazität, aber mit allen tagesklinischen und tageschirurgischen Leistungen laut LKF. „Österreich hat derzeit einen Anteil von 5 % bei tageschirurgischen Leistungen, Skandinavien im Vergleich dazu 80 %“, so Afschar. Dieses Potenzial wollen und müssen die Mediziner ausschöpfen, denn nur so wird der Gesundheitspark auch ökonomisch rentabel funktionieren. „Damit bleibt die teure Leistung im Spital und der Rest kann wirklich ausgelagert werden und hier sowohl kostendeckend als auch wirklich versorgungswirksam zur Verfügung stehen“, sind die Mediziner überzeugt. Der Erfolg scheint vorprogrammiert und auch in der Vision der Unternehmer fix verankert: „Wenn Graz läuft, wollen wir das Konzept auch auf andere Bundesländer übertragen.“ n

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 9


DI Martin Krammer, MSc Geschäftsleitung SANTESIS Technisches Gebäudemanagement & Service GmbH www.santesis.at

Dokumentation für ­intelligente „Faule“

© tom mesic 2014

SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

u Wenn technische und betriebswirtschaftliche Prozesse im Gleichklang „schwingen“, werden Schnittstellen von dynamischen Übergängen abgelöst. u Diese Zusammenarbeit kann durch gemeinsame Werkzeuge gefördert und optimiert werden.

L

ange Zeit hat im Krankenhaus jedes Gewerk seine eigenen IT-Tools verwendet, oft ist es nach wie vor so. Ob IT, Technik, Warenlogistik, Finanz- oder Anlagenbuchhaltung – autarke Inseln waren auf ihre zentralen Prozesse fokussiert. Dort, wo Schnittstellen unvermeidlich waren, etwa bei der Führung eines Medizinprodukteverzeichnisses in der Anlagenbuchhaltung, wurde ein gemeinsamer Weg unumgänglich. Fazit: Je mehr Schnittstellen, desto komplexer, ineffizienter und fehleranfälliger entwickeln sich diese Prozesse.

Papierloses Krankenhaus „Heute existieren übergeordnete Systeme, die innovative dynamische Übergänge schaffen können. Der Workflow wird zentral gesteuert und Redundanzen vermieden“, weiß DI Martin Krammer, MSc, SANTESIS Technisches Gebäudemanagement & Service GmbH, aus Erfahrung in unterschiedlichen Krankenhäusern. So können zum Beispiel die Gerätestammdaten vonseiten der Technik so erfasst werden, dass sie mit den Mitarbeiterdaten verknüpft auch die Einweisung dokumentieren können. Unabhängig vom Endgerät – ob Handy, Tablet oder PC – kann on- oder offline zum Beispiel der Medizintechniker Wartungsarbeiten vor Ort übernehmen oder der Arzt eine

10 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Bedienungsanleitung eines Gerätes einsehen. Ohne Medienbruch und praktisch papierlos überzeugen derartige Managementtools, da sie die Kommunikation und den Betrieb wesentlich vereinfachen. Die Abstimmung der Datensätze bedarf natürlich einiger Vorbereitungen, eröffnet aber anschließend Effizienzpotenziale in der laufenden Nutzung. Wirklich neu ist daran nicht die IT-Infrastruktur, sondern der Plattformgedanke: „Führend im Gesundheitswesen ist zum Beispiel HSD ­NOVAFM, eine moderne CAFM-Softwarelösung, die vollständig auf Basis aktuellster Technologien entwickelt wurde. Die Software hat eine einzige durchgängige Anwendung für alle Clients, das heißt, alle Eingaben oder Änderungen müssen nur einmalig durchgeführt werden. Das Produkt bietet zeitgemäße Bedienkonzepte, arbeitet Betriebssystem-unabhängig und hat eine extrem schnelle Performance, die für größte Datenmengen ausgelegt ist“, erklärt Krammer. Mit HSD NOVAFM ist es möglich, sämtliche Prozesse nach dem verbreiteten ITIL-Standard und ISO 20000 zum Incident Management, Problem Management und Change Management abzubilden.

Mitarbeiter einbinden Dass hier rasch auch die Datenschützer auf den Plan treten, liegt auf der Hand, daher rät Krammer: „Bei einer Umstellung auf ein zentrales Datenbankmanagement muss auf jeden Fall der Betriebsrat schon sehr früh mit einbezogen werden.“ Ohne gemeinsame Planung und Einbeziehung der Mitarbeiter geht es nach Ansicht des Experten ohnehin nicht. Dass es funktioniert belegt die Praxis: „Wir haben Krankenhäuser, die bereits durchgängig an einem Customer Management System hängen“, so Krammer. Die Schnittstellen werden aber erst dann günstiger, wenn am Anfang in den Abstimmungsprozess und in die Bedarfserhebung investiert wird. Das erfordert abteilungsund aufgabenübergreifendes Denken und führt letztendlich auch dazu, dass das Verständnis zwischen den Berufsgruppen verbessert wird. Unterstützung für das komplexe Vorhaben kommt häufig vonseiten des Qualitäts- oder Risikomanagements. Am Ende stehen größtmögliche Mobilität, Flexibilität und Schnelligkeit.  n

© l i g h t p o e t – shutterstock.com

Der Workflow wird zentral gesteuert und Redundanzen vermieden.


„Sorglos-Paket“ für ­Krankenhäuser Wärmerückgewinnungs-Systeme von Konvekta AG – damit sich die Investition auch rechnet!

Alles beginnt bei der Planung Je früher der Lieferant des Wärmerückgewinnungs(WRG)Systems in die Planung mit einbezogen wird, desto mehr Energie und Investitionskosten können gespart werden. Durch die Einbindung von Kälteanlagen in den Flüssigkeitskreislauf kann die Kälteanlage kleiner dimensioniert werden und die entstehende Wärme der Kälteanlage lässt sich sogar über den Wärmetauscher in der Abluft über den Lüftungskanal abführen. Rückkühler auf dem Dach und lange Leitungsführungen entfallen gänzlich.

Garantierte Wirtschaftlichkeit Bei Konvekta werden ausgelegte ­Anlagen mittels Syskon auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft. Syskon ist eine Kombination des Gebäude-Simulationsprogramms DOE-2 mit Dimensionierungs-Software verschiedener Anlagekomponenten wie WRG-Austauscher, Pumpen, Verbindungsleitungen, Kältemaschine inklusive Rückkühlung etc. Bei einer im Tagesverlauf variablen Nutzung können der variable Wärmebedarf und der Abwärmeanfall nur mit Hilfe eines dynamischen Gebäude-Simulationsprogramms in genügender Genauigkeit ermittelt werden. Konvekta AG garantiert die Erreichung der berechneten Leistungen und Rückgewinne und geht zur Sicherheit für den Bauherrn und Investor auch eine Pönalenvereinbarung ein, die allfällig nicht erreichten Rückgewinn kompensieren würde.

Betriebsoptimierung – ­damit die gesetzten Ziele auch erreicht werden

Entgeltliche Einschaltung

© l i g h t p o e t – shutterstock.com

SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Da jedes WRG-System unterschiedliche Ansprüche zu erfüllen hat, ist kein System identisch mit einem anderen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, bietet Konvekta eine Betriebsoptimierung an, welche die Regelung gezielt auf die jeweils vorliegenden dynamischen Betriebsbedingungen für Sommer, Winter und die Übergangszeiten sowie Teil- und Volllastbetrieb optimiert. In der Regel liefert Konvekta am Ende der Optimierungsphase einen Bericht, der die Einsparung und die erreichten Ziele ausweist.

Permanente Funktionsüberwachung, denn „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“ Einmal optimierte Anlagen laufen nicht unbedingt über Jahre ohne Probleme. Oft sind es Sensoren, die plötzlich nicht mehr richtig messen, Ventile können undicht werden oder Pumpen die geforderte Leistung nicht mehr bringen. Damit all diese Probleme frühzeitig erkannt werden, bietet Konvekta AG mit der WRGController-Generation Eiger das permanente Überwachungsprogramm „Auto-Reporting Plus“. Früh erkannte Fehler minimieren Unannehmlichkeiten und entgangene Einsparungen. n

Amir Ibrahimagic Tel.: +41-76 563 24 10 info@konvekta.at www.konvekta.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 11


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

ÖVKT: Die Zukunft hat begonnen u Ein neues PR- und Kommunikationskonzept setzte der Vorstand bei seiner diesjährigen Klausur ganz oben auf die To-do-Liste des Österreichischen Verbandes der ­Krankenhaustechniker (ÖVKT), dicht gefolgt von einer Weiterentwicklung des Berufsbildes für Technikmanager im Gesundheitswesen.

E

in Beirat aus jungen Mitgliedern, sogenannten „Digital ­Natives“, soll helfen, WhatsApp, soziale Netzwerke und digitale Medien stärker in die Kommunikationsstrukturen des ÖVKT einzubinden. Der Grundstock für ein zukunftsweisendes Informationstool ist bereits gelegt: Die geplante DACHWissensdatenbank, eine Gemeinschaftsinitiative der Technikervereinigungen in den deutschsprachigen Ländern, wird Neuheiten und gesammeltes Wissen rund um das Technikmanagement im Gesundheitswesen online zur Verfügung stellen. Hier soll künftig eine Expertengruppe auch konkrete Fragen beantworten.

Entwicklungspotenzial erkennen Abgeleitet haben die ÖVKT-Vorstände diese Ziele aus einem Barcamp, bei dem Ideen für die Weiterentwicklung des Verbandes auf Bierdeckeln notiert wurden. Die Führungsriege des Verbandes der österreichischen Krankenhaustechniker identifizierte aus einer Vielzahl kreativer Ideen konkrete Aufgaben, die nun zeitnah umgesetzt werden sollen. Dazu gehört auch, das in den letzten Jahren erarbeitete Berufsbild Technikmanager im Gesundheitswesen stärker publik zu machen. In Anleh-

Österreichischer Verband der ­KrankenhaustechnikerInnen – ÖVKT Techniker erfüllen in Gesundheitseinrichtungen wichtige Aufgaben zur Sicherung der Kernaufgaben. Der ÖVKT ist einerseits das Forum für den breiten Meinungsaustausch der Techniker untereinander und vertritt andererseits ihre Anliegen mit stärkerem Gewicht. Er spricht alle Bereiche der Krankenhaustechnik – Bautechnik, Haus- und Betriebstechnik, Medizintechnik, ­Facility Management sowie Informationstechnologie – an. Die Mitarbeit in Fachnormenausschüssen sowie mit dem Bundesministerium sichert den aktuellen Wissensstand für die Verbandszwecke.

office@oevkt.at, www.oevkt.at

12 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

1 01.09.15 14:5

kel 2015-1.indd

OEVKT Bierdec

2

OEVKT Bierdeckel 2015-1.indd 1

01.09.15 14:51

Die zahlreichen „Bierdeckelvorschläge“ sollen zeitnah umgesetzt werden.

nung an die ECTS-Punkte der Universitäten soll außerdem ein System entwickelt werden, das regelmäßige Fort- und Weiterbildung in der Krankenhaustechnik – ähnlich wie bei medizinischem Personal – vorgibt. Noch heuer wird der ÖVKT seinen Mitgliedern eine Zusammenstellung sämtlicher im Krankenhaus relevanter Normen anbieten. Auf Basis internationaler Zahlen und Fakten sollen Leitlinien für Krankenhaustechnikabteilungen erarbeitet werden, die auch als Argumentationshilfen bei Verhandlungen rund um organisatorische und ökonomische Fragen dienen können.  n

Termine 2016 31. Mai Energie im Krankenhaus 26. bis 29. September Jahrestagung in Pörtschach Wintersemester 2016 Start des 4. Masterstudiums ­Technikmanager im Gesundheitswesen


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Baukonzepte mit dem ­„Gesundheits-Plus“ u Immobilien in Passivbauweise zu errichten, ist im Gesundheitssektor noch nicht weit verbreitet. u Doch gerade hier könnte eine Reihe von Vorteilen ausgespielt werden. u Eine Studie des Hessischen Ministeriums für Umwelt zeigt mögliche Potenziale auf. Passivhausstandard in Planung bzw. in Bau“, gibt Ing. Günter Lang, Leiter Passivhaus Austria (www.passivhaus-austria.org), Einblick.

Spitäler in Passivhausbauweise sind noch nicht weit verbreitet.

B

ei den Stichworten „wenig heizen“, „gut kühlen“ und „hohe Luftqualität“ – den Vorzügen der Passivbauweise – müssten gerade die Herzen der Gesundheitsdienstleister höher schlagen: Hoher Komfort für Patienten und Mitarbeiter mit geringeren Energiekosten scheinen durchaus attraktiv, aber doch noch nicht Anreiz genug. „Tatsächlich ist das Baukonzept in diesem Sektor noch nicht so verbreitet. Derzeit ist das erste Krankenhaus in Passivhausstandard in Frankfurt am Main in Bau, das direkt vom Passivhaus Institut in Darmstadt wissenschaftlich begleitet wird. Auch in Brüssel sind erste Krankenhäuser in

14 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Nach Ansicht des Experten ist das Thema längst überfällig. „Österreich war lange Zeit der Vorreiter im Bereich energieeffizientes Bauen, mittlerweile haben wir es geschafft, in Europa an die vorletzte Stelle zurückzufallen. Bis 2020 sollen laut EUGebäuderichtlinie ‚Fast-Nullenergie-Gebäude‘ auch hierzulande zum Standard werden, dorthin bewegen wir uns aber in der Realität nicht.“ Fakt ist, dass mit 2020 alle neuen Gebäude nahezu energieautark sein müssen. Öffentliche Gebäude von Bund, Land und Gemeinden müssen diese Vorgabe bereits ab 2018 erfüllen. Den Passivhausbau nur über Energieeinsparungen zu argumentieren, ist dennoch zu wenig, denn die sind zwar gut für das Budget, aber nicht der wirkliche Vorteil. Einen echten Mehrwert bieten diese Konzepte im Bereich des Raumklimas und -komforts, denn es gibt in Passivhäusern keinen Schimmel, keine Hausstaubmilben sowie praktisch keine Schadstoffbelastung im Innenraum. Bei geschlossenen Fenstern ist das Raumklima dennoch optimal – und eine hohe Belastungsquelle, nämlich der Lärm, bleibt draußen.

Musterprojekt Klinikum Frankfurt Höchst Im Klinikum Frankfurt Höchst entsteht derzeit ein Neubau, der bei vier Querriegeln eine Bruttogeschoßfläche von rund 78.900 Quadratmetern und eine Nutzfläche von etwa 34.450 Quadratmetern haben wird – und zwar im Passivhaus-Standard. Gleichzeitig wird im Auftrag des Landes Hessen auch die Anwendung von Passivhausbauweise im Krankenhausbau grundsätzlich untersucht. Geplant sind 664 stationäre Betten; dazu kommen 40 tagesklinische Plätze. Vorgesehen sind zehn OP-

© Kletr – shutterstock.com, © Steve Design – shutterstock.com

Bauen für die Gesundheit


© Kletr – shutterstock.com, © Steve Design – shutterstock.com

SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Säle und ein Hybrid-OP, der mit Spezialgeräten wie Angiografieanlagen, Computertomografen oder Magnetresonanztomografen ausgestattet ist und über seine bildgebenden Modalitäten minimalinvasive Eingriffe erlaubt, die für den Patienten weniger traumatisch sind. Im Dezember des Vorjahres wurde die Baugenehmigung erteilt. Mit einer Fertigstellung wird bis Ende 2018 gerechnet, mit der Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2019.

Beispiele für Besonderheiten im Krankenhaus Vor allem hygienisch sensible Bereiche stellen in Gesundheitseinrichtungen einen maßgeblichen Unterschied in der Nutzung – etwa gegenüber dem Wohnbau – dar. In den OP-Bereichen, den Untersuchungs- und Behandlungszimmern sowie der Intensivmedizin gelten besondere Anforderungen an Luftfilter, Druckhaltung und Stoffübertragung in einem Wärmerückgewinnungssystem. In den verbleibenden Bereichen gibt es keine besonderen Anforderungen, sofern die Raumluftanlagen den grundsätzlichen hygienischen Richtlinien – wie auch in Wohnoder öffentlichen Gebäuden – entsprechen.

Auf Basis von Studien des dänischen Energieingenieurs Ole Fanger, der sich mit Gesundheitsaspekten im Innenraumbereich, mit thermischer Behaglichkeit und der Qualität von Raumluft auseinandergesetzt hat, ist der thermische Komfort am höchsten, wenn sich ein Gleichgewicht zwischen der Wärmeproduktion einer Person und ihrer Wärmeabgabe an die Umgebung einstellt, ohne dass der Körper zusätzliche Anpassungsleistungen zur Temperaturregulation erbringen muss. Das Wärmeempfinden wird von der Aktivität der Person, der Bekleidung, der Luftfeuchte und -geschwindigkeit beeinflusst. Im Krankenhaus ist hier insofern eine atypische Situation gegeben, als auf Bettenstationen viele liegende Personen eine geringere Metabolismusrate haben und auch in der Regel leichter gekleidet sind als das Personal und die Besucher. Forschungen gehen davon aus, dass eine höchste Zufriedenheit aller bei einer operativen Temperatur zwischen 22 und 23 Grad erzielt wird. Weitere Details zu Planungsemfehlungen, Heizwärmebedarf, Trinkwasserbereitung, Lüftung, Kühlung, EDV oder sonstiger Technik finden sich in der Studie „Umsetzung des PassivhausKonzepts in Krankenhäusern“, Passivhaus Institut Darmstadt im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, 10/2013. n


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Architektur kann Mobilität ­unterstützen u Ausreichend Raum, geeignete Hilfsmittel und korrekte Arbeitstechniken sind entscheidende Faktoren für die Mobilität von Pflegebedürftigen. u Bei der Planung der Arbeitsumgebungen muss die spätere Nutzung berücksichtigt werden, andernfalls ist unergonomisches Arbeiten vorprogrammiert.

D

ie Planung einer sicheren Pflegeumgebung stellt für Architekten und Planer eine große Herausforderung dar. Es ist nicht nur wichtig, den physischen und psychischen Bedürfnissen von Patienten und Personal gerecht zu werden, sondern auch den finanziellen Rahmen des Trägers einzuhalten. Gleichzeitig ist evident, dass die Frühmobilisation von bettlägerigen Patienten zu kürzeren Liegezeiten und besseren Prognosen führen kann und damit durchaus kostendämpfende Auswirkungen hat. Was liegt also näher, als bereits bei der Planung auf ein „mobilitätsfreundliches“ Klima zu achten? Denn wenn Pflegebedürftige motiviert werden sollen, das Bett zu verlassen, auf die Toilette zu gehen oder zu duschen, ist neben der Anleitung durch den Arzt und der pflegerischen Unterstützung nicht zuletzt auch entsprechend funktioneller Raum erforderlich, der für unterschiedliche Hilfsmittel und den Einsatz von Arbeitstechniken in guter ergonomischer Haltung erforderlich ist. Das führt schließlich auch zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit und weniger krankheitsbedingten Ausfällen.

Sichere Arbeitsumgebung fördern Die moderne Ausrüstung für das Arbeiten mit Pflegebedürftigen und die hygienische Versorgung sind oft für die Verwendung durch nur eine Pflegekraft ausgelegt. Verletzungen treten häufig dann auf, wenn der Platz für den Einsatz ordnungsgemäßer Ausrüstung und Techniken nicht ausreicht. Jeder Hebevorgang, jeder Transfer und jede Mobilisierungsaktivität stellt ein Risiko dynamischer und statischer Überbelastung dar. Es ist äußerst wichtig, das Verletzungsrisiko durch plötzliche oder wiederholte Kraftaufwendungen bei der Arbeit so effektiv wie möglich zu reduzieren. Dynamische Überbelastung tritt auf, wenn eine Pflegekraft einen Pflegebedürftigen ganz oder teilweise anhebt. Allgemein gelten 23 kg als maximal zulässiges Gewicht für das Anheben durch eine Einzelperson als akzeptabel. Befindet sich der Körper über längere Zeiträume in der gleichen ungünstigen Arbeitsposition, so kommt es zu einer statischen Überbelastung.

16 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Normen legen dazu tolerierbare Winkel und Zeit für das Beugen des Oberkörpers vor, jedoch in der praktischen Arbeit werden diese Vorgaben selten berücksichtigt. Um die statische Überbelastung zu minimieren, ist es wichtig, höhenverstellbare Hilfsmittel bereitzustellen.

Auf Stauraum achten Während die Verwendung von Hilfsmitteln in der Pflege zwar erfreulich zugenommen hat, wurde auch erkannt, dass in gewissen Situationen nicht auf vorhandene Produkte zurückgegriffen wird. Das liegt daran, dass Pflegekräfte erst danach suchen müssen oder die Ausrüstung weit entfernt vom Einsatzort verstaut ist. Es ist daher wichtig, in der Planungsphase dafür zu sorgen, dass die Produkte betriebsbereit, zugänglich und einfach zu erreichen sind und sich in der Nähe des Pflegebedürftigen befinden. Da ein Großteil der Ausrüstung akkubetrieben ist, muss besonderes Augenmerk auf die Ladestation und damit auch auf den Standort und die Energieversorgung gelegt werden.

Beispiel: Pflegeumgebung Bett Sowohl für pflegebezogene Tätigkeiten als auch für soziale ­Aktivitäten ist es wichtig, genügend Raum rund um das Bett einzuplanen. Es braucht Platz für einen Nachttisch, allerdings muss ausreichend Platz vorhanden sein, um den Tisch an die Seite zu bewegen und den Pflegekräften ihre Arbeit zu ermöglichen. Es sollte Platz vorhanden sein, damit sich Besucher bequem hinsetzen können, egal ob der Pflegebedürftige im Bett zurückgelehnt ist oder liegt. Es muss außerdem genügend Platz auf beiden Bettseiten vorhanden sein, um Patienten, die an einen Rollstuhl gebunden sind, zu bewegen und persönliche Gegenstände unterzubringen. Für verschiedene Mobilitätsstufen ist der Platzbedarf unterschiedlich. n Quelle: Funktionelles Design für Mobilisierung und Ergonomie, ArjoHuntleigh Ratgeber, Für Architekten und Planer, Malmö, Jänner 2015


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Für eine sichere ­Pflegeumgebung Das Produktportfolio von ArjoHuntleigh ist darauf ausgelegt, das Gesundheitspersonal vor ­Verletzungen zu schützen, die Sicherheit für Patienten zu verbessern und langfristig den ­Präventionsgedanken zu fördern.

S

tudien haben gezeigt, dass Pflegekräfte, die Patienten im Bett waschen oder auf nicht höhenverstellbaren Duschstühlen duschen, sehr hohen statischen Belastungen ausgesetzt sind. Dadurch steigt die Gefahr von Rückenverletzungen und Schmerzen. Ein höhenverstellbarer Duschstuhl ist die beste Möglichkeit, um die statische Überlastung zu minimieren und die Gesundheit und Sicherheit des Pflegepersonals zu schonen. Der elektrisch betriebene Duschstuhl Carendo™ ist genau dafür konzipiert: Für jede Hygienemaßnahme, etwa das Haarewaschen, kann sich der Patient in die bequemste Position zurücklehnen und wird durch die hohe Rückenlehne und den Kopfpolster komfortabel gestützt. Auch das Be- und Entkleiden sowie das Wechseln von Inkontinenzeinlagen wird mit Carendo™ erleichtert. Die Stabilität des Fahrgestells und die sanften Bewegungen beim Heben, Senken oder Zurücklehnen geben während der Positionswechsel ein hohes Gefühl an Sicherheit und Komfort. Ergonomisch geformte Griffe, die in verschiedenen Höhen ­angebracht sind, ermöglichen es der Pflegekraft, beim Manövrieren immer den bequemsten Griff zu wählen. Die glatten Oberflächen erleichtern das Desinfizieren zwischen den Anwendungen und machen die Vorbereitungen für den nächsten Patienten schnell und effizient. Die Konstruktionslösungen schaffen zudem eine bessere Zugänglichkeit, sodass Carendo™­ für die Pflegekraft die optimale Unterstützung in der Hygieneversorgung bietet.

Entgeltliche Einschaltung

In Würde pflegen Das Duschen in einem höhenverstellbaren Duschstuhl ist gegenüber dem Waschen im Bett die hygienischere, komfortablere und auch würdevollere Alternative. Der Duschstuhl Carino™­ lässt sich bequem verstellen und sorgt für guten Augenkontakt zwischen Pflegekraft und Patient. Eine ganze Reihe von Routinearbeiten, inklusive Toilettengang, Haarwäsche und Pediküre, können mithilfe des Carino™ ebenfalls effektiv und unter Wahrung der Ergonomie von nur einer Pflegekraft durchgeführt werden. Der Carino™ bietet mit Unterschenkelstützen maximale Sicherheit und Komfort. Die gewölbte Form des Stuhls führt dazu, dass der Pflegebedürftige weiter nach hinten gelehnt

Arbeiten in ergonomischer Höhe beugt Rückenschmerzen und ­Haltungsschäden vor.

wird, wenn der Sitz erhöht wird. Farbige Noppen auf den Armlehnen sorgen für einen sicheren Griff, wenn der Patient auf dem Sitz seine Position verändert und sich nach vorn zieht, um aufzustehen.

Risiken erkennen und vermeiden Dennoch müssen Verhaltensänderungen trainiert werden, daher sind laufende Schulungen von Arbeitspraktiken, die die körperliche Belastung der Pflegekräfte reduzieren, eine wichtige Basis für den nachhaltigen Erfolg. Um sicherzustellen, dass beim Personal, das mit den Produkten arbeitet, die größtmögliche Produktivität erzielt wird, wurde Diligent™ entwickelt. Das Schulungs- und Fortbildungsprogramm zielt auf die Prävention von Verletzungen ab. Es wird von einem klinischen Beratungsteam geleitet und soll für einen dauerhaften Kulturwandel in Pflegeeinrichtungen sorgen.  n

ArjoHuntleigh GmbH Lemböckgasse 49/Stiege A/4.OG, 1230 Wien Tel: +43-1-866 56 56, office-at@ArjoHuntleigh.com www.arjohuntleigh.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 17


SONDERTHEMA MEDIZIN & TECHNIK

Dräger OP-Leuchte Polaris® 600

LED Operationsleuchte

LED Operationsleuchte

OP-Leuchte

marLED® V16

marLED® V10

in OP Räumen

OP

OP

Diese OP-Leuchte ist ›State of the Art‹ und glänzt mit einfach gutem Licht! u Steriler Griff für mehr Unabhängigkeit und Flexibilität: Im oberen Bereich des Handgriffes befindet sich die Touch-Sensitive-Technologie. Sie erlaubt eine intuitive Einstellung des Lichtfelddurchmessers. u Einfache Einstellungen und Bedienung sowie hohe Lichtqualität (vier Stufen von warmweißem zu kaltweißem Licht, 3.800, 4.400, 5.000 und 5.600 Kelvin) u Optionale HD-Kamera mit kabelloser Videobildüber­ tragung u Die Beleuchtung wichtiger Details ist ohne störende Schattenbildung möglich.

Mischung des Lichts direkt in den LED-Engines, durch die sich Farbschattenwürfe wirksam vermeiden lassen; Ausstattung mit VariLUX®, der bislang einzigartigen Anpassung des Lichtfeldes an das Operationsfeld.

Mischung des Lichts direkt in den LEDEngines, durch die sich Farbschattenwürfe wirksam vermeiden lassen; Ausstattung mit VariLUX®, der bislang einzigartigen Anpassung des Lichtfeldes an das Operationsfeld

160.000 Lux

160.000 Lux

140.000 Lux

Leuchtfeldgröße

3-stufig 190/230/280 mm

Ø 25–35 cm

Ø 23–33 cm

Farbtemperatur

4-stufig 3.800 K/4.400 K/5.000 K/5.600 K

3.800 K/4.300 K/4.800 K

3.800 K/4.300 K/4.800 K

Farbwieder­ gabeindex

Ra 95

95

95

Schattigkeit

45–100 %

30–100 % /5% (im Endo-Mode)

30–100 % /5% (im Endo-Mode)

Ausleuchtungs­ tiefe

1.300 mm

129 cm

129 cm

50.000 Stunden

40.000 Stunden

40.000 Stunden

www.draeger.com/at

www.heintel.at www.klsmartin.com

www.heintel.at www.klsmartin.com

Produkt­ bezeichnung/-type Einsatz- bzw. Anwendungs­ bereiche Vorteile auf einen Blick

Beleuchtungs­ stärke

Lebensdauer Leuchtmittel Firma (Webadresse)

18 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16


PRODUKTRADAR OP-Leuchten

F528

F628

iLED 7

CHROMOPHARE F 528

CHROMOPHARE F 628

LED-OP-Leuchte

Operationsräume

Operationsräume

alle chirurgischen Disziplinen

Die patentierte „Hybrid“-Technologie der CHROMOPHARE F-Generation kombiniert bewährte Reflektortechnik mit neuester LED-Technologie. Das Licht wird im Gegensatz zu anderen Leuchtentechnologien im Reflektor innerhalb des Leuchten­ körpers gemischt und erzeugt ein Leuchtfeld mit hervorragenden spektralen Eigenschaften.  Die Reflektor-Technologie ermöglicht eine Multiplikation vollständiger Leuchtfeldüber­ lagerungen und führt zu verbesserter Schlagschattenfreiheit gegenüber konventionellen LED-OP-Leuchten.  u Schlagschattenfreie Sicht u Indirektes, dadurch blendfeies Licht u Extrem geringe Wartungskosten u GuideLite für Endoskopie (2 modi) u ColorSelect (Farbtemperaturwahl) Optionen u EndoLite für Umgebungsbeleuchtung u ChromoVision Full-HD Kamera wire less u MultiColorTouch intuitives Bedienfeld

Die patentierte „Hybrid“-Technologie der CHROMOPHARE F-Generation kombiniert bewährte Reflektortechnik mit neuester LED-Technologie. Das Licht wird im Gegensatz zu anderen Leuchtentechnologien im Reflektor innerhalb des Leuchten­ körpers gemischt und erzeugt ein Leuchtfeld mit hervorragenden spektralen Eigenschaften.  Die Reflektor-Technologie ermöglicht eine Multiplikation vollständiger Leuchtfeldüber­ lagerungen (bei F 628 bis zu 650) und führt zu verbesserter Schlagschattenfreiheit gegenüber konventionellen LED-OPLeuchten. u Schlagschattenfreie Sicht u Indirektes, dadurch blendfeies Licht u Extrem geringe Wartungskosten u GuideLite für Endoskopie (2 modi) u ColorSelect (Farbtemperaturwahl) Optionen u EndoLite für Umgebungsbeleuchtung u ChromoVision Full-HD Kamera wire less u MultiColorTouch intuitives Bedienfeld

u Aktives Licht- und Schatten­ management u Intuitive Bedienung u Modulares Konzept für Handgriffe und Kamera u Strömungsoptimiertes Design

125.000 Lux

160.000 Lux

160.000 Lux

190-300 mm (stufenlos)

160-290 mm (stufenlos)

16–25 cm

3.600 K/4.000 K/4.500 K/5.000 K

3.600 K/4.000 K/4.500 K/5.000 K

3.500 K/4.000 K/4.500 K/5.000 K

96

96

max. 97 Ra

35-100 %

43-100 %

92%

900-1500 mm

800-1200 mm

193 cm mit ALC Plus

40.000 Stunden

40.000 Stunden

ca. 60.000 Stunden

www.limbeck.com

www.limbeck.com

www.trumpfmedical.com

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 19


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Künstliche Ernährung: Zwischen sinnhaft und sinnlos

Das Behandlungsziel ist nicht nur, Hunger und Durst zu stillen.

D

as Thema „künstliche Ernährung“ nimmt bei den klinischethischen Fallberatungen einen sehr hohen Stellenwert ein und hier zeigt sich, dass die Problemkreise Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit sehr oft zu Zweifeln an der weiteren Vorgehensweise führen können, da sich dieses Spannungsfeld im Bereich ganz unterschiedlicher Auffassungen der Mitglieder verschiedener Gesundheitsberufe befindet.

Grundbedürfnis: Ernährung Enterale Ernährung gehört zur Basisbetreuung, die jedem Patienten zur Stillung der Grundbedürfnisse zusteht. Weiters beinhaltet

20 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

diese auch Zuwendung, psychologischen Beistand und die Grundpflege. Da die Ernährung ein menschliches Grundbedürfnis ist, ist sie auch ein wichtiges Element der Zuwendung. Bei der Sondenernährung entfällt häufig die Zuwendung durch „Essen geben“. Die PEG-Sonde ist im Gegensatz zur natürlichen Nahrungsaufnahme keine Basisbetreuung, sondern eine medizinische Behandlung und daher ein Eingriff wie jeder andere operative Eingriff auch und hiermit legitimationsbedürftig. Wenn eine PEG-Sondenernährung abgebrochen wird, ist das gleichzusetzen mit dem Abbruch einer potenziell lebensverlängernden Maßnahme, aber ebenso bedarf die Fortführung der Sondenernährung einer ethischen Rechtfertigung. Vor dem Legen einer PEG-Sonde müssen zwei grundsätzliche Punkte geklärt werden: „Bringt die PEG-Sonde mit der künstlichen Ernährung einen Nutzen für den Patienten?“ und „Ist eine Einwilligung des Patienten vorhanden?“. Beim Nutzen muss geklärt werden, ob für den Patienten ein erstrebenswertes Behandlungsziel erreichbar ist, da es die ethische Verpflichtung des Arztes ist, den Patientennutzen und nicht die Wirkung auf den Körper zu beurteilen. Durch eine PEG-Sondenernährung kann der Patient hydriert und ernährt werden und ebenso kann sich sein Ernährungszustand verbessern. Die Behandlungsziele sollten jedoch nicht nur sein, Hunger und Durst zu stillen, sondern vor allem, Leiden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Leben zu verlängern. Bevor mit einer Sondenernährung begonnen wird, muss immer deren Nutzen überprüft werden. Bei Zweifeln sollte eine Fallkonferenz (klinische Ethikberatung) zur Nutzen- und Schadenabschätzung durchgeführt werden. Wenn zum Beispiel durch die Ernährung keine physiologische Wirksamkeit zu erwarten ist, wie etwa bei einem tumorbedingten Anorexie/Kachexie-Syndrom, oder das Therapieziel sonst nicht erreichbar ist, wie zum Beispiel eine Lebensverlängerung bei Demenz, dann kann man von einer Nutzlosigkeit der PEG-Sonde sprechen. Ebenso besteht eine Nutzlosigkeit im weiteren Sinne, wenn keine erstrebenswer-

© sfam_photo – shutterstock.com

u Probleme und Grenzfragen bei der Anwendung der künstlichen Ernährung sind in allen medizinischen Gebieten anzutreffen. u Die Festlegung von Therapiezielen sowie der Indikationsstellung im Einzelfall und die Bedeutung des Patientenwillens sind zu beachten.


© sfam_photo – shutterstock.com

Prim. Univ.-Doz. Dr. Günther Weber Abteilung für Anästhesiologie und ­Intensivmedizin Barmherzige Brüder Graz www.barmherzige-brueder.at

ten Ziele erreichbar sind, zum Beispiel bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung im Endstadium oder wenn eine inakzeptable Lebensqualität bei fortgeschrittener Alzheimerdemenz besteht. In einer Studie von Sanders (Sanders et al. 2000) hat sich gezeigt, dass die Sterberate von Demenzpatienten mit PEG-Sonde nach einem Monat 54 % beträgt, nach drei Monaten 78 %, nach sechs Monaten 81 % und nach einem Jahr 90 %.

Indikationen für PEG-­ Sondenernährung Die Indikationen für eine PEG-Sondenernährung können reversible Schluckstörungen oder unkomplizierte Schluckstörungen bei noch gut erhaltener Lebensqualität sein sowie dadurch bedingt die Verhinderung einer Aspirationspneumonie. Hier ergibt sich ein höherer N ­ utzen als Schaden. Sanders konnte auch zeigen, dass die PEG-Sonde bei weit fortgeschrittener Demenz prognostisch eher ungünstig zu bewerten ist. Gute Indikationen sind isolierte Schluckstörungen, wenn keine Begleiterkrankungen vorhanden sind, das Interesse an Essen und Trinken besteht, eine erhaltene Lebensqualität mit Kontaktaufnahme möglich ist und Zeichen von Lebensfreude vorhanden sind. Das heißt, eine PEG-Sonde darf nie als Routinemaßnahme gesehen werden, ein klares Behandlungsziel muss definiert und das Erreichen der Ziele muss regelmäßig überprüft werden. Auf die Frage, ob Patienten leiden, wenn die künstliche Ernährung über eine PEGSonde abgebrochen wird, kann eindeutig festgehalten werden, dass die Patienten im Endstadium einer Erkrankung häufig weder an Durst noch an Hunger leiden. Durch die Dehydration kommt es zur Ausschüttung körpereigener Endorphine und zu einer Ketose, die einen euphorisierenden Effekt zur Folge hat und zu einer Leidenslinderung führt. Da der Körper im Endstadium einer Erkrankung Flüssigkeit

und Nahrung nicht mehr verarbeiten kann, kommt es bei der Weiterführung der künstlichen Ernährung zu Unverträglichkeiten, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Das Gefühl der Mundtrockenheit kann durch eine effiziente Mundpflege gelindert werden. Eine Studie von Pasman hat gezeigt, dass es keinen Hinweis auf Leiden von Demenzpatienten beim Abbruch einer künstlichen Ernährung gibt (Pasman et al., 2005). Daher kann ein Ernährungsabbruch ein würdevolles Sterben ermöglichen. Altersbedingte Veränderungen fordern in Hinblick auf die Ernährung vielschichtige medizinische Möglichkeiten und daher auch vielschichtige ethische Entscheidungen.

Zwangsernährung unzulässig Die Kriterien des Therapiezieles und der Indikation für den Beginn und die Beendigung der Therapie müssen erfüllt sein. Es ist unbestritten, dass die künstliche Ernährung nicht allein zum Zweck der Reduktion des Pflegeaufwandes erfolgen darf. Auch bei liegender PEG-Sonde sind alle Möglichkeiten einer natürlichen Nahrungszufuhr auszuschöpfen. Das beinhaltet alle anderen Möglichkeiten einer ­bedarfsgerechten natürlichen Nahrungsaufnahme. Es müssen ein klares therapeuti­ sches Ziel und eine medizinische Indikation vorliegen, damit die Nahrungssonde supportiv eingesetzt werden kann. Der Nutzen für den betroffenen Patienten muss absehbar sein. Durch die eingesparte Zeit kann oft eine gute Versorgung im eigenen Zuhause ermöglicht werden. Die künstliche Ernährung bedarf als ärztlicher Eingriff der Einwilligung des informierten Patienten bzw. des Vertretungsberechtigten. Die Lebensqualität ist ein stets zu berücksichtigendes Kriterium bei medizinischen Behandlungen. Bei fehlender Indikation oder fehlender Einwilligung ist eine Ernährungstherapie zu beenden oder darf nicht begonnen werden.  n Literatur beim Verfasser


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss Universitätsklinik für Innere Medizin VI Medizinische Universität Innsbruck Präsident des 10. Österreichischen ­Infektionskongresses

Im Gespräch

Infektionskrankheiten:

Neue Herausforderungen Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss, Univ.-Klinik für Innere Medizin VI, Infektiologie, Immunologie, ­Rheumatologie, Pneumologie, Medizinische Universität Innsbruck, ist Präsident des 10. Öster­ reichischen Infektionskongresses. Er gibt Einblick in die Schwerpunkte des Programmes. Welche Rolle spielen Impfungen? Wir beobachten derzeit, dass alte Infektionen zurückkehren. Das hat unter anderem mit der Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zu tun. Masern ist ein gutes Beispiel, aber auch Pertussis. Hier hat sich die Wahrnehmung der Problematik deutlich reduziert und daher wird auch weniger geimpft. Sobald die Erkrankung als ausgerottet gilt, stellt sich die Frage „Wozu impfen?“ und das führt dazu, dass die Zahl der ungeschützten Personen zunimmt und die Infektionskrankheiten erneut aufflammen können. Wir diskutieren am Kongress auch Fragen rund um das ZikaVirus oder Ebola. Es geht dabei nicht nur um Diagnose und Therapie, sondern auch um Fragen der Ausbreitung oder der Sekundärinfektionen bei Angehörigen oder dem Gesundheitspersonal.

Wo liegen aktuell die meisten Schwierigkeiten? Einerseits in der Zunahme der Antibiotika-Resistenz und anderseits in der limitierten Zulassung von neuen Arzneimitteln. Zudem sind wir mit immer komplexeren Anforderungen aufseiten der Patienten konfrontiert. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Patienten auf Intensiv-, aber auch auf Normalstationen älter und multimorbider sind, wenn sie zu uns kommen. Zudem führen spezifische Therapien in der Onkologie oder der Transplantationsmedizin dazu, dass die Anfälligkeit für Infektionen auch höher wird. Menschen sind mobiler als früher und bringen von Reisen Infektionen mit, die es hierzulande nicht gibt oder auch nie gab. Das Thema „Tropenerkrankungen“ nimmt einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Nicht zuletzt beschäftigt uns in diesem Zusammenhang auch die Flüchtlingsproblematik.

22 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Wo sind neue Therapien zu erwarten? Bei Hepatitis C gibt es neue Therapien, die zu einer effektiven Behandlung der Erkrankung führen. Sie sind sehr gut verträglich und nehmen der Erkrankung viel von ihrem Schrecken, jedoch sind sie extrem teuer. Ein Ziel ist nach wie vor, die Prophylaxe in Form von Impfungen gegen Malaria, HIV oder Dengue-Fieber zu entwickeln, aber da ist noch kein großer Durchbruch in Sicht. Was sind Ihre persönlichen Kongress-Highlights? Der Kongress bietet einen sehr guten Querschnitt zum Thema Infektionskrankheiten im klinischen Alltag und ist besonders gut auf Österreich zugeschnitten. Es wird auch um Fragen der Dia­ gnose bei Patienten mit unklaren Symptomen gehen, das beschäftigt uns auch immer wieder in der Praxis. Die Poster und Vorträge bieten einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung in unserem Fachgebiet.  n

10. Österreichischer Infektionskongress INFEKTIONSKRANKHEITEN 2016 Neue Herausforderungen & Therapien 27. bis 30. April 2016, Hotel Gut Brandlhof, Saalfelden www.oegit.eu

© Crystal Eye Studio – shutterstock.com

Der Kongress steht unter dem Motto „Infektionskrankheiten 2016“. Warum wurde dieses Thema gewählt? Es geht darum, ein Bild zu zeichnen, was uns derzeit im Bereich der Infektionskrankheiten beschäftigt und wo die Herausforderungen liegen. Ziel ist es, die dynamische Entwicklung der klinischen Herausforderungen von Infektionskrankheiten aus verschiedenen Blickrichtungen zu beleuchten. Immerhin sind Infektionskrankheiten nach wie vor für etwa 30 % der Todesfälle verantwortlich, ein Ausmaß, das regional, aber auch global oft unterschätzt wird.


Krankenhaushygiene: Prävention durch Aktion u Um Hygienemaßnahmen effektiv umzusetzen und Infektionen zu vermeiden, ist eine fundierte Ausbildung der Hygienefachkräfte erforderlich. u Eine einheitliche Erhebung von Daten in heimischen Spitälern fehlt. u Die Österreichische Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) fordert bundesweit ­einheitliche Standards zur Vermeidung nosokomialer Infektionen.

F

ür Österreich gibt es derzeit keine bundesweit flächendeckenden Zahlen zu tatsächlichen Spitalsinfektionen, Experten gehen jedoch davon aus, dass etwa jeder 20. Patient (4,5 % bis 5 %) im Spital von einer nosokomialen Infektion betroffen ist. Durch fehlende Meldepflicht fehlt exakte Evidenz, die sich derzeit nur anhand deutscher Statistiken schätzen lässt. Allerdings existieren bereits jetzt in Österreich direkte und indirekte Regelungen und Empfehlungen zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen, wie zum Beispiel die „PRO HYG 2.0“. Diese gewährleisten zwar in der Regel ein gewisses Schutzniveau, flächendeckend durchgesetzt haben sie sich aber noch nicht.

© nata-lunata – shutterstock.com

© Crystal Eye Studio – shutterstock.com

Hygieneteam stärken Die Mitarbeiter der Hygieneteams spielen eine zentrale Rolle in der Umsetzung und Kontrolle der Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen. Ihnen kommt jedoch zu wenig Unterstützung zu, wie DGKS Gerlinde Angerler von der Stabsstelle Krankenhaushygiene des Orthopädischen Spitals Speising und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH), zusammenfasst: „Ein Schwerpunkt der Aufgaben einer Hygienefachkraft ist es, Hygiene und Infektionsprävention durch Maßnahmen der Erkennung, Verhütung und Bekämpfung solcher Infektionen zu optimieren. Als Hygienefachkraft gilt es, im Sinne der Prävention die Mitarbeiter für Hygiene zu sensibilisieren und dadurch den Patienten zu schützen. Der Ausbildung der Hygienefachkraft kommt somit eine zentrale Bedeutung bei der Senkung von nosokomialen Infektionen zu. Hygienefachkräfte werden trotz ihrer wesentlichen Bedeutung oft zu wenig wertgeschätzt.“ Als Dreh- und Angelpunkt in der direkten Patientenversorgung hat das Pflegefachpersonal eine zentrale Bedeutung, wenn es um Themen der Krankenhaushygiene geht. „Das betrifft die

unmittelbare Anwendung von Hygienemaßnahmen, wie etwa die korrekte Durchführung der Desinfektion der Hände. Grundkenntnisse werden bereits im Rahmen der Berufsausbildung erlangt“, erklärt Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV). Die Präsenz eines ausreichend strukturierten und ausgestatteten Hygieneteams ist ein zentrales Element für die Umsetzung und Einhaltung von Hygienemaßnahmen.

Weniger Geld für Hygiene Einsparungen im Krankenhausbereich stellen für die Hygiene in den Institutionen ein großes Problem dar. Durch Budgetkürzungen ist der Einkauf in Krankenhäusern oft gezwungen, auf billigere Produkte, jedoch hinsichtlich bestimmter Qualitätsaspekte ungünstigere Medizinprodukte zurückzugreifen. Erste Analysen einer von der ÖGKH rezent durchgeführten Studie „Erhebung der Arbeitssituation von Hygieneteams in Österreich 2015“ zeigt, dass in 73 % der teilgenommenen Gesundheitseinrichtungen eine Arzneimittelkommission vorhanden ist, jedoch nur 23 % der an der Umfrage beteiligten Hygieneteams dort Mitglieder sind. Dies schlägt sich auch in der Umsetzung der Antibiotika-Stewardship Programme (ABS) nieder. Lediglich 45 % der befragten Einrichtungen haben ein ABS-Programm implementiert. „Der sichere und adäquate Umgang mit Antibiotika ist eine Lebensversicherung für zukünftige Patientengenerationen. Hinsichtlich Strategien zum Umgang mit Antibiotika besteht somit noch ein deutliches Verbesserungspotenzial“, so Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der ÖGKH. Allerdings scheint die Situation zur Anschaffung von Medizinprodukten mindestens genauso kritisch zu sein. Lediglich 25 % der befragten Institutionen verfügen über eine Medizinpro­

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 23


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

duktekommission, darunter nur 12 % mit Mitgliedern des Hygieneteams. „Die Anschaffung von Medizinprodukten ist ein komplexer und verantwortungsvoller Prozess, bei dem neben wirtschaftlichen Kenntnissen ein hohes Maß an hygienischer Expertise erforderlich ist. Fehlt zum Beispiel ein simples Rückschlagventil an der richtigen Stelle, so kann das unter Umständen bereits über das Entstehen einer Infektion mitentscheiden. Hygienefachkräfte verfügen über die nötige Expertise, um solche komplexen Aspekte vor Anschaffung bewerten zu können“, ist Assadian überzeugt. Allerdings sind lediglich 39 % der Hygienefachkräfte laut ÖGKH-Umfrage Vollzeit tätig und 54 % der Befragten sagen aus, dass die für hygienerelevante Aufgaben zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreicht.

Problemfelder transparent behandeln Ein offener Umgang mit Krankenhausinfektionen verlangt, dass die kritischen Themenbereiche angesprochen werden. Das bedeutet, dass ein offener Dialog zwischen Institutionen, Pflegern und Patienten stattfinden muss. „Offenes Umgehen, ein verbindliches Meldesystem, öffentliche Darstellung der Infektionshäufigkeit und verbindliche Qualitätsstandards sind unabdingbar und längst fällig. Dazu kommt, dass viele praktische Strategien zur Infektionsvermeidung, wie etwa die Desinfektion der Hände, zwar dem Gesundheitspersonal bekannt sind, aber trotzdem nicht durchgehend befolgt werden“, berichtet Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patientenanwälte.  n Quelle: www.oegkh.ac.at

AKTION Saubere Hände:

Flächendeckende ­Compliance­Beobachtungen u Die korrekte Händehygiene ist ein maßgeblicher Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion nosokomialer Infektionen. u In der Literatur wird derzeit noch kontrovers diskutiert, wie hoch die Compliance bei der Händehygiene sein muss. u Das LKH-Univ. Klinikum Graz hat als Ziel einen Schwellenwert von 80 % definiert, ­andernfalls wird eine interdisziplinäre Schulung der Mitarbeiter erforderlich.

I

n den letzten Jahren wurde seitens der Krankenhaushygiene am LKH-Universitätsklinikum Graz viel Zeit investiert, um die Mitarbeiter für das Thema Händehygiene zu sensibilisieren und zu schulen. Im Rahmen der AKTION Saubere Hände (ASH) wurden zahlreiche Schulungen durchgeführt, Informationsmaterialien und Poster verteilt und die Anzahl der Händedesinfektionsmittelspender erhöht. Als indirekte Messmethode wurde der Desinfektionsmittelverbrauch in Relation zu den Belagstagen als Surrogatparameter erhoben. Um einen Eindruck vom tatsächlichen Händedesinfektionsverhalten der

24 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Mitarbeiter zu erhalten, wird seit Ende 2013 die direkte Messmethode „Compliance-Beobachtung“ am LKH-Universitätsklinikum Graz flächendeckend durchgeführt. Vor Ort auf den Stationen und im Intensivbereich beobachten die Hygienefachkräfte die Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Die verschiedenen Tätigkeiten wie zum Beispiel ein Verbandswechsel werden dann nach den fünf Indikationen der Händehygiene analysiert und die Durchführung wird anhand eines Dokumentationsbogens bewertet. Pro Station müssen für eine Auswertung 150 Händedesinfektionsgelegenheiten beobachtet werden, wobei


Co-Autoren: Brigitte Kober, BA MA OSr DKKS Renate Zierler, MSc

pro Indikation mindestens 20 Beobachtungen dokumentiert werden müssen. Für die Auswertung stellt die ASH über das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) die Datenbank HAND-KISS zur Verfügung.

Praktische Eingabe Die Dateneingabe erfolgt über Tablets, wodurch die Auswertung direkt vor Ort stattfinden kann und das Feedback an die Stationsverantwortlichen und Mitarbeiter im Anschluss an die Beobachtung gegeben werden kann. Nach Abschluss der Compliance-Beobachtung wird in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement ein ausführlicher Bericht mit den Ergebnissen sowie Handlungsempfehlungen an die jeweilige Organisationeinheit übermittelt. In der Literatur wird derzeit noch kontrovers diskutiert, ob eine 80, 90 oder 100%ige Compliance benötigt wird und welchen Einfluss diese auf die nosokomiale Infektionsrate tatsächlich hat. Am LKH-Univ. Klinikum Graz wurde im Krankenhaushygieneteam definiert, dass das Ziel ein Schwellenwert von 80 % ist. Liegt die Compliance bei einer oder mehreren Indikation(en) bzw. Berufsgruppen unter 80 %, ist eine interdisziplinäre Schulung der Mitarbeiter erforderlich. Am LKH-Univ. Klinikum Graz wurden bis dato 11.973 Indikationen beobachtet, bei 10.019 wurde dann auch eine Händedesinfektion durchgeführt, das ist eine Compliance von 84 % im Durchschnitt aller beobachteten Einheiten. Im Vergleich dazu liegt die Compliance bei den veröffentlichten Referenzdaten der ASH im Jahr 2014 bei 72 %. Das nachfolgende Diagramm zeigt die Unterschiede der Berufsgruppen bei der Compliance der Händehygiene ebenfalls im Vergleich zu den Referenzwerten der ASH.

Compliance-Beobachtung nach Berufsgruppe LKH-Univ. Klinikum Graz vs. Referenz ASH 2014 76%

Pflegepersonal

© Kanizaj Marija-M.

Mag. Dr. Gerald Sendlhofer Leiter der Stabstelle QM-RM Stmk. LKH-Universitätsklinikum Graz www.klinikum-graz.at, www.safetyinhealth.com

Deutliche Verbesserung Mittlerweile konnten am LKH-Univ. Klinikum Graz schon viele Bereiche evaluiert werden. Die Compliance-Rate in diesen Bereichen lag bei der ersten Compliance-Beobachtung bei durchschnittlich 78,5 %. Durch Schulungsmaßnahmen und eine darauffolgende Evaluierung in Form einer zweiten Compliance-Beobachtung konnte innerhalb eines halben Jahres die Rate auf 87,5 % gesteigert werden. Die korrekte Händehygiene ist ein maßgeblicher Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion nosokomialer Infektionen. Die entscheidenden Faktoren zur Verbesserung der Compliance in den alltäglichen Abläufen sind das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter. Durch die Beobachtung vor Ort im Alltag und das direkte Feedback konnte eine Verbesserung im Verhalten bei der Händehygiene festgestellt werden. n

REINE

MACHER

REINIGUNG DER EXTRAKLASSE

Unterhaltsreinigung Büroreinigung Laborreinigung Krankenhausreinigung Anstaltsreinigung uvm.

88% 67% 65%

Arzt/Ärztin

64%

Andere

71% 0%

10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% n Referenz ASH 2014 n LKH-Univ. Klinikum Graz

ÖSTERREICHS

Nr. 1

www.reinemacher.at - 0800 20 30 21

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 25


Mag. DI (FH) Bernd Pichler Projektmanagement Stabsstelle QM-RM LKH-Universitätsklinikum Graz www.klinikum-graz.at

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Traumapatienten sicher versorgt u Die Mortalität bei Traumapatienten kann durch eine hochqualitative Schockraumversorgung drastisch reduziert werden. u In Traumakursen können dazu Prozesse trainiert werden, die „goldene Standards“ schaffen. zu aktualisieren. „Um die Prozesse für eine bestmögliche Patientenversorgung fit zu machen, haben wir derzeit bereits den dritten Traumakurs laufen, in dem Ärzte und Pflege über zweieinhalb Tage geschult werden“, erklärt Mag. DI (FH) Bernd Pichler, Projektmanagement, Stabsstelle QM-RM am LKHUniversitätsklinikum Graz, zu den Erfahrungen des Klinikums mit dem ETC. Im Mittelpunkt steht die Kommunikation im Team, vor allem bei zeitkritischen Abläufen. „Wichtig ist die klare Aufgabenverteilung. Der Traumaleader ist immer für den Patienten zuständig, von der Übergabe vom Notarzt bis zur Weiterverlegung oder -behandlung“, gibt Pichler Einblick.

5 Sekunden, die Ressourcen sparen helfen Ein Training im multidisziplinären Team fördert die Kooperation.

D

ie europäische Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Trauma zu einer der Gesundheitsherausforderungen unseres Jahrhunderts erklärt. Weltweit kostet das Trauma mehr produktive Jahre als jede andere Erkrankung. Nach Schätzungen der WHO kann die Mortalität bei Traumapatienten bis zu 30 % gesenkt werden, wenn eine starke prähospitale Rettungskette und eine hochqualitative medizinische Versorgung umgesetzt werden können. Daher werden mit dem Europäischen Trauma Kurs (ETC) einfache und standardisierte Prozesse zum Management von Traumapatienten vermittelt.

Training wirkt Das Programm wurde entwickelt, um das Outcome von schwer traumatisierten Patienten durch ein spezielles Traumatraining, das goldenen Standards entspricht, zu verbessern. Der Fokus liegt auf multidisziplinären und multiprofessionellen Teams und der gemeinsamen Entwicklung von Teamfaktoren. In überaus praxisnahen Simulationen werden die Teilnehmer durch 29 Traumaszenarien geleitet, die spezielle Lernziele über das ganze Spektrum der Traumaversorgung umfassen. Das LKH-Universitätsklinikum Graz arbeitet schon seit geraumer Zeit an einem Projekt, um das Schockraummanagement

26 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Mithilfe eines 5-Sekunden-Vitalchecks wird der Zustand jedes Patienten bei seinem Eintreffen überprüft. „Damit wird nicht über Gebühr Zeit verloren und dennoch schafft es Handlungsspielraum, um nur jene Maßnahmen einzuleiten, die sinnvoll sind.“ Im Extremfall spart man sich das Anpiepen von Kollegen, wenn der Patient in der Zwischenzeit verstorben ist. Anders als bisher trifft sich das Schockraumteam schon vor dem Eintreffen der Patienten über ein eigenes Alarmierungssystem – auch das spart wertvolle Ressourcen. „Es handelt sich nur um das Kernteam, das für die Erstdiagnostik erforderlich ist. Wenn zum Beispiel ein CT notwendig wird, kann der Neurochirurg ohnehin erst tätig werden, wenn der Befund vorliegt.“ Seit über einem Jahr sind die Abläufe im Grazer Schockraum bereits nach den standardisierten Prozessen geregelt. Kurse werden weiterhin zur Auffrischung abgehalten, um auch neue Teammitglieder besser zu integrieren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Schockraumzeit hat sich halbiert und wenn ein Zeitraum von 15 Minuten überschritten wird, werden diese „auffälligen“ Ausreißer beim zweiwöchigen PolytraumaJour fixe besprochen, um aus Fehlern bestmöglich zu lernen. Der angenehme Nebeneffekt: Die Arbeit im Schockraum ist trotz hohem Zeit- und Verantwortungsdruck für das Gesundheitspersonal durch die absolvierten Trainings beliebt, da nun nach klaren Vorgaben gearbeitet wird. Traumapatienten werden durch standardisierte Prozesse bestens betreut. n


Prof. Dr. Dietmar Öfner-Velano, MAS, MSc, F.A.C.S. Klinikdirektor Universitätsklinik für Visceral-, Transplantationsund Thoraxchirurgie, Innsbruck www.chirurgen-kongress.at

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Chirurgen zeigen Leadership Das Gesundheitswesen im Allgemeinen und die chirurgischen Fächer im Speziellen stehen vor bereits evidenten und noch wachsenden substanziellen Herausforderungen. Um diesen wirkungsvoll entgegentreten zu können, ist Leadership gefragt.

P

rof. Dr. Dietmar Öfner-Velano, Präsident des 57. Österreichischen Chirurgenkongresses, will Lösungen aufzeigen, um Änderungen zum Wohl der Patienten vorantreiben zu können.

Der Chirurgenkongress hat diesmal neben wissenschaft­ lichen auch organisatorisch brisante Themen am Programm. Wie kam es dazu? Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie (ÖGC) ist eine Vereinigung, die sich vorrangig mit wissenschaftlichen Aufgaben und der Ausbildung beschäftigt. Wenn sich die Rahmenbedingungen in der Medizin so wie jetzt massiv ändern, dann ist es auch Aufgabe der ÖGC, diese Probleme anzusprechen und Lösungen zu finden. Daher haben wir uns für das Thema „Leadership – Verantwortung – Qualität am Patienten“ entschieden. Leadership hat viele Facetten und eignet sich daher besonders in Zeiten wie diesen als übergeordnetes Kongressthema. Was sind die evidenten und noch wachsenden substanziellen Herausforderungen? Leadership heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Wir sehen uns als Advokat des Patienten und müssen Verantwortung für die Zukunft und in der täglichen Routine am Krankenbett, also am Patienten, übernehmen, defensive Entscheidungen meiden und eine positive Fehlerkultur im Qualitätsmanagement vorantreiben. Ein Treiber der neuen Rahmenbedingungen ist die Demografie, aber auch der Kostendruck, die Ausbildungsordnung und die Arbeitszeitregelung verschärfen die ­Situation. Weitere Rahmenbedingungen, mit denen wir umzugehen lernen müssen, sind die zunehmende Selbstbestimmung

57. Österreichischer Chirurgenkongress 25.-27. Mai 2016 Kongresszentrum Salzburg www.chirurgen-kongress.at

28 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

der Patienten, aber auch Veränderungen im Versicherungssystem. Und nicht zuletzt wird die Chirurgie weiblich, das heißt, der Nachwuchs sind immer mehr Frauen, die andere Ansprüche an das Arbeitsumfeld stellen als männliche Kollegen.

Ist Leadership ein Ausweg aus der Krise? Auch wenn Leadership bereits gelebt wird, es geht darum, mehr Breitenwirkung zu erzielen. Defensive Medizin sollte grundsätzlich zum Wohl der Patienten vermieden und nicht aus Angst vor möglichen Konsequenzen und Vorwürfen eingesetzt werden. Es ist wissenschaftlich belegt, dass wir viele Untersuchungen nur machen, um uns nicht der Gefahr auszusetzen, angreifbar zu werden. Manches davon ist auch nicht zum Vorteil der Patienten, wenn man etwa an die Strahlendosis beim Röntgen denkt. Wie kommen wir zu einer positiven Fehlerkultur? Ich beobachte, dass Fehler selten aus Unwissen oder mangelnder Fachkompetenz passieren. Meist sind es Fehler an Schnittstellen oder in der strategischen Planung. Dagegen kommt man mit Transparenz an. Je mehr wir über die Fehler wissen, desto besser können Maßnahmen zur Vermeidung abgeleitet werden. Wie bleibt der Arztberuf attraktiv und der Nachwuchs gesichert? Wir brauchen klare Ausbildungspläne und -ziele. Jeder Mitarbeiter hat seine Talente, da gilt es anzusetzen. Viele junge Kolleginnen und Kollegen zieht es aufgrund der Work-Life-Balance eher in die großen Städte. Das Angebot an den dortigen Kliniken ist größer, die Ausbildung umfangreicher, die Karrierechancen höher. Das wird die Zentralisierung vorantreiben und hier sind attraktive Austauschprogramme notwendig. Zudem ist die Chirurgie physisch und psychisch eine fordernde Disziplin. Ein Chirurg braucht jahrelanges Training und Übung, um die Chirurgie zu beherrschen. ­Daher werden das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) und mentales Training ein Thema beim Kongress sein. Wann war der Kongress ein Erfolg für Sie? Wenn er nachhaltig ist! Ich möchte, dass das Thema weiter diskutiert wird. n


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

NT-proBNP: sehen, worauf es ankommt.

Entgeltliche Einschaltung

Der Biomarker der Wahl zur Überwachung von Herzinsuffizienz bei Patienten mit SacubitrilValsartan-Therapie

1 Mair, J. et al. (2016). Acute Card Care. Eur Heart J, (Epub ahead of print). 2 McMurray (2012). Eur Heart J, doi:10.1093/eurheart/ehs104. 3 Deberadinis (2012). Curr Opin Cardiol 27(6), 661-668. 4 Chiong (2010). Heart Fail Rev 15(4), 275-291. 5 Weiner (2012). Eur J Heart Fail 15(3), 342-351. 6 Masson et al. (2008). J Am Coll Cardiol, 52, 997-1003. 7 Januzzi (2012). Arch Cardiovasc Dis. Jan, 105(1), 40-50. 8 Packer, J.J.V. et al. (2014). Circulation 131(1), 54-61. 9 Entresto. Summary of Product Characteristics. EMA approval. * Sacubitril-valsartan: INN of the commercial drug approved in USA, Europe, UK and Switzerland – LCZ696: drug candidate name during the clinical trials, before regulatory approval

Sacubitril-Valsartan* hat nachweislich das Outcome bei Herzinsuffizienz verbessert und steht seit Kurzem in der klinischen Praxis zur Verfügung.1

NT-proBNP Tests liefern wichtige klinische ­Information Erhöhte Werte sind ein deutlicher Hinweis auf ein negatives Outcome. Steigende Werte bedeuten ein zunehmendes Risiko, während eine deutliche Absenkung ein verbessertes Outcome anzeigt. 2–7 NT-proBNP nimmt während einer wirksamen SacubitrilValsartan-Therapie ab, hingegen steigt BNP an8 In der Studie PARADIGM-HF spiegelten sich verbesserte Ergebnisse unter Anwendung von Sacubitril-Valsartan in niedrigeren NT-proBNP-Werten wider. Hingegen zeigte sich bei BNP ein gegenteiliger Trend, da die Patienten höhere BNPWerte aufwiesen. Die Wahl von NT-proBNP zur Überwachung von Herzinsuffizienz ist für Patienten mit Sacubitril-Valsartan Therapie wesentlich: u NT-proBNP spiegelt den klinischen Zustand wider: je niedriger das NT-proBNP-Ergebnis, desto besser die Prognose1 u Bei BNP ist dies nicht der Fall. BNP ist kein geeigneter ­Biomarker, da BNP ein Substrat ist9 u NT-proBNP ist kein Neprilysin-Substrat9 und seine klinische Interpretation bleibt unberührt1 n

Roche Diagnostics GmbH Engelhorngasse 3, 1211 Wien, www.roche.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 29


MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Brennpunkt: Bildgebung Neue MR-Methode zeigt Schäden bei Gehirnerschütterung Mithilfe neuer bildgebender Methoden wurden erstmals Gehirne vor und nach einer Gehirnerschütterung verglichen. Ein vom österreichischen Physiker DI Dr. Alexander Rauscher an der University of British Columbia (Kanada) mitentwickelter spezieller Magnetresonanz-Scan zeigte dabei Veränderungen der Nerven-Isolierschicht bei Eishockeyspielern mit Gehirnerschütterung, berichtet er im Fachjournal „Plos One“. Um die Auswirkungen von Gehirnerschütterungen zu untersuchen, fehlen meist Vergleichsdaten vom Zeitraum vor der Verletzung. Quelle: APA

Die Elastografie ist bereits seit Jahren eine hilfreiche Methode, wenn es darum geht, gutartige von bösartigen Läsionen in unterschiedlichen Organen zu unterscheiden. Insbesondere kommt diese Technik im Bereich der Leber und der Brust zum Einsatz. Erfahrungen mit dem Einsatz im Bereich der Halsschlagader sind bisher limitiert, aber kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass die Elastografie hilfreich sein könnte, Plaque zu klassifizieren und das Risiko von unnötigen Eingriffen zu verringern. Da der Grad einer Stenose nicht der einzige diagnostische Parameter ist, um Schlaganfälle oder Herzinfarkte frühzeitig zu erkennen, ist es unabdingbar, sich eingehend mit der Plaque-Morphologie zu beschäftigen, um diese beurteilen zu können. Ein Großteil aller Herzinfarkte und Schlaganfälle ist durch Plaque-Rupturen verursacht. Durch histologische Untersuchungen weiß man, dass instabile, verletzliche Plaques, welche am ehesten zu einer Ruptur oder einer distalen Embolisation neigen, jene mit einem großen Lipidkern und Blutungen innerhalb der Plaque sind. Ebenso stellen Entzündungen ein großes Risiko für Rupturen dar. Forscher haben versucht festzustellen, inwiefern es sinnvoll wäre, Ultraschall zur Plaque-Klassifikation in den klinischen Alltag zu integrieren, allerdings haben die Ergebnisse in Kombination mit histologischen Befunden nicht in diese Richtung gedeutet. Dr. Nikos Liasis und sein Team von Affidea Greece haben gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Universität Athen und der Technischen Universität Athen eine prospektive Studie ins Leben gerufen, die Möglichkeiten der Ultraschall-Elastografie bei der Beurteilung der Plaque-Morphologie bewerten soll. Ultraschall-Elastografie basiert auf dem Prinzip, dass sich weiches Gewebe leichter verformt als hartes. Somit verformen sich harte, stabile Plaques weni-

30 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

ger als weiche und verletzliche. Die bisher veröffentlichten Studien drehen sich hauptsächlich um die Frage, welche Art der Ultraschall-Elastografie zum Einsatz kommen soll, allerdings schätzt Liasis, dass die Methode für neue Erfolge bei der morphologischen Beurteilung von Plaque bedeutend sein wird. Elastografie ermöglicht das Erkennen der feinfasrigen Kappe der Plaque, deren Dicke ein klarer Indikator für die Stabilität ist, was wiederum mit herkömmlichem Ultraschall schwer festzustellen ist. Darüber hinaus können noch Informationen über die Glätte der Plaques und die Umgebung gewonnen werden und somit alle Charakteristika, die für eine Instabilität einer Plaque sprechen würden, beurteilt werden. Weiters bietet die UltraschallElastografie den Vorteil, strahlungsfrei und weit verbreitet verfügbar zu sein, und benötigt auch keinerlei extra Vorbereitung der Patienten. Im Vergleich zu anderen Modalitäten sind die Kosten sehr gering, die Untersuchungszeiten im Vergleich zu MRT kurz und im Gegensatz zur CT kann es auch zu keinen Unverträglichkeiten mit Kontrastmitteln kommen. Allerdings gibt es zurzeit noch eine Vielzahl an technischen Einschränkungen, die zu bewältigen sind, und ebenso ist die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse noch fraglich. So bereiten kalzifizierte Plaques Probleme, da sie einen sogenannten akustischen Schatten erzeugen und so schwer zu beurteilen sind. Technische Schwierigkeiten ergeben sich auch daraus, dass die Ultraschall-Elastografie grundsätzlich eine Methode ist, um Läsionen an oberflächlich gelegenen Organen zu untersuchen und nicht für kleine pulsierende Blutgefäße konzipiert wurde. Quelle: 28. Europäischer Radiologenkongress (ECR), Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie, März 2016, Wien

© Guschenkova – shutterstock.com

Elastografie bietet neue Einblicke in die Plaque-Bildgebung


Ultraschall und MRT bei ­entzündlicher Arthritis

© Tyler Olson – shutterstock.com, © Syda Productions – shutterstock.com

© Guschenkova – shutterstock.com

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Lange Zeit stellten Röntgenbilder den Grundstein der Diagnose in der Rheumatologie dar. Röntgenbilder des Hand- und Fußbereiches wurden bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zum Beispiel dazu verwendet, um den Zustand der Gelenke oder die Fortschritte in der Nachbehandlung beurteilen zu können. Durch die Verfügbarkeit von wirksamen Medikamenten hat sich der Fokus bei der Behandlung der entzündlichen Arthritis aber stark in Richtung einer möglichst frühen Erkennung und Diagnose verschoben. Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) spielen dabei eine wichtige Rolle, da beide Methoden in der Lage sind, akute Entzündungen festzustellen. Der Farbdoppler Ultraschall kann unter anderem Hypervaskularisation und Entzündungen der inneren Schicht der Gelenkskapsel darstellen. Eine entzündliche Arthritis zeigt sich im Power Doppler Ultraschall durch eine Mehrdurchblutung, eventuelle Ergussansammlungen und in späterer Folge durch eine Verdickung des Entzündungsgewebes, das infolgedessen auch die Gelenke angreifen kann. Eine frühzeitige Diagnostik und damit ein früher Therapiebeginn sind hier von entscheidender Bedeutung, so dass dies verhindert werden kann. Die Magnetresonanztomografie hat den zusätzlichen Nutzen, dass sie in der Lage ist, Knochenmarksödeme und subklinische Entzündungsprozesse aufzuzeigen. „Beide Methoden ermöglichen eine frühere Diagnose von Gelenksentzündungen und zusätzliche Aussagen zu Weichteilentzündungen, die zum Beispiel Sehnen betreffen können, oder die Bildung von Rheumaknoten. Grundsätzlich wird zuerst der Ultraschall eingesetzt, da er schneller verfügbar ist, und mehrere Gelenke in einer Sitzung untersucht werden können. Die MRT sollte für Fragestellungen, die der Ultraschall nicht ausreichend beantworten kann, reserviert sein“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Andrea Klauser, leitende Oberärztin an der Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck. Aufgrund der großen Fortschritte bei Medikamenten ist es zunehmend wichtig, rasch und genau zu überprüfen, ob der erwartete Therapieerfolg auch ausreichend eintritt. Dies ist mittels Ultraschall sehr genau möglich, wodurch eine breitere Anwendung von Ultraschalluntersuchungen zu erwarten ist. „Weiters sind ultraschall-gezielte Infiltrationen als minimalinvasive zusätzliche Therapieoptionen für einzelne aktive Gelenke von großer Wichtigkeit, da dadurch die systemische Therapie nicht immer gleich verändert werden muss, was dem Patienten sehr zugute kommt. Auch ein Entzündungs-Monitoring auf angiogenetischer Ebene (Mikrogefäße) ist mittels Ultraschall und Ultraschallkontrastmittel bereits möglich, was das Potenzial dieser Methode erahnen lässt“, so Klauser weiter.

IROS 2016 Interventionelle Radiologie:

Hochwirksame Eingriffe bei ­Volkskrankheiten Über 900 internationale Experten trafen sich kürzlich beim IROS 2016, dem führenden Kongress für eine qualifizierte Weiterbildung auf dem Gebiet der Interventionellen Radiologie im deutschsprachigen Raum. Die Interventionelle Radiologie (IR) als Spezialisierung der Radiologie widmet sich bereits Anfang der 60er-Jahre medizinischen Fragstellungen, die weit über die Diagnoseerstellung hinausgehen. Vielmehr konzentriert sie sich auf die minimalinvasive Behandlung mithilfe bildgebender Verfahren wie CT, MR und Ultraschall etwa bei Tumoren, Schmerzsyndromen bei Wirbelsäulenerkrankungen und Gefäßerkrankungen. Neue Hoffnungen werden auf die international zunehmende Therapie der gutartig vergrößerten Prostata mittels Katheterembolisation gesetzt. „Der Vorteil der interventionell-radiologischen Methode ist die minimale Invasivität“, erklärt Kongresspräsident des IROS 2016, Prim. Univ.-Prof. Dr. Siegfried Thurnher, Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien. Neben der Erfolgsquote bei diesen schonenden Eingriffen ist auch die verringerte Rekonvaleszenzzeit ein starkes Argument, da nicht nur der Patient davon profitiert, sondern verkürzte Krankenhausaufenthalte Kosten sparen helfen. Viele IR-Eingriffe werden ambulant durchgeführt. Zudem entwickelt sich die interventionell-radiologische Onkologie neben der Chirurgie, den chemotherapeutischen Behandlungen und der Strahlentherapie zur vierten Säule der Tumortherapie. Besonders bei Metastasen in Leber, Lunge oder Niere kommen interventionell-radiologische Eingriffe dieser Art bereits in etwa 80 Prozent der Fälle zum Einsatz. Seit einigen Jahren setzen die Interventionellen Radiologen auch auf 3DNavigationssysteme, die ursprünglich für neurochirurgische Eingriffe entwickelt wurden, für die Zerstörung der Tumore mit Strom über nadelähnliche Sonden. Diese Methode erlaubt eine höchst präzise Platzierung der Sonden sowie eine Überlagerung der Bilddaten vor und nach dem Eingriff und sichert damit eine unmittelbare Erfolgskontrolle noch während des Eingriffs. Durch diese Methode können auch große Tumore bis zu 15 cm komplett zerstört werden. Mittlerweile liegen schon Langzeitdaten vor, die belegen, dass mit dieser Methode idente Ergebnisse wie bei der offenen chirurgischen Operation erzielt werden können. www.irosonline.org

Quelle: 28. Europäischer Radiologenkongress (ECR), Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie, März 2016, Wien

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 31


PFLEGE & HOME CARE

Risikoarmes Infusionsmanagement durch farbig gekennzeichnete Katheteransätze.

Rundum sicher Antimikrobielle Venenkatheter wie der Multistar 3+ und 3+ Safe von Vygon können bei besonders gefährdeten Patientengruppen das Risiko für Infektionen deutlich senken. bwohl durch die Verbesserung von Hygiene- und Pflegestandards die Häufigkeit Katheter-assoziierter Infektionen reduziert werden konnte, verbleibt eine klinisch relevante Anzahl bei bestimmten Risikogruppen. Besonders gefährdete Gruppen wie zum Beispiel Dialysepatienten oder polytraumatisierte bzw. onkologische Patienten profitieren nachweislich vom Einsatz von Antibiotika- und Antimykotika-inkorporierten Kathetern. Evidenz gibt es auch für die Kosten-Nutzen-Effektivität der Produkte. Gerade für Patienten mit langer Katheterliegedauer und eingeschränktem Immunsystem eignen sich diese Katheter besonders, zumal bei der Versorgung von frühgeborenen Patienten keine al-

IM GESPRÄCH Priv.-Doz. Dr. Dr. Jörg M. Schierholz, MD, PhD, www.phaidon-healthcare.de Welche Rolle spielen Katheter-Managementkonzepte zur ­Infektionsprophylaxe? Sie sind integraler Bestandteil der Infektionsprophylaxe in der modernen Intensivmedizin, da ein relevanter Anteil an Blutstrominfektionen bzw. Septikämien nach wie vor durch intravasale Zugänge verursacht wird. Neben dem strikten Einhalten von Hygienevorschriften wird ein sogenanntes Bundling, also das Bündeln unterschiedlicher Maßnahmen, in den internationalen Guidelines empfohlen. Dazu gehören unter anderem die regelmäßige Desinfektion der Insertionsstelle mit Chlorhexidin- oder Octenidinlösungen, eine strenge Indikationsstellung bezüglich der Katheterisierung, der Einsatz von bestimmten Wundverbänden als auch die Verwendung antimikrobiell wirksamer Venenkatheter für besonders gefährdete Patientengruppen. Welche Vorteile bieten Antibiotika- und Antimykotika-inkorporierte Katheter? Im Vergleich zu anderen antimikrobiell ausgerüsteten Kathetern gibt es zwei grundsätzliche Unterschiede: Die Wirkstoffe sind bei Antibiotika- und Antimykotika-inkorporierten Kathetern im gesamten Kathetermaterial molekular-dispers verteilt und werden über einen längeren Zeitraum aus diesem Reservoir an die Oberfläche und auch im Lumen sehr langsam freigesetzt – im Gegensatz zu dünnen Katheterbeschichtungen von wenigen μm, die schneller erschöpft sind. Antimikrobielle Wirkstoffe müssen die Bakterien in einem Biofilm am Katheter in ausreichender Konzentration erreichen können, um auch wirksam werden zu

32 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

ternativen antimikrobiellen Mikro-Katheter zur Verfügung stehen. Der Multistar 3+ Safe punktet zudem mit wichtigen Sicherheitsfeatures: Alle Komponenten des Kathetersets sind so ausgelegt, dass die Gefahr von Stichverletzungen und den damit verbundenen Infektionsrisiken auf ein Minimum reduziert wird. n

R. Heintel GmbH Medizintechnik Erdbergstr. 166, 1030 Wien, Tel: +43-01-403 89 56-0 www.heintel.at

können. Beschichtungen mit beispielweise fest gebundenen Substanzen am Kathetermaterial konnten bislang keine klinische ­Effektivität nachweisen. Der zweite Unterschied liegt in der Auswahl der Substanzen. Die Substanzen sollten möglichst breit antimikrobiell gegen die häufigsten Spezies wie Staphylokokken und auch Pilze wirksam sein, die Resistenzentwicklung minimieren, untoxisch und nicht allergen sein. Weiterhin sollten die Wirkstoffe nachweislich Biofilm-Aktivität aufweisen und auch mit dem Kathetermaterial kompatibel sein. Lediglich die Kombination des Staphylokokken-aktiven Antimykotikums Miconazol mit dem Biofilm-aktiven Rifampicin deckt neben grampositiven und gramnegativen Bakterien auch die Candida-Spezies ab. Wie sieht die Studienlage aus? Im Gegensatz zu vielen Kathetermodifikationen ohne klinischen Wirksamkeitsnachweis sind die Antibiotika- und Antimykotika-inkorporierten Katheter in großen internationalen Studien untersucht worden und konnten bei Intensivals auch onkologischen Patienten die Kolonisationsrate, die Infektionsrate als auch die Sepsishäufigkeit statistisch signifikant senken. Derzeit läuft eine internationale Studie an mehr als 850 neonatologischen Patienten. Aufgrund der positiven Studienresultate konnte ein internationales Forscherteam auch die Kosten-Nutzen-Effektivität dieser Katheter belegen und in hochrangigen Journals publizieren. Gerade für Patienten mit langer Katheterliegedauer und eingeschränktem Immunsystem eignen sich diese Katheter besonders, zumal bei der Versorgung von frühgeborenen Patienten keine alternativen antimikrobiellen Mikro-Katheter (28G, 1Fr) außer den Antibiotika- und Antimykotika-inkorporierten Kathetern zur Verfügung stehen. Gibt es Kontraindikationen? Ja, bei einer bestehenden Allergie gegen Rifampicin oder Miconazol.

Entgeltliche Einschaltung

O


Schulungsintensive Pflege in der Dialyse u Ausgeprägte Fähigkeiten zu Abgrenzung, Krisensicherheit und Empathie sind für die Pflege von Hämodialysepatienten erforderlich. u Hoch technologische Medizinprodukte erleichtern die Pflege von Dialysepatienten enorm, sind jedoch auch schulungsintensiv.

D

© Tyler Olson – shutterstock.com

Entgeltliche Einschaltung

PFLEGE & HOME CARE

ie Pflege von Hämodialysepatienten fordert das Pflegepersonal zweifellos in besonderer Weise, denn die hoch technisierten Therapien sind in einem besonderen Maße mit technischem Know-how, notfallmedizinischer Einsatzbereitschaft und psychologischem Gespür verbunden. Das technische Wissen kann in der Grundausbildung nicht vermittelt werden – Zusatzausbildungen und laufende Weiterbildung sind dafür unerlässlich. Das Wissen um Neuerungen, die sich in diesem Fachgebiet immer wieder ergeben, muss im Rahmen von Kongressen und Seminaren ergänzt werden. „Einschulungen auf neuen Geräten erfolgen durch die Produktions- bzw. Vertriebsfirmen“, fügt DGKP Anton Ecker, Leiter der Dialysestation bei den Barmherzigen Brüdern Krankenhaus Eisenstadt, hinzu. „Neue Mitarbeiter werden bei uns von bereits geschulten und erfahrenen Kollegen eingeschult. Viele Firmen haben außerdem Anwenderbetreuer, die bei weiteren Fragen nahezu jederzeit erreichbar sind.“

Eigenverantwortlichkeit und Distanz Eigenverantwortlichkeit – wie in vielen Pflegebereichen – stellt zweifelsohne einen zentralen Faktor in der Pflege von Dialysepa-

tienten dar, denn in Akutsituationen wie beispielsweise bei einem spontanen Druckabfall müssen rasch Entscheidungen getroffen werden. Gerade auf Dialysestationen greifen die verschiedenen Kompetenzen und Funktionen eng ineinander – Pflege und Ärzteschaft agieren auf Augenhöhe. Entsprechend tiefgehend ist auch die Ausbildung. „Pflegepersonen im Dialysebereich müssen die Sonderausbildung für Nierenersatztherapie absolvieren und sind somit besonders gut ausgebildetes Fachpersonal“, bestätigt auch Ecker. „Die Schnittfläche der gemeinsamen Tätigkeit von Medizin und Pflege ist sicher größer als auf Normalstationen.“ Ärzte und Pflegepersonal kooperieren eng und entscheiden eigenverantwortlich. Ein weiterer wichtiger Faktor für das Personal auf einer Dialysestation ist zweifelsohne die emotionale Nähe, die sich automatisch aufbaut, durch überlebenskritische Notsituationen aber mitunter zum Hindernis werden kann. Ecker weiß um die Besonderheiten im Umgang mit den Patienten der Station: „Die jahrelange Betreuung chronisch kranker Patienten bewirkt ein ganz besonderes Naheverhältnis mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen.“ Die Notwendigkeit, sich entsprechend distanzieren zu können, muss allgegenwärtig sein – die

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 33


PFLEGE & HOME CARE

Bedienerfreundliche Technik erleichtert die Arbeit des Gesundheitspersonals.

Nähe zu Personen, die das Personal über die Jahre sehr gut kennenlernt, ist dies aber auch, denn immerhin kommen die meisten Patienten dreimal pro Woche zur Dialyse. Nicht jeden Tag lässt sich die erforderliche Distanz gleich gut herstellen, umso wichtiger ist dann der Zusammenhalt des Personals untereinander, um ausgleichend zu wirken und Kollegen gegebenenfalls rasch zu unterstützen. Ein offener Umgang miteinander ist folgerichtig für die emotionale Gesundheit in diesem herausfordernden Beruf unabdingbar.

Tägliche Herausforderungen Dialysepatienten sind chronisch krank und dadurch laufend Risiken ausgesetzt. Das ist für die Patienten selbst und ihre Angehörigen mitunter schwer zu akzeptieren. Die Zeit, die sie bei der Dialyse verbringen, soll möglichst erträglich und kurz gestaltet werden, ein hoher Blutdurchlauf ist daher notwendig, stellt aber das Herz-Kreislauf-System vor große Herausforderungen. Lebensbedrohliche Notsituationen wie ein massiver Blutdruckab-

Auf einen Blick Die Dialysestation am KH Eisenstadt der Barmherzigen Brüder umfasst zwölf Behandlungspositionen in drei Zimmern. Zwei Zweibettzimmer sind für die Betreuung von Akutdialysepatienten und infektiösen (Hepatitis-)Dialysepatienten bestimmt. Neben der Betreuung chronischer Dialysepatienten und stationärer Akutdialysen werden auch Kur- oder Rehabilitationsgäste sowie Feriendialyse-Patienten betreut. Pro Jahr werden 9.000 bis 10.000 Behandlungen durchgeführt. Jede Dialyseposition ist mit einem elektrisch betriebenen Bett, Schwesternrufanlage, Sauerstoff und Vakuumanschluss ausgestattet. Zur Überwachung der Vitalparameter stehen zwei mobile Überwachungsmonitore (Philips, IntelliVue MP20) bereit. Die Dialysegeräte, Fresenius 5008 Online Plus, sind alle mit Single-Needle-Pumpen, Online Clearance Monitoring, Bluttemperaturmonitor, Blutdruckmonitor und zum Teil mit Blutvolumenmonitor ausgerüstet.

34 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

fall oder Krämpfe sind an der Tagesordnung. Dann gilt es, mithilfe komplexer, technisch höchst ausgefeilter Medizinprodukte zu reagieren und dabei muss jeder Handgriff sitzen. „Die chronische Nierenerkrankung geht zu einem hohen Prozentsatz mit einer atherosklerotischen Gefäßkrankheit von Kopf bis Fuß einher“, erzählt OA Dr. Elisabeth Leutgeb-Pohn von der Abteilung Innere Medizin I für Kardiologie und Nephrologie von potenziellen Komplikationen. „Somit sind Hirninfarkte, Herzinfarkte und Ulcera bis hin zur Amputation insbesondere in Kombination mit Diabetes mellitus sehr häufige Komplikationen.“ Vor einigen Jahren war die Dialysetechnik noch hoch kompliziert; mittlerweile ist sie deutlich bedienerfreundlicher geworden und erleichtert die pflegerische und medizinische Arbeit enorm. Die technischen Entwicklungen und verbesserte Medikationen haben die Überlebensrate nach oben korrigiert, was mit dazu beiträgt, dass es nach wie vor eine große Zahl von Dialysefällen gibt. Dass ihre Zahl in absehbarer Zeit geringer werden könnte, ist derzeit nicht zu erwarten. Auch Nierentransplantationen ändern daran nicht viel, denn dafür muss der Patient – abgesehen von seiner Nierenerkrankung – gesund sein. Das ist leider eher selten der Fall, selbst der Zahnstatus oder ein gynäkologischer Befund kann eine Transplantation unmöglich machen. Auch Leutgeb-Pohn bestätigt, dass die Zahl der Dialysepatienten wohl nicht so schnell sinken wird: „Es gibt nach wie vor so viele Dialysefälle, weil die Patienten-Überlebensrate von fünf bis zehn Jahren auf 20 bis 30 Jahre gestiegen ist und sich nicht jeder Patient für eine Transplantation eignet. Außerdem stehen nach wie vor nicht genügend Lebendspender bzw. Nierenangebote in Eurotransplant zur Verfügung.“ Immerhin besteht in Österreich der Vorteil, dass für Nierentransplantationen keine Altersgrenze vorgegeben wird – ein Fakt, der in anderen Ländern nicht selbstverständlich ist. „Dass Patienten immer älter werden und es immer mehr ältere Menschen mit vielen anderen Begleiterkrankungen in der Hämodialyse gibt“, mache sich seit einigen Jahren markant bemerkbar, ergänzt Ecker. „Daraus ergibt sich auch viel Behandlungsbedarf.“

Wünsche an die Prävention Dialyse-Teams wünschen sich freilich, dass es im Idealfall nicht oder zumindest viel später zur Dialyse kommt, was nur möglich ist, wenn die Prävention gut funktioniert. Diabetiker und Bluthochdruck-Patienten benötigen eine gute Schulung, wobei sich dieser Appell vorrangig an die Allgemeinmedizin richtet. Zusätzlich wird eine größere Portion Eigenverantwortung und -initiative seitens der Patienten erforderlich sein, damit sie nicht oder später dialysepflichtig werden. Für die Zukunft der Dialysepflege wünscht sich Ecker, „dass zum Wohle der Patienten und für eine optimale Betreuungsqualität die geänderten und sich verändernden demografischen Gegebenheiten in den Personalbedarfsrechnungen ausreichend berücksichtigt werden“. Mit besseren finanziellen Ressourcen lassen sich letztlich auch umfassendere pflegerische und medizinische Angebote realisieren, was wiederum Patienten und Pflege zugute kommt. n

(W

D z a m g I b G


Austrian Wound Management (Weiterbildung gemäß § 64 GuKG „Wundmanagement“) Durch integratives Wundmanagement wird die medizinische Versorgung individuell auf die Betroffenen abgestimmt. Da der Bedarf an hochqualifizierten Wundmanagern stetig steigt, wurde die Sunmed Akademie gegründet. In unserem modernst ausgestatteten Schulungszentrum bieten wir eine profunde Weiterbildung gemäß § 64 GuKG, Wundmanagement, an.

Pflege bei Demenz

(Weiterbildung „Pflege bei Demenz” lt. §§ 64 und 104a GuKG) Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz und die Begleitung von Angehörigen ist für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine große Herausforderung. Eine Demenzerkrankung, einhergehend mit kognitivem Abbau, fortschreitendem Verlust der Selbstständigkeit und vielfältigen Verhaltensveränderungen erfordert ein hohes Maß an Fachwissen und die Fähigkeit zur Umsetzung in die jeweilige Pflegepraxis. Diesen Anforderungen wurde bisher in der Ausbildung und Weiterbildung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Pflege- und Betreuungsbereich nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Etablierung der Weiterbildung „Pflege bei Demenz“ soll diese Bildungslücke schließen.

Sunmed-Akademie

Jochen-Rindt-Straße 25/2. Stock A-1230 Wien Telefon: 01/699 22 99 Fax: 01/253 3033 2464 Internet: akademie.sunmed.at Email: akademie@sunmed.at


„Erbsen auf halb sechs“

© M. Kollarz

Mag. Petra Wrba Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs www.hilfsgemeinschaft.at

PFLEGE & HOME CARE

u Für sehbehinderte Menschen stellt ein Krankenhausaufenthalt zusätzliches Stresspotenzial dar. u Die sehbehindertenspezifische Pflege erfordert mehr Zeit, besondere Geduld und passendes Sensibilisierungstraining. auch Bescheid zu geben, wenn das Gespräch beendet ist und man sich abwendet“, beschreibt Wrba. Es zeugt von Wertschätzung, wenn im Falle einer Begleitperson dennoch die Kommunikation mit dem Patienten selbst erfolgt und nicht – weil vielleicht einfacher – mit der Begleitperson.

© Dieter Brasch/Hilfsgemeinschaft

Orientierung erleichtern

Sehbehinderte Patienten benötigen Unterstützung bei der selbstständigen Orientierung.

„E

in auf sehbehinderte und blinde Menschen abgestimmtes Leit- und Informationssystem trägt schon beim Erstkontakt wesentlich zur selbstständigen Orientierung bei“, weiß Mag. ­Petra Wrba von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und erklärt weiter: „Das Begrüßen und Ansprechen der Patienten, die Vorbereitung auf Untersuchungen und Behandlungen sowie die Beschäftigung während der Wartezeit erfordert eine gezielte Kommunikationsform und viel Einfühlungsvermögen.“ Sehschwache Patienten können oft das Gesicht ihres Gegenübers nicht oder nur unscharf erkennen und wissen daher oft nicht, ob der andere gesprächsbereit ist. Besonders zu Beginn eines Krankenhausaufenthaltes kann es für sie schwierig sein, die Mitarbeiter nach ihrem Äußeren zu unterscheiden und zuzuordnen, vor allem bei wechselnden Diensträdern. Oft werden Informationen daher auch nicht verstanden oder falsch interpretiert, was zu Problemen bei der Behandlung führen kann. „Sprechen Sie deutlich und wiederholen Sie bei Bedarf die Themen. Wichtig ist auch, sich immer wieder mit Namen vorzustellen, den Grund für den Kontakt zu nennen und

36 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Im Patientenzimmer selbst sind einfache Lösungen oft wirkungsvoll: „Kennzeichnen Sie das Bettende mit einer Armschleife, natürlich nur mit Einverständnis der Patienten, sodass Bettnachbarn, Besucher und das Gesundheitspersonal vor allem bei einem Notfall über die besondere Situation Bescheid wissen“, schlägt Wrba vor und ergänzt: „Im Zimmer müssen alle Einrichtungsgegenstände und Utensilien des Patienten immer am selben Ort belassen und mögliche Stolperfallen vermieden werden. Wege zu den Sanitäranlagen sollen mit dem Pflegepersonal eingeübt werden. Ist eine Gehbegleitung nötig, gibt der sehbeeinträchtigte Patient das Tempo vor, indem er sich bei der sehenden Begleitung einhängt.“ Das vorübergehende Anbringen von taktilen Hinweisen etwa durch Aufkleber oder kontrastreiche Zeichnungen kann den Sehbehinderten wesentlich bei der Orientierung unterstützen. Wer einmal versucht hat, mit einer Augenbinde zu essen, weiß um die Herausforderungen Bescheid. Einige einfache Tipps können schon wesentliche Erleichterungen bringen. So ist etwa ein weißer Becher auf einem weißen Nachttisch ein „No-Go“ für Sehbehinderte. Achten Sie daher, wenn möglich, auf Kontraste bei Geschirr und behalten Sie die Anordnung von Teller, Glas und Besteck immer bei. Rutschfeste Folien sind ein hilfreicher Untergrund. Eine Anordnung der Speisen auf dem Tablett und die dazugehörige Erklärung nach dem Uhrzeigerprinzip sind Sehbehinderten oft bekannt: „Erbsen auf halb sechs“ erklärt, was serviert wird und wo es am Tablett zu finden ist. „Damit wird die Selbstständigkeit gefördert und Defizite bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme werden verhindert“, so Wrba. Entsprechende Sensibilisierungstrainings werden von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs angeboten. n


PFLEGE & HOME CARE

Intensivberatung für ­Schwerstkranke Ganzheitliche Beratungsangebote sind im Gesundheitswesen nicht zuletzt aufgrund knapper ­Ressourcen rar. Wie können schwerkranke Patienten gut beraten werden, wenn Ärztemangel, ­Pflegenotstand und Arbeitszeitverkürzung im Spital den Alltag prägen? Die Intensivbetreuung und -beratung, die von der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitsmediation und Intensivberatung (ÖGGMIB) im Wiener Hanusch-Krankenhaus angeboten wird, setzt genau hier an. Die Idee ist durch die Weiterentwicklung der onkologischen Rehabilitation entstanden, die den Fokus auf die Wiederherstellung physischer Gesundheit bzw. auch auf psycho-onkologische Aspekte legt. Nicht finanziert wird dabei die Förderung sozialer Gesundheit, also der Erhalt der Arbeitsfähigkeit oder die Reintegration in den beruflichen Alltag. Um das zu gewährleisten, beginnt die Intensivberatung bereits bei der Diagnose einer schweren Erkrankung und damit zum ehestmöglichen Zeitpunkt, sodass Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie – als Folge – gar nicht erst entstehen. Mit dieser Form der Beratung wird die Lücke zu bestehenden Angeboten wie der Krebshilfe, der Psy-

choonkologie oder der Sozialarbeit geschlossen, indem sofort auch das soziale Umfeld mit einbezogen wird. Das Team aus Ärzten, Psychotherapeuten, Gesundheitsmediatoren, Juristen und der Pflege bietet auch einen interdisziplinären, multiprofessionellen und auf die Patientenbedürfnisse abgestimmten Ansatz. Betreut wird nicht nur während eines Spitalsaufenthaltes, sondern auch danach, sodass der Fokus auf Gesundheit und Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt. Pro Patient stehen sechs bis acht Beratungseinheiten zur Verfügung. In der ersten Projektphase 2013 bis 2015 wurde das Projekt vonseiten des Sozialministeriums finanziert. Kontakt: Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsmediation und Intensivberatung, www.oeggmib.at

Von Stückkostenberechnung hin zu einer nachhaltigen Preispolitik Die Initiative „Wund?Gesund!“ fordert mehr Transparenz in der ­Preisgestaltung sowie den raschen Zugang zu innovativen Produkten. Forschung und Entwicklung sind im Bereich Wundversorgung die Basis für ein effizientes Wundmanagement, das den Genesungsprozess beschleunigen kann. Das bringt Vorteile für alle Beteiligten: mehr Lebensqualität für Patienten, mehr Behandlungserfolg für Ärzte, bessere Pflegequalität und weniger Kosten für das System. Rund 250.000 Österreicher leiden an einer chronischen Wunde – Tendenz steigend. Jeder dieser Patienten hat ein Anrecht darauf, nicht nur ausreichend und zweckmäßig, sondern nach State of the Art, also möglichst effektiv und effizient behandelt zu werden.

Die Initiative Wund?Gesund! ist ein Zusammenschluss von Medizinprodukte-Unternehmen aus dem Bereich Verbandstoffe in Österreich. Sie setzt sich für mehr Bewusstseinsbildung rund um die Wundversorgung auf politischer Ebene, bei Ärzten, medizinischem Personal, Krankenhausverwaltung sowie beim Patienten ein. www.wund-gesund.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 37


PFLEGE & HOME CARE

ERNÄHRUNGSKONGRESS

Diätologen übernehmen ­Schlüsselrolle u Diätologen haben eine Schlüsselrolle in der Patientenversorgung, sind aber auf die Unterstützung und Zuweisung der Ärzte und des Pflegepersonals angewiesen. u Qualitätsmanagementsysteme unterstützen die Kommunikation im interdisziplinären Team.

P

atienten mit einem Tracheostoma haben nicht nur Probleme mit dem Sprechen, sondern auch mit der Aufnahme von Medikamenten und der Nahrung. Um diese Patienten besser versorgen zu können, hat Diätologin Maria-Magdalena Wetzinger vom Landeskrankenhaus Feldkirch gemeinsam mit Kollegen aus dem HNO-Bereich, der Pflege und der Logopädie die erste interdisziplinäre Tracheostoma-Ambulanz Österreichs gegründet. Dafür erhielt sie nun den auf dem diesjährigen Ernährungskongress erstmals vergebenen DIAETAWARD des Berufsverbandes der Diaetologen Österreichs. Die Plätze zwei und drei gingen an das LKH-Universitätsklinikum Graz für wegweisende Projekte zum Thema Mangelernährungsscreening und Qualitätsmanagement.

Mangelernährung verhindern Die Siegerin Maria-Magdalena Wetzinger hat gemeinsam mit einer HNO-Ärztin, einer Diplomkrankenschwester und einer Logopädin die erste österreichische Fachambulanz für Patienten­mit Tracheostoma eingerichtet. Von insgesamt 74

38 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Nachweisbar gute Patientenversorgung Anna Eisenberger und ihr Team zeigten auch in einem anderen Projekt, wie die Patientenversorgung hinsichtlich Ernährung maßgeblich verbessert werden kann. Dafür implementierten sie ein eigenes Qualitätsmanagementsystem für die Diätologie. ­Eisenberger: „Ziel war es, praktische Handlungs- und Entscheidungsgrundlagen für das tägliche Handeln jeder individuell ­arbeitenden Kollegin einzuführen. Durch die Schaffung einheitlicher Standards wie Behandlungs- und Patientenberatungsrichtlinien konnten wir Qualität und Effizienz unserer Arbeit steigern.“ Die Standards werden zweimal jährlich auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht. Außerdem können Therapieerfolge und Kundenzufriedenheit gemessen werden. Die Einführung des Qualitätsmanagementsystems hat zudem zu einer verbesserten Kommunikation im interdisziplinären Team sowie einer hohen Wertschätzung der Berufsgruppe geführt.  n www.diaetologen.at

© Stock-Asso – shutterstock.com

Screeningmethode bei Mangelernährung wurde ausgezeichnet.

bisher betreuten Patienten bestand bei 32 Personen schon beim Erstkontakt ein Mangelernährungsrisiko. Durch diätologische Beratung und Ernährungstherapie konnte diesem erfolgreich entgegengewirkt werden. Die zweitplatzierten Doris Eglseer und Anna Eisenberger vom LKH Graz ebneten mit ihrer Arbeit einem flächendeckenden Mangelernährungsscreening zur Erfassung von Risikopatienten ein Stück weit den Weg. Sie bewiesen in ihrer Studie, dass das 2006 eingeführte „Grazer Mangelernährungsscreening“ nicht nur eine einfach zu handhabende Methode ist, die innerhalb von drei bis fünf Minuten durchgeführt werden kann, sondern auch wissenschaftlich fundiert ist. Da das Tool ins elektronische Dokumentationssystem eingebunden ist, können mangelernährte Patienten damit automatisch an die Diätologie überwiesen werden. Das stellt eine enorme Erleichterung für Ärzte und Pflegepersonal dar.


© Stock-Asso – shutterstock.com

Worauf DiabetologInnen schwören.

DIABETES FORUM setzt höchste Maßstäbe an die fachliche Kompetenz der Berichterstattung und ist so mit Recht das führende Medium für alle Fragen rund um das Thema Diabetes. Und trotz hohen wissenschaftlichen Standards ist DIABETES FORUM immer übersichtlich, lesefreundlich und verständlich. Ein echtes Nachschlagewerk für die tägliche Praxis.


Dr. Monika Ploier Rechtsanwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz

SERIE: Fragen aus der Praxis Teil 2

Nadelstichverordnung im Praxistest Aufgrund von Beobachtungen und Anfragen aus der Praxis im täglichen Umgang mit Sicherheits­ produkten gemäß Nadelstichverordnung (NastV) ist die Industrie häufig mit spezifischen Fragestellungen konfrontiert, die in ihrem vollen rechtlichen Umfang nicht immer einfach zu beantworten sind. Anhand unterschiedlicher Szenarien wurden mit Dr. Monika Ploier von der Rechtsanwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz exemplarische Fallbeispiele und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.

Eine OP-Pflege reicht dem operierenden Chirurgen ein Sicherheitsskalpell, nach dessen Benützung wird dieses ohne Aktivierung des Sicherheitsmechanismus an die OP-Pflege zurückgereicht. Diese reicht das Skalpell zur Entsorgung an eine Kollegin weiter, sieht dabei aber auf den OP-Tisch und somit in eine andere Richtung. Bei der Übergabe schneidet sich die OP-Pflege 2 an dem ungeschützten blutigen Skalpell und infiziert sich mit Hepatitis B. Wer haftet wofür? Ploier: Durch die Infektion mit Hepatitis B ist die strafrechtliche Verfolgung aufgrund fahrlässiger Körperverletzung möglich. Die Voraussetzung dafür ist, dass tatsächlich eine Infektion eintritt – das bloße Stechen aufgrund der Nichteinhaltung der gesetzlichen Vorgaben wird nicht für eine strafrechtliche Haftung ausreichend sein. Bei einer strafrechtlichen Verfolgung ist auch der Vorsatz wichtig, dieser besteht in diesem Zusammenhang nicht. Es kann passieren, dass von der geschädigten OP-Pflege 2 ein Schmerzensgeldanspruch erhoben wird bzw. Heilungskosten geltend gemacht werden.

40 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

Ist dem Krankenanstaltenträger ein organisatorisches Fehlverhalten vorzuwerfen? Im vorliegenden Beispiel ergibt sich kein Fehlverhalten, das dem Krankenanstaltenträger vorzuwerfen wäre. Ein organisatorisches Fehlverhalten würde beispielsweise vorliegen, wenn die Infektion der OP-Pflege 2 nicht unmittelbar und unverzüglich behandelt wird bzw. kein interner Ablauf geregelt ist, der vorgibt, wie in solchen Situationen vorzugehen ist, oder wenn die Informationspflicht nach NastV oder ASchG verletzt wurde. Falls nachweislich eine Unterweisung und Information erfolgt ist, macht sich ein Arbeitnehmer, also zum Beispiel eine Pflegeperson oder ein Arzt, strafbar, wenn er das Arbeitsmittel nicht ordnungsgemäß benützt und dadurch eine Gefahr für andere Arbeitnehmer herbeiführt. Der Arbeitgeber, also etwa ein Krankenhausträger, kann in diesem Fall nur dann belangt werden, wenn er nachweislich weder für Informationen über die Gefahren für Sicherheit und Gesundheit noch für eine ausreichende Unterweisung der Arbeitnehmer gesorgt hat (§§ 12 und 14 ASchG). n

Na

© Photographee.eu – shutterstock.com

Nicht immer liegt ein organisatorisches Fehlverhalten vor.

Welche Rolle spielt der Krankenanstaltenträger? Aufgrund der sogenannten Erfüllungsgehilfenhaftung nach § 1313a ABGB haftet der Krankenanstaltenträger grundsätzlich für Handlungen seiner Mitarbeiter – allerdings nur für schädigende Handlungen, die mit der Erfüllung in einem inneren Zusammenhang stehen. Es können jedoch auch die konkret betroffenen handelnden Personen aufgrund der sogenannten deliktischen Haftung belangt werden. Der Anwender, der ein Medizinprodukt verwendet, ist auch dafür verantwortlich, dass der Sicherheitsmechanismus aktiviert wird. Im vorliegenden Fall liegt diese Aufgabe grundsätzlich beim Arzt, aufgrund dessen Missachtung auch bei der OP-Pflege 1, die das Skalpell ohne aktivierten Mechanismus an ihre Kollegin weiterreicht.


© Photographee.eu – shutterstock.com

POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Risiko reduzieren Die CombiSets® von HARTMANN beinhalten Sicherheitsprodukte, die den Anforderungen der Nadelstichverordnung entsprechen – zum Schutz für Mitarbeiter und Patienten.

I

m Gesundheitswesen sind die Risiken für Schnitt- oder Nadelstichverletzungen naturgemäß hoch. Grund ist das Hantieren mit Nadeln, Skalpellen oder scharfen chirurgischen Instrumenten, die durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten verunreinigt sind. Auch wenn die Verletzungen selbst meist geringfügig sind, kann es in der Folge zu schwerwiegenden Erkrankungen durch Infektion kommen. Die Zahlen sprechen für sich: 87 % der Nadelstichverletzungen werden durch Fertigspritzen, Kanülen und Klingen verursacht, über 3.5 Mio. Nadelstichverletzungen jährlich passieren mit infektiösem Material, 64 % der Nadelstichverletzungen passieren während der Anwendung, nach der Intervention oder beim Öffnen. Die Dunkelziffer ist hoch, denn 60 bis 90 % der Verletzungen werden gar nicht angegeben. (1)

Entgeltliche Einschaltung

Sicherheit im Vordergrund Die Nadelstichverordnung (NastV) regelt Maßnahmen zur Vermeidung des Risikos von Verletzungen und Infektionen durch scharfe oder spitze medizinische Instrumente. Dienstgeber und Anwender sind gleichermaßen gefordert, Strategien zur Vermeidung zu verfolgen. Aber auch Hersteller nehmen ihre Verantwortung ernst: Die Sicherheit der Anwender ist für das Medizinprodukteunternehmen HARTMANN ein wichtiger Aspekt. Daher wird bei der Zusammenstellung von CombiSet® auf Sicherheitsprodukte und die Reduzierung von Risiken besonderer Wert gelegt. CombiSets® von HARTMANN werden nach speziellen Anforderungen und Wünschen der Kunden zusammengestellt. Sie stehen für Prozessoptimierung und Effizienz im OP unter der Prämisse von Sicherheit und Risikoreduktion. Grundlegender

Sicherheitsprodukte und Zubehör von CombiSets® auf einen Blick Kabelfixierung Nadelsammelbox

Skalpellhalter

Undergloves

Bestandteil sind die zuverlässigen Foliodrape® Abdecktücher von HARTMANN. Das breite Sortiment an kombinierbaren OP-Abdecktüchern ermöglicht eine indikationsgenaue Lösung für jeden Eingriff. Ergänzen lassen sich die Sets individuell mit einer Vielzahl von Komponenten anderer Hersteller, beispielsweise Spritzen, Saugersystemen oder Skalpellen. Alle Produkte entsprechen den Vorgaben der NastV.

Mehrwert durch CombiSet® Durch die Verwendung von Sicherheitsprodukten und Zubehör wie Sicherheitskanülen, Sicherheitsskalpellen, Klingensammlern und Haltern, Undergloves, stichfesten Behältern oder Hautmarkierungsstiften minimieren die CombiSets® von HARTMANN bei jedem Eingriff das Verletzungsrisiko, die Anwendungsfehler und das Kontaminationsrisiko. Sie sorgen für mehr Qualität und Sicherheit und schaffen damit dem Behandlungsteam Freiraum für weniger Stress und besseren Fokus auf die Arbeit im OP. Mehr Produktivität und sinkende Kosten sind die Folge.  n

PAUL HARTMANN GmbH IZ NÖ Süd Straße 3, Postfach 110, 2355 Wiener Neudorf Tel.: +43-2236 64630-0, E-Mail: office@at.hartmann.info www.hartmann.info (1) Vorschlag für eine RICHTLINIE DES RATES zur Durchführung der von HOSPEEM und EGÖD geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor, KOM(2009)577 endgültig. 26.10.2009.

Magnetplatte HF Chirurgie Halterung

Instrumentenpad

Hautmarkierung

Instrumententasche OR Tape

Klingenentferner

Sicherheitskanüle

Sicherheitsskalpell Etiketten

Nierentasse Time Out Schild

Saugertasche


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Branche mit Zukunft oder Zukunft ohne die Branche? u Hochinnovative Medizinprodukte haben ihren Preis, helfen aber gesamtwirtschaftlich betrachtet, im Gesundheitssystem Kosten zu sparen. u „Sparen mit und nicht bei Medizinprodukten“ fordert die AUSTROMED, die Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen.

E

in hochkarätig besetztes Podium diskutierte anlässlich der Hauptversammlung der AUSTROMED über die Rolle der Medizinprodukte im heimischen Gesundheitswesen – jetzt und in Zukunft. Gemeinsam mit der Plattform der Gesundheitswirtschaft Österreich und dem Bundesgremium des Medizinproduktehandels konnten rund 150 Gäste begrüßt werden. Den Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Mag. Ulrike RabmerKoller (Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger), gefolgt von der Keynote der Medizinerin Dr. Anna Vavrovsky, MSc von der Academy for Value in Health. Sie präsentierte eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung der Therapie mit Heimsauerstoff bei COPD-Patienten, der Schlafapnoe sowie des intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK). Gemeinsam mit Dr. Ronald Hochreiter vom Institut für Statistik und Mathematik an der WU Wien hat sie direkte Kosten, indirekte Kosten und intangible Kosten erfasst und ausgewertet. Direkte Kosten sind all jene, die mit der Erkrankung und ihrer Behandlung in Zusammenhang stehen. Indirekte Kosten beziehen sich auf die Produktivität der Betroffenen und intangible Kosten stellen Schmerzen oder Lebensqualität in Rechnung.

„Wir haben 26 Millionen Heilbehelfe-Verordnungen im Jahr. Da müssen wir natürlich abwägen, was leistbar ist und was dem Patienten einen Nutzen bringt. An einem Erstattungskodex, ähnlich wie für Arzneimittel, arbeiten wir gerade, doch macht das die große Produktvielfalt bei Medizinprodukten nicht so leicht.“ Mag. Bernhard Wurzer, Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

42 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

„Bei der Betrachtung der demografischen Entwicklung und der künftigen Anforderungen an das Gesundheitssystem können wir uns an den Kosten festhalten oder die Chancen sehen, etwa für den Arbeitsmarkt oder für die Verbesserung der Lebensqualität. Ein wenig mehr Optimismus wäre angebracht.“ Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ und Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich

Im Fall von COPD wurde ein typischer Patient modelliert, der mit Heimsauerstoff therapiert wird. Die Kostenentwicklung wird einem Patienten ohne Therapie gegenübergestellt und die Gesamtkosten werden ermittelt. Eine adäquate Heimtherapie verringert nachweislich die Hospitalisierungsrate sowie die Aufenthaltsdauer von COPD-Patienten. Auch nicht diagnostizierte Schlafapnoe schlägt gesamtgesellschaftlich beträchtlich zu Buche, wenn Folgeprobleme wie Produktivitätsverluste, Unfälle, Bluthochdruck, Schlaganfall oder Depression ins Kalkül gezogen werden. Das Fazit der Medizinerin klingt einfach, findet jedoch in der Praxis noch wenig Eingang: Die indirekten Kosten vieler Krankheiten übersteigen die direkten um ein Vielfaches,

„Wenn in Österreich Innovationen nicht auf den Markt kommen, dann kaufen sich die, die es sich leisten können, die Produkte im Ausland. Wir haben hier eine sehr reale Zweiklassenmedizin.“ Cornelia Buchner-Jirka, Obfrau der Kontinenz-Stoma-Beratung Österreich


POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

eine individuelle Versorgung und Begleitung der Patienten dämmt also auch volkswirtschaftliche Kosten ein. „Medizinprodukte sind hoch innovativ, gewährleisten eine optimale Versorgung der Patienten zu Hause, sie bedeuten für die Betroffenen eine Steigerung der Lebensqualität und sie sparen effektiv Kosten“, betonte Vavrovsky. Dass die Branche im Spannungsfeld zwischen Innovationsdrang und Kostendruck sowie den Anforderungen der Gesetzgeber und der Wirtschaftlichkeit, aber auch zwischen Patientenbedürfnissen und Behandlungsoptimierung steht, hat die Diskussion deutlich gezeigt. Cornelia Buchner-Jirka (Obfrau der Kontinenz-Stoma-Beratung Österreich), Dr. Martin Gleitsmann (Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ und Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich), Mag. Gerald Loacker (Abgeordneter zum Nationalrat, Gesundheitssprecher der NEOS), MR Dr. Ulrike Unterer (Leiterin der Abteilung Technisch-wirtschaftliche Forschung, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft) und Mag. Bernhard Wurzer (Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) waren sich aber dennoch einig, dass das Zukunftspotenzial der Medizinprodukte-Branche jedenfalls besser genutzt werden muss.  n

Podiumsdiskussion über die Zukunft der Medizinprodukte mit Dr. Martin Gleitsmann (Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ, Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich), Moderatorin Barbara van Melle, Dr.med. Anna Vavrovsky, MSc (Academy for Value in Health), Mag. Ulrike Rabmer-Koller (Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger), MR Dr. Ulrike Unterer (Leiterin der Abteilung Technisch-wirtschaftliche Forschung, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft), Cornelia Buchner-Jirka (Obfrau der Kontinenz-Stoma-Beratung Österreich), Mag. Gerald Loacker (Abgeordneter zum Nationalrat, Gesundheitssprecher der NEOS), Mag. Bernhard Wurzer (Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger)

15. bis 16. Juni 2016 Austria Trend Eventhotel Pyramide, Vösendorf

6 Konferenzen unter einem Dach → Forum Spital für Krankenhausmanager → Forum Spital – Update Onkologie → Forum Spital für IT-Manager → Forum Spital für OP-Manager → Forum Spital – Bau und Betrieb von Gesundheitsimmobilien → Forum Pflege 2016

www.diespital.at Kontakt: Magdalena Ludl Customer Service, IIR GmbH E-Mail: anmeldung@iir.at Tel.: +43 (0)1 891 59 – 212

Unser Partner:

Es präsentieren sich:


IZINPROD ED

UK

© HV

BEN

LE

A R F Ü R DA

S

TB

S

M

BEN

LE

TE

H

C

A R F Ü R DA

UNVERZI

TB

IZINPROD ED

UK

M

LE

C

H

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

C

TB

IZINPROD ED

UK

BEN

TE

UNVERZI

H

S

M

DAS

MEDIZIN PR DUKT Mag. Ulrike Rabmer-Koller Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

GASTKOMMENTAR

E

in funktionierendes Sozialsystem und eine funktionierende Gesundheitsversorgung sind nicht möglich ohne eine funktionierende Wirtschaft – und das ist wesentlich, um das Gesundheitssystem für die Bevölkerung abzusichern. Die Medizinproduktebranche ist als Teil der Gesundheitswirtschaft ein wichtiger Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich und mit ihren innovativen Produkten auch

44 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

ein Garant für die künftige Absicherung einer optimalen Gesundheitsversorgung. 1.800 Mitglieder, 13.000 Beschäftigte und rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz im Medizinproduktehandel in Österreich sprechen für sich. Gemeinsam müssen wir sicherstellen, dass es auch für unsere Kinder und Enkel ein qualitativ hochwertiges, leistungsfähiges und finanzierbares Gesundheitssystem gibt. Ich habe mir für meine Tätigkeit drei Schwerpunkte gesetzt: Erstens müssen wir den Patienten in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Dazu gehört die bestmögliche Versorgung, deshalb sind Medizinprodukte eine Schlüsselbranche. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem effizienten Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Und last, not least, muss ein deutlicher Schwerpunkt unserer Arbeit auf Prävention liegen. Auch da spielt die Medizinproduktebranche eine wesentliche Rolle. Innovative Entwicklungen können die Lebensqualität vieler Patienten verbessern. 600.000 Menschen mit Diabetes, 1,5 Millionen Arbeitnehmer mit Rückenproblemen und rund 1,75 Millionen Österreicher mit Bluthochdruck sind alarmierende Zahlen – Tendenz weiter steigend. Während die Lebenserwartung insgesamt steigt, bleibt die Zahl der gesunden Jahre gleich. Die Zahl der Jahre, die wir in Krankheit älter werden, steigt an. Es ist daher dringend erforderlich, die Gesundheitskompetenz zu steigern und dafür zu sorgen, dass aus gesunden Kindern auch gesunde Erwachsene werden. Wenn wir dafür sorgen, dass Menschen gesund bleiben, haben wir künftig auch geringere Kosten für die Therapie und können mehr finanzielle Mittel für Innovationen reservieren. Gesundheit ist unser wichtigstes Gut, daher müssen wir die Bevölkerung unterstützen, dass sie damit sorgsam umgeht. Dazu zählen die Vorsorge, um gar nicht erst krank zu werden, und die bestmögliche Versorgung im Falle von Krankheit. Das kann nur durch das Zusammenspiel aller funktionieren, die Mitverantwortung für eine gute Entwicklung unserer Gesellschaft tragen. Dazu zählen als wichtige Partner die Medizinprodukte-Unternehmen und die Anbieter von Gesundheitsleistungen. n

© Graphicroyalty – Fotolia.com, © sissoupitch – Fotolia.com

Der Patient im Mittelpunkt


© Graphicroyalty – Fotolia.com, © sissoupitch – Fotolia.com

© GS1 Austria/Peter Svec

Ihr Ansprechpartner Klaus Schober, MA Business Development Manager Healthcare schober@gs1.at

Sicherheit für ­Medizinprodukte Die eindeutige Kennzeichnung einzelner Medizinprodukte sichert deren effiziente Liefer- und Versorgungskette. 2016 ist nun auch die erste Tranche von Medizinprodukten der Klasse 2* für den US-amerikanischen Markt betroffen. nique Device Identification (UDI) bezeichnet eine Richtlinie der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zur Kennzeichnung von Medizinprodukten. In Europa wird sie von der Europäischen Kommission in adaptierter Form umgesetzt, um durch eine eindeutige und international gültige Identifikation eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten innerhalb jeder Stufe der Healthcare Supply Chain sicherzustellen. Dieses System wird mit 2019 erwartet. Darüber hinaus wird die Identifikation der Medizinprodukte während des gesamten Lebenszyklus gewährleistet. Zukünftig sollen auch Rückrufe sowie Meldungen im Rahmen unerwünschter Ereignisse effizienter gehandhabt werden.

© GS1 Austria/iStockphoto

Entgeltliche Einschaltung

U

85 % aller bereits eingetragenen Produkte sind mit GS1 Standards ­gekennzeichnet.

UDI im Zusammenspiel mit GS1 Standards Anforderungen der UDI (Artikel) Lösungen von GS1 UDI GS1 System Unique Device Identification von Produktidentifikation Medizinprodukten DI GTIN Device Identifier des­ Global Trade Item Number – Medizinproduktes ­internationale Produktidentifikation PI Production Identifier (wo anwendbar)

DI + PI = UDI

AI Application Identifier (TraceabilityDaten) variieren nach Art des Produktes und der Geschäftspraktiken Applikationsidentifikator u Verfalldatum AI(17) – YYMMDD u Chargennummer AI(10) – bis zu 20 Zeichen, alphanumerisch u Seriennummer AI(21) – bis zu 20 Zeichen, alphanumerisch GTIN oder GTIN + AI(s) = UDI

Produkte einzigartig identifizierbar Bereits seit 2014 sind die Medizinprodukte der Klasse 3* betroffen. Unzählige Hersteller in diesem Bereich kennzeichnen bereits ihre Produkte mittels „Unique Identifier“. Laut letzten Erhebungen sind ca. 85 % der bereits eingetragenen Produkte mittels GS1 Standards gekennzeichnet. Vor einer Herausforderung stehen Unternehmen immer wieder bei der Übermittlung der Stammdaten von Medizinprodukten, welche entweder manuell erfasst oder auch automatisiert an die FDA übermittelt werden können. GS1 Austria bietet eine Lösung an, um diese automatisiert und kostengünstig an die FDA weiterzuleiten. GS1 Austria ist Ihnen gerne bei der Umsetzung der UDI-­ Anforderungen behilflich.  n

GS1 Austria GmbH Brahmsplatz 3, 1040 Wien, www.gs1.at, office@gs1.at Tel: +43-1-505 86 01, Fax: +43-1-505 86 01-22 * Die Klassifizierung in die verschiedenen Klassen erfolgt aufgrund diverser Parameter und Regeln (z. B. Risikoklassifizierung) und ist nicht einheitli­ch.

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 45


Investitionen in Forschung und Entwicklung Im Rahmen der Studie „Internationalisation of business investments in R&D and analysis of their economic impact“ veröffentlichte das Innovation Systems Department des Austrian Institute of Technology (AIT) kürzlich einen aktualisierten Länderbericht zu den Forschungsinvestitionen multinationaler Unternehmen am Standort Österreich. Unternehmen betreiben Forschung und Entwicklung nicht nur im Herkunftsland, sondern auch zunehmend an ausländischen Standorten. In Österreich machen die Ausgaben von multinationalen Unternehmen in ausländischem Besitz in Forschung und Entwicklung (F&E) mittlerweile mehr als die Hälfte der gesamten F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors aus. Die Entwicklung zeigt, dass Österreich seine Position als attraktiver Forschungsstandort noch immer im internationalen Wettbewerb behaupten kann.  Der Bericht ist unter www.ait.ac.at/ internationalisation zum Download verfügbar.

Mechano-Transduktionstherapie zur Schmerzbehandlung Eine wichtige Rolle zur Prophylaxe und Therapie von Rückenbeschwerden spielt die nicht invasive Therapieform der Mechano-Transduktion. Durch die Übertragung von mechanischen Wellenstimuli an die Gewebszellen wird eine blockadelösende Muskeltätigkeit ausgelöst, die eine

heilsame biologische Antwort zur Folge hat. Diese komplexe Wellentechnologie findet eine für die Patienten erstaunlich einfache und schmerzfreie Anwendung. Als singuläre Prozedur oder zur ergänzenden Vorbereitung anderer Schmerzbehandlungen im Rückenbereich wird dazu die EvoCell-Therapieliege eingesetzt. Nach Angaben einer positiv bewerteten Testphase im Ambulatorium für physikalische Medizin und Rehabilitation der Burgenländischen Gebietskrankenkasse gewährleistet EvoCell als Ganzkörperliege maximalen Behandlungskomfort. Im typischen Intervall von zwei bis drei Behandlungen pro Woche mit einer Dauer von jeweils 15 Minuten wird das Verfahren in Liegeposition am bekleideten Pati-

enten durchgeführt. Die Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Universität Wien und das Ambulatorium der Gebietskrankenkasse Eisenstadt führen derzeit auch eine Studie zur Effektivität und Akzeptanz der neuen Schmerztherapie durch. www.evocell.de

Roboter gegen bakterielle ­Infektionen Im EU-Projekt MARA (Molecular Analytical Robotics Assays) werden neue Technologien für die Diagnose und Bekämpfung bakterieller Infektionen entwickelt. Für einen effizienten Seuchenschutz sind flächendeckende Analysen aller potenziell mit bakteriellen Erregern infizierten Patienten, aber auch Umweltproben notwendig, die jedoch zurzeit aus Kostengründen nicht durchgeführt werden.

Im Projekt MARA werden hochinnovative Konzepte für die Diagnostik, aber auch für die Therapie von Krankheitserregern und Antibiotikaresistenzen geschaffen. In den nächsten vier Jahren werden die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen erforscht und, falls möglich, erste Prototypen entwickelt. Mithilfe von funktionalen DNA-Robotern sollen bakterielle Erreger oder Tumorzellen aufgespürt und durch das Aufbohren der Zellwand zerstört werden. So könnten auch multiresistente Erreger ausgeschaltet werden.  www.ait.ac.at

Kinder-Zulassung für neue ­Diabetes-Sensor-Technologie Abbott Diabetes Care hat für das FreeStyle Libre Flash Glukose-Messsystem eine Zulassung für Kinder und Jugendliche mit Diabetes im Alter von vier bis 17 Jahren erhalten. Dabei werden die Glukosewerte über einen Sensor abgelesen, der auf der Rückseite des Oberarms für bis zu 14 Tage getragen werden kann und routinemäßige Blutzuckermessungen mittels Fingerstich unnötig macht. Auch die Kalibrierung mittels Fingerstich ist nicht mehr notwendig. In einer kürzlich durchgeführten Präzisionsstudie erwies sich das FreeStyle Libre Flash Glukose-Messsystem für Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren aus klinischer Sicht für eine Dauer von bis zu 14 Tagen als genau, präzise, stabil und konstant. Zusätzlich gaben mehr als 97 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass das FreeStyle Libre System einfacher in der Anwendung sei als die Fingerstich-Messung. www.bessermessen.at

© Harald Eisenberger

© lily – Fotolia.com

PRODUKTE & ANBIETER

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, S­ eidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Karin Duderstadt, k.duderstadt@medmedia.at, Tel: +431-407 31 11-29. Projektmanagement: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­publishfactory.at. Redaktion: Dr. Jasmin Arrich, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, Mag. Volkmar Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: ­creativedirector.cc­lachmair gmbh. Druck: ­Druckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder ­wissenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf g­ eschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum.

46 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16


PRODUKTE & ANBIETER

Norgine: Starker Partner in der Darmkrebsvorsorge Norgine ist ein europäisches Unternehmen für Spezialpharmazeutika, das bereits seit mehr als 100 Jahren besteht. Mit über 1.000 Mitarbeitern wurde im Jahr 2015 ein Umsatz von insgesamt 317 Millionen Euro erwirtschaftet.

N

orgine besitzt in Europa die Fachkompetenz und das entsprechende Know-how, um Produkte zu entwickeln, herzustellen und zu vermarkten, die Medizinern, Kostenträgern und Patienten echten Mehrwert bieten. Die Strategie und Infrastruktur des Unternehmens ist integrativ und darauf ausgerichtet, neue Partnerschaften für künftiges geschäftliches Wachstum zu gewinnen.

Entgeltliche Einschaltung

Innovationen unterstützen Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in den Niederlanden und die globalen Aktivitäten werden von Amsterdam (NL) und Harefield (GB) aus gelenkt. Norgine betreibt einen F&E-Standort in Hengoed, Wales, und zwei Fertigungsstandorte (Hengoed, Wales, und Dreux, Frankreich). Im Jahr 2012 gründete Norgine das Norgine Ventures, ein Unternehmen, mit dem innovative Healthcare-Unternehmen durch die Bereitstellung von Fremdkapitalfinanzierung in Europa und den USA unterstützt werden sollen.

Medizinprodukt im Fokus Mit ENDOCUFF VISION® bringt Norgine einen endoskopischen Übertubus zum Einmalgebrauch auf den Markt, der auf

Vorteile auf einen Blick u E inmaliger Aufstecksatz für alle gängigen Endoskope u A nwenderfreundliches und innovatives Medizinprodukt u B essere Sichtbarkeit u E rhöht Adenom-Detektionsraten (ADR) signifikant1 u V erleiht besseres Handling durch mehr Stabilität u V erbesserung durch Erhöhung der Schnelligkeit (Zökum-Intubationszeit) und Effizienz der Koloskopie1 u L atexfrei

¹ Tsiamoulos ZP. et al, Gastrointestinal Endoscopy 2015; 81 (5S): Sa1423

AT/COR/0316/0010

das distale Ende eines Endoskops passt. Der Übertubus wird in Großbritannien von Boddingtons Plastics Limited gefertigt, einem Kunststoffhersteller, der gegenwärtig über die CEKennzeichnung für das Produkt verfügt. Der Übertubus ist ca. 2,5 cm lang und 1,5 cm breit und von minimalem Gewicht. ENDOCUFF VISION® verfügt über einzigartige Gelenkarme, die flach am Schaft des Endoskops anliegen, um bei der Intubation eine glatte Oberfläche mit geringem Reibungswiderstand zu erzeugen. Bei der Extubation klappen die Arme des Gerätes aus, um die Spitze des Endoskops zu stabilisieren und im Lumen zu zentrieren. Somit verfügt der Arzt über eine bessere Kontrolle und kann die Falten des Kolons glätten. Dadurch entsteht eine hervorragende Sicht auf die Darmwand.  n

Norgine Pharma GmbH Haidestraße 4, 1110 Wien Tel: +43-1-817 81 20, www.norgine.com info@norgine.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 47


KONGRESSE uu AUSBLICK 2. Salzburger Continence-, Wound- und Ostomie (CWO)Tagung 19.-21. Juni 2016, Salzburg, www.ecwo.at Die Anforderungen an Kontinenz- und Stomaberater werden immer spezieller und vielfältiger. Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung und wirtschaftliches Arbeiten sind einige Herausforderungen, die wir zur herkömmlichen Versorgung und Beratung von Betroffenen mit einem Stoma, einem Kontinenzproblem oder einer Wunde leisten. Die Veranstaltung umfasst interessante Vor-

träge und Workshops zu den Themen Kontinenz-, Wund- und Stomamanagement und gibt zusätzlich auch die Möglichkeit zur Diskussion. Im Rahmen einer großen Industrieausstellung werden neue Produkte und Innovationen vorgestellt.

59. Österreichischer ­Kongress für Krankenhausmanagement 9.-11. Mai 2016, Congress Center Villach www.sanicademia.eu Der Kongress steht unter dem Generalthema des Alterns. Wissenschaftlich erwiesen, stellt uns die

Tatsache, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, bereits heute und vor allem in der Zukunft vor enorme Herausforderungen. Keine Profession des Gesundheitswesens – Pflege, Medizin, Ökonomie – kann die Augen davor verschließen und die Veränderungen einfach auf sich zukommen lassen. Nur eine Zusammenarbeit zwischen den Bereichen kann eine Vereinbarkeit von finanziellen, pflegerischen und medizinischen Zielen erreichen. Und diese ist absolut notwendig, um unser so oft gelobtes Gesundheitssystem aufrechterhalten zu können. Analysen, intensiver ­interdisziplinärer Austausch und konkrete Strategien sind unverzichtbar, um diese Zukunft mitzugestalten – denn auch wir werden irgendwann älter.

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

Medizinisches Basiswissen II

9.+10. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Der schwierige Kunde kauft

11.+12. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

MAI

JUNI Workshop Vergaberecht in der Praxis

8. Juni 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Verhalten im OP

9. Juni 2016, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

Medizinproduktegesetz Update, Änderungen aufgrund Novelle 2009, für Absolventen MPG bis einschließlich Sommer 2009

10. Juni 2016, 09:00 – 13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

AU G U S T Medizinproduktegesetz einschließlich Novelle 2009

18. August 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinproduktegesetz *) für die Befähigungsprüfung (Rechtliche Rahmenbedingungen)

19.+20. August 2016, 09:00 – 17:00 Uhr bzw. 09:00 – 13:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen *) für die Befähigungsprüfung

22.+23. August 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Medizinisches Basiswissen I

24.+25. August 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Erste Hilfe-Kurs (Auffrischung)

5. September 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes, Börseplatz 6, 1010 Wien

Erste Hilfe-Kurs (Betriebsersthelfer)

27.+28. September 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes, Börseplatz 6, 1010 Wien

Info & Anmeldung: www.austromed.org *) Die schriftliche Prüfung wird am 20. September 2016 von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien abgenommen. Die mündlichen Prüfungstermine finden je nach Kandidatenanzahl ab dem 10. Oktober 2016 statt. Es besteht die Möglichkeit, für die mündliche Prüfung einen Wunschtermin bei der Meisterprüfungsstelle zu deponieren. ACHTUNG: Mit der Anmeldung zu unseren Vorbereitungsveranstaltungen sind Sie nicht automatisch zur Befähigungsprüfung angemeldet. Eine gesonderte Anmeldung bei der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Wien ist bis 12. August 2016 erforderlich: Manfred Stolzer, Tel 01 51450-2450 oder manfred.stolzer@wkw.at

48 DAS MEDIZINPRODUKT 02/16

© Syda Productions – Fotolia.com

SEPTEMBER


KONGRESSKALENDER t APRIL 2016

t MAI 2016

24.-26. 04. 2016

09.-12. 05. 2016

ECTES 2016 – 17th European Congress of Trauma and Emergency Surgery Wien, www.estesonline.org

26.-27. 04. 2016

AUVA Forum Prävention Congress Messe Innsbruck www.auva.at

09.-11. 05. 2016

6. Kongress Advanced Nursing Practice, Linz, www.fh-ooe.at

Österr. Kongress für Krankenhausmanagement Congress Center Villach www.sanicademia.eu

27.-30. 04. 2016

11.-13. 05. 2016

10. Österreichischer ­Infektionskongress Saalfelden, www.oegit.at

Wund DACH-Kongress Salzburg Congress www.atcardio.at

12. 05. 2016

2. Internationaler Kongress für Schmerz- und Palliativmedizin Congress Villach www.sanicademia.eu

13.-14. 05. 2016

5. Internationaler Kongress für Geriatrie und Gerontologie Congress Villach www.sanicademia.eu

25.-27. 05. 2016

57. Österreichischer ­Chirurgenkongress, Salzburg www.chirurgen-kongress.at

t JUNI 2016

01.-03. 06. 2016

XXIX. ÖBAI Symposium Österreichischer Berufsverband für Anästhesie- und Intensivpflege, Gmunden, www.oebai.at

01.-04. 06. 2016

Jahrestagung der Österr. Kardiologischen Gesellschaft Salzburg Congress, www.atcardio.at

03.-04. 06. 2016

58. ÖGU-Fortbildungsver­­­an­ staltung „Polytrauma“ AUVA Wien, www.unfallchirurgen.at

uu RÜCKBLICK

© Syda Productions – Fotolia.com

Der 8. Gesundheitswirtschaftskongress konnte auch in diesem Jahr wieder mit einem neuen Rekord aufwarten: 450 Teilnehmer waren nach Wien gekommen, um über die Bedeutung, Chancen und Risiken ökonomischer Aspekte im Gesundheitswesen zu diskutieren. Ob allein das stetig wachsende Interesse als Indiz für eine ebenso stetig wachsende Bedeutung der Ökonomie in der Medizin gedeutet werden kann, darüber herrschte unter den Experten allerdings Uneinigkeit. Dr. Martin Gleitsmann, Wirtschaftskammer Österreich und als Geschäftsführer der Plattform Gesundheitswirtschaft einer der Initiatoren der Veranstaltung, hat eher den Eindruck, „dass dieses Thema im Vergleich zu anderen Ländern in Österreich noch immer krass unterschätzt wird“. Dabei könne die Gesundheitswirtschaft gleich in mehrfacher Hinsicht zum Gemeinwohl wesentlich beitragen: Sie kann zum Beispiel helfen, die angespannte Situation am heimischen Arbeitsmarkt nachhaltig zu entschärfen. Bereits jeder siebente Beschäftigte komme nämlich inzwischen aus dem Umfeld der Gesundheitswirtschaft, Tendenz steigend. Das sollte nach Meinung Gleitsmanns für ein Land mit dem gegenwärtig zweitgrößten Wachstum bei den Arbeitslosenzahlen in Europa doch von gesellschaftspolitischer Relevanz sein. Auch als Wachstumsmotor für das Bruttoinlandsprodukt könnte die Gesundheitswirtschaft eine gewichtigere Rolle spielen.

© Integra

Gesunde Marktwirtschaft

INTEGRA® 2016 – DIE MESSE FÜR MEHR ­LEBENSQUALITÄT 27.-29. April 2016, Messezentrum Wels Auch 2016 bildet die integra® als etablierte Leitmesse für Pflege, Reha und Therapie eine Plattform der Begegnung von Menschen mit Beeinträchtigung, Angehörigen und professionellen Helfern. Neben einer 14.000 m2 großen Fachausstellung rehatechnischer Produkte dient das breite, kostengünstige Bildungsangebot als Quelle neuer Anregungen für die tägliche Arbeit. Herausforderungen der Zukunft wie Bildung und Beschäftigung, Teilhabe, Prävention, Demenz, Barrierefreiheit und neue berufliche Herausforderungen sind besondere Schwerpunkte.

www.integra.at

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 49


DABEI Zusammenhalt statt ­Zersplitterung Kosteneffektivität, Strukturveränderungen, Transparenz im Gesundheitswesen waren zentrale Diskussionsthemen beim Health Care Symposium der Pharmig Academy. Mag. Philipp Lindinger, AUSTROMED-Geschäftsführer, war mit am Podium. Medizinischer Fortschritt findet zweifelsohne statt, aber gibt es in einem solidarischen Gesundheitssystem für den Einzelnen den Anspruch auf die beste medizinische Versorgung? Und wer bestimmt den Preis dafür bzw. brauchen wir neue Ansätze bei der Mag. Philipp Lindinger,­ Bewertung von innovativen Leistungen? ­ AUSTROMED-­ Geschäftsführer Führende heimische Gesundheitsexperten diskutierten über Kosteneffektivität, den notwendigen strukturellen Wandel und funktionierende Ärzte-Arbeitsmodelle und waren sich über den Status quo rasch einig: Der Trend geht derzeit klar in Richtung stärkerer Partikularinteressen und eines sinkenden Willens, Herausforderungen in Kooperation zu meistern. Prof. DDr. Christian Köck, Geschäftsführer Health Care Company GmbH, knüpfte in seiner Keynote an diesen Gedanken an und sprach von einem Politikstatt einem Politikerversagen, wenn der Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenlebens durch Partikularinteressen gefährdet ist. Es sei die Verantwortung jedes Einzelnen, endlich Kosteneffektivität und rationale Strukturen in das Gesundheitssystem zu bringen und kollektive Interessen mit privatwirtschaftlichen in Einklang zu bringen. Wesentlich ist für Pharmig-Präsident Dr. Robin Rumler dabei die Transparenz: „Die Industrie muss klar aufzeigen können, was der Wert eines Arzneimittels ist.“ Die Verringerung von Krankenstandstagen, eine schnellere Rückkehr ins Arbeitsleben, kürzere Spitalsaufenthalte, diese Faktoren seien in die Debatte um die Medizinprodukte- und Arzneimittelkosten mit aufzunehmen, forderte Lindinger in diesem Zusammenhang. Transparenz auf allen Kostensektoren, das sei auch laut Univ.Prof. Dr. Judit Simon von der MedUni Wien eine Notwendigkeit, um einzelne Komponenten im System bewerten zu können. Die Teilnehmer waren sich auch darüber einig, dass Reformen nur erfolgreich umgesetzt werden können, wenn sich alle Stakeholder im Gesundheitswesen mit den Vertretern der Politik an einen Tisch setzen. „Wir müssen in einen vom Kooperationsgedanken getragenen Diskurs treten, Transparenz walten lassen und gemeinsame Ziele verfolgen“, resümiert Rumler.

„Volkswirtschaftliche Auswirkungen einer Innovation können nur unter Einbeziehung des Nutzens bewertet werden. Dazu fehlt derzeit die Datenbasis.“ Mag. Philipp Lindinger, AUSTROMED-Geschäftsführer

Zukunftsstrategien für die ­Medizinprodukteindustrie In Kooperation mit der AUSTROMED wurde ein Positionspapier der IVLandesgruppen Wien, Niederösterreich und Burgenland erstellt, das sich vorrangig dem Thema von Medizinprodukten im Spannungsfeld zwischen Innovation und Forschung, öffentlicher Auftragsvergabe und Refundierung widmet. Einerseits profitiert das Gesundheitswesen von Innovationen, da es zu Effizienz- und Effektivitätssteigerungen kommt. Derzeit kommen diese Innovationen aber erst sehr spät auf den heimischen Markt und werden zudem nicht oder nur eingeschränkt erstattet. Die Folgen sind Nachteile für Patienten und Mehrkosten für das System sowie ein deutlich negatives Signal für den Innovationsstandort Österreich.  Das Positionspapier kann auf http://www.austromed.org/ueber-uns/publikationen/ heruntergeladen werden.

Ins. Klinik GW DUK 01.16_: 20.01.16 11:11 Seite 1

Management für Technik im Gesundheitswesen Abschluss: Master of Science (MSc) Beginn: Wintersemester 2016 Teilnahmegebühr: EUR 11.900,-

www.donau-uni.ac.at/technikimgw

50 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16 02/16

OP-Koordination

OP-Management

Abschluss: Zertifikat Beginn: 14. November 2016 Teilnahmegebühr: EUR 4.800,-

Abschluss: Master of Science (MSc) Beginn: 22. Februar 2016 Einstieg bis 18. April möglich! Teilnahmegebühr: EUR 11.900,-

Abschluss: Akad. OP-Koordinator/in Beginn: 22. Februar 2016 Einstieg bis 18. April möglich! Teilnahmegebühr: EUR 8.500,-

www.donau-uni.ac.at/opm

www.donau-uni.ac.at/opk

Donau-Universität Krems. Zentrum für Management im Gesundheitswesen. Tel. +43 (0)2732 893-2648, gerlinde.weber@donau-uni.ac.at


DAS

MEDIZIN PR DUKT IZINPROD ED

UK

M

LE

DAS SCHLUSSWORT

Wider den Stillstand N

eue Besen kehren gut, aber alte kennen die Ecken, heißt ein bekanntes Sprichwort. Als neuer Präsident der ­AUSTROMED, der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, bringe ich von beidem etwas mit: In der Funktion als Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher habe ich die Rahmenbedingungen, unter denen ­ ­Medizinprodukte-Unternehmen in Österreich agieren, sehr genau kennengelernt – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Gleichzeitig möchte ich mich als AUSTROMED-­ Präsident nicht mit einem typisch österreichischen Zugang zufrieden geben, der heißt: „Es ist eben so, wie es ist, und so war es immer schon.“ Die Branche in Österreich ist von einem enormen Kostendruck, stetig anwachsenden europäischen Vorgaben sowie politischen und wirtschaftlichen Einflüssen gezeichnet. Diese machen es immer herausfordernder, den Patienten innovative Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können und damit rasch deren Lebensqualität entscheidend zu verbessern. Wir als AUSTROMED wollen zeigen, dass die Innovationen, die unsere Branche hervorbringt, in ihrer Gesamtheit dem Gesundheitssystem sehr viele Vorteile bringen. Jedoch müssen wir auch aufzeigen, dass wir es derzeit nicht schaffen, diese Innovationen in der gewünschten Form – also attraktiv für den Hersteller und den Anwender – in den Markt zu bringen. Wir müssen uns auf jene Themen fokussieren, die uns als Branche weiterbringen und damit aber auch dem Gesundheitssystem, der Gesellschaft und den Playern im System Vorteile bringen: dem Arzt, der Pflege, dem Patienten, dem Spitalsbetreiber und – last but not least – den Unternehmen, die immerhin zur Standortsicherung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen wesentlich beitragen. Wir laufen Gefahr, dass wir im europäischen Kontext nur mehr Mitläufer sind, wenn es um innovative Produkte und Methoden geht. Wir als Branche fordern daher entsprechende Strategien und Rahmenbedingungen, damit Österreich wieder als Innovator im Spitzenfeld mitspielen kann. Das sollte ja letztlich auch das Ziel unserer Regierung sein. Derzeit sind aber alle wichtigen Player im Gesundheitswesen damit beschäftigt, die erforderlichen Kostendämpfungsforderungen umzusetzen und Wege zu finden, die Qualität und Leistung mit rückläufigen Ressourcen möglichst unverändert aufrecht zu erhalten. Das

kann auf Dauer nicht funktionieren und es liegt auf der Hand, dass Innovationen auf jeden Fall zu kurz kommen. Nicht nur der Spitalsbetreiber oder der Krankenkassenobmann ist gefordert, sich neuen Ideen zu öffnen, jeder einzelne Mitarbeiter im Gesundheitswesen ist gefragt. Nur wenn das Engagement aller auf ein Ziel, nämlich die Förderung von Innovation und Fortschritt, gerichtet ist, können wir erfolgreich sein. Das erfordert auch ein „durch die Decke Denken“, denn echte Innovationen sind mehr als nur neue Produkte mit einem Zusatznutzen. Das sind völlig neue Prozesse, die mit einem Produkt oder einer Leistung verbunden sind, so etwa ein Implantat, das mehr kann als nur ein Gelenk zu ersetzen – ein Implantat, das zum Beispiel auch den Osteoporose-Status des Patienten screent und bei Bedarf die Ausschüttung eines ­Arzneimittels auslöst. Wir benötigen hier wohl etwas mehr Anstrengung in eine Richtung, die über das hinausgeht, was der Gesetzgeber als „ausreichend gut versorgt“ definiert. Was wir dazu dringend benötigen, ist das Aufbrechen der Schrebergärten. Es ist nicht die Betrachtung des einzelnen Mediziners oder Ökonomen, die für den Durchbruch einer Innovation sorgen kann. Es ist ein sektorenübergreifendes Denken, das konsequent auf die Generierung von Mehrwert ausgerichtet sein muss und jene Produkte forciert, die im Gesamtsystem für eine positive Bilanz sorgen: für höheren Nutzen, für mehr Lebensqualität, für mehr Sicherheit und eine leistbare Versorgung. Das erfordert weit mehr als nur politische Lippenbekenntnisse und langfristige Ziele. Wir brauchen eine Aufbruchsstimmung im Gesundheitswesen, die wieder Mut macht, den Unternehmergeist fördert und rasch zu spürbaren Ergebnissen führt. Wir als Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen stehen bereit, um diesen Spirit zu unterstützen. Wir wollen aktiv unsere Expertise einbringen und wieder für eine positive Stimmung sorgen. Zum Wohle aller Gesundheitsdienstleister, der Patienten und der Unternehmen!

Ihr Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED

02/16 DAS MEDIZINPRODUKT 51

© studio horak

BEN

LE

A R F Ü R DA

S

TB

S

BEN

M

H

TE

LE

UK

A R F Ü R DA

C

TB

IZINPROD ED

UNVERZI

C

H

TE

A R F Ü R DA

UNVERZI

C

TB

IZINPROD ED

UK

BEN

TE

UNVERZI

H

S

M

Gerald Gschlössl Präsident AUSTROMED


Das Medizinprodukt 02|16  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you