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Lösungen für das Gesundheitswesen H

P.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“, Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien

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ISSN 2223-1080

Die Zukunft der Uroonkologie Wie „Big Data“ Diagnose und Therapie verändern werden Seite 6

16 | Neue Reanimationsleitlinie Wichtige Änderungen auf einen Blick 21 | Schmerzmanagement Interdisziplinäres Team erfolgreich

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32 | Clinical Leadership Warum Qualität und Führung zusammengehören


Das WundTherapieZentrum Die fachgerechte Behandlung Ihrer Problemwunden erfolgt durch dafür speziell ausgebildete Wundmanager. Die Zusammenarbeit findet mit Ihrem behandelnden Arzt, den Krankenanstalten, den Langzeitpflegeeinrichtungen und den Hauskrankenpflegeinstitutionen statt. Wir behandeln: Offene Beine (Ulcus Cruris) Wundliegen (Dekubitus) Diabetischen Fuß Verbrennungen Chronische Wunden aller Art Narben Schlecht heilende Operationswunden Wir bieten Ihnen: Ausführliches Erstgespräch (Anamnese) Fotodokumentation (Ausgangssituation) Individuelles Behandlungskonzept (Hautpflege, Ernährung,...) Beratung – Information – Begleitung Phasengerechte moderne Wundversorgung Lasertherapie (Low Level Laser) Unterdrucktherapie Elektrostimulation Kompressionstherapie Wir unterstützen Sie: Alle gelisteten Wundverbände lagernd Kostenlose Zustellung in ganz Wien Übernahme der Bewilligung und Abrechnung mit den Krankenkassen Beratung über Heilbehelfe und Hilfsmittel Individuelle Terminvereinbarung und Hausbesuche möglich!

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Mag. Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED UNVERZI

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EDITORIAL

Neues Jahr, alte Herausforderungen W

as die kommenden beiden EU-Verordnungen für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika betrifft, beginnt das neue Jahr wie das alte geendet hat – der „Trilog“ zwischen Parlament, Rat und Kommission ist in vollem Gange, das Ziel, den Gesetzestext mit Anfang Dezember 2015 vorlegen zu können, wurde aber neuerlich verfehlt. Die aktuelle niederländische Präsidentschaft hat dieses Thema zu einem mit hoher Priorität erklärt, wodurch derzeit davon ausgegangen werden kann, dass mit Ende des 2. Quartals 2016 der Abschluss des Rechtsetzungsverfahrens in greifbarer Nähe zu sein scheint. Weitere Verschiebungen sind freilich nicht einkalkuliert. Sobald das Rechtsetzungsverfahren abgeschlossen ist, werden die Verordnungen mit einer dreijährigen Übergangsfrist für Medizinprodukte und eine fünfjährige für In-vitro-Diagnostika umgesetzt, damit sich alle Beteiligten auf die neue Regelung einstellen können. Klamm und heimlich hat sich mit dem Budgetbegleitgesetz 2016 die vollautomatische jährliche Erhöhung der Gebühren für das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) eingeschlichen. Eine derartige gesetzliche Verankerung gibt durchaus Anlass zur Sorge. Diese Anpassung an den Verbraucherpreisindex würde nicht nur die Gesundheitsprodukte verteuern, sondern auch die heimische Wirtschaft massiv belasten und Arbeitsplätze gefährden. Die Überwachung und Überprüfung von Medizin- und Gesundheitsprodukten durch das BASG ist gesetzlich vorgeschrieben. Die öffentliche Hand hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus ihrer Verantwortung zur Finanzierung dieser Ämter zurückgezogen. Grundsätzlich sollten die Kosten für die Medizinproduktevigilanz durch die bestehende Medizinprodukteabgabe gedeckt werden. Doch in der Zwischenzeit finanziert sich das Amt fast ausschließlich durch Gebühren auf Gesundheitsprodukte. Eine vollautomatische Gebührenerhöhung, wie sie im Artikel 15 § 6a Abs. 8 der Änderungen des Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetzes geplant sind, ist kontraproduktiv zu den Anstrengungen der gesamten Branche, die Kosten für die Patienten und das Gesundheitssystem zu senken. ­AUSTROMED spricht sich daher gegen diesen geplanten Gebührenerhö-

hungsautomatismus aus und hat diese Position bereits in einer entsprechenden Protestnote den Parlamentsparteien präsentiert. Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) hat im Oktober des Vorjahres die Entwicklung einer „Life Science Strategie“ gestartet, bei der unter Einbeziehung der Stakeholder-Community in Form mehrerer Round Tables und Expertengespräche ein Positionspapier entstehen soll. Inhaltlich spannt sich dabei der Bogen von der klinischen Forschung und Innovation bis hin zur Produktion und öffentlichen Beschaffung. Die Life Science Strategie soll im 2. Quartal 2016 implementiert werden. Ziel dabei ist, die Rahmenbedingungen für die beteiligten Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern – möge die Übung gelingen! Zum Jahresauftakt hat der AUSTROMED-Vorstand Gerald Gschlössl, Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich zum neuen Präsidenten ernannt (mehr dazu auf Seite 41). Wir wünschen ihm viel Erfolg und gutes Gelingen mit den ­aktuellen Themen und Herausforderungen der Branche!

Ihr Philipp Lindinger Geschäftsführer AUSTROMED

ABO-BESTELLUNGEN UND ­ ADRESSÄNDERUNGEN unter a.kogler@medmedia.at Tel.: 01 407 31 11-24

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Fokus: Zukunft der ­Urologie

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Medizin & Wissenschaft

Die Zukunft der Uroonkologie 6 Management infektiöser Komplikationen des Katheterismus 9 Therapien der Zukunft am Beispiel des ­Prostatakarzinoms 10 Produktradar 14

ERC-Reanimationsleitlinien 2015: Neues auf einen Blick Wenn der Spitalsaufenthalt zur Belastung wird  Schmerztherapie nach Plan Überwachung der Blutgerinnung Erste Zungenschrittmacher implantiert

Allgemeines

Produkte & Anbieter

Gastkommentar von Mag. Ingrid Hejkrlik Nadelstichverordnung im Praxistest Sicherheitsleck bei Patiententransporten Kongresse und Termine Impressum 

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Firmenporträt: M bioserviceS Kurzmeldungen

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INHALT

Pflege & Home Care Mangelernährung bei Chemotherapie Mit neuer Informationstechnologie gegen Depressionen Gruppenprogramm gegen Adipositas Wundinfektionen frühzeitig erkennen

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Politik, Verwaltung & Management 9. qualityaustria Gesundheitsforum: Leadership gegen die Krise? Branchennews Turnusärzte-Befragung: Mehr Zeit für Medizin Wider den Preiskampf im Gesundheitswesen Wiener Spitalskonzept 2030

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FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIE

Die Zukunft der Uroonkologie

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ussagen über die Zukunft zu treffen, ist grundsätzlich schwierig, denn die Welt verändert sich auf eine Art und Weise, die sich unserer Vorstellung entzieht. Nichtsdestotrotz ist die Vorwegnahme der Zukunft – und die Vorbereitung darauf – auch in der Medizin eine zwingende Notwendigkeit,

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denn Prognosen zufolge wird die Zahl der Patienten mit urologischen Krebserkrankungen in den kommenden Jahren weltweit dramatisch ansteigen. Um nötige Versorgungsleistungen erbringen zu können, sind daher jetzt wichtige Weichenstellungen erforderlich.

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u Prognosen zufolge wird die Zahl der Patienten mit urologischen Krebserkrankungen in den kommenden Jahren weltweit dramatisch ansteigen. u Drei Schlüsselfaktoren werden künftig einen großen Einfluss auf die Versorgung der uroonkologischen Patienten haben: Big Data, Cancer Panomics und das Preis-LeistungsVerhältnis von Therapien.


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Prim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat Universitätsklinik für Urologie, Medizinische Universität Wien, und Comprehensive Cancer Center, AKH Wien

Die Überlebensrate und die Lebensqualität bei den meisten ren werden jedoch dank der IT-Fortschritte im Gesundheitsweurologischen Krebserkrankungen sind in den vergangenen 50 sen Erkenntnisse aus großen Mengen an Daten der „realen Jahren signifikant gestiegen. Die treibenden Kräfte dieses Fort- Welt“ gewonnen werden, die derzeit auf gesonderten Servern schritts sind jedoch nicht dieselben, die die Zukunft formen und in Aktenschränken unzugänglich aufbewahrt werden. So werden. Es zeichnen sich wissenschaftliche, technische und können Daten zu sämtlichen Patienten mit urologischen Krebsökonomische Trends ab, die aller Wahrscheinlichkeit nach die erkrankungen analysiert und aus einer enormen Menge an BeUroonkologie in den nächsten 20 Jahren stärker verändern obachtungsdaten sofortige, praxisverändernde Schlussfolgewerden als in den vergangenen 50 Jahren. Drei Schlüsselfakto- rungen gezogen werden. Klinische Leitlinien werden in ren werden in den kommenden Jahrzehnten den größten Ein- lebendige Dokumente umgewandelt, die auf Crowd Sourcing fluss auf die Krebstherapie haben: gestützt sind. Statt sich ausschließlich auf 1. „Big Data“: Rasche Fortschritte der Inklinische Studien und Analysen zu ver­ formationstechnologie im Gesundheitslassen, werden Informationen aus aussa„Die Krebsvorsorge wesen haben beispiellose Möglichkeiten gekräftigen Schlussfolgerungen in die geschaffen, riesige Datenmengen aus der Leitlinien eingebunden, die den Versorund -diagnose wird den realen Welt zu sammeln, zu analysieren der realen Welt entstamKinderschuhen entwachsen gungsszenarien und Informationen daraus zu gewinnen. men. und validierte Biomarker 2. Cancer Panomics – „Krebsomik“: Komplexe Netzwerke molekularer Signal­wege werden dazu beitragen, Wandel der Aufgaben und die Charakteristika von Tumormikviele Patienten mit einem roumgebungen, die bei der KrebsentsteDieser Wandel zu einer regelbasierten Krebsrisiko zu hung miteinander interagieren, werden Versorgung wird sich erheblich auf die immer besser verstanden. Mittels KombiAkteure in der Uroonkologie auswirken: ­identifizieren.“ nationstherapien müssen PräventionsIn der Routineversorgung werden andere strategien und kurative Therapien entwiLeistungserbringer eine große Rolle spiePrim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat ckelt werden. len. Die Ärzte in der medizinischen 3. Wert und Nutzen für Patienten: UntragGrundversorgung bzw. die Arzthelfer bare Kostenerhöhungen und Verbessewerden dafür gerüstet sein, die Versorrungen hinsichtlich der Qualitätsmetriken lenken die Auf- gung bei minder komplizierten Krebsfällen und bei der Nachmerksamkeit immer stärker auf die Effizienz beim sorge für eine insgesamt steigende Zahl an überlebenden Preis-Leistungs-Verhältnis und auf den Wert und Nutzen in Krebspatienten zu übernehmen. Die Uroonkologen wiederum der Gesundheitsversorgung, im Sinne von „value-based werden ihre profunden Fachkenntnisse nutzbringender einsetzen: Neben der Entwicklung von Behandlungsplänen werden healthcare“. sie sich auf das Management von Versorgungsteams und die Zusammenarbeit mit Leistungserbringern in der mediziniDatenmengen wachsen schen Grundversorgung konzentrieren. Darüber hinaus werden Bei der Entwicklung und Implementierung der Informations- sie komplizierte Fälle überwachen, bei denen die „Regeln“ und technologie (IT) im Gesundheitswesen sind rasche Fortschritte Entscheidungshilfen unklar bleiben. zu verzeichnen. Diese reichen von den Verbesserungen bei der Angesichts der alternden Bevölkerung und der Erhöhung der Datenarchivierung und der Verarbeitungsgeschwindigkeit bis Krebsinzidenz ist ein Mangel an Urologen zu prognostizieren. zu neuen Möglichkeiten der Auswertung „unstrukturierter“ Die zunehmende Beteiligung von Nichtspezialisten wird dieNotizen in elektronischen Patientenakten. Mithilfe der IT im sen Mangel jedoch abfedern, wenn auch nicht beheben. Gesundheitswesen lässt sich voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte die Art und Weise ändern, wie PatiPatienten werden aktiv enten versorgt werden. Heutzutage sind über die Versorgung der meisten Krebspatien- Durch personalisierte, patientenfreundliche IT-Tools im Geten nur wenige Daten in aggregierter Form vorhanden, ge- sundheitswesen werden die Patienten weitaus mehr Gelegenschweige denn über die Ergebnisse der Therapiewirksamkeit heit haben, als gut informierte Fürsprecher in Bezug auf ihre oder die Toxizität bei der Behandlung. In den kommenden Jah- eigene Versorgung zu agieren. Über patientenfreundliche Por-

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FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIE

tale der Gesundheits-IT bleiben die Patienten in Echtzeit mit ihren Uroonkologen und anderen Leistungserbringern verbunden. Bei ihrer Versorgung werden sie eine aktive Rolle übernehmen, indem sie ihren Gesundheitszustand, die Nebenwirkungen und andere Erfahrungen zeitgleich zum Geschehen melden. Schnittstellen der Gesundheits-IT werden dazu beitragen, die Patienten ab dem Moment ihrer Diagnose entsprechenden Studien zuzuordnen. Aufgrund der veränderten Patientenbeteiligung treten möglicherweise neue Ungleichheiten auf: Nicht alle Patienten sind gleichermaßen dazu motiviert oder dafür gerüstet, ihre eigene Versorgung voranzutreiben. Wird eine stärkere Beteiligung seitens der Patienten erwartet, können neue Ungleichheiten auftreten, die als ungerecht empfunden werden.

„Krebsomik“: Präzisionsmedizin in Anwendung Gezielte und individualisierte Therapien haben bereits den Wandel der Krebstherapie eingeläutet. Anstatt einzelne Signalwege in Krebszellen anzuvisieren, wird die Medizin künftig über Werkzeuge verfügen, um die „Omiken“ des Krebses anzugreifen. Dabei handelt es sich um die komplexe und indivi-

duelle Kombination aus einer patientenspezifischen Kreb­ s­ charakteristik, die ausschlaggebend bei Themen wie Krankheitsentwicklung, Ansprechen auf Therapien und langfristige Toxizitäten ist. Cancer Panomic wird die treibende Kraft hinter den meisten Krebstherapien werden. Bis zum Jahr 2030 ist zu erwarten, dass Panomic-Tools einfach, erschwinglich und allgemein verbreitet sein werden und ein beträchtlicher Anteil von Krebsarten auf molekularer Ebene entschlüsselt und gut behandelbar sein wird. Die Krebsvorsorge und -diagnose wird den Kinderschuhen entwachsen und validierte Biomarker werden dazu beitragen, viele Patienten mit einem Krebsrisiko zu identifizieren. Dadurch werden die Leistungserbringer in der Lage sein, der Krebsentwicklung durch frühzeitige Behandlung oder Präventionsstrategien zuvorzukommen. Auf die Forschung bleibt diese Entwicklung aber nicht ohne Auswirkung: Damit Studien kleiner, schneller und kostengünstiger durchgeführt werden können, werden die Interessengruppen neue Studiendesigns und Zielsetzungen entwickeln müssen, die eine baldige Zulassung ermöglichen. Die klinische Forschung wird durch eine leistungsfähige beobachtende Forschung unterstützt werden. Da die Medikamente zunehmend in Kombination miteinander getestet werden, werden die Unternehmen feststellen, dass sich die Entwicklung von Krebstherapien nur durch Forschungskooperationen fortführen lässt. Zudem wird sich dies als eine leistungsfähige Möglichkeit erweisen, um Effizienzgewinne bei der Testung vieler unterschiedlicher Medikamente an eng spezifizierten Populationen zu generieren, was die Forschungstätigkeit kostengünstiger machen wird.

Die klinische Forschung wird durch eine leistungsfähige beobachtende Forschung unterstützt werden.

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Nicht nur in der Uroonkologie werden sich Ärzte daran gewöhnen müssen, dass ein Plus an Qualität, Effizienz und Transparenz in der gesamten Versorgung verlangt wird. Die Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Wien nimmt bereits jetzt eine führende Rolle ein, indem Qualitätsmessungen und Verbesserungsansätze entwickelt werden, die zu einer besseren Versorgung der Patienten führen. Neue Vergütungsmodelle, die die Qualität und die Werthaltigkeit fördern, werden sich durchsetzen und routinemäßige Qualitätsmessungen und -verbesserungen werden fest in unserer täglichen Praxis verankert sein. Es ist zu erwarten, dass die Dienstleister nach ihrer Fähigkeit vergütet werden, Werthaltigkeit und Qualität nachzuweisen. Die Ausbildungsprogramme für Uroonkologen werden die erforderlichen Fertigkeiten vermitteln müssen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Die medizinischen Studiengänge, die Assistenzarzt- und CME-Programme werden einen Schwerpunkt auf Qualitätsmessungen, Datenanalyse, Mitarbeitermanagement und weitere Kompetenzen legen, die die Ärzte benötigen, um unter den neuen Praxisbedingungen erfolgreich zu sein. n

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Abkehr vom Kostendenken


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Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, FEBU OÄ Dr. Ursula Stoces, FEBU Abteilung für Urologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien

Infektiöse Komplikationen des Katheterismus u Der Harnwegsinfekt ist mit 40 % eine der häufigsten nosokomialen Infektionen, zu 90 % verursacht durch einen liegenden Verweilkatheter. u Exakte Hygiene und geschlossene Kathetersysteme sind wichtige präventive Maßnahmen.

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urch die Zunahme des geriatrischen Patientenkollektivs werden auch Langzeit-Katheterträger und damit verbundene infektiöse Komplikationen häufiger. Etwa 10 % aller Spitalsneuaufnahmen haben einen Katheter, 10 bis 15 % aller Aufnahmen in Pflegeheime, 40 % aller nosokomialen Infekte betreffen die Harnwege, 90 % sind katheterassoziiert. Die Mortalität der möglichen Urosepsis beträgt 20 bis 50 %, 30 % der obduzierten Dauerkatheter-Träger hatten eine „stille“ Pyelonephritis. Zudem spielt die Indikation zum Katheterismus zur Bilanzierung nach chirurgischen Eingriffen, urologischen Eingriffen, bei Hautmazerationen oder zur intensivmedizinischen Betreuung eine wichtige Rolle. Die europäischen urologischen Guidelines 2014 ­präsentieren in ihrem zusammenfassenden Update eine evidenzbasierte Leitlinie, die für alle medizinischen Fachrichtungen praktikabel erscheint (www.eau.org).

Verweildauer entscheidet Katheterassoziierte Infekte stammen zumeist aus der patienten­ eigenen Darmflora. Der Verweilkatheter wird innerhalb von Stunden mit einem Biofilm aus körpereigenen Proteinen und durch bakterielle Besiedelung mit bakteriellen Makromolekülen überzogen. Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen eines Infektes ist die Dauer des Katheterismus. Die Indikation für einen Dauerkatheter ist bei 34 % der Patienten auf der Normalstation und 13 % auf der Intensivstation nicht gerechtfertigt. Bei kurzzeitiger Liegedauer tritt meist nur eine asymptomatische Bakteriurie auf, die meist von einem einzelnen Bakterienstamm verursacht wird. Multiple Keimspektren finden sich in der Regel bei Patienten mit einer Katheterliegedauer von über 30 Tagen. Das Kathetersystem sollte daher steril, geschlossen und mit einer Ablassvorrichtung versehen sein. Die Verwendung eines Katheterventils erhöht das Infektrisiko. Trotz geschlossener Urinableitung gelangen Bakterien extraluminal durch Aszension entlang eines Biofilms in die Blase. Zudem sollten sich der Harnsack und das Verbindungsstück stets unter Blasenniveau

befinden, der Auffangbeutel frei hängend ohne Bodenkontakt. Katheter aus reinem Silikon weisen eine bessere Bioverträglichkeit auf, haben einen höheren Innendurchmesser und sind insbesondere für längere Liegezeiten gut geeignet. Sie sind jedoch teurer als Latex- oder Polyurethankatheter, die nur für eine Katheterisierungsdauer von weniger als einer Woche geeignet sind. Katheter mit großem Durchmesser sind infolge stärkerer Schleimhautreizung oft undicht. Antibiotisch beschichtete Katheter können das Auftreten von asymptomatischen Bakteriurien in einem Zeitraum von einer Woche reduzieren, jedoch gibt es keine Evidenz der Risikominimierung einer symptomatischen Infektion und sie werden daher nicht generell empfohlen. Ähnliches gilt für silberbeschichtete Katheter, die in geringem Maß das Auftreten einer symptomatischen Infektion verhindern können und daher in Einzelfällen zur Anwendung gelangen. Sowohl beim Kurzzeit- wie auch beim Langzeit-Katheterismus liegen keine evidenzbasierten Daten bezüglich der Sinnhaftigkeit einer antibiotischen Dauerprophylaxe vor.

Hygienische Maßnahmen Exakte Händehygiene und die Verwendung von Einmalhandschuhen helfen, bakterielle Übertragungen zwischen Katheterträgern zu vermeiden. In 25 bis 76 % der Fälle werden die Hygieneempfehlungen nicht eingehalten. Die Kathetereinlage sollte stets unter aseptischen Bedingungen sowie atraumatisch unter Verwendung von Gleitgelen und mit dem geringstmöglichen Katheterkaliber stattfinden. Die dritte präventive Maßnahme ist ein regelmäßiger Katheterwechsel, in jedem Fall bei drohender Blockade, wobei es keine Evidenz bezüglich eines optimalen Intervalls gibt. Bei Patienten mit starker Blockierungstendenz sollte demnach der Katheterwechsel in kürzeren Intervallen erfolgen, die Trinkmenge zur Prophylaxe 1 bis 1,5 l/24 h betragen, eine Harnansäuerung mit L-Methionin einen Harn-pH von 5,8 bis 6,2 erzielen. Am Katheter sollten kein Zug und kein Knick bestehen.  n

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FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIE

Therapien der Zukunft am ­Beispiel des Prostatakarzinoms

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urch die demografische Entwicklung mit zunehmender Lebenserwartung und steigendem Bevölkerungsanteil jenseits des siebten Lebensjahrzehnts kommt der Prävention und Palliation ein immer wichtigerer Anteil an der medizinischen Versorgung zu. Hier sind Urologen besonders gefordert, da viele Erkrankungen in diesem Fachgebiet typische Alterserkrankungen sind.

PCa-Früherkennung Als geradezu archetypische Erkrankung der Urologie gilt in der industrialisierten Welt das Prostatakarzinom (PCa). Die Einführung der Früherkennungsuntersuchung mittels prostataspezifischen Antigens (PSA) Ende der 1980er-Jahre hat die Behandlung des PCa revolutioniert. Erst durch die rechtzeitige Detektion konnte eine kurative Therapie im organbegrenzten Stadium ermöglicht werden.

Allerdings hat sich seit dieser Zeit in der Diagnostik nicht viel bewegt. Zwar ist die Sensitivität des PSA zur Karzinomdetektion – je nach gewähltem Grenzwert – hoch, aber die niedrige Spezifität führt zu einer unnötig hohen Anzahl an Biopsien. Andererseits führt die unkritische Anwendung des PSA zur Detektion vieler klinisch insignifikanter Karzinome. Leider haben sich bisher ursprünglich vielversprechende Marker wie etwa Serum-Kallikrein oder Sarkosin, die die Spezifität der Detektion signifikanter Karzinome erhöhen sollten, im klinischen Alltag nicht bewährt und spielen derzeit keine große Rolle in der PCa-Diagnostik. Als derzeit einzige zukunftsweisende Serummarker scheinen die Isoformen des PSA einen klinischen Stellenwert zu bekommen. Insbesondere [–2]proPSA kommt hier eine wichtige Rolle zu. Dabei scheint insbesondere das Verhältnis der einzelnen Isotypen einen wichtigen Vorhersagewert zu haben. So wird bereits jetzt ein kommerziell erhältlicher Test angeboten, der aus dem Verhältnis von [–2]proPSA, Gesamt- und freiem PSA einen Wert errechnet, der die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens eines Karzinoms vorhersagen soll. Als bisher einziger zugelassener Urinmarker hat die Bestimmung des Proteins PCa3 im Exprimat-Urin einen gewissen Stellenwert erreicht. Zwar konnte für diesen Marker gezeigt werden, dass die Vorhersagewahrscheinlichkeit eines PCa mit der Höhe des PCa3-Scores im Urin korreliert, jedoch wurden die Erwartungen bezüglich der Einschätzung der klinischen Signifikanz des PCa nicht erfüllt. In Zukunft könnte der Nachweis alterierter Transkriptionsfaktoren wie TMPRSS oder ETS wichtige Hinweise für die klinische Signifikanz eines PCa liefern. Obwohl für beide Marker bereits kommerzielle Kits erhältlich sind, müssen diese Marker erst im klinischen Gebrauch evaluiert werden.

Bildgebung

Die unkritische Anwendung des PSA führt zur ­­ Detektion vieler klinisch insignifikanter Karzinome.

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Da das PCa bislang mit keinem bildgebenden Verfahren mit hinreichender Sensitivität und Spezifität dargestellt werden kann, bleibt nach wie vor die systematische Biopsie als einzige Methode, das Vorliegen eines PCa zu beweisen. Seit rund zehn Jahren

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u Die Therapie des Prostatakarzinoms wird zunehmend unter dem Motto der individuellen Risikoabschätzung und der individualisierten Therapie stehen. u Das Zusammenspiel einzelner Disziplinen wird künftig an Bedeutung gewinnen.


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Links: Prof. Dr. David Schilling Direktor und Chefarzt, Klinik für Urologie, Isarklinikum München Rechts: Prof. Dr. Axel S. Merseburger Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

wird jedoch in zunehmendem Maße die Kernspintomografie bei der PCa-Diagnostik eingesetzt. Mit der Weiterentwicklung der MRT-Protokolle und Einführung der 3-Tesla-Geräte kommt der bildgebenden Diagnostik des Primärkarzinoms eine immer bedeutendere Rolle zu. Obwohl dies von den meisten Leitlinien nicht unterstützt wird, kommt bereits jetzt in vielen unklaren Fällen zur Entscheidung für oder gegen eine Prostatabiopsie das MRT zum Einsatz. Die technische Weiterentwicklung sowohl der Magnetspulen als auch der Protokolle wird den Stellenwert der MRT weiter stärken. Aber auch die funktionelle Bildgebung, bei der durch radioaktive Marker Stoffwechselprozesse sichtbar gemacht werden können, wird die Spezifität der Karzinomdetektion erhöhen. War ursprünglich das Cholin-PET-CT die Methode der Wahl beim PCa, werden derzeit immer spezifischere Moleküle als Tracer synthetisiert. Vieles weist darauf hin, dass das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) in Zukunft das Cholin als Tracer ablösen wird. In Kombination mit der hohen morphologischen Auflösung des MRT hat diese Methode derzeit ihren Stellenwert in der Rezidivdiagnostik. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass diese Methoden im Verlauf in der Primärdiagnostik eingesetzt werden. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Bildgebung auch ein wichtiger Stellenwert in der Bewertung der klinischen Signifikanz eines PCa zukommt. Einheitliche Bewertungskriterien, wie zum Beispiel die radiologische PI-RADS-Klassifikation, sind nur ­erste Schritte hin zur qualitativen Einschätzung eines suspekten Herdes in der Bildgebung.

Biopsie Trotz aller Fortschritte in der Bildgebung wird auf absehbare Zeit die Diagnose eines PCa nur durch die Biopsie erfolgen können. Die Einführung der systematischen 12-fach-Biopsie unter sonografischer Führung hat die diagnostische Genauigkeit signifikant verbessert. Dennoch bleibt es weiterhin unbefriedigend, eine blinde, mehr oder weniger zufällig platzierte Biopsie aus verschiedenen Sektoren der Prostata zu entnehmen. Durch die immer bessere Bildgebung ist es nun möglich, zumindest aus suspekten Arealen zusätzliche Biopsien zu entnehmen. Nach wie vor wird jedoch meist noch zusätzlich die systematische Biopsie durchgeführt. Dies liegt nicht nur daran, dass die Bildgebung noch nicht mit ausreichender Sensitivität alle Karzinomareale detektiert, sondern auch daran, dass unter der sonografischen Führung die MRTsuspekten Areale nicht immer exakt angesteuert werden können. Hier befinden sich seit wenigen Jahren Systeme zur MRT-Ultraschall-Bildfusion in Entwicklung. Einige davon werden schon in der klinischen Routine angewendet. Es ist abzusehen, dass durch die gezielte Biopsie hochsuspekter Areale die Präzision der Karzinomdiagnostik deutlich erhöht

wird und vor allem auch gezielt klinisch signifikante Karzinome detektiert werden. Dadurch wird die Gefahr einer Überbehandlung vermindert. Des Weiteren wird heutzutage der perineale Stanzweg diskutiert, da hier das Risiko einer systemischen klinisch relevanten Bakteriämie, welche bis zur Sepsis reichen kann, deutlich reduziert wird. Diese Stanzmodalität sollte insbesondere Patienten mit Risikofaktoren angeboten werden.

Primärtherapie Die operative Therapie und die Strahlentherapie waren lange Zeit die einzigen etablierten kurativen Verfahren. Die Einführung der roboterassistierten Operation hat die radikale Prostatektomie nochmals revolutioniert. Es ist zu erwarten, dass die roboterassistierte Technik in Zukunft im OP nicht mehr wegzudenken sein wird. Die neue Generation des daVinci-Systems erlaubt nun die Patientenumlagerung mit angedocktem System und den Zugang in alle Quadranten des Abdomens, ohne das System komplett neu ausrichten zu müssen. Es bleibt abzuwarten, ob sich weitere Hersteller auf dem Markt etablieren können. Denkbar wären zum Beispiel kleinere Systeme, die direkt am OP-Tisch fixiert werden können, oder Systeme, die mit handelsüblichen konventionellen Laparoskopieinstrumenten bestückt werden können. Simulationen und Bildüberlagerungen im Sinne einer „Augmented Reality“ werden sicherlich eine immer wichtigere Rolle spielen. So könnte bei der radikalen Prostatektomie das zuvor in der Bildgebung detektierte Karzinomareal in die Sicht des Operateurs auf den OP-Situs projiziert werden, um zum Beispiel die Resektionsgrenzen beim Nerverhalt zu definieren. Die Strahlentherapie hat mit der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) große Fortschritte gemacht. Durch die Dosisanreicherung auf das Zielvolumen können höhere Dosen bei geringeren Nebenwirkungen verabreicht werden. Das besondere physikalische Verhalten von Protonen mit einer hohen Strahlendosis im Zielgebiet und hoher Gewebeschonung im umliegenden Gebiet durch das schnelle Abbremsverhalten der Teilchen verspricht eine effektive Karzinombehandlung ohne hohe Toxizität. Trotz des anfänglichen Enthusiasmus bei dieser neuen Therapieform muss sich diese Methode erst in Langzeitstudien unter Beweis stellen. Durch die Kombination der Strahlentherapie mit der hormondeprivativen Therapie konnten die Krebskontrollraten signifikant verbessert werden. Dieser positive Effekt wird unter anderem vermutlich durch die proapoptotischen Eigenschaften der Hormontherapie hervorgerufen. Es ist denkbar, dass andere Substanzen, die geringere Nebenwirkungen als die Hormonentzugsverfahren haben, in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt werden. Als Beispiel seien hier Antisense-Oligonukleotide genannt, die die natürlichen Reparaturmechanismen der

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FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIE

Zellen blockieren können und so die Karzinomzellen empfänglicher für letale Strahlung machen. Dadurch könnte die Gesamtstrahlendosis reduziert und die Nebenwirkungen könnten minimiert werden.

Fokale Therapie Durch die deutlich gebesserte Spezifität der Bildgebung des PCa scheint es nun möglich, auch gezielt suspekte Herde in der Prostata zu behandeln. Kryotherapie und Lasertherapie haben sich hier bisher nicht durchgesetzt. Am meisten etabliert in diesem Feld ist bisher die hochintensive fokussierte Ultraschall- (HIFU-) Behandlung. Diese Methode ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in der klinischen Anwendung. Dabei wird durch hoch fokussierte Ultraschallwellen das Gewebe thermisch zerstört. Durch technische Veränderungen des Fokus können mit der neuesten Gerätegeneration nun kleinste Areale zerstört werden, wenn eine Niedrigrisiko-Tumorkonstellation vorliegt. Durch die Zielführung mit Ultraschall in Fusion mit einer MRT-Bildgebung können die Ultraschallwellen gezielt auf suspekte Areale gesteuert werden. Ähnliche Möglichkeiten zur gezielten Therapie könnte in Zukunft auch die Strahlentherapie bieten. Durch gezielte Bestrahlungen aus mehreren Richtungen, wie sie bei der sogenannten NanoKnife®-Behandlung durchgeführt werden, können hohe Dosen im Zielgebiet erreicht werden, ohne dass das umliegende Gewebe zusätzlich geschädigt wird. Dabei wird der Linear­ beschleuniger an einem Roboterarm dreidimensional im Raum bewegt. Die Kombination der Bestrahlung mit hochsensiblen

­ rtungssystemen erlaubt die gezielte Ansteuerung suspekter O Herde. So könnten diese Herde in Zukunft zum Beispiel durch Gold­marker markiert, über eine radiografische Ortung der Linear­ beschleuniger in die jeweilige Position gebracht und so auch ­intrakorporale Bewegungen der Prostata kompensiert werden.

Medikamentöse Therapie des fortgeschrittenen PCa Beim primär metastasierten PCa ist die Docetaxel-basierte Chemotherapie nach Veröffentlichung dreier prospektiver Studien die aktuell empfohlene Primärtherapie in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT). In den letzten fünf Jahren gab es eine Welle an Medikamentenneuzulassungen im Bereich der Hormon-, Chemo-, aber auch Nuklearmedizin, die alle einen mittleren Benefit von vier Monaten Lebensverlängerung ergaben. Die Primärtherapie des mCRPC wird in den meisten Fällen mit einer tertiären Hormontherapie (Abirateron oder Enzalutamid) begonnen, bei symptomatischen Knochenmetastasen ist die Behandlung mit Radium-223 eine weitere lebensverlängernde Option. Bei Vorliegen eines progredienten Tumors bietet die Taxan-basierte Chemotherapie (Docetaxel, Cabazitaxel) eine weitere Behandlungsoption in der Sequenztherapie des mCRPC. Es gibt keine vergleichenden Studien der Substanzen untereinander, die optimale Sequenz ist derzeit auch nicht geklärt und sollte individuell mit dem Patienten vor dem Hintergrund der Komorbiditäten und Risikofaktoren geplant werden. In Zukunft wird die Detektion von Androgenresistenzmechanismen auf zirkulierenden Tumorzellen unter laufender Therapie (Next Generation Sequencing) die Therapiesteuerung beeinflussen. n

Rückblick: Oncoforum Urology

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Praxisrelevante Erkenntnisse für Uroonkologen

(v.l.n.r.): Prof. Stephan Madersbacher, Dr. Miroslaw Lubecki (CEO Astellas), Dr. Elena Röhrl (Medical Head Astellas) & Prof. Shahrokh F. Shariat

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Mit dem europaweit stattfindenden „Oncoforum Urology“ leistet Astellas Pharma einen entscheidenden Beitrag zur Weiterbildung von onkologisch tätigen Urologen. Der Event bietet Fachärzten einen komprimierten Überblick zum aktuellen uroonkologischen Forschungsstand und ist als qualifizierte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeit anerkannt. Vorgestellt wurden heuer neueste medizinische Erkenntnisse zu den großen urologischen Tumorentitäten Harnblasen- und Nierenzellkarzinom, Hodentumor, Peniskarzinom sowie Prostatakarzinom. „Der Fortschritt auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie urologischer Karzinome ist rasant und gerade die auf den internationalen Kongressen vorgestellten Erkenntnisse sind kaum mehr zu überblicken“, sind sich die wissenschaftlichen Leiter Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, und Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat, Universitätsklinik für Urologie, AKH Wien, einig. www.oncoforum.org


Innovative Technik für ­erstklassige Ergebnisse Mit der bipolaren Versiegelung können Gefäße und Gewebebündel ohne vorherige ­Einzeldarstellung oder notwendige Präparation effektiv und dauerhaft verschlossen werden. Der Medizinprodukteexperte R. Heintel bietet mit dem HF-Generator maxium®, der Stromform SealSafe® IQ und den dazugehörigen IQ-Instrumenten ein schnelles, zuverlässiges und ­wirtschaftliches Gefäßversiegelungssystem.

Entgeltliche Einschaltung © UGREEN 3S – shutterstock.com

I

n allen Bereichen der Medizintechnik zeichnet sich ein eindeutiger Trend zum „vereinfachten Dialog“ mit dem Anwender ab. Gerade bei umfangreichen Operationen spielen sich im Hintergrund teilweise sehr komplexe Abläufe ab. Deshalb wird besonders in diesem Bereich eine einfache und zugleich intuitive Handhabung der Geräte immer wichtiger. Der HF-Generator maxium® von KLS Martin verbindet die technischen Anforderungen in der Elektrochirurgie optimal mit sicherem und einfachem Handling. Das Gerät verfügt über eine große Auswahl an präzise geregelten Stromarten, mit denen aus einer Vielzahl von Anwendungen wie monopolares und bipolares Schneiden oder Koagulieren gewählt werden kann. Außerdem sind wichtige Sicherheitsmechanismen wie Funkenregelung und Kennfeldsteuerung integriert, die jederzeit eine optimale Leistungsanpassung garantieren.

beitskanäle sichtbar. Das Gerät zeigt dabei nicht nur die Art der verwendeten Neutralelektrode über ein Icon an, der NE-Indikator gibt auch eine permanente Information über den aktuellen Anlagezustand am Patienten.

Wenn jeder Handgriff zählt

Erweiterbar durch drei Portexpander

Dank der „Quick-Step-Steuerung“ ist das maxium® selbst mit einer Hand schnell und einfach zu bedienen. Durch seinen multifunktionalen Drehgeber lassen sich alle Parameter jederzeit individuell ein- und verstellen. Die patentierte Hintergrundbeleuchtung signalisiert übersichtlich den jeweiligen Status des Drehgebers. Als Speicher steht mit insgesamt 99 Programmen und einem bereits voreingestellten Basisprogramm eine Vielzahl von Anwendungsoptionen zur Verfügung. Durch die Favoritenliste „Last used programs“ können die zuletzt verwendeten Programme schnell und einfach abgerufen werden. Die schnellste Art, Einstellungen zu ändern, ist der SWAP-Mode. Mit dieser Funktion kann per Fußschalter oder mit den Fingerschaltern am Elektrodenhandgriff zwischen zwei voreingestellten Programmen gewechselt werden. Ob Monopolar, Bipolar, Schneiden oder Koagulieren: Über das Maxi-Display erfassen Anwender das verwendete Programm, die eingestellte Leistung, die aktuelle Stromform und die ausgewählte Hand- oder Fußschaltung sofort und auf einen Blick. Die verschiedenen Einstellungen sind gleichzeitig für alle vier Ar-

Das maxium® bietet standardmäßig vier Arbeitskanäle mit jeweils zwei monopolaren und bipolaren Ausgängen, die je nach Zubehör in drei unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich sind. Jeder der vier Ausgänge kann über die Kanalwahltaste und den Drehgeber individuell eingestellt werden. Mithilfe bipolarer Portexpander besteht zusätzlich die Möglichkeit, beide bipolaren Ausgänge zu erweitern. Damit können ohne zweites Gerät insgesamt vier bipolare Instrumente angeschlossen werden. Die Kombination mit den bipolaren Expandern macht es möglich, bei umfangreichen Operationen zum Beispiel bipolare Scheren, bipolare P ­ inzetten und bipolare Versiegelungsinstrumente simultan anzuschließen und unabhängig voneinander zu konfigurieren. n

Der HF-Generator maxium® verbindet technische Anforderungen mit ­sicherem und einfachem Handling.

R. Heintel GmbH Medizintechnik Erdbergstraße 166, 1030 Wien Tel. +43-1-403 89 56-0, medizintechnik@heintel.at www.heintel.at

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FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIE

A.M.I. ATOMS System

A.M.I. BSC Mesh

Uro Tainer

Uro Tainer

SpeediCath Compact

Co

Produkt­ bezeichnung/-type

Hydraulisches SphinkterErsatz-System für männliche ­Harninkontinenz

Beckenbodennetz für die bilaterale sakrospinale Kolposuspension

Suby G

PHMB

Kompakte Einmalkatheter zur intermittierenden Selbstkatheterisierung für Männer und Frauen

Ko Ink Mä

Einsatz- bzw. Anwendungs­ bereiche

Das System ist geeignet für die Behandlung der männlichen Harninkontinenz jedes Inkontinenzgrades.

Netz geeignet für Frauen mit Beckenbodenprolaps im zentralen Kompartiment (Uterus- oder Scheidenblind­sackvorfall)

Verkalkung und Inkrustation bei Dauerkatheter oder Cystofix

Verhinderung und Reduzierung von Biofilm und Verkeimung bei Dauerkatheter und Cystofix

Blasenfunktionsstörung (Querschnittslähmung, Multiple Sklerose, Spina Bifida und andere Indikationen mit Restharnbildung)

Ha Mä

Eigenschaften

u Einfacher Zugangsweg für den Operateur u Kein Spalten des Muskels nötig u 4-Punkt fixiertes System durch Netzarme u Dauerhaft adjustierbar

u Vaginaler Zugangsweg/ geringe Präparation notwendig u Ultraleichtes Implantat (Gewicht weniger als eine Briefmarke) u Große Netz-Porosität (93%, schnelles Einwachsen wird gefördert) u Minimalinvasiv: mit dem i-Stitch Fixationsinstrument u Bilaterale Scheidenaufhängung

Durch die 3,23% Zitronensäure wird der pH-Wert in der Blase gesenkt, dadurch Auflösung und Verhinderung von Bildung von Kristallen wie z.B. Magnesiumammoniumphosphat und Kalziumphosphat.

0,02% PHMB-Lösung reduziert 87% der Biofilme im Vergleich zu Kochsalz- und Ringerlösungen.

SpeediCath Compact für Männer und SpeediCath Compact Eve für Frauen sind hydrophil beschichtete, PVC- und phtalatefreie Einmalkatheter mit Nelatonspitze für sanften, sicheren und schnellen Einmalkatheterismus.

Co Ve Be dis Ve de Da Fle litä

Vorteile auf einen Blick

u Sphinkter-ErsatzSystem: physiologisches Urinieren, ohne manuelle Bedienung u Hydraulik-System: keine mechanischen Komponenten u Langzeit-adjustierbar: sich über Jahre ändernde KontinenzSituation ist anpassbar u Minimalinvasiv: nicht nur die Operation ist minimalinvasiv, vor allem auch das Adjustieren mittels Punktionsnadel erfolgt ohne Operation. u Erfahrung: Mehr als 5 Jahre Studienerfahrung mit ATOMS

u Patientenschonend: durch einfachen Zugangsweg u Geringes Gewicht: Gefahr von Erosionen wird deutlich reduziert u Porosität: ideale Gewebsintegration des Netzes gewährleistet u i-Stitch Instrument: einfache Fixierung des Implantats mit PP-Naht u Bilateral: physiologische Aufhängung mit allen Vorteilen

u Das geschlossene System ermöglicht ein hygienisches Einführen und Auffangen der Lösung, ohne zu öffnen. u Eine am System vorhandene Klemme ermöglicht die Nutzung einer Einwirkzeit. u Applikation erfolgt mittels Schwerkraft (kein Druck oder Sog auf die Blasenwand) u Inhalt und Ansatzstück sind steril. u Kompatibel mit allen ­Katheteranschlusstypen

u Das geschlossene System ermöglicht ein hygienisches Einführen und Auffangen der Lösung, ohne zu öffnen. u Eine am System vorhandene Klemme ermöglicht die Nutzung einer Einwirkzeit. u Applikation erfolgt mittels Schwerkraft (kein Druck oder Sog auf die Blasenwand) u Inhalt und Ansatzstück sind steril. u Kompatibel mit allen ­Katheteranschlusstypen

u Durch Einbettung in sterile Flüssigkeit gleichmäßig beschichtet und sofort einsatzbereit u Abgerundet-gelaserte und somit besonders sanfte Katheteraugen zur Minimierung des Risikos von Harnröhrenverletzungen u Kompaktes und diskretes Design für mehr Diskretion im Alltag u Wiederverschließbar

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www.ami.at

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www.bbraun.at

www.bbraun.at

www.coloplast.at

Firma (Webadresse)

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PRODUKTRADAR Urologie

Conveen Optima

ConvaTec UnoMeter™ Safeti™ Plus

HSO H6 plus

UROMED MULTIFLEX FÜHRUNGSDRAHT

UROMED „HEPARIUS“ URETERSTENT

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Kondom-Urinal zur Inkontinenzversorgung bei Männern

Stunden-Urinmesssystem zur akkuraten Messung der Ausscheidung

Geschlossenes, steriles Urindrainagesystem

Ref 2714

Ref 4145-4177

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Harninkontinenz bei Männern

Schwerst-, Langzeit- und Intensivpflege von Patienten, die nicht im Wachzustand sind oder nicht selbstständig den Urin abführen können. Weitere Einsatzbereiche: Auf allen Intensivstationen

Wenn Patienten bettlägerig sind oder nicht eigenständig den Urin abführen können. Einsatzbereiche u.a. in den klinischen Abteilungen: Gynäkologie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Unfallchirurgie, Urologie

Flexibles Führungsinstrument für urologische Katheter

Ureter-Dauerschiene zur Langzeitanwendung

Conveen Optima ist in Verbindung mit einem Beinbeutel eine sichere und diskrete Alternative zur Versorgung mit aufsaugenden Produkten oder Dauerkathetern, für mehr Flexibilität und Lebensqualität.

Zum Transport, oder während des Bettwäschewechsels, kann das System flach liegen, ohne dass der Urin zurückläuft. Die Aufsatz­ kammer minimiert das Risiko von aufsteigenden und retrograden Infektionen. Der KombiKon™ nadelfreie Probeentnahmeport hält die Barriere zur bakteriellen Kontamination für mindestens 10 Perforationen aufrecht. Das benutzerorientierte Design des UnoMeter™ Safeti™ Plus erhielt den Gold Award während der Europäischen Design Effectiveness Awards (DBA).

Das H6 plus Urindrainagesystem ist einfach in der Handhabung und bietet einige benutzerfreundliche Extras. Eine zusätzliche blaue Klemme auf dem Überleitungsschlauch hilft bei der Fixierung. Das Bodenablassventil öffnet und schließt exakt und ist nachtropf­ sicher. Die Probenentnahme am Port erfolgt nadelfrei. Das gesamte Verbindungsstück zum Katheter, inklusive des Entnahmeports, ist sehr leicht hygienisch zu reinigen. Der belüftete Urinbeutel fasst 2.000 ml und kann entweder mit der Kordel oder mit den Haken befestigt werden. Die bakteriendichte Tropfkammer mit Membran verhindert eine retrograde Keimwanderung und die damit verbundene Infektionsgefahr. Die Gesamtkonstruktion der Tropfkammer verhindert außerdem das Zurücklaufen des Urins in den Katheter. Der gesamte Schlauch ist zudem knicksicher. Das System gibt es wahlweise in zwei Ausführungen: mit hartem und mit weichem Schlauch.

u Exzellente Gleitfähigkeit der hydrophilen Spitze u Flexible, atraumatische Nitinolspitze minimiert das Perforationsrisiko u Hohe Knickstabilität aufgrund durchgehendem Nitinol-Kern u Gute Gleiteigenschafte durch PTFE Beschichtung des Schaftes

u Für Tumorpatienten geeignet u Konische, dilatierende Spitze u Kleine kreisrunde Pigtails u Atraumatische Augen u Vormontiertes Set zur einfachen Handhabung u Röntgenologisch darstellbar u Polyurethan

u Dehnbares, atmungsaktives und hautfreundliches Silikonmaterial mit doppeltem Abrollstreifen für einfaches Anbringen und bequemen Sitz u Ziehharmonika-Knickschutz und verstärkter Ring am Abflussstutzen als Auslaufschutz u Selbsthaftend mit hautfreundlichem Kleber u In 5 Größen und 2 Längen erhältlich u In einer diskreten Compact-Box verpackt

u Auch für niedrige Betten geeignet u Rücklaufsperre im Konnektor verhindert das Zurücklaufen des Urins in den Foley-Katheter u Rücklaufsperre im Beutel zur Reduzierung retrograder Infektionen u Doppellumen-Schlauch mit Rückschlagventil zur schnellen Entleerung ohne Rückfluss zum Patienten u Nadelfreier Probeentnahmeport bietet Schutz vor Nadelstichverletzungen u Anti-Knick Spirale im Schlauch reduziert das Risiko von Urinstau u Hydrophober Bakterienfilter sichert eine konstante Belüftung des Systems u Top-Mounted Kammer minimiert das Risiko von retrograder Infektion

u Nadelfreie Probenentnahme u Bakteriendichte Tropfkammer mit Membran u Exaktes und nachtropfsicheres Bodenablassventil u Knicksicherer Übergangsschlauch (120 cm) mit Schiebe- und Fixierklemme u Befestigungsmöglichkeit mit Haken oder Kordel u Belüfteter Urinbeutel (2.000 ml) u Lesefreundliche Beschriftung u Latexfrei

u Sicherheit durch feste Verbindung von Spitze zu Schaft u Einführhilfe für einfache, auch einhändige ­Bedienbarkeit u Besondere röntgenologische Darstellbarkeit der Spitze

u Geringe Belastung des Patienten durch weniger Eingriffe u Hervorragend zur Langzeitanwendung geeignet u Verminderte ­Bakterienadhärenz u Inkrustationshemmendes Additiv u Gutes Vorschiebeverhalten durch mittlere Material­ konsistenz

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Vertrieb in Österreich rueschaustria@teleflex.com

Vertrieb in Österreich rueschaustria@teleflex.com

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

ERC-Reanimationsleitlinien 2015:

Neues auf einen Blick u Jeder 10. Todesfall geht auf einen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand zurück. u Für die Versorgung von Patienten mit Kreislaufstillstand stehen seit Kurzem die neuen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation zur Verfügung. Laienreanimation. Großer Wert wird auf die Telefonreanimation, also die Möglichkeiten des Leitstellendisponenten zum Erkennen und zur Anleitung von Ersthelfermaßnahmen gelegt. Wichtiges Fazit: Das Zusammenspiel einzelner Maßnahmen, im Team und als umfassende Systemstrategie, ist ausschlaggebend für das Überleben.

Im Vergleich zur Reanimationsleitlinie 2010 haben sich Bewertungen und Details verändert.

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eit der ersten Veröffentlichung zur kombinierten Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung im Jahr 1960 wurden zuerst durch die American Heart Association, später für Europa durch den European Resuscitation Council regelmäßig Empfehlungen zur Reanimation veröffentlicht, die ab dem Jahr 2000 alle fünf Jahre als international gültige Reanimationsleitlinien gemeinsam und koordiniert und auf der Basis der Empfehlungen des International Liaison Committee on Resuscitation neu und überarbeitet herausgegeben werden. Am 15. Oktober 2015 erschienen weltweit zeitgleich die neuen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation, für Europa über den Europäischen Rat für Wiederbelebung (ERC). Die zentralen Aussagen zur Durchführung einer Reanimation wurden im Wesentlichen beibehalten, doch im Vergleich zu den Leitlinien aus dem Jahr 2010 haben sich viele Bewertungen und Details geändert. Der entscheidende Weg zu größerem Erfolg und zu mehr Überleben führt über mehr ausgebildete Ersthelfer, intelligente Alarmierungssysteme und eine deutliche Zunahme der

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Die Interaktion zwischen Leitstellendisponenten, Notfallzeugen und zeitnaher Verfügbarkeit eines Defibrillators verbessert das Überleben beim außerklinischen Kreislaufstillstand. „Ein Patient, der nicht reagiert und nicht normal atmet, hat einen Kreislaufstillstand und benötigt Herz-Lungen-Wiederbelebung. Auch bei krampfenden Patienten ist an einen Kreislaufstillstand zu denken“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Michael Baubin vom Department Notfallmedizin an der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Innsbruck sowie Gründer und Vorsitzender des Austrian Resuscitation Council. Bei Patienten im Kreislaufstillstand werden in jedem Fall Thoraxkompressionen durchgeführt; darin ausgebildete und erfahrene Ersthelfer sollen auch Beatmungen durchführen, beides in einem Verhältnis 30 Thoraxkompressionen zu zwei Beatmungen. Die qualitativ hochwertige Wiederbelebung ist entscheidend für das Outcome. Daher müssen Thoraxkompressionen ausreichend tief sein: Zur Reanimation bei Kreislaufstillstand empfehlen die Experten eine Drucktiefe von ungefähr fünf und nicht mehr als sechs Zentimeter. Die Frequenz soll bei 100 bis 120 pro Minute liegen, mit minimierten Unterbrechungen. „Jede Atemspende darf nicht länger als eine Sekunde benötigen“, so Baubin. Die Defibrillation innerhalb von drei bis fünf Minuten nach einem Kollaps kann zu Überlebensraten von 50 bis 70 % führen. „Dieser Algorithmus kann auch für Kinder sicher verwendet werden, die Thoraxkompressionstiefe soll mindestens ein Drittel des Brustkorbdurchmessers betragen“, gibt der Experte Einblick. Bei Verlegungen der Atemwege durch einen Fremdkörper können Schläge mit der flachen Hand auf den Rücken, wenn dies nicht erfolgreich ist, Oberbauchkompressionen und letztlich auch Wiederbelebungsmaßnahmen indiziert sein.

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Basismaßnahmen – Basic Life Support (BLS)


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Univ.-Prof. Dr. Michael Baubin Department Notfallmedizin, Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensiv­medizin Innsbruck, Gründer und Vorsitzender des Austrian Resuscitation Council

ALS für ­Erwachsene Advanced Life Support (ALS) sind die in den Richtlinien beschriebenen erweiterten Maßnahmen im Rahmen einer Reanimation, um einen Kreislaufstillstand zu beenden und die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln. „Thoraxkompressionen dürfen nur kurz unterbrochen werden, wenn Defibrillationsversuch oder spezielle Interventionen das erforderlich machen, ebenso gilt das für einen Defibrillationsversuch“, erklärt Baubin. Ein weiterer Fokus soll nach den aktuellen Leitlinien auf der Anwendung selbst haftender Defibrillations-Pads und einer Strategie zur Minimierung der Kompressionspausen vor der Defibrillation liegen. Im Rahmen des neuen Kapitels über ALS-Monitoring wird verstärkt die Verwendung der Kapnografie betont, um die Lage des Endotrachealtubus zu bestätigen, um diese und die Reanimationsqualität kontinuierlich zu überwachen sowie um frühzeitig einen Hinweis auf Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs zu erhalten. Ein abgestuftes Airway-Management ist entsprechend den Fertigkeiten des Helfers vorgesehen. Der Einsatz von Reanimationsgeräten ist für den indizierten Transport unter Reanimation – bei Verdacht auf primär nicht therapierbare reversible Ursachen – oder unter speziellen Bedingungen empfohlen, ebenso wie der Einsatz von Ultraschall zur Feststellung reversibler Ursachen.

Ein neuer Abschnitt deckt die relevanten Änderungen der Reanimationsmaßnahmen bei chirurgischen Eingriffen ab. So ist etwa bei Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen die sofortige Resternotomie erforderlich. Beim Kreislaufstillstand während Herzkatheterinterventionen sollen drei sofort aufeinander folgende Defibrillationen vor dem eventuellen Beginn der Thoraxkompressionen abgegeben werden.

Besondere Patienten In diesem Abschnitt werden Anleitungen für die Wiederbelebung von Patienten mit Begleiterkrankungen wie Asthma oder Adipositas gegeben, aber auch für Patienten unter besonderen Bedingungen, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft. Bei Patienten mit Herzunterstützungssystemen kann die Diagnose des Cardiac Arrest mitunter schwierig sein. Wenn innerhalb der ersten zehn Tage nach einem herzchirurgischen Eingriff ein Kreislaufstillstand nicht auf Defibrillation anspricht, soll sofort eine Resternotomie vorgenommen werden. Bei adipösen Patienten sind grundsätzlich keine Änderungen in der Abfolge der Reanimationsmaßnahmen vorgesehen, jedoch empfiehlt sich ein häufigerer Wechsel der Helfer sowie eine frühe endotracheale Intubation. n

Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen In diesem Leitlinienkapitel werden die potenziell reversiblen Ursachen eines Kreislaufstillstands dargestellt, die bei jeder Reanimation gefunden oder ausgeschlossen werden müssen: 1. „4Hs“: Hypoxie, Hypo- oder Hyperkaliämie und andere Elektrolytstörungen, Hypo- oder Hyperthermie, Hypovolämie u Asphyxie: frühzeitige Beatmung unter Sauerstoffgabe u Elektrolytstörungen: ein hohes Maß an medizinischem ­Argwohn und beherztem Vorgehen ist notwendig 2. „HITS“: Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thrombose der Herzkranzgefäße oder der Lungenarterien, Spannungspneumothorax u Anaphylaxie: frühzeitiges Erkennen und sofortige i.m. Adrenalin-Gabe u Trauma: ein neuer Trauma-CPR-Algorithmus wegen besonders komplexer Zusammenhänge liegt vor

Basismaßnahmen beim Erwachsenen

Besondere Umgebung In diesem Kapitel werden Empfehlungen für die Behandlung des Kreislaufstillstandes unter besonderen Umfeldbedingungen gegeben, so zum Beispiel in Passagier- oder Ambulanzflugzeugen, auf Sportanlagen oder in unwegsamem Gelände, aber auch bei Massenereignissen. Ebenfalls umfasst das Kapitel Anweisungen, wie bei Kreislaufstillstand in Dialyseeinheiten oder im Bereich der Zahn- und Kieferchirurgie umzugehen ist.

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Der AQT90 FLEX Analysator – jetzt auch für Procalcitonin (PCT) Nicht nur im Notfallbereich ist eine rasche Analyse von kardialen Parametern bei gleichzeitig ­einfacher Bedienung von entscheidender Bedeutung. Der AQT90 FLEX Analysator von Drott bietet beides – inklusive Resultaten in Laborqualität.

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er AQT90 FLEX Analysator wurde für den Point-of-Care in der Notaufnahme entwickelt und kombiniert einfache Bedienung mit hoher Messgenauigkeit und schneller Analyse. Aber auch in anderen Abteilungen und in kleineren Labors macht das Gerät eine gute Figur.

Einfache und sichere Abfallentsorgung

Hohe Messgenauigkeit

Folgende Tests können derzeit auf dem AQT90 FLEX Analysator durchgeführt werden: u Kardiale Parameter: Troponin-T, Troponin-i, Myoglobin, cK-MB u Herzinsuffizienz: NT-proBNP u Gerinnung: D-Dimer u Entzündung, Sepsis: cRP, NEU: PCT (Procalcitonin) u Schwangerschaft: ß-HcG

18 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16

weitere Probenvorbereitung notwendig. Die Bedienung ist denkbar einfach: Parameter wählen und „Start“ drücken! Schon nach 30 Sekunden ist der AQT90 FLEX Analysator bereit für die zweite Probe. Die Ergebnisse werden ausgedruckt und an das KIS-/LIS-System oder direkt an den Patientenmonitor übermittelt. Der AQT ist ein offenes System, neue Tests werden laufend entwickelt. Ab sofort ist es auch möglich, den Sepsismarker Procalcitonin (PCT) mit dem Gerät in gewohnt einfacher Weise sehr rasch zu bestimmen.  n

Drott Medizintechnik GmbH Ricoweg 32D, 2351 Wiener Neudorf, Tel: +43-2236-660 880, office@drott.at, www.drott.at

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Anwendungen

Mit dem AQT90 FLEX Analysator erhalten Sie bis zu 16 Tests pro Testkassette.

Entgeltliche Einschaltung © Alex_Traksel – shutterstock.com

Hohe analytische Empfindlichkeit und vollständige Korrelation zu Labormethoden stehen für maximale Messgenauigkeit. Durch den Einsatz der zeitaufgelösten Fluoreszenzspektroskopie, basierend auf Europium als Detektor, minimiert der AQT90 FLEX Analysator die Hintergrundfluoreszenz und erlaubt so die Detektion geringster Konzentrationen der Analyten. Die hohe analytische Empfindlichkeit führt zu einer besseren klinischen Empfindlichkeit und trägt somit zu einer korrekten Diagnose bei. Nachdem das geschlossene Probenröhrchen direkt in den Probeneinlass gelegt wurde, ist keine


Ein Aufenthalt auf ­einer ­Intensivstation ist für ­einen ­Patienten oft ein einschneidendes­ und ­belastendes Erlebnis.

Wenn der Spitalsaufenthalt zur Belastung wird u Die rasante Entwicklung der Intensivmedizin hat dazu geführt, dass zunehmend mehr Patienten einen ICU-Aufenthalt überleben. u Dadurch rücken neuerdings Folgebeschwerden der Intensivbehandlung in den Vordergrund.

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Entgeltliche Einschaltung © Alex_Traksel – shutterstock.com

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

nter dem Begriff Post-ICU-Syndrom werden heterogene Beschwerden bezeichnet, die verschiedene Bereiche beinhalten, sich aber vorwiegend in den drei Hauptgruppen Muskelschwäche bzw. reduzierte körperliche Belastung, kognitive Defizite und psychische Störungen wie zum Beispiel Depression oder posttraumatische Belastungsstörung zusammenfassen lassen. Bis zu 70 % der intensivmedizinisch behandelten Patienten entwickeln im Laufe ihres Aufenthaltes auf einer Intensivstation ein sogenanntes Post-ICU-Syndrom. „Die Häufigkeit hängt mit der Schwere der Grunderkrankung und der Liegezeit auf der Intensivstation zusammen“, erklärt Dr. Dimitre Staykov von der Abteilung für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Eisenstadt. So liegt etwa bei Patienten nach einer Herz-OP mit Thorakotomie die Häufigkeit bei bis zu 20 %, bei Patienten nach Unfällen mit langer Liegedauer bei bis zu 70 %. Muskuläre Schwäche nach einem Intensivaufenthalt kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Mobilität und Alltagskom-

petenz führen. Die Beschwerden bessern sich im nachfolgenden Verlauf nur langsam über Wochen, oft über mehrere Monate. Bei einem relativ hohen Anteil der Patienten mit ausgeprägten Beschwerden können auch dauerhafte Defizite der Muskelkraft persistieren. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie zum Beispiel die Beatmungsdauer auf der Intensivstation. „Wie aktuelle Studiendaten belegen, sind bei beatmeten Patienten erste Symptome von Muskelveränderungen am Zwerchfell oft schon 36 Stunden nach Behandlungsbeginn sichtbar“, weiß Staykov. Weiters sind die Schwere der Grunderkrankung und generell die Dauer des Intensivaufenthalts von entscheidender Bedeutung. Langliegende Patienten können eine sogenannte Critical-IllnessPolyneuropathie und -Myopathie entwickeln, die bei schwerer Ausprägung sogar die Entwöhnung vom Beatmungsgerät verzögert. Kognitive Defizite können auch bei fehlenden körperlichen Beschwerden eine erhebliche Belastung für den Patienten und sein

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Priv.-Doz. Dr. Dimitre Staykov, ­Vorstand der Abteilung für Neurologie, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Eisenstadt

© www.foto-glasow.de

MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Umfeld darstellen. Diese Symptome werden besonders häufig nach einem Intensivaufenthalt beklagt (bis zu 80%). Die Gründe für die Manifestation psychischer Störungen liegen auf der Hand: Die Einlieferung trifft den Patienten unvorbereitet, Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder der Verlust lebensnotwendiger Funktionen sowie die Bewegungseinschränkungen lösen eine Reihe von Ängsten aus, die oft erst zum Tragen kommen, wenn das traumatische Erlebnis längst überwunden ist. „Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von prädisponierenden Faktoren des Patienten wie etwa psychischen Vorerkrankungen bis hin zu beeinflussbaren Faktoren, wie zum Beispiel Lärm auf der Intensivstation, konstantes Licht, Schlafmangel, Immobilisation und Orientierungslosigkeit“, sagt Staykov.

Wenn plötzlich alles anders ist Ist der kritische Zustand des Patienten erst einmal stabilisiert, gilt es, auch diesen posttraumatischen Belastungsstörungen, die ihre Ursache im Aufenthalt auf der ICU selbst und nicht in der Grunderkrankung haben, entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Der wichtigste Aspekt ist, dem Patienten den Umgang mit der Belastung zu erleichtern sowie ihm das Gefühl zu geben, sich in der „fremden Umgebung Intensivstation“ sicher fühlen zu können. „Das Thema ist erst in den letzten Jahren in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und hat zu aktuellen Forschungen geführt“, weiß Staykov. Bis vor wenigen Jahren war das wesentliche Ziel der Intensivmedizin, das Überleben der Patienten zu sichern. Inzwischen ist deutlich geworden, dass bei den meisten Patienten nach einem Intensivaufenthalt „nachher nichts mehr wie vorher ist“ und schwerwiegende kognitive, psychische und körperliche Langzeitfolgen auftreten können. Viele Belastungen treten durch das therapeutische Setting auf einer Intensivstation auf, wie etwa die Störung des Tag-NachtRhythmus durch engmaschige Kontrollen der Vitalfunktionen,

Symptome eines Post-ICU-Syndroms u K örperliche Beschwerden u R eduzierte körperliche Belastbarkeit uM  uskelschwäche u K ognitive Störungen uD  esorientierung u A ntriebsstörungen u V erminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit u P sychische Störungen u U nruhe u A ngst uD  epression u P osttraumatische Belastungsstörung

häufige diagnostische oder therapeutische Maßnahmen oder permanente Beleuchtung. Verstärkt wird die Problematik durch eine ständige Reizüberflutung aufgrund unbekannter Geräusche medizinischer Geräte sowie die fehlende Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre. Das „über anstatt mit“ dem Patienten Reden ist gerade am Intensivbett besonders ausgeprägt, sodass Patienten nur selten Fragen stellen können oder aktiv in die Visite miteinbezogen werden. Aufgrund der Schwere der Erkrankung sind fast immer bisherige Lebensbezüge unterbrochen und Patienten sehen sich unvermittelt mit unbekannten, impliziten Verhaltensregeln auf Intensivstationen konfrontiert. Obwohl medizinisches Personal laufend anwesend ist, setzt vielen Patienten das Kommunikationsdefizit enorm zu, die eigene Kommunikationsfähigkeit ist oft infolge künstlicher Beatmung eingeschränkt. „Misslingen nonverbale Signalisierungsversuche, kommt es zusätzlich zu Frustration, Ärger und letztlich zur Resignation seitens des Patienten“, betont Staykov.

Neben einem Simulationswettbewerb („sim wars“), in dem sich Teams bei der Bewältigung von notfallmedizinischen Szenarien am Simulator gegeneinander messen können, steht heuer ein Speakers’ corner auf dem Programm. In diesem kann jeder Kongressteilnehmer zu einem Thema seiner Wahl frei sprechen und mit den anderen Kongressbesuchern in Interaktion treten. Die Anmeldung erfolgt direkt am Kongress. Der Kurs „Professionelle Erste Hilfe bis der Notarzt kommt“ wird wieder stattfinden. Er richtet sich an niedergelassene Ärzte für die Bewältigung typischer Notfallsituationen. www.agn.at/kongress

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Einige Faktoren können präventiv positiv beeinflusst werden. Hierzu zählt vor allem die sorgfältige Prüfung der Notwendigkeit und die Minimierung einer tiefen Sedierung und Immobilisation. Weiters ist die Beachtung eines Tag-Nacht-Rhythmus auf der Intensivstation und die frühe Erkennung und Behandlung von deliranten Zuständen sehr wichtig. In der Behandlung bereits vorliegender Symptome des Post-ICU-Syndroms ist vor allem interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie einem kognitiven Training, psychologische und psychiatrische Behandlung gefragt, um die Lebensqualität und die Alltagskompetenz des Patienten zu verbessern, als auch das häusliche Umfeld und die Angehörigen, die sich um den Patienten zuhause kümmern, positiv zu beeinflussen. n

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Kongress für Notfallmedizin

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Ist Prävention möglich?


© Quelle: Kanizaj Marija-M.

Schmerztherapie nach Plan

u Das Schmerzmanagement aller Intensivstationen am LKH-Univ. Klinikum Graz wurde erfolgreich rezertifiziert. u Das Mitarbeiter- und Patientenfeedback lässt Rückschlüsse auf die Qualität der Schmerztherapie zu.

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ährend eines Krankenhausaufenthaltes ist parallel zur Behandlung der Hauptdiagnose eine maximal mögliche Reduktion der Schmerzen bei minimalen Nebenwirkungen eines der Hauptziele in der Versorgung von Patienten. Eine 2006 durchgeführte Statuserhebung in allen österreichischen Krankenhäusern zum postoperativen Schmerzmanagement ergab unter anderem, dass rund 70 % der österreichischen Krankenhäuser keine schriftlichen, standardisierten Protokolle zur Schmerztherapie sowie zu einem strukturierten Schmerzmanagement besitzen. Bereits im Jahr 2008 begann das LKHUniv. Klinikum Graz mit einem umfassenden Schmerzmanagementprojekt, das zum Ziel hatte, alle stationären Patienten des LKH-Univ. Klinikum Graz mit der bestmöglichen Schmerztherapie zu versorgen. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus einem ausgewiesenen Schmerzspezialisten und Mitarbeitern der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement hat in Zusammenarbeit mit den Schmerzteams der einzelnen Organisationseinheiten gemäß einem Roll-out-Plan die definierten Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien Klinik für Klinik implementiert. Es wurden gemeinsam mit den Kliniken medikamentöse Schmerztherapieschemata und nichtmedikamentöse Maßnahmen erarbeitet. Die geeignete Schmerztherapie wird durch vom Patienten angegebene Schmerzintensität und definierte Interventionsgrenzen eingeleitet und regelmäßig evaluiert. Mittlerweile ist es auch gelungen, Schmerz als zusätzlichen Vitalparameter am Klinikum einzuführen.

Patienten und Mitarbeiter befragt © Leremy – shutterstock.com

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Links: Mag. Dr. Gerald Sendlhofer, Leiter der Stabstelle QM-RM Stmk. Krankenanstaltenges.m.b.H., LKH-Univ. Klinikum Graz www.klinikum-graz.at, www.safetyinhealth.com Rechts: Mag. DI (FH) Bernd Pichler Krankenanstaltenges.m.b.H., LKH-Univ. Klinikum Graz www.klinikum-graz.at, www.safetyinhealth.com

Um die Ergebnisqualität der eingesetzten Instrumente messen zu können, wurden Patienten unter anderem zur Schmerzkontrolle, dem Therapieeffekt oder dem Informationsstand zum Schmerzmanagement befragt. Über das Patientenfeedback kann auf die Qualität der Schmerztherapie und somit auf das Wohlbefinden der Behandelten rückgeschlossen werden.

Ebenso wurden Mitarbeiter befragt, etwa ob Regelungen zur Schmerzerfassung und zu Schmerzerfassungsinstrumenten, Interventionsgrenzen, standardisierte Protokolle oder Schmerzdokumentation bekannt sind. Im Regelfall bewertet der Patient seine Schmerzsituation anhand eines standardisierten Schmerzerfassungsinstruments selbst. Eine besondere Herausforderung ergibt sich bei intensivmedizinisch betreuten oder kognitiv eingeschränkten Patienten. Diese Patientengruppen sind oft nicht in der Lage, selbst zu ihrem Schmerz Auskunft zu erteilen. So muss durch die Betreuenden vor Ort mithilfe von besonderen Schmerzerfassungsinstrumenten bei sedierten, beatmeten oder nicht ansprechbaren Patienten eine Fremdeinschätzung des Schmerzwertes erfolgen. Besondere Berücksichtigung findet dabei das Wechselspiel von Sedierung und Schmerz.

Erfolgreiche Rezertifizierung 2011 wurden alle Intensivstationen für Erwachsene des LKHUniv. Klinikum Graz erstmals mit einem Zertifikat von ­Certkom e.V. für ihre „Qualifizierte Schmerztherapie“ ausgezeichnet. Durch die nachhaltige Weiterentwicklung des Schmerzmanagements konnte 2015 die Rezertifizierung der Intensivstationen erfolgreich abgeschlossen werden. Es wurden ca. 340 Mitarbeiter und ca. 250 Patienten zur Ergebnisqualität im Schmerzmanagement befragt. Die Befragungsergebnisse bei Patienten zeigen eindeutig, dass sich beispielsweise an einer Intensivstation der Maximalschmerzwert (Skala von 0 bis 10, 0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz) von im Mittel 2011 von 5,7 auf im Mittel 3,5 verbessert hat. Auch bei der Schmerzerträglichkeit und Erhöhung der Wirksamkeit der Schmerztherapie gab es Verbesserungen. Auch die Mitarbeiterbefragung belegte eine höhere Zufriedenheit mit den Fortbildungsangeboten (Skala von 0 bis 6, 0 = sehr zufrieden bis 6 = sehr unzufrieden) von im Mittel 1,5 im Jahr 2015 zu 2,5 im Jahr der Erstzertifizierung.  n

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MEDIZIN & WISSENSCHAFT

Univ.-Prof. Dr. Harald Mangge, Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik, Medizinische Universität Graz

Überwachung der Blutgerinnung

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in klassisches „Werkzeug“ zur Steuerung der Blutgerinnung ist die Bestimmung der Konzentration von Gerinnungsfaktoren im Blut, wobei insbesondere der Gerinnungsfaktor Fibrinogen eine zentrale Rolle spielt. „Traditionell erfolgt die Messung dieses Gerinnungsfaktors mit der Methode nach Clauss im Blutplasma. Neuerdings kommen schnellere funktionelle Tests zur Anwendung, wie die Thrombelastografie bzw. Thromb­ elastometrie, die als patientennahe Methoden ­Menge und Qualität von vorhandenem Fibrinogen prompt einschätzen und so theoretisch frühe Therapieentscheidungen ermöglichen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an der Med Uni Graz. Möglicherweise gerade aufgrund der großen Präzision dieser Tests fand in der Praxis zuletzt ein teils heftig geführter klinischer Diskussionsprozess um die Themen „Normalwerte“, „Grenzwerte“ sowie „Gefahren von zu starker Gerinnung“ statt. In einem interdisziplinären Team untersuchten Wissenschaftler an der Med Uni Graz vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik sowie der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin Blutproben von Patienten kurz nach einem großen chirurgischen Eingriff mittels der klassischen Fibrinogenmessung nach Clauss und der schnelleren neuen Methoden. Dabei traten deutliche Unterschiede im Messergebnis zutage.

Methodik beeinflusst Grenzwert Während das traditionelle Verfahren im Blutplasma und somit unter Notwendigkeit einer zeitaufwendigen Zentrifugation vor der eigentlichen Untersuchung durchgeführt wird, arbeiten die neu entwickelten viskoelastischen Verfahren direkt im Vollblut und können somit rascher und patientennahe durchgeführt werden. Auch die Technologie und die Messparameter unter-

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scheiden sich wesentlich. „Das traditionelle Verfahren misst die Konzentration eines wichtigen Gerinnungsfaktors im Plasma, während die neuen Tests neben einer abgeleiteten Konzentration primär die Qualität und die Festigkeit des bei der Blutgerinnung entstehenden Gerinnsels beurteilen“, erklärt Mangge. Wurden in der Vergangenheit vor allem die zu geringe Gerinnungsfähigkeit des Blutes sowie Blutungen während der Operation als bedrohlich angesehen, so zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass auch ein „Zuviel“ an Blutgerinnung oder eine übermäßige Therapie mit Risiken wie etwa einer Thrombose oder einem Gefäßverschluss verbunden sein kann. Die Grazer Forscher überprüften bei herz- und allgemeinchirurgischen Patienten zwei neue, bereits am Markt befindliche Messgeräte und verglichen deren Ergebnisse mit dem traditionellen Verfahren der Fibrinogenmessung nach ­Clauss. Überraschenderweise fanden sie heraus, dass zwischen den neuen Testverfahren systemabhängig unterschiedliche Ergebnisse bezüglich der Qualität des Gerinnsels vorlagen, wodurch die Aussagekraft und die Ableitung therapeutischer Konsequenzen problematisch werden können. „Während beispielsweise die Ergebnisse eines der beiden Tests ableiten lassen, dass Gerinnungssubstanzen künstlich zugeführt werden müssen, zeigt der andere Test bei derselben Blutprobe eine noch zufriedenstellende Blutgerinnung an. Weitere Forschungen auf diesem Gebiet sind also dringend angezeigt, um eventuell nicht notwendiges künstliches Zuführen von Gerinnungssubstanzen zu vermeiden. Neben dem Kostenaspekt muss vor allem auch das Risiko von embolischen Komplikationen, die Gefäßverschlüsse mit sich bringen, gerade nach Herz- oder Gefäßoperationen beachtet werden“, fasst Mangge zusammen. n Quelle: Med Uni Graz

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u Ein interdisziplinäres Forscherteam der Med Uni Graz verglich Messsysteme zur Bestimmung der Blutgerinnung. u Divergierende Messergebnisse zeigen offenen Forschungsbedarf auf.


© Tirol Kliniken

Links: o. Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl, Leiterin des Schlaf­ labors der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie Rechts: Univ.-Prof. Dr. Herbert Riechelmann, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO-Heilkunde

Erste Zungenschritt­macher implantiert u Zungenschrittmacher stimulieren den Bewegungsnerv der Zunge. u Von der innovativen Therapie profitiert eine kleine Gruppe von Patienten, die an einer speziellen Form des Schlafapnoesyndroms leidet.

E

rkrankungen der Kopf-Hals-Region gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Europa. Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer sogenannten obstruktiven Schlafapnoe, deren Art und Schweregrad bei Untersuchungen im Schlaflabor ermittelt werden können. In den meisten Fällen einer obstruktiven Schlafapnoe ist die klassische Behandlung mit einer Atemmaske (CPAP – Continuous Positive Airway Pressure) möglich. Dabei wird über eine Nasenmaske ein kontinuierlicher positiver Luftdruck in den oberen Atemwegen aufgebaut. Ausgewählte Patienten, bei denen die klassischen Therapiemethoden nicht anwendbar sind, die nicht übergewichtig sind und die unter einer bestimmten Art von Atemwegsverschluss leiden, können nun auch mit einem Zungenschrittmacher behandelt werden.

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Zusammenarbeit mit Schlaflabor „Mit diesem Implantat kann zwar nur eine kleine Gruppe von Patienten behandelt werden, aber bei ihnen ist wegen des stark erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos die Lebenserwartung herabgesetzt. Aufgrund verstärkter Tagesmüdigkeit haben sie oft auch ein erhöhtes Risiko für Sekundenschlaf“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO-Heilkunde und Präsident der Österreichischen HNO-Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Herbert Riechelmann. In Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie wurden Zungenschrittmacher eingesetzt. Der Wirksamkeitsnachweis für diese Implantate wurde in jahrelanger Forschungsarbeit erbracht. „Goldstandard in der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe ist nach wie vor die Atemmaske. Kann diese aus medizinischen Gründen nicht angewendet werden und erfüllt der Patient auch die anderen Voraussetzungen, kann der Zungenschrittmacher Abhilfe schaffen“, erklärt die Leiterin des Innsbrucker Schlaflabors der Univ.-Klinik für Neurologie, Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl. Der Zungenschrittmacher ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar. Er hat etwa die Größe einer Streichholzschachtel und wird unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Er erfasst die Atembewegungen und kann mittels kleiner Impulse in den Hypoglossus-Nerv der Zunge ver-

Der Zungenschrittmacher ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar.

hindern, dass diese zurückfällt und die Atemwege blockiert. Patienten mit einem schweren, obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom haben Atemaussetzer, weil die Spannung der Muskulatur der oberen Atemwege im Schlaf nachlässt. Dadurch verengt sich der Luftweg.

Führend in der S­ chrittmacherforschung Die innovative Behandlungsmethode präsentierte Riechelmann auch am Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Zu den aktuellen Themen der Tagung zählten weiters die Behandlung von Tinnitus, der häufigen chronischen Entzündung der oberen Atemwege oder beispielsweise die Behandlung von Krebserkrankungen im HNO-Bereich. Die Innsbrucker Universitätsklinik für HNO-Heilkunde gilt österreichweit als wissenschaftliches und innovatives Zentrum. So wurde in Innsbruck weltweit erstmals auch das innovative Hörimplantat „Bonebridge“, ein Knochenleitimplantat, eingesetzt. Österreichweit wurde 2013 erstmals ein Kehlkopfschrittmacher implantiert – der dritte weltweit. Die Innsbrucker HNOKlinik ist auch an der Entwicklung eines neuen Schrittmachers für das Gleichgewichtsorgan beteiligt. n

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PFLEGE & HOME CARE

u Mangelernährung bei onkologischen Patienten hat eine direkte Auswirkung auf die Lebenserwartung. u Im St. Josef-Krankenhaus wird zur Erhebung des Ernährungszustandes von onkologischen Patienten seit Kurzem erfolgreich ein spezielles Screening eingesetzt.

© Katharina Neuwirth

Früherkennung wesentlich für Therapieerfolg

Aufklärung hilft, denn die Gründe für eine Mangelernährung können bei onkologischen Patienten vielfältig sein.

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ast die Hälfte aller Krebspatienten leidet an Mangelernährung – mit negativen Folgen nicht nur für die Lebensqualität, sondern auch für die Heilungschancen. Um Mangelernährung frühzeitig zu erkennen, wird im St. Josef-Krankenhaus ein spezielles Programm angewendet, dessen Wirksamkeit vor Kurzem in einer Studie bestätigt wurde. „Viele Patienten mit einer Krebserkrankung kämpfen mit Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und einem verstärkten Abbau von Muskelmasse“, berichtet Prof. Dr. Leopold Öhler, Leiter der Onkologie im St. Josef-Krankenhaus. Die oft mangelhafte Versorgung mit Nährstoffen hat nicht nur Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen. Viele erkranken leichter an Infekten, müssen länger im Spital bleiben oder leiden häufiger an Nebenwirkungen der Chemotherapie. Insgesamt, so die Expertenmeinung, hat Mangelernährung bei onkologischen Patienten eine direkte Auswirkung auf die Lebenserwartung.

© Drägerwerk AG & Co. KGaA

Mangelernährung bei ­Chemotherapie

„Für den Therapieerfolg ist es daher umso wichtiger, dass Mangelernährung frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird“, so Öhler. Im St. Josef-Krankenhaus wird zur Erhebung des Ernährungszustandes von onkologischen Patienten ein spezielles Screening verwendet. „Der Betroffene wird bei jedem Aufenthalt bei uns gewogen und nach seinen Essgewohnheiten befragt“, erklärt der Onkologe. Alle Angaben sowie der Gewichtsverlauf werden im System gespeichert; werden gewisse Werte unterschritten, schlägt es Alarm. „Ist bei einem Patienten erkennbar, dass er sich unzureichend ernährt, arbeiten Ärzte, Krankenpflegepersonal und Diätologen gemeinsam an der Behebung der Ursachen“, erklärt die leitende Diätologin im St. Josef-Krankenhaus, Katharina Auer, MSc. In einem ausführlichen Gespräch werden zunächst die Gründe für die unzureichende Nährstoffversorgung hinterfragt. „Manches Mal ist der Patient zu Hause einfach schlecht versorgt, andere Male sind es die Nebenwirkungen der Chemotherapie oder psychische Gründe, die zu Mangelernährung führen“, so Auer. Gemeinsam mit den Betroffenen wird von der Diätologin eine individuelle und bedarfsgerechte Ernährungstherapie geplant, die sich an den medizinischen und persönlichen Bedürfnissen des Patienten ausrichtet. Bei länger andauernder unzureichender Nahrungszufuhr ist eine künstliche Ernährung in Form von Infusionen oder über eine Sonde möglich.

Studie belegt Wirksamkeit des Screenings Im Rahmen einer Masterarbeit für das Studium „Advanced Integrative Health Studies“ konnte die Diätologin Katharina Auer, MSc die Wirksamkeit des Ernährungsscreenings, so wie es im St. Josef-Krankenhaus – aber auch in anderen Häusern der Vinzenz Gruppe – eingesetzt wird, nun bestätigen. Die Arbeit wurde vor Kurzem im Rahmen des österreichischen MTDInnovationspreises 2015 ausgezeichnet.  n

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Anz_


PFLEGE & HOME CARE

Neues ­Seminarprogramm

© Drägerwerk AG & Co. KGaA

Die neue Leuchte Polaris 600 des Medizinund Sicherheitstechnikkonzerns Dräger kann erstmals via Touch-Bedienung sowohl vom nicht sterilen Personal als auch vom Chirurgen bedient werden. Lichtfelddurchmesser

Die Polaris 600 kann via Touchbedienung sowohl vom nicht sterilen Personal, als auch vom Chirurgen bedient werden.

und Lichtintensität lassen sich direkt am sterilen Handgriff mithilfe der Sterile Touch Control einstellen. Dafür befindet sich im oberen Bereich des Handgriffs eine Fläche, die auf Berührung reagiert – ähnlich wie bei einem Smartphone: Per Doppelklick verändert sich der Lichtfelddurchmesser stufenweise von 19 auf 27 Zentimeter. Streicht man mit dem Daumen zur Seite, verstärkt oder vermindert sich die Lichtintensität – Einstellungen, die der Chirurg dank des Handgriffs mit Sterile Touch Control eigenständig vornehmen kann. Über das Leuchtenbedienfeld und das Wandpanel lassen sich zudem alle angeschlossenen Polaris-Leuchten synchronisieren. Ein leichtes Tippen und die vernetzten PolarisLeuchten arbeiten mit derselben Lichtintensität und Farbtemperatur. Wie die Polaris 100/200 hat die Polaris 600 einen flachen und leichten Leuchtenkörper mit einem Durchmesser von 62 Zentimetern, der eine leichtgängige Positionierung ermöglicht und im Laminarflow nicht stört.

­emeinsam mit seinen medizinischen PartG nern präsentiert Dräger sein Seminarprogramm für das erste Halbjahr 2016 – ein vielfältiges Aus- und Weiterbildungsangebot für Fachärzte, Ärzte, Pflegepersonal und Sanitäter sowie medizinisches/medizintechnisches Personal. Die Veranstaltungen sind von der Österreichischen Ärztekammer für das DFP-Programm approbiert und stehen unter der Patronanz der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) bzw. des Berufsverbandes für Anästhesie und Intensivpflege (ÖBAI). 02.05. 2016 Linz Narkosemanagement und Aufbereitung 03.05. 2016 Linz Rationale Narkoseführung und moderne Atemformen in der Anästhesie 10.05. 2016 Wien Der beatmete Intensivpatient I: Grundlagen der Intensivbeatmung 11.05. 2016 Wien Der beatmete Intensivpatient II: Update der Intensivbeatmung 18.05. 2016 Linz Nicht invasive Beatmung erfolgreich anwenden

Entgeltliche Einschaltung

Eine Leuchte für alle

www.draeger.com/academy-austria

FÜR RÄUME, DIE ES IN SICH HABEN. SIE HABEN DIE VISION. GEMEINSAM BEREITEN WIR IHR DEN BODEN. Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime werden jeden Tag stark frequentiert. Die Anforderungen an Hygiene, Komfort und Wirtschaftlichkeit sind hoch. Mehr Informationen über hygienische Bodenbelags- und Systemlösungen für das Gesundheitswesen finden Sie auf: www.nora.com/at

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PFLEGE & HOME CARE

Mit neuer Informationstechnologie gegen Depressionen u Eine Online-Versorgungsplattform zu Depressionen im Alter soll pflegende, betreuende und behandelnde Personen vernetzen. u Damit sollen ältere Menschen mit depressiven Episoden durch personalisierte, altersgerechte Interventionen besser unterstützt werden. eltweit zeichnet sich ein Versorgungs- und Behandlungsdefizit für psychische Alterserkrankungen ab, wobei Depression nach Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter zählt. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission explizit die Entwicklung und Implementierung von integrierten Versorgungsmodellen mit Interventionsdiensten für psychische Erkrankungen im höheren Lebensalter gefordert. Depression im Alter wird oft nicht oder erst sehr spät erkannt und entsteht meist als psychische Reaktion auf Begleiterscheinungen des Alters. Die Johanniter starteten daher gemeinsam mit der Salzburg Research Forschungsgesellschaft und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien ein Forschungsprojekt zur Vorbeugung von Depression im Alter. Das einjährige Forschungsprojekt unter dem Namen „Impetus“ untersucht das Potenzial von Informationstechnologie zur Vorbeugung von Depressionen und Unterstützung des Versorgungsprozesses. Eine gemeinsame OnlineVersorgungsplattform soll sowohl die Betroffenen als auch alle pflegenden, betreuenden und behandelnden Personen mit einbeziehen. Anzeichen für eine Depression im Alter sollen damit frühzeitig erkannt und ältere Menschen mit depressiven Episoden durch personalisierte, altersgerechte Interventionen unterstützt werden.

Unterstützung von Langzeittherapien „Wir werden im Forschungsprojekt Impetus die Nutzbarkeit des Internets für den Bereich Altersdepression prüfen und die Unterstützung von IKT-Diensten in verschiedenen Phasen des Versorgungsprozesses darstellen“, so Projektleiterin DI Manuela Plößnig, MSc von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. So können der gesundheitliche Zustand und damit die Lebens­ qualität und das Wohlbefinden von Menschen mit Depressionen im Alter durch Technologieunterstützung verbessert werden. „Es gibt derzeit Systeme und Pilotversuche in Europa, die Mög-

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lichkeiten aufzeigen, wie computergestützte Interaktionen zwischen Klient und Therapeut dargestellt werden können“, ergänzt Mag. Georg Aumayr, Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums der Johanniter, und beschreibt praktische Beispiele: „Das kann zum Beispiel ein Stimmungstagebuch sein, das online verwaltet wird, oder auch tele-psychologische Anwendungen mit einer Konferenzschaltung zu einem Therapeuten. Das wird vor allem bei Patienten in Langzeittherapien eingesetzt, um das Vertrauensverhältnis nicht zu verlieren und die Therapie – trotz beispielsweise Mobilitätseinschränkungen – weiterhin aufrechtzuerhalten.“

Potenzial noch nicht ausgeschöpft „E-Mental Health“ ist ein recht junges Praxis- und Forschungsfeld, das die Nutzbarmachung moderner Medien in Prävention, Behandlung, aber auch Rehabilitation und Selbsthilfe zum Gegenstand hat. „Obwohl viele Forschungsfragen offen sind, wissen wir, dass moderne Medien wie vor allem das Internet bei einer Reihe von psychischen Störungen die Behandlung effektiv unterstützen können“, so die psychologische Psychotherapeutin Prof. Dr. Christiane Eichenberg von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. „Allerdings ist das Potenzial für betroffene ältere Menschen weder ausgeschöpft noch hinreichend untersucht.“ Gestartet wurde Anfang November 2015 mit einer umfassenden Literaturrecherche sowie begleitenden ethischen Überlegungen. Besonderes Augenmerk liegt auf computergestützten Verhaltenstherapie-Ansätzen für ältere Menschen, auf ergänzenden Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich „E-Mental Health“ und auf Selbstmanagement-Strategien unter besonderer Berücksichtigung potenzieller Geschlechterunterschiede. Impetus wird durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Programm benefit gefördert. Projektpartner sind die Johanniter Österreich, die Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH sowie die Sigmund Freud Privatuniversität.  n

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HydroTherapy:

Rasch zu einer sauberen Wunde Eine moderne Wundversorgung sorgt gleich mehrfach für Vorteile: Sie schafft Lebensqualität für Betroffene, vereinfacht den Arbeitsalltag des medizinischen Personals und verringert die Kosten für das Gesundheitssystem.

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iele Dekubitalulzera heilen erst nach Monaten oder Jahren ab. Sie bedeuten für den Patienten oft monatelange Immobilisation, Schmerzen, Sepsisgefahr und eine Reihe weiterer Komplikationen. Erforderlich sind auf der einen Seite praxisorientierte Konzepte, die auf einem guten Informationsfluss zwischen Arzt, Pflegekraft und Kostenträgern fußen. Auf der anderen Seite braucht es innovative Konzepte zur lokalen Wundbehandlung vonseiten der Industrie. Die HydroTherapy von Paul Hartmann entspricht diesen komplexen Anforderungen.

Im Doppelpack aktiv

Entgeltliche Einschaltung

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PFLEGE & HOME CARE

Die HydroTherapy beruht auf zwei Präparaten, die selbst bei Problemwunden die Wundheilung in allen Phasen optimal unterstützen. Die Therapie startet mit HydroClean plus, vormals TenderWet plus, das die Wunde durch einen einzigartigen Saug-Spül-Mechanismus aktiv reinigt und konditioniert. Basis für Reinigungsleistung ist der Saugkern aus superabsorbierendem Polymer (SAP), der mit Ringerlösung getränkt ist, die kontinuierlich an die Wunde abgegeben wird. So werden Nekrosen und Belege rasch aufgeweicht und abgelöst. Gleichzeitig werden mit dem Wundexsudat Detritus, Bakterien und entzündungsfördernde Proteasen (MMPs) in den SAP-Saugkörper aufgenommen und dort sicher gespeichert. Zusätzlich hat HydroClean plus eine weitere Keimbarriere aufzuweisen: In den SAP-Saugkern ist in gebundener Form das wundfreundliche Antiseptikum Polyhexanid (PHMB) eingebracht, das im Inneren des Wundkissens die mit dem Wundexsudat aufgenommenen Bakterien abtötet und im SAP-Saugkern sicher bindet. Im Anschluss sorgt HydroTac mit der AquaClear Technologie für eine optimale Feuchtigkeitsregulierung. Dadurch wird so-

wohl die Bildung weiteren Granulationsgewebes angeregt als auch die Epithelisierung gefördert und die Wunde bis zur Abheilung sicher vor Austrocknung geschützt. So wie die einzelnen Wundheilungsphasen nicht isoliert, sondern zeitlich ineinander übergreifend ablaufen, gewährleisten auch die Wirkungsprinzipien von HydroClean plus und HydroTac ein heilungsförderndes Ineinanderübergreifen.

Anwenderfreundlich und wirtschaftlich HydroClean plus gewährleistet durch die kontinuierliche Abgabe der Ringerlösung, dass die Wunde dauerhaft feucht gehalten wird und die Wundflächen nicht austrocknen. So wird ein ­atraumatischer, schmerzarmer Verbandwechsel möglich. Wird die Wundbehandlung nach der Reinigung und Konditionierung mit HydroTac fortgesetzt, reguliert auch dieser Schaumverband mit netzförmiger, feuchtigkeitsspendender Hydrogelbeschichtung die Feuchtigkeit in der Wunde. Phasenübergreifend setzt HydroClean plus auch die Bildung von Granulationsgewebe in Gang. Sowohl HydroClean plus als auch HydroTac können bis zu drei Tage auf der Wunde verbleiben. Dies ist vor allem im ambulanten Bereich von hohem praktischem Nutzen. Weniger Verbandwechsel bedeuten aber nicht nur weniger Kosten, sondern auch weniger Ängste und Schmerzen für den Patienten, weniger Gefahr der Traumatisierung der Wunde und weniger Sekundärinfektionen. n

PAUL HARTMANN Ges.m.b.H. 2355 Wiener Neudorf, Tel. +43-2236-64630-0 office@at.hartmann.info, at.hartmann.info

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PFLEGE & HOME CARE

Gruppen­programm gegen Adipositas u Wiener Adipositas Zentrum bietet mit der „Coping School“ ein neues Therapieangebot. u Das Programm steht Menschen mit einem BMI ab 30 sowie vor oder nach einem adipositaschirurgischen Eingriff offen. u Ein neuer Gesundheitspass zur bariatrischen Operation ergänzt das Programm. as Adipositas Zentrum im Krankenhaus Barmherzige Schwestern Wien ist mit jährlich rund 400 stationären Aufenthalten, 1.200 Besuchen in den verschiedenen Adipositas­ ambulanzen sowie 600 Beratungsgesprächen eine der größten Spezialeinrichtungen für krankhaft fettleibige Menschen in Österreich. Ein interdisziplinäres Behandlungsteam aus innerer Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Radiologie, physikalischer Medizin, Psychotherapie, Diätologie, klinischer Psychologie und speziell geschulten Pflegekräften arbeitet seit 2011 eng zusammen und bietet Betroffenen ein breites Behandlungsspektrum. Das Therapieangebot wurde jetzt um die „Coping School“ erweitert. In einem tagesklinischen Gruppenprogramm lernen Betroffene medizinisch begleitet ihren Umgang mit dem Essverhalten, der Bewegung, aber auch mit den eigenen Gedanken und Gefühlen. Über einen Zeitraum von acht Wochen trifft sich eine geschlossene Gruppe von maximal zehn Personen in der „Coping School“, die von Prim. Univ.-Doz. Dr. Monika Graninger, Leiterin der III. Medizinischen Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik, entwickelt wurde. „Adipositas hat viele verschiedene Ursachen, auf die wir speziell eingehen und den Be-

troffenen ein ganzheitliches Behandlungsprogramm bieten. Ziel ist es, die eigenen Ressourcen zu stärken und so aus der negativen Übergewichtsspirale zu kommen“, erklärt Graninger.

Nachhaltigkeit der Behandlung Auch der Ärztliche Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Wien und Leiter des Adipositas Zentrums, Univ.Prof. Dr. Alexander Klaus, freut sich über den Ausbau des Zentrums: „Individuelle Beratung und Therapie und die Nachhaltigkeit der Behandlung sind uns besonders wichtig. Mit der Coping School können wir Menschen bereits ab einem BMI von 30 behandeln und so spätere Eingriffe möglicherweise vermeiden.“ Die Coping School startet mit einer internistischen Untersuchung im Adipositas Zentrum sowie einem therapeutischen Gespräch. Danach erlernen die Betroffenen auf verschiedenen Ebenen Bewältigungsstrategien für das krankhafte Übergewicht. Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebensstils, für Betroffene geht es oft auch darum, wieder in Bewegung zu kommen und sich mit ihrem Körper zu versöhnen. Der Schwerpunkt des Bewegungsprogrammes liegt

In der Coping School wird das Therapieangebot den speziellen Patientenbedürfnissen angepasst. Bewegung, Ernährung und Psyche werden ganzheitlich therapiert.

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Fotos: © BHS Wien/Heidrun Henke

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PFLEGE & HOME CARE

mit Kraft-Ausdauer-Training im Muskelaufbau. Dabei wird gezielt auf die individuellen Möglichkeiten der Teilnehmer geachtet. Die spezielle Diätberatung erfolgt beim gemeinsamen Kochen sowie in einem eigens für die Coping School entwickelten Genuss- und Geschmackstraining. Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ überdenken die Teilnehmer ihr Essverhalten und lernen neue Ideen für wahren Genuss. Mit den Psychotherapeuten können die Teilnehmer in einer Gruppe von Menschen mit ähnlichen Problemen frei und offen über sich und Schwierigkeiten, Ängste und Sorgen, aber auch über Erfolge und Ressourcen sprechen. Die negative Abwärtsspirale soll unterbrochen werden. Gleichzeitig wird die soziale und emotionale Kompetenz der Teilnehmer gestärkt. Wie in einem Coaching erlernen sie neue Möglichkeiten und Strategien, mit Problemen umzugehen, sowie neue Fertigkeiten im Umgang mit schwierigen Emotionen und Situationen. Am Ende der Coping School erfolgt eine abschließende internistische Untersuchung. Bei Bedarf ist die Weiterbetreuung in der internistischen Adipositas Ambulanz möglich. Ein regelmäßiges Gruppentreffen für die Absolventen ist geplant. n

IM GESPRÄCH DGKS und Adipositas-Assistentin Birgit ­Emathinger, Adipositas Zentrum im Krankenhaus Barmherzige Schwestern, Wien Welche Vorteile hat ein eigenes Zentrum für die Betreuung von Adipositaspatienten? Menschen mit Adipositas haben viele Fragen zu den verschiedenen Therapien, in der Erstberatung nehme ich mir Zeit, diese Fragen zu beantworten und in Ruhe über die Möglichkeiten im Zentrum zu informieren. Wir erheben hier einen aktuellen Status und planen mit den Patienten gemeinsam den Therapieweg. Die Zahl der Erkrankungen nimmt trotz vieler Informations- und Beratungsangebote immer weiter zu, sodass ein niederschwelliger Zugang notwendig ist, welcher eine multidisziplinäre Zusammenarbeit und eine sehr individuell abgestimmte Therapie dringend erfordert. Allein der Schritt zu einem Arzt ist ein Meilenstein für die Betroffenen.

Das Adipositas-Team im Krankenhaus Barmherzige Schwestern in Wien.

Welche Altersgruppe wird vorwiegend beraten? Die Obergrenze liegt bei 65, wenn es um operative Behandlungen geht. Im letzten Jahr hatten wir die meisten im Alter zwischen 40 und 50. Jüngere Patienten versuchen es meist mit Diäten, erst wenn die Zahl der Fehlversuche hoch ist oder auch die Folgeerkrankungen zunehmen, dann kommen Patienten zu uns ins Zentrum. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? Wir haben viele Patienten aus sozial schwachen Verhältnissen oder mit Traumata aus der Kindheit. Da ist es mit einer Diät allein längst nicht getan. Massive Essstörungen erfordern ein Bündel an Maßnahmen, damit wir überhaupt einen neuen Lebensstil andenken können. Viele haben schon einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie überhaupt zu uns kommen, entsprechend frustriert sind sie.

Wo liegt konkret Ihre Aufgabe? Ich sehe mich als Schnittstelle, die passenden Professionen für den Patienten zu vernetzen und die bestmögliche Therapie zu erzielen.

Welche Lösungen gibt es hier? Unser Beratungssystem funktioniert, daher sollte es ausgebaut werden und österreichweit mehr Angebote zur Verfügung stehen. Übergewichtige Menschen sind für Spitäler eine große Herausforderung: Die Liegezeiten sind selbst bei harmloseren Erkrankungen länger, die gesamte Versorgung erfordert Spezialprodukte, wie extrabreite Betten oder Türstöcke. Langfristig muss mehr in Prävention investiert werden, schon bei Kindern und Jugendlichen.

Gibt es spezielle Anforderungen in der Wundversorgung von ­Adipositaspatienten? Auch darauf komme ich schon in der Erstberatung zu sprechen. Viele Patienten kommen bereits mit chronischen Wunden aufgrund von Folgeerkrankungen wie etwa Diabetes. Manche haben aber auch Anzeichen einer Mangelernährung, die sich auf eine Wundheilung negativ auswirkt.

Welche Wünsche haben Sie an das System? Eine Anerkennung der Thematik in der Gesellschaft. Skandinavische Länder zeigen vor, dass ein Ausbau der Primärversorgung durchaus positive Auswirkung auf die Volksgesundheit hat. Ich freue mich, dass ich hier im Haus die Möglichkeiten habe, diese Themen zu bearbeiten, und wünsche mir noch mehr Bewusstsein für diese Thematik.

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PFLEGE & HOME CARE

Wundinfektionen ­frühzeitig erkennen u Wenn Infektionen rechtzeitig diagnostiziert werden, können damit hohe Folgekosten und auch Schmerzen für den Patienten verhindert werden. u Ein neuer Schnelltest liefert beim Verbandswechsel rasch und einfach verlässliche Ergebnisse. u Die Anwendung ist auch in der Hauskrankenpflege möglich. ie Zahl der Pflegebedürftigen in Österreich steigt und damit auch die Problematik von Wundinfektionen. Bislang gibt es vor allem für die häusliche Pflege kein System, mit dem eine Infektion schnell und einfach frühzeitig erkannt werden kann. Genau hier setzt das Start-up-Unternehmen Qualizyme an. Der Startschuss für das Unternehmen fiel bereits im Jahr 2006 bei einer Forschungsarbeit an der TU Graz, bei der die Mikrobiologin Dr. Eva Sigl und die Chemikerin Dr. Andrea Heinzle das Potenzial einer Methode zur frühzeitigen Infektionserkennung deutlich machten. 2012 gründeten sie das Start-up InFact, jedoch fehlte es an Laborkapazitäten. Seit Mai 2014 arbeiten die beiden Forscherinnen nun unter dem neuen Namen Qualizyme am ZWT (Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin) Graz.

Über das ZWT Das Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) wird vom Wirtschaftsressort des Landes Steiermark und der Medizinischen Universität Graz errichtet, wird aus Förderungsmitteln des Landes Steiermark und der Europäischen Union (EFRE Mittel) kofinanziert und ist der erste Schritt zum neuen MED CAMPUS Graz. Dieser ist als „neuer Stadtteil für die Gesundheit“ konzipiert und in unmittelbarer Nähe zum LKH Graz angesiedelt. Das ZWT Graz bietet Platz für rund 250 hochqualifizierte Arbeitsplätze. Auf rund 10.000 Quadratmeter Fläche haben Unternehmen die Möglichkeit, Labor- und Forschungseinrichtungen zu mieten beziehungsweise steht Arbeitsplatz für Forschungseinrichtungen, Spin-offs und Unternehmen im Life-Science-Bereich zur Verfügung. Ein geringer Teil der Flächen ist noch verfügbar. www.zwt-graz.at

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Schnelltest ohne Labor Sigl und Heinzle entwickelten eine Methode zur Infektionsdetektion, die die Hauskrankenpflege revolutionieren könnte. „Bisher gibt es kein Produkt am Markt, mit dem man eine Wundinfektion schnell und einfach frühzeitig erkennen kann“, erläutert Sigl. Die einzige Methode zur Erkennung sind momentan mikrobiologische Analysen, die aber zwei bis drei Tage dauern und für die ein Labor erforderlich ist. Die Gründerinnen entwickelten einen Schnelltest, der im Zuge eines Verbandswechsels schnell und einfach auch von einem Laien angewendet werden kann. Mit einem Tupfer wird eine Probe abgenommen, die in ein Testsystem kommt. Das Testsystem analysiert vier verschiedene Enzyme des Immunsystems, die vermehrt produziert werden, wenn sich eine Infektion ankündigt. „Wenn diese Enzyme in einer bestimmten Konzentration vorhanden sind, verfärbt sich der Teststreifen. Das Ergebnis ist damit so schnell verfügbar und so klar wie bei einem Schwangerschaftstest“, erklärt Sigl. „Wenn sich chronische Wunden infizieren, verzögert das den Heilungsprozess und kann bis zum Tod durch Sepsis führen. Auch die Kosten für die Behandlung sind beträchtlich“, weiß Heinzle. „Wenn Infektionen rechtzeitig diagnostiziert werden, können damit hohe Folgekosten und auch Schmerzen für den Patienten verhindert werden.“ Die geplanten Kosten für das Qualizyme-Testsystem liegen bei 20 bis 30 Euro pro Testung. Momentan arbeitet man gerade an der Kostenkalkulation für das Einsparungspotenzial im Vergleich zu mikrobiologischen Analysen, um eine teilweise Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu ermöglichen.  n

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Kreuzkontaminationen wirksam bekämpfen Das Produktportfolio von ArjoHuntleigh umfasst Reinigungs- und Desinfektionsautomaten, ­Reinigungsflüssigkeiten und modulare Pflegearbeitsräume, die speziell dafür entworfen wurden, Kreuzinfektionen zu bekämpfen.

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ine von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 55 Spitälern und 14 Ländern durchgeführte Prävalenzstudie zeigt, dass im Schnitt 8,7 % der Krankenhauspatienten eine nosokomiale Infektion (NI) aufweisen. Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist die häufigste Ursache einer nosokomialen Diarrhö. Eine hohe Rezidivrate – rund 20 % der Patienten sind betroffen – macht die Behandlung problematisch. Durch die frühzeitige Isolation von betroffenen Patienten könnte im Krankenhaus eine Reihe von Kreuzkontaminationen verhindert werden. Dazu braucht es aber nicht nur organisatorische Vorkehrungen rund um die Reinigung, Desinfektion und Hygiene, sondern vor allem auch die passenden Produkte.

Prophylaxe beginnt bei der Reinigungsleistung Das Produktportfolio von ArjoHuntleigh umfasst dazu eine Reihe von Produkten, die helfen, einen optimalen und effizienten Pflegearbeitsraum zu schaffen und eine umfassende Strategie für den Infektionsschutz zu unterstützen. Dazu zählt ein breites Sortiment an leistungsfähigen, qualitativ hochwertigen Reinigungsund Desinfektionsautomaten, Reinigungsflüssigkeiten und modulare Pflegearbeitsräume, die speziell dafür entworfen wurden, Kreuzinfektionen zu bekämpfen. Der Reinigungs- und Desinfektionsautomat Ninjo bietet hohe Flexibilität und verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Er ist als freistehende Einheit oder Untertischmodell erhältlich. Eine Serie von Hochdruckwasserstrahlzyklen, die durch strategisch platzierte, feste und rotierende Düsen erfolgen und auf die eine Dampfphase folgt, erzielt ein Ergebnis, dass die strengen Reinigungs- und Desinfektionsanforderungen der Richtlinie ISO 15883 nicht nur erfüllt, sondern sogar übersteigt.

Hygienische Prozesse sicherstellen Entgeltliche Einschaltung

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PFLEGE & HOME CARE

Der Tornado ist ein weiteres Modell eines Reinigungs- und Desinfektionsautomaten von ArjoHuntleigh, das speziell darauf ausgelegt ist, Optionen und Funktionen zur Bekämpfung von Kreuzinfektionen bereitzustellen und effektive Infektionsverhütungs- und -schutzroutinen noch weiter zu unterstützen. Auch bei diesem Modell sorgen Hochdruckwasserstrahlzyk-

Wirksame Prophylaxe funktioniert, wenn Reinigung, Desinfektion und ­Hygiene Hand in Hand gehen.

len für ein Ergebnis, dass die Vorgaben der Richtlinie ISO 15883 sogar übersteigt. Der Steckbeckenspüler Typhoon sorgt für eine hygienische Handhabung von wiederverwendbaren Utensilien, wie zum Beispiel Steckbecken, Urinflaschen, Saugflaschen und Nachtstuhleimern. In einer ergonomisch richtigen Arbeitshöhe wird der Typhoon mit den Steckbecken und anderen Utensilien bestückt. Die platzsparende Schiebetür rastet ein und die Halterung dreht automatisch auf 150°, um so die Behälter vor der Desinfektion zu leeren. Dadurch sind das versehentliche Verschütten des Behälterinhalts und ein Verspritzen ausgeschlossen. Durch ein Glasfenster kann der Benutzer den Desinfektionsverlauf zu einem beliebigen Zeitpunkt während der kurzen Zykluszeiten auf einen Blick prüfen. Der Fotozellensensor an der Tür hilft dem Personal, die hygienischen Prozesse einzuhalten. Nach Beendigung des Zyklus wird die Tür automatisch leicht geöffnet, um das Trocknen und Abkühlen zu beschleunigen. n

ArjoHuntleigh GmbH Lemböckgasse 49A, 1230 Wien Tel. +43-1-86656 4205 www.getingegroup.com

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Rückblick: 9. qualityaustria Gesundheitsforum

Leadership gegen die Krise? u Die neue Fassung der ISO 9001:2015 nimmt Führungskräfte vermehrt in die Pflicht. u Qualität muss zur Chefsache werden und soll Ressourcen frei machen.

ie kann jemand eine Abteilung oder Klinik führen, wenn er acht Stunden oder mehr im OP steht?“, bringt Dr. Günther Schreiber, Projektmanager und Koordinator der Branche Gesundheitswesen bei Quality Austria, die aktuelle Problematik auf den Punkt und verweist auf den dringenden Handlungsbedarf durch steigende Herausforderungen an das Personal und die Leistungen in der Gesundheitsbranche. Die stetig wachsenden Anforderungen bedürfen nach Ansicht des Experten noch mehr Leadership und der Fokussierung auf Qualität. Der Status quo in Österreich erschwert allerdings eine Besetzung von Führungskräften im Sinne von Leadership, da meist der beste Chirurg als Leiter eingestellt wird. Und die Zahlen sprechen für sich, wie Schreiber aus deutschen Umfragen weiß: „45 % der deutschen Chefärzte geben an, dass sie einen Zielkonflikt zwischen ­wirtschaftlichem Druck und medizinischer Entscheidung haben und in den letzten sechs Monaten mindestens einmal aus ökono-

Die Zielkonflikte zwischen Ökonomie und medizinischen Entscheidungen werden zur Belastungsprobe.

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mischen Überlegungen eine Leistung vorenthalten haben.“ ­Angesichts dieser Aussagen stellt sich doch die Frage, wie das System überhaupt dem ständig wachsenden Bedarf einer älter werdenden Bevölkerung gerecht werden kann. „Das Wichtigste, worauf wir uns im Gesundheitswesen fokussieren müssen, ist die Qualität. Medizin ist dann gut, wenn sie dem Patienten hilft, und das kann nicht nur immer die ökonomisch beste Entscheidung sein. Gleichzeitig kann Qualität kein Thema werden, wenn in den meisten Spitälern nicht einmal die Ressourcen für den normalen Betrieb sichergestellt werden können“, beschreibt Schreiber das Dilemma.

Qualität wird zur Chefsache Dennoch lassen sich viele Spitäler als sichtbaren Ausdruck von Qualität nach ISO 9001 zertifizieren und setzen damit wohl auf das richtige Pferd, denn nur ein gelebtes Qualitäts- und Risikomanagement ist der Ansatz für einen Ausweg aus der Krise. Langfristig werden nämlich gerade jene Einrichtungen mit den niedrigsten Kosten punkten, die ihre Organisation verstehen, die Erwartungen der Mitarbeiter und Patienten beachten und an einer kontinuierlichen Verbesserung arbeiten – kurz: ein Qualitätsmanagementsystem implementieren, aber – noch viel wesentlicher – einen Kulturwandel einleiten, der zu mehr Zusammenarbeit, zu einer lernenden Organisation auf Basis einer ausgeprägten Fehlerkultur und schließlich zu mehr Menschlichkeit in der Medizin führen wird. Dieser Kulturwandel erfordert mehr als nur „Management“ von Gesundheitseinrichtungen, das sich vorwiegend auf Planung, Organisation, Steuerung und passives Problemlösen konzentriert. Gefragt ist Leadership – ein Führungskonzept, das Richtung gibt, motiviert, inspiriert und aktiv Veränderungen einleitet. Während in der bisherigen Fassung der ISO 9001:2008 die „Verantwortung der Leitung“ für ein qualitätsgerechtes Handeln in die Pflicht genommen wurde, nennt die neue Fassung ISO 9001:2015 nun das Thema sehr deutlich beim Namen: In Kapitel fünf heißt es „Führung“, damit wird Qualität eindeutig zur Chefsache und fordert die Einbeziehung, Anleitung und Unterstützung von Personen, um ein Qualitätsmanagementsystem auch wirksam zu leben.

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Führungspersonen müssen Verantwortung für die Qualitätspolitik und -ziele übernehmen und dafür sorgen, dass in der Organisation ein Qualitätsbewusstsein entsteht. Das erfordert vor allem ein risikobasiertes Denken, eine Prozess- und Ergebnisorientierung, aber auch die Einbeziehung der Mitarbeiter und setzt voraus, dass der „Kontext der Organisation“ verstanden wird – was ist der Zweck eines Spitals, welche Einflussfaktoren spielen eine Rolle und welche Ansprüche und Erwartungen gilt es zu erfüllen. Dieses Umfeld ist bei Weitem nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick scheint: „Neue Forschungsergebnisse, innovative Produkte und Techniken, aber auch rechtliche Rahmenbedingungen müssen laufend abgestimmt werden und gleichzeitig den vielen Anspruchsgruppen gerecht werden“, so Schreiber. Wie das gelingen kann, beschreibt die Norm: „Indem von der Führung sichergestellt wird, dass die Qualitätspolitik festgelegt und mit der strategischen Ausrichtung der Organisation vereinbar ist.“

Kommunikation als Führungsaufgabe In der Norm geht es neben dem Thema Führen auch um Kommunikation und wie mit Change-Management-Prozessen erfolgreich umgegangen werden kann. Krankenhäuser sind sehr komplexe Systeme, die unterschiedliche Interessenpartner – von Patienten und Eigentümern bis hin zu Wissenschaft und Lehre – bedienen müssen. Dass in diesem Konnex „Führung“ kein einfaches Unterfangen ist, weiß auch Univ.-Prof. Dr. Gabriela-Verena Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien. Immerhin müssen hier neben rund 104.000 stationären Patienten pro Jahr auch noch rund 1,2 Mio. ambulante Besucher betreut werden. Dem stehen 9.400 Mitarbeiter, darunter ca. 1.500 Ärzte, gegenüber. Daher komme dem Kommunikationsprozess hinsichtlich interner und externer Stakeholder eine besondere Bedeutung zu. Dazu braucht es Kommunikationsstrukturen und einen entsprechenden Prozess, um diese Komplexität zu bewältigen: „Es ist wichtig, dass die Kommunikation zwischen den Schnittstellen gepflegt und Qualitätsmanagement vom gesamten Team gelebt wird“, so Kornek.

Klinisches Risikomanagement Schreiber ging weiteren Trends im Gesundheitswesen nach und präsentierte aktuelle Studien und Statistiken aus Deutschland und Europa rund um das Dauerbrennerthema Qualität und Sicherheit im Krankenhaus. Von der Behandlungsfehler-Begutachtung der MDK-Gemeinschaft in Deutschland wurden 14.663 Verdachtsfälle im Jahr 2014 untersucht. Bei mehr als einem Viertel waren Behandlungsfehler mit einem Schaden festgestellt worden, bei über einem Fünftel wurde auch eine Kausalität für

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Links: Dr. Günther Schreiber, Projektmanager und Koordinator der Branche Gesundheitswesen bei Quality Austria Mitte: Dr. Lars-Peter Kamolz, Abteilungsleiter Plastische Chirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz Rechts: Univ.-Prof. Dr Gabriela-Verena Kornek, Ärztliche Direktorin, AKH Wien

den Schaden nachgewiesen. Laut der Studie „Special Eurobarometer 411 – Patient Safety and Quality of Care Report“ wird geschätzt, dass 8 bis 12 % der Patienten ein unerwünschtes Ereignis erfahren, wie nosokomiale Infektionen, Medikamentenfehler, chirurgische Fehler oder Diagnosefehler. Einer von 18 Patienten zieht sich eine nosokomiale Infektion zu. EU-weit ­bedeute dies geschätzte 4,1 Mio. Patienten mit nosokomialen Infektionen und mindestens 37.000 Patienten, die daran sterben. Allerdings könnten 20 bis 30 % dieser Fälle verhindert werden, wenn Hygienemanagement im Krankenhaus als Schwerpunkt definiert wird. „Die Antwort ist konsequentes klinisches Risikomanagement, an Qualitätsmanagement kommt daher keiner vorbei“, ist Schreiber sicher. Qualitätsmanagement heißt aber auch, eine Fehlerkultur zu entwickeln, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen müssen dabei Hand in Hand gehen.

Change Management im Gesundheitswesen Dass die mehrdimensionalen Anforderungen an die Gesundheitsorganisationen einen strukturellen Wandel benötigen, bestätigte auch Dr. Lars-Peter Kamolz, Abteilungsleiter Plastische Chirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz. Die Anforderungen an die Organisationen des Gesundheitswesens sind nach seiner Erfahrung bereits in der Vergangenheit durch die demografische Entwicklung, aber auch den Arbeits-, Zeit- und Kostendruck gestiegen und würden durch neue Technologien künftig noch weiter ansteigen. „Wir müssen führen und managen. Die alten hie­ rarchischen Strukturen funktionieren nicht mehr“, so Kamolz, daher komme Kommunikation in Phasen der Veränderung eine zentrale Bedeutung zu: „Geredet wird viel, aber zu wenig kommuniziert.“ Er präsentierte dazu das Modell der „Transformationalen Führung“, das darauf setzt, Vertrauen aufzubauen und Ziele transparent zu kommunizieren. „Die Ziele müssten realistisch sein. Transparenz ist wichtig und wird mit Kennzahlen geschaffen“, so Kamolz. Transparenz ist aber nicht nur im internen Betrieb, sondern gegenüber den Patienten ein zentrales Schlagwort. Patienten werden bei der Wahl des Gesundheitsbetriebes zunehmend dessen Reputation und die Meinung anderer Patienten in ihren Entscheidungsprozess einfließen lassen. Im Internet machen bestehende Weiterempfehlungsplattformen für Gesundheitsbetriebe schon jetzt die Bewertung der Ergebnisqualität durch Patienten möglich. Laut Eurobarometer Studie spiele in den Niederlanden der Nachweis einer Zertifizierung bei 30 % der Befragten bereits eine große Rolle. Der Ruf eines Krankenhauses wird daher in Zukunft immer wichtiger. „In den Gesundheitsbetrieben ist daher ein Kulturwandel einerseits, aber auch eine Verbesserung der Qualität gefragt. Die Norm ist ein Werkzeug, um Change-Management-Projekte zu unterstützen“, so Schreiber.  n

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BRANCHENNEWS

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Neue Chancen bei Schlaganfall Österreichweit werden im Krankenhaus Göttlicher Heiland die ältesten Patienten nach einem Schlaganfall behandelt. Durch das spezielle Know-how in Altersmedizin ist die Erfolgsrate dennoch gleich hoch wie im Bundesschnitt. Darüber hinaus bietet eine neue Behandlungsmethode – die mechanische Entfernung eines Blutgerinnsels – neue Möglichkeiten in der Therapie. Betroffene können meist früher entlassen werden und sind in einem besseren Allgemeinzustand. Auch die Überlebenschancen der Patienten sind signifikant höher: Deutlich mehr Menschen können nach der Behandlung in der Stroke Unit des Krankenhauses Göttlicher Heiland wieder nach Hause zurückkehren, statt in ein Pflegeheim überwiesen zu werden. Die Gründe für diesen Erfolg liegen in der Spezialisierung des Krankenhauses. „Ältere Menschen leiden oft an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Durch die ganzheitliche Betrachtung der Patienten können frühzeitig Risikofaktoren und mögliche Komplikationen ausgeschlossen werden“, betont Prim. Doz. Dr. Wolf Müllbacher, Vorstand der Abteilung für Neurologie im KH Göttlicher Heiland. „Ein Durchbruch in der Schlaganfalltherapie ist seit Kurzem die mechanische Thrombektomie, die Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mittels Katheter“, erklärt Müllbacher.  www.khgh.at

Ob an der Schulter, am Knie, der Hüfte, am Fuß oder an der Hand – viele orthopädische Eingriffe werden heutzutage arthroskopisch durchgeführt. Für den Patienten ergibt dies erhebliche Vorteile, etwa eine schnellere Wundheilung, baldige Mobilisation und weniger Schmerzen. Die Operation selbst kann präziser durchgeführt werden, orientieren können sich die Operateure beim Arthroskopieren durch Live-Bilder, die auf einem Monitor angezeigt werden. Doch es kommt nicht nur auf die ärztliche Kunst an, wie präzise der Eingriff gelingt, sondern auch auf das Instrumentarium. Im Orthopädischen Spital Speising setzt man auf sechs neue Arthroskopietürme, die vor allem durch die erheblich verbesserte Bilddarstellung des Operationsgebietes am Monitor bestechen. Die Auflösung des Bildes ist viermal schärfer als bei

Erheblich verbesserte Bilddarstellung des Operationsgebietes am Monitor handelsüblichen HD-Systemen. Das Arthro­ skopieturm-System ermöglicht auch ein Abspeichern des Arthroskopie-Videos auf einer eigenen App. Somit können Videosequenzen dem Patienten oder Fachkollegen an Sympowww.oss.at sien gezeigt werden. 

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Neues Arthroskopie-Tool

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Die Ordinationen im niedergelassenen Bereich können die entstehenden Engpässe nicht kompensieren. Zum anderen ist die Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen zeitlich aufwendig und wird von den Krankenkassen nicht annähernd abgegolten. Dazu kommt, dass viele der innovativen Analgetika chefarztpflichtig sind und eine Verschreibungsgenehmigung für diese im niedergelassenen Bereich oft nur schwer zu bekommen bis unmöglich ist. „Bei der Beurteilung der Refundierung durch den Hauptverband steht leider vor allem das Kriterium der vergleichbaren Schmerzlinderung im Fokus. Dass die Verträglichkeit besser ist, ein entscheidender Aspekt für die Lebensqualität, findet leider keine Berücksichtigung“, kritisiert Jaksch. Hoffnung setzen die Schmerzspezialisten jetzt auf das Ergebnis einer parlamentarischen Initiative der Grünen, auf die sich kürzlich alle Parteien verständigt haben: Die Gesundheit Österreich GmbH soll von der Gesundheitsministerin mit der Grundlagenarbeit für Bundesqualitätsstandards zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten beauftragt werden. www.oesg.at 

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Kein gutes Zeugnis erhält Österreich im Europavergleich, wenn es um die Versorgung von Schmerzpatienten geht. „Angesichts des finanziellen Drucks im Gesundheitssystem spitzen sich die Probleme bei der Versorgung der rund 1,5 Millionen chronischen Schmerzpatienten in Österreich zu. Ein zentrales Problem ist, dass es bisher nie einen Top-down-Prozess für eine strukturierte Planung der Versorgung gegeben hat, der auch ausreichende gesundheitspolitische Unterstützung genossen hätte“, sagt OA Dr. Wolfgang Jaksch, DEAA, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Vorhandene Strukturen wie spezialisierte Schmerzambulanzen oder Akutschmerzdienste in Krankenhäusern würden bisher in erster Linie auf dem persönlichen Engagement Einzelner basieren, aufgrund von mangelnden Zeit- und Personalressourcen drohten solche Strukturen allerdings immer mehr zusammenzubrechen, warnt Jaksch.

Prim. Doz. Dr. Wolf Müllbacher und Patientin

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Versorgungsdefizite


Über das internetbasierte Netzwerk TKmed® (Telekooperation in der Medizin) tauschen deutsche Unfallchirurgen und Radiologen lebenswichtige Informationen aus. In Kürze sollen auch Patienten Zugriff auf ihre Daten erhalten. Für die Entwicklung der OnlinePlattform erhält der Medizininformatiker Professor Dr. Ing. Martin Staemmler im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) den Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).  www.tkmed.org

Kampf den ­Krankenhausinfektionen

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Netzwerk übermittelt ­Daten von Schwer­ verletzten bundesweit

Die Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der Medizinischen Universität Wien ist das nationale Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und hat kürzlich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die zweite Punkt-Prävalenz-Untersuchung in 51 heimischen Krankenanstalten abgeschlossen – das Ergebnis: Österreich liegt im Europa-Vergleich im guten Mittelfeld. Laut Hochrechnungen des ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) erkranken rund 6 Prozent der Patienten in einer europä­ ischen Krankenanstalt an einer nosokomialen Infektion und rund 3 Millionen jährlich mindestens an einer HAI (hospital acquired infection). In der nun vorliegenden Prävalenzstudie für Österreich hatten von 13.814 Patienten insgesamt 727 eine HAI, das sind 5,3 Prozent. Im Vergleich zur bisher letzten derartigen Untersuchung im Jahr 2012 ist das eine leichte Verbesserung – damals lag die Prävalenzrate bei 6,2 Prozent. Weitere Maßnahmen wie Trainings, Audits und Feedback sowie Strukturmaßnahmen zur Bekämpfung der häufigsten Krankenhausinfektionen sollen nachhaltig helfen, die Quote weiter zu senken. Die nächste Prävalenz-Untersuchung ist bereits in Planung und soll 2017 abgeschlossen sein. www.meduniwien.ac.at

90 Jahre Unfallchirurgie Mit einer Festveranstaltung im UKH Wien Lorenz Böhler wurde kürzlich die Begründung der intramuralen Unfallmedizin vor 90 Jahren in Wien gefeiert. Die Erkenntnisse und Techniken, wie sie der Mediziner Lorenz Böhler in Wien im weltweit ersten Unfallkrankenhaus praktizierte, waren wegweisend für Unfallchirurgen in aller Welt. Die Wiener Krankenhäuser der AUVA, das UKH Wien Lorenz Böhler und das UKH Wien Meidling, setzen diese Tradition fort. Am 1. Dezember 1925 nahm das weltweit erste Unfallkrankenhaus seinen Betrieb in der Webergasse im 20. Wiener Gemeindebezirk in unmittelbarer Nähe zur Friedensbrücke auf. Sein erster Ärztlicher Leiter ist heute noch Namensgeber eines der beiden Nachfolgehäuser: Lorenz Böhler hat die Unfallmedizin geprägt wie kaum ein Zweiter in Europa. Medizinisch geleitet wird des UKH Wien Lorenz Böhler seit Anfang 2015 von Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Hausner. „Europa schaut auf Wien und seine Unfallchirurgie“, weiß der Mediziner, der auch am Ludwig-Boltzmann-Institut, das sich am heutigen Standort des UKH Wien Lorenz Böhler in der Donaueschingenstraße angesiedelt hat, forscht. Erst kürzlich hat er sich zum Thema „Innovative Wege in der Behandlung peripherer Nerven nach Verletzungen“ habilitiert.  www.auva.at

Vernetzungskonzept überzeugte Seit rund eineinhalb Jahren vernetzt die Krebsakademie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz auf hochinnovative Weise Spital, niedergelassene Fach- und Hausarztordinationen, Pflegedienste sowie die betroffenen Patienten und deren Angehörige. Das völlig neuartige Konzept wurde in Berlin mit dem KlinikAward 2015 in der Kategorie „Bestes Zuweisermarketing“ ausgezeichnet. Mit dem Klinik-Award werden hervorragende Leistungen im Bereich Klinikmarketing des deutschsprachigen Raums auf die Bühne geholt. Mehr als 100 Einreichungen aus Österreich, ­ Deutschland und der Schweiz stellten sich einer kombinierten Jury- und Publikumswertung. Für das Krankhaus der Barmherzigen Schwestern Linz ging die „Krebsakademie“ an den

Start und überzeugte Juroren und Fachpublikum mit seinem innovativen Ansatz, durch den in kürzester Zeit eine tragfähige Brücke zwischen Oberösterreichs Onkologischem Leitspital und dem niedergelassenen Bereich entstanden ist. Die Krebsakademie öffnete 2014 die Tür zu den Fach- und Hausärzten, integriert Therapeuten, mobile Pflege und Arztassistentinnen und bald auch das Know-how der Apotheken. Alle Gruppen lehren und lernen gemeinsam mit- und voneinander. Das Erfolgsprojekt baut wechselseitige Vorbehalte ab, sorgt für intensiven Austausch und damit einen nachhaltigen Zuwachs an wechselseitigem Wissen und Verstehen. www.krebsakademie.at, www.klinikaward.org

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Dr. Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte

Mehr Zeit für Medizin u Im November 2015 wurden die österreichischen Turnusärzte in Ausbildung zum Facharzt erstmals via Online-Befragung zur Evaluierung ihrer Ausbildungssituation eingeladen. u Obwohl die fachärztliche praktische Ausbildung in den heimischen Spitälern gut ­abschneidet, wurde punktuelles Verbesserungspotenzial deutlich. ie Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt mit 2,36 über dem letzten Ergebnis der Evaluierung der Ausbildung in der Allgemeinmedizin. Dennoch gibt es einige wichtige Verbesserungsmöglichkeiten, die wir schleunigst in Angriff nehmen sollten“, fasste Dr. Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, die Resultate zusammen.

Gute Ausbildung als moralische Verpflichtung Die Entlastung der Ärzteschaft durch Delegation von Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches an das Pflegepersonal wurde ebenfalls als essenziell für einen guten Lernerfolg genannt. „Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als eigene Verpflichtung wahrnehmen und entsprechende Zeitund Personalressourcen für die Ausbildenden freimachen“, fordert Kornhäusl. Dazu fordert der Kammervertreter vor allem eine strukturierte Ausbildungsassistenz zur Entlastung der Ärzte von Administrations- und Dokumentationsaufgaben sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Ausbildung. Unter dem Strich sollte dann mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für Wissensvermittlung und -aneignung sowie mehr Zeit für den Patienten übrigbleiben. Dass mit diesen Maßnahmen auch eine Planungssicherheit für die gesamte Arztkarriere möglich wird, schafft wiederum die Basis dafür, dass der Beruf an Attraktivität gewinnt. Eine aktive Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme vonseiten der Arbeitgeber sowie familienfreundliche Maßnahmen wie Teilzeitarbeit oder Angebote für eine Kinderbetreuung würden nach Ansicht Kornhäusls dafür sorgen, dass Ausbildungsärzte den „Arbeitsplatz Spital“ als durchaus erstre-

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benswert und vor allem bleibenswert sehen. Die fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten“ und die Schaffung von Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich wären ebenso wichtige Maßnahmen, um das Portfolio für eine bessere Ausbildungs- und Arbeitssituation in der Medizin zu verbessern.

Fachärztliche Ausbildung schneidet besser ab Prinzipiell wird die fachärztliche Ausbildung etwas besser beurteilt als die allgemeinmedizinische: 77 Prozent der Befragten geben an, dass die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze“ bzw. „zu einem großen Teil“ vermittelt worden seien. Bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung lag der Anteil derer, die sich gut ausgebildet fühlten, zuletzt bei 38 Prozent. Bei der Auswertung haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für die Bewertung der Ausbildung und des Lernerfolgs an einer Abteilung entscheidend waren: die Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts, die Rahmenbedingungen für den Ausbildner, gute Rotationsmöglichkeiten, das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung und ein häufiges Feedback durch den Vorgesetzten. „Die Prioritäten sind hier ganz klar ersichtlich. Aus der Beantwortung der Fragen lässt sich ablesen, dass beispielsweise ein Ausbildungskonzept sehr hoch bewertet wird. Dort, wo Ausbildungskonzepte vorhanden sind, erhielten sie im Schnitt die Note 2,0, ihre Umsetzung wurde durchschnittlich mit 2,4 bewertet.“ Allerdings hätten nur 41 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Abteilung überhaupt ein Ausbildungskonzept gibt. Immerhin 31 Prozent der Befragten wissen nicht, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist. „Ein Schandfleck, den wir beseitigen müssen“, fordert Kornhäusl.  n

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Im Gespräch

Wider den Preiskampf im Gesundheitswesen Seit über 20 Jahren beschäftigt sich die Allensbacher Managementberatung K.O.M. GmbH mit innovativen Konzepten zur Marktbearbeitung im Gesundheitswesen. Nun wurde eine aktuelle ­ esundheitsbranche zu bewerten. Studie durchgeführt, um die Situation des Preiskampfes in der G Einblick in die Ergebnisse gibt Winfried Neun, ­geschäftsführender Gesellschafter der K.O.M. GmbH. Was war der Anlass für die repräsentative Studie zum Thema Preiskampf im Gesundheitswesen? Neun: Wir hatten vor dieser Untersuchung eine Studie zum Thema Folgekosten durch Produktmängel durchgeführt und dabei festgestellt, dass viele medizintechnische Unternehmen unter hohem Preis- und Margendruck leiden. Dies führt nicht selten zu einer Preisschlacht, bei der oft die Qualität der Produkte und damit auch die Effizienz in den Krankenhäusern verloren gehen können. Welchen Einfluss hat das auf Patientenversorgung und Patientensicherheit im Krankenhaus? Wir haben festgestellt, dass die Unternehmen oftmals keinen anderen Ausweg aus dem Preiskampf wissen, als teilweise an der Produktqualität zu sparen – ein Zustand, der sicherlich auf Dauer nicht befriedigend, wenn nicht sogar gefährlich wird für den Einkauf im Krankenhaus, aber auch für die anbietenden Unternehmen.

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Winfried Neun, geschäftsführender Gesellschafter der K.O.M. GmbH

Welchen Ausweg sehen Sie aufgrund der Studienergebnisse? Die aktuelle Studie hat gezeigt, dass zwar über 60 % der befragten Unternehmen an einem derartigen Preiskampf leiden, aber schon seit Längerem nach einem Ausweg suchen – mit manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg. Dabei zeigte sich jedoch bei näherer Betrachtung der Studienergebnisse, dass es einen sehr konsequenten und erfolgversprechenden Ausweg aus diesem Dilemma geben könnte. Die Krankenhäuser selbst gaben mit über 75 % in dieser Studie an, dass sie sehr gerne mehr innovative Impulse von der Indus­ trie erwarten würden – Impulse, die sich nicht nur auf Produkte beziehen, sondern vielmehr auf ganze Systeme, die auch eine Vielzahl von innovativen Dienstleistungen beinhalten. Einige Ideen waren zum Beispiel die intensivere Beratung bei einem optimierten Produkteinsatz, die bessere Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die bessere Prozessunterstützung oder eine Vereinfachung der Beschaffungswege und der Produktverwaltung.

Was bedeutet das nun für die Medizinprodukte-Unternehmen? Aus unserer Studie lassen sich drei zentrale Ansätze für die Industrie erkennen: 1. Strategisches Verkaufen aktiv leben, das heißt, dass Unternehmen sich viel früher mit den bewussten und latenten Bedürfnissen ihrer Kunden auseinandersetzen müssen. Nur wenn es gelingt, sehr strategisch den Kundenbedarf zu ermitteln und dabei das Buying Center im Krankenhaus zu integrieren, ist ein langfristiger Erfolg möglich. 2. Weg vom Produkt hin zum System, das heißt, dass einzelne Produkt ausgedient haben. Die Krankenhäuser suchen nach kompletten Systemen, um den Prozess der Bedarfsdeckung zu vereinfachen und Risiken zu minimieren. Das führt dazu, dass ganz neue und bisher eher vernachlässigte Dienstleistungen und Servicepakete entstehen. 3. Servicestrategie unterstützt Produktstrategie. So einfach und simpel sich dies auch anhört, aber bei 43 % der befragten Unternehmen existiert keine durchdachte und produktergänzende Servicestrategie, mit der auch noch Geld verdient werden kann. Haben Sie ein konkretes Beispiel für mögliche Inhalte einer solchen Servicestrategie? Ja, im Rahmen der Studie gaben uns die Krankenhäuser eine Vielzahl von Ideen und Wünschen für eine „Rundum-sorglos-Strategie“, die teilweise auch bezahlt werden würde. Ein markantes Beispiel war der „Produktauffrischungsservice“, also eine Dienstleistung wie eine Art Kundendienst für gebrauchte Produkte oder Anlagen und die Hygieneunterstützung zur Vermeidung von Infektionen, um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen. Was ist Ihr zentrales Fazit aus dieser aktuellen Studie? Dass die Unternehmen eine Vielzahl von Möglichkeiten hätten, sich aus dem Preiskampf herauszuziehen. Gleichgültig ob es eine andere Form des Verkaufs in Richtung des strategischen Verkaufens oder des Aufbaus von Systemen mit innovativen Serviceansätzen ist: Alle Ansätze ermöglichen den Unternehmen, höhere Preisspannen – bis zu 20 % mehr – zu realisieren. Aus meiner Sicht ist das ein lohnender Ansatz, um darüber nachzudenken. n

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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Wiener Spitalskonzept 2030 D

er Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) sorgt mit neuen Strukturen dafür, dass die Spitalsversorgung in einer wachsenden und zugleich alternden Hauptstadt gesichert bleibt. Zum Jahresende wurde dazu die Planung für den Medizinischen Masterplan und die Master-Betriebsorganisation – den Entwicklungs-, Modernisierungs- und Investitionsprogrammen – im KAV abgeschlossen. Im Mittelpunkt stehen die Schaffung von medizinischen Schwerpunkten und Zentren, die Bündelung von Leistungen und Qualifikationen sowie neue Formen der betrieblichen Abläufe.

Medizinischer Masterplan Die medizinische Versorgung Wiens wird in Zukunft in drei Regionen organisiert. In jeder Region gibt es zwei Partnerspitäler, deren Leistungsangebot aufeinander abgestimmt und einander ergänzend ist. Das AKH bleibt als Universitätskrankenhaus in

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vollem Umfang und mit seinem derzeitigen Leistungsangebot bestehen. An allen Standorten werden auch in Zukunft medizinische Grundversorgung und jeweils definierte Schwerpunkte angeboten. In den Spitälern werden Zentren geschaffen, die Knowhow und Kompetenzen aus verschiedenen Fachrichtungen bündeln. Das schafft beste Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Versorgungsqualität. Die Regionen und Partnerspitäler sind das Krankenhaus Hietzing und das Wilhelminenspital (Region West), das Krankenhaus Nord und Donauspital (Region Nord/Ost), das Kaiser-Franz-Josef-Spital und die Rudolfstiftung (Region Süd) sowie die Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

Grundversorgung, Zentrale Notaufnahme und Zentren An allen Standorten wird es eine erweiterte Grundversorgung und eine Zentrale Notaufnahme (ZNA) geben. Die erweiterte

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u Wiens Spitalsversorgung wird umstrukturiert und erhält einen Masterplan. u Kürzere Wartezeiten und ein optimiertes Management sollen die Versorgung verbessern.


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POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENT

Grundversorgung umfasst Angebote in der inneren Medizin, der Allgemeinchirurgie und der Neurologie. Eine gynäkologische Grundversorgung wird an fünf von sechs Standorten angeboten. In jeder Region wird es außerdem eine akutgeriatrische Abteilung geben. Zu den Aufgaben der Zentralen Notaufnahmen werden die Ersteinschätzung, die Schockraumversorgung, ambulante und stationäre Notfallversorgung sowie die Übergabe von Patienten an andere Fachbereiche gehören. Mit der erweiterten Grundversorgung können Patienten in Notfällen auch weiterhin ihr nächstgelegenes Spital aufsuchen. Überweisende Ärzte und Rettungsorganisationen werden Patienten zielgerichtet in jenes Spital bringen, das das erforderliche Fächerspektrum bietet. Komplexere Krankheitsbilder werden künftig in inter- und mono­ disziplinären Zentren behandelt. So sollen alle Vorteile fächer­ übergreifender Behandlungsformen in vollem Umfang genutzt werden können. Zu den interdisziplinären Zentren zählen die onkologischen Zentren, die Zentren Innere Medizin, die HerzGefäß-Zentren und die Eltern-Kind-Zentren. Jede Region wird über ein onkologisches Zentrum verfügen, in dem Krebs-Patienten nahe ihrem Wohnort auf höchstem medizinischem Niveau behandelt werden können. Als Standorte sind das Wilhelminenspital, das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital vorgesehen. Die Regionen West und Nord-Ost werden jeweils auch ein eigenes Ortho-Trauma-Zentrum haben. Die Region Süd wird durch das AUVA-Spital UKH Meidling abgedeckt.

Neue Eltern-Kind-Zentren Insgesamt wird es fünf Eltern-Kind-Zentren geben, die alle mit einer eigenen geburtshilflichen Abteilung ausgestattet sind: das Wilhelminenspital, die Rudolfstiftung, das Krankenhaus Nord, das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital. Zwei der fünf Zentren – das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital – verfügen über ein erweitertes medizinisches Angebot, etwa mit neonatologischen und pädiatrischen Intensivstationen. Im Donauspital wird es darüber hinaus eine Abteilung für Kinderchirurgie geben. Für bestimmte Fachbereiche sind monodisziplinäre Zentren vorgesehen. Durch die Bündelung von Kompetenzen und Strukturen werden höhere Fallzahlen erreicht und optimale Voraussetzungen für die Qualität der Behandlung und der Ausbildung sichergestellt. Beispiele für monodisziplinäre Zentren sind die neuen Ortho-Trauma-Zentren, das Augenzentrum und das Dermatologie-Zentrum.

Master-Betriebsorganisation Wesentliches Element des Spitalskonzepts 2030 sind die neu definierten Zentren. Im Medizinischen Masterplan ist festgelegt, welche Zentren und Schwerpunkte es künftig in welchem Krankenhaus geben wird. In der Master-Betriebsorganisation sind Aufgaben, Abläufe und Struktur der Zentren definiert. Auch die

verbesserte Nutzung vorhandener Infrastruktur, der optimierte Einsatz von Personal und die Festlegung von einheitlichen Standards in Medizin, Pflege und Therapie sind Bestandteil der Master-Betriebsorganisation. Die Master-Betriebsorganisation legt unter anderem allgemeine Prinzipien für Arbeitsabläufe und für den strukturellen Aufbau von Stationen, Abteilungen und Häusern fest. Die Nutzung von räumlichen, technischen, personellen sowie fachlichen Ressourcen soll so optimiert werden. Für alle medizinischen Kernleistungen sind standardisierte Organisationsabläufe vorgegeben. Die Zentren sind vor allem für die Sicherstellung der Behandlungs- und Betreuungsqualität zuständig, es wird aber auch Raum für klinische Forschung geschaffen. Die Zentren werden sich ressourcenschonender betreiben lassen, medizinisch-technische Geräte und die räumliche Infrastruktur werden gemeinsam genutzt, es können Mittel für Investitionen gebündelt eingesetzt werden. Die Master-Betriebsorganisation soll vor allem zu verkürzten Wartezeiten, geringeren Verweildauern oder optimiertem Aufnahme- und Entlassungsmanagement führen.

Bisherige Erarbeitung und weitere Umsetzung Insgesamt waren rund 500 Mitarbeiter des KAV quer durch alle Fachrichtungen und Berufsgruppen an der Erarbeitung des Spitalskonzeptes beteiligt. Medizinischer Masterplan und MasterBetriebsorganisation liegen nun in der finalen Fassung vor. Die Umsetzung erfolgt in mehreren Phasen: kurzfristig ab 2016 bis 2018, mittelfristig ab 2019 bis 2021 und langfristig ab 2022. In den Bereichen Augenzentrum, Urologie, Zentrale Notaufnahmen, HNO, Plastische Chirurgie, Physikalische Medizin, Akutgeriatrie, Ortho-Trauma-Zentren, Pränataldiagnostik, Zentrum für Labormedizin, Zentrum für Pathologie, Strahlentherapie/ Radioonkologie, Belegungsmanagement und Anästhesieambulanz sowie prästationäre Aufnahme wurden bereits Umsetzungsprojekte gestartet. n Quelle: Mediengespräch zum Wiener Spitalskonzept 2030, 19.1.2016

Aktuell befinden sich folgende Projekte in Umsetzung: u Fertigstellung des Eltern-Kind- und OP-Zentrums im Kaiser-Franz-Josef-Spital u Fertigstellung des Zentral-OP im Wilhelminenspital u Umbau des Pavillon 1 im Krankenhaus Hietzing u Errichtung des Krankenhaus Nord u Radioonkologieprojekte im Krankenhaus Hietzing und Donauspital Folgende Projekte sind in Vorbereitung: u Zentralgebäude und Büro- und Betriebsgebäude im Wilhelminenspital u Zentralgebäude in Hietzing u Zentralgebäude im Kaiser-Franz-Josef-Spital

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PRODUKTE & ANBIETER

Maria Seriakov, Geschäftsführerin der Beratungsfirma M bioserviceS

Firmenporträt: M bioserviceS

Kompetenz vom Rohstoff zum Produkt Derzeit gibt es weltweit nur wenige Experten, die eine umfassende Beratungstätigkeit auf dem Gebiet der Rohstoffbeschaffung für die Biotechnologie-Branche anbieten können. M bioserviceS hat diese Marktlücke geschlossen.

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iele Medizinprodukte beinhalten biologische Rohstoffe, zum Beispiel chirurgische Saiten, Klebstoffe, Implantate oder Wundversorgungsmittel. „Der richtige Umgang mit den Rohstoffen ist für die erfolgreiche Vermarktung der Produkte wichtig“, erklärt Maria Seriakov, Geschäftsführerin der Beratungsfirma M bioserviceS. Die Gründerin des Unternehmens kann in diesem Zusammenhang auf jahrelange Markterfahrung zurückblicken: Sie war unter anderem für das Material Management bei PAA Laboratories GmBH zuständig und sammelte Erfahrung als Vorstandsmitglied bei der International Serum Industry Association oder als Mitglied der Arbeitsgruppe für tierische Nebenprodukte bei der European Diagnostic Manufacturers Association (EDMA). In der Biotechnologie werden laufend neue Rohstoffe und Quellen für bekannte Rohstoffe benötigt. Ein großer Teil dieser Rohstoffe wird auf Basis tierischer Nebenprodukte hergestellt, zum Beispiel aus Schlachtabfällen bei der Lebensmittelproduktion oder aus Tieren, die eigens für den Zweck einer Produktgewinnung gehalten werden. Die Gewinnung, der Einsatz

Die Angebote von M bioserviceS auf einen Blick u Erschließung neuer Rohstoffquellen u Entwicklung von Marketingkonzepten; Feasibility Studies u Produktmanagement u Konzeption der Beschaffungslogistik und Aufbau optimaler Lieferwege u Realisierung der Auftragsabwicklung u Beratung in rechtlichen und logistischen Fragen u Beurteilung der Produktqualität u Koordination und Beratung zur Entwicklung bilateraler bzw. multinationaler Kooperationen

u Produktvermarktung u Unterstützung bei Verhandlungen und Begleitung bei der Umsetzung der erzielten Vereinbarung

u Verkauf

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sowie der Import und Export von tierischen Nebenprodukten werden weltweit sehr streng reguliert. Dabei existieren keine einheitlichen Regeln – die meisten Länder haben eigene Gesetze, die sehr komplex sind und häufigen Änderungen unterliegen. Die wichtigsten Regionen für die Gewinnung von tierischen Nebenprodukten für die Biotechnologiebranche sind Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. Der Verbrauchermarkt befindet sich hauptsächlich in Nordamerika, Europa und Asien.

Sicher auf komplexen Märkten Aufgrund der Komplexität dieser Märkte und der direkten Auswirkung der Kaufentscheidung auf den Erfolg der eigenen Produkte haben viele Firmen in der Medizinproduktebranche hohen Bedarf an Beratung bei der Suche nach neuen Rohstoffen und neuen Quellen sowie bei der Bestimmung der optimalen Qualität und des besten Lieferweges. Auch für die Herstellung eines Geschäftskontakts zwischen Produzent und Kunde ist die Tätigkeit eines Beraters unentbehrlich. „So helfen wir Unternehmen, sich kostengünstig, schnell und effizient an Marktschwankungen und Gesetzesänderungen anzupassen“, gibt Seriakov Einblick. Die Produzenten sind meistens Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie wie Schlachthöfe oder Landwirte und die Kunden sind akademische Institutionen oder Industrieunternehmen. M bioserviceS berät Unternehmen, die mit biologischen Rohstoffen oder Komponenten arbeiten. Das Unternehmen unterstützt Kunden bei der Lösung spezifischer Probleme und kann auf 20 Jahre internationale Erfahrung in den Bereichen Sourcing, Supply Chain und Regulatory Affairs zurückgreifen. Hilfestellung gibt es bei der Suche nach Lieferanten biologischer Rohstoffe, bei Fragen zur Qualität oder bei Import, Export und Registrierung.  n M bioserviceS GmbH Kapuzinerstraße 82, 4020 Linz maria@mbioservices.com, Tel: +43-699-11330130


PRODUKTE & ANBIETER

Das innovative Design des Blue Ankle Distractor im Vertrieb der R. Heintel GmbH ermöglicht eine schnelle und individuelle Distraktion für die Arthroskopie des oberen Sprunggelenks. Der die Arthroskopie durchführende Chirurg ist via Hüftgurt mit dem Blue Ankle Distractor verbunden und kann individuell und direkt die Zugkraft auf das obere Sprunggelenk des Patienten bestimmen. Die Distraktion des Sprunggelenks erfolgt demnach durch gezielte Gewichtsverlagerung des Operateurs. Mit dem nicht-invasiven Distraktionssystem wird nicht nur die intraoperative Kontrolle erleichtert, sondern es kann auch die individuelle Distraktionskraft gezielter eingesetzt werden. Die Komponenten des Distraktionssystems sind hochwertig verarbeitet und bieten dem Patienten und dem Operateur sicheren und bequemen Halt. www.heintel.at 

Neuer Lehrberuf: ­Medizinproduktekaufmann Seit Jahresbeginn steht mit dem neuen Lehrberuf Medizinproduktekaufmann engagierten, jungen Menschen ein modernes, attraktives und zukunftssicheres Berufsbild im Rahmen der dualen Ausbildung zur Verfügung. Der neue Lehrberuf soll insbesondere Lehrlinge mit Interesse an Medizin, Technik, Forschung und Naturwissenschaft ansprechen. Sorgfalt und Genauigkeit sowie ein offener Umgang mit Menschen sind Voraussetzungen, welche Lehrlinge dieses Berufsbilds mitbringen sollten. Die Auszubildenden erwartet ein attraktiver Arbeitsplatz in einer innovativen Wachstumsbranche. Lehrlinge sollen für die Zukunft die hohe Qualität der Branchenleistungen sichern und den Nachwuchs auf die Herausforderungen des Handels mit Medizinprodukten bestens vorbereiten. Der Fokus der Ausbildung richtet sich auf fundierte Grundlagen in den Bereichen medizinische Grundkenntnisse, Produktwelten, rechtliche Rahmenbedingungen, Hygiene- und Qualitätsmanagement sowie Service und Verkauf. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und schließt mit der Lehrabschlussprüfung. Neben Ausbildungsstandorten voraussichtlich in Niederösterreich, Burgenland, Salzburg und der Steiermark

© Sandra Horak/AUSTROMED

Neues nicht-invasives ­Distraktionssystem

„Der neue Lehrberuf schafft Aufgaben in einem krisensicheren Umfeld”, sagt Mag. Alexander Hayn, Obmann des Bundesgremiums des Foto-, Optik- und Medizinproduktehandels in der Wirtschaftskammer Österreich.

wird der Lehrberuf in der Berufsschule 7 in Linz unterrichtet. „Die Branche des Medizinproduktehandels setzt auf die Ausbildung ihres Nachwuchses und bietet jungen, engagierten Menschen spannende Aufgaben in einem krisenfesten Umfeld. Der neue Lehrberuf schafft die optimalen Voraussetzungen, um die Medizinproduktekaufleute von morgen auf die Herausforderungen dieses vielseitigen Handelsberufs vorzubereiten“, so Mag. Alexander Hayn, Obmann des Bundesgremiums des Foto-, Optikund Medizinproduktehandels in der Wirtschaftskammer Österreich.

AUSTROMED hat neuen Präsidenten

Große Herausforderungen „Die Medizinproduktebranche in Österreich ist geprägt von enormem Kostendruck, stetig anwachsenden europäischen Vorgaben sowie politischen und wirtschaftlichen Einflüssen. Diese machen es immer herausfordernder, den Patienten innovative

Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können und damit rasch deren Lebensqualität entscheidend zu verbessern”, fasst Gschlössl die Rahmenbedingungen der Branche zusammen und sieht es daher als wichtige Aufgabe, die Rahmenbedingungen insbesondere bei Forschung und Entwicklung am Standort Österreich zu verbessern.

Effektives System „So können wir im internationalen Wettbewerb einen nachhaltigen Mehrwert bieten – für Patienten, Kunden und Mitarbeiter”, betont der AUSTROMEDPräsident und ergänzt: „Angesichts dessen ist es eine große und ehrenvolle Aufgabe für mich, die Führung der AUSTROMED zu übernehmen und die Interessen der Branche im Sinne eines modernen, effektiven österreichischen Gesundheitssystems zu vertreten.“  www.austromed.org

© AUSTROMED

Gerald Gschlössl ist neuer Präsident von AUSTROMED,­der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen. Er folgt damit Mag. Friedrich Thomasberger, der aufgrund einer beruflichen Neuorientierung die Funktion Ende 2015 zurückgelegt hat. Gschlössl ist Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich und seit fast 30 Jahren in der Medizinproduktebranche tätig. Zusätzlich ist er Sprecher der Branchengruppe Verbandstoffe und der Arbeitsgruppe Vergabewesen in der AUSTROMED, sowie Sprecher der Initiative "Wund?Gesund!“.

Gerald Gschlössl ist Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich und neuer AUSTROMEDPräsident

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GASTKOMMENTAR

NastV - die ungeliebte Verordnung ie Gefährdung von Beschäftigten im Gesundheitswesen durch scharfe und spitze Instrumente, die mit biologischen Arbeitsstoffen – egal welchen Ursprungs – kontaminiert sind, ist seit Langem bekannt. Schon in einem Jahresbericht der Arbeitsinspektion vor ca. 20 Jahren wird auf solche Unfallgeschehen eingegangen. Doch nicht nur die in Gesundheitsberufen tätigen Menschen sind von Nadelstichen betroffen, sondern auch das berufliche Umfeld wie Reinigungs- und Entsorgungsfirmen, Beschäftigte in der Wäscherei oder der Küche, sogar die Gärtnerei oder die Haustechnik. Neben den körperlichen und auch psychischen Folgen für Betroffene verursacht ein Nadelstich oder eine Verletzung mit kontaminierten Instrumenten auch erhebliche Kosten für die Allgemeinheit. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wenn versucht wird, darauf mit gesetzlichen Regelungen Einfluss zu nehmen.

Späte Aufregung So trat im Jahr 2013 die Verordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zum Schutz der Arbeitnehmer/innen vor Verletzungen durch scharfe oder spitze medizinische Instrumente (Nadelstichverordnung, NastV) – mit einer sehr langen „Einstellungsphase“ – als Umsetzung der Richtlinie des Rates 2010/32/EU zur Durchführung der von der European Hospital and Healthcare Employers’ Association (HOSPEEM) und dem Europäischen Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD) geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/ spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor, ABl. Nr. L 134, S. 66, vom 1. Juni 2010, in Kraft und hat zu heller Aufregung im gesamten betroffenen Bereich geführt. Die Aufregung kommt relativ spät, denn bereits seit dem Inkrafttreten der Verordnung über biologische Arbeitsstoffe (VbA) im Jahr 1998 wären zur Expositionsvermeidung schneidende und stechende Arbeitsgeräte durch solche zu ersetzen gewesen, durch die keine Verletzungsgefahr mehr besteht. Wenn man die Texte der Verordnungen vergleicht, ist in der NastV gegenüber der VbA keine wesentliche Verschärfung der

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gesetzlichen Bestimmungen eingetreten, es wurden die Forderungen nur konkreter auf den medizinischen Bereich ausformuliert, wie zum Beispiel das Recapping-Verbot. Die Sinnhaftigkeit der Einführung von Sicherheitssystemen erscheint nicht diskutabel, alle gängigen Studien bescheinigen einen Rückgang der Stichverletzungen nach der Einführung. Ein scheinbarer Anstieg am Anfang der Einführungsphase ist oft darauf zurückzuführen, dass durch die Schulungen und Unterweisungen der Wissensstand aller Betroffenen steigt und dadurch häufiger auch eine Meldung des Unfalls erfolgt. Bei den Stichverletzungen wird eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten Unfällen von ca. 70 % vermutet, dabei wird im niedergelassenen Bereich eine noch höhere angenommen, da in den Krankenhäusern und Ambulatorien eine niederschwellige Möglichkeit für die Meldung von Unfällen und Beinaheunfällen vorhanden ist. Einzelberichte und Daten aus Umfragen legen nahe, dass die Einschätzung eines geringen Risikos und die wahrscheinliche Selbstversorgung von Verletzungen zu einem „Underreporting“ der Ärzte führen. Die Arbeitsinspektion hat nach Einführung der NastV über einen langen Zeitraum eine Beratungsphase durchgeführt, bei der alle Krankenhäuser und auch der niedergelassene Bereich – dort war ein Unfall ein Auswahlkriterium – ausführlich beraten und über die gesetzliche Lage informiert wurden. Die erforderlichen Maßnahmen wurden notwendigenfalls mit einer Aufforderung aufgetragen.

Was ist für betroffene Arbeitgeber zu tun? Der erste Schritt ist, zu prüfen, ob unbedingt ein stechendes oder schneidendes Instrument erforderlich ist. Wenn dies der Fall ist, muss man sich auf dem Angebotsmarkt umsehen, ob Instrumente mit integriertem Sicherheitsmechanismus verfügbar sind, die dem Bedarf entsprechen. Gibt es kein geeignetes Instrument, so ist im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument festzuhalten, welche anderen Maßnahmen zur Vermeidung von Stich- und Schnittverletzungen getroffen werden. Kein medizinischer Bereich ist von vornherein von der Ver-

© Syda Productions – shutterstock.com

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pflichtung ausgenommen und das Risiko ist jeweils für einen Bereich individuell zu bewerten. Unabhängig davon, ob es ein Instrument mit integriertem Sicherheitsmechanismus gibt oder nicht – folgende Schritte können nie fehl am Platz sein: u Sorgfältig überlegte und geplante Arbeitsabläufe mindern das Verletzungsrisiko erheblich! Diese Arbeitsabläufe müssen, um gut zu funktionieren, geschult und eingeübt werden. u Alle Beteiligten müssen über die sichere Handhabung und Entsorgung der Instrumente informiert und unterwiesen sein. u Geeignete Abwurfbehälter müssen möglichst in unmittelbarer Nähe des Ortes der Verwendung vorhanden sein. u Die Arbeiten im medizinischen Bereich erfolgen manchmal unter Zeitdruck. Darauf ist in der Bewertung und Planung der Arbeitsabläufe Rücksicht zu nehmen. Die Entscheidung, welcher Schutzmechanismus für das jeweilige Anwendungsgebiet der richtige ist, kann am besten in Zusammenarbeit mit den Anwendern, den Hygienikern und den Präventivfachkräften getroffen werden.

Meldung über Fehlfunktionen Durch die Gespräche bei Unfallerhebungen wurden oft von Betroffenen, vor allem im Bereich der Krankenhäuser und Ambulatorien, fehlende Schulung und Information über die Produkte genannt. Weiters wurde auch in einigen Fällen eine Fehlfunktion der Schutzmechanismen vermutet. In dem Zusammenhang wäre zu erwähnen, dass auch im Medizinproduktegesetz (§ 8) steht: „Die Produkte müssen so ausgelegt und hergestellt sein, dass die Sicherheit für Patienten, Anwender und Dritte nicht gefährdet ist.“ Wenn ein Anwender feststellt, dass ein Schutzmechanismus nicht richtig funktioniert, wenn er sich wieder aus der Schutzstellung bewegt oder ein Instrument für die vorgesehene Anwendung nicht die entsprechende Tauglichkeit aufweist („wackelige“ Klingen auf Skalpellen mit Sicherheitsmechanismen wurden mehrfach genannt), was liegt näher, als sich einmal mit dem Hersteller in Verbindung zu setzen und auf die störenden Eigenschaften hinzuweisen? Auch die AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen, www.austromed.org, ist hierfür ein Ansprechpartner. Nur eine Meldung über Fehlfunktionen oder über Probleme bei der Handhabung kann ein Produkt mit integriertem Schutzmechanismus auch verbessern. Bei den Unfallerhebungen war auch ein Gutteil der Unfälle durch sogenannte „Entsorgungsfehler“ zu beobachten, wie das Abwerfen einer Nadel in einen ungeeigneten oder in einen überfüllten Entsorgungsbehälter. Diese Stiche sind auf jeden Fall einfach vermeidbar. Aber auch Instrumente mit Schutzmechanismus sind in den für die Entsorgung vorgesehenen Behälter abzulegen!

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Zeit für Entwarnung? In allen Einrichtungen sind Menschen unterwegs, die keine stationären Patienten oder Arbeitnehmer sind und auf die kein Einfluss genommen werden kann, die aber auch Spritzen verwenden können, wie etwa Diabetiker. Für die Beschäftigten in der Reinigung, Entsorgung oder Wäscherei bleiben die Schutzvorkehrungen weiter aufrecht, um Stich- oder Schnittverletzungen durch nicht sachgerecht entsorgte Instrumente oder undefinierbare Gegenstände (Stich oder Schnitt, aber man weiß nicht genau, womit) zu vermeiden. Das bedeutet, in keinen Müll- oder Wäschesack oder Abfallsammelbehälter hineinzugreifen, Müll- und Wäschesäcke nicht an den Körper gedrückt zu transportieren und beim Sortieren der Wäsche oder des schmutzigen Geschirrs in der Küche auch auf fehlentsorgte Nadeln gefasst zu sein. Ein besonderes Kapitel sind dabei Einrichtungen, die nicht als Krankenanstalt oder Gesundheitseinrichtung geführt werden, in denen aber Menschen mit Behinderung oder sehr alte ­Menschen betreut werden oder die mobile Pflege anbieten. In diesen ist zwar die Einrichtung Arbeitgeber des dort tätigen ärztlichen Personals bzw. der Schwestern oder Pfleger, stellt aber die medizinischen Instrumente nicht zur Verfügung. ­Diese werden den Klienten verschrieben und die gängige Verschreibepraxis inkludiert keine Instrumente mit Sicherheitsmechanismus. Sobald die Instrumente aber von den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden, greift die NastV und es sind, sofern es sich durch die Bewertung des Risikos ergibt, solche mit integriertem Sicherheitsmechanismus zu verwenden. Nicht enthoben ist aber der Arbeitgeber auch in solchen Fällen der Verpflichtung zur Festlegung einer ­sicheren Arbeitsweise. Augenmerk sollte man auch der Sterilisation und der Instrumentenaufbereitung von Mehrweginstrumenten schenken – auch hier kommen häufig Verletzungen vor. Vor allem die Zahnmedizin sticht hier heraus, da viele der dort verwendeten Instrumente scharf oder spitz sind. Am Markt sind Boxen zur Unterbringung von Bohrern und Feilen direkt am Behandlungsstuhl erhältlich, mit denen die Instrumente dann in die Sterilisation transportiert werden können, wodurch die ­Verletzungen beim „Ausklauben“ der Instrumente vermieden werden.

Sicherheit für alle Beteiligten Die Neuerungen sind nicht so einschneidend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Das Ziel aller im Gesundheitsbereich Tätigen muss immer in erster Linie die Sicherheit und Gesundheit der Patienten sein. Man darf aber auch die eigene Sicherheit und Gesundheit durchaus einmal im Fokus haben, wenn es darum geht, sich an Dinge zu gewöhnen, die letztendlich der Sicherheit von allen Beteiligten dienen.  n

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Dr. Monika Ploier Rechtsanwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz

SERIE: Fragen aus der Praxis Teil 1

Nadelstichverordnung im Praxistest Aufgrund von Beobachtungen und Anfragen aus der Praxis im täglichen Umgang mit Sicherheits­ produkten gemäß Nadelstichverordnung (NastV) ist die Industrie häufig mit spezifischen Fragestellungen konfrontiert, die in ihrem vollen rechtlichen Umfang nicht immer einfach zu beantworten sind. Anhand unterschiedlicher Szenarien wurden mit Dr. Monika Ploier von der Rechtsanwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz exemplarische Fallbeispiele und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Eine diplomierte Pflegekraft reicht einem Arzt eine vorbereitete Injektion und bricht davor, auf Anweisung des Arztes, den Sicherheitsmechanismus der Injektionskanüle ab. Wer haftet im Falle eines Schadens? Ploier: Wenn durch das Abbrechen des Sicherheitsmechanismus ein Schaden eintritt, gilt bei getrenntem oder fahrlässigem Handeln grundsätzlich eine anteilsmäßige Haftung. Lassen sich die Anteile allerdings nicht bestimmen, haftet jeder zur Gänze. Neben dem Krankenanstaltenträger können daher sowohl der Arzt als auch die Pflegeperson haftungsrechtlich herangezogen werden. Falls nachweislich eine Unterweisung und Information erfolgt ist, macht sich ein Arbeitnehmer, also der Arzt oder die Pflegeperson, strafbar, wenn er das Arbeitsmittel nicht ordnungsgemäß benützt bzw. auf offenkundige Mängel überprüft und dadurch eine Gefahr für andere Arbeitnehmer herbeigeführt wurde.

Welche Strafen sind in diesem Fall zu erwarten? Der Arbeitnehmer kann in so einem Fall mit einer Geldstrafe (Verwaltungsbehördliche Ahndung) von bis zu EUR 250,00, im Wiederholungsfall bis zu EUR 413,00 pro Fall bestraft werden, wenn er trotz Aufklärung über den ordnungsgemäßen Gebrauch von Arbeitsmitteln und nachweislich schriftlicher Aufforderung durch den Arbeitgeber oder das Arbeitsinspektorat gegen die Regelungen verstößt (§ 130 Abs 4 Z 1 ASchG). Gilt das auch, wenn die Pflegeperson auf Anweisung des Arztes gehandelt hat? Im beschriebenen Beispiel wird ein Arbeitsmittel nicht ordnungsgemäß benutzt und dadurch eine Gefahr für andere Arbeitnehmer herbeigeführt. Eine verwaltungsbehördliche Ahndung dieser Vorgehensweise nach § 130 Abs 4 Z 1 ASchG ist daher nicht auszuschließen. Auch wenn ein Arzt eine derartige Anweisung an einen Angehörigen des diplomierten Pflegedienstes erteilt, so muss die diplomierte Pflegekraft die berufsrechtlichen Vorgaben einhalten. Dieser Verstoß würde im vorliegenden Beispiel sowohl für die Pflegeperson als auch für den Arzt gelten.

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© Matthew Benoit – shutterstock.com

Wie ist die Rechtslage, wenn die diplomierte Pflegekraft den Mechanismus aus eigenem Antrieb abbricht? Dann entfällt die Kontrollpflicht des Arztes trotzdem nicht, daher kann auch eine Haftung des Arztes keinesfalls entfallen. Es kann somit eine Haftung des Krankenanstaltenträgers, der Pflegeperson und des Arztes bestehen. n

© Sherry Young – Fotolia.de

Wann kann der Krankenhausträger belangt werden? Der Arbeitgeber, zum Beispiel ein Krankenhausträger, kann in diesem Fall nur dann belangt werden, wenn er nachweislich weder für Informationen über die Gefahren für Sicherheit und Gesundheit noch für eine ausreichende Unterweisung der ­Arbeitnehmer gesorgt hat (§§ 12 und 14 ASchG).


Sicherheitsleck ­ bei Patiententransporten PATIENTENAKTE

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ährend Datenschützer gegen die elektronische Patientenakte Sturm laufen, verursachen private Krankentransporte durch gewerbliche Anbieter ein weitaus größeres Datenschutzproblem, denn sie unterliegen nicht der Schweigepflicht. Diese betrifft all jene Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, auch die anerkannten Rettungsdienste. Für gewerbliche Krankentransporteure gilt sie nicht und kann auch nicht eingefordert werden. „In der Praxis erhalten die Krankentransporteure die Krankenakte bei Übernahme des Patienten jedoch einfach ausgehändigt“, zeigt Prof. Siegfried Binder vom Institut für Qualitätssicherung im Patiententransport (IQPT) eine massive Datenschutzlücke auf.

Transporteur erhält Patientendaten © Matthew Benoit – shutterstock.com

© Sherry Young – Fotolia.de

Prof. Siegfried Binder Institut für Qualitätssicherung im Patiententransport (IQPT)

„Grundsätzlich haften Arzt und die Bediensteten im Gesundheitssektor für die Einhaltung des Datenschutzes und müssen dafür Sorge tragen, dass keine unbefugten Personen Einblick in Krankenakten erhalten können“, bestätigt Rechtsanwalt Dr. Bernhard Haid, Beirat am IQPT. Krankendaten dürfen selbst an andere Ärzte nur mit Zustimmung des Patienten weitergegeben werden, obwohl medizinisches Personal der Schweigepflicht unterliegt. Gewerbliche Anbieter von Krankenfahrten und nicht qualitativen Krankentransporten, welche laut Gesetz im Rahmen

des Mietwagengewerbes Patiententransporte durchführen dürfen, unterliegen nicht der Geheimhaltungspflicht im Patiententransport, sofern sie nicht den Anforderungen des österreichischen Sanitätsgesetzes entsprechen. Derzeit erhält üblicherweise der Transporteur, unabhängig vom medizinischen und betrieblichen Hintergrund, die Krankenakten, Befunde, Transportschein mit Diagnosen und sonstigen Behandlungsdetails des Patienten übergeben. So gelangen diese in Besitz von besonders schützenswerten, hochsensiblen Krankendaten. „Die Schuld ist weniger beim medizinischen Personal zu suchen, sondern in der gesetzlichen Situation. Die medizinischen Mitarbeiter sind in erster Linie in ihrem jeweiligen Fachgebiet perfekt ausgebildet und keine Datenschutzexperten. Da selbst gewerbliche Transporteure zum Teil in Uniformen auftreten, ist eine Unterscheidung auf den ersten Blick nur sehr schwer möglich“, stellt sich Binder hinter Krankenhausmitarbeiter und Ärzte. Dennoch besteht hier dringender Handlungsbedarf. Unternehmen, die sich mit dem IQPT Gütesiegel auszeichnen lassen, müssen unter anderem die durchgängige und nachhaltige Einhaltung des Datenschutzes nachweisen können.

Datenschutz und Schweigepflicht Gesundheitsbezogene Daten sowie sonstige Umstände, die aus Anlass der Erbringung von Leistungen im Bereich des Gesundheitswesens bekannt werden und an denen Patienten ein Geheimhaltungsinteresse haben, unterliegen dem Datenschutzgesetz. Im Rettungsdienst und qualitativen Krankentransport müssen für die Erbringung der Leistung zweckgebundene Daten erhoben werden. Nur so lässt sich eine ordentliche Patientenversorgung gewährleisten. Diese Informationen sind vor unberechtigter Nutzung zu schützen. Personenbezogene Patientendaten sind besonders schutzbedürftig und unterliegen zusätzlich der Schweigepflicht des medizinischen Fachpersonals und sonstigen Bediensteten im Bereich der Patientenversorgung. „Daher ist die Weitergabe derartiger personenbezogener Krankheitsdaten nur mit großer Vorsicht vorzunehmen und zu prüfen, ob diese das Individualinteresse des Patienten treffen und der Empfänger den rechtlichen Erfordernissen entspricht. Unaufmerksamkeiten führen hier sehr schnell zu strafrechtlichen Verfehlungen“, weiß Binder.  n www.iqpt.eu

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KONGRESSE uu AUSBLICK Im Kampf gegen ­nosokomiale Infektionen 15.-16. März 2016, Mauerbach, www.iir.at Der Schwerpunkt liegt auf erfolgreichen Hygiene­ maßnahmen zur Infektionsbekämpfung. Behandelt werden Themen wie Kosten für Spitäler und Gesundheitssysteme, Antibiotikaresistenzen und der Umgang damit sowie der Status quo, Ausblick und Zukunftsstrategien für nosokomiale Infektionen im Krankenhausalltag. Themen aus dem Bereich Hygiene, unter anderem OP-Textilien, angewandte Krankenhaushygiene sowie Hygienenormen, -standards und -empfehlungen runden das Programm ab.

Pflege-Management Forum 2016 03.-04. März 2016, Wien, www.businesscircle.at Im Fokus stehen zentrale pflege- und gesundheitspolitische Fragen sowie Fachvorträge zu Pflege-Management-Themen und Rechtsfragen. Bereits zum dritten Mal wird der Pflege-Management AWARD „cura“ verliehen. Weitere Schwerpunkte: GuKG-Novelle und Reform der Pflegeberufe und -ausbildung, Umsetzung der Gesundheitsreform und Primärversorgung NEU, Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“, optimierte Abläufe und Partnerschaftlichkeit im multiprofessionellen Team, effiziente Pflegedokumentation – Aufwand reduzieren, Qualität steigern, Bürokratie abbauen.

59. Österreichischer ­Kongress für Krankenhausmanagement 09.-11. Mai 2016, Villach Im Mai 2016 steht eine ganze Woche unter dem Generalthema des Alterns. Wir alle werden älter und keine Profession des Gesundheitswesens – Pflege, Medizin, Ökonomie – kann die Augen verschließen und die Veränderungen einfach auf sich zukommen lassen. Längst überfällige, interdisziplinäre und wissenschaftliche Diskussionen über die zukünftigen Herausforderungen an das Gesundheitswesen erhalten in der Zeit von 9. bis 14. Mai 2016 im Rahmen von drei Parallel-Kongressen den notwendigen Raum.

SEMINARTERMINE Seminartitel

Termin

Veranstaltungsort

MÄRZ Verhalten im OP

10. März 2016, 09:00 – 16:00 Uhr

SMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische Abteilung

Erste Hilfe-Kurs (Auffrischung)

7. März 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes, Börseplatz 6, 1010 Wien

Erste Hilfe- Kurs (Betriebsersthelfer)

4.+5. April 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Schulungsraum des Malteser Hospitaldienstes, Börseplatz 6, 1010 Wien

Medizinproduktegesetz einschließlich Novelle 2009

21. April 2016, 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

APRIL

MAI Medizinisches Basiswissen II

9.+10. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Der schwierige Kunde kauft

11.+12. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 Uhr

Hotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien

Info & Anmeldung: www.austromed.org

Impressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­ Unternehmen, Bossigasse 24/7, A-1130 Wien, Tel: +43-1-877 70 12, Fax: +43-1-877 70 12-20, office@austromed.org,­ www.austromed.org. ­Verlag und Medieninhaber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, ­Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien, www.medmedia.at. Projektleitung: Karin Duderstadt, k.duderstadt@medmedia.at, publishfactory.at. Redaktion: Tel: +43-1-407 31 11-29. Projektmanagement: Iris Mandl, i.mandl@medmedia.at, Tel: +43-1-407 31 11-706. Chefredaktion: Mag. Renate Haiden, MSc, haiden@­ Dr. Jasmin Arrich, Mag. Barbara Pohl, Mag. Birgit Weilguni, Mag. Volkmar Weilguni, www.publishfactory.at, Tel: +43-2236-384 348. Lektorat: Mag. Birgit Weilguni, Mag. Barbara Pohl. Layout & DTP: ­creativedirector. cc­lachmair gmbh. Druck: ­Druckerei Berger, A-3580 Horn. Einzelbezugspreis: 9,50 EUR, Jahresabopreis: 45,– EUR. Grundsätze und Ziele: Informationen­über ­Branchen- und Produktneuigkeiten aus dem Bereich der Medizinprodukte. Allgemeine Hinweise: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder w ­ issenschaftliche ­Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen somit in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Mit „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Bei­träge sind entgeltliche Einschaltungen gem. § 26 Mediengesetz und fallen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Auftraggebers. Medizinprodukte dürfen nur gemäß den Angaben in der zugehörigen Gebrauchs­anweisung eingesetzt werden, aus der auch die ausschließliche Zweckbestimmung des jeweiligen Produktes hervorgeht. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Medieninhaber und Herausgeber keinerlei Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Produkt- und Firmennews sind redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at ­­ zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf ­geschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www. medmedia.at/home/impressum.

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KONGRESSKALENDER t MÄRZ 2016

02.-06. 03. 2016 European Congress of Radiology – ECR Wien, www.myesr.org

03.-05. 03. 2016 18. Kardiologie-Kongress Innsbruck www.kardiologie-innsbruck.at

11.-12. 03. 2016

19. Frühjahrstagung für Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpfleger St. Pölten www.kinderkrankenpflege.at

16.-19. 03. 2016

16th Congress of the International Federation of Infection Control Wien, www.ific2016.com

17.-19. 03. 2016

Frühjahrstagung 2016 der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und ­Medizinische Onkologie Wien, www.oegho.at

31. 03.02. 04. 2016

8. Kongress der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin Graz, www.agn.at

27.-30. 04. 2016

t APRIL 2016

07.-09. 04. 2016 14. Österreichischer Kongress „Krebs bei der Frau“ Salzburg, www.ago-austria.at

14.-15. 04. 2016

10. Österreichischer ­Infektionskongress Saalfelden, www.oegit.at

t MAI 2016

25.-27. 05. 2016

Immobilien im ­Gesundheitswesen Wien, www.businesscircle.at

57. Österreichischer ­Chirurgenkongress, Salzburg www.chirurgen-kongress.at

24.-26. 04. 2016

t JUNI 2016

ECTES 2016 – 17th European Congress of Trauma and Emergency Surgery Wien, www.estesonline.org

01.-03. 06. 2016 XXIX. ÖBAI Symposium Gmunden, www.oebai.at

26.-27. 04. 2016

6. Kongress Advanced Nursing Practice, Linz, www.fh-ooe.at

8 am 2. März 2016 in Wien im Austria Trend Hotel Savoyen Vienna

© Syda Productions, © scusi – Fotolia.com

FORUM SPITAL 2016 Termin: 15.-16.06.2016 Ort: Austria Trend Eventhotel Pyramide, Vösendorf bei Wien Beim größten österreichischen Krankenhauskongress treffen sich auch 2016 wieder die Keyplayer der Gesundheitswirtschaft und diskutieren aktuelle Themen wie Zielsteuerung Gesundheit, das Ärztearbeitszeitgesetz oder Pilotprojekte zur Primärversorgung. Sechs Konferenzen werden unter einem Dach zusammengefasst und bieten für die Teilnehmer ein breites Progamm: das Gesundheitsreform, die Onkologie, die Pflege, das OP-Management sowie der Bau und Betrieb von Spitälern und der Dauerbrenner „ELGA“.

Qualität, Kosten, Digitalisierung, Patientensouveränität, Berufsbilder, Arbeitszeiten Die Stichworte der öffentlichen Diskussion sind eindeutig: Der allgemeine gesellschaftliche Umbruch hat jetzt auch die Gesundheitsmärkte in Europa erreicht. Wichtig ist daher, über die Grenzen zu schauen und Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Diskutieren Sie im Kreise der TOP-Manager der Gesundheitswirtschaft u.a. diese wichtigen Themen der Zukunftsbranche:         

Das beste Gesundheitssystem der Welt: Können wir uns das noch leisten? Reha ist mehr als Trinkkur IT unterstützt Prozesse Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz Behandlungsprozesse strukturieren Systempartner steigern Wirtschaftlichkeit in Spitälern Ausbildungsreformen in Gesundheitsberufen Primärversorgungszentren Neue Kooperationsmöglichkeiten für Wohnungs-, Sozial- und Gesundheitswirtschaft

Informieren Sie sich online über das Programm und die Referenten des 8. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES

Anmeldung & Infos zum Kongress unter: www.oegwk.at


MEDIZINPRODUKTE MACHEN ES MÖGLICH.

Egal ob Prothesen, Herzschrittmacher oder Wundverband – Medizinprodukte spielen in allen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle. Österreichische Unternehmen investieren viel Geld in Forschung und Entwicklung, damit diese Produkte immer besser, wirksamer und noch sicherer werden. Mehr Infos: www.austromed.org

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t Qualitä fürs . Leben

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