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c linic um

10/ 2012

EUR 5.-

Das Magazin für die Führungskräfte im Krankenhaus

P.b.b. Verlagspostamt 1120 Wien, Zulassungsnummer: GZ 02Z032080 M

Riesenhernien

Mehr draußen als drinnen e-Health

Forschung

Management

Vom Hypochonder zum Cyberchonder

Herzmuskelgewebe aus dem Bioreaktor

Warum Ärzte Visionen brauchen


intern

Liebe Leserinnen und Leser!

6 e-Health 16 Riesenhernien

CliniCum Aktuell

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e-Health

Immer mehr Menschen nutzen das Internet auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten oder Diagnosen. Experten sehen darin durchaus Vorteile, warnen aber vor unkritischer Nutzung.

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cl i n i c u m

ÖGIM-Jahrestagung Kongresspräsident Univ.-Prof. Dr. Winfried Graninger zum Tagungsschwerpunkt „Entzündung und Immunität“

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Rheumatoide Arthritis Wird das Therapieziel mit Methotrexat nicht erreicht, zahlt sich ein Switch auf den TNF-Blocker Adalimumab aus.

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Kardiologie Die adäquate Therapie des Bluthochdrucks als Dauerbrenner der Inneren Medizin.

26 Mag. Trude Just Chefredakteurin

Herzinsuffizienz Präzisere diagnostische Möglichkeiten und neue schonende operative Verfahren im Überblick

Komplementärmedizin CliniCum recherchierte in Spitälern nach den Gründen für den Einsatz komplementärmedizinischer Behandlungsmethoden.

Riesenhernien

Ein gewichtige chirurgische Herausforderung sind Hernien und deren Versorgung bei adipösen Patienten.

European Health Forum Die Sparpolitik, mit der viele europäische Staaten auf die Wirtschaftskrise reagieren, hat dramatische Folgen für das Gesundheitssystem.

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Medizin

Orale Antikoagulation Wirksamkeit und Sicherheit von Edoxaban in der Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern. CC 10/12

Fotos, Abbildungen: Barbara Krobath, Pixelio/Gerd Altmann, Christian Hollinsky, Pixelio/Jens Götzke, LBI Trauma, ImageZoo

Wir sind spitze – sind wir das? Das österreichische Gesundheitssystem hat zum dritten Mal in Folge beim „Europ Assistance Gesundheitsbarometer“ einen Spitzenplatz in Europa eingenommen. Auf einer Skala von eins bis zehn vergaben die Österreicher 6,5 Punkte für das heimische Gesundheitssystem und liegen wieder auf Platz eins, gefolgt von Deutschland (5,5) und Großbritannien (5,3). Sichtlich zufrieden sind die Österreicher auch mit der fachlichen Kompetenz ihrer Ärzte: 6,5 Punkte bedeuten auch hier europaweit den Spitzenplatz. So weit, so erfreulich. Ein Blick hinter die Kulissen lässt den Jubel allerdings rasch wieder verebben. Unter der glatten (Image-)Oberfläche brodelt und dampft es gehörig. Da gibt es etwa den Streit zwischen Bund, Ländern und Kassen in Sachen Spitalsreform, der die Gemüter erhitzt und die Verhandlungen um die konkreten Sparbeiträge für die Spitäler derzeit ins Stocken bringt. Zum anderen scheint die bittere Pille ELGA zwar fürs Erste geschluckt, aber alles andere als auch schon restlos verdaut zu sein. Unmut erregt auch die angestrebte Nulllohnrunde im öffentlichen Dienst. Vor allem die Turnusärzte meldeten sich gegen eine solche jüngst massiv zu Wort. Diese komme einem derart hohen realen Einkommensverlust der Jungärzte gleich, dass Ärztekammer-seitig einmal mehr der Teufel in Form drohender medizinischer Unterversorgung durch Abwanderung des Ärztenachwuchses ins beruflich attraktivere Ausland an die Wand gemalt wird. Worauf das hinauslaufe, wisse man ja nur zu gut: reduziertes Leistungsangebot auf Kosten der Patienten. Also, liebe Akteure im Gesundheitswesen: Schnell alle Hausaufgaben gemacht! Damit Österreichs Patienten ihrem Gesundheitssystem auch kommendes Jahr – trotz allem – wieder einen Spitzenplatz bescheinigen.


inhalt

THEMA Inhalt

Strukturmodell von Interleukin-22

34 Therapeutisches Vorgehen bei Colitis ulcerosa in Abhängigkeit von Befallsmuster und Schweregrad der Erkrankung

Kontrollelement für Tumorgenese bei CED

38 Tissue Engineering

45 Management

Abbildung: Boghog2/Wikipedia

20 Herzinsuffizienz

Patienten mit einer chronisch ent- In hoher Konzentration zündeten Darmschleimhaut begünstigt weisen IL-22 die Entstehung ein erhöhtes Risiko für von CED und die Entste- sogar Krebs. IL-22 BP, hung von Dickdarmkrebs auf, der Rezeptor, kontrolliert ein löslicher 95 Prozent aller bösartigen diese Effekte, Darmtumoren ausmacht. Wissenschaftler wobei IL-22 seine Wirkung verliert, sobald er an seinen löslichen des Universitätskliniku Rezepms Hamburg- tor IL-22 BP bindet. Eppendorf und der Yale University Für ihre Studie School of Medicine konnten generierten die Wisnun ei- senschaftler Mäuse, die entweder nen Faktor identifizieren, der ver- keinen löslichen hindern kann, dass sich Rezeptor IL-22 BP aus einer oder kein IL-22 bildeten, sowie Mäuchronischen Darmentzündung ein se, denen beide Tumor entwickelt. Faktoren fehlten. Dabei zeigte sich, dass Zellwachstum und Bildung Il-22 je nach neuer Phase der Wundheilung unterBlutgefäße sind Prozesse, die nicht schiedliche Rollen spielt: Am Anfang nur bei der Wundheilung ablaufen, zeigte sich ein günstiger Effekt – die sondern auch bei der Tumorentste- Zellen der Darmschleimhaut hung eine Rolle spielen. wurDie Hypo- den zur Vermehrung angeregt these, dass bei diesen beiden und Prozes- die Wundheilung sen dieselben Faktoren wurde unterstützt. und Signal- Später jedoch wege beteiligt sind, wurde fördert IL-22 die Tudurch die morbildung, sofern es nicht von seivorliegende Studie untermauert. nem löslichen Rezeptor IL-22 Demnach ist bei chronisch BP entzünd- neutralisiert wurde. Die Forscher lichen Darmerkrankunge n (CED) folgern daraus, das Verhältnis des Botenstoffs dass IL-22 Inter- wichtiges Kontrollelement BP ein leukin-22 (IL-22) und für IL-22 seines körpereigenen Hemmstoffs Interleukin-22 darstellt. Es verhindert, dass bei Mäusen mit einer CED binding-protein (IL-22 ReparaturBP) für den vorgänge im Darm zur Entstehung Erfolg der Wundheilung verantwort- von Tumoren führen. lich. IL-22 ist ein Botenstoff von Immunzellen: er nimmt eine wichtige Huber S et al., IL-22BP is regulated Rolle bei der Immunabwehr by the von inflammasome and Krankheitserregern ein modulates tumorigenesis und regt Reparatur der Darmschleimhaut die in the intestine, Nature 2012, Epub 2012 Oct an. 17; doi 10.10038/nature 11535

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Gastroenterologie

32 Virale Gastroenteritiden und nicht virale Hepatopathien als häufige Probleme in der klinischen Praxis

clinicum 31

THEMA Gastroenterologie

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Technik

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Hypertonie

Der Benefit von Kombinationstherapien zur Erreichung der guidelinekonformen Zielwerte.

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Thrombosen

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Tissue Engineering

Gewebezüchtung boomt: In Bioreaktoren wird menschliches Herzmuskelgewebe ebenso gezüchtet wie Gerüststrukturen aus Seide.

Das niedermolekulare Heparin Bemiparin in der Prophylaxe und Therapie tiefer Venenthrombosen.

Betrieb 44

Arbeitsplatz Spital Wie zufrieden sind Österreichs Krankenhausärzte? Eine Erhebung der Wirtschaftsuniversität Wien.

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Medizin & Management Warum ärztliche Führungskräfte Visionen brauchen.

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R u b r i ke n

Impressum Verleger, Eigentümer & Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; DVR-Nr.: 4007613; Verlagsanschrift: 1120 Wien, Forum Schönbrunn, Grünbergstraße 15/Stiege 1, Tel.: 01/54 600-0, Fax: DW 50 611, Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist die Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH. Gesellschafter der Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 91,98%, Herr Holger Hüthig mit 7,02%, Frau Ruth Hüthig mit 0,45%, Frau Beatrice Hüthig mit 0,28% und Herr Sebastian Hüthig mit 0,28%; Unternehmensgegenstand: Herausgabe, Verlag, Druck und Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften sowie sonstigen periodischen Druckschriften; Grundsätze und Ziele: Interdisziplinäres Magazin für Fortbildung und Gesundheitspolitik für alle FührungsCover: Christian Hollinsky kräfte im Krankenhaus und alle Fachärzte im niedergelassenen Bereich; Geschäftsführung: Thomas Zembacher Chefredaktion: Mag. Trude Just, Tel.: 0676/88 460 331, E-Mail: just@medizin-medien.at Redaktion: Mag. Nicole Martinek Redaktionsleitung Print: Bettina Kammerer Artdirektion: Karl J. Kuba Layout & DTP: Sonja Vetters, Johannes Spandl Verkaufsleitung Fachbereich: Martina Osterbauer, Tel.: 0676/88 460 231 Anzeigenverkauf: Bernhard Mitterhauser, Tel.: 0676/88 460 232, E-Mail: mitterhauser@medizin-medien.at Anzeigensekretariat: Sylvia Saurer DW 512 Lektorat: Heinz Javorsky Druck: Friedrich VDV, 4020 Linz. Auflage: 17.000 Die mit „ gekennzeichneten Beiträge enthalten Informationen, für deren Abdruck von den dort genannten Firmen Druckkostenbeiträge geleistet werden. Es handelt sich somit um entgeltliche Beiträge im Sinne §26 Mediengesetz. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Photokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf die unterschiedliche geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet. Die gewählte männliche Form ist in diesem Sinne geschlechtsneutral zu verstehen.

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Kurzmeldungen

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Produkte & Aktionen

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Termine, Recht in der Praxis

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Cartoon

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kurzmeldungen | aktuell Köller. Seit Oktober ist Univ.-

e-Health

Prof. Dr. Marcus Köller, Abteilungsleiter am Wiener Sophienspital mit Schwerpunkt Akutgeriatrie und Remobilisierung, Inhaber des ersten Lehrstuhls für Geriatrie der MedUni Wien. Im Rahmen seiner Professur wird sich Köller vor allem der Evaluierung spezifischer Therapiekonzepte und neuer Behandlungsstrategien in der Geriatrie widmen.

Koller. Mit Oktober wurde Prim.

ELGA startet für Spitäler 2015

Fotos: Pixelio/Gerd Altmann, Pixelio/Ralf Lucyk, MedUni Wien, Studio Huger, gespag, Werner Harrer

Nach jahrelangem Tauziehen wurde am 9. Oktober die Gesetzesvorlage für die elektronische Gesundheitsakte ELGA von der Bundesregierung verabschiedet. Gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben wurden zahlreiche Änderungen vorgenommen, die vor allem Kritikpunkte der Ärztekammer aufgreifen. In ELGA verpflichtend durch Spitäler und Fachärzte eingespeist werden sollen nun nur noch ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe, Labor- und Radiologiebefunde sowie eine Übersicht über die Medikation. Notfalldaten, Anamnesen, Impfpass oder Patientenverfügungen sollen erst später folgen. Außerdem legt das Gesetz fest, dass die ELGA-Daten elektronisch nach Stichworten durchsuchbar sein müssen. Das Nutzen von ELGA wird nicht als Pflicht, sondern als Berechtigung definiert. Allerdings wird im Sinn der

ärztlichen Sorgfaltspflicht haftbar, wer wegen nicht berücksichtigter ELGA-Informationen Behandlungsfehler begeht. Nicht geändert wurde die vorgesehene Opt-out-Regelung für Patienten. Diese werden bei einem Ombudsmann deponieren können, wenn sie nicht an ELGA teilnehmen wollen. Außerdem besteht die Möglichkeit, einzelne Datensätze auf eigenen Wunsch zu löschen. Trotz Opt-out des Patienten müssen Befunddaten allerdings in ELGA gespeichert werden, sie sind dort nur nicht auffindbar – eine Regelung, die von Datenschützern heftig kritsiert wird. Die Ärztekammer übt Kritik vor allem daran, dass kein Pilotversuch vorgeschrieben ist. Außerem wird an der Usability der einspeicherten Daten gezweifelt. Der Start für ELGA ist in Krankenhäusern Anfang 2015 geplant.

Gesundheitsreform

Kassen und Länder streiten ums Geld Das Kostendämpfungsziel von 3,4 Milliarden bis zum Jahr 2016 steht zwar fest, wer dazu wie viel beitragen soll, ist aber nach wie vor zwischen Ländern und Krankenversicherungsträgern umstritten. Zwar haben sich die Beteiligten an der sogenannten Steuerungsgruppe zur Gesundheitsreform auf einen Schlüssel von 60:40 für Länder und Kassen geeinigt. Die Ländervertreter wollen jetzt aber einen zusätzlichen Beitrag der Kassen in Höhe von 320 Millionen Euro. Die Wiener Gesundheitsstadträtin 10/12CC

Mag. Sonja Wehsely begründet die Forderung damit, dass die Kassen ihren Kostendämpfungspfad zu niedrig angesetzt hätten. Das zusätzliche Geld will sie dafür verwenden, Leistungen aus den Spitälern in den niedergelassenen Bereich zu verlagern. Für Dr. Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, ist die Forderung nicht erfüllbar. Die Kassen würden alles in allem bereits vier Milliarden zur finanziellen Sanierung des Gesundheitswesens beitragen.

Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller zum Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Senologie (ÖSG) bestellt. Der bisherige Vizepräsident der ÖSG sieht als seine nächs­te Herausforderung die Umsetzung des Mammographie-Screeningprogramms ab dem Frühjahr 2013.

Andel. Die Abteilung für Innere Medizin II am LKH Steyr hat mit Dr. Johannes Andel seit Oktober einen neuen Leiter. Der gebürtige Steyrer ist Krebsspezialist und Facharzt für Innere Medizin. Andel beschäftigte sich bereits als Oberarzt dieser Abteilung intensiv mit den Schwerpunkten Onkologie, Gas­ troenterologie sowie Diabetes mellitus. Helfer. Anfang September übernahm Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas Helfer, MBA, die Leitung der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwes­ tern, Linz. Mit nach OÖ bringt ­Helfer das Karl-Landsteiner Institut für Gynäkologische Chirurgie und Onkologie.

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e-Health im Krankenhaus: Teil 7

Wenn der Hypochonder

Immer mehr Menschen nutzen das Internet auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten oder Diagnosen. Experten sehen darin durchaus Vorteile, warnen allerdings vor unkritischer Nutzung des Netzes und verweisen auf seriöse Seiten und Arztbesuche. Von Martin Rümmele

Ratgeber – sieben Punkte, die seriöse Web-Seiten ausmachen • Werbung auf Internet-Seiten muss klar als solche ­gekennzeichnet sein. • Die Qualifikation und Unabhängigkeit der Autoren muss ersichtlich sein. • Aufgestellte Behauptungen bzgl. Risiken, Nutzen und ­Effizienz müssen durch Angabe von Quellen belegt sein. • Es muss eine Garantie vorhanden sein, dass alle erho­ benen Benutzerdaten den Bestimmungen der Datenschutzrichtlinien unterliegen. • Alle Angaben müssen das Datum der Veröffentlichung bzw. der letzten Aktualisierung enthalten. • Das Impressum muss Angaben über die verantwortlichen Personen (inkl. Kontaktdaten) und die Finanzierung des Angebots enthalten. • Es muss der Hinweis zu finden sein, dass ein Informationsangebot nicht dazu dienen kann, eine selbstständige Diagnose zu erstellen oder einen Arztbesuch zu ersetzen.

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kommt sogar zu einem noch höheren Wert: Von den rund 80 Prozent der Bevölkerung, denen ein Zugang zum Internet zur Verfügung steht und die diesen auch nützen, informieren sich 61 Prozent dort zumindest ab und zu über Krankheiten und Symptome.

Dr. Google Die Frage nach „Dr. Google“ hat laut Experten positive und negative Seiten. Der Sprecher der Patientenanwälte Österreich, Dr. Gerald Bachinger, sieht den Trend grundsätzlich positiv, rät aber zur Vorsicht: „Die verstärkte Eigeninitiative zeigt, dass die Menschen heute deutlich aktiver und interessierter in Sachen Gesundheit sind. Allerdings werden die User oft mit Fehlinformationen unseriöser Websites konfrontiert, die Verwirrung und Unsicherheit auslösen können.“ Immer öfter kämen zu den Patientenanwälten Menschen mit Ausdrucken aus dem Internet und hinterfragen damit Behandlungen, die sie bei Ärzten erhalten hätten. „Da kommt etwa jemand und meint, in Deutschland gebe es eine bestimmte Leitlinie für eine Therapie, und er wolle wissen, warum er nicht so behandelt worden sei“,

schildert Bachinger. „Das Bedürfnis nach Recherchen und Information war immer da. Allerdings ist die Suche im Internet kein Ersatz für einen Arztbesuch bzw. ein persönliches Gespräch mit einem Mediziner.“

Neuer Internet-Ratgeber Um die Spreu vom Weizen zu trennen, hat die Patientenanwaltschaft gemeinsam mit der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger den Ratgeber „Wie finde ich seriöse Gesundheitsinformationen im Internet?“ entwickelt. Bachinger: „Wir haben einen ausführlichen Praxisleitfaden und einen Folder in Form einer Checkliste gestaltet – leicht verständliche Werkzeuge, um die Qualität von Infoangeboten im Web bewerten zu können.“ Finden kann man den Ratgeber – wie sollte es anders sein – im Internet (siehe „Web-Tipps“). Mit dem Folder kann der Patient anhand von sieben Punkten rasch die Seriosität der Inhalte einschätzen. Die market-Umfrage hat nämlich auch den Bedarf für Information aufgezeigt: 68 Prozent sprechen zwar von einer generellen Zuverlässigkeit der im Netz CC10/12

Abbildung/Foto: Pixelio/Gerd Altmann, Pixelio/Florian Schneider

yy Wenn’s zwickt oder schmerzt, dann ziehen immer mehr Österreicher das Internet zu Rate. Bereits 46 Prozent der heimischen User suchen im Web gezielt nach Informationen rund um Fragen zur Gesundheit, hat die Statis­tik Austria erhoben. Eine Untersuchung des market-Instituts


zum Cyberchonder wird gefunden Ergebnisse, die endgültige Überzeugung fehlt dabei aber, denn die meisten entschieden sich bei diesem Punkt der Umfrage für die Note 2: „Vertraue eher doch“. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die Antworten auf die Frage, ob man bei leichteren Erkrankungen auf einen Arztbesuch verzichte und stattdessen Hilfe im Internet suche. Das kommt für insgesamt 68 Prozent „sicher nicht“ oder zumindest „eher weniger“ infrage.

Wirbel um DrEd.com Allerdings gibt es auch international immer mehr Portale, wo Ärzte sogar Beratung anbieten. Für Wirbel im deutschsprachigen Raum sorgte zuletzt der Vorstoß eines britischen Netzwerkes: „Komfortable und vertrauliche Arztbesuche via Internet“ will die Londoner Arztpraxis „DrEd.com“ anbieten, in der seit einem Jahr auch deutsche Ärzte Diagnosen und Therapien via Internet anbieten. Wird im Rahmen der Konsultation ein Rezept für ein Medikament ausgestellt, kann dieses auf Patientenwunsch direkt an spezialisierte Versandapotheken weitergeleitet werden, die die diskrete und schnelle Arzneimittelversorgung per Postpaket sicherstellen. Darüber hinaus haben die Rezepte Gültigkeit auch in allen anderen Apotheken. Hauptthema hier wie auch bei Medikamentenkäufen im Internet: Impotenz und erektile Dysfunktion.

Fundgrube für Hypochonder Experten und Studien warnen: Surfen im Internet könne auch gesundheitsgefährdend sein. Bauchschmerzen werden zu Darmkrebs, ein leichter Husten zur Lungenentzündung, ein Kribbeln in den Fingern zum ersten Anzeichen von Multipler Sklerose. Die Krankengeschichten aus der Gerüchteküche des Internets hinterlassen oftmals ein mulmiges Gefühl. Und wer ohnehin zum eingebildeten Kranksein neigt, fühlt sich nach einem Check im Netz schnell schlechter als zuvor, haben Forscher der Mainzer Universität erhoben. Die Gefahr sei 10/12CC

dabei, dass sich im Netz zu jedem Symptom eine passende Krankheit als Erklärung finden lasse. „Dadurch verschlimmert das Internet die Ängste der Betroffenen oft noch“, so die Autoren. Hypochonder erhielten im Handumdrehen passende Belege für ihren Krankheitsverdacht. Das Web ist dabei nicht nur die perfekte Fundgrube für Hypochonder, manchen macht es erst zum eingebildeten Kranken. So könnten die vielen Krankheitsgeschichten im Netz auch Ängste bei Menschen wecken, die sich bisher keine übermäßigen Gedanken über ihre Gesundheit machten. US-Forscher wie Dr. Brian Fallon von der Columbia Universität in New York haben für dieses Phänomen schon ein neues Fachwort erfunden: die „Cyberchondrie“. Fallons Studien zufolge ist der Hypochonder von heute meist ein „Cyberchonder“ – Betroffene tun nichts anderes mehr, als im Internet ihre Symptome zu prüfen.

Gegenoffensive im Internet Beim European Health Forum in Gas­ tein (EHFG) wiesen Ärzte auf ein weiteres Problem hin: die Einladung zur Masernparty auf Facebook oder die Forums-Diskussion, dass der Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln Quecksilber oder Aluminium enthalte und Allergien auslöse – im Internet boome offenbar die Panikmache gegen Impfungen aller Art. Dabei könnten gerade Social Media sehr viel zur (Impf-)Aufklärung beitragen. Der Direktor des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC), Dr. Marc Sprenger, plädierte beim EHFG daher für eine Gegenoffensive im Internet. Denn immer mehr Menschen würden das Internet als Informationsquelle in Sachen Gesundheit nutzen und dabei nicht nur die Websites öffentlicher Organisationen, sondern auch auf Blogs meinungsstarker Einzelpersonen zurückgreifen, analysiert er. Laut einer ECDC-Studie aus dem Jahr 2011 bestätigten 80 Prozent der befragten Ärzte, dass Patienten inzwischen nicht nur mit einem Problem in die Sprechstunde kom-

men, sondern gleich auch Gesundheitsinfos aus dem Web dabei haben. Eine aktuelle Studie der Universität Erfurt stellte für das Thema Impfen fest: Drei von vier Personen, die sich über Masern informieren wollen, finden im Internet eine Seite, die sich vehement gegen die Impfung ausspricht. „Im Internet kursieren nicht nur viele Fehlinformationen über Impfungen, Gegner organisieren regelrechte Anti-Kampagnen“, kritisierte beim EHFG auch Dr. John McConnell, Herausgeber der Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Immunisierung, Impfstoffe oder Impferfolge hätten weniger Chancen, wahrgenommen zu werden. ECDC-Direktor Sprenger will sich darum stärker und professioneller in sozialen Netzwerken positionieren. „Renommierte Einrichtungen im Gesundheitsbereich sollten offener für neue und innovative Zugänge sein, um über Nutzen und Sicherheit etwa von Impfungen zu informieren“

Neues Gesundheitsportal Österreich ist hier bereits Vorreiter: Um Nutzungshäufigkeit und Vertrauenswürdigkeit zusammenzuführen, wurde ein eigenes Gesundheitsportal vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben (siehe „WebTipps“). Er sehe darin „einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Patienten. Nur wer informiert ist, könne sich auch an den Entscheidungen, die seine eigene Gesundheit betreffen, beteiligen“, so Gesundheitsminister Alois Stöger bei der Präsentation. Das Portal für qualitätsgesicherte und unabhängige Information zu Fragen rund um die Gesundheit wird künftig auch den Zutritt zur ELGA ermöglichen. y www.gesundheit.gv.at (unabhängige Informationen) www.aerztekammer.at (Auflistung von Gesundheitsseiten) www.nhsdirect.nhs.uk (Gesundheitsportal; englisch) www.pubmed.gov (weltweit größte Medizindatenbank) www.patientenanwalt.com (Download des Ratgebers) www.medisuch.de (medizinische Suchmaschine)

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Wirtschaftskrise und Gesundheit

Krankgespart Die Sparpolitik, mit der viele europäische Staaten auf die Wirtschaftskrise reagieren, hat dramatische Folgen für das Gesundheitswesen. Stattdessen sollte Geld in die Gesundheitssysteme gepumpt und die Krise als Anlass für Reformen genommen werden, forderten Experten auf dem European Health Forum Gastein. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS

Massive Einschnitte In vielen europäischen Staaten schlägt sich der Sparkurs deutlich in den Gesundheitsbudgets nieder. So zeigt ein aktueller OECD-Bericht, dass im Jahr 2010 nach Jahren steigender Gesundheitsausgaben in einer Reihe von europäischen Ländern massive Einschnitte vorgenommen wurden: minus 7,6 Prozent in Irland, minus 7,3 Prozent in Estland, minus 6,5 Prozent in Griechenland. Andere Studien belegen für Lettland eine Reduktion des Gesundheitsbudgets von 2008 bis 2010 um 25 Prozent bzw. für die Tschechische Republik um 30 Prozent. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

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Ideologie triumphiert

wirtschaften dar. In einem Niedriglohnland könne jeder Dollar, der in ein Präventionspaket mit Fokus auf Ernährungsberatung und Bewegung gesteckt werde, mindestens zwei Dollar an Behandlungskosten einsparen, rechnet der Weltbank-Berater vor: „Bei Ländern mit mittleren Einkommen liegt die Ersparnis sogar bei über drei Dollar.“

Dass das Kranksparen keineswegs die einzige Antwort auf die Krise sei, zeigen aktuelle Beispiele: Im Gegensatz zu Europa, so McKee, setzten die USA auf wirtschaftliche Stimuli, um die Krisenfolgen abzufedern, und haben sich heute von der Krise besser erholt als jene europäischen Länder, die auf einen harten Sparkurs setzen, wie Großbritannien, Irland, Griechenland, Portugal oder Spanien. „Es gibt eine Alternative zu Sparprogrammen, aber ich fürchte, im Moment triumphiert die Ideologie über die wissenschaftliche Evidenz“, kritisert der Public-Health-Experte. Um die negativen Folgen der Krise für Gesundheits- und Sozialsysteme zu verringern und Impulse für die ökonomische Erholung zu setzen, müsse mehr Geld in die Gesundheitssysteme fließen, fordert McKee: „Das ist nicht nur unbedingt notwendig im Sinne einer besseren Gesundheitsversorgung; Investitionen in den Wachstumsmarkt Gesundheit würden auch Wachstumsimpulse setzen. Die europäischen Politiker sollten lernen, dass die strikte Sparpolitik sowohl der Wirtschaft als auch der Gesundheit schadet.“

Window of opportunity

Indirekte Kosten Das sieht Dr. Armin Fidler, Chefberater der Weltbank für Gesundheitsfragen, ähnlich: „Wenn die Häufigkeit nicht übertragbarer Erkrankungen um zehn Prozent zunimmt, bedeutet das ein Minus im Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Die indirekten Kosten dieser Erkrankungen übersteigen die direkten bei Weitem.“ Wenn nun Präventionsmaßnahmen gekürzt werden, so stelle dies ein großes Risiko für die durch die Krise ohnehin bereits angeschlagenen Volks-

European Health Forum (EHFG), Gastein, 3.–6.10.12

Wirtschaftskrisen können aber auch durchaus positive Impulse für das Gesundheitssystem liefern – zumindest in hochentwickelten Ländern. „Das Gesundheitswesen stabilisiert die Wirtschaft in Krisenzeiten, sofern es ausreichend Reserven und Effizienzpotenziale besitzt. Umgekehrt bringt der Kostendruck in Zeiten der Rezession mitunter sogar die Chance, Reformen im Gesundheitssektor zu beschleunigen“, sagt Dr. Thomas Czypionka, Institut für Höhere Studien, Wien: „In vielen entwickelten Ländern gibt es historisch gewachsene Strukturen, die tiefergehender Reformen bedürfen, aber durch politische Widerstände verhindert werden. Krisen können – müssen aber nicht – ein Antrieb für Wandel sein.“ Dieses „window of opportunity“ allerdings schließe sich mit einer Besserung der Wirtschaftslage rasch wieder: „Der Druck wird geringer, zudem kosten dann tiefere Umstellungen verhältnismäßig mehr politisches Kapital.“ Nutzen ließe sich dieses Phänomen freilich nur dann, wenn schon vor der Krise überzeugende Konzepte für Reformen entwickelt wurden, die bei Bedarf umgesetzt werden können. Czypionka: „Wenn man sich in der Realität umsieht, muss man aber leider feststellen, dass es diese Konzepte nicht gibt.“ y CC 10/12

Foto: Pixelio/Rike

y In Rumänien ist ein dramatischer Rückgang beim Einsatz von Zytostatika zu verzeichnen; rund 10.000 Patienten warten auf eine Chemotherapie. In Griechenland ist die Suizidrate von 2010 auf 2011 um 40 Prozent hochgeschnellt, die Anzahl der HIVNeuinfektionen um 52 Prozent. In Spanien haben nur noch jene Menschen ein Anrecht auf öffentliche Gesundheitsleistungen, die ein aufrechtes Arbeitsverhältnis nachweisen können – damit ist aufgrund der enormen Jugendarbeitslosigkeit fast die Hälfte der jungen Generation faktisch vom Gesundheitswesen ausgeschlossen. „Die Sparpolitik, die viele europäische Regierungen im Zuge der Wirtschaftskrise eingeschlagen haben, hat dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit der EU-Bürger“, warnte Dr. Martin McKee, Professor für Public Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine beim European Health Forum Gastein (EHFG). Auf dem wichtigsten gesundheitspolitischen Kongress der Europäischen Union sprach er von einem „fehlgeschlagenen Experiment“.


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Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H. Euro Plaza, Gebäude G, 5. Stock, Am Euro Platz 2, A-1120 Wien Registered Trademark © Urheberrechtlich geschützt für Merck Sharp & Dohme Corp., ein Unternehmen von Merck & Co., Inc., Whitehouse Station, NJ, U.S.A 05-14-RHEU-1041456-0000, Erstellt: Mai 2012 Vor Verschreibung beachten Sie bitte die vollständige Fachinformation. Fachkurzinformation siehe Seite 40.

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Komplementärmedizin

Ergänzend, nicht alternativ

Dieser Zuspruch zur Komplementärmedizin sei „nicht unbedingt eine Konsequenz der Unzufriedenheit mit der Schulmedizin“, so Karmasin. Denn mit der schulmedizinischen Behandlung seien die meisten zufrieden. Allerdings wünschen sich 81 Prozent, dass Ärzte mehr auf Patienten eingehen. Weil dies gerade im komplementären Bereich passiere, steige auch das Interesse, sagen Spitalsärzte, die mit „beiden Welten“ arbeiten. „Was in unserem Haus im Bereich Schmerztherapie angeboten wird, ist Teil eines multidimensionalen Angebotes, das immer Physiotherapie, physikalische Therapie sowie Psychotherapie einschließt“, erklärt OA Dr. Ekkehard Schweitzer, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus Hietzing, Wien. „Ziel ist, die Entwicklung der Selbstwirksamkeit der Patienten zu unterstützen. Nur reden alleine reicht nicht. Da haben Patienten das Gefühl, das ist zu wenig.“

Homöopathie ist weiblich

Kaum ein Bereich polarisiert in der Medizin so wie die Komplementärmedizin. Kaum ein Bereich wird aber auch so stark nachgefragt von Patienten: Für zwei Drittel der Bevölkerung ist das Thema positiv besetzt. Immer öfter setzen daher auch Spitäler auf das Thema. CliniCum fragte dort nach den Gründen und den Erfahrungen. Von Martin Rümmele und Ina Schriebl

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Definierte Qualitätsstandards anderen Methoden gegenüber aufgeschlossen“, so Karmasin. Dieser „offene Typ“ sei in der Bevölkerung mit insgesamt 43 Prozent vertreten. Nur an der Schulmedizin orientieren sich hingegen 18 Prozent, unter ihnen vor allem Männer über 50 Jahre. Komplementärmedizinischen Ansätzen stehen Männer generell skeptisch gegenüber, sagt Karmasin. Frauen über 50 Jahre dagegen seien am stärksten aufgeschlossen für andere Behandlungsmethoden. Insgesamt gaben 46 Prozent der Befragten an, schon auf komplementärmedizinische Methoden zurückgegriffen zu haben.

Eingesetzt wird Homöopathie auch in Österreichs größtem Krankenhaus, dem Wiener AKH. „Von Beginn an war das Patientenfeedback gut und unsere Ambulanz bald voll“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Internist, Akutmediziner und Leiter der Homöopathischen Ambulanz für Krebspatienten am Wiener AKH sowie Präsident des Dachverbandes für Ganzheitsmedizin. Die Zusammenarbeit der konventionellen und der komplementären Medizin sei für ihn der einzig sinnvolle Weg, um die hohe Qualität unseres Gesundheitssystems auf Dauer sichern bzw. weiter ausbauen zu können. CC10/12

Foto: Barbara Krobath

Akupunktur und Homöopathie sind den meisten Österreichern kein Fremdwort mehr. Zu diesem Ergebnis kam zuletzt auch das Meinungsforschungsinstitut Karmasin im Rahmen einer Studie zur Komplementärmedizin in Österreich. Zwei Drittel der Befragten bewerten komplementärmedizinische Methoden demnach positiv, wobei 81 Prozent „erkennen, dass es sich dabei um eine Ergänzung zur Schulmedizin handelt, nicht um eine Alternative“, so Mag. Sophie Karmasin. Vor allem die über 30-Jährigen vertrauen beiden Welten. „Sie werten die Schulmedizin nicht ab, sind aber auch yy

Die Homöopathie ist in Österreich die bekannteste und beliebteste komplementärmedizinische Heilmethode. Anlässlich des Geburtstages von Begründer Samuel Hahnemann präsentierte der Verein zur Förderung der Homöopathie und Gesundheit eine Studie, laut dieser die Hälfte der Österreicher im Vorjahr ein homöopathisches Mittel verwendet hat. Und: „Die Homöopathie ist weiblich“, sagte Silvia Bauernhofer bei der Studienvorstellung. 63 Prozent der Käufer homöopathischer Mittel waren Frauen. Auch hier gilt: Männer stehen der Methode skeptischer gegenüber. Der Begriff selbst war 96 Prozent der Befragten bekannt.


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Angebote im Spital Das Linzer Krankenhaus der Elisabethinen ist erst vor Kurzem in die Komplementärmedizin eingestiegen. Ein eigens geschaffenes Zentrum bietet hier ergänzende Angebote zur Schulmedizin an. Ein ärztlicher Beirat soll auf Seriosität und Qualität achten. Viele Patienten würden nach ganzheitlicher Betreuung in der Krankheitsbewältigung fragen, sagt Barbara Lehner Generaloberin des Ordens der Elisabethinen Linz-Wien. Auch für Dr. Stefan Meusburger, Ärztlicher Direktor des Spitals, machen komplementärmedizinische Methoden als Ergänzung zur Schulmedizin Sinn, vor allem bei Tumor- und chronischen Erkrankungen. Schon jetzt gebe es im Spital die integrative Medizin, etwa die Psychoonkologie. Nun wurde ein rechtlich wie organisatorisch vom Spital getrenntes und dennoch in unmittelbarer Nähe angesiedeltes Zentrum geschaffen, in dem sich Ärzte und Therapeuten einmieten können. Das Angebot reicht von Homöopathie, ­Ayurveda-Anwendungen, Körperarbeit nach Grinberg, Shiatsu, Kinesiologie bis hin zu systemischen Coaching und Tanz- oder Maltherapie. Angesprochen werden nicht nur Patienten, sondern auch Menschen, die ihre Ge-

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sundheit erhalten wollen. Die Mieter selbst dürfen keinen Ausschließlichkeitsanspruch auf ihre Methoden haben, es dürfen nur solche angeboten werden, die von der Ärztekammer nicht abgelehnt werden. Außerdem muss die Bereitschaft zur Kooperation mit der Schulmedizin vorliegen.

Populäre Akupunktur Breit eingesetzt in heimischen Spitälern wird auch die Akupunktur, sagt Univ.-Prof. Dr. Helmut Nissel, Leiter der Akupunkturambulanz am Kaiserin-Elisabeth-Spital der Stadt Wien, und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur: „Die Ursprünge unserer Akupunkturambulanz gehen bis in Jahr 1958 zurück, heute ist sie die größte Ambulanz dieser Art in Österreich.“ Und die Nachfrage werde immer größer, die Wartezeit auf einen Termin betrage derzeit drei bis vier Monate. „Es gibt fast keine Spitalsabteilung mehr, wo Akupunktur nicht gerne gesehen wird“, sagt Dr. Leopold Dorfer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kontrollierte Akupunktur und TCM. Meist beschränkt sich die Anwendung auf die Behandlung chronischer Schmerzen, wie etwa auch in der Akupunkturambulanz am Wiener AKH, die als Teil der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie geführt wird. Besonders populär ist Akupunktur rund um Schwangerschaft und Geburt. So haben an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Innsbruck, mehr als die Hälfte der Hebammen eine Akupunkturausbildung. Vor vier Jahren wurde hier eine Akupunktur-Sprechstunde eingerichtet. „Akupunktur im letzten Schwangerschaftsmonat verkürzt die Geburt um im Schnitt zwei Stunden“, heißt es aus Tirol. Auch die zum Ende der Schwangerschaft häufigen Schlafstörungen und Rückenschmerzen ließen sich so lindern.

Bereich Onkologie Breiten Raum nahm das Thema Komplementärmedizin auch am Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Wien ein. Kommen Krebspatienten in die Betreuung ganzheitlich orientierter Ärzte, erhalten sie in Deutschland und Österreich oft unterstützend Mistelpräparate und nutzen auch intensiv komplementärmedizinische Therapieangebote. Das „Netzwerk Onkologie“ des Berliner Forschungsinstituts Havelhöhe hat

dazu 1.200 Lungenkrebs­ patienten und 3.300 Brustkrebspatientinnen befragt und die Ergebnisse am ESMO-­Kongress präsentiert. In den befragten Patientengruppen war die zusätzliche Anwendung von Mistelpräparaten mit 73 bzw. 93 Prozent hoch. Nicht pharmakologische, unterstützende Angebote wie u.a. EurythmieBewegungstraining, Wickel, Massagen, Musik- und Maltherapie sowie psychologische Unterstützung erhielten 54 bzw. 68 Prozent. Während chirurgische Eingriffe mit einem geringeren Einsatz komplementärer Thera­ pien einhergingen, nutzten Patienten unter Chemo- und/oder Strahlentherapie diese Angebote signifikant häufiger, so Studienautor Dr. Friedemann Schad.

Bereich Pflege Eingesetzt werden komplementärmedizinische Methoden vermehrt auch im Pflegebereich. So auch im Wiener Hartmannspital – unter anderem wird hier auf allen Stationen Aromapflege angeboten. „Angebote wie Aromapflege, Wickel, Schröpfen und Räuchern unterstützen die Patienten in ihrem Heilungsverlauf, bereichern aber auch den Arbeitsalltag des Pflegepersonals und bieten Raum für viel Kommunikation mit den Patienten“, zeigt sich Hartmannspital-Pflegedirektorin Andreja Kusej erfreut über das Engagement ihrer Beschäftigten.

Kombination erwünscht Für Frass wirft die öffentliche Diskussion einmal mehr die Frage auf, „ob wir Komplementärmedizin in einem modernen Gesundheitssystem benötigen und falls ja, welche Rolle sie dabei spielen soll.“ Die Mehrheit der Patienten habe diese Frage für sich bereits klar beantwortet. „Umfragen zufolge bevorzugen 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung eine Kombination aus konventioneller und komplementärmedizinischer Behandlung“, erklärt Frass. y CC10/12

Foto: Barbara Krobath

Neben den positiven subjektiven Erfahrungen gäbe es laut Frass in verstärktem Maße auch aussagekräftige wissenschaftliche Studien, welche die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Methoden objektiv nachweisen. „Und für die Gesundheitspolitiker besteht kein Grund, sich über diesen Trend Sorgen zu machen“, so Frass, „denn Komplementärmedizin bedeutet nicht automatisch eine Verteuerung des Gesundheitssystems, ganz im Gegenteil – Studien belegen eine deutliche Kosteneinsparung.“ Entscheidend ist für Frass daher nicht die Frage „Komplementärmedizin – ja oder nein“, sondern die Definition und Einhaltung von Qualitätsstandards im Bereich der Ausbildung und der medizinischen Behandlung sowie die Abwägung der Therapieeffizienz – „das betrifft die konventionelle Medizin ebenso wie die komplementäre“. Um die Einhaltung von Qualitätsstandards in der Komplementärmedizin zu sichern, habe sich bereits vor über 20 Jahren ein ärztlicher Dachverband für Ganzheitsmedizin etabliert, in dem die zentralen Methoden der Komplementärmedizin vertreten sind.


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1. Connolly SJ et al. NEJM 2009;361:1139-1151; NEJM 2010;363:1875-1876 2. Fachinformation Pradaxa® 150 mg Hartkapseln

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QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Pradaxa 110 mg Hartkapseln enthalten 110 mg Dabigatranetexilat (als Mesilat). Sonstige Bestandteile: Jede Hartkapsel enthält 3 Mikrogramm Gelborange S (E 110). Pradaxa 150 mg Hartkapseln enthalten 150 mg Dabigatranetexilat (als Mesilat). Sonstige Bestandteile: Jede Hartkapsel enthält 4 Mikrogramm Gelborange S (E 110). Dabigatran ist ein stark wirksamer, kompetitiver, reversibler direkter Thrombin-Hemmer. Darüber hinaus hemmt Dabigatran sowohl freies als auch fibringebundenes Thrombin und die thrombininduzierte Thrombozytenaggregation. Liste der sonstigen Bestandteile: Die sonstigen Bestandteile sind Weinsäure, Arabisches Gummi, Hypromellose, Dimeticon 350, Talkum und Hyprolose. Die Kapselhülle enthält Carrageenan, Kaliumchlorid, Titandioxid, Indigocarmin (E 132), Gelborange S (E 110), Hypromellose und gereinigtes Wasser. Die schwarze Druckfarbe enthält Schellack, Butan-1-ol, 2-Propanol, Ethanol vergällt (mit Aceton, Methanol und Acetylacetat), Eisen(II,III)oxid (E 172), gereinigtes Wasser und Propylenglycol.Anwendungsgebiete: Pradaxa 110 mg Hartkapseln: Primärprävention von venösen thromboembolischen Ereignissen bei erwachsenen Patienten nach elektivem chirurgischen Hüft- oder Kniegelenksersatz. Prävention von Schlaganfall und systemischer Embolie bei erwachsenen Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern mit einem oder mehreren der folgenden Risikofaktoren: Vorausgegangener Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke oder systemische Embolie, Linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 40 %, Symptomatische Herzinsuffizienz, ≥ New York Heart Association (NYHA) Klasse 2, Alter ≥ 75 Jahre, Alter ≥ 65 Jahre einhergehend mit einer der folgenden Erkrankungen: Diabetes mellitus, koronare Herzerkrankung oder arterielle Hypertonie. Pradaxa 150 mg Hartkapseln: Prävention von Schlaganfall und systemischer Embolie bei erwachsenen Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern mit einem oder mehreren der folgenden Risikofaktoren: Vorausgegangener Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke oder systemische Embolie, Linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 40 %, Symptomatische Herzinsuffizienz, ≥ New York Heart Association (NYHA) Klasse 2, Alter ≥ 75 Jahre, Alter ≥ 65 Jahre einhergehend mit einer der folgenden Erkrankungen: Diabetes mellitus, koronare Herzerkrankung oder arterielle Hypertonie. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Nierenfunktion (CrCl < 30 ml/min), Akute, klinisch relevante Blutung, Läsionen oder klinische Situationen mit hohem Risiko einer schweren Blutung wie z. B. akute oder kürzlich aufgetretene gastrointestinale Ulzerationen, maligne Neoplasien mit hohem Blutungsrisiko, kürzlich aufgetretene Hirn- oder Rückenmarksverletzungen, kürzlich erfolgte chirurgische Eingriffe an Gehirn, Rückenmark oder Augen, kürzlich aufgetretene intrakranielle Blutungen, bekannte oder vermutete Ösophagusvarizen, arteriovenöse Fehlbildungen, vaskuläre Aneurysmen oder größere intraspinale oder intrazerebrale vaskuläre Anomalien. Die gleichzeitige Anwendung von anderen Antikoagulantien z. B. unfraktionierte Heparine, niedermolekulare Heparine (Enoxaparin, Dalteparin etc.), Heparinderivate (Fondaparinux etc.), orale Antikoagulantien (Warfarin, Rivaroxaban, Apixaban etc.) außer bei der Umstellung der Antikoagulationstherapie von oder auf Pradaxa oder wenn unfraktioniertes Heparin in Dosen gegeben wird, die notwendig sind, um die Durchgängigkeit eines zentralvenösen- oder arteriellen Katheters zu erhalten. Beeinträchtigung der Leberfunktion oder Lebererkrankung, die Auswirkungen auf das Überleben erwarten lässt. Gleichzeitige Behandlung mit systemisch verabreichtem Ketoconazol, Ciclosporin, Itraconazol, Tacrolimus und Dronedaron INHABER DER ZULASSUNG: Boehringer Ingelheim International GmbH, 55216 Ingelheim am Rhein, Deutschland. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht Rp, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. PX 119/10.09.2012

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kurzmeldungen | medizin Krebsforschung

Autismus. Forscher am Biozentrum der Universität Basel haben eine spezifische Fehlfunktion in neuronalen Schaltkreisen identifiziert, die durch eine autistische Störung ausgelöst wird. Die Forscher konnten zudem feststellen, dass die gestörte Entwicklung der neuronalen Schaltkreise im Gehirn reversibel ist. (Baudoin et al., Science 2012)

Fotos/Abbildung: Martin Schulz/PNAS 2012; Forschungszentrum BIOmac, Universität Bayreuth; Stephane Baudouin; Pixelio/Isabell Richter; Pixelio/Templermeister

Cholesterinsenker mit neuer Wirkung Auf der Suche nach Wirkstoffen, die bei Tumoren die Bildung von Metastasen hemmen, stießen Pharmazeuten der ETH Zürich auf Cholesterinsenker. Die Entdeckung gelang mit einem neuen Zellkultursystem, mit dem untersucht wurde, ob Wirkstoffe das Wachstum von Lymphgefäßen beeinflussen. Für ihr Testsystem beschichteten die Forscher winzige Kügelchen aus einem Naturkunststoff mit Lymphgefäßwand-Zellen aus menschlicher Haut und gossen diese in ein Gel. Wurden die Lymphgefäßwand-Zellen in diesem System mit wachstumsfördernden Botenstoffen stimuliert, so begannen sie, Aussprossungen zu bilden, aus denen neue Lymphgefäße entstehen. In einer automatisierten 3D-Zellkultur wurden auf diese Weise mehr

als 1.000 chemische Substanzen getestet. Dabei entstanden rund 100.000 hochauflösende Bilder der beschichteten Mikrokügelchen, auf denen sichtbar ist, ob die Zellen Aussprossungen gebildet haben (siehe Bild). 30 Substanzen konnten das Lymphgefäßwachstum hemmen. Unter mehreren entdeckten Stoffen, von denen diese Wirkung bisher nicht bekannt war, untersuchten die Forscher zwei genauer. Ein Wirkstoff gehörte der Substanzgruppe der Statine an. Die hemmende Wirkung verschiedener Statine wurde in Versuchen an Mäusen bestätigt. In Zukunft können Patienten mit einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen prophylaktisch mit solchen Medikamenten behandelt werden. (Schulz et al., PNAS 2012)

G-Protein-gekoppelte Rezeptoren

Impfmüdigkeit. Das Impfverhalten in Europa ist zunehmend zurückhaltend, so Experten anläss­ lich des European Health Forum Gastein Anfang Oktober. Die Folge ist ein vermehrtes Auftreten von besiegt geglaubten Infektionskrankheiten wie Masern oder Röteln. Auch beträgt die Impfrate gegen Influenza bei den über 65-Jährigen in Österreich nur 37 Prozent. Die empfohlene Rate der WHO liegt bei 75 Prozent.

Entdeckung von Eiweiß­strukturen Der Nobelpreis für Chemie 2012 wurde für bahnbrechende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCR) den Proteinforschern Prof. Dr. Robert Lefkowitz, und Prof. Dr. Brian Kobilka zuerkannt. Die beiden Biochemiker – Lefkowitz ist am Howard Hughs Medical Institute & Duke University Medical Center in Durham tätig, Kobilka an der Stanford University – sind auch die Entdecker dieser Rezeptoren. Kobilka konnte zudem ihre Entdeckung mit der Aufklärung der räumlichen Struktur des so genannten Beta2-adrenergen Rezeptors mit einem gebundenen Liganden krönen (im Bild: GPCR-Bändermodell mit ro10/12CC

tem Modellwirkstoff). Wichtige Vorgänge im Körper – Sehvorgänge, adrenalingesteuerte Stress­ antwort oder Regulation der Elektrolytkonzentration im Blut – werden von GPCR gesteuert. Hormone (z.B. Parathormon, Adrenalin) sowie Neurotransmitter (z.B. Dopamin) binden an der Zellaußenseite an die Rezeptormoleküle und lösen Reaktionen im Zellinneren aus, an denen GProteine beteiligt sind. Die Funktionsweise dieser Signalwege ist eng verknüpft mit zahlreichen Krankheiten (z.B. Morbus Parkinson, Asthma bronchiale oder Osteoporose). GPCR stellen Angriffspunkte für zahlreiche am Markt befindliche Medikamente dar.

Gestationsdiabetes. Ein neues Testverfahren für Schwangerschaftsdiabetes wurde von der Medizinischen Universität Wien entwickelt. Dabei werden der Nüchternblutzucker untersucht und bekannte Risikofaktoren erhoben. Nur bei erhöhtem Risiko wird ein Zuckerbelastungstest durchgeführt. (Göbl et al., Diabetologia 2012)

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Riesenhernien

Mehr draußen als drinnen Bruchoperationen sind zahlenmäßig die häufigsten Eingriffe an Österreichs chirurgischen Abteilungen. Insgesamt werden jährlich an die 15.000 Ventral- und 20.000 Leistenhernien operiert, oft unter minimalinvasiver Vorgehensweise und der Verwendung von Kunststoffnetzen mit hohem Therapieerfolg. Die zunehmend übergewichtige Bevölkerung birgt eine neue Herausforderung für den Hernienchirurgen: die „Loss of domain“-Hernie. Etwa 500 Fälle werden hierzulande pro Jahr behandelt. Von Dr. Rainer Schröckenfuchs

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yy „Die Patienten werden immer dicker“, meint Priv.-Doz. Dr. Christian Hollinsky, Departmentleiter für Hernienchirurgie, Chirurgische Abteilung, SMZ Floridsdorf, Wien, im Gespräch mit CliniCum, „Und dementsprechend nehmen auch ihre Hernien an Größe zu.“ Bis hin zur „Loss of domain“-(LOD)-Hernie, bei welcher je nach Definition mehr als 30 Prozent des Abdominalvolumens im Herniensack zu finden ist bzw. die Hernie mehr als 3.000ml Inhalt aufweist. Die operativen Eingriffe gestalten sich bei Hernien dieser Größe aus mehreren Gründen als schwierig: Die Patienten sind aufgrund ihrer metabolischen Situation in schlechterem Allgemeinzustand und weisen vermehrt internistische und pulmologische Risikofaktoren auf. Warum dennoch operieren?

Vorbereitung: umfangreich Die Operation einer LOD-Hernie will gut vorbereitet sein – am besten in einem spezialisierten Hernienzentrum. Denn das zu reponierende Volumen ist sehr groß – falls die Bauchhöhle den Hernieninhalt überhaupt fassen kann. Vor dem Eingriff ist daher genaue radiologische Diagnostik Pflicht. Hollinsky: „Mit spezieller CTSoftware können eindrucksvolle 3DRekonstruktionen gemacht werden. Das Volumen des Abdomens und das Volumen des Herniensacks werden bestimmt, ebenso das Verhältnis dieser beiden Größen zueinander“ (A computerized tomography scan method for calculating the hernia sac and abdominal cavity volume in complex large incisional hernia with loss of domain. Tanaka et al., Hernia 2010; Feb,14:63–69). Normalerweise beträgt der intraabdominelle Druck

Techniken der Hernienoperation Laparoskopische Technik: Das Netz wird von innen auf das Peritoneum gelegt. Die Netze müssen speziell beschichtet sein, damit es keine Adhäsionen gibt. Sublay-Technik: Netz zwischen hinterer Rektusscheide und Rektusmuskel Onlay-Technik (weitgehend verlassen): hohe Infektionsrate Inlay-Technik (verlassen): Netz wird zwischen die Muskel genäht und reißt sofort aus, weil keine Überlappung

Hollinsky: „Last mal Lastarm und Kraft mal Kraftarm lautet die Formel. Eine knapp vier Kilogramm schwere Hernie belastet die Wirbelsäule dadurch mit 36 zusätzlichen Kilogramm.“

Abbildungen/Foto: Christian Hollinsky, Privat

Lebensqualität: bescheiden Das Hauptrisiko des Bauchwandbruches, die Inkarzeration, ist aufgrund der häufig sehr großen Bruchpforten der LOD-Hernien eher gering. Allerdings beeinträchtig der riesige Bruchsack nicht nur die körperliche Gesundheit der Patienten, der psychosoziale Effekt der Erkrankung ist gravierend: Scham und Angst lassen ein normales Sozialleben nicht zu, die Patienten geraten immer weiter in Isolation. Wird die eigene Wohnung kaum mehr verlassen, so kommt zu Kontaktarmut auch Bewegungsmangel dazu, was der oft vorbestehenden Adipositas weiteren Vorschub leistet. Und durch die exzentrische Belas­ tung entstehen massive Rückenbeschwerden: Die Hebelwirkung erhöht die Belastung der Wirbelsäule. Hollinsky: „Last mal Lastarm und Kraft mal Kraftarm lautet die Formel. Eine knapp vier Kilogramm schwere Hernie belastet die Wirbelsäule dadurch mit 36 zusätzlichen Kilogramm.“ Infolge dessen weisen die Patienten häufig stark degenerative Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf (Diskusprolaps, Wirbelkörperdislokation). 10/12CC

(IAD) zwischen 5 und 8mmHg. Während und nach der Operation wird der IAD mittels Blasenkatheter gemessen, um der Entwicklung eines intraabdominellen Kompartmentsyndroms vorzubeugen. 200ml zusätzli-

ches Bauchvolumen steigern den Druck um 1mmHg, eine LOD-Hernie mit 3000ml Inhalt erhöht demnach den Abdominaldruck um 15mmHg. Die Folgen einer passageren Erhöhung auf bis zu 1mmHg sind reversibel, ab 20mmHg kommt es zur manifesten Minderdurchblutung im Sinne eines Kompartmentsyndroms (Loss of domain hernias: what they mean and how they are related to the abdominal compartment syndrome. Hollinsky et al., Hernia 2012; submittet for publication). Hollinsky: „Der Trick liegt in der genauen Berechnung des notwendigen Zusatzvolumens und dem optimalen chirurgischen Vorgehen. Bei einem Hernienvolumen von knapp vier Litern und einem Abdominalvolumen von etwa zehn Litern muss im Rahmen der Bruchoperation eine plastische Rekonstrukion der Bauchdecke stattfinden.“ Diese beinhaltet Entlastungsinzisionen

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nach Ramirez. Eingeschnitten wird dabei die Externusaponeurose – das bringt fünf Zentimeter mehr Bauchumfang auf jeder Seite und ­ macht einen Verschluss der Bauchdecke möglich. Dann erfolgt der Einbau eines Netzes in Sublay-Technik (zwischen hinterer Rektusscheide und Rektusmuskel). Verwendet werden großporige, elastische und reißstabile Netze aus Polypropylen oder

Polyester mit einem breiten Gitterabstand von 1,5mm und einer Größe von 30x20cm. Feinporigere Netze begünstigen die Bildung von Narbenplatten, welche die Rumpfbeweglichkeit massiv beeinträchtigen können.

Gut Ding braucht Weile Ein derartiger Eingriff kann drei Stunden und länger dauern – Zeit, in der weder dem Operateur noch dem

Patienten die Luft ausgehen sollte. „Das Zwerchfell wird durch die Rückverlagerung der Eingeweide nach oben gedrückt, was zu respiratorischen bzw. pulmonalen Problemen führen kann. Deshalb ist die pulmologische Operationsfreigabe so wichtig“, betont auch Hollinsky. Bei stark übergewichtigen und beispielweise durch eine COPD pulmonal beeinträchtigten Patienten führt daher kein Weg an einer präoperativen Gewichtsabnahme vorbei – im Sinne von: jedes Kilo weniger zählt.

Pneumoperitoneum Ein ungewöhnlicher Weg, die Leis­ tungsfähigkeit der Lunge vor der geplanten Operation auszutesten und gleichzeitig Platz für die Rückverlagerung zu schaffen, ist das progressive präoperative Pneumoperitoneum: Hierbei wird die Bauchdecke mittels Gaseinleitung über einen Trokar langsam aufgedehnt – ähnlich einer Schwangerschaft. Ein schmerzhafter Vorgang, der einen stationären Aufenthalt von zwei bis drei Wochen notwendig macht, weswegen diese Vorgehensweise aus Kostengründen hierzulande nicht praktiziert wird.

Nach überstandener Operation gelten ähnliche Regeln wie nach „normalen“ Hernienoperationen: Innerhalb der ersten drei Wochen darf der Patient maximal fünf bis zehn Kilogramm heben, muss dabei jedoch unbedingt eine straff sitzende Bauchbinde tragen. Gleichförmige Bewegungen wie zum Beispiel Walken oder Joggen sind erlaubt, die Bauchbinde bleibt über mindestens sechs Wochen am Patienten. Ein wichtiger Punkt ist die Nikotinanamnese. Hier empfiehlt Hollinsky seinen Patienten, entweder schon Monate vor der Operation mit dem Rauchen aufzuhören (am besten im Zusammenhang mit einer Gewichtsreduktion) – oder aber zumindest nur in reduzierter Form weiterzurauchen. Denn postoperativ erhöht vermehrter Hustenreiz nach Rauchstopp die Rezidivgefahr. Generell liegen auch unter bester Betreuung die Rezidivraten zwischen zehn und 15 Prozent: Dabei handelt es sich meist um kleine Defekte am Ober- oder Unterrand des Netzes, große Rezidivbrüche sind dank der modernen Netztechnologie heute eine Seltenheit geworden.  y

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Abbildungen: Christian Hollinsky

Rezidiven vorbeugen


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Drei Tage lang stand Innsbruck im Zeichen des Herzens: Anlässlich des „Dreiländertreffens Herzinsuffizienz“ Ende September diskutierten Kardiologen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz neue Diagnose und Therapieverfahren bei Herzmuskelerkrankungen. Von Mag. Nicole Martinek

yy Bis vor Kurzem waren die Gründe für den fortschreitenden Abbau der Herzleistung bei idiopathischen Herzmuskelerkrankungen unklar. „Mit präziseren diagnostischen Möglichkeiten – Herz-CT, MRT, neue Biopsie-Analyseverfahren – können nun die dahinter liegenden Ursachen entschlüsselt werden“, berichtete Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pölzl, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Innsbruck. „Dies ist auch die Voraussetzung für eine gezielte Therapie, die stets günstiger ist als die alleinige Symptombehandlung – insbesondere dann, wenn eine reversible Ursache vorliegt.“

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Weitere Ursachen für Herzmuskelentzündungen stellen Viruserkrankungen dar. „Hauptverantwortlich ist hierbei das Parvovirus B-19. Obwohl der Erreger eigentlich harmlos ist und 90 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens Kontakt damit haben, zeigen neueste Daten, dass es bei entsprechender genetischer Disposition zu dramatischen Entwicklungen für das Herz kommen kann. Pölzl: „Diese Erkenntnis ermöglicht ein therapeutisches Eingreifen an den Ursachen: gezielte medikamentöse Therapie der Viren oder Immunomodulation. Unter bestimmten Umständen ist auch Immunsuppression zielführend.“

Kardiogenetik

Eine wenig bekannte Ursache für eine schwere Herzmuskelerkrankung in jungen Jahren kann eine Schwangerschaft sein. „Erst jüngst wurde in diesem Zusammenhang die Rolle des Still-Hormons Prolaktin entdeckt“, informiert Pölzl. „Obwohl die Erkrankung zwar selten auftritt – an unserer Klinik haben wir etwa fünf Fälle pro Jahr –, ist der Krankheitsverlauf besonders schwer, wobei Prolaktin-hemmende Medikamente eingesetzt werden müssen.“ Paradoxerweise liegt eine andere, zunehmend häufigere Ursache für Herzmuskelerkrankungen in den Fortschritten der Medizin selbst: „Immer mehr Krebspatienten überleben ihre Tumorerkrankung und entwickeln aufgrund der toxischen Belas­tung durch Strahlen- und Chemotherapie eine Herzmuskelschwäche“, so Pölzl.

Eines der Hoffnungsgebiete in der Therapie der Herzmuskelerkrankungen ist die Kardiogenetik. „Die Entschlüsselung von genetischen Faktoren erfordert eine hochspezialisierte Diagnostik, die in Österreich nur an wenigen Zentren zur Verfügung steht. So bietet die Universitätsklinik für Kardiologie in Innsbruck derzeit das einzige Kardio-Genetik-Programm in Zusammenarbeit mit der Humangenetik an“, stellt Pölzl fest. Das Auffinden von genetischen Grundlagen bei Herzmuskelerkrankungen hat nicht nur die gezieltere Behandlung als Benefit, sondern ermöglicht auch eine bessere Risikoabschätzung und Betreuung. Liegt beispielsweise ein Enzymdefekt vor, so kann das fehlende Enzym ersetzt werden. Ist bei bestimmten genetischen Erkrankungen das Risiko für plötzlichen Herztod bekannt, so kann zur Vorbeugung ein Kardioverter-Defibrillator implantiert werden. Angehörige von Familien mit bekannten genetischen Risiken können gezielt beraten und engmaschig betreut werden.

Clip statt Operation „Neue Katheter-basierte Eingriffe eröffnen alternative Wege zur Operation am offenen Brustkorb. Deshalb empfehlen die Leitlinien 2012 zur Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz bei inakzeptabel hohem Operationsrisiko den Einsatz von perkutanen Klappen-ReparaturverCC10/12

Abbildung: Pixelio/Jens Götzke

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Herzinsuffizienz


Katheter-gestützte Sanierung „Ebenso innovativ, aber weniger komplex ist die Katheter-gestützte Sanierung von Aortenklappenschäden, die bei über 65-Jährigen häufig vorkommen“, erläuterte Ebner. Bei der Transkatheter-Aortenklappenimplantation wird über die Leistenarterie und dann über die Aorta die auf einem Stentgitter montierte Klappenprothese eingebracht. Ebner: „Die verengte bzw. verkalkte Klappe wird vorher mit einem Ballon ‚gesprengt‘ und dann die neue Klappe über die alte platziert.“ Eine rezente Studie (PARTNER-Trial) hat den Benefit des

Eingriffes gegenüber der herkömmlichen Operation bzw. medikamentösen Therapie belegt.

Multaq® als Erstlinienpräparat in den ESC-Guidelines bestätigt

Ventrikuläre Assistenzsysteme Große Fortschritte im Bereich der implantierbaren Pumphilfen ermöglichen es immer häufiger, diese nicht nur zur Überbrückung der Zeit bis zur Transplantation, sondern als echte Alternative zu einer Herztransplantation einzusetzen. „Bei schwersten Schädigungen kann das kranke Herz zur Gänze entfernt und vollständig durch ein Kunstherz ersetzt werden“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Herwig Antretter, Universitätsklinik für Herzchirurgie, Innsbruck. „Das erste kommerziell verfügbare ‚total artificial heart‘ in Österreich wurde 2008 in Innsbruck implantiert.“ Wesentlich häufiger werden ventrikuläre Assistenzsysteme (VAD) eingesetzt. Das kranke Herz verbleibt im Körper, das VAD übernimmt den Großteil der Herzfunktion. Ursprünglich wurden VAD eingesetzt, um die Zeit zu einer möglichen Genesung zu überbrücken, wie bei Patienten mit einer sich rasch verschlechternden Herzleistung und sehr hohem Sterberisiko (z.B. Myokarditis). „Wichtiges Einsatzgebiet war bisher auch die Überbrückung bis zur Transplantation. Eine neue und rasch an Bedeutung zunehmende Entwicklung ist der VAD-Einsatz als dauerhaftes Implantat statt eines Spenderherzens. Gerechnet wird mit einer Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren“, so Antretter. Dieser Anwendungsbereich wird aus mehreren Gründen immer wichtiger: zum einen aufgrund des Mangels an Spenderorganen, andererseits weil eine Herztransplantation für viele Menschen nicht mehr infrage kommt (Komorbiditäten, Krebserkrankungen). Der wichtigste Grund für den Einsatz von Pumpensystemen als Dauerlösung ist der technologische Fortschritt. „Die VAD-Systeme werden immer kleiner, leistungsfähiger, und laufend wird an Innovationen gearbeitet. Die Patienten können sich zehn bis zwölf Stunden frei bewegen, bis der Akku wieder aufgeladen werden muss. Sie können auch Sport betreiben und in vielen Fällen einer beruflichen Tätigkeit nachgehen“, so Antretter. Sein Blick in die Zukunft: „In 20 bis 25 Jahren werden solche Pumpsysteme genauso wie Herzschrittmacher eingesetzt. Dann werden Herztransplantationen weitgehend überflüssig sein.“ y

Am ESC-Kongress 2012 wurde die Aktualisierung der europäischen Guidelines zur Behandlung von Vorhofflimmern präsentiert. Dronedaron wurde als wertvolle Behandlungsoption zur Rhythmuskontrolle bestätigt. Multaq® ist das einzige empfohlene ErstlinienAntiarrhythmikum für Vorhofflimmer-Patienten mit hypertensiver Herzkrankheit und linksventrikulärer Hyperthrophie. Damit ist Multaq® weiterhin das einzige Antiarrhythmikum, das bei nicht permanentem Vorhofflimmern und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren empfohlen wird, um kardiovaskuläre Hospitalisierung zu reduzieren. Die aktualisierten Leitlinien empfehlen Multaq® ª neben anderen Antiarrhythmika als Erstlinientherapie zur Rhythmuskontrolle bei VHF-Patienten ohne oder mit minimaler struktureller Herzerkrankung ª als einzige Erstlinientherapie für VHF-Patienten mit Hypertonie und linksventrikulärer Hypertrophie ª nach Sotalol für VHF-Patienten mit koronarer Herzkrankheit Die Leitlinien weisen darauf hin, dass Multaq® bei folgenden VHF-Patienten nicht verschrieben werden darf: ª instabile hämodynamische Zustände ª bestehende oder in der Vergangenheit aufgetretene Herzinsuffizienz oder linksventrikuläre systolische Dysfunktion ª permanentes VHF (Dauer des VHF ≥6 Monate oder unbekannte Dauer, vom Arzt werden Versuche zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus nicht länger in Betracht gezogen) ª Leber- und Lungentoxizität in Zusammenhang mit vorheriger Einnahme von Amiodaron Die Aktualisierung der Leitlinien verdeutlicht die Stellung von Multaq® für eine Bandbreite von VHF-Patienten und bietet Ärzten eine zusätzliche Orientierung. „Dreiländertreffen Herzinsuffizienz“, Innsbruck, 27.–29.9.12

Quelle: Eur Hear J 2012;eurheartj/ehs253

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Entgeltliche Einschaltung

fahren“, informierte OA Dr. Christian Ebner, II. Interne Abteilung, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz. Eine Innovation gibt es auch bei der Mitralklappeninsuffizienz. Ebner: „Bei der Mitralklappenreparatur werden via Katheter die freien Enden des mittleren Abschnitts des vorderen und hinteren Mitralklappensegels mit einem speziellen Clip, dem MitraClip, verbunden und so die undichten Anteile der Mitralsegel abgedichtet“, so Ebner. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt und mittels Schlucksonden-Ultraschall überwacht. „Ein wichtiger Vorteil gegenüber der herkömmlichen Operation besteht darin, dass der Brustkorb nicht geöffnet und das Herz nicht stillgelegt werden muss und keine Herz-Lungen-Maschine notwendig ist“, so Ebner. Die Patienten können nach einem Tag die Intensivstation verlassen, nach einer herkömmlichen Operation erst nach drei Tagen bis einer Woche. „Aktuelle Studien zeigen, dass zwar die chirurgische Klappensanierung die Undichtheit etwas besser reduzieren kann, aber bei Patienten mit einem MitraClip weniger Komplikationen auftreten. Die Patienten waren in einem besseren klinischen Zustand, der Effekt auf die Herzleistung und die Belastbarkeit war eindeutig positiv“, unterstrich Ebner. Bisher wurden in Österreich knapp 100 Patienten mit dieser Methode behandelt, weltweit bisher rund 6.300 Patienten. In Österreich wird die Methode in vier Spitälern angeboten: dem Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, den Universitätskliniken in Innsbruck und in Wien sowie dem Wiener Krankenhaus Hietzing. In Zukunft ist der Einsatz auch in Graz, Salzburg und St. Pölten geplant.

Flimmerkasten


Interview

„Biologika sind ein Grund zur Begeisterung“

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Foto: Privat

Über die Ziele der heurigen Jahrestagung der

Produktion verschiedener Entzün­ CliniCum: Herr Prof. Graninger, das Österreichischen Gesellschaft für Innere Medungsmediatoren durch Leukozyten, Motto der diesjährigen ÖGIMdizin (ÖGIM) in Graz und ob er sie erreichen durch Endothelzellen, manchmal aber Jahrestagung lautete „Entzünkonnte, darüber sprach CliniCum mit dem auch durch das Parenchym der Organe dung und Immunität“. Worin liegt Kongresspräsidenten Univ.-Prof. Dr. Winfried und sehr oft durch mesenchymale Bin­ die Bedeutung dieser beiden Graninger, Leiter der Abteilung für Rheumatodegewebsstrukturen. Das charakteristi­ Themen? logie und Immunologie, Universitätsklinik für sche Merkmal der Entzündung ist, dass Graninger: Uns ging es darum, die Leis­ Innere Medizin, Graz. Von Dr. Michaela Steiner es sich um eine physiologische Reizant­ tungen und das Fortbildungs­angebot wort auf ein geringes Trauma oder auf aller mitveranstaltenden Fachgesell­ eine minimalinvasive Infektion handelt, die Bereitschaft zur Entzün­ schaften, die ja Teile der ÖGIM sind, miteinzubringen. Alle diese Un­ dungsreaktion wird aber auch durch andere, etwa endokrine Fakto­ tergesellschaften betreiben nicht nur wissenschaftliche Forschung, ren beeinflusst. Die Entzündung spielt eine große Rolle im Alltag, im sondern auch Fortbildung aus dem Bereich Innere Medizin. Auf allen täglichen Leben schützen uns Entzündungen – auch unspezifische – Gebieten der Inneren Medizin spielt die translationale Wissenschaft vor Aggression und helfen uns bei der Heilung. Ziel der Entzündung eine immer größere Rolle. Translational bezeichnet den Übergang ist das homöostatische Wiedererreichen des Status quo. Wenn eine zwischen Grundlagenwissenschaft, Tiermodell, Reagenzglas und der Entzündung außer Kontrolle gerät, wenn eine Entzündung nicht im­ klinischen Wirklichkeit. Das beginnt bei der Beobachtung von Krank­ stande ist, einen invasiven Mikroorganismus zu beherrschen, dann heitsmechanismen und reicht bis hin zur klinischen Prüfung bei der resultiert daraus eine Zerstörung des entsprechenden Organs. Erprobung neuer Substanzen. Einer der wesentlichsten translationa­ Natürlich weiß man heute, dass ein chronisch vor sich hin arbeiten­ len Inhalte stellt, neben dem Stoffwechsel, die Immunologie dar. Die­ der Immunprozess etwa an der Entstehung der koronaren Herz­ se spielt in der gesamten Homöostase des Körpers eine Rolle. Immu­ krankheit beteiligt ist. Das hat man früher nicht vermutet. Man ver­ nologisch mediierte, aber auch nicht spezifische Entzündungsvor­ sucht auch darauf einzugehen, obwohl natürlich auch auf interna­ gänge beeinflussen unser Denken und Fühlen, unsere Befindlichkeit. tionalen Kongressen gewisse Modeerscheinungen zu beobachten Sie wirken sich auf unseren Energiehaushalt und auf unseren Bewe­ sind. Zum Beispiel sind die Verknüpfungen „Entzündung und koro­ gungsapparat aus, und sie können in allen inneren Organen Entzün­ nare Herzkrankheit“ oder „Entzündung und Vitamin D“ derzeit Mo­ dungen und Störungen der Organfunktion hervorrufen. Ebenso kann de – im Englischen nennt man das „Hype“. Aber das ist gut so, weil eine Entzündung oder ein Immunpro­ das Thema dadurch im Gedächtnis der Ärzte bleibt. zess, der primär organspezifisch ist oder das ganze Immunsys­ Ein hervorragendes Beispiel für den therapeutischen Forttem betrifft, sich auf andere schritt stellen die Biologika dar. Sie haben gesagt „Biologika Organe auswirken und dort sind ein Grund zur Begeisterung“. Warum? Störungen verursachen. Rheumatologen sind Ärzte, die sich mit den entzündlich rheumati­ Dabei gibt es einheitliche schen Erkrankungen befassen, mit chronischer Arthritis, PsoriasisReaktionsmuster – daher Arthritis, Morbus Bechterew, reaktiver Arthritis, mit Kollagenosen sind Immunität und Ent­ und Systemerkrankungen wie etwa dem systemischen Lupus. Das zündung ein optimales Ge­ können sie jedoch nur, wenn sie auch über ein entsprechend breites neralthema, um einen fach­ immunologisches Wissen verfügen. Wir Rheumatologen haben fast übergreifenden Kongress für alle eine basiswissenschaftliche immunologisch-experimentelle Aus­ Innere Medizin zu gestalten. bildung, die wir dann im Verständnis am Menschen translational an­ wenden können. Wir haben das große Glück, dass wir seit etwa zehn Das Verständnis von EntzünJahren mit der Einführung der sogenannten Biologika eine neue Ära dung und Immunität hat sich in der therapeutischen Möglichkeiten eröffnen konnten. den letzten Jahren geändert? Heute ist es mit diesen biologisch hergestellten Eiweißmedikamenten Der Begriff Entzündung be­ möglich, ganz gezielt und rational Zielstrukturen zu hemmen oder zu zeichnet an sich einen stimulieren. Das war früher in der Weise nicht möglich, denn mit den normalen Reaktionsty­ konventionellen immunsuppressiven Mitteln – also mit Glukokorti­ pus im biologischen koiden, Azathioprin oder Endoxan – konnte man nur sehr breit das System, nämlich die


Immunsystem dämpfen. Dies birgt natürlich die Gefahr von Infektio­ nen, die dann auch wirklich entstehen. Biologika werden gezielt durch rekombinante Gentechnologie entwickelt. So blockieren und neutralisieren etwa die TNF­Blocker – monoklonale Antikörper – ganz gezielt den Entzündungsfaktor TNF­alpha und haben so eine „heilen­ de“ Wirkung auf die entzündeten Gelenke. Es kann auf diesem Weg nicht nur die Entzündung verbessert werden, sondern es wird auch die damit verbundene Zerstörung der Gelenke sehr stark hintange­ halten, wenn sie auch nicht rückgängig gemacht werden kann. Wir können auch zelluläre Strukturen des spezifischen Immunsys­ tems und des Immungedächtnisses schon an der Entstehung hem­ men, indem wir Kostimulationsblocker für die T­Lymphozyten ein­ setzen oder die B­Zell­Depletion in der Peripherie dazu benützen, Autoimmunerkrankungen in Schach zu halten. Ein weiterer Tagungsschwerpunkt war die klinische Relevanz der Inhalte, die Sie an die Ärzte bringen wollten. Ist Ihnen dies gelungen? Schön war es zu beobachten, dass die von den ÖGIM­Untergesell­ schaften bereitgestellten Programme sich fast durchgehend mit den Themen Infektion und Immunität auseinandergesetzt haben. Dabei wurden deren Auswirkungen auf die klinische Wirklichkeit und auf die Patienten direkt sowie die Medikation, die wir den Patienten dazu anbieten können, breit behandelt. Die Psychosomatik etwa geht heu­ te schon so weit, dass sie über die reine „Psychomechanistik“ und die Beratung hinaus naturwissenschaftlich feststellbare Effekte auf das Immunsystem anzubieten hat. Das Gebiet der Psychoneuroimmuno­ logie wird auch in die Innere Medizin eingeführt, sei es in der Gastro­ enterologie oder in der Rheumatologie – in der Onkologie ist sie oh­ nehin schon seit Längerem bekannt. Dafür gibt es viele Beispiele, von der Endokrinologie bis zum hohen Blutdruck, wo das Immunsystem entweder schon vorher bei der Entstehung der Erkrankungen hinein­ spielt oder nachher im Gefolge des Krankheitsprozesses geschädigt wird. Oder auch, dass Medikamente, die wir zur Behandlung einer Organdysfunktion verwenden, per se wieder immunologische Wir­ kungen haben. Auch Immundefizienzen sind immer wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Sie sind zwar selten, kom­ men aber nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen vor und müssen entsprechend detektivisch aufgespürt werden und kön­ nen dann substituiert werden. Sie haben auch eine Simulation einer Facharztprüfung aufgebaut. Was war der Zweck und wie war das Echo darauf? Wir haben als Serviceangebot für junge Kongressteilnehmer, die noch nicht die Facharztprüfung absolviert haben, und gleichzeitig als zum Schmunzeln geeignete Wissensüberprüfung für Ärzte, die schon län­ gere Zeit ihre Ausbildung abgeschlossen haben, die Simulation einer echten Facharztprüfung an einem Computersystem vorgenommen. Über 150 Ärzte nahmen daran teil, und man hat gesehen, dass das Wissen der älteren Kollegen gleich gut ist wie das der Jüngeren. Aller­ dings lag durch die Bank die Bestehensrate nur bei 60 Prozent. Welche Botschaft wollten Sie mit dem Kongress vermitteln? Die verschiedenen Subdisziplinen bilden zusammen die Innere Me­ dizin. Das Fach ist vielfältig, aber doch ein Sonderfach, welches das Wissen über verschiedene Organsysteme vereinigt. Wenn man auf ein Gebiet spezialisiert ist, ist es sehr gut, über den Tellerrand hinauszu­ schauen, um eine ganzheitliche optimale Betreuung unserer Patien­ ten zu erreichen. Als Beispiel für diese Einheit in der Vielheit ist es mit dem Motto „Entzündung und Immunität“ gelungen, die Verknüpfung der Subdisziplinen zum besten Versorgungsgrad der Patienten zu demonstrieren. Ich glaube, es ist uns gelungen, die Informationen von der Wissenschaft in die klinische Praxis hinüberzutragen und die Einigkeit der Internisten untereinander zu demonstrieren. y 10/12 CC

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Adalimumab (Humira ) ®

Meiste Sicherheitsdaten Kann bei rheumatoider Arthritis das Therapieziel unter Methotrexat nicht erreicht werden, empfehlen die Leitlinien Biologika – insbesondere TNF-Blocker. Einer Studie zufolge liegen für Adalimumab die umfangreichsten Daten zur Sicherheit vor.

• Häufigkeit und Art schwerwiegender Infektionen entsprach den für Adalimumab und andere TNFBlocker bereits bekannten Daten • Häufung von Malignitäten entsprach der Normalbevölkerung • Keine weitere Erhöhung des bei RA sui generis erhöhten Risikos für Lymphome • Melanomrate bei RA-Patienten nicht signifikant erhöht versus ­Allgemeinbevölkerung • Mortalität vergleichbar zur Allgemeinbevölkerung Aber auch die über diese Metaanalyse hinausgehenden Daten zur Erfahrung mit Adalimumab sind beeindruckend. So liegen mehr als 13 Jahre Erfahrung mit Adalimumab in klinischen Studien vor und derzeit erhalten mehr als 600.000 Patienten Adalimumab. Adalimumab wurde außerdem im August in der nun achten Indikation zugelassen (s. Tabelle): Adalimumab hat als erstes und einziges Biologikum die Zulassung für die nicht radiografische axiale Spondyloarthritis erhalten.  n 7

heitssymptomatik aus. Diese umfassende Krankheitskontrolle konnte für Adalimumab über zehn Jahre bei lang bestehender und acht Jahre bei früher RA nachgewiesen werden.

yy Die EULAR-Leitlinie 2010 empfiehlt bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) im Falle von mangelndem Erreichen des Therapieziels unter Methotrexat innerhalb eines Zeitraums von drei bis sechs Monaten entweder die Kombination mit einem zweiten DMARD (disease-modifying anti-rheumatic drug) oder – im Falle ungünstiger prognostischer Faktoren – die Gabe eines Biologikums, und hier in erster Linie eines TNF-Inhibitors. Innerhalb der Klasse der Biologika werden die TNF-Blocker nicht nur von den EULAR-Leitlinien hervorgehoben. Auch die im Frühling 2012 veröffentlichten Empfehlungen in „Arznei und Vernunft“ zur Therapie der RA legen beim Einsatz von Biologika insbesondere einen TNF-Inhibitor nahe. Erst nach einem nicht zufriedenstellenden Einsatz eines TNFInhibitors wird der Einsatz von anderen Biologika empfohlen.

5,6

7,8,10

Verträglichkeit und Sicherheit Noch deutlicher ist jedoch der Unterschied bezüglich der Anzahl vorliegender Daten zur Sicherheit zwischen den unterschiedlichen Biologika. Der Studie von Burmester et al. (2012) zufolge liegen für den TNF-Blocker Adalimumab die meisten Daten zur Verträglichkeit und die umfangreichsten Daten zur Sicherheit vor. In diese Metaanalyse sind Daten aus sechs verschiedenen Indikationen von 23.458 Patienten aus insgesamt 71 Studien eingeflossen, die Adalimumab bis zu zwölf Jahre lang erhalten haben. Dies entspricht einem Expositionszeitraum von 36.730 Patientenjahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie von Burmester zu Adalimumab sind: • Keine neuen Sicherheitshinweise zu berücksichtigen • Sicherheitsprofil entsprechend der Klasse der TNF-Inhibitoren

1

7

2

Umfassend wirksam

24

cl i n i c u m

1 Smolen JS, Landewé R, Breedveld FC et al., Ann Rheum Dis (2010). doi: 10.1136/ard.2009. 126532; 2 Arznei & Vernunft, Rheumatoide Arthritis, 1. Auflage Februar 2012; 3 Keystone EC et al., Arthritis Rheum. 2004;50:1400–1411; 4 Kremer J et al., Arthritis Rheum. 2011;63:609– 621; 5 Keystone EC et al., P2228, ACR 2011 (DE019); 6 Breedveld FC et al., THU0230, EULAR 2011 (PREMIER); 7 Burmester GR et al., Ann Rheum Dis 2012; doi:10.1136/annrheumdis-2011–201244; 8 Burmester GR et al., Ann Rheum Dis 2009;68:1863–1869. doi:10.1136/ ard.2008.102103; 9 AbbVie/Abbott Data on File; 10 FKI Humira®

Indikationen von Adalimumab und anderen Biologika RA

PA

Sp. a.

Mb. Crohn

Psoriasis

JIA

Cu

nr ax SpA

8 2003

8 2003

8 2006

8 2007

8 2007

8 2009

8 2012

8 2012

Etanercept2

8

8

8

8

8

Golimumab2

8

8

8

Infliximab2

8

8

8

Tocilizumab2

8

Rituximab2

8

Abatacept2

8

Adalimumab1

Certolizumab2

8

8

8 8 8

8

1 FKI Humira , 2 FKI jeweiliges Präparat RA=Rheumatoide Arthritis, PA=Psoriasisarthritis, Sp.a.=Spondylitis ankylosans, JIA=Juvenile idiopathische Arthritis, Cu=Colitis ulcerosa, nr ax SpA=nicht radiologische axiale Spondyloarthritis ®

CC10/12

Fachkurzinformation siehe Seite 40

3,4

10

Entgeltliche Einschaltung

Gründe für den empfohlenen Einsatz von TNF-Blockern gibt es mehrere. So liegt für TNF-Inhibitoren durchwegs ein höheres Maß an Evidenz in Bezug auf Daten zur Inhibierung der radiografischen Progression im Vergleich zu anderen Biologika („New MOAs“) vor. Der TNF-Inhibitor Adalimumab zeigte in der Studie DE019 in Kombination mit Methotrexat höhere ACR-Ansprechraten versus einer MethotrexatMonotherapie, als dies Tocilizumab bei einer ähnlichen Studienpopulation in der LITHE-Studie in Kombination mit Methotrexat erreichen konnte. Direkte Vergleiche zweier unabhängiger Studien sind nur begrenzt valide. Einen besonders hohen Standard gibt Adalimumab, das bereits seit 2003 in Österreich zugelassen ist, im Bezug auf die umfassende Krankheitskontrolle vor. Diese zeichnet sich durch eine Verbesserung in der klinischen, radiografischen und funktionellen Krank-

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Hypertonie

Was ist alles neu? Die Therapie der Hypertonie ist schon aufgrund der Häufigkeit der Erkrankung ein Dauerbrenner in der Inneren Medizin. In einem Symposium im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) in Graz wurde das Thema von österreichischen Top-Experten aus verschiedenen Blickwinkeln ­betrachtet. Von Dr. Norbert Hasenöhrl yy „Die Lebenserwartung ist in Österreich seit 1980 deutlich gestiegen, und das liegt vor allem an der Reduktion der kardiovaskulären Mortalität, die sich bei beiden Geschlechtern ungefähr halbiert hat“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Fasching, 5. Med. Abteilung, Wilhelminenspital, Wien. „Das wiederum scheint doch in einem beträchtlichen Ausmaß an der Reduktion der kardiovaskulären Risikofaktoren zu liegen – etwa ein Fünftel der gesamten Mortalitätsreduktion wird allein der Senkung des systolischen Blutdrucks zugeschrieben.“

Der ältere Hypertoniker Die meisten Hypertoniker benötigen eine Kombinationstherapie, wobei die Kombination eines AngiotensinRezeptorblockers (ARB) wie Olme­ sartan mit einem Kalziumantagonis­ ten wie Amlodipin zu den sinnvollen und empfohlenen Kombinationen gehört. Zur Versorgung der oft komorbiden Hypertoniker eignen sich insbesondere Fixkombinationen, die die Patientencompliance und somit die Einhaltung der Tabletteneinnahme wesentlich erhöhen. „Was die Blutdruck-Zielwerte angeht, so kommt man international immer mehr zu dem Schluss, dass bei Patienten über 80 Jahren ein Zielwert von unter 150/90mmHg ideal ist, bei Diabetikern eventuell 140/80mmHg“, ergänzte Fasching. „Was im Alter zählt, ist letztlich auch die Lebensqualität, die nicht zuletzt durch eine Minimierung von Arzneimittelnebenwirkungen aufrechterhalten wird.“ Entgeltliche Einschaltung

1

Diabetes und Hypertonie „Wir wissen heute, dass es enge Zusammenhänge zwischen Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2 und Hypertonie gibt, wobei hier die Insulinresis­ tenz eine zentrale Rolle spielt“, führte 10/12CC

Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz, aus. „Bei vielen Patienten mit metabolischem Syndrom oder Diabetes mellitus kommt es frühzeitig zu einer Überaktivierung des sympathischen Systems, was die Entwicklung einer Hypertonie begünstigt“, so Toplak. Einer der Mechanismen für die Entstehung dieser Hypertonie ist die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems. Umgekehrt haben adipöse Hypertoniker auch höhere Insulinspiegel als adipöse Normotoniker. Ein Thema ist sicherlich die Stoffwechselwirkung mancher Antihypertensiva. In der OLAS-Studie (Olmesartan/amlodipine vs olmesartan/hydrochlorothiazide in hypertensive patients with metabolic syndrome: the OLAS study. Martinez-Martin et al., J Hum Hypertens 2011;25(6):346–353) wurden die Kombinationen Olmesartan/Amlodipin und Olmesartan/Hydrochlorothiazid (HCT) bei Patienten mit metabolischem Syndrom verglichen. Die Kombination Olmesartan/ Amlodipin zeigte ein signifikant geringeres Risiko für das Neuauftreten von Diabetes und reduzierte zudem die Insulinresistenz und verschiedene Entzündungsparameter signifikant stärker als Olmesartan/HCT. Da bekannt ist, dass viele Patienten auch unter einer antihypertensiven Zweierkombination das Blutdruckziel nicht erreichen, wurde in der TRINITY-Studie (Triple therapy with olmesartan medoxomil, amlodipine besylate, and hydrochlorothiazide in adult patients with hypertension: The TRINITY multicenter, randomized, double-blind, 12-week, parallelgroup study. Oparil S et al., Clin Ther 2010;32(7):1252–1269) die Dreierkombination des ARB Olmesartan mit dem Kalziumantagonisten Amlodipin und dem Thiaziddiuretikum 1

1 Die Kombination von Olmesartan und Amlodipin ist u.a. als Sevikar® von Daiichi Sankyo in Österreich im Handel. 2 Die Dreierkombination von Olmesartan, Amlodipin und HCT ist u.a. als Sevikar HCT® von Daiichi Sankyo in Österreich im Handel.

2

HCT untersucht. In dieser multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Parallelgruppenstudie wurde die Kombination Olmesartan 40mg, Amlodipin 10mg und HCT 25mg mit den Zweierkombinationen Olmesartan/Amlodipin, Olmesartan/HCT und Amlodipin/HCT (die Einzelkomponenten jeweils in derselben Dosierung wie in der Dreierkombination) verglichen. Teilnehmer waren 2.492 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Hypertonie. „Es zeigte sich, dass die Dreierkombination signifikant wirksamer war als die Zweierkombinationen“, kommentierte Toplak. Von Bedeutung ist zweifellos die Tatsache, so Toplak, dass – wie eine Subgruppenanalyse zeigte (Efficacy and safety of triple-combination therapy with olmesartan, amlodipine, and hydrochlorothiazide in study participants with hypertension and diabetes: a subpopulation analysis of the TRINITY study. Chrysant et al., J Am Soc Hypertens 2012; 6(2):132–141) – die Diabetiker, die etwa 15 Prozent der Studienpopulation ausmachten, in der TRINITY-Studie genauso gut abschnitten wie die Nichtdiabetiker.

Highlights vom ESC-Kongress „Eines der auf die Hypertonie bezogenen Highlights am Europäischen Kardiologenkongress ESC war sicherlich die Feststellung, dass die 24h-Blutdruckmessung von essenzieller Bedeutung ist, um die Blutdruckeinstellung zu kontrollieren, weil die Übereinstimmung der 24h-Blutdruckmessung mit dem in der Ordination gemessenen Blutdruck erschreckend schlecht ist“, erklärte Univ.-Doz. Dr. Thomas Weber, Abteilung für Innere Medizin II, Klinikum Wels-Grieskirchen. Ein weiteres Highlight stellte ein von französischen Ärzten entwickelter Fragebogen dar, mit dem sich mittels sechs Fragen ein gutes Bild der Patientenadhärenz gewinnen lässt. „Was schließlich die resistente, also auch mit drei oder mehr gut dosierten Medikamenten nicht einstellbare Hypertonie angeht, so wurde gezeigt, dass diese Patienten, rund 18 Prozent aller Hypertoniker, eine signifikant höhere Rate an kardiovaskulären Ereignissen aufweisen“, ergänzte Weber. n „ESC-Hypertonie-Update 2012“, Symposium der Fa. Daiichi Sankyo im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM), Graz, 20.9.12

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Gerinnungshemmung

Orale Antikoagluation in Bewegung Die neuen Antikoagulanzien haben die Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Nun befindet sich eine neue Substanz mit einigen Besonderheiten in einer großangelegten Zulassungsstudie. Von Reno Barth

Neue Strategien Innovative Strategien in der Gerinnungshemmung waren daher gefragt und stehen nun seit einiger Zeit in Form der Neuen Oralen Antikoagulanzien (New Oral Anticoagulants, NOACs) zur Verfügung. Diese richten sich entweder direkt gegen das Thrombin oder gegen den Faktor Xa, der die Umwandlung von Prothrombin in Thrombin auslöst. Gegen das Thrombin gerichtet ist etwa der direkte Thrombin-Inhibitor Dabigatran. Camm: „Die Inhibition von Faktor Xa ist eine interessante Alternative, da dieser Faktor weniger Aufgaben hat als das Thrombin. Durch seine Hemmung wird also ein selektiverer Eingriff in die Gerinnungskaskade möglich, was sich in besserer Veträglichkeit

26

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äußern sollte.“ Während für die FaktorXa-Inhibitoren Rivaroxaban und Apixaban bereits Zulassung besteht, befindet sich das in Japan zugelassene Edoxaban gegenwärtig in Phase-IIIStudien, die die Basis für eine europäische Zulassung bilden sollen.

Edoxaban „Ungeachtet der guten Möglichkeiten oraler Antikoagulation sind viele Patienten mit Vorhofflimmern und hohem Schlaganfallrisiko untertherapiert“, kommentiert Prof. Dr. Hein Heidbüchel, Universitätsspital Leuven, Belgien. Es bestünde daher dringender Bedarf an wirksamen, verträglichen oralen Antikoagulantien mit großem therapeutischem Fenster, deren Wirkung rasch einsetzen und auch wieder abfallen sollte. Weitere Wünsche an das ideale Antikoagulans wären minimales Blutungsrisiko und das Fehlen von Arzneimittelinteraktionen. Edoxaban ist ein guter Kandidat für dieses Anforderungsprofil. Es erreicht aus der Gruppe der FaktorXa-Inhibitoren am schnellsten die maximale Plasmakonzentration, und es hat mit acht bis zehn Stunden die kürzeste Halbwertszeit.

Praktische Relevanz

ENGAGE AF-TIMI 48 Wirksamkeit und Sicherheit von Edoxaban in der Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern werden gegenwärtig in der doppelblinden, randomisierten, multinationalen Studie ENGAGE AF-TIMI 48 untersucht. Mit 21.105 eingeschlossenen Patienten ist sie die bisher größte Outcome-Studie zu dieser Indikation. Abgesehen von der Größe der Studienpopulation weist auch das Studiendesign eine

„The New Era of Oral Anticoagulation“, Symposium der Firmen Daichi-Sankyo und Menarini im Rahmen des Annual Congress of the European Society of Cardiology (ESC), München, 28.8.12

Prof. Dr. Robert Giugliano, Brigham and Women’s Hospital, Boston, USA, unterstrich die Einzigartigkeit und praktische Relevanz der flexiblen Dosierung von Edoxaban in der Zulassungsstudie. Die Stratifizierung erfolgt nach dem CHADS2-Score (2–3 vs. 4–6) sowie der erhöhten Medikamentenexposition. „Damit ist ENGAGE AF-TIMI 48 die erste große Studie in dieser Indikation, in der Rücksicht auf Patienten mit einem Risiko von Überexposition genommen wird. Auch eine Reduktion der Dosis auf 15mg ist möglich. Als gefährdet betrachtet werden Patienten mit eine Kreatinin-Clearance von 30–50mUmin, einem Körpergewicht unter 60kg oder konkomitanter Einnahme von Verapamil, Quinidin oder Dronedaron.  n CC10/12

Entgeltliche Einschaltung

yy „Sowohl extensive epidemiologische Evidenz als auch robuste Daten aus klinischen Studien zeigen, dass Schlaganfälle und Thromboembolien infolge von Vorhofflimmern mit oralen Antikoagulantien verhindert werden können“, sagte Prof. Dr. John Camm, St. George’s University, London,UK, im Rahmen des ESCKongresses in München. Über mehr als 60 Jahre war das die Domäne der Vitamin-K-An­tagonisten, die eine Risikoreduktion von 60 bis 70 Prozent in der Primär- und Sekundärprävention möglich machten, was sich in einer um rund 25 Prozent reduzierten Mortalität niederschlug. Die Nachteile dieser Substanzen liegen in ihrem kleinen therapeutischen Fenster, dem Bedarf an genauen Gerinnungsmonitoring sowie dem Interaktionspotenzial mit anderen Medikamenten und sogar Nahrungsmitteln.

Reihe von Besonderheiten auf. Edoxaban wird nämlich in der laufenden Phase-III-Studie in zwei verschiedenen Dosierungen (30 und 60mg, je einmal täglich) im Vergleich zu Warfarin untersucht. Dies ist insofern unüblich, als in der Regel für Zulassungsstudien eine einzige Dosis gewählt wird, dabei jedoch praxisnäher als in der klinischen Realität häufig flexible Dosierungen notwendig sein dürften, um die Balance zwischen Wirksamkeit und Risiken im Sinne einer erhöhten Blutungsneigung zu finden. Der primäre Endpunkt von ENGAGE AF-TIMI 48 ist das kombinierte klinische Ergebnis von Schlaganfällen und sys­temischen Embolien. Darüber hinaus werden auch diverse Sicherheits­endpunkte wie natürlich das Blutungsrisiko untersucht. Die Studie wurde so angelegt, dass jederzeit eine spezifische Dosisreduktion bei Patienten möglich ist, bei denen ein besonderes Blutungsrisiko angenommen wird. Im Rahmen eines umfangreichen Phase-II-Dosisfindungsprogramms hatte sich gezeigt, dass Edoxaban in den Dosierungen 30 und 60mg einmal täglich zu einem deutlich geringeren Blutungsrisiko führt als 30 und 60mg zweimal täglich. Dies ist insofern bemerkenswert, als 30mg zweimal täglich von der eingenommenen Menge her ja genau 60mg einmal täglich entsprechen. Dennoch wurde unter der zweimal täglichen Einnahme ein signifikant höheres Blutungsrisiko beobachtet und in der Phase III daher der Einmaldosierung der Vorzug gegeben (Weitz et al., Thromb Haemost 2010; 104:633–41).


Hypertonie

In Kombination gegen den hohen Blutdruck Die in den Guidelines empfohlenen Blutdruckzielwerte lassen sich bei einer Mehrheit der Patienten nicht mit einer Monotherapie erreichen. Wirksame, gut verträgliche Kombinationstherapien sind daher gefragt. Von Reno Barth

lässt sich das Blutdruckziel von 140/90mmHg nur bei einer Minderheit der Patienten mit einer Substanz erreichen. Kombination von drei oder mehr Antihypertensiva sind eher die Regel als die Ausnahme. Olmesartan hat sich auch in der Kombinationstherapie als hochwirksam erwiesen. So wurde die Dreierkombination von Olmesartan (OM), Amlodipin (AML) und Hydrochlorothiazid (HCTZ) in den beiden großen Studien TRINITY und BP-CRUSH untersucht.

yy Die verschiedenen in der Therapie der Hypertonie eingesetzten Medikamente unterscheiden sich, so Dr. Vivencio Barrios, Hospital Ramón y Cajal, Madrid, Spanien, deutlich im Hinblick auf ihre Wirksamkeit. Dies gilt auch innerhalb der einzelnen Wirkstoffklassen. So zeigte ein unabhängiger Vergleich verschiedener Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) stark unterschiedliche Wirksamkeit im Hinblick auf die Blutdrucksenkung. Olmesartan erwies sich in dieser Untersuchung mit einer Reduktion des systolischen Blutdrucks um mehr als 12mmHg als am besten wirksam (Fabia et al., J Hypertension 2007; 25:1327–1336).

TRINITY

Entgeltliche Einschaltung

Faktor Adhärenz Da Adhärenz eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Therapie ist, sollte auch dieser Aspekt bei der Wahl des Antihypertensivums berücksichtigt werden. Auch in dieser Hinsicht zeigen Untersuchungen ausgeprägte Unterschiede zwischen den einzelnen Medikamenten der verschiedenen Substanzklassen. Bei den ARBs liegt die jährliche Therapieabbruchrate meist unter zehn Prozent, wobei lediglich Losartan schlechter abschneidet. Die besten Werte hat auch in dieser Hinsicht Olmesartan. Bei den ACE-Hemmern liegen die Abbruchraten der meisten Substanzen über zehn Prozent, nur Zofenopril und Ramipiril schneiden besser ab (Mancia et al., J Hypertens 2011; 29:1012– 1018). Barrios: „Zu bedenken ist aber auch, dass sich die Therapie nicht nur an der Blutdrucksenkung orientieren sollte. Komorbiditäten und zusätzliche Risikofaktoren können ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko haben.“ Leider 10/12CC

1 Die Kombination von Olmesartan, Amlodipin und Hydrochlorthiazid ist u.a. als Sevikar HCT® von Daiichi Sankyo in Österreich im Handel. 2 Die Kombination von Olme­sartan und Amlodipin ist u.a. als Sevikar® von Daiichi Sankyo in Österreich im Handel. 3 Die Kombination von Olmesartan und Hydrochlorthiazid ist u.a. als Olmetec Plus® von Daiichi Sankyo in Österreich im Handel.

Die Fragestellung der randomisierten, multizentrischen, doppelblinden TRINITY-Studie war der Vergleich der Dreierkombination OM, AML und HCTZ mit den verschiedenen Zweierkombinationen dieser Substanzen. Dabei wurden auch unterschiedliche Dosierungen getestet. OM 40mg/ 1 AML 10mg/HCTZ 25mg wurde ver2 glichen mit OM 40mg/AML 10mg als Fixkombination, OM 40mg/HCTZ 3 25mg als Fixkombination sowie AML 10mg/HCTZ 25mg. Mit einem mittleren Blutdruck von 168,5/100,9mmHg zu Studienbeginn und zahlreichen Komorbiditäten war das Patientenkollektiv von TRINITY ein relativ krankes. Die Studie zeigte, dass unter der Dreierkombination ein höherer Anteil der Patienten das Ziel von <140/90mmHg erreichte (69,9 vs. 52,9, 53,4 bzw. 41,1 Prozent). In allen drei Armen wurde die Therapie gut vertragen (Opari et al., Clin Ther 2010; 32:1252–1269).

BP-CRUSH Im Gegensatz zu TRINITY handelte es sich bei BP-CRUSH um eine offene Studie, die die Einstellung unter Mo-

notherapie unkontrollierter Hypertoniker auf das empfohlene Blutdruckziel von <120/70mmHg unter einer Kombination von AML 5mg/OM 20mg untersuchte. In Abständen von vier Wochen wurden die Patienten bis zum Erreichen des Ziels auf AML 5mg⁄OM 40mg bzw. AML 10/OM 40mg auftitriert. Wenn das nicht ausreichte, wurde HCTZ zugefügt und weiter auf AML 10mg⁄OM 40mg/HCTZ 12,5mg und schließlich AML 10mg⁄OM 40mg/ HCTZ 25mg titriert, um ein Blutdruckziel von <125⁄75mmHg zu erreichen. Der primäre Studienendpunkt war der kumulative Anteil der Patienten, die auf einen Blutdruck <140mmHg (<130mmHg für Diabetespatienten) kamen. Nach zwölf Wochen erreichten 75,8 Prozent des Kollektivs diesen Wert. Nach 20 Wochen zeigten 90,3 Prozent der Patienten einen Blutdruck <140⁄90mmHg (Weir et al., J Clin Hypertens 2011; 13:404–412). Eine Extension dieser Studie zeigte, dass nach 54 Wochen alle Patientengruppen – also sogar bei sehr ungüns­ tigen Ausgangswerten – unter der Dreierkombination den systolischen Zielwert von <140mmHg erreichten (Volpe et al., J Hypertens 2012; 30 (Suppl A):e278).

Verbesserte Adhärenz Im Sinne einer verbesserten Adhärenz sind jedoch Kombinationspräparate, die mehrere Wirkstoffe in einer Pille enthalten, wünschenswert, wie Prof. Dr. Massimo Volpe, Universität La Sapienza, Rom, betonte.  n „Hypertension Care: Controlling hypertension in the cardiovascular setting“, Symposium der Firmen Daichi-Sankyo und Menarini im Rahmen des Annual Congress of the European Society of Cardiology (ESC), München, 26.8.12

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Bemiparin (Ivor , Ivorat ) ®

®

„Effiziente Prophylaxe“ Mit Bemiparin steht ein wirksames und gut verträgliches niedermolekulares Heparin für Prophylaxe und Therapie von Thrombosen zur Verfügung. CliniCum sprach mit MR Dr. Rudolf Widhalm, Vorstand der Orthopädischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten, über seine Erfahrungen.  Von Dr. Michaela Steiner

Welche Patienten fallen in Ihrem Fachgebiet in die Hochrisiko­ gruppe?

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Warum entsteht bei den genann­ ten Hochrisikooperationen eher eine tiefe Venenthrombose? Diese Operationen finden in Bereichen statt, in denen die Venen ein größeres Kaliber aufweisen. Die Gewebeschwellung und die Immobilisierung in der postoperativen Phase begünstigen dort die Bildung von größeren Thrombosen. Also ein mechanisches Problem? Nicht nur, denn es kommt bei jeder Operation durch die Reparationsvorgänge im Zuge des Heilungsprozesses zu einer Aktivierung von Thrombozyten, und das fördert natürlich auch die Thrombosebildung. Welche Risikofaktoren begüns­ tigen die Entwicklung einer tie­ fen Venenthrombose? Zu den Faktoren mit hohem Risiko gehören als wichtigste eine bereits stattgehabte tiefe Venenthrombose bzw. Pulmonalembolie sowie maligne Erkrankungen. Ein hohes Risiko können auch bestimmte angeborene Blutge-

rinnungsstörungen, die eine Hyperkoagulabilität bedingen, aufweisen. Als weitere Risikofaktoren sind höheres Alter zu nennen, chronische Herzinsuffizienz und Zustand nach Herzinfarkt, erhöhte Homozysteinkonzentrationen, die Einnahme von oralen Kontrazeptiva oder eine Hormonersatztherapie sowie starkes Übergewicht und akute Infektionen mit Immobilisation. Auf Basis von Daten der Statis­ tik Austria nehmen stationär behandelte Pulmonalembolien in Österreich in der Altersgruppe der ab 70-Jährigen im Vergleich zu den 50- bis 59-Jährigen um 152 Prozent zu.* Warum erhöht sich das Risiko einer tiefen Venenthrombose mit dem Alter? Zum einen reduziert sich mit zunehmendem Alter die Mobilität allgemein, und auch der Muskeltonus nimmt ab. Auch die Gefäßwände und Venenklappen unterliegen einem Alterungsprozess, der das Thromboserisiko steigert. Darüber hinaus kommt es im Alter zu einer Erhöhung zirkulierender Spiegel thrombophiler Plasmamarker, wie z.B. PAI-1-Störungen im Wasserhaushalt, wie die verminderte Fähigkeit der alternden Niere zur Harnkonzentration, ein veränderter zerebraler Durstreflex und dadurch entstehende Dehydratation und Hyperviskosität im venösen Strombett begünstigen zusätzlich die Bildung von Thrombosen. Dazu kommt die Multimorbidität älterer Menschen, das heißt z.B. ein häufigeres Vorliegen einer malignen Erkrankung oder einer Herzinsuffizienz. Umgekehrt ist es so, dass besonders Operationen im Hüft- und Kniebereich oft ältere Menschen betreffen, bei denen die Thromboseprophylaxe eine besondere Bedeutung gewinnt. CC10/12

Foto: Privat

Das Risiko für eine tiefe Venen­ thrombose ist jedoch nicht für alle Patienten gleich, oder? Das ist richtig. Grundsätzlich wird zwischen drei Patientengruppen unterschieden: Patienten mit niedrigem Risiko, mit mittlerem Risiko und solchen mit hohem Risiko für eine tiefe Venenthrombose bzw. für eine Pulmonalembolie. In der Hochrisikogruppe etwa liegt das Risiko für eine distale tiefe Venenthrombose bei 40 bis 80 Prozent und das Risiko für eine tödliche Lungenembolie bei über ein Prozent. Tiefe Venenthrombosen müssen daher sehr ernst genommen werden.

Widhalm: „Die Wirksamkeit von Bemiparin wurde an über 11.000 Patienten in klinischen Studien nachgewiesen.“

Im Bereich der Orthopädie sind Hüftund Knieendoprothetik als Hochrisikooperationen einzustufen, ebenso größere Eingriffe im Beckenbereich oder im Bereich der Wirbelsäule. Eine arthroskopische Kniegelenksoperation, aber auch eine gelenkübergreifende Immobilisierung durch einen Gipsverband, etwa in der postoperativen Phase, bedingt ein mittleres Risiko für eine tiefe Venenthrombose. Kleine operative Eingriffe, wie z.B. eine Vorfußoperation ohne Immobilisation, fallen in die Gruppe mit niedrigem Risiko. Das Thromboembolierisiko ist jedoch auch von weiteren erworbenen Risikofaktoren wie etwa Alter und Erkrankungen abhängig.

Entgeltliche Einschaltung

CliniCum: Herr Prim. Widhalm: Wie hoch ist die Prävalenz von Bein­ venenthrombosen? Widhalm: Die Prävalenz von tiefen Beinvenenthrombosen nach Hüftoder Knieprothesenoperationen liegt bei etwa zehn Prozent. Rechnet man die asymptomatischen Fälle dazu, so sind es 40 bis 80 Prozent. Und etwa ein bis zwei von hundert Patienten erleiden eine Pulmonalembolie während eines Spitalsaufenthalts aufgrund einer tiefen Beinvenenthrombose. Fatale Pulmonalembolien treten bei 0,4 Prozent auf. Allerdings ist zu bedenken, dass bei 80 Prozent der tödlichen Lungenembolien vorher klinisch keinerlei Anzeichen einer Thrombose bestehen. Diese Zahlen betreffen die Inzidenz ohne Thrombosepropylaxe. Ein postthrombotisches Syndrom entsteht nach einer distalen tiefen Beinvenenthrombose bei einem Drittel der Patienten, nach einer proximalen tiefen Venenthrombose bei etwa der Hälfte der Patienten


Welche Kosten verursachen ve­ nöse Thromboembolien? Die Therapie einer venösen Thromboembolie kostet bis zu 80.000 Euro. Insgesamt werden in den westeuropäischen Ländern dafür 600 bis 900 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben. Welche Methoden der Thrombo­ seprophylaxe gibt es generell? Zunächst kommen als Basismaßnahmen Frühmobilisation und Bewegungsübungen zum Einsatz. Dabei spielt die Frühmobilisation eine ganz wesentliche Rolle. Es ist besser, dem Patienten mehr Schmerzmittel zu verabreichen, damit er früher aus dem Bett aufstehen und sich bewegen kann. Diese Basismaßnahmen sollten bei allen Patienten nach einer Operation durchgeführt werden. Darüber hinaus erfolgt bei Patienten mit mittlerem und hohem Risiko eine Kompressionsbehandlung, also das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Wenn bereits eine geringe Symptomatik besteht, dann muss diese Kompressionsbehandlung mit stärkeren Strümpfen durchgeführt werden. Bei Patienten mit mittlerem und hohem Thromboserisiko muss zusätzlich eine medikamentöse Thromboseprophylaxe durchgeführt werden. Bei geringstem Verdacht auf eine Beinvenenthrombose wird an unserem Zentralröntgen eine UltraschallDoppler-Untersuchung der Beinvenen veranlasst. Sollte dabei eine Thrombose nachgewiesen werden, kommen eine medikamentöse Therapie, etwa mit dem niedermolekularen Heparin Bemiparin, sowie ein Fischerverband zur Anwendung. Welche Medikamente stehen für die Thromboseprophylaxe zur Verfügung? Grundsätzlich stehen im Rahmen einer Operation Heparine zur Verfügung, wobei sich heute die niedermolekularen Heparine gegenüber dem unfraktionierten Heparin durchgesetzt haben. Eine relativ rezente Entwicklung stellt der Einsatz der neuen oralen Antikoagulanzien dar. Bei diesen besteht ein Problem allerdings darin, dass sie einen stärkeren thrombolytischen Faktor aufweisen, der die Wundheilung verzögern kann. Dadurch sind die niedermolekularen Heparine vor allem in der Anfangsphase – also in den ersten Tagen nach der Operation – diesbezüglich als eine Spur sicherer einzustufen. Aller10/12CC

dings treten wirklich bedrohliche Blutungen bei den oralen Antikoagulanzien nicht häufiger auf als bei den parenteral verabreichten Substanzen. Wann ist eine medikamentöse Thromboseprophylaxe indiziert? Bei jeglicher Operation an der unteren Extremität. Es unterscheiden sich lediglich die Dosierung und auch die Dauer je nachdem, ob der Patient ein hohes Thromboembolierisiko hat oder nicht. Bei Begleiterkrankungen, die es ja auch in der Orthopädie gibt, z.B. eine pathologische Fraktur bei einer Krebserkrankung, ist selbstverständlich auch eine medikamentöse Thromboseprophylaxe durchzuführen. Diese ist bei der statistisch höheren Rate an Embolien im Rahmen von malignen Erkrankungen umso wichtiger.

* Statistik Austria: Stationäre Aufnahmen Pulmonalembolie Österreich, 2008 bis 2010, Spitalsentlassungsstatistik Diagnose-ICD104-Steller nach Berichtsjahr und Geschlecht nach Alter für Entlassungsfälle, Wohnstaat Österreich, Erstellungsdatum 24.2.12

Wie wird bei orthopädischen Operationen die medikamentö­ se Thromboseprophylaxe in der Praxis durchgeführt? Niedermolekulare Heparine werden bereits präoperativ begonnen. Lediglich mit Bemiparin kann auch sechs Stunden postoperativ begonnen werden. Die subkutane Injektion wird nach der Entlassung des Patienten vom Patienten selbst weitergeführt. Der Patient hat noch während des stationären Aufenthalts die Möglichkeit, die Technik von den Krankenschwestern genau zu lernen und unter Anweisung der Schwestern selbst durchzuführen. Wie lange ist die medikamen­töse Thromboseprophylaxe durchzu­ führen? Bei einer Endoprothetik am Bein ist eine Prophylaxe von sechs Wochen postoperativ indiziert. Bei sonstigen Mittel- und Niedrigrisikooperationen

Bemiparin (Ivor®, Ivorat®) Bemiparin ist ein niedermolekulares Heparin, das als Fertigspritzen mit unterschiedlichen Dosen von Anti-Xa-Einheiten erhältlich ist. Ivor® 2.500IE ist zur Prophylaxe von Thromboembolien bei Patienten zugelassen, die sich allgemeinen chirurgischen Eingriffen unterziehen. Ivor® 3.500IE ist zur Prophylaxe von Thromboembolien bei Patienten zugelassen, die sich orthopädischen chirurgischen Eingriffen unterziehen. Die Fertigspritzen von Ivor® in den Dosierungen 2.500IE und 3.500IE sind in den Packungsgrößen

erfolgt die medikamentöse Thromboseprophylaxe über zumindest zehn bis 14 Tage. Eine verlängerte Prophylaxe wird je nach Grunderkrankung und Art des Eingriffs empfohlen – nämlich bis zur vollen Mobilität. Was sind konkret die Vorteile und Einsatzgebiete von Bemiparin? Bemiparin ist ein niedermolekulares Heparin, das zur Thromboseprophylaxe nach allgemeinen chirurgischen oder orthopädisch chirurgischen Eingriffen eingesetzt wird. In der Thrombosetherapie wird Bemiparin zur Therapie von manifesten tiefen Venenthrombosen während der Akutphase angewendet. Die Anwendung erfolgt in der Prophylaxe und Therapie einmal täglich, denn die Halbwertszeit von 5,3 Stunden garantiert einen sicheren 24-Stunden-Schutz. Bemiparin zeichnet sich durch eine achtfach höhere antithrombotische Wirksamkeit im Vergleich zur Blutungsneigung aus. Die Wirksamkeit von Bemiparin wurde an über 11.000 Patienten in klinischen Studien nachgewiesen. Bemiparin weist eine sehr gute Verträglichkeit auf, besonders auch in der Risikogruppe älterer Patienten. In einer doppelblinden randomisierten Studie traten unter Therapie mit Bemiparin im Vergleich zu Enoxaparin signifikant weniger lokale Reaktionen an der Injektionsstelle auf. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der postoperativen Verabreichung, wodurch das Blutungsrisiko bei rückenmarksnahen Anästhesien deutlich reduziert wird. Aufgrund der postoperativen Verabreichung ist eine stationäre Aufnahme des Patienten erst am Tag der Operation notwendig. Nicht zuletzt weist Bemiparin ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis auf. n

zu sechs und zehn Stück aus der grünen Box verordenbar. Am Tag des operativen Eingriffs ist Ivor® zwei Stunden vor oder sechs Stunden nach der Operation subkutan zu verabreichen; an den darauf folgenden Tagen einmal täglich. Ivorat® 5.000IE (bis 50kgKG), 7.500IE (51 bis 70kgKG) und 10.000IE (71 bis 100kgKG) ist zur Therapie manifester tiefer Venenthrombosen während der Akutphase zugelassen. Die Fertigspritzen von Ivorat® sind in den oben erwähnten Dosierungen in Packungen zu jeweils sechs Stück aus der gelben Box (RE1) verordenbar. Die Verabreichung erfolgt einmal täglich subkutan.

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C

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Colidimin® wird nicht resorbiert*, ist daher besonders gut verträglich und wirkt ausgezeichnet bei unkomplizierten DivertikelErkrankungen.

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* < 0,4 % (lt. Colidimin-Fachinformation) Fachkurzinformation siehe Seite 41


thema Strukturmodell von Interleukin-22

32 Virale Gastroente­ ritiden und nicht virale Hepatopa­ thien als häufige Probleme in der klinischen Praxis 34 Therapeutisches Vorgehen bei Coli­ tis ulcerosa in Ab­ hängigkeit von Be­ fallsmuster und Schweregrad der Erkrankung

Kontrollelement für Tumorgenese bei CED

Abbildung: Boghog2/Wikipedia

Patienten mit einer chronisch entzündeten Darmschleimhaut weisen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Dickdarmkrebs auf, der 95 Prozent aller bösartigen Darmtumoren ausmacht. Wissenschaftler des Universitätsklinikums HamburgEppendorf und der Yale University School of Medicine konnten nun einen Faktor identifizieren, der verhindern kann, dass sich aus einer chronischen Darmentzündung ein Tumor entwickelt. Zellwachstum und Bildung neuer Blutgefäße sind Prozesse, die nicht nur bei der Wundheilung ablaufen, sondern auch bei der Tumorentstehung eine Rolle spielen. Die Hypothese, dass bei diesen beiden Prozessen dieselben Faktoren und Signalwege beteiligt sind, wurde durch die vorliegende Studie untermauert. Demnach ist bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) das Verhältnis des Botenstoffs Interleukin-22 (IL-22) und seines körpereigenen Hemmstoffs Interleukin-22 binding-protein (IL-22 BP) für den Erfolg der Wundheilung verantwortlich. IL-22 ist ein Botenstoff von Immunzellen: er nimmt eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Krankheitserregern ein und regt die Reparatur der Darmschleimhaut an. 10/12CC

In hoher Konzentration begünstigt IL-22 die Entstehung von CED und sogar Krebs. IL-22 BP, ein löslicher Rezeptor, kontrolliert diese Effekte, wobei IL-22 seine Wirkung verliert, sobald er an seinen löslichen Rezeptor IL-22 BP bindet. Für ihre Studie generierten die Wissenschaftler Mäuse, die entweder keinen löslichen Rezeptor IL-22 BP oder kein IL-22 bildeten, sowie Mäuse, denen beide Faktoren fehlten. Dabei zeigte sich, dass Il-22 je nach Phase der Wundheilung unterschiedliche Rollen spielt: Am Anfang zeigte sich ein günstiger Effekt – die Zellen der Darmschleimhaut wurden zur Vermehrung angeregt und die Wundheilung wurde unterstützt. Später jedoch fördert IL-22 die Tumorbildung, sofern es nicht von seinem löslichen Rezeptor IL-22 BP neutralisiert wurde. Die Forscher folgern daraus, dass IL-22 BP ein wichtiges Kontrollelement für IL-22 darstellt. Es verhindert, dass bei Mäusen mit einer CED Reparaturvorgänge im Darm zur Entstehung von Tumoren führen. Huber S et al., IL-22BP is regulated by the inflammasome and modulates tumorigenesis in the intestine, Nature 2012, Epub 2012 Oct 17; doi 10.10038/nature 11535

Gastroenterologie

Inhalt

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Gastroenterologische Problematiken

Magen, Darm und Leber Virale Gastroenteritiden und nicht virale Hepatopathien stellen häufige Probleme in der klinischen Praxis dar. Pragmatisches Vorgehen hilft Ärzten und Patienten.

nnVirale Gastroenteritis

Vorträge im Rahmen der 43. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM), Graz, 21.9.12

„Viren sind als Auslöser einer Gastroenteritis führend“, erklärt Dr. Thomas Valentin, Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten, Universitätsklinik für Innere Medizin, MedUni Graz. Von Bedeutung dabei sind vor allem Adenoviren, Caliciviren (Norovirus, Sapovirus), Rotaviren und Astroviren. Andere Viren wie etwa das HI-Virus können sekundär im Gastrointestinaltrakt aktiv werden. Eine virale Gastroenteritis beginnt zumeist plötzlich, es findet sich üblicherweise kein Blut im Stuhl, und der Durchfall ist meist wässrig ohne Schleimbeimengung. „Zudem lässt sich vor allem bei jungen Patienten häufig ein hoher Leidensdruck feststellen“, so Valentin. Zu den Indikationen für eine weitere Abklärung bei Diarrhoe siehe Infokasten. Das Vorgehen in der Praxis besteht darin, zunächst den Grad der Dehy-

Diarrhoe: Indikationen für weitere Abklärung • profuse wässrige Stühle mit Hypovolämie • zahlreiche wenig voluminöse Stühle mit Schleim oder Blut • blutiger Durchfall • Temperatur ≥38,5°C • ≥6 ungeformte Stühle innerhalb 24 Stunden • Dauer >48 Stunden • starke Bauchschmerzen • hospitalisierte Patienten • rezente Antibiotikatherapie • ältere Patienten (≥70 Jahre) • Immunsuppression • systemische Erkrankung mit Durchfall in der Schwangerschaft Quelle: Wanke, UpToDate-Tagung 2012

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dratation, die Dauer und eine eventuelle Entzündung (Fieber, Blut im Stuhl) zu evaluieren. Danach wird eine symptomatische Therapie begonnen, die vor allem in Rehydratation und Diät besteht. Bei entsprechender Indikation wird unmittelbar weiter abgeklärt. Liegen keine der genannten Kriterien vor, kann zugewartet werden, ob sich die Erkrankung selbst limitiert. „Persistiert der Durchfall, sind eine Untersuchung auf Leukozyten sowie eine Stuhlkultur angezeigt“, betont Valentin. „Eventuell, je nach Situation des Patienten, kann auch nach Parasiten gesucht werden.“ Hilfreich bei der Identifizierung von Ausbrüchen von Gastroenteritiden aufgrund von Noroviren sind die Kaplan-Kriterien (Kaplan et al., Ann Intern Med 1982), die mit Vorbehalt auch auf andere Viren anwendbar sind: Erbrechen bei mehr als der Hälfte der betroffenen Personen; mittlere Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen; mittlere Erkrankungsdauer von 12 bis 60 Stunden; keine pathogenen Bakterien in der Stuhlkultur. Werden diese Kriterien angewandt, wird (auch ohne Stuhl-Kriterium) mit einer Spezifität von 98,6 Prozent ein Norovirus-Ausbruch gefunden.

nnNicht virale Hepatopathien Nicht virale Hepatopathie bedeutet, dass HCV-Antikörper und HBs-Antigen negativ sind. „Die initiale Präsentation besteht zumeist in einer Erhöhung der Transaminasen, einer Cholestase und sonografisch in einer Fettleber“, sagt Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner, Klinische Abteilung für Gas­ troenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III,

Wien. Klinisch sind die Patienten zumeist asymptomatisch bzw. oligosymptomatisch. Eine Abklärung sollte zumindest nach drei Monaten bzw. ab einer Erhöhung der Gamma-GT auf das 1,5-Fache, jedenfalls bei einer Erhöhung auf das Dreifache erfolgen. „Versicherungsdaten zeigen, dass die leberbezogene Mortalität bereits in einem oberen Normbereich der Leberwerte um das Zehnfache erhöht ist“, so Trauner (Hyeon et al., BMJ 2004). „Das bedeutet, dass die Sensitivität der Transaminasen bei nicht viralen Hepatopathien sehr schlecht ist und unsere Normwerte zu hoch liegen.“ Die Differenzialdiagnose der Hepatopathien stellen neben der viralen Genese die Fettleber bzw. die Fettleberhepatitis dar. Weiters kommen hereditäre, autoimmune, medikamentöse, vaskuläre und „kryptogene“ (diese erweisen sich pathologisch jedoch oft als nicht alkoholische Steatohepatitis oder als häufig übersehene Zöliakie) infrage. „In der Hälfte der Fälle stellt Alkohol die Ursache für erhöhte Leberwerte dar“, so Trauner. Eine Problematik ergibt sich in der Unterscheidung zwischen alkoholischer und nicht alkoholische Fettleber. Die typische Konstellation besteht in erhöhten Leberwerten sowie einer Steatose in der Sonografie. Klinisch liegt häufig eine typische metabolische Konstellation vor. Kommt eine positive Alkoholanamnese dazu, besteht die Therapie in einer Lebensstilmodifikation und weiterem Follow-up. Ansons­ ten ist – vor allem bei Symptomen (Koliken, Ikterus), bei jüngeren Patienten sowie bei Frauen (immunologische Lebererkrankungen) – eine weitere Abklärung angezeigt. y CC10/12

Foto: CDC

Norovirus

Von Dr. Michaela Steiner


A4_Anz_CORTICOIDE_MERCK_2012_Corticoideanzeige_A4 01.02.12 10:51 Seite 1

Fachkurzinformation siehe Seite 40


Colitis ulcerosa

Chronisch entzündeter Die Art des therapeutischen Vorgehens bei Colitis ulcerosa hängt vom Befallsmuster und Schweregrad der Erkrankung ab. In der medikamentösen Behandlung spielen Aminosalicylate eine wichtige Rolle. Weiters kommen Kortikosteroide und in schwereren Fällen Immunsuppressiva zum Einsatz.  Von Dr. Norbert Hasenöhrl

Leichte bis mittelschwere distale CU Der praktische Grund für die Einteilung in „distale“ und „ausgedehnte“ CU besteht darin, dass bei einer Ausdehnung bis zur linken Kolonflexur eine topische Therapie mittels Klysmen sinnvoll und indiziert ist. Mittel der Wahl für die topische Applikation ist 5-Aminosalicylsäure (5-ASA). Topisch applizierte 5-ASA ist bei leichter bis mittelschwerer distaler CU wirk-

Symptomatik und Befallsmuster bei Colitis ulcerosa Schweregrad

Symptomatik

häufiges Befallsmuster

leicht

Intermittierende rektale Blut- und Schleimabgänge; Proktitis oder leichte Diarrhö mit <4 weichen Stühlen pro Tag; geleRektosigmoiditis gentlich Verstopfung; leichte Krämpfe und Schmerzen

mittel

Bis zu zehn weiche, blutige Stühle pro Tag; leichte, nicht transfusionsbedürftige Anämie; mittelgradige Bauchschmerzen; leichtes Fieber

linksseitige Kolitis

schwer

Mehr als zehn weiche, blutige Stühle pro Tag; schwere Bauchkrämpfe; Fieber bis 39,5°C; schwere Blutungen (häufig transfusionsbedürftig); toxisches Megakolon möglich

ausgedehnter Befall bzw. Pankolitis (im Ausnahmefall auch bei einer linksseitigen CU)

Quelle: modifiziert nach Peppercorn, UpToDate 18.1

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ga st ro e n t e ro logi e

Pancolitis ulcerosa:  Ein Drittel der CUPatienten ist von dieser ausgedehnten Befallsform betroffen.

samer als orale Aminosalizylate und topische Steroide. Als orale Aminosalizylate können entweder Mesalazin, Sulfasalazin oder Olsalazin verwendet werden. Eine Kombination von oraler und topischer Anwendung von 5-ASA ist möglich und wirksamer als die jeweilige Einzelapplikation. Ist nur das Rektum befallen ist, so kann die topische Therapie mit 5-ASA in Form von Rektalschaum oder Suppositorien (2x500mg/Tag) erfolgen. 5-ASA-Klysmen werden in Einzeldosierungen von 1 bis 4g angewandt. Wenn ein Patient auf topische und/ oder orale 5-ASA nicht anspricht, können Budesonid-Klysmen oder orale Kortikosteroide (40 bis 60mg Prednisolon bzw. Äquivalent) verabreicht werden. Bei Proktitis kann alternativ zu 5-ASA auch Hydrokortison topisch (als Schaum) verwendet werden. Von der Therapie des akuten Entzündungsschubs ist in allen Stadien die Erhaltung einer einmal erreichten Remission abzugrenzen. Auch hier hängt das Vorgehen von Ausbreitung und Schweregrad ab. Bei leichter bis mittelschwerer distaler CU ist auch für die Remissionserhaltung 5-ASA das Mittel der Wahl. Die Wirkung von 5-ASA-Suppositorien ist dosisabhängig: Bei einmal täglicher Anwendung bleiben 64 Prozent der Patienten in Remission, bei zweimal täglicher Applikation bereits 90 ProCC10/12

Originalpublikation: ärztemagazin 37/10

die linke Kolonflexur (linksseitige Colitis), das letzte Drittel hat eine ausgedehnte Pankolitis. In einigen Fällen ist zusätzlich ein Teil des distalen Ileums befallen („backwash ileitis“). Das therapeutische Vorgehen richtet sich nach dem Befallsmuster sowie dem Schweregrad. Die beiden Parameter korrelieren bis zu einem gewissen Grad (siehe Tabelle). Im Folgenden wird eine grobe Einteilung in drei Typen verwendet: leichte bis mittelschwere distale CU, leichte bis mittelschwere proximale CU und schwere bzw. fulminante CU.

Fotos: Endoskopie-Atlas – Innere Medizin Albertinen-Krankenhaus Hamburg

yy Die Colitis ulcerosa (CU) ist eine schubförmig verlaufende chronischentzündliche Darmerkrankung, deren Ätiologie und Pathogenese nicht restlos geklärt sind. Sie ist in nördlicheren industrialisierten Ländern häufiger, in südlicheren und weniger entwickelten Gefilden hingegen seltener anzutreffen. Über die letzten Jahrzehnte ist die Inzidenz relativ konstant. Der Häufigkeitsgipfel des Erstauftretens liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. In Österreich rechnet man mit ungefähr 30.000 bis 40.000 Betroffenen, was einer Prävalenz von 0,4 bis 0,5 Prozent entsprechen würde. Die CU betrifft fast immer (95 Prozent) das Rektum bzw. hat dort ihren Ursprung. Die Entzündung breitet sich dann kontinuierlich nach proximal aus, wobei in der Regel nur die Schleimhaut, in schweren Fällen auch die Muscularis mitbefallen sein kann. Bezogen auf die Erstepisode beschränkt sich die Entzündung bei einem Drittel der Patienten auf Rektum und Sigmoid (Proktosigmoiditis), bei einem weiteren Drittel reicht sie bis an


Darm

Floride Colitis ulcerosa: Befall im Stadium der vollständigen Symptomausprägung mit Ulzerationen

zent. Ähnlich ist die Datenlage für 5-ASA-Klysmen: Selbst bei Gabe nur jeden dritten Tag wurden noch Remissionsraten von bis zu 65 Prozent gefunden, bei täglicher Gabe waren es 78 Prozent. Auch für die Remissions-erhaltung ist die Kombination von oraler und topischer 5-ASA-Anwendung wirksamer als jede Modalität alleine. Hingegen sind topische Steroide in der Remissionserhaltung nicht wirksam. Weiters können in der Remissionserhaltung auch Probiotika verwendet werden (gesichert ist dies bisher aber nur für E. coli Nissle).

Leichte bis mittelschwere ausgedehnte CU Dabei handelt es sich um eine ebenfalls leicht bis mittelschwer ausgeprägte CU, welche jedoch die linke Kolonflexur nach proximal überschreitet. In jedem Fall muss auch oral behandelt werden. Stehen Symptome des rektalen Befalls wie Tenesmen und häufiger Stuhldrang im Vordergrund, kann eine gleichzeitige topische Anwendung von 5-ASA sinnvoll sein. Heute werden alle oralen 5-ASA-Präparate als gleichwertig betrachtet und verwendet, obwohl es – streng genommen – keine sichere Evidenz dafür gibt. Das bessere Nebenwirkungsprofil, die gute Verträglichkeit und auch einfachere Einnahme (und dadurch bessere Compliance), etwa mittels 10/12CC

Granulat, sprechen außerdem für die neueren Substanzen. Die Wirkung aller oralen Substanzen ist im Hinblick auf die Akuttherapie gleichwertig und in jedem Fall auch dosisabhängig. Die Zieldosis der aktiven 5-ASA-Komponente beträgt 3 bis 4,5g/Tag. Als Alternative zu 5-ASA kommen orale Kortikosteroide in einer Dosis von 40 bis 60mg Prednisolon oder Äquivalent infrage. Falls auch auf Kortikosteroide kein Ansprechen erfolgt, kann als weitere Therapieoption auf 6-Mercaptopurin (6-MP) bzw. Azathioprin zurückgegriffen werden. Jedoch dauert der Wirkeintritt dieser Substanzen drei bis sechs Monate. Bei Patienten mit CU, die auf systemische Kortikosteroide nicht ansprachen, wurde die Wirksamkeit von 6-MP bzw. Azathioprin in einer Dosierung von 1,5 bis 2,5mg/kg/Tag nachgewiesen. Die Nebenwirkung dieser Therapie betrifft vor allem das blutbildende System. Für die Remissionserhaltung ist 5-ASA (1,5 bis 2g/Tag) erste Wahl. Alternativ dazu können Probiotika wie E. coli Nissle (2x100mg/Tag) verabreicht werden. Orale Kortikosteroide sind in der Remissionserhaltung nicht indiziert (Cave Nebenwirkungsspektrum).

Schwere und fulminante CU Bei schwerer CU besteht zumeist ein ausgedehnter Befall des Kolons bzw. eine Pankolitis. Der Schweregrad definiert sich durch zehn bis 15 blutige Stühle pro Tag, assoziiert mit Gewichtsverlust, Exsikkose, Fieber und häufig auch ausgeprägter Anämie. Eine fulminante Kolitis zeichnet sich durch akute, schwere toxische Symptomatik mit hohem Fieber, Appetitverlust und starken abdominalen Schmerzen aus. Jeder Fall einer schweren oder fulminanten CU bedarf der sofortigen stationären Aufnahme. Die Therapie beginnt mit der intravenösen Verabreichung von Kortikosteroiden (z.B. Prednisolon 1 bis 1,5mg/ kg/Tag oder Prednisolon 30mg alle zwölf Stunden oder Methylprednisolon 16 bis 20mg alle acht Stunden; auch kontinuierliche Infusionsregime sind möglich). Wenn nach drei bis fünf Tagen ein Ansprechen erfolgt, aber Restsymptome wie häufiger Stuhldrang oder Tenesmen bestehen, kann eine zusätzliche Gabe von 5-ASA- oder Hydrokortison-Klysmen hilfreich sein. Bei Nichtansprechen nach drei bis fünf Tagen auf intravenöse Kortikosteroide kommen intravenöse Rescue-Therapien infrage (Cyclosporin A

2 bis 4mg/kg/Tag oder Tacrolimus 10 bis 15ng/mL bzw. Infliximab 5 bis 10mg/kg/Tag). Sowohl mittels Cyclosporin als auch mithilfe der anderen erwähnten Rescue-Medikamente ist bei einem gewissen Prozentsatz ein Hinausschieben einer sofortigen Kolektomie möglich. Diese ist jedoch indiziert, wenn genannte Medikamente versagen, insbesondere wenn ein toxisches Megakolon vorliegt. Neben der toxischen Dilatation sind auch massive Darmblutungen, Perforation, chronisch-entzündlicher Verlauf und hochgradige Dysplasie bzw. ein Karzinom Indikationen für eine Operation. Trotz neuer medikamentöser Therapieoptionen hat sich die Kolektomierate bei schwerer und fulminanter CU in den letzten drei Jahrzehnten nicht substanziell verändert. Kommt es zur Remission, kann zusätzlich zu den genannten Remissions-erhaltenden Maßnahmen auch Infliximab bei den Patienten eingesetzt werden, die im Schub darauf angesprochen haben.

Sonstige Maßnahmen Eine spezifische Diät für CU-Kranke existiert nicht. Allerdings haben viele Patienten individuelle Erfahrungen mit bestimmten Nahrungsmitteln, die bei ihnen einen Krankheitsschub auslösen und deren Vermeidung im Einzelfall vernünftig scheint. Relativ viele CU-Patienten leiden an Laktoseintoleranz – es lohnt sich daher, eine diesbezügliche Untersuchung einzuleiten. Besteht Laktoseintoleranz, ist eine Kalziumsupplementierung zu überlegen. Bei Patienten mit ausgeprägten Bauchschmerzen und Durchfällen ist es oft vorteilhaft, die Zufuhr von frischem Obst und ungekochtem Gemüse einzuschränken, außerdem Koffein, kohlensäurehaltige Getränke und sorbitolhaltige Produkte zu vermeiden. Die CU selbst sowie bestimmte Risikofaktoren (ausgedehnter Befall, primär-sklerosierende Cholangitis, Erkrankungsbeginn vor dem 20. Lebensjahr, positive Familienanamnese) erhöhen das Risiko für ein kolorektales Karzinom. Daher sollten zehn Jahre nach Symptombeginn bei ausgedehntem bzw. 15 Jahre nach Symptombeginn bei linksseitigem Befall in Abständen von ein bis zwei Jahren Surveillance-Koloskopien durchgeführt werden. 5-ASA wirkt sich hier positiv aus, da es das Risiko für ein Kolonkarzinom reduziert. y

gastroente ro l o g i e 35


produkte & aktionen

Europäische Zulassung für Zinforo erteilt

Anästhesie-Arbeitsplatz für individuelle Anforderungen

Die Europäische Kommission hat am 28. August 2012 die Zulassung für das parenterale Antibiotikum Zinforo™ (Ceftarolinfosamil) von AstraZeneca erteilt. Zinforo™ ist nun in Österreich und den 27 Mitgliedstaaten der EU für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen (cSSTI) oder ambulant erworbener Pneumonie (CAP) zugelassen. Zinforo™ ist europaweit das einzige für die empirische Therapie zugelassene Cephalosporin, das bei cSSTI eine nachgewiesene klinische Wirksamkeit gegen den Problemerreger MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) aufweist. Klinische Wirksamkeit konnte auch gegen den bei ambulant erworbenen Pneumonien vorkommenden Problemerreger Streptococcus pneumoniae nachgewiesen werden. Das Antibiotikum vereint dabei die bekannte gute Verträglichkeit der Klasse der Cephalosporine mit einer schnellen, sowohl mikrobiologischen als auch klinischen Wirkung. Zusätzlich zu der Wirkung gegen Problemerreger werden durch Zinforo™ eine Vielzahl grampositiver und gramnegativer Erreger abgetötet, so dass es als erstes Cephalosporin mit Wirkung gegen MRSA als Monotherapie einsetzbar ist. Die empfohlene Dosierung beträgt 600mg, angewendet alle zwölf Stunden durch intravenöse Infusion über 60 Minuten. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt fünf bis 14 Tage bei cSSTI und fünf bis sieben Tage bei CAP. Effektive Monotherapie zum empirischen Einsatz bei cSSTI: bakterizid wirksam gegen grampositive und gramnegative Erreger , effektiv gegen MRSA, schnelle Verbesserung der klinischen Symptomatik , bewährte Verträglichkeit eines Cephalosporins . Ein innovatives Cephalosporin zur Monotherapie von CAP mit Wirksamkeit gegen grampositive Erreger inklusive Streptococcus pneumoniae sowie gramnegative Erreger.

Ein flexibles Produktdesign, die Anbindung an das Infinity Acute Care System Monitoring (IACS), Patientenversorgung auf Intensivniveau und Automatisierungen, die die Arbeitsabläufe im Operationssaal unterstützen: Der Anästhesie-Arbeitsplatz Perseus A500 ist eines der größten Entwicklungsprojekte von Dräger. Im Rahmen des AIC 2012 – der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) – in Klagenfurt stellte das Unternehmen diesen Meilenstein in der Anästhesiegeräte-Entwicklung erstmals in Österreich vor. Bei der Entwicklung des Perseus A500 wurde darauf geachtet, dass der Anästhesie-Arbeitsplatz optimal und individuell gestaltet werden kann. Im Rahmen des sogenannten Customer Process Monitoring (CPM) haben Spezialisten von Dräger weltweit Anästhesisten und Pflegekräfte in ihrem Arbeitsumfeld beobachtet und anschließend befragt. Die Erkenntnisse sind in das Produktdesign des Perseus A500 eingeflossen. Allein aus verschiedenen Hardware-Optionen, Ablageflächen und Stauräumen lassen sich über hundert unterschiedliche Versionen des Anästhesie-Arbeitsplatzes nach den Bedürfnissen der Kliniken zusammenstellen. Hinzu kommen frei wählbare Software-Optionen, wie Beatmungs- oder Überwachungsmodi. ÖGARI-Präsident Stephan Kapral (im Bild rechts neben Dräger-Produktspezialist Christian Schmiedel) machte sich beim AIC in Klagenfurt ein Bild vom neuen Anästhesie-Arbeitsplatz Dräger Perseus A500.

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Fachkurzinformation siehe Seite 41

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Referenzen: 1 Corey et al., Clin Infect Dis 2010, 2 File et al., Clin Infect Dis 2010, 3 Fachinformation, 4 Friedland et al., Antimicrob Agents Chemother 2012 Nähere Informationen: AstraZeneca, Dr. Christian Werzer, Tel.: 0676/681 60 52, E-Mail: christian.werzer@astrazeneca.com www.astrazeneca.at

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Effektive Hämostase und Gewebeklebung Seit mehr als 20 Jahren ist TachoSil® in zahlreichen chirurgischen Disziplinen im Einsatz. TachoSil® ist die weltweit erste und einzige Fixkombination aus kollagenem Trägermaterial und aktiven Gerinnungsfaktoren (Thrombin und Fibrinogen). TachoSil® wird sowohl in der konventionellen Anwendung als auch in der minimalinvasiven Chirurgie zur vliesgebundenen Blutstillung und Gewebeklebung eingesetzt. Durch seine bienenwabenartige Struktur sorgt TachoSil® für einen luft- und flüssigkeitsdichten Verschluss. Durch die Beschichtung mit aktiven Gerinnungsfaktoren wird der letzte Schritt der Gerinnungskaskade eingeleitet. Die Hämostase erfolgt unabhängig vom Gerinnungsstatus des Patienten. In feuchtem Zustand lässt sich TachoSil® auf das 2,5-Fache ausdehnen und sorgt durch die Verankerung der Kleberkomponenten an der Oberfläche für eine hohe Klebefestigkeit. Es passt sich Organbewegungen an und wird in vitales Bindegewebe umgebaut. TachoSil® besitzt mit allen seinen Komponenten eine hohe Histokompatibilität und ist vollständig biologisch abbaubar. TachoSil® ist „ready to use“ und kann bei Raumtemperatur bis maximal

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25°C bis zu drei Jahre gelagert werden. TachoSil® gibt es in drei verschiedenen Größen: 9,5cm x 4,8cm, 4,8cm x 4,8cm und 3,0cm x 2,5cm. Eine rasche und zuverlässige Hämostase mithilfe von TachoSil® kann entscheidend zum Erfolg eines operativen Eingriffes beitragen und die Dauer der Operation, den postoperativen Genesungsprozess und damit auch die Kosten im operativen, intensivmedizinischen und stationären Bereich positiv beeinflussen (Kallinowski et al., Gesundh okon Qual manag 2005). TachoSil® ist ein österreichisches Qualitätsprodukt – der weltweite Bedarf wird in Linz hergestellt. Nähere Informationen: Takeda Pharma, Dr. Iris Hoch, Tel.: 01/52 44 064-302, E-Mail: iris.hoch@takeda. com, www.takeda.at

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Foto: Advertisingpool/Andrew Rinkhy

Dräger

Zinforo™ (Ceftarolinfosamil)


kurzmeldungen | technik ARTIDIS Diagnostiktool

Darmbewegung messen. 

Fotos: Martin Oeggerli, TKH-Medical GmbH, Julia Philipps/Silke Pinkert/M. Bellemann, Sequana Medical, Universitätsklinikum Würzburg

Nanomechanisch Krebs ertasten Einer der Hauptgründe für den tödlichen Ausgang von Tumorerkrankungen ist die Ausbreitung von Metastasen im gesamten Körper. Wissenschaftler am Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel gelang nun der Nachweis, wie wichtig die nanomechanischen Eigenschaften von Brustkrebszellen für die Entstehung von Metastasen sind. Mit einer auf Rastermikroskopie basierenden Technik entdeckten sind einen spezifischen „Fingerabdruck“ für Brustkrebs. Das Team entwickelte ein Diagnostiktool, mit dem die nanomechanischen Eigenschaften von Gewebebiopsien untersucht werden können. Das Tool ARTIDIS (Automated and Reliable Tissue Diagnostics) beruht auf der Technik eines Rastermikroskops, dessen Herzstück eine wenige Nanome-

ter lange Spitze ist, die als mechanische Messsonde fungiert (siehe Bild). So können einzelne Zellen und extrazelluläre Strukturen einer Gewebeprobe abgetastet werden. Für die Erstellung eines nanomechanischen Fingerabdrucks wird eine Biopsie mit 10.000 Messungen systematisch abgetastet. Die Vermessung von mehr als 100 Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen mittels ARTIDIS zeigte, dass sich die Fingerabdrücke von bösartigen Brusttumoren deutlich von gesundem Gewebe und gutartigen Tumoren unterscheiden. Kennzeichnend für bösartig entartetes Gewebe war zudem das Auftreten einer sehr weichen Region, die für Krebszellen und das veränderte Mikroumfeld charakteristisch ist. (Plodinec et al., Nature Nanotechnology 2012)

Forscher der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena entwickelten ein Sys­ tem, mit dem erstmals Bewegungen im gesamten Darm erfassbar sind. Eine kleine Kapsel wird vom Patienten geschluckt, passiert problemlos den gesamten Darm und sendet Daten an einen Empfänger, der am Körper getragen wird (siehe Bild). Das System verwendet ein magnetisches Ortungsverfahren ohne ionisierende Strahlung. Auch Wirkstoffe können auf diese Weise transportiert werden.

Alpha-Pump-Sys­tem. Am Uniklinikum Frankfurt wurde ein neues Pumpen­ system zur Behandlung von refraktären Aszites entwi­ ckelt. Das Alfa-Pump-Sys­ tem ermöglicht eine selbsttätige und kontinuierliche Abführung der Flüssigkeit aus der Bauchhöhle via Harnblase und senkt die Anzahl der Parazentesen signifikant. Das Verfahren bietet erstmalig eine Alternative zur bisherigen Methode, der wiederholten Parazentese.

SwingMED

Dynamische Extension Das Tiroler Unternehmen TKH-Medical GmbH hat gemeinsam mit einem Ärzteteam der Medizinischen Universität Innsbruck unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Erich Mur ein innovatives Therapiegerät entwickelt: SwingMED basiert auf dem Prinzip der Streckbehandlung der Wirbelsäule, das durch die Weiterentwicklung des Wirkprinzips der dynamischen Extensionstherapie gesteigert werden konnte. SwingMED wird hauptsächlich bei degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule eingesetzt und kann bei Bandscheibenvorwölbungen oder auch -vorfällen sowie bei Schmerzen durch arthrotische Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke 10/12CC

mit sehr guten Aussichten auf Erfolg angewendet werden. Das dynamische Extensionsgerät bietet eine völlig neuartige Form der Behandlung: Der Patient wird an gepolsterten Gamaschen, die am Unterschenkel angebracht werden, langsam in die Höhe gezogen. Dabei kann in jeder beliebigen Position eine therapeutische Schwingung mit einer Frequenz von bis zu 100 Schwingungen pro Minute auf die Wirbelsäule übertragen werden. Mittels Bildschirm und Touchpanel ermöglicht SwingMED moderne Behandlungs- und Bedienungsmodalitäten. Die Behandlung dauert ca. 30 Minuten und wird zwei bis drei Mal pro Woche durchgeführt.

Neue OP-Technik. Eine mikrochirurgische OP-Technik erspart Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich unangenehme, durch Schädigung der Speicheldrüse nach Bestrahlung bedingte Mundtro­ ckenheit. Bei der „Autotransplantation der Unterkieferspeicheldrüse nach Hagen“ wird Tumorpatienten vor Bestrahlung eine Speicheldrüse entnommen, vorübergehend in den Unterarm transplantiert und nach erfolgter Radiotherapie wieder rückverpflanzt.

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Tissue Engineering und regenerative Medizin

Bio-Gewebe aller Art Gewebezüchtung (Tissue Engineering) und Geweberegeneration sind boomende, innovative Forschungsgebiete. In Bioreaktoren wird menschliches Herzmuskelgewebe ebenso gezüchtet wie Gerüststrukturen aus Seide. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS

dass das Gewebe nicht wild wuchert, sondern die gewünschte dreidimensionale Struktur aufweist.

Gewebe aus dem Reaktor „Man kann sich das als Maschine vorstellen, aus der fertige Haut herauskommt“, beschreibt Prof. Dr. Heike Walles, Leiterin des Lehrstuhls für Tissue Engineering und Regenerative Medizin an der Medizinischen Universität Würzburg, den von ihr entwickelten Bioreaktor, der aus der Hautprobe eines Patienten innerhalb von drei Wochen über 5.000 sechs mal fünf Millimeter große Hautstücke produziert. Neben einem Einsatz nach Brandverletzungen werden diese Hautstücke vor al-

Holnthoner: „Die Versorgung künstlichen Gewebes mit Gefäßstrukturen stellt nach wie vor eine große Herausforderung bei der Geweberegeneration dar.“ Bioreaktorsysteme Computergesteuerte Bioreaktorsys­ teme erlauben heute die Kultivierung dreidimensionalen Gewebes unter physiologischen Bedingungen. Dieses wird in speziellen Kulturgefäßen sowohl aus reifen als auch aus induzierten pluripotenten Stammzellen gezüchtet. Durch die Kontrolle über die Bedingungen im Bioreaktor (z.B. Temperatur, Nährstoffzufuhr) lässt sich der Entstehungsprozess lenken. Trägergerüste – die oftmals selbst im Bioreaktor hergestellt wurden – sorgen dafür,

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lem zum Testen von Wirkstoffen eingesetzt. „Ziel ist es, dem Patienten zahlreiche Therapieversuche zu ersparen, weil diese nun rascher und billiger an seiner nachgezüchteten Haut ausgetestet werden können“, erklärt Walles. Auch Herzmuskelgewebe kann mittlerweile in ausreichender Menge im Bioreaktor hergestellt werden. Damit können zum einen Arzneimittel im großen Maßstab in vitro getestet werden, auf lange Sicht könnte nach Myokardinfarkt abgestorbenes Herzmuskelgewebe durch künstliches

ersetzt werden. Die Injektion von einzelnen Herzmuskelzellen in den abgestorbenen Teil des menschlichen Herzens habe sich bisher als nicht zielführend erwiesen, weil die Zellen nicht wissen, wohin sie sich dort begeben müssen, wie Prof. Dr. Thomas Eschenhagen, Leiter des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, berichtete. Implantiert man jedoch fertiges Herzmuskelgewebe, so ergibt sich ein Problem: „Die Zellen in dem Gewebe werden nicht ausreichend versorgt. Man muss also vaskularisieren.“

Komplexe Gefäßbäume Vaskularisierung ist ein weiterer Brennpunkt auf dem Gebiet der Gewebekonstruktion. Nahezu jedes Gewebe benötigt nämlich für das Wachstum und zum Überleben Sauerstoff und Nährstoffe, die durch Blutgefäße zur Verfügung gestellt werden. „Die Versorgung künstlichen Gewebes mit solchen Gefäßstrukturen stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar“, sagt Mag. Dr. Wolfgang Holnthoner, stellvertretender Programmdirektor Tissue Engineering und Regenerative Medizin an der Fachhochschule Technikum Wien. Vaskulare Gewebezüchtung versucht, die Komplexität der Gefäßnetzwerke nachzubilden. Dabei werden unterschiedliche Ansätze verfolgt: Bei der Dezellularisierung werden die Zellen einer tierischen Gefäßstruktur entCC10/12

Fotos: LBI Trauma

yy Der Ersatz von abgestorbenem Herzmuskelgewebe nach Herzinfarkt, eine wirkungsvolle Therapie nach Querschnittlähmung, Bio-Medizinprodukte aus Seide: Die Möglichkeiten, welche die Forschung auf dem Gebiet der Gewebekonstruktion bzw. -züchtung („Tissue Engineering“) und Geweberegeneration eröffnet, scheinen schier grenzenlos. Der dritte TERMIS-Weltkongress, die alle drei Jahre abgehaltene internationale Tagung der Tissue Engineering and Regenerative Medicine International Society, der kürzlich in Wien stattfand, bot eine beeindruckende Leistungsschau der aktuellen Entwicklungen auf diesem höchst innovativen Forschungsgebiet.


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fernt, so dass nur die extrazelluläre Matrix und die in ihr enthaltenen Wachstumsfaktoren und Signalstoffe übrig bleiben. Diese Matrix wird schließlich im Bioreaktor oder im Körper selbst mit körpereigenen Zellen besiedelt. Der andere Ansatz besteht darin, im Bioreaktor unterschiedliche Zelltypen (Stammzellen, Endothelzellen, Fibroblasten) zusammenzubringen, die dann von alleine gefäßartige Strukturen ausbilden. „Man könnte auf diese Weise komplexe Gefäßbäume bauen“, erklärt Eschenhagen. Walles hat in einem Bioreaktor Endothelzellen und Leberzellen gemeinsam kultiviert. Das Ergebnis: „Die Leberzellen haben Signale ausgesandt, dass sie Sauerstoff brauchen, die Endothelzellen haben dieses Signal wahrgenommen und mit der Bildung von Gefäßstrukturen begonnen.“

Einzigartige Seide Unter den für Trägergerüste verwendeten Materialien sticht eines besonders hervor: Seidenfibroin, einer der beiden Bestandteile von natürlicher Seide. „Es gibt kein festeres Biomaterial als Seidenfibroin, und es lässt sich auch nach Belieben formen“, erklärt DI Dr. Andreas Teuschl, Leiter des Kompetenzteams Tissue Engineering Bioreaktoren am Institut für Biochemical Engineering der Fachhochschule Technikum Wien. Fibroin lässt sich in beliebige Form bringen – Fasern, Gele, Schwämme, Partikel –, wird vom Immunsystem nicht als Fremdkörper erkannt und 10/12CC

daher nicht vom Körper abgestoßen, wächst problemlos ins Körpergewebe ein und wird nur langsam abgebaut. Am Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie (LBI Trauma) in Wien wurde eigens für den Kongress der Stephansdom in Nanogröße aus Seidenfibroin hergestellt und mit Zellen besiedelt (siehe Bild). Gerüststrukturen aus Seidenfibroin können auf genetischem Weg so präpariert werden, dass sich auf ihnen verloren gegangenes Gewebe regeneriert, erläutert Teuschl: Das Seidengerüst wird im Bioreaktor mit Stammzellen besiedelt. In das Gerüst integrierte Wachstumsfaktoren sorgen dafür, dass sich aus den Stammzellen das gewünschte körpereigene Gewebe bildet. Nach etwa einem Jahr ist das Seidenfibroin abgebaut und durch körpereigenes Gewebe ersetzt.

Stephansdom aus Seidenfibroin:  Konstruktion in Nanogröße, mit Zellen besiedelt

der Tufts University in Massachusetts, USA. Kaplan gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Er war es, der vor zehn Jahren in einem Paper den Grundstein für die Verwendung von Seide in der Gewebekonstruktion und Geweberegeneration legte. Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften könne es als Grundlage einer „neuen Generation von HighTech-Medizinprodukten“ dienen, deren Spektrum bis hin zu voll implantierbaren und wieder abbaubaren optischen und elektronischen Interfaces reicht. Die Anreicherung von Seidenfibroin mit Proteinen könne dem Material zusätzliche biowirksame Eigenschaften verleihen, etwa entzündungshemmende: „Mittels Proteinchemie können dem Seidenfibroin fantastische neue Funktionen verliehen werden“, so Kaplan.

Teuschl: „Es gibt kein festeres Biomaterial als Seidenfibroin. Es lässt sich nach Belieben formen, wächst problemlos ins Körpergewebe ein und wird nur langsam abgebaut.“ Dieses Verfahren eignet sich sowohl zur Regeneration von Hartgewebe wie auch von Weichteilen. Am LBI Trauma zum Beispiel wird an der Entwicklung eines künstlichen Kreuzbandes auf Basis von Seidenfibroin gearbeitet. „Seidenfibroin ist das beste Material der Welt“, schwärmt auch Prof. Dr. David Kaplan, Direktor des Bioengineering and Biotechnology Center

Drug delivery Seidenfibroinpartikel in Nanogröße könnten auch als bioaktive WirkstoffTransportsysteme (drug delivery bzw. drug targeting) eingesetzt werden, ist Kaplan überzeugt: „Durch das Design der Seidenpartikel könnte exakt festgelegt werden, welche Menge von einem Wirkstoff in welcher Körperregion unter welchen Bedingungen freigesetzt wird

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Fachkurzinformationen Humira 40 mg Injektionslösung in Fertigspritze/Humira 40 mg Injektionslösung im vorgefüllten Pen (Injektor, vorgefüllt/FertigPEN). ZUSAMMENSETZUNG: Jede Einzeldosis-Fertigspritze à 0,8 ml enthält 40 mg Adalimumab/Jede Einzeldosis à 0,8 ml des vorgefüllten Pens enthält 40 mg Adalimumab. Adalimumab ist ein rekombinanter humaner monoklonaler Antikörper, der in Ovarialzellen des Chinesischen Hamsters exprimiert wird. ANWENDUNGSGEBIETE: Rheumatoide Arthritis: Humira ist in Kombination mit Methotrexat indiziert zur Behandlung der mäßigen bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei erwachsenen Patienten, die nur unzureichend auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika einschließlich Methotrexat angesprochen haben. Behandlung der schweren, aktiven und progressiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die zuvor nicht mit Methotrexat behandelt worden sind. Humira kann im Falle einer Unverträglichkeit gegenüber Methotrexat, oder wenn die weitere Behandlung mit Methotrexat nicht sinnvoll ist, als Monotherapie angewendet werden. Humira reduziert in Kombination mit Methotrexat das Fortschreiten der radiologisch nachweisbaren strukturellen Gelenkschädigungen und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit. Polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis: Humira ist in Kombination mit Methotrexat indiziert zur Behandlung der aktiven polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 17 Jahren, die nur unzureichend auf ein oder mehrere krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) angesprochen haben. Humira kann im Falle einer Unverträglichkeit gegenüber Methotrexat, oder wenn die weitere Behandlung mit Methotrexat nicht sinnvoll ist, als Monotherapie angewendet werden. Bei Kindern, die jünger als 4 Jahre sind, wurde Humira nicht untersucht. Axiale Spondyloarthritis: Ankylosierende Spondylitis (AS) Humira ist indiziert zur Behandlung der schweren aktiven ankylosierenden Spondylitis bei Erwachsenen, die nur unzureichend auf eine konventionelle Therapie angesprochen haben. Axiale Spondyloarthritis ohne Röntgennachweis einer AS: Humira ist indiziert zur Behandlung der schweren axialen Spondyloarthritis ohne Röntgennachweis einer AS, aber mit objektiven Anzeichen der Entzündung durch erhöhtes CRP und/oder MRT, bei Erwachsenen, die nur unzureichend auf nichtsteroidale Antirheumatika angesprochen haben oder bei denen eine Unverträglichkeit gegenüber diesen vorliegt. Psoriasis Arthritis: Humira ist indiziert zur Behandlung der aktiven und progressiven Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica) bei Erwachsenen, die nur unzureichend auf eine vorherige Basistherapie angesprochen haben. Humira reduziert das Fortschreiten der radiologisch nachweisbaren strukturellen Schädigungen der peripheren Gelenke bei Patienten mit polyartikulären symmetrischen Subtypen der Erkrankung und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit. Psoriasis: Humira ist indiziert zur Behandlung der mittelschweren bis schweren chronischen Plaque-Psoriasis bei erwachsenen Patienten, die auf eine andere systemische Therapie, wie Cyclosporin, Methotrexat oder PUVA, nicht angesprochen haben oder bei denen eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber einer solchen Therapie vorliegt. Morbus Crohn: Humira ist indiziert zur Behandlung des mittelschweren bis schweren, aktiven Morbus Crohn bei erwachsenen Patienten, die trotz einer vollständigen und adäquaten Therapie mit einem Glukokortikoid und/oder einem Immunsuppressivum nicht ausreichend angesprochen haben und/oder die eine Unverträglichkeit gegenüber einer solchen Therapie haben oder bei denen eine solche Therapie kontraindiziert ist. Colitis ulcerosa: Humira ist indiziert zur Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa bei erwachsenen Patienten, die auf die konventionelle Therapie, einschließlich Glukokortikoide und 6-Mercaptopurin (6-MP) oder Azathioprin (AZA), unzureichend angesprochen haben oder die eine Unverträglichkeit gegen eine solche Therapie haben oder bei denen eine solche Therapie kontraindiziert ist. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen wie Sepsis und opportunistische Infektionen, mäßige bis schwere Herzinsuffizienz (NYHA Klasse III/IV). SONSTIGE BESTANDTEILE: Mannitol (Ph. Eur.), Citronensäure-Monohydrat, Natriumcitrat, Natriumdihydrogenphosphat-Dihydrat, Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat, Natriumchlorid, Polysorbat 80, Natriumhydroxid, Wasser für Injektionszwecke. NAME UND ANSCHRIFT DES PHARMAZEUTISCHEN UNTERNEHMERS: Abbott Laboratories Ltd., Abbott House, Vanwall Business Park, Vanwall Road, Maidenhead, Berkshire, SL6 4XE, Vereinigtes Königreich. VERTRETUNG DES ZULASSUNGSINHABERS IN ÖSTERREICH: Abbott Ges.m.b.H., 1230 Wien. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: NR, apothekenpflichtig. PHARMAKOTHERAPEUTISCHE GRUPPE: Selektive Immunsuppressiva. ATC-Code: L04AB04. Informationen zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, zu Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und zu Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. STAND DER INFORMATION: 08/2012.

Simponi 50 mg Injektionslösung in vorgefülltem Injektor Simponi 50 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Ein mit 0,5 ml vorgefüllter Injektor enthält 50 mg Golimumab*. Eine 0,5 ml Fertigspritze enthält 50 mg Golimumab*. *Humaner monoklonaler IgG1κ-Antikörper, der mittels rekombinanter DNA-Technologie aus einer murinen Hybridom-Zelllinie gewonnen wird. Jeder vorgefüllte Injektor enthält 20,5 mg Sorbitol pro 50-mg-Dosis. Jede Fertigspritze enthält 20,5 mg Sorbitol pro 50-mg-Dosis. Liste der sonstigen Bestandteile: Sorbitol (E 420) L-Histidin L-Histidin-Monohydrochlorid-Monohydrat Polysorbat 80 Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Rheumatoide Arthritis (RA): Simponi ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) indiziert zur: • Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, wenn das Ansprechen auf eine Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs), einschließlich MTX, unzureichend gewesen ist. • Behandlung der schweren, aktiven und progredienten rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die zuvor nicht mit MTX behandelt worden sind. Es wurde gezeigt, dass Simponi in Kombination mit MTX die in Röntgenaufnahmen bestimmte Progressionsrate von Gelenkschäden verringert und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert. Psoriasis-Arthritis (PsA): Simponi ist zur Anwendung als Monotherapie oder in Kombination mit MTX zur Behandlung der aktiven und fortschreitenden Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen indiziert, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD-Therapie) unzureichend gewesen ist. Simponi verringert nachweislich die Progressionsrate der peripheren Gelenkschäden, bestimmt anhand von Röntgenaufnahmen bei Patienten mit polyartikulären symmetrischen Subtypen der Erkrankung und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.Ankylosierende Spondylitis (AS): Simponi ist angezeigt zur Behandlung der schweren, aktiven Ankylosierenden Spondylitis bei Erwachsenen, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Aktive Tuberkulose (TB) oder andere schwere Infektionen wie eine Sepsis und opportunistische Infektionen. Mittelschwere oder schwere Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III/IV). Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit: Frauen im gebärfähigen Alter: Frauen im gebärfähigen Alter müssen zuverlässige Empfängnisverhütungsmaßnahmen anwenden und diese nach der letzten Behandlung mit Golimumab über mindestens 6 Monate fortführen. Schwangerschaft: Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Golimumab bei Schwangeren vor. Aufgrund der TNF-Hemmung könnte durch die Anwendung von Golimumab während der Schwangerschaft die normale Immunantwort des Neugeborenen beeinflusst werden. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft, die embryonale/fetale Entwicklung, die Geburt oder die postnatale Entwicklung schließen. Die Anwendung von Golimumab bei Schwangeren wird nicht empfohlen; Golimumab darf in der Schwangerschaft nur dann verabreicht werden, wenn dies eindeutig medizinisch indiziert ist. Golimumab ist plazentagängig. Nach der Behandlung mit einem TNF-blockierenden monoklonalen Antikörper während der Schwangerschaft wurde der Antikörper noch bis zu 6 Monaten im Serum der Säuglinge nachgewiesen, die von den behandelten Frauen geboren wurden. Somit könnten diese Säuglinge ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Eine Verabreichung von Lebendimpfstoffen an Säuglinge, die in utero Golimumab ausgesetzt waren, ist für 6 Monate nach der letzten während der Schwangerschaft erfolgten Golimumab-Injektion nicht zu empfehlen. Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Golimumab in die Muttermilch übergeht oder nach der Aufnahme systemisch resorbiert wird. Es wurde gezeigt, dass Golimumab bei Affen in die Muttermilch übergeht, und da Humanimmunglobuline in die Muttermilch ausgeschieden werden, dürfen Frauen nach der Behandlung mit Golimumab mindestens 6 Monate lang nicht stillen. Fertilität: Mit Golimumab sind keine Fertilitätsstudien bei Tieren durchgeführt worden. Eine Fertilitätsstudie bei Mäusen, in der ein analoger Antikörper angewendet wurde, der die funktionelle Aktivität des murinen TNFα selektiv hemmt, zeigte keine relevanten Wirkungen bezüglich der Fertilität. Pharmakotherapeutische Gruppe: Tumornekrosefaktor-alpha(TNF-alpha)-Hemmer, ATC-Code: L04AB06. Inhaber der Zulassung: Janssen Biologics B.V. Einsteinweg 101 2333 CB Leiden Niederlande. Abgabe: NR, rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: September 2012. Weitere Angaben zu Dosierung, Art und Dauer der Anwendung, Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln, Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen, Nebenwirkungen, Überdosierung, pharmakologische Eigenschaften und pharmazeutische Angaben sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Aprednislon 1 mg - Tabletten, Aprednislon 5 mg - Tabletten, Aprednislon 25 mg - Tabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Aprednislon 1 mg - Tabletten: Eine Tablette enthält 1 mg Prednisolon. Sonstige Bestandteile: 86,5 mg Lactose-Monohydrat. Aprednislon 5 mg - Tabletten: Eine Tablette enthält 5 mg Prednisolon. Sonstige Bestandteile: 40 mg Lactose-Monohydrat. Aprednislon 25 mg - Tabletten: Eine Tablette enthält 25 mg Prednisolon. Sonstige Bestandteile: 30 mg Lactose-Monohydrat. Die vollständige Auflistung siehe Liste der sonstigen Bestandteile. Anwendungsgebiete: Aprednislon ist bei allen Krankheiten angezeigt, die auf eine systemische Glucocorticoidtherapie ansprechen und wird bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren angewendet. Substitutionstherapie: • Nebennierenrinden-Insuffizienz jeglicher Genese, z. B. Morbus Addison, Hemmtherapie bei adrenogenitalem Syndrom (AGS) jenseits des Wachstumsalters, ACTH-Mangel (wie Sheehan-Syndrom); Mittel der ersten Wahl sind Hydrocortison und Cortison • Stresszustände nach langfristiger Cortisontherapie. Rheumatologie: • Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) hochentzündliche, destruktive Formen und/oder viszeraler Manifestation und Sonderformen wie Felty-Syndrom, Still Syndrom, Juvenile arthritis • RS3PE – Syndrom (Remitting Seronegative Symmetrical Synovitis with Pitting Endema-Syndrom) • Andere schwere entzündlich-rheumatische Arthritiden – akute Schübe bei Spondylitis ankylosans – reaktive Arthritiden • Carditis rheumatica • Rheumatische Systemerkrankungen (aktive Phasen) – Systemischer Lupus erythematodes – Polymyositis – Kollagenosen wie Dermatomyositis, rezidivierende Polychondritis, Sjögren-Syndrom, Progressive systemische Sklerodermie wie eosinophile Fasziitis, Überlappungsyndrome wie Antisynthetasesyndrom, Sharp-Syndrom • Systemvaskulitiden – Panarteriitis nodosa (bei bestehender Hepatitis B–Infektion Behandlungsdauer auf zwei Wochen begrenzt) – Wegener Granulomatose: in Kombination mit Immunsuppressiva – Churg-Strauss–Syndrom: bei schweren Formen in Kombination mit Immunsuppresiva – Riesenzellarteriitis, Polymyalgia rheumatica, Arteriitis temporalis (Arteriitis cranialis oder Morbus Horton) – Mikroskopische Polyangiitis. Pneumologie: • Schwere Form von Asthma bronchiale in Kombination mit Bronchodilatatoren • Akute Exacerbation einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) • Emphysem • Interstitielle Lungenerkrankungen wie Lungenfibrose, Sarkoidose Stadien II und III. Erkrankungen der oberen Luftwege: • Pollinosis und Rhinitis vasomotorica. Dermatologie: Schwere Erkrankungen, die nicht ausreichend mit topischen Glukokortikoiden behandelt werden können: • Allergische, pseudoallergische und infektallergische Erkrankungen wie akute Urtikaria, anaphylaktoide Reaktionen, Arzneimittelexantheme, • Ekzemerkrankungen wie atopisches Ekzem • Erythrodermien • Pemphigus vulgaris und andere bullöse Dermatosen • Dermatitis herpetiformis • Pyoderma gangraenosum. Hämatologie/Onkologie: • Autoimmunhämolytische Anämie, Idiopatische Thrombozytopenische Purpura (Morbus Werlhof), • Akute lymphoblastische Leukämie, Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome • Hyperkalzämie bei malignen Lymphomen, multiplen Myelomen, Leukämie und Brustkrebs • Agranulozytose • Purpura Schönlein-Henoch • Aplastische Anämie • Malignes Lymphom • Prophylaxe und Therapie von Zytostatika-induziertem Erbrechen, Anwendung im Rahmen antiemetischer Schemata • Palliativtherapie maligner Erkrankungen, z.B. bei Inappetenz, Anorexie und allgemeiner Schwäche bei fortgeschrittenen malignen Erkrankungen nach Ausschöpfung spezifischer Therapiemöglichkeiten. Infektologie: • Toxische Zustände bei schweren Infektionskrankheiten (in Kombination mit Antibiotika/Chemotherapie), z. B. tuberkulöse Meningitis, schwere Lungentuberkulose • Schwere Staphylokokkeninfektion • Typhus und paratyphöse Krankheiten • Grippepneumonie • Tuberkulose, wenn Exsudation, übermäßige entzündliche und proliferative Reaktionen oder Toxinbildungen trotz ausreichender Gabe von Chemotherapeutika nicht beherrscht werden können. Augenkrankheiten: • sympathischer Ophthalmie • Bei entzündlichen und allergisch-hyperergischen Prozessen, wenn lokale Therapie erfolglos ist, wie Skleritis, Episkleritis, Keratitiden, Iritis, Iridikozyklitis, Chorioretinitis, Retinitis (außer Periphlebitis retinae), Neuritis nervi optici, Zoster ophthalmicus (erst nach Abklingen der virämischen Phase, d.i. am Ende der 2. Krankheitswoche). Gastroenterologie: • Colitis ulcerosa (mit Vorsicht, Perforationsgefahr!) • Morbus Crohn. Nephrologie: • Nephrotisches Syndrom. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Prednisolon oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels. Für die kurzfristige Anwendung bei vitaler Indikation gibt es sonst keine Kontraindikationen. • akute Virusinfektionen (z. B. Herpes simplex, Herpes zoster, Poliomyelitis, Varizellen, Masern). • HBsAG-positive chronisch-aktive Hepatitis, • ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen, • Lymphadenitis nach BCG-Impfung. • Systemische Mykosen. Bei länger dauernder Therapie: • Ulcus duodeni • Ulcus ventriculi • Schwere Osteoporose • Schwere Myopathien (ausgenommen Myasthenia gravis) • Psychiatrische Anamnese • Glaukom • Poliomyelitis. Mit Totimpfstoffen (z.B. Influenza) kann auch während einer Corticoidtherapie geimpft werden, nicht dagegen mit Lebendimpfstoffen (Röteln, Masern, BCG, Polio, s.o.). Unter reiner Substitutionstherapie können Patienten sowohl Lebend- wie Totimpfstoffe erhalten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Glucocorticoide, ATC-Code: H02AB06. Liste der sonstigen Bestandteile: Aprednislon 1 mg: Magnesiumstearat, Siliciumdioxid, Hypromellose, Carboxymethylstärke-Natrium, mikrokristalline Cellulose, Talkum, Maisstärke, Lactose-Monohydrat. Aprednislon 5 mg: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Hypromellose, Magnesiumstearat, Siliciumdioxid, Carboxymethylstärke-Natrium, Talk. Aprednislon 25 mg: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Carboxymethylstärke-Natrium, Siliziumdioxid, Talk, Magnesiumstearat, mikrokristalline Cellulose. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: Juni 2011. Fortecortin 4 mg – Tabletten, Fortecortin 8 mg – Tabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Fortecortin 4 mg – Tabletten: Jede Tablette enthält 4 mg Dexamethason. Fortecortin 8 mg – Tabletten: Jede Tablette enthält 8 mg Dexamethason. Sonstige Bestandteile: Saccharose und Lactose. Anwendungsgebiete: Dexamethason ist in indikations- und substanzabhängiger Dosierung bei allen Krankheiten angezeigt, die auf eine systemische Glukokortikoidtherapie ansprechen. - Hirnödem (ausgelöst durch Hirntumor); - Schädel-Hirn-Trauma; - intrazerebrale Blutung; - neurochirurgische Eingriffe; - Hirnabszess; - zerebraler Insult; - Enzephalitis oder Meningoenzephalitis; - akute Schübe einer fortschreitend chronischen Polyarthritis; - akuter Asthmaanfall, Status asthmaticus; - Anfangsbehandlung einer akuten Erythrodermie; - Anfangsbehandlung eines Pemphigus vulgaris; - Anfangsbehandlung akuter Ekzeme; - Aktive Phasen der Sarkoidose; - Colitis ulcerosa; - Schwere Infektionskrankheiten (in Verbindung mit Antibiotika); - Palliativtherapie maligner Tumoren; - Prophylaxe und Therapie von Zytostatika-induziertem Erbrechen. Gegenanzeigen: - Überempfindlichkeit gegen Dexamethason oder einen der sonstigen Bestandteile von Fortecortin – Tabletten - systemische Mykosen. Fortecortin - Tabletten dürfen bei länger dauernder Anwendung, die über die Notfalltherapie und die Substitution hinausgeht, nicht angewendet werden, wenn folgende Krankheiten bestehen: - gastrointestinale Ulcera - höhergradige Osteoporosen - schwere Myopathien (ausgenommen Myasthenia gravis) - Virosen (z.B. Herpes simplex und Herpes zoster (virämische Phase), Varicellen, Poliomyelitis (mit Ausnahme der bulbärencephalitischen Form)) - HBsAG-positive chronisch aktive Hepatitis - Rosazea - ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen - Lymphome nach Tuberkuloseimpfung (BCG) - Eng- und Weitwinkelglaukom. Pharmakotherapeutische Gruppe: Fluorierte Glukokortikoide, ATC-Code: H02AB02. Liste der sonstigen Bestandteile: Magnesiumstearat, Saccharose, Crospovidon, Maisstärke, Mikrokristalline Cellulose. Lactose-Monohydrat. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezeptund apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: August 2009. Fortecortin 4 mg – Ampullen. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 Ampulle (1 ml) enthält 4,37 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat Dinatriumsalz entsprechend 4 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat. Sonstige Bestandteile: 0,5 mg Dinatriumedetat Dihydrat in stabilisierter wässriger Lösung. Anwendungsgebiete: 1. Systemische Anwendung: Fortecortin 4 mg - Ampullen werden häufig im Anschluss an eine hochdosiert eingeleitete Notfalltherapie eingesetzt: - Behandlung und Prophylaxe eines Hirnödems bei Hirntumoren (post-operativ und nach Röntgenbestrahlung) und nach Rückenmarkstraumen. - Anaphylaktische Schockzustände (z.B. Kontrastmittelzwischenfall) in Kombination mit Adrenalin, Antihistaminika und entsprechender Volumensubstitution (cave Mischspritze) - Hypovolämischer und polytraumatischer Schock, der nicht allein auf Volumensubstitution, Sauerstoffzufuhr und Korrektur der Azidose anspricht (Prophylaxe der Schocklunge) - Status asthmaticus (unbedingt simultan mit Sympathomimetika) - Akute schwere Dermatosen (z.B. Pemphigus vulgaris, Erythrodermie, Lyell-Syndrom) - Schwere Blutkrankheiten (z.B. akute thrombozytopenische Purpura, hämolytische Anämien, Leukämien) - Akute Nebennierenrindeninsuffizienz (Addison-Krise). 2. Lokale Anwendung: - Periartikuläre und infiltrative Therapie z.B. bei Periarthritis humeroscapularis, Epikondylitis, Bursitis, Tendovaginitis, Styloiditis - Intraartikuläre Injektion z.B. bei rheumatischer Arthritis, wenn Einzelgelenke befallen sind oder nur ungenügend auf eine Allgemeinbehandlung reagieren, entzündlichen Begleitreaktionen bei Arthritis deformans - Subkonjunktivale Injektion z.B. bei Konjunktivitis, Skleritis, Iridozyklitis, (cave Glaukom). Gegenanzeigen: - Überempfindlichkeit gegen Dexamethason oder einen der sonstigen Bestandteile von Fortecortin - systemische Mykosen. Die intraartikuläre Injektion ist kontraindiziert bei: - Infektionen innerhalb oder in unmittelbarer Nähe des zu behandelnden Gelenks - bakteriellen Arthritiden - Instabilität des zu behandelnden Gelenks - Blutungsneigung (spontan oder durch Antikoagulantien) - periartikulärer Kalzifikation - nicht vaskularisierter Knochennekrose - Sehnenruptur - Charcot-Gelenk. Die Infiltration ohne kausale Zusatzbehandlung ist bei Infektionen im Anwendungsbereich kontraindiziert, ebenso die subkonjunktivale Anwendung bei virus-, bakterien- und mykosebedingten Augenerkrankungen sowie Verletzungen und ulzerösen Prozessen der Hornhaut. Bei längerdauernder GlukokortikoidAnwendung, die über die Notfalltherapie und die Substitution hinausgeht, gelten die Gegenanzeigen einer systemischen Kortikoid-Therapie: - gastrointestinale Ulcera - höhergradige Osteoporosen - schwere Myopathien (ausgenommen Myasthenia gravis) - Virosen (z.B. Herpes simplex und Herpes zoster (virämische Phase), Varicellen, Poliomyelitis (mit Ausnahme der bulbärencephalitischen Form)) - HBsAG-positive chronisch aktive Hepatitis - Rosazea - ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen - Lymphome nach Tuberkuloseimpfung (BCG) - Eng- und Weitwinkelglaukom. Bei den unter 2. angeführten Anwendungsgebieten sind in jedem Fall die Risiken gegen den zu erwartenden Nutzen abzuwägen. Pharmakotherapeutische Gruppe: Fluorierte Glukokortikoide, ATC-Code: H02AB02. Liste der sonstigen Bestandteile: Dinatriumedetat Dihydrat, Kreatinin, Natriumcitrat, Natronlauge, Wasser für Injektionszwecke. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: März 2011. Fortecortin 40 mg – Ampulle, Fortecortin 40 mg – Spritzampulle, Fortecortin 100 mg – Ampulle, Fortecortin 100 mg - Spritzampulle. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Fortecortin 40 mg – Ampulle: 1 Ampulle (5 ml) enthält 43,72 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat Dinatriumsalz entsprechend 40 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat. Sonstige Bestandteile: 2,5 mg Dinatriumedetat Dihydrat in stabilisierter wässriger Lösung. Fortecortin 40 mg – Spritzampulle: 1 Spritzampulle (5 ml) enthält 43,72 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat Dinatriumsalz entsprechend 40 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat. Sonstige Bestandteile: 2,5 mg Dinatriumedetat Dihydrat in stabilisierter wässriger Lösung. Fortecortin 100 mg – Ampulle: 1 Ampulle (10 ml) enthält 109,3 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat Dinatriumsalz entsprechend 100 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat. Sonstige Bestandteile: 5 mg Dinatriumedetat Dihydrat in stabilisierter wässriger Lösung. Fortecortin 100 mg – Spritzampulle: 1 Spritzampulle (10 ml) enthält 109,3 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat Dinatriumsalz entsprechend 100 mg Dexamethason-21-dihydrogenphosphat. Sonstige Bestandteile: 5 mg Dinatriumedetat Dihydrat in stabilisierter wässriger Lösung. Anwendungsgebiete: 1. Pharmakodynamische Therapie von Notfällen. Eine Reihe akuter lebensbedrohender Zustände können durch hohe intravenöse Gaben von Fortecortin in Kombination mit pathogenetisch adäquaten Maßnahmen entscheidend beeinflusst oder überwunden werden. Dazu gehören besonders: - Behandlung und Prophylaxe eines Hirnödems bei Hirntumoren (postoperativ und nach Röntgenbestrahlung) und nach Rückenmarkstraumen - anaphylaktische Schockzustände (z.B. Kontrastmittelzwischenfall) in Kombination mit Adrenalin, Antihistaminika und entsprechender Volumensubstitution (cave Mischspritze) - hypovolämischer und polytraumatischer Schock, der nicht allein auf Volumensubstitution, Sauerstoffzufuhr und Korrektur der Azidose anspricht (Prophylaxe der Schocklunge) - Status asthmaticus (unbedingt simultan mit Sympathomimetika) - Glottisödem - Quincke-Ödem - Lungenödem infolge Inhalation oder Aufnahme toxischer Substanzen (z.B. Chlorgase, Paraquat, Isocyanid, Schwefelwasserstoff, Phosgen, Nitrosegase). Wenn möglich, sollten außerdem frühzeitig hohe Dosen von Glukokortikoiden inhaliert bzw. aus Dosieraerosolen verabreicht werden. - Transplantatabstoßungskrisen. 2. Perakute Formen bzw. akute Schübe von Krankheiten mit hoher entzündlicher oder immunologischer Aktivität können Indikationen für eine zeitlich begrenzte hochdosierte intravenöse Therapie darstellen, wenn es auf einen möglichst raschen Wirkungseintritt ankommt oder eine perorale Applikation unmöglich ist. Das sind unter anderem akute schwere Dermatosen wie Pemphigus vulgaris, Erythrodermie, Lyell-Syndrom, schwere Blutkrankheiten wie akute idiopathische thrombozytopenische Purpura, hämolytische Anämien mit schwerer Hämolyse und Hb-Werten unter 6 g% sowie die akute rheumatische Karditis. Gegenanzeigen: - Überempfindlichkeit gegen Dexamethason oder einen der sonstigen Bestandteile von Fortecortin - systemische Mykosen. Bei längerdauernder Glukokortikoid-Anwendung, die über die Notfalltherapie hinausgeht, gelten die Gegenanzeigen einer systemischen Kortikoid-Therapie: - gastrointestinale Ulcera - höhergradige Osteoporosen - schwere Myopathien (ausgenommen Myasthenia gravis) - Virosen (z.B. Herpes simplex und Herpes zoster (virämische Phase), Varicellen, Poliomyelitis (mit Ausnahme der bulbärencephalitischen Form) - HBsAGpositive chronisch aktive Hepatitis - Rosazea - ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen - Lymphome nach Tuberkuloseimpfung (BCG) - Eng- und Weitwinkelglaukom. Bei den unter 2. angeführten Anwendungsgebieten sind in jedem Fall die Risiken gegen den zu erwartenden Nutzen abzuwägen. Pharmakotherapeutische Gruppe: Fluorierte Glukokortikoide, ATC-Code: H02AB02. Liste der sonstigen Bestandteile: Dinatriumedetat Dihydrat, Kreatinin, Natriumcitrat, Natronlauge, Wasser für Injektionszwecke. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: März 2011. Solu-Dacortin 25 mg – Trockenampullen mit Lösungsmittel, Solu-Dacortin 50 mg – Trockenampullen mit Lösungsmittel, Solu-Dacortin 250 mg – Trockenstechampullen mit Lösungsmittel, Solu-Dacortin 1 g – Trockenstechampulle mit Lösungsmittel. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Solu-Dacortin 25 mg – Trockenampullen mit Lösungsmittel: 1 Ampulle enthält 25 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat-Natrium (entsprechend 18,7 mg Prednisolon). 1 Lösungsmittelampulle enthält 1 ml Aqua ad injectionem. Solu-Dacortin 50 mg – Trockenampullen mit Lösungsmittel: 1 Ampulle enthält 50 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat-Natrium (entsprechend 37,4 mg Prednisolon). 1 Lösungsmittelampulle enthält 1 ml Aqua ad injectionem. Solu-Dacortin 250 mg – Trockenstechampullen mit Lösungsmittel: 1 Durchstechflasche enthält 250 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat-Natrium (entsprechend 186,7 mg Prednisolon). 1 Lösungsmittelampulle enthält 5 ml Aqua ad injectionem. Solu-Dacortin 1 g – Trockenstechampulle mit Lösungsmittel: 1 Durchstechflasche enthält 1000 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat-Natrium (entsprechend 747,0 mg Prednisolon). 1 Lösungsmittelampulle enthält 10 ml Aqua ad injectionem. Anwendungsgebiete: Solu-Dacortin ist ein Glucocorticoid und wird bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren angewendet. - Solu-Dacortin ist indiziert bei anaphylaktischem Schock (nach primärer Epinephrininjektion) - Lungenödem durch Inhalation toxischer Substanzen wie Chlorgas, Isocyanate, Schwefel-wasserstoff, Phosgen, Nitrosegas, Ozon; ferner durch Magensaftaspiration und durch Ertrinken - schwerem akuten Asthmaanfall - Hirnödem, ausgelöst durch Hirntumor, neurochirurgische Eingriffe, Hirnabszess, bakterielle Meningitis - Abstoßungskrisen nach Nierentransplantation - parenteraler Anfangsbehandlung ausgedehnter akuter schwerer Hautkrankheiten (Pemphigus vulgaris, Erythrodermie; gilt nicht für Solu-Dacortin 1 g) - akuter Blutkrankheiten: autoimmunhämolytische Anämie, akute thrombozytopenische Purpura. - Postmyokardinfarkt-Syndrom (Dressler-Syndrom) bei schwerer bzw. wiederholt aufgetretener Symptomatik nach einem Myokardinfarkt und wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind (gilt nicht für Solu-Dacortin 250 mg und 1 g) - schweren Infektionskrankheiten, toxischen Zuständen (z.B. Typhus), nur neben entsprechender antiinfektiöser Therapie - akuter Nebennierenrindeninsuffizienz: Addison-Krise - Pseudokrupp. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Prednisolon oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels. Pharmakotherapeutische Gruppe: Glucocorticoide, ATC-Code: H02AB06. Liste der sonstigen Bestandteile: Wasser für Injektionszwecke. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, 1147 Wien. Verschreibungspflicht / Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Weitere Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: Juni 2011.

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und welcher Zelltyp das Ziel ist.“ Kaplan forscht auch an einem Material, das beinahe ebenso gute Eigenschaften besitzt wie Seide: Spinnfäden. Im Gegensatz zu Seidenraupen haben Spinnen jedoch einen großen Nachteil: Sie können nicht in großen Mengen gezüchtet werden. Die räuberischen Gliederfüßer fressen einander nämlich auf, wenn sie in großen Mengen gemeinsam gehalten werden. Daher wurde zum Zweck dieser Forschungen das Erbgut von Ziegen mittels Spinnen-DNA verändert, so dass deren Milch Spinnenfadenproteine enthält.

Rückenmark regenerieren Ein weiteres vielversprechendes Feld der präklinischen Forschung ist die Nervenregeneration nach Rü­ ckenmarksverletzung. Dabei werden zwei Ansätze verfolgt. Der eine versucht, jene Schäden, die nicht durch die Rückenmarksverletzung selbst, sondern erst durch spätere Entzündungen, Schwellungen oder Narbenbildung entstehen, möglichst gering zu halten. Prof. Dr. Michael Fehlings, Direktor des Krembil Neuroscience Center am Toronto Wes­ tern Hospital der Health Network Universität in Toronto, Kanada, beforscht sogenannte selbstorganisierende Peptide („self-assembling peptides“). Diese bilden biokompatible Nanofasern aus, welche das Zellwachstum unterstützen. Werden diese Peptide innerhalb von 24 Stunden nach der Verletzung ins Rücken-

wohl erreichen können, ist eine bessere Lebensqualität der Patienten“, ist Fehlings überzeugt. Wenn man einem Querschnittgelähmten ermöglichen könnte, eine Hand zu bewegen, so bedeute dies für den Betroffenen einen enormen Fortschritt. Fouad zieht einen Vergleich mit Lego-Bausteinen: „Wenn ein LegoSchiff zerbricht und Teile verloren gehen, dann kann man nicht mehr dasselbe Schiff zusammenbauen. Aber man kann aus den verbleibenden Teilen ein anderes zusammensetzen, das auch schwimmen kann.“

mark injiziert, so kommt es zumindest bei Mäusen und Ratten zu einer signifikant besseren Erhaltung des nicht durch die Verletzung selbst beschädigten Nervengewebes. Ebenso konnten die posttraumatische Apoptose und posttraumatische Entzündungen verringert werden. Der andere Ansatz besteht in dem Versuch, die infolge der Rückenmarksverletzung durchtrennten Axone zu regenerieren – entweder mittels Stammzellen oder durch Konstruktion eines Trägergerüstes, durch das Axone durchwachsen können. Dies ist allerdings nicht so einfach, wie Dr. Karim Fouad, Professor für Rehabilitationsmedizin an der University of Alberta, Kanada, erklärt: „Axone regenerieren nicht von selbst, dafür sorgt eine ganze Reihe von inhibitorischen Faktoren.“ Diese Faktoren müssten alle ausgeschaltet werden – das könnte allerdings unerwünschte Konsequenzen wie etwa Spastizität oder neuropathische Schmerzen nach sich ziehen. Einen anderen Weg sieht Fouad darin, die noch erhaltenen Axone als Signalwege zu gewinnen. „Rückenmarksverletzungen sind meistens nicht komplett. Man könnte Wege finden, die noch verbliebenen Fasern zu nutzen.“

Studien immer schwieriger

3 World Congress of the Tisssue Engineering and Regenerative Medicine International Society (TERMIS), Wien, 5.–8.9.12 rd

Realistische Erwartungen Allerdings warnen die Forscher vor überzogenen Erwartungen: „Eine ,Heilung‘ für Querschnittlähmung ist unrealistisch. Was wir aber sehr

Der Kongresspräsident zeigte sich im Nachhinein sehr zufrieden mit der von ihm organisierten Tagung: „Durch den TERMIS-Kongress hatten wir einmal mehr die Gelegenheit aufzuzeigen, welch enorme Bedeutung dem Tissue Engineering und der regenerativen Medizin zukommt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Heinz Redl, Leiter des LBI Trauma, Wien. Das Ziel müsse sein, auch weiterhin mit voller Kraft zu forschen und Ergebnisse hervorzubringen, die möglichst rasch in konkreten Nutzen für die Patienten umgesetzt werden können. Zugleich beklagt er, dass hohe Kosten zunehmend eine Hürde für die Forschung darstellten, vor allem in Österreich. Redl: „Gerade größer angelegte klinische Studien, in denen Sicherheit und Wirksamkeit neuer Therapien am Patienten getestet werden, gestalten sich immer schwieriger und komplexer.“ y

Fachkurzinformationen Colidimin 200 mg - Filmtabletten. Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält: Rifaximin 200 mg. Hilfsstoffe: Carboxymethylstärke-Natrium, Glycerol(mono/di/tri)(palmitat/stearat), hochdisperses Siliciumdioxid, Talkum, mikrokristalline Cellulose, Hypromellose, Titandioxid (E171), Natriumedetat, Propylenglycol, Eisenoxid (E 172). Anwendungsgebiete: • Kausale Behandlung von Erkrankungen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die durch Rifaximin-sensitive Bakterien im Gastrointestinaltrakt verursacht, bzw. mitverursacht werden, wie: - unkomplizierte Divertikelerkrankungen. - hepatische Encephalopathie, - pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium difficile, - bakterielles Überwucherungs-Syndrom, - Reisediarrhoe verursacht durch nicht-invasive enteropathogene Bakterien, • Präoperative Darmdekontamination. Die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antimikrobiellen Wirkstoffen sind zu berücksichtigen. Gegenanzeigen: Colidimin 200 mg - Filmtabletten dürfen nicht angewendet werden: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Rifaximin und andere Rifamycin-Derivate sowie einen der sonstigen Bestandteile des Präparates. Pharmakotherapeutische Gruppe: Intestinale Antibiotika, Antibiotika (Rifaximin). ATC-Code: A07AA11. Packungsgrößen: 12 Stück, 36 Stück. Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten. Kassenstatus: 12 Stück: Green Box, OP II verschreibbar. 36 Stück: Green Box. Zulassungsinhaber: Gebro Pharma GmbH, 6391 Fieberbrunn. Stand der Fachkurzinformation: Oktober 2010. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sowie Gewöhnungseffekten entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Durotiv 20 (40) mg magensaftresistente Tabletten. Zusammensetzung: Jede Tablette enthält 20 (40) mg Esomeprazol (als Magnesiumtrihydrat). Hilfsstoffe: 28 (40) mg Saccarose, Glycerolmonostearat, Hydroxypropylcellulose, Hypromellose, Magnesiumstearat, MethacrylsäureEthylacrylat-Copolymer-(I:I) Dispersion 30%, mikrokristalline Cellulose, synthetisches Paraffin, Macrogol, Polysorbat 80, Crospovidon, Natriumstearylfumarat, Zuckerkügelchen (Saccharose und Maisstärke), Talkum, Titandioxid (E 171), Triethylcitrat, Eisenoxid, rot-braun (E172). 20 mg: Eisenoxid, gelb (E172). Anwendungsgebiete: Esomeprazol Tabletten sind indiziert • bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) – Behandlung von erosiver Refluxösophagitis – Langzeitmanagement von Patienten mit geheilter Ösophagitis zur Verhinderung des Wiederauftretens der Erkrankung – Symptomatische Behandlung von gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) • zur Eradikation von Helicobacter pylori in Kombination mit einer geeigneten Antibiotikatherapie und zur – Heilung von mit Helicobacter pylori verbundenem Ulcus duodeni – Vorbeugung des Wiederauftretens von peptischem Ulcus bei Patienten mit Helicobacter pylori verbundenem Ulcus • bei Patienten, die eine NSAID Langzeit-Therapie benötigen – Heilung von Ulcus ventriculi im Zusammenhang mit NSAID Therapie – Zur Vorbeugung von Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni im Zusammenhang mit NSAID Therapie bei Risikopatienten • zur weiterführenden Behandlung, nach erfolgter i.v. Behandlung zum Schutz vor dem Wiederauftreten von peptischen Ulcus-Blutungen • zur Behandlung von Zollinger Ellison Syndrom. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Esomeprazol, substituierte Benzimidazole oder einen der sonstigen Bestandteile. Esomeprazol darf, ebenso wie andere Protonenpumpeninhibitoren, nicht mit Nelfinavir angewendet werden. Pharmakotherapeutische Gruppe: Protonenpumpenhemmer, ATC-Code: A02B C05. Abgabe: Rp, apothekenpflichtig. Packungsgrößen: 20 mg, 40 mg: Blisterpackungen zu 7, 14, 30 Stück. Kassenstatus: Green Box. Zulassungsinhaber: Gebro Pharma GmbH, 6391 Fieberbrunn. Stand der Fachkurzinformation: 03. Jänner 2012. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sowie Gewöhnungseffekten entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. ELIQUIS 2,5 mg Filmtabletten. Pharmakotherapeutische Gruppe und ATC Code wurden noch nicht zugeteilt. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Filmtablette enthält 2,5 mg Apixaban. Sonstiger Bestandteil: Jede Filmtablette enthält 51,43 mg Lactose. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Lactose, Mikrokristalline Cellulose (E460), Croscarmellose Natrium, Natriumdodecylsulfat, Magnesiumstearat (E470b); Filmüberzug: Lactose Monohydrat, Hypromellose (E464), Titandioxid (E171), Triacetin (E1518), Eisen(III) hydroxid oxid x H2O (E172). ANWENDUNGSGEBIETE: Zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft oder Kniegelenksersatzoperationen. GEGENANZEIGEN: • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. • Klinisch relevante akute Blutung. • Lebererkrankungen, die mit einer Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko verbunden sind. PHARMAZEUTISCHER UNTERNEHMER: Bristol Myers Squibb/Pfizer EEIG, Bristol Myers Squibb House, Uxbridge Business Park, Sanderson Road, Uxbridge, Middlesex, UB8 1DH, Vereinigtes Königreich. Kontakt in Österreich: Bristol-Myers Squibb GesmbH, 1101 Wien, Tel. +43 1 60143-0. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: NR, apothekenpflichtig. Stand: Mai 2011. Weitere Angaben zu den besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. MULTAQ 400 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine Tablette enthält 400 mg Dronedaron (als Hydrochlorid). Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Hypromellose (E 464), Maisstärke, Crospovidon (E1202), Poloxamer 407, 41,65 mg LactoseMonohydrat, hochdisperses Siliciumdioxid (Ph. Eur.), Magnesiumstearat (E 572). Überzug/Politur der Tabletten: Hypromellose (E 464), Macrogol 6000, Titandioxid (E 171), Carnaubawachs (E 903). • Anwendungsgebiete: MULTAQ ist angezeigt bei erwachsenen, klinisch stabilen Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern (VHF) (aktuell bestehend oder in der Vorgeschichte), um ein Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu verhindern oder die ventrikuläre Herzfrequenz zu senken. • Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; atrioventrikulärer Block zweiten oder dritten Grades oder Sick-Sinus-Syndrom (außer bei gleichzeitiger Verwendung eines Herzschrittmachers); Bradykardie < 50 Schläge pro Minute (spm); Patienten in hämodynamisch instabilem Zustand, einschließlich Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz in Ruhe oder bei minimaler Belastung (entsprechend NYHA-Klasse IV oder instabilen Klasse-III-Patienten); gleichzeitige Anwendung mit starken CYP P 450 (CYP) 3A4-Inhibitoren, wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol, Telithromycin, Clarithromycin, Nefazodon und Ritonavir; Arzneimittel, die Torsade de pointes verursachen können, wie Phenothiazine, Cisaprid, Bepridil, trizyklische Antidepressiva, Terfenadin und bestimmte orale Makrolid-Antibiotika (wie z.B. Erythromycin) sowie Klasse-I und -III-Antiarrhythmika; QTc-Bazett-Intervall ≥ 500 Millisekunden; schwere Leberfunktionsstörung; stark eingeschränkte Nierenfunktion (CrCl < 30 ml/min).• Inhaber der Zulassung: sanofi-aventis, Paris • Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig • Pharmakotherapeutische Gruppe: Antiarrhythmika, ATC-Code: C01BD07. • Stand der Fachkurzinformation: 21. Jänner 2011. • Stand der Information: 21. Jänner 2011. Weitere Angaben zu den besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Zinforo 600 mg Pulver zur Herstellung eines Konzentrats für eine Infusionslösung. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antibiotika zur systemischen Anwendung, andere Cephalosporine, ATC-Code: J01DI02. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Durchstechflasche enthält Ceftarolinfosamilacetat (1:1) 1 H2O, entsprechend 600 mg Ceftarolinfosamil. Nach Rekonstitution enthält 1 ml Lösung 30 mg Ceftarolinfosamil. Sonstige Bestandteile: Arginin. ANWENDUNGSGEBIETE: Zinforo wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung der folgenden Infektionen (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1): • Komplizierte Haut- und Weichgewebeinfektionen • Ambulant erworbene Pneumonie. Die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Wirkstoffen sind zu berücksichtigen. GEGENANZEIGEN: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Überempfindlichkeit gegen Cephalosporin-Antibiotika. Plötzlich einsetzende und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. anaphylaktische Reaktion) gegen jegliche andere Art von BetalactamAntibiotika (z. B. Penicilline oder Carbapeneme). 7. INHABER DER ZULASSUNG: AstraZeneca AB; S-151 85 Södertälje; Schweden. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand: 23. August 2012. Informationen zu den Abschnitten „Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie den Gewöhnungseffekten sind der veröffentlichten Fachinformation (z.B. Austria Codex) zu entnehmen.

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kurzmeldungen | betrieb Rehabilitationszentren

Orthopädie-Verbund. Die orthopädischen Abteilungen der niederösterreichischen Spitäler Krems, St. Pölten und Lilienfeld werden künftig als Verbund geführt. Die einzelnen Operationen sollen den drei Landeskliniken durch eine zentrale Operationsplanung zugeteilt, gleiche Operationen sollen durch die gleichen Operateure durchgeführt werden. Angestrebt wird auch ein einheitlicher Einkauf von Implantaten, um Rabatte zu lukrieren.

Fotos: Pixelio/Gerd Altmann/Shap/photoshopgraphics.com, PhotoDisc (2), AUVA/Henisch, Klinikum Wels-Grieskirchen

Zu wenig Plätze für Herzrehabilitation Nur ein Bruchteil der Patienten mit Herzproblemen gelangt in Österreich in eine evidenzbasierte kardiologische Rehabilitationstherapie. Die meis­ten Anträge würden zwar von den Krankenkassen auch genehmigt, es fehle aber an den nötigen Rehabilitationszentren, klagt Prim. Univ.Doz. Dr. Werner Benzer, Beirat der Arbeitsgemeinschaft für ambulante kardiologische Prävention und Rehabilitation (AGAKAR). „In Österreich gibt es derzeit nur zehn Rehabilitationszentren, davon gehören acht zur AGAKARGemeinschaft“, schildert Benzer die Situation. In der ambulanten Herzrehabilitation werden neben Bewegungstherapien, die Patienten nach der Behandlung im Zentrum in ihr alltägliches Leben integrieren, auch psychokardiologische Schulungen und Beratungen angeboten, die den Men-

schen die Angst vor ihrer Krankheit nehmen sollen. Trotz des evidenten Benefits für die Betroffenen – die Mortalitätsrate werde deutlich gesenkt, die Lebensqualität erhöht, Krankenstände und Arztbesuche gingen zurück – würde eine Erweiterung des Angebots nicht genehmigt, so Benzer. Um allen Patienten die Vorteile einer ambulanten Herzrehabilitationstherapie zu bieten, müsste diese aber flächendeckend und wohnungsnah organisiert sein. Die Kosten, um alle rund 20.000 Patienten zu behandeln, würden jährlich bei rund vier Millionen Euro liegen. Viele Patienten wüss­ ten außerdem gar nicht, dass sie die Möglichkeit zu einer ambulanten Herzrehabilitation haben, sieht AGAKAR-Fachbeiratsvorsitzender Univ.Prof. Dr. Rochus Pokan, MedUni Wien. Hier sei noch Bewusstseinsbildung nötig.

Neueröffnung. Mit September ging im AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling die modernste Intensivbettenstation Österreichs in Betrieb. Insgesamt stehen nun in einem der größten Unfallkrankenhäuser Österreichs zwölf Positionen mit modernsten technischen Geräten und umfassender elektronischer Überwachung zur Verfügung. Im Extremfall kann die Kapazität auf bis zu 17 Betten erhöht werden.

Vinzenz Gruppe

Gerätesterilisation für fünf Häuser Die fünf Wiener Spitäler der Vinzenz Gruppe bündeln seit Mitte Oktober die Sterilisation von OP-Besteck in einer neu errichteten zentralen Sterilisationseinheit. Die Zentralsterilisation ist in einem 600m großen Gebäude im Orthopädischen Spital Speising untergebracht. Mit der gemeinsamen Anlage in Wien geht die Vinzenz Gruppe einen Schritt weiter auf dem Weg, durch Zusammenarbeit und Bündelung von Aufgaben wie Labor, Radiologie, Einkauf, Wäscherei oder Reinigung Synergieeffekte zu heben 2

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und kostengünstiger zu agieren. Damit sei es kleineren Spitälern, die für Patienten und Mitarbeiter überschaubar bleiben und persönliche Betreuung anbieten, als „virtuelle Großspitäler“ möglich, wirtschaftlich effektiv zu arbeiten. Erfahrungen in der Zusammenarbeit hat man in der Vinzenz Gruppe vor allem in Ober-österreich gesammelt, wo die Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder und der Barmherzigen Schwestern bereits seit zehn Jahren als Spitalsgemeinschaft kooperieren.

Jubiläum. Das Krankenhaus Grieskirchen in Oberösterreich feierte am 15. September sein 100-jähriges Bestehen. Im Verbund mit dem Klinikum Wels bietet der Standort Grieskirchen neben gemeinsam geführten Abteilungen Schwerpunkte auf den Gebieten Akutgeriatrie, Remobilisation, Nachsorge und Psychsosomatik.

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Arbeitsplatz Krankenhaus

Wie zufrieden sind Österreichs Spitalsärzte? Eine wissenschaftliche Erhebung an der Wirtschaftsuniversität Wien hat die Arbeitszufriedenheit von angestellten Fachärzten in Oberösterreich untersucht und festgestellt, dass diese drastisch abgenommen hat.  Von OÄ Dr. Notburga Krahwinkler

Obwohl Ärzte ihren Beruf lieben und ihn häufig noch immer als „Beru­ fung“ empfinden, würde ein Großteil der befragten Mediziner seinen Kin­ dern den Arztberuf nicht empfehlen – einerseits aufgrund befürchteter gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die belastende Berufsaus­ übung im Spital, andererseits auf­ grund der immer schwieriger zu be­ wältigenden Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben. Die zunehmenden bürokratischen Aufgaben beanspruchen durch­ schnittlich und abhängig vom ausge­

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Entlohnung von Fachärzten Im Vergleich zum hohen Sozialpres­ tige des ärztlichen Berufsstandes ent­ spreche die Entlohnung von ange­ stellten Fachärzten nicht dem hohen Risiko ihrer Berufsausübung. Ein an­

Drohender Ärztemangel

OÄ Dr. Notburga Krahwinkler, MBA FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, KH der Barmherzigen ­Brüder, Linz

Zudem wird nicht nur im niedergelas­ senen Bereich, sondern auch in vielen Spitälern ein Ärztemangel bemerkbar. Aktuell haben nicht nur Krankenhäu­ ser in der Peripherie wie Schärding oder Freistadt Probleme, Turnusärzte zu akquirieren, und sind nicht mehr in der Lage, ihr vorgesehenes Turnus­ arzt-Kontingent aufzufüllen. Es sei daher hoch an der Zeit, dass ­Politik und Spitalsträger vor der ge­ schilderten Situation die Augen nicht mehr verschließen. Die Ärzte­ schwemme ist wesentlich schneller als erwartet einem Ärztemangel ge­ wichen. Spitäler und ihre Träger soll­ ten umdenken und sich die Frage stellen: „Was macht mich zu einem attraktiven Arbeitgeber?“ y

„Rechtliche Situation wird schwieriger, Patienten sind deutlich klagefreudiger“ 80

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1 trifft zu

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5 trifft nicht zu

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Foto: Privat

Überbordende Bürokratie

übten Fach etwa ein Drittel der tägli­ chen ärztlichen Arbeitszeit. Das Tätig­ keitsprofil von angestellten Ärzten rückt in diesem Bereich immer näher an jenes von Schreibkräften (Castelein 2011). Zeit, die dann für die Betreuung und Behandlung der Patienten fehlt. Im Zeitraum von 1990 bis 2008 sank in Österreich laut ÖÄK die PatientenVerweildauer in Spitälern um die Hälf­ te. Dieser Trend hat sich in den ver­ gangenen drei Jahren noch deutlich verstärkt, da viele Eingriffe aufgrund von minimalinvasiven Operationsme­ thoden tagesklinisch oder mit wesent­ lich kürzerer Spitalsaufenthaltsdauer durchgeführt werden können. Da es bisher zu keiner adäquaten personel­ len Aufstockung gekommen ist, führte dies zu einer massiven Arbeitsverdich­ tung sowohl für den ärztlichen Dienst als auch für das Pflegepersonal. Im selben Zeitraum ist die Anzahl der stationären Aufnahmen in den Fonds­ krankenanstalten um mehr als 50 Pro­ zent gestiegen (1990: 1.601.789 Pati­ enten, 2008: 2.521.569 Patienten). Statistische Erhebungen zeigen zu­ dem eine signifikant höhere Rate an Schadenersatzforderungen und ge­ richtlich anhängiger Verfahren von­ seiten der Patienten im Vergleich zu früher. Auch das bringt Ärzten zuneh­ mend unter Druck – Behandlungsent­ scheidungen werden aus Defensivpo­ sitionen heraus getroffenen. Dem­ entsprechend wurde im Fragebogen dieser Punkt von über 80 Prozent der Rückantwortenden als zunehmende Belastung gewertet (siehe Abb.).

Prozent

yy Die Arbeitszufriedenheit von an­ gestellten Fachärzten hat drastisch abgenommen. Dies ist das Ergebnis einer vergleichenden empirischen Untersuchung an der Wirtschaftsuni­ versität Wien mit dem Titel „Welchen Einfluss hat die veränderte Arbeitssi­ tuation auf die Arbeitszufriedenheit von angestellten Fachärzten in Ober­ österreich?“ Die Erhebung erfolgte an angestellten Fachärzten aus Chirur­ gie, Anästhesie, Orthopädie, Pädiatrie und Gynäkologie in Oberösterreich. 530 Fragebögen wurden versandt, die Rücklaufquote betrug erfreuliche 42,46 Prozent. Laut der Untersuchung werden die Rahmenbedingungen des österreichi­ schen Gesundheitssystems in Spitä­ lern durch überbordende Bürokratie, demografische Veränderungen (Stich­ wort Überalterung), steigende Patien­ tenansprüche, zunehmende Ressour­ cenknappheit, Zeitdruck durch zu­ nehmende Arbeitsverdichtung, mäßi­ ge Entlohnung und noch immer zu lange Dienstzeiten (oft weit über der gesetzlich erlaubten Höchststunden­ anzahl von 72 Wochenstunden) zu­ nehmend unattraktiv.

gestellter Facharzt mit einer über zehnjährigen Berufserfahrung erhält für einen Nachtdienst (neun Stun­ den) bei geistlichen und weltlichen Spitalsträgern in Oberösterreich etwa eine Bruttopauschale von rund 280 Euro. In diesem Zusammenhang sei aber darauf hinzuweisen, dass die Ärzteschaft insgesamt eine Berufs­ gruppe mit hohen Einkommensun­ terschieden in den verschiedenen Bereichen (Primar/Ober-/Fach-/Tur­ nus-/niedergelassener Arzt) ist. Diese Situation bezogen auf oberös­ terreichische Spitäler ist mit geringen Variationen auch auf das restliche Österreich übertragbar. Zufriedene und vor allem ausgeruhte Ärzte liefern eine signifikant höhere Behandlungs­ qualität (Adamer 2006), so können auch etwaige Kosten an späteren Schadenersatzforderungen sowie Rechtsausgaben gespart werden.


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Serie: Medizin & Management VIII

Brauchen (ärztliche) Führungskräfte eine Vision? Die Vision liefert die Grundlage für die Ziele jedes Unternehmens und trägt damit zur Weiterentwicklung und Motivation aller bei. Von Mag. Christina Lechner und Univ.-Prof. DDr. Michael Lehofer

Univ.-Prof. DDr. Michael Lehofer ist Ärztlicher Direktor der Grazer Landesnervenklinik Sigmund Freud, Führungskräfte-Coach und Buchautor. Kontakt: michael. lehofer@lsf-graz.at

yy Über keinen zweiten Begriff herrscht in der Management-Literatur so viel Unklarheit wie über den der Vision. Einmal werden Visionen mit als „besondere Arten von Zielen“ beschrieben, ein anderes Mal heißt es „Führungskräfte brauchen weder Begeisterung noch Visionen“ (vgl. Malik, 2006: „Führen, leisten, leben“). Am meisten strapaziert in diesem Zusammenhang wird wohl das bekannte Zitat des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen“. Ein Blick in die Gesellschaft macht jedoch deutlich, dass gerade sogenannte „Visionäre“ oft Großes und Nachhaltiges bewirkt haben und bewirken.

Definition einer Vision Die Vision einer Führungskraft ist zu verstehen als übergeordnete Idee, als Bild oder Entwurf von der Ausrichtung des Unternehmens. Die Vision liefert damit den nötigen Hintergrund für die Entwicklung und Formulierung von Zielen, wobei Ziele nicht nur rein ergebnisorientiert (z.B. „Auslastung von xx Prozent“), sondern auch als Handlungsziele zu verstehen sind. Letztere beschreiben die Prozesse und die Art der Umsetzung, mit denen die Ziele realisiert werden können. Die Herausforderung für die Führungskraft liegt nun darin, ihre Vision mit dem vorhandenen Potenzial der Organisation bzw. den herrschenden Strukturen in Einklang zu bringen, ohne bloß ein „Mehr desselben“ zur Vision zu machen: Die Vision haben Sie schon in Ihren Grundzügen, bevor Sie sich für die jeweilige Führungsposition bewerben! In der Praxis bedeutet dies, dass die Führungskraft stets eine realistische Wahrnehmung von allen Vorgängen an der Abteilung bzw. des Hauses haben muss und zugleich eine Vorstellungskraft von seiner potenziellen Entwicklung. Durch den Vergleich von Wahrnehmung und Vision lassen sich unentdeckte Potenziale und vorhandene Ressourcen erkennen – bei sich selbst und bei den Mitarbeitern.

Abbildungen/Foto: ImageZoo, Privat

Vision oder Leitbild

Lesen Sie im Teil IX der Serie über ein „Best Practice Modell“ als Arzt und Führungskraft.

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In vielen Gesundheitseinrichtungen werden Leitbilder oder Leitlinien gerne als „Unsere Vision“ bezeichnet und als solche öffentlich gemacht. Praktischerweise entstehen solche Leitbilder durch Kommunikationsprozesse, in die auch die Vision der Führungskraft einfließt. Die gemeinsame „Vision“ als Leitbild formuliert stellt damit einen Konsens dar, in dem fairerweise auch die Handlungsziele der Abteilung dargestellt werden sollten. Aus der Sicht der

Führungskraft ist das Leitbild das Verbindungsglied zwischen ihrer eigenen Vision und den Zielen. Eines haben die Vision der Führungskraft und das Leitbild des Unternehmens aber gemeinsam: Voraussetzung zu ihrer Entwicklung ist eine angstfreie, entspannte Atmosphäre. Wurde in einem Unternehmen z.B. einige Tage für die Entwicklung einer gemeinsamen Vision/eines Leitbildes anberaumt, dann müssen diese Tage auch enden dürfen, indem keine Vision/kein Leitbild da ist. Vielleicht entsteht dieses dann – ganz ohne Druck – in den nächsten Wochen bei einem informellen Treffen der beteiligten Mitarbeiter oder in einer gemeinsam verbrachten Arbeitspause.

Vision und Werte Die Führungskraft behält die Freiheit, ihre eigene Vision mitzubringen und sie laufend weiterzuentwickeln, im Bewusstsein dessen, sich damit der möglichen Kritik auszusetzen, mit ihrer Vision ein vermeintlich unrealisierbares Idealbild anzustreben. Die „Quadratur des Kreises“ wird jedoch möglich, wenn die Vision in den Kontext der persönlichen Werthaltungen eingebettet und kommuniziert wird. Damit wird sie authentisch und nachvollziehbar und zeigt einen Vorgesetzten, der als Vorbild, Coach und Motivator der Mitarbeiter da ist. Beispiele für Visionen ärztlicher Führungskräfte gibt es viele: etwa eine Klinik in einem Entwicklungsland, die zugleich als Schulungszentrum in Gesundheitsfragen funktioniert; eine Abteilung für chronisch Kranke mit Einbeziehung freiwilliger Helfer und Angehörigen; eine Abteilung, die modernste Spitzenmedizin und gemeindenahe Versorgung in Einklang bringt und gleichermaßen die Schnittstellen vernäht, oder eine Abteilung, die als einziges Zentrum Europas die Methode X zur Therapie der äußerst seltenen Diagnose Y anwendet. Die eingangs gestellte Frage, ob eine (ärztliche) Führungskraft eine Vision benötigt, ist also mit einem „Ja“ zu beantworten. y

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termine

recht in der praxis

8.–10. November

29. November

Ort: Krems Thema: Forschung und Praxis in der Musiktherapie etc. Info: IMC Fachhochschule Krems www.mozart-science.at

Ort: Wien Themen: Diabetischer Fuß, Apheresetherapie, Schnittstelle Krankenhaus-Pflegeheim etc. Info: Ärztezentrale Med.Info E-mail: azmedinfo@media.co.at

State of the Art

9.–10. November

Kinder-Schmerz-Kongress

Ort: Graz Themen: Physiologie, Schmerzmessung, Pharmakologie, Schmerztherapie beim Neugeborenen/in der Orthopädie, chronische Bauchschmerzen etc. Info: Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz www.kisko2012.com 15.–17. November

Jahrestagung der Österr. Diabetesgesellschaft

Ort: Salzburg Themen: Leitlinien 2012, Genderaspekte, medikamentöse Optionen bei Diabetes mellitus Typ 1, Gewichtsmanagement bei Diabetes mellitus Typ 2 etc. Info: Österr. Diabetesgesellschaft www.oedg.org 22.–24. November

Jahrestagung der Österr. Gesell. für Rheumatologie & Rehabilitation

Ort: Wien Themen: Kniffliges aus dem Praxisalltag, Radiologie und Rheumatologie, pädiatrische Rheumatologie etc. Info: Österr. Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation www.rheumatologie.at

30. November bis 1. Dezember

Kardiologie-Update

Ort: Wien Thema: Diagnose – Prävention – Intervention Info: Österr. Kardiol. Gesellschaft www.atcardio.at 30. November bis 1. Dezember

Jahrestagung der Österr. Gesell. für Dermatologie und Venerologie

Ort: Hall in Tirol Themen: Dermatochirurgie, Infektionskrankheiten, Psychodermatologie etc. Info: Österr. Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie www.oegdv.at 6.–8. Dezember

Menopausekongress

Ort: Wien Themen: Soziale/ethische/kulturelle Gesundheitsaspekte etc. Info: Kuoni Management GmbH www.menopausekongress.at 13.–14. Dezember

17. Medizinrechts-Tage

Ort: Linz Thema: Innovation und Recht in der Medizin Info: Österr. Gesellschaft für Medizinrecht www.medizinrecht.jku.at

24. November

8. Update Herz und Niere Ort: Wien Themen: Metabolisches Syndrom/Adipositas, neue medikamentöse Therapie, interventionelle Eingriffe Info: Österr. Kardiologische Gesellschaft www.atcardio.at

26. Jänner 2013

13. Consensus-Meeting der AG für Herzinsuffizienz Ort: Wien Thema: Herzinsuffizienz beim älteren Patienten Info: medCongress www.medcongress.at 13.–16. Feber 2013

27. November bis 1. Dezember

Innere Medizin Refresher

Ort: Wien Themen: Kardiologie, Angiologie, Gastroenterologie, Rheumatologie, Infektiologie etc. Info: Forum medizin. Fortbildung www.fomf.at

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31. Wiener Intensivmedizinische Tage

Ort: Wien Thema: Der alte Intensivpatient Info: Prof. Dr. Wilfried Druml, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien www.intensivmedizin.at

Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner Juristische Fakultät der Universität Wien

Aufklärungspflicht bei ästhetischen Behandlungen Im Juli 2012 wurde ein Gesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen beschlossen, das am 1.1.2013 in Kraft treten wird. Ziel des Gesetzes ist es, die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten und eine einheitliche Qualitätssicherung zu schaffen. Um einen möglichst umfassenden Patientenschutz zu gewährleisten, wurde der Anwendungsbereich des Gesetzes sehr weit gezogen. Umfasst sind neben operativ-chirurgischen Behandlungen auch Behandlungen mit anderen als operativ-chirurgischen Methoden einschließlich minimalinvasiver Methoden, soweit diese zur Herbeiführung zur optischen Verbesserung oder der Verschönerung des menschlichen Körpers dienen und keine medizinische Indikation vorliegt. Das Gesetz differenziert nach der Intensität des Eingriffes zwischen ästhetischen Operationen und ästhetischen Behandlungen. Das neue Gesetz sieht vor, dass ästhetische Operationen nur von Fachärzten für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie durchgeführt werden dürfen. Die ÖÄK ist jedoch berechtigt, auch anderen Fächern dieses Recht einzuräumen. Ärzte für Allgemeinmedizin sollen nur dann zur Vornahme von ästhetischen Operationen berechtigt sein, wenn sie über nachzuweisende und einem einschlägigen Facharzt gleichwertige Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten verfügen. Der hohe Patientenschutz wird insbesondere durch strenge Bestimmungen über die ärztliche Aufklärungspflicht gewährleistet. Das Gesetz verpflichtet den Arzt zu einer klaren und verständlichen Aufklärung. Ausdrücklich genannt werden: Methode, Wesen, Bedeutung und Tragweite des Eingriffs, angewendete Arzneimittel und deren Nebenwirkungen sowie Medizinprodukte einschließlich Implantate und deren Funktionsfähigkeit und Lebensdauer, alternative Therapiemöglichkeiten, das in Aussicht gestellte Ergebnis und mögliche Abweichungen, sowie deren Behandlungsmöglichkeiten, mit dem Eingriff verbundene Unannehmlichkeiten, mögliche Folgen wie Narbenbildung und Komplikationen einschließlich der Beeinträchtigung von Organfunktionen, die erforderliche Nachbehandlung einschließlich der voraussichtlichen Dauer der Arbeitsunfähigkeit und mögliche Spätfolgen, allfällig erforderliche Nachfolgeoperationen etc. Über sämtliche bekannte Gefahren des Eingriffs ist aufzuklären. Der Patient ist über sämtliche im Zusammenhang mit dem Eingriff stehende Kosten einschließlich zu erwartender Folgekosten aufzuklären, insbesondere auch darüber, dass er die Behandlungskosten selbst zu tragen hat. Die Aufklärung über die Kosten hat unter bestimmten Voraussetzungen in Form eines schriftlichen Kostenplans zu erfolgen. Die Aufklärung hat umfassend mündlich und schriftlich in einer für medizinische Laien verständlichen Sprache zu erfolgen. Die erfolgte ärztliche Aufklärung ist schriftlich in gut lesbarer Form zu dokumentieren und dem Patienten durch dessen Unterschrift zu bestätigen. CC10/12

Foto: Barbara Krobath

Mozart & Science


CARTOON

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Höchste Flexibilität oder

optimale Sicherheit ?

Beides.

OP-Management verlangt heute ein Höchstmaß an Flexibilität. Eingriffe werden komplett mit individuellen OP-Sets versorgt, die Disposition verlangt rasche Reaktionszeiten. Die Materialqualität erfüllt höchste Anforderungen auch und besonders bei flüssigkeitsreichen und dynamischen Operationen. Moderne OP-Textilen schaffen diese Synthese mit validierten Prozessen, High-Tech-Qualität und Logistik. Dipl. KH-BW Franz Mannsberger, MBA stellv. Pflegedir. / LKH Innsbruck

„OP-Textilien werden just in time angeliefert und brauchen wenig Lagerplatz, die Bestellung ist einfach und bringt bedarfsgerechte Liefermengen.“

OP und Textilien gehören zusammen.

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