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GESUNDHEITSRATGEBER

Hormone verstehen

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Euro 5,00

• Ohne Hormone kein Leben! • Pubertät bis Wechseljahre – worauf Sie achten sollten! • Erkrankungen mit hormonellem Zusammenhang und deren Therapiemöglichkeiten

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MITWIRKENDE

WISSENSCHAFTLICHER LEITER: Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und ­Reproduktionsmedizin, AKH, Medizinische Universität Wien

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT: Assoz. Prof. Dr. Karin Amrein, MSc. Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Universität Graz

Univ.-Prof. Dr. Anton Luger Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, AKH, Medizinische Universität Wien

Univ.-Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Graz

Prim. Univ.-Prof. Christian Pirich Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie, Landeskrankenhaus Salzburg – Universitätsklinikum der PMU

Dr. Michael Eisenmenger Facharzt für Urologie und Andrologie, 1190 Wien, ­Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (OGMG), www.mann-und-gesundheit.at

Assoc. Prof. Dr. Georg Pfeiler Ambulanz für Knochengesundheit, Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, AKH, Medizinische Universität Wien

Prim. Univ.-Doz. Dr. Karl Lhotta Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Landeskrankenhaus Feldkirch

Redaktion: Mag. Nicole Gerfertz

Wir danken allen Mitwirkenden für Ihren Einsatz. 2 Hormone verstehen 2017


INHALT

Hormone verstehen SEITE EDITORIAL

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OHNE HORMONE KEIN LEBEN! 6 GESCHLECHTSHORMONE IM LAUFE DES LEBENS 8 STOFFWECHSELHORMONE37 VERDAUUNGSHORMONE40 KNOCHENSTOFFWECHSEL 43 WACHSTUMSHORMONE46 SCHILDDRÜSE49 NIERE UND NEBENNIERE52 LIFESTYLE: STRESS, VERSTIMMUNGEN, SCHLAFSTÖRUNGEN56 VITAMIN D ALS HORMON 63

IMPRESSUM: Medieninhaber und Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GesmbH, 1070 Wien‚ Seidengasse 9/Top 1.1. Projektleitung: Alexandra Hindler. Redaktion: Mag. Nicole Gerfertz. Layout und Grafik: creativedirector.cc lachmair gmbh. Lektorat: KORRELEKTOR. Druck: Ferdinand Berger & Söhne GmbH, 3580 Horn. Coverfotos: 1) © Syda Productions – Fotolia, 2) © adimas – Fotolia, 3) © Sven Bähren– Fotolia, 4) © Patrizia Tilly – Fotolia. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.medmedia.at/home/impressum. Alle Texte in „Hormone verstehen“ wurden nach bestem Wissen recherchiert; Irrtümer sind vorbehalten. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Verlag und Medieninhaber keine Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird jeweils nur die männliche Form der Bezeichnung von Personen ( z.B. der Patient ) verwendet, damit ist aber sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden.

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EDITORIAL xxx

Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, AKH, Medizinische Universität Wien

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser! Hormone spielen in unserem Körper eine vielfältige Rolle – und das ein Leben lang! Bereits bei der Entstehung einer Schwangerschaft sind sie von Bedeutung. Ist das Kind auf der Welt, wird u.a. sein Wachstum durch Hormone gesteuert. Auch unsere Stimmung, unsere Gefühle und unser Sexualtrieb werden über Hormone beeinflusst. So sorgt z.B. eine Mischung aus Dopamin, Adrenalin, Testosteron und Serotonin für die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“. Mit zunehmendem Alter stellt sich unser Hormonhaushalt um. Bei Frauen machen sich diese „Wechseljahre“ oftmals durch Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, eine niedergedrückte Stimmung etc. bemerkbar. Beim Mann nimmt ab dem 40. Lebensjahr der Testosteronspiegel ab. Bei manchen Männern kommt es in der Folge zu Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, depressiver Verstimmung etc. In dieser Broschüre haben wir für Sie zusammengefasst, wie Hormone unser Leben beeinflussen. Erkrankungen, die mit Hormonen in Zusammenhang stehen (z.B. Diabetes, Schilddrüsenprobleme und Osteoporose), und ihre Therapiemöglichkeiten sowie hormonelle Verhütungsmöglichkeiten und die menopausale Hormontherapie werden ebenfalls erläutert. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre! Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter

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EDITORIAL xxx

Mag. pharm. Dr. Christian Müller-Uri Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer

Sehr geehrte Apothekenkundinnen und -kunden! Hormone stehen mit vielen Themen in Zusammenhang, die unser Leben und unsere Gesundheit beeinflussen: Beschwerden in den Wechseljahren, Diabetes, Schilddrüsenprobleme, depressive Verstimmungen und Vitamin-D-Mangel sind nur einige davon. Auch bei Verhütung, Schlafproblemen und Stress ist es gut, über die Rolle von Hormonen Bescheid zu wissen. Bei einem Kinderwunsch und in der Schwangerschaft sind Hormone ebenfalls von Bedeutung. Mit diesem Ratgeber stellen wir Ihnen verständliche Information zu Hormonen und deren vielfältigen Aufgaben in unserem Körper zur Verfügung. Wie gewohnt wurden alle Beiträge in Zusammenarbeit mit Experten erstellt und bieten im bewährten Frage-Antwort-Modus einen guten Überblick. Zu weiteren Fragen geben wir Apotheker gerne Auskunft! Zudem stehen in der Apotheke hilfreiche Präparate gegen einige der hier erläuterten Beschwerden zur Verfügung. Mithilfe der Apo-App können Sie übrigens ein Gesundheitstagebuch bei Menstruationsbeschwerden führen!

Ihr Mag. pharm Dr. Christian Müller-Uri

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OHNE HORMONE KEIN LEBEN! n Blick: Auf eine r Denken, steuern unse • Hormone le und unser Handeln. h ­unsere Gefü e 50 Hormon rden rund 1 u über w r h e c h tli is u B  • er verm b a d n si s e insatz. entdeckt, Körper im E m re se n u 1.000 in eit spielen re Gesundh se n u r fü h c • Au Rolle. ine wichtige Hormone e

Nahezu alle Organe, so auch die weibliche Brust (Östrogen), die Leber, der ­Magen und der Darm sowie die Haut, können bestimmte Hormone erzeugen. Das Blut transportiert die Hormone durch den ganzen Körper. So überbringen Hormone Informationen an unsere Organe, daher werden sie oftmals auch als Botenstoffe bezeichnet. Oberstes Kontrollorgan des Hormonsystems ist das Gehirn, das die Aktivität der verschiedenen Hormondrüsen regelt. Die verschiedenen Hormondrüsen beeinflussen sich zudem gegenseitig.

Was sind Hormone?

Wodurch wird unser Hormonspiegel beeinflusst?

Hormone werden in einigen zentralen Organen und Drüsen wie der Zirbel­ drüse, der Hirnanhangdrüse, der Schilddrüse, den Nebennieren und den Keimdrüsen (Eierstöcken und Hoden) produziert.

Grundsätzlich ist unser Hormonprofil genetisch beeinflusst. Auch unser Geschlecht hat hier einigen Einfluss: Männer produzieren generell mehr Testosteron, Frauen mehr Östrogene. Zudem

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beeinflussen Umweltfaktoren wie Ernährung, Sport, Stress und andere psychische Belastungen unseren Hormonspiegel.

Wie verändert sich unser Hormonspiegel im Tagesverlauf? Am Morgen stimuliert das Tageslicht eine spezielle Hormonproduktion unseres Körpers: Neben den Stimmungshormonen Dopamin und Serotonin (sorgen beide für gute Laune) erreicht auch das Stresshormon Cortisol in der Früh (zwischen 6 und 8 Uhr) seinen Höchststand, damit es uns in Schwung bringt. Dasselbe gilt für das Antriebshormon Testosteron, das aktivierend wirkt. Melatonin, das Schlafhormon, befindet sich am Morgen auf seinem tiefsten Stand. Tagsüber regeln Hormone diverse Körperfunktionen wie Kreislauf und Wasserhaushalt, die Teilung von Zellen etc. So ist Aldosteron z.B. als „Durst­ hormon“ dafür verantwortlich, dass wir ausreichend trinken. Angiotensin regelt den Blutdruck und die Schilddrüsen­ hormone sorgen für unseren Energiestoffwechsel. Zu Mittag regen Hormone unser Hungergefühl an, und zwar über das Hungerhormon Ghrelin, das vom Magen produziert wird. Die Folge: Der Magen knurrt und der Appetit wächst. Während des Essens sowie danach schüttet die Bauchspeicheldrüse das Verdauungshormon Insulin aus. Am Abend wird das Schlafhormon Melatonin vermehrt von der Zirbeldrüse ausgeschüttet (Auslöser ist die Dunkelheit). Man wird müde und der „Wach-

macher“ Cortisol wird abgebaut. Um Mitternacht ist fast kein Cortisol mehr im Organismus zu finden. Melatonin ist hingegen bis ca. 3 Uhr nachts im Höchsteinsatz. Das fördert die Regeneration des Körpers, denn Melatonin bremst den Zellstoffwechsel. Das Wachstumshormon Somatotropin, das die Zellen repariert, kann somit ungestört arbeiten. Am meisten Somatotropin findet sich gegen Mitternacht im Tiefschlaf in unserem Körper. Dasselbe gilt für das Stoffwechsel- und Sättigungshormon Leptin, das den Hunger dämpft, was ebenfalls den ruhigen Nachtschlaf unterstützt. Ab 3 Uhr morgens beginnen die Hormone, unseren Körper fürs Aufwachen zu rüsten: Die Nebennieren starten mit ihrer Cortisol-Produktion – und der Tagesablauf beginnt wieder von vorne.

Welche Symptome sind typisch für ein hormonelles Ungleichgewicht? Hitzewallungen, leichte Reizbarkeit, Depressionen und die Abnahme der Libido könnten auf hormonelle Beschwerden hindeuten. Treten solche Symptome auf, sollte der Hormonstatus gemessen werden. Wichtiger Hinweis: Hormonpräparate sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden!

Welche Rolle spielen Hormone in der Medizin? Hormone werden in der Medizin vielfältig eingesetzt, so beispielsweise in hormonellen Verhütungsmitteln oder bei Diabetes (Insulin). Hormone verstehen 2017 7


GESCHLECHTSHORMONE IM LAUFE DES LEBENS Blick: Auf einen exual­ one (auch S rm o h ts h c le • Gesch n eine nannt) spiele klung der hormone ge ntwic lle bei der E male wichtige Ro e und -merk n a rg o ts h c le en und die Gesch xualfunktion e S ie d r fü sowie g. ­ Fortpflanzun Geschlechts n weiblichen Proge­s­ e st tig h ic w und • Die d Östrogene hormone sin gen). teron (Gesta exual­ männliche S e st d n te u e • Das bed stosteron. hormon ist Te

Gibt es spezielle weibliche und spezielle männliche Geschlechtshormone? Grundsätzlich wird in weibliche und männliche Sexualhormone unterteilt. 8 Hormone verstehen 2017

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht aber hinsichtlich der Menge der jeweils produzierten Hormone. So weisen beispielsweise sowohl Männer als auch Frauen Testosteron auf, Männer jedoch mehr als Frauen. Umgekehrt betrifft dies genauso die weiblichen Geschlechtshormone, die auch beim Mann vorhanden sind – nur eben in geringerer Menge.

Welche Aufgaben erfüllen ­Geschlechtshormone? Geschlechtshormone weisen vor allem Wirkungen auf die Genitalorgane auf, haben darüber hinaus aber auch zahlreiche andere Wirkungen auf viele Gewebe. Die verschiedenen Hormone (z.B. Östrogen, Progesteron und Testosteron) steuern zum Beispiel durch ihren wechselnden Spiegel auch Gefühle und Gedanken.


WEIBLICHE GESCHLECHTS­ HORMONE Was sind Östrogene? Östrogene sind Hormone, die vor allem in den Eierstöcken, aber auch im Fettgewebe sowie in der Plazenta (Mutterkuchen) und zu einem geringen Teil auch in der Nebennierenrinde produziert werden. In der Pubertät sind Östrogene für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich. Im weiblichen Zyklus sorgen sie für das Heranreifen eines Eis, das durch den Eisprung freigesetzt wird und dann befruchtet werden kann. Zudem fördern Östrogene den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, bilden Schleim im Gebärmutterhals mit klarer, flüssiger Konsistenz (wodurch die Passage der Spermien erleichtert wird) und regen während der Schwangerschaft das Wachstum der Milchdrüsen an.

Weitere Funktionen von Östrogenen: • Hemmung des Knochenabbaus • Prophylaxe der Arteriosklerose („Verkalkung“ der Gefäßwände) • Verbesserung des Schlafes • Förderung von Wassereinlagerung und Elastizität im Gewebe • Unterstützung des Wachstums der Haare und der Elastizität der Haut • Schutz vor Austrocknung der Haut und der Schleimhäute (z.B. in der Scheide) Hinweis: Synthetisch erzeugte und damit stärker wirksame Östrogene kom-

men auch als Bestandteil von hormonellen Verhütungsmitteln zum Einsatz (siehe Seite 13). Auch bei der Behandlung von Wechselbeschwerden können Östrogene (praktisch ausschließlich in natürlicher Form) eingesetzt werden („Menopausale Hormontherapie“; siehe Seite 23).

Wozu dient Progesteron? Progesteron wird in den Eierstöcken im sogenannten Gelbkörper, während der Schwangerschaft in der Plazenta und zu einem geringen Anteil auch in der Nebennierenrinde gebildet. Aufgabe dieses sogenannten Gelbkörperhormons ist es vor allem, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der ­befruchteten Eizelle vorzubereiten. Für das Zustandekommen einer Schwangerschaft ist Progesteron somit von großer Bedeutung. Daher steigt nach dem Eisprung der Progesteronspiegel an. Das Gelbkörperhormon hat aber auch vielfältige andere Wirkungen, u.a. im Gehirn zur Körpertemperaturkontrolle, zur Verminderung der Schmerzempfindung und zur Schlafförderung sowie in der Brust zur Verdichtung der Drüsen. Auch dadurch bereitet das Hormon den Körper auf die Schwangerschaft und die Milchproduktion vor.

Was ist hCG? HCG („humanes Choriongonadotropin“) ist das klassische Schwangerschaftshormon („Schwangerschaft und Geburt“; siehe Seite 11) und wird ausschließlich von der sich entwickelnden Plazenta hergestellt. Daher wird der BeHormone verstehen 2017 9


Geschlechtshormone ta-hCG-Wert zur Kontrolle und Feststellung einer Schwangerschaft herangezogen. Der männliche Hoden und einige Tumorzellen können ebenfalls BetahCG produzieren.

Menstruation Welche Rolle spielen Hormone bei der Menstruation? Die Geschlechtshormone regeln den weiblichen Zyklus. Die damit einhergehenden hormonellen Veränderungen können Beschwerden, wie z.B. Stimmungsschwankungen, hervorrufen.

Was passiert in der ersten ­Zyklushälfte? Ist der Eisprung in Vorbereitung, sorgt ­Östrogen für viel Energie und Wachstum der Zellen. Während des Eisprungs ist die Libido auch durch eine Er­höhung von Testosteron oftmals besonders hoch, denn Östrogene und Testosteron wirken euphorisierend, stimmungsaufhellend und verstärken das sexuelle Interesse.

Welches Hormon dominiert in der zweiten Zyklushälfte? Nach dem Eisprung, also in der zweiten Zyklushälfte, dominiert das Gelbkörperhormon Progesteron. In dieser Phase bereitet sich der Körper entweder auf eine Schwangerschaft vor oder es hat keine Befruchtung stattgefunden. Progesteron wirkt dämpfend und beruhigend. Die meisten Frauen ziehen sich in dieser Phase eher zurück. Auch die Libido sinkt meist. 10 Hormone verstehen 2017

Was versteht man unter „prämenst­ ruellen Syndrom“ (PMS)? Rund die Hälfte aller Frauen bemerkt vor und während der Menstruation körperliche und psychische Veränderungen, was auf die Wirkungen der Geschlechtshormone im Gehirn zurückzuführen ist. Fällt in der zweiten Zyklushälfte das Östrogen ab und steigt das Progesteron an, kommt es bei einigen Frauen zu Beschwerden wie erhöhter Müdigkeit oder Brustspannen, zu Gewichtszunahme, Konzentrationsstörungen, gesteigerter Empfindsamkeit und/oder Reizbarkeit. Ihren Höhepunkt finden diese Beschwerden zumeist in der Woche vor dem Einsetzen der Regelblutung.

Wie wird PMS behandelt? Es gibt einige Lebensstiländerungen, die die PMS-Beschwerden verbessern kön-

Das können Sie selbst gegen PMS tun: • ausreichend schlafen • regelmäßig Pausen und Entspannungs­ phasen in den Alltag einbauen • Stress reduzieren • ausgewogen ernähren • in den zwei Wochen vor der Mens­ truation salzreiche Nahrungsmittel und Schokolade sowie Kaffee und Alkohol nur in geringen Maßen zu sich nehmen • ausreichend bewegen • warme Bäder nehmen (entspannen die Muskulatur)


Geschlechtshormone nen (siehe Kasten). Reichen diese nicht aus, können vielleicht pflanzliche Präparate mit Mönchspfeffer, Traubensilberkerze, Passionsblume, Johanniskraut oder Melisse helfen. Sie weisen einen entspannenden, entkrampfenden und/ oder entwässernden Effekt auf. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker!

Schwangerschaft und ­Geburt Wie verändert sich die Hormon­ produktion während der Schwangerschaft? In der Schwangerschaft wird langsam und kontinuierlich die Produktion der weiblichen Hormone gesteigert. Aufgrund der erwähnten Wirkung der Ge-

schlechtshormone im Gehirn erleben Frauen dabei oft eine „Achterbahn der Gefühle“ und können zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit schwanken.

Wozu dient humanes Choriongonadotropin (hCG)? Bereits wenige Tage nach der Befruchtung beginnt die sich entwickelnde Schwangerschaft damit, humanes Choriongonadotropin zu produzieren. HCG wird häufig als typisches Schwangerschaftshormon bezeichnet, denn es ist bereits kurz nach der Befruchtung – etwa im Zeitraum der ausbleibenden Menstruation – im Urin nachweisbar ist. Handelsübliche Schwangerschaftstests messen daher den hCG-Wert. HCG ist vermutlich auch für die Schwanger-

In der Schwangerschaft steigt die Produktion der weiblichen Hormone an.

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Geschlechtshormone schaftsübelkeit in den ersten drei Monaten mitverantwortlich; jedenfalls steigt es nach dieser Zeit nicht weiter an, sondern sinkt tendenziell wieder ab.

Welche Aufgaben erfüllt Progesteron während der Schwangerschaft? In der zweiten Zyklushälfte fährt die Produktion von Progesteron hinauf. Denn dieses Hormon erfüllt eine Vielzahl von wichtigen Aufgaben, die für eine Schwangerschaft eine Rolle spielen: Erhöhung des Blutflusses, Verdickung der Gebärmutterschleimhaut, Vermeidung von vorzeitigen Kontraktionen der Gebärmutter und Vorbereitung der Milchproduktion in den Brüsten. Kommt es zu keiner Befruchtung, sinkt die Progesteronproduktion und die Gebärmutterschleimhaut wird mit der Regelblutung abgestoßen.

Was bewirkt Östrogen in der ­Schwangerschaft? Östrogen spielt bereits vor der Empfängnis eine wichtige Rolle, denn es sorgt dafür, dass die Gebärmutter bestmöglich auf eine eventuelle Schwangerschaft vorbereitet wird und die Eizelle zur Reife gelangt. Wird die Eizelle befruchtet, regt hCG die verstärkte Ausschüttung von Östrogen an. Seine wichtigste Aufgabe: das Herz-Kreislauf-System in Schwung zu halten, um später die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes sicherzustellen. Auch an der Erhöhung der Blutmenge und an der Vorbereitung der Drüsen im Brustgewebe auf die Milchbildung ist Östrogen gemeinsam mit Progesteron beteiligt.

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Was leistet FSH? Das follikelstimulierende Hormon (FSH) bringt die Eizellen in den Eibläschen (Follikeln) im Eierstock zur Reife. Die zunehmenden Zellen im Eibläschen produzieren in der Folge Östrogen, das zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führt.

Wozu dient Oxytocin? Dieses „Beziehungshormon“ oder „Kuschelhormon“ wird sowohl nach dem Geschlechtsverkehr als auch bei jeder anderen Form der körperlichen Nähe ausgeschüttet. Sein Effekt: Es fördert die Bindung zwischen zwei Menschen und das Gefühl, zusammenzugehören. Eine weitere Aufgabe ist vor allem die Kontraktion der Muskelzellen der Gebärmutter. Am Ende der Schwangerschaft führt diese kontraktionssteigernde Wirkung von Oxytocin durch eine höhere Empfindlichkeit der Muskelzellen zu zunehmender Wehentätigkeit und schließlich zur Geburt. Ist das Baby geboren, dient Oxytocin dazu, den Milchfluss beim Stillen aufrechtzuerhalten.

Auch bei der Milchproduktion und bei der Bindung zwischen Mutter und Kind spielen Hormone eine Rolle.


Geschlechtshormone

Was passiert bei einer „Wochenbettdepression“? Nach der Geburt sinkt die Produktion der Geschlechtshormone durch den Ausstoß der Plazenta rasch ab. Dies führt bei bis zu 70% der Frauen etwa vier bis sieben Tage nach der Geburt zu einer depressiven Nachschwankung. Die betroffenen Frauen fühlen sich verstimmt, reizbar und weinerlich. Dieser Zustand legt sich meist nach wenigen Tagen wieder. Lediglich bei rund 10% verschlechtern sich diese Beschwerden und es kann sich eine stärkere Depression entwickeln. Dies nennt man Wochenbettdepression. Eine entsprechende klinische Behandlung ist meist erforderlich.

Kinderwunsch bei Frauen Woran kann es liegen, wenn eine Frau nicht schwanger wird? Dies kann viele verschiedene Ursachen haben. Aufgrund der Komplexität der hormonellen Vorgänge sind es oft jene Hormone, welche die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereiten, die nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind. (sog. Gelbkörperhormon-Insuffizienz). Eine Hormonuntersuchung gibt darüber Aufschluss. Mit entsprechenden Medikamenten kann hier meist geholfen werden. Auch Funktionsstörungen der Schilddrüse können die weibliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Symptome wie unregelmäßiger Zyklus, Müdigkeit, ­ ­Gewichtszunahme und Verstopfung können auf Schilddrüsenprobleme hindeuten (siehe Seite 49).

Bei unerfülltem Kinderwunsch sollte der Hormonstatus gemessen werden. Schließlich sollte auch der Partner eine Untersuchung seiner Samenqualität (Spermiogramm) vornehmen lassen (siehe Seite 35).

Hormonelle Verhütung Wie funktioniert hormonelle Verhütung? Bei der hormonellen Verhütung (Kontrazeption) werden (meist synthetische) Sexualhormone eingesetzt, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Je nach Kombination der Hormone ist der Wirk­ ansatz unterschiedlich: • Unterdrückung der Eireifung und des Eisprungs • Störung des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut (= befruchtete Eizelle kann sich nicht einnisten) • Verhinderung der Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals (= wird so für Spermien unpassierbar) Hormone verstehen 2017 13


Geschlechtshormone

Welche Hormone kommen zum Einsatz? Bei den meisten hormonellen Verhütungsmitteln handelt es sich um eine Kombination aus synthetischen Östrogenen und Gestagenen. Auch reine Gestagenpräparate (ohne Östrogen) sind erhältlich.

Welche Darreichungsformen gibt es? Die „Antibabypille“ ist schon lange nicht mehr die einzige Möglichkeit der hormonellen Verhütung. Neben Tabletten stehen mittlerweile auch Verhütungspflaster, Hormonimplantat, Verhütungsring, Dreimonatsspritze und Hormonspirale zur Verfügung.

Beeinträchtigt die hormonelle Ver­ hütung die Fruchtbarkeit nachhaltig? Nein. Nach Absetzen des Kontrazeptivums normalisieren sich alle Körpervorgänge sehr rasch wieder. Die natürliche Fruchtbarkeit ist somit wiederhergestellt.

Wechseljahre (Klimakterium) Was passiert in den Wechseljahren? Etwa ab dem 45. Lebensjahr kommt es bei Frauen zu einer hormonellen Umstellung. Diese Phase wird als Wechseljahre oder Menopause bezeichnet und ist gekennzeichnet durch ein Absinken der weiblichen Sexualhormone. Dies führt bei einigen Frauen zu Beschwerden, z.B. Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder trocke14 Hormone verstehen 2017

Hitzewallungen sind ein typisches Symptome der Wechseljahre. nen Schleimhäuten (vor allem im Bereich der Scheide, was Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zur Folge haben kann). Auch trockene Haut ist ein typisches Merkmal der Wechseljahre.

Wann treten die Wechseljahre ein? Durchschnittlich tritt die letzte Regelblutung im Alter von etwa 51–52 Jahren ein. Es ist aber auch ein früherer Beginn der Menopause möglich (ab dem 45. Lebensjahr). Bis zum 55. Lebensjahr sind fast alle Frauen in den Wechseljahren. Aufgrund einer starken erblichen Komponente liegt das eigene Alter bei Eintritt der Menopause häufig nahe dem Alter der Mutter bei Eintritt in die Wechseljahre.


Geschlechtshormone

Welche Phasen gibt es im ­Klimakterium? • Prämenopause: dauert bis zu fünf Jahre. Etwa ab dem 40. bis 45. Lebensjahr findet aufgrund der Komplexität des Vorgangs der Eisprung nicht mehr regelmäßig statt; dies führt zum Absinken der Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron. Damit entsteht ein Hormonungleichgewicht: In der ersten Zyklushälfte wird oft zu wenig, in der zweiten Zyklushälfte oft von den nicht gesprungenen Eibläschen zu viel Östrogen und zu wenig Progesteron gebildet. Hauptmerkmale des Gelbkörperhormonmangels: unregelmäßige Zyklen, die bei vielen Frauen rund um das 45. Lebensjahr einsetzen. Intensität und Dauer der Monatsblutung nehmen allmählich ab, während die Abstände dazwischen zunehmen. Weitere mögliche Symptome: Schmerzen und Spannen in der Brust, Wasser­ einlagerung im Gewebe, Venenschmerzen, Gewichtsprobleme, Einschlaf- bzw. Durchschlafstörungen, Geblähtheit des Darms, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, Nachlassen der Spannkraft der Haut

die Gelbkörperhormonproduktion und sorgt damit für mehr Balance zwischen Östrogen und Progesteron. Die Kombination von Vitamin B6 und Magnesium wirkt meist entspannend auf das gesamte Nervensystem und die Muskulatur; dies kann z.B. auch bei Bauchkrämpfen sinnvoll sein. • Perimenopause: dauert bis zu einem Jahr nach der letzten Regelblutung. Zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr reduzieren die Eierstöcke dann zunehmend auch ihre Östrogenproduktion. Die Folge sind starke Schwankungen des Östrogenspiegels bis hin zu einer drastischen Reduzierung der Östrogenproduktion.

Was hilft gegen diese ersten ­Wechselbeschwerden? Grundsätzlich haben Bewegung, Entspannungstechniken und Atemübungen einen positiven Einfluss. Bei starken Beschwerden kann das fehlende Gelbkörperhormon ersetzt werden. So stimuliert z.B. der Wirkstoff des Mönchspfeffers

Bewegung hat einen positiven Effekt auf Wechselbeschwerden. Hormone verstehen 2017 15


Geschlechtshormone Mögliche Symptome des Östrogenmangels: unregelmäßige bis ausbleibende Menstruation, Hitzewallungen, Konzentrationsmangel, Schweißausbrüche (besonders in der Nacht), Schlafstörungen, Scheidentrockenheit, Blasenschwäche, seelische Verstimmungen, sexuelle Unlust, Gelenkschmerzen, Trockenheitsgefühl am ganzen Körper (v.a. in der Scheide und in den Augen), Muskelschmerzen, unregelmäßiger Herzschlag, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutdruck

Wie kommt es zu dem erhöhten Cholesterinspiegel und dem erhöhten Blutdruck? Östrogen hat die Eigenschaft, den Cholesterinspiegel (v.a. das ungünstige LDL-Cholesterin) und den Blutdruck zu senken. Mangelt es an Östrogen, fehlt dieses Regulativ.

Was hilft gegen die Beschwerden in der Perimenopause? Isoflavone (sekundäre Pflanzenstoffe) können Hitzewallungen und Schlafstörungen lindern. Sie besitzen eine östrogenartige Struktur, sind aber selbst keine Hormone. Allerdings haben Studien gezeigt, dass sie eine hormonmodulierende Funktion aufweisen und sowohl östrogenartige als auch antiöstrogenartige ­Effekte im Körper erzielen. Die in den Wurzeln der Traubensilberkerze enthaltenen Triterpenglykoside können dabei unterstützen, Hitzewallungen und Nachtschweiß vorzubeugen. Mönchspfeffer hat sich bei den typischen Symptomen der Prämenopause, wie Brustspannen und PMS, bewährt. Salbei normalisiert 16 Hormone verstehen 2017

die Schweißabsonderung, da er regulierend auf das vegetative Nervensystem wirkt. Ein Extrakt aus Magnolien kann einen ausgleichenden Effekt bei Schlafstörungen und innerer Unruhe aufweisen. Passionsblumenextrakt kann gegen nervös bedingte Unruhe, die das Ein- bzw. Durchschlafen behindert, helfen. Auch spezielle Pflanzenpollenaufbereitungen aus Süßgräsern und Kieferngewächsen können Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen lindern. Studien belegen, dass durch diese Pflanzenextrakte die Häufigkeit und die Intensität des Schwitzens zurückgehen. Müdigkeit und Reizbarkeit sowie Schlafstörungen werden verringert. So wird die Lebensqualität verbessert. Aufgrund des speziellen Verfahrens besteht keine Gefahr von Allergien. Für viele Patientinnen wichtig: Diese Art der Pflanzenaufbereitung weist keine klassische hormonelle Wirkung auf. Bei sehr starken Beschwerden kann das eigentliche Problem, der Östrogenmangel, durch einen entsprechenden Östrogenersatz behandelt werden („Menopausale Hormontherapie“; siehe Seite 23). Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden oder für Frauen, die keine hormonellen Präparate verwenden können oder wollen, stellen die ver­ schiedenen Pflanzenextrakte eine sehr gute Alternative dar. Sprechen Sie mit Ihrem Gynäkologen/ Ihrer Gynäkologin! • Postmenopause: tritt nach der Phase der Menopause, der letzten spontanen Periode bzw. Menstruation, ein. Zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr stel-


In den Wechseljahren

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Geschlechtshormone len die Eierstöcke die Östrogenproduktion vollkommen ein. Diese letzte Phase des Klimakteriums ist meist auch durch einen Androgenmangel (= Mangel an männlichen ­Sexualhormonen) gekennzeichnet. Die männlichen Hormone regen den Stoffwechsel an, stärken das Bindegewebe, spielen für Psyche und Libido eine wichtige Rolle und sind Ausgangsstoffe für die Synthese anderer Hormone, vor allem der Östrogene. Durch den Östrogen- und Testosteronmangel können die Wechselbeschwerden jetzt noch weiter zunehmen. Mögliche Symptome aufgrund des Androgenmangels: • Veränderung der Körpersilhouette • Gewichts- und Figurprobleme vor ­allem im Bauchbereich • chronische Müdigkeit • Verlust der Libido

Was kann man gegen Beschwerden in der Postmenopause tun? Es kommen Isoflavone, aber auch Östrogen-, Progesteron- und Testosteronersatz meist in niedriger Dosierung zum Einsatz („Menopausale Hormonthera­ pie“; siehe Seite 23). Ihr Arzt wird Sie ausführlich beraten!

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es? Neben der Hormonersatztherapie (HRT) können auch bei postmenopausalen ­Beschwerden pflanzliche Alternativen zur Linderung eingesetzt werden. Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei Rotklee (Trifolium pratense L.). Seine 18 Hormone verstehen 2017

Spezielle Pflanzenextrakte können gegen Wechselbeschwerden wie z.B. gedrückte Stimmung helfen. Bedeutung zur Verringerung klimakterischer Beschwerden – und zwar von der Prä- bis zur Postmenopause – beruht auf seinem hohen Gehalt an Isoflavonen. Diese sind in den verschiedenen Pflanzenteilen des Rotklees – Blüten, Blätter und Stamm – in unterschiedlicher Konzentration enthalten. In der Apotheke stehen Präparate mit standardisiertem Rotklee-Extrakt zur Verfügung, die ­Isoflavone in einem genau festgelegten und garantierten Verhältnis enthalten. Typische Wechselbeschwerden wie verringerte Libido, Niedergeschlagen­ heit, Schlafprobleme, Hitzewallungen, Nachtschweiß, vaginale Trockenheit sowie trockene Haut, spröde Haare etc. werden so gelindert.


Geschlechtshormone

Empfohlene Untersuchungen für Frauen in den Wechseljahren: • gynäkologische Inspektion (Krebsabstrich)/Spiegel- und Tastuntersuchung • vaginaler Ultraschall • Tastuntersuchung der Brust (monatliche Selbstuntersuchung – gilt für alle Frauen, nicht nur für jene in den Wechseljahren!) • Mammografie ➜ 35.–40. Lebensjahr: Basismammografie ➜ 40.–70. Lebensjahr: Mammografie im Abstand von ein bis zwei Jahren ➜ ab dem 70. Lebensjahr: Mammografie alle zwei Jahre • Vorsorgeuntersuchungen (Herz, Darm etc.) • Blutdruckkontrollen • Bestimmung von Cholesterinwerten (HDL + LDL), Triglyzeriden und Nüchternblutzucker (einmal jährlich) • Knochendichtemessung bei Risikokonstellation (ansonsten werden die Kosten von Ihrem Krankenversicherungsträger ab dem 65. Lebensjahr übernommen) • evtl. Messung des Hormonstatus

Ist die Einnahme von Hyaluronsäure sinnvoll? Ja! Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers und kommt vor allem in der Haut, den Schleimhäuten, den Knochen, den Knorpeln, der Gelenksflüssigkeit und im Glaskörper der Augen vor. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Menge an Hyaluronsäure jedoch ab, speziell in den Wechseljahren sogar recht erheblich: Mit 50 Jahren weisen Frauen nur mehr 45% des früheren Wertes auf. Dies macht sich unter anderem bei der Haut bemerkbar, denn Hyaluronsäure kann größere Mengen Wasser binden, was für

eine elastische und straffe Haut sorgt. In Hautcremen kommt daher oftmals Hyaluronsäure zum Einsatz. Dadurch werden allerdings nur die äußeren Hautschichten erreicht. Die regelmäßige orale Einnahme von Hyaluronsäure versorgt Haut, Schleimhäute und Gelenke mit zusätzlicher Feuchtigkeit.

Welche Hormone werden bei einem Hormonstatus gemessen? Die Messung des Hormonstatus ist vor allem in der Prämenopause sinnvoll (siehe Kasten). Dafür wird der Frau Blut abgenommen und im Labor der Blutspiegel der einzelnen Hormone festgestellt. So kann der Arzt erkennen, ob der HorHormone verstehen 2017 19


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01.02.2017 16:53:22


Besprechen Sie Wechselbeschwerden mit Ihrem Arzt, denn eine Linderung ist möglich! monhaushalt noch unverändert ist, ob ein Hormonmangel oder eine Überproduktion vorliegt. Daraus ist ableitbar, ob eine Frau kurz vor der Menopause steht oder sich bereits im Wechsel befindet (obwohl es noch zu Monatsblutungen kommt). Die aussagekräftigsten Hormone, die bei einem Hormonstatus bestimmt werden, sind Östrogene und eventuell Androgene. Überprüft werden aber auch das follikelstimulierende Hormon (FSH; Werte unter 20 weisen darauf hin, dass noch ein Eisprung stattfindet und daher theoretisch eine Schwangerschaft noch möglich ist) und die Schilddrüsenhormone, da eine Änderung auch hier relevant ist. Umgekehrt kann eine Unterfunktion der Schilddrüse Symptome auslösen, die Wechselbeschwerden ähnlich sind. Daher ist es wichtig, die Schilddrüsenhormone zu messen.

Wann ist eine Messung des Hormonstatus notwendig? Wenn erste Zyklusunregelmäßigkeiten oder Beschwerden auftreten bzw. vor 22 Hormone verstehen 2017

oder während einer menopausalen Hormontherapie.

Müssen Frauen im Wechsel noch verhüten? Ja! Unabhängig vom Hormonstatus sollte jede Frau mindestens bis zum 50. Lebensjahr verhüten bzw. sich diesbezüglich in jedem Fall mit ihrem ihrer Gynäkologin/ ihrem Gynäkologen beraten.

Warum kommt es in den Wechsel­ jahren zu Schlafstörungen? Hitzewallungen, Sorgen, aber auch die hormonellen Veränderungen wie der sinkende Östrogenspiegel können bei Frauen in den Wechseljahren den Schlaf beeinträchtigen. Denn Östrogen fördert die Tiefschlafphasen und die sogenannten REM-Phasen. Sinkende Östrogenwerte beeinträchtigen daher die Schlafqualität: Wir schlafen weniger tief und fühlen uns beim Aufwachen weniger erholt. In den Wechseljahren werden auch die Botenstoffe Acetylcholin und Noradrenalin in geringerem Maße ausschüttet.


Geschlechtshormone Da diese beiden Stoffe an der Steuerung der Schlafphasen beteiligt sind, kann dies den Schlafrhythmus ebenfalls durcheinanderbringen. Mehr Informationen zum Thema Schlafstörungen finden Sie auf Seite 57.

Menopausale Hormon­ therapie

setzen wäre aber der falsche Weg. Denn eine MHT kann helfen, Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen effektiv zu lindern. Allerdings ist die menopausale Hormontherapie nicht für alle von Wechselbeschwerden betroffenen Frauen die richtige Wahl. Ihr Arzt berät Sie gerne, ob eine MHT für Sie geeignet ist.

Was versteht man unter „meno­ pausaler Hormontherapie“?

Was passiert bei der menopausalen Hormontherapie?

Die früher als „Hormonersatztherapie“ bezeichnete menopausale Hormontherapie (MHT) wurde in den letzten Jahren sehr kontrovers diskutiert. Sie grundsätzlich zu „verteufeln“ und nicht einzu-

Es kommen entweder reine Östrogenpräparate (Monotherapie) oder kombinierte Östrogen-Gestagen-Präparate (Kombinationstherapie) zum Einsatz. Im Gegensatz zur Schwangerschaftsver-

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12 Mythen – was Sie schon immer über die Hormontherapie wissen wollten Beschwerden in den Wechseljahren muss man einfach aushalten, Hormone machen dick und erhöhen das Herzinfarktrisiko – das sind nur einige der Mythen, die fälschlicherweise über die menopausale Hormontherapie (MHT) erzählt werden. Eine neue Broschüre klärt nun auf. Oft Gehörtes auf dem Prüfstand • Die MHT ist die wirksamste Methode zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Sie schadet keineswegs dem Herz-KreislaufSystem. • Hormone machen nicht dick! Studien zeigen, dass Frauen, die eine MHT anwenden, altersbedingt sogar weniger an Gewicht zunehmen.

Ein gesunder Lebensstil ist aber trotzdem notwendig. • Auch ohne Hitzewallungen können zahlreiche Beschwerden in den Wechseljahren auftreten: unregelmäßige Blutungen, Schlafstörungen, Verstimmungen, Schleimhauttrockenheit etc. • Die MHT hat keine zeitliche Begrenzung. Die Abstimmung erfolgt ausschließlich individuell und wird regelmäßig fachärztlich kontrolliert. Die neue Broschüre liegt bei Ihrem Gynäkologen auf.


Geschlechtshormone der Einsatz von Östrogenen und Gestagenen zu schweren Nebenwirkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen und Brustkrebs führen kann.

Neuere Studien relativieren die ­Ergebnisse von damals

Auch Schlafprobleme – ebenfalls ein typisches Wechselsymptom – können behandelt werden! hütung sind es hier aber meist natürliche Hormone, wie die vom Eierstock produzierten Östrogene oder das Progesteron. Diese dienen dazu, den Ausfall der Eierstockhormone auszugleichen. Typische Wechselbeschwerden wie Störungen des vegetativen Nervensystems (Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafstörungen) lassen sich dadurch rasch bessern. Auch Symptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen sowie Störungen der Sexualität können durch eine MHT gelindert werden, sofern sie durch den Hormonausfall bedingt sind.

Warum ist die menopausale ­Hormontherapie umstritten? Im Jahr 2002 kam eine groß angelegte Untersuchung (WHI-Studie – Women’s Health Initiative) zu dem Ergebnis, dass 24 Hormone verstehen 2017

In den letzten Jahren hat jedoch eine Reihe weiterer Studien ein differenzierteres Bild ergeben: Den neuen Ergebnissen zufolge ist die MHT nach wie vor die wirksamste Methode zur Behandlung von Wechselbeschwerden. Sie muss allerdings an die individuelle Situation der Frau angepasst werden. Das bedeutet konkret: Die menopausale Hormontherapie sollte, solange die Beschwerden anhalten, mit der individuell niedrigstmöglichen effektiven Hormondosis durchgeführt werden. Der behandelnde Arzt wird ein genaues individuelles Risikoprofil erstellen und dieses mit der jeweiligen Patientin besprechen. So sollte die MHT vor dem 60. Lebensjahr bzw. innerhalb von zehn Jahren nach dem Eintreten in die Menopause begonnen werden. Dadurch kommt es auch zu keiner Erhöhung der Herzinfarkt- oder Schlaganfallrate, sondern ganz im Gegenteil: Hier kommt die Prophylaxe der Östrogene gegen Arteriosklerose offenbar voll zu Wirkung. Auch Lebensstiländerungen (Nichtrauchen, Abbau von Übergewicht, mehr Bewegung) gehören zum Behandlungsplan dazu. Bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind oder einen Herzinfarkt hatten, sollte jedoch keine MHT eingesetzt werden. Kommt die MHT wirklich nur im Bedarfsfall und unter ärztlicher Kontrolle


zum Einsatz, braucht frau keine Angst vor der Einnahme zu haben, sondern profitiert von der effektiven Linderung der Wechselbeschwerden und einer gesenkten Mortalitätsrate. Die Wahl des Hormons: Aktuelle Daten zeigen, dass bioidente Östrogene und Gestagene risikofreier sind als synthetische. Ihr Arzt berät Sie gerne!

Scheidentrockenheit, Pilz­ infektionen der Scheide Was kann man gegen Scheiden­ trockenheit tun? Eine verminderte Östrogenproduktion, wie sie z.B. in den Wechseljahren auftritt, führt zu einer verringerten Durchblutung der Scheide und einer Abnahme der Drüsen­ tätigkeit. Scheidenwand und Schamlippen werden aufgrund dieser Trockenheit dün-

Eine ausreichende Anzahl von Laktobazillen ist wichtig für eine ausgewogene Vaginalflora.

ner und rissiger. Dies beeinträchtigt auch den Geschlechtsverkehr. Zur Behandlung kommen feuchtigkeitsspendende Salben und Zäpfchen zum Einsatz. Inhaltsstoffe wie z.B. SojaIsoflavone, Aloe vera und Hyaluronsäure haben sich bewährt. Die Zufuhr von Laktobazillen (Milchsäurebakterien) kann zur Wiederherstellung einer ausgeglichenen Scheidenflora beitragen und vor Infektionen schützen. Beim Geschlechtsverkehr können zudem Gleitgele eingesetzt werden. Bei starken Beschwerden kommen lokal aufzutragende Hormonsalben (mit Östrogenen) bzw. hormonhaltige Scheidenzäpfchen zur Anwendung.

Führt eine gestörte Scheidenflora immer zu einer Infektion? Nein. Eine reduzierte Laktobazillenzahl in Verbindung mit einer geschwächten


Geschlechtshormone Körperabwehr (z.B. durch Stress) begünstigt jedoch die Entstehung einer Scheideninfektion.

Welche Arten von Scheideninfektionen gibt es? Am häufigsten sind Pilzinfektionen sowie die durch Bakterien ausgelöste bakterielle Vaginose, Trichomonaden- und Chlamydieninfektion. Wichtiger Hinweis: Im Gegensatz zu Pilzinfektionen erhöhen bakterielle Infektionen während einer Schwangerschaft das Risiko für eine Frühgeburt signifikant. Daher sind entsprechende ­ Vorsorgeuntersuchungen von großer Bedeutung!

Wie entsteht eine Pilzinfektion? Scheidenpilzinfektionen (Vaginalmykosen) werden in der Mehrzahl der Fälle durch den Pilz Candida albicans ausgelöst. Bei gestörter Abwehrfunktion der Döderlein-Bakterien können sich diese Hefepilze übermäßig vermehren und führen zu einer Infektion. Typische Symptome: Rötung, Juckreiz und weißer, bröckeliger Ausfluss Zur Vorbeugung: sanfte Reinigung sowie Zufuhr von Milchsäurebakterien

Eines der typischen Symptome einer ­Scheidenpilzinfektion: Juckreiz! 26 Hormone verstehen 2017

Zur Behandlung: pilzhemmende Mittel zur lokalen Anwendung oder in hartnäckigen Fällen Antimykotika zum Schlucken. Die Zufuhr von Laktobazillen kann unterstützend eingesetzt werden.

Intimpflege Was ist bei der Intimpflege zu ­beachten? Der Intimbereich der Frau gehört zu den sensibelsten Stellen ihres Körpers. Unzählige Mikroorganismen sorgen dafür, dass die Vaginalschleimhaut ein saures Milieu aufweist und so ihre wichtige Schutzfunktion ausüben kann. Gerät die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, können sich krank machende Keime wie Hefepilze dort ansiedeln. Deshalb sind Seifen oder parfümierte Duschgele zur Intimpflege ungeeignet, denn eine der häufigsten Ursachen einer gestörten Scheidenflora ist falsche oder übertriebene Intimhygiene. Gerade in Zeiten hormoneller Veränderungen – z.B. Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre, aber auch Stress oder Medikamente (z.B. hormonelle Verhütung, Antipilzmittel und Antibiotika) – ist die Abwehrkraft der Scheide geschwächt. Eine sanfte Reinigung mit einem speziellen pH-angepassten Intimpflegeprodukt ist in diesen Zeiten besonders ratsam. Tipp: Produkte mit Milchsäure sorgen für ein saures Milieu und tragen so zu einem natürlichen Gleichgewicht der Scheidenflora bei. Pflanzliche Wirkstoffe (z.B. Aloe) pflegen die empfindliche Haut zusätzlich.


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Bildschirmarbeit fördert das Entstehen trockener Augen.

Trockene Augen Was versteht man unter „trockenen Augen“? Symptome dieses Beschwerdebildes sind u.a. Brennen der Augen, ein „kratziges Gefühl“ oder „Sandkorngefühl“ sowie verschwommenes Sehen. Grundsätzlich leiden viele Menschen unter trockenen Augen (Fachausdruck: SiccaSyndrom); häufige Bildschirmarbeit und trockene Raumluft (z.B. durch Heizung oder Klimaanlage) können die Beschwerden hervorrufen bzw. verschlimmern. Zudem besteht ein Zusammenhang mit den Geschlechtshormonen, denn diese beeinflussen die Tränen produzierenden Organe und das Augenoberflächengewebe.

Welche Rolle spielen die weiblichen Sexualhormone? Ein niedriger Östrogenspiegel kann zu trockeneren Schleimhäuten führen. Davon betroffen ist nicht nur der Genitalbe28 Hormone verstehen 2017

reich („Scheidentrockenheit“; siehe Seite 25), sondern der Effekt betrifft auch Mund, Nase und eben die Augen. Mit dem sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren nimmt daher die Häufigkeit von Sicca-Erkrankungen zu.

Was kann ich gegen trockene Augen tun? Das auftretende Trockenheitsgefühl der Augen kann durch Augentropfen gelindert werden. Diese Tropfen sorgen für eine Befeuchtung der Augen. Konservierungsmittelfreie Augentropfen stehen zur Verfügung und sind laut Augenärzten zu bevorzugen. Einige der Präparate sind auch für Kontaktlinsenträger geeignet. Fragen Sie in Ihrer Apotheke! Hinweis: Grundsätzlich sollten trockene Augen beim Augenarzt abgeklärt werden, um eventuell zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen. Treten die Beschwerden in den Wechseljahren auf, sollten Sie auch mit Ihrem Gynäkologen/ Ihrer Gynäkologin darüber sprechen.


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Harnwegsinfekte Gibt es einen Zusammenhang zwischen Blasenentzündung und Hormonen? Ja. Auch die Blasenschleimhaut ist von den hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre, insbesondere von der Abnahme der Hormonproduktion in den Eierstöcken, betroffen. Harnwegsinfekte treten häufiger auf und es kommt auch vermehrt zu Blasenschwäche (Harninkontinenz).

Wodurch entsteht eine Blasen­ entzündung? Ursache für eine Blasenentzündung (auch Harnwegsinfekt oder Zystitis genannt) sind in der Mehrzahl der Fälle sogenannte Escherichia-coli-Bakterien, die aus dem eigenen Darm in die Blase einwandern.

Warum sind vor allem Frauen ­betroffen? Dies liegt an der weiblichen Anatomie: Escherichia-coli-Bakterien können vom

Darm besonders leicht in die Scheide eindringen und von dort über die kurze weibliche Harnröhre rasch in die Blase gelangen. Außerdem ist bei Frauen die Schleimhaut im Scheidenbereich durch die hormonellen Veränderungen nach der Menopause anfälliger für Krankheitserreger. Daher kommt es in und nach den Wechseljahren, aber auch in der Schwangerschaft und eventuell bei hormoneller Verhütung häufiger zu Harnwegsinfekten. Bei Männern steigt die Häufigkeit für Harnwegsinfekte mit zunehmendem Alter an, meist in Zusammenhang mit einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (siehe Seite 34).

Wie wird ein Harnwegsinfekt ­behandelt? Man sollte möglichst viel trinken, um die Keime auszuschwemmen. Geeignet sind stilles Mineralwasser, Leitungswasser, Kräutertees und spezielle Blasentees, die zusätzlich über harntreibende und entzündungshemmende Inhaltsstoffe verfügen. Die Inhaltsstoffe von Cran-

Bei Harnwegsinfekten sowie zur Vorbeugung gilt: viel trinken!

30 Hormone verstehen 2017


Geschlechtshormone berry und Preiselbeeren können möglicherweise das Anhaften der Bakterien an der Blasenschleimhaut verhindern. Die vermehrte Zufuhr von Vitamin C und Vitamin D unterstützt generell die Immunabwehr. Achten Sie auf Wärme und körperliche Schonung! Halten die Beschwerden trotz der genannten Selbsthilfemaßnahmen an, ist eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich.

Harninkontinenz Ist Blasenschwäche bei Frauen häufig? Im Durchschnitt aller Altersgruppen leiden zwischen 25 und 45% der weiblichen Gesamtbevölkerung unter unfreiwilligem Harnverlust; bei älteren Frauen sind es sogar bis zu 60%. Man unterscheidet bei Harninkontinenz zwischen Belastungsinkontinenz (früher „Stressinkontinenz“), überaktiver Blase (früher „Dranginkontinenz“) und Mischformen. Gerade bei der Entstehung der überaktiven Blase ist ein Hormonmangel in und nach den Wechseljahren ein häufiger Faktor.

Wie wird behandelt? Liegt eine anatomische oder krankhafte Veränderung der Harnwege vor, muss diese behandelt werden. Frauen nach der Menopause profitieren von einer lokalen Östrogentherapie (mittels Salbe oder Zäpfchen). Zudem zeigen Maßnahmen wie Blasentraining und Gewichtsreduktion gute Erfolge. Sollten die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen anhalten, sind die

Behandlung mit Medikamenten und/ oder operative Eingriffe möglich.

MÄNNLICHE GESCHLECHTS­ HORMONE Was sind Androgene? Androgene sind die männlichen Sexualhormone. Dazu zählen Testosteron, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und An­ drostendion.

Was bewirkt Testosteron? Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es kommt im männlichen und im weiblichen Körper vor, bei Frauen jedoch in viel geringerer Konzentration. Überwiegen aber bei der Frau die Androgene, wie es beispielsweise bei einem Östrogen-Androgen-

Androgene ... • verstärken die Körperbehaarung und die Muskelmasse; • beleben das sexuelle Verlangen; • verstärken aggressives Verhalten; • fördern die Bildung von roten Blut­ körperchen; • fördern den Antrieb und das Wohl­ befinden; • wirken positiv auf den Knochenstoff­ wechsel.

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Geschlechtshormone Ungleichgewicht in der Pubertät oder in der Menopause der Fall ist, entstehen unreine, fettige Haut, Pickel oder Akne. Manchmal kommt es auch zu übermäßigem Haarwuchs im Gesicht und am Körper oder zu Haarausfall. Beim Mann wird Testosteron vor allem im Hoden, aber auch in kleineren Mengen in der Nebennierenrinde produziert. Beim männlichen Embryo ist Testosteron dafür verantwortlich, dass Penis, Hodensack und Prostata ausgebildet werden. In der Pubertät regt es dann das Wachstum der Geschlechtsorgane, die Ausbildung eines männlichen Erscheinungsbildes und die Reifung der Spermien an. Der Testosteronspiegel verändert sich im Laufe des Lebens bzw. schwankt sogar im Tagesverlauf. Morgens ist der Testosteronwert am höchsten, da Testosteron während des Schlafes gebildet wird. Grundsätzlich erreicht ein Mann rund um das 25. Lebensjahr den Gipfel seines Testosteronwerts, ab dem 40. Lebensjahr nimmt dieser um ca. 1,6% pro Jahr ab.

Welchen Einfluss hat Testosteron bei Männern und Frauen? Testosteron beeinflusst die Libido (sexuelles Verlangen), den Antrieb und das aggressive Verhalten. Zudem führt es zu einer Zunahme von Muskelmasse und -kraft sowie von Knochendichte und -reife. Da­ rüber hinaus beeinflusst Testosteron den Fett- und Zuckerstoffwechsel.

Welche weiteren Androgene gibt es? Neben Testosteron gehören folgende Hormone zu den wichtigsten Androgenen: • Dihydrotestosteron (DHT): Dieses 32 Hormone verstehen 2017

Stoffwechselprodukt des Testosterons ist die aktivste Form des Testosterons und unter anderem für die Entwicklung und Funktion der Prostata, der Samenblasen, der männlichen Körperbehaarung und des Bartwuchses verantwortlich. • Dehydroepiandrosteron (DHEA): wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist eine der metabolischen Zwischenstufen des Testosterons. Es wird daher als Prohormon bezeichnet. • Androsteron: bildet sich beim Abbau von Testosteron in der Leber. Es ist an der Ausprägung der männlichen sekundären Geschlechtsmerkmale beteiligt und beeinflusst die Libido.

„Männliche Wechseljahre“ Kommt auch der Mann in die­ Wechseljahre? Von einer „Andropause“ als Pendant zur weiblichen Menopause kann man beim Mann nicht sprechen, da der Einschnitt in den männlichen Hormonhaushalt bei Weitem nicht so gravierend ist. Doch auch bei Männern macht sich die Veränderung des Hormonspiegels mit zunehmendem Alter bemerkbar. Während bei Frauen die Eierstöcke jedoch innerhalb relativ kurzer Zeit die Produktion der Hormone herunterfahren, geschieht dies beim Mann deutlich langsamer. Die Umstellung dauert viele Jahre bzw. Jahrzehnte.

Welche Beschwerden treten auf? Etwa ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel. Dies kann auch beim


Geschlechtshormone

Bei Männern über 40 Jahre stellt sich ebenfalls der Hormonhaushalt um – besprechen Sie eventuelle Probleme mit Ihrem Arzt! Mann zu Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Abnahme der Libido (= Lust auf Sex) führen. Solche Symptome sollten auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden.

Wie wird behandelt? Der Testosteronabfall kann zwar nicht aufgehalten, aber verlangsamt werden. Ein gesunder Lebensstil leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Dazu gehören Krafttraining mit hoher Intensität, mindestens dreimal pro Woche, eiweißreiche Ernährung, wenig Süßigkeiten, möglichst wenig Alkohol, Gewichtsreduktion sowie Vermeidung bzw. Abbau von Stress. Auch Sexualität pusht die Testosteronproduktion beim Mann!

Wann ist eine Testosteronersatztherapie notwendig? Für eine Testosteronbehandlung sollten folgende Voraussetzungen zutreffen: • eindeutig nachgewiesener Testosteronmangel • deutliche klinische Symptomatik Ziel der Substitution ist die Anhebung des Testosteronspiegels auf physiologische Werte und damit eine Linderung bzw. ­ Beseitigung der Beschwerden. Während einer Testosteronersatztherapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Urologen/Andrologen bzw. bei der Urologin/Andrologin erforderlich!

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Geschlechtshormone

Gutartige Prostatavergrößerung

Wachstum der Prostata medikamentös gehemmt werden.

Was versteht man unter einer gutartigen Prostatavergrößerung?

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei etwa zwei Dritteln aller Männer über 50 Jahren kommt es zu einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Diese wird von Medizinern auch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet. Erste Symptome: verzögerter Beginn des Wasserlassens, dünner oder unterbrochener Harnstrahl, längere Entleerungsdauer, Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen, evtl. Schmerzen beim Urinieren und Gefühl der unvollstän­ digen Entleerung. Zunehmender Harndrang sowohl tagsüber als auch nachts kann ebenfalls ein Zeichen für eine symptomatische Prostatavergrößerung sein.

Nicht immer ist eine Therapie erfor­ derlich. Dies hängt von der Größe der Prostata, von objektiven Befunden (Restharn, Harnstrahl, Blasenwand, Häufigkeit der Blasenentleerung usw.) und den subjektiven Beschwerden des Patienten ab. Ist eine Behandlung notwendig, kommen Medikamente oder eine Operation zum Einsatz.

Welche Rolle spielt Testosteron bei der Entstehung? Die genauen Ursachen einer gutartigen Prostatavergrößerung sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Als mögliche Faktoren gelten altersbedingte Veränderungen im männlichen Hormonhaushalt, die zu einem Ungleichgewicht führen. Paradoxerweise kommt es gerade dann zu überschießendem Zellwachstum, wenn die Produktion von Testosteron ab dem mittleren Lebensalter zurückgeht – obwohl das Testosteron für das Wachstum der Prostata zuständig ist. Man nimmt an, dass auch Vererbung, Umwelteinflüsse und Ernährung bei der Entstehung eine Rolle spielen. Durch die Hemmung der Umwandlung von Testosteron in das prostataaktive Dihydrotestosteron kann das 34 Hormone verstehen 2017

Prostatakrebs Wie entsteht Prostatakrebs? Im Gegensatz zur gutartigen Prostatavergrößerung kommt es beim Prostatakrebs zu einem bösartigen Zellwachstum, das Metastasen bilden kann. Die genauen Ursachen, warum Prostatazellen bösartig entarten, sind bisher großteils unbekannt.

Bei Prostatabeschwerden oder Erektionsproblemen sollte eine urologische Abklärung erfolgen.


Geschlechtshormone

Muss jedes Prostatakarzinom ­behandelt werden? Ob, wann und welche Behandlung durchgeführt wird, hängt vom Alter des Patienten, seiner Lebenserwartung, vom Stadium der Erkrankung und der Aggressivität des Tumors ab. Zur Behandlung können Operation (komplette Entfernung der Prostata und der Samenblasen), Strahlentherapie, Hormonentzugstherapie (Testosteronspiegel wird gesenkt), Chemotherapie und Medikamente, die die Knochenstruktur und -mineralisation (Metastasen, Osteoporose) beeinflussen, eingesetzt werden.

Erektionsprobleme Welche Rolle spielen Hormone bei der Erektion? Eine Erektion entsteht durch ein komplexes und äußerst sensibles Zusammenspiel mehrerer Faktoren (Nerven, Hormone, Botenstoffe, Blutgefäße, Muskelzellen). Tritt in nur einem dieser Bereiche eine Irritation auf, kann es zu Erektionsstörungen kommen. Die wichtigste Rolle spielt das Sexualzentrum in Mittelhirn und Hypothalamus, das alle mit Sex zusammenhängenden Einflüsse vom Gehirn aus steuert.

Was versteht man unter „erektiler Dysfunktion“ (ED)? Bei dieser sexuellen Funktionsstörung kommt keine oder eine zu geringe Erektion des Penis zustande oder kann nicht so lange aufrechterhalten werden, dass ein befriedigender Geschlechtsverkehr möglich ist. Etwa 16% aller Männer lei-

den unter ED, wobei die Häufigkeit mit dem Alter stark zunimmt. Von gelegentlichen Potenzstörungen ist sogar knapp eine Million Österreicher betroffen. Eine Abklärung der ED durch den Urologen/Andrologen bzw. die Urologin/Andrologin sollte unbedingt erfolgen, denn es können sich dahinter für die Gesundheit und das Leben des Mannes wesentlich schwerwiegendere und noch unerkannte Erkrankungen verstecken, wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Gefäßverkalkungen. Männer mit ED haben ein deutlich höheres Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, als ihre Altersgenossen ohne ED.

Kann ED behandelt werden? Ja! Leider zögern immer noch viele betroffene Männer, einen Urologen/Andrologen bzw. eine Urologin/Andrologin aufzusuchen. Dabei stehen wirksame medikamentöse Therapien, sogenannte PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase5-Hemmer), zur Verfügung. Auch Lebensstiländerungen (Reduktion von Übergewicht, Stressabbau etc.) spielen eine Rolle.

Kinderwunsch beim Mann Was tun, wenn das Wunschkind auf sich warten lässt? Auch das Alter des Mannes – nicht nur jenes der Frau – spielt bei der Empfängnis eine Rolle. Denn im Laufe des Lebens verschlechtert sich die Samenqualität zunehmend, obwohl die Samenproduktion in der Regel nie völlig zum Stillstand kommt. Hormone verstehen 2017 35


Geschlechtshormone Wichtiger Hinweis: Wenn circa ein Jahr nach Absetzen aller Verhütungsmethoden keine Schwangerschaft eintritt, sollte eine medizinische Abklärung erfolgen. Aufgrund des geringeren Aufwands ist es sinnvoll, mit Untersuchungen beim Mann zu beginnen.

Parvisemie: Die Menge des Spermas ist zu gering (unter 2 ml).

Welche Störungen der Samenproduktion gibt es?

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Azoospermie: Es werden keine Samenzellen produziert. Oligozoospermie: Es sind nur wenige Samenzellen nachweisbar. Teratozoospermie: Der überwiegende Teil der Samenzellen ist missgebildet. Asthenozoospermie: Die Beweglichkeit der Samenzellen ist massiv eingeschränkt. Nekrozoospermie: In der Probe sind keine lebenden Samenzellen nachweisbar.

Zunächst können bei leichten Störungen eine Änderung des Lebensstils und eine Behandlung mit Vitaminen, Spurenelementen und speziellen Aminosäuren versucht werden. Die Therapie sollte mindestens über drei Monate erfolgen, denn ein Spermium benötigt von der Entstehung bis zur völligen Ausreifung zehn Wochen. Krampfadern und Verschlüsse der Samenleiter müssen chirurgisch behoben werden. Wenn alle diese Möglichkeiten nicht zu einer Schwangerschaft führen, besteht die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung.

Die männliche Spermienproduktion Ein gesunder junger Mann produziert 1.200 Spermien pro Sekunde (bis zu 100 Millionen pro Tag). Die Entwicklung der Spermien findet in den Leydig-Zellen der Hoden statt. Zwei Hormone, die in der Hirn­ anhangdrüse (Hypophyse) gebildet werden, spielen dabei eine wichtige Rolle: • Das luteinisierende Hormon (LH) steuert die Bildung des Testosterons in den Leydig-Zwischenzellen des Hodens. • Das follikelstimulierende Hormon (FSH) stimuliert die Aktivität der für die Samenzellbildung wichtigen Sertoli-Zellen und steuert damit die Samenzellproduktion.

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Mögliche Ursachen für eine gestörte Samenproduktion: hormonelles Ungleichgewicht oder genetische Störungen

Gibt es hormonelle Verhütungs­ methoden für den Mann? Hormonelle Methoden zur Empfängnisverhütung aufseiten des Mannes sind bis dato unausgereift. Die Verwendung von Kondomen in einer festen Beziehung empfinden manche Paare als störend. Die Vasektomie, d.h. die operative Durchtrennung der Samenleiter, stellt eine mögliche Alternative für ­Paare ohne oder mit abgeschlossenem Kinderwunsch dar. Eine entsprechende Beratung wird von jedem Urologen/­ jeder Urologin angeboten.


EINFLUSS DER HORMONE AUF DEN STOFFWECHSEL Blick: Auf einen

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Was passiert bei Diabetes? Diese chronische Stoffwechselstörung ist durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet und auf einen Insulinmangel allein (Typ 1) oder auf einen Insulinmangel in Kombination mit verminderter

Insulinwirkung (Typ 2) zurückzuführen. Insulin regt die Zellen an, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Anschließend bauen die Zellen den Zucker in Energie um. Bei zu wenig Insulin im Körper entsteht Diabetes.

Welche Formen von Diabetes gibt es? Typ-1-Diabetes: 10% der Diabetes-Erkrankten sind von dieser Autoimmunerkrankung betroffen. Die Insulin produzierenden Zellen (Betazellen) in der Bauchspeicheldrüse werden von der eigenen Immunabwehr zerstört. Die Folge: Es wird zu wenig oder kein Insulin produziert, wodurch es zu einem absoluten Insulinmangel kommt. Typ-1-Diabetiker müssen daher Insulin „künstlich“ zuführen. Risikofaktoren für die Entstehung dieser Autoimmunerkrankung sind Erbfaktoren, Umwelteinflüsse und durchgemachte Virusinfektionen. Hormone verstehen 2017 37


Stoffwechsel Typ-2-Diabetes: 85–90% der DiabetesErkrankten leiden darunter. Dieser Typus tritt meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf und wurde früher deshalb oft als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Allerdings sind zunehmend auch jüngere Menschen betroffen. Daneben gibt es noch den Gestations­ diabetes (Schwangerschaftsdiabetes) sowie einige seltene Formen der Zuckerkrankheit.

Wie wird Typ-1-Diabetes behandelt? Da bei Typ-1-Diabetes ein absoluter Mangel an Insulin vorliegt, besteht die Therapie in der Zufuhr dieses Hormons mittels Insulinpräparaten. Diese Insulinbehandlung muss lebenslang durchgeführt werden.

Wie wird Typ-2-Diabetes behandelt? Gesunde Ernährung, bei Bedarf Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität zählen nicht nur zu den effizienten Vorbeugemaßnahmen, um das Auftreten von Diabetes zu verhindern, sondern stellen auch eine wichtige Säule in der Behandlung des Typ-2-Diabetes dar. Sind diese Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichend, stehen medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung.

Welche weiteren Hormone werden in der Bauchspeicheldrüse produziert? Die Bauchspeicheldrüse produziert neben Insulin auch Glukagon, den ­ ­„Gegenspieler“ des Insulins. Glukagon bewirkt, dass bei Energiebedarf Reservezucker zu Glukose abgebaut und in die Blutbahn abgegeben wird. Das Zusammenspiel von Insulin und Glukagon 38 Hormone verstehen 2017

Ausgewogene Ernährung ist für Kinder und Erwachsene von großer Bedeutung! ist für einen stabilen Blutzuckerspiegel verantwortlich. Besteht ein erhöhter Energiebedarf, z.B. bei schwerer Arbeit, beim Sport oder auch wenn wir unter Stress stehen, spielt Cortisol, das auch als Kortison bezeichnet wird, eine Rolle für unseren Stoffwechsel: Es steigert die Glukosekonzentration im Blut. Cortisol, das in der Nebenniere gebildet wird, bewirkt zudem den Abbau von Eiweißen in der Muskulatur und von Fett aus dem Fettgewebe. Des Weiteren wirkt es antientzündlich und antiallergen.

Welche Rolle spielen Hormone für Appetit und Sättigung? • Ghrelin steigert die Ausschüttung des Wachstumshormons, wird überwiegend in der Magenschleimhaut gebildet und regt den Appetit an. • Leptin wird großteils in den Fettzellen gebildet und dient der Regulation des


Stoffwechsel Fettstoffwechsels. Es ist der Gegenspieler von Ghrelin, denn es hemmt das Hungergefühl: Steigt die LeptinKonzentration im Blut, signalisiert dies dem Gehirn ein Sättigungsgefühl. • Adipokine sind Hormone, die vom Fettgewebe produziert werden. Sie haben ebenso wie Leptin die Funktion, Hunger- und Sättigungsgefühle sowie die Insulinempfindlichkeit zu steuern.

Wie kommt es zu Übergewicht und Adipositas? Wird zu lange mehr Energie zugeführt als verbraucht, entsteht zu viel Depotfett. Die Folge: Übergewicht. Dabei spielen genetische Faktoren (Veranlagung), psychische Aspekte (Stress, Depression etc.) und Umweltfaktoren (vorwiegend sitzende Tätigkeit, mangelnde Bewegung etc.) eine Rolle. Des Weiteren können auch hormonelle Erkrankungen, wie z.B. Schilddrüsen­ unterfunktion (siehe Seite 49) oder ­Cortisolüberproduktion, eine Rolle bei der Gewichtszunahme spielen.

aufnahme negativ beeinflussen können. Zudem können diese Hormone Entzündungsprozesse in den Gefäßen und die Förderung einer Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“) hervorrufen. So kann Insulinresistenz und dadurch Diabetes entstehen.

Wie wird behandelt? Bei Adipositas sollten eine Ernährungsberatung und ein Bewegungsprogramm immer Teil der Therapie sein. Psychologische Beratung kann ebenfalls hilfreich sein. Erzielen diese Maßnahmen keinen ausreichenden Erfolg, kann eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden. Bei stark fettleibigen Menschen können zudem operative Maßnahmen (Magenverkleinerung, Magenbypass, Verkleinerung des Mageneingangs mittels Magenband) erwogen werden.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Fettgewebe und Stoffwechsel? Dabei muss zwischen Bauchfett und dem Fettgewebe, das sich im Gesäß-, Hüft- und Oberschenkelbereich anreichert, unterschieden werden. Letzteres stellt zwar für manche Betroffene ein ästhetisches Problem dar, ist aber für den Stoffwechsel unerheblich. Relevant ist in diesem Zusammenhang vor allem das Bauchfett. Dieses ist ein sehr stoffwechselaktives Organ und kann selbst verschiedene Hormone produzieren, die Blutzucker, Blutdruck und Nahrungs-

Mehrere Sporteinheiten pro Woche sind eine wichtige Grundlage eines gesunden Lebensstils! Hormone verstehen 2017 39


DIE AUFGABE DER VERDAUUNGS­HORMONE Blick: Auf einen

influssen die ormone bee sh g n chüt­ u u a rd e • V ung, die Auss les g e w e -B rm vie Magen-Da zymen und rdauungsen e V n vo g n tu mehr. Verdau­ der direkt im e tw n e n e rd gen über • Sie we t oder gelan e ild b e g t k arm-Trakt. ungstra en Magen-D d in n h a tb die Blu

Was sind die Aufgaben von Gastrin? Gastrin wird vorwiegend in bestimmten Zellen des Magens und der Zwölffingerdarmschleimhaut gebildet. Es regt die 40 Hormone verstehen 2017

Säureproduktion im Magen und die Ausschüttung von Pepsinogen (inaktive Vorstufe des Verdauungsenzyms Pepsin) an und stärkt die Kontraktionswellen (Kontraktion = Zusammenziehen eines Muskels) des Magens.

Welche Folgen hat eine zu hohe Gastrin-Produktion? Eine übermäßige Gastrin-Produktion führt zu einer stark erhöhten Salzsäureproduktion der Magenschleimhaut. In der Folge können Magengeschwüre entstehen. Die Behandlung besteht in der Gabe von Protonenpumpenhemmern, die die Produktion von Magensäure hemmen.

Was leistet Cholecystokinin (CCK) für die Verdauung? CCK entsteht in Zellen des Zwölffingerdarms und des Dünndarms. Dieses Hor-


mon verlangsamt die Magenentleerung und verschafft so den Verdauungsvorgängen im Zwölffingerdarm genügend Zeit. Zudem regt Cholecystokinin die Enzymsekretion in der Bauchspeicheldrüse und die Kontraktion der Gallenblase an. Des Weiteren steigert es die Darmmotorik. CCK vermittelt im Zentralnervensystem ein Sättigungsgefühl und verringert dadurch die Nahrungsund Kalorienaufnahme. Fett und Proteine im Speisebrei, der im Magen unter Einwirkung von Verdauungssekreten gebildet wird, regen die Ausschüttung von CCK an.

Blutzuckerspiegel ab, wird vermehrt Glukagon freigesetzt. Steigt der Blutzuckerspiegel, wird die Ausschüttung von Glukagon gehemmt.

Was bewirkt Sekretin?

Was ist GIP?

Sekretin entsteht ebenfalls im Dünndarm und wird durch niedrige pH-Werte des Speisebreis (unter 4,5) angeregt. In der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase und im Dünndarm führt Sekretin zu einer erhöhten Produktion von Bikarbonat und trägt so zu einer Neutralisation der Säuren bei. Zudem hemmt Sekretin die Ausschüttung von Gastrin, was ebenfalls die Magensäurebildung reduziert. Eine weitere Aufgabe von Sekretin ist die Anregung der Kontraktion der Gallenblase (diese gibt daraufhin Galle in den Dünndarm ab). Auch die Insulinproduktion (siehe Seite 37) wird durch Sekretin angeregt.

GIP ist die Abkürzung für „Glukoseinduziertes insulinotropes Peptid“. Dieses Hormon wird im Dünndarm nach fettund kohlenhydratreichem Essen gebildet und erhöht die Insulinausschüttung. Liegt GIP in höherer Konzentration vor, hemmt es zudem die Säureproduktion im Magen und verzögert die Magenentleerung.

Welche Aufgaben hat Glukagon? Glukagon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es wirkt als Gegenspieler zu Insulin, indem es den Blutzuckerspiegel hebt. Zudem fördert es den Fettabbau und das Sättigungsgefühl und verlangsamt die Magenentleerung. Fällt der

Was leistet das vasoaktive intestinale Peptid (VIP)? VIP wird nach der Nahrungsaufnahme (Fette) im Darm freigesetzt. Es entspannt und erweitert die glatte Musku­ latur in Magen und Darm, hemmt die Bildung von Magensäure und die Magen-Darm-Beweglichkeit, steigert die Ausschüttung von Galle, hemmt Gastrin und vieles mehr.

Was bewirkt Somatostatin? Nach dem Essen und bei einem niedrigen pH-Wert im Magen wird Somatostatin freigesetzt. Dieses hemmt u.a. die Kontraktion der der Gallenblasem die Ausschüttung von Pankreasenzymen und von vielen Hormonen, u.a. Insulin, Glukagon, Wachstumshormonen, Gastrin, VIP, GIP, CCK, Gastrin und Pepsin.

Welche weiteren Hormone spielen bei der Verdauung eine Rolle? Motilin: beschleunigt die Magenentleerung und löst in Magen und Darm interHormone verstehen 2017 41


Verdauung digestive Bewegungen aus (interdigestiv = zwischen den Mahlzeiten, eine Art ­„Ruhephase“) Ghrelin (siehe auch Seite 38): wird in der Magenschleimhaut gebildet und regt den Appetit an. In Hungerphasen steigt sein Wert, nach dem Essen sinkt er wieder. Zudem stimuliert Ghrelin die Freisetzung von Wachstumshormonen. Oxyntomodulin: fördert den Energieumsatz und das Sättigungsgefühl GLP (Glucagon-like Peptides): werden in der Bauchspeicheldrüse gebildet und wirken auf verschiedene Zielorgane. GLP-1 steigert die Insulin- und hemmt die Glukagonfreisetzung und zügelt den Appetit (Gehirn).

Verdauungsprobleme können auch hormonell bedingt sein.

Peptid YY (PYY): wird durch Fette und Eiweiß in der Nahrung freigesetzt. Es bremst die Nahrungsaufnahme, die Magensekretion und -entleerung sowie die Sekretion der Bauchspeicheldrüse. Pankreatisches Polypeptid (PP): stammt aus speziellen Zellen der Bauchspeicheldrüse und wird nach dem Essen freigesetzt. Es verlangsamt die Magenentleerung, verringert die Darmbeweglichkeit und die Gallenblasenkontraktion und hemmt die Produktion von Verdauungssaft.

Können Verdauungsprobleme ­hormonell bedingt sein? Verdauungsstörungen, wie z.B. Verstopfung (Obstipation) und auch Blähungen/ Blähbauch, können durchaus auf ­Störungen im Hormonhaushalt zurückzuführen sein. Ist beispielsweise das Hormonsystem aufgrund von Diabetes mellitus (siehe Seite 37) oder einer Schilddrüsenunterfunktion (siehe Seite 49) gestört, können Verdauungsprobleme bis hin zu Verstopfung die Folge sein.

Wann kommt es aufgrund von ­hormonellen Veränderungen vermehrt zu Verstopfung? Frauen sind von Verstopfung häufiger betroffen, insbesondere in der Schwangerschaft, Stillzeit und auch während der Wechseljahre. Manche Frauen leiden auch während ihres Monatszyklus immer wieder darunter. Es gibt Hinweise darauf, dass dabei die weiblichen Sexualhormone (Östrogene und Gestagene; siehe Seite 9) eine Rolle spielen. 42 Hormone verstehen 2017


KNOCHENSTOFFWECHSEL: AUF- UND ABBAU DES KNOCHENS IM GLEICHGEWICHT Blick: Auf einen zeichnet wechsel“ be ff o st n e h c o die dem • „Kn en Vorgänge, h c is g lo io b die ensubstanz u der Knoch a b b A d n u Knochen Aufhrung der im ä rn E r e d ie sow en. n Zellen dien vorhandene ochen­ kung des Kn n ra rk E e st • Die häufig ist die Osteoporose. ls stoffwechse

zellen (Osteoklasten) „rüsten“ den Knochen ab. Die Knochenaufbauzellen (Osteoblasten) füllen die Vertiefungen im Knochengewebe wieder auf, indem sie Knochenmatrix absondern und deren anschließende Mineralisierung veranlassen. Dieser dauernde Umbau der Knochen ermöglicht eine ständige Anpassung an sich ändernde Belastungen. Zudem ist er wichtig, um kleine Risse in den Knochen, die immer wieder durch winzige Verletzungen auftreten, reparieren zu können. Die Aktivität der Knochenaufbau- und Knochenabbauzellen und die Mineralisierung des Knochens werden durch Hormone gesteuert.

Was versteht man unter „Knochenmasse“?

Verändert sich die Knochendichte mit dem Alter?

Unsere Knochen sind stark durchblutet, ständig wird Knochenmasse auf- und wieder abgebaut: Die Knochenabbau-

Knochenabbau und Knochenaufbau befinden sich normalerweise im Gleichgewicht. In der Kindheit und Jugend überHormone verstehen 2017 43


Knochenstoffwechsel wiegt geringfügig der Aufbau der Knochenmasse. Etwa ab dem 30. Lebensjahr ist hingegen ein messbarer physiologischer Verlust der Knochendichte feststellbar. Tipp: Viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung (v.a. Kalzium und Vitamin D in Tropfen- oder Tablettenform) können den Knochenabbauprozess verlangsamen!

OSTEOPOROSE Was passiert bei Osteoporose? Durch eine verminderte Knochendichte und/oder eine verminderte Knochenqualität kommt es zu einer porösen, brüchigen Knochensubstanz, sodass das Risiko für Knochenbrüche stark ansteigt. Diese Krankheit wird oft auch als Knochenschwund bezeichnet. Hauptsächlich betroffen sind Schenkelhals (Hüfte), ­ Wirbelkörper (deshalb werden die Betroffenen kleiner) und Unterarme. Unterschieden wird zwischen der primären Osteoporose, die mit dem Alter, dem Hormonspiegel und dem Kalziumstoffwechsel zusammenhängt, und der sekundären Osteoporose. Bei Letzterer wird der Knochenschwund durch andere Erkrankungen begünstigt, z.B. durch Störungen des Kortisonstoffwechsels, einen Mangel an Geschlechtshormonen oder eine Schilddrüsenüberfunktion.

Wer ist besonders gefährdet? Bei 40% der Frauen und 10% der Männer ab dem 50. Lebensjahr tritt Osteoporose auf. Der Grund für die häufigere 44 Hormone verstehen 2017

Betroffenheit von Frauen ist ihre Knochenmasse: Diese ist genetisch bedingt geringer als die der Männer. Auch die Wechseljahre spielen eine Rolle, denn mit Eintritt der Menopause wird immer weniger Östrogen produziert. Dieses Hormon hat aber einen knochenschützenden Effekt, der in den Wechseljahren sinkt. Nimmt das Östrogen ab, wird daher auch mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut. Es leiden somit die Knochendichte und die Knochenqualität. Neben Frauen in den Wechseljahren weisen auch untergewichtige Mädchen und Frauen ein erhöhtes Osteoporoserisiko auf, weil bei ihnen zumeist auch eine Störung des weiblichen Hormonhaushalts vorliegt. Folgende Merkmale deuten auf Osteoporose hin und sollten ärztlich abgeklärt werden: • chronische Rückenschmerzen • Verlust an Körpergröße • zunehmende Rundrückenbildung • vermehrte Faltenbildung am Rücken • Brüche vor allem im Bereich der Unterarme, Rippen und Hüften (keine Sport- oder Verkehrsunfälle) Bei Osteoporose­ kommt es zu einer verminderten Knochendichte – die Gefahr für Knochenbrüche steigt!


Knochenstoffwechsel

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Grundlage der Therapie ist die ausreichende Zufuhr von Kalzium (1.000 mg täglich) in Kombination mit Vitamin D (1.000 Einheiten täglich). Denn bei Osteoporose befindet sich zu wenig Kalzium im Knochen, der dadurch porös wird. Die Dosis wird vom Arzt festgelegt. Wichtige Kalziumlieferanten sind Milchprodukte (je härter das Milchprodukt, desto mehr Kalzium; z.B. enthalten 10 dag Parmesan 1.000 mg Kalzium), aber auch Spinat, Brokkoli, Haselnüsse und kalzium­reiches Mineralwasser. Das Knochenvitamin D kann von der Haut durch Sonnenlicht selbst gebildet werden (siehe Seite 63). Ein geringerer Anteil kann auch mit der Nahrung aufgenommen werden. Reichliche Vitamin-D-Lieferanten sind fetter Fisch und Eigelb. Die zweite wichtige Säule der Behandlung stellt regelmäßige Bewegung dar, die auch bei der Vorbeugung eine wichtige Rolle spielt.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz? Ebenfalls Bestandteil der Therapie sind verschiedene Medikamente. Es kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die das Risiko für einen Bruch senken, den Verlust an Knochenmasse minimieren bzw. den Knochenaufbau und somit die Knochenstabilität fördern. Diese Medikamente sollten in jedem Fall entsprechend der ärztlichen Vorgabe eingenommen werden, da sonst die Gefahr für Knochenbrüche wieder zunimmt.

Zur Osteoporose-Vorbeugung und -Behandlung: Ausreichend Kalzium und Vitamin D zuführen! Zum Einsatz kommen: • knochenabbauhemmende Substan­ zen, die den Knochenabbau hemmen und somit die Knochendichte erhöhen (zu dieser Substanzklasse gehören Bisphosphonate, Denosumab sowie Selek­ tive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM)) • zweifach wirksame Substanz wie Strontiumranelat • knochenaufbaufördernde Substanz (Parathormon PTH-Analogon 1–34 [Teriparatid]), die bei Hochrisikopatienten, die besonders frakturgefährdet sind, eingesetzt wird, wenn eine Behandlung mit Bisphosphonaten nicht ausreicht. • Östrogene (weibliche Geschlechtshormone), die auf das Knochen abbauende und auf das Knochen aufbauende System Einfluss nehmen und so die Gefahr des Knochenbruchs senken. Sie sind nur indiziert bei Frauen nach dem Wechsel mit typischen Wechselbeschwerden (siehe auch Seite 14). Hormone verstehen 2017 45


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WACHSTUMS­HORMONE: MANGEL FÜHRT ZU ­KLEINWÜCHSIGKEIT

Blick: Auf einen seiner er als 97% in le k d in K in wüchsigkeit, • Ist e n, liegt Klein e , ss o n e g rs Alte enwachstum dertes Läng in rm ve in e also vor. chs: familiäre re von Kleinwu n e h schwe c a rs U  • lernährung, e g n a M , g n hstums­ Veranlagu ungen, Wac k n ra rk E e h chronisc Schwanger­ ährend der ums­ störungen w el an Wachst g n a M in e d schaft un hormonen

Was leistet das Wachstumshormon Somatotropin für uns? Wir benötigen Somatotropin – auch als „Human Growth Hormone“ (GH) be46 Hormone verstehen 2017

zeichnet – zum normalen Körperwachstum. Gebildet wird dieses menschliche Wachstumshormon in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). GH wird vor allem nachts ins Blut freigesetzt. Seine Aufgaben sind vielfältig: Es ist unter anderem für die Steuerung verschiedener Körpervorgänge zuständig, z.B. Längenwachstum und Aufbau von Knochen, Muskulatur und Bindegewebe. Zudem ist GH an der Regulation des Blutzucker- und Fettstoffwechsels beteiligt.

Warum ist gerade bei Kindern eine ausreichende Versorgung wichtig? Unser Körper wächst während der Kindheit enorm. Für diesen jahrelangen Prozess wird GH benötigt. Abgeschlossen ist das Längenwachstum etwa drei Jahre nach Einsetzen der Pubertät. Erst dann schließen sich die Wachstumsfugen in den langen Röhrenknochen der


Arme und Beine. Dies wird durch die Geschlechtshormone (siehe Seite 8) gesteuert.

Wie entsteht ein Wachstumshormonmangel? Ein Mangel an GH kann bereits von Geburt an vorliegen. In sehr seltenen Fällen ist dies die Folge eines vererbten Gendefekts. Auch Verletzungen, Tumoren der Hirnanhangdrüse und eine hoch dosierte Bestrahlung des Kopfbereiches (z.B. bei der Therapie von Hirntumoren) können in jedem Lebensalter einen Wachstumshormonmangel verursachen.

Wie erkenne ich eine Wachstumsstörung bei meinem Kind? Bei manchen Kindern bzw. Jugendlichen kommt es zu einem verzögerten Wachstum, das noch nichts mit Kleinwüchsigkeit zu tun haben muss: Das Wachstum der Knochen schreitet in diesen Fällen nur etwas langsamer voran. Die Endgröße entspricht der natürlichen Veranlagung, wird aber erst später erreicht als bei anderen Kindern. Mögliche Ursachen für Wachstumsstörungen sind familiäre Veranlagung, Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen, aber auch psychische Faktoren.

• eher kleine Hände und Füße • schlaffe, unterentwickelte Muskulatur • Verzögerung der Knochenreifung (nur vom Arzt feststellbar) • Neigung zur Unterzuckerung (Hypoglykämie; nur vom Arzt feststellbar)

Wie wird behandelt? Liegt dem Wachstumshormonmangel eine nicht behebbare Ursache zugrunde oder kann keine Ursache ermittelt werden, erfolgt die Therapie, indem das fehlende Hormon ersetzt wird. Dabei ­ wird dem Kind ein biotechnologisch her­gestelltes, menschliches Wachstums­ hormon einmal täglich ins Unterhautgewebe gespritzt. Eine Einnahme in Tablettenform ist leider nicht möglich, da das Wachstumshormon ein Eiweiß ist, das vom Magensaft abgebaut wird. Sobald mit der Verabreichung des Hormons begonnen wurde, setzt ein ­ „Aufholwachstum“ ein. Während der Therapiedauer sind regelmäßige Kon­ trolluntersuchungen notwendig. Ein Verdacht auf Wachstumsstörungen sollte ärztlich abgeklärt werden.

Wie merke ich, ob mein Kind zu wenig Wachstumshormon produziert? Die Symptome sind – je nachdem, ob die Hirnanhangdrüse gar kein Wachstumshormon oder nur verminderte Mengen produziert – unterschiedlich stark ausgeprägt: • Wachstumsverzögerung/Kleinwuchs • „puppenartiges“ Gesicht Hormone verstehen 2017 47


STÖRUNGEN DER SCHILDDRÜSENFUNKTION Blick: Auf einen

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Wozu dienen die Schilddrüsenhormone? Die Schilddrüse liegt dicht unterhalb des Kehlkopfs. Im Normalzustand ist sie

von außen weder sicht- noch tastbar. Die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) erfüllen mehrere wichtige Funktionen im Körper: • Erhöhung des sogenannten „Grund­ umsatzes“ (= Energiemenge, die der menschliche Körper zur Aufrechterhaltung seiner Funktion in völliger Ruhe benötigt) ➜ dadurch Steigerung der Herzarbeit, der Körpertemperatur und des Sauerstoffverbrauchs • Erhöhung der Empfindlichkeit für das Stresshormon Adrenalin • Unterstützung des Eiweißaufbaus in den Muskeln • Förderung des Wachstums und der Reifung des zentralen Nervensystems (besonders wichtig für Schwangere und Kinder)


Während T4 von der Schilddrüse gebildet und ausgeschüttet wird, wird T3 zu 80% außerhalb der Schilddrüse aus T4 gebildet. T4 dient also als „Vorläuferhormon“ oder „Vorstufe“ von T3.

Welche Krankheiten beeinflussen die Schilddrüsenfunktion? Es gibt mehrere Erkrankungen, die Einfluss auf die Schilddrüsentätigkeit nehmen können. Dazu gehören z.B. akute und chronische Entzündungen, Vergrößerungen der Schilddrüse („Kropf“), Autoimmunkrankheiten wie Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis sowie Krebserkrankungen (u.a. Gehirntumor oder Tumor der Schilddrüse). Zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion wird als erster Schritt das TSH bestimmt. Bei einer Abweichung des TSHSpiegels werden im zweiten Schritt die T3- und T4-Werte im Blut bestimmt. Dies geschieht somit bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion.

Auch die Basedow-Krankheit ist häufig Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion. Bei dieser Autoimmunerkrankung werden im Körper Antikörper gebildet, die wie TSH wirken. So wird die Schilddrüse zur Produktion von Thyroxin und Trijodthyronin angeregt, obwohl im Körper gar kein Bedarf besteht. Weitere Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion: Schilddrüsenentzündung (als Folge eines Schilddrüsentumors oder einer Überdosierung von Schilddrüsenhormon-Tabletten)

Wie kommt es zu einer ­Schilddrüsenunterfunktion? Eine Schilddrüsenunterfunktion – eine sogenannte Hypothyreose – ist ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Eine Hypothyreose kann sehr selten angeboren sein (fehlende Anlage der Schilddrüse)

Was versteht man unter einer ­Schilddrüsenüberfunktion? Eine Schilddrüsenüberfunktion – der Fachbegriff lautet Hyperthyreose – bezeichnet eine gesteigerte Produktion und Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen. Die Ursache liegt fast immer in der Schilddrüse selbst. So entstehen manchmal in der Schilddrüse einzelne Stellen, die unabhängig vom regulären Prozess Hormone produzieren („Schilddrüsenautonomie“). Werden diese Bereiche zu groß oder zu aktiv, können die gesunden Areale diese Überproduktion nicht mehr ausgleichen.

Die Form der Schilddrüse ähnelt einem Schmetterling.

Hormone verstehen 2017 49


Schilddrüse oder bei schwerstem Jodmangel auftreten und führt unbehandelt zu einer schweren körperlichen und geistigen Entwicklungsstörung (Kretinismus). Auslöser ist zumeist ein Jodmangel der Mutter in der Schwangerschaft oder eine fehlerhafte Anlage der Schilddrüse. Häufigere Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion sind chronische Entzündungen der Schilddrüse, Schilddrüsenoperationen mit Entfernung eines Teils oder des ganzen Organs, eine vorangegangene Radiojodtherapie sowie bestimmte Medikamente. Sehr selten führen Hirntumoren in der Hypophysenregion zu einer verminderten Ausschüttung von TSH und damit zu einer Hypothyreose.

Wie wird behandelt? Schilddrüsenüberfunktion: Hier wird die zugrunde liegende Ursache behandelt. Dabei kommen z.B. Medikamente zum Einsatz, welche die Funktion der Schilddrüse hemmen (Thyreostatika). Weitere Therapieoption: eine Operation, bei der die betroffenen Areale oder die gesamte Schilddrüse entfernt wird, oder eine Radiojodtherapie, bei der radioaktiv behandeltes Jod verabreicht wird, das zum Absterben von Schilddrüsengewebe führt. Schilddrüsenunterfunktion: Zur Behandlung müssen lebenslang die Schilddrüsenhormone in Tablettenform eingenommen werden.

Was versteht man unter einem „Kropf“? „Kropf“ (Fachausdruck: Struma) bezeichnet eine Vergrößerung der Schilddrüse. 50 Hormone verstehen 2017

Mittels Ultraschall können Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse sowie eventuelle Knotenbildungen untersucht werden. Zumeist besteht gleichzeitig auch ein knotiger Umbau des Gewebes. Häufigste Ursache ist ein jahrelanger Jodmangel. Daneben können bestimmte Wachstumsfaktoren zu einer Vermehrung von Schilddrüsenzellen und damit zur Schilddrüsenvergrößerung führen. In selteneren Fällen sind Schilddrüsenzysten für eine sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse verantwortlich.

Wie äußern sich Entzündungen der Schilddrüse? Akute Schilddrüsenentzündungen: Hierzu zählen die „akute eitrige Thyreoiditis“ und die „subakute Thyreoiditis de Quervain“. Anzeichen sind ein Be­ rührungsschmerz im Schilddrüsenbereich und grippeähnliche Symptome. Im Akutstadium kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen, in selteneren Fällen zu einer Unterfunktion. Akute Schilddrüsenentzündungen heilen meist ohne nachteilige Folgen aus.


Schilddrüse Chronische Schilddrüsenentzündungen (die häufigste Form wird auch Hashimoto-Thyreoiditis genannt) sind viel häufiger als die akute Schilddrüsenentzündung: Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen Antikörper im Blut die Schilddrüsenzellen an. Die chronische Schilddrüsenentzündung verursacht meist keine Beschwerden, kann aber häufig eine Unterfunktion auslösen, da mit der Zeit zunehmend mehr Schilddrüsengewebe zerstört wird.

Was kann ich vorbeugend für die Gesundheit meiner Schilddrüse tun? Wichtig für die normale Funktion der Schilddrüse ist vor allem die ausreichende Zufuhr von Jod. Damit kann einer Schilddrüsenvergrößerung vorgebeugt werden. Sehr gute Jodlieferanten sind Seefische wie Schellfisch, Scholle, Seelachs und Kabeljau sowie Meeresfrüchte, Meeresalgen, Brokkoli, Cashewnüsse und jodiertes Speisesalz. Jodid kann zudem auch über Tabletten eingenommen werden, z.B. in Zeiten erhöhten Jodbedarfs, wie Schwangerschaft und Stillzeit. Die Einnahme von Jod sollten Sie jedoch vorab mit Ihrem Arzt besprechen! Auch ein anderes Spurenelement, nämlich Selen, ist wichtig für die SchilddrüFische liefern Jod und Selen für Ihre Schilddrüse!

senfunktion. Selen ist an der Regulation des stoffwechselaktiven Schilddrüsenhormons Trijodthyronin (T3) beteiligt. Gute Selenquellen sind Schweinefleisch, Fisch, Nüsse und Innereien (Leber und Niere). Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist eine tägliche Aufnahme von 60 bis70 µg Selen empfehlenswert.

Empfehlungen Extra-Jod-Zufuhr: ➜ bei nachgewiesenem Jodmangel und einer Unterfunktion der Schilddrüse: täglich 100–140 µg Jod für Kinder und 180–200 µg Jod für Jugendliche und Erwachsene ➜ während der Schwangerschaft: 230–260 µg Jod Wichtig: Jodtabletten nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen!

Welche Rolle spielt der TSH-Wert in der Schwangerschaft? Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu Empfängnisstörungen und während der Schwangerschaft zu einer gestörten intellektuellen und körperlichen Entwicklung des Ungeborenen führen. Daher sollte bei einem Kinderwunsch bzw. zu Beginn einer Schwangerschaft die Schilddrüse untersucht werden. Vor und während der Schwangerschaft sollte der TSH-Wert zwischen 0,5 und 2,5 µU/ml liegen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit besteht ein vermehrter Jodbedarf der Mutter (siehe Kasten). Hormone verstehen 2017 51


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NIEREN- & NEBENNIEREN­ HORMONE: VON DER BLUTBILDUNG BIS ZUR REGULIERUNG DES FLÜSSIGKEITSHAUSHALTS Nierenhormone Welche Hormone werden in den Nieren gebildet?

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52 Hormone verstehen 2017

Nierenhormone sind Renin, Calcitriol und Erythropoetin.

Welche Aufgaben erfüllt Renin? Renin gehört zum sogenannten ReninAngiotensin-Aldosteron-System und dient dazu, den Blutdruck und das Flüssigkeitsvolumen im Kreislauf auf einem konstanten Niveau zu halten.

Wozu dient Calcitriol? Das steroidähnliche Hormon Calcitriol beeinflusst u.a. unseren Darm, unsere Knochen und die Niere selbst. Es unterstützt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und die Mineralisation der Knochen.


Welche Erkrankungen stehen mit Calcitriol in Zusammenhang? Ein Mangel an Calcitriol kann einen Kalziummangel und Osteoporose („Knochenschwund“) zur Folge haben. Hohe Calcitriol-Werte führen zu einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie), der Symptome wie ­ Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, ­Herzrhythmusstörungen und Antriebslosigkeit auslösen kann.

Wozu brauchen wir Erythropoetin? Erythropoetin (EPO) regt die Bildung und Reifung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark an. Rote Blutkörperchen sind die „Sauerstoffträger“ im Blut. Ihre rote Farbe erhalten sie von dem Farbstoff Hämoglobin, der Eisen enthält, an das sich die Sauerstoffteilchen anbinden können. Da die roten Blutkörperchen lediglich eine Lebensdauer von rund 120 Tagen haben, müssen sie ständig neu gebildet werden.

zelltumor) kann ebenfalls zu einer erhöhten EPO-Konzentration führen.

Wann ist der Wert zu niedrig? Ein zu niedriger EPO-Wert liegt beispielsweise bei schweren Nierenerkrankungen vor: Funktionieren die Nieren nicht mehr richtig, z.B. aufgrund einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), wird weniger Erythropoetin gebildet. Da in der Folge auch weniger rote Blutkörperchen hergestellt werden, kann es zu einer Blutarmut (Anämie) kommen. Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen zu viele Erythrozyten produziert werden, gehen ebenfalls mit einem niedrigen Erythropoetin-Wert einher.

Bei welchen Erkrankungen ist der EPO-Wert erhöht? Ein zu hoher EPO-Wert besteht bei Erkrankungen, bei denen zu wenig Blut gebildet wird (= Anämie, „Blutarmut“), z.B. bei Eisenmangel (Eisenmangelanämie). Auch bei der sogenannten „aplastischen Anämie“ bildet das Knochenmark zu wenig oder gar keine Erythrozyten mehr. Diese Erkrankung kann angeboren sein oder durch Vergiftungen (z.B. mit Benzol) ausgelöst werden. Auch manche Medikamente können eine aplastische Anämie verursachen. Eine bösartige Veränderung der Nieren- oder Leberzellen (Nierenzelltumor, Leber-

Das Hormon EPO spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von roten Blut­ körperchen.

Hormone verstehen 2017 53


Maße auch im Nebennierenmark produziert, die viel wesentlichere Rolle spielt es jedoch als Neurotransmitter (Botenstoff) im Gehirn. Es ist an der Regulation von Stimmung, Aufmerksamkeit, Schlaf, Lernen, motorischer Aktivität, sozialen Kontakten sowie an der Milchproduktion beteiligt. Ein Mangel an Dopamin im Gehirn ist Ursache der Parkinson-Krankheit. Wie es dazu kommt, ist bislang nicht geklärt.

Hormone der Nebennierenrinde

Die Nebenniere sitzt oben auf der Niere.

Nebennierenhormone Welche Hormone entstehen in der Nebenniere? Die Nebenniere sitzt auf der Niere und besteht aus dem Nebennierenmark und der Nebennierenrinde. Diese beiden Teile produzieren unterschiedliche Hormone.

Hormone des Nebennierenmarks Adrenalin und Noradrenalin: Diese Stresshormone dienten uns ursprünglich dazu, bei Gefahr zum Kampf oder zur Flucht gerüstet zu sein. Ihre Aufgaben sind daher beispielsweise die Erhöhung von Puls, Blutdruck und Blutzucker und damit die Bereitstellung von Energie für Gehirn und Muskeln sowie die Erweiterung der Bronchien. Ausgeschüttet werden Adrenalin und Noradrenalin bei körperlicher und seelischer Belastung (siehe Seite 56). Dopamin: Dopamin wird in geringerem 54 Hormone verstehen 2017

Aldosteron: Gemeinsam mit anderen Hormonen steuert es den Natrium-, Kalium- und Flüssigkeitshaushalt in den Nieren. Die Bildung und Ausschüttung von Aldosteron ist wiederum von vielen anderen Faktoren abhängig, z.B. von anderen Hormonen wie Renin (siehe Seite 52) und dem Blutdruck. Cortisol: Dieses Stresshormon greift in zahlreiche Stoffwechselprozesse ein und reguliert u.a. ebenfalls den Salz- und Wasserhaushalt in der Niere. Zudem wirkt es entzündungshemmend und erhöht den Blutzuckerspiegel. Seine Freisetzung wird durch Hirnzentren und die Hirnanhangdrüse gesteuert und – wie Adrenalin und Noradrenalin – bei körperlicher und psychischer Belastung gesteigert. Sexualhormone: Neben Aldosteron und Cortisol werden in der Nebennieren­ rinde auch Sexualhormone gebildet­ (u.a. Dehydroepiandrosteron-Sulfat [DHEAS] und Testosteron; siehe Seite 31), unter normalen Bedingungen allerdings in einer im Vergleich zu deren Produktion in den Eierstöcken bzw. Hoden vernachlässigbaren Menge.


LIFESTYLE: STRESS, VERSTIMMUNGEN, SCHLAFSTÖRUNGEN Blick: Auf einen tress und spielen bei S lle. • Hormone Ro wesentliche Schlaf eine peuti­ wird für thera en n se is W s • Diese epressiv e, z.B. bei d sche Ansätz fstörun­ c n und S hla e g n u m tim Vers t. gen, genutz

STRESS Welche Folgen hat Stress für das Hormonsystem? Wenn wir unter Stress stehen, schüttet unser Körper vermehrt die Hormone 56 Hormone verstehen 2017

Cortisol und Adrenalin aus. Die Folge: Das Herz pumpt schneller und mit mehr Druck. Daher geraten wir in Prüfungssituationen oder bei anderen Stressfaktoren ins Schwitzen, bekommen feuchte Hände, die Blase meldet sich usw.

Welche Hormone gelten als ­„Stresshormone“? Bei akutem Stress schüttet die Nebenniere Adrenalin aus, um die Energieversorgung des Körpers kurzfristig zu erhöhen. Adrenalin sorgt für eine Erweiterung der Atemwege (mehr Sauerstoff kann aufgenommen werden) und beschleunigt die Atmung sowie den Herzschlag. Der Blutdruck steigt. Noradrenalin steigert den Antrieb und sorgt für eine erhöhte Aufmerksamkeit. Dauert Stress länger an, wird die Cortisolproduktion erhöht. Cortisol stellt unter anderem sicher, dass genügend Glukose (Zucker) zur Verfü-


gung steht, denn Stress verbraucht viel Energie.

Anti-Stress-Tipps!

Warum macht Stress krank? Dauert Stress länger an, führt dies zu einem Überschuss an Cortisol. Die ­ typischen Folgen sind Magen-Darm­ Probleme, Verdauungsbeschwerden, Bluthochdruck und Verspannungen (durch die ständige Bereitschaft der Muskeln). Zudem kann es auch zu einer Gewichtszunahme kommen, denn zu viel Cortisol steigert einerseits den Appetit und lässt andererseits das gefährliche innere Bauchfett zwischen den inneren Organen wachsen. Dieses sogenannte Viszeralfett ist ein aktives Organ und produziert – im Gegensatz zum Fett an anderen Körperstellen – selbst Hormone und andere Stoffe. So kann Viszeralfett zur Entstehung von Typ-2-Diabetes, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Alzheimer beitragen.

Was sind die ersten Warnzeichen? Die ersten möglichen Folgen des durch Stress entstehenden inneren Ungleich­ gewichts sind Unruhe, Angespanntheit und Nervosität; später kommen auch depressive Stimmung, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen hinzu. Schon in den frühen Phasen sollte man eingreifen, um Schlimmeres – ­körperliche und psychische Erkrankungen – zu verhindern.

• Achten Sie auf ein realistisches Zeitmanagement, damit Sie nicht in Zeitnot geraten. • Entspannungstechniken erlernen und regelmäßig ausüben, z.B. Qigong, Yoga, autogenes Training, Pilates. • Regelmäßig Sport treiben! Bewegung hilft dabei, Stresshormone abzubauen.

beruhigende Naturextrakte, wie z.B. Passionsblume und Rhodiola rosea ­(Rosenwurz oder Goldene Wurzel), bewährt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Ginseng und Ingwer sowohl bei angespannten als auch bei ausgepowerten Menschen eingesetzt. Baldrian, Melisse und Hopfen wird eine schlaffördernde Wirkung zugesprochen.

SCHLAF Wie viel Schlaf brauchen wir? Das ist individuell sehr unterschiedlich. Erwachsene brauchen zwischen vier und zehn Stunden Schlaf pro Nacht, um ausgeruht und leistungsfähig zu sein.

Welche pflanzlichen Wirkstoffe helfen gegen Stress?

Wann spricht man von einer ­Schlafstörung?

Bei nervöser Unruhe, leichten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden haben sich

• Wenn man an mindestens drei Tagen pro Woche mehr als einen Monat lang an schlechtem Schlaf leidet Hormone verstehen 2017 57


Lifestyle • wenn dadurch die berufliche oder soziale Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist und man sich zunehmend Sorgen über die Folgen der Schlafstörungen macht

Welche Arten von Schlafstörungen gibt es? Man unterscheidet zwischen Insomnien (Mangel an Schlaf, schlechte Schlafqualität), Hypersomnien (Zustandsbilder mit erhöhter Müdigkeit und Schläfrigkeit bzw. einem verlängerten Übergang vom Schlaf zum Wachsein), Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. Jetlag, Schichtarbeiter-Syndrom oder Syndrom der verzögerten oder verfrühten Schlafphase) und Parasomnien (= Stö-

Bei Stress und Schlafstörungen können u.a. pflanzliche Inhaltsstoffe eingesetzt werden.

rungen, die beim Erwachen, partiellen Erwachen oder Schlafstadienwechsel auftreten und somit den Schlafprozess unterbrechen). Zu den Parasomnien zählen z.B. Schlafwandeln, Albträume, Pavor nocturnus (= nächtlicher Angstschrei), Bettnässen, primäres Schnarchen etc.

Was sind die Ursachen? Man unterscheidet zwischen einer Vielzahl verschiedener Ursachen. Grundsätzlich ist ein Drittel der Schlafstörungen organisch bedingt, zwei Drittel haben nicht organische Ursachen. Organische Schlafstörungen sind schlafbezogene Atmungsstörungen, wie die Schlafapnoe (= Atemstillstände während des Schlafes), sowie nächtliche Bewegungsstörungen, wie z.B. das Restless-Legs-Syndrom (RLS). Nicht organische Schlafstörungen gehen auf psychische Belastungen oder psychiatrische Erkrankungen zurück, darunter Angst-, Belastungs- und Anpassungsstörungen sowie affektive Störungen (= Störungen der Stimmungslage), wie z.B. Depressionen. Häufige soziale Ursachen sind Belastungen im privaten Bereich oder am Arbeitsplatz. Die wichtigsten ökologischen Ursachen sind Licht und Lärm.

Welche Rolle spielt das Hormon Melatonin? Das Hormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns, aus Serotonin hergestellt und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. Melatonin wird 58 Hormone verstehen 2017


Lifestyle bei Dunkelheit gebildet und bewirkt eine Gefäßerweiterung: Körperkerntemperatur sowie Blutdruck sinken und der Schlaf wird eingeleitet. Bei Tageslicht sinkt der Melatoninspiegel wieder ab. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Melatoninproduktion. Daher treten oftmals bei Menschen über 55 Jahren vermehrt Schlafprobleme auf. Aber auch verschiedene Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente können die körpereigene Melatoninsynthese vermindern. Viele Menschen mit Schlafstörungen leiden unter Bluthochdruck (oftmals bedingt durch einen hohen Stresslevel); hier sind Stressreduktion und Maßnahmen zur Blutsenkung angezeigt. Zugleich ist die Behandlung der Schlafstörung wichtig, da eine mangelnde nächtliche Erholung den Stress untertags verstärkt, weil man sich dem Alltag weniger gewachsen fühlt. Auch Licht (z.B. helles Schlafzimmer, Straßenbeleuchtung vor dem Fenster) kann die Ausschüttung von Melatonin unterdrücken und so den Schlaf beeinträchtigen.

Wie werden Schlafstörungen ­behandelt? Psychologische Verfahren: z.B. Erlernen von Entspannungstechniken, Atemkonzentrationsübungen etc. Somatische Verfahren: z.B. Lichttherapie, körperliche Bewegung, nasale Überdruckbeatmung (CPAP-Therapie) sowie operative und kieferorthopädische Maßnahmen (z.B. Schnarchschiene) Medikamente: Je nach Grundkrankheit und den damit verbundenen Veränderungen des Schlafmusters kommen ver60 Hormone verstehen 2017

Baldrian

Passionsblume schiedene Substanzklassen zum Einsatz. Angesichts der Vielzahl von Schlaf­ störungen kann es nicht eine einzige Substanz für alle Arten von Schlaf­ störungen geben. Ziel der medikamen­ tösen Behandlung ist es, mit unterschiedlichen Substanzen den veränderten Schlaf – im Sinne eines Schloss-Schlüssel-Prinzips – zu normalisieren. Pflanzliche Mittel: Bei leichteren vorübergehenden Schlafstörungen aufgrund von Nervosität und innerer Unruhe können pflanzliche Substanzen die Seele zur Ruhe bringen und das Einschlafen erleichtern. Bewährt haben sich folgende pflanzliche Substanzen: • Baldrian: v.a. bei nervös bedingter Schlaflosigkeit und genereller innerer Unruhe. Zwei Inhaltsstoffe aus der Baldrianwurzel sind für die beruhigende Wirkung von besonderer Bedeu-


Lifestyle

VERSTIMMUNGEN, DEPRESSION Welche Rolle spielen Hormone für unsere Stimmung? Gerät unser Hormonsystem durcheinander, kann sich das negativ auf unsere Stimmung auswirken. Dies kann zu Ängsten, Verstimmungen und Depression führen. Das „Glückshormon“ Serotonin, aber auch Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone und Nebennierenhormone spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Messung des Hormonstatus kann Aufschluss geben, ob bei einer Depression oder Angststörung ein hormonelles Ungleichgewicht vorliegt. Melisse tung: Sesquiterpene können die Funktion und Erregungsübertragung der GABA-Andockstellen in den Nervenzellen beeinflussen. Dies führt zu einer entspannenden und entkrampfenden Wirkung. Die Valerensäure im Baldrian unterstützt diese Wirkung, indem sie die Stoffwechselaktivität der Nervenzellen verändert. • Passionsblume: Arzneien mit Passionsblumenextrakt fördern ebenfalls die Gelassenheit und können sowohl tagsüber bei Menschen mit nervösen Unruhezuständen als auch abends zur Behandlung von nervös bedingten Einund Durchschlafstörungen eingesetzt werden. Auch nervlich bedingtes Herzrasen kann damit gelindert werden. • Hopfen und Melisse haben sich ebenfalls bei Schlafproblemen bewährt. Sie können die Dauer der Einschlafphase verringern.

Was versteht man unter einer ­Winterdepression? Viele Menschen reagieren im Winter auf den Lichtmangel und die Verkürzung der Tage mit einer Winterdepression (saisonal abhängigen Depression – SAD). Die Krankheit äußert sich etwas anders als bei anderen Depressionen: Normalerweise leiden Depressive unter Schlafstörungen, einem Appetitmangel mit Gewichtsverlust und einem Stimmungstief am Morgen. Bei der Winterdepression schlafen Betroffene aber meist mehr, ohne sich jedoch dabei zu erholen. Viele haben Heißhunger auf Kohlenhydrate (Süßes!) und nehmen zu. Denn Kohlenhydrate fördern die Produktion von Serotonin, das eine stimmungsaufhellende Wirkung hat. Auch der Vitamin-D-Mangel (siehe Seite 63), der bei manchen Menschen im Winter aufgrund der geringeren Sonnenbestrahlung vorliegt, spielt bei der Winterdepression eine Rolle. Hormone verstehen 2017 61


Lifestyle Helles Licht – beispielsweise ein mindestens einstündiger Spaziergang bei Tageslicht – kann daher die depressiven Zustände mildern. Oft hilft auch eine spezielle Lichttherapie. Wenn diese Maßnahmen ohne Erfolg bleiben, sind Medikamente erforderlich.

Wie wird eine Depression behandelt? Sowohl Psychotherapie als auch Medikamente können den Betroffenen helfen. Oft ist eine Kombination aus beiden Maßnahmen sinnvoll. Antidepressive Medikamente erhöhen die Konzentration bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) und können so Defizite ausgleichen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Schlafstörungen? Ja, sogar in zweifacher Hinsicht: Einerseits führt Schlafmangel mitunter zu depressiven Verstimmungen, andererseits werden Depressionen häufig von Schlafstörungen begleitet.

Was bringt die Lichttherapie? Diese Therapieform kommt vor allem bei der „Winterdepression“ zum Einsatz. Die Betroffenen blicken täglich rund eine Stunde in eine spezielle Lichtquelle mit 2.500–10.000 Lux Leistung. Durch dieses Licht werden Rezeptoren in der Netzhaut stimuliert und in der Folge die Zirbeldrüse angeregt, Botenstoffe und Hormone auszuschütten, welche die saisonale Depression abklingen lassen. Für die Lichttherapie sind nur spezielle Leuchten geeignet. Auf keinen Fall sollte man direkt in herkömmliche UV62 Hormone verstehen 2017

Lampen oder in die Sonne schauen, da es dadurch zu gefährlichen Augenschäden kommen kann!

Welche weiteren Maßnahmen können gegen Verstimmungen helfen? Bewegungs- und Entspannungseinheiten sollten mehrmals pro Woche in den Alltag eingeplant werden. Achten Sie darauf, dass Sie auch in stressigen Zeiten oder bei anderen psychischen Belastungen Unternehmungen, die Ihnen Freude machen, in Ihren Zeitplan einbauen. Eine ausgewogene Ernährung trägt ebenfalls zum psychischen Wohlbefinden bei. Blickt man ins Pflanzenreich, wird z.B. Johanniskraut und Griffonia simplicifolia (Afrikanische Schwarzbohne) ein stimmungsaufhellender Effekt zugesprochen. Bei der Winterdepression kann die sogenannte Licht­ therapie helfen.


VITAMIND-MANGEL UND SEINE FOLGEN

Blick: Auf einen

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Wie wird Vitamin D gebildet? Bei ausreichender Sonnenbestrahlung (Einwirkung von UV-B-Licht) kann es

der Körper in der Haut in hohen Mengen selbst herstellen und in der Leber und der Niere in seine aktive „Hormon“Form (Calcitriol) umwandeln. Zudem wird ein deutlich geringerer Teil über die Nahrung (Fische, Pilze, Eier) aufgenommen.

Wie kommt es zu einem Vitamin-D-Mangel? Im Winter sowie bei Verwendung einer Sonnencreme ist die Vitamin-D-Produktion drastisch reduziert. Außerdem halten sich viele Menschen speziell im Winter nicht sehr häufig im Freien auf. Ein Vitamin-D-Mangel ist daher in unseren Breitengraden sehr häufig, sogar Kinder sind etwa zur Hälfte betroffen. Auch ältere Menschen weisen häufig einen Vitamin-D-Mangel auf, da mit zunehmendem Alter die körpereigene Vitamin-D-Produktion sinkt. Hormone verstehen 2017 63


Vitamin D

Welche Funktionen erfüllt Vitamin D? Vitamin D wird für die Regelung des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels benötigt und spielt somit eine wichtige Rolle beim Knochenbau und bei der Zahnentwicklung. Kinder brauchen daher für ihr Wachstum eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung, andernfalls kann es zur klassischen Vitamin-DMangel-Krankheit „Rachitis“ kommen. Auch die Mineralisierung des Knochens und die Aufnahme von Kalzium in den Nieren werden durch Vitamin D erhöht. Dies stellt einen wesentlichen Faktor bei der Vorbeugung von Osteoporose dar. Ein Vitamin-D-Mangel kann zudem zu Muskelschwäche führen, was gerade bei älteren Menschen das Risiko für Stürze und Knochenbrüche erhöht. Auch für die Fruchtbarkeit von Frauen ist Vitamin D von Bedeutung; dies gilt in

weiterer Folge auch während der Schwangerschaft. Studien geben Hinweise darauf, dass ein Vitamin-D-Mangel auch mit der Sterblichkeit, mit Asthma, Typ-2-Diabetes, Autoimmunerkrankungen (z.B. chronischer Polyarthritis) und Krebs in Zusammenhang steht. Ein ausreichend hoher ­Vitamin-D-Spiegel dürfte darüber hinaus bei akuten Erkrankungen die Genesung unterstützen. Auch bei schweren Erkrankungen kann eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung vermutlich den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Sterblichkeit verringern.

Wann wird Vitamin D therapeutisch eingesetzt? • Vorbeugung von Rachitis (Mineralisierungsstörung des Knochens) bei Kindern

Wie viel Vitamin D sollte pro Tag zugeführt werden? Altersgruppe Kleinkinder 0–6 Monate 6–12 Monate

Empfohlene tägliche Menge

Tageshöchstgrenze

400 IU (10 μg)

1.000 IU (25 μg) 1.500 IU (38 μg)

Kinder und Jugendliche 1–3 Jahre 4–8 Jahre 9–18 Jahre

600 IU (15 μg) 600 IU (15 μg) 600 IU (15 μg)

2.500 IU (63 μg) 3.000 IU (75 μg) 4.000 IU (100 μg

Erwachsene (Männer und Frauen)

600 IU (15 μg)

4.000 IU (100 μg)

Ältere Menschen

800 IU (20 μg)

Schwangere/Stillende

600 IU (15 μg)

IU = International Unit (IU) IE = Internationale Einheit 1 μg Vitamin D = 40 IE; 20 μg Vitamin D = 800 IE Quelle: Institute of Medicine (IOM) 64 Hormone verstehen 2017

4.000 IU (100 μg)


Entgeltliche Einschaltung

D3 Solarvit mit Vitamin D – gut für ­Muskeln, Knochen und Abwehrkräfte Vitamin D ist an sehr vielen Regulierungsvorgängen in den menschlichen Körperzellen beteiligt. • Vitamin D aktiviert die Reaktion der weißen Blutkörperchen bei Infekten und hat wichtige Funktionen bei der Kontrolle des Zellwachstums. • Das aus Vitamin D3 gebildete Calcitriol moduliert das Immunsystem und bremst überschießende Prozesse. Vitamin D leistet nicht nur einen wertvollen Beitrag für ein gesundes Immunsystem, sondern trägt auch zur normalen Verwertung von Kalzium und damit zum Erhalt normaler Knochen und Zähne bei. • Darüber hinaus leistet es einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der normalen Muskelfunktion. D3 Solarvit Tabletten in unterschiedlichen Stärken erhältlich Um das breite Wirkspektrum von Vitamin D optimal abzudecken, gibt es D3 Solarvit in unterschiedlichen Stärken in Form von kleinen Filmtabletten. Neben D3 Solarvit PRO IMMUN mit 1000 I.E. Vitamin D, gibt es D3 Solarvit PRO MOBIL mit 2000 I.E. Vitamin D und D3 Solarvit PRO MED mit hochdosiertem Vitamin D (3000 I.E.) für Personen mit einem ärztlich festgestellten Vitamin-D-Mangel. Die kleinen Tabletten ­ können gekaut, gelutscht oder unzerkaut ­ ­eingenommen werden und sind einfach zu schlucken. Abgerundet wird das Sortiment durch D3 Solarvit Junior & Co Kautabletten. Die spezifisch angepasste Zusammensetzung hilft, die körperliche und geistige Leistungs-

kraft zu steigern und die Abwehrkräfte in Zeiten erhöhter Belastung (z.B. Stress, Zeiten erhöhter Ansteckungsgefahr etc.) zu stärken. D3 Solarvit Junior & Co Kautabletten wurde speziell für Kinder ab 4 Jahren entwickelt. JETZT NEU: D3 Solarvit TROPFEN Neben den bereits bewährten Filmtabletten gibt es D3 Solarvit nun auch in Form von Tropfen, die für Erwachsene und Kinder ab 1 Jahr geeignet sind: • 1 Tropfen enthält 1000 I.E. Vitamin D3 • einfache Dosierung mittels Pipette • einfache Einnahme – insbesondere für Personen mit Schluckbeschwerden • kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden Alle D3 Solarvit Produkte werden in Österreich hergestellt und sind frei von Laktose, Hefe, Gluten, Gelatine und Konservierungsmitteln. D3 Solarvit ist exklusiv in Apotheken erhältlich. Nähere Infos: www.D3Solarvit.at Hormone verstehen 2017 65


Vitamin D • Osteomalazie (Erwachsenenform der Rachitis) • Chronische Nierenerkrankungen • Nebenschilddrüsenhormonmangel • Osteoporose (als Basistherapie zusammen mit Kalzium)

Wie viel Sonne ist gesund? Sonnenlicht hat vielfältige Auswirkungen auf unseren Körper. Auf der negativen Seite sind Sonnenbrand und vor allem das erhöhte Hautkrebsrisiko zu nennen. Auf der positiven Seite fallen die Vitamin-D-Produktion und die stimmungsaufhellende Wirkung (aufgrund der Freisetzung von Endorphinen und Serotonin) ins Gewicht. Ein gesunder Umgang mit der Sonne ist daher von großer Bedeutung. Es gilt dabei der Grundsatz: Die Dosis ist entscheidend! Denn bei einem maßvollen Umgang mit Sonnenlicht überwiegen die positiven Aspekte (u.a. durch Vitamin-D-Synthese) gegenüber den negativen. Für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung genügt es, wenn man sich regelmäßig kurzzeitig in der Sonne aufhält. In

gemäßigten Breitengraden wie Österreich reichen in der Zeit von April bis September wenige Minuten (ca. 15 Minuten) pro Tag aus, um genügend Vitamin D zu produzieren. Bei längeren Aufenthalten in der Sonne sollte unbedingt ein Sonnenschutzmittel verwendet werden, denn ein Sonnenbrand sollte stets vermieden werden!

Kann ich meine Vitamin-D-Produktion durch regelmäßige Solariumbesuche steigern? Vom Besuch eines Solariums als Ersatz für Sonnenlicht wird dringend abgeraten – zu groß ist der Nachteil des erhöhten Hautkrebsrisikos! Zudem wird man in manchen Solarien ausschließlich mit UV-A-Licht bestrahlt, das für die Vitamin-D-Produktion ohnedies unerheblich ist.

Was kann ich gegen Vitamin-DMangel tun? In der Apotheke stehen Präparate, mit denen Vitamin D zugeführt werden kann, in Form von Tabletten und Tropfen zur Verfügung. Diese sind vor allem im Winter sowie für Risikogruppen und ältere Menschen sinnvoll.

Wann ist eine Vitamin-D-Zufuhr sinnvoll?

Bereits kurze Aufenthalte in der Sonne ­kurbeln unsere Vitamin-D-Produktion an. 66 Hormone verstehen 2017

Falls Sie Symptome bemerken, die auf einen Vitamin-D-Mangel hindeuten, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen! Gerade in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie mit zunehmendem Alter (70+) kann die Bestimmung des Vitamin-D-Status sinnvoll sein (mittels Blutuntersuchung).


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Gesundheitsratgeber: Hormone Verstehen  
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