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14 Mittwoch, 19. Juni 2013

WANN & WO

Wann ist Werbung als sexistisch einzustufen?

Werbewatchgroups überprüfen Werbung auf sexistische Sujets: „Die Sexualisierung, Verfügbarkeit und Abwertung von Frauen, fallweise auch Männern, kann durch pornografische Ästhetik, pornografische Stilmittel und einem pornografischen Blick verstärkt dargestellt werden. Sex und Frauen werden als käuflich dargestellt bzw. Assoziationsketten diesbezüglich ausgelöst. Die softpornografische Kommerzialisierung des meist weiblichen Körpers im öffentlichen Raum kann Vorbildwirkung haben und ein Klima schaffen, in dem die Hemmschwelle für Übergriffe sinkt.“ Mehr Infos zu dem Thema gibt es auf www.werbewatchgroup-wien.at.

UMFRAGE

„Leute sind selbst leicht bekleidet “ Robert, 45, Dornbirn: „Heutzutage ist diese Art von Werbung nichts Besonderes mehr. Die Leute laufen zum Teil ja auch leicht bekleidet herum. Ich denke aber, dass diese Art der Werbung nicht mehr so viel Aufmerksamkeit erregt, da wir jeden Tag damit konfrontiert werden. Neben Schulen und Kindergärten hat anzügliche Werbung jedoch nichts zu suchen. Dass Kinder immer früher reif werden, hat sicherlich auch etwas mit der Werbung zu tun.“

Fotos: Facebook, LS, SG, Shutterstock

Das Plakat des UnterwäscheHerstellers Huber wurde nicht von allen gern gesehen.

„Eine witzige Idee, die mich nicht stört“ Silvi, 34, Dornbirn: „Ich bin gespaltener Meinung bezüglich sexistischer Werbung. Im Falle von Muther Transporte sehe ich das jedoch nicht so eng, sondern eine witzige Idee. Daher stört mich das auch nicht. Auch das Höfle Plakat, das zur Belustigung der Bauarbeiter aufgehängt wurde, finde ich ganz amüsant. Das Huber-Plakat mit den bloßen Brüsten muss nicht unbedingt sein. Es kommt immer darauf an, ob Bilder ästhetisch, lustig oder einfach nur billig wirken. Werbung hat ja auch eine Art Vorbildfunktion für Kinder und prägt Rollenbilder.“

„Nicht für Kinder zugänglich machen“ Maximilian, 19, Höchst: „Meiner Meinung nach ist die Muther Werbung nicht schlimm. Plakate dieser Art erzeugen Aufmerksamkeit und werden natürlich auf die Zielgruppe ausgelegt. Das Huber Plakat ist für mich allerdings die obere Grenze. Alles, was weiter geht, ist für mich sexistisch. Gut wäre, wenn Werbung dieser Art für Kinder nicht zugänglich gemacht würde.“

Laut unserer Umfrage nehmen die Vorarlberger die Muther-Werbung mit Humor.

Das Höfle Plakat an einer Baustelle in Bregenz mit dem Satz „Entsorgung in Perfektion“ sorgte für Aufregung.

„Frauen sind keine Deko!“

Auch im Ländle wird mit nackter Haut und erotischen Bildern geworben. Doch was ist noch kreativ und was sexistisch? W&W fragte nach.

In Vorarlberg ist man sich einig (siehe Umfrage): Werbung ist dann als sexistisch zu sehen, wenn sie weder ästhetisch noch originell ist und Grundrechte verletzt werden. Außerdem: An erster Stelle stehen Kinder, die man vor sexuellen Inhalten schützen sollte.

„Sex Sells“ Elfriede Schallert Geschäftsführerin von Femail erklärt bezüglich der Muhter Transporte Werbung: „Werbung ist immer subjektiv. ‚Sex Sells‘ mag in der Werbung eine (überholte) Annahme sein, die empirische Studien (Lernpsychologie) eindeutig widerlegen. Grundsätzlich geht es aber nicht darum, sich über Nacktheit und deren öffentlicher Darstellung zu entrüsten, sondern den Kontext. Wieso verknüpft man den Körper ‚ohne

Konzept‘ mit einem komplett anderen Verkaufsthema. Wenn man schon mit sexuellen Klischees und überholten Rollenbildern spielt, sollte auch mehr nackte männliche Haut zu sehen sein. Sich über unorginelle Sujets aufzuregen, führt jedoch nur dazu, dass diese Art von Werbung ungerechtfertigt Aufmerksamkeit erregt – und das ist das Letzte, was sie verdient.“

„Kein sexistisches Plakat“ Plakate von Huber Bodywear GmbH sorgten in der Vergangenheit für große Aufmerksamkeit und auch heute hängt noch eines in Lauterach bei der Spedition Braun. Geschäftsführer Peter Kaufmann von der Huber Bodywear GmbH: „Wir haben das Plakat damals nicht als sexistisch gesehen. Auch der österreichische Werberat hat es für okay befunden. Wir wollten damit den Tragekomfort übertrieben bildlich darstellen. Bis auf ein paar einzelne Ausnahmen haben wir durchwegs sehr gute Erfahrungen mit dieser Werbe-

maßnahme gemacht. Von unserer Seite aus gab es nie die Anweisung, dass das Plakat abgehängt werden sollte.“ Die Firma Guntram Muther Transporte war gestern leider nicht mehr für ein Statement zu erreichen.

Werbung wird als Realität wahrgenommen Der Verein Amazone ist ganz klar der Meinung, dass vor allem Jugendliche von Werbebildern geprägt werden: „Frauen und Mädchen aber auch immer mehr Jungen werden grundlegend von Medien beeinflusst, wenn es um die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper geht. Die reduzierte und sexistische Darstellung von Frauenkörpern prägt ein Bild von der sexuell stets verfügbaren Frau und männlicher Machtfantasien, die von Jugendlichen oft als Realität wahrgenommen werden. Frauen werden sehr oft reduziert auf äußerliche Zuschreibungen: sei schön, sei sexy, sei weiblich. Frauen und Mädchen sind keine Deko!“

SABRINA GRABHER sabrina.grabher@wannundwo.at

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