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Knödel im Hals Schluckbeschwerden und Heiserkeit sind häufige Störungen, mit denen Patienten in der Praxis vorstellig werden. Ein Überblick über die möglichen Ursachen.

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Fotos: aaali – Fotolia.com, Privat

tmen, Saugen, Kauen und Schlucken, Riechen und Schmecken, der Beginn der Verdauung sowie der Schutz der Atemwege: An keiner Stelle unseres Körpers vereinen sich so viele eng miteinander verbundene vitale Funktionen wie in unserem orofacialen System. Entsprechend viele Störungen können dort auftreten. Zwei wichtige Leitsymptome sind Heiserkeit und Schluckbeschwerden. Schluckstörungen (Dysphagien) sind nicht selten lebensbedrohlich, führen aber auch zu sozialer Isolation und mindern die Lebensqualität erheblich. Eine Hauptform stellt die Aspiration, also das Eindringen von Nahrung in die unteren Atemwege dar. Je nach Zeitpunkt in Bezug zur Auslösung des Schluckreflexes unterscheidet man eine prä-, intra- oder postdeglutitive Aspiration. Sind keine typischen Symptome – z .B. Hustenreiz bei der Nahrungsaufnahme – vorhanden, spricht man von einer stillen Aspiration. Als Globusgefühl wird das Gefühl, einen „Knödel“ im Hals zu haben, bezeichnet. Dieses tritt vorwiegend beim Leerschlucken auf, ohne dass die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt wäre. Schlucktherapie: Zeit und Geduld Die Ursachen für Schluckstörungen sind äußerst vielfältig, können aber zwei großen Gruppen zugeordnet werden: einerseits mechanische Behinderungen durch strukturelle Veränderungen (z. B. nach Operationen oder Bestrahlungen im Kopf-HalsBereich) und anderseits Störungen des Funktionsablaufes vor allem neurologischer Genese (z. B. nach Insult, Schädel-HirnTraumen, Kehlkopflähmungen, Bulbärparalyse). Entsprechend den mannigfaltigen Ursachen ist es erforderlich, für jeden Patienten ein maßgeschneidertes Therapiekonzept zu erstellen. Das Ziel ist in jedem Fall einerseits die Sicherstellung der Ernährung und andererseits die Vermeidung pulmonaler Komplikationen. Für die Therapie stehen grundsätzlich funktionelle und chirurgische Maßnahmen zur Verfügung. Unterstützend können auch Medikamente eingesetzt werden wie z. B.

ärztemagazin 19/2012

H2-Blocker oder PPI bei der Refluxerkrankung, Botulinum-Toxin bei krikopharyngealen Spasmen. Die funktionelle Schlucktherapie wird in Österreich von diplomierten Logopäden in Kooperation mit Phoniatern/HNOÄrzten durchgeführt. Sie erfordert viel Zeit und Geduld und stellt einen wichtigen und stark expandierenden Aufgabenbereich des logopädisch/phoniatrischen Therapiespektrums dar. Ist die Störung konservativ nicht (ausreichend) behandelbar, sind schluckchirurgische Maßnahmen indiziert. Die primäre Intention ist es dabei immer, die Grunderkrankung kausal zu behandeln, z.B. die Beseitigung eines Passagehindernisses. Durch moderne, minimal invasive endoskopische Verfahren kann dabei das Operationstrauma minimiert werden. Insbesondere für die relativ häufigen Dyskinesien des pharyngo-ösophagealen Überganges und Hypopharynxdivertikeln (Zenker) kommen in den letzten Jahren routinemäßig endoskopische Lasermyotomien mit ausgezeichneten Resultaten und minimaler Belastung für den Patienten zum Einsatz. Ist keine der konservativ chirurgischen Maßnahmen sinnvoll einzusetzen und ist der Patient durch eine unbeherrschbare Aspiration vital gefährdet, dann ist die Trennung der Luft- und Speisewege durch radikal chirurgische Verfahren indiziert. Frühsymptom Heiserkeit Heiserkeit wird als Oberbegriff für alle Formen eines pathologischen Stimmklanges verwendet und ist das Leitsymptom einer Stimmstörung (= Dysphonie). Heiserkeit ist ein (Früh-)Symptom von zahlreichen Erkrankungen des Kehlkopfes. Eine der häufigsten Ursachen ist die akute Laryngitis, die üblicherweise im Rahmen eines viralen Infektes der oberen Luftwege auftritt. Unter entsprechender Schonung („nicht sprechen“) ist diese selbstlimitierend und heilt folgenlos aus. Bleibt die Heiserkeit bestehen oder rezidiviert sie, muss nach weiteren Ursachen geforscht werden. Generell gilt: Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen anhält, muss laryngoskopisch abgeklärt werden.

Die chronische Laryngitis ist vorwiegend durch exogene Noxen (Nikotin- oder Alkoholabusus) sowie chronische Entzündungen der Atemwege oder einen laryngo-pharyngealen Reflux verursacht. Wichtig sind dabei regelmäßige HNO-ärztliche Kontrollen, um insbesondere bei den hyperplastischen Formen mit Leukoplakien die Entwicklung eines Karzinoms rechtzeitig zu erkennen. Hervorragende Heilungsrate Kehlkopfkarzinome im Frühstadium haben eine hervorragende Heilungsrate von über 90 Prozent und können heute mittels endolaryngealer Laserchirurgie mikrochirurgisch mit minimaler Belastung entfernt werden. Bei ausgedehnten Tumoren stellt die totale Laryngektomie nach wie vor den Goldstandard dar. Daneben spielt die moderne Radio-Chemotherapie auch in der Behandlung von Kopf-Halstumoren eine immer größere Rolle. Funktionelle Dysphonien sind Krankheiten der Stimme, bei denen sich keine krankhaften, primär organischen Veränderungen nachweisen lassen. Ursächlich liegt ein multifaktorielles Geschehen zugrunde, wobei vor allem einer inadäquaten Stimmbelastung bzw. -überlastung (Stimm- und Sprechberufe) große Bedeutung zukommt. Durch lang dauernde, funktionelle Fehlbelastungen können sich sekundär-organische Veränderungen wie Stimmlippenknötchen, Stimmlippenpolypen, Reinke-Ödeme etc. bilden. n Univ.-Prof. Dr. Gerhard Friedrich, Vorstand der HNOUniversitätsklinik Graz, Leiter der Klinischen Abteilung für Phoniatrie

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aem 19, dfp-Artikel, fall der woche

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