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Lunge und Atemwege

verstehen

• Hochleistungsorgan LUNGE • Aufbau und Funktion der Atemwege • Die häufigsten Lungenerkrankungen


Mitwirkende

Wissenschaftliche Leitung: OA Dr. Sylvia Eva Hartl 1. Interne Lungenabteilung und Ludwig-Boltzmann-Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie, Otto-Wagner-Spital Wien Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

Wissenschaftlicher Beirat: OA Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour 1. Interne Lungenabteilung und Ludwig-Boltzmann-Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie, Otto-Wagner-Spital Wien

Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Universität Wien

Redaktion: Hannelore Mezei

Wir danken allen Mitwirkenden und dem wissenschaftlichen Beirat für die Unterstützung und den Einsatz.

IMPRESSUM: Herausgeber und Medieninhaber: MedMedia Verlags- und Mediaservice GesmbH, 1070 Wien‚ Seidengasse 9 /  Top 1.1. Projektleitung: Thomas Schula. Layout und Grafik: creativedirector.cc lachmair gmbh. Lektorat: Mag. Andrea Crevato. Druck: Ferdinand Berger & Söhne GmbH, 3580 Horn. Bildagenturen: shutterstock.com, fotolia.com, Waldhäusl Alle Texte in „Lunge und Atemwege verstehen“ wurden nach bestem Wissen recherchiert. Irrtümer sind vorbehalten.Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Verlag und Medieninhaber keine Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird jeweils nur die männliche Form der Bezeichnung von Personen ( z.B. der Patient ) verwendet, damit ist aber sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden.

Lunge und Atemwege verstehen 2013 3


Lunge und Atemwege verstehen Seite Editorial6 Unsere Atemwege  Wie erhalte ich meine Lunge 足gesund?

8 14

Risikofaktoren f端r Erkrankungen der Atemwege

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H辰ufige Erkrankungen der 足oberen Atemwege

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Husten ist nicht gleich Husten 

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Erkrankungen der unteren Atemwege

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Informationen82

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Editorial

Dr. Sylvia Hartl Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für ­Lungenkrankheiten

Liebe Leserinnen und Leser! Die Gesundheit des Menschen hängt von der Gesundheit jedes einzelnen Organs ab. Unsere Lungen sind Umweltorgane – sie sind dafür gemacht, unseren Körper aus der Außenluft mit Sauerstoff zu versorgen, und sie sind unendlich leistungsfähig, da sie niemals ruhen, der Atem niemals stillsteht. Die Natur hat uns relativ robust ausgestattet – mit guten Schutzmechanismen, die den Menschen vor Krankheit schützen. Daher sind wir die meiste Zeit in unserem Leben gesund. Es gibt allerdings sehr viele Möglichkeiten, einem Organ unbewusst Schaden oder Risiko zuzufügen: Deshalb beginnt die bewusste Gesundheitsförderung mit Wissen! Es gibt heute sehr viele Lebensstil-vermittelte Lungenerkrankungen, die durch Wissen und Verstehen zu einer Veränderung und damit zur Vermeidung von Krankheiten führen können. Auch wenn man bereits eine Erkrankung der Lunge hat, sind die richtige Therapie und Lebensführung entscheidend dafür, wie die Erkrankung verläuft. Die medizinische Forschung hat zu vielen Behandlungsmöglichkeiten geführt und die Entwicklung der Sozialmedizin hilft, sehr viele Erkrankungen zu vermeiden. Dem steht allerdings gegenüber, dass in Österreich nur etwa 15% der chronisch Lungenkranken ihre Medikamente regelmäßig einnehmen! Eine Zahl, die uns zeigt, dass das Wissen nicht gut an die Betroffenen herangebracht wird. „Atemwege verstehen“ kann einen Beitrag dazu leisten, dass die wichtigsten Informationen über die Funktion einer gesunden Lunge und die häufigsten Lungenkrankheiten in kurzer, lesbarer Form dargestellt werden. Ich wünsche mir daher, dass eine breite Information der Bevölkerung dazu führt, unsere Atmung besser zu verstehen und auch mit Warnsymptomen besser umzugehen, damit allen ein Leben in Gesundheit ermöglicht wird. Dr. Sylvia Hartl

6 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Editorial

Mag. pharm. Dr. Christian Müller-Uri Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden! Die Gesunderhaltung der Atemwege bzw. die Unterstützung bei Problemen und Krankheiten in diesem Bereich gehören zu jenen Aufgabengebieten in der Apotheke, die unser besonderes Engagement erfordern. Und das aus mehreren Gründen: • Wir Apothekerinnen und Apotheker sind die erste Anlaufstelle für Patienten mit Schnupfen, Husten und anderen Anzeichen einer banalen Erkältung. Mit guten wirkungsvollen Arzneimitteln, Produkten zur Verbesserung der Allgemeinsituation und guten Tipps können wir die Unannehmlichkeiten solcher grippalen Infekte in Grenzen halten, zur deutlichen Linderung der Symptome beitragen und Folgeschäden verhindern. • Wir schlagen Alarm, wenn uns Symptome einer angeblichen Erkältung geschildert werden, die aber auf eine Influenza oder eine andere schwere Erkrankung hindeuten, und empfehlen den umgehenden Arztbesuch. • Während unserer Impfaktionen bieten wir Impfstoffe (unter anderem gegen Influenza und Pneumokokken) preisreduziert an und tragen so dazu bei, dass sich jeder diese wichtige Gesundheitsvorsorge leisten kann. • Und schließlich haben wir erst kürzlich 27 unserer Apotheken in ganz Österreich in „Tankstellen“ umgewandelt. Nämlich in Sauerstoff-Tankstellen für COPD-Patienten. In Österreich leiden rund 400.000 Menschen an der Lungenkrankheit COPD und viele dieser Patienten sind auf die Versorgung mit Sauerstoff über spezielle Geräte angewiesen. Diesen Patienten bieten wir die Möglichkeit, ihre mobilen Tanks bei uns kostenlos aufzuladen. Wir freuen uns, damit zu einer Verbesserung der Mobilität und Lebensqualität der Betroffenen beitragen zu können. Im vorliegenden Ratgeber „Lunge und Atemwege verstehen“ werden die Leser ausführlich über Hintergründe, Symptome und Management der diversen Atemwegserkrankungen informiert und damit zu Kunden und Patienten auf Augenhöhe. Das erleichtert nicht nur unsere Arbeit im Interesse der Gesundheit unserer Kunden, sondern trägt auch wesentlich zu einem effizienten Ergebnis bei. Wir freuen uns daher sehr, diesen Ratgeber aus der Serie „Gesundheit verstehen“ in unseren Apotheken zu präsentieren. Mag. pharm. Dr. Christian Müller-Uri

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Unsere Atemwege

Unsere Atemwege Die Lunge ist ein Hochleistungsorgan


Unsere Atemwege

Daten und Fakten: • Der Mensch kann ohne Atmung nur wenige Minuten überleben: Nach mehreren Sekunden Atemstillstand kommt es zu Schwindel und Bewusstseinstrübung, nach vier Minuten können bereits bleibende Gehirnschäden nachgewiesen werden. • Erwachsene atmen pro Minute etwa 14 Mal. • Innerhalb von 24 Stunden atmet ein Erwachsener rund 15.000 Liter Luft ein. • Das durchschnittliche Luftvolumen pro Atemzug im Ruhezustand liegt bei 0,5 Liter. • Bei starker Ausatmung verbleiben rund 1,1 Liter Luft in der Lunge.

Was verstehen wir unter dem Begriff Atemwege? Wie der Name schon sagt, sind die Atemwege für die Atmung und damit für den Transport von Atemgasen – Antransport von Sauerstoff und Abtransport von Kohlendioxid – zuständig. Man unterscheidet zwischen oberen und unteren Atemwegen. Die oberen Atemwege bestehen aus Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen und Rachen. Der Kehlkopf stellt den Übergang zu den unteren Atemwegen dar. Diese wiederum bestehen aus der Luftröhre und der Lunge mit dem Bronchialsystem.

Welche Funktion haben die oberen Atemwege? Die Luft wird durch Nase oder Mund eingeatmet. Die Nase hat neben der Riechfunktion die Aufgabe, die Atemluft zu befeuchten, zu reinigen und anzu-

wärmen. Die Nasenschleimhaut ist mit winzigen Flimmerhärchen ausgestattet, die Staubteilchen und Keime filtern. Darüber hinaus ist die Nasenschleimhaut mit spezifischen Abwehrstoffen ausgestattet, die für die „chemische“ Abwehr von Erregern sorgen. Atmet man durch den Mund ein, fallen die Filter- und Schutzfunktionen der Nase weg. Von der Nase gelangt die Luft in den Rachenraum und durch den Kehlkopf weiter in die Luftröhre. Mit der Nase in Verbindung stehen die Nasennebenhöhlen, welche ebenfalls mit Schleimhaut ausgekleidet sind.

Wie sind die unteren Atemwege aufgebaut? Der Aufbau ähnelt einem „umgekehrten“ Baum: Den Stamm bildet die Luftröhre, die eine reine Zuleitungsfunktion hat. Von ihr gehen zwei große Hauptäste, die Hauptbronchien, ab. Einer führt in den linken, der andere in den rechten Lungenflügel. Von den Hauptbronchien zweigen viele kleine Äste und winzigste Zweige ab, die Bronchien und Bronchiolen. Am äußersten Ende der Zweige finden sich die so genannten Lungenbläschen (Alveolen), die von vielen winzigen Blutgefäßen (Kapillaren) umgeben sind und eine weintraubenähnliche Struktur aufweisen.

Wie sieht die Lunge selbst aus? Sie besteht aus zwei Lungenflügeln, dem linken und dem rechten. Durch Furchen wird jeder Lungenflügel in Lungenlappen unterteilt. Der rechte Lungenflügel teilt sich in drei Lappen, der linke in zwei Lappen. Der linke Lungenflügel ist Lunge und Atemwege verstehen 2013 9


Unsere Atemwege

Querschnitt eines Bronchus

Kapillaren

Querschnitt eines In den Lungenbläschen findet der Gasaustausch Bronchus statt kleiner als der rechte, da das Herz links liegt und Raum einnimmt. Die Lunge besteht aus dem oben erwähnten Bronchial- und Alveolensystem, Bindegewebe und Blutgefäßen. Die Struktur des Gewebes erinnert an einen feinporigen Schwamm.

Wie sind die Bronchien aufgebaut? Die Bronchien sind „Röhren“, in denen die Luft weitergeleitet wird. Die äußere Schicht besteht aus Bindegewebe, die mittlere Schicht aus Muskelgewebe und die innerste Schicht wird durch Schleimhaut ausgekleidet, deren Oberfläche mit einem Flimmerepithel ausgestattet ist. Die Muskulatur reguliert die Weite der Bronchien – ziehen sich die Muskeln zu10 Lunge und Atemwege verstehen 2013

sammen, so verengen sich die Bronchien. Die Schleimhaut mit den Flimmerhärchen sorgt für die Reinigung der eingeatmeten Luft.

Welche Funktion haben die ­Lungenbläschen? Lungenbläschen (Alveolen) sind kleinste Bläschen, die von Blutgefäßen (Kapillaren) umgeben sind. Durch eine hauchdünne Wand kann der Sauerstoff von den Alveolen in die Blutgefäße durchströmen (diffundieren). Über die Blutgefäße wird der Sauerstoff in den ganzen Körper transportiert bzw. wird ebenfalls über die Blutgefäße Kohlendioxid in die Gegenrichtung geleitet, um ausgeatmet zu werden.


Unsere Atemwege

Wie funktioniert unsere Atmung? Mit der Atmung wird Sauerstoff transportiert, den der Mensch für alle Vorgänge im Körper benötigt. Beim Einatmen wird Sauerstoff aus der Luft vom Nasenraum bis zur Lunge geleitet. Beim Ausatmen wird das Gas Kohlendioxid, das der Körper beim Stoffwechsel produziert, aus dem Körper hinausbefördert. Die erste Station der Atemluft ist die Nase, von wo die Luft in den Rachenraum gelangt, weiter durch den Kehlkopf in die Luftröhre und von dort in die Bronchien und Lungenbläschen. In den Lungenbläschen findet der Sauerstoffaustausch statt: • Aus der eingeatmeten Luft wird Sauerstoff aufgenommen und mit den roten Blutkörperchen zu allen Zellen des Körpers transportiert. • Gasförmiges Kohlendioxid (das wichtigste giftige Abfallprodukt aus unserer Kalorienverbrennung) wird mit der Ausatemluft aus dem Körper hinaustransportiert. Da dieser Sauerstoffaustausch nur in den Lungenbläschen stattfinden kann, ist deren Erhalt sehr wichtig! Auch muss die Atemluft ungehindert zu den Lungenbläschen gelangen können.

einen Schleimfilm, der eingeatmete Fremdkörper und Staubpartikel abfängt. Eine wichtige Rolle spielen dabei ebenfalls Tausende von einzelnen Flimmerhärchen (Zilien), die mit wellenförmigen Bewegungen Schleim und Staubpartikel zurück zu den oberen Atemwegen transportieren, wo diese ausgehustet oder geschluckt werden können. Eine weitere Aufgabe der Bronchien ist die Anwärmung der Atemluft. Funktioniert dieser Reinigungs- und Abwehrmechanismus richtig und gut, bietet er einen wirksamen Schutz vor Atemwegserkrankungen. Ist die Lunge aber über Jahre hinweg Schadstoffen ausgesetzt (z.B. Zigarettenrauch, Luftschadstoffe), so wird dieser Schutzmechanismus geschwächt. Es kommt in der Folge zu einer chronischen Schwellung und übermäßigen Schleimbildung in den Atemwegen (chronische Bronchitis), zur dauernden Verengung der Atemwege (obstruktive Bronchitis) und zur Zerstörung von Lungenbläschen (Lungenemphysem).

Wie wird die eingeatmete Luft ­gereinigt? Als erste Station hat die Nase die Funktion, die Atemluft zu befeuchten und zu reinigen. Wie alle Atemwege ist sie mit winzigen Flimmerhärchen ausgestattet, die Staubteilchen und Krankheitserreger aus der eingeatmeten Luft filtern. Aber auch die Bronchien produzieren

Inspiration

Exspiration

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Unsere Atemwege

Was versteht man unter ­Lungenfunktion?

Wie wird die Lungenfunktion ­gemessen?

Als Lungenfunktion wird die normale bzw. krankhafte Atemfunktion der Lunge in Bezug auf das Atemvolumen und den Gasaustausch (aufgenommener Sauerstoff und abgeatmetes Kohlendioxid) bezeichnet. Mithilfe der so genannten Lungenfunktionsmessung (ebenfalls oft als „Lungenfunktion“ bezeichnet) kann festgestellt werden, wie groß das Lungenvolumen ist und ob eine Verengung der Bronchien besteht.

Man unterscheidet zwischen einer kleinen und einer großen Lungenfunktionsmessung. • Mit der kleinen Lungenfunktion (auch als Spirometrie bezeichnet) wird die atembare Luftmenge gemessen. • Bei der großen Lungenfunktionsmessung (Bodyplethysmografie) werden die atembare Luftmenge und die im Brustkorb verbleibende Luft gemessen. Mithilfe der Lungenfunktionsmessungen kann der Arzt feststellen, ob eine normale oder eine verminderte Atemleistung besteht. Eine verminderte Atemleistung ist Hinweis auf Krankheiten wie Asthma oder COPD.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Atmung und Psyche?

Die Lungenfunktionsmessung zeigt an, ob eine Verengung der Bronchien vorliegt 12 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Das Atemzentrum sitzt im Hirnstamm und wird vom vegetativen (autonomen) Nervensystem kontrolliert. Dadurch atmen wir automatisch, ohne uns dessen bewusst zu sein. Zum autonomen Nervensystem gehören das sympathische und das parasympathische Nervensystem, die beide die Atmung beeinflussen. Durch das so genannte vegetative Nervensystem ist die Atmung mit allen Emotionen verbunden – wir atmen tiefer und schneller, wenn wir aufgeregt sind, oder flach und schnell, wenn wir ängstlich sind. Tiefes Seufzen steht mit emotionalen Empfindungen in Zusammenhang. Daher kann eine eingeschränkte Atmung auch mit bedrohlichen Gefühlen einhergehen. Das persönliche Atemmuster reagiert sehr schnell und sensibel auf seelische Regungen wie Freude, Glück oder Stress und Angst.


Unsere Atemwege

Wie reagiert die Atmung auf Schock­erlebnisse? Bei Schockerlebnissen kommt es durch die parasympathische Überaktivität zur reduzierten Atemhäufigkeit, wir atmen weniger oft ein und aus. Das wird dann subjektiv als Atemnot erlebt. Man spricht von „den Atem anhalten“, „die Kehle war wie zugeschnürt“, „der Atem stockte“. Bleibt der Schreck bestehen, atmet man nicht mehr entspannt aus, die verbrauchte Luft bleibt im Körper. So atmen Angstpatienten beispielsweise flacher im Bereich des Brustkorbs. Wer unangenehme Gefühle unterdrücken will oder starken Schmerz verspürt, hält fast automatisch den Atem an. Atmung und körperliche bzw. psychische Befindlichkeit hängen also sehr eng zusammen. Daher ist es normalerweise nicht möglich, ruhig und entspannt zu atmen, wenn man aufgeregt oder wütend ist. Das persönliche Atem-

muster reagiert unmittelbar auf seelische Regungen, sowohl auf Freude oder Glück als auch auf Stress, Angst und Schock.

Kann man durch Atemtraining das Wohlbefinden steigern? Ja, das ist möglich. Man kann mit gezielter Atmung den Körper entspannen oder anspannen. Da eine körperliche Entspannung auch zu einem seelischen „Lockerlassen“ führt, wird durch Atemtechniken sogar Stress positiv beeinflusst. Daher spielt in traditionellen asiatischen Meditationstechniken wie Zen, Yoga, Tai-Chi oder Qigong die Atmung eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus können Asthmatiker und COPD-Patienten durch Atemschulung viel zu ihrem Wohlbefinden beitragen (siehe dazu Seite 15). Auch Ausdauersportler können durch körperliches Training die Atemfrequenz optimieren.

Mit folgendem Test können Sie erkennen, wie Gefühle unsere Atmung automatisch beeinflussen: • Schließen Sie die Augen und denken Sie an eine Situation, in der Sie sehr wütend waren und die nach wie vor nicht frei von Ressentiments ist. • Versetzen Sie sich wieder in diese Lage und empfinden Sie die Situation nach. • Während Sie sich dies vorstellen, versuchen Sie, tief ein- und auszuatmen. • Funktioniert es? Vermutlich nicht. Lunge und Atemwege verstehen 2013 13


Wie erhalte ich meine Lunge gesund?

Wie erhalte ich meine Lunge 足gesund? Richtig atmen, rauchfrei leben ...


Wie erhalte ich meine Lunge gesund? Wie bereits erwähnt, benötigen alle menschlichen Organe ausreichend Sauerstoff, um gut zu funktionieren. Daher ist die Gesunderhaltung der Atemwege nicht nur für die Vorbeugung von Atemwegserkrankungen von Bedeutung, sondern für den gesamten Organismus.

COPD bringen bestimmte Atemtechniken sogar Erleichterung, weil sie dazu beitragen können, den festsitzenden Schleim aus den Bronchien zu lösen (siehe Seite 70).

Wie wichtig ist richtige Atemtechnik? Richtige Atmung kann für den Organismus mehr Energie bereitstellen, den Blutdruck regulieren und Verspannungen lindern. Allerdings atmen die meisten erwachsenen Menschen eher unzureichend und flach. Die Atmung spielt sich dann hauptsächlich im Brustbereich ab (Brustatmung). Gesunde Neugeborene und Menschen mit richtiger Atemtechnik hingegen atmen auf natürliche Weise „in den Bauch hinein“ (Bauchatmung). Das heißt, bei jedem Atemzug senkt sich das Zwerchfell nach unten und der Bauch wölbt sich nach außen. Beim Ausatmen flacht der Bauch wieder ab und das Zwerchfell bewegt sich nach oben. Bei der Brustatmung werden vermehrt das obere und das mittlere Drittel der Lunge belüftet, was schlecht für die Sauerstoffversorgung ist. Denn der untere Bereich der Lunge ist sehr gut durchblutet und könnte besonders viel Sauerstoff aufnehmen bzw. weiterleiten. Gesünder ist daher die Bauchatmung.

Kann man richtige Atmung trainieren? Ja, man kann die Bauchatmung gezielt einsetzen und trainieren. Auch Entspannungstechniken wie Yoga basieren auf der Atmung. Für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder

Übung zur Bauchatmung: Legen Sie sich entspannt hin und platzieren Sie eine Hand auf dem Bauch knapp unterhalb des Nabels. Die andere Hand ruht auf dem Brustkorb. Schließen Sie die Augen und atmen Sie bei geschlossenem Mund tief durch die Nase bewusst in den Bauchraum ein. Stellen Sie sich vor, dass Sie den Bauch von unten nach oben mit Luft füllen. Dabei sollten Sie spüren, wie sich die Bauchdecke hebt. Dann öffnen Sie leicht den Mund und atmen bewusst langsam durch den Mund aus. Spüren Sie, wie sich die Bauchdecke senkt und die verbrauchte Luft Ihren Körper verlässt. Wiederholen Sie die Übung mehrmals und bleiben Sie danach noch einige Minuten liegen, während Sie wie gewohnt weiteratmen.

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Wie erhalte ich meine Lunge gesund?

Welche Rolle spielt das Rauchen? Eine immense! Rauchen ist die häufigste Schadstoffbelastung der Lunge und daher der häufigste Verursacher von ­ chronischen Lungenkrankheiten wie COPD (siehe Seite 54). Rauchstopp ist somit die wichtigste Maßnahme, um Erkrankungen der Atemwege vorzubeugen und die Lunge gesund zu erhalten. Rauchstopp hat aber auch unmittelbare positive Auswirkungen auf die Atemwege: Bereits zwölf Stunden nach dem Rauchstopp sinkt der Kohlenmonoxidspiegel im Blut und es wird mehr Sauerstoff verfügbar. Nach zwei Wochen ohne Glimmstängel kann sich die Lungenfunktion verbessern. Ein bis neun Monate

16 Lunge und Atemwege verstehen 2013

nach dem Rauchstopp fängt der Reinigungsmechanismus der Atemwege, der durch das Rauchen geschwächt wurde, wieder normal zu arbeiten an. Übrigens sollten Sie nicht nur selbst auf das Rauchen verzichten, sondern auch darauf achten, dass Sie nicht zu oft Passivrauch ausgesetzt sind. Denn Passivrauchen beeinträchtigt die Atemwege ebenfalls. Dies ist besonders für Kinder wichtig! Studien haben gezeigt, dass Kinder von starken Rauchern während der ersten drei Lebensjahre durch das ständige Inhalieren der Schadstoffe besonders häufig von Atemwegsinfekten betroffen sind. Dies kann zum Beispiel die Entstehung von Asthma begünstigen.


Wie erhalte ich meine Lunge gesund? korbs durch zu viel Gewicht führt zur so genannten „gefesselten Lunge“ und schränkt die Bewegungs- und Leistungsfähigkeit ein. So gesehen, trägt die eingeschränkte Atemleistung zu einer verschlechterten Lebensqualität – vor allem bei Menschen mit Atemwegserkrankungen – bei und Übergewicht kann Atemnot verstärken. Die Rolle des Fettgewebes in Bezug auf das Auslösen von chronischen Erkrankungen wird zunehmend erkannt, auch im Hinblick auf das Vermeiden von lebensnotwendiger gesunder Bewegung.

Wie sollte man die Ernährung ­umstellen, um abzunehmen? Gesunde Ernährung wirkt sich auch auf die Atemwege aus

Muss ich Feinstaubwarnungen ernst nehmen? Ja, auf jeden Fall! Denn gerade der feine Staub, der aus dem Straßenverkehr, der Luftverschmutzung und der Innenraumverschmutzung durch Rauchen entsteht und den man nicht sieht, kann die Atemwege schädigen (Näheres zum Risikofaktor Feinstaub auf Seite 22).

Was haben Ernährung und Übergewicht mit meiner Lunge zu tun? Übergewicht hat einen großen Einfluss auf die Atmung: Die Entstehung von Asthma wird durch gefährliche Botenstoffe aus dem Eingeweidefett, die die Bronchien schädigen, begünstigt. Aber auch die vermehrte Steifigkeit des Brust-

Optimalerweise nimmt man täglich um 500 bis 700 Kalorien weniger zu sich als zuvor. Die Ernährung sollte aus reichlich Gemüse, Obst (wegen des Fruchtzuckergehalts allerdings nicht im Übermaß), Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten, Fisch und wenig magerem Fleisch bestehen. Süßes, Fettes und Alkohol sind stark zu reduzieren. Wichtig ist, täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit (Wasser, Tee, jedoch keine Säfte, Limonaden oder gar Alkohol) zu trinken. Für Menschen mit A t e m weg s e r k r a n kungen oder Raucher sind Lebensmittel, die „Radikalfänger“ sind, besonders wichtig: Brokkoli, Tomaten und zahlreiche andere Gemüsesorten.


Wie erhalte ich meine Lunge gesund?

Wie kann Bewegung beim Abnehmen unterstützen? Jede Ernährungsumstellung sollte mit regelmäßiger Bewegung einhergehen. Dadurch vermeidet man einerseits eine Schwächung der Muskulatur aufgrund der „Diät“, andererseits fördert Bewegung die Gewichtsabnahme. Denn starke Muskeln verbrennen (auch in Ruhe) mehr Fett. Bei Bewegungsmangel hingegen verarbeiten die Muskeln weniger Kohlenhydrate und Fette, die der Körper schließlich in seine Fettdepots abschiebt.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Bewegung und Atemwegen? Regelmäßige Bewegung ist nicht nur eine sehr gute Möglichkeit, Atemnot vorzubeugen, sondern kann etwa bei COPD sogar als Therapie eingesetzt

werden. Bewegung wirkt sich auf mehreren Ebenen positiv aus: • Krafttraining stärkt die Muskulatur und starke Muskeln kommen bei gleicher Leistung mit weniger Sauerstoff aus. • Weniger Sauerstoffbedarf bedeutet weniger Energieverbrauch für das Atmen und damit mehr Leistungsfähigkeit. • Ausdauersport verbessert die allgemeine Kondition und wirkt sich positiv auf das gesamte Herz-KreislaufSystem aus. Die Sauerstoffzufuhr wird erhöht. • Wie bereits erwähnt, unterstützt Bewegung den Abbau von Übergewicht und verhindert so Kurzatmigkeit. • Ausdauertraining mindert Atemnot besser als Medikamente, da es zu einer Desensibilisierung gegenüber Atemnot im Gehirn kommt.


Risikofaktoren f端r Erkrankungen der Atemwege

Risikofaktoren f端r Erkrankungen der Atemwege Vom Feinstaub bis zur Zigarette


Risikofaktoren für Erkrankungen der Atemwege

Was bewirkt Zigarettenrauch in den Atemwegen? Zigarettenrauch schädigt die Atemwege auf mehrfache Weise: Zum einen zerstören die giftigen Inhaltsstoffe einer Zigarette jene Flimmerhärchen, die die Schadstoffe aus den Luftwegen abtransportieren sollten. Zum anderen rufen Feinstaub und giftige Gase im Zigarettenrauch das Immunsystem auf den Plan: Um Bronchialwände und Lungenbläschen zu schützen, muss verhindert werden, dass diese Stoffe weiter vordringen und ins Blut gelangen. Daher wird zur Abwehr vermehrt Schleim produziert. Ohne Flimmerhärchen kann dieser Schleim aber nicht abtransportiert werden und verbleibt zu einem großen Teil in der Lunge. Damit stellt er einen idealen Nährboden für Bakterien dar. Durch die hervorgerufenen Entzündungen schwillt die Schleimhaut zusätzlich an und die Atemwege verengen sich. Es liegt dann eine chronische Bronchitis bzw. bei einer dauernden Verengung der Atemwege eine obstruktive Bronchitis vor. In weiterer Folge werden durch den Zigarettenrauch die Trennwände der Lungenbläschen zerstört. Aus Millionen elastischer Lungenbläschen entwickeln sich damit große Blasen, in denen die Luft zurückgehalten wird. Die Luft ist quasi „gefangen“, das Ausatmen fällt schwerer. Man spricht in diesem Fall von einer Überblähung der Lunge, einem Lungenemphysem. Außerdem kann durch die verminderte Anzahl an Lungenbläschen weniger Sauerstoff aufgenommen werden. Die

Organe werden nicht ausreichend damit versorgt, Atemnot, Leistungsschwäche und eine verkürzte Lebenserwartung sind die Folgen. Etwa ein Drittel aller starken Raucher entwickelt Lungenkrebs (Bronchuskarzinom). Auch für die Entstehung anderer Krebserkrankungen stellt Rauchen einen Risikofaktor dar. Darüber hinaus ist Rauchen die Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Wirkt sich Rauchen bei Frauen anders aus als bei Männern? Ja. Die Lunge von Frauen scheint für die Schadstoffe im Zigarettenrauch noch empfindlicher zu sein. So erkranken sie beispielsweise auch schwerer an COPD als Männer und zeigen oft einen schlechteren Krankheitsverlauf.

Wie schädlich ist Passivrauch? Wer sich regelmäßig und längere Zeit in Räumen aufhält, in denen geraucht wird, hat ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen. Wissenschaftlich belegt ist auch der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs. Besonders gefährlich ist Passivrauch für Kinder. Das noch im Wachstum befindliche Lungengewebe des Kindes kann dadurch nachhaltig geschädigt werden. • Mit jeder Zigarette inhaliert ein Raucher mehr als 3.800 chemische Verbindungen. • Davon sind die meisten Partikel so klein, dass sie direkt in die Lunge gelangen. • 200 dieser Stoffe sind giftig. • 40 davon sind krebserregend.

Lunge und Atemwege verstehen 2013 21


Risikofaktoren für Erkrankungen der Atemwege

Schadstoffe bei der Arbeit können Atemwegserkrankungen auslösen

Meter). Daher sind diese mit freiem Auge nicht sichtbar. Doch je kleiner die Staubteilchen sind, umso tiefer gelangen sie beim Einatmen in die Lunge und setzen sich dort fest. Zwar verfügt der Körper über ein Reinigungssystem, um Fremdkörper und Staub wieder aus den Atemwegen zu entfernen (Schleim, Flimmerhärchen), allerdings ist dieses System nicht unbegrenzt belastbar. Vor allem wenn die Flimmerhärchen durch Rauchen geschädigt sind, funktioniert der Abtransport nicht mehr.

Können Atemwegserkrankungen vererbt werden? Welche Rolle spielen andere ­Schadstoffe als Risikofaktoren für die Lunge? Starke und regelmäßige Belastungen durch Reiz- und Schadstoffe können Atemwegserkrankungen auslösen bzw. verschlechtern. Dies trifft vor allem auf gefährliche Dämpfe, Gase und Staub am Arbeitsplatz zu (z.B. Landwirtschaft, Straßenbau, Schweißen, Kunststoff erzeugende Industrie, Arbeit mit Lacken etc.). Daher ist es wichtig, bei solchen Tätigkeiten für ausreichende Belüftung zu sorgen und sich mit einem Mundschutz gegen das Eindringen der Stoffe in die Atemwege zu wappnen.

Wie gefährlich ist Feinstaub? Man sieht ihn nicht, man spürt ihn nicht. Doch Feinstaub ist ein gefährlicher Feind der Lunge und darf nicht unterschätzt werden. Die Größe der Feinstaubpartikel beträgt weniger als 5 Mikrometer (1 Mikrometer ist ein Millionstel 22 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Eine familiäre Vorbelastung spielt beispielsweise für die Entstehung von al­ lergischem Asthma (wenn die Eltern bereits unter Allergien leiden), aber auch für COPD eine gewisse Rolle. Das heißt allerdings nicht, dass bei einer entsprechenden Veranlagung tatsächlich eine Krankheit entsteht. Ob und wie schnell sich z.B. COPD entwickelt, hängt vor allem auch von der Schadstoffeinwirkung auf die Lunge ab.

Welche Rolle spielt der Lebensstil? Neben dem Einfluss von Reiz- und Schadstoffen spielt auch die Lebensweise eine gewisse Rolle. Menschen, deren Abwehrkräfte geschwächt sind und deren körperliche Leistungsfähigkeit reduziert ist, sind nicht nur anfälliger für Atemwegserkrankungen, sondern sie leiden auch stärker darunter. Denn eine vitaminreiche Ernährung stärkt die Abwehrkräfte und regelmäßige Bewegung erhöht die Belastbarkeit und verbessert die Lebensqualität.


Risikofaktoren für Erkrankungen der Atemwege Die Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sind für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen besonders wichtig

Wie können mich Impfungen schützen? Besonders wichtig für Menschen mit vorgeschädigter Lunge, aber auch für ältere Personen sind die jährliche Impfung gegen Influenza („Grippeimpfung“) und die Pneumokokken-Impfung gegen eine schwere Form der Lungenentzündung, die durch Pneumokokken-Bakterien ausgelöst wird.

Warum ist die Grippeschutzimpfung so wichtig? Influenza ist eine schwere Viruserkrankung, die mit hohem Fieber und wochenlanger Krankheit einhergehen kann. Sie wird nach wie vor stark unterschätzt. Die „echte“ Grippe fordert jedes Jahr Todesopfer. Vor allem bei Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und bei älteren Personen steigt die Wahrscheinlichkeit für lebensgefährliche Komplikationen. Im Zuge einer echten Grippe kann sich nämlich eine Lungenentzündung entwickeln, die mitunter 24 Lunge und Atemwege verstehen 2013

tödlich verläuft. Bei Patienten mit COPD kommt es durch eine Influenza zu Krankheitsschüben (Exazerbationen). Die Influenza-Impfung schützt vor der Erkrankung und deren Komplikationen.

Wie wirkt die Impfung? Der Impfstoff, der in den Oberarm gespritzt wird (intramuskulär), ist ein so genannter Totimpfstoff. Das heißt, er enthält keine lebenden Bestandteile des Erregers. So wird das Immunsystem mit dem Erreger bekannt gemacht, noch bevor es zu einer Infektion kommt. Der Kontakt mit dem Impfstoff imitiert eine Infektion, damit Antikörper gegen das Virus gebildet werden. Diese Antikörper blockieren jene Stellen, an denen das Virus andocken könnte.

Warum muss man sich jedes Jahr neu gegen Grippe impfen lassen? Das Influenza-Virus verändert sich immer wieder an der Oberfläche. Dadurch


Risikofaktoren für Erkrankungen der Atemwege entstehen jedes Jahr neue Virusvarianten und jene Antikörper, die zuvor durch eine Impfung gebildet wurden, sind im nächsten Jahr nicht mehr geeignet, das Virus zu blockieren. Daher muss der Impfstoff jährlich angepasst werden.

Warum bekomme ich trotz ­Grippeimpfung eine Erkältung? Die Impfung schützt nur vor den grassierenden Grippeviren, nicht aber vor Erkältungsviren. Erkältungen (so genannte grippale Infekte) können nämlich durch 200 verschiedene Viren ausgelöst werden.

Welchen Schutz bietet die ­Pneumokokken-Impfung? Pneumokokken sind bakterielle Erreger (Streptokokkus pneumoniae), die schwere Infektionen, u.a. lebensbedrohliche Lungenentzündungen (Pneumonien), auslösen können. Die Erreger besiedeln den Nasen-Rachen-Raum des Menschen. Aber nicht jeder, der Träger von Pneumokokken-Bakterien ist, muss zwangsläufig erkranken. Allerdings kann er die Erreger auf andere übertragen. Dies geschieht durch Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten, Spucken). Ist die Körperabwehr herabgesetzt, wie z.B. bei älteren Menschen, kann es zu einer Erkrankung kommen. PneumokokkenInfektionen der Lunge verlaufen meist dramatisch und fordern immer wieder Todesfälle. Pneumokokken-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Ursache für Todesfälle, die durch Impfungen vermeidbar wären. Die Impfung stellt den einzigen Schutz vor dieser Erkrankung dar.

Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen? Säuglinge, ältere Menschen und Personen, die unter chronischen Erkrankungen der Atemwege leiden, haben ein größeres Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken. Daher wird die Pneumokokken-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder sowie für Erwachsene über 50 Jahren empfohlen. Die Impfung gegen Pneumokokken sollte laut österreichischem Impfplan bei Personen über 50 zunächst mit dem Impfstoff PNC13 und nach einem Jahr mit PPV23 erfolgen. Personen, die bereits eine Erstimpfung mit PPV23 hinter sich haben, benötigen nach zwei Jahren eine Impfung mit PNC13. Die Empfehlungen für den Abstand der Auffrischungsimpfung werden zurzeit gerade ausgearbeitet. Geimpfte Personen schützen nicht nur sich selbst vor der gefährlichen Infektion, sondern auch andere, da sie die Erreger nicht mehr übertragen.

Müssen ältere Menschen „anders“ geimpft werden? Das Altern beeinflusst die Reaktionsfähigkeit auf Krankheitserreger, aber auch auf Impfstoffe. Deshalb lässt die Antikörperbildung nach einer Schutzimpfung in höheren Lebensjahren nach. Das erklärt, warum Mediziner ab dem 60. Lebensjahr kürzere Impfintervalle empfehlen. Außerdem sprechen Senioren durch die Veränderung ihres Immunsystems häufig schlechter auf neue Impfungen an. Auch aus diesem Grund gibt es speziell auf diese Altersgruppe abgestimmte Schutzund Auffrischungsimpfungen. Lunge und Atemwege verstehen 2013 25


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Häufige Erkrankungen der ­oberen Atemwege Erkältungen können von 200 verschiedenen Viren ausgelöst werden


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege Zu den häufigsten Erkrankungen der oberen Atemwege zählen akute Rhinitis (Schnupfen) und Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung). Beides tritt meist im Zusammenhang mit einer Erkältung (= grippaler Infekt) auf. Werden Erkrankungen der oberen Atemwege nicht ausreichend behandelt bzw. übergangen, können sie sich auf die unteren Atemwege ausbreiten (z.B. Bronchitis).

Influenza-Virus

Wie unterscheidet man eine Erkältung von der echten Grippe? Auslöser: Beide Erkrankungen werden von Viren ausgelöst, allerdings von unterschiedlichen. Die echte Grippe oder Influenza wird durch Influenza-Viren verursacht, die man eingrenzen kann. Deshalb ist es möglich, dagegen einen Impfstoff zu entwickeln. Der beste Schutz vor einer Influenza ist daher die jährliche Impfung. Erkältungen können hingegen von rund 200 verschiedenen Viren ausgelöst werden. Die Hauptverursacher sind Rhinoviren und Adenoviren. Die Übertragung der Grippe- wie auch der Erkältungsviren erfolgt über Tröpfcheninfektion. Symptome: Bei der Erkältung ist der Krankheitsbeginn allmählich, langsam. Es beginnt meist mit Kratzen im Hals, Schnupfen (Rhinitis), eventuell leicht erhöhter Körpertemperatur. Später kommt häufig Husten hinzu. Komplikationen sind sehr selten, allerdings kann sich der Schnupfen auf die Nasennebenhöhlen ausbreiten und es entwickelt sich eine

Sinusitis. Erkältungen können das ganze Jahr über auftreten. Der Beginn einer Influenza erfolgt stets plötzlich, es kommt rasch zu hohem Fieber und einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands. Starke Muskel- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, extreme Abgeschlagenheit sind typische Symptome. Vor allem bei chronisch kranken oder älteren Menschen sind gefährliche Komplikationen (z.B. Lungenentzündung) möglich. Influenza ist saisonal bedingt und tritt in unseren Breiten vor allem in den Monaten Jänner und Februar auf.

Sind an einer Erkältung ausschließlich Viren beteiligt? Eine Erkältung beginnt zwar immer mit einer Virusinfektion. Doch können sich ­ Bakterien hinzugesellen. Denn im viral geschädigten Gewebe haben andere Krankheitskeime eine bessere Chance. Man spricht dann von einer Superinfektion. Lunge und Atemwege verstehen 2013 27


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Welche Rolle spielt das Immunsystem bei einer Erkältung? Das Immunsystem wehrt Krankheitserreger ab. Dafür stehen Milliarden Abwehrzellen zur Verfügung. Eine wichtige Rolle in der Abwehr spielen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie Antikörper (Eiweißstoffe). Ist das Immunsystem geschwächt (z.B. durch andere Erkrankungen, durch Stress oder übermäßige körperliche Belastung), so funktioniert diese Abwehr nicht optimal und Viren und Bakterien haben ein leichtes Spiel. Hingegen ist

ein starkes Immunsystem die beste Vo­ raussetzung für die Abwehr von Erkältungskrankheiten und Infekten der oberen Atemwege.

Was hat der Darm mit dem ­Immunsystem zu tun? In der Darmschleimhaut sitzen mehr als 70% der gesamten Abwehrzellen des Körpers. Das darmeigene Immunsystem produziert Antikörper, so genannte Immunglobuline A (IgA), die der Körper nach dem Kontakt mit einer fremden Substanz zur Abwehr gegen diese bildet.

Wie kann man das Immunsystem stärken?

Durch regelmäßige Bewegung stärkt man das Immunsystem 28 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft (mindestens 30 Minuten täglich) steigt die Zahl wichtiger Immunzellen im Blut um ein Drittel. Punktuelle Kraftanstrengung kann die Abwehr hingegen schwächen. Ebenfalls von Bedeutung für das Immunsystem ist ausreichender Schlaf. Denn im Schlaf werden besonders viele immunaktive Stoffe ausgeschüttet, die die Immunabwehr steigern. Eine gesunde ausgewogene und vitaminreiche Ernährung beugt Mangelerscheinungen vor, die das Immunsystem schwächen können. Eine möglichst stressfreie Lebensweise trägt ebenfalls zur Stärkung der Abwehr bei. Geschwächt wird das Immunsystem hingegen durch Vitaminmangel, Rauchen, Schlafmangel, Stress, Alkoholkonsum, chronische Krankheiten und manche Medikamente.


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Kann man das Immunsystem mit pflanzlichen Wirkstoffen unterstützen? Zur Anregung der Abwehrkräfte ­kommen häufig die Inhaltsstoffe von Echinacea purpurea (roter Sonnenhut), schwarzer Holunderbeere, Ginseng, grünem Tee, Kapland-Pelargonie, Taigawurzel etc. zum Einsatz. Auch Enzympräparate aus der Apotheke können die Abwehr stimulieren. Für eine ausgewogene Darmflora, die ja einen großen Teil der Abwehrzellen beherbergt, können Pro- und Präbiotika sorgen.

Was sind die besten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Virenübertragung? • Besonders effizient ist die Handhygiene. Denn mit den Händen berührt man nicht nur (eventuell erkrankte) Mitmenschen, sondern kommt auch über Türklinken, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln etc. in Kontakt mit den Erregern. Experten raten daher, mehrmals pro Tag 30 Sekunden lang die Hände mit lauwarmem Wasser und Seife zu waschen. Steht gerade kein Waschbecken zur Verfügung, Händewaschen hält die Viren fern

können spezielle Gels eine praktische Alternative bieten. • Achten Sie darauf, sich nicht ins Gesicht zu greifen. • Halten Sie Abstand zu erkälteten Personen. • Meiden Sie nach Möglichkeit während der Erkältungssaison große Menschenansammlungen. • Halten Sie Füße und Kopf warm.

Helfen Antibiotika bei einer Erkältung? Wenn die Erkältung durch Viren bedingt ist, bringen Antibiotika keinerlei Nutzen. Denn diese können nur Bakterien bekämpfen. Im Falle einer zusätzlichen bakteriellen Infektion sind Antibiotika jedoch sinnvoll.

Wie behandelt man einen grippalen Infekt? Man kann nur die Symptome behandeln. Allerdings ist dies wichtig, um eine Ausbreitung der Virusinfektion zu verhindern.

Wodurch wird eine Rhinitis ­(Schnupfen) begünstigt? Neben der Schwächung des Immunsystems spielt auch eine Austrocknung der Nasenschleimhaut eine Rolle. Häufiger Wechsel zwischen beheizten, schlecht belüfteten Innenräumen und der kalten Außenluft sowie die im Winter besonders trockene Umgebungsluft führen zu einer Austrocknung der Nasenschleimhaut. Krankheitserreger werden nicht Lunge und Atemwege verstehen 2013 29


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Bei Schnupfen unbedingt die Nasenschleimhaut befeuchten!

mehr im gewohnten Ausmaß nach außen abtransportiert, weil aufgrund der Verhältnisse die Aktivität der Flimmerhärchen reduziert ist.

Was kann ich gegen Schnupfen tun? Da man die Ursache der akuten Rhinitis nicht ausschalten kann, beschränkt sich die Behandlung auf die Bekämpfung der Symptome. Dies geschieht einerseits durch körperliche Schonung, andererseits durch Maßnahmen, welche die Nasenschleimhaut anfeuchten bzw. den Schleim lösen. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten auf pflanzlicher Basis, etwa mit Inhaltsstoffen wie Menthol, Kampfer oder Thymol. Vorsicht: Menthol, Cineol, Myrtol oder Kampfer eignen sich nicht für Säuglin30 Lunge und Atemwege verstehen 2013

ge und Kinder unter 2 Jahren sowie für Personen mit Asthma bronchiale! Zur Verfügung stehen Sprays, Gels und Tropfen, die • Schleim lösen und helfen, zähflüssiges Sekret abzutransportieren, • trockene Schleimhaut befeuchten und • abschwellend wirken. Abschwellend wirkende Substanzen sollten allerdings maximal eine Woche lang angewendet werden. Wichtig ist auch, reichlich Tee oder Wasser zu trinken, um den Schleim in den Atemwegen zu verflüssigen. Auch Dampfbäder mit Kochsalz oder ätherischen Ölen bringen Erleichterung. Eukalyptus- oder Pfefferminzöl eignen sich gut als Inhalationszusatz.


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Kann Rhinitis auch chronisch ­werden? Eine chronische Rhinitis hat nichts mit Erkältung zu tun, sondern kann z.B. durch Medikamente ausgelöst werden, durch Allergien, chronische Nasennebenhöhlenerkrankungen oder anatomische Engstellungen im mittleren Nasengang. Mit diesem Problem muss auf jeden Fall ein HNO-Facharzt aufgesucht werden.

Was versteht man unter akuter Sinusitis? Damit bezeichnet man eine akute Entzündung der Nebenhöhlen, die meist die Folge einer Rhinitis ist. Die beiden Erkrankungen gehen aber auch oft fließend ineinander über. Die Sinusitis zeigt sich in behinderter Nasenatmung und eitriger Nasensekretion, meist kombiniert mit Kopfschmerzen, die beim Vorbeugen des Kopfes stärker werden. Auch die Stirnhöhlen sind druckempfindlich.

Wie wird eine Sinusitis behandelt? Bei einer bakteriell ausgelösten Infektion können Antibiotika zum Einsatz kommen. Sind Viren die Ursache, behandelt man mit abschwellenden Nasentropfen bzw. Inhalationen. Allerdings erreichen Nasentropfen die zugeschwollenen Ausführungsgänge der Nebenhöhlen nur dann, wenn man folgendermaßen eintropft: Man legt sich aufs Bett und beugt den Kopf über die Bettkante nach hinten. Bei aufrechter Haltung des Oberkörpers fließen die Tropfen nämlich nicht in die Nebenhöhlen, sondern in den Rachen.

An pflanzlichen Substanzen eignen sich bei nicht eitriger Sinusitis Myrtol, bittere Schleifenblume sowie Cineol aus Eukalyptusöl. Ziel ist jedenfalls die Wiederherstellung der Belüftung der Nasennebenhöhlen. Bei einer chronischen Sinusitis kann die Behandlung mit kortisonhaltigen Nasensprays angezeigt sein. Bringt dies keinen Erfolg, wird zumeist durch Operation die verdickte Engstelle beseitigt. Die genaue Vorgangsweise muss der HNO-Arzt empfehlen. Lunge und Atemwege verstehen 2013 31


Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege

Hilfe, ich bin allergisch! Bei welchen Atemwegserkrankungen spielen Allergien eine Rolle? Rhinitis (Schnupfen) und Asthma stehen häufig in Zusammenhang mit einer Allergie. In erster Linie spielen Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare eine Rolle. 20% der Österreicher leiden an einer Allergie, wobei der allergische Schnupfen („Heuschnupfen“) am häufigsten vertreten ist.

Wie entsteht eine Allergie? Eine Allergie resultiert aus einer krank machenden Überreaktion des Immunsystems. Bei Allergikern erkennt die Körperabwehr nicht nur Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien als fremd und bekämpft sie, sondern auch manche harmlose Substanzen wie Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, bestimmte Lebensmittel oder Medikamente. Der Körper bildet dann zur Abwehr so genannte IgE-Immunglobuline, die mithilfe von Entzündungszellen in die Schleimhäute einwandern. Beim Kontakt mit dem jeweiligen allergieauslösenden Stoff (Allergen) werden Entzündungsstoffe aus den Zellen freigesetzt. Der wichtigste in diesem Zusammenhang ist Histamin. Durch die Freisetzung von Histamin weiten sich die Blutgefäße, es kommt zu Rötung, Schwellungen, Juckreiz sowie bei allergischem Asthma zu vermehrter Schleimproduktion in den Bronchien und zur Verkrampfung der Bronchialmuskulatur mit Atemnot.

Welche Ursache liegt diesem ­Mechanismus zugrunde? Die grundlegenden Ursachen dieser Überreaktion des Immunsystems sind nicht aus32 Lunge und Atemwege verstehen 2013

reichend bekannt. Allerdings weiß man, dass die Vererbung eine Rolle spielt. Das Risiko ist bei Familien, in denen Allergien vorhanden sind, erhöht. Vererbt wird jedoch nicht die Allergie selbst, sondern die Bereitschaft, eine zu entwickeln. Diskutiert wird als Risikofaktor auch übertriebene Hygiene in der Kindheit. Denn es konnte beobachtet werden, dass Kinder, die ihre ersten Lebensjahre auf einem Bauernhof in Kontakt mit Tieren verbrachten, und jene, die in einer Kinderkrippe sehr früh mit unterschiedlichen Keimen in Berührung kamen, seltener eine Allergie entwickeln. Einen Schutzfaktor stellt das Stillen des Säuglings dar.

Was sind Allergene? Als Allergene werden jene Stoffe bezeichnet, die beim Allergiker eine überschießende Immunreaktion auslösen. Zu den häufigsten inhalativen Allergenen, die über die Atemwege in den Körper gelangen, zählen die Proteine von Gräserpollen, Birken-, Erleund Haselnusspollen, Beifuß, Ragweed, Hausstaub, Tierhaare und Schimmelpilze. Oft entwickeln sich bei Pollenallergikern zusätzlich Allergien gegen manche Nahrungsmittel, deren Eiweiß dem Protein des jeweiligen Allergieauslösers ähnelt. So reagieren Birkenpollenallergiker häufig auch auf bestimmte Obstsorten allergisch. Man spricht dann von einer Kreuzreaktion.

Wie kann man eine Allergie behandeln? Am besten durch Allergenkarenz, also die Vermeidung des Allergieauslösers. Der Pollenwarndienst informiert regelmäßig

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Häufige Erkrankungen der oberen Atemwege über die Blühzeiten betreffender Pflanzen (www.pollenwarndienst.at). Ist die Allergenvermeidung in der Praxis nicht möglich, so können die Symptome gelindert werden. Bei leichteren Allergien ist oft die Symptombekämpfung mit einem Antiallergikum ausreichend. Bei stärkeren Beschwerden im Nasen-Augen-Bereich kann ein nasales Steroid (kortisonhaltiger Nasenspray) zur Anwendung kommen. Bei allergischem Asthma werden so genannte Antileukotriene als Medikamente zur Symptomlinderung eingesetzt. Die einzige ursächliche Behandlung einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie.

Was versteht man unter einer spezifischen Immuntherapie (SIT)? Dieses Verfahren wird auch Hyposensibili-

sierung genannt. Dabei wird dem Körper das Allergen in allmählich ansteigender Dosierung zugeführt. Mit der Zeit wird das Immunsystem dagegen unempfindlich und reagiert nicht mehr mit Abwehr.

Wie wird eine Hyposensibilisierung durchgeführt? Entweder wird das Allergen vom Arzt regelmäßig unter die Haut gespritzt oder es kann in Tablettenform über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Diese sublinguale Tablette kommt zur Behandlung von Schnupfen und Bindehautentzündung bei Allergien auf Gräserpollen zum Einsatz. Die Immuntherapie sollte drei bis vier Monate vor der erwarteten Pollensaison ­ ­begonnen werden und erstreckt sich insgesamt über drei bis fünf Jahre.

Services für AllergikerInnen unterstützt von ALK

Informationen rund um das Thema Allergie

Informationen zum aktuellen Pollenflug

Facharztsuche für Allergieaustestung & Immuntherapie

www.allergie-plattform.at

www.pollenwarndienst.at

www.netdoktor.at/health_ center/allergie/arztsuche/

ALK-Abelló Allergie-Service GmbH Bäckermühlweg 59, A-4030 Linz Tel: 0732-38 53 72 , Fax: 0732-38 53 72 -687 E-Mail: office_at@alk.net, www.alk.net/at


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Thymian mit Primel und Efeu: im Team gegen Husten Kaum eine Erkältung findet ohne ihn statt: Husten. Er ist vor allem auch das typische Symptom einer akuten Bronchitis. Lästig bis quälend sorgt er für schlaflose Nächte, Atemnot und Schmerzen in der Brust. Zuerst handelt es sich meist um trockenen Reizhusten, der dann in produktiven Husten übergeht. Klingt die zugrunde liegende Atemwegs­ erkrankung ab, hält der Husten meist noch einige Zeit an, bis er nach Wochen schließlich verschwindet. Doch wer will schon so lange warten? Für die Lebensqualität der Betroffenen ist es von entscheidender Bedeutung, dem Husten so früh wie möglich den Kampf anzusagen. Schleimlösende Arzneipflanzen eignen sich dafür ganz ausgezeichnet. Die Pflanzenkombination aus Thymian und Efeu bzw. Thymian und Primel in Bronchipret® löst den festsitzenden Schleim, heilt die Entzündung der Bronchien und reduziert die Anzahl der schmerzhaften Hustenanfälle. Das Abhusten wird erleichtert und man kann wieder frei durchatmen.

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Husten ist nicht gleich Husten

Husten ist nicht gleich Husten Sind die Atemwege gereizt, bedarf es einer anderen Behandlung als bei produktivem Husten


Husten ist nicht gleich Husten Husten ist ein Symptom, das jeder Mensch kennt. Allerdings kann man das Beschwerdebild des Hustens nicht verallgemeinern, er kann Anzeichen für viele verschiedene Erkrankungen und Störungen sein. Oft deuten schon Charakteristik und Dauer des Hustens darauf hin, welches Problem ihm zugrunde liegen könnte.

Was passiert, wenn wir husten? Der Hustenreflex wird durch Reizung des Epithels der Atemwege ausgelöst. Bei mechanischer oder chemischer Reizung (z.B. durch Fremdkörper, Staub, Gase, Entzündungen) in den Luftwegen senden Rezeptoren an den Schleimhäuten Impulse an das Hustenzentrum im Gehirn. In der Folge verschließt sich die Stimmritze, die Atemmuskulatur zieht sich stark zusammen, was einen hohen Druck erzeugt. Dadurch öffnet sich die Stimmritze plötzlich unter explosivem Luftaustritt.

Was bedeutet trockener Reizhusten? Wenn beim Husten kein Schleim abgeht, liegt eine akute Reizung der Atemwege vor. Diese kann durch Schadstoffe entstehen (Staubpartikel, Zigarettenrauch), eine Reaktion auf Medikamente (z.B. ACE-Hemmer, Betabocker, inhalative Medikamente) oder durch eine Allergie bedingt sein. In den allermeisten Fällen ist Reizhusten jedoch Vorbote einer Erkältung. Die Ursache ist dann eine Virusinfektion der oberen Atemwege. Der Hustenreiz soll dazu beitragen, die eingedrungenen Viren wieder loszuwerden. In diesem Fall ist der trockene, quälende Husten auch eventuell mit Halskratzen und anderen Symptomen einer Erkältung verbunden und geht nach einigen Tagen in einen produktiven Husten über. Dauert trockener Husten länger an, kann er selbst die Schleimhaut schädigen.

Hat Husten auch eine nützliche Funktion? Ja. Husten dient der Reinhaltung der Atemwege. Der Körper kann Fremdkörper, Schadstoffe und Keime durch Husten aus den Atemwegen entfernen und dadurch deren Erkrankung oder Schädigung verhindern.

Welche Arten von Husten gibt es? Nach der Charakteristik des Hustens unterscheidet man zwischen trockenem Husten (Reizhusten) und produktivem Husten, bei dem Schleim abgehustet wird. Je nach Dauer spricht man von akutem Husten und chronischem Husten.

Staubpartikel reizen die Atemwege und lösen Husten aus

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Husten ist nicht gleich Husten

Was kann man gegen Reizhusten tun? Handelt es sich um harmlosen Reizhusten, wie er zu Beginn eines grippalen Infekts auftritt, so helfen folgende Maßnahmen: • ausreichende Luftfeuchtigkeit, vor allem im Schlafzimmer • Vermeiden von Zigarettenrauch und anderen Schadstoffen • körperliche Schonung • warme (nicht heiße!) Getränke (Tee) • W är mebehandlungen wie Brustwickel • Lutschpastillen, um der Trockenheit im Rachen entgegenzuwirken. Zusätze wie Salz, Spitzwegerich, Salbei, Isländisch Moos etc. haben darüber hinaus einen hustenreizlindernden Effekt.

Welche Hustenmittel sind bei ­Reizhusten wirksam? Als Hustenarznei werden bei trockenem Reizhusten so genannte Antitussiva eingesetzt. Dabei handelt es sich um Hustenstiller, die den Hustenreiz lindern und die Schleimhaut beruhigen. Die wirksamste synthetische Substanz ist in diesem Zusammenhang Codein, da es die Rezeptoren im Hustenzentrum blockiert. Allerdings ist Codein rezeptpflichtig und nicht für jeden geeignet. So kann es beispielsweise bei Asthmatikern 38 Lunge und Atemwege verstehen 2013

zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen. Außerdem besteht die Gefahr der Abhängigkeit. Zusätzlich ist die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigt. Codein sollte daher nur nach Verordnung durch den Arzt für kurze Zeit eingesetzt werden, um bei sehr quälendem Reizhusten die Nachtruhe zu ermöglichen. Weniger Nebenwirkungen und auch kein Suchtpotenzial zeigt die rezeptfrei erhältliche Substanz Dextromethorphan, ein Opioid-Abkömmling. Auch einige Arzneipflanzen sind bei Reizhusten gut wirksam. Es handelt sich dabei um so genannte Schleimdrogen, die als örtlich wirksame, reizlindernde Mittel die Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren an der Schleimhaut herabsetzen. Sie überziehen die Schleimhaut mit einer Schutzschicht aus Pflanzenschleim, wodurch die Reizung reduziert werden kann. Zu den pflanzlichen Schleimdrogen zählen u.a. Isländisch Moos, Spitzwegerich, Königskerze, Eibisch, Huflattich, Sonnentau und Malve. Auch Efeuextrakt wirkt gut hustenreizstillend.


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Löst den Schleim Befreit die Atemwege Beruhigt den Husten Von produktivem Husten spricht man, wenn Schleim abgehustet wird. Wie bereits erwähnt, geht unproduktiver Reizhusten im Rahmen einer Erkältung nach einigen Tagen in produktiven Husten über. Weitere Ursachen von produktivem Husten können Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie) oder COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, auch als „Raucherhusten“ bekannt; siehe Seite 54) sein.

Ist verfärbter Schleim, den man abhustet, gefährlich?

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Was bedeutet produktiver Husten?

Die normale Farbe des Auswurfs bei Husten im Zusammenhang mit einer viralen Erkältung ist weißlich. Wird gelblich-grüner Schleim abgehustet, deutet dies auf eine bakterielle Infektion hin, mit der man einen Arzt aufsuchen sollte. Dieser wird vermutlich Antibiotika verordnen. Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.


Husten ist nicht gleich Husten

Wie wird produktiver Husten behandelt? Hat sich in den Atemwegen aufgrund einer Reizung oder Entzündung der Schleimhäute mehr Schleim als normal angesammelt, so muss dieser aus dem Körper entfernt werden. Er wird abgehustet. Daher darf in solchen Fällen der Hustenreflex nicht unterdrückt werden. Ziel der Behandlung sind eine Unterstützung des Abhustens und eine Verflüssigung des zähen Schleims. Denn wenn der Schleim zu fest in den Atemwegen sitzt und durch Husten nicht nach außen befördert werden kann, stellt er einen Nährboden für andere eindringende Keime dar. Schleimlösende Arzneimittel, die das Abhusten fördern, unterstützen daher die Selbstreinigungsmechanismen der Atemwege. Diese Hustenmittel nennt man Hustenlöser oder auch Expektoranzien bzw. Sekretolytika und Mukolytika. Eine schleimlösende Behandlung mit synthetischen oder pflanzlichen Hustenmitteln sollte immer mit einer hohen Flüssigkeitszufuhr einhergehen, um die Verflüssigung des Schleims zu unterstützen. Auch bei produktivem Husten ist auf eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu achten, um ein Austrocknen der Schleimhäute zu verhindern. Synthetische Hustenlöser sind Mittel mit den Substanzen N-Acetylcystein, Ambroxol oder Guaifenesin. Pflanzliche Expektoranzien finden als Arzneitees oder Tropfen, Säfte und Kapseln Anwendung. Zu den schleimlösend wirkenden Pflanzen zählen u.a. Süßholzwurzel, Primelblüten, Königskerze, Brechwurzel, Senegawurzel, Efeu, Thy40 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Welche Hustencharakteristika deuten worauf hin? • Zuerst trockener Reizhusten, nach ein paar Tagen produktiver Husten > virale oder bakterielle Infektion der oberen Atemwege

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• Anfallsartiger trockener Husten, häufig nachts, verbunden mit Atemnot und eventuell pfeifenden Atemgeräuschen > Asthma • Husten zu bestimmten Jahreszeiten, vor allem im Freien > Allergie • „Bellender“ Husten, der länger als zwei Wochen anhält > Keuchhusten (Pertussis) • Starker Husten mit Auswurf, vor allem morgens nach dem Aufstehen > COPD („Raucherhusten“) • Chronischer Husten und gleichzeitig Sodbrennen > gastroösophagealer Reflux (die hochkommende Magensäure führt zu einer Reizung der Atemwege)

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Husten ist nicht gleich Husten mian, Eibisch, Fenchel, Anis, Eukalyptus, Lavendel und Myrtol. Ätherische Öle dieser Pflanzen können auch zur Inhalation bzw. zur äußeren Anwendung als Salben, Badezusätze oder Balsam angewendet werden.

Wann spricht man von akutem ­Husten? Wenn der Husten maximal vier bis acht Wochen anhält. Zumeist handelt es sich dabei um trockenen Reizhusten, der später in produktiven Husten übergeht. Mögliche Ursachen für akuten Husten sind Erkältungskrankheiten, akute Bronchitis, Allergien, Schadstoffbelastung oder allergisches Asthma.

Wann spricht man von chronischem Husten? Wenn der Husten länger als acht Wochen besteht. Chronischer Husten kann sowohl trocken als auch produktiv sein. Da chronischer Husten ein Hinweis auf viele, oft ernste Erkrankungen sein kann, muss auf jeden Fall der Arzt aufgesucht werden. Allerdings kann Dauerhusten bzw. Dauerhüsteln auch psychisch bedingt sein.

Welche Krankheiten können die Ursache von chronischem Husten sein? • chronische Bronchitis • Asthma • COPD • Lungenentzündung • Allergie • Reflux • Nebenwirkung von Medikamenten • chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) 42 Lunge und Atemwege verstehen 2013

• Herzschwäche • bösartige Tumorerkrankung

Wann muss ich mit Husten zum Arzt gehen? • wenn der Husten länger als drei Wochen anhält • bei Fieber über 39 Grad • Atemnot • Schmerzen beim Husten oder Atmen • Pfeif- oder Rasselgeräusche beim Atmen • gelblich-grünlicher, eitriger oder mit Blut vermischter Auswurf • Mit Kleinkindern unter 2 Jahren sollte man bei Husten auf jeden Fall den Arzt aufsuchen! Kleinkinder müssen mit Husten unbedingt vom Arzt untersucht werden


Husten ist nicht gleich Husten

Was versteht man unter „Raucherhusten“? „Raucherhusten“ wird von den Betroffenen häufig verharmlost, ist aber ein ernstes Anzeichen einer COPD-Erkrankung (Seite 54). Typischerweise tritt der Husten morgens auf, ist stark und mit heftigem Auswurf verbunden. Im Herbst und Winter verschlimmern sich die Beschwerden. Bei fortgeschrittener COPD husten die Patienten nicht nur morgens, sondern den ganzen Tag über.

Kann Magensäure Husten auslösen? Ja. Im Fall einer Reflux-Krankheit steigt Magensäure durch die Speiseröhre in den Mund- und Rachenraum auf. Dies kann die Schleimhaut reizen und einen Hustenreiz auslösen.

fen wie Zigarettenrauch, Staub etc. schützen. Darüber hinaus ist es auch wichtig, der Austrocknung der Mundund Rachenschleimhaut entgegenzuwirken. Denn eine trockene Schleimhaut in Mund, Rachen und Nase verliert ihre Schutzfunktion gegenüber Krankheitserregern, sodass Viren und Bakterien leichter eindringen können. Daher ist es wichtig, die Schleimhäute stets feucht zu halten. Dies ist durch Befeuchtung der Raumluft möglich sowie auch durch ausreichendes Trinken. Optimal sind etwa 2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Alkohol und Kaffee zählen hier nicht, sondern Wasser oder Kräutertees.

Warum hält Husten oft lange nach einer Erkältung noch an? Man spricht in diesem Fall von postviralem Husten. Haben die Erkältungsviren die Epithelschicht der Atemwege geschädigt und eine Entzündung ausgelöst, so ist die Empfindlichkeit der Atemwege noch eine Zeit lang erhöht. Schuld an diesem „Husten ohne Ende“ ist daher nicht – wie vielfach vermutet – eine zusätzliche bakterielle Infektion, sondern die Überempfindlichkeit der Bronchien. Sie reagieren dann auf bestimmte Reize wie Kälte oder trockene Luft mit Hustenreiz.

Kann man Husten vorbeugen? Wer Husten vorbeugen möchte, sollte einerseits die Abwehr stärken, andererseits die Atemwege vor schädlichen ReizstofLunge und Atemwege verstehen 2013 43


Erkrankungen der unteren Atemwege

Erkrankungen der unteren Atemwege Asthma, COPD & Co gehÜren unbedingt in die Hände eines Arztes


Erkrankungen der unteren Atemwege

Asthma bronchiale Was bedeutet Asthma bronchiale? Asthma ist eine chronische nicht-infektiöse Entzündung der Atemwege, die in unterschiedlichen Schweregraden auftreten kann. Anlagebedingt bestehen eine Überempfindlichkeit und eine Entzündungsbereitschaft der Bronchien. Die Entzündung kann zu anfallsweiser Atemnot infolge einer Verengung der Atemwege führen. Diese Atemwegsverengung wird durch vermehrte Schleimbildung und Anschwellen der Schleimhaut in den Bronchien verursacht. Außerdem kommt es zu einer Verkrampfung der Bronchialmuskulatur. Alle diese Faktoren erschweren das vollständige Ausatmen der Luft, was als Atemnot empfunden wird.

Wer ist betroffen? Asthma beginnt meist im Kindes- und Jugendalter, seltener erst bei Erwachsenen. Allerdings kann das Asthma bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben. In Österreich leiden rund 700.000 Menschen an Asthma, jedes vierte Kind hat zumindest zeitweise asthmaähnliche Beschwerden. 10% aller Kinder entwickeln dann tatsächlich die Erkrankung Asthma bronchiale.

Wo liegen die Ursachen der ­Erkrankung? Die eigentliche Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Die Bereitschaft, Asthma zu entwickeln, ist vererbt. In Studien wurden Gene gefunden, die mit Asthma in Zusammenhang stehen. Aus-

löser sind dann häufig Allergien, Atemwegsinfekte, körperliche Anstrengung, kalte Luft, Lachen, Tabakrauch oder Luftschadstoffe. Raucht eine werdende Mutter in der Schwangerschaft oder sind Kinder Passivrauch ausgesetzt, so steigt das Risiko für eine Asthmaerkrankung. Manchmal können auch Ärger und Ängste einen Anfall auslösen. Darüber hinaus gibt es Medikamente, wie einige Schmerz- und Fiebermittel (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure) oder Betablocker, die zu einem Asthmaanfall führen können.

Welche Symptome treten auf? Das Hauptsymptom ist Atemnot, oft begleitet von trockenem Husten und einem pfeifenden Atemgeräusch sowie einem Engegefühl in der Brust. Die Atemnot tritt anfallsartig ganz plötzlich auf, vorwiegend nachts bzw. bei Kontakt mit Allergieauslösern (Pollen) oder unmittelbar nach einer körperlichen Anstrengung (Belastungsasthma). Zu den typischen Symptomen können bei Kleinkindern auch noch Bauchschmerzen hinzukommen. Ein weiteres Warnsignal bei unter 5-jährigen Kindern: Das Kind erkrankt auffällig oft an Bronchitis. Daran schließt sich eine Phase an, in der es auffällig atmet. Ältere Kinder fallen vor allem durch trockenen Husten und Atemnot auf. Viele Kinder pfeifen, wenn sie laufen oder spielen – die Kinder selbst empfinden das meist nicht als Atemnot, die Eltern hingegen ­bemerken die Symptome. Lunge und Atemwege verstehen 2013 45


Erkrankungen der unteren Atemwege

Gesunde Bronchien Wichtig ist, bei solchen Symptomen rasch einen Kinderarzt oder einen Facharzt für Lungenheilkunde aufzusuchen. Denn je früher Asthma behandelt wird, umso besser kann man es unter Kontrolle bringen.

Wie unterscheidet man allergisches von nicht-allergischem Asthma? Durch das Auftreten der Beschwerden bei Kontakt mit Allergenen. Diese Allergieauslöser können Pflanzen (z.B. Pollen), aber auch Lebensmittel sein. Die Diag-

Welche Anzeichen deuten auf Asthma hin? • auffallend oft schwerer, trockener Husten ohne Erkältung • pfeifende Atemgeräusche • Hustenanfälle nachts oder morgens • Atemnot nach Belastung • vorangegangene Allergien (Neurodermitis, Heuschnupfen)

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Entzündete Bronchien nostik und damit die Unterscheidung erfolgt durch die Allergieabklärung.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Heuschnupfen und Asthma? Bis zu 80% aller Asthmapatienten leiden gleichzeitig an einer allergischen Rhinitis (Heuschnupfen). Unter den von Heuschnupfen Betroffenen haben 20–40% zusätzlich Asthma bronchiale. Das Risiko, Asthma zu entwickeln, ist bei Patienten mit allergischer Rhinitis gegenüber Nichtallergikern um das Dreifache erhöht. Bei Allergikern entwickelt sich Asthma häufig als „Fortsetzung“ eines Heuschnupfens.

Wie stellt der Arzt die Diagnose ­Asthma bronchiale? Zunächst wird sich der Arzt nach den Beschwerden erkundigen und nach einer Allergie beim Patienten bzw. in der Familie fragen. Bei der körperlichen Un-


Erkrankungen der unteren Atemwege tersuchung können mit dem Stethoskop z.B. pfeifende Atemgeräusche festgestellt werden. Wichtigstes Diagnoseins­ trument ist der Lungenfunktionstest.

Was passiert beim ­Lungenfunktionstest? Am häufigsten wird zur Abklärung die so genannte „kleine Lungenfunktionsmessung“ oder Spirometrie-Untersuchung (siehe Seiten 12 und 58) eingesetzt. Man bläst in ein so genanntes Spirometer hi­ nein; das Gerät berechnet dann, wie viel Luft wie schnell ausgeatmet wurde. Bedingt durch die verengten Bronchien sind die gemessenen Werte bei Asthma verringert. Nach Inhalation eines Asthmamedikaments bzw. wenn die Krankheit gut unter Kontrolle ist, sind die Lungenfunktionswerte meist unauffällig. Im Röntgenbild ist bei Asthma keine Veränderung zu sehen. Eine normale Lungenfunktion schließt Asthma nicht aus – es muss dann ein so genannter Provokationstest das Asthma demaskieren.

Wie wird Asthma behandelt? Asthma wird nach einem Stufenplan behandelt, der je nach Schweregrad bzw. Besserung variiert werden kann: 1. Bei selten auftretender Atemnot wird diese mit einem kurz wirksamen Betamimetikum (bronchienerweiterndes Medikament) behandelt. Über einen Spray oder ein Pulverinhalationsgerät wird ein bronchienerweiterndes Medikament bei Bedarf inhaliert. 2. Kommt es häufiger zu Asthmaanfällen, muss diesen durch eine Langzeittherapie vorgebeugt werden. Man wendet täglich ein entzündungshemmendes

Kortison mittels Inhalation an, damit nur wenig Kortison in den Körper gelangt. Lang wirksame Bronchialerweiterer werden damit kombiniert, wenn diese Therapie nicht ausreicht. Statt Kortison können auch alternative Medikamente wie Entzündungshemmer in Tablettenform (Leukotrienantagonisten) eingenommen werden. 3. Die Medikamente werden je nach den Beschwerden höher oder niedriger dosiert. Der Patient erhält von seinem Arzt einen Stufenplan: Im Stadium der schlimmsten Beschwerden können alle Medikamente kombiniert und hoch dosiert und dann schrittweise wieder reduziert werden. Je nach Schweregrad können manche Patienten fallweise über längere Zeiträume gar keine Medikamente benötigen. 4. Bei sehr schweren Erkrankungen ist es (meist nur vorübergehend) notwendig, Kortison in Tablettenform einzunehmen (= systemische Behandlung). 5.  Bei allergischen Patienten können Impfungen gegen die Allergene helfen, eine Desensibilisierung (verminderte Empfindlichkeit gegenüber einem Auslöser) zu erreichen. Jedenfalls müssen Allergene nach Möglichkeit gemieden werden.


Erkrankungen der unteren Atemwege

Muss ich vor Kortison Angst haben? Kortison bzw. Kortikoide sind hochwirksame Medikamente, die eine starke antientzündliche Wirkung haben und damit die effizienteste „Waffe“ gegen Asthma darstellen. Wie jedes stark wirksame Medikament kann auch Kortison zu Nebenwirkungen führen. Allerdings ist dies gerade in der Asthmabehandlung kaum zu befürchten. Denn: Üblicherweise wird in der Asthmabehandlung Kortison in geringsten Mengen inhaliert. So ist einerseits durch die niedrige Dosis das Risiko für gravierende Nebenwirkungen äußerst gering, andererseits durch die Form der Anwendung, die Inhalation. Denn bei der Inhalationstherapie entfaltet sich die Wirkung von Kortison erst in den Bronchien. Wichtig ist aber, nach jeder Inhalation den Mund gut auszuspülen, um Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Pilzinfektionen im Mund zu verhindern. Ist es notwendig, Kortison oral, also in Tablettenform, einzunehmen, so wird der Arzt auch hier die geringste erforderliche Dosis verordnen, um den entzündungshemmenden Effekt zu erzielen. Bei deutlicher Besserung ist es in vielen Fällen möglich, gemäß dem Stufenbehandlungsschema die Dosis noch weiter zu reduzieren bzw. wieder mit inhalierbarem Kortison das Auslangen zu finden.

Kann ich Kortison selbst absetzen, wenn es mir besser geht? Nein, das darf man unter keinen Umständen! Denn abruptes Absetzen der Kortisonbehandlung hat eine plötzliche Verschlechterung zur Folge – bis hin zu lebensgefährlichen Atemnotzuständen! 48 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Regelmäßige Selbstkontrolle mit einem Peak-Flow-Meter zeigt, wie gut Ihr Asthma eingestellt ist Kortison muss immer unter Anleitung des behandelnden Arztes stufenweise langsam reduziert werden.

Kann ich kortisonfreie Medikamente absetzen, wenn ich keine Asthma­ anfälle mehr habe? Auch bei kortisonfreien Medikamenten muss eine Reduktion der Dosis immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Vielfach fühlen sich die Patienten schon nach kurzer Behandlungszeit vollkommen gesund und sehen nicht ein, warum sie ihre Medikamente weiter anwenden sollen. Doch es geht ihnen nur besser, weil sie ihre Medikamente vorbeugend einnehmen! Natürlich ist es nach dem Stufenbehandlungsprinzip jederzeit möglich und auch sinnvoll, die Behandlung an den Zustand anzupassen. Der Zustand der Atemwege muss jedoch vom Arzt bzw. zu Hause regelmäßig mit einem so genannten PeakFlow-Meter kontrolliert werden.

Was ist ein Peak-Flow-Meter? Das Peak-Flow-Meter, in das man hi­ neinbläst, gibt an, mit welcher Geschwindigkeit man ausatmet, und zeigt, wie gut das Asthma eingestellt ist. Bei Veren-


Erkrankungen der unteren Atemwege gung der Atemwege wird die Luft langsamer entweichen als aus freien Bronchien. Bei gesunden Menschen liegt der Peak-Flow-Wert etwa zwischen 400 und 700 l/min. Bei Asthmatikern liegt der gemessene Wert meist unter 400 l/min. Am besten Sie tragen die gemessenen Werte in ein Asthma-Tagebuch ein, das Sie dann Ihrem behandelnden Arzt zeigen. Danach kann er eine Anpassung der Behandlung vornehmen. Der Patient wird heute geschult, seinen Medikamentenplan selbst zu steuern. Voraussetzung ist jedoch, dass man die Messung und die Symptomerkennung beherrscht und lernt, mit der Erkrankung umzugehen.

Was bedeutet Asthmakontrolle? Einerseits ist damit die optimale medikamentöse Einstellung gemeint, die verhindert, dass man Atemnotanfälle bekommt. Andererseits bedeutet die Kontrolle über das eigene Asthma aber auch Selbstmanagement. So lernen Betroffene in Patientenschulungen, wie sie mit ihrem Asthma umgehen sollen. Das beinhaltet Alltagsverhalten, Atemübungen, atmungserleichternde Positionen ebenso wie die Anwendung der Medikamente. Ein wichtiger Punkt ist das richtige Verhalten im Notfall. Medikamentös optimal eingestellte und gut geschulte Patienten können ein völlig normales Leben führen, ohne ihre Krankheit zu bemerken.

Dürfen Asthmatiker Sport betreiben? Sie dürfen nicht nur, sie sollen es sogar! Nur wenige Patienten mit besonders schwerem Asthma sind von Sport ausgenommen.

Viele prominente Beispiele von asthmakranken Sportlern zeigen, dass sogar Leistungssport möglich ist. Voraussetzung ist die optimale medikamentöse Einstellung und dadurch Beschwerdefreiheit. Allerdings sollte vor der Sport­ ausübung immer vom Arzt grünes Licht gegeben werden – vor allem bei Kindern mit Belastungsasthma. Auf jeden Fall muss das Notfallmedikament stets mitgeführt werden. Und jedes Kind sollte wissen, wie es diese Medikamente bei Atemnot alleine anwendet. Grundsätzlich wirkt sich gute körperliche Fitness jedoch günstig auf Asthma aus. Wie bei jedem Menschen verbessert Sport auch bei Asthmatikern die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität. Außerdem wird dadurch die Atemmuskulatur gestärkt. Problematisch könnte Sport bei Kälte sein oder (für Allergiker) während der Pollensaison. Nicht geeignete Sportarten sind Flaschentauchen und Klettern im Hochgebirge.

Sport ist für Asthmatiker nicht nur erlaubt, sondern sogar empfohlen


Asthma-Test: Überprüfen Sie Ihre AsthmaKontrolle!

Der Asthma-KontrollTest (ACTTM) kann Menschen mit Asthma (Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene) beim Einschätzen ihrer Asthmakontrolle helfen. Kreuzen Sie bitte bei jeder Frage die entsprechende Antwort an. Es gibt insgesamt 5 kurze Fragen. Sie können die Gesamtpunkteanzahl für diesen Test zur Asthmakontrolle berechnen, indem Sie die Punkte für Ihre Antworten zusammenzählen. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt über das Ergebnis.

Bestimmen Sie Ihre Asthma-Punkte! Antworten Sie bitte so ehrlich wie möglich. Das hilft Ihnen und Ihrem Arzt, über Ihr Asthma zu sprechen und herauszufinden, wie stark Ihr Asthma tatsächlich ist. Frage 1 Wie lange hat Ihr Asthma Sie in den letzten 4 Wochen daran gehindert, bei der Arbeit, in der Schule/im Studium oder zu Hause so viel zu erledigen wie sonst?  Die ganze Zeit  Die meiste Zeit  Einen Teil der Zeit  Einen kleinen Teil der Zeit  Nie 

Punkte 1❑ 2❑ 3❑ 4❑ 5❑

Frage 2 Wie oft haben Sie in den letzten 4 Wochen unter Kurzatmigkeit/Atemnot gelitten? Mehr als 1x am Tag 1x am Tag  3- bis 6x pro Woche  1- oder 2x pro Woche  Überhaupt nicht 

50 Lunge und Atemwege verstehen 2013

1❑ 2❑ 3❑ 4❑ 5❑


Frage 3 Wie oft sind Sie in den letzten 4 Wochen wegen Ihrer Asthmabeschwerden (pfeifendes Atemgeräusch, Husten, Kurzatmigkeit, Engegefühl oder Schmerzen in der Brust) nachts wach geworden oder morgens früher als gewöhnlich aufgewacht? 4 oder mehr Nächte pro Woche  2 bis 3 Nächte pro Woche  1x pro Woche  1- oder 2x  Überhaupt nicht 

1❑ 2❑ 3❑ 4❑ 5❑

Frage 4 Wie oft haben Sie in den letzten 4 Wochen Ihr Notfallmedikament zur Inhalation (Dosieraerosol, Trockeninhalation) eingesetzt? 3x oder öfter am Tag  1- oder 2x am Tag  2- oder 3x pro Woche  1x pro Woche oder seltener  Überhaupt nicht 

1❑ 2❑ 3❑ 4❑ 5❑

Frage 5 Wie bewerten Sie Ihre Asthmakontrolle in den letzten 4 Wochen? Nicht kontrolliert  Schlecht kontrolliert  Etwas kontrolliert  Gut kontrolliert  Vollkommen kontrolliert  Summe der Punkte

1❑ 2❑ 3❑ 4❑ 5❑

Zählen Sie bitte Ihre Punkte zusammen. Hier die Auflösung:

25 Punkte – herzlichen Glückwunsch! Sie hatten Ihr Asthma in den letzten 4 Wochen vollkommen unter Kontrolle. Sie hatten keine Beschwerden und haben keine Einschränkungen durch Ihr Asthma erfahren. Sollte sich dies einmal ändern, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

20 bis 24 Punkte – im Zielbereich Sie hatten Ihr Asthma in den letzten 4 Wochen wahrscheinlich gut, aber nicht vollkommen unter Kontrolle. Ihr Arzt kann Ihnen dabei helfen, eine bessere Kontrolle zu erreichen.

Weniger als 20 Punkte – nicht im Zielbereich Sie hatten Ihr Asthma in den letzten 4 Wochen wahrscheinlich nicht unter Kontrolle. Ihr Arzt kann Ihnen Maßnahmen empfehlen, die Ihnen helfen, Ihr Asthma besser zu kontrollieren.

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Lunge und Atemwege verstehen 2013 51


Erkrankungen der unteren Atemwege

Akute Bronchitis schwillt. Die Atemwege werden verengt, es wird vermehrt Schleim produziert, mit dem die Keime aus dem Körper abtransportiert werden sollen. Starker Husten ist die Folge.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Wie äußert sich eine akute ­Bronchitis? Sie tritt üblicherweise im Rahmen einer viralen Erkältung bzw. im Anschluss daran auf. Die häufigsten Beschwerden sind starker, zuerst trockener, dann verschleimter Husten mit zähflüssigem Auswurf. Ist dieser weißlich, so deutet dies auf eine Virusinfektion hin; gelblicher Auswurf weist auf eine Beteiligung von Bakterien hin. Der Husten bereitet auch oft Schmerzen. Manchmal tritt zusätzlich Fieber auf.

Was passiert bei einer akuten Bronchitis? Wenn Bronchitiserreger (Viren oder Bakterien) die Schleimhaut der Atemwege befallen, so beeinträchtigt das den Mechanismus zur Selbstreinigung der Atemwege. Daher bleiben Keime in der Bronchialschleimhaut zurück. Es kommt zu einer Entzündung, wodurch diese an52 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Oft heilt eine akute Bronchitis von selbst ab. Gegen die unangenehmen Symptome helfen reichlich Flüssigkeitszufuhr, Schonung, Inhalationen und schleimlösende synthetische oder pflanzliche Hustenmittel (siehe „Husten“, Seite 36).

Wann kommen Antibiotika zum Einsatz? Die Gabe von Antibiotika ist nur dann sinnvoll, wenn die akute Bronchitis als Sekundärinfektion, verursacht durch Bakterien, auftritt. Denn Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. In den meisten Fällen ist die Krankheit jedoch durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nichts ausrichten können.


Erkrankungen der unteren Atemwege

Chronische Bronchitis Wie entsteht eine chronische ­Bronchitis? Werden die Atemwege jahrelang durch Schadstoffe, wie z.B. Zigarettenrauch, Staub oder Umweltgifte, geschädigt, kommt es zu einer dauerhaften Reizung und Schwellung der Atemwege. Da regelmäßig eingeatmete Schadstoffe die Flimmerhärchen in den Bronchien zerstören, können diese ihre Reinigungsfunktion nicht mehr wahrnehmen. Die Schadstoffe bleiben in den Bronchien und führen in der Folge zu Reizung und Entzündung.

Was sind die Symptome einer chronischen Bronchitis? Um die Schadstoffe aus den Bronchien abzutransportieren, wird besonders viel schleimiges, zähes Sekret als Transport-

mittel produziert. Die Folge ist anhaltender Husten mit Auswurf. Chronische Bronchitis bei Rauchern kann ein Vorstadium der COPD sein (siehe Seite 54).

Wie wird eine chronische Bronchitis behandelt? Wichtigste Maßnahme ist der sofortige Rauchstopp bzw. sollten andere Schadstoffe gemieden werden. Schleimlösende Mittel können helfen, das zähe Sekret zu verflüssigen, damit es abgehustet werden kann. Nicht sinnvoll sind hustendämpfende Mittel, weil ja durch den Husten die Schadstoffe im Schleim aus dem Körper entfernt werden sollen. Eventuell werden auch bronchienerweiternde oder entzündungshemmende Medikamente zum Inhalieren eingesetzt.

Chronisch-obstruktive ­Bronchitis Was ist eine chronisch-obstruktive Bronchitis? Diese stellt quasi eine „Weiterentwicklung“ der chronischen Bronchitis in Richtung COPD dar und ist bereits ein Bestandteil dieser Krankheit. Zur Schwellung und übermäßigen Schleimbildung in den Bronchien kommt eine dauerhafte Verengung der Atemwege hinzu. Atmen Menschen, die unter chronischer Bronchitis leiden, weiterhin Schadstoffe ein, so führen die permanente Reizung und die fortlaufende Schadstoffzufuhr zur Ein-

wanderung von Abwehrzellen. Dadurch schwillt nicht nur die Schleimhaut an, sondern auch die zarte Muskelschicht und das Lungengewebe werden angegriffen und verdickt. Die Atemwege werden eingeengt und verlieren ihre Elastizität. Sie werden schwer durchgängig, daher bleibt Luft auch in den Bronchien zurück. Dies wird als Atemnot empfunden und es kann bereits zu irreparablen Schäden der Atemwege kommen. Näheres über Verlauf und Behandlung siehe Kapitel COPD (ab Seite 54). Lunge und Atemwege verstehen 2013 53


Erkrankungen der unteren Atemwege

COPD Was bedeutet COPD? Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und bedeutet: C – chronic (= chronisch, dauerhaft) O – obstructive (= verengend) P – pulmonary (= die Lunge/Atemwege betreffend) D – disease (= Krankheit) COPD ist eine schwere Erkrankung der Lunge mit langsam fortschreitender Verschlechterung der Lungenfunktion und massiver Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Sie entsteht infolge einer langjährigen Schädigung der Lunge durch Schadstoffe, in erster Linie durch Rauchen.

Wer ist betroffen? In Österreich ist mehr als ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung über 40 Jahren von COPD betroffen – vor allem Raucher. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch, da sich viele Patienten in den Stadien 1 und 2 befinden, in denen die Krankheit oft noch nicht diagnostiziert ist. Erkrankten früher hauptsächlich Männer an COPD, so betrifft die Krankheit mittlerweile auch Frauen in gleichem Ausmaß.

Was ist die Ursache von COPD? Grundsätzlich besteht bei familiärer Vorbelastung ein höheres Risiko, die Krankheit zu entwickeln. Es gibt eine Spezialform eines vererbten Mangels an einem bestimmten Eiweiß (Alpha-1-An54 Lunge und Atemwege verstehen 2013

titrypsin), der zur Zerstörung der elastischen Fasern der Lunge und zum Lungenemphysem führt. Das Risiko wird erhöht, wenn weitere Faktoren wie das langjährige Einatmen von Schad- und Reizstoffen hinzukommen. Daher sind in erster Linie Raucher von der Krankheit betroffen. Aber auch Feinstaub, Passivrauchen und Belastung der Atemluft am Arbeitsplatz sind Risikofaktoren für COPD.

Wie entsteht die Krankheit? Wenn die Lunge jahrelang Schadstoffen ausgesetzt ist, werden die für die Selbstreinigung der Bronchien verantwortlichen Flimmerhärchen (siehe Seite 11) verändert und der Abtransport schädlicher Partikel funktioniert nur noch eingeschränkt. In der Folge kommt es zu einer chronischen Schwellung und übermäßigen Schleimbildung in den Atemwegen (chronische Bronchitis), sodann zu einer dauernden Verengung der Atemwege (obstruktive Bronchitis) und schließlich zur Zerstörung der Lungenbläschen und deren Überblähung (Lungenemphysem). Durch die verminderte Anzahl an Lungenbläschen kann weniger Sauerstoff aufgenommen werden. Es kommt zu einer starken und nicht reversiblen Beeinträchtigung der Lungenfunktion mit Atemnot und Leistungsschwäche. Auch die Lebenserwartung ist verkürzt. Durch die verengten Bronchien kann die Luft auch nicht mehr vollständig ausgeatmet werden; die Fol-


Erkrankungen der unteren Atemwege

ge ist eine Art Luftstau, den COPD-Patienten als Atemnot verspüren.

Was sind die häufigsten Symptome einer COPD? 1. Husten mit Auswurf: Betroffene husten vor allem morgens nach dem Aufwachen stark, später kann Husten zu jeder Tageszeit auftreten. Der Husten ist von weißlich-gelblichem Auswurf begleitet. Denn die Lunge versucht, durch vermehrte Schleimbildung die Schadstoffe abzufangen und durch Aushusten wieder zu entfernen. 2.  Atemnot und eingeschränkte Leistungsfähigkeit: Sind die Bronchien

verdickt und bereits Lungenbläschen zerstört, so bekommen Patienten bei Belastung weniger Luft. Die Atemnot tritt anfangs nur bei körperlicher Belastung auf, später auch in Ruhe. 3.  Häufige und schwere Atemwegsinfekte: Im vermehrt gebildeten Schleim, der nicht vollständig ausgehustet werden kann, siedeln sich leicht Bakterien an, die sich in diesem Milieu auch gut vermehren können. Häufige und schwere Atemwegsinfekte sind daher die Folge. Die Symptome zeigen sich der Krankheitsentwicklung gemäß schleichend, sodass viele das Anfangsstadium gar Lunge und Atemwege verstehen 2013 55


Erkrankungen der unteren Atemwege nicht als Krankheit wahrnehmen. Man spricht von einem lästigen „Raucherhusten“. Kurzatmigkeit schiebt man häufig auf das Älterwerden. Daher gehen viele Patienten erst in einem späteren Stadium zum Arzt. Dabei wäre ein frühzeitiger Behandlungsbeginn enorm wichtig!

Wie entwickelt sich die Krankheit? Man teilt den Krankheitsverlauf in vier Schweregrade ein: Schweregrad 1 bezeichnet eine leichtgradige COPD. Den Betroffenen ist die bereits eingeschränkte Lungenfunktion nicht bewusst, manchmal treten zwar bereits Husten und Auswurf auf, aber nicht immer. Atemnot wird noch nicht bemerkt. Am ehesten wird dieses Krankheitsstadium durch eine Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Im Schweregrad 2 (mittelgradige COPD) kommt es zu Husten, Auswurf sowie Kurzatmigkeit bei Belastung. Schweregrad 3 (schwere COPD): Die Symptome sind stärkere Kurzatmigkeit, verminderte Belastbarkeit, akute Verschlechterung des Krankheitsbildes mit

häufigem Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot. Schweregrad 4 (sehr schwere COPD): gravierende Verschlechterung der Kurzatmigkeit und Belastbarkeit, oft auch lebensbedrohlicher Verlauf. Fallweise sind eine Sauerstofftherapie und künstliche Beatmung notwendig.

Was versteht man unter Exazerbation? Mit diesem Begriff bezeichnen Ärzte akute oder schleichende Verschlechterungen der COPD-Erkrankung, also Krankheitsschübe. Diese müssen sehr ernst genommen werden, weil sie lebensbedrohend sein können. Es ist also auf jeden Fall der Arzt aufzusuchen.

Wodurch kann eine Verschlechterung ausgelöst werden? Häufig im Winter durch Erkältungen und Atemwegsinfekte. Aber auch extreme Wetterlagen wie Hitze, Kälte oder hohe Luftfeuchtigkeit können eine Exazerbation auslösen. Zu den Risikofaktoren zählen außerdem Luftverschmutzung wie Smog, Rauch und Staub.

Wie erkennt man eine Exazerbation? • Die Atemnot verstärkt sich. • Mehr Husten • Engegefühl im Brustraum • Die Auswurfmenge nimmt zu. • Der Schleim lässt sich noch schwerer als sonst abhusten. • Die Farbe des abgehusteten Schleims verändert sich von durchsichtig zu grünlich-gelb. • Allgemeines Krankheitsgefühl • Die Verschlechterung hält länger als zwei Tage an. 56 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Erkrankungen der unteren Atemwege Darüber hinaus wird bei der COPD auch noch das Krankheitsrisiko für Fortschreiten und Verschlechterung beurteilt: Dafür benötigt man die Krankengeschichte – man muss wissen, wie oft der Betroffene unter Krankheitsverschlechterungen mit Infektionen, vermehrter Atemnot, vor allem mit Spitalseinweisung, leidet. Ausschlaggebend ist auch, wie stark die täglichen Symptome sind, d.h. wie weit sie den Betroffenen daran hindern, ein normales Leben zu führen. Diese Risikofaktoren werden als Grade A, B, C oder D angegeben. A bedeutet das niedrigste Risiko, D das höchste. Jeder COPD-Patient sollte seinen Schweregrad und den Risikograd kennen, aber vor allem verstehen, was dies in der Therapie bedeutet.

Kurzatmigkeit kann ein Anzeichen für COPD sein

58 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Warum sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung so wichtig? Gerade im Anfangsstadium sind die Chancen groß, ein Fortschreiten der Krankheit und die Zerstörung der Lunge zu bremsen. Denn die ersten Zeichen der Krankheit verschwinden nicht von selbst, sondern die COPD schreitet, wenn sie unbehandelt bleibt, voran und verschlimmert sich. Mit sofortigem Rauchstopp und entsprechenden Medikamenten sowie Lebensstilmaßnahmen lässt sich die Erkrankung jedoch aufhalten.

Wie wird COPD diagnostiziert? Die wichtigste Untersuchung ist die Messung der Lungenfunktion. Dabei wird festgestellt, wie groß das Lungenvolumen ist und ob eine Verengung der Bronchien besteht. Man unterscheidet zwischen großer und kleiner Lungenfunktions­ ­ messung (siehe Seite 12). Während bei Asthmatikern die Lungenfunktion in anfallsfreien Phasen relativ normal ist, ­ ­ändern sich die Werte bei COPD auch bei vorübergehender Beschwerdefreiheit nicht. Die Lungenfunktion bleibt ein für alle Mal ein­geschränkt. Den Lungenfunktionswert bezeichnet man als FEV1-Wert. Mit der Lungenfunktionsmessung kann auch der Schweregrad der COPD festgestellt werden. Weitere Untersuchungen sind z.B. Röntgen, Abhören mit dem Stethoskop, Blutgasanalyse und Belastungsuntersuchungen. Wichtig ist auch, die anderen Organe nach Begleiterkrankungen zu untersuchen, vor allem Herzerkrankungen, da diese häufig in Kombination mit COPD auftreten und oft durch die Symptome der COPD überlagert werden.


Erkrankungen der unteren Atemwege

Kann man COPD vorbeugen? Obwohl bei manchen Menschen die ­Vererbung eine Rolle spielt, ist in den allermeisten Fällen doch jahrzehntelanges Rauchen für die Entstehung der Krankheit verantwortlich. Daher sind die wirksamsten Vorbeugemaßnahmen Rauchstopp und Vermeiden von Passivrauch. Zusätzlich sollte man sich vor Reiz- und Schadstoffen in der Luft bzw. am Arbeitsplatz sowie vor Feinstaub schützen. Ebenfalls wichtig ist der Impfschutz vor Influenza- und Pneumokokken-Infektion. Einen positiven Einfluss hat auch die Stärkung der Abwehrkräfte und der Kondition durch regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung.

Kann man durch körperliche ­Schonung Kurzatmigkeit vermeiden? Nein, im Gegenteil! Wer sich zu sehr schont, verliert an Muskelkraft und Kondition. Der gesamte körperliche Zustand verschlechtert sich. Hingegen kann regelmäßige körperliche Bewegung die Leistungskraft erhalten, das Wohlbefinden steigern und sogar die Beschwerden einer COPD lindern.

Wie wird COPD behandelt? Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Als Medikamente kommen zum Einsatz: • Bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatoren): Diese Medikamente verringern die Muskelspannung in den Bronchien und führen damit zu einer Erweiterung der Atemwege. Für akute Atemnot stehen

kurz und schnell wirksame, für die Vorbeugung und Langzeittherapie lang wirksame ­Bronchodilatoren zur Verfügung. Die Medikamente werden üblicherweise inhaliert. Zwei unterschiedliche Wirkstoffgruppen stehen einzeln oder in Kombination zur Verfügung: Anticholinergika und Betamimetika als 24 Stunden wirksame Präparate muss man nur einmal täglich inhalieren. Lang wirksame Bronchodilatoren stellen die Basismedikation bei COPD dar. Medikamente mit den Wirkstoffen Tiotropium und Glycopyrroniumbromid sind 24 Stunden wirksam, Medikamente mit den Wirkstoffen Aclidiniumbromid, Formoterol und Salmeterol 12 Stunden. Anticholinergika blockieren die Muskelspannnung in den Bronchien, sodass die Luft leichter in die Lunge hinein- und wieder hinausströmen kann. Denn bei COPD spannen sich die Muskeln im Bereich der Atem­ wege an. Dadurch wird das Atmen erschwert. Tiotropium ist das Langzeitmedika­ment, das am längsten am Markt ist und daher am häufigsten als erstes Behand­lungsmedikament eingesetzt wird. Das neue Aclidiniumbromid und Glycopyrroniumbromid gehören in dieselbe Gruppe von Medikamen­ten. Glycopyrronium­ bromid muss einmal täglich inhaliert werden, Aclidiniumbromid und Salmeterol müssen zweimal täglich inhaliert werden. Die regelmäßige Therapie mit diesen Medikamenten reduziert die gefürch­teten Exazerbationen. Lunge und Atemwege verstehen 2013 59


Lungenemphysem Was versteht man unter einem ­Lungenemphysem? Das Lungenemphysem ist, wie bereits erwähnt, eine Form der COPD und ruft auch ähnliche Symptome hervor: Atemnot anfangs bei Belastung, später auch in Ruhe, durch den Sauerstoffmangel eventuell zusätzlich bläuliche Verfärbung der Lippen, der Fingerspitzen und/oder der Zehenspitzen. Ursache dieser Beschwerden ist eine Vergrößerung (Überblähung) eines Teils der Lunge, was zu erhöhtem Platzbedarf im Brustraum führt und den gesunden Lungenbereich einengt. Es befindet sich zu viel Luft im kranken Lungenlappen, die nicht entweichen kann. Eine normale Atmung ist nicht möglich.

Wie wird ein Lungenemphysem behandelt? Die wichtigsten Erstmaßnahmen sind Rauchstopp sowie die Therapie mit Medikamenten, die die Atemwege erweitern bzw. entzündliche Prozesse hemmen (siehe dazu „Medikamentöse Behandlung der COPD“ ab Seite 59). Im fortgeschrittenen Stadium ist wie generell bei COPD oft eine Sauerstofftherapie notwendig. Eventuell kann eine Operation (eine chirurgische Reduktion des Lungenvolumens bzw. eine Lungentransplantation) in Erwägung gezogen werden. Neben diesen sehr invasiven Eingriffen hat sich zur Reduktion des Lungenvolumens in den letzten Jahren ein vergleichsweise kleines Verfahren etabliert: die broncho60 Lunge und Atemwege verstehen 2013

skopische Lungenvolumenreduktion, deren bekannteste Form die Ventiltherapie ist.

Was versteht man unter der Lungenventiltherapie? Der Eingriff, der keine Operation darstellt, erfolgt im Rahmen einer Broncho­ skopie (Lungenspiegelung), und zwar in Vollnarkose. Über Mund oder Nase wird ein Bronchoskop – ein optisches, schlauchförmiges Gerät mit einer kleinen, beweglichen Kamera – bis in die Bronchien und die Lungen eingeführt. Über einen angeschlossenen Messkatheter werden zunächst die Luftströme gemessen, die für den möglichen Erfolg der Therapie aussagekräftig sind. Spricht das Ergebnis für eine Ventiltherapie, so setzt der Arzt kleine Einwegventile in die Lunge ein. Durch das Einsetzen dieser Ventile wird verhindert, dass noch mehr Luft in die ohnehin krankhaften, überblähten Areale strömt. Gleichzeitig sorgen die Ventile dafür, dass Luft und Schleim entweichen können. Der überblähte Lungenlappen entleert sich auf diese Weise und verkleinert oft schon binnen Minuten sein Volumen. Die gesunden Lungenbereiche


haben nun mehr Platz zum Atmen. Damit kann die Atemnot verringert und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden.

Wie viele Ventile werden dabei ­eingesetzt? In der Regel implantiert der Arzt drei bis fünf Ventile, die einen Durchmesser von jeweils 4–8,5 mm haben.

Aus welchem Material besteht ein solches Ventil? Es besteht aus Nitinolgeflecht, das mit Silikon ummantelt ist. Das Material ist im Körper sehr gut verträglich.

Ist für die Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich? Ja, der Patient bleibt drei bis fünf Tage im Spital. Danach erfolgen ein Jahr lang in regelmäßigen Abständen ambulante Nachsorgeuntersuchungen.

Wie lange bleiben die Ventile in der Lunge? Tritt nach der Ventilimplantation der gewünschte Erfolg ein, so bleiben die Ventile dauerhaft in der Lunge. Ist die Wirkung jedoch nicht zufriedenstellend oder kommt es zu Komplikationen, können die Ventile in einer neuerlichen Bronchoskopie ohne viel Aufwand wieder entfernt werden.

Für welche Patienten eignet sich die Lungenventiltherapie? Die bisher durchgeführten Studien haben ergeben, dass vor allem Patienten mit einem so genannten heterogenen (= ungleichmäßig verteilten) Lungenemphysem von der Behandlung profitieren.

Gibt es Ausschlusskriterien? Schwere Begleiterkrankungen sowie eine akute Entzündung, ein Atemwegsinfekt oder starke Verschleimung sind Gründe, den Eingriff zu verschieben. Folgende Erkrankungen stellen eine Kontraindikation dar: Lungenhochdruck, Tumorverdacht, Vernarbungen, Verwachsungen sowie eine vorangegangene Teilentfernung der Lunge.

Eignet sich die Behandlung auch für Raucher? Nein. Vor dem Eingriff ist eine strikte Nikotinabstinenz von mindestens drei ­ Monaten erforderlich. Auch danach sollte lebenslang nicht mehr geraucht werden. Lunge und Atemwege verstehen 2013 61


Wo in Österreich wird eine ­Lungenventiltherapie durchgeführt? Folgende Behandlungszentren haben sich auf den Einsatz von Ventilen zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion spezialisiert: Wien (auch für Patienten aus dem Burgenland) Otto-Wagner-Spital, Lungenvolumenreduktions-Programm/Ludwig-Boltzmann-Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie – Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber Sanatoriumstraße 2, 1145 Wien Leiter des LVR-Programms: OA Doz. Dr. A. Valipour LVR-Koordination: Dr. I. Firlinger, Dr. S. Asadi Tel.: 0664/438 53 55 E-Mail: info@emphysem.at

Niederösterreich Landesklinikum Krems a. d. Donau, Abteilung für Pneumologie – Prim. Dr. Peter Errhalt Mitterweg 10, 3500 Krems Ansprechperson: OA Dr. Riegler Tel.: 02732/900 44 247 (Anmeldung für Allgemeine Lungenambulanz)

Oberösterreich Krankenhaus der Elisabethinen Linz, Abteilung für Pneumologie – Prim. Dr. Josef Bolitschek Fadingerstraße 1, 4020 Linz Ansprechperson: OA Dr. Wimberger, Dr. Zillinger, Tel.: 0732/7676-6060 (Lungenemphysem- und Ventilambulanz) LKH Vöcklabruck, Abteilung für Lungenkrankheiten – Prim. Dr. Bernhard Baumgartner Wilhelm-Bock-Straße 1, 4840 Vöcklabruck Ansprechperson: Prim. Dr. Baumgartner Tel.: 05 05 5471-25440 (Allgemeine Lungenambulanz) 62 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Steiermark (auch für Patienten aus dem Burgenland) LKH – Universitätsklinikum Graz Univ.-Klinik für Chirurgie/Abteilung für Thoraxchirurgie – Univ.-Prof. Dr. Freyja-Maria Smolle-Jüttner Auenbruggerplatz 29, 8036 Graz Ansprechperson: OA Dr. Renner Tel.: 0316/385-818 95 od. 0664/833 03 37 E-Mail: heiko.renner@medunigraz.at LKH Graz-West, Abteilung für Pulmologie – Prim. Dr. Gert Wurzinger Göstinger Straße 22, 8020 Graz Ansprechperson: OA Dr. Ambrosch Tel.: 0316/5466-0 (Pulmologische Tagesklinik)

Kärnten Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, Abteilung für Pulmologie – Prim. Dr. Christian Geltner Feschnigstraße 11, 9020 Klagenfurt Ansprechperson: Prim. Dr. Geltner Tel.: 0463/538-313 70 E-Mail: sekretariatlunge@lkh-klu.at

Salzburg Salzburger Universitätsklinikum, Abteilung für Pneumologie – Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Studnicka Müllner Hauptstraße 48, 5020 Salzburg Ansprechperson: OA Dr. Porsch Tel.: 0662/4482-3310 (Lungenambulanz)

Tirol LKH Natters, Abteilung für Pneumologie – Prim. Dr. Herbert Jamnig In der Stille 20, 6161 Natters Ansprechperson: OA Dr. Hackl Tel.: 0512/5408-483 15 (Zentrale Aufnahme)

Vorarlberg Landesklinikum Hohenems, Abteilung für Pulmologie – Prim. Dr. Peter Cerkl Bahnhofstraße 31, 6845 Hohenems Ansprechperson: Dr. Koch Tel.: 05576/703-5535 (Pulmologische Ambulanz)


Erkrankungen der unteren Atemwege Kurz wirksame Bronchodilatoren (z.B. Ipratropiumbromid) kommen fallweise bei akuter Atemnot zum ­Einsatz. Ebenfalls bronchienerweiternd wirkt Theophyllin, das meist in Tablettenform eingenommen wird. Theophyllin wird allerdings erst dann angewendet, wenn die oben genannten Bronchodilatoren keine zufrieden stellende Besserung bringen. • Antientzündliche Medikamente: Da die Verengung der Bronchien unter anderem auf eine Entzündung der kleinen Luftwege zurückzuführen ist, kommt diesen Medikamenten ebenfalls große Bedeutung zu. Die am stärksten entzündungshemmend wirkende Substanz ist Kortison. Es wird meist in Form von Sprays und Pulverinhalation anwendet. Bei akuten Krankheitsschüben (Exazerbationen) kann kurzfristig auch eine Kortison-Stoßtherapie durchgeführt werden. Hier wird Kortison in Tablettenform eingesetzt. Als besonders wirksam hat sich die Kombination von langfristigen Bronchodilatoren mit inhalativem Kortison erwiesen. Ebenfalls entzündungshemmend wirkt die Substanz Roflumilast in Tablettenform. Roflumilast eignet sich allerdings nicht für alle COPD-Patienten und wird nur bei schwerer COPD verordnet. • Schleimlösende Medikamente: Viele Patienten haben Probleme mit dem Abhusten des zähflüssigen Schleims. Hier können Wirkstoffe eingesetzt werden, die den Schleim verflüssigen und so das Abhusten erleichtern.

• Sauerstofftherapie: In fortgeschrittenen Stadien der COPD kann die Lunge nicht mehr ausreichend arbeiten. Das führt zu einem Sauerstoffmangel im Blut. Durch eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff wird das Gewebe besser damit versorgt und so die Atemmuskulatur entlastet. Studien haben gezeigt, dass eine Langzeit-Sauerstofftherapie die Lebenszeit der Patienten verlängert und ihre Lebensqualität verbessert. Sauerstoff vermindert die Atemnot, verbessert die Leistungsfähigkeit, sorgt für erhol­­ samen Schlaf und erhöht die Lebens­ qualität. Die Krankheit selbst kann durch eine Sauerstoffbehandlung aber nicht geheilt oder gebessert werden. Folgende Möglichkeiten der Sauerstoffversorgung stehen heute zur Verfügung: Der Tank p Flüssigsauerstofftank:  wird einmal wöchentlich getauscht. Er ist mit einem tragbaren Gerät kombiniert. Dieses Gerät p Sauerstoffkonzentrator:  nimmt den Sauerstoff aus der Raumluft auf und gibt ihn in höheren Konzentrationen an den Patienten ab. Diese Geräte sind einerseits als Standgeräte, andererseits als kleine, tragbare Geräte ausgeführt. Ein Folder der Selbsthilfegruppe LOT Austria zu diesem Thema kann unter der Hotline 0800/29 21 16 angefordert werden.

Über eine Sauerstoffbrille erhält der Patient die notwendige Versorgung aus einem Sauerstoffgerät


Erkrankungen der unteren Atemwege

Die richtige Therapie für jeden Schweregrad: • Schweregrad 1: Medikamentöse Behandlung: bei Atemnot kurz wirksame Bronchodilatoren, die inhaliert werden und bis zu vier Stunden wirken Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Rauchstopp, Patientenschulung, Bewegung, Ernährungsumstellung • Schweregrad 2: Medikamentöse Behandlung: bei Atemnot kurz wirksame Bronchodilatoren wie in Stadium 1; als Dauertherapie lang wirksame Medikamente. Bei häufigen Verschlechterungen (Exazerbationen) kann zusätzlich Kortison zum Inhalieren angewendet werden. Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Zusätzlich zu Raucherentwöhnung und Patientenschulung mit Lebensstilumstellung werden auch Kraft- und Ausdauertraining empfohlen. • Schweregrad 3: Medikamentöse Behandlung: zusätzlich zu lang und kurz wirksamen bronchienerweiternden Medikamenten inhalatives Kortison als Dauertherapie Nicht-medikamentöse Maßnahmen: wie in Stadium 2; zusätzlich eventuell Ernährungsberatung und Atemmuskeltraining • Schweregrad 4: Medikamentöse Behandlung: Neben den Maßnahmen wie bei Schweregrad 3 brauchen die Patienten meist auch eine Sauerstofftherapie. Bei Krankheitsschüben (Exazerbationen) wird Kortison in Tablettenform gegeben. Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Nächtliche Beatmung über eine Atemmaske kann die Atemmuskulatur entlasten. Es besteht auch die Möglichkeit einer Lungenoperation.

64 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Das Medikament wirkt nur ausreichend, wenn es richtig inhaliert wird

Welche Vorteile haben Medikamente zum Inhalieren? Durch die Inhalation gelangen sie direkt an den Ort, wo sie ihre Wirkung entfalten. Daher ist das Risiko von Nebenwirkungen im Organismus gering. Außerdem ist die Wirkung besonders effizient, sodass im Vergleich zur Tabletteneinnahme eine geringere Dosis ausreicht.

Wie inhaliere ich richtig? Bei der Anwendung von Inhalatoren kommt es immer wieder zu Fehlern, die eine ungenügende Wirkung des Medikaments zur Folge haben. Es gibt verschiedene Inhalationssysteme; die wichtigsten sind Dosieraerosole, Spacer, Diskus und Pulverinhalatoren. Sie unterscheiden sich zwar in der Anwendung, doch gelten für alle Systeme folgende Grundprinzipien: • Vor der Inhalation langsam und entspannt ausatmen. • Inhalation auslösen und dabei ganz tief durch den Mund einatmen. • Nach dem Einatmen für 5 bis 10 Sekunden den Atem anhalten, damit das Medikament Zeit hat, den Wirkungsort zu erreichen. • Langsam durch die Nase oder mittels Lippenbremse ausatmen. • Bis zur nächsten Inhalation mindestens 1 Minute warten.

Welches Inhalationsgerät ist für mich geeignet? Es gibt Dosieraerosole (Sprays) und Trockeninhalatoren, die das Medikament als feine, einatembare Teilchen freisetzen können. Welches Medikament am besten geeignet ist, muss durch den Lungenfacharzt festgestellt werden. Patienten haben

unterschiedliche Einatemkapazitäten und unterschiedliche Fähigkeiten, den Umgang mit Inhalationsgeräten zu beherrschen. Wer ein ungeeignetes Gerät benützt oder die Anwendung nicht richtig übt und beherrscht, ist im Grunde nicht behandelt, da der Wirkstoff die Lungen nicht in der richtigen Menge und nicht am richtigen Ort erreicht! Dies ist vermutlich der häufigste Weg zum Misserfolg der Therapie: Menschen, die das Gefühl haben, dass die Therapie nicht wirkt, weil sie falsch inhalieren! Daher ist ein Wechsel des Medikaments immer mit dem Arzt zu besprechen, der klärt, ob die Anwendungsform geeignet ist. So soll die Auswahl richtig erfolgen: 1.  Der mittlere Atemfluss des Patienten wird gemessen. 2. Das richtige Medikament wird in einem geeigneten Inhalator vom Arzt vorgeschlagen. 3. Der Patient übt die richtige Technik: ganz ausatmen, langsam und lange das freigesetzte Medikament einatmen. Die Luft für ca. 3 Sekunden anhalten, dann ausatmen. Lunge und Atemwege verstehen 2013 65


Sauerstoff auf Schritt und Tritt

Entgeltliche Einschaltung

Trotz fortgeschrittener Krankheit kann ein COPD-Patient mit mobiler Sauerstoffversorgung arbeiten und verreisen. Ausreichende Sauerstoffversorgung bildet die Grundlage für das Funktionieren aller Organe. Bei manchen Krankheitsbildern, wie z.B. COPD, ist dies aber oft nicht gegeben. So arbeitet in fortgeschrittenen Stadien der COPD die Lunge nur noch ungenügend, was zu Atemnot und gefährlichem Sauerstoffmangel im Blut führt. Dadurch wird vor allem das Herz belastet, das mit höherer Pumpleistung versucht, die Sauerstoffanlieferung an die Organe weiterhin zu gewährleisten. Daher ist die Sauerstoff-Langzeittherapie eine lebenswichtige Behandlungsform, die die Lebensqualität Betroffener verbessert und die Lebenserwartung verlängert. Einer, der dies zu schätzen weiß und dem die Sauerstofftherapie ein weitgehend normales Leben ermöglicht, ist Ralf Pohlmann aus Deutschland. Er leidet seit vielen Jahren unter schwerer COPD (Stadium 3). Seine Behandlung erfolgt über einen Sauerstoffkonzentrator. Zu Hause steht ihm der stationäre Konzentrator rund um die Uhr zur Verfügung und unterwegs ermöglicht ihm der mobile Konzentrator dank Akku- und Netzbetrieb größtmögliche Spontanität. Die Konzentratoren gewährleisten eine unkomplizierte und zuverlässige Sauerstofftherapie und haben ihm seine Lebensqualität zurückgegeben. Heute steht er wieder voll im Berufsleben und kann jederzeit problemlos verreisen.

Möglichkeiten der S­ auerstoffversorgung: • Flüssigsauerstoff: Betroffene werden zu Hause mittels eines stationären Vorratsbehälters versorgt, der in regelmäßigen Abständen aufgefüllt wird. Für den mobilen Einsatz stehen tragbare Tanks zum Selbstbefüllen zur Verfügung. • Sauerstoffkonzentratoren: Der Sauerstoffkonzentrator nimmt Sauerstoff aus der Umgebungsluft auf und gibt ihn dann in höheren Konzentrationen ab. Das „Befüllen“ entfällt. Stationäre Konzentratoren werden im häuslichen Umfeld über Netzstrom betrieben und sind für den Dauerbetrieb geeignet. Für den mobilen Einsatz stehen kleine, tragbare Geräte zur Verfügung, die sowohl über Akku als auch über Netzstrom betrieben werden können. Der Sauerstoffkonzentrator bietet daher größtmögliche Flexibilität und Mobilität.


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Erkrankungen der unteren Atemwege Das ist wahrscheinlich beim ersten Mal nicht ganz einfach, daher sollte es geübt werden. Wenn jemand mit der Anwendung Schwierigkeiten hat, kann man ein alternatives Medikament mit anderem Inhalator versuchen oder es muss eine ­ genaue Schulung durch einen Atem­ ­ therapeuten mit entsprechenden Übungsstunden durchgeführt werden. Achten Sie darauf, dass diese Vorgangsweise mit Ihrem Arzt genau besprochen wird.

Kann der Patient selbst etwas zur Behandlung beitragen? Sehr viel! Medikamente sind wichtig und können nur helfen, wenn sie lebenslang eingenommen werden. Im Gegensatz zu Asthma gibt es bei COPD keine medikamentenfreien Intervalle. Der Körper muss zusätzlich gewisse Voraussetzungen erfüllen, wenn man das Fortschreiten der Krankheit bremsen und eine gute Lebensqualität erhalten will. Dazu zählen: keine weitere Schädigung der Lunge durch Rauchen, der Aufbau von Kraft und Ausdauer sowie die Reduktion von Übergewicht.

Welche Rolle spielt Bewegung für COPD-Patienten? Eine sehr große. Denn durch Ausdauerund Krafttraining wird die Leistungsfähigkeit erhöht und die Muskulatur gestärkt. Je kräftiger Muskulatur und Herz-Kreislauf-System sind, umso später kommt es zu Atemnot. Das gilt für alle Krankheitsstadien. • Starke Muskeln kommen bei gleicher Leistung mit weniger Sauerstoff aus. • Weniger Sauerstoffbedarf bedeutet weniger Atemarbeit. • Wenn Sie weniger Energie zum Atmen aufwenden, bleibt mehr Energie für Ihre generelle Leistungsfähigkeit. • Je trainierter Sie sind, umso seltener werden Sie in Atemnot geraten. Daher ist es trotz oder gerade wegen Ihrer Kurzatmigkeit äußerst wichtig, dass Sie als COPD-Patient selbst aktiv werden und Bewegung in Ihr Leben bringen. Besonders empfehlenswert für das Ausdauertraining ist Nordic Walking, es erhöht die Sauerstoffzufuhr unabhängig Bewegungstherapie ist ein wichtiger Teil der Rehabilitation


Erkrankungen der unteren Atemwege vom Stadium der Erkrankung. Zusätzlich ist es eine gelenkschonende Bewegungsform, die alle großen Muskelgruppen beansprucht. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, er kann Ihnen sagen, welches Programm für Sie das richtige ist, und er kann Ihre Belastbarkeit ermitteln. Bewegungstherapie ist sogar Teil der Behandlung im Rahmen der Rehabilitation (siehe weiter unten) und ebenso wichtig wie die Medikamententherapie.

Was versteht man unter ­Rehabilitation? Die Rehabilitation setzt sich aus Bewegungstherapie, Lernprogrammen und Informationen über die Krankheit und deren Selbstmanagement zusammen. Die Bewegungstherapie besteht aus Ausdauer-, Kraft- und Atemmuskeltraining. Muskel- und Ausdauertraining führt zu einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, vor allem bei Trainingsprogrammen mit einer Dauer von mindestens sechs bis zwölf Wochen. Pro Woche sollte an mindestens drei Tagen trainiert werden. Im Rahmen der Rehabilitation finden alle Trainingseinheiten mit geschultem Personal statt. Das Programm beginnt mit kurzen, ganz einfachen Einheiten, die individuell abgestimmt sind. Es wird alle sechs Wochen gesteigert. Ebenfalls Teil der Rehabilitation ist die Schulung der Patienten. Sie ist wie bei jeder chronischen Krankheit der Weg zum Erfolg. Geschult wird: • die richtige Medikamenteninhalation • das Verständnis, was bei COPD im Körper passiert • die Selbstkontrolle der Krankheit

Je besser Sie trainiert sind, umso seltener werden Sie in Atemnot geraten • das Verständnis der Symptome • das Zusammenwirken der Therapiemaßnahmen

Welche Atemtechniken können bei Atemnot helfen? Es gibt spezielle Atemtechniken, die Sie im Rahmen einer Atemphysiotherapie erlernen können und die das Abhusten des Sekrets fördern, sowie bestimmte Körperhaltungen, die das Atmen erleichtern. Lunge und Atemwege verstehen 2013 69


Erkrankungen der unteren Atemwege Übung zum Abhusten von Schleim: • Setzen Sie sich auf einen Sessel und verschränken Sie die Arme unter der Brust. • Atmen Sie tief durch die Nase ein und halten Sie die Luft an. • Beim Ausatmen beugen Sie sich leicht nach vorne und husten zweimal kurz und intensiv. Husten Sie aber nicht so lange, bis Sie ganz ausgeatmet haben! • Wenn Sie während des Hustens die Hände auf den Bauch drücken, unterstützen Sie den Vorgang.

Wie schaffe ich den Rauchstopp? • Wählen Sie für den Ausstieg aus Ihrer Sucht eine Zeit, in der Sie weder beruflich noch privat besonderen Belastungen ausgesetzt sind. • Legen Sie einen bestimmten Tag für den Rauchstopp fest. • Entfernen Sie aus Ihrer Umgebung alles, was mit dem Rauchen zu tun hat. • Planen Sie viele rauchfreie Aktivitäten. • Sagen Sie Ihrer Umgebung Bescheid, wann Sie aufhören. • Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe.

Lippenbremse: Diese Übung hilft beim richtigen Ausatmen. Denn wenn Sie die Lungen nicht gut leeren, bevor Sie wieder einatmen, entsteht Atemnot. • Setzen Sie sich entspannt hin. • Legen Sie die Lippen locker aufeinander. • Atmen Sie nun langsam gezielt gegen den Widerstand der Lippen aus und blähen Sie dabei die Wangen auf. Kutschersitz: Diese Körperhaltung bringt Erleichterung bei Atemnot. • Setzen Sie sich auf einen Sessel, und zwar auf die vordere Kante, die Knie sind leicht gespreizt. • Legen Sie die Ellbogen auf die Knie, die Arme sind leicht gebeugt. • Beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorne, halten Sie dabei aber den Rücken gerade und entspannen Sie die Bauchmuskulatur. • Durch das Vorbeugen des Oberkörpers und die Dehnung des Brustkorbs vergrößert sich die Atemfläche, sodass ein tieferes Durchatmen möglich wird. 70 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Kutschersitz

Wer oder was kann mir beim ­Rauchausstieg helfen? Viele Ärzte sind auch als Rauchertherapeuten ausgebildet. Sie können professionelle


Erkrankungen der unteren Atemwege Unterstützung bieten. Auch Psychologen, Psychotherapeuten und Raucherambulanzen bieten Hilfe an. Eine einfache Mög­ lichkeit zur Unterstützung bietet das ­Rauchertelefon, eine Initiative der Sozialversicherungsträger, der Bundesländer und des Bundesministeriums für Gesundheit. Unter 0810 810 013 erhalten Sie von Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr umfangreiche Beratung. Infos auch unter www. rauchertelefon.at, www.nikotininstitut.at und www.endlich-aufatmen.at. Ebenfalls hilfreich können Nikotinersatzprodukte aus der Apotheke sein. Damit wird Nikotin, das für die Abhängigkeit verantwortlich ist, ohne die anderen

schädlichen Rauchinhaltsstoffe zugeführt. So können Entzugserscheinungen gemildert werden. Am Anfang muss die aufgenommene Menge Nikotin jener entsprechen, die durch das Rauchen konsumiert wurde. In weiterer Folge kann die Dosis stufenweise reduziert werden. An Nikotinersatzpräparaten stehen Kaugummi, Inhalator, Pflaster und Lutschtabletten zur Auswahl. Seit kurzem gibt es auch ein Spray, das Akuthilfe auf dem Weg zur Rauchfreiheit bietet. Das Spray beginnt nach 1 Minute zu wirken und wie die anderen Nikotinersatzprodukte erhöht es die ­ Chance auf den Rauchausstieg deutlich.

Neu: NICORETTE® Spray – die Akuthilfe bei Rauchverlangen Verwenden Sie NICORETTE® Spray jedoch ausreichend lange! Um Rückfälle zu vermeiden und langfristig erfolgreich rauchfrei zu sein, sollten Sie ihn nicht zu schnell absetzen und mindestens 12 Wochen benutzen. Für weitere I­nformationen und Tipps ­besuchen Sie uns auf www.nicorette.at. NICORETTE® Wirkstoff: Nikotin. Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker. Mit 2x 1 mg/Sprühstoß. Tonnesen P et al.: Efficacy and safety of a novel nicotine mouth spray in smoking cessation. A randomized, placebo-controlled, double-blind, multi-center study with a 52-week follow-up. Poster presented at SRNT, Feb 16-19th, 2011, Toronto, Canada 3 Hansson A et al.: Craving relief with a novel nicotine mouth spray form of nicotine replacement therapy. Poster presented at SRNT, Feb 16-19th, 2011, Toronto, Canada 1 2

Entgeltliche Einschaltung

In kritischen Momenten, wie z.B. beim Autofahren, beim Kaffee, bei einem geselligen Abend oder in stressigen Situationen, kann das Verlangen nach einer Zigarette für aufhörwillige Raucher besonders heftige Auswirkungen haben. Wird es innerhalb von 10 Minuten nicht gelindert, ist der Griff zur „Notfallzigarette“ fast vorprogrammiert – so entsteht in 70% der Fälle wieder eine feste Rauchgewohnheit. Der neue NICORETTE® Spray bietet in diesen kritischen Momenten schnelle, entscheidende Hilfe und lindert Ihr akutes Rauchverlangen in nur 60 Sekunden.1 So hilft er Ihnen effektiv auf dem Weg in die Rauchfreiheit – der Spray erhöht die Chance, dauerhaft rauchfrei zu werden, um das 2,5-Fache!2 Im praktischen LifestyleFormat und mit frischem Minzgeschmack ist der Spray Ihre Akuthilfe bei Rauchverlangen.3


Wie geht es Ihnen mit Ihrer COPD? Füllen Sie den COPD Assessment Test (CAT) aus! Dieser Fragebogen wird Ihnen und Ihrem Arzt helfen, die Auswirkungen der COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) auf Ihr Wohlbefinden und Ihr tägliches Leben festzustellen. Außerdem gibt er Hinweise darauf, wie stabil die Erkrankung ist bzw. ob sie sich verschlechtert hat. Ihre Antworten und das Testergebnis können von Ihnen und Ihrem Arzt dazu verwendet werden, die Behandlung Ihrer COPD zu verbessern, damit Sie bestmöglich davon profitieren.* Gehen Sie jede Frage durch und kreuzen Sie jenes Kästchen an, das derzeit am besten auf Sie zutrifft. * Sie finden den Test auch im Internet unter: www.catestonline.de

Beispiel: 0

1

2

3

4

Ich bin sehr glücklich

Ich huste nie.

Ich bin überhaupt nicht verschleimt.

Ich spüre keinerlei Engegefühl in der Brust.

Wenn ich bergauf oder eine Treppe hinaufgehe, komme ich nicht außer Atem.

5 Ich bin sehr traurig.

0

1

2

3

4

5

Ich huste ständig.

Ich bin völlig verschleimt.

0

1

2

3

4

5

0

1

2

3

4

5

Ich spüre ein sehr starkes Engegefühl in der Brust.

5

Wenn ich bergauf oder eine Treppe hinaufgehe, komme ich sehr außer Atem.

0

1

72 Lunge und Atemwege verstehen 2013

2

3

4


Ich bin bei meinen häuslichen Aktivitäten nicht eingeschränkt.

Ich bin bei meinen häuslichen Aktivitäten sehr stark eingeschränkt.

0

1

2

3

4

5

0

1

2

3

4

5

Ich schlafe tief und fest.

0

1

2

3

4

5

Wegen meiner Lungenerkrankung schlafe ich nicht tief und fest.

Ich bin voller Energie.

0

1

2

3

4

5

Ich habe überhaupt keine Energie.

Ich habe keine Bedenken, trotz meiner Lungenerkrankung das Haus zu verlassen.

Ich habe wegen meiner Lungenerkrankung große Bedenken, das Haus zu verlassen.

Ergebnis: Nehmen Sie den ausgefüllten Fragebogen zu Ihrem Arzt mit und besprechen Sie das Ergebnis mit ihm: Eine Punktzahl zwischen 0 und 10 weist auf geringe Auswirkungen hin. Eine Punktzahl zwischen 11 und 20 weist auf mittelmäßige Auswirkungen hin. Eine Punktzahl zwischen 21 und 30 weist auf starke Auswirkungen hin. Suchen Sie unbedingt Ihren Arzt auf! Eine Punktzahl zwischen 31 und 40 weist auf sehr starke Auswirkungen hin. Der COPD Assessment Test und das CAT-Logo sind Warenzeichen der GlaxoSmithKline-Unternehmensgruppe. © 2010 GlaxoSmithKline. Alle Rechte vorbehalten. Lunge und Atemwege verstehen 2013 73


Erkrankungen der unteren Atemwege

Quelle: „Husten – Atemnot – COPD“ von Dr. S. Hartl und Dr. M. Netz

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Asthma und COPD: Kriterium oder Symptom

Asthma

COPD

Symptome

p trockener Husten p Atemnot mit pfeifenden Geräuschen p Beklemmungsgefühl in der Brust

p Husten p Auswurf und Atemnot über einen längeren Zeitraum

Atemnot

p im Anfall; vorwiegend nachts bzw. am frühen Morgen p häufig saisonal (Pollen)

p bei Belastung p meist tagsüber

Husten

p Reizhusten p unproduktiv p auch nachts

p produktiver Husten (frühmorgens, „Raucherhusten“)

Auswurf (Menge)

p wenig

p viel

Alter bei Krankheits­beginn

p Kinder p Jugendliche p seltener Erwachsene

p Erwachsene über 40 Jahren

Beginn

p plötzlich p oftmals nach Heuschnupfen p nach Infekt

p langsam p allmähliche Zunahme der Beschwerden

Rauchen

p kann Asthmaanfälle auslösen

p häufigste Ursache der COPD

Allergie

p steht oft in Zusammenhang mit Asthma

p Allergien spielen keine Rolle

Verlauf der Erkrankung

p Symptome können wieder vergehen

p chronisch

Lungenfunktion

p im anfallsfreien Zeitraum oft unauffällig

p dauerhaft eingeschränkt

Übererregbarkeit der Bronchien

p ja

p selten p nicht typisch

Kortison

p wirkt gut

p wirkt schwach

74 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Erkrankungen der unteren Atemwege

Keuchhusten (Pertussis)

Wer ist von Keuchhusten betroffen? Grundsätzlich kann diese besonders ansteckende Krankheit in jedem Alter auftreten, allerdings sind Kinder häufiger betroffen. Bei ihnen sind auch die Symptome stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen.

Was sind die Symptome der ­Krankheit? Es kommt im Anschluss an Niesen, Schnupfen und Heiserkeit zu quälenden Hustenanfällen, vor allem nachts, die nicht selten mit Erbrechen enden. Typisch bei Kindern ist eine herausgestreckte Zunge beim Husten. Während 76 Lunge und Atemwege verstehen 2013

der Hustenattacken kann auch lebensgefährliche Atemnot auftreten. Häufig sind die Augen blutunterlaufen, weil durch den enormen Druck beim Husten die kleinen Äderchen unter dem Augenweiß platzen können.

Wodurch wird Keuchhusten ­verursacht? Durch Bakterien der Gattung Bordetella pertussis, die durch Tröpfcheninfektion über die Luft übertragen werden und so auf die Schleimhäute von Rachen und Bronchien gelangen. Der Husten beginnt meist ein bis drei Wochen nach der Infektion.


Erkrankungen der unteren Atemwege

Wie lange dauert die Krankheit? Keuchhusten hält Monate an, in denen es zwischendurch auch zu einer hustenfreien Phase kommt. Im Verlauf der Krankheit werden die Hustenattacken seltener.

Wie gefährlich ist Pertussis?

Kranke, die gefährdet sind, wieder an Pertussis zu erkranken, geimpft werden. Aber auch gesunde Erwachsene sollten die Impfung auffrischen lassen, damit der so genannte „Herdenschutz“ in der Bevölkerung die Erkrankungsfälle bei Kindern eindämmen kann.

Durch die Atemnot kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Außerdem sind die kleinen Patienten durch den Keuchhusten geschwächt, sodass andere Erreger, die sonst vom Immunsystem kontrolliert werden, weitere ­Erkrankungen, wie z.B. Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung, aus­ lösen können. Eine besonders gefährliche Komplikation ist die Schädigung des Zentralnervensystems im Gehirn (Enzephalopathie).

Wie wird die Erkrankung behandelt? Die wichtigste „Therapie“ ist die Vorbeugung durch die Pertussis-Impfung. Die Krankheit selbst wird mit Anti­ biotika behandelt. Antibiotika verkürzen die Krankheitsdauer und verhindern eine Ansteckung, lindern jedoch nicht die Symptome. Zur Linderung der Symptome wird fallweise Kortison eingesetzt; Hustenmittel bleiben nämlich wirkungslos. Wichtig ist, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn ein Kind länger als eine Woche hustet! Vorsicht! Selbst wenn man als Kind gegen Keuchhusten geimpft wurde, geht bei Erwachsenen mit dem Alter der Impfschutz wieder verloren, weil unser Immungedächtnis ab dem 50. Lebensjahr abnimmt. Daher müssen chronisch Lunge und Atemwege verstehen 2013 77


Erkrankungen der unteren Atemwege

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten weltweit. Es handelt sich um eine bösartige Neubildung bzw. Zellveränderung im Bereich von Lunge und Bronchien.

Wie entsteht Lungenkrebs? Die häufigste Ursache für Lungenkrebs sind krebserregende Schadstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind. 90% aller Lungenkrebspatienten sind Raucher oder ehemalige Raucher. Aber auch jahrelanges Inhalieren von anderen Schadstoffen kann die Krankheit begünstigen. Durch die krebserregenden (kanzerogenen) Stoffe kommt es in den Zellen des Lungengewebes einerseits zu einer chronischen Schädigung, andererseits zu einer Veränderung des Erbguts und schließlich zur Zellentartung. Da aufgrund der chronischen Schädigung die normalen Kontroll- und Reparaturmechanismen nicht mehr funktionieren, kann sich ein bösartiger Tumor entwickeln.

• Typ 1 – das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom: Dies ist die häufigste Form von Lungenkrebs. Dazu gehören das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. • Typ 2 – das kleinzellige Lungenkarzinom: Es breitet sich rascher als Typ 1 über den Blutweg und die Lymphbahnen aus, allerdings kann es besser mit Chemotherapie behandelt werden.

Wie kann man der Erkrankung ­vorbeugen? Durch Rauchstopp! Denn Tabakrauch ist der wichtigste Risikofaktor. Eine gesunde und vitaminreiche Ernährung kann das Risiko für Krebs generell verringern. Auch die Vermeidung von Passivrauch ist wichtig, weil Passivrauchen die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, ebenfalls erhöht. Allerdings ist das Risiko nicht annähernd so groß wie durch Aktivrauchen. Keinen Einfluss haben ­ Stress, Bewegung oder Übergewicht.

In welchem Alter tritt Lungenkrebs auf?

Kann Lungenkrebs vererbt werden?

Betroffen sind vor allem Raucher ab dem 50. Lebensjahr, also Menschen, die eine jahrzehntelange „Raucherkarriere“ hinter sich haben. Ab diesem Alter steigt das Risiko kontinuierlich an.

Man vermutet zwar, dass eine erbliche Veranlagung besteht, die bestimmt, wie der Mensch auf krebserregende Stoffe im Tabakrauch reagiert. Ein „Krebsgen“ konnte bei Lungenkrebs jedoch nicht nachgewiesen werden. Es gibt aber ein so genanntes familiäres Risiko, d.h. wenn jemand in der Verwandtschaft Lungenkrebs hatte, ist das Risiko, selbst zu erkranken, 15 Mal höher.

Gibt es verschiedene Arten von ­Lungenkrebs? Man unterscheidet grob zwei Gruppen: 78 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Wie kann man Lungenkrebs ­erkennen? Für Risikopersonen ist die Abklärung mittels Computertomografie empfehlenswert. Für das Risiko gilt die Faustregel „20 mal 20“: 20 Jahre 20 Zigaretten pro Tag. Dies führt bei Rauchern zu einem sprunghaften Anstieg des Risikos. Wer täglich 60 Zigaretten raucht, kann entsprechend schneller erkranken. In welchem Alter COPD auftritt, hängt daher vom Alter ab, in dem die „Raucherkarriere“ begonnen hat. Auch sollten Raucher einmal jährlich zur Kontrolle beim Lungenfacharzt gehen. Vor allem wenn Bluthusten, Atemnot oder hartnäckiger Husten vorliegt, sollte man dies unbedingt abklären lassen. Auch Menschen mit familiär bedingtem Lungenkrebs sollten durch Untersuchungen vorsorgen. Bei der Untersuchung ist das Mittel der Wahl die Computertomografie. Weitere Untersuchungsmethoden sind Lungen-

spiegelung (Bronchoskopie), Ultraschall und PET-Scan.

Welche Symptome können auf ­Lungenkrebs hindeuten? Anfangs treten keine Symptome auf. Aber auch später werden typische Beschwerden wie Husten, Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche oder Rückenschmerzen oft fehlgedeutet. Meist kommen Betroffene erst zum Arzt, wenn Warnzeichen wie Blut im Auswurf oder Gewichtsverlust auftreten.

Wie wird Lungenkrebs behandelt? Je nach Tumorlage und Krankheitsausbreitung ist die Operation das Mittel der Wahl. Dabei werden der Tumor oder der gesamte befallene Lungenflügel bzw. die Lymphknoten entfernt. Die 5-JahresÜberlebensrate im Stadium 1 beträgt durch die Operation 75%, im Stadium 2 sind es 40%. Im Anschluss an die chirurgische Entfernung des Tumors wird noch mit Chemotherapie behandelt. Lunge und Atemwege verstehen 2013 79


Erkrankungen der unteren Atemwege In Stadien, in denen der Tumor bereits die Grenzen der Lunge überschritten hat, wird vor einer geplanten Operation eine Chemotherapie durchgeführt, um ihn zu verkleinern und leichter operabel zu machen. Auch die Strahlentherapie kann erfolgreich bei Lungenkrebs eingesetzt werden. Sie kann die Ausbreitung der Tumorzellen verhindern und die Operation oder eine Chemotherapie ergänzen. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom ist heute eine individuell abgestimmte Therapie möglich, welche die molekularen Veränderungen in den Tumorzellen berücksichtigt. Dadurch ist eine zielgerichtete und somit noch effizientere Therapie möglich. Wirkstoffe, die im Rahmen dieser Therapie eingesetzt werden, sind Gefitinib, Crizotinib, Erlotinib und Bevacizumab. In Studien konnten eine Verlängerung der Überle-

Psychologische Betreuung ist eine wichtige Begleitmaßnahme der Rehabilitation

80 Lunge und Atemwege verstehen 2013

benszeit und eine verbesserte Lebensqualität nachgewiesen werden. Welche Therapie sich für wen eignet und wann sie zum Einsatz kommt, entscheidet letztlich der behandelnde Arzt je nach individueller Situation des Patienten. Daneben sind auch bei Lungenkrebs die Begleitmaßnahmen einer Rehabilitation sehr wichtig: Körperliche Fitness hilft, die Belastungen der Chemo-, Strahlenund operativen Therapie zu ertragen. Schmerztherapie, Diät- und Ernährungsberatung sowie psychologische Begleitung sind heute Standardmaßnahmen, um die Erkrankung zu kontrollieren. Vor allem Blutbildung und Immunsystem sollten kontrolliert werden. Eine Behandlung mit Medikamenten, welche die Blutbildung anregen, oder mit Wachstumsfaktoren für weiße Blutkörperchen verhindert chronische Müdigkeitssyndrome und Infektanfälligkeit.


Erkrankungen der unteren Atemwege

Pneumonie (Lungenentzündung) Im Falle einer Pneumonie kommt es zu einer Entzündung und Flüssigkeitsansammlung im Bereich des Lungengewebes (Lungenbläschen bzw. Gewebezwischenraum). Eine Lungenentzündung ist eine schwere Erkrankung und häufige Todesursache. Vor allem für ältere Menschen und Kinder kann sie lebensbedrohend werden.

Wodurch wird eine Lungenentzündung ausgelöst? Sie kann durch Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, ätzende Reizstoffe oder eingeatmete Fremdkörper verursacht werden. 50% aller Pneumonien werden durch die Bakterienart Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) ausgelöst. Auch atypische Erreger wie Chlamydien können die Ursache sein.

Auf welchem Wege erkrankt man? In den meisten Fällen wird der Erreger eingeatmet und gelangt so in die Lunge. Oft entsteht die Lungenentzündung als Komplikation und Folgeerkrankung einer Influenza. Aber auch Bakterien, die im Rahmen einer anderen Entzündung den Körper besiedeln, können über die Blutbahn in die Lunge geschwemmt werden und dort eine Entzündung auslösen.

Wer ist gefährdet? Das Erkrankungsrisiko ist erhöht bei alten Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen (Herz, Asthma,

COPD, Diabetes), bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Alkoholikern und bei Kindern (vor allem, wenn sie chronisch krank sind).

Welche Symptome treten auf? Bei einer Pneumonie, die durch Bakte­ rien (z.B. Pneumokokken) verursacht wird, kommt es ganz plötzlich zu hohem Fieber, der Allgemeinzustand verschlechtert sich rapide. Der Patient hustet (mit gelblichem Auswurf), leidet unter Atemnot und eventuell an Schmerzen im Brustraum. Eine durch Viren oder Pilze verursachte Lungenentzündung zeigt weniger deutliche Symptome wie leichtes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, trockenen Husten und spärlichen Auswurf.

Wie wird eine Pneumonie behandelt? Sie wird immer mit Antibiotika behandelt. Bei der Pneumokokken-Lungenentzündung kommen speziell Penicilline zum Einsatz. In schweren Fällen ist auch ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Kann man einer Lungenentzündung vorbeugen? Wichtig ist die generelle Stärkung des Immunsystems sowie vor allem die Impfung gegen Influenza und Pneumokokken (siehe Seiten 24/25). Bei erstem Verdacht oder wenn eine Erkältung nicht besser wird, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Lunge und Atemwege verstehen 2013 81


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Österreichische Lungenunion – die Stimme der „Atemlosen“ Die Österreichische Lungenunion, eine seit 1985 bundesweit aktive Selbsthilfegruppe für alle mit Allergie, Asthma und COPD, Lungenkrebs sowie Neurodermitis, versucht Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung zu helfen. Wir wissen, dass man die Lösung eines persönlichen Problems nicht delegieren kann, dass eine Lösung in der Gruppe jedoch eher zu finden ist. Ganzheitlich orientiert, stützt und fördert die Selbsthilfegruppe die Mündigkeit der Betroffenen, schafft Gesprächsraum für Patienten und Experten und ist in einer immer stärker konsum- und kommerzorientierten Welt eine Stimme der „Atemlosen“.

Die Österreichische Lungenunion vermittelt Informationen sowohl aus dem schulmedizinischen als auch dem komplemen­ tärmedizinischen Bereich sowie praktische Tipps und Strategien zur Vermeidung und Bewältigung der Erkrankung. Bei uns finden Interessierte Patientenschulungen für Asthma- und COPD-Kranke ebenso wie ein spezielles Atem- und Stimmtraining. Regelmäßig finden Vorträge und Diskussionsrunden mit Experten statt. In den Räumlichkeiten der Selbsthilfegruppe in Wien und Vorarlberg sind zwanglose Zusammenkünfte von Betroffenen möglich. Zu allen relevanten Themen kann auch reichhaltiges Informationsmaterial angefordert werden. Lunge und Atemwege verstehen 2013 83


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Österreichweit bieten 27 Apotheken Sauerstoff-Tankstellen an, wo die mobilen Tanks kostenlos aufgeladen werden können. Wenn mehr Bedarf gegeben ist, werden zusätzliche Apotheken für unser gemeinsames Projekt „Sauerstoff-Tankstelle“ gesucht. Apotheken sind als Sauerstoff-Tankstellen für COPD-Patienten geradezu ideal. Sie zeichnen sich durch lange Öffnungszeiten und gute Erreichbarkeit aus, die Mitarbeiter sind im Umgang mit medizinischen Gasen gut ausgebildet und schließlich unterliegen die Qualitätsvorschriften der Apotheken strengsten Regeln. Auf der gegenüberliegenden Seite finden Sie eine Auflistung aller Apotheken mit Sauerstoff-Tankstellen in Österreich. Ganz besonders freue ich mich über unser jüngstes Projekt, eine Kooperation zwischen Österreichischer Lungenunion, Österreichischer Apothekerkammer und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie: „Apotheken als Sauerstoff-Tankstellen“. In der Regel werden Betroffene in ihrer Wohnung mit Sauerstoff versorgt. Um sich jedoch auch außerhalb der Wohnung bewegen zu können, spazieren zu gehen, Einkäufe zu erledigen oder einen Arzt aufzusuchen, ist die Versorgung über ein tragbares Sauerstoffgerät notwendig, dessen Tanks regelmäßig nachgefüllt werden müssen. Daher konnten sich bisher viele Patienten nur eine gewisse Zeit außerhalb der eigenen Wohnung aufhalten. Ab sofort ist auch ein Auftanken unterwegs möglich, und zwar in Apotheken! 84 Lunge und Atemwege verstehen 2013

Ich möchte allen an diesem Projekt Beteiligten danken – Ihr Engagement bedeutet mehr Lebensqualität für zahlreiche COPD-Patienten! Otto Spranger Österreichische Lungenunion


Informationen

Sauerstoff-Tankstellen in Österreichs Apotheken: Wien Urania-Apotheke Stubenring 2, 1010 Wien Tel.: 01/512 44 63 Mag. Ernst Baurek E-Mail: office@urania-apotheke.at Apotheke „Am Naschmarkt“ Linke Wienzeile 20, 1060 Wien Tel.: 01/586 51 59 Mag. Hans Mair E-Mail: office@naschmarkt-apotheke.at Apotheke „Zum weißen Hirschen“, Westbahnstraße 32, 1070 Wien Tel.: 01/523 76 68 Mag. Liselotte Schlederer E-Mail: apotheke@zum-weissen-hirschen.at Apotheke am Reumannplatz Reumannplatz 16, 1100 Wien Tel.: 01/604 13 98 Mag. Reinhard Scholda E-Mail: info@apotheke-reumannplatz.at Europa-Apotheke Hütteldorfer Straße 186, 1140 Wien Tel.: 01/912 37 90 Mag. Leopold Schmudermaier E-Mail: europa.apotheke@aon.at Lindwurm-Apotheke Gablenzgasse 31, 1150 Wien Tel.: 01/982 24 21 Mag. Heinrich Kadlez E-Mail: lindwurm.apotheke@aon.at

Linden-Apotheke Hernalser Hauptstraße 155, 1170 Wien Tel.: 01/486 24 04 Mag. Viktor Hafner E-Mail: lindenapotheke@gmx.at Apotheke 21 Kürschnergasse 1a, 1210 Wien Tel.: 01/890 32 28 Mag. Heidemarie Heugl E-Mail: info@apo21.at Apotheke Rodaun Ketzergasse 368, 1230 Wien Tel.: 01/888 41 70 Mag. Birgit Winkler E-Mail: office@aporodaun.at

Niederösterreich Herz-Jesu-Apotheke Kremser Gasse 37, 3100 St. Pölten Tel.: 02742/353 17 211 Mag. Klaus Deix E-Mail: deix@herzjesuapotheke.at Lunge und Atemwege verstehen 2013 85


Informationen Landschafts-Apotheke Wiener Straße 5, 2320 Schwechat Tel.: 01/707 64 96 Mag. Dr. Christian Müller-Uri E-Mail: apo@landschaftsapotheke.at Bahnhof-Apotheke Zehnergasse 4, 2700 Wiener Neustadt Tel.: 02622/232 93 Mag. Michael Herget E-Mail: apo@bahnhof-apotheke.at

Burgenland Apotheke „Zum Mohren“ Schlossplatz 1, 7350 Oberpullendorf Tel.: 02612/423 39 Mag. Alfred Szczepanski E-Mail: apotheke@apotheke-oberpullendorf.at Schutzengel-Apotheke Neusiedler Straße 16, 7082 Donnerskirchen Tel.: 02683/8542 Mag. Wolfgang Bencic E-Mail: bencic@aon.at

Steiermark Apotheke Andritz Weinzöttlstraße 3, 8045 Graz-Andritz Tel.: 0316/67 28 08 Dr. Wolfgang Jellenz E-Mail: office@apotheke-andritz.at Lilien-Apotheke Kärntner Straße 537, 8054 Seiersberg Tel.: 0316/25 30 05 Dr. Stefan Wegscheider E-Mail: info@lilienapotheke.at

Kärnten Apotheke vorm Lindwurm Neuer Platz 9, 9020 Klagenfurt Tel.: 0463/51 25 75 Mag. Michael Pichler, E-Mail: service@apothekevormlindwurm.at Kreis-Apotheke „Zum goldenen Löwen“ Hauptplatz 9, 9500 Villach Tel.: 04242/241 18, Mag. Hans Bachitsch E-Mail: office@kreis-apotheke.at

Salzburg Borromäus-Apotheke Gaisbergstraße 20, 5020 Salzburg Tel.: 0662/64 36 55 Mag. Almut Neugebauer E-Mail: borromaeus.apotheke@utanet.at Pinzgau-Apotheke Leoganger Straße 39, 5760 Saalfelden Tel.: 06582/741 03, Mag. Herwig Wilk E-Mail: info@pinzgau-apotheke.at

Tirol Stadt-Apotheke „Zur Mariahilf“ Malser Straße 18, 6500 Landeck Tel.: 05442/623 34 Mag. Dr. Martin Hochstöger E-Mail: martin.hochstoeger@ stadtapotheke-landeck.at St.-Anna-Apotheke Maria-Theresien-Straße 4, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/58 58 47 MMag. Doris Koller E-Mail: st.anna@apotheke-innsbruck.at

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Einsc


Informationen

Vorarlberg Apotheke im Messepark Messestraße 2, 6850 Dornbirn Tel.: 05572/558 80 Mag. Erika Grimm E-Mail: apotheke.im.messepark@utanet.at Stadt-Apotheke Kirchstraße 7, 6900 Bregenz Tel.: 05574/421 02 Mag. Werner Braun E-Mail: info@stadtapotheke-bregenz.at

Oberösterreich Schutzengel-Apotheke Eferdinger Straße 20, 4600 Wels Tel.: 07242/470 98 Mag. Friedrich Strand E-Mail: apo@liwest.at Christophorus-Apotheke Plus-City, Plus-Kauf-Straße 7, 4061 Pasching, Tel.: 07229/610 85 Mag. Christoph Lang E-Mail: apotheke@apotheke-pluscity.at City-Apotheke Bahnhofplatz 3-6, 4020 Linz Tel.: 0732/60 01 50 Mag. Tanja Mara Lang E-Mail: hauptbahnhof@time-apotheke.at

Arzneimittelqualität, Sicherheit und 24 h Service. Linde Healthcare ist Ihr Komplettanbieter für die Versorgung mit medizinischen Gasen. CONOXIA® ist die Arzneimittelmarke für medizinischen Sauerstoff von Linde. Die Linde Gas GmbH ist Zulassungsinhaber der Arzneispezialität CONOXIA®. Unser Serviceteam steht dem Patienten 24 Stunden - 7 Tage pro Woche telefonisch unter 050.4273-2200 zur Verfügung. Linde Gas GmbH Linde Healthcare, Modecenterstraße 17, Objekt 1 / 3. OG, 1110 Wien Telefon 050.4273-2200, Fax 050.4273-2260, www.linde-healthcare.at Einschaltung_B148xH105mm.indd 1

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Informationen

SELBSTHILFEGRUPPEN ÖSTERREICHWEIT Österreichische Lungenunion Patientenorganisation für Atemwegsund Lungenerkrankungen 1020 Wien, Obere Augartenstraße 26-28 Tel. + Fax: 01/330 42 86 www.lungenunion.at LOT Austria – Selbsthilfegruppe für COPD, Lungenfibrose und LangzeitSauerstofftherapie 3100 St. Pölten, Spratzener Kirchenweg 102/1/10 Postfach-Adresse: Postfach 84, 3100 St. Pölten Tel.: 0676/717 48 68 www.selbsthilfe-lot.at Die LOT Austria hat zum Thema COPD und Lungenventiltherapie eine eigene Broschüre herausgegeben. Zu bestellen unter Tel.: 0800/29 21 16

KÄRNTEN SHG Atemwegserkrankte Fr. Monika Auer Tel.: 0664/50 17 463 88 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Informationen

TIROL CHAP – Selbsthilfegruppe für Chronische Atemprobleme Tirol 6020 Innsbruck, Innrain 43 Tel.: 0512/57 71 98, 0512/57 12 19 www.atemprobleme-selbsthilfe.at

SALZBURG COPD – Selbsthilfegruppe Salzburg Fr. Renata Wimmeder 5020 Salzburg, Gabelsbergerstraße 3/43 Tel.: 0664/190 92 47

OBERÖSTERREICH OÖ Asthma-, Allergie- und COPDSelbsthilfegruppe c/o KH der Elisabethinen 4020 Linz, Fadingerstraße 1 Hr. Roland Rieger Tel.: 0732/767 63 220 Mobil: 0676/482 28 08

ADRESSEN FÜR DIE ­RAUCHERTHERAPIE • Rauchertelefon: 0810 810 013 www.rauchertelefon.at • Nikotin-Institut: Tel. 01/585 85 44 www.nikotininstitut.at • Ärzte, die auch zertifizierte Rauchertherapeuten sind, finden Sie auf der Homepage der Ärztekammer: www.aerztekammer.at • Pensionsversicherungsanstalt: In den PVA-eigenen Rehabilitationszentren wird im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthalts auch stationäre Raucherentwöhnung angeboten; www.pensionsversicherung.at

WEITERE INFORMATIONEN www.atmenstatthusten.at www.atemschule.at www.pollenwarndienst.at

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Informationen

Entgeltliche Einschaltung

Was bringt die Rehabilitation? Neben der kurativen Medizin und der Gesundheitsvorsorge gewinnt heute die Rehabilitation immer mehr an Bedeutung. Ziel jeder Rehabilitation ist die Erhaltung oder Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit bzw. bei Pensionisten die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und die Möglichkeit, weiter am aktiven Leben in Familie und Gesellschaft teilzunehmen. Rehabilitation macht nicht nur nach Operationen, Herzinfarkt oder bei Diabetes Sinn, sondern auch für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen. Denn diese Patienten geraten häufig in eine Art Teufelskreis: Aus Angst, keine Luft zu bekommen, vermeiden sie oft körperliche Bewegung und schonen sich. Dadurch werden Muskeln und Kreislauf geschwächt, man gerät noch leichter außer Atem, schont sich daher noch mehr, wird noch schwächer ... Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sinken, häufig kommt es zu Übergewicht, welches wiederum ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes darstellt. Daher hat die medizinische Trainingstherapie in den Rehabilitationseinrichtungen für Atemwegserkrankungen, die die Pensi-

onsversicherung (PVA) in Österreich betreibt, einen hohen Stellenwert.

Das bieten die stationären PVA-Rehabilitationseinrichtungen Die Rehabilitation in den Häusern der PVA setzt sich aus drei Säulen zusammen: • Diagnostik mittels moderner medizinischer Technologie • Therapiemaßnahmen • Patientenschulung Diagnose: Dazu zählen neben der Erhebung der Krankengeschichte und des Befundes auch: • Herz-Kreislauf-Diagnostik (EKG, Langzeit-Blutdruck, Echokardiografie etc.) • Pulmologische Diagnostik (z.B. Spirometrie, Lungenfunktion mit Broncholyse, Belastungsblutgasanalyse) und die Abklärung einer Schlafapnoe • Röntgen, Ultraschall, Laboruntersuchungen Therapie: Nach entsprechender Diagnostik entscheidet der Arzt des Rehabilitationszentrums, welche der folgenden Behandlungen zur


Anwendung kommen: • Bewegungstherapie • Medizinische Trainingstherapie mit Ausdauer- und Krafttraining, Koordination • Ergometertraining • Terraintraining • Atemphysiotherapie • Atemmuskeltraining • Atemschule • Inhalationstherapie • Elektrotherapie • Ultraschalltherapie • Thermotherapie • Hydro-Balneo-Therapie • Heilmassage • Erstellung von Heimübungsprogrammen • Lehrküche • Psychologische Behandlung • Diätetik Patientenschulung: Da gerade bei Patienten mit Atemwegserkrankungen die eigene Mitarbeit von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung ist, stellt in den Rehabilitationseinrichtungen die Patientenschulung einen wichtigen Pfeiler dar: Schulung zur korrekten Anwendung eines Dosieraerosols, Raucherberatung, Tabakentwöhnung, COPD- und Asthmaschulung, Sauerstoffschulung, Stressmanagement sowie Informationen über gesunde Lebensweise und Ernährungsberatung.

Wohin zur stationären Rehabilitation? PVA-Sonderkrankenanstalten für Atemwegserkrankungen: • Sonderkrankenanstalt – Rehabilitationszentrum Hochegg Friedrich-Hillegeist-Straße 2,

2840 Grimmenstein (NÖ) • Sonderkrankenanstalt – Rehabilitationszentrum Weyer Mühlein 2, 3325 Weyer (OÖ) Stationäre Vertragseinrichtungen: • Gesundheitsresort Raxblick 2654 Prein an der Rax, Oberland 2-4 • Kurhotel Vitana und Physikarium 4540 Bad Hall, Dr.-Karl-Renner-Straße 6 • Kurhotel St. Josef, 5422 Heilbad Dürrnberg, Hellstraße 1 • Reha-Zentrum Münster 6232 Münster, Gröben 700 • Life Medicine Resort Kurhaus Bad Gleichenberg, 8344 Bad Gleichenberg, Untere Brunnenstraße 40 • Kurbetriebe Oberzeiring 8762 Oberzeiring, Hauptstraße 22 • Humanomed Zentrum Althofen 9330 Treibach-Althofen, Moorweg 30 • Kurzentrum Bad Bleiberg, 9530 Bad Bleiberg, Nötsch 78

Wohin zur ambulanten Rehabilitation? • Zentrum für ambulante Rehabilitation Wien, Wehlistraße 127, 1021 Wien • Zentrum für ambulante Rehabilitation Graz, Eggenbergerstraße 7, 8020 Graz

Wie komme ich zu einem Rehabilitationsaufenthalt? Anträge auf Rehabilitation können in den neun Landesstellen der PVA gestellt werden. Nach entsprechender Prüfung der Voraussetzungen und medizinischen Kriterien erfolgt die Genehmigung bzw. werden Art der Maßnahmen und Aufenthaltsdauer ausgewählt. Nähere Auskünfte: www.pensionsversicherung.at


Test

Test: Was wissen Sie über Ihre Lunge? Im vorliegenden Ratgeber haben Sie viel Wissenswertes über Ihre Lunge, deren Funktion und Gesunderhaltung erfahren. Testen Sie, was Sie dadurch gelernt haben: 1.

Was ist die Aufgabe der Lungenbläschen?

2.

Nennen Sie drei Symptome, die auf Krankheiten der Lunge hinweisen können.

3.

Welche Maßnahmen tragen dazu bei, Ihre Lungengesundheit zu fördern?

4.

Profitiert die Lunge eher von Brustatmung oder von Bauchatmung?

5.

Was bedeutet die Abkürzung COPD?

6.

Was ist der häufigste Auslöser von COPD?

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Lunge und Atemwege verstehen 2013 93

Richtige Antworten: 1. In den Lungenbläschen findet der Sauerstoffaustausch statt, daher ist deren Erhalt enorm wichtig. 2. Husten, Atemnot, Auswurf 3. Rauchstopp, Bewegung, Abbau von Übergewicht 4. Von der Bauchatmung, weil damit Sauerstoff auch in den unteren Bereich der Lunge transportiert wird 5. Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung; die Abkürzung stammt vom englischen Begriff „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“. 6. Rauchen 7. Nein. Bewegung angepasst an die individuelle Kondition ist ein wichtiger Faktor in der Behandlung. 8. Atemnot 9. Ja, gut behandelte Asthmapatienten können sogar Leistungssport betreiben. 10. Durch Impfungen zur Infektionsvorbeugung (Grippe, Pneumokokken, Pertussis)

7.

Sollten sich COPD-Patienten möglichst schonen?

8.

Was ist das Hauptsymptom von Asthma?

9.

Darf man mit Asthma Sport betreiben?

10.

Wie kann man seine Lunge schützen??

Test


Glossar

Glossar: Wichtige Begriffe rund um die Gesundheit Ihrer Atemwege Allergene Stoffe, die eine Allergie auslösen (z.B. Pollen) Allergie Krank machende Überreaktion des Immunsystems auf normalerweise harmlose Substanzen Alveolen Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet Antitussiva Hustenstillende Arzneien Betamimetika Bronchienerweiternde Medikamente, die zur Gruppe der Bronchodilatoren gehören Bodyplethysmografie Große Lungenfunktionsmessung, mit der zusätzlich die im Brustkorb verbleibende Luft gemessen wird Bronchien „Röhren“, in denen die Luft transportiert wird Bronchodilatoren Medikamente zur Erweiterung verengter Bronchien 94 Lunge und Atemwege verstehen 2013


Glossar COPD Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, die mit einer Einengung (Obstruktion) der Atemwege einhergeht

Peak-Flow-Meter Gerät zur Messung der maximalen Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während des Ausatmens

Exazerbation Krankheitsschub, vorübergehende deutliche Verschlechterung. Man spricht vor allem im Zusammenhang mit COPD von Exazerbationen.

Pertussis Keuchhusten

Expektoranzien Hustenlösende Medikamente FEV1 Luftmenge, die man nach tiefstem Einatmen innerhalb einer Sekunde wieder ausatmen kann Hyposensibilisierung Auch „spezifische Immuntherapie“ genannt; Behandlung mittels Injektionen oder Tabletten, um das Immunsystem unempfindlich gegen den Allergieauslöser zu machen Influenza „Echte“ Grippe, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird und eine schwere Krankheit darstellt Kapillaren Winzige Blutgefäße, die die Alveolen umgeben Lungenemphysem Überblähung und krankhafte Vergrößerung der Lungenbläschen; ist Teil der COPD Obstruktion Verengung der Atemwege

PNC13 13-valenter Impfstoff gegen die 13 wichtigsten Stämme der Pneumokokken-Bakterien PPV23 23-valenter Impfstoff gegen Pneumokokken-Bakterien Pneumokokken Bakterien, die unter anderem lebensbedrohliche Lungenentzündungen auslösen können Pneumologie Lungenheilkunde Pneumonie Lungenentzündung Rhinitis Schnupfen Sinusitis Nasennebenhöhlenentzündung Spirometrie Kleine Lungenfunktionsmessung, mit der die atembare Luftmenge bestimmt werden kann Zilien Flimmerhärchen im Inneren der Bronchien, die der Reinigung der Atemwege dienen Lunge und Atemwege verstehen 2013 95


Notizen

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Wir danken folgenden Firmen f端r die freundliche Unterst端tzung:

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