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Das Magazin für die Führungskräfte im Krankenhaus

Immunabwehr

Molekulare Knotenpunkte Sonderheft

zum Thema TachoSil® in der Gefäßchirurgie ab sofort verfügbar

Onkologie

Die Zukunft liegt in der Telemedizin

Das Potenzial der targeted therapies

Nähere Informationen bei Dr. Iris Hoch, Takeda Pharma Ges.m.b.H. Tel.: +43/1/5244064 302; E-Mail: iris.hoch@takeda.com

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e-Health

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P.b.b. Verlagspostamt 1120 Wien, Zulassungsnummer: GZ 02Z032080 M

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11/ 2012

EUR 5.-


intern

Liebe Leserinnen und Leser!

Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2012, und das Raumschiff „Österreichisches Gesundheitssystem“ und seine Keyplayer-Crew sind nach wie vor unterwegs in neue Welten und Dimensionen. Seit langem mit an Board – ELGA, die elektronische Gesundheitsakte. Nun scheint man für diesen treuen Begleiter aber das Ziel erreicht zu haben.

Jetzt endlich wurde ELGA – trotz Protesten seitens der Ärztevertretung bis zuletzt – im Nationalrat beschlossen und soll in den kommenden Jahren auch tatsächlich seine Umsetzung finden. Spätestens Anfang 2014 werden damit Patienten Zugang zu ELGA-Daten haben. Ab 2016 müssen die Spitäler und Pflegeeinrichtungen und alle Vertragsärzte mit ins Boot, ab 2017 auch die Privatkrankenanstalten und Apotheken. Das Ziel ist erreicht – fürs Erste. Ein Weg durch schier unendliche Weiten könnte ELGA aber erneut bevorstehen. Denn überzeugt sind – wie gesagt – noch lange nicht alle von ihrem ELGA-Glück.

Mag. Trude Just Chefredakteurin

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10 Thoraxschmerz

CliniCum Aktuell

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e-Health

Telemedizin gilt als einer der Hoffnungsträger im Gesundheitswesen. Sie soll sparen helfen und dort Lösungen bieten, wo es zu wenige Ärzte oder Spezialisten gibt.

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Medizin

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Kardiomyopathien Die genetische Diagnostik rückt in Bezug auf Risikostratifizierung und Therapiewahl zunehmend in den Blickpunkt.

Social Media Immer mehr offizielle Einrichtungen und andere seriöse Player nutzen soziale Netzwerke, Internet-Foren, Blogs oder Wikis, um evidenzbasierte medizinische Informationen unter die Leute zu bringen.

Thoraxschmerz

Ursachen, Diagnostik und Therapie des nicht-kardialen Thoraxschmerzes in der Gastroenterologie.

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Infektiologie Das neue Antibiotikum Ceftarolinfosamil bei komplizierten Hautund Weichgewebeinfektionen und ambulant erworbener Pneumonie

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Rheumatoide Arthritis Der „Treat to Target“-Algorithmus ist auf das Erreichen und Erhalten von Remission ausgerichtet. Alternatives Ziel ist die minimale Krankheitsaktivität.

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Fotos, Illustration: Barbara Krobath, Pixelio/Gerd Altmann, Ludwig Kramer, Pure Stock, CeMM, ImageZoo

Wie viele Jahre wurde über eine elektronische Datenerfassung und -archivierung im Sinne von digitalem Fortschritt, Systemtransparenz und Prozessorientiertheit diskutiert, gestritten, gefeilt und gepokert? Man mag sich kaum noch der zaghaften Anfänge von ELGA erinnern. Die Intention, vermeintliches Wohl und die Interessen aller Beteiligten bzw. Betroffenen, Ärzte und Patienten, unter einen gemeinsamen Hut zu bringen, erwies sich dabei mehr als einmal als handfeste Hürde.

8 Social Media


inhalt

37 Management 30 Forschungstechnik

11/12 Technik

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Forschungstechnik

Betrieb

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Anästhesie Patientenversorgung auf Intensivniveau und Automatisierungen, die die Arbeitsabläufe im OP unterstützen: der Anästhesiearbeitsplatz Perseus® A500

europäischen Jahreskongress der Onkologen in Wien

26 Der anti-RaNKLantikörper Denosumab verzögert skelettale ereignisse bei soliden tumoren.

Klinische Forschung

In Österreich muss die Förderung neu geordnet werden – der renommierte Onkologe Zielinski über Probleme in der heimischen Forschungslandschaft.

Bewegung und Sport bei Krebserkrankung Schützt regelmäßige Bewegung vor gung zwischen AusdauerKrebserkrankungen? Forschungseroder Krafttraining – beide scheinen gebnisse der letzten Jahre positive Efzeigen im- fekte aufzuweisen. mer deutlicher, dass eine Die Wahl sollte ausgewoge- auch im Hinblick ne Lebensführung zur Vorbeugung dem Patienten auf die Compliance zumindest einiger Tumorarten überlassen werden, wie wobei häufig ein beispielsweise DickdarmTraining im Freien oder Brust- bevorzugt wird. Ist eine sportliche krebs beiträgt. Dabei Akist Bewegung tivität nicht möglich, so stellt ebenso wichtig wie eine Spaziegesunde Er- rengehen eine gute Alternative dar. nährung. Das Körpergewicht ist der Ob ein regelmäßiges gemeinsame Faktor, der Training auch von beiden das Risiko für Rezidive oder die Entbeeinflusst wird. Darüber hinaus gibt wicklung von Metastasen beeinfluses Hinweise auf zusätzliche günstige sen kann, ist derzeit nicht ausreiEffekte, hier besteht allerdings noch chend wissenschaftlich Forschungsbedarf. belegt bzw. Gegenstand von Untersuchungen. Für bereits Erkrankte spielen Bewe- Wichtig ist das Bewusstsein für gung bzw. sportliche die Betätigung Bedeutung von Bewegung und Sport ebenfalls eine Rolle: So können nicht – beides sollte unter der Observanz nur mögliche Krankheitsfolgen wie von Onkologen Einschränkungen der stattfinden. Offen ist Beweglichkeit noch eine Fülle an Fragen, wie durch gezielte Übungen etwa vermindert eine bessere Charakterisierung der bzw. vermieden werden, sondern Er- immunologischen schöpfungszustände (Fatigue-Syn- den Auswirkungen Effekte bis hin zu drom), unter denen Patienten auf die psychosohäufig ziale bzw. sozioökonomische nach der Therapie leiden, Situatisowie psychische Situation verbessert die on der Patienten, aber auch, ob in wer- Zukunft die Rezidivrate den. Durch körperliche durch sportliAktivität las- che Betätigung sen sich Depressionen verringert werden und Ängste kann oder spezielle Krebserkrankunpositiv beeinflussen und die Lebens- gen sogar geheilt werden könnten. qualität steigern. Die Rate an (akuten) Infektionen ist niedriger. „Rolle der körperlichen Aktivität Bewegungstherapie nach bei Krebseiner Krebs- erkrankungen – wie können/sollten sich erkrankung nimmt einen festen Stel- Krebspatienten verhalten“, Expertengespräch lenwert ein. Bisher gibt es keine Abwä- Medizin Medien

Foto: Pixelio/Klicker

Das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) bringt Grundlagenforschung und Klinik eng zusammen.

thema Inhalt 24 eSmO 2012: Die highlights vom

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Medizin & Management Gut gerüstet für die Neuübernahme einer Krankenhausabteilung

Austria, Wien, 15.10.12

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Onkologie

14 Kardiomyopathien

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THEMA Onkologie

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R u b r i ke n

Impressum Verleger, Eigentümer & Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; DVR-Nr.: 4007613; Verlagsanschrift: 1120 Wien, Forum Schönbrunn, Grünbergstraße 15/Stiege 1, Tel.: 01/54 600-0, Fax: DW 50 611, Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist die Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH. Gesellschafter der Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 91,98%, Herr Holger Hüthig mit 7,02%, Frau Ruth Hüthig mit 0,45%, Frau Beatrice Hüthig mit 0,28% und Herr Sebastian Hüthig mit 0,28%; Unternehmensgegenstand: Herausgabe, Verlag, Druck und Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften sowie sonstigen periodischen Druckschriften; Grundsätze und Ziele: Interdisziplinäres Magazin für Fortbildung und Gesundheitspolitik für alle FührungsCover: CeMM kräfte im Krankenhaus und alle Fachärzte im niedergelassenen Bereich; Geschäftsführung: Thomas Zembacher; Chefredaktion: Mag. Trude Just, Tel.: 0676/88 460 331, E-Mail: just@medizin-medien.at; Redaktion: Mag. Nicole Martinek; Redaktionsleitung Print: Bettina Kammerer; Artdirektion: Karl J. Kuba; Layout & DTP: Sonja Vetters, Johannes Spandl; Verkaufsleitung Fachbereich: Martina Osterbauer, Tel.: 0676/88 460 231; Anzeigenverkauf: Bernhard Mitterhauser, Tel.: 0676/88 460 232, E-Mail: mitterhauser@medizin-medien.at; Anzeigensekretariat: Sylvia Saurer DW 512; Lektorat: Heinz Javorsky; Druck: Friedrich VDV, 4020 Linz. Auflage: 17.000 Die mit  gekennzeichneten Beiträge enthalten Informationen, für deren Abdruck von den dort genannten Firmen Druckkostenbeiträge geleistet werden. Es handelt sich somit um entgeltliche Beiträge im Sinne §26 Mediengesetz. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Photokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf die unterschiedliche geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet. Die gewählte männliche Form ist in diesem Sinne geschlechtsneutral zu verstehen.

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Kurzmeldungen

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Literatur

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Termine, Recht in der Praxis

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Cartoon

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1× täglich eine in der Thromboseprophylaxe nach elektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen

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kurzmeldungen | aktuell Sparpaket

Beer/Fuchsjäger. Mit September kam es an der MedUni Graz zu zwei Neubesetzungen. Univ.-Prof. Dr. Meinrad Beer (li. Bild) wurde zum Leiter für das Fachgebiet Kinderradiologie berufen, Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger (re. Bild) zum Leiter des Fachgebiets Allgemeine Radiologie. Beide leiten auch die entsprechenden klinischen Abteilungen. Heinz. Das Institut für Medizini-

Ärztekammer macht mobil gegen die Gesundheitsreform

Fotos: ÖÄK (2), MUI/Lackner, MedUni Graz (2), NÖ Landeskliniken Holding, Krankenhaus St. Elisabeth, gespag

Mit konzertierten Pressekonferenzen, einer Plakatkampagne in den Ordinationen und einem Protestkonvent am 21. November in Wien macht die Ärztekammer gegen die geplanten Sparmaßnahmen und die Gesundheitsreform mobil. Unter dem Schlagwort „Alles krank“ warnen die Standesvertreter aller Bundesländer – angeführt von Ärztekammerpräsident Dr. Artur Wechselberger – vor den Folgen der zwischen Bund, Ländern und Kassen vereinbarten „Kostendämpfungen“ in Höhe von elf Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 durch eine Begrenzung der Kostenzuwächse bei den öffentlichen Gesundheitsausgaben auf das BIP-Wachstum. Die Rationierung von Leistungen durch das Schließen von Spitalsabteilungen und die Ausdünnung der Praxen mit Kassenvertrag wäre in diesem Fall unvermeidlich, weil alleine durch die Alterung der Be-

völkerung ein Kostenwachstum weit über dem BIP zu erwarten wäre. Für die Spitäler würde die Refom weiters die Verlagerung von Leistungen aus dem stationären in den tagesklinischen und ambulanten Bereich bedeuten, den Aufbau von Tages- und Wochenkliniken oder Basiskrankenanstalten mit reduziertem Leistungsangebot und auch starkem Druck auf die Gehälter, befürchten die Ärztefunktionäre. Gefährdet sieht man außerdem die Ausbildungskompetenz der Ärztekammer im Turnus. Die Gesundheitspolitik schießt scharf zurück. Gesundheitsminister Alois Stöger verneint Einsparungen, Wiens Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely „reicht es“ mit der Ärztekammer, die gegen alle Neuerungen auftrete, und Niederösterreichs Spitalslandesrat Gerhard Sobotka würde am liebsten gleich die Kammer auflösen.

Universität

MedUni Innsbruck will keine Fusion Ärzte, Forscher und Verwaltungspersonal der MedUni Innsbruck wollen nicht mehr in den Schoß der Innsbrucker Universität zurückkehren. Mit großen Mehrheiten lehnten sie Ende Oktober in Betriebsversammlungen eine Fusion ab. Aussagen von Wissenschaftsminister Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle und dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, die MedUni Innsbruck sei für eine Fusion, wiesen sie zurück. Auch Rektorat, Senat und Universitätsrat würden sich dagegen aussprechen. 11/12 CC

Nach der Abspaltung im Jahr 2002 sei es trotz Personalkürzungen gelungen, die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter zu optimieren. Beruf und Familie wären jetzt besser zu vereinbaren als früher, Forschungsaufenthalte würden gefördert, wissenschaftliche Karrieren wären transparent und kompetitiv geregelt, so die Vertretung der Mitarbeiter in einer Aussendung. Es bestehe die Gefahr, dass bei einer Re-Fusionierung aus Spargründen alle Verbesserungen wieder verloren gehen.

sche Radiologie, Diagnostik und Intervention am Landesklinikum St. Pölten-Lilienfeld hat mit Univ.Prof. Dr. Gertraud Heinz seit Oktober eine neue Leiterin. Zuvor war Heinz an der Medizinischen Univiersitätsklinik Wien tätig.

Sautner. Mit 15. Oktober hat Univ.-Prof. Dr. Thomas Sautner die Funktion des Ärztlichen Leiters des Wiener Krankenhauses St. Elisabeth übernommen. BIsher war er dort Vorstand der Chirurgie und leitete mit Prim. Dr. Michael Häfner Österreichs erste interdisziplinäre viszeralmedizinische Station. Heim. Der Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Kirchdorf, Ass.-Prof. Dr. Kurt Heim, wurde im September von der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zum Vorsitzenden des Geburtenregisters Österreich gewählt. Das Qualitätsverbesserungsprojekt geht auf seine Initiative zurück.

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e-Health im Krankenhaus, Teil 8

Die Zukunft ist digital Telemedizin gilt als einer der Hoffnungsbereiche im Gesundheitswesen. Sie soll sparen helfen und dort Lösungen anbieten, wo es zu wenige Ärzte oder Spezialisten gibt. Neben Hightech-Lösungen könnte sie auch Ersatz für die pensionsbedingte Lücke bei Hausärzten am Land bringen.

y Patienten sind zu Hause und werden via Mobiltelefonie oder Internet überwacht, Ärzte in Regionalkrankenhäusern sind online mit Spezialisten in Universitätsklinken verbunden, Radiologiedaten werden zur Befundung in ein Schwerpunktkrankenhaus oder überhaupt ans andere Ende der Welt geschickt. In kaum einem anderen Bereich ist e-Health bereits so weit gediehen und in kaum einem anderen Bereich gibt so viel Entwicklungspotenzial wie in der Telemedizin. In der Kardiologie gibt es etwa ein Pilotprojekt, das 13 Spitäler österreichweit vernetzt. Dabei geht es speziell um die Überwachung von Herzschrittmacher-Patienten via HomeMonitoring. Wegen des Wegfalls vieler Ambulanzbesuche soll das zu deutlichen Einsparungen führen. Die beteiligten Krankenhäuser in Wien, Steiermark, Oberösterreich, Tirol und Burgenland schulten Personal und installierten auf die telemedizinische Fernüberwachung ausgerichteten Ambulanzbetrieb. Das Home-Monitoring-System übermittelt dem behandelnden Arzt fortlaufend alle In-

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formationen einer bisher ambulant im Krankenhaus durchgeführten Schrittmacherkontrolle und informiert den Arzt zusätzlich auch über Normabweichungen in der Therapie. Eine innerhalb des Projektes durchgeführte Befragung hat dabei eine überraschend hohe Akzeptanz der Technologie unter Patienten ergeben: 98 Prozent der Schrittmacherpatienten waren überzeugt, dass mit der Fernüberwachung ihre medizinische Versorgung besser wird, 92 Prozent fühlen sich damit sicherer. Telemedizin schafft so – entgegen vieler Befürchtungen von Experten – keine Distanz zum Patienten, sondern rückt den Patienten viel näher ins medizinische Blickfeld.

Ambulante Rehabilitation Geringere Kosten, ein kürzerer Spitalsaufenthalt, zufriedenere Patienten und ein rascherer Wiedereinstieg in den Beruf: Das sind auch die Zwischenergebnisse eines Salzburger Pilotprojekts zur ambulanten Rehabilitation von Personen mit koronaren Herzerkrankungen, das erst kürzlich im Rehabilitationszentrum Großgmain vorgestellt wurde. Die Reha-Patienten machen nach einem kurzen stationären Aufenthalt ein te-

lemedizinisch überwachtes Trainingsprogramm zu Hause. Bisher absolvieren Patienten nach einem Herzinfarkt normalerweise eine vierwöchige stationäre Rehabilitation, bei der die Bewegungstherapie eine große Rolle spielt. „Am Ende des Aufenthalts haben die Patienten weniger Gewicht, sind gut trainiert und haben bessere Blutwerte“, erklärte Prim. Dr. Johann Altenberger, Ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums Großgmain. „Doch nach einem Jahr sieht das wieder anders aus.“ Mit dem neuen Programm wird nicht nur der stationäre Aufenthalt von vier auf zwei Wochen halbiert, sondern das Bewegungsprogramm in die eigenen vier Räume transferiert. Die Patienten erhalten nach ihrer Zeit im Reha-Zentrum ein Fahrradergometer samt Computer, Brustgurt und individuellem Trainingsprogramm mit nach Hause. Werte wie Trainingsdauer, Herzfrequenz oder Blutdruck werden vom Computer automatisch erfasst und an ein telemedizinisches Auswertungszentrum gesandt. Die Ärzte und Therapeuten in Großgmain bekommen die Daten und können bei Bedarf mit dem Patienten Kontakt aufnehmen. Mindestens einmal pro Woche gibt es ein Gespräch mit dem Patienten. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend: Die Patienten sind leistungsfähiger, haben geringere Risikofaktoren und sind laut der betreuenden Mediziner hochzufrieden. CC 11/12

Fotos: Pixelio/Pauline, stockbyte, Pixelio/Florian Schneider

Von Martin Schriebl-Rümmele


Home-Monitoring Beim Home-Monitoring in der Versorgung von Patienten mit Herzschrittmachern, implantierten Defibrillatoren oder Geräten zur Resynchronisierung der Herzkammern geht es wiederum darum, eine möglichst engmaschige Überwachung des Zustands der Kranken ohne häufige Kontrollen in Spitalsambulanzen zu gewährleisten. Dabei werden die Daten über das Funktionieren der Implantate bzw. bestimmte Gesundheitsparameter einfach via Handy an die Klinik geschickt. Das erspart Wegzeiten und Krankenhauskosten. Auf der anderen Seite sollen die Patienten nur dann in die Ambulanz kommen, wenn dies wegen Komplikationen wirklich notwendig ist, nicht jedoch als Routine, wenn belegt ist, dass der Zustand des Kranken normal ist und der Herzschrittmacher klaglos funktioniert. In Österreich wurden Mitte vergangenen Jahres bereits mehr als 1.200 Patienten mit einem implantierbaren Herzschrittmacher oder Defibrillator mobil überwacht. In einer heuer beim ECR-Kongress in Wien vorgestellten US-Studie mit 570 Patienten zeigten jene, welche ein Gerät implantiert bekommen hatten, das den Blutdruck in der Pulmonalarterie misst und automatisch an Spezialisten überträgt, eine um fast 40 Prozent geringere Hospitalisierungsrate. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden von der britischen Medizinfachzeitschrift „The Lancet“ online publiziert.

Intensivierte Beziehung Dass Telemedizin die persönliche vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient reduziert, stimmt offenbar nicht, sagt eine neue Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) an der Westfälischen Hochschule. Anhand einer Befragung von Patienten und Ärzten, die ein Jahr lang an einem telemedizinischen Monitoring-Programm teilgenommen haben, konnte gezeigt werden, dass eine ergänzende telemedizinische Betreuung keinen negativen Einfluss auf die Beziehung der Patienten zu ihren niedergelassenen Haus- und Fachärzten hatte. Vielmehr hat der Hausarzt seine Rolle als erster Ansprechpartner für die meisten gesundheitlichen Belange seiner Patienten auch bei zusätzlicher telemedizinischer Betreuung 11/12 CC

und medizinischen Informationssysteme homogenisiert und vernetzt werden, die Anwendung der Teleradiologie zunehmen wird.

keineswegs eingebüßt. Die Beziehungen der Patienten zu ihren Fachärzten hatten sich, auch infolge einer Patientenschulung, zum Teil intensiviert, was sich in einer Verbesserung der Kommunikation und einem beidseitig empfundenen Vertrauenszuwachs äußerte.

Weitere Anwendungsbereiche

Sonderfall Teleradiologie Doch nicht nur Ambulanzen können via Telemedizin entlastet werden, auch ganze Abteilungen werden gerade in dünn besiedelten Gegenden unnötig. Die Teleradiologie ist ein Sonderfall der Telemedizin, bei der sich der Röntgenfacharzt nicht vor Ort befindet, trotzdem aber die Befundung einer Untersuchung vornimmt. Es sind vor allem zwei große Bereiche, in denen dieses Vorgehen zum Einsatz kommt. Einerseits in Krankenhäusern, welche keinen eigenen radiologischen Not- oder Nachtdienst haben, andererseits in der Telekonsultation von besonders komplizierten Fällen, wobei hier im Gegensatz zum ersten Fall die Erstuntersuchung auch von einem Radiologen durchgeführt wird. Auch in Österreich gibt es nicht selten den Fall, dass in einem Krankenhaus kein radiologischer Dienst anwesend ist, insbesondere bei Nacht-, Sonnund Feiertagsdiensten. Wird jedoch eine akute Untersuchung nötig, ist es immer sinnvoller, die Untersuchung trotzdem im Haus zu machen, als den Patienten selbst zu transferieren. Kurz: „Move the data, not the patient.“ Die Vorteile für den Radiologen liegen darin, dass er seine Expertise in einem größeren räumlichen Bereich für die Patienten zur Verfügung stellen kann. Allerdings sind hiermit auch einige Erschwernisse verbunden, wie etwa ein niederösterreichischer Radiologe bestätigt: „Teleradiologie bedeutet eine Zusatzleistung, die noch dadurch erschwert wird, dass wir nicht direkt beim Patienten sein können, uns also abseits des klinischen Kontextes befinden. Sowohl für die Durchführung als auch die Interpretation der Befundung einer Untersuchung ist es nicht selten erforderlich, mit dem Patienten Rücksprache zu halten oder den Patienten selbst zu untersuchen.“ Die Entwicklung lässt allerdings erwarten, dass parallel zu den Sparkonzepten in den großen Krankenhausverbünden, die derzeit noch immer in recht heterogenen radiologischen

Lesen Sie im nächs­ ten Teil der Serie: „Das Parlament hat die elektronische Gesundheitsakte be­ schlossen – doch wie genau wird ELGA aussehen? Daten und Fakten zum The­ ma Nummer 1.“

Eine weitere häufige Anwendung von Telemedizin ist Telepathologie. Speziell ausgerüstete Mikroskope unterstützen dabei den direkten Datenaustausch. Eine ebenfalls häufig verwendete Technologie ist interaktives Fernsehen (IATV): Auf der technologischen Basis des Videoconferencings wird IATV zur „Face to face“-Beratung in Echtzeit benutzt. Eine andere Technologie, die aus der Logistik kommt und für die digitale Verfolgung von Containern und Paketen entwickelt worden ist, wird ebenfalls zunehmend in Krankenhäusern eingesetzt. Zwar sind Patienten keine Container, aber wenn sie viel in einem Krankenhaus herumgeschoben werden, hat eine elektronische Beobachtbarkeit durchaus Vorteile. Radiofrequenzidentifikation (RFID) nennt sich solch ein System. Es ist ein Verfahren, bei dem sogenannte Transponder oder Tags automatisch eine Information aussenden, wenn sie von einem Lesegerät dazu aufgefordert werden. Anders als ein Strichcode-Leser braucht ein RFID-Leser keinen Sichtkontakt zu der Etikette, der Datenaustausch wird über Radiowellen abgewickelt. RFID kann im Vergleich zum Strichcode mehr Informationen speichern und bietet den Vorteil, dass Produkte oder eben Patienten damit schneller auffindbar sind, klar identifiziert und schneller bewegt werden können. In Kliniken eignet sich RFID auch für die Kennzeichnung von Medikamenten oder für Einrichtungsgegenstände. Damit lassen sich Analysegeräte oder Betten schnell lokalisieren. In Deutschland und in den USA erprobt Siemens etwa ein RFID-Armband, das in Krankenhäusern den Patienten angelegt wird. Der Chip enthält die Personalien, nicht aber Krankengeschichte, Röntgenbilder, Laborwerte oder Abrechnungen. Diese vertraulichen Daten bleiben auf den jeweiligen Computern verwahrt. Das RFID-Armband erleichtert aber den Zugang, Ärzte und Pflegepersonal können den Patienten schnell und sicher identifizieren und die entsprechenden Daten auf den Laptop oder ein Lesegerät holen. y

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Internet und Gesundheit

Im Sog der Social Media Social Media spielen eine immer größere Rolle im Gesundheitsbereich. Immer mehr offizielle Einrichtungen und andere seriöse Player nutzen soziale Netzwerke, Internet-Foren, Blogs oder Wikis, um evidenzbasierte medizinische Informationen unter die Leute zu bringen. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS

Die richtige Sprache finden Welche positiven Auswirkungen die geschickte Nutzung von Social Media seitens öffentlicher Organisationen haben kann, zeigt ein Beispiel aus den Niederlanden. Dort lief eine Informationskampagne für die Impfung gegen das Humane Papillomvirus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Die Aktion wurde allerdings durch Impfgegner konterkariert, die in Foren haarsträubende Unwahrheiten verbreiteten, etwa dass die Impfung Haarausfall verursache oder bereits vier Mädchen infolge der Impfung gestorben seien. Das zuständige National Institute for Public Health and the Environment (RIVM) engagierte daher die Kommunikationsberaterin Marjon Huibers, um den Aktivitäten der Impfgegner etwas ent-

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An Debatten teilnehmen

gegenzusetzen. Eine erste Analyse ergab, dass es lediglich acht Personen waren, die für die Verbreitung von Falschinformationen verantwortlich waren. Die Lehren, die Huibers daraus gezogen hat: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wissenschaftliche Fakten allein in den Social Media nicht viel zählen. Wenn man dort seine Botschaft hinüberbringen will, muss man diese Medien verstehen und die Sprache benutzen, die das Zielpublikum spricht.“ Huibers startete daraufhin eine Reihe von Maßnahmen: wie z.B. authentische Blogger, die von der Sinnhaftigkeit der Impfung überzeugt waren; das Video einer Mutter, deren Tochter an Gebärmutterhalskrebs gestorben war, wurde auf YouTube hochgeladen; im „Habbo Hotel“, einer virtuellen Umgebung, wo User – in erster Linie Jugendliche – über Avatare miteinander kommunizieren können, wurde ein Informationsraum zum Thema HPV eingerichtet. Und siehe da: die Informationskampagne für die HPV-Impfung wurde ein Erfolg.

„Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir unsere Kommunikation optimieren und die richtigen Botschaften an die richtigen Menschen bringen“, betont auch EU-Beamtin Coggi. Im Juli dieses Jahres hat die Europäische Kommission einen Twitter-Account zu Gesundheitsthemen eingerichtet („@_ Health“), um Informationen zu verbreiten, neue Trends mitzuverfolgen und an laufenden Debatten zu Gesundheitsthemen teilzunehmen. Als im Juli die geplante EU-Richtlinie über klinische Studien diskutiert wurde, hatten die Tweets der Kommission eine Reichweite von 200.000 Menschen. Derzeit hat der Account 800 Follower. Und kürzlich rief die Kommission das Wiki HEIDI („Health in Europe-Information and Data Interface“) ins Leben, in dem Experten die aktuellsten Datensätze in Echtzeit lesen und auch ihre eigene Expertise einbringen können.

Ernst nehmen

European Health Forum (EHFG), Gastein, 3.–6.10.12

Social Media werden mittlerweile selbst von den allerseriösesten Instanzen ernst genommen. „The Lancet“ etwa, eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, ist in den wichtigsten Social Media aktiv. Den Kurzmitteilungen auf dem Twitter-Account der Zeitschrift folgen 40.000 Menschen. Auf Facebook haben 55.000 User auf den virtuellen „Like“-Knopf geklickt und damit ihre Verbundenheit mit dem Auftritt der britischen Zeitschrift zum Ausdruck gebracht. Interessanterweise werden derartige Angebote in hochentwickelten Ländern weniger angenommen als anderswo. John McConnell, Herausgeber von „The Lancet Infectious Diseases“, erzählt: „Wir haben mehr Facebook-Freunde in Indonesien als in Großbritannien.“ y CC 11/12

Foto: Pixelio/Gerd Altmann

y Wer nach Gesundheitsinformationen sucht, landet schnell in InternetForen, Blogs, sozialen Netzwerken und Wikis. „Heute kommunizieren alle wichtigen Player des Gesundheitssystems über Social Media: Gesundheitsmedien, Entscheidungsträger, NGOs, Industrie und EU-Institutionen“, weiß Paola Testori Coggi, MSc, Generaldirektorin der Europäischen Kommission für Gesundheit und Verbraucher. Doch in Social Media verbreiten sich auch Falschinformationen und Panikmache, ein Beispiel dafür sind die Aktivitäten von Impfgegnern. „Im Internet kursieren viele Fehlinformationen über Impfungen, Gegner organisieren regelrechte Kampagnen“, berichtete Dr. Marc Sprenger, Direktor des in Stockholm ansässigen European Centre for Disease Prevention and Control, kürzlich am European Health Forum Gastein. Sein Aufruf an alle seriösen Player: „Wir müssen uns noch stärker und professioneller in sozialen Netzwerken positionieren.“


kurzmeldungen | medizin Diabetes mellitus

Brachydaktylie Typ E. Ein neu-

Stillen senkt das Diabetesrisiko Frauen mit Gestationsdiabetes, die ihr Kind stillen, haben auf längere Sicht ein um 40 Prozent verringertes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) zu erkranken. Das zeigt die Deutsche Prospektive Gestationsdiabetes-Studie (PINGUIN-Studie), die seit 19 Jahren die Entwicklung von DM2 bei Frauen mit Gestationsdiabetes analysiert. Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München haben herausgefunden, dass Frauen, die während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt werden mussten, das größte Risiko für DM2 aufweisen. Fast zwei Drittel dieser Gruppe entwickelten innerhalb von drei Jahren nach der Entbindung einen DM2 – innerhalb von 15 Jahren waren es sogar mehr als 90 Prozent. Neu ist die Erkenntnis, dass Stillen auch langfristig einem DM2 der Mutter vorbeugt. Das

gilt ausschließlich für jene Gestationsdiabetikerinnen, bei denen keine mit Diabetes mellitus Typ 1 assoziierten Autoantikörper nachgewiesen werden konnten. Auch die Dauer des Stillens ist entscheidend: Frauen, die länger als drei Monate stillten, hatten ein 15-Jahres-Risiko für DM2 von 42 Prozent. Stillten die Probandinnen ihre Babys ausschließlich, konnten sie dieses Risiko auf 34,8 Prozent senken. Durchschnittlich konnten die Autoantikörper-negativen Mütter die Entwicklung von DM2 um rund zehn Jahre verzögern. Den größten vorbeugenden Erfolg erzielten Frauen, die ihren Gestationsdiabetes mit einer alleinigen Diät managen konnten. Dies war unabhängig vom BMI, allerdings stillten übergewichtige Frauen ihr Kind in der Regel früher ab als normalgewichtige (nach fünf versus neun Wochen).

Fotos: Matt Daigle/Wikipedia, CDC/E.H.Cook Jr., Philipp Maass/ECRC, Nephron/Wikimedia

Hepatitis-Index

Österreich belegt Rang 15 von 27 Im Vergleich unter 27 EU-Mitgliedsstaaten inklusive der Schweiz, Kroatien und Norwegen schafft Österreich im Hinblick auf die Erkennung, Prävention und Therapie von Hepatitiserkrankungen nur den 15. Platz. Der „Euro Hepatitis Care Index“ zeigt Schwächen vor allem bei der routinemäßigen Untersuchung der Bevölkerung und in Risikogruppen: Demnach wird in Österreich eine große Zahl von Hepatitisinfektionen erst spät erkannt, wodurch Folgeschäden auftreten und eine unbewusste Weitergabe des Virus kaum verhindert werden kann. Den ersten 11/12 CC

und besten Rang belegte Frankreich – dank seines strategischen nationalen Hepatitis-Plans, der die Aspekte Vorsorge, Behandlung und Kontrolle umfasst –, gefolgt von Slowenien und Deutschland. Der Euro Hepatitis Care Index wurde im Auftrag der Europäischen Leberpatienten-Vereinigung ELPA erstellt, der auch die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) angehört. Dem Index zufolge liegen die Defizite in Österreich in den Bereichen Bewusstseinsbildung, Prävention, Früherkennung und Behandlung von Hepatitis im Frühstadium.

es Prinzip der Genregulation haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums und der Charité Berlin entdeckt. Der Genregulator CISTRACT auf Chromosom 12 kann mit dem Gen PTHLH (Auslöser der Skelettfehlbildung Brachydaktylie Typ E, siehe Bild) über eine Distanz von mehr als 24 Millionen Basenpaaren (BP) in Kontakt treten – die bisher größte gemessene Distanz auf ein und demselben Chromosom betrug rund eine Million BP. CISTR-ACT tritt aber auch mit dem Gen SOX9 auf Chromosom 17 in Kontakt. Bei Patienten mit Brachdaktylie Typ E hat sich das Gen PTHLH durch Brüche am Chromosom 12 auf die Chromosomen 4 bzw. 8 verlagert, was die Genexpression beeinflusst und zu einer frühzeitigen Reifung der Knorpelzellen bei der Extremitätenbildung führt. (Maass et al., J Clin Invest 2012)

Cholangiokarzinom. Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover ist es gelungen, Gallengangkarzinome über einen Urintest frühzeitig zu erkennen. Dieser Test könnte besonders beim Nachweis des cholangiozellulären Karzinoms hilfreich sein, da dieses nur schwer von einer Entzündung zu unterscheiden ist. Neoehrlichiose. Eine neue durch Zeckenstiche übertragene Erkrankung haben Forscher der Universität Zürich nachgewiesen. Bisher sind in Europa acht Fälle beschrieben, drei davon im Großraum Zürich, fast alle Patienten hatten ein geschwächtes Immunsystem. Die Neoehrlichiose ist mit Antibiotika vollständig heilbar. (Mauere et al., J Clin Microbiol 2012)

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Serie Thoraxschmerz interdisziplinär

Gastrointestinal bedingt Nicht-kardiale Thoraxschmerzen treten vor allem bei jungen Menschen relativ häufig auf und nehmen mit zunehmendem Alter wieder ab. Ein Überblick zu Ursachen, Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapiestrategien des nicht-kardialen Thoraxschmerzes in der Gastroenterologie. Von Dr. Sadia Hoppe, OA Dr. Harald Mauler und Prim. Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer

Gastroösophageal bedingt Wichtige Ursachen des ösophageal bedingten Thoraxschmerzes sind Refluxerkrankung, ösophageale Inflammation anderer Ätiologie (z.B. Soor-, Herpesösophagitis), Motilitätsstörungen wie Achalasie, der „funktionelle“ Thoraxschmerz und andere Veränderungen wie Zenker-Divertikel. Diese unterscheiden sich in ihrer Häufigkeit. Gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD). Häufigster Grund für das Auftreten eines nicht-kardialen Thoraxschmerzes. Die Prävalenz liegt bei 20 Prozent. Der Begriff umfasst säurebedingte und nicht säurebeding-

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te Ösophaguserkrankungen wie die erosive/nicht erosive Refluxerkrankung mit/ohne Barrett-Metaplasie sowie die extraintestinalen Manifestationen der Refluxerkrankung. Einer GERD liegen meist mehrere pathologische Veränderungen zugrunde. Häufig besteht eine axiale Herniation proximaler Magenanteile über den Zwerchfellhiatus in den Thorax, was zu einer funktionellen und anatomischen Insuffizienz des Sphinkterapparats führt, die durch erhöhten intraabdominellen Druck (z.B. bei Adipositas) und Magenentleerungsstörung (z.B. infolge von Diabetes mellitus) verstärkt wird. Auch ein abnehmender Muskeltonus des unteren Ösophagusdrittels und -sphinkters kann zu einer ineffektiven Motilität und Reduktion der physiologischen Clearancefunktion des Ösophagus führen. Als Folge von säurebedingtem und nicht säurebedingtem (z.B. galligem) Reflux treten entzündliche Veränderungen in der Schleimhaut auf, die zu einer Reduktion der protektiven Schleimbildung sowie elektronenmikroskopisch sichtbaren Fissuren der Mukosa führen. Freie Nervenenden werden durch chemische Reize (v.a. Säure) stimuliert und lösen Brennen oder Schmerz aus; auch EKG-Veränderungen können auftreten. Eine länger

bestehende Inflammation des distalen Ösophagus kann zum Ersatz des Plattenepithels durch modifizierte Magenschleimhaut (Barrett-Mucosa) mit oder ohne Dysplasien führen (lowgrade/high-grade). Letztere sind Vorstufen eines Adenokarzinoms, sodass ein systematisches endoskopisches Screening erforderlich ist. Dysplasien sollten dabei endoskopisch-interventionell abgetragen, thermisch ablationiert oder bei Invasion tieferer Schichten chirurgisch entfernt werden. Ösophageale Inflammation anderer Ätiologie. Neben den oft bei Immunsuppression auftretenden Soor- und Herpesösophagitis sind Entzündungen durch chemische Reize oder Medikamente (Bisphosphonate) häufige Schmerzursachen. Eosinophile Ösophagitis (EoE). Immunvermittelte entzündliche Erkrankung des Ösophagus, welche in den letzten Jahren häufiger diagnostiziert wird; allerdings ist dies mit einer vermehrten Zahl an Biopsien korreliert. Die EoE tritt sowohl im Kindes- als auch im jüngeren Erwachsenenalter auf, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Das Hauptsymptom ist Dysphagie, insbesondere für feste Speisen, bis hin zur Obstruktion des CC 11/12

Fotos: Pixelio/creation82, Ludwig Kramer

y Der nicht-kardiale Thoraxschmerz ist ein vor allem bei jungen Erwachsenen häufig auftretendes Symptom, das mit zunehmendem Alter wieder abnimmt. Er ist definiert als rezidivierender pectanginöser retrosternaler Schmerz nicht kardialen Ursprungs. In Studien wurden zwischen acht und 57 Prozent der thorakalen Schmerzen als nicht kardial klassifiziert. Viele Patienten haben mehrmals pro Woche starke Schmerzen und suchen wiederholt Notfallaufnahmen auf. Therapeutisch wichtig ist die Unterscheidung von ösophagealen und nicht ösophagealen Schmerzen (siehe Tabelle).


Ösophagus, meist durch Fleischstücke. Weitere Symptome sind dyspeptische und refluxartige Oberbauchbeschwerden sowie Thoraxschmerzen. Laborchemisch sind eine moderate Eosinophilie, ein erhöhtes Gesamt-IgE und eine Anamnese für Allergie (Atopikerfamilien) häufig. Neben genetischen Faktoren dürften Umwelteinflüsse, Nahrungsmittelantigene und eine immunologische Prädisposition in der Erkrankungsgenese mitwirken. Endoskopisch kommen Exsudate, longitudinale tiefe Furchen, Schleimhautödem, Querrillen (siehe Abb.), Stenosen oder eine „Crêpepapier-Mukosa“ zur Darstellung. Ein unauffälliger endoskopischer Befund bei gleichzeitigem Vorliegen einer Eosinophilie schließt eine EoE nicht aus. Histologisch werden mehr als 15 eosinophilen Granulozyten pro hochauflösendem Gesichtfeld (HPF) gefordert, eine Refluxösophagitis sollte allerdings vor Biopsie suffizient behandelt sein. Störungen der ösophagealen Motilität. Manifestation als hypomotile Störungen mit Reduktion der Kontraktionsamplituden bis zu komplettem Fehlen der peristaltischen Kontraktion des tubulären Ösophagus. Auch hypermotile Störungen mit erhöhten Kontraktionsamplituden oder verlängerten Kontraktionen sind möglich. Achalasie. Seltene neuromuskuläre Ösophaguserkrankung mit Schluckstörungen, die mit deutlichem retrosternalem Druckschmerz, Malnutrition und Aspirationspneumonien einhergehen kann. Studien beschreiben eine steigende Prävalenz der Erkrankung bei stabiler Inzidenz – vermutlich aufgrund verbesserter Diagnostik. Pathophysiologisch liegt der Achalasie

ein progressiver und nur teilweise geklärter Untergang inhibitorischer Neuronen im myentrischen Plexus zugrunde. Ätiologisch werden virale oder parasitäre Infektionen (ChagasErkrankung), autoimmune Prozesse, genetische Disposition sowie Umwelteinflüsse diskutiert. Differenzialdiagnostisch sind strukturelle Stenosen des distalen Ösophagus auszuschließen. Unbehandelt kommt es zu aktiven und passiven Regurgitationen, oft verbunden mit Aspirationspneumonien. Studien belegen auch ein erhöhtes Risiko für Plattenepithelkarzinome. Diffuser Ösophagusspasmus (DES). Seltene, oft lange unerkannte Erkrankung. Hauptsymptome sind Dysphagie, gelegentlich mit Obstruktion durch Speiseboli und anhaltende krampfartige Thoraxschmerzen, die wie Angina-pectoris-Symptome ausstrahlen und sich auf Nitrate verbessern können. Der Altersgipfel liegt in der sechsten Dekade. Manometrisch liegen nonpropulsive Kontraktionen der Speiseröhre vor; propulsive Kontraktionen sind im Rahmen der Schmerzepisode aufgehoben. Man nimmt eine cholinerge Überempfindlichkeit bzw. eine zu geringe NO-erge Relaxation an; auch gastroösophagealer Reflux wird als Auslöser diskutiert. Bei langer Krankheitsdauer kommt es zur Hypertrophie der Muskulatur, mit Ausbildung von Wandverdickung und korkenzieherartigem oder wendeltreppenartigem Schleimhautrelief.

Endoskopisches Bild der eosinophilen Ösophagitis mit charakteristischen Querrillen

Hyperkontraktiler Ösophagus. Seltene Erkrankung unbekannter Ätiologie. Hauptsymptom sind retrosternale krampfartige Schmerzen bei extrem hohen Kontraktionsdrücken (bis 180cm H2O). Durch den erhaltenen

Ursachen nicht-kardialer Thoraxschmerzen ösophageal bedingt

nicht ösophageal bedingt

• Refluxerkrankung • ösophageale Inflammation anderer Ätiologie • eosinophile Ösophagitis • Bolusobstruktion • Achalasie • diffuser Ösophagusspasmus • hyperkontraktiler Ösophagus • Boerhaave-Syndrom • funktioneller Thoraxschmerz

• paraösophageale Hiatushernie • Ulcus ventriculi • muskuloskelettal • pulmonal, pleural • mediastinal • Herpes Zoster • biliär (Konkremente, Sphinkter-oddi-Dysfunktion) • neurologisch, neuromuskulär • Hyperthyreose • psychosomatisch • Panikattacken, Angststörung, somatoforme autonome Funktionsstörung

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peristaltischen Ablauf ist die Dysphagie nicht dominant, der LES oft unauffällig. Wichtigste gastroenterologische Differenzialdiagnose ist die GERD. Bolusobstruktion. Diese löst auch bei nicht entzündeter Schleimhaut starke Schmerzen aus. Eine endoskopische Therapie ist rasch anzustreben. Boerhaave-Syndrom. Stark schmerzhafte lebensbedrohende Spontanruptur des distalen Ösophagus nach starker Druckerhöhung im Rahmen von Erbrechen, Bolusobstruktion oder schwerer Entzündung; oft kompliziert durch Hautemphysem, Pleuraerguss oder Pneumothorax. Eine sofortige operative Versorgung der Perforation ist erforderlich. Bei nicht operablen Patienten können eine endoskopische Stentimplantation und Pleuradrainage versucht werden. Mallory-Weiss-Syndrom. Mukosale oder submuköse, nicht penetrierende, oft blutende Rupturen der Cardiaschleimhaut, die mit thorakalen Schmerzen einhergehen können. Typisch ist Erbrechen mit sekundärer Blutbeimengung. Das Mallory-WeissSyndrom kommt bei Alkoholabusus und häufigem Erbrechen vor." Funktioneller Thoraxschmerz. Bei Patienten, die weder eine GERD, eine Entzündung der Speiseröhre (viral-/ Soor-/Strahlen-bedingt) noch eine Motilitätsstörung des Ösophagus als Korrelat für den Thoraxschmerz aufweisen, hat sich der Begriff „funktioneller Thoraxschmerz“ etabliert. Etwa 80 Prozent der Patienten mit funktionellem Thoraxschmerz weisen eine Überlappung mit funktionellen Störungen und Schmerzen der Ab-

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Rome-III-Kriterien für funktionelle Ösophaguserkrankungen dominalregion wie Reizdarm und viszeraler Hyperalgesie auf. Ein Erkennen dieser Überlappung kann das Management erleichtern und den Patienten unnötige Abklärungsschritte ersparen. Zur Einteilung der funktionellen Schmerzsymptome siehe Tabelle.

Nicht ösophageal bedingt Die beschriebenen Ursachen sind in der Regel entsprechend ihrer Pathophysiologie zu behandeln. Aus gastroenterologischer Sicht ist die paraösophageale Hiatushernie erwähnenswert. Diese besteht in einer Herniation von Magenabschnitten bei anatomisch korrekter Lage und Funktion des LES. Teile des Magens herniieren in den Brustraum; im Extremfall kann fast der gesamte Magen oberhalb des Zwerchfells liegen (Upside-Down-Stomach). Im Komplikationsstadium treten Passagestörung, Inkarzeration, Geschwüre und chronische Blutungsanämie auf. Durch Kompression des Herzens und Anämie können EKGVeränderungen, Atemnot, Arrhythmien oder Infarkte bestehen. Bei wiederholter Symptomatik wird die chirurgische Gastropexie empfohlen.

Diagnostik Verdacht auf GERD. Bei Patienten ohne Alarmsymptome kann vor endoskopischer Abklärung eine probatorische Therapie mit Protonenpumpenhemmer (PPI) für ein bis zwei Wochen erfolgen. Bei fehlender Besserung ist eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) anzuschließen. Trotz unauffälligen endoskopischen Befundes kann eine GERD vorliegen (nicht erosive GERD; Diagnosesicherung durch 24hpH-Metrie). Patienten mit Alarmsymptomen (Dysphagie, Emesis, Gewichtsverlust, Anämie) sind rasch einer ÖGD zuzuführen. Bei zusätzlichem Vorliegen einer Eosinophilie sollte an eine EoE gedacht werden. Verdacht auf Motilitätsstörung. Goldstandards in der Diagnostik von Motilitätsstörungen sind Manometrie und Videokinematographie. Erstere erlaubt eine qualitative und quantitative Beurteilung der ösophagealen Muskelkraft, der Koordination und Motilität sowie eine gleichzeitige Untersuchung von tubulärem Ösophagus und LES. Die Videokinematographie kann frühe Veränderungen bei Achalasie aufzeigen. Die endgültige Diagnose wird durch die Manometrie gestellt. Diffuse Ösophagusspasmen sowie ein

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hyperkontraktiler Ösophagus sind mittels 24h-Manometrie nachweisbar.

Akuttherapie Die Therapie des akuten Thoraxschmerzes ist weitgehend standardisiert und besteht aus Allgemeinmaßnahmen, Beruhigung, Nitratgabe bzw. antihypertensiver Therapie, Vor- und Nachlastsenkung, Sauerstoffgabe, gegebenenfalls Analgetika. Nach dem obligaten Ausschluss kardialer und anderer Schmerzursachen bzw. wirksamer symptomatischer Therapie sind spezifische Maßnahmen in Abhängigkeit von der Diagnostik angezeigt.

Dauertherapie Therapie der ersten Wahl bei GERD sind PPI. Diese sind bezüglich Abheilung einer Refluxösophagitis bzw. Symptomlinderung den H2-Rezeptorblockern überlegen, die nur initial schnelleren Wirkbeginn aufweisen. Kontrollierte Studien zeigen eine vergleichbare Effektivität der Fundoplicatio mit jener der PPI-Dauertherapie, sodass v.a. junge Patienten mit stark pathologischen Werten für GERD (hoher DeMeester-Score) und solche mit Volumsreflux einer operativen Therapie zugeführt werden. Allerdings brauchen 30 bis 50 Prozent der operierten Patienten innerhalb von fünf bis zehn Jahren erneut PPI, da auch die chirurgischen Maßnahmen durch Gewebserschlaffung allmählich an Wirkung verlieren. Bei der EoE sind topische Kortikoidsprays Medikamente der ersten Wahl. Die Dysphagie bessert sich bei den meisten Patienten innerhalb weniger Tage. Im Verlauf kommt es jedoch trotz Remission bei 50 Prozent zu einem Relaps. In der Langzeittherapie können Kortikoide in Niedrigdosis gegeben werden. Leukotrienantagonisten und Immunsuppressiva werden laut neuestem Konsensus explizit nicht empfohlen. Eine hypoallergene Diät ist in Einzelfällen eine weitere Option. Bei Vorliegen einer Stenose ist die endoskopische Dilatation Therapie der Wahl. Die Behandlung ösophagealer Motilitätsstörungen basiert in erster Linie auf einer Modulation der viszeralen Hyperalgesie, die als zugrunde liegender Mechanismus angenommen wird. In den letzten Jahren zeigte sich, dass Patienten mit Motilitätsstörungen, mit Ausnahme der Achalasie, mehr von einer schmerzmodulierenden als von einer Therapie mit Muskelrelaxantien zu profitieren scheinen.

A1 funktionelles Sodbrennen • brennender retrosternaler Schmerz oder Missempfindung A2 funktioneller Thoraxschmerz • in der Thoraxmitte empfundene nicht brennende Schmerzen oder Missempfindung A3 funktionelle Dysphagie • Gefühl einer Passagestörung bei der Ingestion von Speisen oder Flüssigkeiten A4 Globusgefühl (alle Punkte müssen erfüllt sein) • dauerhaftes oder intermittierendes nicht schmerzhaftes Fremdkörper- oder Kloßgefühl im Rachen • Auftreten zwischen den Mahlzeiten • Fehlen von Dysphagie, Odynophagie • Ausschluss gastroösophagealer Refluxerkrankung • kein histopathologischer Nachweis einer ösophagealen Motilitätserkrankung Die Kriterien müssen für die letzten drei Monate seit Symptomentstehung bzw. zumindest sechs Monate vor Diagnosestellung bestanden haben. Für A1 bis A3 sind der endoskopische Ausschluss einer GERD und der histopathologische Ausschluss einer ösophagealen Motilitätserkrankung obligat.

Literatur bei den Autoren

Prim. Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer Dr. Sadia Hoppe OA Dr. Harald Mauler 1. Medizinische Abteilung mit Gastroenterologie, Krankenhaus Hietzing, Wien

Die Langzeitergebnisse der pharmakologischen Therapie bei Achalasie sind unbefriedigend, weshalb die derzeit eingesetzten Muskelrelaxantien, Nitrate und Kalziumantagonisten nur kurzfristig Besserung bringen. Die Wirkung ist zudem durch Tachyphylaxie (Nitrate) und Nebenwirkungen limitiert. Standard der endoskopischen Therapie ist die pneumatische Dilatation des verengten Ösophagusabschnitts in einem Referenzzentrum. Ist das nicht möglich, kann eine endoskopische Injektion von Botulinumtoxin erfolgen. Das Toxin ist ein irreversibler Hemmer der Acethylcholinfreisetzung aus den präsynaptischen Vesikeln, welcher zur Reduktion des Druckes im LES führt. Wesentlicher Nachteil ist die begrenzte Wirkdauer. Die modifizierte Myotomie nach Heller, die bei jüngeren Patienten angewendet wird, bzw. ihre endoskopische Variante (Peroral Endoscopic Myotomy, POEM) sind weitere sekundäre Therapieoptionen der Achalasie. Beim diffusen Ösophagusspasmus führt die Injektion von Botulinumtoxin zu einer Reduktion der Kontraktionskraft und kann ebenfalls als Alternative eingesetzt werden, ist aber noch kein etabliertes Therapieverfahren.

Supportive Therapiemodelle Psychotherapie kann v.a. beim funktionellen Thoraxschmerz eine weitere Option sein. Einer neuen Studie zufolge kann auch Hypnose zu Symptomverbesserung führen. Für eine Implementierung dieser Modelle bedarf es jedoch weiterer Studien. y CC 11/12


Pfizer Corporation Austria Ges.m.b.H, Wien

LÖSEN SIE DEN STRANG, BEFREIEN SIE DIE HAND.

XIA-002-11/1/27.01.2011

Die 1. Injektionstherapie bei Dupuytren-Kontraktur. Von Pfizer für Handchirurgen.

Veränderung findet Hand Fachkurzinformation siehe Seite 34


Genetische Kardiomyopathien

Vom Phänotyp Die Differenzierung verschiedener Phänotypen von Kardiomyopathien ist sowohl für die Risikostratifizierung als auch für die Behandlung der kardialen Erkrankung wichtig. Die genetische Diagnostik rückt dabei zunehmend in den Blickpunkt. Voraussetzung für eine molekulargenetische Untersuchung ist eine eingehende Familienanamnese sowie eine kardio-genetische Beratung. Von Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pölzl, F.E.S.C.

y Seit Entdeckung der ersten mit Kardiomyopathie und Rhythmusstörungen assoziierten Ge­ ne in den 1990er Jahren hat sich die Genetik kardialer Erkrankungen nicht zuletzt aufgrund neuer techni­ scher Möglichkeiten rasant weiter­ entwickelt und ist mittlerweile in der klinischen Routine angekommen.

Phänotypendifferenzierung Familiäre Kardiomyopathien stehen den erworbenen Kardiomyopathien – wie etwa der ischämischen, hyper­ tensiven oder valvulären Herzmuskel­ erkrankung – als eigenständige Enti­ tät gegenüber. Ausgehend von entsprechenden Symptomen oder auch als Zufallsbe­ fund wird der kardiale Phänotyp in den meisten Fällen mittels Bildge­ bung wie Echokardiographie und/ oder kardialem MRI diagnostiziert. Dabei finden sich neben den am häufigsten vorkommenden hyper­ trophen und dilatativen Phänotypen auch seltenere Erkrankungen wie die arrhythmogen rechtsventrikulä­ re Dysplasie, die linksventrikuläre Non­Compaction und die restriktive Kardiomyopathie.

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Hypertrophe Kardiomyopathie Dilatativer Phänotyp bei Laminmutation (transthorakale Echokardiographie)

Neben der erworbenen hypertensi­ ven Kardiomyopathie sind differen­ zialdiagnostisch in erster Linie die autosomal dominant vererbte hy­

pertrophe Kardiomyopathie, ver­ schiedene Formen von genetisch bedingten Mitochondriopathien (z.B. Morbus Friedreich, MELAS­ Syndrom) sowie genetische (z.B. Morbus Fabry, mutante ATTR­Amy­ loidose) und erworbene Speicherer­ krankungen (z.B. AL­Amyloidose, nicht mutante ATTR­Amyoloidose) in Erwägung zu ziehen. Die hypertrophe Kardiomyopathie gehört mit einer Prävalenz von 1:500 zu den häufigen genetisch bedingten kardialen Erkrankungen. Sie ist defi­ niert durch eine idiopathische Hy­ pertrophie des linken Ventrikels, welche häufig asymmetrisch ist und vorwiegend das interventrikuläre Septum betrifft. Die phänotypische Ausprägung der idiopathischen hypertrophen Kar­ diomyopathie variiert stark und reicht von nur geringen Veränderun­ gen bis hin zur ausgeprägten Hyper­ trophie. Ebenso variabel ist der klini­ sche Verlauf, welcher von fehlenden Symptomen bis hin zur schweren Herzinsuffizienz oder dem plötzli­ chen Herztod reichen kann.

Fotos: Pure Stock, Gerhard Pölzl (2), Privat

Ist der Phänotyp einmal gesichert, sind weitere diagnostische Schritte erforderlich. Dabei steht eine einge­ hende Anamnese des Patienten an erster Stelle (Symptome der Herzin­ suffizienz, Arrhythmien, Präsynko­ pen/Synkopen). Entscheidend ist eine ausführliche Familienanamne­ se, welche drei Generationen (in der Regel Eltern, Großeltern, und Ge­ schwister, allenfalls auch Kinder) einbezieht (Stammbaumanalyse). Dem folgt die physikalische Untersu­ chung, bei der neben dem kardiolo­ gischen Status besonderes Augen­ merk auf skeletto­muskuläre und neurologische Veränderungen zu legen ist. Wie wichtug die Differenzierung von kardialen Phänotypen ist, soll im Fol­ genden am Beispiel der beiden häu­ figsten kardialen Phänotypen darge­ stellt werden.

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Flimmerkasten

Sofern eine exakte Zuordnung nicht möglich ist, kann eine Endomyokard­ biopsie weiterhelfen. Eine molekular­ genetische Untersuchung ist bei fa­ miliärer Häufung (z.B. hypertrophe Kardiomyopathie), syndromatischen Symptomenkomplex (z.B. Klein­ wüchsigkeit, Schwerhörigkeit, Diabe­ tes mellitus bei Mitochondriopathi­ en) oder gezielter Fragestellung (z.B. ATTR­Amyloidose) sinnvoll.

arterielle Hypertonie infrage. Dane­ ben spielen entzündliche oder toxi­ sche (z.B. Chemotherapie) Gesche­ hen, aber auch Herzklappenerkran­ kungen eine ursächliche Rolle. Kann keine zugrunde liegende Ursa­ che gefunden werden, wird dies als idiopathische Kardiomyopathie be­ zeichnet. Wenn bei zwei oder mehr erstgradig verwandten Familienmit­ gliedern eine solche gefunden wird

Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist bei hypertropher Kardiomyopathie wesentlich höher als bei hypertensiver Kardiomyopathie. Das Ergebnis dieser Untersuchung kann sowohl für die Diagnosesiche­ rung als auch bei der Risikostratifizie­ rung hilfreich sein, ist jedoch in erster Linie Grundlage für die Beratung von Patienten und deren Angehörige. Die Subdifferenzierung des Phäno­ typs ist bei den meisten Patienten ent­ scheidend für Behandlung und Risi­ kostratifizierung, eventuell auch für die Familienplanung. Beispielweise ist das Risiko für plötzlichen Herztod bei hypertropher Kardiomyopathie wesentlich höher als bei hypertensi­ ver Kardiomyopathie. Bei hypertro­ pher Kardiomyopathie ist daher eine exakte Risikostratifizierung und gege­ benenfalls die Implantation eines De­ fibrillators erforderlich. Für Speichererkrankungen wie etwa Morbus Fabry stehen spezifische The­ rapiemodalitäten zur Verfügung. Für erstgradig verwandte Personen ist die exakte Diagnose beim Indexpati­ enten im Hinblick auf Beratung sowie Umfang und Häufigkeit von Nachfol­ geuntersuchungen entscheidend.

Dilatative Kardiomyopathie Als Ursache für Funktionseinschrän­ kung und Dilatation des linken Ven­ trikels kommen an erster Stelle eine koronare Herzerkrankung und eine

oder ein Familienmitglied in jungem Alter an einem plötzlichen Herztod verstorben ist, spricht man von fami­ liärer dilatativer Kardiomyopathie. Dies trifft auf etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit idiopathischer Kar­ diomyopathie zu (Diagnose im Rah­ men des empfohlenen Screenings erstgradiger Verwandter). Bislang sind Mutationen in über 30 verschiedenen, mit einer Dilatation des linken Ventrikels assoziierten Genen beschrieben. Von besonderer Bedeutung sind hierbei Mutationen im LMNA­Gen. Diese gehen häufig mit Reizleitungsstörungen (AV­Blo­ ckierung, Schenkelblock) und Mus­ keldystrophien einher. LMNA­Muta­ tionen sind mit einem erhöhten Risi­ ko für das Auftreten eines plötzlichen Herztods und thromboembolischer Komplikationen verbunden. Bei Pati­ enten mit LMNA­Mutation ist daher eine besonders sorgfältige Risikostra­ tifizierung sowie ein Familienscree­ ning erforderlich. y Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pölzl, F.E.S.C. Universitätsklinik für Innere Medizin III – Kardiologie, Department Innere Medizin, Innsbruck

Am ESC-Kongress 2012 wurde die Aktualisierung der europäischen Guidelines zur Behandlung von Vorhofflimmern präsentiert. Dronedaron wurde als wertvolle Behandlungsoption zur Rhythmuskontrolle bestätigt. Multaq® ist das einzige empfohlene ErstlinienAntiarrhythmikum für Vorhofflimmer-Patienten mit hypertensiver Herzkrankheit und linksventrikulärer Hyperthrophie. Damit ist Multaq® weiterhin das einzige Antiarrhythmikum, das bei nicht permanentem Vorhofflimmern und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren empfohlen wird, um kardiovaskuläre Hospitalisierung zu reduzieren. Die aktualisierten Leitlinien empfehlen Multaq® ª neben anderen Antiarrhythmika als Erstlinientherapie zur Rhythmuskontrolle bei VHF-Patienten ohne oder mit minimaler struktureller Herzerkrankung ª als einzige Erstlinientherapie für VHF-Patienten mit Hypertonie und linksventrikulärer Hypertrophie ª nach Sotalol für VHF-Patienten mit koronarer Herzkrankheit Die Leitlinien weisen darauf hin, dass Multaq® bei folgenden VHF-Patienten nicht verschrieben werden darf: ª instabile hämodynamische Zustände ª bestehende oder in der Vergangenheit aufgetretene Herzinsuffizienz oder linksventrikuläre systolische Dysfunktion ª permanentes VHF (Dauer des VHF ≥6 Monate oder unbekannte Dauer, vom Arzt werden Versuche zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus nicht länger in Betracht gezogen) ª Leber- und Lungentoxizität in Zusammenhang mit vorheriger Einnahme von Amiodaron Die Aktualisierung der Leitlinien verdeutlicht die Stellung von Multaq® für eine Bandbreite von VHF-Patienten und bietet Ärzten eine zusätzliche Orientierung. Quelle: Eur Hear J 2012;eurheartj/ehs253

Ein Service von

11/12 CC Fachkurzinformation siehe Seite 34

Entgeltliche Einschaltung

zum Genotyp

Multaq® als Erstlinienpräparat in den ESC-Guidelines bestätigt


Ceftarolinfosamil (Zinforo ) ®

Neues Antibiotikum zugelassen Mit ceftarolinfosamil steht ein neues parenterales antibiotikum aus der Klasse der cephalosporine für Erwachsene mit komplizierten haut- und Weichgewebeinfektionen oder ambulant erworbener Pneumonie zur Verfügung. Es ist das erste in Europa zugelassene cephalosporin, das wirksam gegen Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus ist. Von Mag. Nicole Martinek

Bakterielle Infektionen wie cSSTI und CAP sind häufig mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität assoziiert und stellen eine große Herausforderung an das Gesundheitssystem dar. Ceftarolinfosamil verfügt über eine verlässliche klinische Wirksamkeit sowie die bewährte Verträglichkeit der Klasse der Cephalosporine. Es hat einen breiten Anwendungsbereich gegen die meisten bakteriellen Verursacher von cSSTI und CAP – inklusive nachgewiesener klinischer Wirksamkeit gegen resistente und schwierig zu behandelnde Bakterienstämme wie MRSA bei cSSTI und Streptococcus pneumoniae und Methicillin-sensitiven Staphylococcus aureus (MSSA) bei CAP.

Risikopatienten Studien zeigen, dass viele Patienten trotz der Verfügbarkeit von zahlreichen Antibiotika zur Therapie von CAP bzw. cSSTI nicht die effiziente First-line-Medikation erhalten. Hinzu kommt, dass die zunehmenden Resistenzen gegen die verwendeten Antibiotika nicht nur eine Gesundheitsgefährdung darstellen, sondern auch die Behandlung erschweren. Bestimmte Patienten haben ein erhöhtes Risiko 1,2

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Neues Wirkkonzept Ceftarolinfosamil wurde so konzipiert, dass es sich von bereits zugelassenen Cephalosporinen unterscheidet. Die neue bakterizide Wirkungsweise zerstört gezielt die bakteriellen Verursacher von CAP und cSSTI. Ceftarolinfosamil bindet an Penicillinbindende Proteine (PBPs), die an der bakteriellen Zellwandsynthese und -reparatur beteiligt sind, und inhibiert sie. Diese Hemmung führt zu einer Verminderung der bakteriellen Zellwandreplikation und/oder zum Zelltod, der die Ausbreitung der Infektion zum Stillstand bringt. Das Medikament hat zudem eine hohe Affinität zu spezifischen PBPs, die mit Resistenzen assoziiert sind inklusive jener gegen MRSA sowie Penicillinunempfindlichen Streptococcus pneumoniae. Im Gegensatz zu anderen zugelassenen Betalactam-Antibiotika wirkt Ceftarolinfosamil gegen schwer zu behandelnde oder resistente Bakterienstämme. Ceftarolinfosamil wird nicht von hepatischen CYP-450-Enzymen metabolisert, weshalb es auch ein niedriges Potenzial für Interaktionen mit anderen Medikamenten aufweist

und die Notwendigkeit für Dosisanpassungen besteht. Dies könnte vor allem für multimorbide Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, einen Vorteil darstellen.

CANVAS und FOCUS Die Wirkung und Verträglichkeit von Ceftarolinfosamil wurde in vier entscheidenden Phase-III-Studien mit 1.305 Erwachsenen nachgewiesen, die mit einer Dosierung von 600mg zu 60 Minuten alle zwölf Stunden behandelt wurden. CANVAS 1 und 2 mit erwachsenen Patienten mit cSSTI (inklusive jener durch MRSA verursachten Infektionen) zeigte eine vergleichbare (nicht inferiore) Wirkung im Vergleich zu Vancomycin plus Aztreonam (1g alle zwölf Stunden). Die Studien FOCUS 1 und 2 mit erwachsenen CAPPatienten wiesen für Ceftarolinfosamil eine vergleichbare (nicht inferiore) Wirkung im Vergleich zu Ceftriaxon (1g alle 24 Stunden) mit zahlenmäßig höheren Genesungsraten nach. Auch bei gefährdeten Pateinten konnte für Ceftarolinfosamil eine gleichmäßige klinische Wirksamkeit nachgewiesen werden. In den genannten Studien wurde für Ceftarolinfosamil ein vergleichbares Verträglichkeitsprofil gezeigt wie für die Klasse der Cephalosporine. Die häufigste unerwünschte Wirkung bei mehr als drei Prozent der Patienten mit Ceftarolinfosamil waren Diarrhö, Kopfschmerzen, Nausea und Pruritus, und sie waren in der Regel mild bis moderat. Basierend auf diesen vier Studien erhielt Ceftarolinfosamil am 28. August 2012 die Zulassung von der EMA. n 3,4

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1 Edelsberg J et al., Infect Control Hosp Epidemiol 2008; 2 Garcia-Vidal C et al., Semin Respir Crit Care Med 2009; 3 Rank DR, J Antimicrob Chemother 2011; 4 Corey GR et al., Clin Infect Dis 2010; 5 File TM et al., Clin Infect Dis 2010

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iD3794

Klinisch wirksam

für cSSTI oder CAP. Bereits an cSSTI oder CAP erkrankte Patienten weisen nicht selten zusätzliche Risikofaktoren auf wie etwa fortgeschrittenes Alter oder Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, peripher arteriosklerotische Erkrankungen, COPD oder Asthma bronchiale. Die Folge sind schlechtere Prognose, rascheres Fortschreiten der Erkrankung, langsamere Genesung und höhere Anfälligkeit für Infektionen mit resistenten Bakterienstämmen. Vor allem bei Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko könnte Ceftarolinfosamil die Behandlung von CAP bzw. cSSTI verbessern, ohne dabei die Verträglichkeit einzubüßen.

EntgEltlichE Einschaltung

y In Österreich wurde kürzlich ein neues intravenöses Cephalosporin für die Monotherapie von komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen (cSSTI) oder ambulant erworbenen Pneumonien (CAP) bei Erwachsenen zugelassen. Ceftarolinfosamil ist das einzige in Europa verfügbare Cephalosporin für die Behandlung von cSSTI mit nachgewiesener klinischer Wirksamkeit gegen Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), einer häufigen Ursache von schwerwiegenden Hautinfektionen.


ZINFORO reicht weiter

ID 3736; 10 / 2012

Fachinformation siehe Seite 34

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Effektive Monotherapie zum empirischen Einsatz bei komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen • Bakterizid wirksam gegen gram

und gram

Erreger1

• Effektiv gegen MRSA*,1 • Schnelle Verbesserung der klinischen Symptomatik2 • Bewährte Verträglichkeit eines Cephalosporins1

Innovatives Cephalosporin zur Monotherapie von ambulant erworbener Pneumonie • Wirksam gegen gram

Erreger inkl. Streptococcus pneumoniae sowie gram

Erreger1

Zugelassen für komplizierte Haut- und Weichgewebeinfektion und ambulant erworbene Pneumonie * Methicillin Resistenter Staphylococcus Aureus

1 Fachinformation Zinforo™

2 Friedland H. et al. CANVAS 1 and 2, Antimicrob. Agents Chemother. 2012, 56(5): 2231


Rheumatoide Arthritis (RA)

Substanz und gewissermaßen als Grundlage der Therapie ein. Wichtig sind dabei ein rascher Therapiestart und eine ausreichende Dosierung, die meist zwischen 15 und 25mg pro Woche liegt. Weiters sollte diese Therapie von einer Folsäuregabe begleitet sein, um Nebenwirkungen zu minimieren“, so Redlich. Die Wirkung basiert auf einer signifikanten Reduktion der Spiegel bzw. der Aktivität proinflammatorischer Zytokine sowie der Inhibierung von biogenen Aminen und einer gesteigerten Adenosinfreisetzung.

Treat RA to Target Die heute verfügbaren therapeutischen Optionen können die im natürlichen Verlauf der RA unausweichliche Trias von chronischer Entzündung, Gelenkschädigung und Invalidität bei der Mehrzahl der Patienten durchbrechen. Die Therapieziele sind die Reduktion von Gelenkschwellungen, Normalisierung der Entzündungsparameter, Beschwerdefreiheit und letztlich die Verhinderung der radiologischen Progression, die zu funktioneller Verschlechterung und Behinderung führt. Von Reno Barth y „Im Idealfall kann Remission erreicht werden, wobei es allerdings unterschiedliche Definitionen gibt, wie viel Krankheitsaktivität noch erlaubt ist, wenn von Remission gesprochen wird“, sagt Univ.-Prof. Dr. Kurt Redlich, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien. Die alten Klassifikationskriterien der RA haben jedenfalls ausgedient, weil sie u.a. Rheumaknoten und radiologische Veränderungen für die Klassifikation fordern und damit einer frühen Diagnose und Therapie der RA im Wege standen. Dieses Problem wurde mittlerweile durch neue Klassifikationskriterien entschärft, die auf klinischer Symptomatik und Laborparametern basieren. Über lange Zeit und in zahlreichen Studien kam der DAS (Disease Activity Score) 28 zum Einsatz, der sich allerdings im Hinblick auf die Definition von Remission als zu großzügig erwiesen hat. Redlich: „Ein Vergleich der prädiktiven Kapazität verschiedener Remissionsdefinitionen für einen Stopp späterer radiologischer Progression zeigt, dass der DAS28 dieser Aufgabe nicht oder nur unzureichend gerecht wird. Hohen prädiktiven Wert hat hingegen die Remission nach dem Simplified Disease Activity Index (SDAI). Das Erreichen von Remission nach dem SDAI hat für die Patienten nicht nur langfristig Vorteile im Sinne

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verhinderter Gelenkschädigung und erhaltener Arbeitsfähigkeit. Patienten in Remission nach SDAI zeigen im Vergleich zur gesunden Allgemeinbevölkerung keine Beeinträchtigung der Lebensqualität, während Patienten mit DAS-28-Remission doch signifikant eingeschränkt sind.“

Langfristige Remission Während eine „Heilung“ der RA nur in seltensten Fällen gesehen wird, ist die langfristige Remission unter Therapie (also kontinuierlicher Medikamenteneinnahme) für viele Patienten in Zeiten moderner Therapieansätze ein realistisches Ziel geworden. Den Kern einer modernen RA-Therapie stellen nach wie vor die konventionellen Basistherapeutika oder DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs) dar. Aus dieser Gruppe ist Methotrexat (MTX) mit Abstand die bedeutendste Substanz, aber auch Leflunomid oder Sulfasalazin haben ihre Wirksamkeit. Dieses Armamentarium wurde in den letzten Jahren durch eine wachsende Zahl sogenannter Biologika erweitert. Die Therapie wird in der Regel mit MTX begonnen, sofern keine Kontraindikationen (z.B. Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz, Allergie) vorliegen. „MTX kennen wir von allen heute verwendeten Basistherapeutika am längsten und besten. Deshalb setzen wir es in der Praxis meist als erste

Redlich: „Durch die zusätzliche Biologikagabe erreicht man eine Reduktion der Krankheitsaktivität und im Vergleich zur MTX-Monotherapie auch bei gleicher Krankheitsaktivität eine deutlich geringere Destruktion der Gelenke.“

Auf MTX sprechen aber bei Weitem nicht alle RA-Patienten gut an. Orientiert man sich an der Remission als entscheidendem Ziel, so sind nicht selten Umstellungen bzw. Erweiterungen der Therapie erforderlich. Dabei kann in bestimmten Fällen versucht werden, durch ein zweites konventionelles DMARD doch noch eine hinreichende Krankheitskontrolle zu erzielen, oder die Basistherapie mit MTX wird durch ein Biologikum ergänzt. In den allermeisten Fällen wird es sich um ein gegen den Tumornekrosefaktor alpha gerichtetes Präparat handeln, aber auch gegen den IL-6-Rezeptor gerichtete Substanzen oder T-ZellKostimulationshemmer können bei Versagen von MTX eingesetzt werden. Die Kombination der Biologika mit MTX hat sich dabei als besonders wirksam erwiesen. Wird MTX nicht vertragen oder liegt eine Kontraindikation vor, besteht auch die Option einer Monotherapie mit einem Biologikum. Bislang gibt es allerdings kaum Evidenz zur Frage, welche Patienten von welchem Biologikum am ehesten profitieren. Wenn der Patient unter einer konventionellen Basistherapie keine Remission erreicht, muss rasch reagiert werden. Redlich: „Unser Ziel ist die Remission. Wenn es also unter MTX oder einem anderen konventionellen DMARD nicht innerhalb von drei Monaten zur Remission kommt, können wir von einer Progredienz der Erkrankung – also fortschreitender Zerstörung der betroffenen Gelenke – ausgehen. Durch die zusätzliche Gabe von Biologika erreicht man nun einerseits eine Reduktion der Krankheitsaktivität, darüber hinaus aber im Vergleich zur MTX-Monotherapie auch bei gleicher Krankheitsaktivität eine deutlich geringere Destruktion der Gelenke. Auf die Biologikatherapie sollte CC 11/12

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Fazit Wichtig ist letztlich die intensive Beziehung zwischen Patient und behandelndem Rheumatologen. „Die Hände von jedem Patienten mit Fingerschmerzen in ein MRT zu legen und dann zügig ein Biologikum zu verschreiben ist sicher nicht der richtige Weg. Biologika sind – richtig eingesetzt – eine enorme Verbesserung unserer Optionen. Sie sind aber auch kostenintensiv und mit Nebenwirkungen behaftet. Wir als Rheumatologen haben daher nicht nur dem einzelnen Patienten, sondern auch gegenüber der Allgemeinheit die Verpflichtung, sorgsam mit unseren Therapien umzugehen“, so Redlich abschließend. y

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Auf diesen Erfahrungen, die sich auch in einer Vielzahl von Studien spiegeln, beruht der „Treat RA to Target“-Algorithmus (Smolen et al., Ann Rheum Dis 2010). Dieser ist ausgerichtet auf das Erreichen und Erhalten von Remission, kennt als alternatives Ziel jedoch auch die minimale Krankheitsaktivität. Da alles, was über diese minimale Aktivität hinausgeht, zu massiver Progression führt, muss die Therapie so lange modifiziert werden, bis eine niedrige Krankheitsaktivität erreicht ist. Studiendaten zeigen, dass Remissi-

entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität hat. Redlich: „Basistherapeutika sind keine Schmerzmittel. Es dauert einige Wochen, bis die Wirkung eintritt. Daher ist die anfängliche systemische Gabe auch von Glukokortikoiden wichtig. Dabei sollte auf gleichzeitige Knochenmasse-erhaltende Therapien nicht vergessen werden.“ Zur Schmerztherapie stehen nicht selektive NSAR und COX-2-Inhibitoren zur Verfügung.

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1. Enbrel® Fachinformation Stand November 2011 2. Weinblatt ME et al., Arthritis Care Res 2011; 63: 373–383

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Minimale Krankheitsaktivität

on nach den strengen SDAI-Kriterien bei 25 Prozent der Patienten erreicht wird. Bei 42 Prozent stellt sich niedrige Krankheitsaktivität ein. Dies bedeutet, dass rund ein Drittel der Patienten immer noch nicht zufrieden stellend auf die Therapie anspricht. Daher werden neue Medikamente benötigt. Redlich: „Wie weit Biologika mit neuen Zielen bzw. die Januskinase-Inhibitoren mit ihrem gänzlich anderen Wirkmechanismus hier die Situation weiter verbessern werden, bleibt abzuwarten.“ Auch angesichts der Erfolge der Biologika darf dabei nicht auf lokale Therapieansätze vergessen werden. So stellen intraartikuläre Glukokortikoide eine Strategie dar, auch die letzte Krankheitsaktivität in den wenigen auch unter erfolgreicher systemischer Therapie geschwollenen Gelenken zu bekämpfen. Auf diesem Weg ist eine weitere Reduktion der radiologischen Progression möglich. Eine enge Zusammenarbeit mit Orthopäden, gerade für Patienten, die unter einer hartnäckigen Progredienz der Erkrankung leiden, ist essenziell. Nicht zuletzt ist auch immer daran zu denken, dass eine RA schmerzhaft ist und eine adäquate Schmerztherapie

ENB-021-11/3/12.12.2011

also nur verzichtet werden, wenn der Patient unter konventioneller Basistherapie in klinischer Remission ist und bleibt.“ Wird unter Biologikatherapie nicht in drei Monaten das Ziel von Remission oder minimaler Krankheitsaktivität erreicht, empfiehlt sich der Umstieg auf ein anderes Biologikum – unter Umständen, jedoch nicht zwingend mit alternativem Wirkmechanismus. Die Kombination mehrerer Biologika hat in Studien kein verbessertes Ansprechen, dafür deutlich vermehrte Komplikationen gebracht und ist daher kontraindiziert.


literatur Onkologie

Spezifisches Ziel für Krebstherapien HDAC-Inhibitoren sind eine Gruppe von Medikamenten, die als „epigenetisch wirksam“ bezeichnet werden. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs werden seit einigen Jahren Substanzen erprobt, die HDAC-Enzyme (Histon-Deacetylasen) hemmen. Zwar zeigen Studien, dass HDACInhibitoren das Wachstum von Krebszellen in vitro sehr gut bremsen, aber in vivo sind sie gegen bösartige Tumore nicht wirksam – eine Ausnahme stellt ein seltener Lymphdrüsenkrebs dar. In der Zelle haben die HDAC-Enzyme die Aufgabe, kleine chemische Markierungen, die sogenannten Acetylgruppen, von den Histonproteinen abzuschneiden. Die Histone wiederum funktionieren als Spulen, auf die das Erbgut im Zellkern aufgewickelt ist. Die An- bzw. Abwesenheit der Acetylmarkierungen ist entscheidend dafür, wo das Erbgut abgelesen werden kann, und hat somit einen wesentlichen Anteil an der Regulation der Genaktivität. In den letzten Jahren häuften sich Ergebnisse, dass fehlerhafte epigenetische Mar-

kierungen die Krebsgenese födern. Ein Grund für die Probleme beim klinischen Einsatz der HDAC-Inhibitoren könnte darin liegen, dass die bisher verfügbaren Substanzen alle HDAC-Enzyme gleichermaßen blockieren. Dadurch greifen sie in wichtige Zellfunktionen ein und schädigen auch gesunde Zellen. Dies führt teilweise zu schweren Nebenwirkungen, sodass das Medikament nicht ausreichend hoch dosiert werden kann. Methoden. In der vorliegenden Studie suchten Wissenchaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg nach einem Ausweg aus diesem Dilemma. Weil bislang keine spezifisch wirksamen HDAC11-Inhibitoren existieren, schalteten sie mithilfe von molekularen Techniken in Zelllinien von Brust- (MCF-7), Ovarial- (SK-OV-3), Darm- (HCT-116) und Prostatakrebs (PC-3) die HDAC11-Produktion aus. Zur Kontrolle führten sie denselben Prozess auch in gesunden Zellen durch.

Ergebnisse. Viele Krebszellen produzierten außergewöhnlich viel HDAC11. In gesunden Zellen wurde dies nicht beobachtet, außerdem sind dort kaum spezifische Funktionen für HDCA11 bekannt. Krebszellen ohne HDAC11 waren in ihrer Lebensfähigkeit eingeschränkt und erlagen häufiger der Apoptose. Dagegen machte sich der Verlust von HDAC11 in gesunden Zellen nicht bemerkbar. Fazit. Eine selektive Blockade von HDAC11 dürfte dieser Untersuchung zufolge ausschließlich die Krebszellen treffen. Wird das Molekül ausgeschaltet, stellen Krebszellen ihr Wachstum ein und sterben ab. Normalen Zellen schadet die Blockade von HDAC11 hingegen nicht. Das Enzym HDAC11 könnte demnach eine vielversprechende Zielstruktur für neue Krebstherapien darstellen.

Deubzer HE et al.: HDAC11 is a novel drug target in carcinomas; Int J Cancer 2012; doi: 10.1002/ijc.27876

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Neue Erkentnisse zu den Ursachen Eine der größten bisher durchgeführten Untersuchung zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) befasste sich mit der Analyse von krankheitsauslösenden Genen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bisher wurden diese beiden Erkrankungen getrennt voneinander untersucht. Methoden. Die Studie wurde in der Annahme durchgeführt, dass eine große genetische Übereinstimmung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa besteht. In einem ersten Schritt wurde eine Metaanalyse von 15 Studien mit entweder Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa durchgeführt. Der Datensatz umfasste rund 34.000 Patienten. Im zweiten Schritt wurden Daten von neuen genomweiten Untersuchungen mit mehr als 41.000 DNA-Proben von Patienten mit Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa sowie gesunden Personen verglichen. Ergebnisse. Genetische Variationen wurden in insgesamt 163 Regionen des menschlichen Genoms gefunden, die mit einem erhöhten Risiko für CED in Verbindung ge11/12 CC

bracht werden. Davon wurden 71 genetische Varianten neu entdeckt. Die meisten Regionen sind an beiden Erkrankungen beteiligt und zeigen sowohl gerichtete als auch ausgleichende Selektionseffekte. Die Regionen zeigen außerdem eine große Übereinstimmung mit jenen Genomorten, die mit anderen Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht werden wie beispielsweise Psoriasis und Spondylitis ankylosans. Darüber hinaus wurde eine erhebliche Übereinstimmung zwischen Prädisposition für CED und mykobakteriellen Infektionen gefunden. Fazit. Die Vermutung liegt nahe, dass CED durch ein überaktives Immunsystem ausgelöst wird, das ursprünglich zur Bekämpfung von schweren bakteriellen Infektionen entstanden ist.

Jostins L et al.: Host-microbe interactions have shaped the genetic architecture of inflammatory bowel disease; Nature 2012; 491(7422):119–124. doi:10.1038/ nature11582

Mütterliche Genetik Mitochondriale DNA (mtDNA) wird ausschließlich von der Mutter weitergegeben, wobei ihre Vererbung nicht der klassischen Mendelschen Vererbung unterliegt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns untersuchten diesen Aspekt der mütterlichen Genetik anhand eines Mausmodells mit einer krankmachenden Mutation in einem mitochondrialen Gen (tRNA Methionin). Das Mischungsverhältnis von mutierten und normalen Genen kann von Eizelle zu Eizelle variieren, der Mutationsgrad wird zufällig an die nächste Generation vererbt. Dabei zeigte sich, dass, ob und in welchem Ausmaß mitochondriale Krankheiten vererbt werden, sich weitgehend in der Embryonalzeit der künftigen Mutter entscheidet – nämlich während der Entwicklung der Keimzellen. So erklären sich auch die Unterschiede innerhalb einer Familie. Freyer C et al.: Variation in germ line mtDNA heteroplasmy is determined prenatally but modified during subsequent transmission. Nat Genet 2012; doi:10.1038/ng.2427

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thema Inhalt 24 eSmO 2012: Die highlights vom europäischen Jahreskongress der Onkologen in Wien 26 Der anti-RaNKLantikörper Denosumab verzögert skelettale ereignisse bei soliden tumoren.

Foto: Pixelio/Klicker

Schützt regelmäßige Bewegung vor Krebserkrankungen? Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen immer deutlicher, dass eine ausgewogene Lebensführung zur Vorbeugung zumindest einiger Tumorarten wie beispielsweise Dickdarm- oder Brustkrebs beiträgt. Dabei ist Bewegung ebenso wichtig wie eine gesunde Ernährung. Das Körpergewicht ist der gemeinsame Faktor, der von beiden beeinflusst wird. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf zusätzliche günstige Effekte, hier besteht allerdings noch Forschungsbedarf. Für bereits Erkrankte spielen Bewegung bzw. sportliche Betätigung ebenfalls eine Rolle: So können nicht nur mögliche Krankheitsfolgen wie Einschränkungen der Beweglichkeit durch gezielte Übungen vermindert bzw. vermieden werden, sondern Erschöpfungszustände (Fatigue-Syndrom), unter denen Patienten häufig nach der Therapie leiden, sowie die psychische Situation verbessert werden. Durch körperliche Aktivität lassen sich Depressionen und Ängste positiv beeinflussen und die Lebensqualität steigern. Die Rate an (akuten) Infektionen ist niedriger. Bewegungstherapie nach einer Krebserkrankung nimmt einen festen Stellenwert ein. Bisher gibt es keine Abwä11/12 CC

gung zwischen Ausdauer- oder Krafttraining – beide scheinen positive Effekte aufzuweisen. Die Wahl sollte auch im Hinblick auf die Compliance dem Patienten überlassen werden, wobei häufig ein Training im Freien bevorzugt wird. Ist eine sportliche Aktivität nicht möglich, so stellt Spazierengehen eine gute Alternative dar. Ob ein regelmäßiges Training auch das Risiko für Rezidive oder die Entwicklung von Metastasen beeinflussen kann, ist derzeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt bzw. Gegenstand von Untersuchungen. Wichtig ist das Bewusstsein für die Bedeutung von Bewegung und Sport – beides sollte unter der Observanz von Onkologen stattfinden. Offen ist noch eine Fülle an Fragen, wie etwa eine bessere Charakterisierung der immunologischen Effekte bis hin zu den Auswirkungen auf die psychosoziale bzw. sozioökonomische Situation der Patienten, aber auch, ob in Zukunft die Rezidivrate durch sportliche Betätigung verringert werden kann oder spezielle Krebserkrankungen sogar geheilt werden könnten. „Rolle der körperlichen Aktivität bei Krebserkrankungen – wie können/sollten sich Krebspatienten verhalten“, Expertengespräch Medizin Medien Austria, Wien, 15.10.12

Onkologie

Bewegung und Sport bei Krebserkrankung

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Kongressnachlese

Das Potenzial der „targeted therapies“ Mit fast 16.400 Teilnehmern übertraf der diesjährige Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) noch den des vergangenen Jahres. Rund 430 Experten fanden den Weg nach Wien und hielten in insgesamt 140 Sessions ihre Vorträge. Einige Veranstaltungen waren so gut besucht, dass es für Spätgekommene nur mehr Stehplätze oder die Treppenstufen als Sitzplatz gab, so zum Beispiel in der Melanom-Session oder bei den „targeted therapies“. Von Dr. Susanne Billich

Orale Kombinationstherapien beim Melanom Bei Melanomen mit einer der onkogenen Treibermutationen BRAFV600E/K, die eine Kinase des MAPKinase-Signalweges betreffen, erwiesen sich die oralen BRAF-Inhibitoren Vemurafenib und Dabrafenib bereits in der Monotherapie als wirksam. Allerdings entwickeln sich oft innerhalb von sechs Monaten Resistenzen. Trametinib ist ein oraler Inhibitor der beiden Kinasen MEK1 und MEKI2, die im

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MAPK-Signalweg BRAF direkt nachgeschaltet sind. „Mit einer dualen Blockade des MAPK-Signalweges könnte die Resistenzentwicklung gegen BRAF-Inhibitoren verzögert werden“, begründete Dr. Georgina Long, Sydney, Australien, die neuen Kombinationsstudien. In einer Phase-II-Studie bei 162 Patienten mit metastasiertem BRAFmutationspositivem Melanom wurde 1:1:1 zwischen Dabrafenib allein (150mg zweimal täglich) oder einer Kombination mit voller oder halber Trametinib-Dosis (1mg oder 2mg einmal täglich) randomisiert (Long et al.; Abstract LBA27_PR). Die Ansprechrate stieg von 54 Prozent für Dabrafenib-Monotherapie auf 76 Prozent für die Volldosiskombination (p=0,026). In der Volldosiskombination war das V600

Gefitinib in der Zweit- und Drittlinie bei Kopf-Hals-Tumoren In der ersten großen randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie beim Ösophagus-Karzinom (COG) erhielten zum Teil mehrfach chemotherapie-vorbehandelten Patienten entweder den EGFR-Tyrosinkinasehemmer CC 11/12

Foto: Susanne Billich

y Die personalisierte Medizin steht immer mehr im Blickpunkt der modernen Krebstherapie, wobei jetzt orale zielgerichtete Therapien in den Vordergrund rücken. Im Folgenden werden einige „practice changing studies“ vorgestellt.

progressionsfreie Überleben gegenüber Dabrafenib allein um 3,6 Monate verlängert (9,4 vs. 5,8 Monate, p<0,0001; für die 1mg-Kombination 9,2 Monate, p=0,005) und von den Volldosispatienten waren viermal so viele Patienten nach zwölf Monaten noch progressionsfrei (41 vs. 9 Prozent im Monotherapiearm). „Und auch die für BRAF-Inhibitoren typische onkogene Nebenwirkung, nämlich die Entwicklung von kutanen Plattenepithelkarzinomen und Keratoakanthomen, war in der Kombination deutlich seltener“, so Long. In der Phase-Ib-Dosisfindungsstudie BRIM7 wurde Vemurafenib (720 oder 960mg zweimal täglich) mit verschiedenen Dosierungen und Regimen des MEK-Inhibitors GDC-0973 kombiniert (Gonzalez et al., Abstract LBA28_PR). Eine erste Wirksamkeitsauswertung zeigte bei jedem einzelnen von 25 Patienten eine Tumorregression im Bereich von 25 bis 60 Prozent. „Bei 70 Patienten trat nur ein einziger Fall von kutanem Plattenepithelkarzinom auf. Und dieser eine Patient war in der Kohorte mit der niedrigsten MEK-Inhibitor-Dosierung“, berichtete Prof. Dr. Rene Gonzalez, Denver, USA.


Gefitinib oder Plazebo (Ferry et al., Abstract LBA20_PR). Gefitinib zeigte eine bescheidene, aber signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (49 vs. 35 Tage Monate, p=0,017) sowie eine Verbesserung der Lebensqualität, vor allem bei den Hauptindikatoren Dysphagie und Odynophagie. „Einige Patienten profitierten dauerhaft von der Anti-EGFRTherapie. In einer weiteren Studie (Trans-COG) werden jetzt Biopsieproben analysiert, um Subgruppen mit größerem Therapienutzen zu identifizieren“, sagte Prof. Dr. David Ferry, Dudley, UK.

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) In der randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie MISSION erhielten NSCLC-Patienten in der dritten oder vierten Therapielinie den Tyrosinkinasehemmer Sorafenib oder Plazebo mit bestmöglicher Supportivtherapie. „In der Gesamtpopulation zeigte Sorafenib keinen Überlebensvorteil gegenüber Plazebo“, fasste Prof. Dr. Luis Paz-Ares, Sevilla, Spanien, das Studienergebnis zusammen (Abstract LBA33_PR). Laut einer retrospektiven Subgruppenanalyse könnte das Vorliegen von EGF-RezeptorMutationen jedoch prädiktiv für ein Ansprechen auf Sorafenib sein, denn die Interaktionsanalysen für das progressionsfreie und das Gesamtüberleben waren positiv (Mok et al., Abstract LBA9_PR). „Bei Patienten mit EGFR-Mutationen verdoppelte Sorafenib das mediane Gesamtüberleben“, sagte Prof. Dr. Tony Mok, Hong Kong. „Der KRAS-Mutationsstatus scheint hingegen kein prädiktiver Biomarker zu sein. Denn Sorafenib verlängerte das progressionsfreie Überleben sowohl bei KRASWildtyp- als auch bei KRASmutiert-Patienten“, begründete Mok. Bei rund fünf Prozent aller NSCLCFälle liegt ein Rearrangment des anaplastischen Lymphomkinase-(ALK)Gens vor, was zur konstitutiven Expression der ALK führt. Crizotinib ist ein oraler Inhibitor der Kinasen ALK, ROS1 und MET. Die Phase-III-Studie PROFILE 1007 ist die erste „Head to head“-Studie, in der Crizotinib (250mg zweimal täglich in 21-TageZyklen) direkt mit einer StandardChemotherapie, Pemetrexed oder Docetaxel, verglichen wurde (Shaw et al., Abstract LBA1_PR). Alle 347 Patienten hatten zuvor bereits eine pla11/12 CC

tin-basierte Chemotherapie erhalten. Mit Crizotinib war das mediane progressionsfreie Überleben gegenüber Chemotherapie mehr als verdoppelt (7,7 vs. 3,0 Monate, p<0,0001). In der Subgruppenanalyse schnitt Pemetrexed besser ab als Docetaxel (4,2 bzw. 2,6 Monate, p-Werte gegenüber Crizotinib 0,0004 bzw. <0,0001). „In der unabhängigen radiologischen Beurteilung erreichte Crizotinib eine Gesamtansprechrate von 65 Prozent, zum Vergleich Pemetrexed 29 und Docetaxel nur sieben Prozent“, verdeutlichte Dr. Alice Shaw Boston, USA, in der Pressekonferenz. Gegenüber Chemotherapie verbesserte Crizotinib die Lungenkrebs-spezifischen Symptome (Thoraxschmerzen, Husten und Atemnot) und steigerte die Lebensqualität. „Crizotinib sollte beim ALK-positiven Lungenkarzinom Therapiestandard werden“, forderte Shaw.

Anti-cMET-Therapie beim Leberzellkarzinom (HCC) Bei der Zweitlinientherapie des Leberzellkarzinoms zeigte der selektive cMET-Inihibitor Tivantinib beeindruckende Ergebnisse (Daniele et al.; Abstract 669PD). In der „Intention to treat“-Population gab es zwar gegenüber Plazebo nur einen kleinen Unterschied beim primären Endpunkt Zeit bis zur Progression (6,9 vs. 6,0 Wochen, p=0,04), aber in der Subgruppe der MET-positiven Tumore war der Unterschied vielversprechend (11,7 vs. 6,1 Wochen, p=0,03). In dieser Subgruppe war das Gesamtüberleben mit Tivantinib fast verdoppelt (7,2 vs. 3,8 Monate, p=0,01). Daraufhin ist jetzt eine Phase-III-Studie mit Tivantinib bei ausschließlich MET-positiven Patienten in Planung.

HER-2-positiver Brustkrebs Zwei Studien untersuchten den Einfluss der Therapiedauer mit dem AntiHER2-Antikörper Trastuzumab auf das krankheitsfreie Überleben im adjuvanten Setting. Die HERA-Studie bei 5.102 Patientinnen verglich ein bzw. zwei Jahre Trastuzumab. Nach einem medianen Follow-up von acht Jahren zeigte die doppelte so lange Therapie keinen Vorteil beim krankheitsfreien Überleben (Gelber et al., Abstract LBA6_PR). In der PHARE-Studie, die sechs vs. zwölf Monate Trastuzumab verglich, gab es einen Trend zu besseren Ergebnissen für die einjährige Gabe (Pivot et al.; Abstract LBA5_PR). Die

Auswertung der kardialen Ereignisse favorisierte hingegen die kürzere Therapie. Eine finale multivariate Analyse wird für den SABCS 2012 erwartet. Fazit: Ein Jahr Trastuzumab bleibt vorerst Standard! In der CEREBEL-Studie wurde Capecitabin plus Trastuzumab oder Lapatinib zur Prävention von ZNS-Metastasen in der chemonaiven Situation verglichen (Pivot et al.; Abstract LBA11). Nur bei drei bzw. fünf Prozent (Lapatinib bzw. Trastuzumab) traten erste Metastasen im Gehirn auf. Mit Trastuzumab gab es einen Trend zu verlängertem progressionsfreiem bzw. Gesamtüberleben gegenüber Lapatinib (8,0 vs. 6,6 Monate bzw. 27,3 vs. 22,7 Monate, beide nicht signifikant). In einem Update der EMILIA-Studie wurde der Überlebensvorteil mit dem Antikörper-Toxinkonjugat T-DM1 (Trastuzumab gekoppelt an ein Derivat von Maytansin) gegenüber Lapatinib/Capecitabin bestätigt (30,9 vs. 25,1 Monate, p=0,0006, Verma et al., Abstract LBA12). Nach der positiven Wirksamkeitsauswertung wird nun Patienten im Vergleichsarm ein Cross-over ermöglicht. Gegenüber Lapatinib/Capecitabin war T-DM1 nicht nur effektiver, sondern auch besser verträglich, ersichtlich am geringeren Anteil von Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen (5,9 vs. 10,7 Prozent).

Nierenzellkarzinom: Pazopanib und Sunitinib gleich effektiv In COMPARZ, der bislang größten Studie beim metastasierten Nierenzellkarzinom, wurden zwei RezeptorTyrosinkinasehemmer in den jeweils zugelassenen Dosierungen direkt miteinander verglichen (Motzer et al.; Abstract LBA8_PR). Insgesamt 1.110 nicht vorbehandelte Patienten mit Klarzellhistologie erhielten entweder Pazopanib (kontinuierlich 800mg täglich) oder Sunitinib (50mg täglich in sechswöchigen Zyklen, vier Wochen on, zwei Wochen off). Nach dem unabhängigen Review für das progressionsfreie Überleben waren beide Therapien innerhalb der vordefinierten Non-Inferiority-Grenzen gleich effektiv (8,4 vs. 9,5 Monate). Gegenüber Sunitinib hatte Pazopanib weniger Nebenwirkungen, insbesondere jene, die von Patienten als besonders unangenehm empfunden werden wie etwa Fatigue, Stomatitis und Hand-Fuß-Syndrom. y

Annual Congress of the European Society of Medical Oncology (ESMO), Wien, 28.9.–2.10.12

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Denosumab (XGEVA ) ®

Plus acht Monate ohne Der anti-RanKl-antikörper Denosumab 120mg s.c. einmal alle vier Wochen verhinderte in drei Phase-iii-studien tumorbedingte skelettkomplikationen bei Brust- und Prostatakrebs sowie bei anderen soliden tumoren. unter Denosumab traten erste skelettale Ereignisse im Median erst 8,2 Monate später auf als unter Zoledronsäure. Von Dr. Susanne Billich

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on ko lo g i e

Niedrige NNT Die Number needed to treat (NNT) ist eine statistische Maßzahl für die Effek­ tivität einer Intervention, die stets im Vergleich zu einer Alternativtherapie für einen definierten Zeitraum be­ rechnet wird: Je kleiner die NNT, desto wirksamer die Therapie. In diesem Fall ist die NNT die Zahl von Patienten, die über ein Jahr behandelt werden muss, um die erste Skelettkomplikation bzw. ein weiteres SRE zu vermeiden (siehe Tabelle). „Die NNT für das erste SRE ist mit sieben bis 16 Patienten niedrig und sinkt für multiple SREs sogar auf fünf bis sieben Patienten“, betonte Sto­ peck. Im Vergleich dazu beträgt die NNT für das Auftreten eines Falls von

Integrierte Analyse: Prävention des ersten SRE 100 n Denosumab (n=2.861): median 27,6 Monate n Zoledronat (n=2.962): median 19,4 Monate

80 60 n

n

Fachkurzinformation siehe seite 34

Die Wirksamkeit von Denosumab 120mg s.c. einmal alle vier Wochen bei ossärer Metastasierung wurde in drei großen randomisierten Phase­ III­Studien untersucht, bei Brustkrebs (Studie 136, n=2.046, Stopeck et al., J Clin Oncol 2010) sowie beim Prosta­ takarzinom (Studie 103, n=1.904; Fi­ zazi et al., Lancet 2011). In Studie 244 wurden Patienten mit anderen soli­ den Tumoren (davon 40 Prozent Lun­ genkarzinome) oder multiplem Mye­ lom (zehn Prozent) zusammengefasst (n=1.779; Henry et al., J Clin Oncol 2011). Alle drei Studien hatten dassel­ be „Double­dummy“­Design: Die Pa­ tienten erhielten alle vier Wochen entweder Denosumab 120mg s.c.

Denosumab zeigte bei allen unter­ suchten Tumorentitäten einen konsis­ tenten Benefit. „Die Risikoreduktion war in jeder der Studien – Brustkrebs, Prostatakrebs oder andere solide Tu­ more – mit 18 bzw. 19 Prozent prak­ tisch gleich“, betonte Stopeck.

40 HR=0,83 (95% CI: 0,76–0,90) p<0,001 für Überlegenheit

20

0

6

12

18 Zeit (Monate)

24

30

Quelle: Lipton et al., Eur J Cancer 2012

CC 11/12

EntgEltlichE Einschaltung

Ossäre Metastasierung

plus einer Plazeboinfusion oder Pla­ zebo s.c. plus einer Infusion mit dem Bisphosphonat Zoledronat 4mg. Pri­ märer Endpunkt aller drei Studien war die Prävention der ersten Skelett­ komplikation, die als pathologische Fraktur, Bestrahlung des Knochens, Operation am Knochen oder Rücken­ markkompression definiert war. Die Prävention multipler SREs war sekun­ därer Endpunkt. In einer integrierten Analyse der drei Studien bei insgesamt 5.723 Patienten war die mediane Zeit bis zum ersten SRE unter Denosumab signifikant län­ ger als unter Zoledronat (Lipton et al., Eur J Cancer 2012). „Denosumab ver­ zögerte die mediane Zeit bis zur ersten Skelettkomplikation um 8,2 Monate“, berichtete Prof. Dr. Alison Stopeck, Tucson, USA (siehe Grafik). In der „Multiple­event“­Analyse war das Ri­ siko für erste und nachfolgende SREs gegenüber Zoledronat um 18 Prozent reduziert (RR=0,82; 95% CI: 0,75–0,89; p<0,001 für Überlegenheit).

Patienten ohne sRE (Prozent)

y Der Knochenumbau wird durch „Crosstalk“ zwischen Osteoblasten und Osteoklasten gesteuert. Osteoklas­ tenvorläufer werden über den Rezep­ tor RANK (Rezeptor­Aktivator von NF­ κB) aktiviert, und zwar durch den von Osteoblasten sekretierten Liganden RANKL. In Knochenmetastasen för­ dern die Tumorzellen den Knochen­ abbau, indem sie die Sekretion von RANKL steigern. Bei osteolytischen Prozessen werden dann Zytokine frei­ gesetzt, die wiederum die Proliferati­ on von Tumorzellen verstärken – ein Circulus vitiosus. Der monoklonale vollhumane RANKL­Antikörper De­ nosumab bindet RANKL und hemmt so die Bildung, Reifung und Aktivie­ rung von Osteoklasten. Die pathologi­ sche Knochenresorption wird unter­ bunden. In mehreren Phase­III­Studi­ en erwies sich Denosumab 120mg s.c. einmal alle vier Wochen in der Prä­ vention von Skelettkomplikationen (skeletal related events, SRE) als wirk­ sam und gut verträglich.


Skelettkomplikationen Kieferosteonekrose, einer Nebenwir­ kung von Bisphosphonaten und De­ nosumab, innerhalb eines einjährigen Behandlungszeitraums 212. „In der Nutzen­Risiko­Kalkulation überwiegt der Vorteil von Denosumab vs. Zo­ ledronat in der Prävention von Skelett­ komplikationen gegenüber dem Kie­ ferosteonekrose­Risiko um einen Fak­ tor von 17“, verdeutlichte Stopeck.

Überlebensvorteil In der Studie 244 waren auch insge­ samt 811 Lungenkrebspatienten ein­ geschlossen. In einer Post­hoc­Analy­ se konnte für diese vorstratifizierte Gruppe auch ein Überlebensvorteil von 1,2 Monaten für Denosumab ge­ zeigt werden (Gesamtüberleben 8,9 vs. 7,7 Monate, p=0,01; Scagliotti et al., WCLC 2011, Vortrag 001.01). Sowohl Patienten mit kleinzelligen (SCLC) als auch mit nicht­kleinzelligen Lungen­ karzinomen (NSCLC) (n=702) profi­ tierten von Denosumab mehr als von Zoledronat (SCLC: 7,6 vs. 5,1 Monate, p=0,358; NSCLC: 9,5 vs. 8,1 Monate, p=0,0104). Eine Auswertung nach his­ tologischen Typen zeigte sowohl für Adenokarzinome als auch für Platten­ epithelkarzinome einen Überlebens­ zeitgewinn (1,4 bzw. 2,2 Monate).

Länger schmerzfrei Aus der Patientenperspektive ist der Zeitpunkt des Einsetzens bzw. der Zu­ nahme Knochenmetastasen­beding­ ter Schmerzen von entscheidender Bedeutung. In einer Auswertung der Prostatakarzinom­Studie verzögerte Denosumab gegenüber Zoledronat die Schmerzprogression auf >4 Punkte bei Patienten, die zu Studienbeginn keine oder nur milde Schmerzen ver­ spürt hatten, um 3,9 Monate (Brown et al., EAU 2011, Abstract 1091 und Pos­ ter). Beim metastasierten Mammakar­ zinom war das Auftreten moderater bis starker Schmerzen im Median um 119 Tage verzögert (295 vs. 176 Tage, p=0,0024; Stopeck et al., ASCO 2010, 11/12 CC

Number needed to treat (NNT) in Phase-III-Studien und deren integrierte Analyse NNT für Denosumab versus Zoledronat

Prävention der ersten Skelettkomplikation

Prävention multipler Skelettkomplikationen

Studie 136 Mammakarzinom1

16

7

Studie 103 Prostatakarzinom2

10

5

Studie 244 Solide Tumore/multiples Myelom3 Integrierte Analyse4

7,8

6,5

12,3

6,7

1 Martin et al., Clin Cancer Res 2012; 2 Miller et al., AUA 2011, Abstract Nr. 648; 3 Richardson et al., ASCO 2011, Abstract & Poster Nr. 9115; 4 Saad et al., Ann Oncol 2012

Abstract 1024 und Poster). In beiden Studien wurden weniger Patienten von schwachen Analgetika auf stark wirksame Opioide umgestellt.

Verbesserte Lebensqualität Gerade SREs beeinträchtigen die ge­ sundheitsbezogene Lebensqualität erheblich. In einer Auswertung der Brustkrebsstudie (Fallowfield et al., ASCO 2010, Abstract 49593) erreichten unter Denosumab signifikant mehr Patientinnen eine Verbesserung der Lebensqualität (FACT­G­Score). In der Subgruppe der Frauen, die zu Studien­ start keine oder nur wenig Schmerzen hatten, wurde mit Denosumab gegen­ über Zoledronat sogar bei 14 Prozent mehr Patientinnen eine Zunahme der Lebensqualität verzeichnet.

Gute Verträglichkeit In klinischen Studien bei inzwischen über 5.900 Patienten erwies sich De­ nosumab als gut verträglich (Lipton et al., Eur J Cancer 2012). Gegenüber Zo­ ledronat gab es deutlich weniger Akut­ Phase­Reaktionen (20,2 vs. 8,7 Pro­ zent). Während die Zoledronat­Dosis entsprechend den Herstellerempfeh­ lungen bei einer Kreatinin­Clearance von ≤60ml/min reduziert und bei ei­

nem Anstieg des Serum­Kreatinins gegebenenfalls auch ausgesetzt wer­ den muss, ist die Denosumab­Dosie­ rung unabhängig von der Nierenfunk­ tion. Es ist kein Monitoring der Kreati­ nin­Spiegel erforderlich. Grad­3/4­Hypokalzämien waren unter Denosumab häufiger (3,1 vs. 1,4 Pro­ zent). „Eine Hypokalzämie sollte vorab korrigiert werden. Unter Therapie mit Denosumab 120mg s.c. einmal alle vier Wochen ist bei allen Patienten, außer bei bestehender Hyperkalzämie, eine Supplementierung mit Kalzium (≥500 mg täglich) und Vitamin D (400 Einhei­ ten täglich) vorgeschrieben“, betonte Prof. Dr. Diana Lüftner, Berlin. Die Rate an Kieferosteonekrosen war zwischen beiden Medikamenten ver­ gleichbar niedrig (1,8 vs. 1,3 Prozent, nicht signifikant). Lüftner: „Das Risiko kann durch eine zahnärztliche Kon­ trolle vor Therapiestart reduziert wer­ den, denn unter Therapie erhöhen in­ vasive dentale Eingriffe das Osteone­ kroserisiko. Außerdem sollte auf gute Mundhygiene geachtet werden.“

Grüne Box XGEVA® (Denosumab) ist in Öster­ reich seit 1.4.12 in der grünen Box des Erstattungskodex. n

„Achieving new standards in bone metastases treatment“, Symposium der Fa. Amgen im Rahmen des Jahreskongresses der European Society of Medical Oncology (ESMO), Wien, 29.9.12

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Promotion

Debrisoft

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Moderne Wundbettvorbereitung Der Wund-Debrider Debrisoft® ermöglicht eine effiziente und schmerzarme Behandlung

Die moderne Wundbettkonditionierung befasst sich mit den unterschiedlichen Aspekten der Wundheilung – von der adäquaten Wundreinigung über die Infektionsbekämpfung bzw. Prophylaxe bis hin zum Exsudatmanagement. Die Basis für eine optimale Versorgung der Wunde bildet hierbei die effiziente Wundbettvorbereitung. Eine schmerzarme Behandlung ist in diesem Zusammenhang ebenfalls als Herausforderung zu nennen. Debrisoft® stellt eine neue Alternative am Markt dar, die den Anforderungen der modernen Wundbettkonditionierung gerecht wird.

Eine Methode zur effektiven Wundbettvorbereitung Dank der einzigartigen ACTITOP®-Fasertechnologie wird eine schnelle und schmerzarme Wundreinigung ermöglicht. 18 Millionen hoch flexible Monofilament-Polyesterfasern nehmen zuverlässig Exsudat, Zelltrümmer und Keime auf und schließen diese sicher im Faserverbund ein. Die Hightech-Faserstruktur passt sich den Unebenheiten der Wundoberfläche an und ermöglicht so eine gründliche Reinigung. Bereits nach zwei bis fünf Minuten ist das Wundbett optimal für die weitere Versorgung vorbereitet. 1

Fallbeispiel: Ulcus cruris arteriosum Die Gaze reinigte die Wunde von oberflächlichen, locker sitzenden Belägen. Verkrustete Ulzerationsbereiche und Teile der Hyperkeratosen im Achillessehnenbereich konnten nicht entfernt werden. Mit Debrisoft® wurde eine hoch effektive Wundreinigung der einzelnen Ulzerationsareale erreicht. 2

Schonende Wundreinigung durch sanftes Debridement Nach Befeuchten mit einer gängigen Wundspüllösung gleitet Debrisoft® mit seiner weichen Faserstruktur sanft über die Wunde und entfernt so schonend und gleichzeitig effektiv Detritus aus der Wunde sowie Schuppen und Keratosen von der Umgebungshaut. Gesundes oder neu gebildetes Granulationsgewebe als auch bereits eingewachsene Epithelzellen werden beim Reinigungsvorgang geschont. Eine Studie von Bahr et al. bestätigt die schmerzarme Wundreinigung. Die Patienten verspürten in 45 Prozent der Fälle während der Behandlung mit Debrisoft® keine Schmerzen.

Die Wundmanagerin DGKS (ZWM) Dagmar Ebner ist bereits erfahrene Anwenderin des Wund-Debriders: „Debrisoft® ist einfach und schnell anzuwenden. Bereits nach wenigen Minuten zeigen sich beeindruckende Ergebnisse. Die hoch effektiven Fasern entfernen zuverlässig Detritus aus der Wunde und reinigen wirkungsvoll die umliegende Haut. Auch Keratosen und Hautschuppen lassen sich mit Debrisoft® effizient entfernen. Sie sparen Zeit, und Ihre Patienten werden Ihnen für die schmerzarme Behandlung dankbar sein.“

DGKS Dagmar Ebner Diabetische Fußambulanz, LKH Bruck/Mur Tel.: +43/3862/895 22 72 Mail: dagmar.ebner@ lkh-bruck.at

Nach Gebrauch von Debrisoft

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Referenzen: 1 Bahr S., Mustafi N., Hättig P. et al.; Clinical efficacy of a new monofilament fibre-containing wound debridement product, Journal of Wound Care vol. 20/2011, no. 5: 242–248 2 Hämmerle G., Duelli H., Abel M., Strohal R.; Der Wund-Debrider: Eine neue Technik mit Monofilamentfasern, Wound Management 04/2011: 190–196

Fotos: Lohmann

Nach Gebrauch von Gaze­Kompresse

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Weitere Informationen: www.lohmannrauscher.com info@at.LRmed.com

Wundbett mit hyperkeratotischem Detritus und Krusten von einge­ trocknetem Exsudat


kurzmeldungen | technik Biomedizinische Mikrosysteme

Glukosesensor. Ein Biosensor

Fotos: Fraunhofer IBMT, Consumed (2), Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS, Universitätsklinik Freiburg

Kabelloser Hirndrucksensor Erhöhter Hirndruck kann nur nach einer längeren Hirndruckmessung sicher diagnostiziert werden. Patienten mit erhöhtem Risiko müssen mehrere Tage oder sogar Wochen intensivmedizinisch betreut werden. In dieser Zeit sind die Patienten über ein Kabel mit einer Messapparatur verbunden. Seit Langem suchen Medizingeräteentwickler nach Überwachungssensoren, die ins Gehirn implantiert und kabellos von außen abgelesen werden können. Bis heute gibt es kein etabliertes Produkt für eine Langzeitimplantation, denn die Sensoren weisen stets dasselbe Problem auf: Ihre Hülle lässt Feuchtigkeit durch, die den Sensor zerstören. Forschern des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT in St. Ingbert ist es nun gelungen, einen kleinen Sensor zu entwickeln, der dicht hält. Sie

ColonRing

versiegelten ihn nicht in Kunststoff, sondern fertigten eine Hülle aus hochwertigem Metall an. Der Sensor ähnelt von außen einer Knopfzelle, er ist nur etwa einen Zentimeter hoch und zwei Zentimeter breit und soll in Zukunft noch kleiner werden. Im Inneren befindet sich ein Drucksensor aus Silizium, wie er für anspruchsvolle Messaufgaben in Fahrzeugen eingesetzt wird. Die Besonderheit dieses Systems ist der Deckel des Sensors: Dieser ist aus einer beweglichen Metallmembran gefertigt, die auf Druckänderungen im Gehirn reagiert. Der Druck wird auf einen Siliziumchip übertragen. Über einen kleinen Funkimpuls wird der Messwert zum externen Messgerät gesendet. Der Patient muss nicht mehr stationär untergebracht werden, sondern kommt nur zur Messung in die Klinik.

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Alternative Kompressionsanastomose In der Darmchirurgie stellen Eingriffe am tiefen men, wobei flexibel auf unterschiedliche GeweRektum auch für erfahrene Chirurgen eine Her- bestärken reagiert wird. An der Außenstelle des ausforderung dar. Rezenten Studien zufolge liegt Ringes bildet sich neues Gewebe, das im Verdie Dehiszenzrate bei rund 15 Prozent und das gleich zu mit Klammernähten verbundenem GeStenoserisiko bei rund acht Prozent. Eine vielver- webe eine geringere Entzündungstendenz zeigt sprechende Alternative dürfte die Herstellung und so den Heilungsprozess verkürzt. Ein weiteeiner Kompressionsanastomose mit dem Colon- rer Vorteil ist die praktisch nicht vorhandene Ring® der Firma NovoGi sein. Nach der Resektion Narbenbildung. Nach Abschluss der Heilung wird werden die Darmenden mit dem Kompressions- der ColonRing® auf natürlichem Wege ausgering – mit patentierten Blattfedern aus Nitinol – schieden. Aktuellen Studien zufolge liegt die verbunden. Der Applikator Leakage-Rate bzw. die Dekann problemlos entfernt hiszenz bei dieser Methode werden, da er nicht durch unter zwei Prozent und dadie Anastomose durchmit signifikant unter der geführt werden muss. Die Rate bei Verwendung von Blattfedern pressen das Klammernähten (rund 15 im Ring befindliche Gewe- Innerer Darmdurchmesser nach OP: Bei VerProzent). Die Mortalitätsbe mit kontrolliertem und wendung von Klammernahtgeräten (links) und rate war mit 1,1 Prozent konstantem Druck zusam- nach natürlichem Abgang des ColonRings (rechts) weniger als halb so hoch. ®

11/12 CC

am Körper des Patienten könnte den Glukosespiegel in Schweiß oder der Augenflüssigkeit (siehe Bild) messen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme in Duisburg entwickelten einen Chip im Nanoformat, der Daten an ein mobiles Endgerät kabellos sendet. Der Energieverbrauch ist mit weniger als 100 Mikroampere gering.

Guardian-Implantat. Erstmals wurde „Guardian“, ein Implantat, das eine Mangeldurchblutung des Herzens erkennt, am UniversitätsHerzzentrum Freiburg-Bad Krozingen eingesetzt. Es ist mit einem dünnen Draht mit dem Herzen verbunden und warnt Patienten visuell und akustisch. Guardian wird derzeit ausschließlich in kontrollierten Studien angewendet. Clot Retriever. Eine neue Generation von Thromboektomiesystemen („Clot Retriever“) verspricht eine wesentlich bessere Erfolgsrate bei der Entfernung großer Blutgerinnsel. Dabei wird der Führungsdraht über einen Katheter durch den Thrombus geschoben, ein Maschendrahtröhrchen entfaltet sich und ergreift das Gerinnsel in seiner gesamten Länge. Thromben lassen sich auf diese Weise wesentlich leichter und komplikationsärmer entfernen. Zudem konnte die Mortalitätsrate halbiert werden. Der Solitaire-Retriever und der Trevo Pro-Retriver wurden erfolgreich in klinischen Studien getestet. (Saver et al., Lancet 2012; Nogueira et al., Lancet 2012)

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Forschungstechnik

Molekulare Knotenpunkte Das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) ist wohl eine der bedeutendsten außeruniversitären Forschungseinrichtungen Österreichs. Die junge Institution, deren Forschungsergebnisse in internationalen Fachzeitschriften auf viel Aufmerksamkeit stoßen, bringt Grundlagenforschung und Klinik ganz nahe zusammen. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS

Die Studiengruppe um Prof. Dr. Giulio Superti-Furga hat auf diese Weise zwei unterschiedliche Strategien der viralen Attacke zum Vorschein gebracht: einerseits das Unterbinden zellinterner Kommunikationswege und Koordinierungsaktivitäten und andererseits die gezielte Steuerung von Prozessen. Dabei haben sich einige molekulare Knotenpunkte herauskristallisiert, die von den Proteinen vieler verschiedener Viren befallen werden. Ein solcher ist das RNA-bindende hnRNP-U, ein Schlüsselprotein in der antiviralen Abwehr, das unter anderem von Grippevirus, Hepatitis-C-Virus und Herpesvirus als Ziel genommen wird.

Fotos: CeMM

y Viren sind ein Hund: Wenn sie Zellen befallen, bedienen sie sich diverser Tricks, um die zellulären Abwehrmechanismen zu überlisten. Zum einen tarnen und maskieren sie sich, um nicht erkannt zu werden, zum anderen manipulieren sie die Signalwege der Immunabwehr gezielt, damit diese nicht Alarm schlägt. Bisherige wissenschaftliche Studien haben sich vor allem auf die Angriffsstrategien einzelner Viren konzentriert. Eine in Österreich durchgeführte Studie hat nun einen völlig neuen Ansatz gewählt: Untersucht wurden die Schwachstellen der zellinternen Immunabwehr gegen 30 verschiedene Viren.

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Die Studie wurde in keiner geringeren Fachzeitschrift als „Nature“ veröffentlicht.

Proteomik und Genomik Die bahnbrechende Untersuchung fand am CeMM, dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), statt, das von Superti-Furga als Wissenschaftlichem Direktor geleitet wird. Es ist dies eines der Flaggschiffinstitute der ÖAW und wohl eine der bedeutendsten außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Österreich. Gemeinsam mit der Klinik für Innere Medizin 1 und der Medizinischen Universität Wien zeichnet das CeMM für die drei meistzitieren wissenschaftlichen Publikationen aus Österreich seit 2009 verantwortlich. Das CeMM wurde im Jahr 2000 zunächst als virtuelles Projekt gegründet. Seit 2005 konnte sich das Forschungszentrum als wichtige Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und medizinischer Praxis etablieren. Im März letzten Jahres hat das CeMM ein eigenes modernes maßgeschneidertes Forschungsgebäude mitten im Campus des Wiener AKH bezogen – nur einen Steinwurf von den Bettentürmen des AKH und der Medizinischen Universität entfernt. Rund 135 Mitarbeiter aus 30 unterschiedlichen Nationen arbeiten hier in zehn Forschungsgruppen und drei technischen Laboratorien. Die Labors verfügen über die neueste technische Ausstattung auf dem Gebiet der Proteomik und Genomik sowie zur gezielten Handhabung von Wirkstoffen.

Weiters forscht das CeMM-Team intensiv im Bereich der molekularen Wirkungsweise von Arzneistoffen, um deren bestmöglichen personifizierten Einsatz zu ermöglichen und Nebeneffekte zu vermeiden. „Wir sind ein sehr junges und sehr ambitioniertes Team, das gerade dabei ist, sich in der allerobersten Liga des Wissenschaftsbetriebes zu etablieren“, sagt Kubicek selbstbewusst. Die Einschätzung wird auch von anderen geteilt. Im August wurde das CeMM vom Fachmagazin „The Scientist“ unter den weltweit „best places to work in academia“ an die vierte Stelle gereiht; in Europa liegt es auf Platz eins. Laut einer anderen Umfrage desselben Magazins vom März dieses Jahres ist das CeMM der drittbeste Platz für Postdoc-Studien außerhalb der USA.

Zellgedächtnis manipulieren Kubiceks avancierte Forschungstätigkeit steht stellvertretend für die Vielzahl an Forschungen, die am CeMM durchgeführt werden und deren Aufzählung jeden Rahmen sprengen würden. Als „Head of Chemical Screening“ führt der Chemiker Hochdurchsatz-Screenings durch, bei denen bis zu 40.000 Substanzen täglich auf bestimmte Eigenschaften getestet werden, etwa ob sie Krebszellen töten oder das Wachstum bestimmter Zelllinien verhindern. 26.000 Moleküle, allesamt potenzielle Medikamente, sind im CeMM für solche Screenings griffbereit, bald sollen weitere 91.000 organische Substanzen hinzukommen.

Keine Visualisierung zellulärer Prozesse, sondern die Fassade des CeMM-Forschungsgebäudes

In seiner Eigenschaft als Leiter einer Forschungsgruppe beschäftigt er sich mit Fragen des Zellgedächtnisses: Woher wissen unterschiedliche Körperzellen – etwa Hautzellen oder Neuronen –, dass sie, obwohl sie genetisch ident sind, ebendiese Art von Körperzellen werden bzw. bleiben sollen? Was passiert, wenn etwas mit dem Zellgedächtnis schiefläuft, wenn die Zellen vergessen, was sie sind, und sich zum Beispiel in Krebszellen verwandeln? Kann man Mechanismen des Zellgedächtnisses nutzen, um Zelltypen zu generieren, die im Zuge einer Erkrankung verloren gegangen sind? Der Schlüssel dazu sind die sogenannten Histone, die an dem DNA-Strang einer Zelle angelagert sind. Diese Proteine sind dafür verantwortlich, ob ein einzelnes Gen anoder abgeschaltet ist. Jene Gene, die von außen zugänglich sind, sind aktiviert, jene Gene, deren Zugang blockiert ist, sind abgeschaltet. „DNA tritt nie alleine, sondern immer in einem Komplex mit anderen Proteinen auf“, erklärt Kubicek. Konkret untersucht er, ob man bei Diabetes-Typ-1-Patienten durch Manipulation des Zellgedächtnisses – sprich: durch die Entwicklung von Enzymen, die die Lage der Histone beeinflussen – andere Zellen dazu bringen kann, das fehlende Insulin zu produzieren. Bei Diabetes Typ 1 wurden die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das blutzuckersenkende Hormon Insulin ausschütten, durch das eigene Immunsystem zerstört. Weiterhin im Pankreas tätig

Internationale Spitze „Unser Ziel ist es, durch die enge Zusammenarbeit von Klinik und Grundlagenwissenschaft optimale, klinisch umsetzbare Ergebnisse zu schaffen“, erklärt Dr. Stefan Kubicek, Leiter des Bereichs Chemical Screening und PLACEBO (die durchaus selbstironische Abkürzung für „Platform Austria for Chemical Biology“, eines österreichweiten Netzwerks). Im Fokus des CeMM stehen der Kampf gegen Infektionskrankheiten, insbesondere durch das Studium der angeborenen Immunität, Entzündungsprozesse und deren Auswirkungen bei Atherosklerose und Krebs, Autoimmunerkrankungen sowie Leukämie und andere hämatologische Erkrankungen. 11/12 CC

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jedoch sind die Alpha-Zellen, die als Gegenspieler der Beta-Zellen das Hormon Glukagon produzieren, das den Blutzuckerspiegel erhöht. Tatsächlich ist es bereits gelungen, Alpha-Zellen dazu zu bringen, sich in funktionsfähige Beta-Zellen zu verwandeln. „In Zellkulturen funktioniert das bereits“, betont Kubicek, warnt aber vor Euphorie: „Gene in lebenden Zellen oder gar in einem Menschen auszuschalten, ist etwas ganz anderes.“ Nach demselben Prinzip könne man theoretisch auch diverse Onkogene, also Gene, welche das Krebswachstum begünstigen, ausschalten, erklärt der Wissenschaftler.

Photoreceptors

RPE BrM

Auch die anderen CeMM-Forscher können auf beeindruckende Ergebnisse verweisen. Heuer zum Beispiel gelang der Nachweis, dass eine derzeit in Entwicklung befindliche Therapie gegen Leukämie auf einer falschen Hypothese beruht. Chronisch myeloische Leukämie (CML) wird durch eine Reihe von Enzymen ausgelöst, die einander in einer bestimmten Reihenfolge aktivieren: Am Anfang steht das BCR-ABLEnym, dieses aktiviert JAK2 und dieses wiederum STAT5. Wenn Patienten eine Resistenz gegen den BCRABL-Hemmer Imatinib entwickeln, so die plausible Idee, könnte man ja mit neuen Wirkstoffen JAK2 blockieren. Wie CeMM-Forscher nachgewiesen haben, funktioniert das aber leider nicht.

Und dass Forschungsergebnisse aus dem CeMM in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien erstmals in „Nature“ publiziert wurden, ist auch noch gar nicht so lange her: Die Forschungsgruppe von Univ.Prof. DDr. Christoph J. Binder entschlüsselte einen Mechanismus bei der Entstehung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), der bis zu seiner Veröffentlichung im Oktober des Vorjahres völlig unbekannt war. AMD ist die Hauptursache für Erblindung in der westlichen Welt. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass ein häufig auftretendes Abbauprodukt körpereigener Moleküle, das sogenannte Malondialdehyd (MDA), bei der Entstehung von AMD eine we-

Malondialdehyd hat sich in der Netzhaut angesammelt: wesentliche Rolle bei der Entstehung der altersbedingten Makuladegeneration

sentliche Rolle spielt und wie dieses unschädlich gemacht werden kann. MDA sammelt sich infolge oxidativen Stresses in der Netzhaut an. Normalerweise aber wird die schädliche Substanz durch den Komplementfaktor H, eines der häufigsten Proteine im Blutplasma, neutralisiert, und auf diese Weise werden Entzündungen verhindert. Variationen in jenem Gen, das für Faktor H kodiert, führen zu einem sieben- bis neunfach erhöhten Risiko, an AMD zu erkranken. Die Ergebnisse gelten als eine Bestätigung für die These, dass die angeborene körpereigene Abwehr nicht nur Bakterien und Viren wirksam bekämpft, sondern auch vor schädlichen Prozessen innerhalb des Körpers schützt. y

Fotos: CeMM

Völlig neuer Mechanismus

Erlebnis Medizin im Urlaub Gesundheit und Vitalität sind die Grundlage für Lebensfreude und Lebensqualität. Die Therme Laa – Hotel & Spa****S ist spezialisiert darauf, Rücken- und Nackenbeschwerden, schmerzbedingte Fehl- und Schonhaltungen sowie Verdauungsprobleme mithilfe eines vielseitigen, ganzheitlichen Gesundheitskonzepts hocheffektiv zu behandeln.

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Dräger Perseus A500 ®

Ein Meilenstein in der Anästhesie Flexibles Produktdesign, anbindung an das infinity acute care system Monitoring (iacs), Patientenversorgung auf intensivniveau und automatisierungen, die die arbeitsabläufe im OP unterstützen: Der anästhesiearbeitsplatz Perseus® a500 ist eines der größten Entwicklungsprojekte von Dräger. im Rahmen des austrian international congress (aic) 2012 in Klagenfurt wurde er erstmals in Österreich vorgestellt. den Bedürfnissen der Kliniken zusammenstellen. Hinzu kommen frei wählbare Software-Optionen, wie Beatmungs- oder Überwachungsmodi.

Intensivmedizinisches Niveau

Der Patientenmonitor links, rechts oder mittig? Mit oder ohne Medical Cockpit für angebundene IT-Lösungen? Noch mehr Stauraum? Oder erweiterte klinische Funktionalität? „Bei der Entwicklung des Perseus A500 haben wir darauf geachtet, dass der Arzt seinen Anästhesiearbeitsplatz für sich optimal und individuell gestalten kann“, sagt Oliver Rosenthal, Leiter des strategischen Geschäftsfelds Anästhesie bei Dräger.

EntgEltlichE Einschaltung

Fotos: Drägerwerk ag & co. Kgaa, adverisingpool/andrew Rinkhy

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Vom Anwender für Anwender Im Rahmen des sogenannten Customer Process Monitoring (CPM)* haben Spezialisten von Dräger weltweit Anästhesisten und Pflegekräfte in ihrem Arbeitsumfeld beobachtet und anschließend befragt. „Erst beim täglichen Einsatz werden Probleme im Umgang mit Technik deutlich“, so Rosenthal. „Unser Ziel war es daher, uns noch stärker als zuvor in die Anwender hineinzuversetzen und die Beobachtungen in Anforderungen an ein Konzept für neue Anästhesiearbeitsplätze umzusetzen.“ Die Erkenntnisse sind in das Produktdesign des Perseus A500 eingeflossen. Allein aus verschiedenen Hardware-Optionen, Ablageflächen und Stauräumen lassen sich über hundert unterschiedliche Versionen des Anästhesiearbeitsplatzes nach 11/12 CC

Anästhesiearbeitsplatz Perseus A500: Der 15,3“Widescreen-Monitor ist mit dem Infinity Acute Care System Monitoring (IACS) kombinierbar.

Die Beatmungsqualität des Perseus A500 ist mit der einer Intensivbeatmung vergleichbar. Der Turbinenventilator TurboVent 2 ermöglicht dem Patienten jederzeit die freie Durchatembarkeit (Spontanatmung) unabhängig vom eingestellten Modus und steht somit für eine schonende Beatmung des Patienten. Das Beatmungssystem des Perseus A500 kommt mit kleinen Frischgasflüssen aus (Minimal-Flow-System). Das geringe Volumen von 2,2 Litern im Kreissystem und die Steuerung des Ventilators sorgen trotz geringem FrischgasFlow dafür, dass am Gerät eingestellte Änderungen der Gasdosierung schnell beim Patienten ankommen.

Klinikpersonal entlastet Die automatisierten Funktionen des Perseus A500 können das gesamte Personal von den Anästhesisten über die Anästhesiepfleger bis hin zu den Reinigungskräften entlasten. Mit einem automatischen und selbststar-

tenden Gerätetest ist der Perseus A500 einsatzbereit, wenn die erste Pflegekraft morgens den Operationssaal betritt. Die automatische Trocknung des Atemsystems am Ende des Operationstages – das sogenannte „Flush and Dry“ – nimmt Pflegekräften Arbeit ab und optimiert die Hygiene. Mittels „Radio Frequency Identification“-(RFID)-Technologie erinnert das Gerät an den zeitgerechten Austausch von Einwegmaterialien wie Wasserfalle, Beatmungsschläuche und Kalkabsorber. Als ergonomischer Anästhesiearbeitsplatz zeichnet sich der Perseus A500 durch einfaches und intuitives Bedienkonzept aus. Benutzeroberfläche, Nomenklatur und Touchscreen des Gerätes entsprechen der Bedienphilosophie weiterer Geräte von Dräger. Dies kann die Einarbeitung erleichtern und das Risiko von Bedienfehlern sowie Trainings- und Schulungsaufwand am Gerät reduzieren. n Nähere Informationen: Dräger Medical GmbH, www.draeger.com/perseus * Customer Process Monitoring steht für die Beobachtung von realen Arbeitsabläufen beim Anwender.

110 Jahre Dräger in der Anästhesie und Intensivmedizin Bereits 1902 gelang es mit dem „Roth-Dräger“-Narkoseapparat erstmals, eine zuverlässig kontrollierbare Mischung aus Sauerstoff und Narkosemitteln zu erreichen. Das Anästhesiegerät Cicero integrierte in den 1980er Jahren Patientenmonitor, Gerätemonitor und Ventilator mit Atemsystem sowie die Dosierung der Gase und Narkosemittel erstmals in einem Gerät.

Mittlerweile haben sich die Geräte zu ganzheitlichen Anästhesiearbeitsplätzen entwickelt, die neben der exakten Dosierung von Narkosemitteln eine umfassende Überwachung des Patienten gewährleisten und über intelligente Alarmsysteme verfügen. Mit dem Anästhesiearbeitsplatz Perseus A500 setzt Dräger die Erfolgsgeschichte des Unternehmens fort.

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Fachkurzinformationen Enbrel 25 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung, Enbrel 25 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung im Fertigpen, Enbrel 10 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine Durchstechflasche enthält 10mg/25mg Etanercept, eine Fertigspritze enthält 25mg/50mg Etanercept, ein Fertigpen enthält 50mg Etanercept. Liste der sonstigen Bestandteile: Enbrel 25 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung & Enbrel 10 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Pulver: Mannitol (E421), Sucrose und Trometamol. Lösungsmittel: Wasser für Injektionszwecke. Enbrel 25 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung im Fertigpen: Sucrose, Natriumchlorid, Argininhydrochlorid, Natriumdihydrogenphosphat-Dihydrat, Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Enbrel 25 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung, Enbrel 25 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung in Fertigspritze, Enbrel 50 mg Injektionslösung im Fertigpen: Rheumatoide Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis, Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica), Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans), Plaque-Psoriasis, Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen. Enbrel 10 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: juvenile idiopathische Arthritis, Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen (Detaillierte Angaben hierzu sind der Fachinformation zu entnehmen). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Sepsis oder Risiko einer Sepsis. Eine Behandlung mit Enbrel sollte bei Patienten mit aktiven Infektionen, einschließlich chronischer oder lokalisierter Infektionen, nicht begonnen werden. Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α)-Inhibitoren. ATC-Code: L04AB01. Inhaber der Zulassung: Pfizer Limited, Ramsgate Road, Sandwich, Kent CT13 9NJ, Vereinigtes Königreich. Stand der Information: 09/2012. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept-und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.

MULTAQ 400 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine Tablette enthält 400 mg Dronedaron (als Hydrochlorid). Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Hypromellose (E 464), Maisstärke, Crospovidon (E1202), Poloxamer 407, 41,65 mg Lactose-Monohydrat, hochdisperses Siliciumdioxid (Ph. Eur.), Magnesiumstearat (E 572). Überzug/Politur der Tabletten: Hypromellose (E 464), Macrogol 6000, Titandioxid (E 171), Carnaubawachs (E 903). • Anwendungsgebiete: MULTAQ ist angezeigt bei erwachsenen, klinisch stabilen Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern (VHF) (aktuell bestehend oder in der Vorgeschichte), um ein Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu verhindern oder die ventrikuläre Herzfrequenz zu senken. • Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; atrioventrikulärer Block zweiten oder dritten Grades oder Sick-Sinus-Syndrom (außer bei gleichzeitiger Verwendung eines Herzschrittmachers); Bradykardie < 50 Schläge pro Minute (spm); Patienten in hämodynamisch instabilem Zustand, einschließlich Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz in Ruhe oder bei minimaler Belastung (entsprechend NYHA-Klasse IV oder instabilen Klasse-III-Patienten); gleichzeitige Anwendung mit starken CYP P 450 (CYP) 3A4-Inhibitoren, wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol, Telithromycin, Clarithromycin, Nefazodon und Ritonavir; Arzneimittel, die Torsade de pointes verursachen können, wie Phenothiazine, Cisaprid, Bepridil, trizyklische Antidepressiva, Terfenadin und bestimmte orale Makrolid-Antibiotika (wie z.B. Erythromycin) sowie Klasse-I und -III-Antiarrhythmika; QTc-Bazett-Intervall ≥ 500 Millisekunden; schwere Leberfunktionsstörung; stark eingeschränkte Nierenfunktion (CrCl < 30 ml/min).• Inhaber der Zulassung: sanofi-aventis, Paris • Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig • Pharmakotherapeutische Gruppe: Antiarrhythmika, ATC-Code: C01BD07. • Stand der Fachkurzinformation: 21. Jänner 2011. • Stand der Information: 21. Jänner 2011. Weitere Angaben zu den besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Simponi 50 mg Injektionslösung in vorgefülltem Injektor Simponi 50 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Ein mit 0,5 ml vorgefüllter Injektor enthält 50 mg Golimumab*. Eine 0,5 ml Fertigspritze enthält 50 mg Golimumab*. *Humaner monoklonaler IgG1κ-Antikörper, der mittels rekombinanter DNA-Technologie aus einer murinen Hybridom-Zelllinie gewonnen wird. Jeder vorgefüllte Injektor enthält 20,5 mg Sorbitol pro 50-mg-Dosis. Jede Fertigspritze enthält 20,5 mg Sorbitol pro 50-mg-Dosis. Liste der sonstigen Bestandteile: Sorbitol (E 420) L-Histidin L-Histidin-Monohydrochlorid-Monohydrat Polysorbat 80 Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Rheumatoide Arthritis (RA): Simponi ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) indiziert zur: • Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, wenn das Ansprechen auf eine Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs), einschließlich MTX, unzureichend gewesen ist. • Behandlung der schweren, aktiven und progredienten rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die zuvor nicht mit MTX behandelt worden sind. Es wurde gezeigt, dass Simponi in Kombination mit MTX die in Röntgenaufnahmen bestimmte Progressionsrate von Gelenkschäden verringert und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert. Psoriasis-Arthritis (PsA): Simponi ist zur Anwendung als Monotherapie oder in Kombination mit MTX zur Behandlung der aktiven und fortschreitenden Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen indiziert, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD-Therapie) unzureichend gewesen ist. Simponi verringert nachweislich die Progressionsrate der peripheren Gelenkschäden, bestimmt anhand von Röntgenaufnahmen bei Patienten mit polyartikulären symmetrischen Subtypen der Erkrankung und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.Ankylosierende Spondylitis (AS): Simponi ist angezeigt zur Behandlung der schweren, aktiven Ankylosierenden Spondylitis bei Erwachsenen, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Aktive Tuberkulose (TB) oder andere schwere Infektionen wie eine Sepsis und opportunistische Infektionen. Mittelschwere oder schwere Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III/IV). Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit: Frauen im gebärfähigen Alter: Frauen im gebärfähigen Alter müssen zuverlässige Empfängnisverhütungsmaßnahmen anwenden und diese nach der letzten Behandlung mit Golimumab über mindestens 6 Monate fortführen. Schwangerschaft: Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Golimumab bei Schwangeren vor. Aufgrund der TNF-Hemmung könnte durch die Anwendung von Golimumab während der Schwangerschaft die normale Immunantwort des Neugeborenen beeinflusst werden. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft, die embryonale/fetale Entwicklung, die Geburt oder die postnatale Entwicklung schließen. Die Anwendung von Golimumab bei Schwangeren wird nicht empfohlen; Golimumab darf in der Schwangerschaft nur dann verabreicht werden, wenn dies eindeutig medizinisch indiziert ist. Golimumab ist plazentagängig. Nach der Behandlung mit einem TNF-blockierenden monoklonalen Antikörper während der Schwangerschaft wurde der Antikörper noch bis zu 6 Monaten im Serum der Säuglinge nachgewiesen, die von den behandelten Frauen geboren wurden. Somit könnten diese Säuglinge ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Eine Verabreichung von Lebendimpfstoffen an Säuglinge, die in utero Golimumab ausgesetzt waren, ist für 6 Monate nach der letzten während der Schwangerschaft erfolgten Golimumab-Injektion nicht zu empfehlen. Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Golimumab in die Muttermilch übergeht oder nach der Aufnahme systemisch resorbiert wird. Es wurde gezeigt, dass Golimumab bei Affen in die Muttermilch übergeht, und da Humanimmunglobuline in die Muttermilch ausgeschieden werden, dürfen Frauen nach der Behandlung mit Golimumab mindestens 6 Monate lang nicht stillen. Fertilität: Mit Golimumab sind keine Fertilitätsstudien bei Tieren durchgeführt worden. Eine Fertilitätsstudie bei Mäusen, in der ein analoger Antikörper angewendet wurde, der die funktionelle Aktivität des murinen TNFα selektiv hemmt, zeigte keine relevanten Wirkungen bezüglich der Fertilität. Pharmakotherapeutische Gruppe: Tumornekrosefaktor-alpha(TNF-alpha)-Hemmer, ATC-Code: L04AB06. Inhaber der Zulassung: Janssen Biologics B.V. Einsteinweg 101 2333 CB Leiden Niederlande. Abgabe: NR, rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: September 2012. Weitere Angaben zu Dosierung, Art und Dauer der Anwendung, Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln, Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen, Nebenwirkungen, Überdosierung, pharmakologische Eigenschaften und pharmazeutische Angaben sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

TachoSil – wirkstoffhaltiger Schwamm. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: TachoSil enthält pro cm : Fibrinogen vom Menschen 5,5 mg, Thrombin vom Menschen 2,0 I.E. Anwendungsgebiete: TachoSil wird bei Erwachsenen zur unterstützenden Behandlung in der Chirurgie zur Verbesserung der Hämostase, zur Unterstützung der Gewebeversiegelung und zur Nahtsicherung in der Gefäßchirurgie angewendet, wenn Standardtechniken insuffizient sind. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Lokales Hämostatikum, ATC-Code: B02BC30. Sonstige Bestandteile: Kollagen vom Pferd, Albumin vom Menschen, Riboflavin (E 101), Natriumchlorid, Natriumcitrat (E 331), L-Argininhydrochlorid. Inhaber der Zulassung: Nycomed Austria GmbH, St. Peter Str. 25, A-4020 Linz, Österreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Informationen zu Besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. [0509] 2

Xarelto 10 mg Filmtabletten. Wirkstoff: Rivaroxaban. Vor Verschreibung Fachinformation beachten. Zusammensetzung: Wirkstoff: 10 mg Rivaroxaban. Sonstige Bestandteile: Mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Natriumdodecyl-sulfat, Magnesiumstearat, Macrogol (3350), Titanoxid (E171), Eisen(III)oxid (E172). Anwendungsgebiete: Zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) b. erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Rivaroxaban oder einen d. sonst. Bestandteile, klinisch relevante akute Blutungen, Lebererkrankungen, die mit einer Koagulopathie u. einem klinisch relevanten Blutungsrisiko, einschließlich zirrhotischer Patienten mit Child Pugh B und C, verbunden sind, Schwangerschaft u. Stillzeit. Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweise: Die Anwendung von Rivaroxaban wird nicht empfohlen bei Patienten: - die zeitgleich eine systemische Behandlung mit Wirkstoffen, die gleichzeitig stark CYP3A4 und P-gp inhibieren, z.B. Azol-Antimykotika oder HIV-Proteaseinhibitoren, erhalten, - mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance < 15 ml/min), und, da keine Daten vorliegen, bei Patienten: - unter 18 Jahren, - die sich einer Operation nach einer Hüftfraktur unterziehen, - die zeitgleich mit Dronedaron behandelt werden. Die Anwendung sollte mit Vorsicht erfolgen bei Patienten: - mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 15 - 29 ml/min), - mit einer Nierenfunktionsstörung, wenn gleichzeitig andere Arzneimittel eingenommen werden, die zu erhöhten Rivaroxaban Plasmaspiegeln führen, - die gleichzeitig auf die Gerinnung wirkende Arzneimittel erhalten, - die gleichzeitig starke CYP3A4 Induktoren erhalten, - mit erhöhtem Blutungsrisiko; bei Anwendung von neuraxialer Anästhesie oder Spinal/Epiduralpunktion. Bei Patienten mit dem Risiko einer ulzerativen gastrointestinalen Erkrankung kann eine prophylaktische Behandlung erwogen werden. Während der Behandlung mit Rivaroxaban ist ein Monitoring der Gerinnungsparameter in der klinischen Routine nicht erforderlich. Wenn jedoch klinisch angezeigt, können die Rivaroxaban-Spiegel mit kalibrierten quantitativen Anti-Faktor Xa-Tests bestimmt werden. Xarelto enthält Lactose. Nebenwirkungen: Häufig: Anämie, Schwindel, Kopfschmerzen, Synkope, Augeneinblutungen, Tachykardie, Hypotonie, Hämatome, Epistaxis, gastrointestinale Blutungen, abdominale u. gastrointestinale Schmerzen, Dyspepsie, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Pruritus, Hautrötung, Ekchymose, Schmerzen in den Extremitäten, Blutungen im Urogenitaltrakt, Fieber, periphere Ödeme, verminderte Leistungsfähigkeit, Transaminasenanstieg, postoperative Blutungen, Bluterguss, Wundsekretion. Gelegentlich: Thrombozythämie, allergische Reaktion, allergische Dermatitis, zerebrale und intrakranielle Blutungen, Hämoptoe, trockener Mund, Leberfunktionsstörung, Urtikaria, kutane und subkutane Blutung, Hämarthros, Einschränkung der Nierenfunktion, Unwohlsein, lokale Ödeme, Anstieg von: Bilirubin, alkalischer Phosphatase im Blut, LDH, Lipase, Amylase, GGT. Selten: Gelbsucht, Blutung in einen Muskel, Anstieg von konjugiertem Bilirubin. Häufigkeit nicht bekannt: Bildung eines Aneurysma spuriums nach perkutaner Intervention, Kompartmentsyndrom oder (akutes) Nierenversagen als Folge einer Blutung. Inhaber der Zulassung: Bayer Pharma AG, 13342 Berlin, Deutschland. Verschreibungs-/Apothekenpflicht: NR, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Stand der Information: Mai 2012.

XGEVA 120 mg Injektionslösung. Qualitative und Quantitative Zusammensetzung: Jede Durchstechflasche enthält 120 mg Denosumab in 1,7 ml Lösung (70 mg/ml). Denosumab ist ein humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der mittels rekombinanter DNATechnologie in einer Säugetierzelllinie (CHO) hergestellt wird. Liste der sonstigen Bestandteile: Essigsäure 99%*, Natriumhydroxid (zur pH-Wert Einstellung)*, Sorbitol (E 420), Wasser für Injektionszwecke, *Der Acetatpuffer wird durch Mischen von Essigsäure mit Natriumhydroxid gebildet. Anwendungsgebiete: Prävention von skelettbezogenen Komplikationen (pathologische Fraktur, Bestrahlung des Knochens, Rückenmarkkompression oder operative Eingriffe am Knochen) bei Erwachsenen mit Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, schwere, unbehandelte Hypokalzämie. Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel zur Behandlung von Knochenerkrankungen - Mittel mit Einfluss auf die Knochenstruktur und die Mineralisation, ATC-Code: M05BX04. Inhaber der Zulassung: Amgen Europe B.V., 4817 ZK Breda, NL, Vertreter in Österreich: Amgen GmbH, 1040 Wien. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: August 2012. Weitere Angaben zu Dosierung, Art und Dauer der Anwendung, besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie zu Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. ®

Xiapex 0,9 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung. Zusammensetzung: Jede Durchstechflasche mit Pulver enthält 0,9 mg Clostridium histolyticum Kollagenasemikrobielle Collagenase* (*Eine Mischung von zwei Collagenase-Enzymen, die gemeinsam exprimiert und mittels anaerober Fermentation eines phänotypisch gewählten Stammes von Clostridium histolyticum gewonnen werden). Sonstige Bestandteile: Injiziertes Natrium pro Gelenk: Metakarpophalangeal (MP)-Gelenk: 0,9 mg. Proximales Interphalangeal (PIP)-Gelenke: 0,7 mg. Liste der sonstigen Bestandteile: Pulver: Sucrose, Trometamol, Salzsäure 2,4% (zur pH-Einstellung). Lösungsmittel: Calciumchlorid-Dihydrat, Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Xiapex ist indiziert zur Behandlung einer Dupuytren’schen Kontraktur bei Patienten mit einem tastbaren Strang. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Mittel gegen Störungen des Muskel- und Skelettsystems – Enzyme. ATC-Code: M09AB02. Inhaber der Zulassung: Pfizer Limited, Ramsgate Road, Sandwich, Kent CT13 9NJ, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: Februar 2011. Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.

Zinforo 600 mg Pulver zur Herstellung eines Konzentrats für eine Infusionslösung. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antibiotika zur systemischen Anwendung, andere Cephalosporine, ATC-Code: J01DI02. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Durchstechflasche enthält Ceftarolinfosamilacetat (1:1) 1 H2O, entsprechend 600 mg Ceftarolinfosamil. Nach Rekonstitution enthält 1 ml Lösung 30 mg Ceftarolinfosamil. Sonstige Bestandteile: Arginin. ANWENDUNGSGEBIETE: Zinforo wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung der folgenden Infektionen (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1): • Komplizierte Haut- und Weichgewebeinfektionen • Ambulant erworbene Pneumonie. Die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Wirkstoffen sind zu berücksichtigen. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Überempfindlichkeit gegen Cephalosporin-Antibiotika. Plötzlich einsetzende und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. anaphylaktische Reaktion) gegen jegliche andere Art von Betalactam-Antibiotika (z. B. Penicilline oder Carbapeneme). 7. INHABER DER ZULASSUNG: AstraZeneca AB; S-151 85 Södertälje; Schweden. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/ APOTHEKENPFLICHT: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand: 23. August 2012. Informationen zu den Abschnitten „Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation (z.B. Austria Codex) zu entnehmen.

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kurzmeldungen | betrieb NÖ Landeskliniken

Riskmanagement. Die Innsbrucker Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie hat ein Projekt zur Qualitätssicherung und Risikominimierung abgeschlossen. So arbeitet die Ambulanz nach dem ManchesterTriage-System, das Patienten je nach erhobenen Parametern fünf Gruppen mit unterschiedlichen Maximalwartezeiten zuordnet.

Ausgezeichnete Turnusausbildung Seit Jahren häufen sich die Beschwerden über die Turnusausbildung. Die Ausbildung kommt zu kurz, so der Befund aus Befragungen von Turnusärzten, sie würden vor allem als preisgünstige Systemerhalter für bürokratische Aufgaben und nicht ärztliche Routinearbeiten eingesetzt. Es mangelt an Praxisorientierung, unter anderem auch deshalb, weil die Lehrpraxis für künftige Allgemeinmediziner ein Stiefkind der Gesundheitspolitik ist. Um Verbesserungen zu erreichen, führt die Ärztekammer für Niederösterreich seit 2008 Befragungen zur Qualität der Turnusärzteausbildung in allen Abteilungen der NÖ Landeskliniken durch. Damit sollen „Abteilungen und deren Primarärzte motiviert werden, in diesem Bereich Akzente zu setzen“, erläutert der stv. Kurienobmann der angestellten Ärzte, Dr. Stefan Halper. Zwar werden alle

Abteilungen über die Ergebnisse der Befragung informiert, vor den Vorhang holt die Standesvertretung aber nur die positiven Beispiele und verleiht Zertifikate für besondere Leistungen in der Turnusausbildung. Heuer konnten die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde in Krems, die Abteilungen für Unfallchirurgie sowie Kinder- und Jugendheilkunde in St. Pölten sowie pauschal die Lehrpraxen für ihr herausragendes Engagement bei der Turnusärzteausbildung ausgezeichnet werden. Kammerpräsident Dr. Christoph Reisner gratulierte den Ausgezeichnten: „Die Zukunft der Qualität unserer Medizin liegt in der Ausbildungsqualität für unsere Ärztinnen und Ärzte. Ich habe große Hochachtung vor denjenigen, die trotz belastender Routinetätigkeit überdurchschnittlichen Einsatz in der Wissensvermittlung zeigen.“

Richtlinie. Krankenkassen aus mehreren Ländern fordern von der EU-Kommission Nachbesserungen für eine Richtlinie zum Schutz vor problematischen Medizinprodukten. Sie wollen ein zentrales Zulassungsverfahren für Hochrisikoprodukte statt einer zersplitterten Zulassung durch private Stellen und verlangen verpflichtende Haftpflichtversicherungen für Hersteller von Medizinprodukten wie etwa Implantaten oder Herzschrittmachern.

Pilotprojekt Salzburg

Fotos: stockbyte, Pixelio/Petra Bork, TILAG, ImageDJ, St. Josef-KH

Ambulante Rehab nach Herzinfarkt Geringere Kosten, kürzerer Spitalsaufenthalt, zufriedenere Patienten und ein rascherer Wiedereinstieg in den Beruf sind die Ergebnisse eines Salzburger Pilotprojekts zur ambulanten Rehabilitation nach koronarem Herzinfarkt. Ein Zwischenbericht zur Halbzeit zeigt bei bisher 22 Patienten, die nach kurzem stationärem Aufenthalt ein telemedizinisch überwachtes Trainingsprogramm zu Hause absolvieren, eine Gewichtsabnahme, guten Trainingszustand und bessere Blutwerte, wie Prim. Dr. 11/12 CC

Johann Altenberger, Leiter des Reha-Zentrums Großgmain, erläutert. Die Patienten erhalten nach dem Aufenthalt im Reha-Zentrum ein Fahrradergometer samt Computer, Brustgurt und individuellem Trainingsprogramm. Automatisch erfasste Werte wie Blutdruck oder Herzfrequenz werden an ein telemedizinisches Zentrum übermittelt, um bei Bedarf rasch reagieren zu können, mindestens einmal pro Woche gibt es ein Gespräch mit dem Patienten. Die Studie läuft noch bis Herbst 2013.

Gütesiegel. Das Wiener St. Josef-Krankenhaus hat seine Zertifizierung nach „porCumCert inklusive KTQ“ erneuert. Das Zertifikat überprüft nach internationalen Standards sowohl die medizinischen und pflegerischen Leistungen als auch Abläufe und im Spital gelebte Werte. Die Zertifizierung erfolgt alle drei Jahre.

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Klinische Forschung in Österreich

„Die Forschungsförderung muss neu geordnet werden“ Ein Fachgebiet der Medizin, das im internationalen Umfeld Goldmedaillen erntet, aber in Österreich keine öffentlichen Förderungen für die klinische Forschung bekommt – das ist die Onkologie. Die Erstellung eines neuen Konzepts für Unterstützungsmaßnahmen ist daher dringend erforderlich. Von Mag. Nicole Martinek

Initiative Krebsforschung Unter diesem Aspekt wurde die „Initiative Krebsforschung“ gegründet – da es an Unterstützung seitens der öffentlichen Hand mangelte. „Die Hoffnung, Wissenschaftskonzepte in der Onkologie zu fördern, ging nicht auf“, bedauert Zielinski. „Da wir jungen Forschern geförderte Projekte anbieten wollten, wandten wir uns mit Erfolg an private Unterstützer. Dennoch ist es Aufgabe einer gut strukturierten Wissenschaftspolitik, Schwerpunkte zu setzten und diese auch zu fördern. Schwerpunkte können jedoch nur dann gesetzt werden, wenn jene Wis-

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Zielinski: „Im Hinblick auf die Förderung von klinischen Studien – auch in der Onkologie – ist die Wissenschaftslandschaft in Österreich katastrophal.“ senschaftsgebiete bekannt sind, die am erfolgreichsten sind und sich international behaupten konnten.“

Das Problem mit der Förderung „Im Hinblick auf die Förderung von klinischen Studien – auch in der Onkologie – ist die Wissenschaftslandschaft in Österreich katastrophal“, bemängelt Zielinski und vermutet, dass „klinische Studien nicht nur nicht gefördert, sondern aktiv behindert werden.“ Es fehlt das Bewusstsein für klinische Studien – laut Zielinski vor allem beim Wissenschaftsfonds FWF. „Es werden weder politische Überlegungen noch die richtigen Schritte gesetzt, es mangelt an Prioritäten. Das Ausmaß dieser Katastrophe wird erst in der nächsten Ärzte- und Patientengeneration sichtbar werden“, umreißt Zielinski das Problem. „Das ist eine große Baustelle für die Gegenwart, damit es in der Zukunft keine mehr ist.“ Die klinische Forschung sollte daher aus dem FWF ausgegliedert und nach internationalen Modellen ein neues Förderungskonzept erstellt werden, so Zielinski. „Die rezente Vergabe von Schwerpunkten ohne jegliche Setzung von Prioritäten oder Lenkungsmaßnahmen für die klinische Forschung hat die Orientierungs- und Konzeptlosigkeit untermauert.“

Personalisierte Onkologie „Selbst in der personalisierten Medizin, die ein Meilenstein in der medizinischen Forschung war und in den kommenden Jahren eine große Weiterentwicklung erleben wird, haben

Nähere Information: www.onkologiewien.at

wir trotz mehrmaligem Ansuchen keine Unterstützung erfahren“, berichtet Zielinski weiter. Dabei ist das Konzept der personalisierten Medizin in der Onkologie bislang am besten aufgegangen: In den letzten Jahren konnten durch die personalisierte Medizin in der Behandlung von Lungenkrebs, Darmkrebs und Nierenkrebs die größten Fortschritte erreicht werden. In der Therapie von Brustkrebs ist eine individualisierte Therapie bereits etabliert und wird laufend verbessert. „Die größte Unterstützung haben wir auf diesem Gebiet der visionären und klugen Führung des AKH sowie der Stadt Wien zu verdanken“, erklärt Zielinski. „Leider können wir das von den wissenschaftsfördernden Institutionen in Österreich nicht behaupten. Wie sehr das Land ins Hintertreffen geraten kann, wird sich zeigen, wenn wir die personalisierte Medizin unseren Patienten nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert anbieten können.“ International gesehen ist hier der Zug bereits am Abfahren. Damit die personalisierte Onkologie nicht auf der Strecke bleibt, wäre ein dem Wissenschaftsministerium zugeordnetes Gremium aus international anerkannten Wissenschaftlern erforderlich, die nach ihrer publikatorischen Leistung ausgewählt werden sollten. „Diesen waghalsigen Schritt sollten wir setzen“, betont der engagierte Onkologe. „In der Onkologie haben wir bewiesen, dass wir in der Lage sind, Goldmedaillen zu bekommen, umso mehr sollten in diesem Bereich die richtigen Fördermaßnahmen gesetzt werden.“ y CC 11/12

Foto: Barbara Krobath

y Die Klinische Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Wien zählt zu den führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen. In Anlehnung an die Organisation in internationalen Zentren wurden Spezialisten für unterschiedliche Krebserkrankungen etabliert, die garantieren, dass jeder Patient nach dem neuesten Stand der Forschung und der internationalen Richtlinien behandelt wird. „Der Erfolg unserer Klinik ist vor allem unseren außerordentlich begabten und ambitionierten Mitarbeitern zu verdanken, die sich international ideal positionieren konnten“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Klinischen Abteilung für Onkologie. „Andererseits ist auch eine systematische Förderungspolitik von Mitarbeitern im internationalen Umfeld im Sinne der Etablierung von Fachdisziplinen, Repräsentanz von Fachbereichen etc. für ausgezeichnete Ergebnisse von enormer Bedeutung sowie auch das Bemühen, internationale Kontakte zu knüpfen und Kooperationen einzugehen.“


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Neuübernahme einer Spitalsabteilung Individuelle Vorbereitung, die Bereitschaft, Bewährtes zu übernehmen, sowie eine prozessorientierte Weiterentwicklung sind wichtige Bausteine für die Neuübernahmen einer Abteilung im Krankenhaus, meint Prim. Dr. Joachim von Oertzen. Von Mag. Christina Lechner

Illustration/Foto: ImageZoo, Landesnervenklinik Wagner-Jaureg/Linz

Prim. Dr. Joachim von Oertzen, FRCP, Honorary Senior Lecturer (SGUL), leitet seit 1. Mai 2012 die Neurologische Abteilung an der Linzer Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg E-Mail: joachim. vonoertzen@ gespag.at

CliniCum: Sie haben vor rund einem halben Jahr die Leitung einer Spitalsabteilung mit knapp 100 Betten und rund 200 Mitarbeitern übernommen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Oerzten: Bereits vor der eigentlichen Bewerbung habe ich mich darum bemüht, den möglichen künftigen Arbeitsbereich kennenzulernen: etwa durch Besuche an der Abteilung, das Lesen von Jahresberichten oder durch Gespräche mit Kollegen. Diese Informationen waren sehr hilfreich beim Erstellen des geforderten Klinikkonzeptes und für das Hearing selbst, bei dem ich das Konzept vorstellen musste. Entscheidend war für mich auch die Sicherheit, dass sich die angestrebte Position gut mit meinen beruflichen und privaten Zielen vereinbaren lässt. Wie sind Sie konkret an die Neuübernahme des Teams herangegangen? Zunächst habe ich mich nicht gescheut, in die Fußstapfen meines Vorgängers zu treten und gewachsene Strukturen und Routineabläufe zu übernehmen. Zudem war und ist es mir ein Anliegen, alle Mitarbeiter kennenzulernen – sei es durch Mitarbeitergespräche oder durch informelle Gespräche beim Mittagessen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jeder Wechsel der Führungsposition zunächst Verunsicherung bedeutet. Darum versuche ich auch, den Mitarbeitern gegenüber Wertschätzung zu zeigen und bei Veränderungsprozessen gemeinsame Wege zu gehen. Haben Sie ein eigenes Rezept in Sachen Motivation? Da gibt es sicher keine Patentlösungen, aber gemeinsame Zielsetzungen und Entscheidungen im Team sind sicher essenzielle motivierende Faktoren. Als Führungskraft bemühe ich mich zudem immer wieder darum, eine „Außenperspektive“ einzunehmen: So lassen sich Ressourcen und zusätzliche Motivationsfaktoren leichter erkennen. Ganz wichtig wird dies, wenn etwa personelle Engpässe herrschen, beispielweise in der Urlaubszeit.

Lesen Sie im Teil X der Serie „Worauf es bei Management-Ausbildungen für Ärzte ankommt.“

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Wie gehen Sie bei der Delegation von Aufgaben vor? Auch hier habe ich mich zunächst am bewährten Schema meines Vorgängers orientiert und laufende Routineprozesse – etwa die Erstellung von Dienstplänen – weiterhin den dafür verantwortlichen Mitarbeitern übertragen. Gewisse Entscheidungen bzw. Bereiche, wie die Personalplanung oder ökonomische Entscheidungen, lassen sich jedoch nicht delegieren: Ich betrachte diese Bereiche zugleich als

meine persönlichen Entwicklungsfelder. So war und ist es unter anderem notwendig, dass ich mich detailliert mit den regionalen Spitalstrukturen auseinandersetze. Fühlen Sie sich als „Höchstleister“? Natürlich setzt die Verantwortung für eine Spitalsabteilung hohe Ansprüche an Fachwissen, Führungskompetenz und Zeitmanagement. Doch nicht nur ich selbst bin gefordert, Höchstleistungen zu erbringen, sondern auch meine Mitarbeiter – sei es als Facharzt in der Patientenbetreuung oder als Pflegekraft im Schichtbetrieb. Wichtig ist mir, den Mitarbeitern dafür die entsprechende Anerkennung zu zeigen. Wie finden Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance? Jede berufliche Veränderung bedeutet auch private Veränderungen – mehr noch, wenn es sich um eine Führungsposition und einen damit verbundenen Wohnortwechsel handelt. In meinem Fall hieß es, für mich und meine Familie von London nach Linz zu übersiedeln. Besonders schön ist die Herzlichkeit, mit der wir hier aufgenommen wurden. Bedeutet ein solcher Umzug zwar zusätzlichen organisatorischen und administrativen Aufwand, so sehe ich darin zugleich Chancen im Bereich Freizeitgestaltung: Ich nutze die Freizeit mit meiner Familie ganz bewusst – das empfinde ich als gute Regenerationsmöglichkeit. Hatten Sie schon vor der Übernahme der Abteilung eine Vision, und wie geht es nun damit weiter? Ich halte es für wichtig, mit einer Vision an die neue Aufgabe heranzutreten. Meine bestand darin, dass vorhandene Spezialzentrum im Bereich Schlaganfall weiter auszubauen und eine zusätzliche Spezialisierung im Bereich Epilepsie, Fokus Epilepsiechirurgie, zu schaffen. Mit dem näheren Kennenlernen der Abteilung und ihrer Stärken – etwa die hier gelebte Interdisziplinarität – ergeben sich jedoch auch neue Visionen. Eine Vision ist auch die stärkere Vernetzung mit den Zuweisern, konkret planen wir derzeit eine Veranstaltung für die niedergelassenen Kollegen. y

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termine Jahrestagung der Österr. Gesell. für Dermatologie und Venerologie

Ort: Linz Themen: Dermatochirurgie, Infektionskrankheiten, Psychodermatologie, Basalzellkarzinom, Innate immunity etc. Info: Mondial Congress & Events www.oegdv.at 6.–7. Dezember

Jahrestagung der Österr. Vereinigung für Notfall­ medizin

Ort: Wien Themen: Das Herz in der Notfallmedizin, der interdisziplinäre Bauchschmerz, Update Trauma, Update Reanimation, der Respirator in der Notaufnahme etc. Info: Austrian Association of Emergency Medicine www.aaem.at 13.–14. Dezember

17. Medizinrechtstage

Ort: Linz Thema: Innovation und Recht in der Medizin Info: Österreichische Gesellschaft für Medizinrecht www.medizinrecht.jku.at 14.–15. Dezember

2 Czech­Austrian Meeting on Nephrology nd

Ort: Wien Themen: Non-traditional risk markers, hypertension in pediatric kidney transplantation, peritoneal dialysis etc. Info: Österr. Gesellschaft für Nephrologie www.niere-hochdruck.at 26. Jänner

13. Consensus Meeting der AG für Herzinsuffizienz Ort: Wien Thema: Herzinsuffizienz beim älteren Patienten Info: medCongress www.medcongress.at 26. Jänner 2013

Kardio­Symposium

Ort: Wien Themen: Primär- und Sekundärprophylaxe der Atherosklerose Info: Angiologie, Hanusch-Krankenhaus Wien www.maw.co.at

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26.–29. Jänner

International Meeting

Ort: Innsbruck Thema: Integrated management of acute and chronic cardiovascular disease Info: Congress & Study Concept E-Mail: csconcept@chello.at 29. Jänner bis 1. Februar

Jahrestagung der Österr. Gesell. für Mund­, Kiefer­ und Gesichtschirurgie

Ort: Bad Hofgastein Thema: IM Spannungsfeld zwischen Implantologie und Tumorchirurgie Info: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, LKH Feldkirch www.mkg-kongress.at 13. –16. Februar

Wiener Intensivmedizini­ sche Tage

Ort: Wien Thema: Der alte (= häufigste) Intesivpatient Info: Prof. Dr. Wilfried Druml, Universitästklinik für Innere Medizin III, Wien www.intensivmedizin.at 1.–2. März

Kardiologie 2013

Ort: Innsbruck Themen: Neue orale Antikoagulanzien, Paradigmenwechsel beim akuten Myokardinfarkt, ischämische Mitralinsuffizienz, neue Technologien, Kontroversen in der Kardiologie etc. Info: pco tyrol congress www.kardiologie-innsbruck.at 7.–9. März

Frühjahrstagung der Österr. Diabetesgesellschaft Ort: Bregenz Thema: Fortschritte in klinischer Diabetologie und Endokrinologie Info: Österr. Diabetesgesellschaft www.oedg.org 23. März

Wiener Lebertag

Ort: Wien Themen: Bildgebung, Fettleber, Hepatitis C, Hepatitis B, cholestatische Lebererkrankungen, Transplantation etc. Info: Univ.-Prof. Dr. Petra Munda, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien www.lebertag.at

Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner Juristische Fakultät der Universität Wien

Neues Gesetz über medizinische Assistenzberufe Im September wurde ein Gesetz über medizinische Assistenzberufe im Parlament beschlossen, dessen Bestimmungen am 1.1.2013 in Kraft treten. Ziel des neuen Gesetzes ist es, moderne Ausbildungsordnungen zu schaffen, die den Anforderungen des heutigen Gesundheitswesens entsprechen. Die neuen Assistenzberufe sollen die Berufe des medizinisch-technischen Fachdienstes und des Sanitätshilfsdienstes ersetzen. Das Gesetz sieht folgende Assistenzberufe vor: Desinfektion-, Gips-, Labor-, Obduktions-, Operations-, Ordinations-, Röntgen- und medizinische Fachassistenz. Je nach Spezialisierung ist eine Ausbildung zwischen 650 und 2.500 Stunden vorgesehen. Für niedergelassene Ärzte ist insbesondere das neue Berufsbild des Ordinationsassistenten von Interesse, das den Ordinationsgehilfen nach MTF-SHD-G ablösen soll. Im Unterschied zu diesem sind Ordinationsassistenten nicht nur für „einfache Hilfsdienste und Handreichungen bei ärztlichen Verrichtungen im Rahmen ärztlicher Ordinationen“ einsetzbar, sondern auch zur Durchführung einfacher Assistenztätigkeiten bei ärztlichen Maßnahmen berechtigt, von standardisierten diagnostischen Programmen und standardisierten Blut-, Harn- und Stuhluntersuchungen mittels Schnelltestverfahren (Pointof-Care-Testing) einschließlich der Blutentnahme aus den Kapillaren im Rahmen der patientennahen Labordiagnostik, zur Blutentnahme aus der Vene bis hin zur Patientenbetreuung und zur Praxishygiene, Reinigung, Desinfektion, Sterilisation und Wartung der Medizinprodukte und sonstiger Geräte und Behelfe sowie die Abfallentsorgung. Besondere Bedeutung für die Praxis kommt den Übergangsvorschriften des neuen Gesetzes zu. So wurde etwa für Desinfektions-, Prosektur-, Operations- und Ordinationsgehilfen nach dem MTF-SHD-G normiert, dass sie die ausbildungsspezifische neue Berufsbezeichnung (z.B. „Ordinationsassistent“ führen dürfen, sofern und soweit sie über die entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten des neuen Berufsbildes verfügen. Deutlich komplizierter sind die Übergangsregeln für Gipser und Angehörige der medizinisch-technischen Fachdienste. In abgestufter Form wird bei diesen Berufsbildern auf die Berufserfahrung in den letzten acht Jahren abgestellt und teilweise mit der Ablegung einer Prüfung verknüpft. Zur Erleichterung von Arbeitsabläufen hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege an Ordinations- bzw. Operationsassistenten sowie Biomedizinischen Analytikern an Laborassistenten und Radiologietechnologen an Röntgenassisten entsprechend der ärztlichen Anordnung die Durchführung der ihnen angeordneten Tätigkeiten weiter übertragen und die entsprechende Aufsicht wahrnehmen dürfen. Unberührt bleibt auch die Möglichkeit, angelernte Hilfspersonen gemäß § 49 Abs. 2 ÄrzteG 1998 einzusetzen, wenn diese nach den genauen ärztlichen Anordnungen und unter ständiger Aufsicht tätig sind. CC 11/12

Foto: Barbara Krobath

30. November bis 2. Dezember

recht in der praxis


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Robustheit des Materials

oder Tragekomfort ?

Beides.

High-Tech-Textilien bieten Reißfestigkeit auch bei Nässe, Barriere gegen Partikel und Sekrete und dadurch optimalen Schutz vor nosokomialen Infektionen. Dabei empfindet das OP-Team auch bei langem Einsatz Komfort wie in normaler Kleidung. Textile High-PerformanceProdukte für Kleidung und Abdeckung übertreffen die normativen Vorgaben und gewährleisten Sicherheit für Patienten und das OP-Team. Univ. Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, LKH Universitäts-Klinikum Graz

„Moderne OP-Textilien bieten die ideale Synthese von optitimaler Barrierewirkung und angenehmem Tragekomfort - damit sind sie ein unverzichtbarer Sicherheitsfaktor.“

OP und Textilien gehören zusammen.

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