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medizynisch

LEITTHEMA

PFLEGELEICHT?

Medizynisch April 2017

P.b.b.  •  ÖH-Med Graz, Stiftingtalstr. 24, 8010 Graz • 02Z032715  

Retouren an Postfach 555, 1008 Wien


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Editorial Liebe Leserinnen und Leser! Sie wirken aus dem Hintergrund, in den sie immer wieder gedrängt werden. Ziehen die Fäden, lassen die TurnusärztInnen tanzen. Wenn ihr im Krankenhaus liegt und es euch richtig dreckig geht, dann sind sie ständig an eurer Seite. Gemeint sind natürlich die Pflegekräfte. Sogar in Medizynisch steckt das Wort Medizin. Wenn man Modul ein, Modul aus mit den Köpfen in den Büchern steckt, verliert man den Blick über die Grenzen der Medizin hinaus leicht. Diese Ausgabe ist denen gewidmet, die uns in so mancher Famulatur schon aus der Patsche geholfen haben. Im Medizinstudium lernt man herzlich wenig über die Pflege. Wie wird man überhaupt DGKS? Was ist der Unterschied zwischen KrankenpflegerIn und PflegehelferIn? Und was ist eigentlich Pflegewissenschaft? Alles rund um das Thema Pflege könnt ihr auf den Seiten 13 bis 23 nachlesen. Wenn Studierende der Pflegewissenschaft unter euch sind, die schon lange das Gefühl haben, unser Heft ist zu sehr auf Medizin fokussiert, dann zögert nicht, schreibt uns eure Ideen und arbeitet mit. Wir freuen uns über eine Zusammenarbeit! Es ist uns eine große Ehre, ein neues Redaktionsmitglied vorzustellen, eine kreativ-kritische Bleistiftakrobatin, die uns ihre Zeichnungen zur Verfügung stellt. Ihr Werk ist auf Seite 39 zu bewundern. Wiederaufgenommen ins Magazin haben wir auch den Veranstaltungskalender. Auf Seite 43 findet ihr alle Termine, die das Sommersemester zu bieten hat. Einer davon ist der Christopher Street Day am 24.06.17, mehr dazu erfahrt ihr auf Seite 11. Außerdem haben wir uns als Vorbereitung für die Sommerausgabe etwas ganz Besonderes für euch überlegt: Medizy-

nisch for Love, eine Fundgrube für Freundschaften, Abenteuer oder sogar mehr. Wir hoffen auf eine rege Teilnahme beim Online-Fragebogen und viele neue Bekanntschaften. Mehr dazu auf Seite 10. Ganz besonders möchten wir auch unsere Feldreporterin Conny loben, die uns ein ums andere Mal mit vorzüglichen Rezepten (S. 40 ff.) versorgt und unser Freundschaftsbuch weiterführt (S. 48 ff.). Danke für deine tolle Arbeit! Viel Freude beim Schmökern! Isabella Dicker und Elisabeth Schreiner


MED-ÖH

LEITTHEMA

MED-WISSEN

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Vorsitzbericht 8

Studien(ge)recht

Eine paradoxe Angelegenheit

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Hippokrates bis Nightingale Die Geschichte der Krankenpflege

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Depression

Eine besondere Herausforderung für Pflegekräfte

FAQ

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GuKG-Novelle: Eine Berufsgruppe im Umbruch

Ein Experiment

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zum klinisch-praktischen Jahr

Medizynisch for Love 11

Paradebeispiel

Die Christopher-Street-Day-Parade

Neue Welle

MedWorldNews

• Entartungen entgegenfasten • Entrümpelung im Schlaf • Neuropeptid aus Ameisen

26

Von Alice bis Zuckerguss Die seltsamsten Krankheiten, Syndrome und Phänomene

28

Cannabis

Freud oder Leid?

30

Medizin und Pflege

Erfolgreiche Frauen in Wissenschaft und Medizin in

Der ewige Kampf?

20

Interview mit Dr. med. vet., Dip. ECVAA, Iris Wiederstein-Grasser

Interview mit Univ.-Prof. Dr.in rer. cur. Christa Lohrmann

34

Pflege als Wissenschaft in

Organoide

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Ethisch neutral?

Zusatzausbildung „Breast Care Nurse“

35

Herzensangelegenheit

Tierorgane für Menschen? 36

A short[er] history of time Die Entstehung von Leben

38

Obamacare vertrumpelt

18 Medizin & Pflege


LEBEN

MED-STUDIUM

RUBRIK

40

52

60

Eingekocht

• Überbackene Toastecken • Hirselaibchen mit Karottenmus • 2 x Mousse au Chocolat

43

Dr. Zynikus 53

Wahlfach-Check

Veranstaltungskalender

• Mammadiagnostik • Betreuung von Flüchtlingen • Psycho-Neuro-Immunologie

44

54

Grazer Eck

62

Comics / Impressum

Grey‘s Anatomy

Bauernmärkte

55

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AMSA-News

• Florian Teeg: Von Bluterguss bis Exitus. • Tess Gerritsen: Totenlied.

56

Bücherecke 47

Erfahrungsbericht Über das 4. Semester

Filmriss: Der Landarzt von Chaussy

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AGA-Students

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Das MedizynischFreundschaftsbuch

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Aufgabentausch

• Kostenlos auf den MedAT lernen • Interview mit Get-to-medGründer Deniz Tafrali

Patho-Semester Bilder Inhaltsverzeichnis: Jasmin Merdan / fotolia, freepik.org Bild Cover: Fritz Henle / wikipedia

Rezensionen

• Endspurt Klinik, Skript 13: Neurologie • Basics Gynäkologie • Neuroanatomie • Biologie für Mediziner

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63

Rätsel


ÖH

Vorsitzbericht Neues Semester, neues Glück!

Die Strapazen des Wintersemesters sind vorbei und die Ferien waren mal wieder zu kurz. Trotzdem starteten wir voller Elan in das Sommersemester 2017! Unsere erste Aufgabe in diesem Semester war es, ein Missverständnis aufzuklären. Aufgeregte Studentinnen und Studenten aus den Jahrgängen 2011/12 und 2012/13 haben uns angeschrieben und fürchteten um ihre Planung des Praktischen Jahrs. Hintergrundinfo: Der Jahrgang 12/13 kann sich noch bis zum 29.09.2018 entweder für das PJ oder das KPJ anmelden, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Durch Zufall hat ein Kollege entdeckt, dass auf der Homepage die Anmeldefrist auf diesen August gelegt wurde. Das hätte bedeutet, dass mindestens 80 Studierende ihre komplette Planung über Bord hätten schmeißen können und das KPJ absolvieren müssten. Verständlicherweise war die Aufregung groß, doch wir konnten das Problem in einem Gespräch mit Vizerektorin Lang-Loidolt relativ schnell klären. Am 4.3 hatten wir unsere Sommerklausur, bei der wir motiviert das kommende Sommersemester geplant und Workshops und einen Crash-Kurs gemacht haben. Pünktlich zum Frühlingsbeginn standen / stehen Events an wie die Fahrradambulanz und unser Patho-Spritzerstand! Aber auch einige andere richtig spannende und coole

Julia von der Linden Vorsitzende 6

Events sind in Planung – also: Stay tuned! Alle Veranstaltungen dieses Sommersemesters findet ihr auf Seite 43. Falls ihr euch fragt, was die tanzenden Skelette zu bedeuten haben? Die kommenden ÖH-Wahlen stehen vor der Tür: Am 16.-18. Mai ist es so weit! DU bestimmst den Rhythmus deines Studiums – beziehungsweise deiner ÖH. Auch Deine Stimme zählt, also bitten wir Dich: Geh wählen! Es fanden auch wieder einige Gremiensitzungen statt: In Gremien wie dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, im Senat und in den diversen Studienkommissionen (Humanmedizin, Zahnmedizin, postgraduelle Studiengänge und Doktoratsstudien) haben wir uns auch dieses Semester wieder gerne für euch eingesetzt! Des Weiteren betreuen wir wie gewohnt unsere Mails und beraten euch individuell beziehungsweise setzen uns für euch ein bei allen möglichen Problemen. Gibt es etwas, wo wir dir helfen können? Oder bist du motiviert, einmal in die ÖH zu schnuppern? Dann schreib uns einfach: oeh-vorsitz@medunigraz.at! Deine ÖH Med Graz Julia von der Linden (herzlinks) Ryan Zwoelfer (herzlinks) Linda Verzeri (herzlinks)

Ryan Zwoelfer 1. stv. Vorsitzender

Linda Verzeri 2. stv. Vorsitzende


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Studien(ge)recht Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit. Ein Spruch, der so viel Wahrheit in sich trägt, dass man Seiten darüber schreiben könnte. Das Überwinden der alttestamentarischen Vergeltungsgerechtigkeit, die heuchlerische Vermenschlichung der Strafe im Sinne Foucaults, die Stärke des Rechtsstaates, die zugleich auch eine seiner großen Schwächen ist. In diesem Fall jedoch erfüllt er einen niederen Zweck, nämlich die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser einzufangen und sie dazu zu verführen, einen Text über das Studienrecht zu lesen. Wenn man so will, die analoge Form des Clickbaiting. Das Studienrecht ist eine paradoxe Angelegenheit. Auf der einen Seite ist es der Mörtel, der die Universität zusammenhält und auf der anderen Seite ist es die Grundlage für fast alle universitären Streitereien. Meiner Erfahrung nach entstehen viele dieser Streitereien dadurch, dass eine Seite das Studienrecht deutlich schlechter versteht und/oder falsch deutet. Daher wollen wir uns heute mit den Grundzügen des Studienrechts befassen, damit die Streitkultur auf ein höheres Level gehoben werden kann.

Lex superior derogat legi inferiori

§

Zu Beginn wollen wir uns einen Überblick über die verschiedenen Instanzen schaffen. Es gibt in unserem Rechtssystem Gesetze und Verordnungen / Rechtsnormen, welche hierarchisch strukturiert sind. In diesem Fall steht ganz oben das Universitätsgesetz (UG), welches alle grundlegenden Gesetze des Universitätswesens beschreibt und bundesweit gilt. Das UG ist allgemeiner und lässt in der Regel einen gesetzlichen Spielraum zu. Der Grund dafür ist, dass es einfach unmöglich und auch nicht sinnvoll ist, Gesetze zu schaffen, die eindeutig für alle Universitäten, also sowohl eine BoKu als auch eine Medizinische Universität, gelten. Außerdem soll jede Universität die Möglichkeit haben, autonome Verordnungen festzulegen. Das UG gibt somit nur Rahmenbedingungen vor, die weiteren Vorgaben der jeweiligen Universitäten müssen sich daran orientieren. Ein Beispiel: UG § 77 (2) „Die Studierenden sind berechtigt, negativ beurteilte Prüfungen dreimal zu wiederholen. Auf die Zahl der zulässigen Prüfungsantritte sind alle Antritte für dasselbe Prüfungsfach in allen facheinschlägigen Studien an derselben Universität anzurechnen. In der Satzung ist festzu8

legen, ob und wie viele weitere Prüfungswiederholungen zulässig sind.“ Grundsätzlich sieht das UG drei Prüfungsantritte vor, an den meisten Unis sind es vier, an unserer MedUni sind fünf Antritte möglich. Dies wird in der jeweiligen Satzung festgelegt, welche von Rektorat und Senat gestaltet wird. Erinnern wir uns an die letzte Ausgabe zurück: Der Senat ist das demokratische Organ der Universität, in dem alle Kurien (auch wir Studierenden) vertreten sind, hier wird die Satzung beschlossen. Ein Beschluss erfolgt allerdings auf Vorschlag des Rektorats. Um eine Satzungsänderung zu erwirken, müssen also nicht nur 18 Senatsmitglieder im Gesamten oder zumindest 10 für eine Mehrheit, sondern auch das Rektorat überzeugt werden. Die Satzung ist im Gegensatz zum UG allerdings kein Gesetz, sondern eine Verordnung. Das bedeutet, dass es eine Rechtsnorm „auf Grund der Gesetze“, in dem Fall des UGs, ist. Es verhält sich also wie bei den meisten Kartenspielen, der Trumpf sticht die anderen Karten (für die VorarlbergerInnen und jene, die das Jassen kennen: UG = Bauer, Satzung = Nell). Bei Widersprüchlichkeiten gilt also immer der Rechtsspruch der höheren Instanz. Die dritte bzw. unterste Instanz ist der Studienplan. Dieser regelt alles innerhalb eines Studiengangs und ist jene Rechtsnorm, die uns unmittelbar betrifft. Das Modulsystem, das KPJ, die Famulaturlizenz … All das wird im Studienplan festgelegt, welcher von der jeweiligen Studienkommission geschrieben wird. Wir erinnern uns wieder an die letzte Ausgabe: Die Studienkommissionen sind Unterkommissionen des Senats, ihre Mitglieder sind ebenfalls wieder VertreterInnen der verschiedenen Kurien. Die Studienkommission hat Gestaltungsfreiheit innerhalb des Rahmens, der vom UG und von der Satzung vorgegeben wird. Als Unterkommission des Senats benötigt die Studienkommission auch noch eine Zustimmung des Senats, damit der Studienplan und Änderungen des Studienplans gültig sind. Eine weitere Besonderheit ist, dass Änderungen des Studienplans immer erst ab dem 1.10. gelten. Das bedeutet, dass im Falle einer Studienplanänderung im November 2016 diese erst ab dem 1.10.2017 gilt. Besonders der letzte Punkt zeigt, wie langsam Mühlen mahlen können. Es kann sehr frustrierend sein, wenn man wichtige Änderungen erkämpft, diese aber erst ab dem nächsten Studienjahr gelten und damit sehr oft den unmittelbar Be-


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troffenen nicht mehr helfen. Damit will ich den Bogen zum ersten Satz spannen, denn dieser Umstand wird oft (zurecht) als ungerecht empfunden. Ich war oft genug dem Vorwurf ausgesetzt, dass alles zu langsam geht und „nichts mehr bringt“. Für den Einzelnen ist es situativ ungerecht, da eine Änderung der Rechtsnorm bedeutet, dass sie davor schlecht war und die Nachfolgenden es „leichter“ haben, da sie von der Änderung profitieren.

Was soll man in so einer Situation anderes entgegnen, als dass es natürlich nicht gerecht, aber nun mal das Recht ist.

Jakob Riedl PJ-Referent der ÖH Med Graz oeh-pj@medunigraz.at

FAQ zum klinisch-praktischen Jahr Text: Jakob Riedl

Was sind jetzt nochmal diese ÄDPFs?

Wie mach ich das, wenn ich nur einen Teil selber organisiere?

ÄDPF bedeutet ärztlich-diagnostisch praktische Fertigkeiten. Dabei handelt es sich vor allem um Seminare, die zwar an der MedUni stattfinden, aber selbst organisiert werden müssen. Sobald man im dritten Studienabschnitt ist, wird man für die ÄDPF „freigeschaltet“. Das bedeutet, dass man das Beurteilungsformular erhält, das man auch selber führen muss. Für die ÄDPF muss man sich selber anmelden, eine Liste dafür findet man auf der MedUniHomepage (im Zweifelsfall googeln). Auf dieser Liste stehen alle angebotenen ÄDPFs, die Termine, die Anmeldemodalität (z. B. per E-Mail, per Telefon) und – ganz wichtig – wie viele UE-Einheiten das ÄDPF zählt. Man muss insgesamt 15 Einheiten absolvieren und jede Einheit zählt eine gewisse Anzahl an UE-Einheiten. Wenn man z. B. drei ÄDPFs macht, die jeweils 5 UE-Einheiten zählen, hat man die erforderlichen 15 Einheiten.

Eine häufige Frage ist, ob man sich über die MedUni anmelden und gleichzeitig Praktikumsblöcke selber organisieren kann. Das Angenehme am PJ/KPJ ist, dass man sehr viele Freiheiten bei der Organisation hat. Man kann also alles (außer Allgemeinmedizin) selber organisieren, man kann alles über die MedUni organisieren, man kann aber auch nur einen Teil über die MedUni organisieren.

Kann ich Allgemeinmedizin selber organisieren?

Nein, das geht leider nicht! Grund dafür ist, dass man am ersten und am letzten Tag des Praktikums ein Seminar hat, das für die Beurteilung der AM benötigt wird und parallel (!) zum Praktikum besucht wird. Man kann also nicht das Praktikum machen und zwei Monate später das Seminar dazu.

Wie funktioniert das mit der Voranmeldung?

Die Voranmeldung findet von 5. - 30.4.2017 statt. Es gibt keine Reihung, der Zeitpunkt der Voranmeldung (innerhalb des Zeitraums) ist also egal. Man gibt an, welche Praktika man voraussichtlich (!) wann machen will. Die Voranmeldung hat keinen absoluten Charakter, sondern ist eine Planungsgrundlage für die MedUni. Der Voranmeldung entsprechend wird man dann für die OnlineAnmeldung freigeschaltet. Wenn man also einen Teil selber organisiert, muss man sich nicht für diesen voranmelden. Wenn man seine Pläne ändert und sich für einen Block über die MedUni anmelden will, muss man das vor (!) der Anmeldung der MedUni bekanntgeben, damit man – abhängig von den Kapazitäten – umgemeldet werden kann. Im Falle einer Ummeldung wird man den anderen Vorangemeldeten nachgereiht, was auch bedeuten kann, dass man auf einer Warteliste landet. Je genauer die Planung und die Voranmeldung, desto mehr Stress erspart man sich also.

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ÖH

Liebe Studierende, für die Sommerausgabe haben wir uns ein spannendes Experiment ausgedacht und laden euch alle herzlich ein, daran teilzunehmen: Medizynisch for Love – eine Fundgrube für Freundschaft, Abenteuer oder sogar mehr. Den Link zur Teilnahme könnt ihr über die ÖH-Facebook-Seite abrufen.

Das Wichtigste in Kürze

Die Teilnahme ist anonym, ihr könnt selbst entscheiden, welche Kontaktdaten ihr angeben wollt (etwa eine anonyme EMailadresse). Erfragt werden einige Informationen, anhand derer wir die Fragebögen auswerten und miteinander kombinieren. Ihr bekommt die Kontaktdaten passender TeilnehmerInnen zugeschickt und könnt selbst Kontakt aufnehmen.

Warum „Medizynisch for love“?

Wir haben uns beim Erstellen des Fragebogens immer wieder die gleiche Frage gestellt: Welche Faktoren beeinflussen, ob sich Menschen verstehen? Man sagt ja sowohl „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ als auch „Gegensätze ziehen sich an“. Was stimmt? Wie gut wissen wir selbst, wer zu uns passt? Deswegen haben wir beschlossen, jedem und jeder mehr als einen Kontakt zukommen zu lassen: Einerseits gibt es ein „Matching“ nach gut durchdachten Faktoren, andererseits wird einE PartnerIn ausgelost. Keine Sorge, grundsätzliche Faktoren wie: Ich suche eine feste Beziehung/ich suche etwas Lockeres/Freundschaft werden auch beim Auslosen berücksichtigt, um Missverständnisse zu vermeiden. 10

Wer kann teilnehmen?

Da das Experiment nur bei einer Mindestanzahl an TeilnehmerInnen funktioniert, werden die Bögen nur ausgewertet, wenn wir über 50 Einsendungen erhalten. Animiert also auch eure Freunde und Freundinnen, SitznachbarInnen oder Leute am Gang, die auf das nächste Seminar warten, teilzunehmen! Auch NichtmedizinerInnen sind erwünscht! Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns später eure Erfahrungen schreiben würdet, die dann in der folgenden MedizynischAusgabe, natürlich ebenfalls anonym, veröffentlicht werden.

Wie nehme ich teil?

Der Online-Fragebogen besteht aus zwei Spalten, wobei die linke für eure eigenen Angaben reserviert ist. Bitte füllt diese Spalte unbedingt aus. Die mittlere und rechte Spalte betreffen euren Partner bzw. eure Partnerin: Wenn ihr Wünsche habt, wie die Person sein soll oder auf keinen Fall sein soll bzw. welche Antworten eure Partner unbedingt oder auf keinen Fall geben sollen, tragt es bitte in die jeweilige Spalte ein. Diese beiden Spalten können optional ausgefüllt werden! Die Redaktion erfährt hierbei keinerlei Namen oder persönliche Interessen, es sei denn, ihr wollt eure Geschichte im Nachhinein mit uns teilen. Wir freuen uns über jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin!

Euer Redaktionsteam


Bilder: Mike MacBi

ÖH

Paradebeispiel Eine Parade für euch? Warum gibt’s keine Parade für Heteros? Warum so schrill? – Das stärkt doch nur Klischees und hilft doch niemandem weiter? Am 24. Juni 2017 findet wieder unsere jährliche ChristopherStreet-Day-(CSD)-Parade mit anschließendem Parkfest in Graz statt. In diesem Artikel würde ich gerne einige Denkanstöße liefern und die in der Überschrift genannten Aussagen behandeln. Warum gibt es eine CSD-Parade? Angefangen hat alles in New York, wo sich ein paar LGBTIQ*-Personen (Lesbian, Gay, Bi*, Trans*, Inter*, Queer*) im Stadtviertel Greenvillage in der Christopher Street gegen Polizeigewalt und Unterdrückung gewehrt haben und voller Stolz durch die Straßen New Yorks marschiert sind, um zu zeigen, wer sie sind und dass sie sich nicht in der Öffentlichkeit verstecken wollen. Auch heutzutage werden diese Paraden abgehalten. Nicht, wie viele glauben, aus dem Grundgedanken heraus, Party zu machen, sondern sich zu sammeln und gemeinsam die Straßen entlangzumarschieren, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Queere Personen sehen sich oft noch mit Problemen konfrontiert, denen sich ein heterosexueller Mensch nicht entgegenstellen muss. Oute ich mich am Arbeitsplatz vor meinen Vorgesetzten aus einer anderen Generation? Gibt es noch andere wie mich? Habe ich mich dafür zu schämen, wer ich bin? Kann ich meinem geliebten Menschen die Hand in der Öffentlichkeit geben? Die CSD-Parade bietet die Möglichkeit, als Gemeinschaft aufzutreten. Anderen zu zeigen (auch vielen Ungeouteten): „Hier bin ich! Ich muss mich nicht dafür schämen, wer ich bin. Du bist nicht allein. Sieh dir all diese Personen an, die gekommen sind, um die Gleichberechtigung zu unterstützen!“ Deswegen gibt es noch solche Paraden. Deswegen gibt es keine „Hetero-Paraden“, da heterosexuelle Menschen sich nicht mit so einer Diskriminierungswelle auseinandersetzen müssen.

Warum so schrill?

Nun zu dem etwas schwierigeren Thema. Stärkt das Schrille nicht nur die Klischees? Einerseits ist es für Personen (auch für LGBTIQ*), die wenig bis gar nichts mit queeren Personen zu tun haben, anfänglich sicher zu überdreht und zu bunt. Als

Heterosexuelle*r findet man das Leder übertrieben, die Dragqueens eventuell zu unheimlich, die ganze Nacktheit und Offenlegung sexueller Vorlieben (wie z. B. die SM-Kutsche auf der Wiener Regenbogenparade) zu provokativ. Viele Lesben, Homo- und Trans*personen kämpfen tagtäglich gegen diese Klischees, die in Fernsehen, Radio und Internet vermittelt werden. Doch blickt man als Außenstehende*r bei diesen Paraden genauer hin, so werden oft die 0815-Menschen übersehen, die mitmarschieren (und die machen mehr als die Hälfte der Teilnehmer*innen aus). Keine „übertriebene“ Nacktheit. Keine Kostüme. Und trotzdem marschieren sie mit und unterstützen ihr Bild von Gleichberechtigung. Andererseits – sollte eine Parade, welche sich dafür einsetzt, Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind, und nichts mehr unter den Teppich zu kehren oder totzuschweigen, Leuten verbieten, sich so zu präsentieren, wie sie es für richtig halten? Ob es einem liegt oder nicht, kann man für sich selbst entscheiden. Jemand anderen jedoch an dieser Freiheit zu hindern, für die eigentlich demonstriert wird, wäre in gewisser Weise Heuchelei. Weiters hätten diese Paraden wohl kaum so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, würden sie nach außen hin nicht so schillern. Nimmt man sich sogar die Zeit, eine Dragqueen oder eine Person im Leder-/Lackoutfit besser kennenzulernen, so wird man womöglich feststellen, dass diese Personen nicht anders sind als du und ich. Und wer weiß, wie viele Personen in eurem täglichen Leben gerne Leder tragen würden? Also egal, ob du hetero bist oder nicht –feiern wir gemeinsam am 24. Juni einen Tag, an dem wir sein können, wie wir sind. Einen Tag, wo du keine Angst haben musst, dass dich wer für deine Art, deinen Kleidungsstil, deine Orientierung oder Vorlieben verurteilt! Mehr Infos (wo und wann) findest du unter Queerstudent.at Marcus Zauner Referent des Queer-Referats der ÖH Med Graz queer@oehunigraz.at 11


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Thema

LEITTHEMA

PFLEGELEICHT? Geschichte der Pflege Depression Medizin und Pflege Interview Prof.in Lohrmann Breast Care Nurse

Bild: Fritz Henle / wikipedia

GuKG-Novelle

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thema

Von Hippokrates bis Nightingale: Die Geschichte der Krankenpflege

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tel der europäischen Bevölkerung dahin. Aber die Pandemie der bakteriellen Infektionskrankheit hat auch Positives bewirkt: Es entwickelte sich ein öffentliches Gesundheitswesen mit Krankenhäusern, die oft schon von Städten selbst verwaltet wurden. Während der Renaissance und der Aufklärung wurden dann die ersten wissenschaftlichen Entdeckungen, zum Beispiel im anatomischen Bereich, gemacht. Die Grundlage der modernen Wissenschaft wird durch Publikationen und Debatten gebildet. Im 19. und 20. Jahrhundert bereicherten Entdeckungen wie die Vererbungslehre, die Pasteurisierung oder die Narkose die Wissenschaft. Krankenhäuser als gemeinsamer Arbeitsplatz von ÄrztInnen, PflegerInnen und Studierenden entwickelten sich weiter. In Kaiserwerth wurde 1836 die erste Pflegeschule von Theodor Fliedner gegründet, die auch Florence Nightingale besuchte. Sie errichtet später die erste Krankenpflegeschule in London. Pflege war damals allerdings kein angesehener Beruf. Die Frauen, die damals vorrangig diese Tätigkeit ausübten, wurden ausgebeutet, hatten keine gesonderten Rechte und arbeiteten mehr als zehn Stunden am Tag. Auch während der beiden Weltkriege leisteten die Pflegerinnen und Krankenschwestern Übermenschliches unter widrigsten Bedingungen. Während des Nationalsozialismus waren sie aber auch in die Methoden des Regimes integriert und an Morden und Experimenten beteiligt. Die Pflege wurde von deutschen Schwesternschaften übernommen, am Grazer LKH waren das zum Beispiel die braunen Schwestern. Um den hohen Bedarf schneller zu decken, wurden die Ausbildungszeit auf eineinhalb Jahre heruntergesetzt und sehr viele Pflegeschulen gegründet. Als Aufnahmebedingung waren deutsches oder artverwandtes Blut, politische Zuverlässigkeit und geeignete Charaktereigenschaften unumgänglich. Die Nachkriegszeit war zunächst von zerstörten Spitälern und allumfassendem Mangel geprägt. Der Bedarf an Pflege war sehr hoch, es kam zu Gründungen oder Neuorganisationen von Pflegeverbänden. Nach und nach wurde auch die Berufsbezeichnung genau definiert und Ausbildungen neu konzipiert und organisiert. Bild: Kylie Wilson / 123rf

Die Entwicklung der Krankenpflege steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Medizin, beide gehen zurück bis ins zweite vorchristliche Jahrhundert. Erst später etablierte sich die Pflegewissenschaft als eigenständiger Bereich. Bereits in der Steinzeit gab es das Pflegewesen, belegbar ist das etwa durch verheilte Knochenbrüche, die der oder die Kranke ohne fremde Hilfe nicht überleben hätte können. In der Frühgeschichte Europas wird Krankheit auf Dämonen, Geister, Götter und Zauberer zurückgeführt und durch magische Methoden, Opferbringung, pflanzliche oder tierische Heilverfahren, Tanz oder auch Meditation behandelt. In den frühen Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens oder Indiens gehören Heilkundige der Klasse der PriesterInnen an. In der Antike waren hauptsächlich Angehörige, Sklaven oder andere Bedienstete für die Krankenpflege verantwortlich. In Europa fand nach und nach ein Wandel statt. Krankheit wurde immer mehr von einem rationalen, naturalistischen und wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. Belegt wird das zum Beispiel durch die Arbeit von Pythagoras von Samos oder Hippokrates von Kos, dem Begründer der Säftelehre. Die Thesen der griechischen Medizin waren in Europa lange sehr bedeutend. Nach der Geburt Christi spielt das Konzept der Nächstenliebe bald eine wichtige Rolle – die gegenseitige Fürsorge wird als christlicher Wert definiert und von den Orden gelebt. Sie treten als Konservierer des Wissens und Bewahrer der Zivilisation auf, als das Aufkommen des Mittelalters nicht nur den Niedergang des Römischen Reiches verheißt, sondern auch den der Errungenschaften dieser Zeit. Das Bildungsgut ging zum Großteil verloren, was sich auch nachhaltig auf die Medizin ausgewirkt hat. Im frühen Mittelalter galt Krankheit als eine Strafe Gottes, den Kranken wurde vorrangig mit Gebeten beigestanden. Während im arabisch-islamischen Kulturkreis die Krankenhäuser in Bagdad, Damaskus oder Kairo eine Blütezeit erlebten, wurden in Europa die christlichen Klöster zu Zentren der Sammlung, Erhaltung und Verbreitung der literarischen Hinterlassenschaften der Antike. Als bedeutendste Vertreter der Klostermedizin sind Benedikt von Nursia oder Hildegard von Bingen bekannt. Das Hochmittelalter bringt mit der Gründung von Universitäten neuen Aufschwung. Doch bald wartete eine ganz neue Herausforderung: Die Pest raffte Mitte des 14. Jahrhunderts ein Drit-

Marlene Penn Journalismus-&-PR-Absolventin und friedfertiger Eishockeyfan


Bild: prudkov / fotolia

Depression, eine besondere Herausforderung für Pflegekräfte

Thema

Depressionen und affektive Störungen zählen zu den am schnellsten zunehmenden Erkrankungen. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden sie bis 2020 die weltweit zweithäufigste Volkskrankheit sein. Das stellt künftig nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch das Pflegepersonal in Krankenhäusern vor besondere Herausforderungen. Im Jahr 2014 waren zufolge einer Gesundheitsbefragung der Statistik Austria etwa 5,7 % der österreichischen Bevölkerung an einer Depression erkrankt. Bei den Frauen lag der Anteil der Erkrankten bei 7,5 % während es bei den Männern nur 3,9 % waren. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund der psychischen Krankheit steigt seit Jahren stark an. Betroffene Patientinnen und Patienten leiden unter vielschichtigen Beschwerden: Sie ziehen sich etwa zurück, haben kein Interesse an ihren Therapien und fühlen sich so niedergeschlagen, dass sie es kaum schaffen, sich aus dem Bett zu erheben. Zusätzlich können sie Symptome wie Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafmangel oder Suizidgedanken aufweisen.

Individualität beim Pflegen

Für das Pflegepersonal ist es wichtig, zwischen zwei Arten von Depression zu unterscheiden: einerseits die eher klammernde, jammernde Form und die aggressive, wütende Form auf der anderen Seite. Bei Ersterer rufen Patientinnen und Patienten ständig nach ihrer Pflegekraft, gehen aber nicht auf deren Vorschläge ein, während sie gleichzeitig signalisieren, den Pfleger oder die Pflegerin zu brauchen. Das stellt das Pflegepersonal vor die Herausforderung einer schmalen Gratwanderung. Je mehr Aufmerksamkeit diese Person bekommt, desto mehr wird ihr depressives Verhalten

belohnt. Distanziert sich die Pflegekraft aber zu sehr, bestätigt sie die depressive Grundeinstellung der Person, dass sie nichts wert und eine Zumutung für ihre Mitmenschen ist. Die Kunst für Pflegerinnen und Pfleger besteht darin, Empathie zu zeigen und gleichzeitig eine professionelle Distanz zu den Betroffenen aufrechtzuerhalten. Um das zu schaffen, ist es wichtig, sich umfassend mit dem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Mittels einer begleitenden supervisorischen Unterstützung können Pflegekräfte den Umgang mit depressiven Patientinnen und Patienten trainieren. Allerdings kommt das in der Praxis eher selten vor – meist wird das Pflegepersonal mit diesen Herausforderungen alleine gelassen. Ein Zustand, der angesichts der steigenden Zahl an Depressionen in Zukunft geändert werden muss. In Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sollte daher zumindest ein klinischer Psychologe oder eine Psychologin arbeiten, um die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Sonst besteht auch für das pflegende Personal die Gefahr, eine depressive Störung zu entwickeln.

Jessica Braunegger 2. Semester Global Studies „Wo ist mein Desinfektionsmittel?“ 15


wISSEN thema

Neue Welle mit der Eine Berufsgruppe im Umbruch: In den kommenden Jahren wird nicht mehr wie gewohnt gepflegt. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde bereits im August 2016 geschaffen. Die Veröffentlichung des passenden Bundesgesetzes zur Änderung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (kurz: GuKG) schlägt in den kommenden Jahren auch in der Praxis große Wellen.

(Umsetzung muss bis 2024 erfolgen) • Generalisierte Ausbildung des gehobenen Dienstes • Aktualisierung der Berufsbilder • Änderung der Tätigkeits- beziehungsweise Kompetenz bereiche

Was ist neu? –Die wichtigsten Eckpunkte

• Pflegehilfe wird zur Pflegeassistenz • Schaffung einer neuen Berufsgruppe (Pflegefachassistenz) • Ausbildung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege ausschließlich im tertiären Bildungssektor

Lisa Suppan DGKS, freie Journalistin und GHD-Mitglied „No risk, no story“

PhD

Sonder- & Spezialausbildungen (MScN)

Gesundheits- und Krankenpfleger/in (BScN)

Pflegefachassistenz (PFA)

Pflegeassistenz (PA)

Wer, wie was? 16


wISSEN Thema

neuen GuKG-Novelle Spezialisierungen Angehörige der Gesundheits- und Krankenpflege können zudem folgende Spezialisierungen anstreben:

Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger/in (DGKP)

Ausbildungsdauer

3 Jahre (4.500 h; 180 ECTS)

• Lehr- oder Führungsaufgaben • Kinder- und Jugendlichenpflege • Psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege • Anästhesiepflege • Intensivpflege • Pflege bei Nierenersatztherapie • Pflege im OP-Bereich • Stoma-Versorgung • usw.

Kompetenzbereiche (Auszug § 14 ff GuKG): • Gesamtverantwortung für den Pflegeprozess • Anleitung und Überwachung von Unterstützungskräften • Verabreichung von Vollblut und/oder Blutbestandteilen • Entfernung von Drainagen, Nähten und Wundverschluss klammern • Punktion und Blutentnahme aus der Arteria Radialis und der Arteria Dorsalis Pedis • Weiterverordnung von Medizinprodukten

Pflegefachassistenz (PFA)

Ausbildungsdauer 2 Jahre (3.200 h)

Kompetenzbereiche (Auszug § 83a GuKG):

Pflegeassistenz (PA)

• Mitwirkung bei und Durchführung von übertragenen Pflegemaßnahmen • Setzen und Entfernen transurethraler Katheter bei Frauen • Legen und Entfernen transnasaler und transoraler Magensonden • Ab- und Anschluss laufender Infusionen (Ausnahme: Zytostatika, Transfusionen mit Vollblut/Blutbestand teilen)

Ausbildungsdauer

1 Jahr (1.600 h; früher Pflegehilfe)

Tätigkeitsbereiche (Auszug § 83 GuKG): • Mitwirkung bei und Durchführung von übertragenen Pflegemaßnahmen • Anlegen von Verbänden, Wickeln, Bandagen • Einfache Wundversorgung • Blutentnahme aus der Vene (außer bei Kindern)

Quelle: Unternehmensserviceportal (2016): GuKG-Novelle – beschlossene Änderungen, Link: https://www.usp.gv.at/Portal.Node/usp/public? gentics.am= Content&p.contentid=10007.174564 (Zugriff am: 27.2.2017) 17


thema

Medizin & Pflege – der ewige Kampf? Liest man die Überschrift dieses Artikels, könnte es sein, dass Angehörige der Medizin schmunzeln, während jene der Pflege mit den Augen rollen?! Es könnte sein, ja … Aber was ist eigentlich dran an der Interprofessionalität zwischen Medizin und Pflege? Sieht man im Duden nach, wird der Begriff als „Zusammenarbeit zwischen Professionen“ definiert. Betrachtet man hierzulande die Realität, ist diese, mit wenigen Ausnahmen, aber unter dem Begriff „Hierarchie“ bekannt. Hierarchie für: MedizinerInnen oben und Pflege unten. Wie kommt aber dieser klaffende Spalt zustande? Glaubt man der Theorie in Lehrbüchern aber auch vielen Studien, ist er dadurch begründet, dass Ärzte und Ärztinnen einer „gehobenen“ Schicht angehören mögen, basierend auf der langen und akademischen Ausbildung, der wirkenden ethischen Richtlinien und weil sie über eine eigene Fachsprache verfügen. Im Gegensatz zur Pflege – die zu Unrecht eher als „Hilfsberuf“ der Medizin verkauft wird. Blickt man hierbei auf die Berufshistorie, erklärt

Bild: Gabriel Blaj /fotolia

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sich Vieles dazu. Während die Medizin bereits sehr früh – im arabischen Raum bereits vor über 2.000 Jahren (!) – als wissenschaftliche Disziplin, mit Lehre und Forschung, an Universitäten gelehrt wurde, hat die Pflege ihren Ursprung darin, den MedizinerInnen in der PatientInnenversorgung zu assistieren und den reibungslosen Aufenthalt der hospitalisierten Kranken zu gewährleisten. Verstärkt wurde diese Erscheinung der Assistenz dadurch, dass die Pflege schlussendlich von Geistlichen übernommen wurde. Das „Dienen und Arbeiten als Schwestern“ ging demnach weiter und die hierarchisch-geschlechterspezifische Positionierung hat sich seither wohl endgültig festgesetzt. Zu guter Letzt wurde mit dieser Denkweise wohl auch die Ausbildung der Pflege in Hinblick auf Pathologie und Physiologie beeinflusst.

Jetzt und hier sind aber andere Zeiten?

Es scheint, dass Pflege und Medizin an einer Wegkreuzung stehen. Immer mehr wird deutlich, dass die Pflege sehr wohl einen Grundstock für eine Profession besitzt. Sie verfügt über eigene ethische Richtlinien und eine eigene Fachsprache (wenn auch angelehnt an jene der Medizin). In den letzten Jahren wurde die Ausbildung auch zunehmend akademisiert. Spätestens nach der Gesetzesnovelle (siehe Seite 15) in Österreich ist dies auch Tatsache, auch wenn die Anzahl der AbsolventInnen derzeit noch gering ist. Die Pflege selbst scheint dadurch in den letzten Jahren bereits eine Art Aufschwung zu erleben – im Selbstverständnis für den Beruf und auch nach außen hin. Dennoch wird es noch ein bisschen dauern, bis die vielen Stereotypen aus den Köpfen der Leute verschwunden sind, erst recht nach den regen Diskussionen in den Medien. Was die Interprofessionalität zwischen den beiden Berufen betrifft, sollte das Umdenken aber nicht nur innerhalb der


Thema

Pflege geschehen. Auch in der Medizinwelt besteht Aufklärungsbedarf – glaubt man Ergebnissen von zahlreichen internationalen Studien, welche innerhalb Europas vor allem in den letzten zehn Jahren gehäuft auftreten. Vielfach wird dort „Respekt füreinander und das Wissen der Arbeitsaufgaben des anderen“ als Schlüssel genannt. Die Pflege kümmert sich um PatientInnen – ja, schon klar. Vielfach führt sie demnach auch die angeordnete Therapie der ÄrztInnen an den PatientInnen durch und überwacht sie. Tätigkeiten einer klassischen Hilfskraft, würden viele meinen. Die Hauptaufgaben der Pflege beziehen sich jedoch vordergründig auf einen eigenverantwortlichen Bereich. Zuoberst steht dies für eine andere Betrachtungsweise des Menschen, auf einer ganzheitlichen Ebene nämlich. Die Beobachtungen und Maßnahmen, die sich daraus ableiten lassen, mögen jenen der Medizin auf den ersten Blick zwar ähneln, sind aber unterschiedlich angesetzt. Noch viel deutlicher wird dies, wenn man weggeht von der Ansicht der klassischen Pflege im Krankenhausbetrieb und auf die vielen Pflegepersonen in den Pflegeheimen und den mobilen Diensten blickt. Kaum eineR weiß, was diese wirklich denken und leisten.

Miteinander bereits vermehrt „gelernt“, sollte dies auch eine veränderte Umgangsweise zur Folge haben. Inwiefern der Kampf von Medizin und Pflege nun weitergeht, steht in den Sternen. Klar ist nur, dass sich gerade etwas verändert. Vieles davon ist auch nicht beeinflussbar, einiges davon aber sehr wohl. Gerade wir, die junge Generation auf beiden Seiten, haben dabei sehr viel in der Hand: ob es in eine positive oder negative Richtung geht. Kerstin Haberle 8. Sem. Humanmedizin & Pflegewissenschaft Schneefreak mit viel Herz, spricht multiple Dialekte

Zu guter Letzt noch eine kurze Empfehlung aus Erfahrungsberichten und aktuellen Studien in der Literatur. Respekt und Wissen werden demnach nur durch Bildung gewonnen. Bilden kann man sich nicht nur durch Lernen, sondern viel mehr aus Erfahrungen. Im Fall von Pflege und Medizin zum Beispiel durch bessere Integration der Berufsfelder in die jeweilige andere Ausbildung, wie längere Pflegepraktika für die MedizinerInnen oder vermehrtes Zusammentreffen von Studierenden aus beiden Studienrichtungen. Wird das

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Die Lösung?

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thema

Pflege – eine wenig bekannte Wissenschaft Interview mit Univ.-Prof.in Dr.in rer. cur. Christa Lohrmann Seit elf Jahren hat auch die Medizinische Universität Graz einen Lehrstuhl für Pflegewissenschaft, den Univ.Prof.in Dr.in Christa Lohrmann innehat. In unserer 16. Ausgabe im Juni 2015 haben wir sie im Rahmen unserer Reihe über erfolgreiche Frauen in der Wissenschaft schon einmal interviewt und dabei vor allem über ihren persönlichen Werdegang gesprochen. Nun diskutierten wir über Problemfelder und Potenziale einer noch unterschätzten Disziplin. Im Jahr 2012 haben Sie dem „Standard“ ein Interview gegeben, in dem Sie unter anderem erwähnten, Österreich bilde in der Pflegeausbildung international das Schlusslicht und es bestehe massiver Aufholbedarf. Was sind Gründe dafür? Das ist eine vielschichtige Frage. Dieser Rückstand betrifft alle deutschsprachigen Länder. So wurde beispielsweise schon 1907 in den USA ein Lehrstuhl für Pflegewissenschaft ausgeschrieben, skandinavische Länder sowie die Niederlande haben Pflegewissenschaft Ende der 70er und 80er begonnen. Lange Zeit wurde die Pflege im deutschsprachigen Raum nicht als Wissenschaft, sondern als Assistenzberuf angesehen. Das hat viel mit dem geschichtlichen Hintergrund zu tun: Während in Großbritannien der Einfluss von Florence Nightingale recht groß war, sich von der Medizin loszulösen, die Pflege eigenständig weiterzuentwickeln und die Ausbildung in die Hand der Pflege selbst zu legen, stand Pflege im deutschsprachigen Raum stark 20

unter dem Einfluss der Kirche. Pflege war keine Wissenschaft, sondern etwas Aufopferungsvolles, eine Diensttätigkeit. Es gibt viele andere Faktoren wie die Frauenbewegung oder den Einfluss der Weltkriege, die in anderen Ländern positive Auswirkungen auf die Pflege hatten, in den deutschsprachigen Ländern aber kaum. Allerdings gab es vereinzelte Bestrebungen wie 1920 in Deutschland, als ein medizinischer Professor wollte, dass die Ausbildung der Pflege an die Universitäten kommt. Er konnte seine Ideen allerdings aus vielerlei Gründen nicht verwirklichen, vor allem scheiterte es an der mangelnden Unterstützung seiner medizinischen Kollegen. Holen die deutschsprachigen Länder diesen Rückstand mittlerweile auf? Ja, ich denke, wir haben den Anschluss mittlerweile gut geschafft und wir können stolz darauf sein, was wir in den letzten elf Jahren hier in Österreich erreicht haben. Wenn man später dran ist, hat das auch Vorteile, man muss nicht die gleichen Fehler wiederholen und kann an funktionierende Systeme anknüpfen beziehungsweise sie adaptieren und sich auf die Themen konzentrieren, die heute wichtig sind. Besonders zu erwähnen ist auch, dass sich die Einstellung der Pflegepraxis der Wissenschaft gegenüber sehr zum Positiven verändert hat. Wie stehen Sie zur neuen Ausbildung zur Pflegeassistenz (3-jährige Ausbildung, die vor allem zur Betreuung von PatientInnen ermächtigt)?

Obwohl es gute Gründe gibt, warum Österreich diesen Weg eingeschlagen hat, sehe ich es auch kritisch. Es besteht die Gefahr, dass viele pflegerische Tätigkeiten bei dieser neuen Ausbildungsstruktur wieder nur im Sinne der Assistenz gesehen werden und nicht als hochqualifizierter Aufgabenbereich, der sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Die Ausrichtung auf die Wissenschaft und evidenz-basierte Pflege darf auch bei der Pflegeassistenz nicht zu wenig berücksichtigt werden. Wir müssen beobachten und abwarten, wohin der Weg führt. Grundsätzlich ist es zu befürworten, dass es verschiedene Kompetenzen und Aufgabenbereiche auf den Stationen gibt, solange es ausgewogen bleibt. Ob Master, Bachelor oder Assistenz, im Endeffekt sollten alle gemeinsam mit den PatientInnen dafür sorgen, dass es diesen gut geht und die verschiedenen Qualifikationen sich ergänzen. Welche Vorteile bringen Spezialausbildungen für ambulante Berufe wie die Weiterbildung „Interdisziplinäre Frühförderung und Familienbegleitung“ hinsichtlich einer Aufwertung des Images der Pflegeberufe? Ich glaube, in der Bevölkerung wird nur unzureichend zwischen Betreuung und tatsächlicher Pflege unterschieden. Zum Beispiel wird oft von 24-StundenPflege gesprochen, obwohl niemand, nicht einmal PatientInnen auf der Intensivstation, 24 Stunden lang Pflege benötigt. Sie benötigen Betreuung oder Unterstützung im Haushalt. All diese


Thema

„Wir können stolz darauf sein, was wir in den letzten elf Jahren hier in Österreich erreicht haben.“ Univ.-Prof.in Dr.in rer. cur. Christa Lohrmann Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaft an der Medizinischen Universität Graz

Tätigkeiten werden aber leider unter dem Begriff „Pflege“ subsummiert. Dadurch wird den Menschen suggeriert, sie bräuchten, wenn sie älter würden, rund um die Uhr jemanden, der sie pflegt, was nicht der Fall ist. Pflege ist nicht das Gleiche wie Haushaltstätigkeit, das muss man klar trennen. Die verschiedenen Qualifikationen unterschiedlicher Berufe für die Pflege und Versorgung der Menschen zuhause und deren Aufgabenbereiche müssen transparenter gemacht werden, grundsätzlich hat die Pflege mit ihren verschiedenen Ausrichtungen viel anzubieten. Solche begriffliche Ungenauigkeiten halten sich oft sehr hartnäckig. Das hat viel damit zu tun, wie Pflegewissenschaft in den Medien dargestellt wird. Wenn man Leute fragt, was die beliebtesten Berufe sind, machen sich Feuerwehr und Pflege regelmäßig den ersten Platz streitig. Wenn man wirklich nachhakt, was Menschen mit Pflege verbinden, sagen viele, es ist so

wichtig, dass es die Pflege gibt, und Pflegende sind so nett, aber ich könnte das niemals tun, was Pflegende täglich alles machen müssen. Niemand sagt, es ist eine hochqualifizierte Berufsgruppe, die nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt. An diesem Imageproblem muss einerseits die Berufsgruppe selbst arbeiten, andererseits müssen aber auch die Medien ein adäquates Bild vermitteln. Leider bieten sich für Schlagzeilen auch vor allem negative Ereignisse aus der Pflegepraxis an, positive Errungenschaften und Ergebnisse fallen dabei unter den Tisch. Erst langsam verändert sich das Bild, dass Pflegende als verlängerter Arm der Ärztin oder des Arztes betrachtet werden. In anderen Ländern, etwa in Schweden, gibt es etwas wie „Nurse led Clinics“ (ambulante Klinik, die von PflegewissenschaftlerInnen geführt wird). Kommt so etwas auch für Österreich infrage?

Im Moment mit Sicherheit noch nicht. Für die Zukunft könnte ich mir das vorstellen, aber dafür muss es auch politische Bereitschaft geben, so etwas zu unterstützen. Auch KollegInnen aus anderen Bereichen wie der Medizin müssen das mittragen. Aber es ist gut, solche Entwicklungen in anderen Ländern zu beobachten und deren Erfolge damit zu verfolgen, sodass wir später eventuell daran anknüpfen und unsere Modelle anpassen können. Solche Kliniken könnten ja zu einem positiven Imagewechsel beitragen. Ich würde es nicht daran festmachen, dass Pflegende derartige leitende Positionen innehaben. Ein Teil der Pflegewissenschaft ist es, sich zu überlegen, was es für Lösungsmöglichkeiten für aufkommende Probleme im Gesundheitswesen gibt und welchen Beitrag die Pflege dazu leisten kann. Was den demographischen Wandel angeht, wird Pflege in Zukunft mehr im Fokus stehen als die Medizin, denn Pflege wird 21


thema

„Wichtig ist, dass man sich ergänzt und gegenseitigen Respekt aufbringt.“

bei chronischen Erkrankungen, bei Pflegeabhängigkeit und vielen anderen Dingen immer wichtiger werden. Dazu gehören auch mobile Versorgungsstrukturen, Unterstützung von Angehörigen, der Umgang mit Demenzkranken und Vieles mehr. Die Geriatrie bildet hier ein gutes Feld, um auch interdisziplinär nach Lösungen zu suchen. Als (noch) Außenstehende habe ich oft den Eindruck, ein großes Problemfeld in der täglichen Zusammenarbeit zwischen ÄrztInnenschaft und PflegerInnen ist die Kommunikation, was teilweise an einer fehlenden gemeinsamen Sprache, teilweise auch an mangelndem Einfühlungsvermögen liegt. Was halten Sie von Teambuildingstrategien innerhalb von Stationen, wie sie auch in Unternehmen durchgeführt werden? Das Schwierigste im Leben ist immer die Kommunikation, im privaten und im beruflichen Bereich. Das betrifft also nicht nur Pflege und Medizin. Innerhalb eines Teams hat dies auch sehr viel mit guter Führung zu tun, bei der gegenseitiger Respekt gefördert und eine positive Einstellung anderen gegenüber gelebt wird. Kommunikation kann man lernen, man kann ebenso lernen, wie man adäquat im Team miteinander umgeht. Das ist etwas, was von allen Seiten gewünscht werden muss, 22

das kann man nicht anordnen, aber fördern. Viel ist von der Führung abhängig, das ist auch ein Thema, mit dem wir uns beispielsweise im Masterstudium Pflegewissenschaft beschäftigen: Wie sieht gutes Leadership aus, wie kann man gut im Team arbeiten. Hier bedarf es sicher auch einer Bewusstseinsbildung innerhalb der Pflege. Inwiefern ist die Pflege auch selbst in ihrer Rolle gefangen? Sicher, es gibt im Moment manchmal vier oder fünf unterschiedliche Generationen an Pflegenden, jede Gruppe hat eine andere Sozialisation, da gibt es eine Menge Unterschiede. Neues wie die Pflegewissenschaft oder neue akademische Abschlüsse in der Pflege sind für einige KollegInnen in der Praxis noch immer ungewohnt und nicht immer verständlich, das kann auch zu Ängsten oder Widerstand führen. Das war übrigens auch in anderen Ländern so, als die Ausbildung dort sich auf die tertiäre Ebene verlagert hat. Veränderung ist nun einmal nicht einfach. Wichtig ist, dass man sich ergänzt und gegenseitigen Respekt aufbringt, dass Änderungen transparent sind und deren Vorteile aufgezeigt werden. So hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Vorurteile Studierenden der Pflegewissenschaft gegenüber stetig abnehmen, das ist eine sehr schöne Entwicklung.

Auf der Uni gibt es nur wenige Kontaktmöglichkeiten zwischen Studierenden der Humanmedizin und der Pflegewissenschaft, sogar in Wahlfächern begegnet man sich kaum. Warum gibt es diese Trennung immer noch? Würden nicht beide Seiten von gemeinsamen Fächern profitieren? Ich denke hier vor allem auch an das Clinical Skills Center oder an Kommunikationstraining, wo man Zusammenarbeit gut üben könnte. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass früher Kontakt zwischen Medizin- und PflegestudentInnen förderlich für die spätere Kommunikation und gegenseitiges Verständnis ist. Es gibt Universitäten, die beispielsweise in den ersten zwei Jahren viele Lehrveranstaltungen gemeinsam anbieten. Ich würde solche übergreifenden Lehrveranstaltungen begrüßen. Viele Lehrveranstaltungen, die ich anbiete, sind auch für MedizinerInnen von Interesse, wie Anfragen von MedizinstudentInnen immer wieder zeigen, beispielsweise Literaturrecherchen oder Forschungsmethoden. Ich bin offen für alles. Vielen Dank für das Gespräch! Elisabeth Schreiner 7. Sem. Humanmedizin Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.


Thema

Eine Herzensangelegenheit

„Breast Care Nurses beraten und betreuen als professionelle Pflegeexpertinnen BrustkrebspatientInnen und begleiten diese durch die verschiedenen Phasen ihrer Erkrankung. Die Grundpfeiler unserer Tätigkeiten sind die Information, die Beratung sowie die Schulung“, erzählt die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, die an ihrer Tätigkeit als BCN am LKH-Universitätsklinikum Graz vor allem die abwechslungsreiche Arbeit mit den PatientInnen schätzt. Neben der fachlichen Expertise sind aber auch soziale Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen und Humor gefragt.

Bilder: Portrait: KAGes, Herzkissen: KK

Diagnose Brustkrebs. Das Mammakarzinom ist laut Statistik Austria immer noch die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Verena Feuchtl steht als „Breast Care Nurse“ diesen PatientInnen zur Seite. Von Anfang an. Mit Herz(kissen), Feingefühl und Humor.

DGKP Verena Feuchtl (25)

Tätigkeiten, da sie viele – auch kleine – Themengebiete umfasst. Meine Kolleginnen und ich informieren unter anderem über verschiedenste Abläufe, Untersuchungen aber auch über den Umgang mit Heil- und Hilfsmitteln.“ Kein Wunder, dass man die 25-Jährige deshalb bei Konsilliardiensten oft mit den bunten Stoffherzen am Klinikum herumrennen sieht. Die Betroffenen bekommen die Herzen meist postoperativ, sprich nach einem chirurgischen Eingriff an der Brust. Das Herzkissen wird dabei unter die Achsel der operierten Seite gelegt, um den Druck von der Operationsnarbe zu nehmen und den Lymph-fluss zu entlasten.

Bereits vor ihrer Zusatzausbildung konn- Weiterbildung zur „Breast Care Nurse“ te die Krankenschwester auf der ChirurNeben dem Kissen legt die Pflegeexam AWZ Innsbruck gie Erfahrungen im Umgang mit onkopertin ihren Schützlingen auch weitere Ausbildungsdauer: logischen PatientInnen sammeln. „Das wichtige Informationen ans Herz. „Das 1 Jahr berufsbegleitend hat mir gezeigt, wie wertvoll diese Arbeit Setting der Beratung behandelt große Als BCN tätig seit: Jänner 2015 ist. Zudem wurde mir klar, wie wichÜberthemen wie zum Beispiel das veränWeitere Informationen: tig es ist, dass es eine kontinuierliche derte Körperbild nach der Operation, das www.brustzentrum-graz.at Ansprechpersonen für diese Menschen Nebenwirkungsmanagement bei den digibt, die sie durch die meist schwere Zeit der Krebserkrankung versen Therapieformen, die veränderte Sexualität, die Gesundbegleitet.“ Doch nicht nur beruflich konnte sich die engagierte heitsförderung zum Thema Brustgesundheit und vieles mehr. KAGes-Angestellte weiterentwickeln. „Mit den neuen Aufgaben Des Weiteren sind wir Nahtstellen zu anderen Fachdisziplinen konnte ich auch auf persönlicher Ebene wachsen. Zudem ist es und Unterstützungsangeboten des Brustzentrums, wie Selbsthilfür mich immer wieder schön zu sehen, welche Ressourcen wir fegruppen oder Rehabilitation, und können so notwendige KonMenschen in schwierigen Lebenssituationen, wie zum Beispiel takte für PatientInnen herstellen.“ bei einer Krebserkrankung, entwickeln können. Außerdem wird uns dann meistens bewusst, uns auf die wirklich wichtigen Dinge Lisa Suppan im Leben zu besinnen.“ DGKS, freie Journalistin Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Patienund GHD-Mitglied tInneninformation. „Sie ist eines der größten Teilgebiete unserer „No risk, no story“ 23


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ldnews • medworld news • by Hesham Elsayed • medworld news • medwo wISSEN Thema

Bild: raimund14 / fotolia

Entartungen entgegenfasten Um Entartung von Zellen zu vermeiden, verändern Tumorsuppressoren den Stoffwechsel von Zellen so, dass ein Zelltod einprogrammiert wird. Die Entstehung von Tumorzellen durch Mutationen beziehungsweise Mangel an diesen Proteinen wird an der MedUni Graz gemeinsam mit der Charité Universitätsmedizin Berlin diskutiert. In einer Studie untersuchten WissenschaftlerInnen die physiologischen und molekularen Prozesse dieser Tumorsup-

pressoren, insbesondere des Transkriptionsfaktors p53. Es konnte festgestellt werden, dass kontrollierter Nahrungsentzug zur Regulierung von p53 führt und den Stoff in der Leber anreichert. Die Proteinmenge spielt unter anderem im Leberstoffwechsel eine große Rolle. Diese Erkenntnisse sind eine mögliche Grundlage für einen neuen Therapieansatz, „Fasten-induzierte p53Stabilisierung“, in der onkologischen Forschung.

Bild: Tatiana Shepeleva / fotolia

Entrümpelung und Regeneration im Schlaf Um auf neue Informationen gut vorbereitet zu sein, entrümpelt das Gehirn „alte Informationen“, speichert Frisches ab und regeneriert sich. Ermöglicht wird dies durch Umstrukturierung von Synapsen. Nicht-wichtige Verbindungen werden abgeschwächt oder gar abgebaut, wodurch neue Speicherkapazität für neue Informationen entsteht. Schlafstörungen und Schlafmangel wiederum führen zu einem Sättigungszustand, einem Zustand, in welchem

das Netzwerk weder auf- noch abgebaut werden kann, dementsprechend schwer fallen auch Wissensgewinnung und Informationsverarbeitung. Auch die Theorie zur Entstehung von neurologischen und psychischen Defiziten wird mit Schlaf in Verbindung gebracht: So wird diskutiert, ob ein gestörter Stoffwechsel durch Schlafmangel die Entstehung von Parkinson und Alzheimer begünstigt.

Bild: Rainer Fuhrmann / fotolia

Neuropeptid aus Ameisen – Zukunftsmedizin in der Geburtshilfe? Während der Schwangerschaft kann es immer wieder zu verschiedenen Aktivitäten des Uterus kommen. Während Schwangerschaftswehen die Gebärmutter zum Wachsen anregen, eröffnen Geburtswehen den Muttermund und induzieren so den Geburtsvorgang. Vorzeitige regelmäßige Wehen werden mit Tokolytika (Wehenhemmern) behandelt,

sodass sich die Uterusmuskulatur entspannt und die Wehentätigkeit vermindert werden kann. ForscherInnen der MedUni Wien gelang es, ein Ameisen-Neuropeptid, Inotozin, zu isolieren und zu einem stabilen hochselektiven Hemmstoff des Vasopressins weiterzuentwickeln, welcher eine hemmende Wirkung auf Uteruskontraktionen aufweist.

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Vom Alice-im-Wunderland-Syndrom Wir haben die seltsamsten, sonderbarsten und lustigsten Syndrome,

lice-im-Wunderland-Syndrom

Dieses Syndrom tritt meist nicht alleine auf, sondern ist eine Begleiterscheinung von Migräneattacken oder Epilepsie-Anfällen. Es löst eine veränderte Wahrnehmung aus, bei der Gegenstände größer oder kleiner wirken und auch der Hör- oder Tastsinn gestört sein kann – ähnlich wie bei Lewis Carolls „Alice“, nachdem sie von einem Pilz abgebissen hatte. roken-Heart-Syndrom

Ja, das gebrochene Herz gibt es tatsächlich. Man bezeichnet es aber eher als Stress-Kardiomyopathie, die durch extrem belastende Situationen ausgelöst werden kann. Eine besonders tragische Trennung kann also tatsächlich Herzprobleme wie einen Infarkt auslösen. ri-Du-Chat-Syndrom

Hierbei handelt es sich um eine genetisch bedingte Fehlbildung des Kehlkopfes, aufgrund derer betroffene Kinder im frühen Lebensalter katzenähnliche Laute von sich geben. Begleitet wird diese Krankheit unter anderem auch von Muskelschwäche und körperlicher Unterentwicklung. orian-Grey-Phänomen

Betroffene dieser psychischen Störung haben panische Angst vor dem Altern und können die körperlichen Veränderungen des Reifens wie Falten, Cellulitis oder schütteres Haar nicht akzeptieren. Ihr Ideal: ewige Jugend. igenbrauer-Syndrom

Diese Erkrankung des Darms wird zum Beispiel durch Antibiotika oder falsche Ernährung hervorgerufen und 26

führt zur Ansiedelung eines Hefepilzes. Dieser setzt bei der Verdauung Zucker und Kohlenhydrate in Alkohol um. So wird der oder die Betroffene dank der Eigenbrauerei im Darm betrunken, ohne einen einzigen Tropfen Alkohol getrunken zu haben. regoli-Syndrom

Menschen mit dieser psychischen Störung sind wahnhaft davon überzeugt, dass sich bekannte Leute optisch verändert haben und als andere – falsche – Personen auftreten. olfkriegs-Syndrom

Dieses Syndrom fasst die Krankheiten zusammen, die erstmals an den heimgekehrten Soldaten des zweiten Golfkrieges (1991/92) beobachtet wurden und über die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung hinausgehen. Dazu gehören Gelenk- und Muskelschmerzen, Gedächtnisprobleme, Depressionen, Störungen der kognitiven und emotionalen Funktionen sowie Missbildungen bei nachmals gezeugten irakischen und amerikanischen Kindern. Als Grund werden Giftgasangriffe, Nebenwirkungen von Medikamenten oder brennende Ölquellen vermutet. elfer-Syndrom

Dieses 1977 postulierte psychische Syndrom wurde bislang nicht empirisch bestätigt. Beschrieben wird es durch den unbedingten Wunsch, gebraucht zu werden – unabhängig von der Tatsache, ob die Hilfe auch gebraucht wird. Damit einher gehen ein schwaches Selbstwertgefühl, Depression oder Burnout.

nselbegabung

Dieses Phänomen tritt bei Menschen mit kognitiven Störungen oder anderen Entwicklungsdefiziten auf, die dafür spezielle, außergewöhnliche Leistung in sehr kleinen Teilbereichen (Inseln) vollbringen. In 50 % der Fälle handelt es sich hier um AutistInnen. erusalem-Syndrom

Bei dieser psychischen Störung identifizieren sich PatientInnen vollständig mit einer biblischen Person und geben sich als diese aus. Diese Wahnvorstellung ist keine tatsächliche Diagnose, sondern gilt als „akute, vorübergehende psychische Störung“. uss-Krankheit

Ohne die Kuss-Krankheit beziehungsweise das Pfeiffer’sche Drüsenfieber wäre diese Liste nicht vollständig. Die Viruserkrankung wird vorrangig über Speichel – also vor allem beim Küssen – übertragen und verläuft ähnlich der Grippe. ost-Penis-Syndrom

Es tritt zum Beispiel nach Geburten auf, wenn die Vagina erweitert ist und beim Geschlechtsverkehr keine Reibung zwischen Penis und Vagina entsteht – der Penis also quasi „verlorengeht“. Genitale Stimulation ist somit auch nicht möglich. ann-zu-Hause-Stress-Syndrom

Ehefrauen, deren vormals vielbeschäftigte Ehemänner die Pension antreten und von nun an zu Hause sind, können am „Retired-Husband-Syndrome“ leiden und Rückenschmerzen, Asthma, Depressionen und seltener sogar Herzbeschwerden beklagen, weil sie


wISSEN

bis zur Zuckergussmilz

Krankheiten und Phänomene von A bis Z für euch gesammelt. sich durch die neue soziale Situation gestresst fühlen. uckelflaschen-Syndrom

Dieses Syndrom bezeichnet die charakteristische Kariesbildung in der entsprechenden Form der Nuckelflasche an den oberen Schneide- und Backenzähnen bei Kindern, die oft gesüßte Tees, Fruchtsäfte oder Milch aus der Flasche trinken. nychophagie

Besser bekannt ist diese Störung als Nägelkauen. Sie wird durch Stress oder Nervosität ausgelöst und tritt oft in Verbindung mit anderen Verhaltensstörungen auf – zum Beispiel zur Bedürfnisbefriedigung bei ADHS. ica-Syndrom

Diese Essstörung bezeichnet das unbändige Verlangen nach ungenießbaren oder auch ekelerregenden Dingen wie Holz, Abfall, Staub oder Seife. Und nein, Schwangere leiden nicht darunter. uaddel

ter der Knorpelhaut nicht aufgesogen werden und bleibt bestehen. Dadurch entsteht die Verformung, die auch als Karfiol-Ohr bekannt ist. tockholm-Syndrom

Bei diesem psychologischen Phänomen entwickeln Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu Ihren EntführerInnen. Das kann so weit gehen, dass sie mit den TäterInnen sympathisieren oder kooperieren – wie bei der namensgebenden Geiselnahme in einer Stockholmer Bank im Jahr 1973. ourette-Syndrom

Das Tourette-Syndrom fasst die Anzeichen einer nervlichen, genetischen Erkrankung zusammen. Als spezifisches Leitsymptom gelten Tics, also unwillkürliche, rasche und meist plötzliche, heftige Bewegungen, die auch von lauten, ungewollten Ausrufen oder Geräuschen begleitet werden und in verschiedenen Komplexitäten auftreten. rbach-Wiethe-Syndrom

Quaddeln sind punktartige bis knopfoder plateauähnliche Erhebungen der Haut, die oft als Symptom von Allergien oder Nesselsucht auftreten oder aus Insektenstichen oder Kontakt mit Pflanzengiften resultieren. Sie gehen oft mit Juckreiz einher. Der wohl bekannteste Ursprung: die Brennnessel.

Betroffene dieses Syndroms verlieren ihre Furcht. Sie können Trauer, Freude oder Wut empfinden, nur Angst verspüren sie nicht mehr. Die Ursache liegt in der Zerstörung der Amygdala. Problematisch ist, dass die Angst überlebenswichtig ist und die PatientInnen ihre Fähigkeit verlieren, gefährliche Situationen einzuschätzen.

inger-Ohr

orarephilie

Diese bleibende schmerzlose Verformung des Ohres tritt nach einem Schlag oder Fall auf den Ohrknorpel auf. Der entstehende Bluterguss kann vom gering ausgebildeten Gewebe un-

Eine Sexualpräferenz, bei der in Verbindung mit dem Gedanken, verschlungen zu werden, jemanden zu verschlingen oder diesen Prozess zu beobachten, sexuelle Erregung entsteht.

alking-Corpse-Syndrom

Diese inhaltliche Denkstörung entsteht infolge einer Hirnerkrankung und wird dem Wahn zugeordnet. Der oder die Betroffene denkt, er oder sie sei tot, nicht existent, im Begriff zu verwesen oder habe Blut und innere Organe verloren. YY-Syndrom

Man kennt es auch als das Supermännlichkeitssyndrom. Durch das zusätzliche Y-Chromosom treten bei Männern zum Beispiel erhöhte Körpergröße, hoher Testosteron-Spiegel, leicht vergrößerte Proportionen im Gesicht oder längere Hände und Füße auf. oung-Syndrom

Es beschreibt die Kombination chronischer Infekte und verminderter Zeugungsfähigkeit bei Männern aufgrund einer Eindickung des Spermiensekrets. Eine wichtige Differentialdiagnose ist die zystische Fibrose. Es wird vermutet, dass das Young-Syndrom autosomal rezessiv vererbt wird und aus Kontakt mit Quecksilber resultiert. uckergussmilz

Dieser meist pathologische Befund bezeichnet die grau-weiße Verfärbung der Milz bei einer Kapselhyalinose. Die Ursache liegt in der Entzündung des Bindegewebes.

Marlene Penn Journalismus-&-PRAbsolventin 27


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Cannabis – Freud oder Leid? Ist Hanf eine gefährliche psychoaktive Droge, welche zur Abhängigkeit führt, oder ein harmloses Genussmittel? Im Zuge der letzten Grazer Gemeinderatswahl war die Legalisierung von Cannabis wieder in aller Munde. Nutzen und Schädlichkeit wurden kontrovers diskutiert: Ist Hanf eine gefährliche psychoaktive Droge, welche zur Abhängigkeit führt, oder ein harmloses Genussmittel? Wie wirkt sich Tetrahydrocannabinol (THC) körperlich und psychisch aus? Welche Wirkungen und Nebenwirkungen sind zu erwarten? Während Cannabis in weiten Teilen Europas illegal ist, gilt Hanf seit Jahrtausenden in manchen Ländern Asiens und Afrikas als Heil- und Kultpflanze. Anbau und Verwendung haben schon eine lange Tradition und sind vielseitig: Von der Gewinnung von Faserrohstoffen über das Pressen von Hanföl bis hin zur Verwendung von psychoaktivem THC in der therapeutischen Medizin.

mit Teilen von Blättern und Blüten. Der Gebrauch von Haschischöl ist zwar immer noch eine Tradition, hat aber längst an Bedeutung verloren. Wird Cannabis in Form von Nahrung aufgenommen, wird das THC zunächst im Gastrointestinaltrakt resorbiert und über die Leber ins Gehirn transportiert. Beim Rauchen hingegen tritt die Wirkung schneller ein, da das THC durch Inhalation direkt vom Kapillarbett der Lunge ins Gehirn gelangt und an spezifische Rezeptoren im Zentralnervensystem andockt. Seit den 1990er-Jahren ist bekannt, dass an jenen Rezeptoren das körpereigene Anandamid andockt und ein Wirkungsspektrum entfaltet, welches dem des THCs ähnlich ist. Sie beeinflussen Bewegungskoordination, Emotionen und Gedächtnisfunktionen und sind schmerzlindernd.

Konsumation

Wirkungen und Nebenwirkungen

Der Konsum der Hanfpflanze findet sich verschieden wieder: Am häufigsten sind die Verwendungen in Form von Marihuana, getrockneten Blatt-, Blüten und Stängelteilen, und Haschisch, dem Harz der Blütenstände, vermischt

Die Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von THC sind abhängig von Konsumform (rauchen, essen), Konsumtechnik (Inhalationstiefe), Qualität, Konsummenge und THC-Gehalt sowie davon, wie oft Cannabis konsumiert wird. Grundsätzlich dauert die psychoaktive Wirkung zwischen zwei und vier Stunden an. Körperlich lassen sich Muskelentspannung, Herzfrequenzveränderung, Konzentrationsschwächen (verlangsamte Reaktionszeit), Denkstörungen sowie Bewegungskoordinationsstörungen nachweisen. Psychisch wirkt THC, ähnlich wie Anandamid, entspannend, euphorisierend, gemeinschaftserlebend, gleichgültig gegenüber der Umwelt. Die Anwendung geht außerdem mit einem veränderten Wachbewusstsein einher. Unerwünschte Nebenwirkungen zeigen sich kurzfristig in Form von atypischen Zuständen von Desorientierung, Verwirrtheit, Angst, Panik, Wahn und bei Überdosierung auch Kreislaufproblemen und Erbrechen.

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Risiken

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Das Inhalieren von Cannabis zeigt ähnliche Wirkungen auf den Respirationstrakt wie Tabakkonsum. Beeinträchtigte Lungenfunktion, chronische Bronchitis und ein erhöhtes Karzinomrisiko sind erwiesen. Studien beschreiben eine Störung des Hormonhaushalts, welche sich bei chronischem


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Konsum in Form von Störungen des Sexualsystems zeigt. Auch das Immunsystem soll durch chronischen Gebrauch geschädigt werden. Neurologische Veränderungen bei chronischen Konsumierenden konnten bisher zwar nicht nachgewiesen werden, jedoch eine Chronifizierung und Verstärkung der psychoaktiven Wirkung: Subtile Veränderungen von Gedächtnisund Aufmerksamkeitsleistungen, vermehrte Angstzustände, eine Zunahme an depressiven Episoden, verminderte Motivation und Leistungen sowie eine Assoziation mit einem erhöhten Risiko an schizophrenen Erkrankungen wird vermutet.

Cannabis in der Onkologie

Laut neueren Untersuchungsergebnissen soll Cannabis in der Onkologie Erfolg bringen. Grund ist nicht nur die positive schmerzlindernde Wirkung von THC, die das Leid der Patientinnen und Patienten während der Chemotherapie lindern soll, sondern auch das Wirkungsspektrum von THC. Es ist vor allem im Bereich der Zellbiologie weit größer als bisher angenommen. Durch Andocken an die cannabinoiden Rezeptoren CB1

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und CB2 sollen wichtige Mechanismen gesteuert werden: Regulation von Apoptose, Steuerung der Mitose sowie der Drosselung der Angioneogenese von Tumorzellen.

Selbstmedikation und Prävention

Trotz gesetzlichem Verbot gewinnt der Missbrauch von Cannabis immer mehr an Bedeutung. Zwar ist die cannabinoide Wirkung als keine Einstiegsdroge deklariert, Mischungen verschiedener Substanzen mit THC können dennoch zu psychischer Abhängigkeit bzw. körperlichen oder physischen Schäden führen. Das Risiko steigt kontinuierlich mit der Häufigkeit und Menge des THC-Gehaltes – so könnte sich ein chronischer Freizeitkonsum mit psychischer Abhängigkeit entwickeln, warnt etwa die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung.

Hesham Elsayed 8. Semester Humanmedizin Am liebsten nasch‘ ich Teufelsfrüchte. 29


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Erfolgreiche Frauen in Wissenschaft und Medizin Dr.in med. vet., Dip. ECVAA, Iris Wiederstein-Grasser arbeitet in der Sektion für chirurgische Forschung als Tierärztin mit dem Spezialgebiet Anästhesie und Analgesie. Für das „Medizynisch“ hat sie sich die Zeit genommen, ein paar Fragen zu ihrem speziellen Berufsbild zu beantworten. Wie sind Sie zur Tiermedizin gekommen? Wie bei so vielen Kindern, die mit Haustieren aufgewachsen sind, bestand auch bei mir von klein auf großes Interesse an Tieren. Meine Begeisterung bzw. Faszination galt aber generell den Naturwissenschaften. Ich habe auch kurz überlegt, Humanmedizin zu studieren, aber die praktische Mitarbeit in einer Tierklinik in unserer Nachbarschaft sowie die zahlreichen Gespräche mit praktizierenden TierärztInnen haben mich sehr rasch in meinem Vorhaben, Veterinärmedizin zu studieren, bestätigt. Für mich war und ist dies die optimale Kombination aus der Arbeit mit Tieren, Biologie, einer medizinischen Tätigkeit und einem Berufsbild, unter dem man sich etwas vorstellen kann. Warum gibt es so wenige VeterinärmedizinerInnen, die auf Analgesie und Anästhesie spezialisiert sind? TierärztInnen, die sich spezialisieren möchten, haben in Österreich (an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, kurz VMU Wien) die Möglichkeit einer Ausbildung zum/zur international anerkannten Fachtierarzt/ärztin, dem sog. „Diplomate“ (vergleichbar mit europäischen FachärztInnen), in mittlerweile 14 Fachgebieten, darunter auch die Anästhesie und Analgesie bei Tieren. Die Veterinäranästhesie ist ein relativ junges und kleines, wenn auch expandierendes Fachgebiet. 30

Im Jahr 1964 wurde die „Association of Veterinary Anaesthetists“ (AVA) gegründet, und erst 1995 wurde das „European College of Veterinary Anaesthesia and Analgesia“ (ECVAA) inauguriert. An der VMU in Wien, der einzigen tierärztlichen Uni Österreichs, gab es erst 2003 eine eigene Universitätsklinik für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin und mit dem damaligen ersten Anästhesieprofessor Prof. Dr. Yves Moens gab es erstmals in Wien die Möglichkeit einer solchen Fachausbildung („Standard Residency Programme“) zum Diplomate für Anästhesie und Analgesie (Dip. ECVAA) unter seiner Supervision. Diese Möglichkeit habe ich damals ergriffen. Weltweit gesehen gibt es im Moment 179 ECVAA Diplomates (im Vergleich dazu 475 VeterinärchirurgInnen für Kleintiere ...), welche vor allem im englischsprachigen Raum (GB) tätig sind. In Österreich arbeiten zurzeit sieben Diplomates im Bereich der Anästhesie, verteilt auf Wien (5), NÖ (1) und Graz (1). Das ist nicht viel. Ich bin die einzige Veterinäranästhesistin Österreichs, die ausschließlich im Labortierbereich arbeitet, die Entwicklung in diesem Bereich zeigt jedoch, dass der Bedarf an Tier-AnästhesistInnen, aber auch generell an veterinärmedizinischen ExpertInnen (z. B. für Chirurgie, Labortierkunde, Schweinemedizin ...) steigt. Die bisher leider eher geringen Jobaus-

sichten für Diplomates in Österreich vertreiben viele KandidatInnen immer noch ins Ausland. Kaum eine private Tierklinik beschäftigt eineN eigeneN AnästhesistIn, die meisten Diplomates arbeiten daher an einer Universität. Ich denke, dass ein gutes Zusammenspiel von ExpertInnen, gerade im Labortierbereich, aber auch in der klinischen Praxis, sehr wichtig ist, und ich glaube auch, dass die Tendenz dahin gehen muss/wird. Wenn man mit seinem Haustier zum Tierarzt/-ärztin geht und dieseR es operiert, ist er/sie dann selbst für die Narkose verantwortlich? In den meisten Tierarztpraxen „ja“, in den größeren Tierkliniken gibt es meist eine zumindest gut geschulte Person, die das Tier während der OP / Anästhesie überwacht. Nur wenige Tierkliniken haben eigene „AnästhesistInnen“, so wie das Tierspital in Wien (VMU Wien), wo der Anästhesist von der präanästhetischen Untersuchung bis zur Aufwachphase für das Tier in Bezug auf Anästhesie und Schmerztherapie verantwortlich ist. Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Fachgebiet? Die Kombination aus vielen interessanten naturwissenschaftlichen und medizinischen Fachbereichen: Anatomie, (Patho-)Physiologie, Pharmakologie, Interne Medizin, Biophysik, Messtech-


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Dr.in med. vet. Iris Wiederstein-Grasser

Univ.-Klinik für Chirurgie, Abteilung Biomedizinische Forschung Mitglied der Kommission für Tierversuchsangelegenheiten im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Wien

nik ... – und deren komplexes Zusammenspiel. Das Faszinierende an der Anästhesie ist, dass sie täglich angewandt wird und funktioniert, obwohl die genauen Mechanismen auf molekularer Ebene noch nicht bis ins letzte Detail erforscht sind. Es ist ein Balanceakt, bei dem man ständig achtsam sein muss. Die Vielfalt der Tierspezies und deren Besonderheiten machen die Veterinäranästhesie so interessant für mich. Es ist ein schönes und erfüllendes Gefühl, ein Tier durch eine Operation begleiten zu können, sodass es keinen Stress empfindet, schmerzfrei ist und wieder ruhig und komplikationslos aufwachen kann. Die Arbeit von AnästhesistInnen wird sehr gerne mit der von PilotInnen verglichen, Ziel ist ein angenehmer und vor allem sicherer „Flug“.

Im Labortierbereich ist der Zweck der Anästhesie bzw. Operation ein anderer als im klinischen Bereich, aber die Prinzipien sind die gleichen, auch bei Akutversuchen. Einwandfreie Anästhesie und lückenlose Schmerzausschaltung sind dabei selbstverständlich.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Der Vorteil an der Arbeit mit Labortieren ist, dass die chirurgischen Eingriffe, im Vergleich zum klinischen Alltag, sehr gut planbar sind. Richtige Notfälle mit sofortigem Handlungsbedarf sind eher selten. Es gibt einen genauen OP-Plan, man weiß, welcher Eingriff an welchem Tag stattfindet. Daher kann man alles gut vorbereiten, das Equipment kontrollieren, Medikamente bestellen ... Die Daten unserer „Patienten“ sind in einer Computersoftware dokumentiert, dort findet Die Analgesie ist im Tierversuch nicht nur selbstman neben den tierbezogeverständlich und muss nicht nur aus ethischen nen Daten (Spezies, IdenGründen einwandfrei sein, sie ist auch essentiell, tifikationsnummer, Geweil Schmerz und Stress das Versuchsergebnis wicht, Alter, Geschlecht, negativ beeinflussen können. Gesundheitszustand, ev. Besonderheiten des TieIm Rahmen von Tierversuchen kann die Wahl res  ...) auch die gültige der Anästhetika bzw. die Art der SchmerzausTierversuchsgenehmigung, schaltung für den Versuchsverlauf bzw. das welche für jedes Tier vorVersuchsergebnis entscheidend sein. Daher muss liegen muss. Es gibt eigene die Art der Anästhesie bzw. die Wahl der MediAnästhesieprotokolle, welkamente schon im Vorfeld gut überlegt erfolgen. che ebenfalls der Dokumentation dienen.

Die Medikamentendosierung wird bezogen auf das Körpergewicht der Tiere berechnet und alle notwendigen Utensilien (Spritzen, venöse und arterielle Katheter, Infusionen, Dauertröpfe, Intubationsequipment, Monitoringequipment, Atemschläuche ...) so vollständig wie möglich vorbereitet sowie das Narkosegerät auf Funktionstüchtigkeit und Dichtheit überprüft (alles wie in der Humananästhesie auch). Dann wird das Tier prämediziert, schläft in Ruhe ein, bekommt einen intravenösen Zugang (meist in eine Ohrvene) und die Anästhesie wird unter Überwachung eingeleitet. Der Atemweg des Tieres wird mittels Intubation gesichert und das Tier an ein Kreisatemsystem (Anästhesiegerät) angeschlossen. Je nach Versuchsaufbau erfolgt die Erhaltung der Anästhesie mit unterschiedlichen Kombinationen aus einem Inhalationsanästhetikum (Isofluran, Sevofluran ...) und/oder einem Injektionsanästhetikum (Propofol ...) und einem Schmerzmittel in einer kontinuierlichen Dauertropfinfusion (Opioid, meist Fentanyl). Die Überwachung des Tieres erfolgt mittels Pulsoximetrie, Kapnographie, EKG, Temperaturmessung und invasiver Blutdruckmessung. Während der Anästhesie werden die Vitalfunktionen laufend überprüft, ein Protokoll geführt und die Anästhesie angepasst, um Komplikationen oder eine inadäquate Schmerzausschaltung 31


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zu vermeiden. Zum Aufwachen wird die Narkose beendet und das Tier kann kontrolliert unter Beobachtung aufwachen. Antibiose und Schmerzmittel werden verabreicht und für die postoperativen Tage auf den Therapieplan gesetzt. Bei Akutversuchen wird das Tier noch am Tisch in tiefer Allgemeinanästhesie,

sollen oder sich nach einer OP nicht viel bewegen oder nicht am Verband knabbern sollen; sie können nicht sagen, was sie empfinden; sie riechen und hören sehr gut, was wir oft nicht bedenken, und das verursacht ihnen Stress ... Das sind nur wenige Aspekte, die man bei der Arbeit mit Tieren generell be-

als ein Delphin; eine Zwergmaus benötigt andere Anästhetika als ein Elefant; ein Schaf oder Schwein muss vor einer OP fasten, ein Kaninchen darf nicht fasten ... das sind nur Beispiele, das würde den Rahmen sprengen. In der Tieranästhesie werden oft humanmedizinische Medikamente verwendet (es gibt nur wenige ausschließlich veterinärmedizinische Präparate), allerdings in z. T. völlig anderen Dosierungen. Schweine brauchen viel größere Mengen an Opioiden (Fentanyl) oder Midazolam, dafür nur ganz wenig Propofol. Schafe und Ziegen sind äußerst empfindlich gegenüber alpha-2-Agonisten, Schweine neigen zu ventrikulären Arrhythmien, Vasospasmus, Hypothermie und Überblähung der Lunge, Schafe neigen als Wiederkäuer zur Tympanie, Aspirationspneumonie, Hypoventilation, Atemwegsobstruktion und zum Lungenödem ... Sie sehen schon, die Liste kann sehr lange werden.

„Ich sehe meine Arbeit als wichtigen Beitrag dazu, die Belastung der Versuchstiere wesentlich zu vermindern!“ also völlig bewusstlos, schmerzfrei und stressfrei, euthanasiert (eingeschläfert). Auch das gehört zur Arbeit einer Tierärztin. An Tagen, an denen keine OPs stattfinden, finden Beratungsgespräche mit ForscherInnen statt, werden Tierversuchsanträge korrigiert oder anfallende veterinärmedizinische Arbeiten in der Tierhaltung (klinische Untersuchungen, Injektionen, Blutabnahmen ...) erledigt. Außerhalb der Dienstzeiten, speziell am Wochenende, gibt es einen Rufbereitschaftsdienst für eineN der derzeit vier TierärztInnen an der MUG. Als wir Sie bei unserer Führung durch die chirurgische Forschung kurz trafen, waren Sie mit der Narkotisierung von Schafen beschäftigt. Inwiefern unterscheidet sich die Tieranästhesie von der Anästhesie beim Menschen? Welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Tierarten? Da muss ich jetzt ein wenig ausholen, denn natürlich gibt es Unterschiede zwischen Mensch und Tier, aber auch innerhalb der Tierspezies. Tiere können nicht sprechen, können nicht sagen, ob oder wie stark sie Schmerzen haben; man kann ihnen nicht erklären, dass sie keine Angst haben müssen, dass sie stillhalten 32

achten muss. In Bezug auf die Anästhesie verwendet man zwar oft die gleichen Medikamente, aber in vollkommen unterschiedlichen Dosierungen, was in der unterschiedlichen Empfindlichkeit gegenüber einem Wirkstoff bzw. der unterschiedlichen Rezeptordichte bei verschiedenen Tierspezies begründet ist. Wir überwachen die gleichen Vitalparameter, aber es gibt verschiedene Grenzwerte für Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur etc. Tiere haben eine andere Anatomie, spezielle anatomische oder physiologische Besonderheiten, die für die Anästhesie von großer Bedeutung sind. Über die Anästhesie und Analgesie bei den verschiedensten Tierarten (Amphibien, Reptilien, Fische, Säugetiere, Vögel ...) gibt es dicke Bücher, zahlreiche Publikationen und es wird ständig weiter geforscht. Alle Tiere haben ihre eigenen Verträglichkeiten und Empfindlichkeiten, es gibt Unterschiede zwischen Fleischfresser und Pflanzenfresser, zwischen Neugeborenen und alten Tieren, sogar Unterschiede zwischen den verschiedenen Hunderassen ... Aber gerade diese Vielfalt der Unterschiede ist es, was die Veterinärmedizin bzw. speziell die Veterinäranästhesie für mich so interessant und faszinierend macht: Eine Kuh wird anders intubiert

Verwenden Sie spezielle Narkotika oder Intubationssets für Schafe, Schweine, Kaninchen etc.? Ja, manche Stoffgruppen wie etwa Butyrophenone werden z.  B. nur beim Schwein verwendet, andere unterscheiden sich in der Dosierung. Prinzipiell verwendet man in der Veterinäranästhesie hauptsächlich folgende Stoffgruppen: Phenothiazine, Benzodiazepine, Ketamin, Barbiturate, Propofol, alpha2-Agonisten, Inhalationsanästhetika, Steroidanästhetika, Opioide, nichtsteroidale Antiphlogistika und Lokalanästhetika. Die Intubation bei verschiedenen Tierarten unterscheidet sich aufgrund der unterschiedlichen anatomischen Verhältnisse und unterschiedlicher Komplikationsbereitschaft. Die Größe des Endotrachealtubus variiert mit der Größe des


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In der chirurgischen Forschung Graz werden Tierversuche zugunsten der Humanmedizin durchgeführt. Gibt es auch Tierversuche zugunsten der Tiermedizin? Ja, an der MUG finden Tierversuche zugunsten der Humanmedizin statt. Dies schließt aber nicht aus, dass z. B. neue Operationsmethoden oder neue Medikamente auch für die Tiermedizin nützlich sein können. Beispielsweise werden ja auch Hunde laparoskopisch operiert, und die Techniken etwas zeitverzögert aus der Humanmedizin übernommen. So können die Tiere indirekt in vielen Bereichen, auch in der Anästhesie, von Versuchen profitieren, die eigentlich für humanmedizinische Zwecke durchgeführt werden. Ein Großteil der Studien an der VMU Wien sind klinische Studien an TierPatienten, daneben gibt es experimentelle Studien am Tier für das Tier (von Ernährungsstudien am Hund bis zur Untersuchung verschiedener Beatmungstechniken mittels Impedanztomografie während der Allgemeinanästhesie beim Pferd). Werden Studien nur an gesunden Tieren durchgeführt oder auch kranken? Für humanmedizinische Studien werden ja oft StudienteilnehmerInnen mit gewissen zur Studie passenden Erkrankungen gesucht. Meist am gesunden Tier. Manche Fragestellungen benötigen gentechnisch veränderte Tiere oder bewusst „krank gemachte“ Tiere, z. B. Diabetiker, Tiere mit veränderter Herzfunktion, mit Bluthochdruck, Fettleibigkeit, verändertem Stoffwechsel, mit Frakturen oder Nervenläsionen. Wichtig dabei ist, das „Kranksein“ genau zu definieren, daher wird dieser Zustand gezielt künstlich bei einem gesunden Tier hergestellt, um eine standardisierte und reproduzierbare Ausgangssituation zu haben. Klinische veterinärmedizinische Studien am Tier werden oft an genau definierten Tierpatienten gemacht, sofern deren BesitzerIn einwilligt. Das können dann z. B. diabetische Tiere, Herzpatienten oder Tiere mit einem bestimmten Tumor oder einer speziellen Krankheit etc. sein. Haben Sie ein Lieblingstier? Nein, eigentlich nicht. Ich finde, dass jede Tierart faszinierende Eigenschaften hat, die man oft erst bei näherer Betrachtung oder intensiver Auseinandersetzung erkennt. Vielen Dank für das Interview!

Isabella Dicker 8. Semester Humanmedizin „To be human means to be responsible.“

Das MedizynischMagazin sucht DICH!

Verstärkung gesucht!

Tracheallumens. Manche Tiere kann man ohne Sicht auf den Larynx intubieren (Kaninchen, Pferd) und bei manchen benötigt man einen extralangen Intubationsspatel (Schaf, Kalb, größere Schweine), um den Larynxbereich zu visualisieren. Auch hier gibt es für jede Tierart besondere Eigenheiten.

Egal ob WortjongleurIn, FotografIn oder HobbykolumnistIn, bei uns findet jedeR einen Platz! Melde dich unter oeh-presse@medunigraz.at

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Bild: Edenwithin / fotolia

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Organoide: Ethisch neutral? Keine Tierversuche mehr, bessere und ethisch unbedenkliche Forschung: Das erwarten sich viele von Organoiden. Doch ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Organoide sind dreidimensionale Strukturen, die aus menschlichen Stammzellen in Laborschälchen heranwachsen. In ihrer Funktion und auch ihrem Aufbau entsprechen sie einem menschlichen Organ. Der Vorteil ist klar: Forschung an menschlichen Organen, ohne am Menschen selbst forschen zu müssen und das Ende aller Tierversuche. Oder?

Jürgen Knoblich vom IMBA in Wien und seine KollegInnen Hans Clevers und Annelien L. Bredenoord. Ihr Richtlinien-Modell umfasst den Umgang mit Tierversuchen, Experimente mit menschlichem embryonalen Gewebe, Biobanks, Zustimmung der PatientInnen und die richtige Kommunikation dieser Themen mit der Öffentlichkeit.

Gehirn und Niere aus dem Labor

Keine moralisch neutrale Alternative

Organoide machten das erste Mal 2008 auf sich aufmerksam, als in Japan aus den Stammzellen einer Maus und eines Menschen ein Gewebeball wuchs, der der menschlichen Großhirnrinde ähnelte. 2011 züchtete Madeline Lancaster am Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien unabsichtlich ein embryonales Gehirn. Mittlerweile ist die Wissenschaft in der Lage, unter anderem Augen, Nieren, Lebern und Lungen zu züchten. Es gibt ganze „Biobanks“, in denen die Organe zahlreich gezüchtet und aufbewahrt werden. Das endgültige Ziel ist, Organe im Labor herstellen zu können, die für die Transplantation taugen. Davon ist man im Moment allerdings noch weit entfernt.

Die Lösung aller ethischen Probleme?

Diese Revolution kann die ethischen Probleme in der Forschung aber nicht abschaffen. Tierversuche etwa können mit Organoiden zwar verringert werden, aber die Wissenschaft wird sie weiterhin brauchen. Denn viele Prozesse betreffen den Körper mit allen seinen Organen. Dieses Zusammenspiel kann an einzelnen Organoiden nicht untersucht werden. Auch für den Umgang mit gezüchteten Organen braucht es ethische und rechtliche Regeln, finden der Wiener Forscher 34

In einem Artikel im Fachmagazin „Science“ warnen sie ausdrücklich davor, Organoide als „moralisch neutrale Alternative“ zu betrachten. Immerhin werden die Organe aus Zellen gezüchtet, die menschlichen Individuen entnommen werden. Deshalb brauche es unbedingt eine ethische Diskussion sowie eine empirische Erforschung des Feldes, um den moralischen und legalen Status der Organoide festzulegen. Auch die Aufbewahrung der Organe in Biobanks stellt Regierungen vor Herausforderungen. Welche Zustimmungen braucht es von SpenderInnen für Langzeit-Aufbewahrung? Wie sollen anonyme SpenderInnen informiert werden, wenn ForscherInnen in ihren Zellen eine Heilung für eine sie betreffende Krankheit finden? Wie verändern sich die Regeln für klinische Studien, wenn Medikamente an Organoiden getestet werden? All diese Fragen müssen geklärt werden, bevor man die Forschung weiter vorantreibt. Einer weiteren trügerischen Hoffnung in Organoide erteilen Knoblich und seine KollegInnen eine Absage: Auch embryonales Gewebe aus natürlichen Aborten wird weiterhin benötigt werden. Sie empfehlen ausdrücklich, dass Organoide herkömmliche Forschungsmethoden ergänzen sollten, nicht sie ersetzen. Text: Jacqueline Winkler


Bild: Kirill Kurashov / fotolia

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Tierorgane für Menschen? Seit Jahrzenten versucht die Forschung, menschliche Organe zu züchten. Damit möchte man das Problem eliminieren, dass es zu wenige passende SpenderInnenorgane gibt. Viele Versuche scheiterten, nun unternimmt ein Pionier der Forschung einen neuen Anlauf. In Österreich sind 2015 laut Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit 787 Organtransplantationen durchgeführt worden. Im selben Jahr haben 829 Personen auf ein passendes Spenderorgan gewartet. Der Vergleich mit den vorigen Jahren zeigt, dass die Wartelisten in Österreich damit kürzer werden. 2014 standen etwa noch 921 Personen auf Organwartelisten. Trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die lange auf ein lebensrettendes SpenderInnenorgan warten müssen. Und obwohl die Versorgungslage im europäischen Vergleich in Österreich relativ gut ist, sterben jedes Jahr Menschen, weil ein passendes Organ nicht schnell genug gefunden werden kann.

Tierorgane für Menschen?

Um dieses Problem zu lösen, haben ForscherInnen schon Vieles versucht. Anfangs pflanzte man Menschen Tierorgane ein, etwa Herzen von Schimpansen. Diese Versuche mussten jedoch bald eingestellt werden, weil das Immunsystem die Spenderorgane attackierte. Als Ende der 1980er-Jahre Medikamente entwickelt wurden, die das Immunsystem stark unterdrücken, bekam man dieses Problem in den Griff. Bei einem neuen Anlauf transplantierte man keine Organe, sondern einzelne Zellen von Tieren. Doch es zeigte sich ein neues Problem: HIV beim Menschen. Das Risiko, die Viren mitzutransplantieren, war zu groß.

Schweine als potenzielle Spender

Die Wissenschaft entdeckte in Schweinen die nächsten potenziellen Spender. Doch auch dieser Versuch scheiterte an der Reaktion des menschlichen Immunsystems. Außerdem tragen auch Schweine Viren in sich, die für den Menschen gefährlich

sein könnten. Diesmal versuchte man, das Problem genetisch zu lösen und Schweine zu züchten, bei denen man sowohl die Viren als auch jene Zellsignaturen ausschaltete, die für die Immunreaktion verantwortlich waren. Anfangs waren diese Versuche auch ganz erfolgreich, doch die Forschung geriet ins Stocken.

Ratten-Bauchspeicheldrüsen für Mäuse

Hiromitsu Nakauchi von der Universität Stanford war schließlich der Erste, der den Spieß umdrehte. Warum Tieren Zellen oder Organe für Menschen entnehmen und nicht menschliche Organe in Tieren züchten? Diese Idee will er beweisen, indem er Mäusen Zellen von Ratten einpflanzt. Er transplantierte pluripotente Zellen in Mäuse, bei denen er die Bildung der Bauchspeicheldrüse unterdrückte. Die Bauchspeicheldrüsen in den Mäusen wurden nun von Rattenzellen gebaut, funktionierten aber nicht, als er sie den Ratten wiedereinsetzte. Das Problem: Sie waren zu klein. Wieder ging Nakauchi den umgekehrten Weg und züchtete Mäusebauchspeicheldrüsen in Ratten. Und das funktionierte. Die Bauchspeicheldrüsen halten die Diabetiker-Mäuse gesund. Im Jänner berichtete Nakauchi im Fachmagazin „Nature“ über seinen Erfolg. Dort schrieb er: „Seit über einem Jahr halten diese Zellen die Mäuse frei von Diabetes.“ Wann und ob diese Forschungsergebnisse allerdings auf den Menschen übertragen werden können, ist ungewiss. Jacqueline Winkler 6. Semester Journalismus & PR Gute-Laune-Mensch und Bücherwurm 35


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A short[er] history of time Seit rund 200.000 Jahren existiert der moderne Mensch – ein kaum vorstellbar langer Zeitraum, jedoch nur ein Wimpernschlag verglichen mit den Zeiträumen und unzähligen Wechselwirkungen, welche zu dessen Entstehung führten.

Big Bang

Die moderne Wissenschaft spekuliert, dass alles, auch Raum und Zeit selbst, durch den Urknall aus dem Nichts entstanden sind. Was aber ist der Urknall und wie kann aus dem ,,Nichts“ etwas entstehen? Bis heute kann man sich dem Ursprung des Universums nur annähern, denn es gibt die sogenannte ,,Planck-Zeit“ – den frühestmöglichen Zeitpunkt, zu dem unser Universum physikalisch sinnvoll beschreibbar ist. Die winzigen unerforschbaren 10^-43 Sekunden vorher korrelieren direkt mit der ,,Planck-Länge“ und ,,Planck-Masse“, wobei jedes Objekt mit kleinerer Länge und zugleich größerer Masse einem schwarzen Loch gleichzusetzen wäre. An diese Anfangsphase schloss sich die ,,GUT-Ära“ an, welche davon ausgeht, dass die vier Kernkräfte – starke, schwache, elektromagnetische Wechselwirkung und die Gravitationskraft – damals aus einer einzigen Kraft entstanden sind. Gleichzeitig fand in dieser Phase mit der Baryogenese die erstmalige Entstehung von Materie statt, womit wir wieder bei der Frage nach dem Ursprung aus dem ,,Nichts“ angelangt sind.

Much ado about nothing

Viele ForscherInnen verstehen den Anfangszustand des Universums als Vakuum, gemeint ist jedoch kein wie in der klas36

sischen Physik definierter vollkommen leerer Raum am absoluten Nullpunkt. Die hier betrachteten Umstände beziehen sich auf derart kleine Größen, dass sie nur mehr mit Gesetzen der Quantenmechanik zu beschreiben sind. Eine dieser Gesetzmäßigkeiten ist die heisenbergsche Unschärferelation, wonach sich Ort und Impuls eines Teilchens niemals gleichzeitig bestimmen lassen. Selbiges gilt auch für die Teilchenenergie zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sieht man nun das Vakuum als ein Teilchen mit der Energie null, so wäre zu jedem bestimmbaren Zeitpunkt die Energie gleich null, was aber nach Heisenberg unmöglich ist. Daher wird vermutet, dass durch Quantenfluktuationen kurzweilige Teilchen mit dem jeweils passenden Antiteilchen durch aus dem Vakuum entliehene Energie entstanden sind.

Expansion

Das vorhandene Vakuum der GUT-Ära stellte den höchstenergetischen, stark spannungsgeladenen Zustand nach dem Urknall dar. Inzwischen ist die Energiedichte auch als ,,Higgs-Feld“ bekannt und man nimmt ein Inflationsfeld mit innerer abstoßender Kraft an, was zu der Expansion der Raumzeit führte. Nach Einsteins E=mc^2 konnten sich in diesem Stadium sämtliche Elementarteilchen und deren Antiteilchen ständig aus Energie entwickeln und sofort gegenseitig wieder eliminieren. Erst durch die abrupte Inflation des Universums wurde genug Abstand geschaffen, um die beiderseitige Auslöschung zu verhindern. Mit zunehmender Ausdehnung und Abkühlung zerfiel die Urkraft in ihre Einzelkräfte und aus bis heute ungeklärten Gründen sorgte die Abspaltung der starken Wechselwirkung

Bild: freepik.org

Vor knapp 13,8 Milliarden Jahren nahm mit dem Urknall die darauffolgende Entstehung des Universums ihren Anfang. Durch die Expansion von Raum und Zeit, beide untrennbar miteinander verbunden, war die Grundlage für die Entstehung von Materie und damit auch für das heutige hochentwickelte Leben geschaffen.


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für die ,,Baryogenese“ – genau den Überschuss an Materie, ohne den wir nicht existieren würden.

Kosmische Entwicklung

Bezogen auf kohlenstoffbasiertes Leben müssen verschiedene Gegebenheiten herrschen, um dessen Entwicklung zu ermöglichen. Primär gefordert ist ein stabiler Raum – hier sind innerhalb von Galaxien sowohl ein Maximal- wie auch Minimalradius für Lebensräume auszumachen. Zu weit in der Peripherie einer Galaxie trifft man kaum mehr auf bewohnbare Planeten, da hierfür nötige, ausreichend schwere Elemente hauptsächlich in Kernfusionsprozessen im Sterninneren in zentralen Galaxieregionen entstehen. Der Minimalradius hingegen kann begrenzt werden durch die zentralwärts zunehmende Stern- und somit Supernovaexplosionshäufigkeit, deren Strahlung die Atmosphäre der Planeten zu sehr stört, um permanentes Leben möglich zu machen. Ebenso ist das Zeitfenster, in welchem Leben entstehen kann, in kosmischen Zeiträumen betrachtet, stark eingegrenzt. Wahrscheinlich haben sich weder in dem Zeitraum vor fünf Milliarden Jahren biologische Organismen entwickelt, noch wird künftig nach zwanzig Milliarden Jahren noch geeignete Planetenbildung als Grundlage gegeben sein.

Temperatur, bei der Wasser in einem flüssigen Aggregatszustand auftritt und biologische Reaktionen ermöglicht. Befindet sich der Zentralstern allerdings zu nah am Planeten, so entkommt durch die atmosphärische Überhitzung das Wasser in den Weltraum. Neben der Sonne wird lebensfreundliches Klima maßgeblich durch die Plattentektonik gesteuert – hierbei wird über Konvektion im Planeteninneren Wärme nach außen abgeleitet, wobei für einen kontinuierlichen Konvektionsantrieb radioaktive Elemente nötig sind. Diese Elemente entstehen lokal begrenzt und, wie oben erwähnt, ist wiederum in Randgebieten von Galaxien eine ausreichende Akkumulation für eine aktive Plattentektonik unwahrscheinlich. All diese Verknüpfungen und Wechselwirkungen sind nur ein kleiner Ausschnitt der schier unfassbaren Komplexität, die unser Leben auf dem Planeten Erde möglich macht. Sie zeigen uns, wie wenig wir bisher von unserer Herkunft verstehen und wie unschätzbar besonders unsere Existenz im schier endlosen Raum ist.

Habitable Zonen

Ein Planet muss nicht nur den richtigen Abstand zu einem Zentralgestirn haben, sondern sich dort auch zum richtigen Zeitintervall befinden, da sich mit der Leuchtkraftänderung des Sterns auch die habitable Zone verschiebt. Erst ausreichende entfernungsabhängige Strahlung sorgt für die nötige

Liane Dengler 4. Sem. Humanmedizin 37


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Obamacare vertrumpelt „Hahahaha, no, Trump will not find a better solution.“ Bereits während des Wahlkampfes prahlte der 45. US-Präsident Donald Trump damit, diverse „untragbare“ Entscheidungen Obamas rückgängig machen zu wollen und sie durch seine viel besseren, republikanischen Lösungen zu ersetzen. So auch das reformierte Krankenversicherungssystem, umgangssprachlich „Obamacare“ genannt. Mittlerweile haben aber selbst Parteiinterne Zweifel an der Lösung Trumps und vor allem an dem grandiosen Plan, den der Präsident noch wie ein Ass im Ärmel verstecken soll. Obamacare, also das „PPACA“ (= Patient Protection and affordable care act, dt. Patientenschutz und erschwingliche Pflege-Gesetz) ist am 1. Oktober 2013 in Kraft getreten. Der treibende Gedanke hinter dieser Reform war der vergleichsweise hohe Prozentanteil an nicht-krankenversicherten AmerikanerInnen. Obama wollte allen, oder zumindest möglichst vielen StaatsbürgerInnen die Möglichkeit geben, Zugang zu bezahlbarer und guter medizinischer Versorgung zu erhalten. Vor Obamacare gab es im Grunde drei Möglichkeiten, krankenversichert zu werden: AmerikanerInnen knapp an der Armutsgrenze und vor allem deren Kinder wurden (und werden nach wie vor) durch die staatlichen Versicherungssysteme Medicare beziehungsweise Medicaid versichert. Alle, deren Einkommen über dieser Grenze lag, hatten entweder das Glück, durch den Arbeitgeber/die Arbeitgeberin eine Versicherung zu erhalten, oder sie verdienten genug, um sich eine eigene private Krankenversicherung leisten zu können. Die anderen StaatsbürgerInnen und somit der Großteil des Mittelstands blieb unversichert. Genau für diese Bevölkerungsgruppe wollte der ehemalige US-Präsident Abhilfe schaffen und erließ das mitunter umstrittenste Gesetz seiner Laufbahn. So edel das Motiv für PPACA auch sein mag, so wage umgesetzt erschien es nicht nur den US-BürgerInnen, sondern auch der ganzen restlichen Welt. Kaum war das Programm gestartet und der Zugriff auf die Online-Anmeldung gewährt, brach die Website zusammen und das Projekt musste wieder auf Eis gelegt werden – bis die technischen Schwierigkeiten behoben waren. Dann folgte die nächste Ernüchterung: Je nach Lebensstil, Arbeitsweise, Alter, Gesundheitszustand, Bundesstaat etc. wurde eine monatliche Police errechnet, die trotz der versprochenen Leistbarkeit für viele, vor allem für junge AmerikanerInnen, nicht erschwinglich ist. Weshalb viele beschlossen, lieber die weit geringere Strafzahlung bei versäumtem Abschließen zu leisten, als eine Versicherung abzuschließen. 38

Trotzdem ist Obamacare eine günstigere Möglichkeit, eine Variante, die Kindern bis zum 26. Lebensjahr erlaubt, in der Versicherung ihrer Eltern vermerkt zu bleiben, und eine Reform, die es geschafft hat, den Anteil unversorgter AmerikanerInnen zum ersten Mal unter 10 % zu senken. Nichtsdestotrotz wird in Amerika jährlich immer noch mehr als doppelt so viel für Krankenversicherungen ausgegeben als in Österreich, woran Trump nur zu gerne anknüpft. Die Verschwendung von wertvollen Steuergeldern und vor allem Staatsförderungen zwang den RepublikanerInnen bereits am Tag seiner Angelobung dazu, ein Dekret zu erlassen, das die Nicht-Ausführung von PPACA erleichtert. Aber nicht nur in dieser Hinsicht wartet die ganze Welt auf die weiteren Schritte eines Präsidenten, der bereits jetzt in die Geschichte Amerikas eingegangen ist. Wir haben hier die Meinungen einiger AmerikanerInnen zu Obamacare und zu Trumps Auffassung einer Verbesserung des Gesundheitssystems gesammelt: „Hahahaha, no, Trump will not find a better solution. It would be pretty difficult for the Republicans to come up with anything similar to Obamacare since many of them gained support from voters for acting against it, and there is no way they would go further. Obamacare was a step in the right direction, but it still had problems. A lot of young people wouldn‘t pay for it because it was cheaper to pay the fine for not having insurance than to pay for Obamacare (and if they got sick, they could get insurance then, no problem). But that just meant that it was more expensive for the people that did need it.“ Tamsin Parzen, 24 „Die Idee, dass private Krankenkassen den besten Krankenversicherungsschutz zum niedrigsten möglichen Preis anbieten können, finde ich im Grunde genommen logisch. So ein rein kapitalistisches System erweist sich aber als zu idealistisch, da es immer einige im Stich lässt, die sich keine Versicherung leisten können. Meiner Meinung nach scheitert das Krankenversicherungssystem, obwohl die RepublikanerInnen auf so ein (theoretisch ideales) kapitalistisches und privates System beharren. Zu einem sozialdemokratischen oder sogar sozialistischen System zu wechseln, wie es die DemokratInnen schon lange versuchen, ist aber auch nicht ideal, da es vielen AmerikanerInnen gegen den Strich geht. Nicht aber, weil sie dagegen sind, dass mehr AmerikanerIn-


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"Respect my authoritah!“ nen Zugang zur medizinischen Versorgung haben, sondern weil die dazugehörigen Steuererhöhungen gegen unser Ideal von der Freiheit, über sein eigenes Vermögen zu verfügen, stoßen (besonders wenn BürgerInnen nicht mitentscheiden können, wofür das Geld ausgegeben wird). Zum Beispiel gab es in der Obamacare die Klausel, dass alle für die Verhütungsmittel und sogar Abtreibungsmittel der Angestellten aufkommen müssen. Kirchen und Schwesternorden, die das aus Gewissensgründen klar ablehnen, wurden von der Klausel nicht befreit, hingegen wurden sie mit lähmendem Bußgeld bedroht und zur Klage gebracht. Als Katholik finde ich das höchst problematisch – auch wenn ich kein Katholik wäre, würde mich der Verstoß gegen solche religiöse Freiheit stören. Ich find Trump eindeutig unqualifiziert, ein verbessertes und gerechteres System durchsetzen zu können. Seine Aussage am 27.2., ‚Nobody knew health care could be so complicated‘, bringt seine vollkommene Unfähigkeit ans Licht – als ob wir das nicht schon lange eingesehen hätten. Auf jeden Fall wird er etwas anderes durchsetzen können, solange die RepublikanerInnen über die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus verfügen. Dieser Wahlkampf hat uns gezeigt, dass die RepublikanerInnen an Kreativität verloren haben, darum muss ich zweifeln, dass sie Obamacare durch ein verbesser-

tes System statt einer Rückkehr zu einem erfolglosen und unhaltbaren System ersetzen können.“ Stephen Zaksewicz, 23 „US healthcare is a weird and complicated system and thus I don‘t think there is an easy solution.“ Jordan Sperl, 23 „Trump has said he wants to repeal Obamacare. But has learned that it’s complicated to provide an alternative. (Things always appear easy from the outside. It‘s once you learn more that you realize how difficult it truly is.) Here in US, because it‘s private healthcare and they don‘t want to get sued, they do every test imagined, even when not necessary. People in US want less governmental control but for health care, it would be smarter and more cost effective. I‘m not sure what Trump will do, because he‘s unpredictable and has billionaires as his advisers. They don‘t typically care about the common man.“ Josie Rozell, 20

Birgit Steiner 2. Semester Humanmedizin Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste. 39


Leben

Eingekocht – Rezepte für Studis In dieser Ausgabe zeigen wir euch wieder, wie ihr mit wenig Geld viel Geschmack auf eure Teller zaubert. Diesmal sind alle Gerichte auch wirklich – versprochen – auf Käse-Toast-Koch/Köchin-Niveau. Das ist auch schon das Stichwort für unser Menü des Tages, denn zur Vorspeise gibt es ein beliebig variierbares Toastgericht. Für den Hauptgang haben wir in der Getreide-Kiste gewühlt und HirseLaibchen gefunden. Aber Achtung, lasst noch Platz für die Nachspeise, denn die Mousse au Chocolat ist nicht umsonst ein Klassiker

weit über französische Grenzen hinaus. Die angegebenen Mengen machen wie immer vier Personen satt und glücklich (oder dich allein, für vier Tage).

Cornelia Dexl 8. Semester Humanmedizin schokovernichtender Sturschädel mit loser Zunge

1. Gang: Überbackene Toastecken

Zutaten Toasteck e

1 Zwieb el

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2 Paprik a

5 große Essiggur ken 250 g Sa uer rahm 300 g Cr eme fraÎ che 250 g ge riebener Käse 1 Packu ng Toast brot (ca. 500 g) Kräuter, Salz Pfeffer n ach Belie ben

Die Toastecken kannst du nicht nur als Vorspeise, sondern auch ideal als PartySnack für deinen Spiele-, Fußball- oder Vorglühabend (nichts geht über die richtige Unterlage) servieren. Umso praktischer, dass du diesen Käsetoast für Fortgeschrittene frei nach deinem oder dem Geschmack deiner Gäste variieren kannst. Tob‘ dich aus mit Champignons, Schinken, Zucchini, Thunfisch oder was auch immer dir sonst noch einfällt. Wir haben es mit Paprika, Essiggurken und

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Zwiebeln versucht – und sind mittlerweile WiederholungstäterInnen … 1. Zwiebel, Paprika und Gurken möglichst klein würfelig schneiden. Alles in eine große Schüssel geben. 2. Sauerrahm, Creme fraîche und Käse zum Gemüse geben und alles gut durchmischen. 3. Masse je nach Geschmack mit 2 EL frischen Kräutern (oder deinen Lieblingsgewürzen) verfeinern – wir haben uns für Schnittlauch und Petersilie ent-

schieden. Salzen und pfeffern nach Geschmack. 4. Toasts auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und mit der Masse bestreichen. 5. Bei 180 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene etwa 15 Minuten backen, bis die Toasts goldbraun sind. 6. Toasts diagonal halbieren (wer’s handlich mag) und klassisch mit Ketchup servieren.


Leben

2. Gang: Hirselaibchen mit Karottenmus

Zutaten für Hirse laibchen mit Karo ttenmus

Für die L aibchen: 300 g H irse (ca. 1,5 Tass en) 1 Ei

Kräuter

und Salz nach Ge schmack Öl z u m A nbraten Für das Mus: 1 Zwieb el 300 g Ka rotten etwas Ö l 1-2 EL Suppeng ewür z (oder 12 Suppe nwür fel)

Wer hätte gedacht, dass gesund so lecker sein kann? Bekannt aus einigen vegetarischen Restaurants, haben wir uns diesmal selbst an die runde Köstlichkeit gewagt und sind erstaunt, wie schnell und einfach sie sich zubereiten lässt. Pluspunkt: Auch dieses Gericht kannst du nach deinem Kräuter-Gaumen variieren oder sogar eine süße Kreation ausprobieren (Salz beim Kochen weglassen). Das KarottenMus harmoniert perfekt mit den HirseLaibchen und als Draufgabe passt auch der Schnittlauch-Dip hervorragend dazu. Hirselaibchen: 1. Die Hirse in einen Topf geben, or-

dentlich salzen, mit der doppelten Menge Wasser (ca. 3 Tassen) aufkochen und bei mittlerer Hitze zugedeckt kochen lassen, bis das gesamte Wasser von der Hirse aufgenommen wurde. 2. Hirse gut durchrühren und ein wenig mit dem Löffel plattdrücken. Ein Ei zur Hirse geben und noch einmal gut umrühren. 3. 2-3 EL Kräuter nach Geschmack (hier wurde eine fertige Kräutermischung verwendet) unter die Hirse rühren. 4. Öl in einer Pfanne erhitzen. Aus der Hirse-Masse Laibchen formen und von beiden Seiten goldgelb anbraten.

Karottenmus: 1. Zwiebel und Karotten grob schneiden. 2. Öl in einem großen Topf erhitzen und Zwiebel kurz anbraten. Karotten dazugeben und alles mit Wasser aufgießen, sodass die Karotten gerade mit Wasser bedeckt sind. Aufkochen lassen. 3. Ein bis zwei EL Suppengewürz (oder Suppenwürfel) zu den Karotten geben. Zugedeckt köcheln lassen (mittlere Hitze), bis die Karotten weich sind. 4. Topf vom Herd nehmen und Inhalt mit dem Pürierstab pürieren, bis ein Mus entstanden ist. Eventuell noch etwas Wasser hinzugeben für die richtige Konsistenz.

Schnittlauch-Dip 250 ml Sauerrahm, 2 EL Schnittlauch, etwas Knoblauch, Salz und Pfeffer vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. 41


Leben

3. Gang: Mousse au Chocolat in zwei Farben Zutaten Mouss

e Mousse m it Ei: 200g Sch okolade (unbedin Schokola gt de

dunkle >70 % Kak aoanteil bei ande nehmen rer Scho oder ko la de weglassen den Zuc ker , um zu vermeide Mousse zu n, dass di süß wird. e )

3 Eier

200 ml S chlagober s 40 g Zuck er 50 g Butt er Mousse o hne Ei: 250 ml C reme fin e (19 % F ett) 100 g (w eiße) Cou ver ture

Kaum ein Mensch sagt Nein zu diesem Dessert. Wenn es dann auch noch in weißer und dunkler Schokolade serviert wird, ist die Freude auch gleich doppelt so groß. Nachdem sich allerdings nicht alle über rohe Eier wagen, haben wir für euch zwei Varianten ausprobiert. Beide lassen sich sowohl mit weißer als auch mit dunkler Schokolade zubereiten. Wir haben für die Ei-Variante dunkle und für die Variante ohne Ei weiße Schokolade verwendet. Erstere ist naturgemäß besonders luftig und leicht, während Zweitere etwas üppiger ausfällt (dafür aber auch sehr schnell zubereitet und leichter formbar ist). Mousse mit Ei 1. Schokolade und Butter in einen mittelgroßen Topf geben. Diesen wiederum in einen mit Wasser gefüllten etwas größeren Topf geben und auf den Herd stellen.

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Schokolade und Butter so im Wasserbad schmelzen (Achtung, die Schokolade soll nicht mit dem Wasser vermischt werden!). Immer wieder umrühren. Wenn alles gut geschmolzen ist, Topf vom Herd (und aus dem Wasserbad) nehmen und etwas abkühlen lassen. 2. Eier trennen. Eiklar zu Schnee schlagen (Mixer). Schlagobers in ein extra Gefäß geben und ebenfalls mit dem Mixer aufschlagen. 3. Eidotter in einer eigenen Schüssel schaumig rühren (Mixer). Zucker dazugeben und alles so lange mixen, bis eine cremige Masse entsteht (ca. 3-5 Minuten). 4. Dotter-Zucker-Creme zur geschmolzenen Schokolade geben. Beides vorsichtig vermengen. 5. Schokolade-Masse zum Eiklar geben. Aufgeschlagenen Schlagobers ebenfalls dazugeben. Alles sehr vorsichtig unterhe-

ben, bis eine gleichmäßige Masse entsteht. Mousse am besten über Nacht kalt stellen. 6. Aus der Mousse mit einem Löffel Nockerl formen und beliebig dekorieren (Krokant, Kakaopulver, Fruchtspiegel …) Mousse ohne Ei 1. Schokolade wie in der Ei-Variante (ohne Butter) im Wasserbad schmelzen und dann kurz abkühlen lassen. 2. Creme fine in eine Schüssel geben und mit dem Mixer aufschlagen. Etwa ein Drittel der Masse zur geschmolzenen Schokolade geben und vorsichtig unterrühren. 3. Schokolade-Masse zur übrigen Creme geben und sehr vorsichtig unterheben, bis eine glatte, gleichmäßige Masse entsteht. Mousse für mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen. 4. Nockerl formen, dekorieren (siehe dunkle Mousse).


Leben

APRIL

MAI

3. April

4. Mai

Queer-Stammtisch

Harry-Potter-Filmabend

3. -7. April

9. Mai

Mental Health Week

Queer Ball

17. April

9. Mai

Queer-Stammtisch

Alternative Karrieren

24. April

10. Mai

im La Meskla

AMSA

im La Meskla

(Teile 5 & 6)

Ballspielabend

VERANSTALTUNGS

KALENDER

Vortrag

Patho

Referat für Internationales

Stammtisch

JUNI

24. - 30. April

11. Mai

7. Juni

Impfwoche

Harry-Potter-Filmabend

26. April

15. Mai

12. Juni

Harry-Potter-Filmabend

Queer-Stammtisch

Queer-Stammtisch

26. April

16. - 18. Mai

14. Juni

Spritzerstand

AMSA

(Teile 1 & 2)

Vortrag

(Teile 7 & 8)

im La Meskla

ÖH-Wahlen

Sommerkonzert

im La Meskla

Iftar-Abend + Stammtisch

zum Thema Abtreibung

mit Wahlfrühstück Vorklinik, ZMF

28. April

19. Mai

Harry-Potter-Filmabend

Queer-Unifest

28. April

23. - 24. Mai

24. Juni

Teddybärkrankenhaus AMSA

Christopher-Street-DayParade

29. April

29. Mai

26. Juni

Infoday

Queer-Stammtisch

Queer-Stammtisch

(Teile 3 & 4)

Cloudburst

Queerer Filmabend mit anschließender Diskussion

zum Aufnahmeverfahren

Dom im Berg

im La Meskla

Referat für Internationales

20. Juni Grillfeier

im La Meskla

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Leben

Bauernmärkte Tradition wird wieder modern. In all dem Getümmel von Veganismus, Slow-Food und Bio erleben auch sie wieder einen kleinen Aufschwung – die Bauernmärkte. Ursprünglich, als es noch keine Supermärkte gab, war es der einzige Weg, auch an andere Nahrungsmittel zu kommen, um nicht nur die eigenen Kartoffeln und Äpfel essen zu müssen. Heute stehen sie weiter für Tradition, Wertschätzung und echt gute und regionale Produkte. Man findet dort nahezu alles, was unser fruchtbarer Boden in der Steiermark hergibt – umrahmt vom netten und lustigen Plausch mit den StandlbesitzerInnen. Von Gemüse aus dem Bauerngarten, Obst direkt gepflückt vom Baum, frischen Eiern vom lustig gackernden Hendl, Fleisch, Fisch, Käse und selbst gepressten Säften bis zu edlen Tropfen. Das duftende Brot und die leckeren Mehlspeisen nach vermutlich generationenlang gehüteten Rezepten der Familie riecht man schon von Weitem. Und spätestens die vielen bunten Blumen zaubern einem dann wirklich ein Lächeln ins

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Gesicht – gefolgt von einem Grummeln im Bauch, weil einem sowieso schon längst das Wasser im Mund zusammenläuft. Die beliebtesten Grazer Bauernmärkte findet ihr am KaiserJosef-Platz (Abb. 1), am Lendplatz (Abb. 2, 3), am Geidorfplatz, in St. Peter beim St. Peter Pfarrweg (Abb. 4) sowie in Strassgang und in der Ragnitz. Für Medizinstudierende besonders praktisch: Jeden Mittwoch von 12 bis 16 Uhr gibts einen kleinen Bauernmarkt am Kirchplatz der St.-Leonhard-Pfarre. Weitere Infos und die weiteren Standorte der Bauernmärkte findet man auf www.graz.net/essen-und-trinken. Kerstin Haberle 8. Sem. Humanmedizin & Pflegewissenschaft Schneefreak mit viel Herz, spricht multiple Dialekte


Bilder: Fotos: Kerstin Haberle und Daniela Kovacevic

Leben

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Leben

Bücherecke Von Bluterguss bis Exitus – Florian Teeg

Totenlied  – Tess Gerritsen

Erschreckend reale Erfahrungsgeschichten eines jungen Assistenzarztes in einem Uniklinikum. Auf der Uni war er besser als 90 % seiner KommilitonInnen – denn im Setzen von richtigen Kreuzchen war er spitze. Im Krankenhausalltag angelangt, holt ihn die Realität ein. Sehr ehrlich und selbstkritisch erzählt er dabei von seinem ersten Jahr im Krankenhaus und umrahmt dies mit höchst komischen Gedankengängen. Von störrischen PatientInnen, Fehldiagnosen und ihren Folgen, Flirts im Schwesternzimmer und von den Grenzen der Medizin. Wer gerne an der Illusion festhalten will, in einem Krankenhaus oder der Praxis einer Ärztin oder eines Arztes wären nur Heilige mit Unistudium am Werk, deren einziges Trachten dem Wohl der PatientInnen gilt, die/der sollte dieses Buch nicht lesen. Viel zu erschreckend ehrlich ist dabei der Einblick in die Welt der Medizin. Dennoch witzig – einige Parallelen zu Skandalen und Affären in diversen Arztserien finden sich auch in diesem Buch wieder … Alles in allem sei gesagt – absolut lesenswert!

„Eine rasend schnelle Folge von Arpeggios steigert die Melodie zu einem wilden Wirbel von Noten, der mir plötzlich einen Schauer über den Rücken jagt.“ Der amerikanischen Pathologin Tess Gerritsen, die für ihre Thriller mit den Ermittlerinnen Jane Rizzoli und Maura Isles bekannt ist, ist ein interessanter Bestseller gelungen. Diesmal schreibt sie sowohl über die Wirkung von Musik als auch über den Nationalsozialismus in Italien. „Die ersten zweiunddreißig Takte des Walzers sind so wunderschön, wie ich sie mir vorgestellt habe, eine Klage in einem melancholischen Bariton. Doch ab Takt vierzig steigert sich das Tempo.“ Die Geigerin Julia Ansdell entdeckt bei einer Konzertreise in Rom ein altes Notenbuch, aus dem ein Notenblatt mit einem Walzer namens Incendio herausfällt. Fasziniert von diesem anspruchsvollen Stück, kauft sie das Notenbuch und übt zurück in Amerika diesen Walzer. Allerdings scheint in ihrer dreijährigen Tochter eine unheimliche Veränderung vor sich zu gehen, wann immer sie diese Melodie spielt. Es beginnt damit, dass sie den Familienkater mit einem Gartengerät ersticht … Da Julia Ansdell nach zahlreichen Untersuchungen ihrer Tochter das Gefühl hat, mit ihrer Sorge nicht ernst genommen und selbst verdächtigt zu werden, beschließt sie mit einer Freundin der Geschichte dieses Walzers direkt in Italien auf den Grund zu gehen. Dabei setzt sie sich selbst großer Gefahr aus. Ein lesenswerter Thriller mit medizinischem und geschichtlichem Hintergrund, der in der Auflösung logisch und nachvollziehbar ist.

Kerstin Haberle

Daniela Kovacevic

Florian Teeg: Von Bluterguss bis Exitus. Aus dem Alltag eines Assistenzarztes. Heyne-Verlag, 305 Seiten

Tess Gerritsen: Totenlied. Thriller. Limes-Verlag, 320 Seiten

Kerstin Haberle 8. Sem. Humanmedizin & Pflegewissenschaft Schneefreak mit viel Herz 46

Daniela Kovacevic 6. Sem. Humanmedizin Folge deinem Weg zum Ziel.


: VE r! CA oile Sp

Leben

Der Landarzt von Chaussy

Bild: Thimfilm

Filme und Serien über Ärzte am Land gibt es viele. Diese französische Tragikomödie hat allerdings mehr zu bieten als ein klassischer „Bergdoktor“ ... Dr. Jean-Pierre Werner ist Landarzt. Er kümmert sich nicht nur um die kleinen oder größeren Wehwehchen der DorfbewohnerInnen von Chaussy, sondern unterstützt sie auch in schwierigen Lebenslagen. Er kennt und versteht seine PatientInnen, denn er übt seinen Beruf schon seit über drei Jahrzehnten aus. Ein Landarzt, wie er eben im Bilderbuch steht. Als er aber zu einer Check-up-Untersuchung ins Krankenhaus kommt, wird er mit einer unerwarteten Diagnose konfrontiert: Er hat einen inoperablen Hirntumor und vermutlich bleibt ihm nicht mehr viel Zeit. Doch die Erkrankung lässt Jean-Pierre scheinbar kalt: Er übt seinen Beruf wie gewohnt weiter aus und sträubt sich zu Beginn gegen die junge Ärztin, die ihm bei der Arbeit unter die Arme greifen soll. Nicht einmal seinem Sohn erzählt er von dem Tumor. Währenddessen versucht besagte Jungärztin, sich im Dorf zu etablieren. Doch es dauert einige Zeit, bis die anfangs skeptische Landbevölkerung ihr vertraut und auch Jean-Pierre ihr einen Platz als mögliche Nachfolgerin einräumt. Ob er seine Krankheit akzeptiert und wie seine Geschichte ausgeht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Die gelungene Hommage an das Landleben beschäftigt sich mit der Frage, was denn passiert, wenn der Heiler zum Heilsuchenden wird. Ein Arzt, der selbst oft tagtäglich mit der Überbringung schlechter Nachrichten an seine PatientInnen konfrontiert wird, findet sich plötzlich selbst in der Position des Patienten wieder. Doch anstatt sich bei seinem Umfeld Unterstützung zu holen, versucht er, weiterzumachen und weiter zu funktionieren. Denn wie viele MedizinerInnen hat auch er das Gefühl, nicht versagen zu dürfen. Aber wie weit sollte man gehen, um die Gesundheit anderer zu erhalten, auf Kosten der eigenen? Neben dem Hadern Jean-Pierres mit seiner Krankheit hat er noch zusätzlich das Gefühl, von der jungen Ärztin verdrängt zu werden. Sie repräsentiert wiederum die junge Generation der ÄrztInnen, die sich ihren Platz erst suchen oder gar erkämpfen muss. Im Zuge von Jean-Pierres Krebstherapie werden auch Ausschnitte aus dem Krankenhausalltag gezeigt. Dadurch wird die medizinische Versorgung in der Stadt der am Land gegenübergestellt. Der Film zeigt also zahlreiche Kontraste auf und was passiert, wenn diese aufeinandertreffen: PatientInnen und ÄrztInnen, junge und ältere Generation, Stadt und Land. Nach „Hippocrates“ ist dies bereits der zweite Film von Regisseur Thomas Lilti, in dem er den Arbeitsalltag von Medizine-

rInnen näher beleuchtet. Das Bild des allwissenden und allzeit bereiten Landarztes hält er vermutlich deshalb so gut fest, weil er selbst früher als Arzt tätig war. Den Hauptdarsteller Francois Cluzet kennt man hierzulande vor allem durch seine Rolle als Philippe in „Ziemlich beste Freunde“. Mir persönlich hat der Film durch seine überraschende Tiefe, die Authentizität der Charaktere und den französischen Charme sehr gut gefallen. Unbedingt zu empfehlen für all jene, die genug haben von seichten Landarzt-Serien und eine filmische Beschreibung des Berufsstandes mit all seinen Vor-und Nachteilen erleben wollen.   Text: Andrea Oswald

Andrea Oswald 5. Semester Humanmedizin Wartet immer noch auf ihren Brief aus Hogwarts 47


Leben

Medizynisch -

Freundschaftsbuch

Aida Abdelhalim (22) 3. Jahr (Humanmedizin) Aida wollte schon immer Medizin studieren und ist eine Fitness-Enthusiastin, auch wenn die Uni sie manchmal davon abhält. Sie kommt aus Graz und ursprünglich aus dem schön warmen Alexandria. Außerdem singt Aida sehr gerne, auch wenn es – wie sie sagt – manchmal zu viel des Guten ist …

Die Top-3 auf meiner Bucket-List: Ich würde sehr gern Cello spielen lernen. Früher habe ich nur ein bisschen Flöte gespielt. Aber ich denke, ein Streichinstrument wäre wirklich cool, da könnte ich dann dazu singen. Außerdem würde ich sehr gerne eine neue Sprache lernen, und zwar entweder Spanisch oder Russisch. Und dann möchte ich natürlich auch noch ganz viel reisen, überall hin. Ein Tag, den ich gerne noch einmal erleben würde: Das wäre der Tag, an dem ich erfahren habe, dass ich Medizin studieren darf, das ist circa zweieinhalb Jahre her. Eine Freundin hat mich angerufen und gesagt: „Aida, schau nach, die Ergebnisse sind da!“, und ich bin völlig ausgezuckt und zum Computer gelaufen. Meine ganze Familie war da, alle waren sehr stolz und haben auch ein bisschen geweint. Graz ist für mich … ... die perfekte Mischung aus dem Ländlichen und dem 48

Städtischen. Ich bin hier auch aufgewachsen und in die Schule gegangen. Was mich so richtig auf die Palme bringt: Unser jetziger Studienplan. Wir sind noch dazu die Ersten, die diesen ganzen Blödsinn durchmachen müssen, und danach wird dann alles wieder ausgebessert. Ich finde die ersten drei Semester gar nicht so schlimm, aber da, wo Patho beginnt, wird es schlechter. Man hätte die drei Prüfungen im Patho-Semester belassen und nicht zwei Module zu einem zusammenlegen sollen. Ich muss auch gerade für eine Patho-Prüfung lernen … In meiner Familie bin ich … … die Technikerin. Ich repariere zu Hause alles, was kaputtgeht. Ich habe auch unsere Küche installiert. Ich probiere einfach, schaue im Internet nach. Meine Mama ist sehr gut in diesen Dingen, irgendwann habe ich begonnen ihr nachzueifern und sie schließlich übertrumpft. Und mein Papa lässt uns da einfach machen.


Leben

Unser Freundschaftsbuch geht in die zweite Runde. Auch diesmal haben wir Studierende gebeten, fünf Fragen aus dem kunterbunten Fragenpool (von „Wenn meine Eltern wüssten, dass …“ bis: „Das Dümmste, für das ich jemals Geld ausgegeben habe“) zu ziehen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen ihrer Antworten!

Christian Müllner (24) 4. Jahr (Humanmedizin) „Ist verdammt schwer, sich selbst zu beschreiben!“, meint Christian. Ein bisschen fällt ihm dann doch noch ein. Derzeit lebt er in Graz, möchte später aber in ein anderes Bundesland oder Land. Man erkennt ihn an seinen weißen Kopfhörern, die er stets bei sich hat. Auch beim Fortgehen: „Kann ja mal sein, dass die Musik nix taugt!“ Die allergrößten Schmerzen meines Lebens hatte ich … … als ich beim Kinect-Fußball-Spielen (Anm.: das ist ein X-Box-Spiel, welches bewegungsgesteuert gespielt wird) hochgesprungen und dann beim Landen umgeknöchelt bin. Ich hab‘ mir damals so ziemlich jedes Band im linken Sprunggelenk gerissen. Das war dann auch ein bisschen peinlich … Wenn ich ein Tier wäre … … wäre ich ein Eichhörnchen: Einmal im Jahr schöpfen und den Rest nix tun. Darauf freue ich mich schon sehr: Ganz klassisch auf Haus, Kinder, Familie. Also, in den nächsten zwanzig Jahren sollte sich das eigentlich schon ausgehen … Ein Star, den ich als Teenager angehimmelt habe: Jason Statham oder Vin Diesel. Die waren einfach

Actionhelden und ich hab‘ halt nur Actionfilme geschaut und die beiden waren einfach cool. Das wollt‘ ich auch immer werden … Wenn ich mein Geburtsjahr ändern könnte, würde ich in folgendem Jahr geboren werden: Ich bin sehr glücklich über das Jahr, in dem ich geboren worden bin. Der perfekte Zeitpunkt, gerade richtig, um alle Vorteile der Technologie wie Handy und Computer zu haben und den ganzen Schwung mitzuerleben. Vielleicht entdecken wir ja noch eine neue Welt oder etwas in der Art. Und auch rechtzeitig, um allgemein Hygiene zu haben – früher ist man ja, wenn’s schlecht gelaufen ist, an einem „Schnupfen“ gestorben. Aber trotzdem nicht zu spät, sodass wir unsere Welt noch nicht komplett heruntergewirtschaftet haben. Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen pessimistisch, aber gerade wenn man an aktuelle Entwicklungen wie Trump usw. denkt, ist das alles schon eher deprimierend. 49


Leben

Sarah Likowetz (25) gerade im PJ (Humanmedizin) Sarah ist ein schoko- und kaffeebetriebener Workaholic. Trotzdem schätzt sie ihre Freizeit sehr – am liebsten verbringt sie diese mit ihren Freunden oder auf Reisen.

Ich überstehe den Tag nicht ohne … … Kaffee, mindestens drei sind es schon. Selbst gemacht oder gekauft, auf jeden Fall ohne Zucker. Schwarz oder mit Milch. Als ich in England war, hat mir der Verkäufer dort gleich einmal den Treuepass ans Herz gelegt, weil ich so oft vorbeigekommen bin. Das Ekligste, was ich jemals gegessen habe: Drachenaugen in Thailand. Eine kleine, weintraubenartige Frucht, ein bisschen ähnlich wie Litschi mit einem riesengroßen Kern. Die waren total glibbrig und schleimig und … wäh. Ich würde sie nicht empfehlen, ich hab‘ sie wieder ausgespuckt. Das Gemeinste, was ich meiner Schwester je angetan habe: Das war zwar nicht absichtlich, aber trotzdem ziemlich gemein. Ich (damals 13) wollte sie (10) überraschen, habe extra Erdbeeren gekauft und sie ihr dann kredenzt mit – vermeintlich – Zucker, der sich dann als Salz herausgestellt hat. Sie hat natürlich alles wieder ausgespuckt. Mittlerweile traut sie mir nicht mehr, wenn ich ihr etwas zu essen hinstelle. Gerächt hat sie sich zwar noch nicht, aber vielleicht kommt das ja noch. 50

Wenn ich mal groß bin … ... würde ich gerne die ganze Welt gesehen haben. Also, das große Ziel ist es, alle fünf Kontinente bereist zu haben. Es fehlen noch Australien, Südamerika, Afrika und die Antarktis. Das nächste Ziel ist allerdings wahrscheinlich Paris. Aber auch Kanada wäre wieder einmal sehr schön. Mein Ziel nach dem Studium: Ich möchte einen guten Ausbildungsplatz finden, am liebsten hier in Graz. Ich finde es auch sehr spannend, zu unterrichten, deswegen wäre es schön, am Universitäts-Klinikum bleiben zu können. Oder auch den Studienplan mitgestalten und verbessern zu können, wäre toll. Ich freue mich auch schon auf mein eigenes Reich, wenn das WG-Leben dann vorbei ist. Und vielleicht gehe ich auch nochmal ins Ausland, ein Jahr nach London, dort gibt es ein Programm, wo man im Hubschrauber mitfliegen kann, Notfallmedizin also. Und eventuell nach Hamburg auf das Tropenmedizinische Institut für eine Ausbildung dort.


Leben

Gunther Nussbaumer (23) 5. Jahr (Humanmedizin) Gunther ist ein kesser Musiknerd und Katzenfreund. Die Frage: „Wenn meine Eltern wüssten, dass …“ hat er vorsorglich gegen eine andere getauscht: „Meine Mama liest das Medizynisch auch hin und wieder, meistens schaut sie die Rezepte an …“ Gunther fällt allerdings auch nichts ein, das er vor seinen Eltern verheimlicht.

Würde ich nicht Arzt werden, dann würde ich wohl … … Astronaut werden oder Psychotherapeut. Mein Plan B neben dem Medizin-Aufnahmetest war das Psychologie-Studium, aber ich weiß nicht, ob ich das dann wirklich durchgezogen hätte. Hätte ich eine Zeitmaschine … … würde ich eher in die Vergangenheit reisen. Am liebsten in die Zeit der 60er-, 70er-Jahre wegen der positiven Umbruchstimmung in dieser Zeit. Also dieser gesellschaftliche Aufbruch, die Studierendenproteste, das würde mich interessieren. Einen Tag im anderen Geschlecht würde ich folgendermaßen verbringen: Ich würde auf jeden Fall abends ausgehen, um zu sehen, ob das anders ist als Frau. Und ob es einen nervt, wenn man dann ständig angesprochen wird – mir passiert das ja selber nicht so oft (lacht). Davor könnte ich eine mündliche Prüfung absolvieren, vielleicht in Anatomie, weil man ja manchmal hört, dass man als Frau nicht ganz so ernst genommen wird wie als Mann. Also um zu sehen, ob es wirklich noch gemeiner sein kann.

Meine Weisheit für die StudienkollegInnen: Ich glaube – vor allem weil ich ja jetzt schon ziemlich am Ende meines Studiums angekommen bin – dass man sich möglichst schnell etwas suchen sollte, für das man eine Leidenschaft hat und sich dort dann voll reinknien. Ich denke, dass es nervt, wenn man im sechsten Jahr noch nicht weiß, was man will. Ich zum Beispiel würde gerne Kinderheilkunde machen und das wollte ich sogar schon vor dem Studium, obwohl man da natürlich nur eine ungefähre Vorstellung hat, wie der Beruf aussieht. Aber jetzt bin ich mir schon sehr sicher, dass es das Richtige für mich ist. Mein Berufswunsch als 5-Jähriger: Ich wollte immer in einer Bank arbeiten. Als ich brav mein Geld am Weltspartag zur Bank getragen habe, hat mich das fasziniert. Ich habe mir vorgestellt, dass die Bankangestellten in dem ganzen Geld schwimmen, das ich als Fünfjähriger dort hingetragen habe.

Cornelia Dexl 8. Semester Humanmedizin schokovernichtender Sturschädel mit loser Zunge 51


studium

Dr. Zynikus

Lebensretter Die Sirenen klingen schrill, Türen werden aufgeschlagen, man hört aufgeregte Rufe und dann: „Ich brauche einen Arzt!!! Es geht um Leben und Tod!!!“ Wie man es sehen könnte

Es war ein langer Tag in der Notaufnahme. Heute habe ich wieder einen 60-jährigen Patienten mit akutem Aortenaneurysma behandelt und stabil im OP abgegeben, zwei STEMIs erkannt und in das Herzkatheterlabor verlegt, eine Pneumosepsis bei einer sehr jungen Patientin rechtzeitig gesehen und die intensivmedizinische Behandlung begonnen und vieles mehr. Eigentlich bin ich doch ein ziemlich cooler Typ, oder?

Wie es ist

Bild:

Naja. Cool bin ich schon ein bissl (finde ich). Aber die PatientInnen gerettet habe ich nicht. Heute will ich deshalb ein bisschen über die wahren Lebensretter und Lebensretterinnen sprechen – die Pflegekräfte. Eines habe ich früh gelernt: Wenn jemand von der Pflege sagt: „Komm, die Patientin sieht schlecht aus“ – dann komm ich. Und zwar schnell. Gerade in der Notaufnahme ist bei zahlreichen PatientInnen, die gleichzeitig eintreffen, die Ersteinschätzung schwierig. Natürlich sieht jedeR sofort, wenn jemand einen Blutdruck mit nur 60 mmHg oder einen abgerissenen Arm hat. Aber zahlreiche schwer erkrankte und vital bedrohte Menschen stellen sich selbst zu Fuß oder mit dem Taxi vor – und sind oft viel kränker als jene, die spektakulär mit dem Hubschrauber eingeflogen kommen. Oder das KTWTeam bringt jemanden mit „Schulterschmerz“, bei dem die laufende VT bei akutem Myokardinfarkt mangels Monitoring nicht erkannt wurde. Hier kommt dann die Erfahrung oder einfach nur das Bauchgefühl der Pflegekräfte ins Spiel. Der junge Patient mit akuter Aortendissektion? Der war Dritter in der Reihe von vier „orange“ (= dringlich, aber nicht lebensbedrohlich) eingeteilten PatientInnen. Der zuständige Pfleger hatte die Geschichte vom Patienten und den Angehörigen gehört und mich sofort dazugeholt – er hatte „ein komisches Gefühl“ bei dem Patienten. Im ljupc o / is tockp hoto.c

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Sono erhärtete sich der Verdacht, nach dem Notfall-CT war der Patient 10 Minuten später im OP. Die junge Septikerin? Sie hatte sich mit „allgemeiner Schwäche“ vorgestellt und hätte sicherlich noch ein, zwei Stunden gewartet. Die junge Schwester am Tresen fischte die Patientin aus einem Haufen ähnlich aussehender PatientInnen mit grippalem Infekt heraus, eine Stunde später war die Patientin mit Breitbandantiinfektiva, ZKV, Arterie und laufendem Noradrenalin auf der Intensivstation. Und die STEMIs? Waren unter den zwanzig ThoraxschmerzPatientInnen in den letzten vier Stunden. Und beim Schreiben des EKGs sahen die Kolleginnen der Pflege sofort, dass etwas nicht stimmt.

Andere HeldInnentaten

Abseits der Früherkennung von schwer erkrankten Menschen sind noch andere HeldInnentaten unbedingt erwähnenswert. Wenn plötzlich ein dramatischer Notfall auftritt – und der einzig verfügbare Arzt/Ärztin überfordert ist – wer bringt Ruhe und Struktur rein? Die Pflege. Wenn eine Medikamentendosierung nach einem stundenlangen Dienst um eine Kommastelle falsch ist – wer verhindert, dass die vielfache Dosis verabreicht wird? Die Pflege. Wenn man als Arzt nach einem schlimmen Fall das Gefühl hat, versagt zu haben – wer baut einen dann auf? Die Pflege. Das ist natürlich nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus dem breiten Tätigkeitsfeld der Pflege und sehr subjektiv formuliert. Ich kann nur immer wieder meinen größten Respekt vor den tollen Kolleginnen und Kollegen der Pflege aussprechen, die diesen harten und keinesfalls ausreichend bezahlten Job mit so viel Engagement und Coolness machen. Willst du mehr wissen oder Dr. Zynikus eine Frage stellen? Dann schreibt uns einfach an: oeh-presse@medunigraz.at!

om


studium

Wahlfach-Check

Texte: Hesham Elsayed, Isabella Dicker

Mammadiagnostik – Präoperative Fallbesprechungen Wie der Name schon sagt, beschäftigt sich das Wahlfach mit der Bildgebung und invasiven Eingriffsmöglichkeiten in der radiologischen Mammadiagnostik. In vier Übungseinheiten werden diagnostische und wissenschaftliche Methoden wie Mammographie, Ultraschall, Magnetresonanz, Galaktographie sowie Umgang mit wissenschaftlichen Arbeiten in der Mammadiagnostik in theoretischer und praktischer Abfolge abgehandelt.

In der letzten Einheit sind die Studierenden aufgefordert, unter Sonographie Proben mittels Stanzbiopsie zu entnehmen. Oliven verschiedener Größe, in verschiedenen Lagen in Putenfleisch versteckt, inszenieren mögliche Lokalisationen von Mammatumoren. Das freie Wahlfach wird mit einem ECTs-Credit vergütet. Eine Anmeldung ist über MedOnline möglich.

Betreuung von Flüchtlingen Das freie Wahlfach „Betreuung von Flüchtlingen“ setzt das Ziel, Studierende mit zwei ECTs zu entlohnen, welche aktiv bei anerkannten Hilfsorganisationen unermüdliche und unentgeltliche Arbeit im Rahmen des Zustroms von Asylwerberinnen und Asylwerbern geleistet haben oder leisten. Zur Beurteilung genügt eine Bestätigung der je-

weiligen Organisation (z. B. Rotes Kreuz ...) mit einem Ausmaß von 50 Echtzeitstunden. Die Lehrveranstaltung wird nur jeweils am Ende des Semesters beurteilt. Anmeldung jederzeit unter: simone.manhal@medunigraz.at (Mag. Simone Manhal) möglich.

Bilder: flaticon

Psycho-Neuro-Immunologie in der klinischen Onkologie In diesem Wahlfach erfährt man so einiges über Immunologie und – auch wenn nicht im Titel enthalten – Endokrinologie. Insgesamt vier Einheiten verschaffen einen guten Überblick über die Zusammenhänge der verschiedenen Fächer. Wichtige Schlagworte sind: Cortison, Stress, Hypothalamus-HypophyenAdrenal-Achse und natürlich die Zellen des Immunsystems. Da der Vortra-

gende Facharzt für Onkologie ist, wird auch immer wieder Bezug auf Krebserkrankungen genommen. Das Wahlfach findet in Kleingruppen statt. Wer sich anmelden möchte, muss dem Vortragenden eine E-Mail schreiben (Kontaktdaten im MedOnline) und eventuell noch andere TeilnehmerInnen akquirieren (am besten über Facebook!).

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studium

Grey‘s Anatomy Auf Wikipedia ist „Grey’s Anatomy“ unter dem Genre „Krankenhausserie“ zu finden. Allerdings erfährt man beim Schauen in etwa so viel medizinisch korrekte und interessante Details wie in „Breaking Bad“ über Chemie oder in „Suits“ über das Rechtssystem, nämlich gar keine. Von den ungefähr 40 Minuten, die eine Folge dauert, geht es nur in 15 um die eigentliche Behandlung der PatientInnen. Die restliche Zeit ist gefüllt mit Liebeleien, Herzschmerz und unrealistisch dramatischem Krankenhausalltag.

Diagnose und Therapie?

Wenn die jungen Ärztinnen und Ärzte also hier und da auch mal ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen, ist man natürlich gespannt: Wie finden sie ihre Diagnosen und wie werden sie die Erkrankungen in weiterer Folge behandeln? Was werden sie tun, um ihre PatientInnen zu retten? Doch auch hier wird der oder die – wenn auch nur einigermaßen – medizinisch bewanderte ZuseherIn enttäuscht werden: Es werden zwar Symptomkomplexe erwähnt, Knochenbrüche, offene Wunden oder Hautausschläge gezeigt, doch wie die „Göttinnen und Götter in Weiß“ zu ihren Diagnosen kommen, bleibt oft ungeklärt. Auch die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten werden meist mehr schlecht als recht erläutert.

Umfassend allwissend

Das Absurdeste an der Serie ist vermutlich, dass die OberärztInnen in jedem Fachgebiet allwissend erscheinen. Egal wie selten eine Erkrankung sein mag oder wie schwierig eine Behandlung ist, sie haben scheinbar immer die richtige 54

Antwort parat. Und sollten sie wirklich einmal ratlos sein und gar ein Buch oder eineN KollegIn hinzuziehen müssen, so kann es sich bei der Diagnosefindung nur um Stunden handeln.

Ethische Fragen

Worauf aber mehr Wert gelegt wird, sind moralische oder ethische Fragen. Auch die Arzt/Ärztin-PatientInnen-Beziehung und die Kommunikation zwischen beiden Parteien werden des Öfteren genauer beleuchtet. Grundsätzlich wäre dies ja ein guter Ansatz, würden die in weiterer Folge auftretenden Probleme in diesen Bereichen nicht so oberflächlich behandelt werden. Wer also gutaussehende ChirurgInnen bei ihrem actionreichen Liebes- und Berufsleben verfolgen möchte, ist mit dieser Serie gut unterhalten. Denn sie bietet jede Menge Drama, Romantik und eine Portion Humor. Hält man dies allerdings für die Realität, so würden wir einen Besuch in einem echten Krankenhaus empfehlen, um jegliche Illusionen aus dem Weg zu räumen. ;-) Bilder: Athena LeTrelle / flickr; wikipedia

Nur 15 Minuten

Andrea Oswald 6. Semester Humanmedizin Wartet immer noch auf ihren Brief aus Hogwarts

Aryan Aliabadi 6. Sem. Humanmedizin After all this time? Always.


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TBKH Was ist denn das? Ein brandneues Medikament oder doch eher ein Bestandteil vom Computer? Nein, weit gefehlt: TBKH steht für Teddybär-Krankenhaus.

Dies ist eine Spitalssimulation, die Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren die Möglichkeit bietet, ihre kranken oder verletzten Stofftiere behandeln zu lassen. Wir wollen ihnen so auf spielerische Art und Weise die Angst vor den meist unbekannten Situationen und Untersuchungen im Krankenhaus und vor den ÄrztInnen nehmen. Die sogenannten TeddyDocs, engagierte MedizinstudentInnen der Medizinischen Universität Graz, betreuen die Kinder von

Anfang an und führen mit ihnen zusammen die Anamnese und die Untersuchungen durch. Am Ende wird das Stofftier je nach Krankheitsbild verarztet und bekommt ein Rezept von unserer Hausapotheke ausgestellt. Du kannst dir nun vorstellen, Kinder während dieser aufregenden Erfahrung für ein paar Stunden zu begleiten? Perfekt! Das nächste TBKH findet bereits am 23. und 24. Mai im Kutscherwirt statt. Melde dich einfach unter teddy-graz@amsa.at.

Das TBKH ist eines der vielen Projekte der Austrian Medical Students` Association (AMSA), die national und international in den Bereichen Famulatur- und Forschungsaustausch tätig ist und sich für öffentliche Gesundheit, Menschrechte, Sexualgesundheit und medizinische Weiterbildung engagiert. Bei Interesse schreibe „AMSA Graz“ an: lp-graz@ amsa.at und ich melde mich gerne bei dir!

International Winterschool on Orthopaedics

The Winterschool took place from 13th to 17th February at the LKH Stolzalpe. During five intensive working days, national and international students had the chance to gain knowledge and skills in the orthopaedic field. The programme was exciting and diversified and ranged from lectures and bedside teaching to hands-on exercises, in which the students learned how to make casts, how to do knee arthroscopy and how to cut bones. Furthermore, a very entertaining social programme was provided by the doctors and the AMSA which included Eisstockschießen & Rodeln. The Winterschool takes place every year so we can only recommend participating next year to have a fun experience and gain further insight into the orthopedic field! 55


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Erfahrungsbericht 4. Semester

Bild: freepik

Das Pathosemester hat bekanntermaßen nicht unbedingt den besten Ruf: Es ist viel zu lernen und wenig Zeit, denn für den regulären Aufstieg in das Schienensystem der Klinik ist es notwendig, die Prüfungen gleich oder spätestens im Sommer zu schaffen. Mit der Einführung des neuen Curriculums war also bei vielen Studierenden die Hoffnung groß, dass es zu etwaigen Verbesserungen kommen könnte. Die größten Veränderungen betrafen den Pharmakologieteil und die Anzahl der Modulprüfungen. Bei der Pharmakologie wurde ein Bereich ausgegliedert und in die Klinik verschoben, die bedeutendste

Veränderung ist aber das neue Fragenformat: Multiple-Choice wurde von Short-Answer abgelöst mit der Absicht, dass die Studierenden beim Lernen mehr Wert auf Verständnis legen. An sich ist das keine schlechte Idee, zumal es seit geraumer Zeit ohnehin die Tendenz gibt, die auch bei vielen Studierenden unbeliebten MC-Prüfungen durch schriftliche Prüfungen zu ersetzen. Was bei der Prüfung dann jedoch auffiel, ist, dass viele Fragen nicht mit einer Short Answer, sondern eher schon nur mit einem Short Essay zu beantworten waren. Hierbei wäre es von Vorteil, mit dem Pharmakologie-Institut zu klären und eindeutig festzulegen, ob man viele Fragen mit jeweils kurzen Antworten oder aber wenige Fragen mit ausführlicheren Antworten stellen möchte. Statt drei Prüfungen gibt es im neuen Curriculum nun nur mehr zwei Prüfungen, die kleinere PM9- und die große PM10-Prüfung. Eigentlich sollte diese Veränderung den Studierenden insofern zugutekommen, als man gewissermaßen eine Prüfung einspart und zwei Module zu einem Modul zusammenfasst. Rückblickend muss man ehrlicherweise sagen, dass diese Veränderung den Studierenden eher schadet als nützt. Denn während PM9 vom Stoff her noch gut machbar war und für die meisten kein so großes Problem darstellte, war es bei PM10 so, als würde es direkt von Mordor kommen, nachdem es zuvor von Darth Vader, Voldemort und Lex Luthor auf dem Todes-stern geschmiedet worden ist. Die Fragen an sich sind nicht das Problem, der Umfang des Prüfungsstoffes – besonders in Patho – ist viel zu umfassend und, obwohl zwei Monate Zeit sind, für viele einfach nicht machbar. Es stellt sich natürlich schon irgendwo die Frage, wieso man zwei ohnehin schon schwierige Prüfungen zu einer großen, sehr schwierigen Prüfung zusammenlegt. Man sollte allerdings nicht immer den Teufel an die Wand malen – schließlich schafften genügend Leute auch auf Anhieb die Prüfung und konnten rechtzeitig in die Klinik aufsteigen, ein großer Teil des Rests folgte im Dezember und März. Veränderungen brauchen Zeit und irgendwann gewöhnt sich jedeR daran. Für das Pathosemester gilt weiterhin: die Ruhe bewahren und früh genug anfangen zu lernen. Besonders bei PM10 sollte man nicht den Fehler machen, sich zu lange Zeit zu lassen, und wenn möglich sollte man den folgenden Sommer nicht mit exotischen Famulaturen und Reisen fix verplanen, sondern für einen etwaigen Wiederholungsversuch freihalten. Möge die Macht stets mit euch sein. Aryan Aliabadi 6. Sem. Humanmedizin After all this time? Always.

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studium

Die AGA-Students stellen sich vor! Du interessierst dich für den Bewegungsapparat, seine Patholo- auf den späteren klinischen Alltag und die wissenschaftliche Tägien und die dazugehörigen Therapien? Du möchtest mehr zum tigkeit. Ziel der AGA-Students ist unter anderem der Ausbau der klinischen Fertigkeiten (Untersuchung Thema Arthroskopie und Gelenkschirurund Diagnostik) und das Erlernen von gie lernen? Du möchtest dich schon wäharthroskopischen Grundtechniken durch rend deines Studiums intensiver mit dem Untersuchungskurse an den verschiedeFach Orthopädie und Traumatologie benen Standorten sowie auch die Einfühschäftigen? rung in die wissenschaftliche Tätigkeit Dann haben wir das Richtige für dich! durch die Absolvierung des AGA-StuDie AGA – Gesellschaft für Arthroskopie dents-Curriculums. und Gelenkschirurgie ist eine wissenAls AGA-Student hat man die Möglichschaftliche Vereinigung von ÄrztInnen keit an einer großen Zahl von arthroskoim deutschsprachigen Raum, die sich für Wenn wir dein Interesse geweckt hapischen Fortbildungen kostenlos teilzuArthroskopie und Gelenkschirurgie inteben, kannst du dich entweder gleich nehmen. ressieren. Die Aufgaben der AGA sind unter www.aga-online.ch/information/ Bei diesen Kursen bekommt man zum unter anderem die Ausbildung von junmitgliedschaft/mitgliedsantragonline/ einen topaktuelles Wissen von führengen ArthroskopeurInnen, Unterstützung anmelden oder uns persönlich per den GelenkschirurgInnen vermittelt und und Finanzierung von wissenschaftliE-Mail anschreiben: zum anderen hat man auch die Möglichchen Projekten, Anbieten von Weiterjens.mattes@gmx.net keit, in Form von praktischen Kursen die bildungsmöglichkeiten für ÄrztInnen im sorgers1@gmx.at Fertigkeiten der Arthroskopie, Graft-GeBereich der Arthroskopie und Gelenkswinnung und gelenkschirurgischer Techchirurgie und noch vieles mehr. niken zu erlernen. Wir sind eine studentische UnterorgaDie Highlights des Jahres sind die AGA nisation der AGA und ein Netzwerk für Summerschool, die AGA Winterschool Medizinstudis mit Interesse an der Arthund der AGA-Students-Day im Rahmen roskopie und Gelenkschirurgie. Die Mitdes Kongresses. Diese Veranstaltungen gliedschaft bei den AGA-Students bietet sind eigens für AGA-Students organieine optimale Voraussetzung für eine siert und kostenfrei. frühzeitige fachspezifische Vorbereitung

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Aufgabentausch

Komplett kostenlos auf den MedAT lernen

Vorbereitungskurse zu horrenden Preisen, kostenpflichtige Online-Kurse und teure Bücher sind heutzutage der Alltag für Studieninteressierte, die den MedAT, TMS, EMS oder HAM-Nat absolvieren möchten. „Get to med“ will dem ein Ende machen.

Soziale Lernplattform

Konkurrenz fördert, Kooperation erleichtert Leistung. Unser Unternehmen schwimmt gegen den Strom und setzt sich für Zusammenarbeit zwischen konkurrierenden BewerberInnen ein. Es gibt zwei Möglichkeiten, bei uns komplett kostenlos zu lernen:

Generatoren

G

me d e t to

e.U.

Aufgaben werden dazu benutzt, neue Tests für den allgemeinen Gebrauch zur Verfügung zu stellen. Das Formular für die Erstellung von Aufgaben gibt es auf der Login-Seite unter jedem einzelnen Testteil, gekennzeichnet durch „Aufgabe erstellen – Test erhalten“. Unsere Unternehmensphilosophie unterliegt dem Prinzip des „Sozialen Lernens“ und unser Ziel ist es, dem kommerziellen Angebot für den MedAT Einhalt zu gebieten. Wir bieten so viel wie möglich kostenlos an, frei nach dem Motto:

Man nutzt einen unserer „Generatoren“. Einer dieser Generatoren heißt „Wortflüssigkeitsgenerator“. Bei diesem Programm muss man ein Sub- stellte Aufgabe erhalten will, versucht stantiv seiner Wahl in den Generator sich an unseren Tests. eingeben und bekommt dafür eine zu- Es funktioniert so: Man registriert sich JedeR für jedeN – alle für alle! fällige Aufgabe zu Wortflüssigkeit aus auf get-to-med.com und loggt sich ein. Wenn wir Euer Interesse geweckt haunserem Aufgabenpool, der nebenbei Dann erstellt man eine (!) Aufgabe für ben, könnt ihr die Website einfach komplett aus Aufgaben von Get-to- das Thema seiner Wahl und erhält im unter get-to-med.com besuchen und Gegenzug jeweils einen Test mit meh- allen Bekannten und FreundInnen, die med-NutzerInnen besteht. Es braucht dazu keine Registrierung reren Aufgaben desselben Themas. Alle am MedAT oder einem anderen Mediund man kann zinerInnentest einfach, schnell teilnehmen, die und kostenlos frohe Botschaft Unendliche Aufgaben verschiedene überbringen. Jede Aufgabe, die man hochlädt, trägt zur Vergrößerung des Testteile lernen. Vielen Dank! Aufgabenpools bei, mit dem man lernen kann. Dadurch gibt es theoretisch unendlich viele Aufgaben.

Tests

Wer mehr als eine Frage für eine eigens er58

Die aktuelle Anzahl der Aufgaben auf der Lernplattform kann man ganz gemütlich auf der Startseite (get-to-med.com) ansehen (ca. 1.000 Aufgaben).


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Interview mit Get-to-med-Gründer Deniz Tafrali Wie bist du auf die Idee gekommen, beziehungsweise was hat dich dazu bewegt, Get2Med zu gründen? Selbst hast du ja schon einen Studienplatz ergattert. Damals, als wir noch auf den MedAT gelernt haben, gab es so gut wie keine Unterlagen oder kommerziellen Angebote für die Aufnahmeprüfung. Wir haben Facebook-Gruppen erstellt, in die man nur aufgenommen wurde, wenn man eine selbst erstellte Aufgabe gepostet hat. Super Idee, aber umständliche Umsetzung. Nachdem ich dann die Zulassung bekam und die härtesten Semester im Medizinstudium bestanden hatte, wollte ich unbedingt mein eigenes Unternehmen gründen. Obwohl ich vorher noch nie ein WebUnternehmen gegründet habe, nutzte ich die Fähigkeit, mir dank dem Pathosemester große Mengen an komplexen Informationen in kürzester Zeit zu Gemüte führen zu können. Also lernte ich autodidaktisch das Programmieren in HTML, CSS, PHP, Java etc. Weil ich mein Unternehmen und meine Fähigkeiten dem Wohle der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will, übernahm ich einfach die Idee des „Aufgabentauschens“ und vereinfachte und strukturierte sie so, dass meine NutzerInnen sich kostenlos, einfach und schnell auf alle MedizinerInnentests vorbereiten können. Wie vereinbarst du den stressigen Studienalltag mit dem Führen deines Unternehmens? Arbeitest du allein an Get2Med? Ich habe alles selbst programmiert und organisiert. Jedoch liefern mir einige Freunde und im Besonderen meine Freundin immer wieder großartige Ideen, von denen ich viele umsetze. Zum Zeitmanagement: Ich muss sagen,

dass das Programmieren nach einem bestimmten Level zu einer Sucht werden kann. Daher habe ich für weniger spannende Module auch weniger gelernt. Ich finde einfach, dass das Führen eines Unternehmens eine wertvollere Erfahrung ist als das Auswendiglernen der Grenzen des Intermetatarsalwinkels beim Hallux valgus. Aber vielleicht bin ich ja auch nur verrückt.

Deniz Tafrali 8. Sem. Humanmedizin Get-to-med-Gründer und Workaholic

Aufnahmeverfahren an Medizinunis: PRO oder CONTRA, und warum? Ich finde, Frankreich hat mit seinem PACES (première année commune aux études de santé) das beste System. JedeR BewerberIn wird zunächst einmal zugelassen und lernt im „ersten gemeinsamen Jahr der Studien für Heilberufe“ die Grundlagen für die Studien der Humanund Zahnmedizin und Pharmazie. Am Ende des Jahres gibt es dann Hammerprüfungen, in denen gnadenlos aus-

gesiebt wird. Nur die Studierenden, die echtes Sitzfleisch beweisen und sich durch ein Jahr hartes Lernen durchquälen, werden zum eigentlichen Medizinstudium zugelassen. Es schaffen also nur die Studierenden die Zulassung, die es wirklich wollen. Bei uns hingegen kommt es auf einen einzigen Tag an. Hat man da auch nur für zehn Minuten ein Blackout, ist es gelaufen, und man kann dann noch ein Jahr warten. Außerdem werden keinerlei echte soziale Fähigkeiten getestet. Fachliches Wissen und intellektuelle Fähigkeiten sind natürlich unabdingbar, jedoch sollte man schon auch einen gewissen Grad an zwischenmenschlichem Feingefühl mitbringen, wenn man in einem Beruf arbeiten will, bei dem es immerhin um Leben und Tod geht. Die Lernplattform Miamed Amboss ist auch von Medizinstudierenden gegründet worden, strebst du Ähnliches für Aufnahmeverfahren an? Ja. In welche Richtung willst du später gehen? In Sachen Unternehmertum ist das primäre Ziel natürlich die Marktführung. Ich bin überaus kreativ und habe ein extrem hohes Arbeitspensum. Ob das so funktioniert, wie ich es haben will, steht aber noch in den Sternen. Später werde ich mich dann wahrscheinlich in Richtung Biotechnologie oder Pharmaunternehmen spezialisieren. Zu meiner medizinischen Karriere ist zu sagen, dass mich Neurochirurgie schon immer fasziniert hat, ich aber seit dem Neurologie-Modul auch vom Schwesternfach begeistert bin. So wie ich mich kenne, mache ich wahrscheinlich beides. 59


rubrik

Gruber S, Blanck S.: Basics Gynäkologie und Geburtshilfe. Taschenbuch, 190 S. Verlag: Urban und Fischer/ Elsevier ISBN-10: 3437421557 Preis: ca. 20,– €

Endspurt Klinik, Skript 13: Neurologie. Taschenbuch, 136 S. Verlag: Thieme ISBN-10: 3131744413 Preis: ca. 15,– €

Inhalt

In diesem Skriptum aus der Endspurt-Reihe werden wichtige prüfungsrelevante Inhalte auf 130 Seiten wiedergegeben. Zunächst werden neurologische Untersuchungen im Rahmen des Status sowie apparative Zusatzuntersuchungen und neurologische Syndrome beschrieben. Danach werden alle relevanten Erkrankungen des ZNS und PNS abgehandelt, inklusive Muskel- und Schmerzerkrankungen. Besonders genau werden die Untersuchungen der einzelnen Hirnnerven beschrieben, was auch für die OSCE relevant ist.

Aufbau/Didaktik

Die Inhalte sind in fünf Lernpakete unterteilt, die in insgesamt 10 Unterkapitel gegliedert sind. Der Text wird durch Histologieschnitte, CT-, EEG- und MRTBilder sowie gezeichnete Schemata und Tabellen aufgelockert. Nach jedem Kapitel folgt eine kurze Zusammenfassung, was man sich wirklich merken sollte („Fazit“), außerdem sind zwischendurch Merkhilfen und nützliche Zusatzinformationen eingestreut.

Modulrelevanz

Für das Neurologiemodul ist das Buch gut geeignet, da es die wichtigsten Inhalte übersichtlich präsentiert. Wenn man tiefer in die Materie eintauchen will, eignet sich ein großes Neurologiebuch als vertiefende Lektüre.

Fazit

Das Endspurt-Skriptum ist gut gegliedert und vermittelt die wichtigsten Themen der Neurologie kompakt und anschaulich. Es ist gut für die Prüfungsvorbereitung geeignet.

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Inhalt

Elsevier hat sich mit diesem Exemplar „Basics – Gynäkologie und Geburtshilfe“ selbst übertroffen. Ein umfassender Einblick diskutiert und präsentiert das Fach der Gynäkologie und Geburtshilfe neu. Von physiologischen und anatomischen Grundlagen bis hin zu speziellen Krankheitsbildern und deren Therapiemöglichkeiten werden sämtliche Kapitel verständlich abgehandelt, ohne sehr ins Detail gehen zu müssen.

Aufbau

Das Buch gestaltet sich als Lehrbuch für Gynäkologie und Geburtshilfe. In zwei große Bereichen unterteilt, vermittelt es mittels Bildern, Texten, Fallbeispielen und Zusammenfassungen seminar-, übungs- und prüfungsrelevantes Wissen. Der geburtshilfliche Teil behandelt chronologisch alles rund um die Schwangerschaft. In einzelnen Unterkapiteln aus Anatomie, Biochemie, Physiologie und Pathologie werden Grundlagen und Wissenswertes vermittelt. Der gynäkologische Teil bespricht die Physiologie und Pathologie der weiblichen Geschlechtsorgane. Mit Fallbeispielen, Darstellungen, Abbildungen und Zusammenfassungen wird das zu festigende Wissen abgerundet.

Fazit/Modulrelevanz

Mit „Basics Gynäkologie und Geburtshilfe“ macht das GynäkologieModul nicht nur Spaß, sondern es lässt sich auch die Klausur gut meistern. Das Buch vermittelt verständlich und anschaulich Basiswissen aus dem Bereich der Geburtshilfe und der Gynäkologie und dessen klinische Relevanz. Neben den zahlreichen naturgetreuen Abbildungen, welche das Verständnis unterstützen, ist das Buch an die aktuellen Vorgaben (WHO) angepasst und studierendengerecht zusammengefasst. Das Buch eignet sich sehr gut für das Modul, Praktikum/Famulatur, zum Wiederholen und Festigen des gelernten Stoffes oder als schnelles Nachschlagewerk. Mit günstigen 19,99 € ist dieses Werk eine lohnende Investition.


Rubrik

M. Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. Taschenbuch, 422 S. Verlag: Urban & Fischer/ Elsevier ISBN-10: 3437412876 Preis: ca. 39,– €

W. Buselmaier: Biologie für Mediziner. Taschenbuch, 366 S. Verlag: Springer ISBN-10: 3540293744 Preis: ca. 27,– €

Inhalt

Inhalt

Aufbau

Aufbau

Mit „Neuroanatomie Struktur und Funktion“ präsentiert Elsevier Studierenden die Neuroanatomie aus einer ganz neuen und spannenden Perspektive. Aufeinander aufbauende und klar strukturierte Kapitel aus Neuroanatomie, Physiologie und Klinik verschaffen dem Leser/der Leserin nur einen Einblick, ohne sich im Detail verlieren zu müssen. Das Buch beginnt mit den allgemeinen neuroanatomischen Grundlagen und setzt sich strukturiert und aufeinander aufbauend aus einzelnen Teilen des Zentralnervensystems und der Sinnesorgane zusammen. Fallbeispiele und Wiederholungsfragen runden die vermittelte Materie ab. Prüfungsrelevantes und wichtige Informationen mit klinischem Bezug sind nochmals separat in färbigen Kästen hinterlegt und mit Hinweisen vermerkt. Am Ende jedes Kapitels findet sich ein prägnantes Resümee, welches Studierenden das Wiederholen erleichtern soll.

Fazit/Modulrelevanz

Das Buch „Neuroanatomie Struktur und Funktion“ ist insgesamt gut gegliedert und vermittelt prüfungsrelevante und grundlegende Inhalte besonders kompakt und anschaulich. Mit Abbildungen, klinischen Wissensfeldern, Zusammenfassungen, Fallbeispielen und Wiederholungsfragen vermittelt es prüfungsrelevantes Wissen für den Seziersaal (PM V) oder eignet sich als Nachschlagewerk für zuhause. Bei Neukauf stellt „Elsevier“ das Buch in multimedialer Form bereit, sodass die Neuroanatomie zum flexiblen und smarten Begleiter wird.

Gespickt mit klinischen Beispielen, die eine direkte Verknüpfung zu molekularen Funktionen oder genetischen Veränderungen zulassen, gibt dieser Leitfaden einen Überblick über die kleinsten Bestandteile des Körpers bis hin zu den Grundzügen der Ökologie. Besonderer Wert wird hierbei auf die Humangenetik gelegt, die am ausführlichsten beschrieben wird. Gentechnologien, Bakterien, Pilze und Viren werden ebenfalls kurz erläutert. Immer wieder wird der Fließtext durch blau hinterlegte Boxen unterbrochen, in denen zum aktuellen Thema ein klinischer Bezug hergestellt wird. Viele Bilder sowie Schemata dienen der Veranschaulichung und dem besseren Verständnis der Inhalte. Am Ende jedes einzelnen Kapitels folgt eine (kurze) Zusammenfassung, die sehr gut als Wiederholung der wichtigsten Gesichtspunkte verwendet werden kann. In dem Glossar im Anhang des Taschenbuches kann man viele wichtige Begriffe und ihre Definition schnell nachschlagen.

Modulrelevanz/Fazit

Einem bestimmten Modul lässt sich dieses Buch nicht zuordnen, allerdings ist es als Lektüre am Anfang der Vorklinik, vor allem um das Verständnis zu prägen, warum diese Grundlagen für die Klinik wichtig sind (besonders im Bereich der Humangenetik), sehr aufschlussreich.

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Impressum

rubrik

Redaktion: Elisabeth Schreiner B. A., Isabella Dicker, oeh-presse@medunigraz.at Fotos: fotolia, dreams­time, flickr, 123rf, wikipedia, Wikimedia Commons

Pressereferat: Isabella Dicker, Elisabeth Schreiner, Cornelia Dexl, Hesham Elsayed, Aryan Aliabadi, Liane Dengler, Daniela Kovacevic, Matthias Niedermoser, Marlene Penn, Jacqueline Winkler, Marion Kirbis, Kerstin Haberle, Andrea Oswald Layout: Bernhard Grundner Druck: Dorrong, Graz ÖH-Med Graz Adresse: Stiftingtalstraße 24/ZMF, A-8010 Graz Tel.: +43 316 385 73080, http://www.oehmedgraz.at oeh-sekretariat@medunigraz.at GastautorInnen der MedUni Graz: Jakob Riedl, Birgit Steiner FH Journalismus: Jessica Braunegger externe AutorInnen: Marcus Zauner, Lisa Suppan

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Rubrik

MEDIZYNISCHES RÄTSEL Diesmal haben wir ein Logikrätsel für euch vorbereitet. Anhand der Hinweise könnt ihr die untenstehende Tabelle ausfüllen: Für jede sichere Übereinstimmung setzt ihr ein +, für jede sichere Nicht-Übereinstimmung ein –. Die Lösung ergibt sich zwangsläufig, ihr müsst nicht raten.

6 Tage

7 Tage

4 Tage

9 Tage

Dr. Dödlau

Dr. Weiß

6. Dr. Dödlau betreut eine Person namens Berger. 7. Dr. Weiß betreut die Person, die 6 Tage im Kranken- haus bleibt. Es handelt sich nicht um Martha. 8. Die 86-jährige Person bleibt nicht 7 Tage im Kranken haus. 9. Martha Ivancic ist nicht 71 Jahre alt.

Dr. Braman

Dr. Faustus

Orthopädie

Herzchirurgie

Endokrinologie

Neurologie

86 Jahre

71 Jahre

45 Jahre

19 Jahre

Pangau

Berger

Ivancic

Karl wird von Dr. Faustus betreut. Die 86-jährige Person liegt auf der Neurologie. Der 19-jährige Sebastian heißt mit Nachnamen nicht Heimhold und liegt nicht auf der Herzchirurgie. Gertrud bleibt 9 Tage im Krankenhaus. Die Person, die auf der Orthopädie liegt, bleibt 4 Tage dort und wird nicht von Dr. Braman betreut.

Heimhold

1. 2. 3. 4. 5.

Martha Sebastian Gertrud Karl 9 Tage 4 Tage 7 Tage 6 Tage Dr. Faustus Dr. Braman Dr. Weiß Dr. Dödlau

Lösungstabelle

Neurologie Endokrinologie Herzchirurgie

Vorname

Nachname

Alter

Station

Arzt

Aufenthaltsdauer

Orthopädie 19 Jahre 45 Jahre 71 Jahre 86 Jahre

Zu gewinnen gibt‘s diesmal eines der nebenstehenden Bücher (Bücherwunsch bitte bekannt geben!). Bitte sendet die ausgefüllte Lösungstabelle an:

oeh-presse@medunigraz.at. mit dem Betreff: Medizynisch-Rätsel Bild: sudok1 / fotolia

Einsendeschluss: 31. Mai 2017

Die GewinnerInnen werden ausschließlich per E-Mail verständigt und stimmen einer Veröffentlichung des Namens zu. Barablöse nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Medizynisch #23  

Studierendenmagazin der Öh Med Graz

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