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VAL/1A/2012/03/02

www.pharmaceutical-tribune.at

VALSARTAN

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An der Tara

Umfrage

Prof. R. Bauer:

Maiwein

Was hilft bei Fieber­ blasen? Strategien und Kernsätze für das Kundengespräch. Plus: Tipps & Tricks.

Was Nägel rasch und sicher von Pilzbefall befreit – die Produkt­ favoriten heimischer ApothekerInnen.

„Mit unserer neuen Forschungsplattform wollen wir die TCM auf eine evidenzbasierte Stufe stellen.“

Die Trümpfe des Waldmeisters für Feinschmecker und Heilkräuter­ kundige. 14

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Apothekerkammer

E-Medikation rettet Leben Geheimnis Muttermilch

Evaluiert: Pilot E-Medikation Nach einem umfassenden Re-Design soll sie öster­ reich­weit eingeführt werden. So das Resultat der Evaluierung des Pilotprojektes E-Medikation, das kürzlich vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger präsentiert wurde. Die Reaktionen erfolgten sofort und reichen von der Forderung nach einer sofortigen Umsetzung bis zur totalen Ab­ lehnung. u 9

Alkoholsucht Es herrscht Aufbruchstimmung, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek vom Wiener API: Das Dogma der Abstinenz als alleiniges Therapieziel wackelt, neue medikamentöse Optionen stehen vor der Zulassung. Und auch die frühzeitige Therapie wird mehr und mehr zum Thema. u 15

Opiatabhängigkeit

Gefahr BenzoBeikonsum Der „Beikonsum“ von Benzodiazepinen bei Opiatabhängigen, die unter Substitutionstherapie stehen, ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Der unkontrollierte Konsum von Benzodiazepinen erschwert aber nicht nur die Sub­ stitutionsbehandlung, sondern kann auch tödliche Folgen für Drogenkranke ha-

ben. Das BM für Gesundheit will dieser Entwicklung nun mit einer Leitlinie für die behandelnden Ärzte und legistischen Maßnahmen entgegenwirken. Ganz im Sinne der Apotheker, die für die Betreuung Suchtkranker klare Regeln und einen regelmentierten Bezug fordern – beides Prämissen für eine erfolgreiche Therapie. u 13

aufgrund der häufigen Multimorbidität besonders gefährdet. Sie benötigen individuelle Beratung über mögliche Wechselwirkungen in der Apotheke, doch die elek­

tronische Überprüfungsmöglichkeit dazu fehlt. Fazit von Präsident Mag. Burggasser: „Es gibt kein gesundheitlich sinnvolles Argument gegen die E-Medikation.“ u 12

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Statinunverträglichkeit

Potente Alternativen Die Senkung erhöhter LDLCholesterin-Werte ist eine der wichtigsten Maßnahmen in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Statine gehören somit zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Doch nicht jeder Patient toleriert die Behandlung gleich gut. Diätetische Maßnahm­

en können die Lipidsenkung zwar unterstützen, reichen aber alleine meist nicht aus. Auch Fibrate sind nicht wirklich ein Ersatz für Statine, denn ihre Domäne ist die Hypertriglyzeridämie. Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak zeigt medikamentöse Alternativen auf und informiert über innovative Wirkstoffe. u 3

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Was macht Muttermilch gegenüber Milchersatz­ produkten so außergewöhnlich? Warum ist sie zur Krankheitsprävention des Säuglings so überlegen? Neueste Erkenntnisse über Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs) könnten Antworten auf diese Frage liefern. u 7

Die E-Medikation muss endlich eingeführt werden, appelliert die Apothekerkammer. Notfalls sogar im Alleingang – ohne Ärzte. „Weiteres Warten ist lebensgefährlich“, warnte Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, bei einer Pressekonferenz zum Thema „Medikamentensicherheit“. Argumentiert wird mit brisanten Zahlen: Der arzneimittelbedingte Todesfall liege bereits an fünfter Stelle der Todesursachen durch Erkrankungen. Der Grund dafür: Die Wechselwirkungen zwischen mehreren – einschließlich rezeptfreien – Medikamenten würden stark unterschätzt, erklärte Univ.-Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler anhand von Beispielen aus der Praxis. Eine ebenso klare Sprache sprechen die Ergebnisse einer Seniorenbefragung der Karmasin-Motivforschung. Gerade alte Menschen sind


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Zum Thema

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Erste TCM-Forschungsgesellschaft Europas gegründet

Auf der Suche nach Beweisen

Wir schicken es Ihnen auch nach Hause! VALSARTAN

NEU 1A PHARMA

VAL/1A/2012/03/02

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redaktion@pharmaceutical-tribune.at

Valsartan 1A entspricht zu 100% dem Original! Fachkurzinformation auf Seite 10

aktuell, international, unabhängig

4. Jahrgang/Nr. 9 • 14. Mai 2012 • € 4,-

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Umfrage

An der Tara

Prof. Müllner:

Rosskastanie

Individuelle Beratung braucht es in puncto Sonnenschutz – die Produktempfehlungen der Pharmazeuten.

Bauchschmerzen: Wann zur Selbstmedikation geraten werden darf und worauf dabei zu achten ist. 6

„Von den in etwa 3.500 verschiedenen Wirkstoffen in zugelassenen Präparaten sind zirka 300 für Kinder besonders relevant.“ 2

Aescin reduziert Ödeme und Druckschmerz und macht müde Beine wieder munter. 13

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Lobbying im Gesundheitswesen

Das Paket für Transparenz Schulung für Allergiker

Wie man sich mit einfachen, aber durchdachten Marketingmethoden von anderen Apotheken abgrenzen kann, zeigt Mag. Uli Walther. Sie machte mit einem klaren Konzept aus ihrer Landapotheke in Kalsdorf eine wahre Herzensangelegenheit. u 10

Kosmetik für die Topfigur Alle Jahre wieder boomt der Markt mit Kosmetika, die Abhilfe bei Cellulite versprechen. Wunderkuren gibt es keine, aber Wirkstoffkombinationen, die für Straffung und eindeutig mehr Wohlgefühl in der eigenen Haut sorgen. u 15

Das Pharmaziestudium sorgte in der letzten Zeit für einige Aufregung. Während Vertreter der Studierenden die Studieneingangsphase scharf kritisierten, entschied das Rektorat, ab dem Wintersemester 2013 die Pharmazie auf ein Bachelor-Master-System umzustellen. Dagegen sind nun nicht nur die Studi-

envertreter, sondern auch die Apothekerkammer. Dass die Einführung des sogenannten Bologna-Systems noch einmal abgewendet werden kann, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Wir sprachen mit dem Studienprogrammleiter Univ.-Prof. Dr. Helmut Spreitzer über die kommenden Neuerungen. u 11

fenlegen. Auch traditionelle Interessensvertretungen wie z.B. die Ärztekammer und die Sozialpartner sind inkludiert. Die strenge Regelung stößt auf

geteilte Ressonanz, doch das Gesetz wird wahrscheinlich Mitte Mai den Ministerrat passieren. Die Diskussion dazu auf Seite u 9

Löscht Sodbrennen schnell und professionell!

EBM-Serie Mikronährstoffe

Nicht „sauer“ sein Bedingt durch die Industriekost der westlichen Welt – zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte –, wird der Säure-Basen-Haushalt oft nicht in Balance gehalten. Vor allem Nahrungsmittel tierischer Herkunft wie Fleisch, Wurst, Eier und Käse, aber auch phosphathältige Getränke wie Cola sind Säurebildner. Die latente

Azidose, von der ein Großteil der Bevölkerung betroffen ist, findet zunehmend als Risikofaktor für chronische Erkrankungen Beachtung. Der Benefit eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts für die Gesundheit lässt sich ganz evidence-based anhand von aktuellen Studienergebnissen belegen. u 14

Wirkstoff: Magaldrat. Fachkurzinformation auf Seite

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Sodbrennen im OUT während der Fußball EM

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Die Apotheke mit Herz

Pharmaziestudium

Neu: BachelorMaster-System

Wo endet Lobbying und wo beginnt Korruption? Um Vorkommnisse, wie sie derzeit im aktuellen parlamentarischen Untersuchungsausschuss diskutiert werden, in Zukunft zu verhindern, will die Regierung in Kürze das sogenannte „Transparenzpaket“ verabschieden, das unter anderem ein neues Lobbying-Gesetz enthält. Österreich habe diese Diskussion dringend notwendig gehabt, befinden Experten. Von den zirka 2000 Personen, die hierzulande in der professionellen Interessensvertretung tätig sind, arbeiten etwa 100 in Lobbying-Agenturen, der Rest ist in Unternehmen, Interessensverbänden und NGOs angestellt. Das Gesetz sieht klare Regeln für sauberes und korrektes Lobbying vor: So müssen sich Lobbyisten künftig in einem Register anmelden sowie den Auftraggeber und Lobbying-Gegenstand of-

P.b.b. Verlagspostamt 1050 Wien/GZ 02Z032751 W

Bei den ersten Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion heißt es rasch handeln. Voraussetzung ist, dass Allergiker ihre Notfallmedikamente immer bei sich tragen und dann auch zum Einsatz bringen. Das ist leider gar nicht selbstverständlich. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Betreuungspersonen sollten für das richtige Verhalten im Notfall geschult sein. u 5

GRAZ – Kann man alte Volksmedizin mit modernen Methoden evaluieren? Ja, man muss sogar, betont Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer im Gespräch mit Pharmaceutical Tribune. Der Institutsleiter für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz ist Gründungspräsident der ersten europäischen „Good Practice in Traditional Chinese Medicine (GP-TCM) Research Association“, die die chinesische Heilkunst auf eine evidenzbasierte Stufe heben will.

Fotos: Fotolia.com

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Fachkurzinformation auf Seite 10

Bettina Kammerer Chefredakteurin

Herr Professor Bauer, was ist das Ziel der Forschungsgesellschaft? Das Ziel ist, die TCM mit modernen wissenschaftlichen Methoden auf eine evidenzbasierte Stufe zu stellen. Die TCM ist eine Erfahrungsmedizin, die man zunächst einmal respektieren muss. Aber natürlich zählt Erfahrungswissen heute nicht als Beweis für Wirksamkeit. Wir brauchen wie in der westlichen Medizin klinische Studien. Wenn wir das nicht machen, bleibt das Ganze auf der esoterischen Stufe stehen und ihr bliebe die Anerkennung verwehrt. Wie soll das gehen, die TCM ist ja stark individualisiert? Dazu braucht es eben die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pharmakologen, Toxikologen, Chemikern, Klinikern, die wir alle in unserer Plattform haben (siehe Kas­ ten). Wir forschen mit modernen Methoden, in erster Linie mit Metabolomik. Die zweite Herausforderung ist das andere Theoriegebäude der TCM. Die Chinesen verwenden ja Begriffe wie Yin und Yang oder die fünf Wandlungsphasen, wo wir gar nicht wissen, was das aus naturwissenschaftlicher Sicht ist. Diese theoretische Grundlage müssen wir in ein modernes wissenschaftliches System übersetzen. Wir können derzeit mit pharmakologischen Methoden nicht sagen, das Stärken von Yin z.B. entspricht einer Sympathikus-Stimulierung. Das ist zwar wahrscheinlich relativ nahe, aber es ist trotzdem nicht das Gleiche. Die Chinesen sehen den Menschen ganzheitlich und als System. Die westliche Medizin reduziert eine Krankheit auf ein Target und versucht sie häufig mit einem Arzneimittel zu heilen. Aber auch in der westlichen Medizin ist man schon z.B. in der Krebsmedizin oder AIDSTherapie von einer Einzel-Arzneimittel-Therapie abgekommen und verwendet verschiedene Arzneimittel als Kombination. Zum Zweiten thematisiert auch die westliche Medizin immer mehr die „Personalized

Medicine“, die ja eine individualisierte Medizin ist. Im Endeffekt fließen diese modernen Entwicklungen der westlichen Medizin mit dem, was die chinesische Medizin per se von Anfang an macht, zusammen. Sie sprechen von modernen Methoden, welche meinen Sie? Methoden, die auch die personalisierte Medizin anwendet, wie z.B. die Biomarker-Analyse. Man analysiert und charakterisiert eine Krankheit anhand hunderter oder tausender Biomarker aus den Körperflüssigkeiten. Es wird versucht, Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz

Tausende von Patienten mit chinesischen Diagnosen, z.B. eine bestimmte Yang-Schwäche oder eine Wind-assoziierte Erkrankung, mit Biomarker-Mustern zu korrelieren. Mit Bioinformatik kann man dann das Spezielle an dieser Diagnose herausrechnen. Man hat also ein Mus­ ter für das kranke System und ein Muster für das gesunde. Das Ziel klinischer Studien wäre es zu schauen, wie weit man mit einer TCMTherapie, wie z.B. Akupunktur oder Kräutermedizin, das Muster eines kranken Menschen in ein gesundes Muster zurückführen kann. Welche evidenzbasierten Ergebnisse gibt es bereits? Bisher hat man hauptsächlich versucht, aus wirksamen Pflanzen die verantwortlichen Inhaltsstoffe herauszuziehen, z.B. wird das Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß heute als Reinstoff gegen Malaria verwendet. Das ist natürlich keine TCM mehr, aber zeigt, dass an der Pflanze etwas dran war. Es gibt

auch ein paar klinische Studien, z.T. publiziert im Lancet und im JAMA. Diese haben nachgewiesen, dass chinesische Kräutermischungen gegen Psoriasis wirken. Eine Studie aus Australien zeigte, dass eine Teemischung beim Reizdarm-Syndrom wirkt – bekanntlich alles sehr schwierig behandelbare chronische Erkrankungen. Aber wir brauchen noch viel, viel mehr Evidenz. In letzter Zeit werden gerne westliche Kräuter nach TCM-Art eingesetzt, ist das sinnvoll? Wer das TCM-Prinzip beherrscht und auch die Eigenschaften einheimischer Pflanzen gut kennt, der kann natürlich eine Verbindung herstellen. Ich würde es daher nicht ausschließen, europäische Pflanzen auch entsprechend der chinesischen Theorie anzuwenden. Grundsätzlich halte ich diese Idee für sehr spannend. Aber auch da ist Evidenz gefordert. Es ist nicht damit getan zu sagen: Ich glaube, es wirkt. Wie stehen Sie zur Traditionellen Europäischen Medizin, wo es auch Bestrebungen gibt, sie analog zur TCM als TEM zu etablieren? Ich bin ja von der Traditionellen Europäischen Medizin gekommen und befürworte sie sehr. Ich denke sogar, dass das Interesse an TCM am Schluss wieder der europäischen Medizin nutzen kann. Grundsätzlich sehe ich auch in Europa ein enormes Potenzial, wir haben genauso interessante Pflanzen und Verfahren in der Phytotherapie, die schützenswert sind. Wir haben leider in Europa den Fehler gemacht, die traditionelle Medizin einfach zu früh abzustellen. In China ist die TCM sogar in der Verfassung verankert. Wo sehen Sie die Medizin der Zukunft? Wenn man weit vorausschaut, ist das Ziel insgesamt eigentlich eine integrierte Medizin. Die westliche Medizin hat enorme Stärken. Leider wird aus europäischer Sicht sehr häufig eine Polarität konstruiert, man

versucht, die eine gegen die andere auszuspielen. In China ist das anders, da gibt es kein Entweder-oder, sondern ein Miteinander. Ich glaube, man muss einfach offener sein. Basis ist aber wie gesagt Evidenz, um zu wissen, was wir fundiert anwenden können. In diese integrierte Medizin der Zukunft gehört auch die Traditionelle Europäische Medizin mit hin­ ein. Da gibt es ja schon mehr Evidenz als zu manchen chinesischen Pflanzen, denken Sie etwa an Johanniskraut oder Baldrian. Wir haben auch lange überlegt, ob wir nicht beides in unserer Association verbinden. Aber die TCM ist schon sehr speziell, gerade bei der Akupunktur – die haben wir in der europäischen Medizin nicht.  Interview: Mag. Anita Groß

Liebe Leserinnen und Leser! Als potenzieller Patientin stellt sich mir bei der frisch entfachten Diskussion um die E-Medikation unwillkürlich die Frage, was eigentlich tatsächlich noch vernünftige Gründe gegen ihre Einführung sind – und das, ohne multimorbid oder auf eine Dauermedikation angewiesen zu sein. Als Fachjournalistin hoffe ich, dass in der Diskussion Sachargumente schwerer wiegen werden als standespolitisches Kalkül. Gerade im Megawahljahr, wo sich die Standesvertretungen von Apothekern und Ärzten neu formieren, ist die Gefahr einer Instrumentalisierung von Pro- und KontraArgumenten groß. Wird bei jedem zweiten Arztbesuch vor Wechselwirkungen gewarnt, ist die Forderung der Mediziner nach einem praktikableren und weniger bürokratischen System allerdings nachvollziehbar. Wird gleichzeitig – wie ebenfalls im Pilot – die Möglichkeit einer vollständigen wie aktuellen Medikationsliste von Apothekern und Ärzten einhellig und mehrheitlich als positiv für die Patientensicherheit beurteilt, so ist damit ein ganz wesentliches Projektziel erreicht worden. Dennoch gibt es zu denken, wenn selbst die Studienautoren eine grundsätzliche Überarbeitung des Projekts empfehlen – es bleibt somit Verhandlungssache, welche systemimmanenten Auflagen für den Arbeitsalltag von Ärzten und Apothekern letztlich als zumutbar zu werten sind. 2012 wird spannend für Apotheker, Ärzte – und Patienten. kammerer@medizin-medien.at

Studien im Lancet und JAMA: Für einige chinesische Pflanzeninhaltsstoffe gibt es bereits evidenzbasierte Ergebnisse.

Foto: privat

Foto: Lukas Beck

Editorial

  Wie die Forschungsplattform entstand

u Im dreijährigen Projekt „Good

Practice in Traditional Chinese Medicine (GP-TCM) Research in the Post-genomic Era“ aus dem 7. EU-Rahmenprogramm vernetzten sich mehr als 200 an TCM-Forschung interessierte Wissenschaftler aus 24 Ländern (v.a. EU-Länder und China, aber auch USA, Australien, Kongo) zu einer Plattform, um Konzepte zu Qualitätskontrolle, Pharmakologie, Toxikologie, klinischer Anwendung, Arzneimittelzulassung zu entwickeln, die eine TCM-Forschung auf höchstem Niveau ermöglichen. Damit dieses Netzwerk auch nach Ende des Projekts bestehen bleibt, initiierte Prof. Rudolf Bauer, der auch schon den österreichischen TCM-ForschungsCluster ins Leben rief, die erste „GP-TCM Research Association“ Europas. Noch heuer ist eine Tagung in Shanghai geplant, nächstes Jahr in Graz.


Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Pharmazie kompakt

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Medizin & Pharmazie

Lipidsenkung

GRAZ – Die Senkung erhöhter LDL-Cholesterin-Werte gilt als eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Mit den HMG-CoA-Reduktasehemmern steht dafür auch eine äußerst effektive Behandlung zur Verfügung. Was aber tun, wenn Patienten nach der Verschreibung über unerträgliche Myalgien oder Muskelschwäche klagen und auch ein Wechsel innerhalb der Substanzklasse keine Besserung bringt? Welche medikamentösen Alternativen gibt es für Menschen, die unter einer Statinintoleranz leiden?

Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz Foto: Wustinger

Statine gehören weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Nicht jeder Patient toleriert die Behandlung allerdings gleich gut. „Ich habe in unserer Ambulanz sicher schon 50 Patienten gesehen, die kein einziges Statin vertragen haben“, schätzt Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz, und geht von einer noch wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Wenn Dosisreduktionen, Komedikationen und Wechsel des Statins nicht helfen, muss bei Patienten, die nach den Konsensusempfehlungen eine Lipidtherapie benötigen, eine andere Behandlungsoption überlegt werden. Diätetische Maßnahmen können die Lipidsenkung zwar unterstützen, reichen alleine aber in der Regel nicht

Tag und für die lipidsenkenden Wirkungen sogar vier Gramm“, so der Stoffwechselexperte.

Alternative Ezetimib? Fibrate sind nicht wirklich ein Ersatz für Statine: Ihre Domäne ist die Hypertriglyzeridämie. Sie erhöhen zwar das HDL-C, haben aber auf das LDL-C keinen allzu groß-

zent erreicht werden konnte. Die Triglyzeride wurden im Schnitt um vier Prozent reduziert, bei höheren Ausgangswerten waren aber auch TG-Senkungen von zehn Prozent möglich. Ein gewisser Nachteil von Ezetimib ist jedoch, dass die Substanz trotz generell guter Verträglichkeit nicht für alle Patienten mit Statinintoleranz in Frage kommt: Eine an der Med Uni Graz durchgeführte Studie er­gab, dass etwa die Hälfte der Betroffenen auch Ezetimib nicht toleriert.

Neue Ionenaustauscher Als Alternative für Patienten, die zu Myopathien neigen, bietet sich Colesevelam an, ein neuer Ionenaustauscher, der im Darm Gallensäuren bindet und diese

Foto: Fotolia.com

Alternativen bei Statinunverträglichkeit Prävention von Plaques: Durch diätetische Maßnahmen allein kann der Cholesterinspiegel maximal um 15 Prozent gesenkt werden.

Weichmacher des Stuhls fungieren. Die Vorteile gegenüber den alten Ionenaustauschern sind, dass das Präparat als Filmtablette angeboten wird und wesentlich geringere Mengen benötigt werden. Mit einer Dosis von 4,5 g pro Tag konnte unter Studienbedingungen eine LDL-C-Senkung um 20 Prozent erreicht werden. Allerdings, schränkt Prof. Toplak ein, gebe es bei Ionenaustauschern immer Hyper-Responder, die viel stärker auf die Therapie ansprechen, und Non-Responder: „Wenn Ionenaustauscher verwendet werden, ist es immer wichtig zu überprüfen, ob sie beim individuellen Patienten auch wirklich wirksam sind. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Ezetimib, das fast

werden. Das entspricht in etwa einer Therapie mit 20 mg Simvastatin.

Nikotinsäure Ein weiteres wirksames Medikament, das nicht nur den Lipidstoffwechsel günstig beeinflusst, sondern bei Postinfarkt-Patienten auch nachweislich die Mortalität senkt, ist Nikotinsäure. Das B-Vitamin ist allerdings wegen seiner Nebenwirkungen (Flush-Symptomatik) etwas in Misskredit geraten. „Der Flush ist zwar unangenehm, aber ungefährlich“, betont Prof. Toplak. „Nikotinsäure wird am besten vor dem Schlafengehen eingenommen.“ Durch zwei neue Entwicklungen konnte in den letzten Jahren die Flush-Wahrscheinlichkeit deutlich reduziert werden: Mit retardierter Nikotinsäure und der zusätzlichen

STARK gegen Juckreiz Dermodrin

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aus. Da bei einer einigermaßen gesunden Lebensweise pro Tag nur etwa 300 mg Cholesterin mit der Nahrung zugeführt, jedoch 900 mg von Leber und Darmschleimhaut synthetisiert werden, kann der Cholesterinspiegel durch eine cholesterinarme Ernährung und die Einschränkung von gesättigten Fetten und Transfettsäuren maximal um 15 Prozent gesenkt werden. Eine Möglichkeit, den Lipidstoffwechsel günstig zu beeinflussen, sind Omega-3-Fettsäuren, die nicht nur eine antiarrhythmische, sondern auch eine antiatherogene Wirkung haben. Mit einer 300-mg-Kapsel ist es dabei aber nicht getan. „Für die antiarrhythmischen Effekte brauchen Sie etwa ein Gramm Fischöl pro

en Einfluss, sodass sie vor allem bei kombinierten Hyperlipidämien ohne wesentliches LDL-Problem eingesetzt werden sollten. Wesentlich effektiver bei LDL-CErhöhungen ist Ezetimib, ein spezifischer Cholesterin-Resorptionshemmer, der an den Enterozyten wirkt. Im Unterschied zu Ballaststoffen und älteren Ionenaustauschern hat Ezetimib keinen Einfluss auf die fettlöslichen Vitamine. Ezetimib wird zwar normalerweise mit Statinen kombiniert, kann aber bei Statinunverträglichkeit auch allein eingesetzt werden. Eine gepoolte Analyse von Phase-III-Studien zeigte, dass mit der Monotherapie eine LDL-C-Senkung von 17 Pro-

über den Stuhl aus dem Körper entfernt. Da die Substanz nicht vom Körper aufgenommen wird,

Explizit „Ich habe in unserer Ambulanz sicher schon 50 Patienten gesehen, die kein einziges Statin vertragen haben.“ Prof. Hermann Toplak

kann sie auch nicht zu Muskelbeschwerden führen und hat eine extrem gute Verträglichkeit. Häufigste Nebenwirkung ist Verstopfung, da Gallensäuren ja auch als

immer wirkt.“ Ein oft nicht ungelegen kommender Begleiteffekt der Colesevelam-Gabe ist die Senkung des HbA1c: Der Ionenaustauscher ist daher auch für Diabetiker geeignet und wirkt bei diesen wie ein zusätzliches orales Antidiabetikum. Bei Vorliegen einer gemischten Hyperlipidämie kann Colesevelam auch mit Fibraten kombiniert werden. Ebenso möglich ist eine gemeinsame Gabe von Colesevelam und Ezetimib. Da beide Substanzen zwar Cholesterin-Resorptionshemmer sind, aber über verschiedene Mechanismen wirken, addieren sich ihre Effekte. Auf diese Weise können LDL-C-Reduktionen von 30 Prozent erzielt

Gabe eines Prostaglandin-D-Hemmers ist die Therapie für 90 Prozent der Patienten tolerierbar. LDL-Cholesterin und Triglyzeride können mit Nikotinsäure um 20 Prozent gesenkt werden, etwa in derselben Größenordnung liegt auch der Anstieg des HDL-C. Für statinintolerante Patienten, die mit Ezetimib, Colesevelam und Nikotinsäure nicht ausreichend therapiert werden können, wird es demnächst voraussichtlich eine weitere Alternative geben: Zwei injizierbare Substanzen, die direkt in die Synthese der LDL-Partikel eingreifen, also über einen gänzlich neuen Mechanismus zur Lipidsenkung führen, stehen bereits in den Startlöchern.  HÖ Seminare im März; Graz, März 2012

Fachkurzinformation auf Seite 12

Hilft der Haut zu heilen


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Nachgefragt

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Telefonumfrage „Nagelpilz“

Kampf dem Pilz WIEN – Nagelpilz ist hartnäckig, optisch nicht schön und fühlt sich in feuchtwarmer Umgebung wohl. Was Apotheker bei befallenen Nägeln empfehlen, wollten wir in unserer aktuellen Umfrage wissen. Rund die Hälfte aller Nagelerkrankungen sind Onychomykosen. Diese nehmen mit dem Alter an Häufigkeit zu. Zehennägel werden dabei wesentlich häufiger befallen als jene an den Fingern. Dies hängt einerseits mit der Wachstumsgeschwindigkeit zusammen, andererseits mit dem feuchtwarmen Milieu, das vor allem im Winter durch das Tragen dicker Socken und warmer Schuhe garantiert wird. In der warmen Jahreszeit, wenn Sandalen und offene Schuhe am Programm stehen, machen befallene Nägel keinen gepflegten Eindruck, also gilt es, den Nagelpilz möglichst schnell wieder loszuwerden. Wie das am besten geschieht, haben wir 50 Apotheker aus ganz Österreich gefragt. Bei normalen Befall, das heißt, wenn nur ein Nagel bzw. ein Teil des Nagels betroffen ist, empfeh-

len Apotheker antimykotische Nagelstifte oder antimykotischen Nagellack. Eine systemische Behandlung, die durch einen Arzt erfolgt, empfehlen Pharmazeuten nur bei schwerem Befall oder wenn eine Immunerkrankung vorliegt.

Platz 1 Am beliebtesten und am häufigsten empfohlen wird das Produkt Excilor® von Novartis. Von zwei Dritteln aller Apotheker empfohlen, ist es

vor allem aufgrund der einfachen Anwendung sehr beliebt. Excilor® beinhaltet eine Kombination aus Säuremitteln, welche die Mikroumgebung des Nagels auf lange Zeit so verändern, dass der Pilz sich nicht weiter ausbreiten kann. Die Behandlung endet, sobald der Nagel nach etwa drei Monaten zur Gänze nachgewachsen ist und keine Anzeichen von Nagelpilz mehr vorhanden sind.

Platz 2 Auf dem zweiten Platz und von 52 Prozent der Apotheker empfohlen wird Batrafen® Nagellack. Im Vergleich zum erstplatzierten Produkt enthält Batrafen® Nagellack den antimykotischen Wirkstoff

Telefonumfrage „Nagelpilz“ – was Apotheker empfehlen

Firma Novartis Consumer Health – Gebro sanofi-aventis Sanova Pharma AB-Consult Bayer

Polichem S.A.

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Ciclopirox, welcher den Pilz direkt angreift. Die Behandlung dauert ebenfalls drei Monate.

dukt Nailner®. Dieses gibt es in Stift- und in Sprayform. Die darin enthaltenen Wirkstoffe Ethyllactat, Milchsäure, Schmuckzypressenöl, Lavendelöl und Teebaumöl dringen in den Nagel ein und bekämpfen den Pilz vor Ort. dt

Platz 3 Direkt angegriffen wird der Pilz auch durch das drittplatzierte Pro-

Nagelpilz: Zu 75 Prozent fehlbehandelt!

Rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden einmal in ihrem Leben an einer Onychomykose. „Nicht jede Veränderung des Nagels ist automatisch eine Pilzerkrankung“, erklärt Dr. Claudia Heller-Vitouch, ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing. So ist nur rund ein Viertel aller Nagelerkrankungen tatsächlich auf einen Pilz zurückzuführen, der Rest sind andere Erkrankungen. Dr. Claudia Heller-Vitouch

Foto: privat

ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing, Wien

Ursachenforschung „Aus ärztlicher Sicht steht am Beginn der Behandlung die genaue Bestimmung des Erregers, da man durch die rein optische Diagnose rund drei Viertel der Patienten mit einem Antimykotikum fehlbehan-

delt“, berichtet die Ärztin aus der Praxis. Sie rät daher, Kunden, bei denen der Verdacht auf eine Pilzinfektion gegeben ist, zuerst zum Facharzt zu schicken, um die genaue Ursache abklären zu lassen. Eine zuvor begonnene Lokaltherapie kann den Erregernachweis deutlich deutlich erschweren. „Drei Monate vor dem Anlegen der Kultur sollte kein antimykotischer Nagellack verwendet werden“, so Dr. Heller-Vitouch. Bei Cremen und Lösungen sollte der therapiefreie Zeitraum zirka drei Wochen betragen. Ein anderes Problem ist, dass die Lokaltherapie nur bei einem relativ geringen Befall des Nagels Aussicht auf Erfolg zeigt, die Fachliteratur spricht von einem Befall von bis zu 50 Prozent. „Die praktische Erfahrung zeigt, dass das die Höchstgrenze ist“, führt die Ärztin aus. Ist mehr als die Hälfte des Nagels betroffen, hilft nur noch eine systemische Therapie mit oralen Antimykotika. „Ich kombiniere fast immer die sys­temische Therapie mit einer Lokaltherapie“, erzählt Dr. Heller-Vitouch. Diese Kombination steigert den Erfolg der Therapie deutlich.

Foto: Fotolia.com

WIEN – Nagelpilze sind weit verbreitet und langwierig in der Behandlung. Obwohl die Erkrankung an und für sich eher harmlos ist, kann eine fehlgeleitete Selbstmedikation den Beginn einer wirksamen Therapie deutlich verzögern. Wir sprachen mit Dr. Claudia Heller-Vitouch, warum die rein optische Diagnose bei Pilzerkrankungen nicht ausreichend ist.

Ideales „Raumklima“: In Gummistiefeln gedeiht Nagelpilz hervorragend.

Sie betont, dass das früher häufig praktizierte Ziehen des Nagels bei starkem Pilzbefall heute nicht mehr dem State of the Art entspricht.

Prädisponierende Faktoren Nagelpilzerkrankungen sind sehr verbreitet. Je nach Altersgruppe leiden zwischen fünf und 20 Prozent der Bevölkerung an einer Onychomykose. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Prädisponierende Faktoren sind Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus, Polyneuropathien usw. Auch chronische mechanische Traumata, wie z.B. bei Fußballspielern oder Läufern, erhöhen das Risiko, eine Onychomykose

zu akquirieren. Daher sind die Fußnägel auch häufiger betroffen als die Fingernägel. „Daneben gibt es offensichtlich eine genetische Disposition“, erklärt die Ärztin.

Schleichender Beginn Die Infektion mit den Pilzerregern verläuft schleichend. Sie dringen am freien Nagelrand seitlich unter die Nagelplatte ein und breiten sich vom vorderen Nagelrand nach hinten aus. Die infizierten Nagelbereiche ändern ihre Farbe und trüben sich. Die Nagelplatte beginnt an Elastizität zu verlieren und bröckelt langsam ab. Im schlimmsten Fall kann sie sich sogar vom Nagelbett lösen. Ausgehend von einem Nagel kann die Infektion auch

Service: Exakte Diagnose ist wichtig

  Tipps für Kunden

u Pilzsporen sind sehr wider-

standsfähig. Daher sollten Sie bei einer Nagelpilzinfektion ein eigenes Handtuch z.B. für die Füße verwenden, das auch täglich gewechselt wird. u Waschen Sie Handtücher, Badematten und Bettzeug mit mindestens 60 °C, das tötet die Erreger ab. u Für Wäsche, die keine hohen Temperaturen verträgt, gibt es spezielle Wäschedesinfektionsmittel. u Gehen Sie bei einer Nagelpilzinfektion nicht barfuß, damit Sie nicht andere Menschen infizieren. u Tragen Sie in Gemeinschafts­ einrichtungen immer eigene Badeschuhe. u Die Füße immer gründlich waschen und abtrocknen. Vergessen Sie nicht die Zehenzwischenräume! u Tragen Sie keine Socken aus synthetischem Material, luftundurchlässige Schuhe und Gummihandschuhe, denn so begünstigen Sie eine Pilzinfektion. u Teilen Sie Schuhe, Inlineskates oder Schischuhe nicht mit anderen Menschen.

auf andere Nägel übergreifen. Unbehandelt kann sie zu einer vollständigen Zerstörung des Nagels führen. Zuwarten ist also keinesfalls der richtige Ansatz. TAS


Medizin & Pharmazie

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Welt-Nichtrauchertag

WGKK informiert über Angebote für den Rauch-Stopp

Nikotin hat ein vergleichbares Suchtpotenzial wie Heroin. Mit professioneller Unterstützung steigt die Chance, dass Rauchstopp-Willige ihr Ziel erreichen. Das Angebotsspektrum reicht von Einzel- über Gruppentherapie bis hin zur stationären Raucherentwöhnung. Wer etwa das persönliche Gespräch und medizinische Hilfe sucht, kann einen Termin mit einer Raucherberaterin bzw. einem Raucherberater in einem der vier Gesundheitszentren vereinbaren. Dabei wird dann die weitere Vorgehensweise (z.B. Einzel- oder Gruppentherapie) besprochen. Bei Bedarf können auch psychotherapeutische Angebote, wie bspw. autogenes Training oder eine Er-

Beratung auch für Betriebe Für schwer tabakabhängige Menschen, die bereits Folgeerkrankungen haben, ermöglicht die WGKK eine dreiwöchige stationäre Rauchertherapie im Grazer Josefhof. Das Programm umfasst dabei drei Stufen:  Erkennen von Ursachen,

 Erarbeiten von Alternativen und  Vorbereitung für das Leben zu-

hause. Nach Ende des Aufenthalts können die ehemaligen Raucherinnen und Raucher ein Jahr lang ärztliche Nachbetreuung im Rahmen eines monatlich stattfindenden RaucherJour-fixe in Anspruch nehmen, um das Rückfallrisiko zu minimieren. Die WGKK bietet aber nicht nur Einzelpersonen Unterstützung an, sondern berät auch Betriebe, die sich für das Thema Rauch-Stopp interessieren. So gibt es etwa Motivationsvorträge zur Raucherentwöhnung, bei denen u.a. über die Gefahren des Rauchens, die Entstehung des Suchtverhaltens und die Erstellung einer Entwöhnstrategie plus deren Vor- und Nachteile gesprochen wird. Weiters bietet die WGKK in den Unternehmen eine ambulante Entwöhnungstherapie für Raucherinnen und Raucher an. Neben all diesen Angeboten gibt es auch kostenlose Broschüren zu den Tabakentwöhnungsangeboten der WGKK, die in Betrieben, Ordinationen oder Schulklassen verteilt werden können.  red

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nährungsberatung, in Anspruch genommen werden. Die Beratung und (nichtmedikamentöse) Therapie sind kostenlos. Es muss lediglich die E-Card mitgebracht werden. Darüber hinaus können sich aufhörwillige Raucherinnen und Raucher im Gesundheitszentrum Wien-Süd im IKAR (Interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Antirauchtherapie) beraten lassen. Bei dem von der WGKK ins Leben gerufenen Programm führen Ärztinnen und Ärzte der WGKK die Betroffenen durch eine fachärztliche Untersuchungsserie. Nach Vorliegen diverser Befunde wird ein maßgeschneidertes Therapieprogramm (einzeln oder in der Gruppe) zusammengestellt.

WIEN – Jede zweite Raucherin bzw. jeder zweite Raucher möchte ihr bzw. sein Rauchverhalten ändern, und jede bzw. jeder Fünfte möchte völlig von der Zigarette loskommen. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) steht Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite.

  Kontakt und Infos für Ihre Kunden

Raucherberatung in den Gesundheitszentren: Gesundheitszentrum Wien-Süd, Dr. Dietmar Windisch 1100 Wien, Wienerbergstraße 13, Telefon: +43 1 601 22-2165 Dr. Windisch ist auch die Kontaktperson für IKAR und die stationäre Raucherentwöhnung. Gesundheitszentrum Wien-Mariahilf, Dr. Herbert Nell 1060 Wien, Mariahilfer Straße 85–87, Telefon: +43 1 601 22-40696 Gesundheitszentrum Wien-Mitte, Dr. Waltraud Kellner 1030 Wien, Strohgasse 28, Telefon: +43 1 601 22-40345 Gesundheitszentrum Wien-Nord, Dr. Ingrid Schulz 1210 Wien, Karl-Aschenbrenner-Gasse 3, Telefon: +43 1 601 22-40229 Rauchfrei im Betrieb: Telefon: +43 1 601 22-3777 E-Mail: gesundheitsfoerderung@wgkk.at Broschürenservice: Telefon: +43 1 601 22-2119 , Fax: +43 1 601 22-2135 E-Mail: office.oea@wgkk.at Das Rauchertelefon - 0810 810 013 Das Rauchertelefon ist Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr von speziell geschulten Psychologen besetzt. Außerhalb dieser Zeit können Rückruf- und Terminwünsche auf Band gesprochen werden. Auch eine längerfristige Begleitung oder die Beratung von Angehörigen ist möglich.

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An der Tara

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Beratung: Herpes simplex

Einmal Herpes – immer wieder Herpes WIEN – Lippenherpes, der im Volksmund gerne als Fieberblase und in der Medizin als Herpes labialis oder Herpes simplex bezeichnet wird, kündigt sich schon ein bis drei Tage vor dem Auftreten von nässenden Bläschen durch Jucken, Spannungsgefühl und Überempfindlichkeit an. Unangenehmerweise handelt es sich hierbei um eine Virusinfektion, die nach der Erstinfektion nicht zu einer Immunität führt. Im Gegenteil, das Virus wandert von der Epidermis über die Nervenbahnen zu den Nervenwurzeln und nistet sich dort dauerhaft ein. In Stresssituationen wie bei körperlichem oder emotionalem Stress, Erkältung, Übermüdung, starker Sonneneinstrahlung oder Kälte sowie bei Hormonschwankungen wird das Virus wieder aktiv und verursacht die so unangenehmen Bläschen – hauptsächlich an den Lippen.

Prioritäten des Handelns Das Auftreten an den Lippen ist zwar typisch, aber nicht unbedingt zwingend. Ebenso können die Bläschen am Naseneingang, an den Ohrläppchen und an den Wangen auftreten, von wo sie sich gelegentlich bis zu den Augen ausbreiten. Besonders in diesem Fall ist eine rasche, effiziente Behandlung erforderlich, da es sonst zu den gefürchteten Hornhautnarben und Hornhauttrübungen kommen kann – Sehstörungen bis zur Erblindung können die Folge sein.

Da das Virus seinen Wirt lebenslang nicht mehr verlässt, kennen die Betroffenen die Symptomatik meist gut und kommen mit einem präzisen Wunsch in die Apotheke: „Bitte die Fieberblasencreme XY!“ Entsprechend der „Platinregel des Handelns“ tut der Mensch in der Regel das, was von ihm verlangt wird – im konkreten Fall also die gewünschte Salbe aushändigen. Bei Betrachtung der „Goldenen Regeln des Handelns“ werden zwei weitere Dimensionen unterschieden: In der ersten Dimension werden Aufwand und Nutzen gegeneinander abgewogen. Der Aufwand ist in diesem Fall das Beratungsgespräch, das im Kauf, also dem Nutzen, resultiert. Diese Überlegung stellt im Verkauf aber eine Falle dar, da in den seltensten Fällen schon frühzeitig erkannt werden kann, ob der Kunde kaufen wird oder nicht. Die zweite Dimension betrifft die moralisch-ethische Entscheidung: Um das Wohlbefinden des Kunden zu steigern, muss auf dieser Basis jedenfalls das Gespräch gesucht werden, wenn durch modernere Therapieansätze bessere Ergebnisse

zu erwarten sind. In diesem Sinne muss der Kunde auf die neueren, erfolgversprechenderen Präparate und Methoden verwiesen werden, wobei der Kommunikationsstil entscheidend ist.

Führen Sie Ihre Kunden Die Kunst dabei liegt nicht nur darin, dem Kunden zu sagen, welche Maßnahmen für ihn gut sind, sondern ihn selbst herausfinden zu lassen, wie er seine Fieberblasen gerne behandeln möchte. Folgende Eingangsfrage kann dazu gewählt werden: „Was stört Sie an Ihrer Fieberblase am meisten?“ Stehen Schmerzen oder der kosmetische Faktor im Vordergrund, so wird der Kunde möglicherweise an Herpespatches besonderen Gefallen finden. Wird das Jucken als sehr unangenehm empfunden, wird der kühlende Effekt eines Gels oder einer leichten Creme das Wohlbefinden stärken können. Sagen Sie Ihren Kunden, dass es sich bei den beiden letztgenannten Maßnahmen um eine symptomatische Behandlung, nicht jedoch um eine ursächliche Methode handelt: „Diese Creme lindert das Spannungsgefühl und den Juckreiz. Wichtig ist auch, das geschwächte Immunsystem wieder zu stärken!“ Das macht den Kunden neugierig für nachfolgende Empfehlungen oder lässt ihn sogar nachfragen: „Welche Möglichkeiten gibt es da?“ ANKOG

Wissen extra: Hilfe bei Aciclovir-resistenten Viren

Mit Teebaum und Melisse gegen Lippenherpes

Zur Therapie von Herpesinfektionen sind verschiedene Virostatika wie z.B. Aciclovir und weitere Nuk­ leosidanaloga zugelassen, schreiben Prof. Dr. Paul Schnitzler vom Department für Infektiologie und Virologie der Universität Heidelberg und seine Mitarbeiter in der Zeitschrift „HNO“. Diese Substanzen hemmen die DNA-Neusynthese und inhibieren auf diese Weise die Virusvermehrung. Problematisch ist, dass in den letzten Jahren vermehrt Aciclovir-resistente Herpesviren isoliert wurden, die vor allem von immundefizienten Patienten stammten. Alternative Behandlungsoptionen mit anderem Wirkmechanismus sind somit sehr erwünscht.

In diesem Zusammenhang sind Naturprodukte von großem Interesse, deren chemische Vielfalt kaum zu überbieten ist. Ob beispielsweise ätherische Pflanzenöle gegen Herpesviren aktiv sind, kann in vitro mit verschiedenen Tests untersucht werden. So zeigte sich in Laboruntersuchungen eine deutliche Wirksamkeit von ätherischen Ölen aus Melisse, Pfefferminze und Teebaum gegen HSV, selbst gegen Aciclovir-­ resistente Stämme. Dabei unterscheidet sich der Wirkmechanismus der Naturprodukte grundlegend von demjenigen synthetischer Produkte: Melissenöl, aber auch andere ätherische Öle und Pflanzenextrakte interagieren direkt mit Viruspartikeln

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HEIDELBERG – Aus verschiedenen Heilpflanzen können ätherische Öle gewonnen werden, die antiviral wirksam sind. Melissenöl, Teebaumöl und Pfefferminzöl bekämpfen Herpes­ viren in vitro und sind teilweise zur Therapie von Herpes­ infektionen bereits im Handel verfügbar.

und verhindern dadurch das Anheften der Viren an die Zellen und/oder sie unterbinden das Eindringen der Viren in die Zellen. Synthetische antivirale Substanzen wirken dagegen erst zu einem späteren Zeitpunkt des viralen Replikationszyklus.

Schmerzlinderung Bei einem Teil der Pflanzenprodukte kommen viruzide Eigenschaften hinzu, beispielsweise zerstören bestimmte ätherische Öle die Lipidhülle von Herpesviren, sodass diese ihre Infektiosität verlieren. In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie mit Lippenherpes-Patienten wurde ein Gel getes­ tet, das sechs Prozent Teebaumöl

Factbox

Tipps und Tricks für Ihre Kunden mit Herpes: • Da Fieberblasencremes am besten wirken, wenn sie schon beim ersten Spannungsgefühl aufgetragen werden, müssen sie immer griffbereit sein! • Vermeiden Sie intensive Sonneneinstrahlung und verwenden Sie ein Sonnenschutzmittel mit einem hohen Schutzfaktor! • Vermeiden Sie Kälte, Frost und starken Wind und schützen Sie die Haut mit Kälteschutzcremes! • Suchen Sie bewusst nach besonders stressigen Zeiten nach Ausgleich und Erholung! • Ergänzen Sie Ihre Ernährung mit speziellen Vitamin-, Mineralstoff- und Aminosäureprodukten, vor allem in Zeiten hoher Belastung! • Sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht oder ein kurzer Mittagsschlaf beugen Müdigkeit und Erschöpfung vor und stärken damit das Immunsystem! • Acht Tage vor der nächsten Menstruation und während längerer zahn­ ärztlicher Behandlungen treten Fieberblasen besonders gerne auf – halten Sie Ihre persönliche Wunderwaffe gegen Herpes bereit! Kunden, die den Arzt lieber einmal mehr aufsuchen sollten: • Kunden mit einem geschwächten Immunsystem: > während und nach einer Chemotherapie > bei Einnahme von Immunsuppressiva > bei HIV-Infektion • Kunden, bei denen sich die Fieberblasen nicht nur auf die Lippen beschränken. • Kunden, bei denen die Abheilung länger dauert als üblich und die Symptomatik anders ist als gewöhnlich • Kunden mit Dermatitiden oder Ekzemen Tipp zum Schluss: Sprechen Sie die Sprache der Kunden – greifen Sie deren Worte auf!  Sie sagen, durch die Sonne sind Ihre Fieberblasen aufgetreten – ver­wenden Sie diese Sonnencreme, damit Sie die Sonne das nächste Mal ohne Fieber- blasen genießen können!  Schützen Sie die Haut mit Sonnencreme – vielleicht verhindert das das Auftreten von Fieberblasen!

enthielt. Die Zeit bis zur Reepithelialisierung betrug unter Teebaumöl neun Tage, unter Plazebo 12,5 Tage. Teebaumöl beschleunigt also die Abheilung von Lippenherpes. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Gefahr der Resistenzentwicklung bei der Anwendung von Teebaumöl deutlich geringer erscheint als bei synthetischen Produkten. Ein weiteres Argument für die Anwendung ätherischer Öle ist ihre schmerzlindernde Wirkung, die gerade bei Lippenherpes sehr willkommen ist.

Salbei und Rhabarber Ein standardisierter Extrakt aus Melissenblättern (Lomaherpan®) wurde in einer randomisierten Studie

mit 66 Patienten untersucht, die mindestens viermal jährlich von Lippenherpes betroffen waren. Die Melissencreme wurde fünf Tage lang viermal täglich aufgetragen. In dieser Studie konnte ein therapeutischer Effekt der Melissencreme beobachtet werden – ohne hautreizende oder zytotoxische Nebenwirkungen. Ein Extrakt aus Salbei und Rhabarber führte in einer weiteren klinischen Studie bei Patienten mit Herpes labialis ebenfalls zu guten Erfolgen. Insgesamt fordern die Autoren jedoch weitere kontrollierte Studien mit größeren Patientenzahlen, um die Wirksamkeit von Pflanzenprodukten bei Lippenherpes besser beurteilen zu können. AW Paul Schnitzler et al., HNO 2011; 59: 1176-1184


Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

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Die Kraft der humanen Milch-Oligosaccharide

WIEN – Was macht Muttermilch gegenüber Milchersatz­ produkten so außergewöhnlich? Warum ist sie zur Krankheitsprävention des Säuglings so überlegen? Im Rahmen des diesjährigen 7. Internationalen Still- und Laktationssymposiums in Wien präsentierte Dr. Lars Bode seine Erkenntnisse über ­Oligosaccharide in der Muttermilch. Dr. Lars Bode, Assistenzprofessor für Kinderheilkunde an der Universität von Kalifornien, ging mit seinem Team der fundamentalen Frage nach, warum bei Frühgeborenen, die gestillt werden, die Inzidenz schwerwiegender Erkrankungen, vor allem der NEC (nekrotisierende Enterokolitis), deutlich geringer ist als bei denjenigen, die mit Milchersatz ernährt werden. Dr. Lars Bode

Foto: privat

Assistenzprofessor für Kinderheilkunde, Universität von Kalifornien

Neueste Erkenntnisse über Humane Milch-Oligosaccharide, (HMOs) könnten Antworten auf diese Frage liefern. „HMOs zählen neben Laktose (60 bis 70  g/l) und Lipiden (35 bis 45  g/l) zu den drittwichtigsten Komponenten der Muttermilch“, so Dr. Bode. Bisher konnten in der menschlichen Muttermilch mehr als 100

termilchersatzprodukten vor“, erklärt der Experte. Ähnlich wie bei den Blutgruppen werden vier genetisch determinierte Milchgruppen unterschieden, wobei jede Mutter ein individuelles Muttermilchprofil aufweist. Zusätzlich variiert die Zusammensetzung vermutlich abhängig von Ernährung, Umwelteinflüssen und Stillstadium – das Kolostrum enthält 20 bis 25 g/l HMOs, die reife Milch 10 bis 15 g/l. Milch­ ersatzprodukte hingegen enthalten etwa tausendfach weniger Oligosaccharide, mit deutlich geringerer Komplexität. Die Synthese der HMOs bleibt bis jetzt als eine der wenigen humanen Synthesewege ungeklärt. Man vermutet jedoch so etwas wie ein Grundmuster, da alle HMOs Laktose enthalten.

Positiver Einfluss auf das Immunsystem In vitro konnte für HMOs sowohl eine präbiotische als auch antiadhäsiv antimikrobielle Wirkung nachgewiesen werden. HMOs fungieren sozusagen als „Bifidus-Faktor“. Sie sind magensäureresistent und werden im Darm weder hydrolysiert und kaum resorbiert. So er-

pylobacter jejuni an Kulturzellen und intestinale Mukosa-Epithelzellen signifikant verringert ist. Die Kolonisation im Mäusedarm bei hohen Konzentrationen einer bestimmten HMO (2´-Fukosyllaktose) ist reduziert. Ein ähnlicher Wirkmechanismus bestimmter HMOs muss für die deutlich geringere Inzidenz der Amöbenruhr bei gestillten Säuglingen gegenüber nicht gestillten angenommen werden. Dasselbe gilt für Erkrankungen des Nasopharyngeal- und Urogenitaltrakts. Zusätzlich konnte in vitro gezeigt werden, dass HMOs die Immunzell­ antwort beeinflussen. Dies erfolgt einerseits, indem sie durch genetische Modulation der Wachstumszellen das Zellwachstum reduzieren und Differenzierung und Apoptose induzieren, und andererseits, indem sie direkt eine exzessive mukosale Leukozyteninfiltration oder

Explizit „Gestillte Frühgeborene haben ein sechs- bis zehnfach erniedrigtes Risiko, an NEC zu erkranken, als mit Milchersatz ernährte Kinder.“ Dr. Lars Bode

auch -aktivierung verhindern. So wird angenommen, dass bestimmte sialinisierte HMOs wesentlich zur Allergieprävention beitragen. Der

Foto: Fotolia.com

Geheimnis Muttermilch

Gesunde Muttermilch: Bereits über 100 Oligosaccharide wurden identifiziert.

Im Rattenmodell wurde ein signifikanter Unterschied zwischen Tieren, die mit Milchersatz oder mit humaner Muttermilch ernährt wurden, beob­achtet. 60 bis 65 Prozent der mit Milch­ersatz ernährten Ratten erkrankten an NEC, die Vier-TagesÜberlebensrate betrug 75 Prozent. Bei Ratten, die bei der Mutter verblieben und die mit HMOs ernährt wurden, betrug die Vier-Tages-Überlebensrate hingegen 100 Prozent. Die für das bessere Outcome verantwortliche HMOs wurden als DSLNT (Disialyllakto-NTetraose) identifiziert.

Gehirnentwicklung Gestillte Kinder zeigen nachgewiesenermaßen mit 18 Monaten

Quelle für Sialinsäure sind, bleibt jedoch noch zu klären.

Effekte auf die Mutter Eine weitere Überlegung ist, dass die bereits erwähnten Benefits der Muttermilch für die Neugeborenen möglicherweise auch auf die Mütter selbst übertragbar sind. Zum Beispiel reduzieren bestimmte HMOs die Bindung von Staphylokokken und somit die Entstehung von Mastitis. Da sich im mütterlichen Harn präpartal HMOs finden, wird auch ein systemische Wirkung vermutet. Zusammenfassend sind sich alle Experten des 7. Internationalen Still-und Laktationssymposiums

Dragees

Neo-Emedyl Bei Reisekrankheit gegen Schwindel, Übelkeit und Erbrechen 50 mg Dimenhydrinat: die wirksame Dosierung 50 mg Coffein: vermindert die Müdigkeit

verschiedene HMOs identifiziert werden. Dabei handelt es sich um strukturell unterschiedliche, unkonjungierte Polysaccharide, deren Bausteine Glukose, Galaktose, N-Azetylglukosamin, Fukose und Sialinsäure mit N-Azetylneuraminsäure als vorherrschendem Anteil sind. „HMOs kommen in großer Zahl in der Muttermilch, jedoch weder bei anderen Säugern noch in Mut-

reichen sie das Kolon intakt und in hohen Konzentrationen. Außerdem wirken HMOs als antiadhäsive Antimikroben, indem sie – Darmmukosa-Epithelzellen ähnelnd – als lösliche Rezeptoren fungieren und somit die Bindung viraler, bakterieller und parasitärer Pathogene an die Darmschleimhaut reduzieren. In vitro und im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass die Bindung des pathogenen Cam-

genaue Wirkmechanismus ist jedoch bis dato ungeklärt.

Nekrotisierende Enterokolitis „Gestillte Frühgeborene haben ein sechs- bis zehnfach erniedrigtes Risiko, an NEC zu erkranken, als mit Milchersatz ernährte Kinder“, so Dr. Bode. NEC, die bei fünf bis zehn Prozent aller Frühgeborenen auftritt, endet in 25 Prozent aller Fälle tödlich.

eine fortgeschrittenere Entwicklung und mit sieben Jahren eine höhere Intelligenz auf als die ungestillten. Es wird angenommen, dass die Gehirnentwicklung und Kognition von der Sialinsäurekonzentration abhängt, denn bei gestillten Säuglingen werden deutlich höhere Konzentrationen gefunden als bei Kindern, die mit Milchersatz ernährt werden. Ob sialinsäurehältige HMOs die vorrangige

mit Coffein

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einig: Muttermilch ist zum derzeitigen Stand der Wissenschaft durch nichts adäquat zu ersetzen. Ob in Zukunft HMOs zur Krankheitsprävention synthetisch hergestellt und supplementiert werden können oder Spendermilch die Alternative zur Muttermilch darstellen wird, ist noch abzuwarten.  BKA Pressekonferenz zum 7. Internationalen Stillund Laktationssymposium; Wien, April 2012

Fachkurzinformation auf Seite 12

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Kosmetik

Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Impressum

Welche Wirkstoffe helfen am besten?

Schuppen – kein Grund zur Panik! Internationale Zeitung für Pharmazie in Österreich

WIEN – „Schneegestöber“ vom Kopf ist ein lästiges und vor allem hartnäckiges Problem. Die kosmetische Industrie brachte in den letzten Jahren zahlreiche Anti-Schuppen-Shampoos auf den Markt, die helfen, die Abschuppung der Kopfhaut zu norma­ lisieren, und die das Haar zusätzlich pflegen. Hier finden Sie die Favoriten der Redaktion.

Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH Anschrift: 1120 Wien, Grünbergstraße 15 / Stiege 1 Telefon: (01) 54 600-0 Fax: (01) 54 600-710

dung die Bildung neuer Schuppen verhindern. Als pilz- und bakterienhemmende Wirkstoffe werden z.B. Selendisulfid, Zinkpyrithion, Climbazol und Piroctone Olamine eingesetzt. Ketoconazol und Salicylsäure/ Fumarsäure normalisieren die Abschieferung. Die Wirkstoffe sind so in die Shampoos eingearbeitet, dass ein kleiner Teil in der Kopfhaut zurückbleibt und dort seine Wirkung entfalten kann. Hier unsere Favoriten in der Apothekenkosmetik.  TAS

Geschäftsführer: Thomas Zembacher

ˉ Werk (7) Fotos: L‘Oréal - inneov;

Schon seit über 50 Jahren beschäftigt sich die Forschung mit den läs­ tigen Kopfschuppen. Die Ursache konnte mittlerweile identifiziert werden: Der Hefepilz Malassezia globosa ist der Übeltäter. Wie stark die Schuppen ausgeprägt sind, hängt von der individuellen Reaktion der Kopfhaut auf den Pilz ab. Die kosmetische Industrie brachte in den letzten Jahren eine Reihe von Wirkstoffen auf den Markt, die die losen Hornplättchen von Kopfhaut und Haar verringern und bei regelmäßiger Anwen-

www.pharmaceutical-tribune.at

Quelle: www.kosmetik-transparent.at

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Selendisulfid + Ichthyol wirken gegen trockene, rieselnde Schuppen und trockene Kopfhaut. Selendisulfid sorgt in mikronisierter Form für eine wirkungsvolle und nachhaltige Hemmung von Mikroorganismen (Typ Malassezia). Ichthyol reguliert die vermehrte Korneozytenbildung und normalisiert die Talgdrüsenproduktion. Juckreiz wird gelindert, Entzündungen werden gehemmt. Produkt-Tipp: Ducray Squanorm Shampoo Trockene Schuppen

Anzeigenabwicklung: Mag. Edyta Konarzewska Telefon: (01) 54 600-513 E-Mail: ek@medizin-medien.at Leitung Medizin Medien / Redaktion, Chefredaktion Pharmaceutical Tribune: Bettina Kammerer Telefon: (01) 54 600-610 E-Mail: kammerer@medizin-medien.at Schlussredaktion: Mag. Anita Groß (Gro)

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Huflattich + Klettenwurzel sagen chronischen Schuppen ohne Juckreiz den Kampf an. Huflattichextrakt löst Schuppen und wirkt leicht antiseptisch, reizmildernd und entzündungshemmend. Das ätherische Öl und die Schleimstoffe des Klettenwurzel­ extraktes befreien die Kopfhaut von überschüssigen Schuppen. Das Haar erhält Fülle und Glanz. Produkt-Tipp: Rausch Huflattich Anti-Schuppen Shampoo

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Ätherische Öle aus Wacholder + Teebaum + Zitrone + Pfeffer + Thymian entfernen Schuppen und beugen einer weiteren Entstehung vor. Der Komplex aus fünf ätherischen Ölen ergänzt sich in der Wirkung: Wacholder kräftigt, Teebaum wirkt antiseptisch, Zitrone und Thymian reinigen und Pfeffer gleicht aus. Die Pflegeformel auf Basis von pflanzlichen Schaumbildnern beruhigt die Kopfhaut und verleiht dem Haar neuen Glanz. Produkt-Tipp: L’Occitane AntiSchuppen Shampoo

Verlaufsleitung: Mag. Birgit Frassl Telefon: (01) 54 600-520 E-Mail: frassl@medizin-medien.at

Redaktion: Mag. Anita Groß, Dr. Luitgard Grossberger, Mag. Silvia Jirsa, Mag. Tanja Schuch, Dr. Silvana Schwitzer E-Mail: redaktion@pharmaceutical-tribune.at

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3,5% Azol-Active-Depot + Climbazol + Octopirox bekämpfen Schuppen wirksam und nachhaltig. Das antimikrobielle Reinigungssystem 3,5% Azol-Active-Depot enthält anionische und amphotere Tenside, die Schuppen beseitigen und die Kopfhaut pflegen. Climbazol wird von den Haaren aufgenommen und bildet dort ein Depot zur Bekämpfung von Hefepilzen. Zusammen mit Octopirox wird so die Neubildung von Schuppen verhindert. Polidocanol beruhigt die Kopfhaut und lindert Juckreiz. Produkt-Tipp: Eucerin Anti-Schuppen Shampoo

Leitung Medizin Medien / Verkauf: Reinhard Rosenberger Telefon: (01) 54 600-510 E-Mail: rosenberger@medizin-medien.at

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Lipo-Hydroxy-Säure + Salicylsäure beseitigen hartnäckige Schuppen. Mikro-exfolierendes LHA (LipoHydroxy-Acid) wirkt keratolytisch und zieht gleichmäßig in die Hornschicht ein. Es bewirkt direkt an der Haarwurzel eine präzise, sanfte und gezielte MikroExfolierung, ohne die Haut zu irritieren. Salicylsäure wirkt ebenfalls keratolytisch. Glycacil mildert Irritationen. Die Kopfhaut wird geklärt und neuer Schuppenbildung vorgebeugt. Produkt-Tipp: La Roche-Posay Kerium DS Anti-Schuppen Intensiv Shampoo-Kur

Selendisulfid + Cohesyl helfen wirksam gegen Schuppen bei trockenem Haar. Selendisulfid (Selenium DS) wirkt gezielt gegen hartnäckige Schuppen und beugt einem Rückfall vor. Das Ceramid Cohesyl hat eine wichtige Rolle beim Zellaufbau der Kopfhaut und gilt als „Zement“ zur festen Zellverankerung. Es beruhigt die Kopfhaut und bringt sie wieder ins Gleichgewicht. Produkt-Tipp: Vichy Dercos AntiSchuppen Shampoo für trockenes Haar

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Lactobazillus paracasei ST11 + Biotin ergänzen Anti-Schuppen-Maßnahmen. Lactobazillus paracasei ST11 verbessert die Barrierefunktion der Haut und Biotin unterstützt den Körper bei der Bildung von Keratin. Im Gegensatz zu den Shampoos müssen diese beiden Wirkstoffe oral eingenommen werden. In einem Verbrauchertest zeigte sich, dass die Wirkung bis zu sechs Wochen nach Ende des Verzehrs anhält. ˉ Gesundes Haar SD Produkt-Tipp: Inneov

Lektorat: Mag. Eva Posch Layout und Herstellung: Susanne Wolf, Johannes Spandl Ständige Mitarbeiter: Univ.-Prof. Dr. Heinz F. Hammer (HFH), Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer (JH), Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner (HÖ), Mag. Angelika Kogard (ANKOG), Wolfgang Kuhn (wok), Dr. Andreas Nechansky (AnNe), Dr. Enne Pemp, Irene Pemp (ip), Dr. Irene Promussas (IP), Martina Reitinger (marei), Hannes Schlosser (HS), Denis Todorut (dt) Druck: Friedrich VDV, 4020 Linz Bankverbindung: Hypo Bank Tirol, Konto-Nr.: 520 11 014 031 BLZ: 57000 ISSN 0344-8304 Mit der Einsendung eines Manuskriptes erklärt sich der Urheber damit einverstanden, dass sein Beitrag ganz oder teilweise in allen Ausgaben, Sonderpublikationen und elektronischen Medien der Medizin Medien Austria GmbH und der verbundenen Verlage veröffentlicht werden kann. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Photokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Anmerkung der Redaktion: Zur besseren Lesbarkeit wurde an einigen Stellen die männliche Schreibweise gewählt, z.B. „Apotheker“ statt „Apothekerinnen“. Dabei handelt es sich ausdrücklich um keine Bevorzugung eines Geschlechts.


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Politik & Wirtschaft 4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

News

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Schwarze Zahlen

Pilotprojekt E-Medikation: 110 Warnungen betrafen potenziell tödliche Wechselwirkungen, hochgerechnet auf ganz Österreich ergibt das 100.000 schwere Wechselwirkungen im Jahr.

Evaluation des Pilotprojektes E-Medikation

Pflege-Jubiläum

Rollout nach Re-Design WIEN – Die E-Medikation soll nach einem umfassenden Re-Design österreichweit eingeführt werden. Das ist das Ergebnis der Evaluierung des Pilotprojektes E-Medikation, die vor Kurzem vom Hauptverband der österreichischen Sozialver­sicherungsträger präsentiert wurde. Die Reaktionen erfolgten sofort und reichen von der Forderung nach einer sofortigen Umsetzung bis zur totalen Ablehnung. Nur drei Tage nachdem die als besonders ELGA-kritisch bekannte Wiener Ärztekammer ihren neuen Präsidenten gewählt hatte, präsentierte der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger die wissenschaftliche Evaluierung des Pilotprojektes EMedikation. Demnach haben im Evaluierungszeitraum (1. Juli bis 31. Dezember 2011) insgesamt 85 Ärzte, 50 Apotheker, 4 Krankenhäuser und 5431 Patienten am Pilotprojekt teilgenommen. Bei 18.310 Verordnungen und 13.797 Abgaben ergaben sich 10.563 Wechselwirkungs-, 2314 Duplikats- und 3693 Intervallwarnungen. 110 Warnungen betrafen schwere Wechselwirkungen, die im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen könnten. Laut DI (FH) Volker Schörghofer, stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, ergibt das hochgerechnet auf ganz Österreich 100.000 schwere Wechselwirkungen pro Jahr. Im Schnitt trat bei jedem zweiten Arzt- oder Apothekenbesuch eine Wechselwirkungswarnung auf. „Die zu leichten Warnungen waren zu häufig“, erklärte dazu Univ.-Prof.

Dr. Wolfgang Dorda von der Medizinischen Universität Wien, der die Evaluierung des Pilotprojektes geleitet hatte. So sei das System z.B. nicht in der Lage gewesen, zwischen einer Salbe und einer oralen Darreichungsform zu unterscheiden. Der Anteil rezeptfreier Medikamente ab den Wechselwirkungswarnungen war mit 3,5 Prozent überproportional hoch. In der Befragung der Pilotteilnehmer bewerteten rund 70 Prozent der Ärzte und 90 Prozent der Apotheker das Vorhandensein einer durch E-Medikation ermöglichten Medikationsliste positiv. Rund 85 Prozent der Patienten gaben an, sich bei Apothekern bzw. Ärzten, die an der E-Medikation teilnehmen, sicherer zu fühlen.

Verbesserungsbedarf Einer der Hauptkritikpunkte war die Benutzerfreundlichkeit des EMedikationsmoduls: Rund 73 Prozent der Pilotärzte und -apotheker äußerten sich hier unzufrieden. Beklagt wurde vor allem der relativ hohe Zeitaufwand. Das Evaluationsteam empfiehlt in seinem Bericht daher auch eine Reduktion der Komplexität der System­architektur sowie eine Verbesserung der Soft-

warequalität und -integration. Vor dem österreichweiten Rollout rät das Team zu einer stärkeren Einbindung der betroffenen Gruppen. Die Medikationsprüfung sollte vereinfacht und die Reichweitenwarnung überdacht wer­den. Noch einmal diskutieren sollte man auch die Erfassung der Dosierung. Für die zentrale Interaktionsdatenbank empfiehlt das Team eine Überarbeitung durch ein Fachgremium.

Ziel: Rollout Ende 2013 Für Ärzte und Apotheker befürwortet das Evaluationsteam eine verpflichtende Teilnahme, während die Teilnahme für die Patienten freiwillig sein sollte. DI Schörghofer betonte in diesem Zusammenhang, dass durch die Möglichkeit des Opt-out die Teilnahme für die Patienten ohnehin freiwillig sei. Insgesamt war das Evaluierungsteam der Meinung, dass es Sinn macht das Projekt E-Medikation weiter zu verfolgen. „Allerdings empfehlen wir wirklich, unbedingt einiges an den Pilotierungsumständen und Rahmenbedingungen zu ändern und ein Re-Design zu machen“, erklärte Prof. Dorda abschließend. Seitens des Hauptverbandes bemüht man sich nun um die Realisierung. DI Schörghofer: „Mein Ziel ist, dass wir Ende 2013 mit dem Rollout beginnen.“ Das größte Hindernis auf diesem Weg ist das fehlende ELGA-Gesetz. Um den vorgegebenen Zeitplan einzuhalten, wäre es notwendig, noch vor dem Sommer einen entsprechenden Ministerratsbeschluss zu erzielen.

WIEN – Im Vorjahr bilanzierten erstmals alle österreichischen Krankenversicherungsträger positiv, das geht aus dem nun veröffentlichten endgültigen Gebarungsergebnis hervor. Demnach erzielten die Kassen 2011 bei einem Gesamtbudget von rund 15 Mrd. Euro einen Überschuss von 291 Mio. Euro. Damit hat sich das endgültige Ergebnis gegenüber dem im Februar veröffentlichten Endergebnis (plus 240 Mio. Euro) um 51 Mio. Euro verbessert. Für das laufende Jahr rechnen die Krankenkassen „nur noch“ mit einem Überschuss von 24 Mio. Euro, da die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen wie z.B. die Senkung des Dienstgeberbeitrages bei den öffentlich Bediensteten zu geringeren Einnahmen führen werden. Die erzielten Überschüsse sollen dazu verwendet werden, den noch immer vorhandenen Schuldenberg zu tilgen.

Erste Reaktionen der Stakeholder Die Reaktionen auf den Bericht ließen nicht lange auf sich warten. Gesundheitsminister Alois Stöger äußerte sich positiv zum Projekt. So könnten sich Patienten mit der E-Medikation „noch sicherer“ fühlen. Auch für den Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Artur Wechselberger, stimmt das Grundkonzept. Allerdings mache die Überfrachtung mit zu vielen Funktionen die Sache nicht praktikabel. Anders die Reaktion des Kurienobmanns der niedergelassenen Ärzte Dr. Günther Wawrowsky. Er ortete schwere Mängel bei der Software sowie bei der „überdimensionierten“ Auslegung des Projekts. Verhalten reagierte der Präsident der Wiener Ärztekammer Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres. Er plädierte für eine „genaue Analyse der Ergebnisse unter Einbeziehung aller Projektpartner“. Neben der Österreichischen Apothekerkammer (siehe Seite 10) forderten auch die Pensionistenvertreter die sofortige Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte. „Die Blockade von E-Medikation und auch ELGA ist endlich zu beenden“, erklärte NR-Präs. i.R. Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes. Er kündigte an, auch vor aktionistischen Maßnahmen nicht zurückschrecken zu wollen. TAS Hintergrundgespräch E-Medikation; Wien, Mai 2012

WIEN – Seit 15 Jahren sind mit dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz die Qualität, Kompetenz und Verantwortung der Pflegefachberufe in Österreich gesetzlich geregelt. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) nutzte das Jubiläum für einen Festakt im Gesundheitsministerium, bei dem Gesundheitsminis­ter Alois Stöger Pionierinnen der österreichischen Pflege das Ehrenzeichen der Republik Österreich verlieh. Themen der Enquete waren unter anderem die Bedeutung des Berufsgesetzes sowie der Ausbau des Handlungsrahmens für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege.

Klare Werbe­beschränkung BRÜSSEL – Der Slogan „Gut fürs Immunsystem“ hat künftig in der Lebensmittelwerbung ausgedient. Der Ausschuss für Verbraucherschutz im Europaparlament billigte einen Vorschlag, rund 1600 gesundheitsbezogene Werbeslogans zu verbieten. Die Lebensmittelhersteller haben nun sechs Monate Zeit, um ihre bereits verpackten Produkte zu verkaufen, danach dürfen die Slogans mehr nicht verwendet werden. Zuvor waren die gesundheitsbezogenen Werbeaussagen von der Europäischen Lebensmittelagentur EFSA überprüft worden. Nur jene Slogans, die als wissenschaftlich fundiert erachtet worden waren, wurden zugelassen, insgesamt waren dies rund 220 Werbeaussagen.


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Politik & Wirtschaft

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Apothekerkammer warnt: UAWs dramatisch unterschätzt

Sofortiger Start der E-Medikation rettet Leben WIEN – Die E-Medikation muss endlich eingeführt werden, appelliert die Apothekerkammer. Notfalls sogar im Alleingang – ohne Ärzte. Warum die Pharmazeuten so auf die Tube drücken, argumentieren sie anhand brisanter Zahlen. Der arzneimittelbedingte Todesfall liegt bereits an fünfter Stelle der Todes­­ursachen durch Erkrankungen.

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Prof. Dr. Franz Böhmer. Wobei die häufigste gefährliche Arzneimittelneben- bzw. -wechselwirkung die Blutung sei, so Prof. Beubler.

Gleich drei von vier aller arzneimittelbedingten Todesfälle seien auf Blutungen zurückzuführen, betont der Pharmakologe und bezieht sich auf eine schwedische Studie (BJCP 65, 2007; 573). Von 11.000 Todesfällen wurden 1574 randomisiert ausgewählt. Von diesen starben 49 an tödlichen UAWs, 75 Prozent davon an schweren Blutungen. Insgesamt liege der arzneimittelbedingte Todesfall immerhin an fünfter Stelle – hinter Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebserkrankung und Lungenerkrankung. In Deutschland spreche man bereits von 20.000 Arzneimittel-Toten pro Jahr. Auf Arzneien mit Wirkung auf die Blutgerinnung sei daher besonders zu achten. Blutungsgefahr besteht laut Prof. Beubler, wenn man Azetylsalizylsäure (ASS), Cumarine, Heparine oder Clopidogrel/Prasugrel kombiniert mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), selektiven SerotoninWiederaufnahmehemmern (SSRI) inklusive Johanniskraut, Paracetamol, Protonenpumpenhemmern (PPI) und Ginkgo-Präparaten. „Die Kombination von Cumarin mit einem NSAR ergibt das 13,5-fache Blutungsrisiko“, beruft sich der Pharmakologie-Experte auf eine Studie von Lanas et al.

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Blutungen bringen viele ums Leben

Explizit

Explizit

„36 Prozent aller über 60-Jährigen in Österreich nehmen mehr als neun verschiedene Medikamente.“

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„Weiteres Warten ist lebensgefährlich“, warnt Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, eindringlich davor, die E-Medikation noch weiter hinauszuzögern. Einen Tag nach der Präsentation der Evaluierung zum Pilotprojekt E-Medikation (siehe Bericht Seite 9) erklärten die Apotheker bei einer Pressekonferenz, warum die elektronische Überprüfung der Medikation so bald wie möglich kommen muss. Die Wechselwirkungen zwischen mehreren – einschließlich rezeptfreien – Medikamenten werden stark unterschätzt. Dazu kommt, dass beinah zwei Drittel aller abgegebenen Arzneimittelpackungen an Senioren gehen, die aufgrund von Multimorbidität häufig Medikamente kombinieren müssen. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) aller über 60-Jährigen in Österreich würden mehr als 13 verschiedene Medikamente einnehmen, rund jeder Zweite mehr als sechs und gut ein Drittel (36  Prozent) mehr als neun verschiedene Medikamente, berichtet Univ.-Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler, ehemaliger Vorstand am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Graz. Aber schon bei fünf verschiedenen Medikamenten treten laut Studien mit 50-prozentiger Sicherheit eine Interaktion oder Nebenwirkung auf, bei acht gleich mit 100-prozentiger Sicherheit, zitiert Prof. Beubler den Geriatrie-Doyen

Prof. Eckhard Beubler (li.)

(2007). Problematisch ist, dass etliche der genannten Medikamente wie z.B. einige NSAR, ASS und auch schon PPIs rezeptfrei gekauft werden können. Viele dieser OTCProdukte wecken überdies Begehrlichkeiten der Drogerie- und Supermärkte. Hier hakt auch Präsident Burggasser ein: Derzeit gebe es auf dem Gesundheitsmarkt gefährliche Entwicklungen. Immer mehr Supermarkt-Ketten entdecken das Geschäft mit der Gesundheit, Internetfirmen liefern Arzneimittel per Versand nach Österreich und – zuletzt aktuell – Online-Ärzte ordinieren ohne persönliches Gespräch übers Web und verordnen Rezepte. Zudem stellte allein der österreichische Zoll im Vorjahr 41.589 (!)­

  Ratsamer Blick ins Ausland

Internationale Beispiele zeigen, dass so manche Modelle alles andere als nachahmenswert sind: u USA: Bereits 28 Prozent aller KH-Aufenthalte gehen auf falsch eingenommene Medikamente aufgrund unkontrollierter Abgabe in Supermärkten zurück, 16.500 sterben jährlich an Magen-Darm-Komplikationen (Blutungen), die durch an Tankstellen und in Supermärkten erhältliche Schmerzmittel ausgelöst wurden. In Kalifornien gibt es jährlich 5000 Lebertransplantationen bei Kindern wegen Paracetamol-Überdosierung durch die Eltern. Eine Studie der University of Minnesota zeigte, dass 59 von 100 Frauen mehr als vier verschiedene SupermarktMedikamente zu sich nehmen und diese bei einem Arztbesuch gar nicht angeben. u Ungarn: 2007 führten ausufernde Deregulierungsbestrebungen (das geregelte Apothekensystem wurde zerstört, für mehrere rezeptfreie Arzneien fiel die Rezeptpflicht, diese konnten über Automaten, an Tankstellen und in Supermärkten gekauft werden) zu einer akuten Arzneimittel-Unterversorgung, weil es zu einem Apothekensterben am Land kam. Die Kunden litten außerdem unter der schlechten Beratungsqualität. Die Auswirkungen waren so stark, dass die Regierung 2011 wieder ein regulierendes Apothekensystem einführen musste. u Schweden: Das 2009 deregulierte Apothekensystem erfüllte die großen Erwartungen nicht. Trotz massiver Bewegungen im Apothekenmarkt (Schließungen und Neueröffnungen) sank die Kundenzufriedenheit stark: Sie ging innerhalb zweier Jahre von 95 Prozent auf nunmehr 77 Prozent zurück, wie eine aktuelle Umfrage der schwedischen Verbraucherbehörde zeigt. Mit der Beratungsqualität ist heute nur noch rund die Hälfte zufrieden, vor der Liberalisierung fühlten sich noch 80 Prozent von den Apothekenmitarbeitern gut informiert. Jeder Zehnte beklagte übrigens, länger als zwei Tage auf verschreibungspflichtige Medikamente warten zu müssen – vorher waren es lediglich vier Prozent. In diesem Zusammenhang machte die Österreichische Apothekerkammer auf eine am 8. Mai von der Gesundheit Österreich GmbH veröffentlichte Studie zur Auswirkung von regulierten und deregulierten Apothekenmärkten aufmerksam: Demnach führt Deregulation nicht zu einer Preissenkung der OTC-Medikamente, wie oft irrtümlich geglaubt wird.

Explizit „77 Prozent schätzen an der Apotheke vor allem die Möglichkeit, in einem persönlichen Gespräch individuelle Fragen stellen zu können.“ Dr. Sophie Karmasin (Mitte)

gefälschte Medikamente sicher, das entspricht mehr als einer Verdoppelung gegenüber 2010. Österreich steht jetzt laut den Standesvertretern an einer „Wegkreuzung“. Entweder es entscheidet sich für eine hohe Medikamentensicherheit durch eine kontrollierte Abgabe in Apotheken oder es wird Medikamente ohne Beratung „an jeder Straßenecke“ geben. Was das bedeuten kann, zeigt ein Blick über die Landesgrenzen (siehe Kasten). Viele Staaten rudern bereits wieder mit der Deregulierung des Apothekensystems zurück.

Senioren-Befragung Dazu kommt, dass gerade die ältere Bevölkerung die Beratung in den Apotheken gerne annimmt bzw. sie von sich aus sucht. Eine telefonische Umfrage (n = 400) von Karmasin-Motivforschung er­ gab, dass die Apotheke für 85 Prozent der über 60-Jährigen ein Gefühl der Sicherheit im Vergleich zu anderen Bezugsstellen von Medikamenten vermittelt. Dazu Dr. Sophie Karmasin von der Karmasin-Motivforschung: „41 Prozent der Senioren nehmen zumindest einmal pro Monat die Möglichkeit einer Beratung in der Apothe-

„Ich fordere die sofortige Umsetzung der e-Medikation für die Sicherheit aller unserer Patienten.“ Mag. Heinrich Burggasser (re.)

ke in Anspruch. 77 Prozent schätzen an der Apotheke vor allem die Möglichkeit, in einem persönlichen Gespräch individuelle Fragen stellen zu können. Insbesondere Frauen schätzen das beratende Gespräch.“ Individuelle Beratung spielt auch in Hinblick auf Wechselwirkungen eine große Rolle. „74  Prozent der Senioren gaben an, sich bei Kauf von Medikamenten aktiv über Wechselwirkungen zu informieren. 54 Prozent wollen OTC-Produkte nicht in Drogeriemärkten kaufen“, so Dr. Karmasin. Apotheker-Chef Burggasser unterstreicht angesichts all dieser Fakten, welch wichtige Rolle die Apotheken in der Medikamentensicherheit einnehmen. Ein Besuch in der Apotheke könne Leben retten. Seit Jahren schon würden SoftwareLösungen getestet, die die Medikation überprüfen. Die Apotheker hätten überdies mit dem Arzneimittel-Sicherheitsgurt in Salzburg Pionierarbeit geleistet. „Es gibt kein gesundheitlich sinnvolles Argument gegen die E-Medikation“, fasst Präsident Burggasser zusammen. Sollten die anderen Partner im Gesundheitssystem nicht mit im Boot sein, „dann werden wir die E-Medikation mit unseren Möglichkeiten eben wieder alleine umsetzen“. In Frankreich z.B. würden schon 30 Prozent der Menschen ab 60 Jahren freiwillig ein derartiges, allein von den Apotheken getragenes Modell nutzen. In Österreich wäre es realistisch, schon in einigen Monaten mit der E-Medikation zu starten. Allerdings sei noch ein rascher Gesetzesbeschluss im Sinne der Patientensicherheit ausständig, und außerdem gelte es noch EDVSchwächen auszumerzen.  Gro


Politik & Wirtschaft

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Maßnahmen des Gesundheitsministeriums für Opiatabhängige

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WIEN – Der „Beikonsum“ von Benzodiazepinen bei Opiat­ abhängigen, die unter Substitutionstherapie stehen, ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Das BM für Gesundheit will dieser Entwicklung mit einer Leitlinie für die behandelnden Ärzte und legistischen Maßnahmen entgegenwirken.

Opiatabhängige unter Substitutionstherapie: Gleichzeitiger exzessiver Benzodiazepinkonsum ist lebensgefährlich.

der Federführung von Dr. David, der selbst langjährige Erfahrung in der Substitutionsbehandlung hat, Lösungsvorschläge erarbeitet.

Flunitrazepam auf Suchtgiftrezept Das Maßnahmenbündel umfasst zum einen die Erarbeitung von Leitlinien (siehe Kasten), da medizinische Standards im Umgang mit dem schädlichen Gebrauch und der Abhängigkeit von Benzodiazepinen bei Patienten in Substitutionsbehandlung weitgehend fehlen. Zum anderen wurden vom Ausschuss legistische Maßnahmen empfohlen, die Änderungen in der Psychotropenverordnung vorsehen. So sollen die rasch anflutenden Benzodiazepine Rohypnol® und Somnubene® (Wirkstoff Flunitrazepam) der verpflichtenden Verschreibung auf Suchtgiftrezept unterstellt werden. Dies bringt die Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Verschreibung und einen Fälschungsschutz mit sich. Für langsamer anflutende Benzodiazepine wie Diazepam oder Oxazepam soll in der Psychotropenverordnung ein „ne repetatur“ festgelegt wer-

den. D.h., es soll keine Möglichkeit der ärztlichen Anordnung einer wiederholten Abgabe dieser Medikamente mehr geben. „Wir werden den Missbrauch nicht verhindern, aber wir werden ihn erschweren können“, sagt MR Dr. Norbert Jachimowicz von der ÖÄK, Referat Substitution. Warum Ärzte überhaupt Substitutionspatienten derartige Medikamente verschreiben? Bekommt der Abhängige die Benzodiazepine nicht vom Arzt, besorgt er sich seine Medikamente anderswo, zum Beispiel am Schwarzmarkt, gibt Dr. Jachimo­ wicz zu bedenken. „Wir sind bestrebt, eine stabile Situation herbeizuführen und exzessiven Konsum zu verhindern. Daher verschreiben wir Benzodiazepine und ermöglichen damit den Patienten einen kontrollierten Zugang.“ Die Intention gehe dahin, den Ärzten, ähnlich wie bei der Substitutionstherapie, klare Richtlinien zu geben und diese auch legistisch zu hinterlegen. Für klare Regeln und einen reglementierten Bezug plädieren auch Österreichs Apotheker, die intensiv in die Betreuung von Substitutionspatienten eingebunden sind.  GLu

  Wichtige Punkte der Leitlinie

u Ohne längerfristigen Therapieplan soll eine Verschreibung von Benzodiaze-

pinen an polytoxikomane Patienten nicht erfolgen. u Wenn Benzodiazepine verschrieben werden, soll sichergestellt sein, dass

die Patienten regelmäßig den Arzt aufsuchen. u Wenn möglich, sollte eine Umstellung von schnell auf langsam anflutende

Foto: Fotolia.com

In eine durchschnittliche Wiener Apotheke kommen zwischen 30 und 35 Suchtkranke am Tag und nehmen unter Sicht täglich ihre Morphinersatztherapie ein, erzählt Mag. Ilona Leitner, Präsidentin der Apothekerkammer Wien, aus ihrem Alltag. Den Bedarf an Benzodiazepinen bekommt der Patient einmal in der Woche oder einmal am Tag mit – je nachdem, wie die ärztliche Anweisung lautet. Das Problem dabei: Der Patient kann sich seinen Bedarf in der einen Apotheke auf Kassenrezept holen, in der nächsten auf Privatrezept. „Dadurch, dass wir nicht vernetzt sind, besteht hier kein Kontrollmechanismus“, so Mag. Leitner. „Was wir brauchen, sind klare Regeln, einen reglementierten Bezug, der eine erfolgreiche Therapie ermöglicht.“

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Klare Regeln in der Apotheke

Benzo-Beikonsum eindämmen

„Der unkontrollierte Beikonsum von Benzodiazepinen erschwert die Substitutionsbehandlung. Bis zu einem gewissen Grad rückt er sie sogar in ein schiefes Licht“, sagt Michael Dressel, Wiener Drogenkoordinator und Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien. Neben der Suchterkrankung weisen viele Opiatabhängige noch andere psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Angstund Schlafstörungen auf. Benzodiazepine werden, teils in hohen Dosen, als Therapie verwendet. Häufig ist der Arzt, der die Substitutionsbehandlung durchführt, nicht derjenige, der auch die Benzodiazepine verschreibt. Suchtkranke suchen nicht selten verschiedene Ärzte auf, um an die Benzodiazepine, vorzüglich rasch anflutende, zu gelangen. Auch die Zahl der Rezeptfälschungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ungleichmäßige Tagesdosen, massive Dosissteigerungen und ein Kontrollverlust über den Benzodiazepinkonsum sind die Folgen. „Wir sprechen hier von einem exzessiven Konsum, der das Zehnfache und mehr der erlaubten Dosis beträgt“, sagt Dr. Alexander David, Drogenbeauftragter der Stadt Wien. Diese hohen Dosen führen zu schwerer Abhängigkeit und zur Gefahr von Mischintoxikationen. Im Jahr 2010 wurden in 77 Prozent der Suchtgifttodesfälle neben Opiaten auch Benzodiazepine gefunden, verdeutlicht Dr. Johanna Schopper, Bundesdrogenkoordinatorin im Gesundheitsministerium, welches Risiko der Beikonsum von Benzodiazepinen für Opiat­ abhängige darstellt. Der im BM für Gesundheit eingerichtete Ausschuss für Qualität und Sicherheit in der Substitutionsbehandlung hat die Problematik aufgegriffen und unter

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Substanzen erfolgen. Ziel im Rahmen des Therapieplans ist eine allmähliche Dosisreduktion. u Eine psychiatrische Abklärung und eventuelle Therapie inkl. Verordnung von Psychopharmaka aus anderen Substanzgruppen stellt eine Alternative zur Verordnung von Benzodiazepinen dar.

Frauenmedizin 2012

Gratis-HPV-Impfung für Mädchen gefordert WIEN – In Österreich ist Vorsorge meist Privatsache, kritisiert der Berufsverband Österreichischer GynäkologInnen und fordert die Einführung eines bundesweit finanzierten HPV-Impfprogramms für Mädchen. Das Thema Vorsorgemedizin bleibt ein Dauerbrenner in der Gynäkologie, wie sich bei der alljährlichen Pressekonferenz des Berufsverbands Österreichischer GynäkologInnen zeigte. Dr. Michael Elnekheli, Präsident des Verbands, machte dort seinem Ärger Luft: „Österreich mag im Ländervergleich ein gutes kuratives Angebot haben, die Versorgung mit Spitzenmedizin scheint exzellent zu sein, aber der stets halbherzige Zugang zu den Evidenzen der Vorsorgemedizin ist zutiefst unehrlich, unambitioniert und immer der kurzsichtigen Politik untergeordnet.“ Vor allem, dass es bisher nicht gelungen ist, ein finanziertes HPVImpfprogramm auf die Beine zu stellen, stößt auf Unverständnis, zumal Österreich im Jahr 2006 das erste europäische Land gewesen war, in dem die Impfung gegen das humane Papillom-Virus verabreicht worden war. Während die Impfung in vielen anderen Staaten inzwischen in Impfprogramme aufgenommen wurde, fiel in Österreich die Entscheidung dagegen aus, nachdem ein HTA-Bericht keinen Vorteil durch die Immunisierung feststellen konnte. Allerdings wurde die Behandlung von Zervixkarzinomvorstufen und von Erkrankungen, die mit HPV-In-

fektionen ebenfalls in Zusammenhang stehen, nicht in die KostenNutzen-Analyse einbezogen. Dr. Doris Lins­berger, Gynäkologin aus Krems an der Donau, rechnete jedoch vor: „Impft man fünf Patienten, so verhindert man einen Fall von Genitalwarzen, bei acht Patientinnen einen Fall von Genitalwarzen. Impft man 324 Frauen, so verhindert man eine Gebärmutterhalskrebs-Diagnose, und bei 729 geimpften Mädchen einen Todesfall durch Gebärmutterhalskrebs.“ Sie berichtete über eine rezente australische Studie, mit der belegt werden konnte, dass die Rate an Krebsvorstufen bereits nach kurzer Zeit um fast die Hälfte reduziert werden konnte – bei einer hohen Durchimpfungsrate der weiblichen Population zwischen zwölf und 26 Jahren. „Die Impfung ist wissenschaftlich weltweit so unumstritten wie wenige Maßnahmen in der Medizin“, weshalb Dr. Linsberger dringend dazu aufforderte, „diese sinnvolle Primärprävention zumindest den jungen Österreicherinnen zukommen zu lassen“. Nur durch die Kombination von Impfung und PAP-Abstrich könne sich die Zahl der rund 6000 Konisationen pro Jahr in Österreich­ nachhaltig senken lassen. red


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Apo-Portrait

Politik & Wirtschaft

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Leben im Einklang mit der Natur

Die „grüne“ Apotheke

Fotos: Helge Bauer

VILLACH – Dass sich aus einer Farbe eine ganze Unternehmensphilosophie herauskristallisieren kann, zeigt die Perau-Apotheke in Villach. Im Zuge der Logo-Entwicklung wurde „Grün“ auch zum Leitbild der Apotheke. Mag. Wolfgang Haslacher erzählt im Gespräch mit der Pharmaceutical Tribune, wie sich seine Apotheke durch Naturverbundenheit und alternative Beratungsangebote „natürlich“ entwickelte.

Als Mag. Wolfgang Haslacher, Betreiber der Perau-Apotheke in Villach, vor einigen Jahren auf der Suche nach einer Farbe für sein neues Apothekenlogo war, entschied er sich für Grün, weil er damit Natur, Balance und Ausgleich assoziierte. „Mit der Farbe kamen auch immer mehr damit verbundene Themen in die Apotheke“, erzählt Mag. Haslacher. Bald kristallisierte sich das Thema Natur als wesentlich heraus. Im Einklang mit der Natur zu sein, das gehört zum Leitbild. So wurde ein gasbetriebenes Auto angeschafft, die Plastiksackerln durch Taschen aus Maisstärke ersetzt usw. Auch bei den magistralen Zubereitungen bleibt das Team der Perau-Apotheke seiner Linie treu. „Viele Kunden wollen beispielsweise keine Paraffine mehr in ihren Salbengrundlagen“, so der Apotheker.

Bewusst nachhaltig Er versucht, immer mehr Produkte in hochwertiger biologischer Qualität und auch von regionalen

Nachhaltigkeit als Arbeitsprinzip: Keine Plastiksackerln für die Kunden, biolo­ gisch hochwertige magistrale Zuberei­ tungen, „grüne“ Erfrischungen, ...

Das neueste Projekt des engagierten Apothekers ist der Verkauf hochwertiger Schlafsysteme. „Wir haben unseren Nachtdienstraum eigens zu einem Schauraum umgebaut“, berichtet Mag. Haslacher. Ein zertifizierter Schlafberater kommt regelmäßig in die Apotheke und betreut die Kunden auch zuhause weiter.

Kräuterwanderungen Mag. Wolfgang Haslacher: „Wir ver­ suchen immer, etwas von dem, was wir bekommen, weiterzugeben.“

Herstellern anzubieten, wie z.B. Blütenessenzen aus Kärnten. Seit Kurzem sind in der Apotheke auch „grüne“ Erfrischungen erhältlich. Täglich können Kunden Smoothies mit frischen Wildkräutern und Biogemüse genießen.

Die Natur wird nicht nur in die Apotheke hineingeholt, mehrmals im Jahr begibt sich der Apotheker gemeinsam mit seinen Kunden hin­aus ins Grüne. Dafür lädt er seine Stammkunden zu kostenlosen Kräuterwanderungen ein. „Diesen Service bieten wir unseren Kunden unter anderem anstatt der üblichen Rabatte“, erzählt Mag. Haslacher. Die Wanderungen sind einem saisonalen Thema gewidmet und werden auch in der Kundenzeitung der

Apotheke angekündigt. Wenn möglich, werden die frisch gesammelten Kräuter von den Teilnehmenden selbst zubereitet und verkostet – beispielsweise als Kräutercappuccino. „Die Kunden haben eine große Freude an unseren Wanderungen und am Ausprobieren der Rezepte“, berichtet Mag. Haslacher.

Ganzheitliche Beratung Auch in der Beratung setzt das Team der Perau-Apotheke auf alternative Wege. „Eine meiner Kolleginnen hat eine Ausbildung in Traditioneller Europäischer Medizin, eine andere beschäftigt sich seit vielen Jahren mit ätherischen Ölen und absolvierte eine Ausbildung zur Aromapraktikerin nach britischem Modell, einschließlich eines Studienaufenthalts in Irland“, erläutert Mag. Haslacher. Eine weitere Apothekerin schließt derzeit ihre Ausbildung zur Mikronährstoffberaterin ab. Zwei Mitarbeiterinnen bilden sich laufend fort, um Kunden zum Thema Hund und Kat-

ze kompetent zur Seite stehen zu können – mit einem speziell entwickelten Ballenbalsam oder Tipps für die Reiseapotheke auch für Tiere. Durch das Ziel, den Kunden ganzheitliche Lösungen anzubieten, kommt es auch zu einem regen Austausch mit anderen Fachgruppen wie Ärzten, Komplementärmedizinern, Heilmasseuren und anderen.

Bewusstsein für Charity „Wir versuchen immer, etwas von dem, was wir bekommen, weiterzugeben“, erklärt Mag. Haslacher. Daher sammelt er seit September 2011 Geld für die Errichtung eines Kinderhospizes in Kärnten. Um für dieses wichtige Projekt Bewusstsein zu schaffen, organisiert er Veranstaltungen, lässt Spendenboxen bei Partnern rotieren oder gibt einen Teil des Verkaufserlöses bestimmter Produkte als Spende weiter. Zusätzlich unterstützt der engagierte Apotheker seit fast zehn Jahren ein Spital in Madagaskar mit dringend benötigten Medikamenten. TAS

BIOFLORIN – Kapseln. Zusammensetzung: 1 Kapsel enthält mindestens 75 Mio. lebende Keime von Enterococcus faecium SF68® in Trockenkultur. Sonstige Bestandteile: 255,70 mg Lactose, Magnesiumstearat, hochdisperses Siliciumdioxid, Natriumglutamat; Bestandteile der Kapselhülle: Gelatine, Schellack, Lecithin, Dimethicon, Farbstoff E 172. Anwendungsgebiete: Zur symptomatischen Therapie und als Adjuvans bei unspezifischer Enteritis, Enterocolitis und toxischen Dyspepsien bei Erwachsenen und Kindern über 12 Jahren. Bei Kindern zwischen 2 und 12 Jahren liegen Berichte über erfolgreiche Anwendungen vor, doch sind diese durch klinische Studien noch nicht abgesichert. Zur Unterstützung des Wiederaufbaues physiologischer Verhältnisse der Darmflora (z.B. nach Antibiotikatherapie). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Immunsuppression (z.B. HIV-Infektion). Strenge Indikationsstellung bei Autoimmunerkrankungen und bei bestehenden ernsten Magen-Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Geschwüre, Tumore). Zulassungsinhaber: SANOVA PHARMA GesmbH, Haidestraße 4, A - 1110 Wien. ATC-Code: A07FA. Rezeptpflicht/ Apothekenpflicht: Rezeptfrei, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.

Dermodrin - Salbe. Zusammensetzung: 1 g Salbe enthält 20 mg Diphenhydraminhydrochlorid. Zulassungsinhaber: Pharm. Fabrik Montavit Ges.m.b.H., 6067 Absam/Tirol. Anwendungsgebiete: Behandlung von Juckreiz, lokalen Schmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut bei Allergien, Insektenstichen, Dermatitiden, Urtikaria, Pruritus, Ekzemen, juckenden Wundrändern und Exkorationen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, polymorpher Lichtdermatose (Sonnenallergie). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen andere Antihistaminika oder einen der sonstigen Bestandteile. Neugeborene und Kinder bis 2 Jahre. Dermodrin - Salbe darf nicht auf offene Wunden oder Schleimhäute auftragen werden, weiters darf Dermodrin - Salbe nicht auf großflächigen Hautveränderungen, wie auf entzündeter und verletzter Haut, insbesondere bei Patienten mit Varicellen, Morbilli und Blasenbildungen der Haut angewendet werden. Multodrin-Salbe. Zusammensetzung: 1 g Salbe enthält 1 mg (0,1%) Dexamethason, 15 mg Diphenhydraminhydrochlorid, Benzalkoniumchlorid (12 mg/g), Macrogol 550, Gelot 64, Wasser für Injektionszwecke. Zulassungsinhaber: Pharm. Fabrik Montavit Ges.m.b.H., 6067 Absam/Tirol. Anwendungsgebiete: Hauterkrankungen, die auf eine lokale Glucocorticoidtherapie ansprechen, allergische und ekzematöse Erkrankungen wie: Kontaktekzem, allergisches Ekzem, Berufsekzem, endogene Dermatitis und Neurodermitis, atopische Dermatitis, Pruritus, nicht infizierte Insektenstiche mit starker Ödembildung, Gletscher- und Sonnenbrand, Verbrennungen 1.Grades, Erfrierungen und Strahlenschäden der Haut. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile. Neugeborene und Kinder bis 2 Jahren. Multodrin-Salbe darf nicht angewendet werden bei folgenden Erkrankungen: Periorale Dermatitis und Rosacea, Hauttuberkulose, luetischen Hautaffektionen, Hautaffektionen nach Virosen (Variola, Varizellen)und Vaccina. Multodrin-Salbe darf nicht auf offene Wunden und Schleimhäute aufgetragen werden. Weiters darf Multodrin-Salbe nicht auf großflächige Hautveränderungen, wie auf entzündeter und verletzter Haut, insbesondere bei Patienten mit Blasenbildung der Haut, angewendet werden.

Ibumetin forte 400 mg-Filmtabletten. Zusammensetzung (arzneilich wirksame Bestandteile nach Art und Menge): 1 Filmtablette enthält 400mg Ibuprofen. Anwendungsgebiete: Zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen, wie z.B. Gelenksschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen oder Schmerzen bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Ibuprofen und anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) bzw. Analgetika (z.B. Asthmaanfälle, akute Rhinitis, Hautreaktionen nach Einnahme von Acetylsalizylsäure), hämorrhagische Diathese, Hämatopoese-Störungen. Bestehende Magen- und Darm-Ulcera. Schwere Herzinsuffizienz. Schwere Niereninsuffizienz. Leberzirrhose. Letztes Schwangerschaftsdrittel. Frühere, gastrointestinale Blutungen oder Perforationen nach NSAID Therapie. Zwei oder mehrere Episoden nachgewiesener gastrointestinaler Blutungen oder Ulcera. Bei bestehendem systemischem Lupus erythematodes und anderen Autoimmunerkrankungen sollte Ibuprofen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verordnet werden. Vorsicht bei Patienten mit Asthma, Heuschnupfen und chronischen Atemwegsinfektionen, schweren hepatischen, renalen oder cardialen Erkrankungen, schwerer Hypertonie, Magen-Darm-Blutungen oder Ulcera in der Vorgeschichte. Pharmakodynamische Eigenschaften: ATC-Code: M01AE01. Pharmakotherapeutische Gruppe: Nichtsteroidale Antiphlogistika und Antirheumatika. Hilfsstoffe: Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, Natriumlaurylsulphat, Lactose, Croscarmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose, Hydroxypropylmethylcellulose, Talk, Methocel und Farbstoff E171. Name oder Firma und Anschrift des Pharmazeutischen Unternehmers: Nycomed Austria GmbH, St.-Peter-Straße 25, 4020 Linz. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rpfrei mit W 10, apothekenpflichtig. Informationen zu Besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. [0409].

ImpulsMan. Nahrungsergänzungsmittel mit Mikronährstoff-Komplexen, Phytoextrakten und Arginin. Nährstoffe pro Tagesdosis ( = 4 Kapseln): L-Arginin 500 mg, Maca Extrakt 50 mg, Granatapfel Extrakt 50 mg, enthält Ellagsäure 20 mg, Stabilisiertes NADH 2 mg, Vitamin B1 5,5 mg, Vitamin B2 7 mg, Niacin 80 mg, Pantothensäure 30 mg, Vitamin B6 7 mg, Biotin 250 mcg, Folsäure 1.000 mcg, Vitamin B12 125 mcg, Natürliches Vitamin E 60 mg, Vitamin C 80 mg, Vitamin D3 20 mcg, Magnesium 187 mg, Zink 20 mg, Eisen 14 mg, Mangan 2 mg, Kupfer 500 mcg, Selen 55 mcg, Chrom 40 mcg. Verzehrempfehlung: Morgens und abends vor den Mahlzeiten jeweils 2 Kapseln mit Flüssigkeit einnehmen. Mit der PANMOL® MPA-FORMEL für Herz und Muskulatur!

Neo-Emedyl-Dragees. Zusammensetzung: 1 überzogene Tablette enthält 50 mg Dimenhydrinat und 50 mg Coffein. Zulassungsinhaber: Pharm. Fabrik Montavit Ges.m.b.H., 6067 Absam/Tirol. Anwendungsgebiete: Zur Vorbeugung und symptomatischen Behandlung der Reisekrankheit. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder ihre Komponenten (Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin), gegen andere Antihistaminika oder einen der sonstigen Bestandteile, Kinder unter 12 Jahren, Schwangerschaft: 3. Trimenon, Stillzeit, akuter Asthmaanfall, Porphyrie, Stenosen des Magen/Darm-Traktes oder des Blasenhalses, Phäochromozytom, paralytischer Ileus, während und bis 2 Wochen nach Therapie mit MAO-Hemmern. Stand der Information: 12/2006.

Valsartan 1A Pharma 80; 160 mg – Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine Filmtablette enthält 80; 160 mg Valsartan. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten, rein. ATC-Code: C09C A03. Anwendungsgebiete: Valsartan 1A Pharma 80 mg und 160 mg – Filmtabletten: Hypertonie: Behandlung der essenziellen Hypertonie bei Erwachsenen und Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren. Nach einem vor kurzem aufgetretenen Myokardinfarkt: Behandlung von klinisch stabilen erwachsenen Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz oder einer asymptomatischen, links-ventrikulären systolischen Dysfunktion nach einem vor kurzem (12 Stunden bis 10 Tage) aufgetretenen Myokardinfarkt. Herzinsuffizienz: Behandlung der symptomatischen Herzinsuffizienz bei erwachsenen Patienten, wenn ACE-Hemmer nicht gegeben werden können oder zusätzlich zu einem ACE-Hemmer, wenn Beta-Blocker nicht angewendet werden können. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; Schwere Leberinsuffizienz, biliäre Zirrhose und Cholestase, zweites und drittes Schwangerschaftstrimester. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, Crospovidon, hochdisperses wasserfreies Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Filmüberzug: Valsartan 1A Pharma 80 mg: Hypromellose, Titandioxid (E171), Macrogol 8000, Rotes Eisenoxid (E172), Gelbes Eisenoxid (E172). Valsartan 1A Pharma 160 mg: Hypromellose, Titandioxid (E 171), Macrogol 8000, Rotes Eisenoxid (E 172), Gelbes Eisenoxid (E 172), Schwarzes Eisenoxid (E 172). Inhaber der Zulassung: 1A Pharma GmbH,1020 Wien, Österreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: Jänner 2011. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten, sowie Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Valsartan/HCT 1A Pharma 80mg/12,5mg; 160mg/12,5mg; 160mg/25mg – Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Valsartan/HCT 1A Pharma 80 mg/12,5 mg: jede Tablette enthält 80 mg Valsartan und 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Valsartan/HCT 1A Pharma 160 mg/12,5 mg: jede Tablette enthält 160 mg Valsartan und 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Valsartan/HCT 1A Pharma 160 mg/25 mg: jede Tablette enthält 160 mg Valsartan und 25 mg Hydrochlorothiazid. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten und Diuretika, Valsartan und Diuretika. ATC-Code: C09D A03. Anwendungsgebiete: Behandlung der essenziellen Hypertonie bei Erwachsenen. Die fixe Kombination Valsartan/HCT 1A Pharma ist bei Patienten angezeigt, deren Blutdruck mit Valsartan oder Hydrochlorothiazid alleine nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Valsartan, Hydrochlorothiazid, andere von Sulfonamiden abgeleitete Substanzen oder einen der sonstigen Bestandteile; zweites und drittes Schwangerschaftstrimester. Schwere Leberinsuffizienz, biliäre Zirrhose und Cholestase. Schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min), Anurie. Therapieresistente Hypokaliämie, Hyponatriämie, Hypercalcämie und symptomatische Hyperurikämie. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, Crospovidon, Magnesiumstearat, hochdisperses wasserfreies Siliciumdioxid. Filmüberzug: Valsartan/HCT 1A Pharma 80 mg/12,5 mg: Hypromellose, Macrogol 8000, Talkum, Titandioxid, Rotes Eisenoxid, Gelbes Eisenoxid. Valsartan/HCT 1A Pharma 160 mg/12,5 mg: Hypromellose, Macrogol 8000, Talkum, Titandioxid, Rotes Eisenoxid. Valsartan/HCT 1A Pharma 160 mg/25 mg: Hypromellose, Macrogol 4000, Talkum, Titandioxid, Rotes Eisenoxid, Gelbes Eisenoxid, Schwarzes Eisenoxid. Inhaber der Zulassung: 1A Pharma GmbH,1020 Wien, Österreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezeptund apothekenpflichtig. Stand der Information: Oktober 2011. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten, sowie Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.


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Politik & Wirtschaft

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Best of Pharma Advertising 2012

WIEN – Bereits zum 14. Mal wurden am 10. Mai bei „Best of Pharma Advertising“ in der Wiener Börse die „Goldenen Skalpelle“ für die innovativste Pharmawerbung des Jahres vergeben. Der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) schrieb heuer den Wett­bewerb erstmals in acht Kategorien aus. Der Jubel der ausgezeichneten Gewinner war verständlich, ist „Best of Pharma Advertising“ doch ein wichtiges Event der Pharmaund Werbebranche. PMCA-Präsidentin Ines Windisch: „Das Goldene Skalpell hat im Laufe der Jahre

Foto: fotoevent.at

Acht Skalpelle für die Besten

Best of Pharma Advertising 2012: Die vielen strahlenden Gewinner der „Goldenen Skalpelle“ in der Wiener Börse.

einen sehr hohen Stellenwert erreicht.“ Da nur ein Skalpell pro Kategorie vergeben wird, ist aber auch schon die Nominierung für einen der begehrten Preise eine Auszeichnung. Dennoch, so der Geschäftsführer der Medizin Medien Aus-

Gewinner der Goldenen Skalpelle 2012 Anzeige RX Sujet: Dacepton Auftraggeber: Ever Neuro Pharma Agentur: Denken Hilft! Anzeige OTC Sujet: Rhinospray Plus Auftraggeber: Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG Agentur: Jung von Matt/ Donau Werbeagentur GmbH Anzeige Non RX/Non OTC Sujet: ELGA (Elektron. Gesundheitsakte) Auftraggeber: Ärztekammer für Wien Agentur: Denken Hilft! Mailing RX Sujet: Clavamox Sandoz Auftraggeber: Sandoz GmbH Agentur: swot Werbeagentur GmbH Digitale Medien RX Projekt: Victrelis, boceprevir, www.victrelis.at Auftraggeber: Merck Sharp &

Dohme Ges.m.b.H. Agentur Identum/Bluestreet/ CAHG Surge Digitale Medien OTC Projekt: Cystorenal Cranberry Plus, www.gesundeblase.at Auftraggeber: Sanova Pharma GmbH Agentur: ghost.company Werbeagentur Michael Mehler e.U. Integrierte Kampagne RX Kampagne: Victrelis, boceprevir, www.victrelis.at Auftraggeber: Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H. Agentur Identum/Bluestreet/ CAHG Surge Integrierte Kampagne OTC Kampagne: Supradyn Auftraggeber: Bayer Austria Ges.m.b.H. Agentur: Anzenbergpartners & JWT Wien Ges.m.b.H.

tria und PMCA-Vorstandsmitglied Thomas Zembacher: „Nur der Bes­te der Besten bekommt das Skalpell.“ Und das wurde in der Wiener Börse ausgiebig gefeiert: „Für die Honorierung der Leistungen bleibt im Tagesalltag oft nicht viel Zeit, deshalb widmet der PMCA einen Abend unseren Talenten im Marketing“, erklärt Präsidentin Windisch. Über ein Goldenes Skalpell freuen können sich heuer in der Kategorie Anzeige RX Ever Neuro Pharma und die Agentur Denken Hilft! für „Dacepton“ und in der Kategorie Anzeige OTC Boehringer Ingelheim und die Agentur Jung von Matt/Donau für „Rhinospray Plus“. 2012 erstmals vergeben wurde ein Preis in der Kategorie Anzeige Non RX/Non OTC. Hier setzte sich das Sujet „ELGA“ der Ärztekammer für Wien und Denken Hilft! durch. Das Goldene Skalpell in der Kategorie Mailing RX wurde für „Clavamox Sandoz“ an Sandoz und die Agentur swot vergeben.

Online-Werbung Bei den Digitalen Medien wurden „Cystorenal Cranberry Plus – www.gesundeblase.at“ von Sano-

va Pharma und der Agentur ghost. company im erstmals ausgeschriebenen OTC-Bereich und das Projekt „Victrelis, boceprevir, www.victrelis.at“ von Merck Sharp & Dohme und Identum/Bluestreet/CAHG Surge im RX-Bereich ausgezeichnet. Letzteres kann sich auch über ein Goldenes Skalpell für die beste Integrierte Kampagne RX freuen. Den Preis für beste Integrierte Kampagnen OTC gewannen Bayer Austria und die Agentur Anzenbergpartners & JWT für „Supradyn“.

Ärzte, Apotheker und Verbraucher Die Pharmawerbung transportiert sensible Inhalte in einem streng regulierten Bereich. Der vom Pharma Marketing Club Austria (PMCA) ausgeschriebene Wettbewerb „Best of Pharma Advertising“ zeichnet Exzellenz in der Pharmawerbung aus und will gleichzeitig Unternehmen, Agenturen und Kreative zu noch mehr Qualität in der Pharmawerbung anspornen. Eingereicht werden konnten heuer Einzelarbeiten und Kampagnen, die sich gezielt an Ärzte, Apotheker und Endverbraucher richteten und zwischen dem

1. Jänner und 31. Dezember 2011 in Österreich veröffentlicht wurden.

Auswahl durch Fachjury Eine Fachjury aus Werbern, Produktmanagern sowie Marketingund Kommunikationsexperten kürte schließlich in einem zweistufigen Verfahren die Gewinner der Goldenen Skalpelle in den acht Kategorien. Keine leichte Aufgabe, wurden doch fast 80 Arbeiten eingereicht. Thomas Zembacher: „Die Qualität war dieses Jahr enorm hoch, und die Jury hatte fast in jeder Kategorie mehrere Favoriten.“ Die Kreativen Österreichs und der PMCA brauchen übrigens keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Regelmäßig finden sich beim COMPRIX – dem Kreativpreis für die D-A-CHRegion – österreichische Agenturen unter den Ausgezeichneten. SJ

i

Informationen über den Pharma Marketing Club Austria, die ausgezeichneten Sujets und Fotos der Gewinner finden Sie auf www.pmca.at.

Steuertipp

Freiwillige Maßnahmen im Sinne der Kassenrichtlinie: • Die Kassenrichtlinien sehen freiwillige Maßnahmen der Apotheke vor, die die ordnungsmäßige Führung der Bücher und Aufzeichnungen erhöhen: • Freiwillige Belegerteilung bei allen Geschäftsfällen: Die Ausfolgung eines Beleges an den Kunden bei jeden Geschäftsfall an der Kassa erhöht die Qualität der Nachprüfbarkeit bei der Losungsermittlung. • Mindestinhalte von Kassenbelegen: Der Beleg sollte folgende

Inhalte aufweisen: Name der Apotheke, Kassa (bei mehreren Kassen), Datum und Uhrzeit des Beleges, Belegnummer, Einzelprodukte und Preise sowie Gesamtsumme. • Kassensturzfähigkeit: Die Möglichkeit der jederzeitigen Feststellung des tatsächlichen Kassenbestandes. Voraussetzung da­für ist, dass auch die Barentnahmen sowie Zahlungen aus der Kassa (z.B. Post, freiwilliger Sozialaufwand etc.) über das Kassensystem erfasst werden.

erstellt werden (Aufgabe des WIEN – Mit der ab 1. Jänner 2012 in Kraft getretenen KassenrichtEDV-Anbieters). linie sollen die aufgrund fortschreitender technischer Entwick• Tagesabschlussbericht, geglielung verstärkt auftretenden Fragen zur Ordnungsmäßigkeit von dert nach Zahlungswegen (Bar, Kassensystemen beantwortet werden. Auch für die Apotheke Bankomat, Kreditkarte). ergeben sich daraus einige wichtige zu beachtende Punkte im täglichen Betrieb. Worauf die Apotheke im täglichen Geschäftsbetrieb Wert legen sollte: Den Schwerpunkt der neuen Neben Kassen vom Typ 1 (mecha- • Dokumentation von KorrekturKassenrichtlinie bilden einerseits nische Registrierkasse ohne Elektrobuchungen im Kassenbereich: Kriterien für die Ordnungsmäßig- nik) und Kassen vom Typ 2 (einDie Gründe für Stornos, Preiskeit von Registrierkassen, wobei die fache, konventionelle elektronische änderungen oder Korrekturen Aufzeichnungs- und Aufbewah- Registrierkasse mit geringer Speisollten direkt an der Kassa eingerungspflichten näher beschrieben cherkapazität) sind in Apotheken ben werden. fast ausschließlich Kassen vom Typ • Dokumentation von Korrekturwerden. 3, das sind PC-Kassen, im Einsatz. buchungen im WarenwirtschaftsEinteilung der Kassentypen: system: Die Gründe für LagerkorUm die Ordnungsmäßigkeit der Welche Daten müssen vorliegen? rekturen sind meist nicht bekannt; Kassenführung und der Grundauf- • Datenerfassungsprotokoll: Für es sollte daher zumindest einmal zeichnungen bewerten zu können, monatlich eine Liste der Korrekjeden einzelnen Geschäftsvorfall werden die Registrierkassen nach turen ausgedruckt werden. muss eine fortlaufende, chronoverschiedenen Typen unterschieden. logische Ereignisprotokolldatei • Gemeinsamer Einkauf: Beim

gemeinsamen Einkauf mehrerer Apotheken ist darauf zu achten, dass jeweils eine Rechnung an die Partnerapotheke erstellt wird. • Ausgangsrechnungen: Sämtli­ che Ausgangsrechnungen soll­ ten über das EDV-System erstellt werden, wobei insbesondere auf eine fortlaufende Nummerierung und die Rechnungsmerkmale zu achten ist.

Mag. Andreas Sobotka

Steuer- und Unternehmensberater mit Schwerpunkt Apotheken-Beratung bei LBG Österreich www.lbg.at

Foto: Archiv

Betriebsprüfung in der Apotheke – die neue Kassenrichtlinie 2012


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Medizin & Pharmazie

Pharmaceutical Tribune  •  4. Jahrgang  •  Nr. 10  •  29. Mai 2012

Produkte

Aus dem kräutergarten von Dr. Mag. pharm. Enne Pemp Der Waldmeister (Galium odoratum L.)

Klein und fein – für den MaiENwein!

Nahrungsergänzung: Neuer Anti-Age Zellschutz Mit Mai 2012 gibt es eine weitere Innovation aus der Nestlé- und L’Oréal-Forschung: innēov Anti-Age Zellschutz hilft, die Zell-DNA vor täglichen Stressfaktoren zu schützen und trägt damit zur Verlangsamung der Hautalterung bei. Neben oxidativem Stress durch UV-Strahlung, Zigarettenrauch oder unausgewogene Ernährung fördert auch „inflammatorischer“ Stress, u.a. ausgelöst durch Schlafmangel, Übergewicht oder Umwelteinflüsse, die Zellalterung. innéov Anti-Age Zellschutz mit dem Wirkstoff Hesperidin verfügt über ein doppeltes Zellschutz-System: Anti-inflam­ matorischer Schutz durch 430 mg patentiertes Hesperidin + Anti-oxidativer Schutz durch Selen und Vitamin C. Anwendung: Zwei Tabletten pro Tag zum Essen mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen – entweder dauerhaft oder als Kur für drei Monate. innēov Anti-Age Zellschutz, 60 Tabletten, exklusiv in der Apotheke erhältlich. www.inneov.at

Foto: Enne Pemp

Recipe / Waldmeister Schlaftee Asperulae herba cs. 45,0 g Auratii flos 5,0 g  1 gehäufter Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser 5 min ziehen lassen DS: kurz vor dem Schlafen

Traditioneller Tropfen: Neben gebackenen Hollerschöberln ist die Waldmeisterbowle eine der wenigen Zubereitungen der Küche, die nur einmal im Jahr und am besten selbst und frisch zubereitet werden können. Sie genießen eine Sonderstellung und bieten ersehnte Bereicherung im saisonal orientierten Speiseplan guter KöchInnen. Waldmeister zählt zur Gattung der Labkräuter in der Familie der Rubiaceae. Der Habitus von Galium odoratum ist charakteristisch und somit auch die Gewinnung aus Wildsammlung einfach. Er liebt Halbschatten, belaubte Standorte unter Sträuchern und ist ein guter Lehmbodenanzeiger. Typisch sind die vierkantigen Stängel mit in Quirlen angeordneten lanzettlichen Laubblättern. Die Blüten sind sternförmig, weiß und stehen in einer endständigen Trugdolde. Im Unterschied zu zeitgleich wachsenden Labkräutern sind Stängel und Blätter kaum klebend. Sammelzeit ist Mai, vor Einsetzen der Blüte. Brauchtum gegen unedle Gerüche. Waldmeister als gesundheitsbringendes Heilkraut ist lange bekannt. Hieronymus Bock pries Galium odoratum als Herzfreund und Leberkraut. Im Mittelalter war das Kraut beliebt, um sich nach dem Winter unedler Gerüche im Wohnbereich zu entledigen. Das Kraut wurde auf Fußböden aufgestreut und zu Girlanden geflochten im Wohnbereich drapiert. Auch Kissenfüllungen und Matratzenauflagen sind überliefert. Grund dieser parfümierenden und mitunter desinfizierenden Maßnahme ist die Bildung von Cumarin, das beim Trocknen der Pflanze entsteht und den typischen Heugeruch hervorruft. Inhalts- & Wirkstoffe: Der Waldmeister ist eine von vielen Pflanzen, die eine besondere Strategie zur Bildung von Fraßgiften fürs eigene Überleben gegen Herbivoren verfolgt. Die Pflanze speichert in den Vakuolen Cumarsäureglukoside. Bei Zerstörung der Zellen kommt es zum Kontakt mit Glukosidasen der Zellwand und zur Umsetzung von Melilotosid oder Cumarsäure zu toxischen Cumarinderivaten. Cumarine sind Vitamin-K-Antagonisten, die eine Carboxylierung (Aktivierung) von Vorstufen der Gerinnungsfaktoren und Protein C und S verhindern. Diese Vorläufersubstanzen bleiben gerinnungsphysiologisch inaktiv. So wird durch Cumarine die Gerinnungskaskade verlangsamt und führt infolge zu erhöhter Blutungsneigung und bei hoher Dosis zum Tod vergifteter Tiere. Reines Cumarin als Endprodukt der Kaskade ist für den Menschen als nicht toxisch eingestuft. Es wird jedoch aus Sicherheitsgründen ein täglicher Grenzwert von 0,1 mg/kg Körpergewicht empfohlen. So berechnet ist ein Glas Waldmeisterbowle in der Waldmeistersaison unbedenklich. Krampflösend & neuroprotektiv: Für die Heilwirkung am Menschen relevante Inhaltsstoffe sind die Iridoidglykoside, z.B. Asperulosid, und phenolische Verbindungen, wobei Kämpferol- und Querzetinglykoside die Hauptflavonole darstellen. Waldmeisterkraut enthält auch Phenolkarbonsäuren z.B. Chlorogen- und Kaffeesäure, neben geringen Anteilen Salizylsäure. Untersuchungen zeigen die krampflösende und neuroprotektive Wirkung von ethanolischen Extrakten des Waldmeisterkrauts, die reich an diesen Inhaltstoffen sind.1 Als Hausmittel der Volksmedizin wird Galium odoratum vielseitig empfohlen. Besonderen Stellenwert hat die Waldmeisterbowle – der „Maienwein“. Er dient nicht nur als Genussmittel, sondern wird auch im Frühjahr als aktivierendes, kreislaufwirksames Mittel empfohlen. Galium odoratum als Tee zubereitet zeigt spasmolytische Eigenschaften und bewirkt Besserung bei Menstruationsbeschwerden, Leberstauungen und Migräne. Empfohlen ist der Tee des Krauts als beruhigende Einschlafhilfe bei Schlafproblemen nervösen Ursprungs, hier traditionell ungesüßt. Wird überdosiert, kann es zu Kopfschmerzen kommen. Im Handel ist die geprüfte Droge unter Asperulae herba erhältlich. Für Feinschmecker ein spezielles Rezept – Sorbet: 100 g Frischdroge, ½ l Weißwein, 300 g Zucker, Saft von 2 Zitronen, gehobelte Orangenschalen; durchrühren, passieren, anfrieren lassen. Man darf dem wohlriechenden Meister also doch frönen! 1

J Ethnopharmacology (2012): 220–227

Innovatives Schweizer Konzept gegen Haarausfall 70 % der Männer und immerhin 40 % der Frauen bekommen es früher oder später mit Haarausfall zu tun. Hairgrow geht das haarige Problem auf zwei Ebenen an: Activating Shampoo und Energising Lotion versorgen das Haar von außen mit Nährstoffen. Die Kombination aus Mimosen-, Traubenkernund Serenoa-Extrakt sowie Ginseng stärkt und kräftigt das Haar, regeneriert die Haarfollikel und stoppt Haarausfall. Die Energising Lotion enthält außerdem Procapil®. Die patentierte Formel wirkt durch Dihydrotestosteron (DHT) schlechter Durchblutung der Kopfhaut oder Alterung der Haarfollikel entgegen. Hairgrow Revitalisierende Kapseln enthalten einen Mix aus Vitaminen und Mineralstoffen, die für eine optimale Ernährung und Regeneration der Haarfollikel notwendig sind. Ein dreimonatiges kombiniertes Kur­programm wird empfohlen. Die Hairgrow Produkte von Swisscare® sind exklusiv in der Apotheke erhältlich: Hairgrow Activating Shampoo (200 ml), Hairgrow Energising Lotion (200 ml), Hairgrow Revitalisierende Kapseln (60 Stück). www.swisscareproducts.com

Unterstützende Vorbereitung der Haut auf die Sonne Für unbeschwerten Sonnengenuss gibt es jetzt die Calcium-Sandoz® Sun Brausetabletten. Calcium-Sandoz® Sun ergänzt die Wirkung von geeigneten Sonnenlotions von innen. Die Haut wird mittels schrittweiser Sonnengewöhnung, Sonnenschutz und Calcium-Sandoz® Sun auf sonnige Zeiten vorbereitet. Die Brausetabletten mit fruchtigem Orangengeschmack sind frei von künstlichen Farbstoffen, Laktose und Gluten. Durch Anti­oxidanzien wie Beta-Carotin, Vitamin E und C, die in Calcium-Sandoz® Sun enthalten sind, kann der Körper die freien Radikale unschädlich machen. Das enthaltene Calcium hat eine zellstabilisierende Wirkung. Calcium-Sandoz® Sun eignet sich für Kinder ab sechs Jahren, Erwachsene und Diabetiker (0,06 BE pro Brausetablette), die eine optimale­ Vorbereitung auf die Sonne wünschen und das Risiko von Hautirritationen verringern wollen. Calcium-Sandoz® Sun Brausetabletten (20 Stück) sind exklusiv in der Apotheke erhältlich. www.sandoz.at

Schnellstmöglicher Aufbau von geschädigter Darmflora Die Ursache für Diarrhö kann infektiöser und nichtinfektiöser Natur sein. Die Gabe von Probiotika bringt das physiologische Darmmilieu wieder ins Gleichgewicht, was vor allem für das Funktionieren der Immunabwehr elementar ist, und senkt Dauer und Schweregrad der Diarrhö. Einer der am häufigsten erforschten und am besten dokumentierten Mikroorganismen ist Enterococcus faecium SF 68. Unter anderen belegt die Studie von Lewenstein* für den in Bioflorin® enthaltene Mikroorganismus Enterococcus faecium SF 68, im Sinne der Keimbesiedelung des Darmes, den schnellsten Wirkungseintritt bei Durchfallerkrankungen. * Lewenstein A et al. 1979. Biological properties of SF 68, a new approach for the treatment of diarrheal diseases. Curr. Ther. Res. 26: 967–981 Nähere Informationen erhältlich bei Sanova Pharma GesmbH, Monika Olschak, BA, Tel.: 01/801 04-2534, Fax-DW: 2540, E-Mail: monika.olschak@sanova.at; www.sanova.at


Medizin & Pharmazie

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Alkoholabhängigkeit

GMUNDEN – In die Therapie der Alkoholkrankheit ist Bewegung gekommen. Zum einen wackelt das Dogma der Abstinenz als alleiniges Therapieziel, zum anderen stehen neue medikamentöse Optionen vor der Zulassung. Und auch die frühzeitige Therapie wird mehr und mehr zum Thema.

Prof. Michael Musalek

Therapieziel. Allerdings bedeutet das Abstinenz-Paradigma auch das Eingestehen eines gewissen Versagens. Denn das eigentliche Ziel der Therapie wäre der kompetente Gebrauch – das ist auch das, was sich unsere Patienten wünschen würNeue Therapien den. Da wir dieses Ziel aber häufig nicht erreichen, müssen wir eine Neues dürfte es auch schon bald Stufe niedriger ansetzen und bei in der medikamentösen Therapie vielen Patienten Abstinenz als Ziel geben. Die Substanz Nalmefen hat definieren.“ sich in doppelblinden, plazebokonLeider wird auch Abstinenz trollierten Studien als wirksam hindurchaus nicht immer erreicht, so sichtlich des Alkoholkonsums von dass bei einigen Patienten wenigs­ Alkoholikern erwiesen. Sowohl die tens eine partielle Abstinenz oder Gesamteinnahme als auch die Zahl zumindest „harm reduction“ ange- der „heavy drinking days“ war unter strebt werden muss. Daher ist die Nalmefen signifikant geringer als totale Abstinenz an den beiden En- unter Plazebo. Nalmefen ist ein Opiden des Spektrums ein problema- oid-Rezeptor-Antagonist, der metisches Ziel. Prof. Musalek: „Es geht dikamentöse Ansatz basiert also auf Anz_Bioflorin 228x145_2012 Apo-PhTr 10.04.12 12:25 Seite 1 228x145_2012 10.04.12 Seite 1 letztlich auch Anz_Bioflorin darum, Menschen zu Apo-PhTr dem Befund, dass12:25 bei Alkoholkran-

Alkoholkrankheit: Bei Betroffenen ist das Opioid-Endorphin-System verändert.

ken das Opioid-Endorphin-System verändert ist. Prof. Musalek: „Wir haben damit erstmals eine Substanz, die den Alkoholkonsum – auf anderen Wegen als über die Aversion – reduzieren kann. Damit stellt sich natürlich die Frage, bei welchen Patienten man das einsetzen kann und soll.“ Während bei schwer körperlich Abhängigen eine unvorbereitete Reduktion der Alkoholmenge bereits zur Entzugssymptomatik führen kann, dürften besonders Patienten in Frühstadien der Erkran-

12. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie; Gmunden, April 2012

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Bioflorin – – Bioflorin derder Turbokeim Turbokeim

Kompetenter Gebrauch oft nicht möglich Wesentliche Veränderungen gibt es auch in der Therapie. Das Abstinenz-Paradigma, das bei der Opiat-Abhängigkeit schon vor Jahren fallengelassen wurde, wackelt nun auch beim Alkohol. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass der Suchtbegriff heute über den Substanzgebrauch hinaus definiert wird. „Bei der Kaufsucht ist Abstinenz im herkömmlichen Sinne nicht denkbar“,

kung profitieren. Dank der veränderten Diagnosekriterien wird es in Zukunft auch möglich sein, früh im Krankheitsverlauf medikamentös einzugreifen. Eine medikamentöse Behandlung könnte möglicherweise aber auch bei Patienten sinnvoll sein, die extrem hohe Alkoholmengen konsumieren und bei denen Nalmefen die körperlichen Schäden reduzieren könnte.  REB

* * • schnellste Keim-Vermehrung • schnellste Keim-Vermehrung ** • die Nummer 1 bei Diarrhö • die Nummer 1 bei Diarrhö** • geprüfte und bewährte WirkungWirkung eines Arzneimittels • geprüfte und bewährte eines Arzneimittels * Lewenstein A. et al. 1979 ** IMS DPMÖ MAT 02/2012 * Lewenstein A. et al. 1979 ** IMS DPMÖ MAT 02/2012

Fachkurzinformation siehe Seite

man schon einen richtig großen Tumor hatte. Auch bei der Suchterkrankung hängt die Prognose wesentlich davon ab, wie früh man zu behandeln beginnt“, sagt Prof. Musalek. Unterscheidungen z.B. zwischen „problematischem Gebrauch“ und Suchterkrankung werden also in Zukunft obsolet. Was damit noch ansteht, ist die Definition von Risikofaktoren, die zwischen dem kompetenten Gebrauch und der Sucht stehen und die in der Beratung noch nicht Suchtkranker bedeutsam sind. Auch hinsichtlich der Komorbiditäten zeichnet sich ein Umdenken ab. Prof. Musalek: „Den Suchtkranken, der sonst psychiatrisch gar nichts hat, gibt es praktisch nicht.“ Insofern müsse man sich die Frage stellen, ob in Wirklichkeit nicht die Sucht die Komorbidität ist und die Patienten ursprünglich unter anderen Grundkrankheiten leiden.

„Statt von Abusus wird man in Zukunft von einem Frühstadium der Sucht sprechen.“

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Institutsvorstand und ärztlicher Leiter, Anton Proksch Institut, Wien

Explizit

Fachkurzinformation siehe Seite 12

Foto: B. Krobath

Prim. Univ.Prof. Dr. Michael Musalek,

sagt Prof. Musalek. Und: „Wenn ich das so sage, wird mir gleich vorgeworfen, dass meine Patienten trinken dürfen. So ist das natürlich nicht, Abstinenz ist ein wichtiges

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In der Diagnostik und Therapie von Suchterkrankungen herrscht, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, Institutsvorstand und ärztlicher Leiter des Anton Proksch­ Instituts in Wien, in Aufbruchstimmung. So wird in der Diagnostik der Alkohol­abhängigkeit die gewohnte Einteilung in Gebrauch, Missbrauch und Sucht aufgegeben. Prof. Musalek: „Statt von Abusus wird man in Zukunft von einem Frühstadium der Sucht sprechen.“ Das ist mehr als eine Spitzfindigkeit. „Wir bekommen so erstmals die Möglichkeit – auch legalerweise –, frühzeitig zu behandeln. Bisher waren wir ja in der Situation, in der die Onkologen vor Jahrzehnten waren. Man konnte z.B. ein Mammakarzinom erst therapieren, wenn

helfen, die das nicht schaffen. Es gibt keine andere Erkrankung, wo man Patienten die Hilfe verweigert, weil man das Therapieziel nicht erreicht. Es gibt auch bei der Alkoholsucht eine Fülle supportiver und begleitender Maßnahmen, die die körperlichen und psychischen Folgen der Alkoholsucht zumindest reduzieren helfen.“ In der Praxis muss man bei jedem individuellen Patienten feststellen, wo er steht und welche Therapieziele man erreichen kann. Dabei gibt es durchaus auch Überraschungen, also z.B. Patienten, die nach erfolgreicher „harm reduction“ doch versuchen, abstinent zu werden. Das ultimative Therapieziel für den Alkoholkranken ist das „autonome und freudvolle Leben“. Prof. Musalek: „Das bedeutet nicht, dass die Leute weitertrinken sollen. Denn für die meisten abhängigen Alkoholiker ist Trinken mit einem freudvollen Leben nicht vereinbar. Alkohol ist eine depressogene Substanz und hindert diese Menschen vor allem an einem autonomen Leben.“

Foto: Fotolia.com

Schon im Frühstadium therapieren


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Medizin & Pharmazie

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Kolumne „Apo-Alltag von A bis Z“

Ein bisschen Anstand bitte!

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U ... wie unverschämt Es gibt aber ein paar Dinge, die ich einfach nicht fassen kann. Ich bin gewiss keine militante Nichtraucherin, das überlasse ich den Ex-RaucherInnen, die ihre neu erworbene Haltung bekanntlich viel strenger ausleben. Angesichts eines kürzlich erschienenen Artikels über COPD und die Belastungen durch Feinstaub und Rauchpartikel bin ich aber wieder hellhörig bezüglich des Themas geworden. Tatsächlich ist es ja kaum vorstellbar, dass es jahrzehntelang überhaupt keinen

Kolumne

Foto: Thomas Frohnwieser

nstand ist ein altmodisches Wort. Anständig ebenfalls, es kommt ja auch davon. Offensichtlich gehöre ich jetzt zur Generation vierzig plus, der dieses Attribut immer wichtiger wird, weil sie noch großteils damit aufgewachsen ist. Es kommt mir schon unanständig vor, wenn KundInnen in die Apotheke kommen und nicht ordentlich grüßen, geschweige denn höflich ihre Wünsche vortragen können. Dabei ist es mir einerlei, ob sie aus einer hohen sozialen Einkommensschicht kommen und dem pharmazeutischen Personal das Gefühl geben, sie seien ihre Butler, oder ob sie aus der sogenannten unteren Schicht kommen und einfach nicht gelernt haben, sich auf einem höflichen Parkett zu bewegen. Erstere Klientel fällt fast noch unangenehmer auf.

von Dr. Mag. pharm. Irene Promussas, Apothekerin in Wien

Nichtraucherschutz gab und nikotinsüchtige Menschen es für selbstverständlich hielten, ihre nicht rauchenden Mitmenschen passiv mitrauchen zu lassen. Dass es heute umgekehrt selbstverständlich sein sollte, hat sich aber auch noch nicht überall herumgesprochen. Das liegt wahrscheinlich an unserer laschen Gesetzgebung und mangelhafter Exekutive zu diesem Thema. Wohlgemerkt: Es gibt südliche Länder wie Italien und Griechenland, die immer schon viel mehr als wir geraucht haben und trotzdem restriktiver sind bei der Überwachung und Einhaltung ihres Nichtrauchergesetzes. Man möge mir jetzt bitte nicht mit dem Totschlagargument des warmen Klimas kommen,

in dem das ja alles viel leichter sei, das interessiert mich wirklich nicht. Z.B. ist die jüngst erlebte Szenerie woanders kaum vorstellbar, bei uns aber durchaus gang und gäbe: Bei einem Konzert in einem ehemals rauchigen Gürtellokal, das zumindest den Veranstaltungsraum nicht nur zum Wohle der Gäste, sondern vor allem auch der Musiker rauchfrei stellen musste, bittet der Typ am Mischpult einen nebenstehenden Gast um einen Tschick. Der schenkt ihm und seinem Kumpel gleich je eine, denkt sich, wenn der darf, darf ich auch, und pofelt sich selber eine an! Und das ganz keck vor dem großen Nichtraucherzeichen, dem mit der durchgestrichenen Zigarette! Unverschämt auch immer noch die vielen gerauchten Stummel, die einfach so auf der Straße landen, war ja eh schon immer so.

Die Gier ist ein Hund Ziemlich kühn sind ja auch jene Menschen, die oft nicht einmal KundInnen von uns sind und trotzdem direkt in unserer Ladezone parken wollen – nach dem Motto: „Ich will ja nur ganz schnell ...“ Ja klar, wollen ja alle! So muss unser Lieferwagen regelmäßig in zweiter Spur halten und verursacht damit immer wieder ein Verkehrschaos. Wenigstens hat der zuständige Magistrat jetzt schon verstanden, dass vor unserer Tür immer wieder etwas zu holen ist, und kas-

siert gerne kräftig ab. Eine gewisse Befriedigung lässt sich da ehrlich gesagt nicht ganz verhindern. Ebenso wenig, wenn das Auto eines protzigen Neureichen abgeschleppt wird, das einen Behindertenparkplatz verstellt. Unanständig sind in meinen Augen auch die KollegInnen, die versuchen, aus allem Geld zu machen und Exklusivverträge sogar mit Kosmetikfirmen brechen, um grö-

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Verkaufspraxis: Die

ßere Lieferungen zum Dumpingpreis an Diskonter weiterzugeben. Leute, unser Beruf stand doch immer auch für so etwas wie Anstand! Aber die Gier ist eben ein Hund. Das gilt genauso für substitutionsverschreibende ÄrztInnen, die einschlägige Plätze beliefern, wie für komplexbeladene ChefärztInnen, die brave SubstitutionspatientInnen schikanieren. Ein bisschen mehr Anstand bitte!!!

gute Frage!

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Fachkurzinformation auf Seite 12

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ausgewogene Ernährung sowie für eine gesunde Lebensweise darstellt.


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