Page 1

HEFT 4:2012

AustriAn BreAst CAnCer study Group

Intensivmedizin und Krebs Deutlich bessere Prognose Zentrales Thema Was ein Forschungs­ aufenthalt im Ausland bringt DFP Nebenwirkungs­ management bei systemischen Therapien

ASCO 2012

P.b.b. Verlagspostamt 1120 Wien, Zulassungsnummer: GZ 02Z032084 M

Die Glanzlichter des bedeutendsten Krebskongresses

EUR 5,–


Die Therapie zum Leben

Entdecken Sie neue Wege

XEL-INS3/01.10

XEL-INS2/02.12

in der Therapie des adjuvanten Kolonkarzinoms

Fachkurzinformation siehe Seite 65


Editorial „ÖsterreicherInnen in der Welt“ Essenziell für unsere Spitzenposition. Die vorliegende Ausgabe von krebs:hilfe! wid-

met sich neben aktuellen fachlichen Themen schwerpunktmäßig einem hierzulande oft wenig beachteten Thema: Gerade für ein kleines Land wie Österreich ist Internationalität in jeder Hinsicht außerordentlich wichtig. Die Mobilität vor allem junger WissenschafterInnen muss – auch durch gezielte Förderungen – weiter gesteigert werden. Denn eine globale Perspektive ist ebenso wie die bei Auslandserfahrung gewonnenen fachlichen und persönlichen Kontakte essenziell für den Erhalt und den weiteren Ausbau unserer Spitzenposition in der interdisziplinären Onkologie. Viele erfolgreiche Beispiele belegen, dass ein Auslandsaufenthalt nicht nur als „mind opener“ wirken kann, sondern auch sehr erfolgreiche individuelle Karrieren zu beflügeln imstande ist. Anders als beispielsweise im Wirtschaftsleben, wo der Eindruck besteht, dass zwar überdurchschnittlich viele ÖsterreicherInnen an der Spitze internationaler Konzerne stehen, das Land selbst anscheinend aber oft keine attraktiven Rahmenbedingungen zur „Heimkehr“ bieten kann, ist in der Krebsforschung und -behandlung internationales Leadership auch für „Tu felix Austria“ möglich.

Ein Land, dessen „Markt“macht limitiert ist, kann im globalen Wettbewerb nur

durch Innovationskraft und Bildungs- und Humankapital reüssieren. „Mir san mir“ als Grundhaltung statt Weltoffenheit führt rasch in die Katastrophe, auch was den Standard der medizinischen Versorgung betrifft. Ebenso haben wir die Verpflichtung und Verantwortung, jungen Menschen aus anderen Ländern Aus- und Weiterbildung in wissenschaftlicher Medizin zu ermöglichen – das ist ein Potenzial, das die „österreichische medizinische Schule“ derzeit zu wenig ausnützt. Welchen enormen Zugewinn an wissenschaftlichem Potenzial und nicht zuletzt auch Arbeitskraft „visiting scientists“ bieten können, zeigen uns beispielsweise die amerikanischen Spitzenforschungsinstitutionen. Hier haben wir Aufholbedarf. Es gilt, Österreich für ausländische „high potentials“ attraktiver zu machen, d.h. gegen manch unerträgliche Xenophobie hierzulande zu arbeiten und die mitunter überbordenden bürokratischen Hürden zu beseitigen.

Das Spannungsfeld zwischen spektakulären Wissenschaftserfolgen, großartigen neuen The-

Prim. Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda Gynäkologie und Geburtshilfe, KH Hietzing, Wien

krebs:hilfe!

4:2012

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski Comprehensive Cancer Center, Wien

FOTO: BarBara KrOBaTh

rapiemöglichkeiten und einem immer besseren wissenschaftlichen Verständnis der molekularen Komplexität von Krebserkrankungen sowie der dadurch vorhersehbaren zielgerichteten Möglichkeiten individualisierter Behandlungen einerseits und dem steigenden Kostendruck andererseits wird uns vor riesenhafte – auch moralische – Herausforderungen stellen: Nicht mehr alles, was möglich wäre, wird auch breit anwendbar sein. Je rascher wir in der biomarkergestützten Vorhersage individuellen Therapieansprechens die Krebsbehandlung „feintunen“ können, umso besser ist unsere Position im gesellschaftlichen und medizininternen Ressourcenwettbewerb. Diese tatsächliche molekular-individualisierte Onkologie der Zukunft ist außerhalb großer interdisziplinärer Zentren und Behandlungsverbünden nicht darstellbar. Ein Grund mehr, die begonnenen strukturellen Reformen entschlossen fortzusetzen!

Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant Comprehensive Cancer Center, Wien


 INHALT

 8 Interview Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger über Sensibili-

 16 Ein Krebspatient auf einer Intensivstation

sierungs- und Harmonisierungsprozesse und die Ziele in der zweiten Halbzeit seiner Amtsperiode als Präsident der Europäischen Hämatologischen Gesellschaft.

Die Intensivversorgung nicht operativer Krebspatienten ist ein wichtiges Thema für Betreuer und Betroffene. Jetzt gibt es eine neue Initiative.

krebs:news

krebs:kongresse

8

36

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger, Präsident der Europäischen Hämatologischen Gesellschaft, im Interview.

11

12

14

15

Bedeutung dieses Krebskongresses.

39

ASCO Austria Eine Reihe von Präsentationen aus Österreich stehen für einen tollen Erfolg.

40

Kolorektalkarzinom Je früher der Tumor unter Cetu-

Neues von Europas Hämatologen Beeindruckende Erfolge wurden beim 17. Kongress der Europäischen Hämatologischen Gesellschaft (EHA) von 14.–17. Juni in Amsterdam präsentiert.

ximab schrumpft, desto besser ist die Prognose.

42

tiefe molekulare Remission mit Dasatinib lässt an ein Absetzen der Therapie denken.

44

Triple-negativer Bruskrebs Hochrisikopatientinnen profitieren von Bevacizumab und Paclitaxel.

Chronisch myeloische Leukämie II Neue Daten belegen die Vorteile eines Therapiestarts mit Nilotinib bzw. einer Umstellung von Imatinib auf Nilotinib.

47

HER2-positiver Brustkrebs Das neue Antikörper-

Chronisch myeloische Leukämie III Bei einem Pati-

48

Ovarialkarzinom AURELIA ist nach GOG-0218, ICON-7 und OCEANS die vierte positive Phase-IIIStudie mit Bevacizumab.

50

mTOR-Inhibition Everolimus ist sowohl bei Brust-

Krebs und Intensivmedizin Das Überleben von Krebspatienten auf einer „Intensive Care Unit“ hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch gesteigert.

19

Gynäkologische Malignome Die bedeutendsten Neuigkeiten zu Mamma- und Ovarialkarzinom

Chronisch myeloische Leukämie I Eine anhaltend

konjugat Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) verlängert das progressionsfreie Überleben.

enten wurde schon nach sechs Monaten ein tiefes molekulares Ansprechen unter Nilotinib erreicht.

16

ASCO 2012 Rund 31.000 Teilnehmer zeigen die

Das Onkopedia-Projekt I In einer deutsch-österreichisch-schweizerischen Kooperation entsteht eine Online-Sammlung deutscher Leitlinien.

krebs als auch bei Nierenzellkarzinom wirksam.

52

Prostatakarzinom Es gibt Anzeichen, dass nach einer Therapie mit Cabazitaxel mehr Patienten eine Drittlinientherapie erhalten.

krebs:schwerpunkt I–XVI ÖsterreicherInnen in der Welt Was heimische ForscherInnen motivierte, Auslandserfahrung zu sammeln und wie sie davon profitiert haben.

Fotos: BarBara KroBath (1), sUsaNNE BILLICh (2), M. sChINdL (1)

Raising our European voice Der Top-Hämatologe


krebs:hilfe! 4:2012

AUSTRIAN BREAST

CANCER STUDY

GROUP

HEFT 4:2012

Edinburgh Castle. stadt Schottlands Die Hauptein wunderschön hat nicht nur es Altstadtpanorama, sie ist eines Schwerpunkauch Standort tzentrums für Leber- und Pankreaschir urgie in Großbritannien.

 36 ASCO 2012 Der international bedeutendste Krebs-

kongress fand von 1. bis 5. Juni 2012 in Chicago statt. Mehr zu den Highlights aus insgesamt 4.500 Beiträgen finden Sie auch auf den Seiten 39 und 42.

Das zentrale Thema Auslandserfahrungen, berichtet aus dem CCC Wien. Ein von Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski und Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant koordinierter Schwerpunkt.

krebs:fortbildung

rub:riken

26

7 25 35 55 23 59 64 66 67

DFP-Literatur Die häufigsten Nebenwirkungen und ihr Management bei systemischen Therapien

31

DFP-Fragebogen Für die richtige Beantwortung erhalten Sie zwei DFP-Fachpunkte.

32

Besonderer Fall Tp53-Mutation, das Li-FraumeniSyndrom, diesmal geht es um einen Fall aus Graz.

krebs:therapie 56

Tumor und Thrombose Die CATS-Studie zeigt, dass heute eine gute Vorhersage möglich ist.

57

Neue Antithrombotika Neue Substanzen punkten

ÖsterreicherInn

Zusammengestellt von Univ.-Prof.

III

Wolfgang Köstler,

Im Integrin-„Himmel“

Univ.-Doz. Dr. Christiane

V

Dr. Christoph Zielinski

Wien

: Abseits jeglicher

Thallinger, Wien

Lymphatische Neoplasien Über Ergebnisse mit dem

60

NIFA(R) Brustkrebspatientinnen im Mittelpunkt des

Routine

Stammzellforschu ng: Hervorragende gen in Vancouve Bedingunr

Dr. Stefan Wöhrer,

VII Mitwirkung an Univ.-Prof. Dr.

Wien

wesentlichen

Thomas Grünberger,

Dr. Michael Gnant

VIII Eine ideale Kombination aus Forschung, Weiterbildung, Spezialisierung Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl,

IX

Innovationen

Wien

Kurzmeldungen Forschungsförderpreis Literatur Fachkurzinformationen Produkte AutorInnen

neuen bispezifischen Antikörper Blinatumumab Behandlungssystems

IMPRESSUM: Verleger und Eigentümer: Medizin Medien austria Gmbh dVr-Nr: 1042475, Herausgeber: austrian Breast and Colorectal Cancer study Group (aBCsG), Central European Cooperative oncology Group (CECoG), Österreichische Krebshilfe Verlagsanschrift: 1120 Wien, Grünbergstraße 15/stg. 1, tel: 01/54 600-0, Fax: dW 50614, Chefredaktion: Univ.-Prof. dr. Michael Gnant und Univ.-Prof. dr. Paul sevelda, dr. susanne schneider-Voss, E-Mail: schneider-voss@medizin-medien.at, Redaktionsleitung Print MMA: Bettina Kammerer, E-Mail: kammerer@medizin-medien.at, Geschäftsführung: thomas Zembacher dW 100, Verlagsleitung/Ressort Medizin Medien Verkauf: reinhard rosenberger, Verkaufsleitung/Fachbereich: Martina osterbauer, tel: 0676/88 460 231, E-Mail: osterbauer@medizin-medien.at, Anzeigensekretariat: Mag. Edyta Konarzewska dW 513, Art Direction: Karl J. Kuba, Layout und DTP: Bernadette Brandl Lektorat: heinz Javorsky, Druck: Friedrich VdV, 4020 Linz Auflage: 14.000 Erscheinungsweise: sechsmal jährlich Einzelpreis: € 5,– Inlandsabo: € 24,– Auslandsabo: € 30,– Die mit einem farbigen Balken gekennzeichneten Beiträge enthalten Informationen, für deren abdruck von den dort genannten Firmen druckkostenbeiträge geleistet werden. Es handelt sich somit um entgeltliche Beiträge im sinne §26 Mediengesetz. alle rechte, insbesondere das recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichtet die krebs:hilfe! in der regel auf das Verwenden weiblicher Endungen, wenn beide Geschlechter gemeint sind. so sind z.B. mit der Bezeichnung „Patienten“ immer auch „Patientinnen“, mit „Ärzten“ auch „Ärztinnen“ gemeint etc.

Wien

Tumorimmunolog ie: Erfahrungen amerikanischen an Vorzeigeinstitution einer

Univ.-Doz. Dr. Gerd

XI

mit hoher Wirksamkeit – und haben Schattenseiten.

58

en in der Welt

und Univ.-Prof.

Vier Jahre Grundlag wunderland Israel enforschung im Wirtschafts-

Univ.-Prof. Dr.

IV

Ausbildung hat

Silberhumer, Wien

den höchsten

Priv.-Doz. Dr. Dietmar

Tamandl, Wien

Stellenwert


BIN SDZ 2012 5 5

zur端ck mit energie

Sch端tzen Sie Ihre Patienten.

Das erste kurzwirksame Epoetin mit Nadelsicherheit Darreichungsformen mit Nadelschutz: 20.000 IU 30.000 IU 40.000 IU

Alle drei in der Gr端nen Box! Fachkurzinformation siehe Seite 64


krebs:news

 START

7

1

2

Innsbrucker Bildungsprojekt: Oncotyrol-Geschäftsführer Bernhard Hofer, MSc, und die Leiterin von „Science Inspires“, Dr. Elisabeth Lukasser-Vogl

Die Initiative der Österreichischen krebshilfe „Sonne ohne Reue“ hat Anteil daran, dass heute vier von fünf patienten selbst das maligne Melanom überleben.

1 NEuES BILDuNGSpROjEkT

FOTOs: OncOTyrOl, Bernhard hOFFmann-WellenhOF, mUG

Krebsforschung an Innsbrucker Schulen

Das Innsbrucker Krebsforschungszentrum Oncotyrol hat das Schulprojekt „Science Inspires“ initiiert. Es widmet sich zwei Schwerpunkten: der personalisierten Medizin sowie der Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel. „Science Inspires“ will den jungen Leuten vermitteln, dass moderne Pharmaforschung und Pflanzenheilkunde kein Gegensatz sind, sondern dass die Entschlüsselung des Wirkstoffpotenzials von Pflanzen auf äußerst innovativen Technologien basiert. Oncotyrol arbeitet bei dem Projekt mit universitären und außeruniversitären Kooperationspartnern zusammen. Vor allem Mädchen sollen so medizinische, technische und naturwissenschaftliche Karrieren näher gebracht werden. „Science Inspires“ startet am ersten August und läuft eineinhalb Jahre. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) stellt knapp 60.000 Euro zur Verfügung, von denen 10.000 Euro über sogenannte Kooperationszuschüsse für naturwissenschaftliche Projekte an weitere interessierte Pädagogen vergeben werden können. < Pressemeldung Oncotyrol, 19.6.2012

krebs:hilfe!

4:2012

2 HAuTkREBSkAMpAGNE

Erfolgreiche Vorsorgeaktionen

Zum 25. Mal startete dieses Frühjahr die österreichweite Initiative gegen Hautkrebs „Sonne ohne Reue“. Die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie luden aus diesem Anlass Wegbegleiter der Aktion zu einem gemeinsamen Austausch ein. „Wir können zufrieden sein“, resümiert Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie, „durch Achtsamkeit und Früherkennung überleben heute vier von fünf Patienten selbst die gefährlichste Variante von Hautkrebs, das maligne Melanom.“ Das ist ein durchschlagender Erfolg der gemeinsamen Vorsorgeaktionen. Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe, betont auch die Notwendigkeit für einen besonderen Hautschutz in der Kindheit: „Die Österreichische Krebshilfe klärt seit Jahren über das richtige Verhalten an österreichischen Schulen und Kindergärten auf.“ < Pressemeldung 19.6.2012

NEuE DATENBANk

Sicherheitsdaten online Im Rahmen ihrer Transparenzpolitik macht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) seit Ende Mai 2012 Daten über Nebenwirkungsmeldungen öffentlich zugänglich. Über eine eigene Website können Daten zu Arzneimittelnebenwirkungen abgerufen werden, die gemäß den gesetzlichen Bestimmungen von nationalen Behörden und Zulassungsinhabern an die europäische Datenbank EudraVigilance übermittelt wurden. Abgerufen werden kann die Anzahl der Meldungen pro Wirkstoff, gruppiert nach Typ und Ausgang sowie nach Alter und Geschlecht. In einem ersten Schritt ist dies für zirka 650 Wirkstoffe möglich, die nach dem zentralen Verfahren zugelassen sind. Im weiteren Ausbau soll das System aber auch Daten zu national zugelassenen Wirkstoffen zur Verfügung stellen. Bei dem Datenmaterial handelt es sich um Meldungen zu vermuteten Nebenwirkungen, so dass die abgerufenen Zahlenwerte für sich allein betrachtet keinen Rückschluss auf den tatsächlichen Kausalzusammenhang, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer unerwünschten Wirkung oder einen Hinweis auf die potenzielle Schädlichkeit eines Arzneimittels erlauben. < www.adrreports.eu


 eha 2012 8

„Raising our European voice“ krebs:hilfe!: Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen? Jäger: Wir wollen einige strategischen Ziele angehen. Die Hämatologie war ja bisher vorwiegend „scientifically driven“ und ist der europäischen Öffentlichkeit nicht sehr bekannt. Ein wichtiges Vorhaben der EHA trägt daher den Titel „Raising our European voice“. Ziel ist es, eine Identifikation der Öffentlichkeit mit hämatologischen Erkrankungen zu erreichen, sowohl in der allgemeinen Öffentlichkeit als auch bei den politisch Verantwortlichen in Brüssel. Bei den politischen Zielen geht es zum einen darum, Grants für hämatologische Forschungsprojekte z.B. im neuen europäischen Rahmenprogramm „Horizon 2020“ zu platzieren, bei dem jetzt der erste „Call“ bald geöffnet wird. Ähnliches streben wir auch im Europäischen Parlament in Brüssel an, wo es um personalisierte Medizin geht.

Gehen die Bemühungen im Europä­ ischen Parlament in Richtung Finanzie­ rung neuer zielgerichteter Therapien? Nur zum Teil. Es geht hier vor allem um den Zugang zu den richtigen Therapien für jeden einzelnen Patienten. Denn trotz Zulassung bekommt in Europa heute nicht jeder Patient jederzeit das Medikament, das er braucht. Wir wollen daher die Legislatur in möglichst vielen Ländern harmonisieren. Ein weiteres Ziel ist es, klinische Studien international zu harmonisieren. Denn hämatologische Erkrankungen sind vergleichsweise selten, und wir können für Studien in einzelnen Ländern zu wenige Studienteilnehmer rekrutieren. Hier kooperieren wir mit der European Medicines Agency (EMA). Darüber hinausgehend ist uns die Zusammenarbeit mit den nationalen Gesellschaften sehr wichtig, die mit uns gemeinsam

die Harmonisierung der Ausbildung vorantreiben, die wir mit dem europäischen Projekt H-Net initiiert haben (siehe Kasten). Die EHA-Ausbildungsverordnung betrifft zum einen die Dauer der Ausbildung, wobei die ÖGHO etwa der Forderung nach drei Jahren schon Rechnung trägt und diesbezüglich bereits im Gespräch mit der Österreichischen Ärztekammer ist. Auch gibt es jetzt – trotz regionaler Unterschiede für die Prävalenz bestimmter hämatologischer Erkrankungen wie etwa Thalassämie – ein gemeinsames Curriculum. Es umfasst einen Katalog mit Vorgaben, was jeder „europäische Hämatologe“ letztlich können sollte. Von den „Youngsters“ können in Punkten, in denen sie sich zu wenig ausgebildet fühlen, explizit Fortbildungen auch eingefordert werden. Werden diese Fortbildungen länder­ übergreifend angeboten werden? krebs:hilfe!

4:2012

FOTOs: BarBara KrOBaTh

In eine Top-Position wurde der Hämatologe Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger, Medizinische Universität Wien, vor einem Jahr gewählt. krebs:hilfe! unterhielt sich mit dem Präsidenten der Europäischen Hämatologischen Gesellschaft zur Halbzeit seiner Amtsperiode über Sensibilisierungs- und Harmonisierungsprozesse und die Unterstützung von HämaDas Gespräch führte Dr. susanne schneiDer-Voss tologen in finanzschwachen Regionen durch die EHA.


9 Ja, es ist eine Plattform geplant, die das alles erleichtern soll. So ist eine Website im Aufbau, wo E-Learning-Module zu den verschiedenen Themen, z.B. zu Thalassämie, angeboten werden. Es soll künftig auch möglich sein, die jeweiligen Experten – beim genannten Beispiel etwa aus Griechenland – einzuladen, die sich dem anfragenden Land für Ausführungen zu diesem Thema zur Verfügung stellen. Irgendwann soll es schließlich eine gesamteuropäische Prüfung geben, so dass die Hämatologen entsprechend der „Deklaration von Brüssel“ europaweit frei „flottieren“ können. Da kommt die Politik unter Zugzwang... Die Politik hinkt tatsächlich hinterher. Deutschland beispielsweise setzt das Curriculum noch nicht um, während Österreich sich in Richtung Schweizer System öffnet. Wie sieht es mit dem Fokus auf Patien­ ten aus? Bisher hatte die EHA keinen offiziellen Kontakt zu Patientenorganisationen, weil wir eher wissenschaftlich orientiert waren. Beim letztjährigen EHA-Kongress fanden dann erstmals Treffen mit den zehn größten Patientenorganisationen Europas statt. Es geht jetzt darum, Patientenanliegen in den Kongress zu integrieren. In einer von Patienten gestalteten „Patient advocacy session“ zum Thema „Compliance“ haben wir in London Dinge erfahren, von denen wir de facto nichts wussten. Wir können einerseits also selbst von den Patienten lernen und umgekehrt mit den Patienten gemeinsam daran arbeiten, den Zugang zu Medikamenteninformation zu sichern. Das geht viel leichter gemeinsam, denn die Patienten haben als „Users“ einfach den besseren Zugang zum Europäischen Parlament. Wir stehen dabei am Beginn. So wollen wir einen „Patient track“ in das Meeting integrieren, in dessen Rahmen immer wieder von und für Patienten gestaltete Sessions angeboten werden. Das wird im nächsten Jahr soweit sein. krebs:hilfe!

4:2012

Wie wird sichergestellt, dass das Wissen weitergetragen wird? Einige sogenannte „Patient advocats“ werden auf Kongresse eingeladen und verbreiten das, was sie dort erfahren haben, in nationalen Patientenorganisationen weiter. Was wir Wissenschaftler an Wissen generieren, planen wir, unseren nationalen Fachgesellschaften zur Verfügung zu stellen. Die ÖGHO hat mit www.bluterkran kungen.at bereits eine vorbildhafte Website für Patienten aufgebaut, mit allgemein verständlichen Informationen zu verschiedenen Erkrankungen. Eine ähnliche europäische Website ist geplant. Dabei wollen wir alle Informationen strikt unabhängig halten und nehmen aus diesem Grund keine Finanzierungsangebote von der Pharmaindustrie an. Gibt es noch ein Thema, das Sie anpa­ cken wollen? Ja, ich werde das Thema „Outreach“ weiterführen, das meinem Vorgänger bereits ein großes Anliegen war: Wir wollen unser Wissen vor allem in finanzschwache Regionen tragen, etwa osteuropäische Länder. Das bedeutet, dass fünf oder sechs unserer Hämatologen dorthin fahren und in Trainingsmodulen drei Tage lang „Cases“ aufarbeiten. Dies ist auch online möglich, die

Fälle können vorab eingeschickt werden. Im letzten Jahr haben wir EHA-Highlights nach Indien gebracht, dies wäre auch etwa für Litauen oder Ägypten. Hier verfolgen wir einen etwas anderen Ansatz als unsere amerikanische Schwestergesellschaft. Diese sendet im Anschluss an die US-Konferenz US-Experten für Vorträge aus. Dagegen binden wir in der EHA die Länder vorab aktiv ein: Wir laden ausgewählte Experten ein, erfragen, was für sie von Interesse ist, legen dann die Topics fest, einige unserer Experten fahren hin und veranstalten Kongresse gemeinsam mit indischen Kollegen, die beim Kongress eingeladen waren. Was wünschen Sie sich für Österreichs Hämatologie? Die österreichische Hämatologie hat einen sehr guten wissenschaftlichen Ruf und liegt, was die Qualität ihrer Forschung betrifft, international ganz weit vorn. Das lässt sich nur aufrechterhalten, wenn weiterhin Förderungen in dieses Gebiet fließen. Hier ist die Politik aufgefordert, dies weiterhin sicherzustellen. Auch müssten endlich die strukturellen Pläne mit der Definition von Schwerpunktzentren umgesetzt werden. Vielen Dank für das Gespräch!

 eu-projekt h-net: aus- und fortbildung in der hämatologie

in europa

EU-Förderprogramm: Leonardo da Vinci Zeitraum: oktober 2008 bis oktober 2011 Ziel: harmonisierung der ausbildung zum hämatologen in Österreich Form: netzwerk nationaler und internationaler Gesellschaften für hämatologie mit pädagogen und it-spezialisten ergebnisse - überblick über/unterschiede in hämatologischen ausbildungsstätten/-ansätzen quer durch europa (h-net competence survey: Grad an Kompetenz bei, Wissen über und Bewusstsein für Methodik/therapieverfahren). - entwicklung einer ausbildungsstrategie in einem „Bottom-up“-prozess, in der folge Modifikation bestehender und schaffung neuer ausbildungswerkzeuge zur harmonisierung. - entwicklung eines speichersystems, das die Kompetenzprofile individueller hämatologen und hämatologischer Gesellschaften enthält („hematology confolio“), um Defizite von ausbildungsstandorten auszugleichen. - plattform, um mit nationalen und europäischen Behörden die politische Zweckmäßigkeit eines harmoniserten curriculums zu diskutieren.


Beim fortgeschrittenen Mamma-Ca*

Fachinformation siehe Seite 64

FASLODEX® WÄCHST ÜBER SICH HINAUS

ID 1881;04/2010

250 + 250 mg = noch längere Progressionsfreiheit1

* Bei Rezidiv oder Progression während /nach einer Antiöstrogen-Therapie. 1) SABCS 2009; Abstract No 25.

Von Anfang an für längere Kontrolle1


 EHA 2012 11

Neues von Europas Hämatologen Erfolge mit Blinatumomab bei B-Vorläufer-ALL oder ein dosisreduziertes Regime bei fortgeschrittenen HodgkinLymphomen: Die krebs:hilfe! stellt ausgewählte Highlights vom EHA-Kongress 2012 vor, der von 14. bis 17. Juni in TexT MAG. CHRISTINA LECHNER Amsterdam stattfand. Über einen „beeindruckenden Erfolg“ berichtete die European Hematology Association (EHA) in ihrer Presseaussendung angesichts der Präsentation von Prof. Dr. Max Topp (Universitätsklinik Würzburg). In einer Phase-II-Studie konnte der monoklonale Antikörper Blinatumomab bei erwachsenen Patienten mit B-Vorläufer-ALL nach einem Rezidiv auf eine Erstlinienchemotherapie oder allogene Stammzelltransplantation bei 26 von 36 Patienten (72 Prozent) entweder eine komplette Remission oder komplette Remission mit teilweiser hämatologischer Erholung herbeiführen. Blinatumomab ist ein bispezifischer Antikörper, der gegen den CD3-Rezeptor an T-Zellen und gegen das Oberflächenprotein CD19 an B-Zellen gerichtet ist. Durch die Bindung an die Zielproteine wird eine T-Zell-vermittelte Erkennung und Zerstörung maligner B-Zellen erreicht. Von den Patienten, die auf die Therapie ansprachen, erreichten alle mit Ausnahme von zweien zudem eine molekulare Remission. Die mediane Überlebensdauer betrug neun Monate, die Dauer des Ansprechens im Mittel 8,9 Monate.

FOTO: SuSanne Billich

Fortgeschrittenes HodgkinLymphom. Hodgkin-Lymphome ge-

hören zu den am besten behandelbaren malignen Erkrankungen bei Erwachsenen, betonte Dr. Andreas Engert (Universitätsklinik Köln) beim EHA-Kongress in Amsterdam bei seiner Vorstellung der Ergebnisse der Studie HD15 der deutschen Hodgkin-Studiengruppe (GHSG). In dieser Studie wurde der bisherige Chemotherapiestandard, acht Zyklen BEACOPP-esk, mit zwei reduzierten Therapieschemata verglichen, wobei die Chemotherapie durch eine anschließende Bestrahlung ergänzt wurde. Mehr als 2.100 Patienten mit

krebs:hilfe!

4:2012

neu diagnostiziertem, fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom nahmen an der Studie teil. Das Ergebnis: Sechs anstelle von acht Zyklen BEACOPP-esk wurden nicht nur besser toleriert, sondern führten auch zu einer verbesserten Tumorkontrolle und einem besseren Gesamtüberleben. Vor allem die niedrigere Mortalität sowie die reduzierte Häufigkeit von Sekundärmalignomen wirkten sich günstig auf die Behandlungserfolge aus.

ptome wurden vor der Injektion sowie sieben, 28 und 56 Tage danach erhoben. Unter den mit dem Eisen-CarboxymaltoseKomplex behandelten Frauen ergab sich eine im Vergleich zu Plazebo signifikante Besserung im gesamten Fatigue-Score, aber auch in Domänen wie Aufmerksamkeit, Zufriedenheit und Gelassenheit. Nebenwirkungen traten bei 49 Prozent der Frauen unter Plazebo und bei 57 Prozent in der Verumgruppe auf.

Eisenüberladung.

Auszeichnungen. Im Rahmen des

Weltweit werden jährlich rund 25.000 Kinder aufgrund von Thalassämia major transfusionspflichtig. Eines der größten Probleme dabei ist die entstehende Eisenüberladung, speziell im Herzmuskel. In einer groß angelegten Umfrage über weltweit rund 3.400 Patienten zeigte sich nun, dass – trotz gutem Zugang zu einer Chelat-Therapie – 42,3 Prozent der Patienten bereits eine moderate bis starke Eisenüberladungen im Myokard, bestimmt durch die T2* kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (CMR), hatten. Der breitere Einsatz dieser Untersuchungsmethode könnte künftig dazu beitragen, die kardiale Eisenüberladung und damit Patienten mit einem erhöhten Risiko für kardiale Komplikationen rechtzeitig zu erkennen, hieß es dazu bei EHA.

Eisenmangel. Fatigue infolge eines

Eisenmangels ist ein häufiges gesundheitliches Problem unter Frauen im gebärfähigen Alter. Durch eine Einzelinjektion eines Eisen-Carboxymaltose-Komplexes lässt sich bei nicht anämischen Frauen mit moderater bis schwerer Fatigue ein Therapieerfolg erzielen. Dies ist das Resultat einer von Dr. Michael Hedenus (Sundsvall Hospital, Schweden) vorgestellten Studie mit 294 Frauen. Fatigue-assoziierte Sym-

EHA-Kongresses wurde der Myelom-Spezialist Prof. Dr. Jesús San Miguel (Leiter der Hämatologischen Abteilung der Universitätsklinik in Salamanca) mit dem José-Carreras-Preis geehrt. Für sein Lebenswerk und Fortschritte in der Hämatologie erhielt Prof. Dr. Laurent Degos den „Jean Bernard Lifetime Achievement Award“. Er hat wesentlich zur Erforschung der akuten Promyelozytenleukämie beigetragen. <


 ASCO 2012/EHA 2012 12

DASATINIB (SPRYCEL®)

Schnellere und tiefere MR Eine anhaltende tiefe molekulare Remission (MR) gilt nach jüngsten Erkenntnissen als die wahrscheinlich beste TexT DR. SUSANNE BILLICH Voraussetzung für ein vorübergehendes oder gar dauerhaftes Absetzen der Therapie.

Gute Verträglichkeit, weniger Behandlungsunterbrechu ngen. Zum Zeitpunkt 36 Monate erhiel-

zur Heilung

krebs:hilfe! sprach beim ASCO mit Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Universitätsklinikum Jena, Deutschland, über die möglichen Konsequenzen von DASISION. krebs:hilfe!: Wie beurteilen Sie die vorliegenden Studiendaten aus Ihrer Sicht als Kliniker? Hochhaus: Generell gelten die besseren Ergebnisse gegenüber Imatinib in der Erstlinientherapie der CML gleichermaßen für Dasatinib und Nilotinib. Zur Effektivität ist zu sagen, dass beide Zweitgenerationsinhibitoren zu rascheren und tieferen Remissionen führen. Außerdem sind Übergänge in die akzelerierte Phase oder Blastenkrise deutlich reduziert.

erwähnen, die jedoch in späteren Therapiejahren seltener auftreten. Zu möglichen Langzeitnebenwirkungen von Dasatinib gibt es inzwischen Sechs-Jahres-Daten aus der Zweitlinientherapie, die die Langzeitverträglichkeit und Sicherheit demonstrieren.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten für die CML-Therapie? Hochhaus: „Wegen Grundsätzlich stehen heute drei Therapieoptionen zur des rascheren AnVerfügung – Dasatinib, Imatinib und Nilotinib. Die Zweitsprechens erscheinen für Zweitgeneragenerationsinhibitoren führen zu tieferen molekularen tionsinhibitoren kürRemissionen und haben daher das Potenzial für ein konzere Behandlungszeitrolliertes Absetzen der Therapie. Dazu sind in Europa ten möglich.“ Studien geplant. Unter genau definierten Bedingungen werden die notwendige Therapielänge sowie die Dauer und Tiefe Wie bewerten Sie das Nebenwirkungsprofil von Dasatinib im der molekularen Remission für ein sicheres Absetzen der Therapie Kontext mit anderen möglichen Therapien? untersucht. Wegen des rascheren Ansprechens erscheinen für Bei Imatinib stehen die Neigung zu Ödemen und Muskelkrämpfen Zweitgenerationsinhibitoren kürzere Behandlungszeiten möglich, im Vordergrund. Hier gibt es eine Tendenz zur Verbesserung mit was die Kosten reduzieren könnte. Außerdem untersuchen mehrere beiden derzeit zugelassenen Zweitgenerationsinhibitoren. Bei Daklinische Studien derzeit auch Kombinationstherapien. satinib sind vor allem im ersten Behandlungsjahr Pleuraergüsse zu krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 64

ten noch 71 Prozent der Patienten unter Dasatinib und 69 Prozent unter Imatinib die jeweilige Studienmedikation. Hauptgründe für ein Abbrechen der Therapie waren eine Progression (je sieben Prozent in beiden Armen), ein Therapieversagen (drei bzw. fünf Prozent) oder nicht tolerable Nebenwirkungen (elf bzw. sechs Prozent). Laut Studienprotokoll wurden auch diejenigen Patienten, die die Behandlung mit Imatinib oder Dasatinib abgebrochen hatten, in Bezug auf progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben weiter verfolgt.

FoTo: SUSANNE BILLICH

 Potenzial

chenmarkanalyse definiert war. Dasatinib erreichte in der Ein-Jahres-Analyse eine gegenüber Imatinib verbesserte, durch Doppelbestimmungen bestätigte CCyRRate (77 vs. 66 Prozent, p=0,0067). Ein weiterer Endpunkt war das „major“ molekulare Ansprechen (MMR), definiert als ≤0,1 Prozent BCR-ABL-Transkripte. Bei der Ein-Jahres-Auswertung erreichten diesen Endpunkt 46 vs. 28 Prozent (p<0,0001). Basierend auf der DASISIONStudie wurde Dasatinib im Dezember 2010 zur Erstlinientherapie der CML zugelassen. Beim heurigen ASCO wurde die aktuelle Drei-Jahres-Auswertung von DASISION präsentiert (Hochhaus et al., Abstract 6504).

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

In der Erstlinientherapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) haben sich Zweitgenerations-Tyrosinkinasehemmer wie Dasatinib und Nilotinib gegenüber Imatinib als deutlich wirksamer erwiesen. In der Phase-III-Studie DASISION bei 519 neu diagnostizierten CMLPatienten in der chronischen Phase zeichnete sich die Überlegenheit von Dasatinib (100mg einmal täglich) gegenüber Imatinib (400mg einmal täglich) bereits in der Zwölf-Monats-Auswertung ab (Kantarjian et al., New Engl J Med 2010). Primärer Endpunkt war die Rate an vollständigen zytogenetischen Remissionen (CCyR), die als Abwesenheit von Ph+-Metaphasen in 20 Metaphasen in der Kno-


13

Überlegene Wirkung Ú Transformation einer CML in die akzelerierte Phase/Blastenphase im Laufe von drei Jahren von Dasatinib. Der Trend,

Weniger Transformationen unter Dasatinib. In einer „Intention to

30

28%

20

22% 18%

10

12%

5% ZeIt (IN MONAteN)

0

12

24

36

ANteIL PAtIeNteN MIt MR4,5 (IN PROZeNt)

ANteIL PAtIeNteN MIt MR4 (IN PROZeNt)

ANZAHL PATIENTEN (n)

Quelle: Hochhaus et al.; ASCO 2012, oral abstract session, Abstract 6504 mit Dasatinib ein im Vergleich zu Imatinib schnelleres und tietreat“-Analyse traten im Dasati20 ■ Imatinib 400mg ■ Dasatinib 100mg feres Ansprechen zu erreichen, nib-Arm weniger Transformaeinmal täglich einmal täglich setzte sich auch in der Drei-Jahtionen auf als im Imatinib15 res-Analyse fort. „Patienten unArm, insgesamt acht versus 13 16 ter Dasatinib hatten zu jedem Fälle (siehe Balkendiagramm). 13 Zeitpunkt eine 1,6-fach höhere „Auch bei den nachbeobachte10 11 Wahrscheinlichkeit, eine MMR ten Patienten, die bereits keine zu erreichen, als jene unter ImaStudienmedikation mehr er8 5 tinib“, stellte Prof. Dr. Andreas hielten, war die TransformatiHochhaus, Jena, klar. Zwischen onsrate unter Dasatinib niedrider Zwei- und der Drei-Jahresger“, hob Hochhaus hervor. Auswertung stieg die kumulatiN 259 260 259 260 Im Studienzeitraum Insgesamt über drei Jahre (ITT)* ve MMR-Inzidenz weiter an, Mehr tiefe moleku* jährliche Evaluierungen nach Absetzen der Therapie sind im Studienprotokoll vorgesehen von 46 auf 55 Prozent für Imatilare Remissionen. Die N=Studienteilnehmer, ITT=Intention to treat nib bzw. von 64 auf 68 Prozent Qualität des molekularen Anfür Dasatinib. „Dasatinib erwies sprechens ist von klinischer sich zudem bei allen Hasford-RisikogrupGesamtüberleben korrelierte. In DASISIRelevanz hinsichtlich einer potenziellen pen gegenüber Imatinib überlegen“, so ON hatten nach drei Monaten deutlich Heilung. Eine Abnahme der BCR-ABLHochhaus, „auch bei den Hochrisikopatimehr Patienten im Dasatinib-Arm einen Transkripte um vier Log-Stufen (MR4, enten“. In der Hochrisikogruppe betrug die Anteil an BCR-ABL-Transkripten von zehn BCR-ABL-Spiegel ≤0,01 Prozent) oder eiMMR-Rate zum Zeitpunkt drei Jahre 61 vs. Prozent oder weniger (84 vs. 64 Prozent ne Log4,5-Reduktion (MR4,5, BCR-ABL43 Prozent. unter Imatinib). In einer MeilensteinanaSpiegel von ≤0,0032 Prozent) spiegeln belyse entsprechend dem BCR-ABL-Transsonders tiefe molekulare Remissionen Frühe molekulare Remission kriptanteil zum Zeitpunkt drei Monate wider. „MR4,5 bedeutet, dass die BCR-ABLprognostisch günstig. Von be- zeigten die Patienten mit einem Spiegel Transkripte unter der Nachweisgrenze von zehn Prozent oder weniger ein signifiliegen“, erläuterte Hochhaus. sonderem klinischem Interesse ist das kant höheres Drei-Jahres-Überleben als die Zum Ein-Jahres-Zeitpunkt hatten mehr frühzeitige molekulare Ansprechen, da mit einem Spiegel über zehn Prozent (95,9 als doppelt so viele Patienten unter Dasadieses in Imatinib- und Dasatinib-Studien vs. 85,9 Prozent im Dasatinib-Arm und 96 tinib als unter Imatinib eine MR4 (zwölf mit einem dauerhaftem Ansprechen bzw. vs. 88 Prozent im Imatinib-Arm). besserem progressionsfreiem und besserem vs. fünf Prozent). Der Anteil an Patienten mit MR4 stieg bis zur Drei-Jahres-Auswertung in beiden Armen stetig weiter an, Ú DASISION: Kumulative Inzidenz einer Log4- bzw. auf 35 Prozent unter Dasatinib und 22 Log4,5-Reduktion (MR4 bzw. MR4,5) Prozent unter Imatinib (siehe Grafik). Quelle: Hochhaus et al.; ASCO 2012, oral abstract session, Abstract 6504 Fast doppelt so viele CLM-Patienten in ■ Dasatinib 100mg, einmal täglich ■ Imatinib 400mg, einmal täglich der Dasatinib-Gruppe erreichten zum 40 40 Drei-Jahres-Zeitpunkt eine MR4,5 (22 vs. 12 Prozent). 35% p=0,00635 p=0,00069 30

4:2012

22%

20 17% 10

12% 9%

3% 2% ZeIt (IN MONAteN)

0

MR4 =Molekulare Remission mit ≤0,01% BCR-ABL-transkripten MR4,5 =Molekulare Remission mit ≤0,0032% BCR-ABL-transkripten

krebs:hilfe!

Therapiestopp möglich? Dau-

12

24

36

erhafte tiefe molekulare Remissionen (MR4,5) können ein Absetzen des Tyrosinkinasehemmers ermöglichen, wie in den Studien STIM (STop IMatinib) und CML8 gezeigt wurde. Analoge Absetzstudien wie die EURO-SKI-Studie sind in Vorbereitung. <

Mit freundlicher Unterstützung von BMS


 EHA 2012 14

NilotiNib (tAsigNA®)

Die bessere Option bei CML Beim EHA-Kongress vorgestellte Daten belegen die Vorteile eines Therapiestarts mit dem Zweitgenerationstyrosinkinasehemmer Nilotinib bzw. einer Umstellung von Imatinib auf Nilotinib. Denn doppelt so viele Patienten erreichen TexT MAg. CHRistiNA lECHNER damit eine tiefe molekulare Remission.

BCR-ABL rascher gesenkt. Ei-

zeitraum von drei Jahren erreichen 50 Prozent der Patienten unter Nilotinib (2x 300mg) ein tiefes molekulares Ansprechen, definiert als eine Reduktion von BCRABL um 4 log (MR4); es sind damit doppelt so viele wie unter Imatinib (26 Prozent; p<0,0001; Clark et al.; Abstract 0583). Eine noch bessere molekulare Therapieantwort (MR4,5) stellt sich bei 32 Prozent unter Nilotinib (2x 300mg) vs. bei 15 Prozent unter

ne weitere beim EHA vorgestellte Auswertung der ENESTnd-Studie (Hochhaus et al.; Abstract 0584) verdeutlicht die prädiktive Aussagekraft der Reduktion von BCR-ABL innerhalb der ersten drei Monate nach Therapiebeginn unter zehn Prozent. Zur Untersuchung dieser Fragestellung wurde 2x 300mg Nilotinib mit 1x 400mg Imatinib verglichen. Mit Nilotinib erreichen 91 Prozent der Patienten BCR-ABLSpiegel unter zehn Prozent, mit Imatinib je-

Nach den aktuellen ENESTnd-Daten kann Nilotinib die bisher erreichten Therapieerfolge bei chronisch myeloischer Leukämie (CML) weiter verbessern. Imatinib ein (p=0,0003). Dieses Ergebnis ist unabhängig von Alter oder Risikostratifizierung nach dem Sokal-Score. Deutlich geringer ist darüber hinaus die Progressionsrate unter Nilotinib, wo je nach Dosierung nur zwei bzw. drei Patienten bislang in eine akzelerierte Phase ka-

doch nur 67 Prozent. Damit korrelieren wiederum bessere Resultate beim progressionsfreien sowie beim Gesamtüberleben. Bei BCR-ABL nach drei Monaten von ein bis zehn Prozent beträgt unter Nilotinib die Rate des progressionsfreien Überlebens 96,5 Prozent nach drei Jahren, bei BCR-ABL von

Vorteil durch einen Switch auf Nilotinib. Basierend auf den Er-

kenntnissen, dass Patienten unter Nilotinib raschere bzw. tiefere molekulare Ansprechraten erreichen, wurde die ENESTcmr-Studie geplant. Hier wurden Patienten nach zumindest zwei Jahren Behandlung mit Imatinib (400 oder 600mg) und einer kompletten zytogenetischen Remission (BCRABL weniger als ein Prozent) sowie detektierbarem BCR-ABL auf Nilotinib umgestellt bzw. weiter mit Imatinib behandelt (Cervantes et al.; Abstract 0586). Nach einem Jahr Behandlung erreichen mit 33 gegenüber 16,5 Prozent doppelt so viele Patienten mit Nilotinib innerhalb eines Jahres ein sehr tiefes molekulares Ansprechen (MR4,5) als unter Imatinib. Das tiefe molekulare Ansprechen ist mit Nilotinib dabei unabhängig vom Ausgangswert, denn 25 Prozent der Patienten, die zum Zeitpunkt der Randomisierung kein „major“ molekulares Ansprechen aufgewiesen hatten, erreichten mit Nilotinib eine MR4,5, unter Imatinib dagegen nur 3,6 Prozent. Dieses Ergebnis ist von großer Relevanz. Denn Patienten mit einer tiefen molekularen Therapieantwort könnten künftig in Studien eingeschlossen werden, die eine mögliche Unterbrechung der Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer untersuchen. < Mit freundlicher Unterstützung von Novartis Pharma GmbH krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 65

Ein tiefes molekulares Ansprechen. Nach einem Beobachtungs-

über zehn Prozent hingegen nur 82,9 Prozent. Die Rate des Gesamtüberlebens liegt dementsprechend bei 98,8 bzw. 86,7 Prozent bei BCR-ABL nach drei Monaten von ein bis zehn bzw. über zehn Prozent.

AT1207044982

men, unter Imatinib dagegen zwölf. Dabei traten im dritten Behandlungsjahr keine Progressionen auf. Die Überlegenheit von Nilotinib spiegelt sich zudem in der Gesamtüberlebensrate wider: Sie ist in Bezug auf CML-bedingte Todesfälle unter Nilotinib signifikant höher als unter Imatinib (98,1 bzw. 98,5 vs. 95,2 Prozent). Nilotinib wurde gut vertragen, und das Nebenwirkungsprofil blieb über die Jahre unverändert. Insgesamt, so die Autoren, unterstützen die Drei-Jahres-Daten damit die Überlegenheit von Nilotinib bei Patienten mit neu diagnostizierter CML.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Als Tyrosinkinasehemmer der zweiten Generation kann Nilotinib die bisher mit Imatinib erreichten Therapieerfolge bei Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML) weiter verbessern. Dies zeigen unter anderem die bei der Konferenz der European Hematology Association (EHA) heuer vorgestellten aktuellen Daten aus ENESTnd. In dieser dreiarmigen Studie wird Nilotinib (2x 300mg bzw. 2x 400mg pro Tag) mit Imatinib (1x 400mg pro Tag) verglichen. Insgesamt 846 Patienten in 35 Ländern nehmen an der Studie teil, die volle Studiendauer beträgt zehn Jahre.


 ChronisCh MyeloisChe leukäMie 15

nilotinib (tasigna®)

Rasches molekulares Ansprechen

ENTGELTLiCHE EiNSCHALTUNG

FOTO: PrivAT

AT1206043230

Fachkurzinformation siehe Seite 65

Mit den Tyrosinkinasehemmern der zweiten Generation erreicht ein Patient mit chronisch myeloischer Leukämie TexT Mag. Christina leChner (CML) bereits nach sechs Monaten ein tiefes molekulares Ansprechen. komplette hämatologische Re­ zent IS (International Scale). Somit wur­ Ein 60 Jahre alter Patient wird mission vor (normale Leukozy­ de bei diesem Patienten bereits nach mit Verdacht auf essenzielle ten­ sowie Thrombozytenwer­ sechs Monaten das Ziel eines tiefen mole­ Thrombozytämie an die Onkolo­ te). Die Nebenwirkungen be­ kularen Ansprechens (Reduktion von gische Ambulanz am Landeskli­ schränkten sich auf passager auf­ BCR­ABL um 4 log = MR4) und damit nikum Hollabrunn überwiesen. Leitner: „Zufrieden„Die erste Laboruntersuchung er­ heit mit der therapie tretende Lumbago. Zunächst BCR­ABL <0,01 Prozent, erreicht. Dieses aufgetretene Parästhesien sistier­ gab eine massive Thrombozytose und die Compliance Ziel entspricht auch dem primären End­ konnten im therapieten vollkommen, und Ödeme (1.144.000/µl), ebenso war die verlauf gefestigt punkt der ENEST1st–Studie. Allerdings traten ebenfalls nicht auf. „Als LDH deutlich erhöht, und es be­ werden.“ war die Studie auf einen Zeitraum von 18 einzige für den Patienten we­ stand eine Leukozytose (38.000/ Monate zum Erreichen des Endpunktes sentliche Nebenwirkung kam es zu Be­ µl), wobei sich im Differenzialblutbild Pro­ ausgelegt. ginn der Therapie zu Kopfschmerzen so­ myelozyten, Myelozyten sowie Metamyelo­ wie zu leichter Übelkeit nach Einnahme.“ zyten zeigten. Eosinophile und Basophile Hohe Wirksamkeit bei ande­ lagen im Normbereich“, berichtet der lei­ rer Patientin bestätigt. Auch bei tende onkologische Oberarzt Dr. Wolfgang Die BCR­ABL­Bestimmung einer zweiten, neu diagnostizierten CML­ Leitner. „Zudem war in der klinischen Un­ Patientin konnte die Therapie mit Niloti­ nach drei Monaten bestätigte das außerge­ tersuchung die Milz etwa zwei Zentimeter nib begonnen werden. „In ähnlicher Wei­ wöhnlich gute Ansprechen (Abfall auf unter dem Rippenbogen tastbar.“ se erreichte diese Patientin rasch ein kom­ 0,047 Prozent) – laut Leitner bestand da­ „Die Beckenkammbiopsie inklusive mo­ plettes hämatologisches Ansprechen, und mit schon zu diesem Zeitpunkt ein „ma­ lekularer Diagnostik ergab die Diagnose nach insgesamt drei Monaten sank das jor“ molekulares Ansprechen. „In den fol­ einer CML in der chronischen Phase, wo­ BCR­ABL von 66,064 auf 0,116 Prozent. Es genden Monaten nahmen die Nebenwir­ bei die quantitative BCR­ABL­Bestim­ ist zu erwarten, dass auch bei dieser Patien­ kungen weiter ab, dadurch stieg die Zu­ mung laut internationalem Standard ei­ tin bei der nächsten Kontrolle ein moleku­ friedenheit mit der Therapie, und die nen Wert von 39,1 Prozent BCR­ABL/ABL lares Ansprechen von mindestens MR4,0 Compliance konnte im Therapieverlauf ergab“, ergänzt Leitner. Laut Hasford­Score gefestigt werden“, schildert Leitner. eintreten wird“, meint Leitner. < lag eine „Low­risk“­, nach dem Sokal­Score Nach weiteren drei Monaten gab es wei­ eine „High­risk“­Situation vor. terhin hämatologisch keine Veränderun­ Mit freundlicher Unterstützung von Novartis gen; das BCR­ABL fiel bis auf 0,009 Pro­ Pharma GmbH. Therapie mit Nilotinib. „Auf­ grund der vorliegenden guten Daten aus  evidenzlage zu nilotinib klinischen Studien mit Nilotinib leiteten wir die Therapie ein, die Dosierung betrug nach der einführung von imatinib zeigen tyrosinkinasehemmer der zweiten generation insgesamt 600mg pro Tag“, berichtet Leit­ wie nilotinib eine weitere Verbesserung des ansprechens bei der CMl: so wurde in der ner. „Erfreulicherweise zeigte sich schon studie von larson et al. (leukemia advance online publication, 15 June 2012; nach 14 Tagen ein gutes hämatologisches doi:10.1038/leu.2012.134) unter nilotinib bei 55 Prozent der Patienten nach zwölf MoAnsprechen mit einem deutlichen Abfall naten ein „major molecular response“ (MMr, bCr-abl < 0,1 Prozent) erzielt, unter imader Leukozyten auf 12.270/µl bei vollkom­ tinib nur bei 27 Prozent. im Follow-up der enestnd-studie erreichten nach drei Jahren men normalem Differenzialblutbild ohne 50 Prozent der Patienten in der nilotinib-gruppe ein tiefes molekulares ansprechen Vorstufen. Die Thrombozyten waren zu (Mr4,0), in der imatinib-gruppe waren es 26 Prozent. Das gesamtüberleben für die CMldiesem Zeitpunkt auf 918.000/µl gefallen.“ bedingten todesfälle liegt nach drei Jahren unter nilotinib mit 98,1 Prozent signifikant Einen Monat nach Therapiestart lag eine höher als unter imatinib (95,2 Prozent). krebs:hilfe!

4:2012


 Krebs und IntensIvmedIzIn 16

Deutliche Prognoseverbesserung Nicht operative Krebspatienten auf einer „Intensive Care Unit“ (ICU) sind ein wichtiges Thema für Betreuer und Betroffene im klinischen Alltag. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über häufige und spezifische Problemstellungen TexT Ass.-Prof. dr. Peter schellongowsKI und unIv.-Prof. dr. thomAs stAudInger und macht auf eine neue Initiative aufmerksam.

Prognose. Noch vor ein bis zwei Jahrzehnten lag das ICU-Überleben von Krebspatienten mit Zwei- und Mehrorganversagen bei teilweise katastrophalen zehn bis 20 Prozent. In der Zwischenzeit konnte eine dramatische Verbesserung der Prognose erreicht werden. Einzelne (spezialisierte) Zentren berichten mittlerweile sogar ICU-Überlebensraten von knapp 70 Prozent bei Patienten mit invasiver Beatmung und Mehrorganversagen. Diese Entwicklung ist einerseits der verbesserten Patientenselektion geschuldet,

andererseits haben allgemeine Fortschritte im Management von Organdysfunktionen, ein erweitertes Wissen um die Diagnose und Therapie spezifischer Komplikationen des kritisch erkrankten Krebspatienten sowie neue onkologische und infektiologische Therapieoptionen zu einer Verbesserung der Prognose beigetragen. Etliche „traditionelle“ Prognosefaktoren, wie etwa das Vorliegen einer Neutropenie bei Sepsis, eine rezente Chemotherapie oder eine stattgehabte autologe Blutstammzelltransplantation haben keinen Einfluss auf das ICU-Überleben. Letzteres hängt grundsätzlich von Alter, Komorbiditäten, Performance-Status und dem Ausmaß der kritischen Erkrankung bzw. der Organdysfunktionen ab, nicht jedoch von den Charakteristika der malignen Grunderkrankung. Diese bestimmen den Langzeitverlauf und müssen bei der Entscheidung für oder gegen eine ICU-Aufnahme berücksichtigt werden (siehe „Vorschlag für Aufnahmekriteri-

 neue Arbeitsgruppe: „hämato-onkologische Intensivmedizin“ die Österreichische gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und notfallmedizin (ÖgIAIn) möchte durch die gründung der „Arbeitsgruppe für hämato-onkologische Intensivmedizin“ auf diesem gebiet Interessierte zusammenbringen, um klinischen Informationsaustausch und zukünftige forschungstätigkei ten zu ermöglichen und zu fördern. eine erste gemeinsame, sehr gut angenommene nucleus-sitzung mit Kollegen aus deutschland fand im rahmen der „44. gemeinsame Jahrestagung der dgIIn und der ÖgIAIn“ am 6. Juni 2012 in Köln statt. es wurde eine länderübergreifende Kooperation vereinbart. ziele für die kommenden monate sind es, ein Informationsangebot im Internet zu schaffen und konkrete wissenschaftliche Projekte auszuformulieren. das nächste informelle Arbeitstreffen wird im rahmen der dgho-Jahrestagung in stuttgart (19.–23. oktober 2012) stattfinden. Im vorfeld wird es in wien ein treffen für Kolleginnen und Kollegen aus Österreich geben. Klinisch und/oder wissenschaftlich Interessierte sind herzlich zur teilnahme an beiden veranstaltungen und zur Kontaktaufnahme mit den Autoren eingeladen! Info: www.intensivstation13i2.meduniwien.ac.at

en“). Es finden sich die im Folgenden beschriebenen häufigen Krankheitsbilder.

Respiratorische Insuffizienz. Das akute respiratorische Versagen (ARV) ist der mit Abstand häufigste ICU-Aufnahmegrund bei Krebspatienten. Es besitzt prognostische Relevanz und weist etliche diagnostische und therapeutische Besonderheiten auf. Dem zumeist hypoxischen ARV (PaO2/FiO2-Ratio <200) gehen – vor allem bei hämatologischen Patienten – oftmals frühzeitig sogenannte „respiratory events“ voraus: Infiltrate im C/P-Röntgen, Tachypnoe, Husten, Sputum, Rasselgeräusche, Thoraxschmerzen und Hämoptysen korrelieren mit erhöhten Intubations- und Mortalitätsraten. Die Identifizierung der ARV-Ursache hat prognoseverbessernde Relevanz und sollte durch Anwendung eines evidenzbasierten nicht invasiven Diagnose-Algorithmus in Kombination mit einer broncho-alveolären Lavage durchgeführt werden (siehe Tabelle). Der frühzeitige (!) Einsatz einer nicht invasiven unterstützenden Beatmung (NIV, d.h. druckunterstützte Beatmung mit positivem krebs:hilfe!

4:2012

FOTOs: BarBara KrOBaTh, PrivaT

Durchschnittlich jeder siebente Patient einer Europäischen Intensivstation (ICU) leidet an einer malignen Grunderkrankung. „Intensivmedizinische Maßnahmen in der Hämatologie und Onkologie sowie bei immunsupprimierten PatientInnen erfordern eine besondere Expertise“, sagt Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien.


17 end-expiratorischem Druck über eine dicht sitzende Maske oder einen Helm) bei Krebspatienten, die unter O2-Insufflation Ruhedyspnoe, Tachypnoe (Atemfrequenz >30/min) oder Fieber o.g. Oxygenationskriterien erfüllen, reduziert im Vergleich zur konventionellen O2-Insufflation Intubationsrate, ICU- und Krankenhausmortalität. Da ein ARV bei Krebspatienten häufig die Entstehung einer Multiorgandysfunktion ankündigt, sollte es zum umgehenden Transfer an eine ICU führen. Auch beim fortgeschrittenen beatmungspflichtigen ARV dürfte die NIV als primäre Beatmungsform im Gegensatz zur invasiven Beatmung Überlebensvorteile bieten. Um ein NIV-Versagen mit sekundärer Intubation und hohen Mortalitätsraten (80 bis 90 Prozent) zu vermeiden, sollte bei ARDS, Katecholaminpflichtigkeit, Multiorganversagen, unbekannter Ätiologie des ARV, Atemwegsbefall durch das Malignom, Intoleranz der NIV, fehlender Besserung der Blutgase innerhalb von sechs Stunden oder einer Abhängigkeit von der NIV für mehr als drei Tage die endotracheale Intubation erwogen werden.

 nicht invasive diagnostik bei Krebspatienten mit akutem

respiratorischem versagen

Probe/Methode

Ziel

röntgen und ct

thorax

echokardiographie

Ausschluss eines kardialen lungenödems

sputum-Kultur (induziert)

bakterien, Pilze, tuberkulose (Pneumocystis jiroveci)

nasopharyngeales Aspirat

Influenza A/b, Parainfluenza, respiratory syncytial virus, Adenoviren

blutkulturen

bakterien, Pilze

virus-Pcr

herpes-viren, cytomegalie

serologie

chlamydia pneumoniae, mycoplasma pneumoniae, legionella pneumophila

zirkulierendes galactomannan urin-Antigene

Aspergillus legionella pneumophila, streptococcus pneumoniae Quelle: nach Azoulay et al., Am J Respir Crit Care Med 2010;

sel des zentralen Venenkatheters, die erfolgreiche Identifizierung eines Erregers, sowie möglicherweise die Kombination eines Pseudomonas-wirksamen β-Laktams mit einem Aminoglykosid mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Im Gegensatz dazu ist ein erhöhtes Ausmaß an Organdysfunktionen, die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung, ein pulmonaler Infektionsfokus und eine Pilzinfektion mit schlechtem Überleben assoziiert.

Sepsis. Das Risiko für das Auftreten septischer Komplikationen ist bei Krebspatienten bis zu zehnfach erhöht. Die Mortalität der Betroffenen unterscheidet sich jeWeitere spezifische Krankdoch nicht von Patienten ohne Krebserheitsbilder. Etwa jeder dritte krankung, auch dann nicht, Krebspatient bietet während des wenn eine Neutropenie vorliegt ICU-Aufenthaltes eine Malioder rezent eine Chemotherapie gnom-spezifische Komplikativerabreicht wurde. Betroffene on: Arzneimittelreaktionen sollten nach den jeweils geltennach Immuno- oder Chemotheden Sepsisleitlinien behandelt rapie, Tumorlyse- oder HyperZielinski: „Intensivwerden. Die antimikrobielle medizinische maßviskositätssyndrom, thrombotiTherapie neutropenischer Pati- nahmen in der häsche Mikroangiopathie, obere matologie und onkoenten mit Sepsis entspricht der logie sowie bei imEinflussstauung, maligne Atemmunsupprimierten des neutropenischen Fiebers, es wegsobstruktion, KMT-assoziPatientInnen erforsei denn, ein manifester oder sus- dern eine besondere ierte Komplikationen oder klipizierter Fokus erfordert eine expertise.“ nisch bedeutsame (z.B. zerebraModifikation, z.B. bei Vorliegen le) Metastasen. Außerdem treten eines pneumonischen Infiltrates. Für den bei Krebspatienten gehäuft unspezifische häufig praktizierten Einsatz von G-CSFKrankheitsbilder wie Hyperkalziämie, Präparaten besteht in dieser Indikation Elektrolytstörungen beim Syndrom der keine Evidenz (siehe Links). inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), Bei neutropenischen Patienten ohne SepBlutungen und thrombotische Komplikasisfokus ist die Entfernung oder der Wechtionen auf. krebs:hilfe!

4:2012

Vorschlag für Aufnahmekriterien. Ein internationaler Experten-

konsensus empfiehlt unter Berücksichtigung der bestehenden Evidenz (Azoulay et al., Ann Intensive Care, 2011): „Full-Code Management“ ohne Einschränkungen bei: Remission der Krebserkrankung, neu diagnostizierte therapienaive Malignome mit guter Lebenserwartung (>1 Jahr), Vorhandensein eines kurativen Therapieansatzes (zum Beispiel hämatologische Erkrankungen unter Induktionsoder Konsolidierungstherapie), Komplikationen der autologen KMT, niedrig-maligne hämatologische Erkrankungen (in ausgewählten Fällen), partielle Remission bei Myelom, fortgeschrittene solide Tumorerkrankungen, sofern eine onkologische Therapiemöglichkeiten mit der Option auf Langzeitüberleben besteht. „ICU-Trial“, also ein initiales „Full-Code Management“ gefolgt von einer Re-Evaluation der intensivmedizinischen Behandlungsindikation, wenn die oben genannte Kriterien nicht erfüllt werden, jedoch lebensverlängernde Therapieoptionen vorhanden sind. In diesen Fällen werden erst nach dem dritten ICU-Tag Unterschiede in den Verläufen zwischen Überlebenden und Nichtüberlebenden klinisch evident. Einen solchen Patienten auf die ICU aufzunehmen, um ihn „für ein bis zwei Tage anzuschauen“, ist also eine denkbar ungeeig-


 Krebs und IntensIvmedIzIn 18

Fazit.

Krebserkrankungen stellen eine häufige Krankheitsentität auf der ICU dar. Die Prognose der Betroffenen hat sich erheblich verbessert. Bei Aufnahmeentscheidungen, Abschätzung des Kurz- und Lang-

zeitüberlebens sowie der Therapieführung sind spezifische Kenntnisse und eine exzellente Kommunikation zwischen Intensivmedizinern und Onkologen bzw. Hämatologen notwendig. Im Lichte der bestehenden Evidenz ist die historisch praktizierte pauschale Zurückhaltung bei der intensivmedizinischen Behandlung von Krebspatienten nicht zu rechtfertigen. < Literatur bei den Verfassern www.dgho-infektionen.de www.infektionsnetz.at Ass.-Prof. Dr. Peter Schellongowski (korrespondierender Autor) Univ.-Prof. Dr. Thomas Staudinger Intensivstation 13i2, Universitätsklinik für Innere Medizin I Medizinische Universität Wien

01/04.2012

Ungeklärte Fragen. Langzeitergebnisse bei ICU-Überlebenden und insbeson-

dere qualitative Ergebnisse zu Parametern wie Lebensqualität und Funktionalität liegen nicht vor. Bessere Daten hierzu könnten bei Patienten, Angehörigen, Pflegern und Kollegen das Vertrauen in getätigte Aufnahme- und Therapieentscheidungen stärken. Unter anderem unklar ist auch, wie effektiv Intensivmediziner und Hämatologen bzw. Onkologen kommunizieren und beispielsweise wie der Übergang von der Intensiv- zur Palliativmedizin optimiert werden kann. Etliche weitere Fragen im Zusammenhang mit kritisch erkrankten Krebspatienten sind bis dato nicht geklärt und zum Teil Gegenstand laufender Untersuchungen.

FOTOs: PrivaT

nete Strategie. Therapiebegrenzungen oder -rückzüge sollten bei diesen Patienten nicht vor dem dritten ICU-Tag getroffen werden. Bemerkenswerterweise überleben Patienten in dieser Gruppe Therapieintensivierungen (Intubation, Nierenersatztherapie, Vasopressoren) nach dem dritten ICU-Tag in der Regel nicht. Keine forcierte Intensivtherapie bei Patienten, für die keine lebensverlängernde onkologische Therapieoption besteht, die nach einer allogenen Knochenmarktranstransplantation eine unkontrollierte oder refraktäre Graft-versus-Host-Disease bieten, für die unter laufender onkologischer Therapie eine schlechte Lebenserwartung (<1 Jahr) besteht, die innerhalb der letzten drei Monate überwiegend bettlägerig waren oder die eine Intensivtherapie ablehnen.

Stark und schnell gegen Schmerzen.

NE

ab 1.05 U . 2012: Oxyge rola ®

Oxygerolan : ®

Retard an 5 mg tablett en

• Starkes Opioid der WHO-Stufe III • Retardtabletten zur anhaltenden Behandlung von starken Schmerzen1 • Filmtabletten zur Behandlung von Durchbruchschmerzen1

Beide Formen in der

grünen Box!

P Fachkurzinformation siehe Seite 64

1

Austria Codex Fachinformation


 OnkOpedia 19

Das Onkopedia-Projekt

FOTO: BarBara KrOBaTh

In einer Kooperation der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie entsteht eine Online-Sammlung deutscher Leitlinien für die Krebstherapie und -diagnostik. Erklärtes Ziel ist es, sie TexT dR. SUSanne BiLLiCH frei zugänglich und stets aktuell zu halten. Leitlinien für Europa. AllerUniv.-Prof. Dr. Günther Gastl, dings entsprechen diese nicht Innsbruck, demonstrierte in seiimmer den in einem Land gelnem Vortrag bei der diesjährigen tenden Gegebenheiten, zum Frühjahrstagung der ÖsterreichiBeispiel bezüglich der Zulasschen Gesellschaft für Hämatosung von Medikamenten. „Wir logie & Onkologie (ÖGHO) die Gastl: „Leitlinien brauchen deshalb lokal angeWissensexplosion in der Onkolo- sind Richtschnur, passte Leitlinien“, betonte Gastl. gie. „Die Sucheingabe ‚cancer‘ nicht Zwang.“ Diese müssen regelmäßig akund ‚therapy‘ in der NCBI-Datualisiert werden, denn „ohne regelmäßitenbank liefert jeden Monat rund 1.800 ge Updates sind Leitlinien wertlos“. neue Publikationen.“ Man nehme das Beispiel Lungenkrebs: Mit der Suchanfrage „lung cancer“ plus „pathology“ erscheinen Steuerelement im Gesundin der NCBI-Datenbank insgesamt ca. heitswesen. Die Leitlinie spiegelt 76.000 Treffer, „lung cancer“ plus „surgery“ den derzeitigen Wissensstand wider und bzw. „lung cancer“ plus „chemotherapy“ unterstützt Arzt und Patient in der Entliefern 57.000 bzw. 50.000 Artikel. Radioscheidungsfindung. Die Leitlinie ist aber logie und Radiotherapie tragen mit 28.000 auch ein Steuerelement im Gesundheitsbzw. 20.000 Treffern zur Publikationsflut wesen, um Über-, Unter- oder Fehlversorbei. „Dieser multidisziplinäre publikatorigung zu vermeiden. Ferner bildet sie eine sche Output kann vom Einzelnen nicht Rechtsbasis für die Behandlung. „Leitlinimehr bewältigt werden“, folgerte Gastl. en sind Richtschnur, nicht Zwang“, beton„Deshalb brauchen wir Leitlinien, in dete Gastl. Es müsse Raum für Patientennen Experten die Forschungserkenntnisse verarbeiten und interdisziplinäre TheraQualitätsmerkmale der  pieempfehlungen geben. Diese sollen jeOnkopedia-Leitlinien doch nicht als ‚klinisches Kochrezept‘ aufgefasst werden“, betonte Gastl. - Open access im internet - Ständige aktualisierung und Optimierung Internationale und natio- autorenempfehlung durch die nale Leitlinien. Leitlinien, Krebsnationalen Fachgesellschaften register und die Therapie in zertifizierten - Zusammenfassung der LeitlinienZentren sichern hohe Qualität in der Onrelevanten Studien kologie und sind aus der modernen Me- Beschreibung von Metaanalysen dizin nicht mehr wegzudenken. Die - Orientierende algorithmen zu diaGoogle-Suche „guideline & oncology“ gnose und Therapie liefert 4,3 Millionen Treffer, was die hohe - protokolle der medikamentösen Popularität verdeutlicht. Es gibt anerTumortherapie kannte publizierte bzw. ins Internet ge- Verlinkung zu Originalpublikationen stellte Guidelines, die jeweils nach einigen - informationen zum ZulassungsJahren aktualisiert werden, zum Beispiel status die der Organisationen ASCO, NCCN - kommentarfunktion und ASH in den USA sowie die ESMOkrebs:hilfe!

4:2012

wünsche bleiben. „Bei Abweichung vom medizinischen Standard besteht jedoch Dokumentationspflicht mit Begründung, und im Haftungsfall kann Beweislastumkehr erfolgen“, erläuterte Gastl.

Bewertungskriterien. Die Arbeitsgruppe der wissenschaftlich medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) formulierte eine Bewertung für Leitlinien, die auf folgenden Kriterien beruht: •  Lenkung  durch  eine  Konsentierungsgruppe (Experten, spätere Anwender, Patientenvertreter) •  Systematische Evidenzbasierung •  Aktualität (Updating) •  Klinische Anwendbarkeit •  Strukturierte Konsensfindung und Festlegung von Empfehlungsstärken (starke Empfehlung ‚A‘, Empfehlung ‚B‘ und Option ‚C‘) •  Transparenz durch Leitlinienreport Die deutsche Krebsgesellschaft initiierte bereits 2008 ein Leitlinienprogramm, das zwischen Handlungsempfehlungen von Experten (S1), konsens- bzw. evidenzbasierten Leitlinien (S2k bzw. S2e) und evidenz- und konsensbasierten Leitlinien (S3) differenziert. Davon haben S3-Leitlinien die höchste Legitimation bezüglich Wissenschaft und Umsetzung. Nachteile sind hier der hohe Zeit- und Finanzierungsaufwand sowie die häufig verzögerte Aktualisierung wegen schwieriger Konsensusbildung. Das deutsche Leitlinienportal. Im Jahre 2009 startete die Deutsche

Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) deshalb eine Qualitätsinitiative, die die Online-Publikation aktueller Leitlinien auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie zum Ziel hatte – das


Tarceva beim NSCLC ®

• in der First Line bei Patienten mit aktivierenden EGFR Mutationen • in der Erhaltungstherapie bei Patienten mit stabiler Erkrankung nach der First Line Chemotherapie

TAC-INS2/03.12

Fachkurzinformation siehe Seite 65

• in der Second Line

Mehr Zeit fürs Leben


21 Projekt Onkopedia. „In der Initialphase stellten Copyright-Probleme eine wesentliche Hürde für die Internet-Präsentation dar“, erläuterte Univ.Prof. Dr. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO, Berlin. Erst nach einer zwei Jahre andauernden DebatWörmann: „Wir late gelangten Juristen den alle ein, an der Optimierung und zu einer Lösung. Weiterentwicklung Nach dem erfolgreivon Onkopedia mitchen Start wurden zuarbeiten.“ dann Anfang 2011 auch Gesellschaften in Österreich (ÖGHO) und der Schweiz (SGMO und SGH+ SSH) in das Onkopedia-Projekt eingebunden. Zu den Qualitätsmerkmalen der Onkopedia-Leitlinien siehe Kasten auf Seite 19. Ganz wesentlich ist der freie Zugang zum Internet-Portal, das auch Nicht-Fachärzten und Laien offensteht. Die OnkopediaStartseite ist prinzipiell in drei Bereiche gegliedert, für Ärzte („onkopedia leitlinien“), Patienten („mein onkopedia“) und Pflegende („onkopedia pflege“). Im Ärztebereich sieht das Konzept eine komprimierte, übersichtliche Information über Leitlinien und Empfehlungen der Fachgesellschaften zu Diagnostik und Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen vor. Diese Seiten werden in Kooperation mit allen beteiligten Fachgesellschaften erstellt und laufend aktualisiert. Dabei sind im Allgemeinen Ex-

Onkopedia hat sich seit dem Start im august 2011 zu einem umfangreichen portal für deutschsprachige hämatologische/onkologische Leitlinien entwickelt, was sich in einer steigenden Zahl von Zugriffen widerspiegelt.

perten aller drei Nationen beteiligt, die von den jeweiligen Fachgesellschaften der Länder nominiert werden.

Aktuell und übersichtlich. Die evidenzbasierten Leitlinien sind für alle Erkrankungen einheitlich strukturiert. Zentrale Elemente sind übersichtliche Algorithmen zu Diagnose und Therapie, Schemata für die Systemtherapie sowie Tabellen zu den meinungsbildenden Studien. Sofern verfügbar werden auch Metaanalysen eingeschlossen. Grundsätzlich gibt es im Text eine direkte Verlinkung zu jeder Originalpublikation. Durch die Publikationsform im Internet können neue Forschungserkenntnisse rasch in schon bestehende Leitlinien eingearbeitet werden. Damit ist für größt-

FOTO SuSanne Billich

 Onkopedia: Bereits 50 Leitlinien online Bis März 2012 wurden 50 Leitlinien in fünf Bereichen erstellt, und 31 weitere sind im entstehungsprozess (siehe Übersicht). auch spezielle Themen wie „klinefelterSyndrom und krebs“ oder „Brustkrebs beim Mann“ werden behandelt. das angebot wird stetig erweitert. auch komplementäre Heilmethoden werden erfasst, sofern randomisierte Studien vorliegen. Zum Beispiel gibt es in der Rubrik „allgemeines – Grundlagen“ eine Leitlinie zur Therapie mit Ginseng-präparaten. Bereits erstellte und im aufbau befindliche Leitlinien - allgemeines & Grundlagen (fünf fertig, vier in arbeit) - nicht maligne hämatologische erkrankungen (acht fertig, sechs in arbeit) - Hämatologische neoplasien (19 fertig, drei in arbeit) - Solide Tumore (acht fertig, 15 in arbeit) - Supportive Therapie (zehn fertig, drei in arbeit). krebs:hilfe!

4:2012

mögliche Aktualität gesorgt. In einer Pressemitteilung auf der ÖGHO-Homepage wird zudem auf ein neues, zusätzliches Element hingewiesen – die Kommentarfunktion. „Jeder registrierte Nutzer kann die Leitlinien kommentieren, auf Fehler hinweisen, auch alternative Bewertungen von Empfehlungen vorschlagen. Wir laden alle ein, an der Optimierung und Weiterentwicklung von Onkopedia mitzuarbeiten“, schreibt Wörmann dort. Onkopedia hat sich seit dem Start im August 2011 zu einem umfangreichen Portal für deutschsprachige hämatologische/onkologische Leitlinien entwickelt, was sich in einer steigenden Zahl von Zugriffen widerspiegelt. Im März 2012 wurden über 700.000 Zugriffe registriert. Einen Überblick über die Leitlinien, die auf Onkopedia mittlerweile bereits online sind, gibt links stehender Kasten.

Die Leitlinien für Patienten

haben prinzipiell denselben Inhalt wie die für Ärzte, sind jedoch in allgemein verständlicher Form gehalten. Für Laien wird ein Glossar zu medizinischen Fachausdrücken mit direkter Verlinkung im Text angeboten. Ferner gibt es Hinweise zu Therapiezentren und spezialisierten Ärzten sowie Selbsthilfegruppen in der Region. Über die Kommentarfunktion am Ende kann eine Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Fachgruppen erfolgen. <


Erfahrung

Forschung

Entwicklung

Fortschritt

Kompetenz

Innovation

Erlebe die Zukunft TM

AT1110015934

Datum der Erstellung: Oktober 2011

Fachkurzinformationen siehe Seite: 65


23

Brustkrebsforschungsförderpreis 2012 EURO 30.000,– Anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Pink Ribbon“ schreibt die Österreichische Krebshilfe 2012 einen Förderungspreis aus. Die Österreichische Krebshilfe will damit letztlich zu einer Senkung der Erkrankungs- und Mortalitätszahlen von Brustkrebs beitragen. Gefördert werden

Forschungsprojekte zum Thema Brustkrebs mit Relevanz für Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge Antrag

Die Einreichunterlagen umfassen die Darstellung des Projektes (maximal drei Seiten inklusive Zusammenfassung), den Durchführungsplan, den Finanzierungplan sowie das Curriculum vitae des Antragsstellers

Deadline Infos

31.10. 2012 Waltraud Riegler, Österreichische Krebshilfe, Tel. 01/796 64 50-15, E-Mail: riegler@krebshilfe.net oder „Forschung & Förderung“ unter http://www.krebshilfe.net. Über die Vergabe des Stipendiums bestimmt eine Gutachterkommission unter Ausschluss des Rechtsweges und der Öffentlichkeit.

 OncOtyrOl

FOTO: UMIT/Kern

Kooperation zu Versorgungsstrategien für Krebspatienten Mit einer zukunftsweisenden Kooperation hat der Bereich „Public Health Decision Modeling, Health Technology Assessment and Health Economics“ des OncotyrolCenter for Personalized Cancer Medicine die Weichen für eine erfolgreiche Forschungszusammenarbeit gestellt. Mit dem Personalized Health Care Program der University of Utah werden künftig gemeinsame Forschungsprojekte und Publikationen sowie ein Wissenschaftler- und Studentenaustauschprogramm für Aufsehen in der Fachwelt sorgen. In den Forschungsfeldern chronische myeloische Leukämie (CML), Brustkrebs und Lungenkrebs sowie evidenzbasierte Versorgungsforschung werden die beiden Institute künftig eng zusammenarbeiten. „Wir planen die Einspeisung von Daten aus Patientenregistern von Utah und Österreich in die Computermodelle der Oncotyrol-Forscher, um Versorgungsstrategien für Krebspatienten bewerten zu können und krebs:hilfe!

4:2012

zu testen, ob die entwickelten Modelle auch einem „Real Life Szenario“ standhalten und unverfälschte Ergebnisse liefern“,

Ein Handschlag mit Zukunft: Prof. Diana Brixner, rPh, PhD, University of Utah, und Prof. Dr. Uwe Siebert, MPH, MSc, UMIt, Bereichsleiter in Oncotyrol, freuen sich auf die Zusammenarbeit.

erläutert die Initiatorin und Leiterin des Pharmacotherapy Outcomes Research Center der University of Utah, College of Pharmacy, Prof. Diana Brixner, RPh, PhD. Beide Institute versprechen sich von der Zusammenarbeit neue Erkenntnisse und einen Schritt nach vorne in ihren jeweiligen Forschungsprojekten. „Der Schulterschluss mit einem der führenden Pharmacotherapy Outcomes Research Center in den USA eröffnet unseren Forschern die einzigartige Möglichkeit, Daten aus CMLPatientenregistern von Utah und Tirol hinsichtlich Übertragbarkeit zu vergleichen und die Ergebnisse gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen zu validieren“, zeigt sich Bereichsleiter Prof. Uwe Siebert vom Erfolg der Kooperation überzeugt. So solle auch der Einsatz von patientenspezifischen Informationen in Behandlungsentscheidungen aufgezeigt werden. < Pressemeldung Oncotyrol, 29.5.2012


JETZT ZUGELASSEN YERVOY™ (Ipilimumab) ist zur Behandlung fortgeschrittener (nicht resezierbarer oder metastasierter) Melanome bei vorbehandelten Erwachsenen indiziert.1

YERVOY™: das erste zugelassene Arzneimittel, das das Gesamtüberleben beim fortgeschrittenen Melanom signifikant verlängert*2

1,0

YERVOY ™

(n=137)

0,9

gp100

(n=136)

46%

0,7 0,6 0,5 0,4 0,3

ATIP-K0002B 731HQ11PM042(12)

0,8

24%

0,2 0,1 0,0 0

1

2

2

3

4

JAHRE

Nach Hodi FS et al. 2010

YERVOY™: eine neuartige, T-Zellen-potenzierende Therapie, die das Immunsystem zur Vernichtung von Tumoren aktiviert1 • YERVOY™ ist nicht gegen den Tumor direkt gerichtet, sondern blockiert spezifisch das Hemmsignal der durch CTLA-4 (Cytotoxic T Lymphocyte Antigen 4) vermittelten T-Zell-Suppression und stärkt somit die Immunantwort auf Tumoren.1,3 Wichtige Sicherheitsinformationen finden Sie in der YERVOY™ Fachinformation oder unter www.ema.europa.eu

Concentrate for solution for infusion

* In einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie. 1. YERVOY™ Fachinformation, Stand Juli 2011. 2. Hodi FS et al. N Engl J Med. 2010;363(8):711-723. 3. Fong L, Small EJ. J Clin Oncol. 2008;26(32):5275-5283. Fachkurzinformation siehe Seite 65

© 2011 Bristol-Myers Squibb. Alle Rechte vorbehalten.

ANTEIL DER NOCH LEBENDEN PATIENTEN

Verlängertes Gesamtüberleben mit YERVOY™2


krebs:fortbildung

 START

25

1

2

Kooperation oegHo – eSMo: Prof. dr. Matthias Freund (dgHo), univ.-Prof. dr. Hellmut Samonigg (oegHo Vize-Präsident), dr. Friedrich overkamp (dgHo; hintere Reihe von links); univ.-Prof. dr. günther gastl (oegHo-Präsident), Prof. dr. Martine Piccart (eSMo-Präsidentin; vordere Reihe von links)

li-Fraumeni-Syndrom: Adnextumor im Becken-cT

1 AuSBildung

FOTOs: DGHO/ÖGHO VerTraGsunTerzeicHnunG/uniVersiTäTsklinik Für FrauenHeilkunDe unD GeburTsHilFe, MuG

OeGHO: Kooperation mit der ESMO Um den Austausch zwischen Krebsspezialisten in ganz Europa weiter zu fördern, hat die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie (OeGHO) Mitte Juni eine Kooperationsvereinbarung mit der European Society for Medical Oncology (ESMO) unterzeichnet. Die OeGHO will damit vor allem dem Konzept des Medizinischen Onkologen Nachdruck verleihen. Univ.-Prof. Dr. Günther Gastl, Präsident der OeGHO: „Der Medizinische Onkologe verfügt dank einer speziellen Ausbildung über besondere fachliche, soziale und psychoonkologische Kompetenzen. Er ist auf moderne Behandlungskonzepte der medikamentösen Tumortherapie besonders spezialisiert und daher durch seine Expertise in allen Tumorboards unverzichtbar.“ Während in vielen anderen europäischen Ländern dieses Konzept bereits stark verankert ist, muss es sich in Österreich erst etablieren. <

krebs:hilfe!

4:2012

2 BeSondeReR FAll

HocHRiSiKoScReening

Li-Fraumeni-Syndrom

Neue Leitlinie publiziert

Für MutationsträgerInnen des TP53-Gens gibt es bis heute kein Früherkennungsprogramm, das einen Benefit für die Betroffenen gezeigt hat. Grundsätzlich sollte man aber PatientInnen mit Li-Fraumeni-Syndrom raten, so weit als möglich ionisierende Strahlung zu vermeiden, um keine sekundär radiogen bedingten Malignome zu induzieren. MutationsträgerInnen sind jährliche ärztliche Untersuchungen für Kinder und Erwachsene im Hinblick auf kutane und neurologische Veränderungen zu empfehlen, erwachsene Frauen sollten halbjährliche ärztliche Untersuchungen mit jährlichen MR-Mammographien ab dem 20. Lebensjahr oder fünf Jahre vor der jüngsten Erkrankten in einer Familie absolvieren (jährliche Mammographien nur nach strenger Indikation). Koloskopien sind alle zwei bis fünf Jahre ab dem 25. Lebensjahr indiziert, und je nach familiären Karzinomfällen sollte eine individuelle Vorsorge getroffen werden. Auf den Seiten 32/33 lesen Sie über solch einen seltenen Fall. <

Die Österreichische Gesellschaft für Senologie (ÖGS) informierte über die Bedeutung der neuen Kriterien für die Prävention und Früherkennung des erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebses sowie über die erfolgreiche Etablierung der flächendeckenden BRCA-Mutationsanalyse in Österreich. Die neue Leitlinie (siehe Bericht in krebs:hilfe! 6/11) wurde von Experten mit besonderer Berücksichtigung des aktuellen EUSOMA (European Society of Breast Cancer Specialists) erstellt. Sie soll die Betreuung von Frauen mit einem erhöhten Lebenszeitrisiko für Brust- und/ oder Eierstockkrebs standardisieren und vereinfachen. <

geriatric oncology: cancer in Senior Adults

12. Meeting der International Society of Geriatric Oncology 25.–27. Oktober 2012 Manchester, UK Ein ganzer Tag wird der Grundlagenforschung, der Schnittstelle Seneszenz und Krebs, gewidmet sein. Information: www.siog.org


 DFP-Literatur 26

Nebenwirkungsmanagement bei systemischen Therapien Eine Chemotherapie führt gerade bei prognostisch ungünstigen Brustkrebsfällen zu einer deutlichen Verbesserung des Überlebens. Der vorliegende Beitrag bespricht die damit verbundenen klinisch relevantesten, teils subjektiv belastenTexT univ.-ProF. Dr. Christian singer, MPh den Nebenwirkungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind häufig und zählen zu den unangenehmsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Sie können die Lebensqualität insbesondere in den ersten Tagen nach einem verabreichten Chemotherapiezyklus nachhaltig verschlechtern. Stärkeres Erbrechen ist einer der häufigsten Gründe für ein Abbrechen der zytostatischen Therapie. Dauer und Intensität von Nausea und Emesis sind in erster Linie von Art und Dosis des verabreichten Zytostatikums abhängig, aber auch Alter, Geschlecht und Erwartungshaltung („antizipatorisches Erbrechen“) spielen eine Rolle. Je nach ihrem emetogenen Potenzial werden Zytostatika in vier emetogene Stufen eingeteilt. Die einzelnen Substanzen unterscheiden sich aber auch im Hinblick auf den Zeitpunkt des Auftretens der Übelkeit: Ohne antiemetische Prophylaxe kommt es beispielsweise bei allen Patientinnen, die Cisplatin oder Cyclophosphamid erhalten haben, innerhalb von ein bis zwei Stunden zum Auftreten von Übelkeit und Erbrechen, die bis zu 18 Stunden anhalten. Nach etwa 24 Stunden beginnt dann eine zweite Welle von Übelkeit, die bis zum dritten Tag anhalten kann. Auf der Basis dieser Beobachtungen wird Erbrechen innerhalb von 24 Stunden als akut und nach 24 Stunden als verzögert klassifiziert. Wir verfügen heute über sehr effektive Medikamente sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung der akuten als auch der verzögerten Emesis. 5-HT3-Antagonisten sind derzeit die wirksamsten und am häufigsten eingesetzten Antiemetika zur Therapie der akuten Übelkeit. Zu dieser Substanzgruppe gehören Ondansetron (intravenös und über die Mundschleimhaut resorbiert), Tropisetron, Dolasetron, Palonosetron und Granisetron. Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten wie das oral verfügbare Aprepitant und das intravenös zu applizierende Fosaprepitant stellen eine relativ neue Substanzgruppe dar, die besonders bei der verzögerten Emesis äußerst wirksam ist. Eine vergleichsweise alte, aber im therapeutischen Armamentarium weiterhin vertretene Substanzklasse stellen Kortikosteroide wie Dexamethason oder Methylprednisolon dar. In Kombination mit anderen Antiemetika, meist mit 5-HT3-Antagonisten, sind sie besonders wirksam, sowohl gegen akute als auch gegen verzögerte Emesis. Im Vergleich zu den zuvor angeführten Substanzgruppen haben ältere Antiemetika wie Metoclopramid, Butyrophenon und Phenothiazin einen deutlich niedrigen therapeutischen Index und werden inzwischen beim chemotherapieinduzierten Erbrechen heute kaum mehr eingesetzt.

Bei Vorliegen eines hohen emetogenen Risikos, wie dies beim Einsatz von hoch dosiertem Cyclophosphamid und bei Cisplatin-basierten Chemotherapien der Fall ist, empfehlen die meisten internationalen Richtlinien die Kombination eines 5-HT3-Antagonisten mit Aprepitant und Dexamethason. Die in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms häufig eingesetzten Anthrazykline, aber auch konventionell dosiertes Cyclophosphamid und Carboplatin besitzen ein mittleres emetisches Risiko. Auch hier wird zumeist die Dreierkombination aus 5-HT3-Antagonisten, Dexamethason und Aprepitant vor der Applikation der Chemotherapie empfohlen. Aufgrund der jedoch gerade bei diesen Substanzen bestehenden Gefahr der verzögerten Emesis soll Aprepitant auch an den beiden auf eine Chemotherapie folgenden Tagen verabreicht werden. Taxane, 5-FU und Gemzitabin, aber auch zielgerichterte Therapien wie mit Trastuzumab und Lapatinib oder Everolimus besitzen ein geringes emetisches Risiko. Eine einmalig vor der Chemotherapie verabreichte Gabe von Dexamethason oder eines Dopaminantagonisten ist zumeist ausreichend. Bei einem minimalen emetischen Risiko ist eine routinemäßige Emeseprophylaxe nicht erforderlich.

Risikofaktor Neutropenie

Die klinisch relevanteste Folge der chemotherapieinduzierten Myelosuppression ist eine Neutropenie. Sie ist der bedeutendste Risikofaktor für eine infektassoziierte Morbidität und Mortalität und erfordert häufig Dosisreduktion, Verschiebung der nachfolgenden Chemotherapiezyklen sowie zusätzliche Maßnahmen, die von einer prophylaktischen Antibiose bis zu einer Hospitalisierung reichen. Je nach absoluter Zahl von neutrophilen Granulozyten teilt man in vier Schwererade ein. Eine Grad-3-Neutropenie ist durch eine Neutrophilenkonzentration von 500 bis 1.000 neutrophilen Granulozyten pro µl definiert, eine Grad-4-Neutropenie durch eine Neutrophilenkonzentration von <500/µl. Tritt eine Grad-4-Neutropenie in Kombination mit einer Temperaturerhöhung von >38°C auf, so spricht man von einer febrilen Neutropenie (FN). GranulozytenKolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF) sind eine effektive Methode, um die Inzidenz von febrilen Neutropenien zu verringern. Damit gelingt es, das FN-Risiko unter einer Taxan-Anthrazyklin-hältigen Chemotherapie von etwa 30 Prozent auf mehr als die Hälfte zu reduzieren. Da der Einsatz von G-CSF jedoch sehr kostenintensiv ist, wird eine generelle unselektierte Verabreichung in den Leitlinikrebs:hilfe!

4:2012


27 en nicht empfohlen. Zur Identifikation jener Patientinnen, die eine G-CSF-Prophylaxe erhalten sollen, wird in den internationalen Guidelines empfohlen, das individuelle FN-Risiko zu bewerten. Dieses ist u.a. abhängig von der Art und Dosierung einer Chemotherapie, vom Alter und Allgemeinzustand einer Patientin und von einer vorangegangenen Chemo- oder Strahlentherapie (siehe Tabelle). Eine primäre G-CSF-Prophylaxe, also die prophylaktische Verabreichung eines G-CSF bereits ab dem ersten Zyklus, empfehlen die meisten aktuellen Guidelines bei Chemotherapieschemata mit einem FN-Risiko von >20 Prozent. Bei Vorliegen eines moderaten Neutropenie-Risikos zwischen zehn bis zwanzig Prozent soll dann eine primäre Prophylaxe erwogen werden, wenn zusätzliche individuelle Risikofaktoren vorliegen. Bei Chemotherapien, die mit einem niedrigen FN-Risiko von weniger als zehn Prozent assoziiert sind, ist keine prophylaktische G-CSF-Gabe notwendig. Als sekundäre G-CSF-Prophylaxe wird der propylaktische Einsatz von GCSF dann bezeichnet, wenn es in zumindest einem der vorangegangenen Chemotherapiezyklen zum Auftreten einer Grad-4-Neutropenie FN gekommen ist. Da eine bereits durchgemachte FN ein Wiederholungsrisiko von <50 Prozent im Folgezyklus aufweist, kann diese durch die Verabreichung einer sekundären Prophylaxe um mehr als 50 Prozent reduziert werden. Eine sekundäre G-CSFProphylaxe ist besonders dann indiziert, wenn eine ansonsten notwendige Verschiebung des Folgezyklus bzw. eine Dosisreduktion den Therapieerfolg gefährden könnten. Ist es bereits zum Auftreten einer FN gekommen, so führt die therapeutische Gabe von GCSF in Kombination mit einer Antibiotikatherapie zu einer Verkürzung der Neutropeniedauer und eventuell sogar zu einer geringen Reduktion der infektassoziierten Mortalität, wenngleich die klinische Relevanz dieser Daten noch umstritten ist.

Einschränkung der Lebensqualität durch Anämie

Die mit einer myelosuppressiven Chemotherapie häufig einhergehende Anämie bedeutet für Krebspatienten meist eine deutliche Einschränkung von Lebensqualität durch ein Fatigue-Syndroms, durch kognitive Defizite, Tachykardie und Dyspnoe sowie durch ein signifikant reduziertes klinisches Outcome, häufig auch durch ein erhöhtes Infektionsrisiko infolge einer Anämie-bedingten Kompromittierung des Immunsystems. Für die Behandlung der symptomatischen Anämie unter einer Chemotherapie stehen als Behandlungsmöglichkeiten im Prinzip Bluttransfusionen oder die Verabreichung von synthetisierten Erytropoetinen zur Verfügung. Da die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten mit z.T. erheblichen Risiken für den Patienten verbunden ist, wird sie immer mehr zugunsten von Erythropoetinen verlassen. Erythropoese-stimulierende Agentien (ESA) sind eine wirksame Behandlungsoption der Chemotherapie-assoziierten Anämie und können nachweislich die Rate an Bluttransfusionen senken. Als Substanzen der ersten Generation stehen uns Epoetin alpha, Epoetin zeta oder Epoethin theta zur Verfügung. Eine Modifikation des Epoetin-alpha-Moleküls, wie sie beispielsweise in Form von Darbepoetin alpha als Prototyp eines krebs:hilfe!

4:2012

Epoetins der zweiten Generation zur Verfügung steht, erlaubt aufgrund einer deutlich verlängerten Halbwertszeit inzwischen den Einsatz eines Epoetins im dreiwöchentlichen Intervall. Diesem erwünschten therapeutischen Effekt steht allerdings ein möglicherweise erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen, Schlaganfälle und sekundäre Tumorerkrankungen gegenüber. Es gibt zunehmend klinische Signale, die eine allzu freizügige Gabe von ESAs infrage stellen. Eine Metaanalyse mit den Originaldaten von mehr als 50 randomisierten Studien mit ESA weist auf eine um 17 Prozent erhöhte Mortalität hin. Wenn allerdings ausschließlich Studien mit Patientinnen unter Chemotherapie analysiert werden, ist dieser Effekt nicht mehr signifikant. Diese Daten haben unter anderem dazu geführt, dass die Hb-Zielwerte gegenüber denjenigen früherer Studien nun deutlich gesenkt worden sind und Hb-Zielwerte von über 12g/dl nun grundsätzlich vermieden werden sollen. Die Leitlinien von EORTC und ASCO zur Anämietherapie mit ESA bei Tumorpatienten empfehlen die Gabe von ESA bei Patientinnen unter Chemotherapie nur mehr bei Vorliegen von symptomatischer Anämie in Kombination mit einem Hb-Wert von unter 10g/dl, um Thrombose-assoziierte Nebenwirkungen zu vermeiden. Primäres Ziel der Anämietherapie soll die Vermeidung von Blutransfusion sein, und ESAs sollen in einer möglichst niedrigen Dosierung verabreicht werden. Ein Anstieg des Hb-Wertes ist nur so weit zu verfolgen, als damit Transfusionen verhindert werden können. Aktuelle Studien zeigen zunehmend, dass die Wirksamkeit der ESAs durch eine zusätzliche intravenöse Eisensubstitution gesteigert werden kann, interessanterweise auch dann, wenn kein funktioneller oder absoluter Eisenmangel vorliegt.

Therapieassoziierte Herzfunktionsstörungen Eine herzschädigende Wirkung ist inzwischen für eine Reihe von Zytostatika und zielgerichtete Therapien („targeted therapies“) bekannt. Die Kardiotoxizität ist insbesondere bei der Anwendung von Anthrazyklinen eine klinische bedeutende Nebenwirkung. Das Ri-

 Febrile neutropenien verschiedener

therapieregime bei Mammakarzinom Risikokategorie für febrile Neutropenie

hoch >20%

Moderat 10–20%

gering <10%

Chemotherapieschema

Risiko für refraktäre Neutropenie (%)

AC → Docetaxel

5–25

Doxorubicin/ Docetaxel

33–48

Docetaxel

16–17

FeC 100

13

aC

10–20

CMF

0–3

Doxorubicin/ Cyclophosphamid

0–3

Quelle: Aapro et al., EORTC Guidelines 2010


 DFP-Literatur 28

Hautveränderungen und Haarausfall

Hautveränderungen unter Chemotherapie betreffen vor allem Kopfhaare und Nägel, deren Wachstum und Konsistenz in unterschiedlichem Ausmaß gestört sein kann. Hautveränderungen können entweder eine direkte Folge der Chemotherapiewirkung sein oder – gerade bei jüngeren Frauen – eine sekundäre Folge der Chemotherapie-induzierten Amenorrhoe und des damit verbundenen Hormonmangels. Auch allergische Hautveränderungen – insbesondere beim Einsatz von Taxanen – sind möglich. Haarfollikel gehören ebenso wie Schleimhäute zu den relativ stark proliferierenden Geweben und werden somit durch die Gabe von Chemotherapeutika in ihrem physiologischen Zell-„Turnover“ direkt beeinträchtigt. Insbesondere Taxane verursachen regelhaft Haarausfall, bei dem auch Augenbrauen und Wimpern mitbetroffen sein können. Obwohl Haarausfall keine klinisch relevante Bedeutung hat, stellt er für die Dauer der Therapie dennoch eine Stigmatisierung und gesellschaftliche Beeinträchtigung dar, die für die Betroffene oft nur schwer zu akzeptieren ist. „Kältekappen“ und ähnliche Präventivmaßnahmen gegen den Verlust des Kopfhaares sind in Verwendung. Leider konnte ein echter präventiver Effekt derartiger Maßnahmen in klinischen Studien bislang nicht nachgewiesen werden.

„Ameisenlaufen“ sowie Nagelveränderungen

Das Hand-Fuß-Syndrom stellt eine häufige Nebenwirkung von Taxan-basierten Chemotherapien dar und scheint durch eine Transsudation von Zytostatika auf die Hautoberfläche verursacht zu werden. Auch unter einer Capecitabin- und Doxorubicin-basierten

Chemotherapie kommt es bei bis zu 50 Prozent der Patientinnen zum mehr oder weniger starken Auftreten schmerzhafter Empfindungsstörungen an Handflächen und Fußsohlen, die häufig mit einer Rötung und Schuppung einhergehen. Sensorische Neuropathien mit Dysästhesien und „Ameisenlaufen“ sowie Nagelveränderungen – im Extremfall sogar Verlust der Finger- und Fußnägel – sind charakteristisch. In Abwesenheit einer alternativen Therapie der Nebenwirkungen stellen Dosisreduktion und Verlängerung der Applikationsintervalle die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit dar. Supportive Maßnahmen wie das Tragen bequemer Schuhe, Schonung und die Applikation von kühlenden, trockenen Umschlägen führen oft zu einer Besserung der Beschwerden. Inzwischen gibt es gute Erfahrungen bezüglich der Wirksamkeit einer Ergotherapie bereits bei ersten Rehabilitationsmaßnahmen und im Rahmen von Anschlussheilbehandlungen. Insbesondere bei Polyneuropathien nach Taxanen profitieren Patientinnen von der Kombination Ergotherapie, Physiotherapie und funktionelle Bewegungstherapie.

„Fatigue“

Auch in der Abwesenheit von Anämien und einem funktionellen Eisenmangel kann es unter Chemotherapie bei manchen Menschen zu Erschöpfungszuständen kommen. Gerade in den ersten Tagen nach einer Chemotherapie klagen viele Betroffene über Mattigkeit, Antriebslosigkeit und Denkstörungen (manchmal umgangssprachlich auch als „chemo brain“ bezeichnet). Während die direkten zytotoxischen Effekte der Chemotherapie hier zweifelsfrei kausal eine überragende Rolle spielen, ist das oben beschriebene Zustandsbild auch im Zusammenhang mit der vermehrten psychischen Belastung während dieser schwierigen Behandlungsphase zu verstehen. Die Behandlung eines so vordergründig unspezifischen Symptoms ist komplex und schwierig und sollte in jedem Fall eine psychoonkologische Betreuung einschließen. Gesprächstherapien, wenn notwendig auch medikamentöse Unterstützung, in jedem Fall aber sportliche Betätigung können helfen, die Situation besser zu bewältigen. Regelmäßiger Sport zumindest zwei- bis dreimal in der Woche hilft zudem mit, die Rezidivrate zu senken und die Überlebenschancen deutlich zu erhöhen. < Literatur beim Verfasser Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, MPH Professor für Klinisch-Translationelle Gynäkologische Onkologie Leiter Brustgesundheit Universitätsfrauenklinik Wien Ärztlicher Fortbildungsanbieter: MedUni Graz, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Lecture Board Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, MedUni Graz Univ.-Prof. Rupert Bartsch, Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien krebs:hilfe!

4:2012

FOTO: PrivaT

siko einer Herzmuskelschädigung steigt vor allem dann, wenn die kumulative Anthrazyklindosis einen kritischen Wert überschreitet. Subklinische Herzleistungseinschränkungen lassen sich durch die ultrasonographische Messung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) relativ gut erkennen, weswegen sich diese Technik zur frühen Identifikation von therapieassoziierten Kardiomyopathien eignet. Klinische Symptome wie Atemnot, Herzrasen und Rhythmusstörungen weisen erst relativ spät auf eine zunehmende Herzschwäche hin. Regelmäßige Kontrollen der Herzleistung sind im Rahmen einer zielgerichteten Therapie mit HER2-gerichteten Substanzen wie Trastuzumab und Lapatinib ebenfalls indiziert, da es gerade bei durch eine vorangehende Antrazyklintherapie vorgeschädigtem Herzen zu einer weiteren Einschränkung der Herzleistung kommen kann. In solchen Fällen ist eine Unterbrechung oder ein Absetzen der kardiotoxischen Substanz notwendig und eine entsprechende internistische Behandlung der Herzleistungsstörung einzuleiten. Die Kardiotoxizität der Anthrazykline kann durch eine liposomale Verkapselung deutlich vermindert werden. Liposomales Doxorubicin ist für die Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses zugelassen. Das pegylierte liposomale Doxorubicin besitzt durch seine Galenik eine deutlich verlängerte Halbwertszeit. Dies dürfte für das typische Nebenwirkungsspektrum – geringere Neutropenie- und Alopezierate, jedoch höhere Stomatitisrate und Hand-Fuß-Syndrom-Rate – verantwortlich sein.


TORISEL – Wirksamkeit bestimmt den Kurs ®

mRCC

TORISEL®: Einzige speziell für Mantelzell-Lymphome zugelassene Rezidivtherapie2

TOR-013-11/1/18.10.2011

MCL

TORISEL®: 1st-line Therapie mit erwiesenem Vorteil im Gesamtüberleben für Ihre mRCC-Patienten mit mind. drei von sechs prognostischen Risikofaktoren1

1. Hudes G et al/2010, N Engl J Med 2007 136-961-8 2. Pfizer Torisel (Temsirolimus) Fachinformation Stand Sept. 2011 Fachkurzinformation siehe Seite 65

Pfizer Corp. Austria Ges.m.b.H., Floridsdorfer Hauptstraße 1, 1210 Wien

Trust in evidence


Die Qualität liegt im Original.

ID 2732; 05/2011

Fachkurzinformation siehe Seite 64

Arimidex® – wegweisend in der adjuvanten Behandlung postmenopausaler Frauen mit HR+ Mammakarzinom1

1 ATAC-Trialist Group, Lancet 2010


OK

!

DFP-Literaturstudium in der krebs:hilfe!

nebenwirkungsmanagement bei systemischen therapien krebs:hilfe! 4/12

So machen Sie mit: Im Anschluss an den

Fortbildungsartikel finden Sie Multiple-Choice-Fragen, den Richtlinien der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) entsprechend. Eine Frage gilt dann als richtig beantwortet, wenn Sie von den vorgegebenen Antworten alle richtigen angekreuzt haben. Positiv absolviert haben Sie den Test, wenn Sie mindestens vier der sechs Fragen richtig beantwortet haben. Zwei DFP-Fachpunkte werden Ihnen bei positiver Beantwortung angerechnet. Beantworten Sie die Fragen direkt online unter www.mein dfp.at (Österreichische Akademie der Ärzte) oder senden Sie diese Seite an: Fax: 01/546 00-730 Postadresse: Redaktion krebs:hilfe!, Forum Schönbrunn, Grünbergstraße 15, 1120 Wien Einsendeschluss: 15.9.2012 (Poststempel!) Teilnahmebestätigung: Zusendung durch die Redaktion oder Download auf www.meindfp.at, unter „Meine Statistik“, wenn Sie ein Fortbildungskonto haben. Für den Bearbeitungszeitraum von etwa acht Wochen ab Einsendeschluss bitten wir um Verständnis. Die richtigen Antworten können Teilnehmer nach Einsendeschluss per E-Mail an dfpmedizin-medien.at erfragen. Bitte in der E-Mail Namen, DFP-Thema und die jeweilige krebs:hilfe!Ausgabe angeben.  ich habe kein DFP-Fortbildungskonto.  ich habe ein DFP-Fortbildungskonto. Dann buchen wir ihre DFP-Punkte automatisch! Dazu brauchen wir nur ihre ÖÄK-arztnummer:

 ich möchte meine teilnahmebestätigung per e-Mail erhalten.  ich bestelle den kostenlosen newsletter der Medizin Medien austria.

2. Welche Aussage ist richtig? (1 Richtige) a) nach einer grad-4-neutropenie kann im nachfolgenden Chemotherapiezyklus eine primäre Neutropenieprophylaxe durchgeführt werden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  b) Ziel der Neutropenieprophylaxe ist die Verhinderung von neutropenien jeglichen grades. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  c) Eine primäre Prophylaxe wird bereits bei einem Risiko für eine febrile neutropenie (Fn) von weniger als zehn Prozent empfohlen.  d) ... bei einem Fn-risiko von >20 Prozent empfohlen. . . . . . . . . .  3. Welche der nachfolgenden Aussagen ist falsch? (1 Richtige) a) 5-ht3-antagonisten sind die wirksamsten und am häufigsten eingesetzten antiemetika zur therapie der akuten Übelkeit. . . .  b) neurokinin-1-rezeptorantagonisten sind besonders bei der verzögerten emesis wirksam. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  c) hochdosiertes Cyclophosphamid und Cisplatin sind besonders emetogene substanzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  d) 5-HT3-Antagonisten/Dexamethason/Metoclopramid sind besonders bei hoch emetogenen Chemotherapien zu empfehlen. . . 

5. Welche Aussage zum Hand-Fuß-Syndrom ist falsch? (1 Richtige) a) Das Hand-Fuß-Syndrom tritt häufig unter einer Doxorubicinbzw. Capecitabin-basierten therapie auf. . . . . . . . . . . . . . . . . .  b) Dosisreduktion/Verlängerung des Dosierungsintervalles sind adäquate strategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  c) ergotherapie und Physiotherapie sind adäquate optionen . . . .  d) Man sollte auf eine Capecitabin-basierte therapie umstellen. . . 

Meine e-Mail-adresse

name Anschrift Telefon

 Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin  Facharzt/Fachärztin für  ich besitze ein gültiges DFP-Diplom altersgruppe  <30  31–40  41–50  51–60  >60 Beurteilung der Fortbildungsarbeit:

sehr 1

Beinhaltet die arbeit für sie neue erkenntnisse? Ist der Inhalt für Ihre Praxisarbeit relevant?

krebs:hilfe!

1. Ziel einer EPO-Therapie unter Chemotherapie ist (1 Richtige) a) die Anhebung von Hb auf >15mg/dl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  b) die Anhebung von Hb auf 12-15mg/dl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  c) erythrozytenkonzentrate vermeiden, Lebensqualität verbessern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  d) die gabe von i.v. eisen vermeiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

4. Welche Statements sind korrekt? (1 Richtige) a) angiogenese-inhibierende zielgerichtete therapiestrategien sind besonders kardiotoxisch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  b) eine adäquate verlaufskontrolle der herzleistung unter trastuzumab erfolgt durch proBnP-Messungen. . . . . . . . . . . . .  c) eine adäquate verlaufskontrolle der herzleistung unter trastuzumab erfolgt durch sonographische LveF-Messungen. . . . . .  d) Die kumulative Taxandosis ist für das Auftreten von Kardiomyopathien entscheidend.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

-

PLZ/Ort

(Die anzahl der richtigen antworten ist in Klammer angegeben!)

4:2012

gar nicht 2

3

4

5

6. Welche Aussage ist richtig? (1 Richtige) a) Taxane führen bei ca. 15 Prozent zu komplettem Haarverlust.. .  b) in abwesenheit einer anämie bzw. einer störung des funktionellen eisenstoffwechsels bleibt Fatigue auch über Jahre nach abschluss einer Chemotherapie bestehen. . . . . . . . . . . . .  c) Bei Fatigue ist eine Chemotherapie sofort abzubrechen. . . . . . .  d) Bei Fatigue sind Gesprächstherapien/Sport hilfreich. . . . . . . . .  anzahl der richtig beantworteten Fragen:


 Besonderer Fall 32

Tp53 Mutation, das Li-Fraumeni-Syndrom Lesen Sie hier den Fall einer jungen Frau, bei der zunächst ein kutanes Leiomyosarkom, dann ein Phylloidestumor der linken Brust, im Weiteren ein Adenokarzinom des Ovars und schließlich eine Pleurakarzinose diagnostiziert wurde. Die Patientin wurde an der Klinischen Abteilung für Gynäkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und GeTexT Priv.-doz. dr. Gunda Pristauz burtshilfe, Graz, behandelt.

ar 2008 wurde die damals 35-jährige Patientin wegen eines zystischen Adnextumors von einem auswärtigen Krankenhaus an unsere Abteilung zur weiteren Betreuung überwiesen. Aufgrund der Zunahme des Bauchumfangs sowie intermittierenden Unterbauchschmerzen hatte die Patientin ihren Gynäkologen aufgesucht. Sie berichtete über einen regelmäßigen Menstruationszyklus, keine Schwangerschaften und bisher 20x18cm großer adnextumor im Becken-Ct unauffällige gynäkologische Un(normal bis 35U/ml) gering erhöht, die übtersuchungen. Im Alter von 25 Jahren wurrigen Laborwerte waren im Normbereich. de der Patientin ein kutanes LeiomyosarZwei Tage später wurde die Patientin an kom in der linken Flanke zusammen mit unserer Abteilung operiert. Der intraopeden inguinalen Lymphknoten beidseits rative Schnellschnitt der linken Adnexe entfernt. Histologisch waren damals sämtzeigte ein niedrig differenziertes, größtenliche Lymphknoten tumorfrei, und die Pateils seröses Adenokarzinom. Während der tientin war hinsichtlich des kutanen LeioOperation wurden eine abdominelle Hysmyosarkoms rezidivfrei. Im Alter von 30 terektomie mit Sigmaresektion „en bloc“ Jahren wurde die Patientin an der linken (End-zu-End-Anastomose), Omentektomie, Brust aufgrund eines Phylloidestumors, eipelvine und paraortale Lymhadenektomie, nem benignen fibro-epithelialen Tumor, Ablation von Herden am Zwerchfell und operiert. Bezüglich der Familienanamnese eine Appendektomie durchgeführt. Ein inkonnte erhoben werden, dass der Vater mit traperitonealer Port wurde für eine mögli43 Jahren an einem Magenkarzinom verche intraperitoneale Chemotherapiegabe storben war. transabdominal gelegt. Histologisch zeigBei der gynäkologischen Erstuntersuchung ten sich fünf von 41 Lymphknoten metakonnte bereits palpatorisch durch die statisch befallen. Die endgültige Diagnose Bauchdecke ein zystischer Tumor bis in Nalautete: niedrigdifferenziertes, seröses Adebelhöhe festgestellt werden (siehe CT). In nokarzinom des Ovars, FIGO Stadium IIIc. der Vaginalsonographie wurde ein ca. 20cm großer, multizystischer Tumor, in erster Linie ausgehend von den Adnexen, sowie ein März 2008. Als systemische adjuvangeringgradiger Aszites diagnostiziert. Der te Therapie wurde der Patientin eine CheTumormarker CA 125 war mit 135U/ml motherapie mit sechs Zyklen Carboplatin/

Paclitaxel empfohlen. Aufgrund der Darmresektion mit der End-zu-EndAnastomose wurde der erste Zyklus Cisplatin intravenös appliziert, alle weiteren Zyklen wurden intraperitoneal über den gelegten Port verabreicht. Die Chemotherapiezyklen verliefen komplikationslos, und fünf Monate später konnte in Lokalanästhesie der Peritonealkatheter wieder entfernt werden. Bei den weiteren Nachsorgekontrollen war die Patientin bei Wohlbefinden ohne Hinweis auf ein Rezidiv. Die Tumormarker waren im Normbereich.

September 2008. Aufgrund des ju-

gendlichen Alters bei der Erstdiagnose des Ovarialkarzinoms sowie der Entfernung eines kutanen Leiomyosarkoms wurde die Patientin in unserer Gynäkologischen Genetikberatungsstelle, die in Kooperation mit dem Institut für Humangenetik geführt wird, vorgestellt und beraten. Als mögliche genetische Tumorsyndrome wurden das familiäre Mamma- und Ovarialkarzinom und das Li-Fraumeni-Syndrom in Betracht gezogen. Ursächlich für das familiäre Mamma- und Ovarialkarzinom sind Keimbahnmutationen in den beiden Tumorsuppressorgenen BRCA1 und BRCA2, wodurch es zu einem deutlich erhöhten Auftreten von Brust- und Eierstockkrebs kommt. Das Li-FraumeniSyndrom ist durch eine Mutation im TP53-Gen bedingt und kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 80– 90 Prozent zu Tumorerkrankungen in verschiedenen Geweben führen. Nach ausführlicher fachkrebs:hilfe!

4:2012

FOTOs: UniversiTäTsklinik Für FraUenheilkUnde Und GebUrTshilFe, MUG

Februar 2008. Am 25. Febru-


33 ärztlich-humangenetischer Aufklärung über die Bedeutung und Konsequenzen einer molekulargenetischen Diagnostik wurde nach Einwilligung der Patientin eine Untersuchung eingeleitet. Eine Mutation im TP53-Gen konnte daraufhin identifiziert werden, dieses Ergebnis wurde mit der Patientin persönlich besprochen, ferner erhielt die Patientin eine psychologische Betreuung.

Im Oktober 2009

klagte die Patientin über zunehmende Dyspnoe, woraufhin vom betreuenden Allgemeinmediziner ein Thoraxröntgen veranlasst wurde. Dieses zeigte ausgeprägte Pleuraergüsse beidseits sowie den Verdacht auf eine Pleurakarzinose. Der Tumormarker CA125 stieg auf 700U/ml. Im Thorax-CT konnten bis zu 1,3cm große Auflagerungen an der Pleura festgestellt werden. In der Abdomensonographie konnte kein Hinweis auf Lebermetastasen gefunden werden, und bei der vaginalen Ultraschalluntersuchung zeigte sich kein Hinweis auf ein Lokalrezidiv. Nach ausführlichem Gespräch mit der Patientin wurde beim platinsensitiven Rezidiv eine Zweitlinienchemotherapie mit Carboplatin/Doxorubicin eingeleitet. Nach sechs Zyklen kam es zu einer Besserung der Dyspnoe und einer Halbierung des Tumormarkers.

Im März 2010 hatte die Patientin ver-

stärkt eine Belastungsdyspnoe sowie Schmerzen im Oberbauch. Computertomographisch wurde eine miliare Metastasierung der Leber sowie eine Zunahme der Pleurakarzinose und Pleuraergüsse festgestellt. Die systemische Chemotherapie wurde auf eine Per-os-Therapie mit Treosulfan umgestellt. Leider verschlechterte sich der Krankheitszustand der Patientin, sodass sie im 38. Lebensjahr verstarb. < Literatur bei den Verfasserin Priv.-Doz. Dr. Gunda Pristauz Klinischen Abteilung für Gynäkologie Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Graz krebs:hilfe!

4:2012

 li-Fraumeni syndrom das li-Fraumeni-syndrom ist eine seltene vererbbare tumorprädisposition, die von Frederick P. li und Joseph F. Fraumeni im Jahre 1969 beschrieben und anschließend durch zahlreiche epidemiologische studien bestätigt wurde. die inzidenz wird auf 1:15.000 geschätzt. im Gegensatz zu anderen syndromen mit Krebsprädisposition, die vornehmlich durch spezifische Krebsarten mit Beteilung z.B. der Brust oder des dickdarms charakterisiert sind, weist das li-Fraumeni-syndrom ein breites tumorspektrum über eine große alterszeitspanne einschließlich der Kindheit auf. Ätiologie ursächlich handelt es sich um eine autosomal dominant vererbte Keimbahnmutation im tumorsuppressorgen tP53, lokalisiert auf Chromosom 17p13.1. das tP53-Gen codiert für ein Protein, das p53-Protein, das die zellteilung und das zellwachstum kontrolliert. Ca. 80–90 Prozent der Betroffenen entwickeln im laufe ihres lebens bösartige erkrankungen, wobei ein risiko von ca. 40 Prozent für die ersten beiden lebensdekaden besteht. im vergleich dazu ist das risiko für nicht-Mutationsträgerinnen, vor dem 30. lebensjahr an einem Malignom zu erkranken, nur ein Prozent. Häufig erkranken Mutationsträgerinnen, auch an zweit- und drittkarzinomen. das risiko für bereits erkrankte Mutationsträgerinnen im alter von 30 Jahren ein zweitmalignom zu bekommen, ist 57 Prozent. zeigt sich allerdings das erstkarzinom nach dem 45. lebensjahr, so scheint das risiko für ein zweitmalignom vergleichbar zu sein mit dem risiko krebserkrankter nicht-Mutationsträgerinnen. Diagnose richtungsweisend sind Weichteilsarkome im jugendlichen alter, prämenopausale Mammakarzinome, osteosarkome, astrozytome, nebennierenrindenkarzinome und leukämien. in zahlreichen betroffenen Familien wurde auch eine Häufung von Magen- und darmkrebs, lungen- und eierstockkrebs beobachtet. Gerade bei Frauen, die vor dem 30. lebensjahr an Brustkrebs erkranken, sollte an ein li-Fraumeni-syndrom gedacht und laut internationalen richtlinien eine diagnostik angeboten werden. durch eine sequenzanalyse der gesamten codierenden Bereiche des tP53-Gens (exons 2-11) sowie einer MlPa-analyse (detektion von großen genomischen verlusten und zugewinnen), gelingt der nachweis einer Keimbahnmutation zu 95 Prozent. die Bestimmung erfolgt aus fünf Milliliter edta-Blut. eine sequenzanalyse selektierter exons (exons 5-8) des tP53-Gens ermöglicht die identifizierung der Mutation zu 70 Prozent. eine auswahl zur testung erfolgt nach folgenden klinischen Kriterien: - Patientin mit einem sarkom vor dem 45. lebensjahr, plus - mindestens ein/e verwandte/r ersten Grades und zweiten Grades mit einem Karzinom vor dem 45. lebensjahr oder einem sarkom jeglichen alters. neben dem klassischen li-Fraumeni-syndrom im engeren sinne ist auch das li-Fraumeni-like-syndrom, ebenfalls mit tP53-Mutationen, definiert worden. es hat sehr variable phänotypische ausprägungen: erkrankungen im Gastrointestinaltrakt, der schilddrüse bzw. im gynäkologischen Bereich sind beschrieben. Klinische Kriterien für das Li-Fraumeni-like-Syndrom: - sarkom oder Karzinom in der Kindheit, Gehirntumor oder nebennierenrindenkarzinom vor dem 45. lebensjahr, plus - mindestens ein/e verwandte/r ersten oder zweiten Grades mir einem li-Fraumenitypischen Karzinom (sarkom, Mammakarzinom, Gehirntumor, nebennierenrindentumor, leukämie), plus - mindestens ein/e verwandte/r ersten- oder zweiten Grades mit einem Karzinom vor dem 60. lebensjahr.


Bessere Wirksamkeit in der First-Line-Therapie im Vergleich zu Imatinib 400 mg QD [*]

(1) SPRYCEL® Fachinformation Stand Februar 2012. (2) Kantarjian H et al. N Engl J Med. 2010;362(24):2260-2270.

SPRYCEL 20/50/80/100/140 mg Filmtabletten Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code: L01XE06 Qualitative und Quantitative ZusammensetZunG Jede 20 mg Filmtablette enthält 20 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 27 mg Lactose-Monohydrat. Jede 50 mg Filmtablette enthält 50 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 67,5 mg Lactose-Monohydrat. Jede 80 mg Filmtablette enthält 80 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 108 mg Lactose-Monohydrat. Jede 100 mg Filmtablette enthält 100 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 135,0 mg Lactose-Monohydrat. Jede 140 mg Filmtablette enthält 140 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 189 mg Lactose-Monohydrat. Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, Mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Hyprolose, Magnesiumstearat Filmüberzug: Hypromellose, Titandioxid, Macrogol 400 anwendunGsGebiete SPRYCEL ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter PhiladelphiaChromosom-positiver (Ph+) chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase/ CML in der chronischen oder akzelerierten Phase oder in der Blastenkrise mit Resistenz oder Intoleranz gegenüber einer vorherigen Behandlung einschließlich Imatinibmesilat./ Ph+ akuter lymphatischer Leukämie (ALL) oder lymphatischer Blastenkrise der CML mit Resistenz oder Intoleranz gegenüber einer vorherigen Therapie.

GeGenanZeiGen Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. inHabeR deR ZulassunG BRISTOL-MYERS SQUIBB PHARMA EEIG, Uxbridge Business Park, Sanderson Road, Uxbridge UB8 1DH, Vereinigtes Königreich Kontakt in Österreich: Bristol-Myers Squibb GesmbH, Wien, Tel. +43 1 60143 -0 nR, apothekenpflichtig. stand der information: dezember 2010 Weitere Angaben, insbesondere zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

729HQ11PM019(4) ATSP-K0003 03/12

Die bessere Wirksamkeit wurde nachgewiesen in Bezug auf: Patienten in cCCyR und MMR innerhalb von 12 Monaten, MMR zu jeder Zeit, Zeit bis zur cCCyR und MMR (1,2)

*

First-Line-Therapie der CP-CML (Ph+)

wirksam - anhaltend - sicher


HEFT 4:2012

AustriAn BreAst CAnCer study Group

Edinburgh Castle. Die Hauptstadt Schottlands hat nicht nur ein wunderschönes Altstadtpanorama, sie ist auch Standort eines Schwerpunktzentrums für Leber- und Pankreaschirurgie in Großbritannien.

ÖsterreicherInnen in der Welt Zusammengestellt von Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski und Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant

III

Vier Jahre Grundlagenforschung im Wirtschaftswunderland Israel

VIII Eine ideale Kombination aus Forschung, Weiterbildung, Spezialisierung

Im Integrin-„Himmel“: Abseits jeglicher Routine

IX

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Köstler, Wien

IV V

Univ.-Doz. Dr. Christiane Thallinger, Wien

Stammzellforschung: Hervorragende Bedingungen in Vancouver

Dr. Stefan Wöhrer, Wien

VII Mitwirkung an wesentlichen Innovationen Univ.-Prof. Dr. Thomas Grünberger, Wien

Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl, Wien

Tumorimmunologie: Erfahrungen an einer amerikanischen Vorzeigeinstitution

Univ.-Doz. Dr. Gerd Silberhumer, Wien

XI

Ausbildung hat den höchsten Stellenwert Priv.-Doz. Dr. Dietmar Tamandl, Wien


 EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Eine der größeren Herausforderungen der letzten Jahrzehnte und Jahre ist nicht

nur die Mobilität von PatientInnen, die sich die für sie optimale Diagnostik und Therapie unabhängig von ihrem Wohnort wünschen, sondern auch die Mobilität von WissenschafterInnen, die sich die für sie in vielerlei Hinsicht optimale Umgebung für die Ermöglichung ihrer beruflichen Pläne und Träume suchen. Exzellente Wissenschafter werden von vielen Institutionen gesucht, die dank ihrer vielversprechenden wissenschaftlichen Ergebnisse den Ruf der jeweiligen Institution weiter optimieren und ausbauen sollen. Universitäten haben sich in den letzten Jahren zu kompetitiven Unternehmen entwickelt, die um internationales Ansehen, Akkreditierungen in internationalen Organisationen und nicht zuletzt nationale und internationale Fördergelder rittern. Die Rekrutierung von Nobelpreisträgern oder „zumindest“ international höchst anerkannten, blendend vernetzten Forschern ist dementsprechend zum wichtigsten Kriterium geworden, um die sich die Kompetition der Universitäten dreht. WissenschafterInnen haben Lebenskonzepte, die sie durchaus von denen anderer Professionen unterscheiden: Es geht nicht nur um persönlichen Verdienst, sondern um einen derart weiten Bogen von unterschiedlichen Themen, die sich von allgemeinen Arbeitsbedingungen über finanzielle Forschungspakete, Laborausstattung, personelle und räumliche Ressourcen, Forschungsfreiheit und Unterstützung bei administrativen Abläufen bis zu Lebensbedingungen wie Wohnqualität, Kindergarten und alle anderen Aspekte, die zu einem mobilen Lebensstil gehören, erstrecken.

Forschung und ihre Ergebnisse sind in den letzten Jahren zu einem

gesuchten Ausweis für höchstentwickelte Gesellschaften geworden, die diese in ihrem Entwicklungsgrad definieren. Universitäten und Wissenschaft sind zu einem der wichtigsten Diskussionspunkte in Staatsbudgets und parlamentarischen Diskussionen geworden. Auch in Österreich wird darüber breit gesprochen, selbst wenn viele Diskutanten unter dem Begriff „Forschungsförderung“ unterschiedliche Dinge verstehen und sich in diesem Kielwasser zum Teil verwirrende Geschehnisse ereignet haben. Es ist jedoch anzuerkennen, dass es in Österreich viele Initiativen gibt, die dem „Braindrain“ in Richtung von Ländern, die eben ein „Mehr“ an den oben erwähnten Aspekten als Österreich anzubieten haben, entgegenwirken sollen. Dennoch sind weitere Schritte zu fordern, die zurückkehrenden oder gar einwandernden exzellenten Wissenschaftern mit einem bedeutenden publikatorischen Opus weitere Möglichkeiten bieten. Dies inkludiert wissenschaftliche „Finanzierungspakete“ und Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant die Herbeiführung von Arbeitsbedingungen, die verhindern sollen, dass Wissenschafter in eine Situation zurückkehren, in der sie ihre Forschungen nicht fortsetzen können, sondern die im Gegenteil eine lineare Entwicklung ermöglichen. Dies erfordert nun eine genaue Planung und die Setzung eines nächsten Schritts, nachdem wir an den Universitäten (sehr erfolgreich!) Auslandsaufenthalte an wissenschaftlich exzellenten Institutionen fördern. Wir sollten die Umsetzung der erworbenen Kenntnisse durch erfolgreiche WissenschafterInnen nach ihrer Rückkehr fördern, um ihnen wissenschaftliche Entwicklung, Erarbeitung von Forschungsergebnissen und letztlich Karrieren zu ermöglichen.

FOTOS: BarBara KrOBaTh; COverFOTO: M. SChinDl

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski

Wenn sich diese Ausgabe der krebs:hilfe! nun dem Thema der Auslandsheimkehrer widmet, so geschieht es, damit wir ihnen unsere Reverenz erweisen, dass sie diesen Weg, der für unser Land und unsere Universitäten von großer Bedeutung ist, auf sich genommen haben, aber auch, um auf die Notwendigkeit der Setzung entsprechender Schritte nach ihrer Rückkehr aufmerksam zu machen. Eine passive und aktive Öffnung des Landes für Wissenschafterinnen kann für uns alle und für die Gesellschaft, in der wir leben, nur von großem Vorteil sein. Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien

II

Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

krebs:hilfe!

4:2012


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT

Vier Jahre Grundlagenforschung im Wirtschaftswunderland Israel UnIV.-PROf. DR. WOLfGAnG J. kÖSTLER WAR IM LAbOR VOn PROf. yOSEf yARDEn AM WEIZMAnn InSTITUTE Of SCIEnCE In ISRAEL. An EInEM AUSLAnDSAUfEnTHALT InTERESSIERTEn kOLLEGInnEn EMPfIEHLT ER, SICH VORAb GEnAU ZU übERLEGEn, WAS SIE SICH DAVOn ERWARTEn. TEXT UnIV.-PROf. DR. WOLfGAnG kÖSTLER

Meine Hauptmotivation dafür, einige Zeit (2007–2011) an einer Klinik im Ausland zu verbringen, ergab sich aus einem Paradigmenwechsel, zu dem es in den letzten Jahren gekommen war: die Art und Weise, wie onkologische Forschung funktionieren kann. Früher wurden Fortschritte „from bench to bedside“ gemacht. Heute schließt sich dieser Kreis immer mehr, sodass klinische Erkenntnisse wiederum unmittelbar neue translationelle Fragestellungen generieren, die weit über die bloße Identifikation von prognostischen oder prädiktiven Biomarkern hinausgehen. Eigentlich hatte ich vor, mir das intellektuelle und technologische Rüstzeug anzueignen, um Fragestellungen, mit denen ich mich auch in der Vergangenheit beschäftigt hatte – nämlich die Identifikation prädiktiver Marker für Targeted Therapies –, besser untersuchen zu können. Das Labor von Yossi Yarden, eines der weltweit führenden in der Erforschung der Funktion von Tyrosinkinasen wie EGFR oder Her-2/neu, schien mir ideal dafür. Geplant waren eigentlich nur ein oder zwei Jahre Aufenthalt.

Das Ablegen der „Klinikerscheuklappen“

Einmal im Weizmann-Institut angekommen, war die Enttäuschung recht groß: Der berühmte Yossi Yarden bot mir kein konkretes Forschungsthema an. Er skizzierte in einer Stunde recht orakelhaft verschiedene, sehr generelle Fragestellungen – von immunologischen über zellbiologische hin zu genetischen – auf ein Blatt Papier und drückte es mir in die Hand. Dann sagte er, ich solle die nächsten zwei oder drei Monate in der Bibliothek verbringen, nebenher mit möglichst vielen Leuten aus dem Institut sprechen und mich ja nicht im Labor blicken lassen. Erst dann würde er wieder mit mir reden. Wenn man aber in einem Grundlagenforschungsinstitut wie dem Weizmann-Institut nach ein paar Monaten Aufenthalt einmal tatsächlich „angekommen“ ist und die „Klinikerscheuklappen“ abgelegt hat, dann eröffnet sich eine ganz andere Welt: Plötzlich drehen sich nicht mehr alle Fragen um eine unmittelbare klinische Anwendbarkeit. Viel wichtiger erscheint es einem dann, grundlegende biologische Phänomene zu begreifen und erst in viel weiterer Folge an ihre Bedeutung für die onkologische Forschung oder eine eventuelle klinische Weiterentwicklung zu denken. Es dauert lange zu begreifen, dass es sich dabei nicht um einen intellektuellen Egotrip handelt – translationelle krebs:hilfe!

4:2012

Ergebnisse lassen sich viel leichter „verkaufen“ –, sondern um die Überzeugung, dass wir selbst mittelfristig so schneller vorankommen. In diesem Sinne habe ich dann im Weizmann-Institut parallel auch ein PhD-Studium absolviert, und Yossi hat sich als großartiger Mentor erwiesen.

Finanzierung aus Patenten

Die Unterschiede zwischen dem österreichischen System und dem in Israel sind grundlegend. Wenn Sie in Israel ankommen, dem Zollbeamten auf seine Frage nach Ihrem Beruf „scientist“ sagen, dann hören Sie in meist perfektem Englisch: „Great. People like you are exactly what we need.“ Versuchen Sie das einmal zu Hause. Im Ernst, Israel ist ein Wirtschaftswunderland, das sehr stark auf Forschung und Innovation setzt. Und dieses Konzept geht auf. Ein nicht unerheblicher und stetig zunehmender Teil des Forschungsetats des Weizman-Instituts stammt bereits aus Patenten, die Studenten werden vom Institut bezahlt, und die einzelnen Labors erhalten – zumindest in den ersten Jahren – ein sehr großzügiges Startpaket. Nach meiner Rückkehr nach Österreich hat sich nach außen hin eher wenig verändert. Ich habe neue klinische Aufgaben übernommen, die mir sehr viel Freude bereiten – mit Univ.-Prof. Dr. Thomas Brodowicz teile ich mir die Programmdirektion für GIST & Sarkome an der Klinische Abteilung für Onkologie der Medizinischen Universität Wien. Allerdings mangelt es eklatant an administrativem Personal im Klinik- und Forschungsbetrieb, sodass genau diese Zeit für die Forschung fehlt. Für diese versuche ich eine personelle, finanzielle und technologische Infrastruktur aufzubauen.

Den Aufwand abschätzen

Kollegen, die ebenfalls gern den Schritt ins Ausland tun wollen, würde ich empfehlen, sich als Erstes zu überlegen, was genau sie sich von diesem Aufenthalt erwarten – intellektuell, karrieretechnisch, persönlich –, und dann auch, wie hoch der Aufwand ist, sowohl finanziell als auch privat. Finanziell ist das eine sehr kostspielige Angelegenheit, da die meisten Stipendien bestenfalls die täglich anfallenden Kosten decken. Intellektuell und persönlich ist ein Forschungsaufenthalt immer ein Gewinn. Wichtig ist, das notwendige Zeitfenster realistisch einzuschätzen. In einem Jahr wird kaum ein Forschungsprojekt fertig –

III


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT und wenn, dann hätte man es wahrscheinlich auch zu Hause machen können. Realistisch sind zwei bis drei Jahre. In jedem Fall würde ich mir aber ein entsprechendes „Start-up“-Paket für die Rückkehr zusichern lassen. Im Ausland noch Grants für die bevorstehende Rückkehr zu schreiben funktioniert meist nicht, da man gerade im letzten Jahr die meisten Forschungsergebnis-

se einfährt, rund um die Uhr arbeitet und eventuell noch nicht publiziert hat. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Köstler Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien

Im Integrin-„Himmel“: Abseits jeglicher Routine EIn JAHR LAnG ERLEbTE UnIV.-DOZ. DR. CHRISTIAnE THALLInGER JEDEn TAG nEUES UnD InSPIRIEREnDES An DER UnIVERSITy Of SAn DIEGO, IM LAbOR VOn PROf. MARk GInSbERG. SIE VERSCHAffTE SICH AnERkEnnUnG UnD ACHTUnG UnD ZIEHT InSGESAMT EIn übERAUS POSITIVES RESüMEE. TEXT UnIV.-DOZ. DR. CHRISTIAnE THALLInGER

Genau kalkulieren

Turnschuhe und Rucksack, das Essen vom Preis, nicht von den Vorlieben bestimmt und immer auf der Suche nach dem nahrungstechnischen Schnäppchen oder dem stipendiumkonservierenden Mengenrabatt, ein treuer Ralphs-Prämienkunde eben. Der zehn Liter fassende Familienolivenölkanister zum Preis von einer Gallone hat mich bis zum Ende meines Auslandsaufenthaltes begleitet, der Inhalt war durch oxidative enzymatische Prozesse über zwölf Monate Stipendiumdauer bei Auszug ranzig. Arbeiten, Forschen und Lesen waren kostenlos, alles andere musste genau kalkuliert werden. Der einzige materielle Luxus während meines Sabbaticals war die Lage meines Apartments mit Blick über Pazifik und Mission Beach. Das Bett im Apartment hingegen ein Murphybett, platzsparend nachtsüber aus einem Wandkasten klappbar. Wenn alle Springfedern taugten, drohte die Nacht über keine unfreiwillige „Rückversenkung“ in den Wandkasten. Abgesehen von ansprechender geografischer Entfernung und freundlichem Klima galt es, die zentrale Frage zu klären, bei wel-

IV

cher wissenschaftlichen Koryphäe man in den Dienst geht. Der Glanz des „Chefs aus Amerika“ lässt so manchen Lebenslauf in Österreich heller erstrahlen und die erbrachte oder nicht erbrachte Leistung im polierten Schimmer nachrangig werden. Meine Wahl fiel auf Prof. Ginsberg, eine wahre Größe am Integrin-„Himmel“. Sein Labor war im Leichtag Building untergebracht, ein großzügiges zentral gelegenes Gebäude am Campus der University of San Diego in La Jolla. Alle meine Erwartungen wurden übertroffen, auch die des seltsamen wortkargen Kauzes. Obwohl gewarnt von Univ.-Prof. Dr. Bernd Binder, meinem „San Diego Sabbatical Mentor“, doch verwöhnt von den Umgangsformen meines Wiener Chefs, Univ.Prof. Dr. Christoph Zielinski, fiel ich in ein tiefes schwarzes Loch, unabhängig von den neun Stunden Sonnenschein. Die ersten Wochen kommunizierte Prof. Ginsberg nicht mit mir, in keiner Weise. Wenn er etwas wissen oder anmerken wollte, schickte er Justin, seinen Sekretär. Erst als ich experimentell nachweisen konnte (ein Experiment zeigte unerwartet konklusive Ergebnisse), dass ich denken und arbeiten kann, richtete er das Wort an mich. Nur ein einziges Wort: „terrific“ – kommuniziert ähnlich wie von Wien her gewohnt – war nach zwei vollen Monaten zu vernehmen. Und auch dann mit einer innigen puristischen Grundhaltung.

Keine logistischen Hürden

Im Wesentlichen wurde rund um die Uhr gearbeitet. Mein Schrödinger-Stipendium sollte meine Forschungstätigkeit im Ausland ein Jahr unterstützen, vollständig decken konnte es den finanziellen Aufwand nicht. In zwölf Monaten ein Projekt auf die Beine zu stellen und experimentell zu beenden, verlangte intensive Arbeitszuwendung. Jedoch alle Wissenschaftler im Labor, hauptsächlich Asiaten, arbeiteten rund um die Uhr. Am Abend heimzugehen bzw. die Arbeit niederzulegen war ausschließlich gerechtfertigt, wenn man todmüde und der Chef krebs:hilfe!

4:2012

FOTO: PrivaT

Weg, weit weg. Nach meiner Habilitation war es Zeit für Neues. Weit, weit weg sollte Neues entdeckt, erforscht und erlebt werden. Mein wissenschaftliches Fortkommen war während meiner Habilitation vom langwierigen Habilitationsverfahren gebremst worden. San Diego in Kalifornien erschien mir einerseits entfernt genug, um meine wissenschaftliche Freiheit wiederzuerlangen, andererseits erachtete ich das Labor von Prof. Ginsberg an der University of San Diego als ideal für meine wissenschaftliche Weiterentwicklung. Finanzielle Unterstützung erfuhr ich durch den FWF über ein Schrödinger-Stipendium. Der Dollar war in diesem Jahr günstig, wobei das Geld chronisch knapp war. Mein Lebensstil und Komfort in San Diego glich dem meines Studentenlebens, das ich elf Jahre zuvor beendet geglaubt hatte.


nicht mehr im Haus war. Die Kenntnis seines Biorhythmus war einzig seinem Laptop vorbehalten, und die Versandzeitpunkte seiner Mails ließen einen schlaflosen, unsteten Geist vermuten. Das Labor war straff organisiert und zu meinem Erstaunen streng hierarchisch strukturiert. Für mich als damals 35-jährige habilitierte Fachärztin war es anfänglich schwer, einen Platz in diesen Strukturen zu finden. Ich würde behaupten, es gab auch anfangs keinen, bis ich mich wissenschaftlich eines Platzes würdig erwies, danach bekam ich suffiziente Unterstützung. Als mein Projekt zu laufen begann, gab es de facto keine logistischen oder finanziellen Hürden für Notwendiges. Kleinkramlastigkeit und ausufernde Bürokratie kamen nicht wesentlich auf bzw. wenn, lag die Abarbeitung nicht in meiner Verantwortung. Die Unterstützung durch Prof. Ginsberg und sein Labor war von Interesse und Wertschätzung meiner Arbeit und Leistung gegenüber getragen.

Opfer, die sich lohnten

Kurzum: Mein Jahr in den USA war sensationell – „terrific“! Ich kann mich an keine positivere und rasantere Weiterentwicklung meiner Person erinnern, ich hatte das Gefühl eines Lebens, wel-

ches ausschließlich und exklusiv meiner Entwicklung und geistigen Freiheit gewidmet war. Die Tatsache, dass ich jeden Tag Fremdes, Neues erleben durfte, war für mich das Prägendste und Schönste in diesem Jahr, es gab keine berufliche oder geistige Routine. Die berufliche Rückkehr war, obwohl vorbereitet, ruppig und nicht immer herzlich. Durch mein Auslandsjahr wurde ich für ambitionierte Kollegen karrieretechnisch nicht zwingend sympathischer. Weiters kam nach der Rückkehr zu Tage, dass mein Auslandsaufenthalt bei gegebenen universitären Strukturen meine universitäre Karriere ziemlich unbeeinflusst lässt. Auch war es mir nicht möglich, alle wichtig geglaubten Freundschaften über dieses Jahr aus der Ferne aufrechtzuerhalten. Ausgleichend kamen jedoch neue Freundschaften hinzu. Dieses Jahr hatte auf unterschiedlichsten Ebenen seinen Preis, doch der positive Eindruck und vor allem der persönliche Gewinn überwiegen bei Weitem, bereichern mein Leben nachhaltig. Univ.-Doz. Dr. Christiane Thallinger Klinische Abteilung für Onkologie Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien

Stammzellforschung: Hervorragende bedingungen in Vancouver DR. STEfAn WÖHRER HAbEn VIER JAHRE AUSLAnDSERfAHRUnG In kAnADA DEn „bLICk VOn AUSSEn“ GEbRACHT, WAS ETWA ARbEITSORGAnISATIOn UnD EffIZIEnTE kOSTEnEInSPARUnGSMÖGLICHkEITEn bETRIffT. TEXT DR. STEfAn WÖHRER

Ich habe insgesamt vier Jahre in Vancouver, Kanada, verbracht. Die ersten beiden Jahre habe ich ausschließlich Grundlagenwissenschaft betrieben, und die letzten beiden Jahre habe ich auch klinisch am Vancouver General Hospital gearbeitet und ein Fellowship für maligne Hämatologie und Stammzelltransplantati-

on absolviert. Finanziert wurden zwei Jahre durch ein ErwinSchrödinger-Auslandsstipendium (FWF) und zwei Jahre mittels meiner klinischen Tätigkeit in Kanada. Warum ich nach Vancouver gegangen bin, ist in erster Linie auf den hervorragenden Ruf des Stammzell-Forschungslabors zurückzuführen, das von Prof. Connie Eaves geleitet wird. In diesem Labor wird Grundlagenforschung auf einem Niveau betrieben, das in Österreich für mich nicht erreichbar gewesen wäre. Nicht ganz unwesentlich für meine Entscheidung war natürlich auch die wunderschöne und sichere Umgebung in British Columbia.

FOTOS: STeFan Wöhrer, PrivaT

Nachhaltiges Investment

Vancouver General Hospital krebs:hilfe!

4:2012

Die hervorragenden Arbeitsbedingungen ermöglichten es mir, ein umfassendes Wissen im Bereich der Stammzellforschung zu entwickeln bzw. neue Entdeckungen unter der Supervision von Eaves zu machen. Sie riet mir auch, während meiner Zeit ein PhD-Studium zu absolvieren. Das tat ich auch und das entpuppt sich nun als nachhaltige Investition. Dass man als Ausländer in

V


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT Terry fox Laboratory

Zeit für Patienten

Meiner Erfahrung nach gibt es aus klinischer Sicht keine großen Unterschiede bei der Grundversorgung von Patienten. Die meisten Behandlungsrichtinien sind ohnehin international und basieren auf Resultaten von großen internationalen klinischen Studien. Die beiden größten Unterschiede in der klinischen Versorgung waren wahrscheinlich das Aufgabenfeld von Ärzten und das aktive Kosteneinschränkungsprogramm (Cost containment), das in Kanada konsequent betrieben wird. Bezüglich der ärztlichen Tätigkeit ist zu sagen, dass Ärzte wirklich nur Dinge tun, für die sie während ihres 200.000 Euro teuren Studiums ausgebildet wurden und die sonst kein anderer machen kann. Es ist dort selbstverständlich, dass das Pflegepersonal Blut abnimmt, Blutdruck misst, Infusionen anhängt und den Patienten täglich untersucht. Ebenso ist es selbstverständlich, dass ein Sekretär oder eine Sekretärin Untersuchungstermine vereinbart. Briefe werden direkt in das Telefon diktiert und mittels automatischer Spracherkennung sofort in ein Dokument übernommen, das am Computer geändert werden kann. Somit hat man genug Zeit, um mit den Patienten zu sprechen, sie gründlich zu untersuchen und schließlich das bestmögliche therapeutische Management zu erstellen.

Effizientes Sparen

Weiters gibt es auf jeder Station klinische Pharmakologen, welche auf die Evidenz-basierte Verordnung von Medikamenten und deren Interaktionen achten und die behandelnde Ärzte entsprechend beraten. Neben der doppelten Kontrolle der Medikamente hat man auch den Vorteil, dass man täglich ein kleines Privat-Tutorium erhält und ein Update über die neuen pharmakologischen Entwicklungen. Es werden nur Inhaltstoffe angeordnet, wobei die Apotheke vom günstigsten Anbieter bezieht. Außerdem wird darauf geachtet, dass nur Patienten, die tatsächlich eine stationäre Behandlung benötigen, im Spital aufgenommen werden und dort nur die minimale notwendige Zeit verbringen. Patienten, die nicht unbedingt eine Überwachung und Therapie während der Nacht benötigen, übernachten in umliegenden Hotels.

VI

Es ist unglaublich, wie viel Geld mit solch relativ einfachen Mitteln eingespart werden kann. Die Patienten werden meines Erachtens so besser versorgt. Ironischerweise gibt es in Österreich für viele Dinge, die auf lange Sicht gesehen enorme Einsparungen bringen würden, kein Geld, und man bleibt in der Falle des Kurzzeitdenkens hängen.

Neues Problembewusstsein

Der Auslandsaufenthalt war für mich die Grundlage meiner weiteren akademischen Karriere hier in Österreich. Die Medizinische Universität Wien ist sehr daran interessiert, Mitarbeiter ins Ausland zu schicken, und versucht, sie nach ihrer Rückkehr zu unterstützen. Neben den offensichtlichen Vorteilen von Wissensgewinn und dem Knüpfen von internationalen Kontakten ist natürlich die Persönlichkeitsentwicklung beträchtlich. Es gibt einem enorm viel Selbstvertrauen, wenn man sich in einem fremden Land erfolgreich durchsetzen konnte. Außerdem hat man dadurch auch die Möglichkeit, Österreich und das österreichische Gesundheitssystem einmal von außen zu betrachten. So stuft man vieles als verbesserungswürdig ein, was man vorher gar nicht als problematisch wahrgenommen hat. Die Rückkehr nach Österreich war allerdings auch teilweise „schmerzhaft“, da ich ein Arbeitsumfeld aufgeben musste, das meinen Bedürfnissen und Talenten sehr entgegenkam. Viele Dinge sind in Österreich aus den unterschiedlichsten Gründen einfach nicht möglich, und mit dieser Tatsache muss man sich erst abfinden. Entscheidend für meine Rückkehr waren ehrlicherweise meine Familie und Freunde. Der Auslandsaufenthalt war auf jeden Fall eine tolle und unvergessliche Erfahrung. Man muss sich allerdings vorher bewusst machen, dass man nach seiner Rückkehr wieder in einem System arbeiten wird, das Veränderungen äußerst träge gegenübersteht, und dass man extrem viel Energie aufwenden muss, um die gesammelten Erfahrungen auch in Österreich nutzen zu können. Auf lange Sicht ist ein Auslandsaufenthalt auf jeden Fall vorteilhaft, sowohl für die Karriere als auch für die Persönlichkeitsentwicklung. Letztendlich muss ich sagen, dass all dies nicht ohne die Unterstützung meiner Frau Monika möglich gewesen wäre und dass ich ihr dafür unendlich dankbar bin. Dr. Stefan Wöhrer Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien krebs:hilfe!

4:2012

FOTOS: STeFan Wöhrer, PrivaT

Kanada als Arzt praktizieren darf, war mir vor meinem Aufenthalt nicht bewusst. Als mir angeboten wurde, ein Fellowship zu absolvieren, war ich natürlich Feuer und Flamme. Ich bekam dadurch einen Einblick in das nordamerikanische Gesundheitssystem und erhielt eine erstklassige Ausbildung im Bereich der malignen Hämatologie und Stammzelltransplantation. Das Tolle an diesem Training war, dass die Ausbildung strukturiert war und alle Beteiligten tatsächlich bemüht waren, dem Auszubildenden so viel wie möglich beizubringen. Genau dies vermisst man in der österreichischen Ausbildung manchmal. Ich hatte auch den Eindruck, dass in Kanada wirklich versucht wird, aus den Mitarbeitern das Bestmögliche herauszuholen: Jeder macht das, was er am besten kann und wozu er die entsprechende Qualifikation hat. Auch das ist meiner Meinung nach ein Privileg, das in Österreich nur wenigen Menschen zuteil wird.


Mitwirkung an wesentlichen Innovationen UM SICH In CHIRURGISCHER OnkOLOGIE ZU SPEZIALISIEREn, GInG UnIV.-PROf. DR. THOMAS GRünbERGER füR ZWEI JAHRE An DIE UnIVERSITy Of nEW SOUTH WALES (UnSW) In SyDnEy, AUSTRALIEn. TEXT UnIV.-PROf. DR. THOMAS GRünbERGER

FOTO: ThOMaS GrünBerGer

Der initiale Gedanke der Spezialisierung in chirurgischer Onkologie und in hepato-biliärer Chirurgie im Besonderen keimte im Rahmen der Organisation eines Leberkongresses bzw. eines Leberchirugie-Workshops nach dem Ende meiner Facharztausbildung. Da medizinische Spezialisierung am Beginn des 21. Jahrhunderts in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht wichtig erschien, war klar, dass ich ins Ausland gehen musste. Im Zuge des Erlernens einer neu zur Verfügung stehenden intraoperativen Lebertumordestruktionsmethode lud ich Prof. David Morris, den Pionier dieser Methode, nach Wien ein. Er operierte nicht nur im Rahmen des Workshops mit mir, sondern ich verbrachte im Rahmen des folgenden Kongresses eine gesamte Woche mit ihm. Die von der ersten Minute des persönlichen Kennenlernens strukturierten Diskussionen über unbeantwortete Fragen und deren Lösungsansätze in der chirurgischen Onkologie begeisterten mich ungemein. Prof. Morris machte mir am Ende der „Arbeitswoche“, die wir gemeinsam verbrachten, das Angebot, bei ihm im Team als Fellow zu arbeiten. Gleichzeitig hatte ich mir im Rahmen der Erforschung der perioperativen Immunnutrition einen Grant für die Leitung eines Trails in einem kolorektalen Carcinom Center organisiert, wofür sich das Organ-spezialisierte Zentrum im St. George Hospital (Leiter chirurgisches Department Prof. Morris) bestens eignete. Es war mir zu diesem Zeitpunkt meiner Ausbildung und Karriere klar, dass lediglich die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Teilbereich meiner Profession, im Speziellen der chirurgischen

Onkologie, zu einem Fortschritt des Patientenmanagements führen konnte. Neben der Multiplizierung der Patientenfrequenz von spezifischen Krankheitsbildern war nicht nur die unmittelbar chirurgische Performance verbesserbar, sondern es stand die Gesamtheit des Verständnisses der Behandlung von Tumorerkrankungen im Vordergrund.

Effizienter Wissenszuwachs

Die Umsetzung der Beschäftigung mit einem spezifischen Teilbereich der Chirurgie konnte ich nach Überwindung einiger bürokratischer Hürden überwinden, und schon saß ich im Flieger nach Down Under mit einem gewissen mulmigen Gefühl ob des Beginnes einer Erfahrung, die ich ganz alleine abseits von Familie und Freunden bewältigen musste. Ich war mir sicher, dass meine Energie, die ich vollends für die folgenden Jahre in diese Erfahrung stecken sollte, einen Wissenszuwachs und einen Grad des Verständnisses der Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs erreichen würde, den ich in dieser Form an meiner bisherigen Arbeitsstätte nicht erlangen konnte. Mein Wunsch, das beste Therapiekonzept für ein Gesamtbild spezieller chirurgisch onkologischer Erkrankung den mir anvertrauten Patienten anbieten zu können, fand vom ersten Tag meiner Tätigkeit an dem spezialisierten Zentrum seine Erfüllung. Es stand nicht mehr die alleinige Hochrisikochirurgie im Vordergrund, weil sowieso selbstverständlich, sondern darüber hinaus ein strukturierter Wochenplan, der neben der klinischen Tätigkeit auch die Umsetzung wissenschaftlicher Projekte, die Teamsitzungen mit Spezialisten der Onkologie, Radiologie, Pathologie, Radioonkologie, interventionellen Radiologie und Palliativmedizin beinhaltete. Die Auseinandersetzung mit genau diesen Spezialisten und die Diskussion des Patientenmanagements in den diversen Tumorboards erfüllten den Wunsch des Wissenszuwachses vollends und spiegelten das wider, was bei uns in Österreich ein Jahrzehnt später ebenso zum Standard geworden ist. Die Fokussierung auf Teilbereiche der chirurgischen Onkologie, nämlich der hepatobiliären, UpperGI und CRC-Therapie ermöglichte die Auseinandersetzung in bemerkenswert effizienterer Weise.

Ein eigenes, internationales Netzwerk

Hochrisikoleberresektion bei einem fortgeschrittenen intrahepatalen cholangiozellulären karzinom

krebs:hilfe!

4:2012

Es ist mir in den zwei Jahren an der UNSW nicht nur gelungen, meinen Wissensdrang in chirurgischer Onkologie maximal zu befriedigen, sondern ich habe an wesentlichen Innovationen in meinen Spezialfächern mitwirken dürfen, die heute in der Rou-

VII


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT tine ihre Umsetzung finden. Die internationale Erfahrung hat ein großes Netzwerk mit anderen Spezialisten entstehen lassen, wodurch es für mich heute ein Leichtes ist, wissenschaftliche und klinische Fragestellungen auf Basis globaler Kooperation im Rahmen von Studien zu klären. Diese Zusammenarbeit ist eine der vielen Vorteile, die mir die Zeit im Ausland gebracht hat und von der ich seit meiner Rückkehr nach Österreich profitiere. An der eigenen Institution ist die Spezialisierung in den wesentlichen Teilbereichen der chirurgischen Onkologie in die tägliche Praxis übergegangen, womit Vergleiche mit dem Ausland möglich sind. Österreichweit hat dieses Konzept noch nicht seine Umsetzung gefunden, da alle Spezialisierungsanträge seit ihrer Einreichung im vorigen Jahr in der Ärztekammer auf Eis liegen. Dies wird leider dazu führen, dass nicht wir Ärzte Standards de-

finieren können, sondern die Politik uns deren Verständnis der Umsetzung zu einem baldigen Zeitpunkt vorgeben wird. Zusammenfassend würde ich auch morgen wieder an eine vorab sorgsam auszuwählende internationale Institution gehen, sollten die Voraussetzungen dafür gegeben sein, denn Fokussierung leitet die Welt in all ihren Teilbereichen, so auch in der Medizin. Jungen KollegInnen habe ich dies in der Zeit seit meiner Rückkehr auch so vermittelt, weshalb in der Folge eine Reihe von Freunden diesen Weg sehr erfolgreich beschritten haben und noch gehen werden. Univ.-Prof. Dr. Thomas Grünberger Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

Eine ideale kombination aus forschung, Weiterbildung, Spezialisierung UM EIn fORSCHUnGSPROJEkT ZUR PERIOPERATIVEn LEbERfUnkTIOn nACH LEbERRESEkTIOn DURCHZUfüHREn, GInG DER CHIRURG UnIV.-PROf. DR. MARTIn SCHInDL AnS ROyAL InfIRMARy EDInbURGH In SCHOTTLAnD. PRObLEME ZU LÖSEn, AbLäUfE ZU PLAnEn UnD ZU ORGAnISIEREn fäLLT IHM SEITHER LEICHT. TEXT UnIV.-PROf. DR. MARTIn SCHInDL

VIII

Am Royal Infirmary Edinburgh werden jährlich mehr als 250 Eingriffe an der Leber und den Gallenwegen sowie 160 Eingriffe am Pankreas durchgeführt. Es ist damit das Schwerpunktzentrum für Leber- und Gallenwegschirurgie in Schottland und eines der großen HPB (hepato-pancreatic-biliary) Services in Großbritannien.

International beachtete Ergebnisse

Mein wissenschaftliches Projekt in Edinburgh befasste sich mit der Vorhersage der perioperativen Leberfunktion nach ausgedehnter Leberresektion. Mittels Leberfunktionsmessungen und Bestimmung des tatsächlichen bzw. Berechnung des zukünftigen Lebervolumens sollte die Leberfunktionsreserve für den Standard Leberresektionen und die individuelle Situation vorhergesagt werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Team in Edinburgh über ein Jahr im Voraus geplant, und meine Tätigkeit wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) mit einem Erwin-Schrödinger-Stipendium unterstützt. Im Rahmen des Forschungsprojektes haben wir bei mehr als 100 Patienten die perioperative Leberfunktion vor und nach Leberresektion gemessen und konnten so ein kritisches Lebervolumen definieren, welches nicht unterschritten werden darf, um Patienten vor schweren Komplikationen zu bewahren. Die damit verbundenen Publikationen fanden international viel Beachtung und werden noch heute in Arbeiten zu diesem Thema krebs:hilfe!

4:2012

FOTO: BarBara KrOBaTh

Ich verbrachte in den Jahren 2002 bis 2004 einen Auslandsaufenthalt am Department of Surgery des Royal Infirmary Edinburgh. Meine Wahl fiel auf diese Institution, weil ich die Zeit sowohl für die chirurgische Forschung als auch die Spezialisierung im Bereich der Chirurgie an Leber, Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse nutzen wollte. Die Klinik in Edinburgh hatte zu dieser Zeit gerade mehrere richtungsweisende Publikationen über die perioperative Leberfunktion veröffentlicht und ist ein Schwerpunktzentrum für Leber- und Pankreaschirurgie in Großbritannien. Beides waren gute Vorzeichen für eine erfolgreiche Umsetzung meines Projekts. Das Royal Infirmary ist das größte von vier Krankenhäusern in Edinburgh und hat seit seiner Gründung im Jahre 1729 die medizinische Versorgung der Stadt und des Landes geprägt. Im Jahre 2003 übersiedelten die Kliniken in einen neu gebauten Häuserkomplex am südlichen Stadtrand. Das „neue“ Royal Infirmary beherbergt nun die klinischen Abteilungen des National Health Service (NHS), Einrichtungen des Wellcome Trust zur klinischen Forschung sowie ein Hörsaalzentrum, Seminarräume und Laboreinheiten der Universität. Die örtliche Nähe von Routineversorgung, klinischer Forschung und Grundlagenforschung ermöglicht eine enge Zusammenarbeit zwischen diesen Bereichen. Dadurch wurde eine Bearbeitung komplexer medizinischer Fragestellung auf wissenschaftlich hohem Niveau möglich.


regelmäßig zitiert. Im Rahmen dieses Projektes haben wir auch Funktionen der Leber beforscht, die im Allgemeinen nicht in Zusammenhang mit diesem Organ gesehen werden, wie zum Beispiel die körpereigene Abwehrfunktion (innate immunity). Wir konnten zeigen, dass Infektionen eine wesentliche Rolle bei den Komplikationen nach erweiterter Leberresektion spielen und dass das auf die reduzierte Abwehrfunktion des Körpers nach Leberresektion zurückzuführen ist. Die klinischen Beobachtungen wurden durch Messungen am Krankenbett veranschaulicht und durch Ergebnisse aus dem Labor bestätigt. Aufgrund der engen Verbindung des Forschungsprojektes mit dem klinischen Betrieb hatte ich viele Patientenkontakte, war beinahe täglich auf den Stationen, um die Leberfunktion vor und nach der Operation zu messen, diskutierte mit den Operateuren über die vorhergesagten Werte und analysierte in der Abteilung für Radiologie das tatsächliche und berechnete Lebervolumen. Diesen engen klinischen Kontakt empfand ich besonders für das Fach Chirurgie vorteilhaft, da ich dadurch Gelegenheit hatte, einen detaillierten Einblick in die klinische Behandlung an der Abteilung zu bekommen.

Planung trägt wesentlich zum Gelingen bei

Am Royal Infirmary war das multidisziplinäre Tumorboard bereits 2002 fixer Bestandteil in der Behandlung onkologischer Patienten, und die wöchentlichen Besprechungen selbst sowie die Organisation waren sehr lehrreich. Davon stimuliert entstand ein weiteres Projekt gemeinsam mit Österreich über die Berech-

nung des tumorbiologischen Rezidivrisikos bei Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen. Gegen Ende meines Auslandsaufenthaltes konnte ich für einige Monate als Consultant an der Abteilung arbeiten und Operationen an Leber, Gallenwegen und Pankreas durchführen. Während dieser Zeit habe ich viel praktische Erfahrung gesammelt und Behandlungsverläufe komplexer Krankheitsbilder kennen gelernt. Insgesamt war die Zeit am Royal Infirmary für mich eine ideale Kombination aus angewandter Forschung, Weiterbildung und Spezialisierung auf den Gebieten der Leber- und Pankreaschirurgie. Nach meiner Rückkehr nach Österreich konnte ich das erworbene Wissen und die Erfahrung in meine klinische Tätigkeit einfließen lassen. Darüber hinaus war mir die im Ausland erlangte Übung, Probleme zu lösen und Abläufe zu planen und zu organisieren, eine große Hilfe beim Neustart in der Heimat. Ich habe eine sehr positive Erinnerung an den Auslandsaufenthalt in Edinburgh, wobei eine lange Vorbereitung des Projekts und Detailplanung wesentlich zum Gelingen beigetragen haben. Ich kann einen längeren Auslandsaufenthalt (oder mehrere) im Laufe einer medizinischen Karriere sehr empfehlen, wobei es zunächst wichtig ist, sich über die Ziele und die Art der Umsetzung klar zu werden und dann viel Zeit in die Vorbereitung zu investieren. Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

Tumorimmunologie: Erfahrungen an einer amerikanischen Vorzeigeinstitution UnIV.-DOZ. DR. GERD SILbERHUMER ERREICHTE WäHREnD SEInES ZWEIJäHRIGEn AUfEnTHALTS AM MEMORIAL SLOAnkETTERInG CAnCER CEnTER (MSkCC) In nEW yORk EInE „COLORECTAL fELLOWSHIP“-POSITIOn. SO WAR ES IHM MÖGLICH, SEIn kLInISCHES WISSEn ZU VERTIEfEn UnD DARübER HInAUS DIE DORT HERVORRAGEnD ORGAnISIERTEn AbLäUfE kEnnEnZULERnEn.

FOTO: PrivaT

TEXT UnIV.-DOZ. DR. GERD SILbERHUMER

Gegen Ende meiner Facharztausbildung als Chirurg erhielt ich das Angebot, eine Research Fellowship Position im Labor von Dr. Fong am MSKCC in New York City anzutreten. Dank der Unterstützung durch die Medizinische Universität Wien, der Universitätsklinik für Chirurgie sowie der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie konnte ich, finanziert durch ein Max-KadeStipendium, für zwei Jahre erfolgreich die Forschungsmöglichkeiten am MSKCC für meine Projekte nutzen. Das MSKCC ist das weltweit älteste und größte private Institut, das sich ausschließlich auf die Behandlung und Erforschung von krebs:hilfe!

4:2012

Tumorerkrankungen spezialisiert hat. Das Spital wurde 1884 gegründet und befindet sich seit 1936 an der Upper East Side Manhattans unweit der renommierten Rockefeller University und dem Weill Cornell Medical College. Schon aufgrund der örtlichen Nähe erklärt sich die sehr enge Kollaboration dieser drei eigenständigen Institute in einer Vielzahl an Forschungs- sowie klinischen Kollaborationen. Neben dem in den 70er Jahren erbauten und ständig erweiterten Krankenhaus verfügt das MSKCC über zwei Forschungstowers: die in den 70er Jahren erbauten Rockefeller Research

IX


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT Laboratories und das 2006 eröffneten Mortimer B. Zuckerman Research Center, welches über 30.000m an Laborfläche bietet. In mehr als 120 Labors arbeiten zirka 500 Postdoc-/PhDStudenten. 2

Forschung in onkolytischer Virentherapie

Mein ehemaliger Laborleiter am MSKCC, Dr. Yuman Fong, ist ein weltweit renommierter Leberchirurg, der klinisch vor allem für die Entwicklung eines Risikoscores für kolorektale Lebermetastasen (Fong Score) bekannt ist und sich in den letzten Jahren klinisch sehr intensiv mit alternativen Behandlungskonzepten von Lebertumoren mit Mikrowelle, Radiofrequenz und Thermoablation in Kombination mit intraoperativen Imagingmodalitäten beschäftigt. Sein Labor ist seit Jahren für die Forschung mit onkolytischen Viren bekannt, die bereits in einigen klinischen Phase-I/II-Studien erfolgversprechend eingesetzt wurden. Diese onkolytischen Viren werden nicht nur als direkte „Tumorkiller“ verwendet, sondern finden zusehends auch Einsatz als Vektoren im Rahmen des „Molecular Imaging“ wie auch als Transportvehikel zur tumorspezifischen Distribution von tumortoxischen Substanzen. Primäres Ziel meines Aufenthaltes war, mein Wissen auf dem Gebiet der Tumorimmunologie zu erweitern. Das Angebot von Memorial passte somit perfekt in meine Lebensplanung, da ich immer schon einen solchen Schritt gegen Ende der Facharztausbildung anstrebte. Meine Forschungsgebiete waren die Testung des Newcastle Disease Virus (NDV) im Tiermodell sowie die Kombination von onkolytischer Virentherapie mit „Molecular Imaging“. Ein weiteres Projekt war die Korrelation von In-vitroErgebnissen eines onkolytischen Herpes-Virus mit einem prädiktiven mathematischen Model bezüglich des Ansprechens des Tumors auf die onkolytische Therapie.

als „Research Fellow“ an den klinischen Meetings und „Grand Rounds“ teilzunehmen.

Ein besonderes Angebot

Nach etwas mehr als einem Jahr erhielt ich dann das Angebot, eine der nächsten klinischen Colorectal-Fellowship-Positionen bekleiden zu dürfen. Es war natürlich nicht nur eine besondere Ehre, diese Stelle an so einer renommierten Institution angeboten zu bekommen, sondern auch die riesige Chance, direkt Teil des amerikanischen medizinischen Systems zu werden. Die letzten Monate im Labor standen dann ganz im Zeichen, die Forschungsprojekte abzuschließen sowie die Teilprüfungen der „United States Medical Licensing Examination“ (USMLE) erfolgreich abzuschließen. Nach einer kurzen Zeit zurück an der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien durfte ich also schließlich für ein Jahr die Colorectal-Fellowship-Position am MSKCC bekleiden. Dieses Fellowship findet in Kollaboration mit dem Colorectal Service des Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical College statt, und man rotiert jeweils einen Monat mit den jeweiligen „Colorectal Attendings“. Zusätzlich war es mir auch möglich, für ein Monat hepatobiliäre Chirurgie zu meinem früheren Laborchef Fong zu rotieren. In der Regel haben die „Attendings“ zwei bis drei Operationstage, an denen der Fellow der führende Chirurg ist. Ein Tag pro Woche ist für Neuvorstellungen und Nach-

Das für mich Faszinierende im MSKCC waren die rasche Integration in das Laborteam von Dr. Fong wie auch die ständige Unterstützung durch Fellows aus benachbarten Labors. Zusätzlich stand eine Vielzahl an „core facilities“ mit Rat und Tat und oft auch „einer helfenden Hand“ zur Verfügung. In unserem Labor fanden zweimal pro Woche Laborbesprechungen mit Fong statt, wo wir unsere Ergebnisse im Rahmen von Kurzreferaten präsentierten und die weiteren Schritte festgelegt wurden. Dank der „Finanzkraft“ meines Laborleiters, basierend auf NIH Grants, internationalen Firmenkooperationen und privaten Gönnern, waren auch unsere oft sehr kostspieligen In-vivo-Tumormodelle, kombiniert mit den modernsten radiologischen Imaging-Methoden nahezu uneingeschränkt möglich. Einzig bürokratische Hindernisse und oft nicht ganz nachvollziehbare „Rules“ verzögerten manchmal den wissenschaftlichen Erfolg. Einmal pro Woche gab es die „Surgery Research Conference“, ein Treffen aller chirurgischen „Research Fellows“ sowie deren Laborleiter, wo jeweils ein anderes Team seine neuesten Forschungsergebnisse präsentierte. Des Weiteren war es auch möglich, schon

X

Das Labor am MSkCC, in dem Silberhumer z.b. das nDV-Virus im Tier– modell testete, ist für die forschung mit onkolytischen Viren bekannt.

krebs:hilfe!

4:2012

FOTO: PrivaT

Aus dem Vollen schöpfen


sorge in der „outpatient clinic“ reserviert. Der Fellow führte die Station. Im Rahmen des Fellowships finden mehrmals pro Woche Fortbildungsveranstaltungen statt, bei denen primär die Fellows entweder ihre klinischen Forschungsergebnisse präsentieren oder State-of-the-art-Vorträge zu chirurgisch-onkologischen Spezialgebieten halten. Zusätzlich findet für jedes (organspezifisches) Team ein multidisziplinäres Tumorboard statt.

Förderung auf höchstem Niveau

Im Rahmen des Fellowships war es mir nicht nur möglich, an komplexen und oft auch seltenen Fällen mein klinisches Wissen zu vertiefen und zu erweitern, sondern auch die organisatorischen Abläufe und Strukturen einer renommierten amerikanischen Vorzeigeinstitution auf dem Gebiet der Onkologie/onkologischen Chirurgie kennenzulernen. Auch meine chirurgischen Fertigkeiten wurden aufgrund der hohen Fallzahlen in einer Vielzahl an komplexen Eingriffen unter Supervision eines erfahrenen Chirurgen enorm geschult. Über diese dreieinhalb Jahre hinweg wurde nicht nur mein klinisches und wissenschaftliches Wissen auf dem Gebiet der onko-

logischen Chirurgie auf höchstem Niveau gefördert, sondern es hat sich auch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Kontakten, Kollaborationen und Netzwerken ergeben; ebenso eine Menge von hoffentlich lang anhaltenden Freundschaften mit internationalen KollegInnen aus verschiedensten Kontinenten. Diese Kontakte werden auch vonseiten der Institution durch AlumniEmpfänge auf allen bedeutenden amerikanischen Kongressen gepflegt. Nach meiner Heimkehr versuche ich nun, meine Erfahrungen bestmöglich sowohl im klinisch Alltag sowie im Rahmen meiner wissenschaftlichen Projekte einzubringen und die gewonnenen Kontakte für Kollaborationen zu nutzen. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, auch den Schritt ins Ausland zu wagen, zu erkunden, wie andere Systeme funktionieren und nach der Rückkehr den erworbenen Erfahrungsschatz in der Heimat in die tägliche Arbeit einzubringen. Univ.-Doz. Dr. Gerd Silberhumer Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

Ausbildung hat den höchsten Stellenwert DER CHIRURG PRIV.-DOZ. DR. DIETMAR TAMAnDL ERLEbTE AM MEMORIAL SLOAn-kETTERInG CAnCER CEnTER, nEW yORk, ALS kLInISCHER fELLOW füR SURGICAL OnCOLOGy VORAUSSCHAUEnDE PLAnUnG, kOnSTRUkTIVE kRITIk UnD EIn fUnkTIOnIEREnDES MEnTORInG-SySTEM. ER HäLT TIPPS füR InTERESSIERTE bEREIT.

FOTO: PrivaT

TEXT PRIV.-DOZ. DR. DIETMAR TAMAnDL

Als ich im Sommer 2006 beschlossen hatte, eine klinische Zusatzausbildung in den USA anzustreben, war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar, wie das genau ablaufen solle und welche Hürden auf mich zukommen würden. Ich wollte einfach das Ausbildungssystem, von dem ich sehr viel Gutes gehört hatte, kennenlernen und nicht nur zuschauen, sondern voll dabei sein. Nach den USMLE-Prüfungen, die für klinisch tätige Ärzte in den USA Voraussetzung sind, versuchte ich über Kongresskontakte und Hospitationen Personen in Schlüsselpositionen kennenzulernen. So konnte ich den persönlichen Kontakt herstellen, der zusätzlich zu den objektiven Bewerbungskriterien einen hohen Stellenwert in den USA hat. Nach mehreren Bewerbungen und Interviews erhielt ich schließlich die Zusage, dass ich für das International Surgical Oncology Fellowship am Memorial SloanKettering Cancer Center akzeptiert worden war. Als eines der größten Krebszentren der USA führt es im Jahr über 500.000 ambulante und 25.000 stationäre Behandlungen durch. Die Ausbildung in allen Bereichen der Onkologie hat höchsten Stellenwert, und daher werden pro Jahr etwa 100 Fellows in allen Bereichen eingesetzt, 16 davon in der Chirurgie. krebs:hilfe!

4:2012

Mitten drin von Anfang an

Gleich nach meiner Ankunft in New York im Juni 2010 durfte ich neben der anfänglich fast unerträglichen Lufttemperatur von 38 Grad einige angenehme Beobachtungen machen. Das Apartment war bereits organisiert, eine Gehminute von der Klinik entfernt, nette Lage am East River. Die Einschulung der Fellows in die wichtigsten Systeme und „Bräuche“ wurde in den zwei Tagen vor Arbeitsbeginn im Stil eines Intensivkurses durchgeführt. Somit war ich bestens vorbereitet. Das war auch erforderlich, denn am 1. Juli um sechs Uhr morgens war ich bereits für meine stationären Patienten verantwortlich, das heißt, dass Visite in der Früh inklusive Planung der Tagesabläufe von Tag eins an funktionieren mussten. Der gesamte Ablauf war computerbasiert, und ich musste alle ärztlichen Anordnungen, Medikamente etc. exakt inklusive genauer Dosierung und Verabreichungsform angeben. Dann, ab sieben Uhr, fand meistens entweder eine Fortbildungskonferenz statt, oder es ging direkt in den OP oder in die Ambulanz. Ich hatte mindestens zwei OP-Tage pro Woche mit dem Oberarzt, und es wurde je nach Disziplin des Chirurgen bis in die Abendstunden ope-

XI


 ÖSTERREICHERInnEn In DER WELT

Ruhige Nächte

Dafür konnte ich immer im eigenen Bett schlafen. Selbst die Nachtdienste, bei denen ich für Konsile und Notfälle zuständig war, bedeuteten für mich Rufbereitschaft, nachdem ich ohnehin einen Block weiter wohnte. Eine für mich ungewohnte Situation war, dass im Dienst ständig Patienten oder Angehörige in der Klinik anriefen und diverse Fragen auf Lager hatten. Oft wurde ich so auf schwerwiegende Probleme aufmerksam gemacht, und die Patienten mussten dann unverzüglich aufgenommen werden. Gelegentlich wurde nachgefragt, ob ein Patient eine zweite Schmerzmitteltablette nehmen dürfte, obwohl er die letzte gerade erst genommen hatte. Generell lässt sich sagen, dass die Arbeitstage sehr intensiv und zeitlich ausgedehnt waren, in der Nacht jedoch im Verhältnis zum Betrieb an meiner Heimatklinik in Wien wenig Aktivität im OP zu verzeichnen war.

Genaue Planung

Die einmonatlichen Rotationen des Curriculums teilten sich in die allgemeinen chirurgisch-onkologischen Bereiche, wie Chirurgie des Gastrointestinaltrakts (verteilt auf Kolorektal-, Magenund Leber-/Pankreaschirurgie) sowie Melanom- und Sarkomchirurgie. Zwei Monate waren eigenständigen Rotationen wie Mamma- und Thoraxchirurgie vorbehalten. So erhielt ich einen sehr guten Überblick über das gesamte Spektrum der chirurgischen Onkologie und war auch sehr intensiv in die interdisziplinäre Arbeit der einzelnen Spezialdisziplinen eingebunden. Dies war sehr genau geplant, und ich wusste schon im Februar 2010, in welchem Team ich im z.B. im Mai 2011 arbeiten würde und wann die zwei Wochen Urlaub eingeteilt waren. Die Teams selbst waren sehr übersichtlich gestaltet, weil man mit dem „Staff Member“, einem Ausbildungsassistenten/Studenten und dem administrativen Personal quasi eine Einheit war. Insgesamt konnte so mit weniger ärztlichem Personal eine sehr effiziente Patientenbetreuung erfolgen, weil man von administrativen Tätigkeiten weitgehend abgeschirmt war.

Fruchtbare Kritik

Neben der klinischen Arbeit wurde viel Wert auf das Ausbildungscurriculum gelegt, das in mehreren Konferenzen und Kursen pro Woche abgehalten wurde. So wurde beispielsweise von den älteren Fellows ein „clinical trials course“ angeboten, wo al-

XII

le relevanten klinischen Studien zu einem Organgebiet präsentiert und diskutiert wurden. Mittwochs fand die Plenarkonferenz der Chirurgie statt, in der jeweils zwei Fellows einen Vortrag hielten und anschließend scheinbar mit Genuss zerpflückt wurden. So unangenehm diese Erfahrung initial war, so respektvoll und konstruktiv war die Kritik, die man erntete, was im weiteren Verlauf zu einem großen Gewinn geführt hat. Dies ist einer der grundlegenden Unterschiede zum mitteleuropäischen System: Kritik wurde sehr schnell, aber stets fundiert und fast nie emotional geübt. So bestand ständig die Gelegenheit, aus den eigenen Unzulänglichkeiten zu lernen. Das ist leicht gesagt, aber nach meiner Erfahrung funktioniert es nur auf diese Weise wirklich gut. Das Mentoring war ein weiterer großer Pluspunkt; bei jeder noch so unscheinbaren und scheinbar unwichtigen Präsentation war ein erfahrenes „Staff Member“ anwesend, um seine/ihre Expertise abzugeben, aber auch gezielt einzelne Teilnehmer nach deren persönlicher Meinung zu fragen. So musste man stets auf eine gezielte Frage gefasst sein, was die Vigilanz natürlich sehr stärkte. Einmal pro Woche wurde ein renommierter Experte wie z.B. ein Pionier der GIST-Forschung oder der „Principal Investigator“ einer großen Melanomstudie eingeladen. Fast gemütliche Diskussionen beim Abendessen über deren Arbeit waren dann möglich.

Die Mühe wert

Würde ich noch einmal vor der Entscheidung stehen bzw. könnte ich einem Kollegen, der vor dieser Wahl steht, einen Tipp geben, so würde ich diesen Weg jederzeit wieder empfehlen. Bevor man loszieht und sich bewirbt, ist es aber wichtig zu versuchen, einen Mentor oder Vertrauten am Zentrum der Wahl zu finden, was sicher am besten durch Hospitationen oder Forschungsaufenthalte möglich ist. Die Medizin aus Europa und speziell aus Österreich hat, obwohl sich die Amerikaner selbst durchaus sehr hoch einschätzen, einen sehr guten Ruf und sie wird respektvoll akzeptiert. Nicht selten wurde ich um meine Meinung gefragt oder sollte berichten, wie eine Problemstellung bei uns an der Klinik gelöst werden würde. Ob die Mühe der Zulassungsprüfungen den Aufwand wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Für mich war es jedoch definitiv der Fall. Am besten ist es jedoch, erst die Zulassung anzustreben, wenn man bereits eine Stelle zugesichert oder in Aussicht gestellt bekommen hat. Wichtig ist auch, wenn man eine Klinik oder ein Zentrum ins Auge gefasst hat, mit den Fellows oder Assistenten selbst zu sprechen. Denn diese können oft eine andere Sicht darlegen als der Programmdirektor. Alles in allem war mein Auslandsaufenthalt eine sehr gute Erfahrung. Er erweiterte meinen Horizont, und darüber hinaus konnte ich Kooperationen eingehen und Freundschaften fürs Leben schließen. Priv.-Doz. Dr. Dietmar Tamandl, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

FOTO: PrivaT

riert. Es wurde immer sichergestellt, dass die Eingriffe im OP entweder selbstständig oder vom Oberarzt assistiert durchgeführt wurden. Als Fellow war man sonst für die gesamte perioperative Betreuung verantwortlich, weiters mussten alle Patientenvorstellungen im Tumorboard und auch Neubegutachtungen in der Ambulanz von uns abgewickelt werden, die dann vom entsprechenden „Staff Member“ supervidiert wurden. Für die eigenen stationären Patienten war man immer erreichbar, was dazu führte, dass der Pager stets auch außerhalb der Klinik dabei sein musste.

krebs:hilfe!

4:2012


krebs:kongresse 35

1

1 ASCO 2012

FOTO: PrivaT

Die neuen Ergebnisse Die Highlights aus den insgesamt 4.500 Beiträgen finden Sie auf den Seiten 36/37, Kurzberichte zu ASCO-Präsentationen aus Österreich auf Seite 39 und eine Reihe neuer gynäko-onkologischer Erkenntisse auf den Seiten 42/43. Auch hämato-onkologische News gab es beim ASCO: In der Langzeitstudie StiL NHL1 wurde das R-CHOP-Regime erstmals direkt mit Rituximab-Bendamustin verglichen (Rummel et al., Abstract 3). Eingeschlossen waren 549 neu diagnostizierte Patienten mit indolentem Lymphom, Mantelzelllymphom oder Waldenström’s Makroglobulinämie. Mit Rituximab-Bendamustin wurde ein progressionsfreies Überleben von über sechs Jahren erreicht, mehr als doppelt so lang wie unter R-CHOP (69,5 vs. 31,2 Monate). Außerdem war Bendamustin wesentlich besser verträglich. „Rituximab-Bendamustin sollte bevorzugte Erstlinientherapie bei indolenten Lymphomen werden“, forderte Prof. Dr. Mathias Rummel, Universitätsklinik Gießen, Deutschland. In der PACE-Studie erwies sich Ponatinib bei stark vorbehandelten Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie als wirksam bei der BCR-ABL-Resistenzmutation T315I (Cortes et al.; Abstract 6503). <

krebs:hilfe!

4:2012

Senologie 2012 Rund um die Brust

30. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Senologie 27.–28. September 2012 Wien, Aula der Wissenschaften Information: senologie2012@medacad.org www.senologie.at

Hochtechnologie und menschliche Zuwendung

29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und medizinische Radiophysik 28.–29. September 2012 Gmunden, Toscana Congress Die DESO-Kurse zu den technischen, physikalischen und biologischen Grundlagen in der klinischen Radioonkologie sowie ein Update zu kombinierten Therapien mit Bestrahlung, Chemotherapien und Targeted Therapies werden am 26.–27. September 2012 abgehalten. Information: azmedinfo@media.co.at

Und wieder ist Wien Kongressstandort

ESMO 2012 28. September bis 2. Oktober 2012 Wien, Austria Center 17.000 Teilnehmer aus mehr als 120 Ländern werden zum 37. Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) erwartet. Rund 220 Stunden wissenschaftliches Programm, 140 wissenschaftliche Sitzungen, 300 Vortragende und 2.200 eingereichte Abstracts – das sind nur einige der Eckdaten dieses wissenschaftlichen Großereignisses, auf dem die wichtigsten Fortschritte aus allen Bereichen der Krebsforschung präsentiert werden. Programm: www.esmo.org/events/ vienna-2012-congress.html

Hoffnung aus der Grundlagenforschung

DGHO, OeGHO, SGHO 19.–23. Oktober 2012 Stuttgart (D), ICS Internationales Congresscenter, Landesmesse Zentrales Thema bei der Jahrestagung der deutschsprachigen Onkologen ist der Zusammenhang von Grundlagenforschung und Krebstherapie. Information: www.haematologie-onkologie-2012.de


 ASCO 2012 36

Die Glanzpunkte vom A Mit rund 31.000 Teilnehmern ist die Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) der bedeutendste Krebskongress. Im Folgenden wird eine Auswahl der wichtigsten Beiträge aus rund 4.500 PräsentaTexT DR. SUSANNE BILLICH tionen präsentiert. sprechrate von 74 Prozent (Kris et al., Absden so 70 Prozent aller NSCLC-Patienten tract 7530). erfasst. „Genetische Tests im Zentrallabor Der „First-in-class“-MEK-Inhibitor Tramesind nicht extrem teuer, sie kosten ungetinib verdreifachte in der Phase-III-Studie fähr genauso so viel wie ein bis METRIC bei vorbehandelten Gastrointestinale Stromatuzwei Therapiewochen“, sagte Dr. Melanompatienten mit BRAFmore (GIST). Bei GIST war RegoraThomas Zander, UniversitätskliMutationen das mediane profenib nach Versagen von Imatinib und nikum Köln, Deutschland, in gressionsfreie Überleben gegenSunitinib wirksam (Demetri et al.; Absder ASCO-Pressekonferenz. über Chemotherapie mit Dacartract LBA10008). In In der Phase-III-Studie LUXbazin oder Paclitaxel (4,8 vs. 1,5 der Phase-III-Studie Robert: „Trametinib Lung-3 beim EGFR-mutierten, Monate, p<0,0001; Robert et al., GRID war das prokönnte eine weitere nicht vorbehandelten NSCLC Abstract LBA8509). Trotz Cross- Erstlinientherapie gressionsfreie Überverzögerte der irreversible ErbBover gab es einen Unterschied im darstellen.“ leben mit RegorafeRezeptorblocker Afatinib die Sechs-Monats-Überleben (81 vs. nib gegenüber PlazeDemetri: „Regorafe­ Progression besser als sechs Zyklen Peme61 Prozent). „Trametinib könnte eine weibo signifikant länger nib ist eine neue Op­ trexed/Cisplatin (11,1 vs. 6,9 Monate, tere Erstlinientherapie darstellen“, sagte (4,8 vs. 0,9 Monate, tion für GIST­Patien­ ten, bei denen Stan­ p=0,0004; Yang et al.; Prof. Dr. Caroline Robert, Institute Gustap<0,0001). Aufgrund dardtherapien ver­ Abstract LBA7500). ve Roussy, Villejuif, Frankreich, in der Presdes Cross-over gab es sagt haben.“ Bei Patienten mit sekonferenz. nur einen Trend zu den häufigen MutaIn der Phase-III-Studie BREAK-3 verlänlängerem Überleben bei früherer Regorationen Del19 und gerte der BRAF-Inhibitor Dabrafenib gefenib-Gabe. „Regorafenib ist eine neue L858R war der Ungenüber Dacarbazin das progressionsfreie Option für GIST-Patienten, bei denen Zander: „Genetische terschied noch grö- Tests im Zentrallabor Überleben (5,1 vs. 2,7 Monate, p<00001; Standardtherapien versagt haben“, folgerte ßer, 13,6 vs. 6,9 Mo- kosten ungefähr ge­ Hauschild et al., Abstract LBA8500). „Als Prof. Dr. George Demetri, Dana Farber nauso viel wie ein bis nate (p<0,0001). zwei Therapie­ nächstes wird Dabrafenib im adjuvanten Cancer Institute, Boston, USA. „LUX-Lung-3 ist bis- wochen.“ Setting und in Kombinationen unterlang die größte und sucht“, sagte Prof. Dr. Axel Hausschild, UniMetastasiertes Nierenkarzirobusteste Studie bei EGFR-mutierten Paversitätsklinikum Kiel, Deutschland. In einom (RCC). In einem Update der tienten. Sie vergleicht erstmals mit dem ner Phase-I/II-Kombinationsstudie zeigte Phase-III-Studie AXIS-1032 verdoppelte besonders wirksamen Doublet Pemetrexsich nicht nur eine klinisch relevante TuAxitinib gegenüber Sorafenib das progresed/Cisplatin“, sagte Prof. Dr. James Chihmorschrumpfung, sondern auch eine Resionsfreie Überleben bei Zytokin-vorbeHsin Yang, National Taiwan University duktion der Nebenwirkungen, Hautaushandelten Patienten (12,0 vs. 6,6 Monate, Hospital, Taipeh, Taiwan. Afatinib wirkt in schläge bei Trametinib und hyperprolifep<0,0001; Michaelson et al., Abstract vitro auch bei der EGFR-Resisrative Hautläsionen bei Dabrafenib (We4546). Pharmakokinetische Untenz-Mutation T790M. In einer ber et al.; Abstract 85190). tersuchungen der Phase-II-ErstGefitinib/Erlotinib-resistenten linienstudie 1046 mit zweimal täglich 5mg Axitinib zeigten, Nicht-kleinzelliges Lungen- Patientenpopulation erreichte dass die Exposition individuell karzinom (NSCLC). Routinemä- Afatinib eine „disease control rate“ von 63,7 Prozent (Schuler et stark schwankt (Rini et al., Absßige molekulare Tests (KRAS, BRAF, PIKYang: „LUX­Lung­3 al.; Abstract 7557). tract 4503). Patienten, die keine 3CA, ERBB2, FGFR1) sind für kommunaist die robusteste Ein weiterer Pan-ErbB-Rezeptor- Studie bei EGFR­mu­ Toxizitäten und keinen klinisch le Krankenhäuser kosteneffektiv in einem inhibitor, Dacomitinib, erreichte tierten Patienten und relevanten Bluthochdruck zeigexternen Zentrallabor realisierbar (Absvergleicht erstmals in der Erstlinie bei Patienten mit mit dem Doublet Pe­ ten, erschienen für Dosistitratiotract CRA10529). Im Großraum KölnEGFR-Mutationen eine An- metrexed/Cisplatin.“ nen auf 7,5 bzw. 10mg zweimal Bonn mit 2,5 Millionen Einwohnern werkrebs:hilfe!

4:2012

FOTOs: susanne Billich (2), ascO/scOTT MOrgan 2012 (6)

Neue Melanomtherapien.


37

m ASCO 2012 Progression das progressionsfreie Überletäglich geeignet. Diese Patienten zeigten ben (5,7 vs. 4,1 Monate, p<0,0001) und das niedrigere Ansprechraten als nicht dafür Gesamtüberleben (11,2 vs. 9,8 Monate; geeignete (43 vs. 59 Prozent). Bluthochp=0,0062; Arnold et al., Abstract druck scheint ein Marker für eiCRA3503). Auch in der VEne ausreichende therapeutische LOUR-Studie verlängerte eine Exposition zu sein. Antiangiogenese in der ZweitliAuch Tivozanib erwies sich in nie das progressionsfreie Überleder Phase-III-Studie TIVO-1 geben, um 1,5 Monate ohne und genüber Sorafenib als effektiver. escudier: „70 Pro­ 2,8 Monate mit vorangegangeDas progressionsfreie Überleben zent der Patienten bevorzugen Pazopa­ ner Bevacizumab-Therapie (Allein der Erstlinien-Population be- nib gegenüber gra et al., Abstract 3505). trug 12,7 vs. 9,1 Monate (Motzer Sunitinib.“ Der Multityrosinkinase-Inhibiet al., Abstract 501). Im Vergleich tor Regorafenib verlängerte in der Phasemit Sorafenib verursachte Tivozanib selteIII-Studie CORRECT bei einer sehr stark ner Hand-Fuß-Syndrom, aber häufiger vorbehandelten Patientenpopulation das Bluthochdruck, was mit einer besseren Gesamtüberleben um 1,4 Monate gegenWirksamkeit korrelierte. über Plazebo (6,4 vs. 5,0 Monate, p=0,0052). In der PISCES-Studie wurde erstmals die „Regorafenib ist der Patientenpräferenz zwischen Sunitinib erste Kinasehemmer, und Pazopanib evaluiert (Escudier et al., der beim KolorektalAbstract CRA4502). In dieser randomisierkarzinom einen kliten doppelblinden Studie erhielten die Panischen Vorteil zeigt“, tienten zunächst zehn Wochen lang Pazosagte Prof. Dr. Eric panib und nach einer Auswaschphase von Van Cutsem: „Rego­ Van Cutsem, Univer- rafenib könnte für zwei Wochen genauso lang Sunitinib oder sitätshospital Leu- Chemotherapie­re­ vice versa. „70 Prozent der Patienten bevorfraktäre mCRC­Pati­ ven, Belgien, und enten eine neue The­ zugten Pazopanib und nur 22 Prozent fügte hinzu: „Rego- rapieoption sein.“ Sunitinib“, sagte Prof. Dr. Bernard Escurafenib könnte für dier, Institute Gustave Roussy, Villejuif, Chemotherapie-refraktäre mCRC-PatienFrankreich. Die Patienten begründeten ihten eine neue Therapieoption sein.“ re Entscheidung mit „besserer Lebensqualität und weniger Fatigue“. Auch 60 Prozent der Ärzte bevorzugten Pazopanib. Prostatakarzinom. In der SWOG9346-Studie wurde die kontinuierliche Kolorektalkarzinom (mCRC). mit der intermittierenden Androgenblockade bei 3.040 neu diagnostizierten PatiIn der TML-Studie verlängerte das Beibeenten verglichen (Hussein et al., Abstract halten von Bevacizumab nach der ersten

 Onkologische Begleittherapien Bei hoch emetogenen Chemotherapien können trotz Prophylaxe Übelkeit und Erbrechen auftreten (CINV). In einer doppelblinden Phase­III­Studie reduzierte das atypische Anti­ psychotikum Olanzapin Durchbruch­CINV besser als die aktive Vergleichssubstanz Meto­ clopramid (71 vs. 32 Prozent Patienten ohne Erbrechen, Navari et al.; Abstract 9064). Das Antidepressivum Duloxetin, ein Serotonin­Noradrenalin­Rezeptor­Wiederaufnah­ mehemmer, verringerte in einer doppelblinden Phase­III­Studie bei 59 Prozent der Pa­ tienten Schmerzen durch Chemotherapie­induzierte periphere Neuropathie (CIPN), Pla­ zebo hingegen nur bei 33 Prozent (Smith et al., Abstract CRA9013). krebs:hilfe!

4:2012

4). In der Gesamtpopulation war die intermittierende Therapie nur knapp unterlegen (Gesamtüberleben 5,1 vs. 5,8 Jahre), hingegen war der Unterschied aber deutlich in der Subgruppe der Männer mit minimaler Erkrankung (7,1 vs. 5,2 Jahre, p=0,034). „Eine intermittierende Androgendepletion ist nicht für alle Patienten als sicher anzusehen“, folgerte Prof. Dr. Maha Hussein, Universität Michigan, Ann Arbor, USA, in der Pressekonferenz. Beim kastrationsresistenten ProstatakarHussein: „Eine inter­ zinom zeigte Abira- mittierende Andro­ teron/Prednison in gendepletion ist nicht für alle Patien­ der Interimsanalyse ten als sicher anzu­ der Erstlinienstudie sehen.“ COU-AA-302 einen Vorteil gegenüber Prednison allein (Ryan et al.; Abstract LBA4518). Unter Abirateron wurden das mediane progressionsfreie und das Gesamtüberleben nicht erreicht, unter Plazebo betrug es 8,8 bzw. 27,2 Monate (p <0,0001 bzw. 0,0097). Im neoadjuvanten Setting wurde mit einer sechsmonatigen Abirateron/Prednison-Therapie zusätzlich zur Hormondepletion bei einem Drittel der Hochrisikopatienten ein vollständiges oder fast vollständiges Ansprechen erreicht (Taplin et al.; Abstract 4521). In der Phase-III-Studie AFFIRM bei 1.199 Docetaxel-vorbehandelten Patienten steigerte der Androgenrezeptor-Signalblocker Enzalutamid (MDV3100) das Gesamtüberleben gegenüber Plazebo (18,4 vs. 13,6 Monate, p<0,0001; De Bono et al.; Abstract 4519). Das progressionsfreie Überleben war fast verdreifacht (8,3 vs. 2,9 Monate, p<0,0001). Hingegen scheiterte der Endothelin„Pathway“-Blocker Atrasentan in der Phase-III-Studie SWOG-S0421 (Quinn et al.; Abstract 4511). Es ergab sich durch die Behandlung mit Atrasentan kein Vorteil gegenüber Plazebo. <


Werte schaffen durch Innovation

12 Millionen Menschen weltweit erkranken jedes Jahr an Krebs. Wir versuchen, diese Krankheit an ihrer Wurzel zu bek채mpfen. www.boehringer-ingelheim.at

Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Dr. Boehringer-Gasse 5-11, 1121 Wien, Tel. 01/801 05-0*, Fax 804 08 23


 ASCO 2012 39

Tolle österreichische Erfolge Das Nachwuchsförderprogramm des Comprehensive Cancer Center Vienna „CCC Young Scientists“ vergab zwei Reisestipendien für engagierte Nachwuchswissenschaftlerinnen, die eigene Arbeiten auf dem ASCO 2012 präsentierTexT DR. SUSANNE BILLICH ten. Auch neue Auswertungen von ABCSG- und AGMT-Studien wurden vorgestellt.

FOTOs: PrivaT, BarBara KrOBaTh

Großes Ödem – bessere Prognose. In einer retrospektiven Analyse

Die einzige österreichische Oral presentation bezog sich auf

schen Leitlinien (81 bis 94 Prozent) mit dem nach dem EPclin-Score (37 Prozent). Mit Letzterem wurden viele Patientinnen von „high/intermediate“ auf „low risk“ reklassifiziert. Diese Patientinnen hatten ein exzellentes metastasenfreies Zehn-JahresÜberleben von 95 Prozent. Die Risikoabschätzung mit dem EPclin-Score ist also exakter als die mit klinischen Guidelines.

(n=159) wurde das Ausmaß des peritumoeine Analyse der Frauenklinik der Medralen Ödems bei singulären HirnmetastaUni Wien. In der ABCSG-6-Studie wurde sen vor der neurochirurgischen der Amplifikationsstatus des Resektion als unabhängiger proÖstrogenrezeptorgens ESR1 in gnostischer Faktor identifiziert archivierten Tumorproben un(Preusser et al.; Abstract 2053). tersucht (n=394; Singer et al., Bei großen Ödemen war das GeAbstract 10501). Brustkrebspasamtüberleben signifikant bestientinnen mit einer erhöhten ser als bei kleinen (Grad 3: 14 Berghoff: „Das Aus­ ESR1-Genkopiezahl profitierAGMT-Gastric-3. In einer Studie maß des peritumora­ Monate, Grad 1: vier Monate). len Ödems vor der ten mehr von Tamoxifen als jevon Wöll et al. (Abstract 4074) erhielten „Wir sahen auch morphologi- neurochirurgischen ne mit einer normalen. Der Patienten mit nicht operablem MagenkarResektion ist ein un­ sche Unterschiede in den Resek- abhängiger prognos­ ESR1-Genkopiestatus ist ein zinom zunächst drei Monate Oxaliplatin, taten“, erklärte CCC-Stipendia- tischer Faktor.“ unabhängiger und starker PräIrinotecan und Bevacizumab alle zwei Wotin Dr. Anna Sophie Berghoff diktor für das fernmetastasenchen (q2w). Danach wurde auf drei Monavom Klinischen Institut für Neurologie, freie und das brustkrebsspezifite Docetaxel plus Bevacizumab MedUni Wien. „Metastasen mit großem sche Überleben bei postmeno(q2w) gefolgt von BevacizumabÖdem hatten eine hohe Mikrogefäßdichte pausalen Frauen, die adjuvant Erhaltungstherapie bis zur Proentsprechend einem NeovaskularisieTamoxifen erhalten. gression umgestellt. Das Gesamtrungsmuster, während Tumore mit kleiansprechen lag bei 92 Prozent. nem Ödem eine niedrige MikrogefäßdichWöll: „Ergebnis einer sequenziEPclin zur Risikostrate aufwiesen. Diese Tumore wuchsen eher tifizierung. Die Entschei- Wöll: „Beherrschbare ellen Therapie bei Magenkarzientlang bestehender Gefäße.“ nom sind sehr gute Ansprechradung, zusätzlich zur endokrinen Nebenwirkungen ei­ ner Therapiesequenz ten und beherrschbare NebenTherapie eine Chemotherapie bei nicht­operablem wirkungen.“ PET-MRT besser als Standard- durchzuführen, hängt bei ER- Magenkarzinom.“ MRT. Das PET-MRT mit multiparame- positiven/Her2-negativen Brustkrebspatientinnen von klinischen und patrischer Fusionsbildgebung erreicht eine Bessere Information pflegenthologischen Faktoren ab. Leitlinien wie ausgezeichnete Sensitivität und Spezifität der Angehöriger nötig. Eine redie NCCN-Guidelines 2007, die deutschen (Pinker-Domenig et al.; Abstract 10570). trospektive Studie der MedUni Wien unS3-Leitlinien 2008 und die der St.-GallenDieses Ergebnis konnte Ass.-Prof. Dr. Kattersuchte die Lebensqualität von GlioblasKonferenz 2011 stufen nur wenige Patienja Pinker-Domenig, Klinische Abteilung tom-Patienten und deren pflegenden tinnen in die Kategorie „low risk“ ein, für für Allgemeine Radiologie und KinderraAngehörigen mithilfe eines speziell entdie eine alleinige endokrine Therapie infradiologie, Gender Imaging/Molekulare wickelten Fragebogens (Flechl et al., Absge kommt. Filipits et al. von der MedUni Bildgebung, CCC Wien, mit einem CCCtract 2071). Auf einer Skala von eins bis Wien entwickelten den EPclin-Score, der Stipendium beim ASCO präsentieren. sieben, bei der sieben den Bestwert repräauf dem Multigen-Test EndoPredict und Ohne ein Karzinom zu übersehen hätten sentiert, bewerteten die Angehörigen die klinischen Parametern wie Nodalstatus in der beschriebenen Studie damit 80 Lebensqualität des Glioblastom-Patienund Tumorgröße basiert (Abstract 542). Prozent aller benignen Brustläsionen ohten median mit 2,2 und die eigene mit Bei 1.702 Patientinnen der ABCSG-6- und ne Biopsie abgeklärt werden können. Mit 2,8. In der „End of Life“-Phase fühlten -8-Studien, die nur endokrine Therapie erPET-MRT lassen sich Lymphknotenmetasich 30 Prozent der Angehörigen schlecht hielten, verglichen sie den Anteil an Hochstasen auch leichter als mit Standardinformiert und bis zu zwei Drittel überrisikopatientinnen nach den drei kliniMRT auffinden. fordert. < krebs:hilfe!

4:2012


 ASCO 2012 40

Cetuximab führt über einen direkten Ansatz am Tumor zu einer effektiven Schrumpfung der Tumormasse, was sich in konstant signifikant erhöhten Ansprechraten widerspiegelt. Dies zeigen mehrere randomisierte Studien bei K-RASwt-Patienten für den EGFR-Inhibitor. Cetuximab ist der einzige Antikörper, bei dem in Kombination mit Standardchemotherapie in den Studien damit ein signifikanter Vorteil im Gesamtüberleben in der First line verbunden ist.

Konsistent hohe Ansprechraten. Cetuximab führt über mehrere

randomisierte Studien sowohl in der Kombination mit FOLFIRI (CRYSTAL) als auch mit FOLFOX4 (OPUS) zu einer signifikanten Erhöhung des Gesamtansprechens (p<0,0001).1 Die Kombination mit Oxaliplatin-basierten Therapien wurde von Taïeb am ASCO 2012 präsentiert. Die gepoolten K-RASwt-Daten von COIN und OPUS, wobei in Ersterer nur der Chemotherapiearm mit OxMdG (Oxaliplatin-infusionales Fluorouracil/Folinsäure) ausgewertet wurde, zeigten, dass durch die Zugabe von Cetuximab das Ansprechen um fast das Doppelte erhöht (Odds Ratio 1,87) und das progressionsfreie Überleben signifikant verlängert wird.2 Die Zugabe von Cetuximab zu einer Oxaliplatin- oder Irinotecan-basierten Chemotherapie erhöht also das Gesamtansprechen und progressionsfreie Überleben signifikant und zeigt einen durchgehenden Überlebensvorteil.

Frühe Tumorschrumpfung relevant. Eine frühe Tumorschrump-

fung, definiert als Abnahme der Tumor-

masse um ≥20 Prozent nach acht Wochen, verbessert die Langzeitprognose. Mansmann et al. validierten am ASCO das Ausmaß der frühzeitigen Tumorschrumpfung als prognostischen Faktor anhand von vier Erstlinien-Studien.3 Es zeigte sich: Je höher der prozentuale Tumorrückgang, desto besser die Prognose. Generell erreichten Patienten, die zusätzlich zur Chemotherapie Cetuximab erhielten, häufiger frühe Tumorschrumpfungen bei gleichzeitig höherprozentualen Regressionen. Die bessere Tumorregressionskinetik spiegelt sich in einem signifikanten langfristigen Überlebensvorteil mit Cetuximab wider.

Liver limited disease (LLD).

Besonders ausgeprägt ist der Benefit bei auf die Leber beschränkte Metastasierung (LLD).4 Eine von Köhne präsentierte Analyse der Studien CRYSTAL und OPUS zeigte, dass eine Kombination mit Cetuximab

Fazit. Cetuximab bewirkt bei einem Großteil der K-RASwt-Patienten eine rasche Tumorschrumpfung und erhöht die Aussicht auf eine kurative Resektion. Auch wenn keine Resektion möglich ist, verlängert Cetuximab das Überleben. „Patienten mit früher Tumorschrumpfung leben länger“, fasste Prof. Dr. Eric van Cutsem, Universität Leuven, Belgien, bei einem Round Table im Rahmen des ASCO zusammen. < Literatur 1 Köhne et al.; ASCO GI 2010, Abstract 406; 2 Taïeb et al.; ASCO 2012, Abstract 3574; 3 Mansmann et al.; ASCO GI 2012, Abstract 580; 4 Köhne et al.; ASCO 2012, Abstract 3562; 5 Folprecht et al.; ASCO GI, Abstract 540 Mit freundlicher Unterstützung von Merck Austria.

Ú Ansprechen auf Chemotherapie mit oder ohne Cetuximab* Quelle: Köhne et al., ASCO 2012, Abstract 3562

Studie/LLD-Status

Ansprechen (%) CT + Cet vs. CT

Odds Ratio (95% CI)

Gepoolte Analyse Non-LLD (n=657) LLD (n=188)

52,8 vs. 37,2 72,0 vs. 43,2

1,88 (1,37–2,58) 3,51 (1,88–6,55)

CRYSTAL Non-LLD (n=526) LLD (n=140)

53,6 vs. 38,5 70,6 vs. 44,4

1,86 (1,30–2,65) 3,07 (1,50–6,30)

OPUS non-LLD (n=131) LLD (n=48)

49,1 vs. 32,4 76,0 vs. 39,1

2,26 (1,07–4,79) 10,3 (1,77–59,8) 0,5 1 2

10 20

Vorteil unter Chemotherapie allein Vorteil unter Chemotherapie plus Cetuximab *stratifiziert nach dem LLD-Status

Cet=Cetuximab, CT=Chemotherapie, LLD=liver limited disease

krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 64

Die Konversionstherapie mit Cetuximab plus Chemotherapie führt bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) zu Tumorschrumpfung, TexT DR. SUSANNE BILLICH erhöhter Resektionsrate und längerem Überleben.

ER-07/12-ONC-37-D

Frühe Tumorregression – bessere Prognose

eine Steigerung der Ansprechrate von rund 40 auf bis zu 76 Prozent erzielt (siehe Grafik). Dieses stark ausgeprägte Ansprechen korreliert mit einer mehr als zweifachen Steigerung der R0-Raten, was den Stellenwert von Cetuximab in der Konversionstherapie weiter verdeutlicht. Die R0-Resektion nach einer CetuximabKonversionstherapie korreliert mit einem höheren Gesamtüberleben, und in einem Update der CELIM-Studie wurde das Gesamtüberleben in den Cetuximab-Kombinationsarmen sogar mit 35,8 bis 41,6 Monaten bestimmt.5

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

CETUXIMAB (ERBITUX®)


ER-07/12-ONC-40-D Juli 2012 Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien

Personalisierte mCRC Therapie mit Erbitux速

Merck Oncology | Combination is key Fachkurzinformation siehe Seite 64


 ASCO 2012 42

Neues bei gynäkologischen und anderen Malignomen Bei der ASCO-Jahrestagung 2012 in Chicago ging es neben vielen anderen Themen auch um die Abschätzung der Prognosen bei Mamma- und Ovarialkarzinom, Langzeitbeobachtungen und die Änderung von Biomarkern im TexT Univ.-PrOf. Dr. EDgAr PEtrU Krankheitsverlauf.

Osteoporose: Diagnose und Therapie verändern Prognose beim Mammakarzinom

Infusionstherapie in der Terminalphase bei onkologischen Patienten (Dalal et al., Abs-

tract 9025). 129 Patienten mit fortgeschrittenen Malignomen, die in Hospizen betreut wurden, erhielten im Rahmen einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie entweder einen Liter 0,9-prozentiges NaCl s.c. pro Tag oder Plazebo (100ml 0,9-prozentiges NaCl/Tag). Die Majorität der Patienten wies gastrointestinale oder urogenitale Tumore bzw. Lungenkarzinome auf. Die Dehydratationssymptome Fatigue, Muskelkrämpfe, Sedierung und Halluzinationen wurden evaluiert.

Her2-positives Mammakarzinom: HR-Status beeinflusst die Prognose (Vas Duarte

Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru berichtet vom ASCO 2012 über klinisch relevante ASCO-Beiträge zu vorwiegend gynäkologischen Malignomen.

Das mediane Überleben betrug bei den Patienten mit parenteraler Hydratation 21 Tage und bei der Plazebogruppe 15 Tage (p=0,83). Die parenterale Therapie bewirkte weder eine Verbesserung der Symptome noch der Lebensqualität und des Überlebens.

Änderung von HR- und Her2-Status beim Mammakarzinom (Aurilio et al., Abstract 546). Eine Metaanalyse von 2.806 primären Brustkrebsfällen bestätigt eine Diskrepanz zwischen Primärtumor und Metastase im Hormonrezeptor-(HR)- und Her2-Status. Der Östrogenrezeptorstatus änderte sich bei 20 Prozent aller Karzinome von negativ zu positiv und umgekehrt, während dies beim Progesteronre-

Luis et al., Abstract 599). Mehr als 3.300 Patientinnen mit Her2-positivem Mammakarzinom wurden im Rahmen des NCCN behandelt. Sie wiesen die Stadien I–III auf. Die mediane Nachbeobachtung betrug 51 Monate, 59 Prozent der Tumore war Hormonrezeptor-positiv. Adjuvantes Trastuzumab erhielten 44 Prozent der Patientinnen. Das Risiko, als Erstes Gehirnmetastasen zu entwickeln, war bei HR-negativen Patientinnen deutlich höher als bei HR-negativen (RR 1,8). Patientinnen mit HR-negativen Karzinomen wiesen eine signifikant schlechtere Prognose auf als jene Frauen mit HR-positiven Tumoren (1,4-fach erhöhtes Mortalitätsrisiko).

 Diskrepanz des rezeptor-

status von Primärtumor und Metastase beim Mammakarzinom Primärtumor und Metastase

Änderung (in %)

Er pos > Er-neg

24

Er neg > Er pos

12

Pr pos > Pr-neg

44

Pr neg > Pr pos

15

Her2 pos > Her2 neg

14

Her2 neg > Her2 pos

6

krebs:hilfe!

4:2012

FOTOs: susanne Billich

(Shepherd et al., Abstract 501). In der MA.27-Studie mit 7.576 Patientinnen wurden adjuvantes Exemestan und Anastrazol miteinander verglichen. Die Diagnose „Osteoporose“ wurde zu Studienbeginn von 654 Patientinnen (8,6 Prozent) und vor einem Rezidiv von weiteren 661 berichtet. Osteoporose war mit einem verbesserten rezidivfreien Überleben verbunden (HR 0,81; p=0,04). Patientinnen, die eine Therapie der Osteoporose und teilweise auch der Osteopenie erhielten (insgesamt 2.711 Patientinnen; meist Therapie mit Bisphosphonaten, nur bei sieben Prozent Raloxifen), wiesen ebenso ein verbessertes rezidivfreies Überleben auf (p=0,0001). Einschränkend muss betont werden, dass die Feststellungen zur Osteoporose und Therapie auf den anamnestischen Angaben der Patientinnen beruhten.

zeptorstatus in 33 Prozent der Fall war. Neun Prozent aller Tumore wiesen eine Diskordanz des Her2-Status auf (siehe Tabelle unten).


43

Mammakarzinom: Ki67 bei primärer TAC-Chemotherapie (Von Minckwitz et al., Abstract 1023).

Basis der Untersuchungen war die GeparTrio-Studie, bei der Patientinnen primär mit TAC (Docetaxel/Doxorubicin/Cyclophosphamid) behandelt worden waren. Bei 1.165 Tumoren vor und bei 676 Tumoren nach der Chemotherapie wurde der Prozentsatz des Proliferationsmarkers Ki67 bestimmt. Die Raten von kompletter pathologischer Remission (pCR) betrugen bei geringem (0–15 Prozent), intermediärem (15– 35 Prozent) und hohem Ki67 (>35 Prozent) vier, 13 und 29 Prozent. Die prächemotherapeutischen Ki67-Werte korrelierten bei der Gesamtheit der Patientinnen und den HR-positiven Tumoren signifikant mit dem tumorfreien Überleben. Dies war bei den HR-negativen Tumoren nicht der Fall. Es zeigte sich eine hochsignifikante Korrelation zwischen hohen postchemotherapeutischen Ki67-Werten und einem ungünstigen tumorfreien Überleben (p<0,0002).

Ovarialkarzinom: Proteinurie und Nierenfunktion unter Bevacizumab (MARS; Launay-

Vacher et al., Abstract 5067). Die Hypertonie und Proteinurie stellt einen KlassenNebeneffekt einer Behandlung mit Angioneogenese-Inhibitoren dar. 77 Patientinnen mit Ovarialkarzinom wurden während und nach einer BevacizumabTherapie systematisch untersucht (medianes Alter: 62 Jahre, mediane Nachbeob-

 renovaskuläre Sicherheit von Bevacizumab

beim Ovarialkarzinom (in Prozent, [ml/min]) Prävalenz bei Studieneinschluss

Inzidenz während der Nachbeobachtung (1 Jahr)

Hypertonie, %

8

17

Diabetes, %

5

-

Proteinurie grad 1-2*, % davon grad 1, % davon grad 2, %

13 11 3

36 21 15

Hämaturie + bis ++**, %

8

0

Anstieg des Serum-Kreatinins grad 1 (CtC-nCi), %

0

36 (nur grad 1)

Kreatinin-Clearance, ml/min

[81]

[78]

effekt auf Gefäße, Metabolismus und die Nierenfunktion

*Kein grad 3-4; ** kein +++;

achtung: ein Jahr; siehe Tabelle oben). Bei 58 Prozent aller Patientinnen mit De-novoProteinurie zeigte sich eine Verbesserung bzw. Normalisierung. Die durchschnittliche glomeruläre Filtrationsrate verschlechterte sich um 2,7ml/min/1,73m2/Jahr. Somit weist die Protenurie meist keine klinische Auswirkung auf. Die Nierenfunktion verschlechtert sich nur marginal.

Leiomyosarkom des Uterus: Abschätzung der Prognose

(Iasonos et al., Abstract 5090). Bei 187 Patientinnen wurde auf der Basis von sieben klinischen Charakteristika eine globale Prognoseabschätzung für Patientinnen mit Leiomyosarkom des Uterus nach der Primäroperation mittels Nomogramm vorgenommen. Es wurden folgende Parameter eingeschlossen: die Tumorgröße, das Grading, Zervixbefall, das Vorhandensein von extrauteriner lokoregionärer Tumoraussaat inklusive Lymphknoten, das Vorliegen von Fernmetastasen, das Alter bei Diagnosestellung sowie der Mitoseindex pro zehn „high power fields“ (HPF). Das mediane Fünf-Jahres-Überleben betrug 46 Prozent. Das NoChicago (im Bild: the Loop) ist mittlerweile fixer Kongressstandort mogramm konnte mit hofür den Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology.

krebs:hilfe!

4:2012

her Genauigkeit das individuelle Überleben von Patientinnen voraussagen. Auf dieser Basis könnte künftig die Entscheidung für mögliche adjuvante Therapiemaßnahmen fußen.

Langzeitbeobachtung beim Korpuskarzinom: Radiotherapie-induzierte Beckenmalignome (Lindemann et al., Abstract

5008). Bei einer medianen Beobachtungsdauer von 21 Jahren der randomisierten Studie zur Wertigkeit einer adjuvanten Radiotherapie des Beckens im Anschluss an eine Hysterektomie und beidseitige Adnexektomie wegen eines frühen Endometriumkarzinoms wurden relevante Nebenwirkungen berichtet. Es zeigte sich keine Verbesserung des rezidivfreien oder Gesamtüberlebens durch eine zusätzliche Teletherapie des Beckens. Frauen unter 60 Jahren, die zum Zeitpunkt der Diagnose eine Teletherapie erhalten hatten, wiesen ein um 36 Prozent signifikant ungünstigeres Überleben auf als jene ohne adjuvante Beckenbestrahlung (RR 1,9). Zweitmalignome des Kolorektums, der Harnblase, der Vagina und der Vulva waren vermehrt. <

Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru Klinische Abteilung für Gynäkologie Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Graz


 ASCO 2012 44

Hochrisiko-Brustkrebspatientinnen – triple negativ, viszeral metastasiert oder nach (neo-)adjuvanter Chemotherapie – profitieren von Bevacizumab TexT DR. SUSANNE BILLICH plus Paclitaxel. Drei randomisierte Phase-III-Studien in der Erstlinientherapie – E2100, AVADO und RIBBON 1 – demonstrierten beim fortgeschrittenen, HER2-negativen Mammakarzinom ein verbessertes progressionsfreies Überleben und ein höheres Gesamtansprechen, wenn der Angiogenesehemmer Bevacizumab zusätzlich zu einer Standardchemotherapie gegeben wurde (Gray et al. 2009, Miles et al. 2010, Robert et al. 2011). Ferner liegt mit der ATHENA-Studie eine einarmige Erstlinienstudie zu Taxan-basierter Chemotherapie plus Bevacizumab bei 2.264 Patientinnen im klinischen Alltag vor (Smith et al. 2011). Auch die einarmige Studie ML21165 bei 818 Erstlinienpatientinnen untersuchte die Wirksamkeit von Paclitaxel plus Bevacizumab im „real life setting“ (Schrader et al., Abstract 1077).

Mediane Ansprechrate 62 Prozent. Das mediane Gesamtanspre-

chen betrug hier 62 Prozent, darunter elf Prozent mit vollständigem Ansprechen. In der Subgruppe mit triple negativem Brustkrebs (TNBC), einer Population mit besonders ungünstiger Prognose, betrug das Gesamtansprechen 51 Prozent. Patientinnen mit vorangegangener (neo-)adjuvanter Chemotherapie zeigten hingegen eine Ansprechrate von 61 Prozent. Bei Hochrisikopatientinnen mit viszeraler Metastasierung (63 Prozent) lag die Ansprechrate über dem Medianwert der Gesamtpopulation.

Es profitieren auch Risikopatientinnen. Für die Gesamtpopu-

lation betrug das mediane progressionsfreie Überleben 9,4 Monate. In zwei Hochrisikogruppen wurde das progressi-

Ú ML21165: Progressionsfreies Überleben unter

Paclitaxel plus Bevacizumab

Quelle: Schrader et al.; ASCO 2012, Abstract 1077

WahrscheinLichkeit fÜr Progressionsfreies ÜBerLeBen (in ProZent)

100

■ nicht triple negativer Brustkrebs (n=664)

ereignisse: 440 (66%) Median: 10,1 Monate ■ triple negativer Brustkrebs (n=154) ereignisse: 118 (77%) Median: 8 Monate

80

60

p=0,00095

40

20 8 Zeit (in Monaten)

0

6

10,1 12

18

24

30

36

42

Acht Monate progressionsfrei bei TNBC. In der nach TNBC

oder Non-TNBC stratifizierten Analyse hatten TNBC-Patientinnen mit 8,0 Monaten erwartungsgemäß ein niedrigeres progressionsfreies Überleben als die NonTNBC-Subgruppe mit 10,1 Monaten (p=0,00095; siehe Grafik). Eine Metaanalyse der TNBC-Subgruppenauswertungen der randomisierten Studien E2100, AVADO und RIBBON 1 zeigte, dass Bevacizumab einen signifikanten Benefit bringt: Mit Bevacizumab wurde das progressionsfreie Überleben gegenüber Chemotherapie allein von 5,4 auf 8,1 Monate verlängert (O’Shaughnessy et al., SABCS 2010, Abstract P6-12-03). In der ATHENA-Studie wurde für die TNBC-Subgruppe eine mediane Zeit bis zur Progression von 7,2 Monaten bestimmt. Das in der aktuellen TNBC-Auswertung der ML21165-Studie bestimmte progressionsfreie Überleben von acht Monaten ist konsistent mit den Daten der anderen vier Studien.

Fazit. Beim schwierig zu behandelnden TNBC erreicht Bevacizumab-Paclitaxel im „real life setting“ ein medianes progressionsfreies Überleben von acht Monaten. Dieses übertrifft die unter Chemotherapie allein zu erwartende Dauer von meist zwei bis sechs Monaten bei Weitem (Schneeweiss et al.; EMCC 2011, Poster-Presentation, Abstract 5073). < Mit freundlicher Unterstützung von Roche Österreich. krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 64

Acht Monate medianes PFS bei triple negativem Brustkrebs

onsfreie Überleben mit mindestens neun Monaten bestimmt, wie eine nach Risikofaktoren stratifizierte Subgruppenanalyse zeigte. Patientinnen mit bzw. ohne vorangegangener (neo-)adjuvanter Chemotherapie (n=534 bzw. 276) lebten 9,0 bzw. 11,2 Monate progressionsfrei (p=0,00011). Fast identisch war das Ergebnis bei Frauen mit bzw. ohne viszerale Metastasierung (n=209 bzw. 609): Sie lebten 9,1 bzw. 11,0 Monate ohne Fortschreiten der Erkrankung.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

BEVACIZUMAB (AVASTIN®)


Angiogenese hemmen

AVA-F5/01.12

Kolorektalkarzinom Mammakarzinom Bronchialkarzinom Nierenzellkarzinom Ovarialkarzinom

Fachkurzinformation siehe Seite 64


STANDARD IN DER FIRST-LINE-THERAPIE DES METASTASIERTEN NIERENZELLKARZINOMS (mRCC) 1,2

Jeden Tag mit Leben füllen! ® Meine Therapie: SUTENT

5. Jänner

16. April

11. November

24. Dezember

Schiurlaub

Start Golfkurs

Ganslessen

Weihnachtsfeier mit der Familie

SUTENT ® – gute Wirksamkeit bei mRCC3: • 11 Monate progressionsfreies Überleben • 26,4 Monate medianes Gesamtüberleben • 47 % Objektives Ansprechen

SUT-043-11/1/01.12.2011

1 SUTENT Fachinformation Dezember 2010 2 NCCN Practice Guidelines in Oncology; Kidney Cancer v2.2011 3 Motzer R et al.: J Clin Oncol 2009; 27: 3584-3590

www.pfizeroncology.at Pfizer Corporation Austria G.m.b.H., Wien

Fachkurzinformation siehe Seite 64

Weil jeder Tag zählt


 ASCO 2012 47

TrASTuzumAb-EmTAnSin (T-Dm1)

Länger progressionsfrei mit T-DM1 Das innovative Antibody-Drug-Konjugat Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) verlängerte in der Studie EMILIA das TexT Dr. SuSAnnE biLLiCH progressionsfreie Überleben bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs signifikant. T-DM1 besteht aus dem humanisierten monoklonalen Antikörper Trastuzumab und dem hochpotenten Zytotoxin DM1. Bei DM1 handelt sich um ein Derivat der antimitotischen Substanz Maytansin – in vitro ist es bis zu 270-fach potenter als Paclitaxel. Der Antikörper und die Zytotoxin-Moleküle sind über stabile Linker verbunden. Trastuzumab ermöglicht den zielgerichteten Transport von DM1 in die Her2-positive Tumorzelle. Durch den stabilen Linker wird DM1 erst innerhalb der Tumorzelle freigesetzt, was eine Reduktion der systemischen Toxizität ermöglicht. Zusätzlich kommt der bekannte Wirkmechanismus von Trastuzumab bei der Inhibition des HER2-Signaling zum Tragen. Nach mehreren positiven Phase-II-Studien wurde nun von Prof. Dr. Kimberley Blackwell, Duke Cancer Institute, Durham, USA, in der Plenary Session des ASCO die erste randomisierte Phase-IIIStudie mit T-DM1 vorgestellt (Blackwell et al.; Abstract LBA 1).

Phase-III-Studie EMILIA. Insgesamt 991 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, HER2-positivem Brustkrebs, die bereits mit Trastuzumab und einem Taxan vorbehandelt waren, erhielten randomisiert entweder T-DM1 (3,6mg/kg i.v. alle drei Wochen) oder die XL-Standardtherapie mit Capecitabin (1.000mg/m2 zweimal täglich, Tage 1–14, alle drei Wochen) plus Lapatinib (1.250mg täglich). Das progressionsfreie Überleben (PFS) in der unabhängigen zentralen Auswertung und das Gesamtüberleben waren koprimäre Endpunkte. Länger progressionsfrei. Gegenüber dem XL-Arm war das mediane PFS um 3,2 Monate verlängert (9,6 vs. 6,4 Monate, siehe Grafik). Ferner zeichnete sich in der eingeplanten Interimsanalyse ein Trend zu einem verlängerten Gesamtüberleben (OS) mit T-DM1 ab. „Das mediane Gesamtüberleben für den XL-Arm wurde mit 23,3 Monaten bestimmt, wäh-

Ú Phase-III-Studie EMILIA: Progressionsfreies Überleben* Quelle: Blackwell et al.; ASCO 2012, Abstract LBA1

ProgrESSIonSfrEIES ÜbErLEbEn (In ProZEnt)

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

100

■ t-DM1

Median: 9,6 Monate (265 Ereignisse) ■ Capecitabin + Lapatinib Median: 6,4 Monate (304 Ereignisse)

80

Hr=0,65 (95% CI 0,55–0,77) p<0,0001

60

40

20 6,4 ZEIt (In MonAtEn)

0

4

*unabhängige beurteilung

krebs:hilfe!

4:2012

8

9,6 12

16

20

24

28

30

rend es für T-DM1 noch nicht erreicht wurde“, so Blackwell. Das Zwei-JahresÜberleben betrug 65,4 Prozent für T-DM1 verglichen mit 47,5 Prozent für das XL-Regime. Die objektive Ansprechrate war im experimentellen Arm signifikant höher (43,6 vs. 30,8 Prozent, p=0,0002) und die mediane Ansprechdauer um 6,1 Monate länger (12,6 vs. 6,5 Monate). Das Ergebnis der finalen Auswertung des Gesamtüberlebens wird für 2014 erwartet.

Nebenwirkungsprofil. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse ≥ Grad 3 im T-DM1-Arm waren Thrombozytopenie (12,9 vs. 0,2 Prozent) und Erhöhung der Transaminasen. „Diese bildeten sich meist bis zur Verabreichung der nächsten Dosis wieder zurück“, sagte Blackwell. Das XL-Regime hingegen war mit Diarrhö (20,7 vs. 1,6 Prozent), Hand-Fuß-Syndrom (16,4 vs. 0 Prozent) und Erbrechen (4,5 vs. 0,8 Prozent) verbunden. Dosisreduktionen waren im XL-Arm häufiger (für Capecitabin 53,4 und für Lapatinib 27,3 Prozent) verglichen mit 16,3 Prozent für T-DM1. Fazit. „T-DM1 ist wirksamer als die zugelassene Standardtherapie CapecitabinLapatinib und hat nur wenig dosislimitierende Toxizitäten. Außerdem verursacht T-DM1 keine Alopezie. Das ist ein Durchbruch für Patientinnen, die mit metastasiertem Brustkrebs konfrontiert sind“, fasste Blackwell zusammen. Die Zulassung wird noch in diesem Jahr beantragt werden. < Mit freundlicher Unterstützung von Roche Austria


 ASCO 2012 48

BEVACIZUMAB (AVASTIN®)

Auch beim platinresistenten Ovarialkarzinom wirksam

OCEANS: vier Monate länger progressionsfrei. In diese

Studie wurden 484 platinsensitive Rezidivpatientinnen eingeschlossen, die sechs bzw. bei Ansprechen bis zu zehn Zyklen

 Zulassungsstudie GOG-218 (n=1.873): Sechs Monate

längeres PFS unter kontinuierlich Bevacizumab + CT vs. CT Paclitaxel/ Carboplatin

Nach-ProtokollAuswertung (RECIST/CA-125)

10,3 Mo.

CA-125-zensurierte Auswertung

12,0 Mo.

Paclitaxel/ Carboplatin + initial Bevacizumab

Paclitaxel/ Carboplatin + kontinuierlich Bevacizumab

11,2 Mo.

14,1 Mo.

AVA-INS20/06.12

verbessert das progressionsfreie Überleben bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom signifikant. Die erste randomisierte Phase-III-Studie mit Bevacizumab im Front-line-Setting wurde beim ASCO 2010 vorgestellt (Burger et al.; ASCO 2010, Abstract LBA1) und kurze Zeit später in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ publiziert (Burger et al. 2011). Eingeschlossen waren 1.873 Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom, primärem Peritonealkarzinom oder Eileiterkarzinom im FIGO-Stadium III oder IV, deren Tumor zuvor bestmöglich reseziert worden war. Die Patientinnen erhielten entweder sechs Zyklen Paclitaxel (175mg/m²) und Carboplatin (AUC6) plus durchgehend Plazebo oder Chemothera-

Das progressionsfreie Überleben betrug 14,1 versus 10,3 Monate in dem Behandlungsarm, der durchgehend Bevacizumab erhalten hatte, im Vergleich zu dem Kontrollarm mit Chemotherapie und Plazebo. In der CA-125-zensurierten Auswertung verlängerte Bevacizumab das progressionsfreie Überleben um sechs Monate (18 versus 12 Monate, p<0,001). Für den Studienarm, der nur initial Bevacizumab erhalten hatte, gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Zulassung durch die EMA erfolgte im Dezember 2011.

FoTo: ASCo SCoTT MorGAN 2012

Bevacizumab Front-line

pie plus konkomitant Bevacizumab (15mg/kg Körpergewicht an Tag 1) in den Zyklen zwei bis sechs und danach Plazebo bis zum Zyklus 22 oder Chemotherapie und durchgehend Bevacizumab von Zyklus zwei bis 22. Bevacizumab wurde erst ab dem zweiten Zyklus verabreicht, um postoperativen Blutungs- und Wundheilungskomplikationen vorzubeugen. Für die Beurteilung einer Progression wurden die radiografischen Befunde, CA-125-Anstiege und die klinische Verschlechterung zugrunde gelegt. Die Zulassungsbehörde forderte allerdings eine CA-125-zensurierte Auswertung des progressionsfreien Überlebens. Daher gab es zwei Auswertungen, eine nach Protokoll (u.a. inklusive CA-125) und eine CA125-zensurierte für die Behörde.

p=0,16 p<0,001 12,7 Mo.

18,0 Mo.

p=0,02 p=0,02

CT=Chemotherapie; PFS=Progressionsfreies Überleben

Quelle: Burger et al. 2010, 2011

krebs:hilfe!

4:2012

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF) hat eine Schlüsselfunktion für Wachstum und Progression von Karzinomen. Gerade das epitheliale Ovarialkarzinom wird besonders stark von VEGF getrieben. Drei Jahre in Folge wurden positive randomisierte Phase-III-Studien mit Bevacizumab beim Ovarialkarzinom auf den ASCO-Kongressen präsentiert. Die Erstlinienstudie GOG-0218 eröffnete die Serie im Jahr 2010. Ein Jahr später kam die OCEANS-Studie beim platinsensitiven Rezidiv, und beim diesjährigen ASCO wurde die AURELIA-Studie beim besonders schwierig zu behandelnden platinresistenten Rezidiv vorgestellt (siehe Tabelle).

Fachkurzinformation siehe Seite 64

AURELIA ist nach GOG-0218, ICON-7 und OCEANS die vierte positive Phase-III-Studie von Bevacizumab beim Ovarialkarzinom. Sie zeigt erstmals einen klinischen Benefit für eine Kombinationstherapie beim platinresistenten Ovarialkarzinom. In Kombination mit Chemotherapie verdoppelte Bevacizumab das progressionsfreie Überleben TexT DR. SUSANNE BILLICH gegenüber Chemotherapie allein.


49

AURELIA: PFS verdoppelt.

Ú Phase-III-Studie AURELIA: Progressionsfreies Überleben* Quelle: Pujade-Lauraine et al., ASCO 2012, Abstract LBA5002 100 PRogRESSIonSfREIES ÜbERLEbEn (In PRoZEnt)

Cisplatin/Gemcitabin-Standardtherapie erhielten. Zusätzlich wurde entweder Bevacizumab oder Plazebo bis zur Progression gegeben (Aghajanian et al., ASCO 2011, LBA5007). Auch in der Rezidivsituation verlängerte zusätzliches Bevacizumab das progressionsfreie Überleben gegenüber Chemotherapie allein um vier Monate (12,4 versus 8,4 Monate, HR=0,484; p<0,0001). Die Ansprechrate war um 21 Prozent erhöht (57,4 versus 78,5 Prozent; p<0,0001).

■ Chemotherapie + bevacizumab (n=179)

Median: 6,7 Monate (135 Ereignisse)

80

■ Chemotherapie (n=182)

60

HR 0,48 (95% CI 0,38–0,6) Log Rank p<0,001

Median: 3,4 Monate (166 Ereignisse)

40

20 3,4

6,7

Für Patientinnen mit platinresistentem 0 6 12 18 24 30 Ovarialkarzinom besteht die Standardthe*Medianes follow-up: 13,9 Monate im Kontrollarm und 13 Monate im bevacizumab-Arm rapie derzeit aus einer Monotherapie mit pegyliertem liposomalem Doxorubicin „Die Bevacizumab-Therapie war in allen In den AGO-Guidelines ist die Kombina(PLD), Topotecan oder Paclitaxel, da biszuvor spezifizierten Subgruppen favorition Paclitaxel/Carboplatin plus Bevacilang alle Studien mit Kombinationstherasiert“, berichtete Pujade-Lauraine. Der Bezumab im Kapitel „Aktuelle Standardthepien keinen Vorteil gezeigt haben. AUREnefit von Bevacizumab war unabhängig rapie“ für die Primärtherapie der FIGOLIA ist die erste randomisierte Studie mit von der Art der Chemotherapie, dem Alter Stadien IIIB, IIIC und IV angeführt. Bevacizumab plus Chemotherapie beim der Patientin, der Dauer des plaplatinresistenten Ovarialkarzitinfreien Intervalls, dem Vorlienom (Abstract LBA5002). Die Frage der Therapiedauer gen von Aszites und dem AusInsgesamt wurden 361 Patientinwird derzeit in der AGO-OVAR 17 untermaß der messbaren Erkrankung. nen rekrutiert, die bis zu zwei sucht (BOOST-Studie). In dieser prospekSekundärer Endpunkt war die Vortherapien erhalten und im tiven randomisierten, zweiarmigen Phaobjektive Ansprechrate nach REZeitraum von vier bis sechs Mose-III-Studie der „European Network of CIST und/oder nach CAnaten nach einer platinhaltigen Pujade-Lauraine: Gynaecological Trial Groups“ (ENGOT) „Zum ersten Mal gibt 125-Spiegeln. Die Rate an ReTherapie ein Rezidiv erlitten hat- es eine Kombinatiwerden die Patientinnen mit primärem spondern nach RECIST/CA-125 ten. Nach der Selektion der jewei- onstherapie, die das epithelialem Ovarial-, Tuben- oder Peritoprogressionsfreie ligen Zweitlinienchemotherapie Überleben bei Platin- war im Bevacizumab-Kombinanealkarzinom im Standardarm mit Pacli(PLD, Topotecan oder Paclitaxel) resistenz verlängert.“ tionsarm signifikant höher als taxel (175mg/m²), Carboplatin (AUC5) im Chemotherapie-Arm (30,9 wurde zwischen Chemotherapie plus Bevacizumab (15mg/kg) gefolgt von versus 12,6 Prozent, p=0,001). Auch nach allein und Chemotherapie plus BevaciBevacizumab allein bis zu einer GesamtRECIST bzw. CA-125 allein war die Anzumab bis zur Progression randomisiert. dauer von 15 Monaten (gemäß der Zulassprechrate immer unter Bevacizumab siDie Patientinnen im Chemotherapie-Arm sung) behandelt. Im experimentellen gnifikant höher (27,3 versus 11,8 Prozent konnten bei Progression auf eine BevaciArm erhalten die Patientinnen Bevacibzw. 31,8 versus 11,6 Prozent). zumab-Monotherapie wechseln. zumab bis zu 30 Monate. < Primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben, das radiologisch Zulassung in Europa. Basierend Literatur nach den RECIST-Kriterien beurteilt wurauf den Ergebnissen der GOG-0218-Studie Aghajanian et al., ASCO 2011, Abstract de. Im Kombinationsarm war dieses fast wurde Bevacizumab in der Dosierung LBA5007 doppelt so lang wie im Chemotherapie15mg/kg alle drei Wochen im Dezember Burger et al., ASCO 2010, Abstract LBA1 arm (6,7 versus 3,4 Monate, p<0,001, siehe 2011 für die Primärtherapie des fortgeBurger et al., New Engl J Med 2011; 365: Grafik). „Zum ersten Mal gibt es eine schrittenen epithelialen Ovarialkarzinoms 2473-83 Kombinationstherapie, die das progressiin Kombination mit der StandardchemoPujade-Lauraine et al.; ASCO 2012; Abstract onsfreie Überleben bei Platinresistenz vertherapie (sechs Zyklen Paclitaxel plus CarLBA5002. längert“, sagte Pujade-Lauraine in der Presboplatin) und anschließend kontinuiersekonferenz. Die Ergebnisse zum Gesamtlich als Monotherapie über insgesamt 15 Mit freundlicher Unterstützung von Roche überleben werden erst für 2013 erwartet. Monate zugelassen. Austria ZEIt (In MonAtEn)

krebs:hilfe!

4:2012


 ASCO 2012 50

EvErOlimuS

Anti-Tumor-Effekt durch Blockade des mTOR-Rezeptors Nach dem Verlust einer Hormontherapie-Sensitivität bei Brustkrebs erweist sich der mTOR-Hemmer Everolimus als Gewinn im therapeutischen Angebot. Auch in der Zweitlinientherapie einer weiteren Krebsentität, bei metastasiertem Nierenzellkarzinom, etabliert sich Everolimus als bedeutende Option, wie es aktuell beim ASCO 2012 präsentierte TexT mAG. CHriSTiNA lECHNEr Untersuchungen belegen.

Quelle: Piccart et al., ASCO 2012, Abstract 559 WahRSchEInLIchkEIt fÜR EREIgnISSE (In PROZEnt)

100

■ Everolimus (10mg) + Exemestan (n=485)

Median: 11 Monate

80

■ Plazebo + Exemestan (n=239)

60

hR=0,38 (95% cI 0,31–0,48) Log Rank p<0,0001

Median: 4,1 Monate

40

20 4,1 ZEIt (In MOnatEn)

0

3

Auch im Knochen langsamere Progression. Everolimus

11 6

*follow-up über 18 Monate

9

12

sterben unter den mit Everolimus behandelten Patientinnen weniger an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung (25,4 vs. 32,2 Prozent), wie Piccart et al. berichten. Für die Auswertung des Gesamtüberlebens ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch zu früh. Die verbesserten Behandlungsergebnisse unter Exemestan lassen sich zudem an den signifikant höheren Gesamtansprechraten im Kombinationsarm (12,6 vs. 1,7 Prozent unter Plazebo/ Exemestan; p<0,0001) sowie an der gesteigerten Rate des klinischen Benefits (51,3 vs. 26,4 Prozent; p<0,0001) erkennen. Das Ansprechen auf Exemestan ist dabei unabhängig von allen untersuchten Parametern, wie die detaillierte Subgruppenanalyse zeigt. Unabhängig von Faktoren wie Alter, Performance-Status, Vortherapien oder extensiver Erkrankung profitieren alle Subgruppen von der Kombination Everolimus plus Exemestan. Die ermittelte Hazard Ratio ist jeweils günstiger im Kombinationsarm. Die Ergebnisse, so Piccart et al., untermauern damit die Sinnhaftigkeit einer Everolimus-basierten Therapie bei postmenopausalen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nach Progression auf einen Aromatasehemmer.

15

18

21

24

27

dürfte sich darüber hinaus auch günstig auf die Knochengesundheit der betroffekrebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 65

Ú Phase-III-Studie BOLERO-2: Progressionsfreies Überleben*

Weniger Todesfälle zum Zeitpunkt des Cut-offs. Zudem ver-

AT1207045030

(25mg/Tag) plus Everolimus (10mg/Tag) bzw. Plazebo. Bei der diesjährigen ASCO-Konferenz stellten die Autoren um Prof. Dr. Martine Piccart (Institut Jules Bordet in Brüssel, Belgien) die aktuellsten Daten aus BOLERO 2 nach einem Follow-up von 18 Monaten vor (ASCO 2012, Abstract 559). Wiederum zeigt sich hier die Verbesserung beim primären Studienendpunkt, dem progressionsfreien Überleben, in Form eines signifikanten Unterschiedes zwischen den beiden Behandlungsarmen: Nach der zentralen Auswertung beträgt es bei Patientinnen unter Everolimus plus Exemestan elf Monate vs. 4,1 Monate unter Plazebo plus Exemestan (p<0,0001, HR=0,38; vgl. Abbildung)

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Die Blockade der mTOR-vermittelten Signalkaskade gilt derzeit als eine der wichtigsten therapeutischen Optionen, die bei Patientinnen mit fortgeschrittenem hormonabhängigem Brustkrebs im Rahmen klinischer Studien untersucht wird. Bereits die ersten Resultate der Phase-IIIStudie BOLERO 2 demonstrierten, dass sich mit dem Zusatz von Everolimus im Vergleich zu Plazebo deutliche Verbesserungen beim progressionsfreien Überleben erreichen lassen. Dies betrifft postmenopausale Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nach Progression auf einen nicht steroidalen Aromatasehemmer. Insgesamt 724 Patientinnen wurden in BOLERO 2 randomisiert. Die Therapie besteht in Exemestan


51 nen Patientinnen auswirken, wie eine Subanalyse von BOLERO 2 zeigt. Vorgestellt wurde sie beim ASCO in Posterform von Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant (Universitätsklinik für Chirurgie, Wien) und Koautoren (ASCO 2012, Abstract 512). Im Gegensatz zu den mit Plazebo plus Exemestan behandelten Patientinnen nehmen unter Everolimus plus Exemestan die untersuchten Knochenmarker in den ersten zwölf Behandlungswochen ab. Darüber hinaus ist in der Gesamtpopulation sowie in der Gruppe der Patientinnen mit Knochenmetastasen zu Studienbeginn die Progressionsrate von Knochenmetastasen deutlich verzögert, wenn die Patientinnen mit Everolimus behandelt werden. Auch treten in der mit Everolimus behandelten Gruppe seltener Frakturen auf. Diese Detailergebnisse zur Knochengesundheit deuten darauf hin, dass Everolimus die Knochenresorption unter der endokrinen Therapie verzögert, halten Gnant et al. fest.

Bessere Lebensqualität. Unter-

sucht wurde in einer weiteren, beim ASCO 2012 vorgestellten Publikation die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patientinnen in BOLERO 2 (Beck et al., ASCO 2012, Abstract 539). Fazit: Trotz der höheren Zahl einiger unerwünschter Ereignisse von Grad 3/4 im Everolimus-Arm hat eine Post-hoc-Auswertung der Lebensqualitätsfragebögen keine signifikanten Unterschiede in den Subgruppenauswertungen ergeben. Dies ist ein sehr wichtiger Kernbestandteil der palliativen Therapie. Als Messparameter dienten einerseits die Abnahme um fünf Prozent in den Werten im EORTC-QLQ-C30-GHS-Fragebogen und die Abnahme um zehn Punkte.

Everolimus beim Nierenzellkarzinom. Eine wichtige Option

stellt Everolimus auch in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms dar, wenn es nach der Ersttherapie mit einem Tyrosinkinasehemmer zur Krankheitsprogression kommt. Basis für die Zulassung in dieser Indikation lieferte die RECORD-1-Studie (Finale Ergebnisse: krebs:hilfe!

4:2012

 Knochengesundheit & verringerte Tumorprogression im mittelpunkt wichtiger klinischer Studien steht der Zusammenhang zwischen der Knochengesundheit bei Patientinnen unter einer antihormonellen Therapie und einer möglichen positiven Beeinflussung des Krankheitsgeschehens. Das Bisphosphonat Zoledronsäure gilt hier als bewährtes, sicheres und sowohl von Ärzten und Patientinnen gut akzeptiertes medikament zur verringerung knochenspezifischer Komplikationen. Zudem mehren sich Daten, die auf den günstigen Effekt von Zoledronsäure auf die Krankheitsprogression hinweisen. So stellten marshall et al. eine Subgruppenanalyse der Phase-iii-Studie AZurE vor (ASCO 2012, Abstract 502), derzufolge Zoledronsäure bei postmenopausalen Patientinnen das risiko eines invasiven Ereignisses um etwa 25 Prozent verringert. Bei prämenopausalen Patientinnen unter 40 Jahren dagegen dürfte Zoledronsäure jedoch das risiko eines extraskelettalen Ereignisses erhöhen. Die Autoren folgern daher, dass Zoledronsäure in Abhängigkeit des menopausalen Status eingesetzt werden sollte. in AZurE waren mehr als 3.300 Patientinnen mit Brustkrebs im Stadium ii/iii randomisiert, die eine adjuvante Therapie entweder mit oder ohne Zoledronsäure erhielten. Eine von Gregory et al. bei der ASCO-Konferenz vorgestellte metaanalyse bestätigt darüber hinaus den günstigen Effekt von Zoledronsäure bei postmenopausalen Patientinnen (ASCO 2012, Abstract 513). Die Daten aus fünf Studien – darunter neben AZurE auch die ABCSG-Studie 12 – mit einem medianen Follow-up von fünf Jahren legen nahe, dass Zoledronsäure bei postmenopausalen Patientinnen (bzw. bei entsprechender antihormoneller Therapie zur unterbindung der Ovarialfunktion) eine verlängerung des krankheitsfreien Überlebens bewirkt. Die ermittelte risikoreduktion beträgt 24 Prozent (Hr=0,76; p=0,0006). Werden zwei weitere Studien mit den Bisphosphonaten ibandronat und Clodronat in die metaanalyse einbezogen, so ergibt sich eine risikoreduktion von 18 Prozent. Motzer et al., Cancer 2010), die für Everolimus im Vergleich zu Plazebo eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 1,9 auf vier Monate ergab (p<0,0001). Ein bei der diesjährigen ASCO-Konferenz vorgestellter retrospektiver Vergleich der Zweitlinientherapien Everolimus, Temsirolimus und Sorafenib liefert nun weitere Hinweise, dass der Einsatz von Everolimus nach der Ersttherapie zu guten Behandlungsergebnissen führt (Yang et al., ASCO 2012, Abstract 4612). Im Vergleich zu Temsirolimus und Sorafenib führte Everolimus in der Zweitlinientherapie zu einer signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens (HR=0,56; p<0,001 bzw. HR=0,65; p=0,47), im Vergleich zu Temsirolimus zu einer ebenfalls signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (HR=0,73; p=0,025). Eine weitere Studie liefert Hinweise darauf, dass Everolimus auch bei nicht klarzelligem Nierenzellkarzinomen wirksam sein könnte (Koh et al., ASCO 2012, Abs-

tract 4544). In dieser Phase-II-Studie wurde Everolimus bei 49 Patienten mit folgenden Nierenzellkarzinomsubtypen untersucht: papillar (n=29), chromophob (n=8), sarcomatoid (n=4), Sammelrohr-Karzinom (n=2), nicht klassifiziert (n=6). Davon hatten 23 zuvor eine Therapie mit einem gegen VEGF gerichteten Tyrosinkinasehemmer erhalten. Bei fünf der Patienten kam es zu einer partiellen Remission, bei weiteren 25 zu einer Stabilisierung der Erkrankung. Das mediane Gesamtüberleben betrug 5,2 Monate und unterschied sich in den Gruppen mit und ohne vorherige VEGF-gerichteter Therapien nicht signifikant (7,1 und 3,7 Monate). < Mit freundlicher Unterstützung von Novartis Pharma GmbH. Novartis weist darauf hin, dass dieser Artikel Informationen zu bis dato behördlich nicht zugelassenen Formen der Anwendung von Everolimus enthält und die Weitergabe dieser Informationen ausschließlich der medizinisch-wissenschaftlichen Information von ärztlichen Fachkreisen dient.


 ASCO 2012 52

CABAZITAXEL (JEVTANA®)

Welche Therapiesequenz nach Docetaxel? Beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom ist die Frage der optimalen Therapiesequenz nach Docetaxel-Versagen noch nicht geklärt. Aber es gibt erste Hinweise, dass nach einer Therapie mit Cabazitaxel mehr Patienten eine DrittlinienTexT DR. SUSANNE BILLICH therapie erhalten.

Zweitlinienchemotherapie zuerst? Masson & Bahl schreiben in ih-

rem Review (2012), dass der Kernpunkt in dieser Frage der Performance-Status des Patienten und damit seine Eignung für eine zytotoxische Intervention sei (Masson & Bahl; BJU Int 2012). Wenn frühzeitig nach Docetaxel-Progression eine Chemotherapie angeboten werde, könne der Patient später immer noch von anderen, nicht zytotoxischen Interventionen profitieren. Werde in diesem Stadium mit einer nicht chemotherapeutischen Option begonnen, so bestünde das Risiko, dass der Patient aufgrund der Verschlechterung seines Allgemeinzustands

 Prostataspezifisches Antigen (PSA) als Surrogatmarker in

der Diskussion

Prof. Dr. Susan Halabi, Duke University Medical Center, Durham, USA, untersuchte die Eignung von PSA als Surrogatmarker in der TROPIC-Studie (ASCO 2012, Abstract 4515). Die ersten beiden der sogenannten Prentice-Kriterien (Prentice; Statistics in Medicine 1989) waren erfüllt: Patienten überlebten unter Cabazitaxel länger als un-ter Mitoxantron (p<0,001), und der PSA-Abfall, ≥30 oder <30 Prozent, war prognostisch für das Überleben (p<0,001). Eine weitere statistische Auswertung zeigte jedoch, dass weder ein PSA-Abfall um ≥30 oder ≥50 Prozent in den ersten drei Therapiemonaten noch die PSA-Kinetik den gesamten Behandlungseffekt erklären konnte. Damit erfüllt PSA in der TROPIC-Studie nicht die Prentice-Kriterien für einen Surrogatendpunkt. „Entscheidungen zu einem Therapiestopp mit Cabazitaxel sollten daher nicht allein aufgrund kurzzeitiger PSA-Änderungen gefällt werden.“ Halabi schränkte aber auch ein, dass dieses nur die Auswertung einer einzelnen Studie sei.

keine Chance mehr für eine Chemotherapie hätte. Malik et al. untersuchten die Therapiesequenz in einer retrospektiven Studie bei Patienten, die nach DocetaxelVersagen entweder Cabazitaxel (n=24) oder Abirateron (n=18) erhielten (ASCO 2012, Abstract e15135). Von 18 unter Cabazitaxel progredienten Patienten wurden 13 auf Abirateron umgestellt, aber nach Abirateron war kein einziger der neun progredienten Patienten für eine Cabazitaxel-Therapie geeignet. In dieser Studie scheinen Patienten nach Cabazitaxel eher eine Drittlinientherapie mit Abirateron zu erhalten als umgekehrt Patienten nach Abirateron eine CabazitaxelTherapie.

Ausblick.

Die Phase-III-Studie PROSELICA bei geplanten 1.200 Docetaxelvorbehandelten Patienten evaluiert derzeit eine niedrigere Dosierung von Cabazitaxel (20 vs. 25mg/m2 alle drei Wochen) kombiniert mit Prednison bezüglich Wirksamkeit und gesundheitsbezogener Lebensqualität (Eisenberger et al., ASCO 2012, Abstract TPS4692). Die dreiarmige Phase-III-Studie FIRSTANA untersucht dieselben Cabazitaxel-Dosierungen versus Docetaxel, jeweils plus Prednison, in der Erstlinientherapie (Oudard et al., ASCO 2012, TSP4696). Geplant sind 390 Patienten je Arm. Bis April 2012 wurden bereits 426 Männer eingeschlossen. < Mit freundlicher Unterstützung von Sanofi Österreich krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 64

malen Therapiesequenz nach Docetaxel – zuerst Abirateron oder zuerst Cabazitaxel? – ist bislang noch nicht geklärt.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Es gibt nur wenige Therapieoptionen für Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die unter oder nach Docetaxel eine Progression erleben. Eine Option ist der selektive CYP17A1-Inhibitor Abirateron, der in der Phase-III-Studie COU-AA-301 das Überleben gegenüber Plazebo verlängerte (De Bono et al.; N Engl J Med 2011). Eine weitere Option ist Cabazitaxel, ein neues Taxan, das auch bei Docetaxel- und Paclitaxel-Resistenz wirksam ist. Cabazitaxel verlängerte in der Phase-III-Studie TROPIC bei 755 Docetaxel-resistenten Patienten das mediane Gesamtüberleben gegenüber Mitoxantron (15,1 vs. 12,7 Monate, p<0,0001; De Bono et al., Lancet 2010). Cabazitaxel ist die bislang einzige lebensverlängernde Chemotherapie nach Docetaxel-Versagen. Die Frage der opti-


Wenn der Wissensvorsprung entscheidend ist.

Das „CliniCum“ ist speziell auf Entscheidungsträger ausgerichtet und hat sich zum wichtigsten Journal für Fachärzte und leitende Führungspersönlichkeiten im Gesundheitswesen entwickelt. Egal, ob es sich um neue Therapierichtlinien handelt oder darum, welche Klimaanlage für den OP notwendig ist, CliniCum zeigt, wo die Zukunft liegt.

Weitere Infos unter www.medizinmedien.at

„Von uns können Sie noch was lernen …“

MEDIZIN MEDIEN AUSTRIA


ZEL-INS1/02.12

Endlich die personalisierte Therapie für Ihre PatientInnen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom1,2

... bei nicht resezierbaren oder metastasierten MelanompatientInnen mit einer BRAF V600 -Mutation

ElasU N en u ge s

z e ... st in 1 -Lin

1. Zelboraf ® Fachinformation 2. Eggermont AMM, et al., New drugs in melanoma: It’s a whole new world. European Journal of Cancer 2011; 47: 2150–2157. Fachkurzinformation siehe Seite 65

The power of personalization


krebs:therapie

 START

FOTOs: PMU/Wild & TeaM, evalUaTiOn sOFTWare develOPMenT

55

1

2

Laptop mit Software zur Patientenbefragung

Die wissenschafter und forscher des radArt-institutes der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

1 PATienTen-SofTwARe

2 KooPeRATion

KRebSvAKzine

Selbstbeurteilung

PMU – MedAustron

Pipeline gefüllt

„Patient-reported outcomes“ (PROs), subjektive Angaben von Kranken, spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Zulassung und bei der Beurteilung von Medikamenten und Behandlungsstrategien. Oncotyrol entwickelte nun ein Produkt für Forschung und klinische Routine: eine Software für Patientinnen mit Ovarialkarzinom. Das Innsbrucker Krebsforschungszentrum stellte ein Computerprogramm (CHES-OV) vor, mit dem Patientinnen ihr Befinden selbst dokumentieren können, und zwar in Zukunft sowohl im Wartezimmer im Krankenhaus als auch zu Hause via Internet. Wenn sich im Vergleich zu Patientinnen mit derselben Erkrankung beziehungsweise auch im Vergleich zu Gesunden auffällige Werte zeigen, wird der Behandler mittels der Software automatisch darauf aufmerksam gemacht. Gleichzeitig dient die Software aber auch der Qualitätssicherung und der Forschung, da die standardisierte Auswertung zahlreicher Patientinnendaten über einen längeren Zeitverlauf der wissenschaftlichen Evaluation einer Behandlung dienen.<

Das Institut für Technologieentwicklung in der Strahlentherapie (radART) der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und die EBG MedAustron GmbH haben eine langfristige Forschungskooperation abgeschlossen. Dabei geht es um die Entwicklung von Konzepten und Software für MedAustron. „In Österreich wird mit Ionentherapie erstmals die Behandlung von anatomisch schwierigen Situationen und von Tumorarten möglich sein, die heute gar nicht oder nicht effizient behandelbar sind“, erläutert Univ.Prof. Dr. Felix Sedlmayer, Leiter des radART-Institutes der Univ.-Prof. Dr. felix Paracelsus Universität Sedlmayer und Primar der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie. radART liefert das Softwarepaket für die Gesamtsteuerung, um die Strahlendosis punktgenau auf den Tumor abzugeben. <

Sowohl therapeutische als auch prophylaktische Krebsvakzine sind im Kommen. Bereits auf dem Markt sind Gardasil und Cervarix, die in Europa 2006 zugelassen wurden. Für Gardasil ist jetzt eine Zulassungserweiterung zu erwarten. Darüber hinaus soll ein neues „First in class“-Vakzin, V503, eingeführt werden. In den Jahren 2006 bis 2010 war der therapeutische Markt fast nicht existent. Allein Provenge, ein dendritisches Zellvakzin für die Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs, war verfügbar, und das nur in den USA. Jetzt sollen Allovectin-7 und OncoVEX für die Behandlung von Melanom, BiovaxId (Idiotype vaccine therapy) für follikuläres Non-Hodgkin-Lymphoma und GV1001 für fortgeschrittenes Pankreaskarzinom eingeführt werden. Sowohl die prophylaktischen als auch die therapeutischen Krebsvakzin-Pipelines sollen bessere Sicherheitsprofile und eine bessere Verträglichkeit aufweisen. Vakzine können potenziell in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie oder mit chirurgischen Maßnahmen eingesetzt werden – das macht sie vielversprechend. <

Oncotyrol, 2. Juli 2012

krebs:hilfe!

4:2012

PMU Salzburg, 5. Juni 2012

GlobalData, 20. Juni 2012


 Tumor und Thrombose 56

Generelle Primärprophylaxe nicht empfohlen Warum haben Krebspatienten ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien? Seit acht Jahre versuchen Wiener Forscher in der prospektiven „Cancer and Thrombosis Study“ (CATS) die prädiktiven Parameter für das Auftreten von Thrombosen zu finden. Dabei zeigt sich eines ganz klar: Der wichtigste Risikofaktor ist der Tumor selbst. Es gibt Tumore mit einem hohen und solche mit einem niedrigen Risiko. Während das Thromboserisiko bei Pankreas-, Gehirn- und Magentumoren deutlich über zehn Prozent liegt, treten thromboembolische Gefäßverschlüsse bei Mamma- und Prostatakarzinomen in weniger als zwei Prozent der Fälle auf. „Da die Tumore mit einem hohen Thromboserisiko aber eher selten sind, sind bei den absoluten Thrombosezahlen häufige Tumore wie Lungenkrebs und kolorektales Karzinom führend“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Ingrid Pabinger-Fasching, stellvertretende Leiterin der Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien.

Risiko-Score. Welche Rolle spielt das Tumorstadium? Wer glaubt, dass Thrombosen in erster Linie bei Patienten mit Fernmetastasen auftreten, irrt: Ähnlich hoch ist das Thromboserisiko auch bei lokalen Lymphknotenmetastasen, deutlich niedriger ist die Gefahr nur bei lokalen Tumoren. Beeinflusst wird die Thrombosewahrscheinlichkeit darüber hinaus vom Ausreifungsgrad der Tumorzellen. Bei niedrig differenzierten Tumoren besteht ein erheblich höheres Thromboserisiko als bei hoch differenzierten. Etabliert ist mittlerweile die Abschätzung

des Thromboserisikos aus LaborparameSicht nicht für eine breite Anwendung tern: Khorana et al. entwickelten einen der primären Thromboseprophylaxe“, so Score, der neben der Tumorlokalisation die Expertin. auch die Thrombozytenzahl vor einer Chemotherapie (≥350.000/mm3), das HäDiagnose und Therapie. Kommt moglobin (<10g/dl), die Leukozytenzahl es bei einem Tumorpatienten zu einer vevor der Chemotherapie (>11.000/mm3) nösen Thrombose oder Pulmonalembolie, sollte die Abklärung gemäß und den BMI (≥35kg/m2) beOnkopedia-Leitlinie genauso wertet. Je nach erreichter wie bei einem Nicht-TumorpaPunkteanzahl wird das tienten erfolgen: Als diagnostiThromboserisiko als hoch, sche Werkzeuge stehen vor almittel oder gering eingestuft. lem klinische WahrscheinlichDer Score wurde mittlerweile keits-Scores, D-Dimer (bei Tuin mehreren Studien – unter morpatienten allerdings oft anderem auch in CATS – vali- Pabinger: „dass das ab­ auch ohne venöse Thrombodiert. Als weitere Risikomar- solute Thromboserisiko bei unselektionierten Tu­ embolie erhöht) und bildgebenker konnten die Wiener For- morpatienten niedrig ist, de Verfahren zur Verfügung. scher erhöhte Spiegel von lös- spricht nicht für eine breite Anwendung der Die Akuttherapie wird ebenlichem P-Selectin und D-Di- primären Thrombose­ falls ähnlich gehandhabt wie mer identifizieren. „Wenn prophylaxe.“ bei Nicht-Tumorpatienten. Bei man diese beiden Faktoren lebens- oder organbedrohenden Thrommit dem Khorana-Score kombiniert, erboembolien können interventionelle höht sich die Wahrscheinlichkeit einer Maßnahmen wie Thrombolyse, ThrombThrombose bei Patienten mit der höchsembolektomie oder die Implantation eiten Punkteanzahl auf 35 Prozent“, erklärt nes Vena-cava-inferior-Filters indiziert Pabinger-Fasching. sein. Als parenterale Antikoagulantien Primärprophylaxe. Kann man ei- werden in den Leitlinien initial niedermolekulares Heparin, unfraktioniertes Hepaner Thrombose bei Tumorpatienten merin oder Fondaparinux empfohlen. Für die dikamentös vorbeugen? Zurzeit gibt es neuen Antikoagulantien ist die Datenlage zwei prospektive randomisierten Primärderzeit noch nicht ausreichend. Es gibt prophylaxestudien bei soliden Tumoren zwar Tumorpatienten in den Studien, ihre unter Chemotherapie, in denen sich NadZahl ist allerdings gering, und Hochrisikoroparin und Semuloparin als effektiv erpatienten wurden nicht eingeschlossen. In wiesen. Die Wirksamkeit war allerdings der Sekundärprophylaxe sind die niederbescheiden, und die Mortalität konnte molekularen Heparine zu bevorzugen.< durch die Medikation nicht verringert werden. „Da das absolute Thromboserisiko bei unselektionierten Patienten nied„Thrombosen bei Tumorpatienten“, OeGHO rig ist, sprechen diese Daten aus meiner Frühjahrstagung, 14.4.2012 krebs:hilfe!

4:2012

FOTO: PrivaT

Die seit acht Jahren laufende, prospektive „Cancer and Thrombosis Study“ (CATS) zeigt: Klinische und Laborparameter erlauben heute eine gute Vorhersage für venöse Thromboembolien bei Tumorpatienten – eine PrimärTexT mAg. dr. rüdiger höflechner prophylaxe ist nicht allgemein indiziert.


 Neue ANtithrombotikA 57

Aufpassen bei Patienten mit Niereninsuffizienz!

FOTO: PrivaT

Sind Vitamin­K­Antagonisten ein Auslaufmodell? Die neuen Substanzen können zwar mit hoher Wirksamkeit punk­ TexT mAg. Dr. rüDiger höfleChNer ten, haben aber auch ihre Schattenseiten. Vorteil der neuen AntikoaguGerinnungshemmende Medilantien ist auch die fixe Dosiekamente erreichen in der Rerung. Interaktionen mit Nahgel Blockbuster-Status. Demrungsmitteln oder anderen entsprechend stark ist das meMedikamenten sind selten. Eidiale Echo, das die derzeitige ner der größten Pluspunkte ist, Revolution auf dem Antikodass kein Monitoring mehr eragulantien-Markt begleitet. Kyrle: „bei einer kreatiforderlich ist. Deutliche UnterWarum gibt es überhaupt ei- nin-Clearance unter schiede zwischen den drei nen Bedarf an neuen Substan- 50ml/min muss die Dosis der neuen oralen AntiSubstanzen gibt es bei der Biozen? „Die Vitamin-K-Antago- koagulantien reduziert verfügbarkeit und der Eliministen haben einen langsamen werden.“ nation: Dabigatran wird überWirkungseintritt. Oft benötiwiegend über die Niere ausgeschieden, Rigen wir daher Heparin zur Überbrüvaroxaban und Apixaban nur zu einem ckung“, listet Univ.-Prof. Dr. Paul Kyrle, Klikleineren Teil. nische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien, die NachteiStudien. Fasst man die Studien zule der bisherigen Therapie auf. „Es gibt Insammen, ergibt sich folgendes Bild: Bei teraktionen mit Medikamenten oder Erorthopädisch-chirurgischen Indikationährungsgewohnheiten und genetische nen waren die neuen oralen Substanzen Variationen, die eine individuelle Dosiemindestens so wirksam und sicher wie rung erforderlich machen. Außerdem hadie Standardtherapie mit Enoxaparin, die ben Vitamin-K-Antagonisten eine sehr ensubkutan verabreicht werden muss. Auch ge therapeutische Breite. All das macht ein bei der akuten Behandlung von Venenhäufiges Monitoring der Blutgerinnung thrombosen und Lungenembolien erwienotwendig.“ sen sie sich als mindestens so effektiv und sicher wie die bisherige Standardtherapie. Vorteile. Die neuen oralen Antikoagu- Das gilt in gleicher Weise für die wenigen Tumorpatienten, die in die Studien eingelantien wurden mit dem Ziel entwickelt, schlossen waren. In der Langzeitbehanddie Vitamin-K-Antagonisten zu ersetzen. lung der Venenthrombose konnte das ReDerzeit sind drei Substanzen mit unterzidivrisiko durch Rivaroxaban zwar signischiedlichem Wirkansatz zugelassen: Rifikant gesenkt werden, allerdings um den varoxaban und Apixaban sind direkte XaPreis vermehrter schwerer Blutungen. AlInhibitoren, während Dabigatran kompele drei Substanzen wurden auch in grotitiv und reversibel an Thrombin bindet. ßen Studien bei Vorhofflimmern unterGemeinsames Merkmal ist, dass es sich um sucht und mit Vitamin-K-Antagonisten kleine Moleküle handelt, die sehr schnell verglichen: Schlaganfälle konnten in gleiwirken und eine kurze Halbwertszeit (etchem Ausmaß oder stärker reduziert werwa zehn bis zwölf Stunden) haben. Daher den, intrakranielle Blutungen waren selwird nur mehr bei sehr wenigen Patienten tener. Allerdings wurden unter Dabigaeine Überbrückungstherapie benötigt. Ein krebs:hilfe!

4:2012

tran und Rivaroxaban häufiger gastrointestinale Blutungen beobachtet, in der Dabigatran-Gruppe gab es zudem mehr Herzinfarkte.

„There is no free lunch.“ Meist haben erfolgreiche Neuerungen auch ihre Schattenseiten. Ein häufig ins Treffen geführter Nachteil der neuen Substanzen ist, dass für sie zurzeit kein direktes Antidot verfügbar ist. „Außerdem gibt es keine klinisch validierten Testsysteme, die etwas über das Blutungs- oder Thromboserisiko aussagen, wie wir sie bei den Vitamin-KAntagonisten mit der INR haben“, ergänzt Kyrle. Zu einem Knackpunkt könnte auch die Patientenadhärenz werden: Da Betroffene nicht mehr alle vier Wochen zum Arzt gehen müssen, sondern sich quasi selbst behandeln können, fehlt die Rückmeldung über ihre Compliance. „Das wirklich große Problem sind aber Patienten mit einer Niereninsuffizienz“, betont der Hämatologe. „Bei einer KreatininClearance unter 50ml/min muss die Dosis reduziert werden. Bei Werten unter 30 bzw. 15ml/min sind Dabigatran und Rivaroxaban kontraindiziert.“ Alte Menschen mit schlechter oder schwankender Nierenfunktion, die womöglich auch noch wenig trinken oder Durchfallerkrankungen haben, müssen daher vorsichtig behandelt und ausreichend kontrolliert werden.< „Neue Antithrombotika“, OeGHO Frühjahrs­ tagung, 14.4.12


 ÖGHO 2012 58

Lymphatische Neoplasien: Hoch effektive Antikörper Erste klinische Studien mit T-Zell-rekrutierenden bispezifischen Antikörpern bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen und akuten lymphoblastischen Leukämien der B-Zell-Reihe zeigen hohe Ansprechraten. Eine der wesentlichen Ursachen für die hohe Effektivität dieser Antikörper könnte der durch deren ihre Größe bedingte enge Kontakt zwiTexT MaG. Dr. rüDiGer HÖflecHner schen Effektor und Target-Zelle sein. Das aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Konzept der bispezifischen Antikörper beruht auf der Idee, Antikörper so zu verändern, dass sie mit zwei unterschiedlichen Bildungsarmen sowohl an zytotoxische T-Zellen als auch an Tumorzellen binden. Zytotoxische T-Zellen sind wahrscheinlich die mit Abstand potentesten zellulären Effektoren des menschlichen Immunsystems. Neuere bispezifische Antikörper, die nur noch aus den jeweiligen durch kurze Peptidbrücken miteinander verbundenen Bindedomänen der Mutterantikörper bestehen, werden BiTE®-Antikörper genannt (Bi-specific T-cell Engagers). „Auf diese Art und Weise entsteht ein relativ kleines Molekül, das einen ganz engen Kontakt zwischen Effektor- und Target-Zelle erlaubt“, erläutert Professor Dr. Ralf Bargou, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Würzburg. „Das ist sicherlich eine der wesentlichen Ursachen für die hohe Effektivität dieser Antikörper.“

Bemerkenswerte Eigenschaften. Der klinisch am weitesten entwi-

ckelte BiTE®-Antikörper ist Blinatumomab. Er ist gegen das B-Zell-Differenzierungsantigen CD19 gerichtet und daher potenziell bei fast allen B-Zell-Neoplasien einsetzbar. Die präklinische Charakterisierung des Moleküls zeigte einige bemerkenswerte Eigenschaften: Blinatumomab ist in vitro bereits in äußerst geringen Konzentrationen aktiv (pg/ml), die fünf LogStufen unter den wirksamen Konzentrationen von Rituximab liegen. Durch den BiTE®-Antikörper aktivierte T-Zellen pro-

liferieren stark und tasten gewissermaßen ihre Umgebung ab, sodass eine rekrutierte T-Zelle hunderte von Target-Zellen hintereinander lysieren kann. Im Gegensatz zu anderen bispezifischen Antikörpern benötigt Blinatumomab keine T-Zell-Prä- oder Kostimulation. Die Serum-Halbwertszeit des Moleküls, das aufgrund seiner Größe wahrscheinlich renal ausgeschieden wird, beträgt zwei bis drei Stunden. In einer Phase-I-Studie wurde die Sicherheit und Tolerabilität von Blinatumomab an 70 Patienten mit rezidiviertem/refraktärem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom untersucht. Die Studienteilnehmer erhielten zwischen 0,5 und 90µg des Antikörpers pro m2 und Tag über vier bis acht Wochen als intravenöse Dauerinfusion. Als maximal tolerable Dosis (MTD) erwiesen sich dabei 60µg. „Für die Mehrzahl der Patienten waren die Nebenwirkungen akzeptabel“, berichtet Bargou. „Am häufigsten traten Fieber, Erschöpfung und Kopfschmerzen auf.“ Im Labor fanden sich reversible Zytopenien ohne klinische Relevanz. In 15 Fällen kam es zu unterschiedlichen zentralnervösen Nebenwirkungen, die sich bei allen Betroffenen aber innerhalb kurzer Zeit wieder zurückbildeten. Quer durch alle Subtypen sprachen 20 von 28 Patienten, die die MTD erhielten, auf die Therapie an, zehn hatten sogar eine komplette Remission.

Österreichische Beteiligung an Studien. Ermutigend Ergebnisse

Residual Disease = im Knochenmark verbliebene Leukämiezellen): Von den 20 auswertbaren Teilnehmern dieser Pilotstudie waren 16 nach der vierwöchigen Blinatumomab-Behandlung MRD-negativ. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 405 Tagen lag das rezidivfreie Überleben bei 80 Prozent. In der Zulassungsstudie BLAST, an der auch vier österreichische Zentren teilnehmen, sollen diese Ergebnisse nun an 120 Patienten überprüft werden. In einem nächsten Schritt wurde die Wirksamkeit von Blinatumomab bei ALL-Patienten mit klinischem Rezidiv untersucht. Eine Zwischenauswertung der ersten zwölf Fälle zeigte hier eine 75-prozentige Ansprechrate. Darunter waren auch Erkrankte mit Philadelphiapositiver ALL und 4;11-Translokation. Erfreulicherweise fand sich bei allen Patienten mit kompletter hämatologischer Remission auch ein MRD-Response. Mittlerweile läuft bereits eine weltweite konfirmatorische Nachfolgestudie. „Es sieht so aus, dass mit dieser Therapie bei einem Teil der NHL- und ALL-Patienten auch eine Langzeitremission erreicht werden kann“, resümiert Bargou. < „T-Zell-rekrutierende BiTE-Antikörper zur Therapie lymphatischer Neoplasien: Präklinische und klinische Entwicklung“, ÖGHO Frühjahrstagung, Graz, 14.4.2012

erbrachte auch eine Phase-II-Studie bei ALL-Patienten mit MRD-Persistenz oder -Rezidiv nach Chemotherapie (Minimal

krebs:hilfe!

4:2012


 Literatur 59 Metastasiertes MeLaNoM

Phase iii läuft an Für die Kombination des BRAF-Inhibitors Dabrafenib und des MEK-Inhibitors Trametinib startet ein Phase-IIIProgramm. Eingeschlossen werden Patienten mit metastasiertem kutanem Melanom mit BRAF-V600-Mutationen. In der COMBI-d-Studie wird untersucht, ob die Kombination besser wirkt als Dabrafenib-Monotherapie. In COMBI-v werden die beiden Substanzen hinsichtlich des Gesamtüberlebens gegen Vemurafenib-Monotherapie getestet, das mittlerweile zugelassen ist. In beiden Studien wird die Sicherheit der Kombination Dabrafenib mit Trametinib geprüft.

Meilensteine in der Krebstherapie Zum 200. Geburtstag der Zeitschrift „New England Journal of Medicine“ haben Vincent DeVita & Steven Rosenberg von der Yale University in New Haven, CT, den Beitrag „Two Hundred Years of Cancer Research“ publiziert, in dem sie die historischen Entwicklungen der Krebsforschung und Meilensteine in der Krebstherapie von der Chirurgie über die Strahlentherapie bis hin zur medikamentösen Therapie besprechen. Als vorerst letzter großer Meilenstein gilt die Sequenzierung des menschlichen Genoms. Seit der Publizierung der Sequenz im Jahr 2000 halbieren sich die Kosten pro Genom den Autoren zufolge alle zwei Jah-

Pressemeldung GSK, 29. Mai 2012

 zeLLteiLuNGsProzesse

 Gesetz befördert eNtwickLuNG

Eine neue Methode, bei der mikroskopische Bilder vollautomatisch und ohne jede menschliche Unterstützung analysiert und ausgewertet werden, entwickelte das Team um Daniel Gerlich, Senior Gruppenleiter am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), Wien, im Rahmen des EU-Projekts „Systems Microscopy Network of Excellence“. Gerlich ist ein Pionier auf dem Gebiet der automatisierten Mikroskopie lebender Zellen. Beim soge-

schutz vor Pathogenen

Foto: daniel gerlich

 200 Jahre NeJM

Infektionen mit Blutpathogenen nehmen am häufigsten den Weg über perkutane Verletzungen im Spital. Eine Analyse von 85 ausgewählten Krankenhäusern in den USA zeigt nun, dass die jährliche Rate perkutaner Verletzungen im Zeitraum 2001 bis 2005 stetig abnahm. Worauf ist dies zurückzuführen? Zum einen ist seit Ende 2000 der sogenannte „Needlestick Safety and Prevention Act“ (NSPA) in Kraft, der Arbeitgeber u.a. verpflichtet, eine sicherheitserprobte Ausstattung bereitzustellen. Gleichzeitig war seit diesem Zeitpunkt ein technologischer Entwicklungsschub bei scharfen und spitzen Instrumenten zu verzeichnen, so dass Anwender heute vor Stich- und Schnittverletzungen wesentlich besser als bei früheren, konventionellen Instrumenten geschützt sind. Das Gesetz beförderte offensichtlich diese Entwicklung, meinen Autoren des Kommentars zur Analyse. Moran et al., NEJM 2012; 366: 670f krebs:hilfe!

4:2012

re. Routinetests, für jeweils nur USD 100, würden damit Realität werden. So würden Gewebe vor und nach einer (Krebs-)Erkrankung auf Genomebene routinemäßig verglichen werden, was neue, präventive und therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen werde. Krebs werde heilbar oder zumindest eine chronische Erkrankung werden. DeVita & Rosenberg erwarten sich ökonomische und soziale Folgen, die einerseits befriedigend, aber gleichzeitig auch gewaltig in ihrer Dimension sein würden.

N Engl J Med 2012; 366: 2207-14

Selbstlernendes Computerprogramm

nannten „Unsupervised Machine Learning“ erkennt der Computer selbst, wie die Kriterien aussehen müssen, nach denen Bilder zugeordnet werden können – die Vorgabe von Kriterien durch einen Wissenschaftler ist nicht mehr notwendig. Höhere Objektivität und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie Zeitersparnis sind die Folge.

Zhong et al.; Nature Methods 2012

daniel Gerlich beobachtet und bearbeitet mit der neuen technik unter anderem die teilung menschlicher krebszellen.


 NIFA® 2012 60

NIFA® – NEUE IMPULSE IN FORTBILDUNG UND AUSBILDUNG

Brustkrebspatientinnen im Mittelpunkt des Behandlungssystems Neben den individualisierten Therapiefolgen beim Mammakarzinom standen Aspekte wie die Sicherstellung der TEXT MAG. CHRISTINA LECHNER Therapieadhärenz und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Mittelpunkt.

Quelle: di Leo et al. 2010 1,0

■ Fulvestrant 500mg

Median 25,1 Monate

0,8

■ Fulvestrant 250mg

0,6

hR=0,8 (95% CI 0,69–1,03) p=0,091

Median 22,8 Monate

0,4

0,2

8

16

krines Ansprechen erwarten können. Es haaus Deutschland berichtete Prof. Dr. Chrisbe für die Patientinnen zudem einen „hoch tian Jackisch, Chefarzt der Klinik für Gyemotionalen Begleitcharakter“, wenn ihnen näkologie und Geburtshilfe & Brustzentein Therapieschema ohne Chemotherapie rum in Offenbach, über aktuelle Entwickangeboten werden könne, meint Jackisch. lungen bei endokrinen Therapien: Die antihormonelle Therapie, so Jackisch, gilt bei Hormonrezeptor-positiven Karzinomen Möglichkeiten von Fulvesauch in fortgeschrittenen Stadien als Thetrant. Unter den zur Verfügung stehenrapie der Wahl: „Ein groß angelegtes Reden antihormonellen Therapieformen view von 76 Studien ergab, dass die Horverwies Jackisch neben Tamoxifen und montherapie in der Erstlinie der ChemoAromatasehemmern auf den kompletten therapie keinesfalls unterlegen Östrogenrezeptor-Antagonisten ist, die medianen ÜberlebenszeiFulvestrant: „Fulvestrant ist seit ten betragen 31,1 Monate für die 2004 zugelassen und hat seither Hormontherapie und 20,7 Moin klinischen Studien immer nate für die Chemotherapie“, bewieder gezeigt, dass es umso richtet Jackisch (Saad et al. 2010). wirksamer ist, je früher es eingeJackisch: „Die HorAußer in lebensbedrohlichen Si- montherapie gilt setzt wird. Die Rate des klinituationen sollte daher die Hor- auch bei fortgeschen Benefits liegt in der Erstlischrittenen HR-posimontherapie immer an erster tiven Karzinomen als nie bei 75 Prozent, in der ZweitStelle stehen, wenn wir ein endo- Therapie der Wahl.“ und Drittlinie bei 51 bzw. 44

24

32

40

48

Prozent“, betont Jackisch. Eine entscheidende weitere Verbesserung der Therapiemöglichkeiten mit Fulvestrant erfolgte mit der Dosiserhöhung von 250mg auf 500mg monatlich, die auf Basis der CONFIRM-Studie registriert wurde. Unter anderem konnte dadurch die Dauer der Zeit bis zur Krankheitsprogression von 5,5 auf 6,5 Monate (p=0,006) sowie die mediane Überlebenszeit von 22,8 auf 25,1 Monate verlängert werden (p=0,091; vgl. Abbildung). Im Nebenwirkungsprofil gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Dosierungen, wie Jackkisch ergänzt. Für die endokrine Therapiesequenz mit Fulvestrant und Aromatasehemmern liegt laut Jackisch unterschiedliche Evidenz vor; es sei daher nach wie vor individuell abzuwägen, wann welche Substanz in der Therapiefolge am besten einzusetzen ist. krebs:hilfe!

4:2012

Fachkurzinformation siehe Seite 64

0

ID 3552

ZeIt (IN MONateN)

25,1

FOTOS: ASTrAZENECA

22,8

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Hormontherapie. Als Gastreferent

Ú CONFIRM-Studie: Überleben

ÜbeRlebeNSwahRSCheINlIChkeIt

Eine technische Weiterentwicklung, die auch für andere medizinische Kongresse als Modell dienen könnte, bereicherte das diesjährige NIFA®-Symposium in Linz: Erstmals wurden alle Vorträge live via Internet nach Innsbruck übertragen: Dort konnten sich die Teilnehmer per VideoKonferenz an der Diskussion und auch an den interaktiven Votings beteiligen. Moderiert wurde die Diskussion in Innsbruck von Univ.-Doz. Dr. Anton Haid (Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie, LKH Feldkirch) sowie Dr. Michael Hubalek (Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Innsbruck).


61

Wann Chemotherapie? Die Fra-

erst in der Viertlinie eingesetzt größer als HER2- und/oder Horwerden oder auch schon früher monrezeptor-positive Tumore, ge, wann bei hormonabhängigen, metastain der Sequenz, wobei danach sie haben zu einem höheren Prosierten Mammakarzinomen die Entscheiwieder eine Hormontherapie zur zentsatz positive Lymphknoten dung für eine Chemotherapie fallen sollte, Anwendung kommen kann. Es und sind auch dreimal häufiger erörterte Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samogibt nicht zu allen Sequenzen Steger: „Triple-nega- undifferenziert. „Während bei nigg, Leiter der Klinischen Abteilung für Studien, entscheidend ist jeweils tive Tumore haben nicht triple-negativen Tumoren Onkologie an der Medizinischen Universinach wie vor die die Erfahrung des behandelnden schlechteste Prodie Zeit bis zum Auftreten von tät Graz. „Prinzipiell ist die Entscheidung Arztes bzw. Zentrums“, betont gnose.“ Fernmetastasen im Durchschnitt jeweils individuell zu treffen, als Richtlinie Samonigg. 22 Monate beträgt, sind es bei gilt jedoch, die Chemotherapie erst dann triple-negativen nur neun Monate“, fasst einzusetzen, wenn eine Hormontherapie nicht mehr wirkt oder eine potenziell Triple-negatives Mammakar- Steger zusammen. Allerdings treten die Rewirksame Hormontherapie nicht die Thezinom. Eine ganz spezielle Herausfor- zidive meist innerhalb der ersten drei Jahre nach Diagnose auf, „ab dem vierten Jahr ist rapie der Wahl ist“, betont Samonigg. So derung bedeutet die Behandlung des Horder Verlauf ähnlich jener der Hormonresprechen eine hohe Tumorlast, lebensbemonrezeptor-negativen und HER2-negatizeptor- und/oder HER2-positiven Erkrandrohliche Symptome etwa durch Lebermeven (triple-negativen) Mammakarzinoms. kungen.“ In der Therapie triple-negativer tastasen oder ein instabiler Verlauf für die „Es ist nach wie vor die Erkrankung mit der Brustkrebserkrankungen werden derzeit Chemotherapie. Für die Horschlechtesten Prognose“, erklärt verschiedene Ansätze in klinischen Studimontherapie sprechen dagegen Univ.-Prof. Dr. Günter Steger, en untersucht, darunter Kombinationschewiederum Faktoren wie ein staProgrammdirektor für adjuvante motherapien (z.B. Anthrazykline plus Tabiler Verlauf, eine langsame ProTherapien an der Universitätsklixane plus/minus Capecitabin) oder auch gression, aber auch höheres Alter nik für Innere Medizin I in Wien. Kombinationen mit zielgerichteten Suboder reduzierter Allgemeinzu„In dieser Indikation steht uns stanzen wie Cetuximab und Bevacizumab. stand der Patientin. „Es sind auch Samonigg: „Die Ent- derzeit nur die zytostatische Theganz unterschiedliche Therapie- scheidung für eine rapie zur Verfügung.“ Laut Steger Chemotherapie abfolgen möglich, so kann die muss individuell gesind triple-negative Tumore zum Entwicklungsprozesse und Chemotherapie möglicherweise troffen werden.“ Zeitpunkt der Diagnose meist Netzwerke. Auf die Bedeutung von Netzwerken im Kontext der Medizin verwies Dr. Harald Katzmair vom internatio Begleitwirkungen und Lebensumstände berücksichtigen nalen Analyse- und BeratungsunternehIn seinem Vortrag über „Interdisziplinäres Patientinnen-Management“ betonte Ass.-Prof. men FAS.research Dr. Leo Auerbach, Klinische Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische in seinem Referat – Onkologie, Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde, den Stellenwert des interdisein Aspekt, der im ziplinären Managements von Patientinnen mit Brustkrebserkrankungen sowie der KomAnschluss vom Exmunikation zwischen Arzt/Ärztin und Patientin. „Wenn die Therapieentscheidung im Tupertenpanel (siehe Katzmair wies auf morboard gefällt wird, so bedeutet dies, die im Einzelfall optimale Therapie zu ermitteln, die Bedeutung von unten) auch unter Netzwerken in der zugleich ist es auch eine Absicherung in forensischer Hinsicht.“ dem Blickwinkel Medizin hin. Auerbach ergänzt, viele Patientinnen würden sich bereits bewusst der optimalen Netzfür die Therapie an einem zertifizierten Zentrum entscheiden, wo werke im Bereich der Brustkrebsnachsorge garantiert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgt. erörtert wurde. So wurde angesichts der ak„Für die Adhärenz ist es zudem entscheidend, dass die Patientuellen Entwicklung moderner Therapien tinnen über die zu erwartenden Begleitwirkungen der Therapie darüber diskutiert, ob und welche Nachsoraufgeklärt werden“, sagt Auerbach. „Das ist ein ganz wichtiger Auerbach: „Der häugeuntersuchungen von den Zentren zu niePunkt, denn rund 30 Prozent nehmen nach drei Jahren die The- fige und intensive Kontakt mit der dergelassenen Ärzten verlagert werden rapie mit Aromatasehemmern nur mehr unvollständig ein. Die Patientin ist entkönnten. Eine wichtige Voraussetzung daÜberlebenschancen verringern sich allerdings mit der mangeln- scheidend.“ für ist jedenfalls die intensive Kooperation den Compliance.“ Zudem zeigt eine aktuell an der Wiener Univerim Rahmen von Netzwerken. „Netzwerke – sitätsfrauenklinik durchgeführte Patientinnenbefragung, dass etwa bei jeder zehnten auch in der Medizin – funktionieren dann Patientin zu wenig auf individuelle Lebensumstände eingegangen werde. Dies ist einer am besten, wenn Experten aus allen Entder wichtigen Ursachen von mangelnder Compliance und Therapieabbrüchen. „Auch wicklungszyklen eines Systems darin verunter diesem Aspekt ist der häufige und intensive Kontakt mit der Patientin entscheitreten sind.“ dend“, resümiert Auerbach. krebs:hilfe!

4:2012


 NIFA® 2012 62

Ú Vom „Lebenszyklus“ zum „Öko-Zyklus“ Quelle: FAS.research 2012

KapitaL

Stadium der Reife

Kreative Destruktion Reorganisation

pionierstadium VERBUNDENHEit

NIFA® 2012: Vorträge jetzt online abrufbar! Erstmals stehen alle Vorträge zum Nachhören und Nachlesen unter www.NIFA2012.at zur Verfügung. Ebenso sind Interviews mit den Vortragenden auf dieser Homepage abrufbar, die vertiefende Informationen zu den jeweiligen Vortragsthemen geben.

Alle komplexen Systeme machen in sich stets Erneuerungsprozesse durch, wie Katzmair erklärt. Die wesentlichen Phasen darin sind das Pionierstadium, das in ein Stadium der Reife und durch eine kreative Re-Organisation wiederum in ein neues Pionierstadium übergeht.<

Fall I zur Wirkung von Fulvestrant. Über eine zum Zeitpunkt der

Diagnose 51-jährige, postmenopausale Patientin mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom berichtet OA Dr. Ferdinand Haslbauer, Interne Abteilung, LKH Vöcklabruck. „Nach einer brusterhaltenden Operation mit anschließender Bestrahlung erhielt Haslbauer: „Auchdie Patientin über 500mg Fulvestrant täglich wurden von fünf Jahre Tamoxi- der Patientin gut fen. Rund zwei Jah- vertragen.“ ren später war bei der Nachsorgeuntersuchung ein Rundherd in der Lunge mit einem Durchmesser von ca. acht Millimetern sichtbar“, erklärt Haslbauer. Aus technischen Gründen war der Rundherd nicht punktierbar, eine Operation wurde von der Patientin abgelehnt.

„Die Patientin wurde daraufhin über weitere fünf Jahre mit einem Aromatasehemmer behandelt. Der Rundherd blieb unverändert, es traten aber keine neuen Läsionen auf.“ Weitere zwei Jahre später beklagte die Patientin Knochenschmerzen, die auf Metastasen zurückgeführt werden konnten. Die Nachbefundung aus dem Primum hatte in der Zwischenzeit gezeigt, dass der Tu-

 Die österreichische Studienlandschaft Der Entwicklung einer immer besser maßgeschneiderten Therapie für Patientinnen mit Brustkrebs trägt die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) in ihrer Studienplanung Rechnung. ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien, erinnert jedoch daran, dass in Österreich die öffentlichen Pro-Kopf-Ausgaben für die Krebsfor- Gnant: „In Österschung im internationalen Vergleich erschreckend niedrig sind: reich sind die öffentlichen Pro-Kopf„Wir rangieren hier gemeinsam mit Griechenland im europäischen Ausgaben für die Vergleich am unteren Ende“, betont Gnant. Umso erfreulicher ist Krebsforschung im internationalen Veres dagegen, dass in Österreich in den letzten 20 Jahren die Sterb- gleich erschreckend lichkeit an Brustkrebs um 25 Prozent gesunken ist: „In absoluten niedrig.“ Zahlen starben 2010 um 2.000 Frauen weniger an Brustkrebs als noch 1990.“ Bei den laufenden Studien der ABCSG verwies Gnant unter anderem auf die Studie ABCSG-18, die die Wirkung von Denosumab bei Patientinnen unter einer Therapie mit Aromatasehemmern untersucht, sowie auf die Studie ABCSG-16 (SALSA), in der nach fünf Jahren endokriner Therapie Anastrozol über fünf bzw. zwei Jahre eingesetzt wird. „Es gibt weltweit keine zweite Studie, die diese Fragestellung beantworten kann“, betont Gnant. Rund 3.500 Frauen nehmen bislang an dieser Studie teil. krebs:hilfe!

4:2012

FOTOS: ASTrAZENECA (7), BArBArA KrOBATH (3), prIvAT (1)

Konkurs

mor HER2-negativ war. Die Therapieentscheidung fiel diesmal für die Kombination aus Fulvestrant und einem Bisphosphonat – für diese Möglichkeiten stimmten auch 100 Prozent der Teilnehmer des NIFA®Symposiums in Linz und Innsbruck im Rahmen des interaktiven Votings. „Damals, im Jahr 2008, wurde Fulvestrant zunächst in der Dosierung von 250mg eingesetzt. Es kam zunächst zu einer partiellen Remission, die über 28 Monate stabil blieb. Auch der klinische Benefit war vorhanden“, erläutert Haslbauer. Nach einem neuerlichen Progress im Jahr 2010 wurde die Dosierung von Fulvestrant auf 500mg erhöht. „Dies war auch aufgrund der guten Verträglichkeit durchaus im Sinne der Patientin. Zudem hatte das F18-Östradiol PET gezeigt, dass an den Metastasen Hormonrezeptoren exprimiert waren.“ Die Patientin blieb damit über weitere neun Monate stabil, insgesamt betrug das progressionsfreie Überleben unter Fulvestrant 37 Monate. Erst 2011 und damit rund 18 Jahre nach der Erstdiagnose wurde eine Chemotherapie eingesetzt (liposomales Doxorubicin als Monotherapie), worauf sich wiederum eine partielle Remission einstellte.


63

Fall II zu triple-negativem Brustkrebs. Über eine Patientin, die

bislang mehr als 15 Jahre lang mit einer triple-negativen Erkrankung erfolgreich behandelt werden kann, berichtet Univ.-Prof. Dr. Vesna Bjelic-Radisic von der Grazer Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Die damals 50-jährige, prämenopausale Patientin wurde 1997 diagnostiziert, der Tumor war undifferenziert und erwies sich als Östrogen- und Progesteronrezeptor-negativ, die später durchgeführte HER2-Bestimmung war ebenfalls negativ“, fasst Bjelic-Radisic zusammen. Nach einer brusterhaltenden Operation mit anschließender Bestrahlung wurde die Patientin zunächst mit dem CMF-Schema behandelt. Wegen Wechselbeschwerden erhielt sie zwei Jahre später eine Hormon-ersatztherapie, die jedoch aufgrund der mittlerweiBjelic-Radisic bele vorliegenden Evi- richtete über die denz nach vier Jahren langjährige Behandlung einer Patientin abgesetzt wurde. Kurz mit triple-negativer darauf traten isolierte Erkrankung.

Knochenmetastasen auf (Rippe und Sternum), die operativ saniert wurden. „Die Patientin wird seither mit einem Bisphosphonat weiter behandelt – sie ist bis heute beschwerdefrei, und auch die Nachkontrollen sind unauffällig.“ Aktuell wird die Patientin mit dem Bisphosphonat weiter behandelt – eine Entscheidung, die auch von der Mehrheit der Teilnehmer in der interaktiven Abstimmung befürwortet wurde.

Fall III zum Therapiebedarf in Abhängigkeit der sozialen Situation. Wie sich die aktuelle soziale

Situation auf die Therapieentscheidung auswirken kann, schildert Dr. Ursula Selim von der Abteilung für Chirurgie am Hanusch-Krankenhaus in Wien. Die zum Zeitpunkt der Diagnose 38-jährige Patientin stand im Krankheitsverlauf unter anderem vor beruflichen Veränderungen und lebte für mehrere Monate im Ausland. „Zudem ignorierte sie beim ersten Rezidiv zunächst die Diagnose und entschied sich erst drei Monate später für die weitere Therapie.“ Nach einer adjuvanten Chemotherapie ihres Östrogenrezeptor-positi-

ven und Progesteronrezeptor-negativen sowie HER2-negativen Tumors erhielt die Patientin Tamoxifen und Gosere- Selim: „Die aktuelle lin. Zwei Jahre nach soziale Situation kann sich auf die Diagnosestellung Therapieentscheiwurden Lebermeta- dung auswirken.“ stasen festgestellt. Die Patientin lehnte jegliche intravenöse Therapie ab, daher bestand die Erstlinientherapie im metastasierten Stadium zunächst in einer oralen Chemotherapie (Capecitabin). Damit wurde eine partielle Remission erreicht. Auf Grund der sozialen Situation (Arbeitgeber und Tochter wissen nicht von der Erkrankung) fiel die weitere Therapiewahl auf eine endokrine Therapie, die gut verträglich ist. < Literatur di Leo et al., JCO 2010; 28: 4594-4600 Saad et al., JCO 2010; 28: 1958-62 Mit freundlicher Unterstützung von AstraZeneca

Teilnehmer im Rahmen des NIFA®-Symposiums am 28. April 2012 in Linz waren:

Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Fridrik, Linz, Prim. Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Salzburg, Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz, Wien, Dr. Harald Katzmair, Wien, Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Graz, Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, Wien, Univ.-Prof. Dr. Günther Steger, Wien, Moderation: Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Wien krebs:hilfe!

4:2012


 FACHKURZINFORMATIONEN 64 Arimidex 1 mg Filmtabletten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Enzyminhibitoren. ATC-Code: L02B G03. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Filmtablette enthält 1 mg Anastrozol. Sonstige Bestandteile: Jede Filmtablette enthält 93 mg Lactose-Monohydrat; Lactose-Monohydrat; Povidon (K 29-32); Poly(O-carboxymethyl)stärke, Natriumsalz; Magnesiumstearat (Ph.Eur.); Hypromellose; Macrogol 300; Titandioxid. ANWENDUNGSGEBIETE: Arimidex ist angezeigt für die: • Behandlung des hormonrezeptor-positiven fortgeschrittenen Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen. • Adjuvante Behandlung des hormonrezeptor-positiven frühen invasiven Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen. • Adjuvante Behandlung des hormonrezeptor-positiven frühen invasiven Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen, die bereits 2 bis 3 Jahre adjuvant Tamoxifen erhalten haben. GEGENANZEIGEN: Arimidex ist kontraindiziert bei: • schwangeren oder stillenden Frauen. • Patientinnen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Anastrozol oder einen der sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: AstraZeneca Österreich GmbH, Schwarzenbergplatz 7, A-1037 Wien; Tel.-Nr.: +43-1-71131-0; Fax-Nr.: +43-1-71131-221; E-Mail: info.at@astrazeneca.com. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: NR, apothekenpflichtig. Stand: November 2011. Informationen zu den Abschnitten besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation (z.B. Austria Codex) zu entnehmen. Avastin 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Jeder Milliliter enthält 25 mg Bevacizumab. Jede Durchstechflasche enthält 100 mg Bevacizumab in 4 ml bzw. 400 mg in 16 ml, entsprechend 1,4 bis 16,5 mg/ml bei Verdünnung gemäß Empfehlung. Bevacizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der mittels DNA-Technologie aus Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen) gewonnen wird. Anwendungsgebiete: Avastin (Bevacizumab) wird in Kombination mit einer Chemotherapie auf Fluoropyrimidin-Basis zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom angewendet. Avastin wird in Kombination mit Paclitaxel zur First-Line-Behandlung von Patienten mit metastasiertem Mammakarzinom angewendet. Zu weiteren Informationen wie auch zum HER2-Status siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“. Avastin wird in Kombination mit Capecitabin zur First-Line-Behandlung von Patienten mit metastasiertem Mammakarzinom angewendet, bei denen eine Behandlung mit anderen Chemotherapie-Optionen, einschließlich Taxanen oder Anthracyclinen, als nicht geeignet angesehen wird. Patienten, die innerhalb der letzten 12 Monate Taxan- und Anthracyclin-haltige Therapieregime im Rahmen der adjuvanten Behandlung erhalten haben, sollten nicht mit Avastin in Kombination mit Capecitabin therapiert werden. Zu weiteren Informationen wie auch zum HER2-Status siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“. Avastin wird zusätzlich zu einer Platin-haltigen Chemotherapie zur First-Line-Behandlung von Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidivierendem nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom, außer bei vorwiegender Plattenepithel-Histologie, angewendet. Avastin wird in Kombination mit Interferon alfa-2a zur First-Line-Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem und/oder metastasiertem Nierenzellkarzinom angewendet. Avastin wird in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel zur Primärbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom in den FIGO-Stadien IIIB, IIIC und IV angewendet. Gegenanzeigen: - Überempfindlichkeit gegen den arzneilich wirksamen Bestandteil oder einen der sonstigen Bestandteile. - Überempfindlichkeit gegen CHO-Zellprodukte oder andere rekombinante humane oder humanisierte Antikörper. - Schwangerschaft (siehe veröffentlichte Fachinformation unter Abschnitt 4.6 „Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit“). Liste der sonstigen Bestandteile: α,α-Trehalose 2 H2O, Natriumphosphat, Polysorbat 20, Wasser für Injektionszwecke. Inhaber der Zulassung: Roche Registration Limited, 6 Falcon Way, Shire Park, Welwyn Garden City, AL7 1TW, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Monoklonale Antikörper, ATCCode: L01XC07. Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen sowie Informationen zu Schwangerschaft und Stillzeit und zu Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. ®

Binocrit 1000 I.E./0,5 ml; 2000 I.E./1 ml; 3000 I.E./0,3 ml; 4000 I.E./0,4 ml; 5000 I.E./0,5 ml; 6000 I.E./0,6 ml; 8000 I.E./0,8 ml; 10 000 I.E./1 ml; 20 000 I.E./0,5 ml; 30 000 I.E./0,75 ml; 40 000 I.E./1 ml Injektionslösung in einer Fertigspritze. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jeder ml Lösung enthält 2.000 I.E. / 10.000 I.E. / 40.000 I.E. Epoetin alfa* entsprechend 16,8 / 84,0 / 336,0 Mikrogramm pro ml. 1 Fertigspritze mit 0,5 ml / 1 ml / 0,3 ml / 0,4 ml / 0,5 ml / 0,6 ml / 0,8 ml / 1 ml / 0,5 ml / 0,75 ml / 1 ml enthält 1000 I.E. / 2000 I.E. / 3000 I.E / 4000 I.E. / 5000 I.E. / 6000 I.E. / 8000 I.E. / 10 000 I.E./ 20 000 I.E. / 30 000 I.E. / 40 000 I.E. entsprechend 8,4 Mikrogramm / 16,8 Mikrogramm / 25,2 Mikrogramm / 33,6 Mikrogramm / 42,0 Mikrogramm / 50,4 Mikrogramm / 67,2 Mikrogramm / 84,0 Mikrogramm / 168,0 Mikrogramm / 252,0 Mikrogramm / 336,0 Mikrogramm Epoetin alfa. (*Hergestellt durch rekombinante DNA-Technologie in einer CHO-Zelllinie). LISTE DER SONSTIGEN BESTANDTEILE: Natriumdihydrogenphosphat-Dihydrat, Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat, Natriumchlorid, Glycin, Polysorbat 80, Salzsäure (zur pH-Einstellung), Natriumhydroxid (zur pH-Einstellung), Wasser für Injektionszwecke. DARREICHUNGSFORM: Injektionslösung in einer Fertigspritze (Injektionszubereitung). Klare, farblose Lösung. WIRKSTOFFGRUPPE: Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Antianämikum, ATC-Code: B03XA01. ANWENDUNGSGEBIETE: Behandlung der symptomatischen Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz bei Kindern und Erwachsenen. - Behandlung der Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz bei Kindern und Erwachsenen unter Hämodialysebehandlung und bei Erwachsenen unter Peritonealdialysebehandlung. - Behandlung der schweren symptomatischen renalen Anämie bei Erwachsenen mit Niereninsuffizienz, die noch nicht dialysepflichtig sind. Behandlung der Anämie und Reduktion des Transfusionsbedarfs bei Erwachsenen mit soliden Tumoren, malignen Lymphomen oder multiplem Myelom, die eine Chemotherapie erhalten und bei denen das Risiko einer Transfusion aufgrund des Allgemeinzustandes (beispielsweise kardiovaskulärer Status, vorbestehende Anämie bei Beginn der Chemotherapie) besteht. Binocrit kann zur Steigerung der autologen Blutgewinnung bei Patienten angewendet werden, die an einem Eigenblutspendeprogramm teilnehmen. Die Anwendung in dieser Indikation muss gegenüber dem Risiko thromboembolischer Ereignisse abgewogen werden. Die Behandlung sollte nur bei Patienten ohne Eisenmangel mit mittelschwerer Anämie (Hämoglobin (Hb) 10-13 g/dl (6,2-8,1 mmol/l)) durchgeführt werden, falls blutsparende Maßnahmen nicht verfügbar oder unzureichend sind, bei geplanten größeren operativen Eingriffen, die einen großen Blutvolumenersatz fordern (4 oder mehr Einheiten Blut bei Frauen; 5 oder mehr Einheiten Blut bei Männern). Zur Reduktion von Fremdblut kann Binocrit vor einem großen elektiven orthopädischen Eingriff bei Erwachsenen ohne Eisenmangel angewendet werden, bei denen ein hohes Risiko von Transfusionskomplikationen zu erwarten ist. Es sollte nur bei Patienten mit mittelschwerer Anämie (z. B. Hb 10-13 g/dl bzw. 6,2-8,1 mmol/l) und einem erwarteten Blutverlust von 900-1800 ml angewendet werden, die nicht an einem autologen Blutspendeprogramm teilnehmen können. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Patienten, die unter der Behandlung mit irgendeinem Erythropoetin an einer Erythroblastopenie (Pure Red Cell Aplasia, PRCA) erkranken, sollten kein Binocrit oder ein anderes Erythropoetin erhalten. Unkontrollierter Bluthochdruck. Patienten, bei denen keine adäquate Thromboseprophylaxe durchgeführt werden kann. In der Indikation „Steigerung der autologen Blutgewinnung“ ist die Anwendung von Epoetin alfa kontraindiziert bei Patienten mit - Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb eines Monats vor der Behandlung, - instabiler Angina pectoris, - erhöhtem Risiko für tiefe Venenthrombosen (z.B. anamnestisch bekannte venöse Thromboembolien). Bei Patienten, die für einen größeren elektiven orthopädischen Eingriff vorgesehen sind und die nicht an einem autologen Blutspendeprogramm teilnehmen können, ist die Anwendung von Epoetin alfa bei folgenden Vor-, Begleit- oder Grunderkrankungen kontraindiziert: schwere koronare Herzkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit, vaskuläre Erkrankung der Karotiden oder zerebrovaskuläre Erkrankung; bei Patienten mit vor kurzem eingetretenem Herzinfarkt oder zerebrovaskulärem Ereignis. INHABER DER ZULASSUNG: Sandoz GmbH, Biochemiestr. 10, A-6250 Kundl. LOKALE ANSPRECHPARTNER: Sandoz GmbH, Stella-Klein-Löw-Weg 17, A-1020 Wien. REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Stand der Information: Februar 2012. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten, sowie Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Erbitux 5mg/ml Infusionslösung. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 ml Infusionslösung enthält 5 mg Cetuximab. Eine Durchstechflasche mit 20 ml enthält 100 mg Cetuximab. Eine Durchstechflasche mit 100 ml enthält 500 mg Cetuximab. Cetuximab ist ein mittels rekombinanter DNA-Technologie aus einer Säugerzelllinie (Sp2/0) gewonnener chimärer monoklonaler IgG1-Antikörper. Anwendungsgebiete: Erbitux ist indiziert zur Behandlung des metastasierenden, EGFR (epidermalen WachstumsfaktorRezeptor) exprimierenden Kolorektalkarzinoms mit Wildtyp-K-Ras-Gen • in Kombination mit einer Irinotecan-basierten Chemotherapie, • als Erstlinienbehandlung in Kombination mit FOLFOX, • als Monotherapie bei Patienten, bei denen die Therapie mit Oxaliplatin und Irinotecan versagt hat und die Irinotecan nicht vertragen. Einzelheiten siehe Abschnitt 5.1. Erbitux ist indiziert zur Behandlung von Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Kopf- und Halsbereich • in Kombination mit einer Strahlentherapie für eine lokal fortgeschrittene Erkrankung, • in Kombination mit einer platin-basierten Chemotherapie für eine rezidivierende und/oder metastasierende Erkrankung. Gegenanzeigen: Erbitux ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannten schweren Überempfindlichkeitsreaktionen (Grad 3 oder 4) gegen Cetuximab. Die Kombination von Erbitux mit Oxaliplatin-haltiger Chemotherapie ist kontraindiziert bei Patienten mit metastasierendem Kolorektalkarzinom mit K-Ras-Mutation oder unbekanntem K-Ras-Mutationsstatus (siehe auch Abschnitt 4.4). Vor Beginn einer Kombinationsbehandlung sind die Gegenanzeigen für die gleichzeitig angewandten Chemotherapeutika oder für eine Strahlentherapie zu beachten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, monoklonale Antikörper. ATC-Code: L01XC06. Liste der sonstigen Bestandteile: Natriumchlorid, Glycin, Polysorbat 80, Citronensäure-Monohydrat, Natriumhydroxid, Wasser für Injektionszwecke. Inhaber der Zulassung: Merck KGaA, 64271 Darmstadt, Deutschland. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: Februar 2012. Faslodex 250 mg Injektionslösung. Pharmakotherapeutische Gruppe: Endokrine Therapie, Antiöstrogene. ATC-Code: L02BA03. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Eine Fertigspritze enthält 250 mg Fulvestrant in 5 ml Lösung. Sonstige Bestandteile: Ethanol (96 Prozent), Benzylalkohol, Benzylbenzoat, Natives Rizinusöl. ANWENDUNGSGEBIETE: Faslodex ist angezeigt zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom bei Rezidiv während oder nach adjuvanter Antiöstrogen-Therapie oder bei Progression der Erkrankung unter der Behandlung mit einem Antiöstrogen. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Schwangerschaft und Stillzeit: Schwere Einschränkung der Leberfunktion. INHABER DER ZULASSUNG: AstraZeneca UK Limited, Alderley Park, Macclesfield, Cheshire, SK10 4TG, Vereinigtes Königreich. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Stand: Februar 2012. Informationen zu den Abschnitten besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation (z.B. Austria Codex) zu entnehmen. JEVTANA 60 mg Konzentrat und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 ml des Konzentrates enthält 40 mg Cabazitaxel. Jede Durchstechflasche mit 1,5 ml Konzentrat enthält 60 mg Cabazitaxel. Nach der initialen Verdünnung mit dem gesamten Lösungsmittel enthält jeder ml der Lösung 10 mg Cabazitaxel. Liste der sonstigen Bestandteile: Konzentrat: Polysorbat 80, Citronensäure-Monohydrat. Lösungsmittel: 573,3 mg Ethanol 96 %, Wasser für Injektionszwecke. • Anwendungsgebiete: Jevtana ist in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von Patienten mit hormonrefraktärem metastasiertem Prostatakarzinom angezeigt, die mit einem Docetaxel-basierten Therapieschema vorbehandelt sind. • Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Cabazitaxel, gegen andere Taxane oder einen der sonstigen Bestandteile in der Formulierung, einschließlich Polysorbat 80; Bei einer Neutrophilenzahl kleiner als 1.500/mm³; Bei eingeschränkter Leberfunktion (Bilirubin ≥ 1-Fache des oberen Normalwertes oder AST und/oder ALT ≥ 1,5-Fache der oberen Normalwerte); Gleichzeitige Impfung mit einem Gelbfieberimpfstoff. • Inhaber der Zulassung: sanofi-aventis, 174, avenue de France, 75013 Paris, Frankreich. • Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. • Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Taxane, ATC-Code: noch nicht zugewiesen. • Stand der Information: Oktober 2011. Weitere Angaben zu den besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Oxygerolan 5 mg-Filmtabletten, Oxygerolan 10 mg-Filmtabletten. Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält 5 mg bzw. 10 mg Oxycodonhydrochlorid entsprechend 4,48 mg bzw. 8,97 mg Oxycodon. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: CarboxymethylstärkeNatrium Typ A; Lactosemonohydrat; Cellulose, mikrokristallin; Hochdisperses wasserfreies Siliciumdioxid; Magnesiumstearat. Tablettenüberzug 5 mg und 10 mg: Polyvinylalkohol; Talkum (E 553b);Titandioxid (E 171); Macrogol 3350; Sojalecithin (E 322); Indigocarmin, Aluminiumlack (E 132). Tablettenüberzug 5 mg: Ponceau 4R Aluminiumlack (E 124). Anwendungsgebiete: Starke Schmerzen, die Opioid-Analgetika bedürfen um ausreichend behandelt werden zu können. Gegenanzeigen: • Überempfindlichkeit gegen Oxycodonhydrochlorid, Soja, Erdnüsse oder einen der sonstigen Bestandteile • Schwere Atemdepression mit Hypoxie und/oder Hyperkapnie • Schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung • Cor pulmonale • Schweres Bronchialasthma • Paralytischer Ileus • Akutes Abdomen, verzögerte Magenentleerung. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Analgetika; Opiode; Natürliche Opium-Alkaloide. ATC-Code: N02AA05. Inhaber der Zulassung: G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach. Verschreibungspflicht/ Apothekenpflicht: Suchtgift, Abgabe nur auf Suchtgiftrezept, apothekenpflichtig. Packungsgrößen: 10, 30 und 60 Stück. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie Angaben über Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte den veröffentlichten Fachinformationen! Oxygerolan 5 mg-Retardtabletten, Oxygerolan 10 mg-Retardtabletten, Oxygerolan 20 mg-Retardtabletten, Oxygerolan 40 mg-Retardtabletten, Oxygerolan 80 mg-Retardtabletten. Zusammensetzung: 1 Retardtablette enthält 5mg, 10 mg, 20 mg, 40 mg bzw. 80 mg Oxycodonhydrochlorid entsprechend 4,45 mg, 8,97 mg, 17,93 mg, 35,86 mg bzw. 71,72 mg Oxycodon. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Kollidon SR (bestehend aus Poly(vinylacetat), Povidon (K = 22,5 - 27,0), Natriumdodecylsulfat, Siliciumdioxid); Cellulose, mikrokristallin; Hochdisperses wasserfreies Siliciumdioxid; Magnesiumstearat [pflanzlich]. Tablettenüberzug 10 mg, 20 mg, 40 mg und 80 mg: Poly(vinylalkohol); Talkum (E 553 b); Titandioxid (E 171); Macrogol 3350; Sojalecithin (E 322). Tablettenüberzug 20 mg und 40 mg: Eisenoxid gelb (E 172); Eisenoxid schwarz (E 172); Eisenoxid rot (E 172). Tablettenüberzug 5mg, 80 mg: Eisenoxid gelb (E 172); Eisenoxid schwarz (E 172); Indigocarmin, Aluminiumlack (E 132). Anwendungsgebiete: Starke Schmerzen, die Opioid-Analgetika bedürfen um ausreichend behandelt werden zu können. Gegenanzeigen: • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Soja, Erdnüsse oder einen der sonstigen Bestandteile • Schwere Atemdepression mit Hypoxie und/oder Hyperkapnie • Schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung • Cor pulmonale • Schweres Bronchialasthma • Paralytischer Ileus • Schwangerschaft • Stillzeit • Akutes Abdomen, verzögerte Magenentleerung. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Natürliche OpiumAlkaloide. ATC-Code: N02AA05. Inhaber der Zulassung: G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Suchtgift, Abgabe nur auf Suchtgiftrezept, apothekenpflichtig. Packungsgrößen: 10, 30 und 60 Stück. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie Angaben über Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte den veröffentlichten Fachinformationen! SUTENT 12,5 mg / 25 mg / 50 mg Hartkapseln. Zusammensetzung: Eine Hartkapsel enthält Sunitinibmalat, entsprechend 12,5 mg / 25 mg / 50 mg Sunitinib. Sonstige Bestandteile: Kapselinhalt: Mannitol (Ph. Eur.) (E 421), Croscarmellose-Natrium, Povidon (K 25), Magnesiumstearat (Ph. Eur.); Orangefarbene Kapselhülle (SUTENT 12,5 mg / 25 mg): Gelatine, Eisen(III)-oxid (E 172), Titandioxid (E 171); Karamellfarbene Kapselhülle (SUTENT 25 mg / 50 mg): Gelatine, Titandioxid (E 171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172), Eisen(III)-oxid (E 172), Eisen(II,III)-oxid (E 172); Drucktinte: Schellack, Propylenglycol, Natriumhydroxid, Povidon, Titandioxid (E 171). Anwendungsgebiete: Gastrointestinale Stromatumoren (GIST): SUTENT wird bei Erwachsenen zur Behandlung nicht reserzierbarer und/ oder metastasierter maligner gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) eingesetzt, wenn eine Behandlung mit Imatinib wegen Resistenz oder Unverträglichkeit fehlgeschlagen ist. Metastasierte Nierenzellkarzinome (mRCC): SUTENT wird bei Erwachsenen zur Behandlung fortgeschrittener/metastasierter Nierenzellkarzinome (mRCC) eingesetzt. Pankreatische neuroendokrine Tumoren (pNET): SUTENT wird bei Erwachsenen zur Behandlung nicht resezierbarer oder metastasierter, gut differenzierter pankreatischer neuroendokriner Tumoren mit Krankheitsprogression eingesetzt. Die Erfahrung mit SUTENT als First-line-Behandlung ist begrenzt (siehe Abschnitt 5.1 der Fachinformation). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Arzneimittel, Protein-Kinase-Inhibitoren. ATC-Code: L01XE04. Inhaber der Zulassung: Pfizer Ltd, Ramsgate Road, Sandwich, Kent CT13 9NJ, Vereinigtes Königreich. Stand der Information: Januar 2012. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. SPRYCEL 20/50/80/100/140 mg Filmtabletten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code: L01XE06. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede 20 mg Filmtablette enthält 20 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 27 mg Lactose-Monohydrat. Jede 50 mg Filmtablette enthält 50 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 67,5 mg Lactose-Monohydrat. Jede 80 mg Filmtablette enthält 80 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 108 mg Lactose-Monohydrat. Jede 100 mg Filmtablette enthält 100 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 135,0 mg Lactose-Monohydrat. Jede 140 mg Filmtablette enthält 140 mg Dasatinib (als Monohydrat) und 189 mg Lactose-Monohydrat. Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, Mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Hyprolose, Magnesiumstearat. Filmüberzug: Hypromellose, Titandioxid, Macrogol 400. ANWENDUNGSGEBIETE: SPRYCEL ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosompositiver (Ph+) chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase/ CML in der chronischen oder akzelerierten Phase oder in der Blastenkrise mit Resistenz oder Intoleranz gegenüber einer vorherigen Behandlung einschließlich Imatinibmesilat./ Ph+ akuter lymphatischer Leukämie (ALL) oder lymphatischer Blastenkrise der CML mit Resistenz oder Intoleranz gegenüber einer vorherigen Therapie. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: BRISTOL-MYERS SQUIBB PHARMA EEIG, Uxbridge Business Park, Sanderson Road, Uxbridge UB8 1DH, Vereinigtes Königreich. Kontakt in Österreich: Bristol-Myers Squibb GesmbH, Wien, Tel. +43 1 60143-0. NR, apothekenpflichtig. Stand der Information: Dezember 2010. Weitere Angaben, insbesondere zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

krebs:hilfe!

4:2012


65 Tarceva 100 mg Filmtabletten / Tarceva 150 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Tarceva 100 mg: Eine Filmtablette enthält 100 mg Erlotinib (als Erlotinibhydrochlorid). Sonstige Bestandteile: Jede Filmtablette enthält 69,21 mg Lactose-Monohydrat. Tarceva 150 mg: Eine Filmtablette enthält 150 mg Erlotinib (als Erlotinibhydrochlorid). Sonstige Bestandteile: Jede Filmtablette enthält 103,82 mg Lactose-Monohydrat. Anwendungsgebiete: Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC): Tarceva ist zur First-Line-Behandlung bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen angezeigt. Tarceva ist auch als Monotherapie zur Erhaltungsbehandlung bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC angezeigt, deren Krankheitszustand nach 4 Behandlungszyklen einer platinbasierten First-Line-Standardchemotherapie unverändert ist. Tarceva ist auch zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC angezeigt, bei denen mindestens eine vorausgegangene Chemotherapie versagt hat. Beim Verschreiben von Tarceva sollten Faktoren, die im Zusammenhang mit einer verlängerten Überlebenszeit stehen, berücksichtigt werden. Bei Patienten mit epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-(EGFR)-ICH-negativen Tumoren konnten weder ein Überlebensvorteil noch andere klinisch relevante Wirkungen durch die Behandlung gezeigt werden (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Pankreaskarzinom: Tarceva in Kombination mit Gemcitabin ist zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom angezeigt. Beim Verschreiben von Tarceva sollten Faktoren, die im Zusammenhang mit einer verlängerten Überlebenszeit stehen, berücksichtigt werden (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitte 4.2 „Dosierung, Art und Dauer der Anwendung“ und 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom konnte ein Überlebensvorteil nicht gezeigt werden. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Erlotinib oder einen der sonstigen Bestandteile. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, Mikrokristalline Cellulose (E 460), CarboxymethylstärkeNatrium (Typ A) (Ph.Eur.), Natriumdodecylsulfat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) (E 470b). Filmüberzug: Hyprolose (E 463), Titandioxid (E 171), Macrogol (400), Hypromellose (E 464). Tarceva 100 mg - graue Drucktinte: Schellack (E 904), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172), Eisen(II,III)-oxid (E 172), Titandioxid (E 171). Tarceva 150 mg - braune Drucktinte: Schellack (E 904), Eisen(III)-oxid (E 172). Inhaber der Zulassung: Roche Registration Limited, 6 Falcon Way, Shire Park, Welwyn Garden City, AL7 1TW, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastisches Mittel Proteinkinase-Hemmer, ATC-Code: L01XE03. Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen sowie Informationen zu Schwangerschaft und Stillzeit und zu Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. ®

®

TORISEL 30 mg Konzentrat und Verdünnungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Jede Durchstechflasche TORISEL Konzentrat enthält: 30 mg Temsirolimus. Nach der ersten Verdünnung von TORISEL 30 mg Konzentrat mit 1,8 ml des aufgezogenen Verdünnungsmittels beträgt die Konzentration von Temsirolimus 10 mg/ml (siehe Abschnitt 4.2 der Fachinformation). Sonstige Bestandteile: 1 Durchstechflasche TORISEL 30 mg Konzentrat enthält 474 mg Ethanol. 1,8 ml des mitgelieferten Verdünnungsmittels enthält 358 mg Ethanol. Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1 der Fachinformation. Anwendungsgebiete: Nierenzell-Karzinom: TORISEL ist angezeigt zur first-line-Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzell-Karzinoms [renal cell cancer, RCC] bei Patienten, die mindestens drei von sechs prognostischen Risikofaktoren aufweisen (siehe Fachinformation Abschnitt 5.1). Mantelzell-Lymphom: TORISEL ist angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierendem und/oder refraktärem Mantelzell-Lymphom [mantle cell lymphoma, MCL], (siehe Fachinformation Abschnitt 5.1). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Temsirolimus, seine Metabolite (einschließlich Sirolimus), Polysorbat 80 oder einen der sonstigen Bestandteile von TORISEL. Die Anwendung von Temsirolimus bei Patienten mit Mantelzell-Lymphom mit mäßigen oder schweren Leberfunktionsstörungen wird nicht empfohlen (siehe Fachinformation Abschnitt 4.4). Pharmakotherapeutische Gruppe: Proteinkinase-Inhibitoren. ATC-Code: L01XE09. Inhaber der Zulassung: Pfizer Limited, Ramsgate Road, Sandwich, Kent CT13 9NJ, Vereinigtes Königreich. Stand der Information: 09/2011. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Xeloda 150 mg Filmtabletten / Xeloda 500 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 150 mg / 500 mg Capecitabin. Sonstiger Bestandteil: 150 mg Filmtabletten: 15,6 mg wasserfreie Lactose. 500 mg Filmtabletten: 52 mg wasserfreie Lactose. Anwendungsgebiete: Xeloda ist zur adjuvanten Behandlung von Patienten nach Operation eines Kolonkarzinoms im Stadium III (Dukes Stadium C) indiziert (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Xeloda ist zur Behandlung des metastasierten Kolorektalkarzinoms indiziert (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Xeloda ist in Kombination mit einem Platin-haltigen Anwendungsschema als First-line-Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms indiziert (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Xeloda ist in Kombination mit Docetaxel (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“) zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom nach Versagen einer zytotoxischen Chemotherapie indiziert. Eine frühere Behandlung sollte ein Anthracyclin enthalten haben. Xeloda ist außerdem als Monotherapie zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom indiziert, bei denen eine Therapie mit Taxanen und Anthracyclinen versagt hat oder eine weitere Anthracyclinbehandlung nicht angezeigt ist. Gegenanzeigen: • Schwerwiegende und unerwartete Reaktionen bei Vorbehandlung mit Fluoropyrimidinen • Überempfindlichkeit gegen Capecitabin oder einen der sonstigen Bestandteile oder gegen Fluorouracil • bekannter Dihydropyrimidin-Dehydrogenase-Mangel (DPD) • Schwangerschaft und Stillzeit • schwere Leukopenie, Neutropenie oder Thrombozytopenie • schwere Beeinträchtigung der Leberfunktion • schwere Beeinträchtigung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min • Behandlung mit Sorivudin oder dessen chemischen Verwandten, wie z.B. Brivudin (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 4.5 „Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen“) • Wenn für eines der Arzneimittel der Kombinationstherapie Gegenanzeigen vorliegen, darf dieses Arzneimittel nicht angewendet werden. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: wasserfreie Lactose, Croscarmellose-Natrium, Hypromellose, mikrokristalline Cellulose, Magnesiumstearat. Filmüberzug: Hypromellose, Titandioxid (E171), Eisenoxidhydrat und Eisen(III)-oxid (E172), Talkum. Inhaber der Zulassung: Roche Registration Limited, 6 Falcon Way, Shire Park, Welwyn Garden City, AL7 1TW, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Zytostatikum (Antimetabolit), ATC-Code: L01BC06. Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen sowie Informationen zu Schwangerschaft und Stillzeit und zu Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. ®

®

YERVOY 5 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, monoklonale Antikörper. ATC-Code: L01XC11. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jeder ml des Konzentrats enthält 5 mg Ipilimumab. Eine 10 ml Durchstechflasche enthält 50 mg Ipilimumab. Eine 40 ml Durchstechflasche enthält 200 mg Ipilimumab. Ipilimumab ist ein vollständig humaner anti-CTLA-4-Antikörper (IgG1κ), der mittels rekombinanter DNA-Technologie aus Ovarialzellen des Chinesischen Hamsters gewonnen wird. Sonstige Bestandteile: Trometamolhydrochlorid (2-Amino-2-hydroxymethyl-1,3-propandiol-hydrochlorid), Natriumchlorid, Mannitol (E421), Pentetsäure (Diethylen-triaminpentaessigsäure), Polysorbat 80, Natriumhydroxid (zum Einstellen des pH-Werts), Salzsäure (zum Einstellen des pH-Werts), Wasser für Injektionszwecke. Jeder ml Konzentrat enthält 0,1 mmol Natrium, was 2,30 mg Natrium entspricht. ANWENDUNGSGEBIETE: YERVOY ist zur Behandlung von fortgeschrittenen (nicht resezierbaren oder metastasierten) Melanomen bei Erwachsenen, die bereits zuvor eine Therapie erhalten haben, indiziert. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: Bristol-Myers Squibb Pharma EEIG. Uxbridge Business Park. Sanderson Road. Uxbridge UB8 1DH. Vereinigtes Königreich. Kontakt in Österreich: Bristol-Myers Squibb GesmbH, 1101 Wien, Tel. +43 1 60143 -0. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: NR, apothekenpflichtig. STAND DER INFORMATION: 07/2011. Weitere Angaben, insbesondere zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Zelboraf 240 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Jede Tablette enthält 240 mg Vemurafenib (als Kopräzipitat von Vemurafenib und Hypromelloseacetatsuccinat). Anwendungsgebiete: Vemurafenib ist angezeigt als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600 Mutation positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom (siehe veröffentlichte Fachinformation Abschnitt 5.1 „Pharmakodynamische Eigenschaften“). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Croscarmellose-Natrium, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, Hyprolose; Filmüberzug: Poly(vinylalkohol), Titandioxid (E 171), Macrogol 3350, Talkum, Eisen(III) oxid (E 172). Inhaber der Zulassung: Roche Registration Limited, 6 Falcon Way, Shire Park, Welwyn Garden City, AL7 1TW, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: rezept-und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Proteinkinase Inhibitor, ATC-Code: L01XE15. Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen sowie Informationen zu Schwangerschaft und Stillzeit und zu Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Februar 2012. ®

Afinitor 5 mg / 10 mg Tabletten. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Tablette enthält 5 mg bzw. 10 mg Everolimus. Sonstige Bestandteile: Jede Tablette enthält 149 mg bzw. 297 mg Lactose. Liste der sonstigen Bestandteile: Butylhydroxytoluol (E321), Magnesiumstearat, Lactose-Monohydrat, Hypromellose; Crospovidon Typ A, Lactose. Anwendungsgebiete: Neuroendokrine Tumoren pankreatischen Ursprungs: Afinitor ist zur Behandlung von inoperablen oder metastasierten, gut oder mäßig differenzierten neuroendokrinen Tumoren pankreatischen Ursprungs bei Erwachsenen mit progressiver Erkrankung indiziert. Nierenzellkarzinom: Afinitor ist zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom indiziert, bei denen es während oder nach einer gegen VEGF gerichteten Therapie zu einer Krankheitsprogression kommt. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Rapamycin-Derivate oder einen der sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Europharm Limited; Wimblehurst Road; Horsham; West Sussex, RH12 5AB; Vereinigtes Königreich. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, andere antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code: L01XE10. VERSCHREIBUNGSPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT: Rp, apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte den veröffentlichten Fachinformationen. EXJADE 125 mg/ 250 mg/ 500 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: 1 Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen enthält: 125 mg/ 250 mg/ 500 mg Deferasirox. Sonstige Bestandteile: 1 Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen enthält 136 mg / 272 mg / 544 mg Lactose. Liste der sonstigen Bestandteile: Laktose-Monohydrat, Crospovidon Typ A, Mikrokristalline Cellulose, Povidon, Natriumdodecylsulfat, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Anwendungsgebiete: EXJADE ist angezeigt zur Behandlung der chronischen Eisenüberladung auf Grund häufiger Transfusionen (≥ 7 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat) bei Patienten mit Beta-Thalassämia major im Alter von 6 Jahren und älter. EXJADE ist auch angezeigt zur Behandlung der chronischen, transfusionsbedingten Eisenüberladung, wenn eine Deferoxamin-Therapie bei folgenden Patientengruppen kontraindiziert oder unangemessen ist: - bei Patienten im Alter zwischen 2 und 5 Jahren mit Beta-Thalassämia major mit Eisenüberladung auf Grund häufiger Transfusionen (≥ 7 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat), - bei Patienten im Alter von 2 Jahren oder älter mit Beta-Thalassämia major mit Eisenüberladung auf Grund seltener Transfusionen (< 7 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat), -bei Patienten im Alter von 2 Jahren und älter mit anderen Anämien. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Kombination mit anderen Eisenchelattherapien, da die Sicherheit solcher Kombinationen nicht belegt ist (siehe Abschnitt 4.5 der veröffentlichten Fachinformation). Patienten mit einer Kreatininclearance < 60ml/min. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Europharm Limited, Wimblehurst Road, Horsham, West Sussex, RH12 5AB, Vereinigtes Königreich. ABGABE: NR, apothekenpflichtig. Pharmakotherapeutische Gruppe: Eisenchelator, ATC-Code: V03AC03. Weitere Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Glivec 100 mg Filmtabletten, Glivec 400 mg Filmtabletten. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Filmtablette enthält 100 mg (400 mg) Imatinib (als Mesilat). Liste der sonstigen Bestandteile: Kern: Mikrokristalline Cellulose, Crospovidon, Hypromellose, Magnesiumstearat, hochdisperses Siliciumdioxid. Film: Eisen (III)-oxid (E 172), Eisenoxydhydrat x H2O (E 172), Macrogol, Talkum, Hypromellose. Anwendungsgebiete: Glivec ist angezeigt zur Behandlung von • Erwachsenen und Kindern mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom (bcr-abl)-positiver (Ph+) chronischer myeloischer Leukämie (CML), für die eine Knochenmarktransplantation als Erstbehandlungsmöglichkeit nicht in Betracht gezogen wird. • Erwachsenen und Kindern mit Ph+-CML in der chronischen Phase nach Versagen einer Interferon-Alpha-Therapie, in der akzelerierten Phase oder in der Blastenkrise. • Erwachsenen mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie (Ph+ ALL) in Kombination mit einer Chemotherapie. • Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer Ph+ ALL als Monotherapie. • Erwachsenen mit myelodysplastischen/myeloproliferativen Erkrankungen (MDS/MPD) in Verbindung mit Genumlagerungen des PDGF-Rezeptors (platelet-derived growth factor). • Erwachsenen mit fortgeschrittenem hypereosinophilem Syndrom (HES) und/oder chronischer eosinophiler Leukämie (CEL) mit FIP1L1-PDGFRa-Umlagerung. Die Wirkung von Glivec auf das Ergebnis einer Knochenmarktransplantation wurde nicht untersucht. Glivec ist angezeigt zur • Behandlung c-Kit-(CD 117)-positiver nicht resezierbarer und/oder metastasierter maligner gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) bei Erwachsenen. • adjuvanten Behandlung Ewachsener mit signifikantem Risiko eines Rezidivs nach Resektion c-Kit-(CD 117)-positiver GIST. Patienten mit einem niedrigen oder sehr niedrigen Rezidivrisiko sollten keine adjuvante Behandlung erhalten. • Behandlung Erwachsener mit nicht resezierbarem Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) und Erwachsener mit rezidivierendem und/oder metastasiertem DFSP, die für eine chirurgische Behandlung nicht in Frage kommen. Bei Erwachsenen und Kindern mit CML basiert die Wirksamkeit von Glivec auf den hämatologischen und zytogenetischen Gesamtansprechraten und auf dem progressionsfreien Überleben, bei Ph+ ALL und MDS/MPD auf den hämatologischen und zytogenetischen Gesamtansprechraten, bei HES/CEL auf der hämatologischen Ansprechrate, bei nicht resezierbaren und/oder metastasierten GIST und DFSP auf den objektiven Ansprechraten und bei adjuvanter Behandlung der GIST auf dem rezidivfreien Überleben. Die Erfahrung mit der Anwendung von Glivec bei Patienten mit MDS/MPD in Verbindung mit PDGFR-Genumlagerungen ist sehr begrenzt (siehe Abschnitt 5.1). Außer für neu diagnostizierte CML in der chronischen Phase liegen keine kontrollierten Studien vor, die einen klinischen Vorteil oder ein verlängertes Überleben bei diesen Erkrankungen belegen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Europharm Limited, Wimblehurst Road, Horsham, West Sussex, RH12 5AB, Vereinigtes Königreich. ABGABE: NR, apothekenpflichtig. PHARMAKOTHERAPEUTISCHE GRUPPE: Protein-Tyrosinkinase-Inhibitor; ATC-Code: L01XE01. Weitere Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Sandostatin LAR 10 mg-Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionssuspension, Sandostatin LAR 20 mg-Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionssuspension, Sandostatin LAR 30 mg-Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionssuspension. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: 1 Durchstechflasche enthält: 11,2 mg Octreotidacetat entsprechend 10 mg Octreotid bzw. 22,4 mg Octreotidacetat entsprechend 20 mg Octreotid bzw. 33,6 mg Octreotidacetat entsprechend 30 mg Octreotid. Sonstiger Bestandteil: weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Dosis. LISTE DER SONSTIGEN BESTANDTEILE: Die Durchstechflasche enthält als Hilfsstoffe Poly (DL-Lactid-Co-Glycolid) mit 78,35 % des Nominalfüllgewichts und Mannitol mit 17 %. 1 Fertigspritze (Suspendierungsmittel) zu 2,5 ml enthält Carboxymethylcellulosenatrium, Mannitol und Wasser zu Injektionszwecken. ANWENDUNGSGEBIETE: Behandlung der Akromegalie bei: − Patienten, die auf eine subkutane Behandlung mit Sandostatin ansprechen; − Patienten, bei denen eine chirurgische Behandlung oder Radiotherapie ungeeignet oder nicht wirksam ist oder zur Überbrückung, bis die Radiotherapie ihre volle Wirkung zeigt (siehe Abschnitt 4.2). Behandlung von Symptomen, die mit funktionellen gastro-entero-pankreatischen endokrinen Tumoren einhergehen, bei Patienten, die auf eine subkutane Behandlung mit Sandostatin ansprechen: − Metastasierende Karzinoide mit Merkmalen des Karzinoid-Syndroms wie Flush und schwere Durchfälle; − VIPome mit starken wässrigen Durchfällen; − Glucagonome mit entzündlicher Hautzerstörung durch das nekrolytische, migratorische Erythem. Bei folgenden seltenen Tumoren ist ein Behandlungsversuch mit Sandostatin gerechtfertigt: − Gastrinome/ZollingerEllison Syndrom; − Insulinome zur präoperativen Kontrolle der Hypoglykämie und zur Erhaltungstherapie; − GRFome. GEGENANZEIGEN: Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels (siehe Abschnitt 6.1 Liste der sonstigen Bestandteile). PHARMAKOTHERAPEUTISCHE GRUPPE: Anti-Wachstumshormon. ATC-Code: H01CB02. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Pharma GmbH, Wien. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: Rp, apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Stand: 08/2011. Tasigna 150 mg Hartkapseln, Tasigna 200 mg Hartkapseln. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Eine Hartkapsel enthält 150 mg (200 mg) Nilotinib (als Hydrochlorid 1 H2O). Sonstige Bestandteile: Lactose-Monohydrat: 117,08 mg (156,11 mg) pro Kapsel. Inhalt der Kapsel: Lactose-Monohydrat, Crospovidon, Poloxamer 188, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Kapselhülle: Gelatine, Titandioxid (E171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172), Eisen(III)-oxid (E172). Druckfarbe: Schellack, Eisen(II,III)-oxid (E172), Entölte Phospholipide aus Sojabohnen (E322). Anwendungsgebiete: 150 mg: Tasigna ist angezeigt für die Behandlung von Erwachsenen mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase. 200 mg: Tasigna ist angezeigt für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit: - neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase, - Philadelphia-Chromosom positiver CML in der chronischen und akzelerierten Phase mit Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber einer Vorbehandlung einschließlich Imatinib. Wirksamkeitsdaten zu Patienten mit CML in der Blastenkrise liegen nicht vor. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Protein-Tyrosinkinasehemmer; ATC-Code: L01XE08. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Europharm Limited, Wimblehurst Road, Horsham, West Sussex, RH12 5AB, Vereinigtes Königreich. ABGABE: NR, apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Votubia 2,5 mg Tabletten. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Tablette enthält 2,5 mg Everolimus. Sonstige Bestandteile: Jede Tablette enthält 74 mg Lactose. Liste der sonstigen Bestandteile: Butylhydroxytoluol (E321), Magnesiumstearat, Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Crospovidon Typ A, Lactose. Anwendungsgebiete: Votubia wird bei Patienten ab 3 Jahren mit subependymalem Riesenzellastrozytom (SEGA) aufgrund einer tuberösen Sklerose (TSC, Tuberous Sclerosis Complex) angewendet, die eine therapeutische Maßnahme benötigen, für die aber ein chirurgischer Eingriff nicht angemessen ist. Der Nachweis beruht auf der Auswertung der Veränderung des SEGA-Volumens. Ein weiterer klinischer Nutzen, wie eine Verbesserung der krankheitsbedingten Symptome, wurde nicht gezeigt. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Rapamycin-Derivate oder einen der sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, andere antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code: L01XE10. Inhaber der Zulassung: Novartis Europharm Limited, Wimblehurst Road, Horsham, West Sussex, RH12 5AB. Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rp, apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Zometa 4 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Eine Durchstechflasche enthält 4 mg Zoledronsäure, entsprechend 4,264 mg Zoledronsäuremonohydrat. Liste der sonstigen Bestandteile Durchstechflasche mit Pulver: Mannitol (Ph.Eur.), Natriumcitrat. Ampulle mit Lösungsmittel: Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: – Prävention skelettbezogener Komplikationen (pathologische Frakturen, Wirbelkompressionen, Bestrahlung oder Operation am Knochen oder tumorinduzierte Hyperkalzämie) bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenen, auf das Skelett ausgedehnten, Tumorerkrankungen; – Behandlung erwachsener Patienten mit tumorinduzierter Hyperkalzämie (TIH). Gegenanzeigen: • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Bisphosphonate oder gegen einen der sonstigen Bestandteile (siehe Abschnitt 6.1 der Fachinformation); • Stillen (siehe Abschnitt 4.6 der Fachinformation) Es ist nicht bekannt, ob Zoledronsäure in die Muttermilch übergeht. Zometa ist in der Stillzeit kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3 der Fachinformation). Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel zur Behandlung von Knochenerkrankungen, Bisphosphonate, ATC-Code: M05BA08. Inhaber der Zulassung: Novartis Europharm Limited, Wimblehurst Road, Horsham, West Sussex, RH12 5AB, Vereinigtes Königreich. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rp, apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand: 08/2011.

krebs:hilfe!

4:2012


 produkte 66  Neues ArzNeimittelproFil

Ipilimumab

Im Juli 2012 wurde das ArzneimittelPROFIL Ipilimumab mit Fokus auf Studienergebnisse zum malignen Melanom publiziert. Für die Publikation zeichnen drei Autoren verantwortlich: Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie, Wien, verfasste die Einleitung. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Christian Becker, Klinische Abteilung für Allgemeine Dermatologie, Universitätsklinik für Dermatologie, Graz, skizzierte den Wirkmechanismus und beschrieb neben den pharmakodynamischen Daten auch die Studienergebnisse zur Wirksamkeit; Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller, Abteilung für allgemeine Dermatologie, Universitätsklinik für Dermatologie, Wien, schrieb die Kapitel zu Ipilimumab Verträglichkeit sowie Beurteilung und Aussichten. Ipilimumab ist bislang das erste immunstimulierende Therapeutikum, das in klinischen Studien beim malignen Melanom eine lebensverlängernde Wirkung gezeigt hat. Nach Jahrzehnten des Stillstands wurde mit dem monoklonalen Antikörper eine innovative Therapie beim metastasierten Melanom zugelassen. Ipilimumab, so die Autoren, bietet eine Bereicherung der Therapiemöglichkeiten bei dieser sehr schwer behandelbaren Tumorentität und zeigt erstmals auch das Potenzial für ein Langzeitüberleben.

 stich- uNd schNittverletzuNgeN

Verpflichtung zur Risikominimierung Ob HIV, Hepatitis B oder C – die Übertragung infektiöser Viren über das Blut hängt von vielen Faktoren ab. Im Gesundheitswesen sind scharfe oder spitze Instrumente eine Gefahrenquelle. Skalpelle also oder auch Hohlnadeln, wie sie etwa für Spritzen verwendet werden, oder um intravaskuläre Zugänge zu legen. Informationen und Schulungen über entsprechende Schutzmaßnahmen für Anwender sind daher notwendig. Es geht um ein adäquates Risikomanagement, was Umgang und Entsorgung der gefährlichen Instrumente betrifft. Um das Risiko für Schnitt- und Stichverletzungen am Arbeitsplatz Spital zu senken, erließ die Europäische Union vor etwa zwei Jahren eine Richtlinie, die bis 11. Mai 2013 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Ziel ist es, eine möglichst sichere Arbeitsumge-

bung zu schaffen. Verletzungen von Arbeitnehmern durch scharfe/spitze medizinische Instrumente (einschließlich Nadelstichverletzungen) sollen vermieden werden. In einem integrierten Ansatz sollen Regeln für die Risikobewertung/-prävention definiert und Informationen entwickelt werden. Es geht um eine Sensibilisierung für die Gefahren und entsprechende Überwachung. Hilfreich sind hierbei Instrumente, die den Sicherheitsanforderungen immer besser entsprechen. So stehen mittlerweile Instrumente mit integrierten Sicherheitsund Schutzmechanismen zur Verfügung. Beispielsweise lässt es sich vermeiden, auf die gebrauchte Nadel eine Schutzkappe wiederaufzusetzen.

Richtlinie 2010/32/EU, http://osha.europa.eu

Malignes Melanom

ArzneimittelprofIl onkologie

Juli 2012

www.arzneimittelprofil.at

 eNzAlutAmid

 verisANte AurAtm

Neben dem CYP-17-Inhibitor Abirateron zeigt der Androgeninhibitor Enzalutamid (MDV3100) gute Ergebnisse beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom. Er hat das Potenzial, die Chemotherapie in der Erstlinientherapie abzulösen. Die antihormonell wirksame Substanz ist einmal täglich oral einzunehmen. Sie verlängerte in der Zulassungsstudie AFFIRM das Überleben vorbehandelter Patienten mit Prostatakrebs um 4,8 Monate signifikant, entsprechend einer Risikoverminderung von ca. 37 Prozent. Diese Ergebnisse wurden auf dem ASCO 2012 von de Bono et al. publiziert (Abstract 4519). Jetzt hat Astellas Pharma Inc. die Zulassung für Enzalutamid bei der Europäischen Arzneimittelbehörde zur Therapie bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach Docetaxel-basierter Chemotherapie eingereicht.

Für die frühzeitige Diagnose von Hautkrebs steht seit Kurzem ein neues, multimodales Verfahren zur Verfügung. Das System liefert mittels Bildgebung und Spektroskopie valide Informationen zur Beschaffenheit der Haut schnell und nicht invasiv, indem es lokal gleichzeitig auf insgesamt 21 Biomarker scannt. Es handelt sich um eine gemeinsam von der BC Cancer Agency und der University of British Columbia entwickelte Methode, die am Skin Care Centre am Vancouver General Hospital getestet wurde. In sechs Jahren klinischer Forschung wurden damit bereits an die 1.000 Fälle von Hautkrebs diagnostiziert.

EMA-Zulassung beantragt

Frühe Diagnose bei Hautkrebs

Pressemeldung, Verisante Technology, Inc., 13. Juni 2012

krebs:hilfe!

4:2012


 Autorinnen 67

Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant

Univ.-Doz. Dr. Gerd Silberhumer

Universitätsklinik für Chirurgie, Wien Koordinator Zentrales Thema

Universitätsklinik für Chirurgie, Wien Tumorimmunologie: Erfahrungen an einer amerikani­ schen Vorzeigeinstitution Zentrales Thema Seite IX

Seite II

Univ.-Prof. Dr. Thomas Grünberger Universitätsklinik für Chirurgie, Wien Mitwirkung an wesentlichen Innovationen Zentrales Thema

Seite IIX

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Köstler Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Vier Jahre Grundlagenforschung im Wirtschafts­ wunderland Israel Zentrales Thema Seite III

Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru Klinische abteilung für Gynäkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Graz Neues beim Brustkrebs und anderen gynäkologi­ schen Malignomen Seite 42/43

Priv.-Doz. Dr. Gunda Pristauz Klinische abteilung für Gynäkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Graz Besonderer Fall: Li­Fraumeni­Syndrom bedingt Ovarialkarzinom Seite 32–33

Ass.-Prof. Dr. Peter Schellongowski intensivstation 13i2, Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Krebs und Intensivmedizin: Deutliche Prognose­ verbesserung Seite 16/17

Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl

FOTOs: BarBara KrOBaTh (4), privaT (10)

Universitätsklinik für Chirurgie, Wien Eine ideale Kombination aus Forschung, Weiter­ bildung, Spezialisierung Zentrales Thema Seite VIII

krebs:hilfe!

4:2012

Univ.-Prof. Dr. Christian Singer MPH Klinisch-Translationelle Gynäkologische Onkologie, Brustgesundheit an der Universitätsfrauenklinik Wien DFP: Nebenwirkungsmanagement bei systemischen Therapien Seite 26

Univ.-Prof. Dr. Thomas Staudinger intensivstation 13i2, Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Krebs und Intensivmedizin: Deutliche Prognose­ verbesserung Seite 16/17

Priv.-Doz. Dr. Dietmar Tamandl Universitätsklinik für Chirurgie, Wien Ausbildung hat den höchsten Stellenwert Zentrales Thema

Seite XI

Univ.-Doz. Dr. Christiane Thallinger Klinische abteilung für Onkologie Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Im Integrin­„Himmel“: Abseits jeglicher Routine Zentrales Thema Seite IV

Dr. Stefan Wöhrer Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Stammzellforschung: Hervorragende Bedingungen in Vancouver Zentrales Thema Seite V

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski Universitätsklinik für innere Medizin i, Wien Koordinator Zentrales Thema

Seite II


Angiogenese hemmen

AVA-03/07.12

Leben verl채ngern

Hurwitz H et al. The oncologist 2009, 14(1): 22-8. The Clinical Benefit of Bevacizumab in Metastatic Colorectal Cancer is Independent of KRAS Mutation Status: Analyses of a Phase III Study of Bevacizumab with Chemotherapy in Previously Untreated Metastatic Colorectal Cancer. Hurwitz H et al. NEJM 2004, 350(23):2335-42. Bevacizumab plus Irinotecan, Flururacil, and Leucovorin for Metastatic Colorectal Cancer. A phase III trial. 813 patients were randomly assigned to receive IFL plus placebo; IFL plus Bevacizumab, or Fluoruracil and Leucovorin plus Bevacizumab.

Fachkurzinformation siehe Flappe

kh_04_low  

Intensivmedizin und Krebs Deutlich bessere Prognose Zentrales Thema Was ein Forschungs­ aufenthalt im Ausland bringt DFP Nebenwirkungs­ mana...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you