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CANDESARTAN 1A

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4. Jahrgang/Nr. 18  •  22. Oktober 2012 • € 4,-

aktuell, international, unabhängig

Umfrage

An der Tara

Prof. DDr. Brand:

Anhänglich

Husten ist nicht gleich Husten – welche Auswahl Apotheker aus dem OTC-Spektrum treffen, lesen Sie auf Seite 4

Guter Schlaf ist kostbar. Oft helfen Ihren Kunden schon einfache Tipps. Plus: Schlüsselfragen für die Beratung. 6

„Die personalisierte Medizin hat immenses Potenzial. Dramatische Forschritte stehen unmittelbar bevor.“ 2

... wie eine Klette. Das Wurzelöl beruhigt die Kopfhaut, Haarwuchsmittel ist es keines. 15

IGEPHA: Neue Studie

Phyto bei Tussis Gegen Husten mit Pflanzenkraft vorzugehen, ist eine traditionelle Domäne der Phytotherapie. Doch was können die diversen Drogen, Extrakte und ätherischen Öle wirklich? Die Naturheilkunde-Expertin Prof. Dr. Karin Kraft erläutert die Wirkung der oralen Hustenphytos, aber auch äußerer Anwendungen wie Inhalationen, Salben und Bäder. u 5

OTC-Level ist ausbaufähig

Faszinierend, wer sich aller in unserem Darm tum­melt: Jeder Mensch beherbergt in seinem Dickdarm zirka 400 verschiedene Bakterienarten – schätzungsweise könnten rund 40.000 verschiedene Bakterienarten Bestandteil der humanen Darmflora sein. Das heißt, dass jeder von uns sein ganz persönliches Darm-Mikrobiom in sich trägt. u 8

Schwanger und verkühlt Wenn sich Schwangere einen schweren Schnupfen zuziehen oder von Kopfschmerzen geplagt werden, ist guter Rat teuer. Was dürfen die werdenden Mütter einnehmen, ohne ihr Baby im Bauch zu gefährden? Welche Nasensprays und Nasentropfen sowie NSARs können ohne Bedenken verabreicht werden? Und lockt Salbeitee die Wehen herbei? u 9

Apo-Porträt Die Wiener Apotheke von Mag. Simonitsch ist nicht nur optisch eine Augenweide. Viel Herz und Engagement des gesamten Teams machen sie zudem zu einem speziellen Beratungszentrum für HIVpositive und gehörlose Kunden. u 12

Grippe-Impfstoff-Aktion

Impfen schützt das Umfeld Die Influenza-Welle ist noch jedes Jahr gekommen und jedes Jahr wieder fordert sie im Schnitt mehr als 1000 Tote. Dennoch liegt die Impfmoral der österreichischen Bevölkerung am Boden. Dabei geht es nicht nur darum, sich selbst zu schützen, sondern auch besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen oder chronisch Kran-

ke. Beim Gesundheitspersonal sei Impfen, so Univ.-Prof. Dr. Ursula WiedermannSchmidt, sogar eine „ethische Verpflichtung“. Eine neue Broschüre mit Empfehlungen für Gesundheitsberufe klärt hier auf, und natürlich startete auch dieses Jahr wieder die Influenza-Impfstoff-Aktion in den Apotheken. u 16

Gesetz passierte den Ministerrat

ELGA steht vor der Tür Gesundheitsminister Alois Stöger strahlte, die Erleichterung war ihm anzusehen: Nach eineinhalb Jahren intensiver Verhandlungen beschloss die Regierung das Gesetz zur Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Der rote Ressort-Chef handelte dafür mit dem schwarzen Gesundheitssprecher Dr. Erwin Rasinger (li. im Bild) einen Kompromiss aus, mit dem auch die Ärzte leben können – so die Hoffnung. Die Ärztekammer gibt sich jedoch sehr skeptisch, während sich Patientenanwaltschaft und Apothekerkammer über die Einigung freuen. u 14

sie sehr restriktiv sowie risiko- und verantwortungsbewusst mit OTC-Produkten umgehen. Das Fazit der beiden Wissenschaftler: Mit-

tels gezielter Steuerung ist es möglich, den Stellenwert von OTC-Anwendungen zu erhöhen, wobei dies auch noch Kosten sparen würde. u 11

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Gesellschaft im Darm

Ein auf der IGEPHA-Jahrestagung präsentiertes Gutachten hat’s in sich. So ist das OTC-Niveau in Österreich­ im Ländervergleich sehr niedrig und dementsprechend ausbaufähig. Die Studienautoren, Mag. Cosima Bauer und Dr. Uwe May, zeigen auf, dass es hierzulande lediglich 93 rezeptfreie Arzneimittelwirkstoffe gibt, während es in Deutschland 123 und in Großbritannien sogar 127 sind. Die beiden Gesundheitsökonomen berechneten außerdem ein interessantes Szenario: Würde die vorhandene OTC-Versorgung zur Gänze oder zum Teil durch Arztkontakte ersetzt, ziehe das enorme Kosten nach sich. Ein kompletter Verzicht auf rezeptfreie Präparate würde zusätzlich mit 2,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Die neue Studie bescheinigt den Österreichern zudem, dass


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Zum Thema

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Thema am ESMO und bei EHFG

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4. Jahrgang/Nr. 17 • 8. Oktober 2012 • € 4,-

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Umfrage

An der Tara

Prof. Sevelda:

Zauberkraut

Ein eiserner Wille ist oft nicht genug – zu welchen Produkten Apothekern ihren Kunden beim Rauchstopp raten. 6

Verstopfte Nase – was steckt dahinter? Wichtige Fragen für die Beratung. Plus: Evidenzbasiert gegen Sinusitis. 12

„Früherkennung ist wichtig. Raten Sie Ihren Kundinnen zum neuen MammografieScreening-Programm.“

Grünöl aus Bilsenkraut hilft bei Narben, weiß Kräuterexpertin Dr. Pemp. 16

Mehr Abwehr gegen Fakes

Alzheimer Etwa 100.000 Österreicher leiden an einer demenziellen Erkrankung. 2050 wird diese Zahl auf etwa 230.000 angestiegen sein. Die Alzheimer-Krankheit ist für bis zu 80 Prozent der Demenzen verantwortlich. Pharmazeutin Mag. Ingeborg Olbrich-Rieder informierte bei einer Forbildungsveranstaltung für Apotheker über die stadiengerechte Therapie mit Antidementiva. u 7

PMS-Plage vor den Tagen Drei bis vier von zehn Frauen mit regelmäßigen Menstruationszyklen plagen sich vor ihren Tagen mit dem „Prämenstruellen Syndrom“ (PMS) herum. Die Symptome können sowohl körperlich als auch psychisch sein. Doch es gibt einige Therapieoptionen, medikamentös oder nichtmedikamentös, die frau gegen das lästige Leiden anwenden kann. u 15

Serie Mikronährstoffe

Zink gegen rinnende Nase Hilft Zink nun bei Erkältungen, wie es diverse Untersuchungen seit Jahrzehnten kolportieren, oder nicht? In unserer Mikronährstoff-Serie beantworten wir diese Frage ausführlich. Gleich vorweg: Zinkpräparate haben tatsächlich das Zeug, die für Verkühlungen hauptverantwortlichen Rhinoviren abzuwehren bzw.

bei bereits erfolgtem Befall in Schach zu halten. Wie genau dieser Wirkungsmechanismus funktioniert, ist jedoch bis heute nicht geklärt. Spannend ist weiters, welche Zinksalze besonders bioverfügbar sind, welche Dosis notwendig ist und ob Tabletten zum Lutschen oder Schlucken besser wirken. u 14

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von Arzneimittelfälschungen zu hören ist. Sie sind laut Gesundheitsminister Alois Stöger eine „echte Bedrohung“ für unsere Gesundheit. In Österreich sind – im Gegensatz zu anderen Staaten – wenigstens noch keine Fakes in die legale Lieferkette gelangt. Damit das auch so bleibt und weil zudem eine EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen ist, wird nun das Arzneimittelgesetz umfassend reformiert. Eine entsprechende Novelle ist derzeit in Begutachtung, sie soll ab 2013 in Kraft treten. Die neuen Regeln erhöhen unter anderem die Anforderungen an die Hersteller, so etwa bei Zulassungsanträgen von Arzneispezialitäten. Besonders fälschungsgefährdete Medikamente bekommen Sicherheitsmerkmale, die jede einzelne

Drei Jahre Pharmaceutical Tribune

Danke für Ihre Treue! Nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht. Vor drei Jahren ging die erste Ausgabe der Pharmaceutical Tribune in Druck. Was uns aber – neben den vielen positiven Rückmeldungen – besonders freut, ist, dass wir so zahlreich von Ihnen gelesen werden! Eine kleine Leserumfrage dazu hat uns selbst überrascht. u 3

liche Apotheken, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen, erlaubt. Diese Apotheken sind dann auf der Homepage des BASG einsehbar. u 9

Arzneipackung identifizieren. Andererseits sind auch Lockerungen geplant: Der Versandhandel für rezeptfreie Arzneien ist künftig für öffent-

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Rechtzeitig bevorraten!

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Wirkung

informieren

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Arzt oder

Apotheker.

Gebrauchsinformation,

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Jubiläum in der Opern Apo Mag. Silvia Milenkovics, eine Apothekerin mit Leib und Seele, erinnert sich für Pharmaceutical Tribune an ihre Anfangszeiten vor zehn Jahren. Damals übernahm sie den Schlüssel und damit die Verantwortung für die Opern Apotheke in Graz. Seither hat sich viel getan – ein Grund, das 10-Jahres-Jubiläum gebührend zu feiern. u 10

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Novelle Arzneimittelgesetz

2x Tele-Joker Wenn eine erst 14-jährige Kundin die „Pille danach“ verlangt, darf sie diese dann ebenfalls rezeptfrei bekommen? Und darf eine nicht abgeholte LevomethadonDosis für einen weiteren Substituenten, der die gleiche Dosis erhält, verwendet werden? Die „Telefonjoker“ der Apothekerkammer beantworten diesmal gleich zwei Fragen. u 3

Foto: Lukas Beck

Editorial Bettina Kammerer Chefredakteurin

Liebe Leserinnen und Leser! In der aktuellen IGEPHA-Studie (siehe S. 11) wird den Österreicherinnen und Österreichern ein verantwortungsvoller Umgang in Sachen Selbstmedikation attestiert. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist die vielfach zitierte Eigenverantwortung des mündigen Patienten, ohne die ein kosteneffizientes Gesundheitssystem nicht funktionieren kann. Sie steht aber auch in engem Zusammenhang mit Selbstbestimmung und Unabhängigkeit und somit hoher Lebensqualität. So ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass ein Großteil der Befragten beim Auftreten leichter Erkrankungen zunächst selbst über erste Maßnahmen entscheiden möchte. Dank Internet sind Kunden und Patienten heute zudem generell besser informiert, die Treffsicherheit einer Selbstdia­gnose und praxisrelevantes therapeutisches Basiswissen sind damit aber noch nicht garantiert. Um diese Lücke zu schließen, braucht es eine funktionierende Informationskette und Aufklärung zu gesundheitsrelevanten Themen. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie*, die für die Kombination aus eigener Vorab-Information, dem Apotheker als Ratgeber sowie dem berühmten Beipackzettel als Zusatzinfo eine hohe Therapiesicherheit gewährleistet. Nicht nur ihre Fachkompetenz, sondern auch ihre Verfügbarkeit (92  % der Bevölkerung erreichen in weniger als zehn Minuten die nächste Apotheke) machen Apotheker hier zu den idealen Kommunikatoren. Auch eine Liberalisierung der Apo-Öffnungszeiten ist in diesem Kontext ein Schritt in die richtige Richtung. kammerer@medizin-medien.at Quellen: IGEPHA, ÖAK, *AESGP (2009)

GASTEIN/WIEN – Personalisierte Medizin wird zunehmend zu einer (möglichen) Realität. Wobei bei weitem nicht alles, was heute schon machbar wäre, im klinischen Alltag auch umgesetzt wird. Sowohl beim European Health Forum Gastein (EHFG) als auch beim europäischen Onkologenkongress (ESMO) in Wien war die Personalisierung von Prävention, Diagnostik und Therapie ein wichtiges Thema.

Die Zukunft gehört der personalisierten Medizin. Das bessere Verständnis genetischer und umweltbezogener Einflüsse auf unsere Gesundheit und vor allem neue Erkenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren bewirken einen Paradigmenwechsel in der medizinischen Forschung, der in den kommenden Jahren zunehmend konkrete Auswirkungen auf den Alltag der Gesundheitsversorgung haben wird. Es wird immer besser möglich, Untersuchungen und Therapien persönlich an den einzelnen Menschen anzupassen. „Das Potenzial ist immens”, sagte Univ.Prof. DDr. Angela Brand, Expertin für Pub­lic Health Genomics an der Universität Maastricht und Direktorin des European Centre for Public Health Genomics beim Europäischen Health Forum Gastein (EHFG). „Ein Grund dafür ist, dass wir bisher die zelluläre, molekulare und genetische Einzigartigkeit der individuellen Patienten im Wechselspiel mit Umweltfaktoren noch nicht ausreichend einbeziehen können. Doch hier stehen wirklich dramatische Fortschritte unmittelbar bevor.“

Foto: BilderBox.com

Wir schicken es Ihnen auch nach Hause!

Trend geht zur Personalisierung

Nicht nur bei Brustkrebs, auch beim Melanom und Lungenkarzinom bringt Sub-Typing therapeutische Verbesserungen.

die eine bestimmte Substanz besser oder schlechter vertragen werden. Diese Möglichkeiten stehen heute vielfach schon zur Verfügung, werden jedoch in der Praxis zu wenig eingesetzt.“

Ein Mensch, ein Tumor, eine Therapie Echte personalisierte Medizin geht jedoch noch einen Schritt weiter. Prof. Brand: „Wir gehen in die Richtung, jedes Individuum, jeden einzelnen Menschen mit einer personalisierten Therapie behandeln zu können. Das bedeutet zum Beispiel, dass man aus einem Tumor Stammzellen entnehmen und das Immunsystem des Patienten gegen diese Zellen aktivieren könnte. Da behandelt man

Patientengruppen exakt definieren Einen ersten, aber wichtigen Schritt in Richtung personalisierter Medizin stellt die stratifizierte Medizin dar, die in vielen Fällen heute schon Anwendung findet. „Stratifizierung bedeutet beispielsweise, dass man Gruppen von Patienten definiert, die von einer bestimmten Therapie besonders gut profitieren“, erklärte Prof. Brand. So kann heute schon bei vielen Krebserkrankungen aufgrund bestimmter genetischer Eigenschaften des Tumors sehr sicher vorhergesagt werden, ob der betroffene Patient beispielsweise von einer Chemotherapie einen Vorteil haben wird oder nicht. Eine weitere Option bestünde darin, aufgrund genetischer Profile die Nebenwirkungen von Medikamenten bei einem bestimmten, individuellen Patienten abzuschätzen. Prof. Brand: „Man kann damit also Personengruppen definieren,

Foto: EHFG

Haben Sie noch kein persönliches Gratisabo?

Public Health GenomicsExpertin Brand: „Wirklich dramatische Fortschritte stehen unmittelbar bevor.“

dann einen bestimmten, individuellen Menschen gegen einen bestimmten, speziellen Tumor. Das ist der Unterschied zwischen stratifiziert und individualisiert. Diese Ansätze befinden sich im Moment aber noch im experimentellen Stadium.“ Weiter ist man mit mathematischen Modellen, die das Verhalten eines Tumors in einem Individuum simulieren und daraus Empfehlungen für die Therapie ableiten. Solche Strategien stehen kurz vor dem Schritt in die klinische Praxis. Mit einer Vielzahl von Initiativen seitens der Europäischen Kommission und der EMA wird

die Entwicklung in Richtung personalisierter Medizin vorangetrieben. Prof. Brand nennt die European Alliance for Personalised Medicine, die European Science Foundation oder das Public Health Genomics European Network, das Guidelines entwickelt hat, die die schnellere praktische Umsetzung personalisierter Medizin vorantreiben sollen.

Personalisierung bringt auch Probleme Die Personalisierung der Therapie war auch ein wichtiges Thema auf dem Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO), der Anfang September in Wien stattfand. An dem wissenschaftlichen Großereignis haben mehr als 17.000 Teilnehmer aus über 120 verschiedenen Ländern teilgenommen. Die Personalisierte Medizin steigert zwar die Wirksamkeit onkologischer Behandlungen, stellt aber die Onkologen auch vor neue Herausforderungen, wie Univ.-Prof. Dr. Paolo Casali, Experte für seltene Sarkome und derzeit Vorsitzender des ESMO Public Policy Committee, betont. Durch die stärkere Individualisierung und die Definition zahlreicher Unterformen auch der verbreitetsten Tumoren wird zumindest ein Teil von diesen auch zu seltenen Erkrankungen. Mit anderen Worten: Je besser die Stratifizierung gelingt, desto kleiner und zahlreicher werden die Patientengruppen. Damit stellen sich dann automatisch alle die Probleme, mit denen Prof. Casali und andere Onkologen, die sich mit seltenen Tumoren beschäftigen, täglich zu tun haben: zu wenige Patienten für Studien und fehlendes Geld für die Forschung. Gleichzeitig liegen die Vorteile auf der Hand: Durch besseres Verständnis des Genoms und

Proteoms des Tumors lassen sich Medikamente gezielt gegen dessen Biologie entwickeln und einsetzen.

Datenbanken als Basis Die Bestimmung von HormonRezeptor- und HER2-Status beim Brustkrebs ist seit Langem Routine. Auf dem ESMO-Kongress präsentierte Studien zeigen, dass Sub-Typing samt angepasster therapeutischer Strategien auch bei anderen Tumoren wie Melanom oder Lungenkarzinom klinisch relevante Verbesserungen bringt. Eine gegenwärtig von der ESMO gestartete Initiative zur verstärkten Forschung zu seltenen Tumoren könnte, so Prof. Casali, als eine Art Pilotprojekt für den Umgang mit Subtypen häufigerer Krebserkrankungen dienen. Neben einer Reihe wissenschaftlicher stehen der personalisierten Medizin jedoch auch gesetzliche Hürden im Weg. So ist es bei selteneren Tumor-Subtypen – ebenso wie den seltenen Tumoren – kaum möglich, ausreichend Patienten in Studien einzuschließen, um die Kriterien der Zulassungsbehörden zu erfüllen. Darüber hinaus ist die Einrichtung von Biobanken (Sammlungen menschlicher Blut- oder Gewebeproben samt möglichst detaillierten Informationen über die Person, von der die Proben stammen) in vielen Ländern nicht mit den Datenschutzgesetzen vereinbar. Solche Datenbanken sind aber die Voraussetzung für die weitere Entwicklung der personlisierten Medizin. Prof. Casali betont, dass man auf diesem Gebiet auch in der Kommunikation neue Wege gehen müsse: „Wir sollten die Patienten fragen, ob sie ihren Tumor spenden wollen. Die meisten hätten da vermutlich nichts dagegen.“  REB/red


Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

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Fragen an die Telefonjoker Telefonhotline der ÖAK*

Hustenmedizin für die ganze Familie

Foto: BK

Mag. pharm. Monika Wolfram, Dr. Bernhard Ertl Pharmazeutische Abteilung der ÖAK

Wirkt natürlich gegen Husten.

Frage eines Apothekers: Ein Kunde verlangt Huflattich-Tee. Darf ich diesen verkaufen? In der Verordnung über Arzneimittel, welche nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen, ist unter anderem unter § 7 Absatz 1 auch die Pflanze der Art Tussilago farfara L. aufgezählt. Vom Verbot des Absatz 1 sind Arzneimittel ausgenommen, bei denen nach einer dem Stand der Technik entsprechenden Nachweismethode festgestellt wurde, dass im Endprodukt keine Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten sind. Die Blätter des Huflattichs (Tussilago farfara, Asteraceae, Korbblütler) werden als Antitussivum und Antiasthmatikum verwendet. Die hauptsächliche Anwendungsform ist der Tee. Von Be­ deutung ist, dass Huflattich neben den für die Wirkung verantwortlichen Schleimstoffen unter anderem auch Pyrrolizidinalkaloide enthält – sowohl die untoxischen Tussilagin und Isotussilagin als auch die toxischen Senecionin und Senkirkin. Da man für einige Pyrrolizidinalkoloide leberschädigende und krebserzeugende Wirkungen festgestellt hat, wurden 1992 Höchst­ aufnahmemengen dieser Alkaloide und eine zeitliche Begrenzung der Anwendung auf maxi­mal vier bis sechs Wochen pro Jahr festgelegt. Diese Empfehlungen galten über mehrere Jahre. Inzwischen ist es gelungen, durch Selektion alkaloidfreie Sorten zu züchten und feldmäßig anzubauen, sodass diese alte Heilpflanze wieder uneingeschränkt genutzt werden kann, soweit sie aus entsprechendem Anbau stammt. Fazit: Sofern die Ware frei von Pyrrolizidinalkaloide (PA) ist, steht einem Verkauf nichts im Wege.

Mit der Heilkraft des einzigartigen Arznei-Efeus.

* Die Pharmazeutische Abteilung der ÖAK ist Mo–Fr von 8.00–18.00 Uhr besetzt. Unter 01/404 14-500 erhalten Apothekerinnen und Apotheker direkt und unbürokratisch Auskunft.

Nur Schweden schneidet noch besser ab

Österreich ist einfach top bei Krebstherapien

In Schweden überleben 62 % der Krebs­ patienten über fünf Jahre, in Österreich sind es 61 %.

mehr direkte Vorteile für Patienten.“ So überlebten etwa in den USA zwischen 1950 und 1954 nur 35  % aller Krebspatienten ihre Erkrankung mehr als fünf Jahre, 1999 bis 2005 waren es bereits 69  %. Dieser positive Trend setze sich aktuell in „beeindruckendem Tempo“ fort, sagt Prof. Zielinski und bringt Beispiele: u Patientinnen mit fortgeschrittenem Mamma-Ca. überleben heute im Schnitt mit 58 Monaten drei­ mal so lange wie vor zehn Jahren. u Patienten mit B-Zell-Lymphomen überleben auch mit fortgeschrittener Erkrankung heute im Schnitt

91 Monate (vor zehn Jahren: 37 Monate). u Beim Multiplen Myelom, Nierenkarzinom und Dickdarmkrebs verdoppelte sich die durchschnittliche Überlebenszeit. u Selbst beim aggressiven Lungenkarzinom verlängerte sich die Überlebensdauer um 50 %. Weniger erfreulich: Mit 27 % hat Österreich die höchste Raucherrate bei 15-Jährigen (OECD-Schnitt 17  %). Auch der Anteil jener, die überhaupt kein körperliches Training betreiben, stieg 1994 bis 2011 von 38 % auf 44  %. „Wir müssen bei den Risikofaktoren für onkologische Erkrankungen die Präven­ tionsanstrengungen verstärken“, unterstreicht daher Prof. Kornek, die auch Delegierte Österreichs bei der ESMO und Präsidentin der Initiative „Leben mit Krebs“ ist. Außerdem brauche Österreich einen nationalen Krebsplan. 30 bis 40 % der krebsbedingten Todesfälle könnten durch einen gesundheitsorientierten Lebensstil – nicht Rauchen, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Abnehmen – vermieden werden. „Und nur durch eine 15%ige Reduktion des Zigarettenkonsums ließe sich die Krebssterblichkeit um 8 bis 16 % senken“, hebt die Krebsexpertin hervor. red/Gro

Löst den Schleim Befreit die Atemwege Beruhigt den Husten

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Pro Jahr erhalten knapp 40.000 Menschen die Diagnose „Krebs“, insgesamt haben 300.000 Menschen in Österreich eine Krebserkrankung. In jedem Fall dürfen sich die Betroffenen zumindest bestens behandelt fühlen: „Bei der Krebstherapie sind wir wirklich top“, sagt Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek von der Wiener Univ.-Klinik für Innere Medizin  I und vom Comprehensive Cancer Center (CCC) anlässlich des Europäischen Krebskongresses ESMO in Wien. In Österreich würden im Schnitt 80 % der Krebspatienten länger als ein Jahr und 61 % länger als fünf Jahre leben. Nur Schweden sei mit 62 % europaweit besser. Auch CCC-Koordinator Univ.Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Univ.-Klinik für Innere Medizin I und lokaler Veranstalter des ESMO 2012, betont: „Krebstherapien werden immer intelligenter, immer besser und bringen immer

Foto: Bilderbox

WIEN – Was die medizinische Versorgung und auch den raschen Zugang zu neuen onkologischen Therapien an­ geht, ist Österreich unter den Europameistern. Sechs von zehn Krebspatienten über­ leben mehr als fünf Jahre. Aufholbedarf gibt es dennoch – vor allem in der Prävention.

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Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO); Wien, 28. September bis 2. Oktober 2012 Fachkurzinformation auf Seite 14 RZ_SV_12_032_Prospan_Fachanzeige_112x384_12101600.indd 1

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Nachgefragt

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Telefonumfrage „Husten“

Das hilft gegen Husten WIEN – Zu einer Erkältung gehört meist auch Husten. Sieben Tage dauert eine Erkältung mit Behandlung und eine Woche ohne – aber man kann dem Kunden die Krankheitszeit durch geeignete Maßnahmen erleichtern. Wir haben 50 Pharmazeuten aus ganz Österreich gefragt, was sie bei quälendem Husten empfehlen. Von Hustensaft bis Hustenbonbons – zahlreiche Medikamente gegen das unangenehme Symptom

sind in Apotheken rezeptfrei zu erstehen. Doch nicht jedes Präparat ist für jede Form des Hustens geeignet.

Telefonumfrage „Husten“ – was Apotheker empfehlen Firma Kwizda Pharma Sanova Pharma

Produkt ®

Bronchostop ®

Prospan

Prozent 56 50

®

Boehringer Ingelheim

Mucosolvan

42

Procter & Gamble Austria

Wick Formel 44

32

Sanova Pharma

Sinupret®

28

Pharmonta

Tussimont

22

MCM Klosterfrau

Isländisch Moos

18

ratiopharm

®

Tussamag

10

®

Hexal

ACC akut

6

Pharmazeutische Fabrik Montavit

Tavipec

6

Weleda

Weleda Hustensaft

4

Kottas Pharma

Dr. Kottas Husten-Bronchialtee

4

Nycomed Austria

Scottopect Hustensaft

2

Apomedica

LUUF® Efeu Hustensirup

2

MS; 23.09.2011; Dok.Nr. 38/2011

Anmerkung der Redaktion: Die hier angeführten Produkte sind nach der Nennungshäufigkeit durch die befragten 50 Pharmazeuten gereiht, ungeachtet dessen, ob es sich um rezeptfreie Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel, alternative Heilmittel oder sonstige Produkte handelt.

Tritt Husten als Erkältungssymp­ tom auf, so handelt es sich in den ersten zwei bis drei Tagen meist um Reizhusten. Darauf folgen oft ein bis zwei Wochen sogenannten produktiven Hustens, bei dem Schleim abgehustet wird. Zur Besänftigung des Hustenreizes sind jeweils unterschiedliche Medikamente geeignet, erklären die Apotheker. In beiden Phasen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Der Rat der Pharmazeuten: Mindestens zwei Liter pro Tag trinken! Auch eine aureichend hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung trägt zur Linderung der Hustenbeschwerden bei. Regel Nummer eins bei Husten lautet: Behandeln Sie die zugrunde liegende Erkrankung. Gerade bei Erkältung oder Grippe wird man aber nicht von einem Tag auf den andern wieder gesund. Doch bis die Krankheit auskuriert ist, kann der Husten mit zahlreichen Mitteln gelindert werden. Welche ihrer Meinung nach am effektivsten

sind, wollten wir von 50 Pharmazeuten in unserer aktuellen Umfrage wissen.

Platz 1 Wie bereits im letzten Jahr sichert sich Bronchostop®, das von 56 Prozent aller Apotheker empfohlen wird, den ersten Platz. Die breite Produktpalette, der angenehme Geschmack und die beruhigende Wirkung des darin enthaltenen Thymianextrakts machen Bronchostop® zu einem beliebten Hustenstiller sowohl bei Pharmazeuten als auch bei Patienten.

Platz 2 Im zweitplatzierten Produkt Prospan®, das die Hälfte aller Apotheker bei Husten empfehlen, kommt als pflanzlicher Wirkstoff Efeu zum Tragen. Prospan® liegt in verschiedenen Darreichungsformen vor und wirkt sowohl hus­ ten- als auch schleimlösend.

Platz 3 Mucosolvan® empfehlen 42 Prozent der befragten Apotheker, und es hält somit seine Position als beliebter Schleimlöser seit seiner Einführung in den 1980er-Jahren. dt

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Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Wissen extra

Medizin & Pharmazie

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Mit Pflanzenkraft gegen Husten

Was können orale Phytos? Rostock – Die symptomatische Behandlung von Husten ist traditionell eine Domäne der Phytotherapie. Doch wie wirken die verschiedenen Drogen, Extrakte und ätherischen Öle? Die Naturheilkundeexpertin Prof. Dr. Karin Kraft erklärt die Effekte der oralen Hustenphytos.

Schleimhaltige Hustendrogen (Mu­cilaginosa) wie Eibischwur­ zel (Althaeae radix), Malvenblätter und -blüten (Malvae flos und fo­ lium), Spitzwegerichkraut (Planta­ ginis herba) und Isländisch Moos (Lichen islandicus) vermindern den Hustenreiz über eine Einhüllung der Schleimhaut in Mund und Rachen. Sie sind als Tee, Sirup, Hustensaft, Tropfen bzw. Pastillen erhältlich. Für diese Phytotherapeutika sind Kon­ traindikationen und unerwünschte Wirkungen nicht bekannt. Das Lutschen von Bonbons, Pas­ tillen etc. mit ätherischen Ölen wie Anis-, Eukalyptus-, Fenchel-, Pfef­ ferminz- oder Thymianöl stimuliert über die angenehme Geschmacks­ sensation den Speichelfluss und den Schluckreflex, wodurch die Ir­

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Trockener Reizhusten

rynxschleimhäuten gewährleistet sein sollte. Eine häufige Applikation ist prinzipiell unproblematisch, zu­ ckerhaltige Zubereitungen sind je­ doch von Diabetikern zu meiden, ebenso sind Unverträglichkeiten von Sorbit und anderen Zuckeraus­ tauschstoffen zu berücksichtigen.

Produktiver Husten Das Ziel der symptomatischen Therapie bei Erkrankungen mit pro­ duktivem akutem oder chronischem Husten, insbesondere auch bei Er­ kältungskrankheiten mit ungenü­ gendem Auswurf und zähflüssigem Prof. Dr. Karin Kraft Direktorin am Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universitätsklinikum Rostock Foto: EHFG

Husten gehört zu den häufigsten Beschwerden in der Praxis. An ers­ ter Stelle steht die Therapie der Ur­ sache. Unabhängig davon ist die symptomatische Therapie sowohl bei trockenem als auch produk­ tivem Husten erforderlich. Für die symptomatische Therapie werden traditionell gerne orale Phytothera­ peutika eingesetzt.

Sekret, ist die Unterstützung der Entfernung des hochviskösen Se­ kretes aus dem Respirationstrakt auf natürlichem Wege. Es werden des­ halb pflanzliche Drogen verwendet,

produktiven Husten eine reichliche Flüssigkeitszufuhr. Hier haben sich Hustentees bewährt, insbesonde­ re solche, die aus mehreren pflanz­ lichen Drogen bestehen, da sich de­ ren Eigenschaften ergänzen. Man sollte deshalb zunächst auf die be­ währten, in der Apotheke erhält­ lichen Hustenteemischungen zu­ rückgreifen, bei einer etwas längeren Anwendungszeit sind andere Zube­ reitungsformen aus Praktikabilitäts­ gründen jedoch besser geeignet.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr Ätherische Öle/Ätherischöldro­ gen wie Anisfrüchte (Anisi fructus), Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus), Eukalyptusöl (Eucalypti aethero­ leum) und Thymiankraut (Thymi

den gastropulmonalen Reflex er­ klärt. Dadurch wird vermehrt dünn­ flüssigerer Bronchialschleim produ­ ziert. Außerdem wirken Saponine antiphlogistisch und antibakteri­ ell. Bei der Anwendung von sapon­ inhaltigen Phytotherapeutika muss auf eine ausreichende Flüssigkeits­ zufuhr geachtet werden. Sie wer­ den vor allem für kurze Zeit (über zwei bis drei Wochen) verabreicht, bei Überdosierung, seltener bei lang­ fristiger Anwendung, können Ma­ genbeschwerden und Schleimhaut­ reizungen auftreten. Efeublätter, Primelwurzel, Spitzwegerichkraut, Süßholzwurzel und Isländisch Moos haben zudem antientzündliche, Thy­ miankraut und Efeublätter bron­ chospasmolytische Wirkungen. Zu beachten ist, dass ätherische Öle

mineralokortikoide Effekte, insbe­ sondere Hypokaliämie, bekannt. Kontraindikationen sind cholesta­ tische Lebererkrankungen, Leber­ zirrhose, Hypertonie, Hypokaliä­ mie, schwere Niereninsuffizienz, schwere Adipositas, Schwanger­ schaft und Stillzeit.

Auch äußere Anwendungen Typische äußere Anwendungs­ formen bei Husten sind Inhalati­ onen, Brustsalben, evtl. auch Erkäl­ tungsbäder. Für Inhalationen eignen sich Kamillenblüten (Matricariae flos) bzw. Kamillenöl, aber auch Latschenkiefer- oder Eukalyptusöl sowie Campher. Die drei letztge­ nannten Öle, aber auch Pfefferminz­ öl, Fichtennadel- und Kiefernna­

Tavipec Kapseln

Pflanzliches

Arzneimittel

Bei Sinusitis und Bronchitis

Fachkurzinformation auf Seite 14

ritation pharyngealer Rezeptoren reduziert wird. Einige der in den ätherischen Ölen enthaltenen Ver­ bindungen sind zudem antient­ zündlich wirksam. Für alle Zubereitungsformen mit Pflanzenschleimen und äthe­ rischen Ölen gilt, dass sie wegen der gewünschten lokalen Wirkung nach Bedarf, d.h. bei Auftreten des Hustenreizes, angewendet wer­ den sollten und ein möglichst lan­ ger Kontakt zu Mund- und Pha­

die zur vermehrten Bildung dünn­ flüssigen Sekrets führen (Sekretoly­ tika), den Schleim verflüssigen (Mu­ kolytika) oder den Schleimtransport durch Aktivierung der Zilien ver­ bessern (Sekretomotorika). Besonders geeignet sind hier­ für Phytotherapeutika, die Sapo­ nine und ätherische Öle enthalten. Manche Pflanzen enthalten zudem Inhaltstoffe mit bronchospasmoly­ tischen oder antibakteriellen Eigen­ schaften. Wichtig ist beim akuten

herba) wirken bei oraler Anwen­ dung sekretolytisch, teilweise auch sekretomotorisch, bronchospasmo­ lytisch und antibakteriell, da sie über das Bronchialepithel abgeat­ met werden und so ihre Wirkung entfalten können. Die expektorierende und sekre­ tolytische Wirkung der Saponine – u.a. enthalten in Efeu­blättern (He­ derae helicis folium), Primelwurzel (Primulae radix) und Süßholzwur­ zel (Liquiritiae radix) – werden über

gelegentlich Allergien verursachen und bei Efeublättern nur Fertigarz­ neimittel angewendet werden dür­ fen. Primelwurzel ist bei Asthma bronchiale, bei Kindern unter vier Jahren bzw. mit Neigung zu aku­ ten obstruktiven Laryngitiden so­ wie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht indiziert. Bei Süßholzwurzel sind als Nebenwirkungen bei län­ gerer Anwendung (vier bis sechs Wochen) und höherer Dosierung (mehr als 600 mg Glycyrrhizin/Tag)

delöl sind auch in Brustsalben und -balsamen enthalten. Dünne Einrei­ bungen über dem Brustbein und auf dem Rücken zwischen den Schulter­ blättern mit diesen ätherischen Ölen wirken rasch und zuverlässig. Als Nebenwirkungen werden gelegent­ lich Hautreizungen beobachtet, we­ gen des Kratschmerreflexes ist bei Kindern bis zu zwei Jahren die An­ wendung von ätherischen Ölen in Gesichtsnähe kontra­indiziert.  Prof. Dr. Karin Kraft


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An der Tara

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Beratung „Gesunder Schlaf“

von Mag. pharm. Angelika Kogard, MMC Pharmazeutin und Trainerin, www.medicalmarketing.at

Foto: Barbara Krobath

Guter Schlaf – bessere Nacht – perfekter Morgen

Schlafstörungen gehören statistisch gesehen neben Kopfschmerzen zu den am häufigsten auftretenden gesundheitlichen Beschwerden. Sie werden von den Betroffenen sowohl nachts als sehr unangenehm empfunden als auch in der Folge untertags, da sie zu Tagesmüdigkeit, eingeschränkter Leis­ tungsfähigkeit und verminderter Lebensqualität führen. Schlafstörungen können aber unter Umständen auch Auslöser von Depressionen sein. Andererseits ist das Wort Schlafstörung kritisch zu hinterfragen. Ist es tatsächlich ungewöhnlich, gegen drei Uhr morgens aufzuwachen? Ist der Schlaf vor Mitternacht wirklich der erholsamste und sind fünf Stunden Schlaf am Stück definitiv zu wenig? Um solche und ähnliche Fragen ranken sich viele Mythen – Mythen, die Betroffene oft noch zusätzlich unter Druck set-

WIEN – Es ist Nacht – zwei, drei oder vielleicht vier Uhr. Viele Menschen wälzen sich schlaflos im Bett, stehen auf, drehen eine Runde durch die Wohnung und ärgern sich darüber, schon wieder nicht schlafen zu können. Gemeint sind Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen, von denen laut DAK1 nahezu jeder zweite Hilfe in der Apotheke sucht. zen. Diesen Schlaflosen helfen häufig schon Aufklärung und Tipps zur Schlafhygiene (siehe Factbox). Auch wenn Letztere gerne als Banalität betrachtet werden, so sind sie vor allem bei regelmäßiger Anwendung sehr wirkungsvoll.

Kampf um Schlaf erhöht Stresshormone Apothekenkunden suchen für ihre Schlafproblematik oft in diversen Zeitschriften Hilfe, werden dort in Inseraten fündig und reichen dann eine Anzeige über die Tara mit der Frage: „Haben Sie das?“ In so einer Situation gilt es ganz besonders hellhörig zu sein und weitere Informationen einzuholen. „Für wen brauchen Sie diese Tabletten denn?“, „Seit wann können Sie denn nicht mehr richtig schlafen?“ und „Wie fühlen Sie sich während des Tages?“ sind Möglichkeiten, um

das Gespräch zu eröffnen und auch allfällige falsche Vorstellungen aus dem Weg zu räumen. Mitteleuropäer gehen meist gegen 23 Uhr zu Bett, brauchen fünfzehn Minuten zum Einschlafen und stehen zwischen sechs und sieben wieder auf – somit ergibt sich eine Gesamtschlafzeit zwischen sieben und acht Stunden und das entspricht in etwa dem erforderlichen Schlafminimum. Damit sie auf ausreichend Schlaf kommen, gibt es auch Personen, die schon früher zu Bett gehen und sich dann wundern, dass sie nicht einschlafen können. Ähnliches passiert, wenn der Mittagsschlaf auf mehr als zehn bis 20 Minuten ausgedehnt wird. Der Körper ist in der Folge zur gewohnten Schlafenszeit nicht müde und daher ist auch nicht an rasches Einschlafen zu denken. Trotzdem ärgern sich diese Personen: „Ich muss

schlafen, ich muss morgen gut ausgeruht sein. Morgen habe ich eine wichtige Besprechung!“ Eine ähnliche Reaktion kann auch die Folge bei nächtlichem Aufwachen sein. Kaum ist der Betroffene wach, beginnen die Gedanken schon wieder um den nächsten Tag zu kreisen, das Wiedereinschlafen wird verhindert und schon wieder heißt es: „Ich muss, ich muss, ich muss!“ Dabei ist es ganz normal in der Nacht bis zu 28-mal wach zu werden, aber der Kampf um den Schlaf bewirkt, dass vermehrt Stresshormone freigesetzt werden, die das Wiedereinschlafen verhindern.

Keine zweite Chance für den ersten Eindruck Es handelt sich also um ein sehr persönliches Problem, mit dem der Kunde in die Apotheke kommt. Er

entscheidet innerhalb von Sekunden, ob er seinen Gesprächspartner sympathisch oder unsympathisch, kompetent oder inkompetent einschätzt. In diesen ersten Sekunden werden 55  % von Äußerlichkeiten, 38  % vom tonalen Ausdruck und nur 7  % vom Inhalt geprägt. Um das Gespräch positiv zu gestalten, ist es wichtig, den Kunden sofort wahrzunehmen, zu begrüßen und gleichzeitig durch die geeigneten Fragen sein tatsächliches Bedürfnis zu erforschen. Denn eine nachfolgende Empfehlung aufgrund fehlender oder falscher Information, wie zum Beispiel ein Arzneimittel für die Oma statt für die Tochter der Kundin, hinterlässt ein Gefühl von Unverständnis und Ärger und macht die Chance auf einen zweiten Anlauf oft zunichte. 1

DAK – Unternehmen Leben – Gesundheitsreport 2010

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Das Ein- und Durchschlafmittel aus Ihrer Apotheke

Fachkurzinformation auf Seite 12

 Factbox „Schlaf gut!“ Fragen zu Auslösern und Ursachen von Schlafproblemen: • Bestehen körperliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Rheuma oder Schmerzen? • Liegen psychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizo­ phrenie, Angst- oder Essstörungen vor? • Stehen Sie im Berufs- und/oder Privatleben oft unter Stress? • Stören im Schlafzimmer Licht und Lärm? • Trinken Sie abends gerne ein Glas Bier oder Wein? • Halten Sie regelmäßig einen Mittagsschlaf? • Wie viel Zeit verbringen Sie in geschlossenen Räumen und wie häufig bewegen Sie sich an der frischen Luft?

Strategien für einen gesunden Schlaf: • Ein Mittagsschlaf von zehn bis 20 Minuten entspannt und erhöht die Leistungsfähigkeit am Nachmittag. Dauert er aber länger, wird dadurch das Einschlafen am Abend erschwert! • Ab Mittag schweres Essen und koffeinhaltige Getränke meiden! • Lüften Sie Ihr Schlafzimmer ordentlich vor dem Schlafengehen oder schlafen Sie bei geöffnetem Fenster! • Gehen Sie nur ins Bett, wenn Sie müde sind! Tun Sie dort nichts anderes als zu schlafen, vor allem nicht fernsehen! • Liegen Sie länger noch wach, so stehen Sie kurz wieder auf! • Wenn Sie nachts wach werden, vermeiden Sie Gedanken an den nächsten Tag und ärgern Sie sich nicht, dass Sie aufgewacht sind – dann werden Sie rascher wieder einschlafen.

• Dass der Schlaf vor Mitternacht der erholsamste sei, stimmt nur, wenn die biologische Mitternacht gemeint ist (gegen drei Uhr morgens, wenn der Körper seinen physiologischen Tiefpunkt hat). • Und noch ein kleiner Tipp für Kinder: Vorlesen und singen sind feste Rituale, die das Einschlafen erleichtern. Tipp für die Gesprächsführung: Verzichten Sie auf negative Formulierungen, auch wenn Sie ein Produkt nicht lagernd haben oder es aus dem Handel ist. Betonen Sie lieber die Produktvorteile eines vorrätigen Präparates. Das ist ein pflanzliches Präparat, das noch besser ist. Nehmen Sie davon zwei Tabletten eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen, damit Sie wieder gut schlafen können. Das gibt es nicht mehr!


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Produkte Hilfe bei Grippe: Echinacea „ERWO“ Komplex Globuli Zwei Millionen Österreicher leiden jährlich an grippalen Infekten. Bei der ganzheitlichen Behandlung von Erkältungen sollten homöopathische Globuli nicht vergessen werden! Echinacea „ERWO“ Komplex Globuli mit der ausgewählten Kombination von fünf bewährten homöopathischen Substanzen lindern rasch Erkältungssymptome, stoppen das Voranschreiten der Infektion und stabilisieren die körpereigenen Abwehrkräfte!

u Echinacea Dreiklang (D4/D12/D15) stabilisiert und stärkt die körper­­­ei­genen Abwehrkräfte. u Thuja occidentalis (D4) wirkt als Konstitutionsmittel bei chronischen und immer wiederkehrenden Erkrankungen. u Apis mellifica (D4) hat entzündungshemmende und abschwellende Wirkung bei Schnupfen und Halsschmerzen. u Acidum silicicum (D10) wirkt eitrigen Infekten entgegen, lindert Rachen- und Bronchialkatarrhe. u Lachesis (D10) wirkt gegen Fieber und Schüttelfrost, bringt rasche Linderung der Symptome und eine Beschleunigung der Genesung. Echinacea „ERWO“ Komplex Globuli sollten sofort bei ersten Anzeichen von grippalen Infekten eingenommen werden. Eine stündliche Einnahme im Akutfall ist sinnvoll. Echinacea ERWO Komplex Globuli sind ideal für die ganze Familie – auch für Kinder, Stillende und Schwangere. Informationen: ERWO Pharma, Europaring F08/101, 2345 Brunn am Gebirge, Tel.: 02236/320 255, Fax: 02236/320 255-12, Mail: office@erwo-pharma.com

Imodium® akut Schmelztabletten lindern Durchfälle Winterzeit ist Durchfallzeit: Mit der zunehmenden Zahl an Virus- und Bakterieninfekten in der kalten Jahreszeit steigen auch die Diarrhö-Fälle. Viele Betroffene sind jedoch unsicher, ob und wie Durchfall zu behandeln sei. Doch Studien belegen: Um die Leidenszeit nicht unnötig zu verlängern, sollte die Therapie frühzeitig erfolgen. Der in Imodium® akut enthaltene Wirkstoff Loperamid lindert Durchfall-Symptome schnell und zuverlässig. Er reduziert die propulsive Peristaltik, verlängert die intestinale Transitzeit, steigert damit die Resorption von Wasser und Elektrolyten und erhöht den Analsphinktertonus. Wirksamkeit und gute Verträglichkeit von Loperamid sind durch zahlreiche Studien belegt. Besonders praktisch ist die Darreichungsform als Schmelztablette: Sie löst sich sekundenschnell auf der Zunge auf, was gerade bei Durchfall mit Übelkeit oder bei Schluckbeschwerden von Vorteil ist. Für die Einnahme ist kein Wasser notwendig, was nicht nur bei Durchfall mit Übelkeit von Vorteil ist. Gerade auch bei Schluckbeschwerden erleichtert diese Darreichungsform die Einnahme. Die diskrete Schmelztablette ist auch für unterwegs sehr praktisch. Die Marke Imodium® ist im Vertrieb der Johnson & Johnson GmbH: www.jnjaustria.at

Mehr Power, mehr Leistung mit Omni-Biotic® Power Omni-Biotic® Power wurde speziell für Menschen entwickelt, die unter hoher Leistungsanforderung stehen bzw. ihre Leistungsfähigkeit verbessern wollen. Sei es nun im Beruf oder im Bereich sportlicher Aktivität. Tägliche sportliche Betätigung stärkt die Immunabwehr, ständige, übermäßige Leistungsanforderung kann einen gegenteiligen Effekt haben. Das Ergebnis ist eine deutlich erhöhte Anfälligkeit von Sportlern und Leistungsträgern im Beruf, und zwar für alle Arten von Erkältungen und Verdauungsbeschwerden, vor allem vor oder nach starken Belastungen. Auslöser dafür ist ein sogenanntes „leaky gut“ (löchriger Darm), denn durch körperlichen oder psychischen Stress wird die Barriere der Darmschleimhaut durch­ lässig und krankmachende Keime haben leichtes Spiel. Omni-Biotic® Power ist ein Probiotikum der medizinisch relevanten 3. Generation zur diätetischen Behandlung von durch hohe Belastung chronisch entzündlich veränderten Darmschleimhäuten. 1 Sachet wird 1x täglich – am besten vor dem Frühstück – in Flüssigkeit eingerührt, um die gefriergetrockneten Keime zu aktivieren. Nach 15 Minuten nochmals umrühren und trinken. Die Einnahme empfiehlt sich täglich, wenn dem Körper erhöhte Leistung abverlangt wird. Vor Wettkämpfen wird mit der Einnahme 1 Woche vor der intensiven Trainingsphase begonnen und bis 4 Wochen danach weiter geführt. Vertrieb und Information: Institut Allergosan: www.allergosan.at

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Wissen extra: Schlafforschung

Wenig Schlaf lockt bei Kids den Zucker an PITTSBURGH/WIEN – Dass Schlafmangel nicht nur zu Leistungsdefiziten führt, sondern auch die Tendenz zum Übergewicht verstärkt, ist schon länger bekannt. Kurze Schlafzeiten gehen bei Jugendlichen aber auch mit einer erhöhten Insulinresistenz einher – was wiederum Diabetes begünstigt. Jugendliche, die länger in Orpheus’ Armen liegen, sprechen besser auf das Hormon Insulin an. „Die Insulinresistenz verbessert sich um neun Prozent, wenn Teenager, die normalerweise sechs Stunden schlafen, eine Stunde zusätzlich Schlaf be­kommen“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Karen Matthews vom Department für Psychiatrie an der Universität Pittsburgh, Pennsylvania. Die Details: Insgesamt umfasste die Cross-sektionale Studie* 245 Jugendliche einer Oberstufe, davon 129 Schülerinnen und 116 Schüler. Vor dem Beginn der Studie wurde der Nüchternblutzucker gemessen. Dann führten die Probanden eine Schulwoche lang ein Schlaftagebuch, zusätzlich trugen sie ein Bewegungsmessgerät am Hand-

gelenk. Die durchschnittliche Schlafdauer betrug nach dem Messgerät 6,4 Stunden, wobei diese während der Wochentage wesentlich geringer ausfiel als am Wochenende. Das Ergebnis, dass eine höhere Insulinresistenz mit einer kürzeren Schlafdauer assoziiert war, habe sich unabhängig von Ethnie (von den 245 Probanden waren 137 Afro-Amerikaner), Alter, Geschlecht – und auch vom Taillenumfang und Body-MassIndex gezeigt, sagt die Psychiaterin. Bisher gebe es kaum Studien, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Schlaf und Insulinresistenz während der wichtigen Phase der Adoleszenz untersuchen. Diese Lücke wollten die Hauptautorin und ihr Team füllen. Als Conclusio wurde vermerkt, dass

eine verkürzte Schlafzeit während der Adoleszenz mit einer höheren Insulinresistenz assoziiert ist, eine lange Schlafdauer hingegen nicht. Interventionen für einen längeren Schlaf könnten das Diabetes-Risiko in der Jugend senken, so das Fazit. Bei der Insulinresistenz, die als eine der Hauptursachen für den Typ-2-Diabetes gilt, ist das Ansprechen der Zellen auf das in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon vermindert, was daher die Wirkung von Insulin beeinträchtigt. Die Mechanismen, die zur Insulinresis­tenz führen, werden intensiv beforscht. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung – Lebensstilmaßnahmen, die bei Kids nicht unbedingt beliebt sind – wirken präventiv der Zuckerkrankheit entgegen. Die neue Studie könnte nun einen weiteren Ansatz liefern: Einfach länger schlafen! Gro * Matthews KA et al., Sleep duration and insulin resistance in healthy black and white adolescents. SLEEP 2012; 35(10): 1353–1358


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Mikrobiom

Der Mensch ist nicht allein GRAZ – Die Mikroben, die im und am Menschen leben, sind ein integraler Bestandteil des Körpers. Man nennt sie auch Mikrobiom. Insbesondere die menschliche Darmflora erbringt wichtige Stoffwechselleistungen, interagiert mit dem Immunsystem und beeinflusst sogar das Nervensystem.

Wirkung auf Immunsystem Sein eigenes Forschungsgebiet ist die Interaktion des Mikrobioms mit dem Immunsystem. „Die Darmflo­ ra beeinflusst die Entwicklung und Aktivität des Immunsystems auf vielfache Weise“, so Prof. Gorkie­ wicz. Die Mikrobe Bacteroides fra­ gilis zum Beispiel produziert Zu­ ckerstoffe, die für die Entwicklung des Immunsystems mitverantwort­ lich sind. Das Immunsystem ist eine wichtige Schnittstelle im Erkennen mikrobieller Bestandteile im Darm, weiß Prof. Gorkiewicz: „Der Körper bekämpft die pathogenen, fördert aber die ,guten‘ Mikroben und ver­

Gemeinsame Evolution Möglich wurde die Erforschung des Mikrobioms erst durch die Entwick­ lung von Hochdurchsatz-Sequenzier­

 Internationale Mikrobiom-Forschung

Zwei große Forschungsprojekte beschäftigen sich mit den Mikroorganismen, die in und am Menschen leben:  Das US-amerikanische Human Microbiome Project (HMP) will mindestens 3000 Mikroben identifizieren und deren Erbgut sequenzieren.  Das europäische Forschungsprojekt MetaHIT will die Verbindungen zwischen dem humanen Mikrobiom und z.B. chronischen Darmerkrankungen und Fettleibigkeit untersuchen.

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Derzeit wird geschätzt, dass rund 40.000 verschiedene Bakterienarten Bestandteil der humanen Darm­ flora sein können. Allerdings be­ herbergt ein einzelner Mensch nur zirka 400 verschiedene Spezies in seinem Dickdarm. Das bedeutet: Je­ der Mensch hat eine ganz indivi­ duelle Darmflora. „Man kann von einer persönlichen Signatur spre­ chen“, betont Prof. Gorkiewicz. Föten entstehen in einer keimfreien Umgebung, der Darm von Ungebore­ nen enthält daher keine Mikroben. Die Entwicklung der individuellen Darmflora beginnt mit der Geburt, während der das Kind von den Mi­ kroorganismen kolonisiert wird, die auf und in der Mutter leben. Kinder, die auf natürlichem Weg zur Welt kommen, werden von ganz anderen Mikroben besiedelt als Kinder, die mittels Kaiserschnitt entbunden wer­ den. Die Ernährung des Kindes – z.B. Stillen oder Milchersatz – spielt eben­ so eine Rolle für die Entwicklung des individuellen Mikrobioms wie die zu­ fällige Exposition mit Mikroorganis­ men. „Die protektive Rolle der früh­ kindlichen Exposition mit Mikroben in der Entwicklung von Autoimmun­ erkrankungen oder Allergien ist be­ kannt“, sagt Prof. Gorkiewicz.

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wer an antibiotika-assoziierte reisediarrhoen denkt, sollte immer ein probiotisches arzneimittel im kopf haben.

Persönliche Signatur

verfahren vor einigen Jahren. Damit konnten die Mikroorganismen nicht nur identifiziert, sondern auch ihr Erbmaterial bestimmt werden. Die lange als typische Darmbakterien gel­ tenden Enterokokken oder Escheri­ chia coli machen in Wahrheit oftmals nur einen verschwindend kleinen Teil der Darmflora aus. Über 90 Prozent der Darmflora besteht aus Bakterien, die nur zwei Gattungen zuzuordnen sind: Firmicutes (z.B. Clostridium sp., Bacillus sp., Lactobacillus sp.) und Bacteroidetes (Bacteroides, Flavobak­ terien). „Diese Mikroben sind hoch­ spezialisiert auf die Kolonisierung des Dickdarms und haben eine Ko-Evo­ lution mit dem Menschen durchlebt“, erklärt Prof. Gorkiewicz.   Mag. Michael Krassnitzer, MAS/  CliniCum 9/12

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Fotos: Fotolia.com, Högenauer & Gorkiewicz, United States Department of Agriculture

Bereits jetzt haben Forscher zahl­ reiche interessante Zusammenhänge belegt. So hat Prof. Dr. Jeffrey Gor­ don, Leiter des Center for Genome Sciences an der Washington Univer­ sity in St. Louis, USA, den Beweis für einen enormen Einfluss der Darm­ flora auf den Ernährungsstatus er­ bracht. Seine Gruppe transplantierte Darmflora von normalgewichtigen und fettleibigen Mäusen in keimfreie Mäuse, die im Vergleich zu nor­ mal besiedelten Mäusen um 60 Prozent weniger Körperfett ver­ fügen. Jene, denen die Darmflo­ ra der übergewichtigen Mäuse über­ tragen wurde, legten innerhalb von zwei Wochen doppelt so viel Ge­ wicht zu wie jene, denen die Darm­ flora schlanker Mäuse übertragen

sucht auf diese Weise, eine normale Mikroflora zu etablieren.“

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Den bedeutends­ ten Teil des Mikro­ bioms macht die menschliche Darm­ flora aus. Mit einer Oberfläche von rund 400 Quadratmetern ist der Dickdarm die größte Körperoberflä­ che und das am dichtesten von Mi­

Darmfloratransplantation

wurde – und das bei gleicher Ernäh­ rung. „Kein Medikament und keine Diät hat einen derartig großen Ein­ fluss auf das Körpergewicht“, kom­ mentiert Prof. Gorkiewicz. Dr. Alex Khoruts, Gastroente­ rologe an der University of Min­ nesota, USA, hat Darmflora-Trans­ plantationen bereits an Menschen durchgeführt. Am Anfang stand eine Patientin mit einer schweren Infek­ tion mit Clostridium difficile, einem häufigen Krankenhauskeim, der eine schwere Dickdarmentzündung ver­ ursacht. Nachdem er der Frau die Darmflora ihres Ehemannes trans­ plantierte, normalisierte sich ihre Darmentzündung binnen kurzer Zeit. Bei insgesamt 15 derartigen Transplantationen bewirkten zwölf eine Heilung der Patienten. Mögli­ cherweise bietet dieser Ansatz Hil­ fe beim Kampf gegen chronisch ent­ zündliche Darmerkrankungen.

Pro b

Zwei Kilogramm Mikroben

kroorganismen besiedelte mensch­ liche Organ. Bis zu zwei Kilogramm Mikroben leben im menschlichen Darm; 60 Prozent des Stuhls beste­ hen aus Bakterien. Humane Darm­ bakterien produzieren eine Vielzahl von Enzymen, die dem menschli­ chen Genom fehlen. Diese können komplexe Zucker verstoffwechseln oder eine entzündungshemmende Wirkung ausüben. Die Darmbak­ terien beeinflussen die menschliche Gesundheit auf vielfältige Weise. „Die menschliche Darmflora ist ein für die Medizin hochrelevantes For­ schungsgebiet“, betont Prof. Gorkie­ wicz. „In Zukunft werden durch se­ lektive Beeinflussung der Darmflora neue präventive und therapeutische Ansätze möglich werden.“

Schätzungsweise 100 Billionen Mikroorganismen tummeln sich in und auf jedem einzelnen Menschen – das ist ein Vielfaches der körper­ eigenen Zellen. „Diese Mikroben sind ein integraler Bestandteil des Körpers. Ohne sie wäre die Funk­ tionalität des menschlichen Orga­ nismus nicht gewährleistet“, erklärt Ass.-Prof. Dr. Gregor Gorkie­ wicz vom Institut für Pathologie am Zentrum für Angewandte Bio­ medizin, der Med Uni Graz. In An­ lehnung an den Begriff Genom wird die kollektive genetische Informati­ on dieser Kleinstlebewesen „Mikro­ biom“ genannt. Mikroorganismen finden sich an allen Oberflächen, die eine Ver­ bindung mit der Außenwelt haben: Mund, Darm, Haut, Urogenitaltrakt und Respirationstrakt. An jedem dieser Orte ist das Mikrobiom un­ terschiedlich zusammengesetzt, so­ gar wenn diese unmittelbar benach­ bart sind. In der Mundhöhle leben andere Mikroorganismen als in der Speiseröhre, im Dünndarm andere als im Dickdarm, in der Ellenbeuge andere als am Oberarm. Sogar auf der rechten Hand leben andere Mi­ kroorganismen als auf der linken.


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Welche Medikamente sind sicher fürs Baby?

NEUSS – Ein schwerer Schnupfen mit Kopfweh plagt die werdende Mutter. Doch darf sie Nasenspray und Ibuprofen anwenden, ohne ihr Baby zu gefährden? Lockt Salbeitee – gegurgelt gegen Halsschmerz – Wehen herbei? Und was ist mit Antibiotika?

Erst mal Hand aufs Herz: Fragen Sie tatsächlich jede Frau im gebärfähigen Alter, ob sie schwanger ist, bevor Sie Ihr ein Medikament aushändigen? Das „gebärfähige Alter“ umfasst heute eine große Spanne. Nachfragen ist also bei einem Großteil der Patientinnen und Kundinnen angezeigt, unterstreichen Priv.-Doz. Dr. Silke Gronau und Priv.-Doz. Dr. Andreas Neumann von der HNO-Klinik im Lukaskrankenhaus Neuss in der Zeitschrift „HNO“. Sobald Sie bei einer Patientin mit Sinusitis, Pharyngitis, Ohrenweh oder Heuschnupfen eine Schwangerschaft „aufgedeckt“ haben, wird es knifflig. Am liebsten würde man ihr gar nichts geben, um jedes teratogene Risiko auszuschalten, andererseits will die Frau wieder frei atmen können und das quälende Kopf- und Halsweh loswerden.

lungen mit 0,9%igem NaCl – die man natürlich bevorzugt – nicht genügen, helfen abschwellende Nasensprays. Hier hält sich die Rote Liste im Hinblick auf Schwangere bedeckt (Kategorie  5: „ausreichende Erfahrungen  ... beim Menschen liegen nicht vor“), während die FDA sogar eine teratogene Schädigung im Tierversuch anführt. Es gibt jedoch Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Xylometazolin & Co und einer Fruchtschädigung ermittelten. Die Neusser HNO-Ärzte befürworten die Gabe in der Kinder-Dosierung von Xylometazolin 0,05 %, allerdings maximal für sieben Tage. Kortikoidhaltige Nasensprays gegen akute/chronische Sinusitis sind bei werdenden Müttern erlaubt, die meiste Erfahrung liegt für Budesonid vor. Eine Studie mit 6600 Babys, deren Mütter Budesonid inhalierten, ergab keinen Anhalt für Schäden.

 Riskant für Schwangere:

 Neubeginn einer Immuntherapie  Kutantests  Eigenbluttherapie  Botulinumtoxin  Akupunktur nur bei speziellen

Indikationen und großer Erfahrung des Behandlers

Nasentropfen nur in Kinderdosierung Also lavieren Sie sich durch, indem Sie sich an offizielle Empfehlungen halten. Doch was Rote Lis­ te, FDA und AWMF-Leitlinien zu einzelnen Substanzen schreiben, widerspricht sich teils stark. Etwa bei der häufigen akuten und chronischen Sinusitis. Wenn Nasenspü-

Was die banale Erkältung angeht, so sind alle Kombi-Präparate wie Grippostad® oder ASS-KoffeinMischungen kontraindiziert. Viele pflanzliche und homoöpathische Präparate dürfen Sie „streng genommen“ nicht geben. Bei Sinupret® besteht laut Studien jedoch

kein Verdacht auf embryotoxische/ teratogene Wirkung. Ebenso wird Gelomyrtol® als unbedenklich eingestuft, sowie die Hustenmittel Monapax® und Tussamag®. Anders sieht es aus bei Kodein: Gefahr von Missbildungen im ersten Trimenon, Atemdepression des Neugeborenen kurz nach der Geburt und fetale Abhängigkeit bei längerer Anwendung schränken den Gebrauch ein.

Von Antihistaminika nicht verwirren lassen Widersprüchliches findet sich in Sachen Heuschnupfen. Betroffene Schwangere sollte man nach Rat der Autoren mit den gut untersuchten Antihistaminika der zweiten Generation (Loratadin, Cetirizin) behandeln. Die Rote Liste klassifiziert Loratadin je nach Generikum unterschiedlich bis hin zu „kontraindiziert“. Von Leukotrienantagonisten, für die laut FDA keine Hinweise auf Fetus-Schädigung vorliegen, raten die Mediziner wegen fehlender Daten dagegen ab. Zwecks Pollenreduktion sollte die Patientin nach ihrer Empfehlung Kochsalzspülungen der Nase durchführen, auch Natriumchromoglicat-Nasenspray darf sie benutzen.

NSAR nicht in den letzten acht Wochen Was ist nun mit den Halsschmerzen bei Pharyngitis und Tonsillitis? Mundspüllösungen sind nach den genannten Bewertungen kontraindiziert – obwohl sie kaum resorbiert werden. Auch vom Salbeitee raten manche Ärzte ab, wegen wehenfördernder Wirkung „in gro­ßen Mengen“. Angaben über die riskanten Mengen suche man aber vergeblich,

kritisieren die HNO-Ärzte. Sie jedenfalls bevorzugen lokale Spüllösungen unbedingt gegenüber systemischen Pharmaka. Ibuprofen und Paracetamol dürfen werdende Mütter nehmen. Nichtsteroidale Antiphlogistika dagegen sind in den letzten acht Schwangerschaftswochen verboten – wegen der Gefahr eines Ductus-arteriosus-Verschlusses und einer pulmonalen Hypertonie beim Kind. Was die Antibiotikatherapie angeht, sollten Substanzen gewählt werden, für die lange Erfahrungen vorliegen, wie Penicilline und Cephalosporine. Neben der Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis gilt dies auch für die Laryngitis. Werden bei Letzterer Steroide nötig, bevorzugt man Prednisolon, das in der Plazenta enzymatisch inaktiviert wird und den Fetus nur in geringer Konzentration erreicht. Cave im ersten Trimenon: Glukokortikoide steigern die Gefahr der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Kortisoneffekte im zweiten/dritten Trimenon reichen von Wachstumsretardierung und Hypoglykämie des Fetus bis zur Frühgeburt. Allgemein gelten aber Dosen von 10 bis 15 mg/Tag als nicht stark risikobehaftet.

Gentamicin-Tropfen kurzfristig erlaubt Kontroversen gibt es zur Therapie der Otitis externa, da alle gängigen Externae als kontraindiziert gelten. Gentamicin-haltige Tropfen darf man aber wohl kurzzeitig geben, da Aminoglykoside bei dieser Anwendung kaum in den Blutkreislauf der Mutter gelangen. Auch desinfizierende Gehörgangsstreifen sollten nach Meinung der Autoren

Foto: Fotolia.com

Schnupfen & Co bei Schwangeren

HNO-Apotheke für werdende Mütter Die persönliche Positivliste zur medikamentösen Behandlung von Dr. Gronau und Dr. Neumann sieht folgendermaßen aus: „sicher“  Penicillin, Amoxicillin, Cefazolin,

Erythromycin  Cromoglycin, Budesonid „sicher, wenn nötig“  Clindamycin, Ciprofloxacin/Genta-

micin topisch  Cetirizin, Loratadin, Clemastin  Xylometazolin 0,05 % topisch

(max. 7 Tage)  Acetylcystein, Ambroxol  Paracetamol, Ibuprofen  Prednisolon  Aciclovir

erlaubt sein. Bei Haarfärbemitteln – sehr viel unwägbareren „Externa“ – machen sich die meisten Schwangeren gar keine Sorgen, merken die Mediziner an. Manchmal müssen bei Otitis externa auch systemische Antibiotika ran. Bei Otomykosen dürfen Clotrimazolstreifen verwendet werden. CG S. Gronau, A. Neumann, HNO 2012; 7: 637–648

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Phytotherapeutische Interventionen bei Migräne

Erstaunliche Erfolge dokumentiert tur, Physikalische Therapien und Entspannungsverfahren. Begründet wurde der Einsatz komplemenärer Methoden mit dem Wunsch, selbst aktiv zu werden, nichts unversucht zu lassen, und mit der Hoffnung, nicht auf Dauer auf eine Pharmakotherapie angewiesen zu sein.

Migräne-Attacken: Was hilft? Wenn man eine phytotherapeutische Intervention in Betracht zieht und den Nutzen beurteilen will, sollte man wissen, was schulmedizinische Therapien leisten, sagte Dr. Charly Gaul. Entscheidendes Kriterium ist die Schmerzfreiheit nach zwei Stunden. Dieses Ziel erreichen  44 % der Patienten mit 1000 mg ASS i.v.,  41 % mit 10 mg Rizatriptan,  31 % mit 5 mg Zolmitriptan und  26 % mit 400 mg Ibuprofen. Für die Anwendung von Pfefferminzöl bei Migräne bzw. Span-

nungskopfschmerz sprechen zwei kleine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien. Migräne: Den primären Endpunkt (Schmerzfreiheit nach zwei Stunden) erreichten 38,3 % der Patienten mit einer auf Stirn und Schläfen aufgetragenen alkoholischen Menthol-Lösung (10 %) vs. 12,1 % mit Placebo (0,5 % Menthol).Zur Schmerzreduktion kam es nach zwei Stunden bei 58,3 % (vs. 17,2 %). Eine anhaltende Schmerzfreiheit hatten 33,3 % (vs. 12,1 %). Auch beim Spannungskopfschmerz zeigte Pfefferminzöl nach 15 und 60 Minuten eine signifikant überlegene Wirkung (vs. Placebo) und erwies sich als gleich wirksam wie 1000  mg Paracetamol. Unter Pfefferminzöl hilft bei Migräne und Spannungskopfschmerz. der Kombination kam es zu einem additiven Effekt. suchungen sowohl mit Pestwurz ischen Leitlinien empfohlen. Auch Prophylaxe der Migräne als auch mit Mutterkraut. Pest- Mutterkraut zeigt einen milden proRW/red wurz wird als Prophylaktikum der phylaktischen Effekt. Im Hinblick auf Phytothera- 2. Wahl sowohl von den D-A-CH- 1 Gaul C et al., Cephalalgia 2009 Oct; peutika existieren kleinere Unter- Leitlinien als auch von den europä- 29(10): 1069–78

Die Nr. 1 bei Spannungskopfschmerz und Migräne.1

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TY; 11.08.2010; Dok.Nr. 40/2010 Quelle: IMS Offtake 02A1, in Stück 2011, Basis: Tabletten

Um die Frage zu klären, welche Rolle die komplementäre und alternative Medizin (CAM) im Management der Migräne spielen, führte der Referent eine Fragebogen-Studie durch.1 Dabei war von besonderem Interesse, welche Art von Intervention die Kopfschmerzpatienten (n = 448) einsetzten – und weshalb. Die im Durchschnitt 40 Jahre alten Patienten (drei Viertel weiblich) litten seit durchschnittlich 16 Jahren unter Kopfschmerzen. Bei > 70 % handelte es sich um eine Migräne, durch die sie sich stark beeinträchtigt fühlten. 81,7 % bestätigten die Anwendung von komplementärmedizinischen Behandlungen, bei 71,1 % handelte es sich um eine additive Therapie. Als medikamentöse Intervention kam in erster Linie Homöopathie zur Anwendung (23,1 %), daneben auch Enzymtherapie (7,4 %) und Phytotherapie (5,6 %). Bei den nichtmedikamentösen Behandlungen dominierten Akupunk-

K.O. dem Schmerz! Die Dreierkombination (Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Koffein) wie sie z. B. in Thomapyrin® enthalten ist, ist die hervorgehobene Empfehlung und Mittel der 1. Wahl aller deutschsprachigen Kopfschmerzgesellschaften.2 Leitlinie: Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp – Evidenzbasierte Empfehlungen der DMKG, DGN, ÖKSG und SKG. Nervenheilkunde 2009;28:382-397

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Fachkurzinformation auf Seite 14 21.08.12 15:50

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BADEN AG – Die Migräne wird für Betroffene oft über Jahre oder Jahrzehnte zum unfreiwilligen Begleiter. Mehrere Attacken pro Monat sind keine Seltenheit. Häufig suchen Patienten daher neben klassischen schulmedizinischen Präparaten ergänzend komplementärmedizinische Hilfe. Über die Möglichkeiten einer phytotherapeutischen Therapie berichtete Dr. Charly Gaul, Universitätsklinikum Essen, anlässlich der 26. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie.


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Politik & Wirtschaft 4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

News Öffnungszeiten

  Der OTC-Markt in Österreich* Foto: Till Krüger

u Husten- und Erkältungsmittel  29,95 % u Schmerz- und Rheumamittel  14,42 % u Magen- und Verdauungsmittel  11,91 % u Haut- und Schleimhautmittel  11,65 % u Vitamine/Mineralstoffe/Nahrungszusätze  6,13 % u Herz- und Kreislaufmittel  5,42 % u Augenpräparate  4,34 % u Mittel für Blase und Fortpflanzungsorgane  3,69 % u Tonika/Geriatrika/Melisse/Immunstimulanzien  3,33 % u Beruhigungs- und Schlafmittel/Stimmungsaufheller 3,14 %

Fotos: Fotolia.com, IGEPHA

* Stand 01.07.2012, Angaben in % vom Gesamtmarkt 2011

Studie zeigt großes Potenzial bei rezeptfreien Medikamenten

OTC-Niveau ist ausbaufähig WIEN – Dass OTC-Präparate die Budgets der Krankenkassen ent­ las­ten, ist hinlänglich bekannt. Wie stark dieser Effekt ist, zeigt ein Gutachten, das anlässlich der IGEPHA-Jahrestagung präsentiert wurde. So würde ein kompletter Verzicht auf OTC-Präparate zusätzliche Kosten in Höhe von 2,3 Mrd. Euro verursachen. „Auch wenn man von sehr vorsichtigen und konservativen Szenarien ausgeht, kann man sagen, dass die Anwendung von OTC-Präparaten noch große Potenziale bietet“, erklärte Mag. Alfred Grün, Präsident der IGEPHA, anlässlich der Präsentation der Untersuchung. Für ihr Gutachten analysierten die beiden Gesundheitsökonomen Dr. Uwe May und Mag. Cosima Bauer die Bedeutung der OTC-Präparate in der österreichischen Gesundheitsversorgung. „Es stellt sich so dar, dass wir in Österreich noch ein ziemlich niedriges, ausbaufähiges Niveau der Anwendung von OTC-Präparaten haben“, erklärte Mag. Bauer einleitend. Im Vergleich mit Ländern wie Deutschland oder Großbritannien hat Öster-

reich ein ganz anders ausgeprägtes OTC-Klima. „Das könnte zu einem Teil daran liegen, dass die Eigenverantwortung in Österreich anders definiert wird oder dass weniger Präparate rezeptfrei erhältlich sind“, führte Mag. Bauer aus. So gibt es in Österreich nur 93 rezeptfreie Arzneimittelwirkstoffe. In Spanien und Frankreich sind 105 Wirkstoffe rezeptfrei, in Deutschland sind es 123 und in Großbritannien sogar 127.

Szenario: Arzt statt OTC Um darzustellen, wie wichtig OTC-Präparate bei geringfügigen Erkrankungen für das österreichische Gesundheitssystem sind, berechneten die beiden Wissenschaftler mithilfe eines Simulationsmodells, was passieren würde, wenn die vorhandene OTC-Versorgung ganz oder teilweise durch Arztkontakte ersetzt werden würde. Unter der Annahme, dass zehn Prozent der OTC-Fälle durch Arztkontakte und Verschreibungen substituiert würden, wäre folgendes Szenario gesundheitsökonomisch zu bewältigen: Studienautoren Bauer und May: „Die Österreicher zeichnen sich durch einen risiko- und verantwortungsbewussten Umgang mit OTC-Präparaten aus.“

IGEPHA-Präsident Grün: „Wir wollen einen konstruktiven Dialog in Gang setzen.“

u 8,9

Mio. Arztkontakte im Wert von 179 Mio. Euro wären zusätzlich abzuwickeln. u 11,4 Mio. Verordnungen im Wert von 171 Mio. Euro (inklusive RX-Gebühr) müssten ausgestellt werden. Ein vollständiger Verzicht auf OTC-Präparate würde sogar zusätzliche Arztkosten von 1,3 Mrd. Euro und Verordnungskosten von zirka 1 Mrd. Euro pro Jahr verursachen. Der damit verbundene Ansturm von Patienten in die Arztpraxen würde für die Ärzte 13 Mio. zusätzliche Arbeitsstunden verursachen und wäre von der Ärzteschaft bzw. dem Gesundheitssystem gar nicht zu bewältigen, erklärten die beiden Autoren. In dem Gutachten heißt es weiter, dass durch einen vollständigen Verzicht auf OTC-Präparate volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von rund 730 Mio. Euro zu verkraften wären (inklusive therapie- und krankschreibungsbedingter Arbeitsausfälle). „Wenn OTC das beste Mittel der Wahl ist, dann wäre alles andere Ressourcenverschwendung“, kommentierte Dr. May diese Ergebnisse.

Nutzen-Risiko-Analyse Den Österreichern bescheinigten die beiden Wissenschaftler einen

sehr restriktiven sowie risiko- und verantwortungsbewussten Umgang mit OTC-Präparaten. Dr. May betonte, dass bei der Analyse des Nutzen-Risiko-Verhältnisses zwischen den Gefahren der Arzneimittelanwendung und solchen der Selbstbehandlung unterschieden werden müsse. „Wenn Fälle zitiert werden, wo bei Patienten im Zuge der OTCAnwendung von Aspirin eine Nebenwirkung auftrat, ist dem entgegenzuhalten: Was wäre, wenn derselbe Patient Aspirin verordnet bekommen hätte?“, so Dr. May.

Ressourcen besser nutzen Die Schlussfolgerung der beiden Studienautoren: Durch gezielte Steuerung sei eine Erhöhung des Stellenwertes von OTC-Anwendungen in Österreich möglich, und diese sei auch gesundheitsökonomisch zu empfehlen. Ziel sei nicht eine Reduktion des ärztlichen Ressourceneinsatzes und der Arzthonorare, sondern eine effiziente Verlagerung von der stationären zur ambulanten Behandlung und von der ambulanten Behandlung zur OTC-Anwendung. Dadurch wären Ärzte in der Lage, sich auf die schwererwiegenden Fälle zu konzentrieren. „Wir hoffen, auf Basis dieses Gutachtens einen konstruktiven Dialog in Gang setzen zu können“, erklärte IGEPHA-Präsident Mag. Grün abschließend. Mittels ausbalancierter Lösungen könne für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation geschaffen werden. TAS IGEPHA Generalversammlung und Jahrestagung 2012; Wien, September 2012

WIEN – Im Streit um die Apothekenöffnungszeiten in Wien gab es eine überraschende Wende. Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely verkündete, in den kommenden Wochen einen Verordnungsentwurf in Begutachtung schicken zu wollen, mit dem die bisherigen Öffnungszeiten der Apotheken dem Handel angepasst werden sollen. Die Stadträtin betonte, dass keine Öffnungspflicht bestehen würde, sondern nur eine Öffnungsmöglichkeit. Zuvor hatte der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) zunächst entschieden, dass die Betriebszeitenverordnung der MA 40 (Sozial- und Gesundheitsrecht) nur die Mindestöffnungszeiten festlege. Kurz darauf hatte der UVS auch den von der MA 40 angestrebten Konzessionsentzug für eine Wiener Innenstadtapothekerin aufgehoben, die in den letzten Jahren gegen die Betriebszeitenverordnung verstoßen hatte. Die Stadträtin betonte, die Stadt Wien sei aufgrund des Entscheides des UVS dazu verpflichtet gewesen, diesen zu prüfen und für die Apotheken so rasch wie möglich Rechtssicherheit zu schaffen.

Mehr Transparenz BRÜSSEL – Der Europäische Arzneimittelherstellerverband (EFPIA) will ab 2015 alle Zahlungen an Ärzte und Wissenschaftler offenlegen. In einem Interview mit dem deutschen Tagesspiegel meinte der EFPIAVizepräsident Stefan Oschmann, künftig müsse „jedes Unternehmen, das Arzneimittel an das öffentliche Gesundheitssys­ tem liefert, Informationen zu den an Ärzte und Forscher geleisteten Zahlungen und vergebenen Geschenken, unabhängig von ihrem Wert veröffentlichen.“

Günstige Medikamente WIEN – Gemäß einer Studie des Institutes für Pharmaökonomische Forschung sind Arzneimittel in Ös­terreich verhältnismäßig güns­ tig. Während der Arzneimittelverkaufspreis pro Packung hierzulande 16,62 Euro beträgt, zahlt man in Deutschland im Schnitt 28,01 Euro und in Dänemark sogar 38,20 Euro. Auch beim Medikamentenverbrauch liegt Österreich im Vergleich mit den EU-15-Ländern und der Schweiz in der unteren Hälfte. Dr. Christian Müller-Uri, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, meinte dazu in einer Aussendung, er halte es gesundheitspolitisch für bedenklich „den Medikamentenkonsum durch eine Änderung der Vertriebswege künstlich anzukurbeln.“


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Politik & Wirtschaft

Apo-Portrait

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Spezieller Service für HIV-Positive & Gehörlose

Mit vollem Einsatz Mag. Karin Simonitsch ist Apothekerin in der dritten Generation. Im Jahr 1992 begann sie in der damals noch von ihrer Mutter geführten Marienapotheke zu arbeiten. 1999 pachtete sie die Apotheke und seit 2010 ist sie auch die Konzessionärin der Apotheke.

Beratung für HIV-Positive Die Entwicklung der Marienapotheke ist sehr eng mit dem Leben von Mag. Simonitsch verbunden. Im Jahr 1994 erhielt sie einen Anruf von einem Freund, der sie um Hilfe bat. Sein Lebensgefährte hatte AIDS im Endstadium und wollte zu Hause sterben. „Damals waren die Therapien noch nicht so gut wie heute und die Menschen starben viel früher“, so Mag. Simonitsch. Ein Arzt und eine diplomierte Pflegerin standen dem betroffenen Paar gemeinsam mit der Apothekerin zur Seite. Zusammen mit seinem Lebensgefährten begleiteten sie den Sterbenden in seinen letzten Lebenswochen. „Das war nicht nur sehr arbeitsaufwändig – teilweise telefonierten wir siebenbis achtmal am Tag miteinander, wenn ein neues Problem auftauchte –, sondern auch gefühlsmäßig überaus fordernd“, berichtet Mag. Simonitsch. Sie begann sich in das Thema einzulesen und nahm mit verschiedenen Ärzten und Zentren, die HIV-Positive betreuten, Kontakt auf. Ihr Engagement sprach sich herum und schon bald suchten andere HIV-Positive die Marienapotheke auf, wenn sie Medikamente oder eine genaue Beratung benötig­ten. Mittlerweile hat Mag. Simonitsch hier einen treuen Stammkundenkreis gefunden. Die Betreuung HIV-Positiver verlangt der Apothekerin auch einiges

ab und ist nicht selten mit einem finanziellen Risiko verbunden. So erinnert sich Mag. Simonitsch an eine Frau zurück, die aus Tschetschenien geflüchtet war. „Sie war auf der Flucht vergewaltigt und geschwängert worden“, erzählt die Apothekerin. Im Rahmen der vorgeburtlichen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sie auch HIV-positiv war. „Dann stand die Sozialarbeiterin bei mir in der Apotheke und bat mich ihr zu helfen, weil die Frau jederzeit niederkommen konnte und Medikamente sowohl für sich als auch für das Kind gleich nach der Geburt benötigte“, so Mag. Simonitsch. Da die Frau erst seit Kurzem Die Apotheke von Mag. Karin Simonitsch ist nicht nur eine Augenweide, ihr eigenes Engagement und das ihres Teams in Österreich war, hatte sie zwar macht sie auch zu einem Gesundheitszentrum für Kunden, die spezielles Verständnis bei der Beratung benötigen. ein Rezept in der Hand, aber noch keine Sozialversicherungsnummer. kamente auf Lager haben. Mag. Si- ling etwas erklärt, dann macht man für die gehörlosen Kunden, weil sie „Ich habe ihr die Medikamente auf monitsch appelliert daher an ihre es und spricht nebenbei. Bei einem in ihrer eigenen Sprache ihre Promein eigenes Risiko mitgegeben. Standesgenossen, sich die nötigen gehörlosen Lehrling muss ich es bleme „besprechen“ können. Das Die Verrechnung mit der Sozialver- Medikamente auf Lager zu legen, ihm zuerst in der Gebärdensprache Echo darauf ist sehr positiv. „Dabei sicherung haben wir nachgeholt, als um im Notfall Menschenleben ret- erklären und es dann machen. Das ist uns aufgefallen, dass es für einisie schließlich eine Sozialversiche- ten zu können. kann etwas länger dauern, ist aber ge pharmazeutische Ausdrücke keirungsnummer hat­te“, erzählt Mag. kein Problem“, so Mag. Simonitsch. ne entsprechenden Gebärden gibt“, Teamarbeit mit Simonitsch. Mittlerweile hat dieser Lehrling sei- berichtet die Apothekerin. Daher Gebärdensprache ne Abschlussprüfung bestanden wäre es ihr Wunsch, dass solche GeRasche Hilfe bei PostDoch nicht nur das Engagement und arbeitet als vollwertiger PKA bärden entwickelt und in die Geexpositionsprophylaxe für HIV-positive Menschen zeich- in der Marienapotheke. Mag. Simo- bärdensprache, die eine lebendige Ein wichtiges Thema in diesem net die Apothekerin aus. Vor fünf nitsch bildet derzeit den zweiten ge- Sprache ist, integriert würden. „Das wäre ein interessantes Uni-Projekt“, Zusammenhang ist die „postexpo- Jahren ergab sich für Mag. Simo- hörlosen Lehrling aus. Da inzwischen auch alle ihre Mit- so Mag. Simonitsch. Für die Medisitionelle Prophylaxe“ (PEP). Die- nitsch die Möglichkeit, einen gehörse Medikamente werden immer losen PKA-Lehrling auszubilden. arbeiter die Gebärdensprache kön- zin gibt es übrigens viele spezifische TAS nach einer Vergewaltigung oder ei- Um mit dem Lehrling auch kom- nen, ist das ein besonderes Service Gebärden. ner Körperverletzung mit einer blu- munizieren zu können, lernte schon tenden Wunde benötigt, bei der der bald das ganze Team die GebärdenTäter flüchtig ist und man nicht sprache. „Gehörlose sind ganz tolle weiß, ob er HIV-positiv ist. „Das Mitarbeiter, die zwar nicht zum TeOpfer benötigt die Medikamente lefon gehen können, die aber auch  Marienapotheke innerhalb von sechs bis 24 Stunden, nicht durch ständige Fragen und Schmalzhofgasse 1 um einer etwaigen Ansteckung vor- allgemeiner Hektik von ihrer Ar 1060 Wien zubeugen“, erklärt die Apothekerin. beit abgelenkt werden“, schildert sie  www.marienapo.eu Gerade am Wochenende kann das ihre Erfahrungen. Anfangs musste  Spezielle Beratungen für HIV-positive zu einem Problem werden, da nicht sie sich in ihrer Arbeit etwas umgeund gehörlose Kunden alle Apotheken diese teuren Medi- wöhnen. „Wenn man einem Lehr-

Fotos: Marienapotheke

WIEN – Die Marienapotheke in Wien ist schon lange für ihr besonderes Engagement für HIV-positive Menschen bekannt. Doch das Herz der Apothekerin Mag. Karin Simonitsch schlägt auch für ihre gehörlosen Mitmenschen. Wir sprachen mit der Pharmazeutin, wie es zu dieser außergewöhnlichen Einsatzbereitschaft kam.

Steckbrief

Antibiophilus® Kapseln, Antibiophilus® Beutel; Zusammensetzung: 1 Kapsel zu 250 mg bzw. 1 Beutel zu 1,5 g enthält lebensfähige Keime von Lactobacillus casei, var. rhamnosus mit einer Mindestkeimzahl von 10^9 pro Gramm. Hilfsstoffe: Kapseln: Kartoffelstärke, Lactose, Maltodextrine, Natriumthiosulfat, Natriumglutamat, Magnesiumstearat; Gelatine, Titandioxid E-171; Beutel: Kartoffelstärke, Lactose, Maltodextrine. Anwendungsgebiete: Durchfälle unterschiedlicher Genese, insbesondere auch Behandlung von durch Antibiotikatherapie oder durch Strahlenbehandlung bedingten Durchfällen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile. Die Informationen bez. Warnhinweisen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Abgabe: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. ATC-Klasse: A07FA01. Zulassungsinhaber: Germania Pharmazeutika GesmbH, 1150 Wien.

Calmaben-Dragees. Zulassungsinhaber und Hersteller: Pharm. Fabrik Montavit Ges.m.b.H., 6060 Absam/Tirol. Zusammensetzung: 1 Dragee enthält 50 mg Diphenhydraminhydrochlorid. Anwendungsgebiete: zur Kurzzeitbehandlung von Ein- und Durchschlafstörungen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Diphenhydraminhydrochlorid, gegenüber anderen Antihistaminika oder einem der weiteren Bestandteile des Arzneimittels, akuter Asthma-Anfall, Phäochromozytom, Engwinkelglaukom, Prostatahypertrophie mit Restharnbildung, Anfallsleiden (Epilepsie), angeborenes langes QT-Syndrom, Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, gleichzeitige Verabreichung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG verlängern können, Hypomagnesiämie, Hypokaliämie, gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder Alkohol, Kinder unter 12 Jahren, Schwangerschaft und Stillzeit. Abgabe: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen/Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Candesartan 1A Pharma 4/ 8/ 16/ 32 mg – Tabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine Tablette enthält 4/ 8/ 16/ 32 mg Candesartancilexetil. Sonstiger Bestandteil: Jede Tablette enthält 73,94/ 69,57/ 139,14/ 278,27 mg Lactose-Monohydrat. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten, rein. ATC-Code: C09C A06. Anwendungsgebiete: Candesartan 1A Pharma ist angezeigt zur Behandlung der essenziellen Hypertonie bei Erwachsenen; zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Herzinsuffizienz und eingeschränkter linksventrikulärer systolischer Funktion (linksventrikuläre Ejektionsfraktion ≤40%) zusätzlich zu einer Behandlung mit Angiotensin Converting Enzyme (ACE)-Hemmern oder wenn ACE-Hemmer nicht toleriert werden. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Candesartancilexetil oder einen der sonstigen Bestandteile. Zweites und drittes Schwangerschaftstrimester. Schwere Einschränkung der Leberfunktion und/oder Cholestase. Liste der sonstigen Bestandteile: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Povidon K-30, Carrageen, Croscarmellose-Natrium, Magnesiumstearat (Ph. Eur.), Eisenoxid rot (E172) (nur 8, 16 und 32 mg Tabletten), Titandioxid (E171) (nur 8, 16 und 32 mg Tabletten). Inhaber der Zulassung: 1A Pharma GmbH, A-1020 Wien, Österreich. Verschreibungs-/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: Dezember 2010. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten, sowie Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Candesartan/HCT 1A Pharma 8 mg/12,5 mg – Tabletten, Candesartan/HCT 1A Pharma 16 mg/12,5 mg – Tabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Candesartan/HCT 1A Pharma 8 mg/12,5 mg – Tabletten: 1 Tablette enthält 8 mg Candesartancilexetil und 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Jede Tablette enthält 84 mg Lactose-Monohydrat. Candesartan/HCT 1A Pharma 16 mg/12,5 mg – Tabletten: 1 Tablette enthält 16 mg Candesartancilexetil und 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Jede Tablette enthält 76 mg Lactose-Monohydrat. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten + Diuretika. ATC-Code: C09DA06. Anwendungsgebiete: Candesartan/HCT 1A Pharma ist angezeigt zur Behandlung der essenziellen Hypertonie bei erwachsenen Patienten, deren Blutdruck mit einer Candesartancilexetil- oder Hydrochlorothiazid-Monotherapie nicht optimal kontrolliert werden kann. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile oder gegen Sulfonamid-abgeleitete Wirkstoffe. Hydrochlorothiazid ist ein Sulfonamid-abgeleiteter Wirkstoff. Zweites und drittes Schwangerschaftstrimester. Schwere Einschränkung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min/1,73 m2 KO). Schwere Einschränkung der Leberfunktion und/oder Cholestase. Therapieresistente Hypokaliämie und Hyperkalzämie. Gicht. Liste der sonstigen Bestandteile: Candesartan/HCT 1A Pharma 8 mg/12,5 mg – Tabletten: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Povidon K-30, Carrageen, Croscarmellose-Natrium, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich] Candesartan/HCT 1A Pharma 16 mg/12,5 mg – Tabletten: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Povidon K-30, Carrageen, Croscarmellose-Natrium, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich], Eisenoxid rot (E172), Eisenoxid gelb (E172). Inhaber der Zulassung: 1A Pharma GmbH, A-1020 Wien, Österreich. Verschreibungs-/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: Juni 2011. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten, sowie Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Ibumetin forte 400 mg-Filmtabletten. Zusammensetzung (arzneilich wirksame Bestandteile nach Art und Menge): 1 Filmtablette enthält 400mg Ibuprofen. Anwendungsgebiete: Zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen, wie z.B. Gelenksschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen oder Schmerzen bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Ibuprofen und anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) bzw. Analgetika (z.B. Asthmaanfälle, akute Rhinitis, Hautreaktionen nach Einnahme von Acetylsalizylsäure), hämorrhagische Diathese, Hämatopoese-Störungen. Bestehende Magen- und Darm-Ulcera. Schwere Herzinsuffizienz. Schwere Niereninsuffizienz. Leberzirrhose. Letztes Schwangerschaftsdrittel. Frühere, gastrointestinale Blutungen oder Perforationen nach NSAID Therapie. Zwei oder mehrere Episoden nachgewiesener gastrointestinaler Blutungen oder Ulcera. Bei bestehendem systemischem Lupus erythematodes und anderen Autoimmunerkrankungen sollte Ibuprofen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verordnet werden. Vorsicht bei Patienten mit Asthma, Heuschnupfen und chronischen Atemwegsinfektionen, schweren hepatischen, renalen oder cardialen Erkrankungen, schwerer Hypertonie, Magen-Darm-Blutungen oder Ulcera in der Vorgeschichte. Pharmakodynamische Eigenschaften: ATC-Code: M01AE01. Pharmakotherapeutische Gruppe: Nichtsteroidale Antiphlogistika und Antirheumatika. Hilfsstoffe: Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, Natriumlaurylsulphat, Lactose, Croscarmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose, Hydroxypropylmethylcellulose, Talk, Methocel und Farbstoff E171. Name oder Firma und Anschrift des Pharmazeutischen Unternehmers: Nycomed Austria GmbH, St.-Peter-Straße 25, 4020 Linz. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rpfrei mit W 10, apothekenpflichtig. Informationen zu Besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. [0409]

Mucosolvan® 7,5 mg / 1 ml - Lösung, Mucosolvan® 15 mg / 5 ml - Saft für Kinder, Mucosolvan® 30 mg / 5 ml - Saft, Mucosolvan® 30 mg - Tabletten, Mucosolvan® retard 75 mg - Kapseln, Mucosolvan® 15 mg - Lutschpastillen. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Mucosolvan® 7,5 mg / 1 ml - Lösung 1 ml Lösung enthält 7,5 mg Ambroxolhydrochlorid. 1 ml Lösung enthält 0,225 mg Benzalkoniumchlorid, 4,35 mg Natriummonohydrogenphosphat Dihydrat sowie 6,22 mg Natriumchlorid. Liste der sonstigen Bestandteile: Benzalkoniumchlorid, Zitronensäure, Natriummonohydrogenphosphat Dihydrat, Natriumchlorid, gereinigtes Wasser. Mucosolvan® 15 mg / 5 ml - Saft für Kinder 5 ml Saft enthalten 15 mg Ambroxolhydrochlorid. 5 ml Saft enthalten 1,225 g Sorbitol. Liste der sonstigen Bestandteile: Benzoesäure, Sorbitollösung 70 %, Hydroxyethylcellulose, Glycerol, Acesulfam-Kalium, Waldbeeraroma, Vanillearoma, gereinigtes Wasser. Mucosolvan® 30 mg / 5 ml - Saft 5 ml Saft enthalten 30 mg Ambroxolhydrochlorid. 5 ml Saft enthalten 1,225 g Sorbitol. Liste der sonstigen Bestandteile: Benzoesäure, Sorbitollösung 70 %, Hydroxyethylcellulose, Glycerol, Acesulfam-Kalium, Erdbeer-Sahne-Aroma, Vanillearoma, gereinigtes Wasser. Mucosolvan® 30 mg - Tabletten: 1 Tablette enthält 30 mg Ambroxolhydrochlorid. 1 Tablette enthält 171 mg Laktose-Monohydrat. Liste der sonstigen Bestandteile: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Mucosolvan® retard 75 mg - Kapseln: 1 Kapsel enthält 75 mg Ambroxolhydrochlorid. Liste der sonstigen Bestandteile: Kapselinhalt: Crospovidon, Carnaubawachs, Stearylalkohol, Magnesiumstearat Kapselhülle: Gelatine, Farbstoffe Erythrosin (E127), Indigotin I (E132), Titandioxid (E171), gelbes und rotes Eisenoxid (E172). Mucosolvan® 15 mg - Lutschpastillen: 1 Lutschpastille enthält 15 mg Ambroxolhydrochlorid. 1 Lutschpastille enthält 922 mg Kohlenhydrate, davon bis zu 523 mg Sorbitol und bis zu 25 mg Mannitol. Liste der sonstigen Bestandteile: Arabisches Gummi, Sorbitol, Karion 83 (Sorbitol, Mannitol, hydrogenierte Oligosaccharide), Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Saccharin Natrium, dünnflüssiges Paraffin, gereinigtes Wasser Ambroxol ist ein Expektorans. Untersuchungen zeigten sekretolytische und sekretomotorische Effekte im Bereich des Bronchialtraktes. Anwendungsgebiete: Zur Unterstützung bei akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, die mit gestörter Sekretbildung und erschwertem Sekrettransport einhergehen. Mucosolvan 7,5 mg / 1 ml - Lösung, Mucosolvan 15 mg / 5 ml - Saft für Kinder und Mucosolvan 30 mg / 5 ml - Saft werden angewendet bei Erwachsenen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. Mucosolvan 30 mg - Tabletten und Mucosolvan retard 75 mg - Kapseln werden angewendet bei Erwachsenen und Jugendlichen. Mucosolvan Lutschpastillen werden angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Ambroxolhydrochlorid oder einen der sonstigen Bestandteile. Bei Patienten mit seltenen hereditären Zuständen, bei denen Bestandteile des Arzneimittels zu Unverträglichkeit führen, ist die Anwendung von Mucosolvan 15 mg /5 ml - Saft für Kinder, Mucosolvan 30 mg/5 ml - Saft, Mucosolvan 30 mg - Tabletten und Mucosolvan 15 mg - Lutschpastillen kontraindiziert. INHABER DER ZULASSUNG: Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Dr. Boehringer-Gasse 5 11, 1121 Wien. REZEPTPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT: Apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.


Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Service

Steuertipp

Gesundheitspolitisches Forum

Die Renditekiller: Diebstahl und Warenschwund

Diskussion: Gesünder durch Anreizsysteme?

Seitdem Apotheken sich zunehmend breiter am Markt aufstellen und neue Produktreihen in ihr Sortiment aufnehmen, wird auch der Kampf gegen Warenschwund immer wichtiger. Unehrliche Mitarbeiter und Kassenmanipulation kommen zwar in der Apothekenpraxis nach wie vor eher selten vor, sind jedoch im Anlassfall dafür umso unangenehmer. In einem Seminar des Österreichischen Apothekerverbandes zum Thema „Warendiebstahl und Kassamanipulation“ wurden daher Tipps zur Vorbeugung und zum Verhalten im Anlassfall gegeben. Renditekiller Warenschwund Dass der Warenschwund in der Apotheke kein apothekenspezifisches Problem ist, zeigt die Statis­ tik. Der Warenschwund bei Gesundheits- und Schönheitsartikeln gehört neben Mode- und Lebensmittelgeschäften zu jenen Branchen, die am stärksten davon betroffen sind. Die wesentlichen Gründe für den Warenschwund sind der Ladendiebstahl durch Dritte, leider auch Vergehen durch das Apothekenpersonal sowie interne Fehler in der Organisation bzw. durch die EDV. Statistische Erhebungen über den Schwund im Einzelhandel in Österreich zeigen, dass zirka ein Prozent des Bruttojahresumsatzes eines Unternehmens durch Schwund verloren geht. Auf eine Median-Apotheke mit einem jährlichen Umsatz von rund 2,7 Mio. Euro bezogen, bedeutet das einen jährlichen Schaden von rund 27.000 Euro für die Apotheke. Was tun mit unehrlichen Mitarbeitern? Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen reichen von der Entlassung, der Kündigung durch den Dienstgeber bis zur einvernehmlichen Auflösung. Da die Entlassung unter bestimmten, gesetzlich

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Mag. Andreas Sobotka

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vorgeschriebenen Rahmenbedingungen erfolgen muss (z.B.: strenge Beweispflicht, Unverzüglichkeit der Aussprache der Entlassung,…), wird oft auf eine Dienstgeberkündigung oder eine einvernehmliche Auflösung ausgewichen. Steuerliche Konsequenzen Jeglicher Diebstahl führt automatisch zu einem Problem in der Kalkulation. Sowohl durch Kassenmanipulationen als auch durch den Warenschwund fehlen der Apotheke Umsatzerlöse. Aus Sicht des Betriebsprüfers wird erfahrungsgemäß die Verantwortung zunächst beim Unternehmer gesucht. Der Apotheke drohen daher im Rahmen der steuerlichen Betriebsprüfung Zuschätzungen, die sowohl einkommensteuerliche als auch umsatzsteuerliche Konsequenzen haben. Der Unternehmer sollte daher jeglichen Diebstahl so detailliert wie möglich aufzeichnen. Der Diebstahl oder Schwund wird vom Steuerberater auf eigenen Konten verbucht, sodass diese gegenüber der Finanz offengelegt sind. Ob der Diebstahl bei der Polizei angezeigt werden sollte, wird von der Höhe des Schadens abhängen. Tipps zur Vorbeugung Die wichtigsten Maßnahmen zur Prävention von Diebstählen liegen im organisatorischen Bereich:  Analysieren Sie Abläufe und Prozesse.  Schaffen Sie klare Regelungen, wer wofür verantwortlich ist.  Verwenden Sie Personalcodes.  Sorgen Sie für laufende EDV-Auswertungen (Lagerkorrekturen, Storno- und Minusbuchungen, ...).  Zählen Sie täglich den Kassastand. Für mehr Sicherheit in der Apotheke sorgen darüber hinaus auch bauliche (z.B.: Videoüberwachung, Einsehbarkeit der Freiwahl) und psychologische Maßnahmen (z.B.: Mitarbeiter- und Teamgespräche).■

WIEN – Seit Beginn 2012 läuft bei der SVA das Programm „Selbständig Gesund“. Mit einem Anreizsystem sollen die Versicherten dazu gebracht werden, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Beim Gesundheitspolitischen Forum diskutierten Experten, was solche Anreizsysteme zu leisten imstande sind. Die Hauptsterbeursachen in den Industrieländern sind heute hauptsächlich nichtübertragbare Erkrankungen wie Diabetes, HerzKreislauf-Erkrankungen mit beeinflussbaren Risikofaktoren. „Wir wissen, dass wir hier nicht auf die große Gesundheitsreform warten können“, eröffnete Mag. Peter McDonald, Obmannstellvertreter der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) die Diskussion des Gesundheitspolitischen Forum. Daher startete die SVA Anfang dieses Jahres das Programm „Selbständig Gesund“, mit dem sie ihre Versicherten zu mehr Präven­tion motivieren will. Jene Versicherten, die an dem Programm teilnehmen und ihre fünf Gesundheitsziele im Zeitraum von sechs Monaten erreichen, können ihren Selbstbehalt für den Zeit-

raum von zwei bzw. drei Jahren um die Hälfte reduzieren. Mit dem Programm wolle die SVA einen Paradigmenwechsel vollziehen, weg vom nachträglichen Heilen, hin zur Prävention. Derzeit würden noch 98 Prozent jedes investierten Euros in die Reparaturmedizin fließen. „Ich glaube, dass wir die Eigenverantwortung stärken müssen“, so Mag. McDonald.

„Bewegung in all policies“ Besonders große Bedeutung komme dabei der Bewegung zu, betonte Dr. Norbert Jachimowics von der Österreichischen Ärztekammer: „Es ist eine Schande, dass der Sportunterricht in den Schulen praktisch zum Erliegen gekommen ist.“ Er plädierte dafür, analog zum „Health in all policies“-An-

satz im Masterplan Gesundheit einen Plan zu entwickeln, der „Bewegung in all policies“ vorsieht. Ob der Ansatz der SVA, die Versicherten mit einem „Geldgeschenk“, also dem reduzierten Selbstbehalt, zu belohnen, auch in der Praxis funktioniert, lässt sich aus Sicht des Ärztekammervertreters derzeit noch nicht sagen. „Wir dürfen nicht zu einer Gesellschaft werden, die Krankheit als persönliches Versagen des Einzelnen sieht“, erklärte der Kammervertreter. Mag. McDonald erwähnte, dass die SVA im nächsten Jahr ein ähnliches Präventionsprogramm für Jugendliche starten würde. Grundgedanke bei solchen Programmen müsse es sein, die Motivation über die Jugendlichen und die Schulen hinein in die Elternhäuser zu transportieren. TAS

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WIEN – Verluste durch Warendiebstahl, aber auch Kassenmanipulationen verursachen in der Apotheke einen hohen wirtschaftlichen Schaden. Neben wirtschaftlichen Einbußen leiten sich daraus auch arbeitsrechtliche und steuerliche Folgen ab.

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Politik & Wirtschaft

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Ärzte haben „Verwendungsrecht“ – E-Medikation abgespeckt

Foto: ÖÄK

fung ist nicht mehr enthalten und bleibt weiterhin in der Verantwortung des Arztes. Per Verordnung kann der Gesundheitsmi­nister die Bandbreite der in ELGA einzuspielenden Befunde allerdings jederzeit ausweiten. u Das Gesetz ermöglicht nun Pilotprojekte für die ELGA-Einführung. Eine Verpflichtung dazu besteht aber nicht. u Das Ministerium stellt eine Anschubfinanzierung für die Umsetzung der ELGA-Teilnahme für ÖÄK-Präs. Dr. Artur Wechselberger: „Ohne Nachjus­tieren ist eine funktionierende ELGA nicht zu erwarten.“

Ärzte, Apotheken und Privatkrankenanstalten in der Höhe von 15 Mio. Euro zur Verfügung.

Reaktionen von Politik und Ärzten Der Regierungsbeschluss zu ELGA löste erwartungsgemäß sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Während sich SP- und VP-Vertreter sowie Sozialversicherung erfreut über die Einigung zeigten, kam geharnischte Kritik von der Opposition. FPÖ, BZÖ und Grüne fürchten hohe Kosten und warnen vor Datenschutzmängeln. Aus der Standes-

ÖAK-Präs. Mag. Max Wellan: „Unsere Ideen reichen bis zu einem modernen Medikationsmanagement.“

eine genaue Regelung der Usability von ELGA, auch Datenschutz und Datensicherheit seien noch nicht zufriedenstellend gelöst. ELGA in dieser Form sei ein „privates Datenverwaltungssystem für Patienten“, das aber den Arbeitsansprüchen der Ärzte nicht genüge. Dazu wären standardisierte Dokumentenarchitektur und eine Suchfunktion nötig. Auch die Finanzierung sei ungeklärt, die Rechnung des Ministeriums unzulänglich und mit einer großen Menge an „Fehlern, Trugschlüssen und falschen Annahmen“ behaftet. Allein der Aufwand für die Ärzte für die

VP-Gesundheitssprecher NR-Abg. Dr. Erwin Rasinger und Gesundheitsminister Alois Stöger verhandelten über ELGA und schlossen schließlich einen Kompromiss.

Erstinvestition sei mit mindestens 30 Mio. Euro zu veranschlagen. Präs. Wechselberger setzt nun auf den parlamentarischen Prozess, hier müssten noch Nachjustierungen in der Gesetzesvorlage erfolgen. Er forderte daher ein parlamentarisches Expertenhearing vor der Beschlussfassung im Nationalrat.

Apotheker zufrieden Die Patientenanwaltschaft begrüßt die Einigung, Dr. Gerald Bachinger hätte allerdings lieber eine verpflichtende Teilnahme der Ärzte gesehen. Die Apothekerkammer zeigte sich über die „richtungsweisende Einigung“ erfreut. „Die EMedikation wird einen wichtigen Beitrag zu mehr Medikamentensicherheit leisten“, betont Mag. pharm. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. Die Apothekerinnen und Apotheker setzen sich seit Jahren massiv für mehr Sicherheit im Umgang mit Medikamenten ein. Die ersten Pilotversuche zur E-Medikation gehen auf umfassende Projekte der Apothekerschaft zurück, die ihr Wissen in das neue ELGA-Gesetz miteinfließen hat lassen. Die Forderungen der

Apothekerschaft wurden im neuen Gesetz weitestgehend berücksich­ tigt. So scheint nun sowohl die Praxistauglichkeit gewährleistet als auch die administrative Belastung überschaubar zu sein. Der geplante Entwurf sieht vor, dass auch rezeptfreie Medikamente in der Apotheke in die E-Medikation eingespielt werden. Die Umsetzung der EMedikation ist für 2016 vorgesehen. „Unsere Ideen reichen bis zu einem modernen Medikationsmanagement. Der Gesamtüberblick über die jeweils einzunehmenden Arzneimittel ermöglicht eine umfassende Betreuung der Kunden/Patienten durch die Apotheke“, so Mag. Wellan. SJ/red * Gesetzestext auf www.bmg.gv.at unter ELGA

Die Gespräche dürften lang und intensiv gewesen sein, bevor Gesundheitsminister Alois Stöger und NR-Abg. Dr. Erwin Rasinger vor einer Woche die Einigung in Sache ELGA verkündeten. Nun ist man aber mit dem Ergebnis zufrieden. BM Stöger sprach von einem „guten Tag für die österreichischen Patienten“, Dr. Rasinger, selbst Allgemeinmediziner im 12. Wiener Gemeindebezirk, betonte: „Zu diesem Ergebnis stehe ich.“ In den politischen Verhandlungen wurden noch einige Punkte des Begutachtungsentwurfs entschärft: u Ärzte haben nun das kostenlose Recht, an ELGA teilzunehmen, es steht keine Verpflichtung mehr im Gesetz. Damit fällt auch die Strafandrohung bei Nichtgebrauch aus dem Gesundheitstelematik-Gesetz. Haftbar bleiben die Ärzte aber dennoch. Hier kommt das (unveränderte) Ärztegesetz zum Tragen, nachdem Ärzte ihnen verfügbare Informationen nutzen müssen. u Vorerst werden nur Entlassungs-, Röntgen- und Laborbefunde in ELGA eingespielt. Die Medikation soll automatisch mit der Rezeptierung in die E-Medikation aufgenommen bzw. spätestens in der Apotheke erfasst werden. (Damit ist dann auch ersichtlich, welche verschriebenen Medikamente eventuell gar nicht abgeholt werden.) Somit wird die E-Medikation gegenüber dem Pilotversuch in drei Bundesländern deutlich abgespeckt. Die Interaktionsprü-

vertretung der Ärzte waren zunächst unterschiedliche Kommentare zu vernehmen. Während die Wiener Ärztekammer in einer ersten Aussendung von einem „Teilerfolg“ für die Ärzte sprach, kritisierte etwa ÄKNÖ-Präsident Dr. Christoph Reisner, dass Kassenärzte ab 2016 zur Teilnahme gezwungen seien. ÄKOÖ-Präsident Dr. Peter Niedermoser äußerte auch Skepsis, ob das Projekt „gut wird“. Vergangene Woche nahm dann ÖÄK-Präsident Dr. Artur Wechselberger nach Analyse der Regierungsvorlage* in einer Pressekonferenz Stellung. Man habe in den Verhandlungen zwar einiges erreichen können, das Gesetz sei nun besser als der ursprüngliche Entwurf, aber immer noch nicht gut genug. Dr. Wechselberger vermisst nach wie vor

Foto: ÖAK

WIEN – Nach 18 intensiven Verhandlungsmonaten passierte das ELGA-Gesetz vergangene Woche den Ministerrat. BM Alois Stöger (SP) und VP-Gesundheitssprecher Dr. Erwin Rasinger schlossen einen Kompromiss, der nun auch für die Ärzte tragbar sein soll. Die Ärztekammer bleibt skeptisch, bei der Apothekerkammer ist man über die Einigung erfreut.

Foto: ÖÄK

Regierung beschließt ELGA

 ELGA-Fahrplan

ELGA startet Ende 2013/Anfang 2014 durch die Nutzungsmöglichkeiten des ELGA-Portals für Patienten. Ab 2015 ELGA-Betrieb bei Spitälern und Pflegeanstalten, ab 2016 ELGA-Betrieb in Arztpraxen und Apotheken, ab 2017 ELGABetrieb in Privatkrankenanstalten.

PROSPAN 26 mg Hustenpastillen. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 Lutschpastille enthält 26 mg Trockenextrakt aus Efeublättern (DEV 5-7,5: 1). Auszugsmittel: Ethanol 30 % (m/m). Anwendungsgebiete: Zur Linderung des Hustens bei Katarrhen der Atemwege. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-Intoleranz sollten dieses Arzneimittel nicht verwenden. Sonstige Bestandteile: Maltitol-Lösung, arabisches Gummi, Citronensäure, Acesulfam Kalium, Sorbitol-Lösung 70 %, mittelkettige Triglyceride, Orangenaroma, Mentholaroma, gereinigtes Wasser. Zulassungsinhaber: Sanova Pharma GesmbH, Haidestraße 4, 1110 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. ATC-Code: R05CA. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. PROSPAN - Hustensaft. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 2,5 ml Saft enthalten 17,5 mg Efeublättertrockenextrakt (DEV 5-7,5: 1). Auszugsmittel: Ethanol 30 % (m/m). Anwendungsgebiete: Akute Katarrhe der Atemwege mit der Begleiterscheinung Husten; symptomatische Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen; unterstützend bei Keuchhusten. Gegenanzeigen: Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile. Bei Fructose-Intoleranz ist besondere Vorsicht geboten. Hilfsstoffe: Sorbit, Kaliumsorbat 3,4 mg/2,5 ml, Zitronensäure, Xanthan-Gummi, Kirscharoma, Gereinigtes Wasser. Zulassungsinhaber: Sanova Pharma GesmbH, Haidestraße 4, 1110 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. ATC-Code: R05CA. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. PROSPAN Hustenliquid – Flüssigkeit zum Einnehmen. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 5 ml Flüssigkeit (1 Beutel) enthalten 35 mg Trockenextrakt aus Efeublättern (DEV 5 - 7,5 : 1). Auszugsmittel: Ethanol 30 % (m/m). Anwendungsgebiete: Zur Besserung der Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen (Bronchitiden); akute Entzündungen der Atemwege mit der Begleiterscheinung Husten; unterstützend bei Keuchhusten. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Prospan Hustenliquid darf wegen des Gehaltes an Menthol nicht bei Patienten mit Asthma bronchiale oder anderen Atemwegserkrankungen, die mit einer ausgeprägten Überempfindlichkeit der Atemwege einhergehen, angewendet werden. Liste der sonstigen Bestandteile: Kaliumsorbat, wasserfreie Zitronensäure, Xanthan-Gummi, Sorbitol-Lösung 70% (kristallisierend), Aromastoffe, Menthol, gereinigtes Wasser. 5 ml Flüssigkeit (1 Beutel) enthalten 1,926 g Zuckerausstauschstoff Sorbitol, das entspricht 0,16 BE. Zulassungsinhaber: Sanova Pharma GesmbH, Haidestraße 4, 1110 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. ATC-Code: R05CA. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. PROSPAN akut - Brausetabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 Brausetablette enthält 65 mg Efeublättertrockenextrakt (Verhältnis Droge zu Extrakt: 5 - 7,5 : 1). Auszugsmittel: Ethanol 30% (m/m). Sonstige Bestandteile: 151,33 mg Natrium, 29,7 mg Lactose, 202 mg Sorbit. Anwendungsgebiete: Akute Katarrhe der Atemwege mit der Begleiterscheinung Husten; symptomatische Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen; unterstützend bei Keuchusten. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Bei Fructose-Intoleranz ist besondere Vorsicht geboten. Liste der sonstigen Bestandteile: Wasserfreie Zitronensäure, Natriumhydrogencarbonat, Natriumcarbonat, Mannit (216,8 mg), Simethicon, Saccharin-Natrium (2 mg), Natriumcyclamat (35 mg), Natriumcitrat, Sorbit (202 mg), Mittelkettige Triglyceride, Macrogol Glycerolhydroxystearat, Orangenroma (enthält 29,7 mg Lactose). Zulassungsinhaber: Sanova Pharma GesmbH, Haidestraße 4, 1110 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rpfrei, apothekenpflichtig. ATC-Code: R05CA. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. PROSPAN - Hustentropfen. Zusammensetzung: 1 ml ( = 20 Tropfen) enthalten 20,0 mg alkoholischen Efeublättertrockenextrakt, standardisiert; 0,23 mg Ätherol. Anisi; 0,5 mg Ätherol. Foeniculi; 0,04 mg Ätherol. Menthae pip.; 0,03 mg Saccharin-Na und ca. 400 mg Äthylalkohol. Anwendungsgebiete: Bronchitiden, Keuchhusten, Reizhusten. Gegenanzeigen: Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber einem Bestandteil des Präparates. Schwangerschaft und Stillperiode: über die Anwendung in der Schwangerschaft oder der Stillperiode liegen keine gesonderten Untersuchungen vor, doch ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens eine Schädigung nicht zu erwarten. Besondere Hinweise zur sicheren Anwendung: Wegen des Äthanolgehaltes von 400 mg/ml für Alkoholkranke nicht geeignet. Durch den Gehalt an Pflanzenextrakten können sich bei PROSPAN-Hustentropfen gelegentlich leichte Trübungen oder Ausflockungen sowie geringfügige Geschmacksveränderungen ergeben, die jedoch keinen Einfluß auf die therapeutische Wirksamkeit des Präparates haben. Zulassungsinhaber: Sanova Pharma GesmbH, Haidestraße 4, 1110 Wien. Abgabe: Rpfrei, apothekenpflichtig. ATC-Code: R05CA. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.

Sinupret® Tropfen, Zusammensetzung: 100 g enthalten einen wässrig-alkoholischen Auszug (Auszugsmittel 59 Vol.-% Ethanol) aus: Enzianwurzel 0,2 g, Schlüsselblumen mit Kelch 0,6 g, Sauerampferkraut 0,6 g, Holunderblüten 0,6 g, Eisenkraut 0,6 g; Enthält 19 Vol.-% Ethanol, 1 ml = 0,98 g = ca.17 Tropfen, 1 ml enthält 0,15 g Ethanol. Hilfsstoffe: Ethanol, Wasser. Anwendungsgebiete: Zur Verflüssigung von zähem Schleim und zur Unterstützung spezifischer Maßnahmen bei akuten und chronischen Katarrhen der Atemwege, insbesondere der Nasennebenhöhlen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber einem Bestandteil. ATC-Code: R05CB10. Stand der Fachinformation: 05/2012. Sinupret® Saft, Zusammensetzung: 100 g enthalten 10 g Auszug (Droge/Extraktverhältnis 1:11) aus 0,07 g Enzianwurzel, 0,207 g Eisenkraut, 0,207 g Gartensauerampferkraut, 0,207 g Holunderblüten, 0,207 g Schlüsselblumenblüten mit Kelch; Auszugsmittel: Ethanol 59% (V/V). 1ml enthält 1,21g. Sonstige Bestandteile: Das Arzneimittel enthält 8 % (V/V) Alkohol und 65,2 g flüssiges Maltitol. Liste der sonstigen Bestandteile: Maltitol-Lösung, gereinigtes Wasser, Ethanol, Kirscharoma. Anwendungsgebiete: Zur Verflüssigung von zähem Schleim und zur Unterstützung spezifischer Maßnahmen bei akuten und chronischen Katarrhen der Atemwege, insbesondere der Nasennebenhöhlen. Gegenanzeigen: Sinupret® Saft darf nicht eingenommen werden, wenn Überempfindlichkeiten (Allergien) gegenüber Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels bestehen. ATC-Code: R05CB10. Stand der Fachinformation: 10/2011. Sinupret®-Dragees, Zusammensetzung: 1 Dragee enthält: Radix gentianae 6 mg, Flores primulae cum calycibus 18 mg, Herba rumicis var. 18 mg, Flores sambuci 18 mg, Herba verbenae 18 mg. Hilfsstoffe: Kartoffelstärke, Hochdisperses Siliciumdioxid, Lactose, Gelatine, Sorbitol, Stearinsäure, Calciumcarbonat, Glucosesirup, Magnesiumoxid, Maisstärke, basisches Polymethacrylat, Montanglycolwachs, Natriumcarbonat, Polyvidon, Rizinusöl, Saccharose, Schellack, Talkum, Farbstoffe: Chinolingelb (E 104), Indigotin (E 132), Titandioxid (E 171). Anwendungsgebiete: Zur Verflüssigung von zähem Schleim und zur Unterstützung spezifischer Maßnahmen bei akuten und chronischen Katarrhen der Atemwege, insbesondere der Nasennebenhöhlen. Gegenanzeigen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber einem Bestandteil darf Sinupret® nicht eingenommen werden. Da die Dragees nicht teilbar sind, sind diese für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet. ATC-Code: R05X. Stand der Fachinformation: 05/2012. Sinupret® forte Dragees, Zusammensetzung: 1 Dragee enthält: Radix gentianae (Enzianwurzel) 12 mg, Flores primulae cum calycibus 36 mg (Schlüsselblumenblüten mit Kelch), Herba rumicis var. (Ampferkraut) 36 mg, Flores sambuci (Holunderblüten) 36 mg, Herba verbenae (Eisenkraut) 36 mg. Hilfsstoffe: Kartoffelstärke, Hochdisperses Siliciumdioxid, Lactose, Gelatine, Sorbitol, Stearinsäure, Calciumcarbonat, Glukosesirup, Magnesiumoxid, Maisstärke, Basisches Polymethacrylat, Montanglycolwachs, Natriumcarbonat, Polyvidon, Rizinusöl, Saccharose, Schellack, Talkum, Farbstoffe: Chinolingelb (E 104), Indigotin (E 132), Titandioxid (E 171). Anwendungsgebiete: Zur Verflüssigung von zähem Schleim und zur Unterstützung spezifischer Maßnahmen bei akuten und chronischen Katarrhen der Atemwege, insbesondere der Nasennebenhöhlen. Gegenanzeigen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber einem Bestandteil darf Sinupret® forte nicht eingenommen werden. Da die Dragees nicht teilbar sind, sind diese für Kinder nicht geeignet. Für Kinder über 12 Jahren stehen Sinupret® Dragees zur Verfügung. ATC-Code: R05X. Stand der Fachinformation: 05/2012. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Hersteller und Zulassungsinhaber: Bionorica® SE, 92318 Neumarkt, Deutschland. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezeptfrei, apothekenpflichtig.

Tavipec Kapseln. Zulassungsinhaber und Hersteller: Pharm. Fabrik Montavit Ges.m.b.H., 6060 Absam/Tirol. Zusammensetzung: 1 Kapsel enthält 0,15 g Spiköl (Aetheroleum Spicae). Anwendungsgebiete: Als Expektorans und zur Unterstützung einer Antibiotikabehandlung, bei akuten und chronischen Bronchitiden, Bronchiektasien, Laryngobronchitis, Emphysembronchitis, Raucherhusten, Sinusitis und Bronchitis bei Lungentuberkulose. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Abgabe: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen/Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Thomapyrin® - Tabletten. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: 1 Tablette enthält 250 mg Acetylsalicylsäure (ASS), 200 mg Paracetamol und 50 mg Coffein. Liste der sonstigen Bestandteile: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Stearinsäure. Anwendungsgebiete: Schmerzzustände wie z.B. Kopfschmerzen (auch infolge von Föhn und Wetterwechsel), Migräne, Menstruationsbeschwerden, Nervenschmerzen, rheumatische Beschwerden, Zahnschmerzen. Fieber- und Schmerzzustände bei Erkältungskrankheiten und Grippe. Gegenanzeigen: Thomapyrin darf nicht eingenommen werden – bei Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein oder Salicylate sowie gegen einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels; – von Patienten mit seltenen hereditären Zuständen, bei denen Bestandteile des Arzneimittels zu Unverträglichkeit führen; – von Patienten, die nach der Anwendung von Salicylaten oder anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) Symptome wie Asthma, Rhinitis, Angioödeme oder Urtikaria entwickelten; – bei bestehenden Magen- oder Duodenalulzera; – bei hämorrhagischer Diathese – bei starken Blutungen oder Blutungsrisiko (z.B. vor chirurgischen Eingriffen – der thrombozytenaggregationshemmende Effekt ist zu beachten); – bei schwerer Herzinsuffizienz; – bei schwerer Leberinsuffizienz; – bei übermäßigem bzw. chronischem Alkoholgenuss; – bei schwerer Niereninsuffizienz; – bei Methotrexat-Behandlung mit einer Dosierung von 15 mg pro Woche oder mehr; – bei Glukose-6phosphat-Dehydrogenasemangel; – im letzten Trimenon der Schwangerschaft; – von Kindern oder Jugendlichen mit Windpocken oder Grippe (Influenza) wegen des Risikos der Entwicklung eines Reye-Syndroms; – von Kindern unter 12 Jahren. INHABER DER ZULASSUNG: Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Dr. Boehringer-Gasse 511, 1121 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezeptfrei mit W2 und W10, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Thomapyrin® mit Ascorbinsäure - Brausetabletten. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: 1 Brausetablette enthält 300 mg Acetylsalicylsäure, 200 mg Paracetamol und 300 mg Ascorbinsäure (Vitamin C). 1 Brausetablette enthält 200 mg Laktose-Monohydrat und 1.550 mg Natriumhydrogencarbonat (entsprechend ca. 400 mg Natrium). Liste der sonstigen Bestandteile: LaktoseMonohydrat, Natriumhydrogencarbonat, Saccharin-Natrium, Zitronensäure, Povidon, Fumarsäure, Lemon-Aroma. Anwendungsgebiete: Schmerzzustände (wie z. B. Kopf- und Gliederschmerzen ) und Fieberzustände bei Erkältungskrankheiten. Gegenanzeigen: Thomapyrin mit Ascorbinsäure darf nicht eingenommen werden: – bei Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Salicylate und Paracetamol oder Ascorbinsäure sowie gegen einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels; – von Patienten mit seltenen hereditären Zuständen, bei denen Bestandteile des Arzneimittels zu Unverträglichkeit führen; – von Patienten, die nach der Anwendung von Salicylaten oder anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) Symptome wie Asthma, Rhinitis, Angioödeme oder Urtikaria entwickelten; – bei bestehenden Magen- oder Duodenalulzera; – bei hämorrhagischer Diathese; – bei starken Blutungen oder Blutungsrisiko (z.B. vor chirurgischen Eingriffen – der thrombozytenaggregationshemmende Effekt ist zu beachten); – bei schwerer Herzinsuffizienz; – bei schwerer Leberinsuffizienz; – bei übermäßigem bzw. chronischem Alkoholgenuss; – bei schwerer Niereninsuffizienz; – bei MethotrexatBehandlung mit einer Dosierung von 15 mg pro Woche oder mehr; – bei Glukose-6 phosphat-Dehydrogenasemangel; – bei Oxalaturolithiasis; – bei Eisenspeicherstörungen; – im letzten Trimenon der Schwangerschaft; – von Kindern oder Jugendlichen mit Windpocken oder Grippe (Influenza) wegen des Risikos der Entwicklung eines Reye-Syndroms; – von Kindern unter 12 Jahren. INHABER DER ZULASSUNG: Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Dr. Boehringer-Gasse 5 11, 1121 Wien. VERSCHREIBUNGSPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT: Rezeptfrei mit W2 und W10, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.


Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

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Aus dem kräutergarten von Mag. pharm. Dr. Enne Pemp

Eine anhängliche Sache! Die Klette an sich ist ja nicht besonders beliebt. Man wandert im Herbst durch Feld und Flur, mitunter in Begleitung eines Hundes, der noch dazu Langhaarträger ist, und kann am Abend die Klettenreste aus Hose, Socken und dem Fell des Gefährten zwirbeln. Aber was wir hier entfernen, ist nicht nur das natürliche Vorbild für den technisch genutzten Zweckverschluss, sondern die Frucht einer Heilpflanze. Diese Asteraceae liebt Schuttplätze, Acker- und Wegränder. Im Sommer erkennt man sie an der charakteristischen Blütenform mit violetten Röhrenblüten und hakenartigen Hüllkelchblättern. Die Klette bildet eine massive Pfahlwurzel aus, die mitunter Mühe bei der Ernte im Frühling bereitet. Zur Gewinnung der Arzneidroge werden drei Arten verwendet: Arctium lappa L., Arctium minor L., die große und die kleine Klette, und Arctium tormentosum L., die Wollkopfklette, mein Favorit (s. Bild). Alle drei sind in Europa heimisch, das Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis Asien und Nordafrika. Die germanische Mythologie hat die Klette wegen des hohen Wuchses (Arctium lappa bis 2,5m), der mächtigen Wurzel und der Bewehrung mit Widerhaken natürlich dem stärksten Gott Thor zugeordnet. Auch den potenten Namen Bärenpranke findet man als Synonym der Klette in der Geschichte bei Dioskurides. In jedem Fall galt Arctium immer als kraftvolles Symbol gegen negative Einflüsse. Altes Wissen. Die Verwendung der Klettenwurzel als Heilmittel beruht auf Erfahrung der Volksmedizin. Innerlich wird die Teezubereitung als „blutreinigendes“ Mittel bei Leber-Galle-Beschwerden, im Rahmen von rheumatischen Gelenkbeschwerden und Gicht sowie bei Problemen im Magen-Darm-Bereich eingesetzt. Die Wirksamkeit des Tees wird auch bei Hauterkrankungen beschrieben, vor allem bei Psoriasis, Akne und schlecht heilenden Wunden. Zusätzlich wird Klettenwurzelöl äußerlich bei seborrhoischen Ekzemen der Haut und Kopfhaut angewendet. Klettenwurzelöl wird als Mazerat mit Oleum Arachidis oder Oleum Olivae hergestellt. Frische Blätter kann man zerquetscht in der Wildnis im Notfall als antiseptische Wundauflage verwenden. Inhaltsstoffe der Wurzel sind schwefelhaltige Acetylenverbindungen (z.B. Arctinon) und schwefelfreie Polyacetylene, die vorwiegend in der frischen Droge vorkommen. Bis zu 3,65 % enthaltene Polyphenolcarbonsäuren (Chlorogen- und Kaffeesäurederivate) mit antioxidativer Wirkung wurden nachgewiesen. Methanolische Extrakte zeigten eine deutliche Verringerung der Stickstoffmonoxid (NO)-Bildung durch Hemmung der induzierbaren NO-Synthase. Dadurch

RP: Magen-Darm-Tee, stoffwechselfördernd  Bardanae radix  Ononidis radix  Taraxaci radix  Frangulae cortex aa ad 100,0 g DS: 1 TL gepulvert od. fein geschnitten im Kaltansatz mind. 30 min, 30 min kochen, abseihen

Foto: Enne Pemp

Klettenwurzel (Bardanae radix)

kommt es zu verminderter Freisetzung von Entzündungsmediatoren und in der Folge zum Rückgang von Entzündungsreaktionen1. Die Klettenwurzel enthält Bitterstoffe und wenig ätherisches Öl (bis 0,18 %), die für den nussigen Geschmack der Frischdroge verantwortlich sind. Triterpene, Sterole (ß-Sitosterol) und nicht flüchtige Sesquiterpene, die Lappaphene, sind in der Wurzel enthalten. Der mengenmäßig größte Anteil der Inhaltstoffe ist mit bis zu 45 % Inulin. Ethanolische Extrakte aus Bardanae radix wurden an menschlichen Leberzelllinien getestet. Es zeigte sich eine Reduktion der Fettsäuresynthase, die die Fettsäurebiosynthese katalysiert, und eine verminderte Aktivität der Acetyl-Coenzym-A-Carboxylase, die für die Bildung der Malonylbausteine von Fettsäureketten verantwortlich ist. Resultat ist eine reduzierte Fettsäurebiosynthese. Die Studie verweist auf einen möglichen Einsatz in der Kontrolle des Körpergewichts2. Im Gespräch ist Arctigenin, ein in der Frucht vorkommendes Butyrolacton-Lignan. Untersuchungen hinsichtlich spezieller cytotoxischer Wirkung sind im Laufen. Arctigenin verhindert in vitro die Proliferation von Tumorzellen3. Also wieder spannende Aussichten für die Zukunft! Die Klettenwurzel als Teedroge ist eher obsolet. Wer die aufwändige Herstellung eines Kaltansatzes mit einstündiger Mazeration und bis zu einstündigem Aufkochen nicht scheut, kann ihn zur Förderung des Stoffwechsels gut einsetzen. Das Klettenwurzelöl können wir ebenfalls empfehlen. Es beruhigt die Kopfhaut bei seborrhoischen Beschwerden, Schuppenbildung und Trockenheit der Haut gehen zurück. Der Mythos Klettenwurzelöl sei ein Haarwuchsmittel ist verbreitet, aber leider – ein Märchen! 1

Food Chem (2006), 729–38; 2 Food Chem (2012), 1320–26; 3 J Nat Med (2012), 641–21

Hartnäckig und weit verbreitet:

Nagelpilz wirksam bekämpfen Nagelpilz ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine hartnäckige Infektion, die auch im Herbst, wenn die Zehennägel in dicken Winterschuhen versteckt werden, behandelt werden sollte. Je früher therapiert wird, desto kürzer ist die zu erwartende Behandlungszeit. Eine wirksame Abhilfe bietet der Nailner® Nagelpilz Stift oder Spray – er bekämpft den Pilz direkt an seinem Ursprung.

Wichtig ist frühzeitige Therapie Die Hauptursachen für die Entstehung von Nagelpilz können Nagelverletzungen, starkes Schwitzen, starke Belastung der Nägel zum Beispiel durch Sport, Durchblutungsstörungen oder genetische Faktoren sein. Aber auch zu enge Schuhe oder das Tragen von nicht atmungsaktiven Synthetikstoffen fördern die Ausbreitung von Pilzen. Menschen mit Diabetes oder einem schwachen Immunsystem sind besonders anfällig.

Meist ausgelöst durch Dermatophyten, beginnt die Infektion durch Verfärbung der Nagelplatte. In weiterer Folge wird diese brüchig, verdickt und löst sich vom Nagelbett. Unbehandelt verschwindet der Pilz in der Regel nicht, deshalb ist eine wirksame Behandlung wichtig, um ein weiteres Fortschreiten oder Ausbreiten auf andere Nägel zu verhindern. Bei der Behandlung ist allerdings Geduld gefragt: Die Therapie kann mehrere Monate dauern und erfordert auch Konsequenz bei den Betroffenen. Umso wichtiger ist es, die Infektion frühzeitig zu behandeln: Je eher therapiert wird, des­to kürzer ist die Behandlungszeit.

Dank des speziellen Trägersys­ tems dringen die Wirkstoffe von Nailner® in den Nagel ein – direkt zum Ursprung des Pilzes und somit zum Wirkungsort. Der pH-Wert des Nagels wird reduziert. Es entsteht ein saures Milieu, das die wei-

Wirksame Behandlung mit Nailner® Nailner® ist eine wirksame und einfach anwendbare Lösung zur Behandlung von Nagelpilz. Der Applikator-Stift sowie der Spray erlauben ein gezieltes und schnelles Applizieren der Lösung auf die Nagel­ oberfläche.

* Quelle: www.netdoktor.at – bezogen auf Zentral- und Westeuropa

Promotion

Nagelpilz ist eine Pilzinfektion, von der sowohl Fuß- als auch Fingernägel betroffen sein können. Es ist die häufigste Nagelerkrankung und kommt an Fußnägeln fünfmal öfter vor als an Fingernägeln. Nagelmykose ist eine lästige und oftmals langwierige Angelegenheit. Rund 10–20  %* der Bevölkerung leiden daran. Für die ältere Bevölkerungsgruppe liegt die Schätzung sogar bei bis zu 50 %*.

tere Ausbreitung und das Wachstum der Pilzinfektion hemmt. Das in Nailner® enthaltene Zypressen- und Lavendelöl versorgt den Nagel zusätzlich mit Feuchtigkeit. Bereits nach wenigen Wochen sind Verbesserungen sichtbar. Nailner® eignet sich auch zur Prophylaxe, um Nagelpilzinfektionen vorzubeugen.


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Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Ältere durch Influenza besonders gefährdet

Nicht nur zum eigenen Schutz impfen

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Download der ÖVIH-Impfbroschüre unter: http://www.oevih.at/uploads/media/ OeVIH_Folde_Influenza.pdf

Impfstoffzusammensetzung 2012–2013 (Nordhalbkugel) Die Impfung wird als Einmal-Impfung verabreicht und in ihrer Zusammensetzung jedes Jahr gemäß den Empfehlungen der WHO den jeweils kursierenden Influenza-Subtypen angepasst. In dieser Saison hat sich die empfohlene Zusammensetzung (H3N2 und B-Komponente) wieder stark geändert. A und B bezeichnen die Virustypen, der Ortsname bezieht sich auf den Ort der Virusisolierung; die erste Ziffer gibt die Nummer des jeweils isolierten Stamms an, die zweite bezieht sich auf das Isolierungsjahr. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, die Ziffer dahinter bezeichnet den aktuellen Hämagglutinin- bzw. Neuraminidase-Subtyp. Der Impfstoff muss somit folgenden Referenzstämmen entsprechen:  an A/California/7/2009 (H1N1) pdm09-like virus (war auch 2011 im Impfstoff)  an A/Victoria/361/2011 (H3N2)-like virus (neue Zusammensetzung!)  a B/Wisconsin/1/2010-like virus (neue Zusammensetzung!) Quelle: WHO Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2012– 2013 northern hemisphere influenza season; www.who.int/influenza/vaccines/virus/ recommendations/2012_13_north/en/index.html

Influenza-Impfstoffe in Österreich Die Influenza-Impfstoffe sind – mit der entsprechenden Beratung – in allen Apotheken erhältlich. Die Impfung wird vom Arzt verabreicht. Für welche der Impfstoffarten man sich entscheidet, hängt in erster Linie vom Zustand des Impflings ab: Je jünger und gesünder, desto eher die Ganzvirusvakzine, je älter und schwächer, desto eher den Subunit-Impfstoff. Die meistverwendeten Impfstoffe sind die Spaltvirus-Impfstoffe und die Subunit-Impfstoffe. Jede der drei Impfstoffarten enthält Antigene von verschiedenen Influenzastämmen (siehe WHO-Empfehlung oben):  (teils adjuvierte) Ganzkeim-, Spalt- oder Subunit-Vakzinen zur intramuskulären Injektion  (teils adjuvierte) Ganzkeim-, Spalt- oder Subunit-Vakzinen zur subkutanen Injektion  adjuvierter Spaltimpfstoff zur intradermalen Applikation: Die Impfung wird mit einer nur 1,5 mm langen Nadel in die Lederhaut injiziert. Der Stich verursacht kaum Schmerzen. Der Impfstoff ist auch für Personen geeignet, die intramuskulär nicht geimpft werden sollen (wie z.B. oral antikoagulierte Patienten). Quelle: ÖAK

Wer in welchem Ausmaß von der Grippeimpfung profitiert, darüber klärt eine Broschüre des Österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH) auf, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit erstellt wurde. Wichtig war für Univ.-Prof. Dr. Marcus Müller, den Verfahrensleiter im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/ AGES), das die Broschüre geprüft und freigegeben hat, dass die Effektgrößen transparent und verständlich dargestellt werden. „Ziel ist es, den Patienten und Ärzten eine Basis zur Verfügung zu stellen, auf der sie die Entscheidung für oder gegen ein Arzneimittel treffen können.“ Empfohlen ist die Impfung für: u Personen ab 50 Jahren und mit Grunderkrankungen u Ärzte und Gesundheitspersonal u Kinder (6 Monate bis 5 Jahre) u übergewichtige Menschen u Betreuer von Risikogruppen u Personal mit häufigem Publikumskontakt

Foto: Fotolia.com

rig, nach der pandemischen Influenza 2009 ist sie in der Gruppe der ältes­ ten Personen überhaupt weit unter 20 Prozent abgesunken. Ähnlich besorgniserregend ist sie mit 17 Prozent bei Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind (siehe Interview unten). Dabei geht es bei der Impfung nicht nur um den Individualschutz, sondern auch darum, besonders gefährdete Gruppen wie ältere oder kranke Menschen indirekt zu schützen (Herdenimmunität). Deshalb sind auch Schulkinder eine wichtige Zielgruppe für die Influenza-Impfung, da sie die Haupttransmittoren darstellen. „Mithilfe von mathematischen Modellen konnte errechnet werden, dass eine Vakzinierungsrate der Schulkinder von nur 20 Prozent die Reduktion der Mortalität bei Personen älter als 65 Jahren effektiver beeinflussen kann als eine 90-prozentige Durchimpfung bei älteren Erwachsenen“, sagte dazu Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und

Impfbroschüre

In epidemischen Influenza-Saisonen infizieren sich zwischen fünf und zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung mit dem Influenzavirus. In Abhängigkeit vom dominanten Virusstamm schwankt die Zahl der jährlichen Todesfälle zwischen 400 und maximal 4000 (M. Redberger-Fritz et al., Eur J Epidemiol 2012). Dennoch ist die Durchimpfungsrate in Österreich generell sehr nied-

Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Generell gilt, dass 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft werden muss, damit die Herdenimmunität wirksam wird.

  Influenza-Impfstoff-Aktion in Apotheken

Die österreichischen Apotheken starteten Anfang Oktober auch heuer wieder eine Preisaktion für Influenza-Impfstoffe. Bis 31. Dezember werden alle Influenza-Impfstoffe für Erwachsene um vier Euro günstiger und der Influenza-Impfstoff für Kinder um zwei Euro günstiger abgegeben. Die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA) gewährt ihren Versicherten zusätzlich zu der Vier-Euro-Aktion einen Zuschuss von jeweils zwölf Euro pro Impfstoff. u Schwangere (2. und 3. Trimenon)

„Besonders schwere Verläufe können Infektionen mit dem Influenzavirus während des zweiten und dritten Drittels der Schwangerschaft annehmen“, bekräftigt Univ.-Prof. Dr. Herbert Kiss von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde/AKH Wien die Empfehlung zur Impfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch.

Vor allem die Infektion mit dem A/ H1N1-Virus erwies sich als problematisch: Infektionen mit diesem Virus gingen mit einem vier- bis zehnfach höheren Hospitalisierungsrisiko einher. Die schwere Allgemeinerkrankung der Schwangeren kann zu vorzeitigen Wehen, und zur drohenden Frühgeburt, im extremsten Fall aber auch zum Tod der Betroffenen führen. GLu

Neue Empfehlungen für Gesundheitspersonal

Impfen ist „ethische Verpflichtung“ WIEN – Pharmaceutical Tribune sprach mit Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt über Inhalt und Sinn der kürzlich publizierten Empfehlungen zu „Impfungen für MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens“. Denn die Durchimpfungsraten sind hier besonders niedrig. Warum sind gerade die Durchimpfungsraten bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens so schlecht? Man sollte meinen, sie müssten es besser wissen. Es mag sein, dass die Betroffenen nicht an ihren eigenen Impfschutz denken oder – speziell bei der Grip­ peimpfung – schlichtweg der Meinung sind, keine Impfung zu brauchen oder deren Wirksamkeit infrage stellen. Zum Teil ist aber auch der Zugang im Spital für Mitarbeiter nicht immer optimal organisiert. Welche Berufsgruppen sind angesprochen und welche Informationen enthält die neue Empfehlung? Die Zielgruppen sind Ärzte, Apotheker, Medizinstudenten und Pflegepersonal sowie alle Angestellten in Spitälern und in anderen Institutionen, die mit Patienten in Kontakt kommen, ebenso wie Angestellte von Laboratorien, die unmittelbar mit Patienten und in-

Foto: BASG/AGES

WIEN – Im Schnitt erkranken in Österreich 840.000 Menschen jährlich an Influenza, mehr als 1000 Tote pro Jahr sind die Folge. Ältere Menschen ab 65 sind besonders gefährdet – über 60 Prozent der Hospitalisierungen und 90 Prozent der Todesfälle fallen in diese Altersgruppe. Besonders gefährdet sind auch chronisch Kranke, Schwangere und Kinder unter vier Jahren.

Univ.-Prof. Dr. WiedermannSchmidt: „Auch Apotheker sollten an ihren eigenen Impfschutz denken.“

fektiösem Material zu tun haben. Prinzipiell unterscheidet man zwischen patientennahen und patientenfernen Personen, je nachdem gibt es unterschiedliche Risikobereiche. Wir haben die Impfungen, die je nach Risikobereich notwendig sind, aufgelistet, und erinnern daran, dass eine entsprechende Durchimpfung des Gesundheitspersonals eine ethische Verpflichtung darstellt, da es nicht nur darum geht, sich selbst, sondern vor allem die Patienten vor Ansteckung zu schützen. Weiters haben wir administrative Schritte zur möglichen Umsetzung dieser Empfehlungen vorgeschlagen. Darüber hinaus beantworten wir in einem rechtlichen Teil Fragen wie: „Kann ich jemanden zur Impfung zwingen?“, „Wer kommt eigentlich für die Impfungen auf?“ bis hin zu

„Wer haftet dafür, wenn eine nicht geimpfte Person im Gesundheitswesen einen Patienten ansteckt?“. Ist das so leicht nachweisbar? In vielen Fällen wahrscheinlich nicht – bei einer Grippewelle ist das natürlich schwierig. Es gibt aber Erkrankungen, bei denen die Infektionskette sehr gut nachweisbar ist. Dazu gehören z.B. Masern, Mumps, Röteln und Varicellen. Interview: Dr. Luitgard Grossberger

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Die „Empfehlungen als Erweiterung des Österreichischen Impfplans – Impfungen für MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens“ gehen auf eine Kooperation des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien und des Bundesministeriums für Gesundheit zurück und stehen unter http://www.meduniwien.ac.at/hp/fileadmin/tropenmedizin/PDFs/Impfempfehlungen_fuer_ Gesundheitspersonal_s.pdf oder http://www.bmgf.gv.at/ kostenlos zum Download zur Verfügung.


Apo–Kosmetik

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Medizin & Pharmazie

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Impressum

Anti-Aging mit Cremes & Skalpell

Wirksam gegen Falten Internationale Zeitung für Pharmazie in Österreich

WIEN – Die dermatokosmetische Industrie hat zahlreiche Produkte auf den Markt gebracht, die mit innovativen Wirkstoffen gegen die Zeichen der Zeit antreten. Richten aber selbst die besten Cremes und Kuren nichts mehr aus, wird immer häufiger Hilfe bei plastischen Chirurgen gesucht. Univ.-Prof. Dr. Maria Deutinger informiert über das Spektrum plastisch-ästhetischer Eingriffe, betont aber, der wahre Jungbrunnen liege in der täglichen Pflege und Schutz vor Hautschäden. ting, doch das reicht in vielen Fällen nicht aus“, erklärt die Chirurgin. Werden nämlich nur einige Teile des Gesichtes gestrafft, ist der Erfolg der Operation nicht von langer Dauer. Erschlafft die Haut an den Oberlidern, ist das auf jeden Fall eine Univ.-Prof. chirurgische Indikation. „Wenn Dr. Maria dadurch das Gesichtsfeld eingeDeutinger: schränkt wird, bezahlt sogar die „Verwenden Krankenkasse die Operation“, erSie Tages­ zählt Prof. Deutinger. cremen mit Hat die Haut generell noch eine Sonnenschutz.“ gute Struktur, so können an einzelnen Stellen auch Injektionen mit Hyaluronsäurepräparaten Sinn machen. „Durch eine Faltenunterspritzung kann man die Tiefe der Falte beeinstiftung. „Der Weg zum plastischen flussen. Die Falte wird zwar in der Chirurgen ist erst dann angezeigt, Haut bleiben, sie wird aber gemildert“, wenn alles andere nicht mehr hilft.“ so Prof. Deutinger. Wichtig ist, dass der Chirurg zu Präparaten greift, die Mit Spritzen & Skalpell vom Körper wieder abgebaut werEine Reihe von invasiven Me- den können, da es sonst später zu Unthoden stehen zur Verfügung, um verträglichkeitsreaktionen kommen dem Gesicht ein jüngeres Aussehen kann. Hat die Haut generell zu wenig zu verleihen. Die wohl drastischste, Elastizität, machen Faltenunterspritaber auch effektivste ist das Facelif- zungen jedoch keinen Sinn. ting. Je nach Technik wird an unterWundermittel Botox? schiedlichen Stellen die Verbindung zwischen Haut und Muskeln ge„Botox ist ein Nervengift, das die trennt, die Haut gestrafft, Über- Reizübertragung vom Nerv auf den schüssiges entfernt und neu vernäht. Muskel behindert und dadurch eine „Viele Patienten kommen und ver- Muskellähmung bewirkt“, erklärt langen ein so genanntes Mini-Lif- die Chirurgin. Da sich manche Fal-

www.pharmaceutical-tribune.at Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH Anschrift: 1120 Wien, Grünbergstraße 15 / Stiege 1 Telefon: (01) 54 600-0 Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Zembacher

Foto: Archiv

„Falten sind ein Ausdruck dessen, was man erlebt hat“, erklärt Univ.Prof. Dr. Maria Deutinger, Vorstand der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie an der Wiener Krankenanstalt Rudolf-

Fotos: La Roche-Posay, Werk (6)

Leitung Medizin Medien / Verkauf: Reinhard Rosenberger Telefon: (01) 54 600-510 E-Mail: rosenberger@medizin-medien.at

ten, wie z.B. die berühmte Zornesfalte auf der Stirn, durch eine Aktivierung der mimischen Muskeln bilden, kann eine Lähmung dieser Muskel hautstraffend wirken. „Es ist aber wichtig“, so die Spezialistin, „die Patienten darauf hinweisen, dass die Verteilung des Botox nicht immer steuerbar ist und unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen sind.“ Andere Partien, die man eigentlich nicht „behandeln“ wollte, können ihre Funktionalität verlieren. So kommt es durchaus vor, dass Patienten nach einer Stirnstraffung ihr Oberlid nicht mehr heben können.

Haut wie neu? Weitere Methoden zur Entfernung lästiger Gesichtsfalten sind Laserbehandlungen und die Dermabrasion.

„Bei diesen Methoden werden die obersten Hautschichten so verändert, dass es zu einer Entzündungsreaktion kommt und sich über diese Entzündungsreaktion das Bindegewebe strafft“, so Prof. Deutinger. Nach diesen Behandlungen ist absoluter Sonnenschutz notwendig.

Vorbeugen & pflegen Doch die Maßnahme mit dem größten Anti-Aging-Effekt ist ziemlich simpel. „Weniger Sonnenexposition schützt vor vorzeitiger Hautalterung und Falten.“ Prof. Deutingers Tipp: „Verwenden Sie Tagescremen mit Sonnenschutz!“ Und für alle, die doch der täglichen Pflege und nicht dem Skalpell den Vorzug geben, hat unsere Redaktion eine Auswahl der besten Anti-Falten-Produkte aus der Apotheke zusammengestellt. TAS

Verkaufsleitung: Mag. Birgit Frassl Telefon: (01) 54 600-520 E-Mail: frassl@medizin-medien.at Beratung und Verkauf: Mag. Hannes Weger Telefon: (01) 546 00-525 E-Mail: weger@medizin-medien.at Anzeigenabwicklung: Mag. Edyta Konarzewska Telefon: (01) 54 600-513 E-Mail: ek@medizin-medien.at Leitung Medizin Medien / Redaktion, Chefredaktion Pharmaceutical Tribune: Bettina Kammerer (bk) Telefon: (01) 54 600-610 E-Mail: kammerer@medizin-medien.at Schlussredaktion: Mag. Anita Groß (Gro) Redaktion: Mag. Anita Groß, Dr. Luitgard Grossberger, Mag. Silvia Jirsa, Mag. Tanja Schuch, Dr. Silvana Schwitzer E-Mail: redaktion@pharmaceutical-tribune.at Lektorat: Mag. Eva Posch Layout und Herstellung: Susanne Wolf, Johannes Spandl Ständige Mitarbeiter: Mag. Angelika Kogard (ANKOG), Dr. Enne Pemp, Dr. Irene Promussas (IP), Hannes Schlosser (HS), Denis Todorut (dt) Druck: Friedrich VDV, 4020 Linz Bankverbindung: Hypo Bank Tirol, Konto-Nr.: 520 11 014 031 BLZ: 57000 ISSN 0344-8304 DVR-Nr.: 4007613

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Retinaldehyd C.T.® + Hyaluronatfragmente stimulieren die Neubildung von kollagenen und elastischen Fasern in der Dermis. Retinaldehyd C.T.® verwandelt sich in aktives Vitamin A und regt so den Zellstoffwechsel an. Hyaluronatfragmente erhöhen die Hyaluronsäurekonzentration in der Haut. Dadurch werden die Keratinozyten und Fibroblasten erneuert und die Dicke von Epidermis und Dermis erhöht. Produkt-Tipp: Eluage Creme Reichhaltig, Avène

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Quittensamenauszug + Rotklee mildern Trockenheitsfältchen und sorgen für ein strafferes Hautbild. Quittensamenauszug hat reizmildernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Er reguliert den natürlichen Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Rotklee enthält Isoflavone, die die Haut bei vorzeitigen Alterungserscheinungen unterstützen. Produkt-Tipp: Regenerations Serum, Dr. Hauschka

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Hyaluronsäure + Dexpanthenol sorgen für strahlend schöne, gestraffte Haut. Die Kombination aus lang- und kurzkettiger Hyaluronsäure kann sowohl in die oberen als auch die unteren Hautschichten eindringen und sorgt so für einen Aufpolsterungseffekt. Dexpanthenol unterstützt die Regeneration der Haut. Produkt-Tipp: Hyaluron-Filler Nachtpflege, Eucerin®

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Biostimulatoren + Matrixyl + Hyaluronsäure verbessern die Hautstruktur und mildern Fältchen. Biostimulatoren (Aminosäuren) ersetzen der Haut jene Substanzen, die ihr durch die fortschreitende abnehmende periphere Durchblutung fehlen. Matrixyl unterstützt die hauteigene Feuchtigkeitsregulierung und erhöht dadurch die Hautelastizität. Hyaluronsäure reguliert die Feuchtigkeit. Produkt-Tipp: Extrait Liposomal, Louis Widmer

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Retinol + Lipo-Hydroxysäure korrigieren Falten bei empfindlicher Haut. Retardiertes Retinol vergrößert die Rhamnose + Koffein + Escin Dicke der Dermis und glättet den Teint. verleihen ein jugendliches Äußeres. Lipo-Hydroxysäure verfeinert das HautRhamnose stimuliert und aktiviert die papilläre Dermis. Koffein regt die Mikro- bild, glättet Falten und sorgt für eine zirkulation an und fördert den Abtrans- gezielte, feine Abschuppung der obers­ port von Schlackestoffen. Escin lässt die ten Hautschicht. Produkt-Tipp: Redermic R, Lider abschwellen. La Roche-Posay Produkt-Tipp: Liftactiv Augen, Vichy

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Unternehmensgegenstand: Herausgabe, Verlag, Druck und Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften sowie sonstigen periodischen Druckschriften. Blattlinie: Fortbildungs- und Informationsmedium für Pharmazeuten in Österreich. Beteiligung: Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist die Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH. Gesellschafter der Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 91,98 %, Herr Holger Hüthig mit 7,02 %, Frau Ruth Hüthig mit 0,45 %, Frau Beatrice Hüthig mit 0,28 % und Herr Sebastian Hüthig mit 0,28 %. Mit der Einsendung eines Manuskriptes erklärt sich der Urheber damit einverstanden, dass sein Beitrag ganz oder teilweise in allen Ausgaben, Sonderpublikationen und elektronischen Medien der Medizin Medien Austria GmbH und der verbundenen Verlage veröffentlicht werden kann. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Anmerkung der Redaktion: Zur besseren Lesbarkeit wurde an einigen Stellen die männliche Schreibweise gewählt, z.B. „Apotheker“ statt „Apothekerinnen“. Dabei handelt es sich ausdrücklich um keine Bevorzugung eines Geschlechts.


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Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 18  •  22. Oktober 2012

Kolumne „Apo-Alltag von A bis Z“

Die Super-PKA

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B … wie Berufsethik Ich war schließlich die Erste, die ein ernsthaftes Problem mit ihr bekam, und zwar als ich beobachtete, dass die Super-PKA Kunden nicht

Kolumne

etwas aufschwatzen zu wollen. Es ist zwar legitim, Zusätzliches anzubieten und zu verkaufen, wenn empathisch erfühlt wird, dass das jetzt passen könnte. Es ist aber mehr als deplatziert, wenn es sich um unnötige, ja sogar obsolete Arzneimittel oder um Luxusgüter für eine offensichtlich nicht so betuchte Klientel handelt. Apotheken sind eben keine normalen Shops, die der Maxime der Gewinnoptimierung folgen. An der Tara geht es um unsere Berufs­ ethik, das habe ich schon mehrmals an dieser Stelle erwähnt, und ich wiederhole mich in diesem Punkt auch gerne.

Foto: privat

ie kam, sah und siegte – nun ja, eher stürmte sie in unsere Apotheke wie ein Tsunami. Es hatte den Anschein, als ob sich bei uns eine besonders Dynamische und grandios Fortgebildete beworben hatte, eine Art Super-PKA sozusagen. Schon im Vorfeld ließ sie anklingen, im Besitz einer Rezeptur für eine spezielle Kosmetik zu sein, die unsere Apotheke dann vertreiben könnte. Dazu müsse man ihr aber ein eigenes Labor und ein eigenes Büro zur Verfügung stellen. Nachdem wir ja prinzipiell einmal offen für fast alles sind, gingen wir das Wagnis ein. Doch schon nach zwei gemeinsamen Arbeitstagen stellte sich Ernüchterung ein. Ich hatte einen Kopf voll wie ein Wasserschaff (O-Ton meiner Oma!), denn die neue Kollegin redete ohne Pause – die gesamten zehn Stunden unseres Apothekenarbeitstages lang, egal, ob sie ein Gegenüber hatte oder nicht. Aber noch übten wir uns in Geduld, wir hatten den Eindruck, es halt mit einer hyperaktiven und besonders engagierten Person zu tun zu haben.

von Dr. Mag. pharm. Irene Promussas, Apothekerin in Wien

Ende mit Schrecken

nach deren Bedürfnissen, sondern nach ihren eigenen beriet. Das nahm fast groteske Formen an, sodass ich mich genötigt sah, einzugreifen. Als diensthabende Pharmazeutin ist das ja bekanntlich auch meine Pflicht. Zwar bemühe ich mich nach Kräften, unangenehme Mitarbeitergespräche unter vier Augen zu führen, aber in diesem Fall war Feuer am Dach: Es ging um Kinder, und die dazugehörigen Mütter wirkten schon äußerst argwöhnisch. Betreffende Kundinnen wussten nämlich ganz genau, was sie wollten und was für ihre Kinder gut war. Meiner Meinung nach ist in einer Apotheke nichts so daneben, wie jemandem

Letztlich erwies sich die Kollegin nicht als einfach überdreht oder realitätsfern, sondern leider als psychisch krank. Das wirkliche Problem war allerdings, dass ihr das nicht bewusst war, und es kam zu einem Ende mit Schrecken – einer fristlosen Entlassung, und fast wäre auch noch die Polizei ins Spiel gekommen. Noch heute sind wir damit beschäftigt, den Scherbenhaufen, den sie angerichtet hat, aufzukehren. Aber natürlich haben wir uns auch alle gefragt, was kann man tun, wie verhält man sich richtig, wenn man es im Berufsalltag mit einem offensichtlich kranken Menschen zu tun hat? Mein

Fazit: So der- oder diejenige erwachsen und mündig ist und keinerlei Krankheitseinsicht hat, so gut wie nichts. Man kann lediglich versuchen, immer auch an diese Möglichkeit zu denken, wenn man sich im Alltag über manche Menschen schon sehr wundern muss. Bei KundInnen fällt das leichter, da hat man als ApothekerIn die Möglichkeit „drüber zu stehen“ in dem Sinn, dass man lernt, Angriffe

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Verkaufspraxis: Die

nicht persönlich zu nehmen. Geht es aber um potenzielle MitarbeiterInnen, ist eindeutig mehr Vorsicht angebracht: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, bevor ein Schaden passiert, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der ehemaligen Kurzzeitkollegin wünsche ich selbstverständlich, dass sie eines Tages erkennt, dass sie dringend Hilfe benötigt und diese auch bekommt. ■

gute Frage!

Für Heiserkeit, Kratzen im Hals, Räusperzwang, Hustenreiz und Halsschmerzen gibt es vielerlei Ursachen, wie zum Beispiel eine beginnende Erkältung. Wichtig für die Betroffenen sind eine langfristige Befeuchtung der Schleimhäute, ein starker Schutz vor Reizungen und eine ursächliche Behandlung.   Warum empfehle ich GeloRevoice®? GeloRevoice® Halstabletten bilden einen ergiebigen HydrogelKomplex aus, der den Patienten eine rasche Linderung der Halsbeschwerden verschafft. Zur Wirkung des Hydrogel-Komplexes trägt unter anderem Hyaluronsäure bei. Sie ist eine körpereigene Substanz, die, wie Experten herausfanden, Halsbeschwerden und Heiserkeit effektiv lindert. Zudem regen die enthaltenen Mineralstoffe den Speichelfluss an und bewirken, dass sich der Hydrogel-Komplex besonders gut im Mund- und Rachenraum verteilt. So entsteht ein schützender Film auf der Schleimhaut. Außerdem geht der Wirknutzen aus mehreren Beobachtungsstudien eindrucksvoll hervor.

  Welchen Vorteil hat der Kunde? GeloRevoice® Halstabletten bilden beim Lutschen einen

Hydrogel-Komplex aus, der für den Kunden sofort spürbar ist. GeloRevoice® Halstabletten können auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Das ist speziell für Vielsprecher sehr wichtig. Außerdem schmecken sie angenehm nach Kirsche und Menthol.

  Für wen eignet sich GeloRevoice®? Für alle Menschen, die unter einer gereizten und trockenen Mund- und Rachenschleimhaut leiden – bedingt durch eingeschränkte Nasenatmung bei Erkältungen, typische Berufe, in denen viel gesprochen wird, wie z.B. Call Center Agents, Lehrer, PKA und Apotheker, Raucher, Personen, die sich oft in klimatisierten oder beheizten Räumen aufhalten, sowie Pollenallergiker. schwere Kehlkopferkrankungen auszuschließen. Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine Erkenntnisse vor, die gegen eine Anwendung von GeloRevoice® in dieser Zeit sprechen.

  Wie sage ich es am besten? Lutschen Sie alle zwei bis drei Stunden eine Tablette, maximal sechs pro Tag. Sie werden merken, dass sich Ihr Hals sofort beruhigt. Für einen möglichst langen Effekt empfehle ich Ihnen, die Tablette nach dem Essen zu lutschen.

Promotion

  Worauf muss ich achten? Dauert die Heiserkeit länger als vier Wochen ist eine genaue Abklärung erforderlich, um chronische und


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