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AKTUELLE GESUNDHEITS-INFORMATIONEN FÜR KUNDEN DER MEDICOM PHARMA AG . 32. Ausgabe, Oktober 2004

Rauchen – TITELMONTAGE: TAXI, DPNY

zum Abgewöhnen? Das entscheiden Sie Wir liefern Ihnen Informationen zum Thema Rauchen. Denn: Ihre Gesundheit ist unsere Aufgabe


Editorial

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihre

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ie Zigarette – nach dem Essen, zu einer Tasse Kaffee, in gemütlicher Runde, zum Gläschen Wein, in der kurzen Arbeitspause, nach erledigter Arbeit, in der Bar, nach dem Aufstehen, vor dem Schlafengehen, zur Konzentration, zur Entspannung – ständig ist sie mit dabei. Was ist dran an dem Glimmstängel, dass er in einer Vielzahl von Situationen passend oder sogar unentbehrlich erscheint? Wie kann etwas gleichzeitig Langeweile überbrücken, die Konzentration fördern und auch bei Stress helfen? Klingt zuerst ziemlich paradox, aber genau das scheint der Punkt zu sein, warum viele ihre Finger nicht von der Zigarette lassen können: Beim so genannten „Genuss“ einer Zigarette können sich die Raucher je nach Situation und Belieben eine passende positive Wirkung des Qualmes einreden. Was genau der Reiz des Rauchens ist und wieso so viele Menschen nicht auf ihren qualmenden Begleiter verzichten wollen, dieser Frage gehen wir in unserem aktuellen Titelthema „Rauchen – zum Abgewöhnen?“ nach.

Petra Wons Vorstand der Medicom Pharma AG

Wie schnell gewöhnt man sich an den „Sargnagel“? Und wie wird man ihn wieder los? Die MEDICOM klärt auf, wieso man sich schnellstens von der Zigarette verabschieden sollte. Wir möchten Ihnen keine Angst vor Erkrankungen machen, die durch das Qualmen entstehen können, sondern Sie über Gefahren informieren und Hilfestellung fürs Aufhören geben. Was passiert genau beim Einatmen des Rauches? Wir gehen der Frage nach, wie der Tabak wirkt und welche Rolle dabei das Nervengift Nikotin spielt. Wussten Sie zum Beispiel, dass vor allem das Kondensat die Gesundheitsschäden hervorruft? Und nicht, wie viele glauben, das Nikotin? Nikotin ist in erster Linie für die Sucht verantwortlich. Und wie Sie davon am besten wieder loskommen, erfahren Sie ebenfalls im Titelthema. Wir stellen Ihnen verschiedene Methoden vor, wie man sich von der Zigarette verabschieden kann – am besten gleich für immer. Machen Sie den Raucher-

typentest! Und erfahren Sie dann, welche Alternativen Sie zur Zigarette haben. Wir möchten Ihnen Möglichkeiten an die Hand geben, wie diese Alternativen in der Praxis genau aussehen können. Entscheiden Sie sich für eine der für Sie am besten geeigneten Methoden, sich vom Glimmstängel zu verabschieden – wir können Ihnen dann nur noch eine schöne rauchfreie Zeit wünschen. In der Rubrik „Neues aus der Forschung“ beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mit dem Schlaf. Viele Gerüchte kursieren um den Schlaf, die wir näher unter die Lupe nehmen. Wir versprechen Ihnen: Es wird keine Müdigkeit aufkommen. Lassen Sie es sich gut gehen ab Seite 10! Wir stellen Ihnen die indische Lehre von Leben und Gesundheit vor: Ayurveda. So viel möchte ich Ihnen schon jetzt verraten: Hinter dem Begriff Ayurveda steckt mehr als nur eine Massage mit Öl. Tauchen Sie mit der MEDICOM in die indische Philosophie und Heilslehre ein.

FOTO: PHOTOS.COM, PHOTODISC

Liebe Leser, wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe der MEDICOM!


Inhalt Ab Seite

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Titelthema: Rauchen – zum Abgewöhnen? Alle wissen Bescheid. Es steht auf jeder

macht Rauchen so schnell

Packung in nicht zu übersehenden Lettern

abhängig? Es geht jedoch

und auch sonst überall geschrieben: Rau-

nicht nur darum, was ist, son-

chen ist extrem gesund-

dern auch darum, was sein kann,

heitsschädlich. Und doch

denn jeder kann damit aufhören.

werden es nicht weniger

Analysen zum Rauchertyp, Alter-

Menschen, die zur Ziga-

nativvorschläge zur Zigarette und

rette greifen. Warum?

Methoden der Raucherentwöh-

Was kann der Glimm-

nung sollen dabei behilflich sein.

stängel dem Raucher

Wir geben Hintergrundinforma-

geben? Wer raucht und

tionen und Tipps für Raucher

warum? Was passiert

und derzeitige oder zukünftige

chemisch und warum

Nichtraucher.

Körper & Seele:

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Ayurveda – alles fließt Ayurveda liegt im Trend. Doch der Ayurveda ist weit mehr

Ab Seite

als eine Mode. Er ist auch ein Gesundheitssystem, von dem wir uns eine Menge abschauen können. Am bekanntesten und auch bei uns gut zu genießen sind die wunderbar entspannenden Massagen. Worauf Sie bei Ayurveda achten sollten und welche Massagen Sie selbst zu Hause praktidas Vitalstof-Gericht „Die Grüne Wiedergeburt“ auf Seite 37.

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Neues aus der Forschung:

Neues aus dem Schlaflabor In deutschen Schlafzimmern wälzt sich ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung nachts schlaflos im Bett herum. Woran kann das liegen? Sie lesen von Faktoren, die den Schlaf rauben, und von solchen, von denen es nur behauptet wird. Wie Sie Träume sogar beeinflussen können und wie Sie zu Ihrer Nachtruhe kommen – Spannendes rund um eine der schönsten Beschäftigungen, die es gibt.

Essen & Trinken:

Die Mittelmeerküche Die Mittelmeerküche ist im wahrsten Sinne des Wortes „in aller Munde“. Zu Recht, denn wer nach den traditionellen Ernährungsweisen der Mittelmeerländer isst, genießt, bleibt schlank und schützt seine Gesundheit. Wie das geht? Hier bekommen Sie das Rezept.

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Gesundheit & Recht: 9 Gerichtsurteile Notrufnummern – für alle Fälle 17

zieren können, lesen Sie ab Seite 10. Ein besonderer Tipp:

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Kurzmeldungen: Zähne züchten, Zähne bleichen Brustimplantat aus Bauchfett Gesundheitsmeldungen Trend Selfness Fettwegpille doch wirkungslos Musiktherapie gegen Tinnitus Kaugummikauen macht schlau

Ab Seite

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Körper & Seele: Ayurveda – alles fließt

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MEDICOM informiert: Ayurveda: worauf Sie achten sollten

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Vitalstoff-Lexikon: Mangan Zink

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Neues aus der Forschung: Neues aus dem Schlaflabor

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Titelthema: Rauchen – zum Abgewöhnen?

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Essen & Trinken: Vitalstoff-Rezept: Ayurveda Die Mittelmeerküche

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Rubriken: Editorial Impressum Leserbriefe Rätselseite

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FOTO: PHOTODISC

Zähne ein Segen, denn herkömmlicher künstlicher Zahnersatz schädigt oft das umliegende Gewebe. Das Verfahren soll in den kommenden beiden Jahren erstmals auch bei Menschen getestet werden und – falls es sich bewährt – nicht mehr kosten als ein künstlicher Zahn.

Diese Lücke wird sich bei ihr noch von selbst wieder schließen. Bei späterem Zahnverlust kann sie vielleicht auf Stammzellen zurückgreifen.

Strahlend weiße Zähne Zahnaufhellung besser vom Zahnarzt Für diejenigen, die noch über ein intaktes Gebiss verfügen und dafür sorgen möchten, dass das auch so bleibt, gilt der Hinweis des Experten von der Universitätsklinik Bonn, Präparate zur Zahnaufhellung nicht auf eigene Faust anzuwenden, sondern die zahnärztliche Behandlung zu wählen. Zwar seien bislang keine Langzeitfolgen bekannt, trotzdem rät der Zahnmediziner Braun: „Gesunde, gerade stehende Zähne ohne Beläge und Zahnstein sind die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Heimbleichung. Da aber die wenigsten ein solches Idealgebiss haben, sollte sich jeder vor und während eines Bleachings (engl. für Zähneweißen) von seinem Zahnarzt individuell beraten und gegebenenfalls behandeln lassen.“

Bissfest: Zähne züchten und Zähne bleichen Neuigkeiten aus dem Mundraum Kaum zu glauben, welche Zukunftsvisionen uns die Wissenschaft da präsentiert: In fünf Jahren soll es vielleicht möglich sein, neue Zähne im Mund zu züchten. Bei Nagern gibt es schon erste vielversprechende Ergebnisse.

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Die Forscher züchteten aus den Stammzellen erste Zahnknospen, die dann in den Kiefer der Mäuse eingepflanzt wurden. Damit ist der Ort, an dem der Zahn heranwächst, vorbestimmbar. Auch ob es sich um einen Schneide-, Backen- oder Eckzahn handeln wird, kann vorher festgelegt werden. Innerhalb von etwa zwei 4

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ie Methode: Man entnimmt Tieren so genannte „adulte Stammzellen“ und zwingt diese biotechnologisch, sich zu Zahngewebe zu entwickeln. Adulte Stammzellen sind körpereigene Zellen erwachsener Tiere (und Menschen), die noch nicht auf einen bestimmten Gewebetyp festgelegt sind, sondern sich noch zu verschiedenen Gewebearten entwickeln können. Zahnärzte raten davon ab, die Zähne in „Heimarbeit“ zu bleichen. Zudem: Füllungen bleichen nicht mit!

Monaten wächst dann der programmierte Zahn im Kiefer heran. Für Menschen, die ihre Zähne durch Karies oder Unfälle verloren haben, wären die nachwachsenden

Erst nach einer professionellen Zahnreinigung und Zahnsteinentfernung könnten die Präparate richtig greifen, denn bei Zahnstein oder äußeren Belägen durch Nikotin, Rotwein, Kaffee oder Tee können die Produkte nichts bewirken. Auch kann die Zahnaufhellung manchmal Krankheitsbilder wie Zahnentzündungen im Zahninneren kaschieren, die die Zähne rötlich erscheinen lassen, und damit eine dringend notwendige Behandlung möglicherweise verzögern. Kunststofffüllungen an den Vorderzähnen können nach einer Bleichung dunkel werden. Keramikfüllungen nehmen das Bleichmittel nicht so gut an, sodass es hier zu Unregelmäßigkeiten im Gesamteindruck kommen kann. Liegt der Streifen zum Entfärben außerdem nicht exakt auf den Zähnen, kann es ebenfalls zu ungleichmäßig aufgehellten Zähnen kommen. Zu rechnen sei zudem mit einer vorübergehenden Überempfindlichkeit gegen Kälte und Wärme. Wenn Füllungen undicht sind oder die Zähne einen Riss aufweisen, kann das Bleichmittel in die Zähne eindringen und zu extremen Schmerzen führen. Weitere mögliche negative Folgen der Heimbleichung: Brennen oder Verfärbungen der Mundschleimhaut. Kommt das Bleichmittel gar in den Magen, kann es zu Magenproblemen kommen. Allergische Reaktionen sind ebenfalls nicht auszuschließen.


Gesundheitsmeldungen GANZ KURZ

Pflaster abziehen ohne Schmerzen Meist ist es schmerzhaft, ein Pflaster wieder zu entfernen, vor allem wenn es sehr groß ist und sich viele kleine Härchen darunter befinden. Das Deutsche Grüne Kreuz gibt folgenden Tipp: Geben Sie etwas Pflanzenoder Speiseöl auf das Pflaster und lassen Sie das Öl kurz einwirken. Der Kontakt der Klebefläche mit der Haut wird durch das Öl unterbrochen, so kann das Pflaster sanft entfernt werden.

Brustimplantat aus Bauchfett Rekonstruierte Brüste aus Unterhautfettgewebe halten ein Leben lang

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ach einer Brustamputation tragen viele Brustkrebspatientinnen die Zeichen ihres Leidens schmerzhaft deutlich mit sich herum. Neben der eigentlichen Erkrankung und der Befürchtung, dass sie wieder ausbrechen könnte, leiden sie unter dem Verlust der Brust als Teil ihrer Weiblichkeit. Zwar sind Totalamputationen einer oder beider Brüste dank schonender Operationsmethoden seltener geworden, teilweise sind sie jedoch leider nicht zu vermeiden. Statt des üblicherweise eingesetzten Silikon- oder Kochsalzimplantats gibt es auch die Möglichkeit, die Brust aus eigenem Bauchfettgewebe wiederherzustellen. Brustkrebspatientinnen, die eine Brust verloren haben, lehnen künstliche Implantate häufig ab, weil sie zum Teil unnatürlich aussehen (zumal wenn es sich nur um eine Brust handelt), zu Abstoßungsreaktionen führen können, als Fremdkörper empfunden werden und nach spätestens zehn bis 15 Jahren wieder ausgetauscht werden müssen.

Bei der DIEP-Flap-Methode (Deep Inferior Epigastric Artery Perforator Flap), die von etwa 200 Operateuren an europäischen Kliniken beherrscht wird, verlagert der Chirurg das Unterbauchfettgewebe mit dem Hautstück zur Brustregion, wo es an neue Venen und Arterien angeschlossen wird. Aus dem Lappen formt er anschließend eine Brust, die der vorherigen entspricht. Anschließend rekonstruiert der Operateur die Brustwarze, die der noch erhaltenen zweiten Brustwarze nachempfunden wird.

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Das Meer bei offenen Wunden meiden Viele nehmen an, dass Meerwasser gut sei bei offenen Wunden. Dies ist nicht richtig, so der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen Deutschland (BNC). Das Salzwasser verzögert die Heilung und kann im schlimmsten Fall auch Infektionen hervorrufen. Mit offenen Wunden oder frischen Abschürfungen sollte man deshalb das Bad im Meer vermeiden.

Die aufwendige Operation, die rund sieben Stunden dauert, wird unter Narkose durchgeführt. Trotz des beträchtlichen Eingriffs beweisen mehrere Studien, dass diese Methode, im Gegensatz zu anderen Methoden der Brustrekonstruktion aus eigenem Gewebe, sehr schonend ist, da kein Gewebe geopfert werden muss. Patientinnen mit diversen Voroperationen sowie Diabetikerinnen und Raucherinnen ist die Methode aber nicht zu empfehlen, weil die Narben schlechter heilen könnten.

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Bakterienschleuder Krawatte Auf Ärztekrawatten tummeln sich achtmal so viele Bakterien wie auf anderen Krawatten. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher, die in einer New Yorker Klinik die Krawatten von Medizinern und Sicherheitspersonal untersuchten. Von fast 50 Prozent der Krawattentragenden ging eine Infektionsgefahr aus. + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

Verschnupfte Flugreise: Nasenspray hilft Wer mit einer Schnupfnase in den Flieger steigt, sollte ein Nasenspray im Handgepäck haben. Die Ohrtrompete, die für den Druckausgleich zuständig ist, kann sich nicht öffnen, wenn die Schleimhäute geschwollen sind. Gerade bei der Landung kann es deshalb in seltenen Fällen durch den extremen Wechsel von niedrigem zu hohem Luftdruck sogar zu einer Blutung im Mittelohr kommen. Das Spray sollte bei leichtem Schnupfen eine Stunde und erneut eine halbe Stunde vor der Landung eingenommen werden. Auch Gähnen oder Kaugummikauen kann gegen den Druck auf den Ohren helfen. + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

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FOTO: EYEWIRE, GRAFIKEN: DPNY

Aus der Bauchdecke wird eine Haut- und Fettinsel entnommen, ohne dass die Arterien, Muskeln und Nerven beschädigt werden. Die Blutgefäße und Nerven werden im Brustbereich wieder angeschlossen, und aus dem Gewebe wird eine Brust geformt. Die Brustwarze entsteht aus der Haut, und die Farbe wird später tätowiert.

Öfter mal nachgeben! Besserwisser verfügen über ein beeinträchtigtes Immunsystem – das fanden Forscher der Universität Bradford in England heraus. Sie überprüften die Gesundheit von Personen, die immer alles besser wissen wollen. Das Ergebnis: Bei 62 Prozent der Rechthaber war das Immunsystem nicht intakt. Allergieauslöser Tätowierung Ärzte warnen vor Tätowierungen, wenn die eingesetzten Farben nicht auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin geprüft wurden. Vor allem Tätowierungen, bei denen schwarze Hennafarbe benutzt wird, können Allergien hervorrufen. Um das naturgemäß rötliche Henna abzudunkeln, wird ihm häufig der Zusatz Paraphenylendiamin (PPD) beigemischt, der bei jedem sechsten Menschen schwere Allergien auslösen kann.


FOTO: IMAGESOURCE

Das Bedürfnis nach mehr Lebensqualität wird zum Freizeittrend. Das Ziel von Selfness: eine dauerhafte Lebensveränderung.

Eine neue Trendwelle eilt auf uns zu:

Selfness

So viel ist sicher: Die Wellnesswelle ist noch nicht abgeebbt. Entspannungsbäder, lange Spaziergänge, gesundes Essen, Ölmassagen – all dies steht weiterhin hoch im Kurs. Doch mittlerweile wollen die Wellnessfans noch mehr. Vorübergehende Erholung, Genuss und Entspannung allein reichen nicht mehr aus – ein neuer Trend zeichnet sich ab: Selfness.

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as steckt hinter dem Begriff Selfness? Man könnte Selfness – „Man-selbst-Sein“ – als überarbeitete Version des Wellnessgedankens bezeichnen. Die treibende Kraft ist der Wunsch nach mehr Lebensqualität – und das nicht nur kurzfristig. Eine dauerhafte Lebensveränderung ist das neue Ziel. Zukunftsforscher beschreiben im Trend-Report 2004 den neuen Trend Selfness als den Weg in eine Kultur der Selbstkompetenz. Sie basiert auf vier Kompetenzsäulen.

Emotionale Lebenskompetenz: die Fähigkeit zur „Work-Life-Balance“, sprich zum ausgewogenen Verhältnis zwischen Beruf und privatem Leben, die Fähigkeit zum positiven emotionalen Umgang mit der sozialen Umwelt, mit Partnerschaft, Beruf und Familie

Körperliche Kompetenz: die Fähigkeit, sich gesund zu ernähren, Sport zu treiben, fit zu bleiben

Reifungskompetenz: die Fähigkeit, Lernen und bewussten Erfahrungsgewinn bis ins hohe Alter fortzusetzen

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Biografische Wachstumskompetenz: die Fähigkeit, selbstständige Entscheidungen in komplexen Lebenssituationen oder Krisen zu treffen

Die Mitarbeiter des Zukunftsinstituts sagen diesen Boom auch für die Tourismusbranche voraus. Getreu dem Motto „Finde dich selbst“ ziehen es in den USA bereits viele vor, statt ins Wochenende kilometerweit zu Seminaren zu fahren. So genannte Ich-Veränderungsprogramme sind dort weit verbreitet. Reisen, die mit „persönlichen Transformationen“ locken, werden in Zukunft immer beliebter werden. Die Anbieter konzentrieren sich meist auf „Simplify“-Strategien. Das sind Methoden, die das Leben etwas einfacher machen und so zwangsläufig das Wohlbefinden erhöhen. Woher kommt dieser neue Trend? Die Forscher begründen die Entwicklung des Trends mit politisch-sozialen Rahmenbedingungen: Die Krise des Sozialstaats und der Wandel der Arbeitswelt verlangen vom Einzelnen generell mehr Selbstveränderungsfähigkeit, die Rollenkrise zwischen Mann und Frau erzeugt eine große Nachfrage nach reifen Liebesstrategien. Zudem wird das Thema Gesundheit zunehmend jedem selbst in die Hände gelegt. Somit wächst der ursprüngliche Wellnessgedanke über die Verwöhnungsund Entspannungswünsche hinaus und entwickelt sich zur konsequenten „Arbeit am Selbst“.


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Thomas Spengler

GESUNDHEIT DURCH VITALSTOFFE Informationen und Studien zum Nutzen von Vitalstoffen für den menschlichen Körper

Bewahren uns Antioxidantien vor Krebs? Können Vitamine vor Arteriosklerose schützen?

FOTO: THE IMAGE BANK

Verhindern Vitalstoffe Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Schön wäre es ja gewesen: einfach eine Pille nehmen und schlank werden. Doch leider haben sich sogar die Wissenschaftler zu früh gefreut. Das vielversprechende Hormon konnte die Erwartungen nicht erfüllen.

Irrtum der Wissenschaft

Hormon PYY als Fettwegpille leider wirkungslos Das 2002 als Durchbruch gegen Fettleibigkeit gefeierte Darmhormon erweist sich in einer neuen Studie als nicht wirksam.

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YY, ein Hormon, das im Darm von Tieren und Menschen freigesetzt wird, erregte 2002 erhebliche Aufmerksamkeit in der Fachwelt und in den Medien, weil es in Versuchen angeblich den Appetit und das Körpergewicht von Nagern verringerte. Die renommierte Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte damals die Forschungsergebnisse, woraufhin die Substanz von verschiedenen Firmen hergestellt wurde, die davon ausgingen, einen potenten Wirkstoff gegen Übergewicht zu produzieren. Weitere Versuche an Menschen schienen die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit gegen Appetit und Gewicht zu bestätigen. Die neue Studie, an der 15 verschiedene Forschungseinrichtungen und pharmazeutische Labore, darunter auch das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Charité, beteiligt waren, kommt jetzt zu ganz anderen Ergebnissen mit dem Hormon PYY. In 37 von 39 Tests verringerte sich unter der Behandlung weder der Appetit der Tiere noch ihr Körperge-

wicht. Zudem stellten die Forscher fest, dass sie inaktiver wurden und weniger schnüffelten und sich seltener aufrichteten als ihre unbehandelten Artgenossen – ein Verhalten, das langfristig zur Einlagerung von Fett führt. In zwei Tests, in denen den Tieren höhere Hormongaben verabreicht wurden, verringerte sich zwar vorübergehend die Nahrungsaufnahme, das Gewicht blieb jedoch gleich. Bei weiteren Tests mit hohen Konzentrationen des Hormons fraßen die Tiere sogar noch mehr, und ihre Darmentleerung verzögerte sich. Die neuen Untersuchungen, die unabhängig voneinander in unterschiedlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten durchgeführt wurden, gelten als weitaus ausführlicher und detaillierter und von daher überzeugender als die vorherige Studie. Die Wissenschaftler wollten mit ihren Versuchen eigentlich die Forschung zur Wirksamkeit von PYY vorantreiben. Die negativen Testergebnisse waren völlig überraschend.

Oft gestellte Fragen, die niemand eindeutig beantworten kann. Auch in diesem Buch spielen diese Fragen eine große Rolle. Der Autor verspricht Ihnen keine Antworten, aber Sie werden sich nach dem Lesen dieses Buches sicher ein besseres Bild von der Leistungsfähigkeit von Vitalstoffen machen können. Neben einem kurzen einführenden Teil zur allgemeinen Funktion von Vitalstoffen werden über 50 Studien zu ausgewählten Vitalstoffen kurz zusammengefasst. Lesen Sie in den Originalstudien, was es wirklich mit Vitalstoffen auf sich hat. Der Nutzen von Nahrungsergänzungen für die Gesundheit wird oft zwiespältig diskutiert. Der Autor stellt die derzeitige Rolle von Nahrungsergänzungen dar, zeigt die Möglichkeiten und Grenzen von Nahrungsergänzungen auf und beleuchtet, warum Vitalstoffe – sei es aus der Ernährung oder aus Nahrungsergänzungen – so wichtig für den Menschen sind. Bestellung über: IB Logistics GmbH Kennwort: Buchversand Rudolf-Diesel-Weg 10 30419 Hannover

Telefax: 0511 9843433 ISBN 3-00-012604-X Preis: € 12,95


Viele Töne gegen einen:

mit Musik dem Tinnitus entgegenwirken

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Zu Beginn der Therapie wird individuell für jeden Patienten ein tinnitusähnlicher Klang per Synthesizer erstellt, der in einen musikalisch steuerbaren Hörprozess eingebaut wird. Dies kann zum Beispiel Entspannungsmusik sein. Die Idee ist, dass der Patient durch das häufige Hören dieser Melodie lernt, den Tinnitus bewusst zu steuern und ihn unter Kontrolle zu bekommen. Durch die wiederholten, gezielten musikalischen Hörübungen sollen die veränderten Gehirnregionen positiv beeinflusst werden. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2004 sollen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, die Ergebnisse der ersten Probetherapien sind jedoch bereits Erfolg versprechend. Tinnitus gehört zu den häufigsten Erkrankungen im HNO-Bereich, fast ein Viertel aller Deutschen hat schon einmal unter dem Ohrgeräusch gelitten.

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usik ist die Basis für eine therapeutische Behandlungsmethode bei chronischem Tinnitus, die zurzeit vom Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung erprobt wird. Mit Kooperationspartnern wird mit dieser Pilotstudie untersucht, inwieweit mit dieser ursachenbezogenen Behandlung Erfolge erzielt werden können.

Kein schöner Anblick, meinen viele. Doch dahinter steckt öfter ein kluger Kopf, als man denken könnte. Kaugummikauen macht nämlich laut Wissenschaft schlau, schlank und entspannt.

Kau dich schlau Sieht zwar nicht intelligent aus, soll aber intelligent machen – das Kaugummikauen. Und gesund ist es obendrein.

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Die Kontrolle über das Ohrgeräusch zu gewinnen, ist das Ziel der Tinnitustherapie mit Musik

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augummikauen ist als unkultiviert verpönt und in manchen Schulen gar untersagt. Zu Unrecht – wie eine Studie belegt, denn: Schüler, die beim Lernen Kaugummi kauen, behalten mindestens 30 Prozent mehr vom Lernstoff als ihre nicht kauenden Mitschüler. Das hat eine Studie der Universität Erlangen bereits vor zwei Jahren bewiesen. Neusten Erkenntnissen zufolge ist aber Kaugummikauen – allerdings zuckerfrei – auch noch gesund. Das berichtet das Männer-Lifestylemagazin „Men’s Health“ unter Berufung auf neue wissenschaftliche Studien. Durch die ständige Kieferbewegung werden nach Aussage des Magazins mehr Kalorien verbrannt als mit so mancher Diät. Bis zu 20 Prozent kann so der Energieumsatz des Körpers gesteigert werden. Zudem hebt der Pfefferminzgeruch die Stimmung und führt so zu gesteigerter Leistungsfähigkeit. Das Süßungsmittel sorgt für eine

erhöhte Produktivität der Speicheldrüsen: Das ist gut für die Zähne, denn der zusätzliche Speichel schützt die Zähne vor Karies und sorgt für einen frischen Atem. Gegen Übelkeit und Seekrankheit schließlich wirken die Inhaltsstoffe der Pfefferminze. Sie verlangsamen die Kontraktion des Magens. Schon 1939 ergab eine amerikanische Untersuchung, dass Kaugummikauen Stress mindert, indem es die Muskeln der Mundpartie entspannt, die in Stresssituationen angespannt werden. Das bewusste Erleben der Kaubewegungen in Verbindung mit einem tiefen Einatmen erhöht den entspannenden Effekt noch zusätzlich. Zudem hat Kaugummikauen auch eine entspannende Wirkung auf die Psyche. Es gibt einem die Möglichkeit auf etwas zu beißen und damit Aggressionen zu entladen. Das sieht vielleicht unkultiviert aus, ist aber wesentlich feiner, als seinen Aggressionen freien Lauf zu lassen.


Katzenfreie Nachbarschaft für Allergiker

Leidet ein Allergiker unter den Haaren von Nachbars Katze, so kann er verlangen, dass diese weggegeben wird. In einem aktuellen Fall konnte ein Mann per Attest nachweisen, dass Katzenhaare einen lebensbedrohlichen Asthmaanfall bei ihm auslösen können. Auch wenn die Katze nur als Wohnungskatze gehalten wird und dem Sohn, der unter Panikattacken und Sprachstörungen leidet, als Unterstützung zur psychotherapeutischen Behandlung diene, müsse die Katze fort. In dem Fall sei ein möglicher Asthmaanfall gravierender. AG München, Az.: 191 C 10647/03 LG München I, Az.: 34 S 16167/03



Ärzte in der Beweispflicht

IN SACHEN GESUNDHEIT

• GERICHTSURTEILE IN SACHEN GE

Kosten für das Toupet selbst tragen

§

Muss ein Urlaub aufgrund einer Krankenhauseinweisung storniert werden, so sollte dies gleich am Tag der Einweisung passieren. Das Amtsgericht München entschied im Falle einer Frau, die ihre Reise erst stornierte, als sie bereits fünf Tage stationär im Krankenhaus lag, dass die Reiserücktrittsversicherung nur einen Teil der geforderten Stornogebühren übernehmen muss. Die Frau bekam statt 65 nur 55 Prozent erstattet. AG München, Az.: 213 C 10091/04



§

Die gesetzliche Krankenkasse ist nicht dazu verpflichtet, die Kosten für ein Toupet zu übernehmen. Auch wenn der Mann unter totalem Haarausfall leidet und dadurch psychisch beeinträchtigt ist, muss sie nicht zahlen. Der Mann müsse sich psychotherapeutisch behandeln lassen, so das Hessische Landessozialgericht, oder die Kosten selbst tragen. Hessisches Landessozialgericht, Az.: L 1 KR 818/03



Kein Unfall – trotzdem Schmerzensgeld

Es muss nicht immer zum Unfall kommen, um Schmerzensgeld verlangen zu können. In einem aktuellen Fall erlitt ein Pkw-Fahrer beim Warten vor einer roten Ampel einen Schock, da ein 40 Tonnen schwerer Lastwagen auf ihn zuraste. Der PkwFahrer wurde aufgrund des Schocks drei Wochen krankgeschrieben. Das Gericht sprach ihm für den Beinahunfall Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro zu. AG Köln, Az.: 268 C 218/99

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Sofort krankmelden

GERICHTSURTEILE

Schwanger auf der sicheren Seite Einer schwangeren Angestellten darf nicht gekündigt werden. Auch wenn sie nur einen befristeten Arbeitsvertrag hat, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht kündigen. EuGH, Az.: C 109/00



Vorsicht, Rutschgefahr! Kein Schadenersatz kann verlangt werden, wenn jemand bei einem privaten Besuch in einem frisch geputzten, nassen Treppenhaus ausrutscht. Eine Warnpflicht gilt nicht in Privathaushalten, so das Landesgericht Coburg. LG Coburg, Az.: 12 0 454/00

Bei Ausrutschern auf nassen privaten Treppen zahlt keine Haftpflichtversicherung

ILLUSTRATION: NILS WASSERMANN

GERICHTSURTEILE IN SACHEN GESUNDHEIT •

Ärztepfuschopfer können aufatmen: Nun müssen die Ärzte beweisen, dass ein Behandlungsfehler nicht schuld an einer Behinderung oder späteren Erkrankung ist. Bisher lag die Beweispflicht beim Patienten. Ist der Arzt nicht in der Lage, seine Unschuld zu beweisen, muss er Schadenersatz oder Schmerzensgeld zahlen. BGH, Az.: VI ZR 34/03 GERICHTSURTEILE IN SACHEN GESUNDHEIT • GERICHTSURTEILE IN SACHEN GESUNDHEIT • GERICHTSURTEILE IN SACHEN GESUNDHEIT

Eine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir nicht übernehmen.

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AYURVEDA – ALLES FLIESST Die indische Lehre von Leben und Gesundheit Ayurveda ist mehr als eine in Mode gekommene Form der Massage mit Öl. Hinter dem Namen, der heute leider oft auch für Dinge verwendet wird, die damit nur sehr wenig zu tun haben, steckt eine Philosophie und Heilslehre, die die Menschen in Indien seit Jahrtausenden körperlich und geistig gesund hält.

Wir wollen berühren und berührt werden. Die Massage ist eine Form der Berührung. Und sie ist mehr als eine Technik, wenn sie es schafft, den Menschen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zu berühren.

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yurveda betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele, die vom Verhalten und der Umwelt beeinflusst wird. Ein Mensch ist nach dieser Heilslehre dann gesund, wenn er körperlich im Gleichgewicht steht und seine Seele, seine Sinne und sein Geist sich dauerhaft im Zustand des Glücks befinden. Gesundheit bedeutet demnach auch geistige Weiterentwicklung und Erfolg. Um diesen Zustand zu erreichen und einem möglichen Ungleichgewicht der Kräfte vorzubeugen, das zu Krankheiten führen würde, bedarf jeder einzelne Mensch in der ayurvedischen Medizin einer speziellen, nur auf ihn zugeschnittenen Therapie und Prävention. Die Schlüsselrolle beim Ayurveda spielen drei unterschiedliche Charakter- und Konstitutionstypen – die so genannten Doshas: Pitta, Kapha und Vata. So wie die ihn umgebende Natur aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum besteht, so besteht der Mensch

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gemäß dieser Lehre aus den drei Doshas. Ihnen können alle inneren und äußeren Einflussfaktoren des menschlichen Körpers zugeordnet werden: Vata steht zum Beispiel für Bewegung und Kommunikation, Pitta für Energie und Stoffwechsel und Kapha für den Zusammenhalt. Die drei Doshas haben zum Beispiel Einfluss auf den Körperbau, die Beweglichkeit des Körpers oder die Funktionalität des Verdauungstrakts. Aber auch Verhaltens- oder Charaktereigenschaften wie zum Beispiel die Kommunikationsfähigkeit oder die Ausgeglichenheit werden durch diese Lebensenergien bestimmt. Nach der Lehre des Ayurveda sind die drei Doshas bei jedem Menschen von Geburt an unterschiedlich ausgeprägt und bilden eine bestimmte Konstellation, die ein Leben lang besteht. Diese Konstellation der Doshas bestimmt die individuellen Eigenschaften des Menschen. Solange dieser sich in seinem speziellen Doshagleichgewicht befindet, bleibt er gesund und fühlt

sich wohl. Gerät das richtige Verhältnis der drei Doshas jedoch aus dem Gleichgewicht, entstehen Störungen wie Übergewicht, Energielosigkeit und Schlafoder Verdauungsprobleme. Wird das Ungleichgewicht nicht wieder ausbalanciert, können Krankheiten die Folge sein. Faktoren, die dieses Gleichgewicht stören können, sind zum Beispiel psychische Belastungen, falsche Ernährung oder schädliche Umwelteinflüsse. Um die individuelle Doshakonstellation zu erhalten oder wiederherzustellen, benötigt jeder Mensch ein anderes, individuell auf ihn abgestimmtes Therapieprogramm. Die ayurvedische Medizin kennt also im Gegensatz zu unserer westlichen Medizin keine einheitlichen Therapien für bestimmte Symptome. Die ayurvedischen Therapieformen reichen von einer speziellen Ernährung über Yoga und Ölmassagen bis hin zur Behandlung mit pflanzlichen Heilmitteln. Tipps für den speziellen Ausgleich Ihrer Doshas haben wir hier für Sie zusammengefasst.


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Die Essenz aller Dinge ist die Erde. Die Essenz der Erde ist das Wasser. Die Essenz des Wassers sind die Pflanzen. Die Essenz der Pflanzen ist der Mensch. Chandogya Upanishad, indische Sanskritschriften

“ Welcher Doshatyp sind Sie?

Allgemeine Tipps zum Ausbalancieren für die unterschiedlichen Doshas Vata Regelmäßige Gewohnheiten, Stille, Wärme, regelmäßiges Essen, viel trinken (Wasser, Tee), Stress vermeiden, viel Ruhe Pitta Mäßigung, Kühle, sich Zeit für sich selbst nehmen, die Natur erleben, ein ausgewogenes Verhältnis von Ruhe zu Aktivität herstellen, Genussmittel einschränken

Kapha Anregung, viel Bewegung, auf das Körpergewicht achten, viele Eindrücke sammeln, Wärme, Trockenheit, wenig Zucker

Die Panchakarmakur Ein bedeutender Heil- und Präventionsansatz des Ayurveda ist die Panchakarmakur. Hierbei werden verschiedene, auf die individuelle Doshakonstellation abgestimmte Behandlungen miteinander kombiniert. Die Panchakarmakur, die einige Tage in Anspruch nimmt, sollte dabei ausschließlich von einem spezialisierten Ayurvedaarzt ausgeführt werden.

Dosha

Vata

Pitta

Kapha

Körperbau

Schlank bis dünn

Wohl proportioniert

Kräftig, Neigung zu Rundlichkeit und Übergewicht

Haare

Grob, trocken, wenig Haarwuchs

Fein, glatt, Neigung zu Haarausfall und Grauhaarigkeit

Dick, wellig, ölig

Haut

Trocken, dunkel, Sonnenempfindlich, Neigung zu herNeigung zu Muttervortretenden Adern malen und Sommersprossen

Kühl, glänzend bis fett, weich, feucht

Bewegungen

Schnell

Exakt, bestimmt

Langsam und gleichmäßig

Wetterfühligkeit

Abneigung gegen Kälte

Abneigung gegen Hitze

Abneigung gegen feuchte Kühle

Massageöl

Mandelöl, Aprikosenöl

Kokosöl

Olivenöl

Welche Doshatypen bei Ihnen dominieren, können Sie der Tabelle entnehmen. Nie werden Sie sich nur in einem Doshatypen wiederfinden. Zumeist besteht eine Mischung wie „Pitta-Vata“ oder „Kapha-Pitta“, wobei das zuerst genannte Dosha als das vorherrschende gilt.

Die verschiedenen Methoden und Behandlungen, die dabei angewendet werden, dienen der sanften und dauerhaften Reinigung des Körpers. Die Panchakarmakur beinhaltet in erster Linie Ölmassagen, die aufgestaute Verunreinigungen (Toxine) im Körper lösen und gezielt abführen sollen. Aber auch die Sanierung des Darms mithilfe von Einläufen, die Anwendung verschiedenster Kräuterpräparate und Dampfbäder sowie eine auf die individuelle Doshakonstellation abgestimmte Ernährung werden in die Behandlungen integriert. Das Herzstück der Kur bilden jedoch die Ölmassagen, die man auch unabhängig von der Panchakarmakur genießen kann.

einrichtungen und bei ausgebildeten Masseuren bekommen. Weitere Informationen hierzu finden Sie am Ende des Textes.

Die Kur wird in entsprechenden Kliniken und Zentren durchgeführt. Die Massagen können Sie zum Teil auch in Wellness-

Einige der Massagen können Sie jedoch auch zu Hause ausführen (siehe nächste Seite).

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DIE AYURVEDAMASSAGEN Die positiven Effekte der Massagen Entspannen die Muskulatur Fördern einen tiefen und erholsamen Schlaf

Ayurvedamassagen für zu Hause

Steigern den Lymphfluss und stärken so das Immunsystem

Für die folgenden Ölmassagen können Sie Sesam- oder Sonnenblumenöl verwenden, die für alle Doshatypen geeignet sind. Vor dem Gebrauch sollten Sie das Öl einmal kurz über 100 °C erhitzen, wieder abkühlen lassen und in eine dunkle Flasche füllen. Menschen mit einem ausgeprägten Kapha haben oft fettige Haut und verwenden daher besser kein Öl. Für sie empfiehlt sich die Reibemassage. Die Ölmassage machen Sie am besten morgens noch vor dem Duschen und noch vor dem Frühstück. Auch abends ist eine gute Zeit, allerdings nur vor dem Essen. Die Reibemassage sollten Sie ausschließlich morgens durchführen. Sie benötigen für beide Massagetypen etwa zehn Minuten Zeit. Für die Reibemassage brauchen Sie zudem Fausthandschuhe aus Rohseide (zirka 14,50 Euro).

Verbessern den Blutfluss und führen so zu einer besseren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung aller Organe Straffen das Bindegewebe Lindern Stress- und Erschöpfungssymptome Fördern die Widerstandskräfte der Haut gegen Umweltbelastungen und Krankheitserreger

Abhyanga: „Der Tanz der zarten Hände“ Diese Ganzkörpermassage, die auch „Der Tanz der zarten Hände“ genannt wird, wird üblicherweise von zwei Therapeuten gleichzeitig, synchron und sehr sanft ausgeführt. Durch die synchrone Ölmassage sollen die rechte und die linke Gehirnhälfte in Einklang gebracht werden, damit ein Ganzheitsgefühl entsteht. Zudem regt die Massage bestimmte Energiepunkte des Körpers an, um unterschiedliche Körperfunktionen in Gang zu bringen. 12

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Mit kreisenden Bewegungen massieren Sie nun die Augenpartie und die Ohren. Auch die Stirn und die Schläfen werden sanft eingerieben. Den Hals behandeln Sie mit streichenden Bewegungen. Fahren Sie mit dem Nacken, dem Brustbein und dem Bauch fort. Den Bauch mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massieren. Nun den Rücken – so weit es geht – sanft mit dem Öl einreiben. Arme, Hände, Beine und Füße massieren Sie mit kräftigen Auf- und Abbewegungen. Nach traditioneller Ayurvedaart sollte man anschließend lauwarm und ohne Seife duschen oder mit dem Öl auf der Haut ins Bett gehen. Wer danach jedoch lieber mit Seife duschen möchte, kann das natürlich auch tun.

Die Ölmassage Füllen Sie etwa 100 ml des Massageöls in eine kleine Flasche und erwärmen Sie es im Wasserbad auf zirka 40 °C. Zum Erwärmen eignet sich auch ein Babyflaschenwärmer. Setzen Sie sich nun bitte ganz unbekleidet auf einen mit einem Handtuch bedeckten Hocker in einem angenehm warmen Raum. Verreiben Sie jetzt etwas Öl in beiden Händen. Achten Sie dabei bitte darauf, nicht zu viel Öl zu verwenden, damit es nicht heruntertropft.

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Eine Ayurvedamassage beinhaltet zumeist auch eine Gesichts- und eine Kopfmassage.


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Das Ambiente spielt beim Ayurveda eine große Rolle. Sowohl der Massierende als auch derjenige, der eine Massage bekommt, soll sich wohl fühlen.

Die Reibemassage Ziehen Sie die Seidenhandschuhe an und streichen Sie vom Nacken über die Schultern nach unten. Massieren Sie die Schultern, die Ellenbogen, die Hand- und die Fingergelenke in kreisenden Bewegungen, die Ober- und die Unterarme in langen, kräftigen Strichen. Oberhalb der Brust fahren Sie mit waagerechten, langen Strichen – mehrmals von oben nach unten – fort. Über den Bauch streichen Sie in gleicher Form zweimal waagerecht und zweimal diagonal. Die Hüften in Kreisen massieren.

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Zuletzt streichen Sie über die Oberund Unterschenkel bis zu den Füßen, wobei Sie über den Knie- und Knöchelgelenken kreisen.

AYURVEDAKUREN: Angebote gut prüfen

Das Schönste ist natürlich, sich eine richtige Ayurvedakur dort zu gönnen, wo der Ayurveda herkommt: in Indien.

S

ollten Sie sich dafür entscheiden, prüfen Sie die Angebote jedoch bitte sehr genau, denn der Begriff Ayurveda ist leider nicht geschützt, und die Preise für ayurvedische Erholungskuren und Pflegeprodukte sind hoch. Für eine 21-tägige Ayurvedakur in Indien oder Sri Lanka kann man leicht bis zu 5.000 Euro ohne Flug ausgeben. Zudem können manchen Menschen auch die kulturellen Unterschiede zu schaffen machen. Wer sich hier unsicher ist, kann auch in Deutschland Ayurvedakuren machen. Doch auch hier gilt es, das Angebot sehr genau zu prüfen, denn häufig wird in Deutschland eine moderne Variante des Ayurveda angeboten, die sich vom traditionellen Ayurveda unterscheidet. Der „Maharishi-Ayurveda“ setzt einen besonderen

Schwerpunkt auf „transzendentale Meditation“. Dahinter verbirgt sich eine spezielle Form der Meditation, die aber im klassischen Ayurveda kaum eine Rolle spielt. Wenn Sie eine Wellnessbehandlung suchen, finden Sie in Massageeinrichtungen und Saunen ein reichhaltiges Angebot an Ayurvedamassagen. Für eine echte medizinische Behandlung sollten Sie jedoch den klassischen Ayurveda wählen.

B U C H - T I P P

Monika Kirschner, Bärbel Schwertfeger: Der Ayurveda Boom, Egmont vgs Verlagsgesellschaft, 144 Seiten, €14,90

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MEDICOM informiert

MEDICOM informiert

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INFORMATIONEN FÜR KUNDEN DER MEDICOM PHARMA AG

r t e i m r o f in

Ayurveda: Worauf Sie achten sollten Leider gilt aber auch beim Ayurveda das Prinzip „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. So mehren sich im Zuge wachsender Beliebtheit des Ayurveda auch fragwürdige Angebote ayurvedischer Präparate.

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MEDICOM informiert

32. AUSGABE, OKTOBER 2004

können z. B. unter Glieder- oder Kopfschmerzen leiden. Aber auch Störungen der Bewegungsabläufe (medizinisch: Ataxie), Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Gedächtnisstörungen sowie Nierenschädigungen können mögliche Symptome sein. Sollten Verbraucher, die schon lange Zeit ayurvedische Präparate unbekannter Herkunft und Zusammensetzung verwenden, Veränderungen ihres Gesundheitszustandes festgestellt haben, die den genannten Symptomen entsprechen, könnten sie also möglicherweise unter einer Bleivergiftung leiden. In diesem Fall sollte man vom Arzt eine Blutuntersuchung durchführen lassen, um den Bleigehalt des Bluts zu überprüfen und einer möglichen Vergiftung auf die Spur zu kommen.

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larmierend ist die Nachricht, dass in den vergangenen Jahren mehrere Fälle akuter Bleivergiftungen beobachtet wurden, die durch die Verwendung ayurvedischer Präparate und Eine allgemeine QuaTees ausgelöst worlitätssicherung ayurvediden waren. Die Pascher Medikamente ist tienten hatten ihre schlecht möglich, da Präparate zumeist auf die Zusammensetzung Indienreisen oder der Präparate oft im Erüber andere unkonmessen des Herstellers trollierbare Kanäle liegt. Die generelle Übererworben. In den beprüfung der Ayurvedatroffenen Präparaten produkte auf toxische wurden hochtoxische Bleimengen wird außerBleiwerte von bis zu dem dadurch erschwert, fast 80 mg Blei pro dass viele Rezepturen auf Tablette festgestellt. gut gehüteten FamilienSchätzungen von Exgeheimnissen beruhen. perten zufolge kann Verwendern ayurvediaber bereits die Aufscher Präparate un nahme von 1–2 mg bekannter ZusammenBlei pro Tag langfrissetzung ist daher zu Vorsicht bei ayurvedischen Präparaten und Tees. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, dass sie tig zu ernsten Vergifempfehlen, sich vom aus vertrauenswürdigen Quellen stammen, lassen Sie besser die Finger davon. tungserscheinungen Hersteller oder vom beführen. Medizinische handelnden AyurvedaExperten befürchten weiter, dass es Vergiftungen noch höher sein könnte, therapeuten bestätigen zu lassen, dass das sich bei den dokumentierten Vergiftungsdenn die Symptome einer Bleivergiftung jeweilige Präparat keine toxischen Menfällen womöglich nur um „die Spitze des sind eher unspezifisch, sodass die Erkrangen an Blei oder auch anderen SchwerEisbergs“ handelt und die Dunkelziffer der kung schwer festzustellen ist. Patienten metallen (Arsen, Quecksilber) enthält. 14

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HIER AUSSCHNEIDEN

VITALSTOFF lexikon

Mangan nicht vergessen!

M

angan ist Bestandteil von zirka 60 Enzymen. Deshalb nimmt es unmittelbar Einfluss auf viele Stoffwechselprozesse.

Nüssen (besonders Walnüssen), Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten (Sojabohnen), Gemüse (grünem Blattgemüse, Artischocken), Früchten (Erd-, Heidel-, Stachelbeeren) und schwarzem Tee.

Herkunft - Funktion - Versorgung Mangan gehört zu den essenziellen Spurenelementen. Es ist sowohl Bestandteil als auch Aktivator von Enzymen und daher an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Das betrifft z. B. die Glucosebildung aus Milchsäure, die Blutgerinnung, die Knochenbildung, die Spermienbildung sowie die Entwicklung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zudem unterstützt Mangan als Bestandteil der Superoxiddismutase — eines antioxidativ wirkenden Enzyms – den Körper bei der Neutralisierung Freier Radikale. Mangan ist sozusagen der metallische Teil des Enzyms, der zwar winzig klein, aber extrem wichtig für das Enzym ist. Auch Kupfer, Zink und Selen üben eine solche Rolle in Enzymen aus. Ein weiteres Enzym, das Mangan braucht, ist die Pyruvatcarboxylase. Sie verwandelt das „Abfallprodukt“ Milchsäure wieder in Glucose. Milchsäure entsteht, wenn der energieliefernde Nährstoff Glucose unter Sauerstoffabwesenheit verstoff-

wechselt wird. Diese Glucoseverwertung ist allerdings weniger effektiv als der Abbau des Nährstoffes unter Sauerstoffanwesenheit. Aus diesem Grund wird Glucose auch nur dann zu Milchsäure abgebaut, wenn der Körper dringend Energie benötigt. Als Bestandteil der Glycosyltransferase nimmt Mangan außerdem Einfluss auf die Bildung der so genannten Proteoglycane, die durch ihre raumfüllenden Eigenschaften insbesondere für Knochen, Knorpel und Gelenke wichtig sind. Zusammenhänge scheinen ferner auch zwischen Mangan und Herz-KreislaufErkrankungen, einschließlich der Arteriosklerose, zu bestehen, denn der Fettstoffwechsel wird unter anderem auch durch manganabhängige Enzyme verbessert.

Wie viel Mangan braucht der Körper? mg pro Tag

Bei Manganmangel treten Störungen der Fruchtbarkeit und des Skelettwachstums (verkürzte Knochen) auf.

Fehlt Ihnen Mangan?

JA

Meiden Sie Vollkornprodukte? Mögen Sie keinen schwarzen Tee?

MEDICOM Sonderheft zum Ausschneiden und Sammeln

Quelle: DGE (vereinfacht)

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ ist eine ergänzende Zufuhr von Mangan sinnvoll.

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

0,6-1,0

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-3,0 2,0-5,0 2,0-5,0

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0

Schwangere

2,0-5,0

Stillende

2,0-5,0

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FOTO: FOODPIX

Enthalten z. B. in

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VITALSTOFF lexikon

Zink

Fehlt Ihnen Zink? Bei schon einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Zink unzureichend sein.

Wichtig fürs Immunsystem as Spurenelement Zink ist eines der wichtigsten Spurenelemente. Es ist an über 200 Enzymaktivitäten beteiligt. Zink unterstützt das Immunsystem, da es für die Bildung bestimmter Immunzellen benötigt wird.

D

Leiden Sie häufig unter Infektionskrankheiten? Sind Sie vermehrt Umweltbelastungen wie Schadstoffen, Smog, Abgasen etc. ausgesetzt?

Enthalten z. B. in

Herkunft - Funktion - Versorgung

Fleisch, Innereien, Fisch, Käse, Hülsenfrüchten.

Zink ist das zweithäufigste Spurenelement im Körper.

Wie viel Zink braucht der Körper? mg pro Tag

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

w

m

1,0 2,0 3,0 5,0 7,0 9,0 9,5

7,0 7,0

10,0 10,0 10,0 10,0 10,0

7,0 7,0 7,0 7,0 7,0

Schwangere

10,0*

Stillende

11,0

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

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w = weiblich

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Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

FOTO: NATIONAL GEOGRAPHIC

JA

Ernähren Sie sich überwiegend vegetarisch?

Über 200 Enzyme sind auf Zink angewiesen. Es ist der aktivierende Cofaktor des Thymusdrüsenhormons Thymulin, das die Bildung wichtiger Immunzellen reguliert. Zink ist auch für das „Gedächtnis“ unserer Immunabwehr zuständig — es erinnert das Immunsystem an vorangegangene Kontakte mit Krankheitserregern, sodass es diese besser bekämpfen kann. Außerdem ist bei Zinkmangel auch die Bildung von Antikörpern reduziert. Zink ist zudem unentbehrlich für die Wundheilung, für die Zellerneuerung und für die normale Wachstumsentwicklung von Kindern. Zink ist auch an der Bildung und Speicherung des Hormons

Insulin beteiligt. Darüber hinaus gehört dieses Spurenelement zum antioxidativen Schutzsystem unseres Körpers.

Verwendung von Zink Wundheilung: Zink wird häufig bei Hauterkrankungen wie Akne und Ekzemen unterstützend angewendet. Rheumatische Erkrankungen: Aufgrund der Beteiligung von Zink an antioxidativen Prozessen und entzündlichen Reaktionen hat es möglicherweise auch Einfluss auf Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Wachstum und Pubertät: Der Körper benötigt in diesen Entwicklungsphasen besonders viel Zink. Immunsystem: Bei Infektionen, die man auf eine geschwächte Immunabwehr zurückführen kann, ist eine gute Zinkversorgung wichtig.

Glänzend wie Zink? Fisch enthält jedenfalls viel davon.


ILLUSTRATION: NILS WASSERMANN

Notfall

Polizei 110

Allgemeine Notrufnummer Feuerwehr/Rettungswagen

112 Infos zur Gesundheitsreform

Apotheken-Notdienst

Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung

24-Stunden-Hotline

0190 826017 oder aber die die Telefonauskunft anrufen. Auch hier weiß man Bescheid. 11 8 33

0800 1515159 (Mo.-Do von 8 bis 20 Uhr)

Evangelische Telefonseelsorge

Pollen-Infodienst Infos per Bandansage

0800 1110111

0190 115480 (0,62 €/Min.)

oder im Internet www.telefonseelsorge.de

Gift-Hotline Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ) informiert rund um die Uhr über Giftigkeit von Substanzen, Erste HilfeMaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten

0551 19240

Bundesweite Suchtund Drogenhotline 24 Stunden Rat unter

01805 313031

Katholische Telefonseelsorge 0800 1110222 oder im Internet www.telefonseelsorge.de

Für alle Fälle Was tun wenn man plötzlich krank wird? Wo finde ich am Wochenende eine geöffnete Apotheke? An wen wende ich mich bei Vergiftungen? Hier finden Sie die wichtigsten Adressen und Telefonnummern.

Hilfe im Internet www.internetnotruf.de Hier bekommen Sie Hilfe bei allen Problemen rund um Familie, Schule und Partnerschaft von Familienund Eheberatern, Psychologen und Sozialarbeitern.

Eine bundesweit einheitliche Notruf-Hotline für Ärzte oder Zahnärzte gibt es leider nicht. In großen Städten finden Sie eine Hotline im Telefonbuch oder Sie bekommen die Nummer von der Auskunft (11833). Der Haus- oder Zahnarzt hat in aller Regel eine Bandansage auf dem Anrufbeantworter, welcher Kollege im Notfall Dienst hat.

Tierärzte Auch Tierärzte haben in der Regel eine Bandansage über Notfallpraxen. In Großstädten gibt es auch einen 24-Stunden-Notdienst in Tierkliniken. Infos dazu: www.tierschutzbund.de

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FOTO: PHOTOS.COM, DPNY

Neues aus dem Schlaflabor Aktuelle Studien untermauern die Bedeutsamkeit des Schlafs „Träume sind Schäume“, „Bei Vollmond kann man schlecht schlafen“, „Ein Schlummertrunk in Ehren ...“, „Schlafen ist Zeitverschwendung“, „In der Nacht schläft auch das Gehirn“ – es kursieren viele Geschichten rund um das Thema Schlaf. Doch was ist wirklich dran an all den Behauptungen? Auch die Wissenschaft interessiert sich für das Thema und forscht intensiv auf dem Gebiet: Aktuelle Studien zeigen nun erneut, warum der Schlaf so wichtig für den Menschen ist, welche Mittel gegen Schlaflosigkeit helfen können und wie man selbst Einfluss auf den Schlaf ausüben kann.

Z

wischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung leiden an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung. Dabei ist erholsamer Schlaf die Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Gestörter Schlaf führt nicht nur zu Tagesmüdigkeit, sondern auch zu ernsthaften Folgeerkrankungen, erklärte Bayerns Sozialministerin Christa Stewens anlässlich der „Woche des Schlafs“ im

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Juni dieses Jahres. In deutschen Schlafzimmern wälzt sich ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung nachts schlaflos im Bett herum. Woran kann das liegen? Viele Faktoren können dabei eine Rolle spielen: von außen wirkende (exogene) Faktoren wie Schichtarbeit, eine hohe Lärmbelästigung während der Nacht, zu viel Hektik und Stress während des Tages oder auch innere (endogene)

Faktoren wie Sorgen, Verstimmungszustände oder Depressionen. Darüber hinaus können auch schwere körperliche Leiden wie beispielsweise Herz-KreislaufErkrankungen oder chronische Schmerzzustände die Nachtruhe nachhaltig beeinträchtigen. Schlaflabore, in denen die Störungen näher untersucht und analysiert werden, und Schlafschulen, die einen gesunden Schlaf auf dem Lehrplan


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Schlaf und Lebensalter

stehen haben, schießen wie Pilze aus dem Boden. Und das nicht ohne Grund: Der Schlaf hat eine gravierende Bedeutung für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden.

Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung.

(Heinrich Heine)

Den Schlaf nicht unterschätzen Warum schlafen wir? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage machen Schlafforscher immer wieder Experimente zum Schlafentzug. Allan Rechtschaffen, Schlafforscher an der University of Chicago, fand bereits in den 80er-Jahren anhand eines Experiments mit Ratten heraus, dass Schlafentzug bei Tieren zum Tode führt. Nach zehn Tagen Schlafentzug fraßen die Ratten immer mehr, verloren gleichzeitig an Gewicht und konnten ihre Körpertemperatur nicht mehr halten. Sie entwickelten Tumore und Infektionskrankheiten, nach drei bis vier Wochen starben sie. Durch den Schlafentzug war offenbar der gesamte Stoffwechsel entgleist und das Immunsystem völlig

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Das Schlafbe- Schlaf in Stunden/Tag dürfnis ändert sich im Laufe der Jahre: Während Säuglinge täglich 16 Stunden Schlaf brauchen, kommen ältere Menschen oft mit nur sechs Stunden aus. Alter in Jahren Empfängnis Geburt

zusammengebrochen. Auch beim Menschen können chronische Schlafstörungen schwer wiegende Folgen haben, so der Psychologe Stanley Coren von der University of British Columbia in Vancouver. Experimente mit Freiwilligen haben gezeigt, dass totaler Schlafentzug über Tage massive Seh- und Konzentrationsstörungen hervorruft – nach längerer Zeit kann es sogar zu Wahnvorstellungen kommen. Bisher glaubten Forscher, dass acht Stunden Schlaf pro Tag ausreichend seien. Neueste Forschungen des Amerikaners William Dement, Schlafforscher an der „National Sleep Foundation“ der Stanford University, kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass es mindestens zehn Stunden sein sollten. Tests ergaben, dass bereits zwei Stunden mehr Schlaf als gewöhnlich die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit der Testpersonen steigern konnten!

Probleme im Schlaf lösen „Schlaf doch erst einmal eine Nacht darüber!“ – der Ratschlag kommt nicht von ungefähr. Schlafforscher der Universitäten Lübeck und Köln haben anhand folgender Versuche interessante Schlüsse

ziehen können: Testpersonen wurden Zahlenreihen vorgelegt, in denen eine verborgene Struktur entdeckt werden musste. Im Gegensatz zu einer Gruppe von Testpersonen, die die Aufgabe über Nacht ohne Schlaf lösen musste, bewältigten Testpersonen, die eine Nacht über das Problem schlafen durften, die Aufgabe doppelt so häufig. Die Forscher erklären sich diese „Problemlösung im Schlaf“ anhand der Struktur des menschlichen Gedächtnisses: Während des Schlafens werden Informationen vom einen zum anderen Gehirnteil geleitet. Neu Erlerntes und Erlebtes wird zunächst in dem als Hippocampus bezeichneten Teil des Gehirns zwischengespeichert – ähnlich einer temporären Datei im Computer. Im Schlaf werden diese Informationen reaktiviert und als neuronales Impulsmuster an die Hirnrinde gesendet. Dort wird das neue Wissen mit dem Langzeitgedächtnis verknüpft. So organisiere sich laut den Forschern das Gehirn im Schlaf neu und verschaffe dem Menschen einen besseren

Schlafe! Was willst Du mehr. (Johann Wolfgang von Goethe)

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42 %

100 %

Anteil der deutschen Anteil der griechischen Bevölkerung, die einen Bevölkerung, die mitMittagsschlaf hält tags mind. dreimal pro Woche Siesta hält

Hand in Hand mit dem Sandmann Viele Menschen behaupten, nur selten oder nie zu träumen – es ist jedoch wissenschaftlich erwiesen, dass jeder Mensch träumt. Und das mehrfach in jeder Nacht. Zeitlich gesehen macht das einen erheblichen Anteil des Schlafes aus. In der ersten Nachthälfte verarbeiten wir Tagesereignisse aus Berufs- und Privatleben. In der zweiten Nachthälfte haben wir oft irreale und bizarre Träume – im Traumschlaf kann sich die Fantasie ungehindert entfalten. Der Träumer kann dabei in der Regel keinen Einfluss auf das Traumgeschehen nehmen, sondern ist den Ereignissen quasi ausgeliefert. Was viele nicht wissen: Es ist möglich, in das Traumgeschehen einzugreifen und selbst Regie zu führen. Bei dem so genannten luziden Traum (Klartraum) ist sich der Träumende darüber im Klaren, dass er gerade träumt, und ist sich somit seiner persönlichen Entscheidungsfreiheit bewusst. Normalerweise treten luzide Träume spontan im letzten Schlafabschnitt auf – man kann sie jedoch auch bewusst herbeiführen: mithilfe bestimmter Techniken, zum Bei-

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Anteil der erwerbstätigen Chinesen, die per Gesetz Mittagsschlaf halten

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20 %

Überblick.

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Viele geben dem Vollmond die Schuld, wenn sie nicht schlafen können. Wissenschaftler widerlegten nun anhand einer Studie diese These.

Mittagsschlaf im Vergleich

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Auch erholsam: ein kleines Nickerchen am Nachmittag. Besonders beliebt ist der Mittagsschlaf bei den Chinesen.

spiel Meditationsübungen. Der luzide Traum ist seit langer Zeit auch Gegenstand der Schlaf- und Traumforschung. Der Klartraum eröffnet aber nicht nur der Traumforschung neue Perspektiven, auch für die Psychotherapie ergeben sich durch die luziden Träume ganz neue Möglichkeiten: Aktiv in das Traumgeschehen einzugreifen, eröffnet Patienten einen angstfreien Umgang mit Albträumen, von denen besonders häufig Kinder betroffen sind. Mit viel Übung und professioneller Begleitung durch erfahrenes Fachpersonal wird es möglich, vor einer Gefahr nicht länger wegzulaufen, sondern sich ihr zu stellen. Im luziden Traum ist dies nicht mehr so erschreckend wie sonst, da man sich

Schlafen ist kein geringes Kunststück, denn man muss den ganzen Tag dafür wach bleiben. (Friedrich Nietzsche)

darüber bewusst ist: „Das Ungeheuer kann mir keinen Schaden zufügen.“ Auch könnte sich die Person im Klartraum sagen: „Wieso habe ich eigentlich immer diese Verfolgungsträume? Wer

verfolgt mich? Ich schaue mir das einmal genau an. Denn es kann mir ja nichts passieren – ich träume ja bloß!“ So kann man dem Grund des Albtraums auf die Schliche kommen und ihn vielleicht sogar ganz abstellen.

Schlaflos – ist der Mond schuld? Wissenschaftler der Universität Wien beantworten diese Frage mit einem „Nein“. Die Österreicher untersuchten die Schlafmuster von 391 Testpersonen in verschiedenen europäischen Ländern. Zu diesem Zweck wurden die Schlaftagebuch-Eintragungen von 195 Gesunden und 196 Patienten mit Schlafstörungen über einen Zeitraum von sechs Jahren analysiert. Das Tagebuch wurde dabei jeweils 14 Tage lang geführt. Das Ergebnis: Lediglich neun Prozent der Probanden berichteten über massive Schlafstörungen während der Vollmondphase. „In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als neutral eingestuften gefunden werden“, berichten Gerhardt Klösch und Josef Zeitlhofer von der Wiener Univer-


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Geträumt wird vor allem in der REM-Phase. Körperfunktionen wie das Augenrollen nehmen dabei zu.

Wird seit Jahrhunderten gegen Nervosität und Schlafstörungen eingesetzt: Baldrian

Dass wir nicht noch kranker und noch verrückter sind, als ohnehin der Fall ist, verdanken wir ausschließlich jener gesegneten und segensreichsten aller natürlichen Gaben, dem Schlaf. (Aldous Huxley)

sitätsklinik für Neurologie. Dies gelte für Gesunde, Patienten mit Schlafstörungen, Männer und Frauen gleichermaßen.

Was ist dran am „Schlummertrunk“? Mediziner warnen sogar davor: Alkohol als Schlummertrunk kann auch gesunde Menschen um den Schlaf bringen! Der schlaffördernde Effekt des Alkohols wirkt sich nach neuen Erkenntnissen nur in der ersten Nachthälfte aus. Er hilft zwar somit beim Einschlafen, doch verschlechtert er auch das Durchschlafen. Folgeerscheinungen des Alkoholkonsums wie z. B. Wachperioden, Herzrhythmusstörungen, Magenbeschwerden, Schwitzen oder Kopfschmerzen können auch bei gesunden Menschen den Schlaf stören. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass der Schlummertrunk zur Gewohnheit wird

und sich zu einem ernsthaften Alkoholproblem entwickeln kann. Besondere Vorsicht gilt bei der Einnahme von Schlafmitteln. Diese sollten nie gemeinsam mit Alkohol eingenommen werden, denn er macht diese Präparate unberechenbar! Die Wirkung könnte drastisch intensiviert oder gar umgekehrt werden: Verstärkte Unruhe wäre die Folge.

Großmutters Heilmittel neu erforscht Seit Jahrhunderten wird Baldrian gegen Nervosität und Schlafstörungen eingesetzt. Wie es dabei wirkt, war jedoch bisher immer unklar. Erstmals gelang es nun Forschern von der Rheinischen Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Marburger Universität, in pharmakologischen Untersuchungen einen wirksamen Inhaltsstoff des Baldrians nachzuweisen. Diese neu entdeckte Substanz im Baldrian erzeugt eine ähnliche Wirkung wie das körpereigene Adenosin. Adenosin dockt an bestimmten Adenosinrezeptoren im Hirn an. Es steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus, indem es eines der wachheitserzeugenden Systeme im Gehirn hemmt und damit Schläfrigkeit auslöst. Bonner Wissenschaftler um Pro-

fessorin Christa Müller konnten nun zeigen, dass Extrakte der Baldrianwurzel die Adenosinrezeptoren aktivieren können, ähnlich wie das körpereigene Adenosin. Somit imitieren diese Baldrianextrakte die Müdigkeit auslösende Wirkung des Adenosins und können ihre altbekannte beruhigende Wirkung entfalten. Durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Marburger Universität konnte dann auch der eigentliche Wirkstoff im Baldrian identifiziert werden. Die Substanz gehört in die Gruppe der Lignane. Wissenschaftler der Zeller AG gingen in Therapiebeobachtungen der Frage nach, wie wirksam Baldrian tatsächlich bei der Therapie von Schlafstörungen ist. Es wurden dafür 144 Patienten mit leichten, mittelschweren und schweren Schlafstörungen vier Wochen lang mit einem handelsüblichen Baldrian-HopfenExtrakt behandelt. Das Ergebnis: Bei Durchschlafstörungen mit kurzem Erwachen zeigte die Therapie mit dem Baldrian-Hopfen-Extrakt die beste Wirkung – so der Studienleiter Daniel Notter. Auch Patienten mit Einschlafproblemen sprachen gut auf das Mittel an, in 67 Prozent der Fälle kam es zu einer Besserung. Bei

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Rauchen – zum Abgewöhnen?

33,2 Prozent aller Männer und 22,1 Prozent aller Frauen in Deutschland rauchen. Ihre Lebenserwartung liegt zehn Jahre unter der von Nichtrauchern. Nicht übersehbare Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen und täglich neue Meldungen über die Schädlichkeit des Rauchens – und trotzdem nimmt die Zahl der Raucher nicht ab. Warum nur? Was ist dran am blauen Dunst und warum ist es so schwer, ihm zu entsagen? Die MEDICOM informiert Sie über eine der am weitesten verbreiteten Süchte und zeigt die erfolgreichsten Methoden auf, mit dem Rauchen aufzuhören. Vielleicht gelingt es uns mit diesem Artikel, die Raucher unter Ihnen für ein rauchfreies Leben zu begei-

„Zigaretten sind legal verkaufte Verbraucherprodukte, die eindeutig Krebs erregend und gesundheitsschädlich sind, wenn man sie benutzt.“

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Weltgesundheitsorganisation (WHO)


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Indianer rauchten nicht zur Stresskompensation oder aus anderen Gründen, die Raucher heute als Argumente anführen. Tabakrauch wurde ursprünglich für rituelle Zwecke inhaliert.

aber die vermeintliche Freiheit ist es vielleicht, die dazu führt, dass man sich trotzdem eine Zigarette ansteckt. Muss sonst jedes Verhalten begründbar, sinnvoll und effektiv sein: Rauchen ist es eben nicht, und das macht es gerade so attraktiv. Nicht zuletzt deshalb fangen die meisten Raucher in der Pubertät, der Rebellionsphase gegen bestehende Werte, damit an. Die deutschen Jugendlichen

Mehr und mehr junge Raucherinnen sterben an den Folgen des immer früheren Einstiegsalter beim Rauchen. Frauen rauchen immer früher, immer mehr und immer länger und sie hören im Gegensatz zu Männern immer seltener wieder damit auf.

sind sogar die Europameister im Zigarettenrauchen. Hierzulande raucht jeder dritte Jugendliche. Das ist jedoch nur eine Erklärung. Es gibt noch viele andere. Rauchen, um eine Pause zu machen, die Zeit zu füllen, sich abzulenken, sich in Gesellschaft an etwas „festhalten“ zu können, Stress zu kompensieren, schlank zu werden oder zu bleiben und/oder die Verdauung zu fördern oder einfach um sich besser zu fühlen. Die Zigarette kann entspannen und anregen, glücklich machen und trösten. Nichtraucher erreichen diese Gefühle allerdings auch ohne schädliche Zigarette. Und dann gewöhnt man sich daran, die Zigarette wird zum „Freund“, ohne den man die Situationen, in denen man sie im Grunde gar nicht gebraucht hätte, nicht mehr durchstehen kann. So oder ähnlich verlaufen die meisten „Raucherkarrieren“. Irgendwann kommt üblicherweise die Zeit, in der ein Raucher kein Raucher mehr sein möchte. Aus gesundheitlichen Gründen meist, oder weil es einfach zu teuer ist. Doch was ist bis dahin passiert?

Todesfälle durch Lungenkrebs je 100.000 Frauen Angaben in %

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Durchschnittliches Einstiegsalter der Raucherinnen

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u „verdanken“ haben wir das Rauchen der Entdeckung Amerikas. Die Ureinwohner schnupften, kauten und rauchten Tabak oder legten Tabakblätter als Heilmittel auf Wunden auf. Allerdings wurde der Tabak nicht als Konsumartikel für den täglichen Gebrauch verwendet, sondern für rituelle Zwecke oder aus medizinischen Gründen. Die spanischen und englischen Eroberer brachten den Brauch nach Europa, wo er sich unglaublich schnell verbreitete. Oft haben Machthaber und Regierungen versucht, der Bevölkerung das Rauchen zu verbieten, doch nie hatten sie damit wirklich Erfolg. Heute rauchen zunehmend mehr Frauen und Kinder – 38 Prozent aller deutschen Kinder und Jugendlichen – und vermehrt Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten greifen zur Zigarette. Die Folge: Immer mehr junge Raucherinnen erkranken an Lungenkrebs. Den geringsten Anteil an Rauchern machen Akademiker aus. Dem Rauchen hängt ein „Schmuddelimage“ an, kaum ein Raucher, der nicht eigentlich keiner sein will. Und dennoch werden es nicht weniger. Woran liegt das? Die Zigarette: Niemand wird ernsthaft behaupten können, dass sie gut schmeckt. Sie löscht keinen Durst, führt dem Körper keine Nährstoffe zu und erfüllt auch sonst keinerlei lebenswichtige Bedürfnisse. Im Gegenteil: Der Tabakrauch beißt in der Lunge, der Qualm zieht in die Augen, Rauchen macht schlechten Atem, fahle Haut und gelbe Zähne und ist obendrein teuer. Und trotzdem steckt die Zigarette in den Mündern von rund 20 Millionen Deutschen. Was also hat man von ihr? Da sie keinen Nutzen zu haben scheint, muss es etwas damit zu tun haben, was ein Raucher mit einer Zigarette verbindet. Tun und lassen zu können, was einem behagt? Selbst zu entscheiden, was man seinem Körper zumutet und was nicht? Die ironische Behauptung „Ich kann es mir gesundheitlich leisten zu rauchen“ birgt vielleicht mehr Wahrheit als Witz. Niemand kann sich das Rauchen gesundheitlich leisten – das ist sicher –,

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister


40% 25–30%

Nikotin sind im Nebenstrom enthalten

Nikotin sind im Hauptstrom enthalten

30–35%

Tabakrauch und seine Wirkung Beim Inhalieren von Tabakrauch nimmt der Mensch außer dem Nikotin über 3.000 verschiedene Stoffe auf. Mindestens 300 von ihnen werden als gesundheitsschädlich eingestuft, 40 Substanzen sogar als Krebs erregend. All diese Stoffe zusammen bestimmen die Wirkung des Tabakrauches, der wiederum aus festen Teilchen und aus Gasen besteht: Gasförmige Bestandteile des Tabakrauches sind hauptsächlich Aldehyde und Kohlenmonoxid. Kohlenwasserstoffe, Amine und Phenole – auch das Krebs erregende Benzopyren – machen den Hauptanteil der festen Teilchen aus. Diese Stoffe wurden früher „Teer“ genannt, heute bezeichnet man sie als Kondensat. Diese festen Inhaltsstoffe und das gasförmige Kohlenmonoxid sind vor allem für die Krebs erregende beziehungsweise giftige Wirkung des Tabakrauches verantwortlich. Das Nervengift Nikotin hingegen wirkt anders.

Nikotin werden abgebrannt

Nervengift Nikotin Wenn Tabak glimmt, wird Nikotin freigesetzt, das nach dem Inhalieren des Rauches in die Lunge, von dort aus ins Blut und so in den gesamten Körper gelangt.

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eim Rauchen wird durch Abbrennen ein Großteil des Nikotins (30–35 Prozent) zerstört und weitere 40 Prozent werden durch den Nebenstromrauch (der Rauch, der in den Rauchpausen zwischen zwei Zügen entsteht) an die Luft abgegeben. Nur noch 25–30 Prozent des Nikotins sind im Hauptstromrauch enthalten, d. h. dem Rauch, der beim Zug durch die Zigarette gesogen wird. Von diesem Nikotinanteil werden nochmals 30–70 Prozent durch den Filter herausgefiltert. Das verbleibende Nikotin reicht jedoch immer noch aus, um im Körper eine Vielzahl von schädlichen Reak-

„Es wurde darauf hingewiesen, dass Zigaretten die am stärksten abhängig machende Droge sind. Mit Sicherheit raucht eine große Zahl von Rauchern weiter, weil sie nicht damit aufhören kann. Wenn sie dazu in der Lage wären, würden sie es tun. Denen kann nicht mehr gesagt werden, sie träfen eine selbständige Entscheidung.“ (British American Tobacco, 1980)

Zitat der Tabakindustrie, aus „Raucherentwöhnung leichter gemacht – Empfehlungen für Gesundheitsberufe“ (WHO)

tionen hervorzurufen. Nikotin hat die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, die andere Giftstoffe stoppt. Bei der Blut-Hirn-Schranke handelt es sich um eine Barriere in den Blutgefäßen, die wie ein Filter wirkt. Sie sorgt dafür, dass nur wenige und ganz bestimmte Stoffe mit dem Blut in das Gehirn fließen können. Dadurch wird das Gehirn vor schädlichen Substanzen geschützt. Weil Nikotin diese Schranke jedoch passieren kann, erreichen die Nikotinmoleküle bereits sieben Sekunden nach dem ersten Zug das Gehirn. Hier heften sie sich an Rezeptoren der Nervenzellen an, die daraufhin chemische Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin,


Lungenvenen zum Herzen transportiert, ohne dabei von der Leber entgiftet zu werden. Das führt dazu, dass es sich extrem schnell im Körper verteilt.

Das Belohnungssystem im Gehirn wird normalerweise aktiv, um den Organismus bei bestimmten Verhaltensweisen mittels positiver Gefühle zu bestärken, weil diese Verhaltensweisen dem Überleben bzw. der Fortpflanzung dienlich sind. Zum Beispiel bei der Nahrungsaufnahme und beim Sex. Drogen wie Nikotin, Alkohol und Kokain lösen im Gehirn die gleichen Belohnungsreaktionen aus, der Neurotransmitter Dopamin wird ausgeschüttet, und man fühlt sich wohl. Andererseits führt Nikotin aber auch zu einer verstärkten Produktion des Hormons Adrenalin und dadurch zu einer Zunahme der Herzfrequenz, einem Blutdruckanstieg, zu einer Verengung aller Blutgefäße im Körper und zu einem Absinken der Hauttemperatur. Kleine Dosen Nikotin wirken eher anregend,

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Noradrenalin und Endorphine ausschütten. Diese so genannten Neurotransmitter beeinflussen unterschiedliche Strukturen des Gehirns, was sich wiederum auf Funktionen wie die Aufmerksamkeit, das Lernen und das Gedächtnis auswirkt. Manche Menschen können sich deshalb tatsächlich besser konzentrieren, wenn sie geraucht haben. Nikotin wirkt außerdem auf das so genannte Belohnungssystem im Gehirn, was dazu führt, dass Zigaretten scheinbar „glücklich“ machen.

größere Dosen eher beruhigend und entspannend. Gestresste Raucher inhalieren deshalb große Mengen Rauch in tiefen Zügen, um die beruhigende Wirkung des Nikotins zu nutzen. Man geht davon aus, dass die Natur Nikotin hervorgebracht hat, um Pflanzen für gefräßige Insekten ungenießbar zu machen. Es ist das einzige frei verkäufliche Nervengift, das früher als Pflanzengift verwendet wurde und in reiner Form hochgiftig ist – bereits ab 50 mg ist Nikotin für den Menschen tödlich. Nikotin, das durch Inhalation aufgenommen wird, wird direkt über das Blut der

Man stirbt nur deshalb nicht an einer Nikotinvergiftung, weil sich das Gift so schnell im Körper verteilt und weil es schnell wieder abgebaut wird. Schon 30 Minuten nach dem Rauchen befindet sich nur noch die Hälfte des Nikotingehalts im Blut des Rauchers, nach einer Stunde nur noch ein Viertel. 90 Prozent des Nikotins werden über die Leber abgebaut, zirka zehn Prozent werden über den Urin ausgeschieden. Der schnelle Abbau ist also dafür verantwortlich, dass der Körper schnell – spätestens nach zwei Stunden – nach einer neuen Dosis verlangt. Das Nikotin macht also abhängig. Es ist aber, wie bereits erwähnt, nicht für die Krebs erregende Wirkung des Rauchens verantwortlich, sonst könnte man niedrig dosierte Nikotinkaugummis oder Nikotinpflaster nicht zur Raucherentwöhnung verwenden. Abgesehen von seiner schädlichen Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat Nikotin vor allem eine stimulierende oder beruhigende Wirkung. Das Kondensat dagegen sorgt für den Geschmack – und für die gravierendsten Gesundheitsschäden.

So wirkt Nikotin im Gehirn Das Nervengift Nikotin erreicht bereits nach sieben Sekunden die Nervenzellen im Gehirn. Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen hat es die Fähigkeit, die BlutHirn-Schranke zu überwinden.

Großhirn

Nikotin Nikotin

Nikotinrezeptoren

Kleinhirn

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zurückgebildete Rezeptoren

Nikotin wirkt extrem gefäßverengend. Dieses Wärmebild zeigt die Durchblutung der Finger einer Hand vor und nach dem Rauchen einer Zigarette. Oben: Die Hände gesund durchblutet. Unten: nach der Inhalation einer Zigarette ist die Blutzufuhr ganz erheblich eingeschränkt.


Kohlenwasserstoffe

Kohlenmonoxid Kohlenmonoxid ist ein giftiges Gas, das den Sauerstofftransport des Blutes behindert, weil es sich zirka 200-mal schneller mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin verbindet als Sauerstoff. Bei Rauchern werden etwa zehn bis 15 Prozent des im Blut befindlichen Hämoglobins durch Kohlenmonoxid blockiert – ein Gas, das übrigens auch den Hauptanteil von Autoabgasen ausmacht. Indem das Kohlenmonoxid einen Teil des roten Blutfarbstoffs besetzt, wird der Sauerstofftransport im Blut behindert und dadurch die Sauerstoffversorgung aller Körperorgane und Gewebe stark beeinträchtigt. So wird z. B. die vom Nikotin bewirkte gesteigerte Aufmerksamkeit durch die kohlenmonoxidbedingte mangelnde Sauerstoffversorgung des Gehirns wieder aufgehoben.

Sie entstehen generell bei Verbrennungen, z. B. wenn beim Grillen Fett auf die Holzkohle tropft. In ganz besonders erheblichen Mengen sind sie in Zigarettenrauch enthalten. Rauchen bildet daher eine sehr wichtige Quelle für diese Stoffe in der Atemluft, weshalb selbst Passivrauchen als Krebs erzeugend eingestuft wird. Anhaltend und konzentriert inhaliert beeinflussen sie die Leber- und Nierenfunktion.

Diese Giftstoffe verändern die Schleimhäute, beeinflussen den Geschmacksund Geruchssinn und können zu Halsund Kehlkopfentzündungen führen. Sie schädigen die feinen Härchen in den Atemwegen, die die Aufgabe haben, die Lunge von Fremdkörpern, wie zum Beispiel von Staub, zu reinigen. Wenn die Härchen nicht mehr vorhanden sind, werden sie durch Schleim produzierende Zellen ersetzt und die Atemwege werden nicht mehr gereinigt. Es kommt zu einem Raucherhusten und im weiteren Verlauf wird das Lungengewebe geschädigt.

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Aldehyde, Amine und Phenole

Giftige Substanzen, die auch beim Grillen entstehen, werden beim Rauchen an die Luft abgegeben. Das schädigt auch Nichtraucher.

Dazu kommt, dass die Adrenalin erzeugende Wirkung des Nikotins die Durchblutung vermindert und so den Sauerstoffbedarf des Organismus noch weiter erhöht. Die schlechte Sauerstoffversorgung führt beim Raucher zur Kurzatmigkeit. Außerdem wehrt sich der Körper gegen dieses Missverhältnis im Sauerstoffhaushalt mit einer Vermehrung der roten Blutkörperchen. Durch die höhere Anzahl der Blutkörperchen verdickt sich das Blut, was dazu führen kann, dass die Gefäße verstopfen. Insgesamt erhöht sich für den Raucher das Risiko für Herzkrankheiten, Herzinfarkte und Schlaganfälle.

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Die typischen Teerablagerungen in der Lunge eines Rauchers. Doch Rauchen schädigt nicht nur die Atemwege, sondern den gesamten Körper.

Nikotin hat auch heilende Wirkung. Als Pflaster unter ärztlicher Aufsicht verabreicht, kann es Nervenkrankheiten wie Alzheimer, Parkinson und das Tourette-Syndrom lindern.

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Nikotin als Medizin


In jedem Zug aus einer Zigarette sind auch unzählige Freie Radikale enthalten. Unter Freien Radikalen versteht man aggressive Stoffe, die Zellstrukturen im ganzen Körper beschädigen können. Im chemischen Sinne sind Freie Radikale unvollständige, instabile Moleküle mit einer „freien Andockstelle“ – es fehlt ihnen ein so genanntes Elektron. Dies stehlen sie benachbarten Molekülen und Zellbestandteilen, um ins Gleichgewicht zu kommen. Dadurch beschädigen sie diese Moleküle. Wenn zu viele Freie Radikale auftreten, spricht man von „oxidativem Stress“. Bei einer solchen schädigenden Stresssituation werden nach und nach mehr Moleküle geschädigt und es kommt zum Angriff auf intakte Zellen. Freie Radikale sind auch dafür verantwortlich, dass die Blutgefäße bei Rauchern besonders viel Schaden nehmen. Bestimmte im Tabakrauch enthaltene Substanzen bewirken, dass ein Enzym im Körper statt Stickstoffmonoxid (NO) schädliche Freie Radikale produziert. Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße und sorgt dafür, dass die Blutplättchen nicht verklumpen. So schützt es die Gefäßwände vor Entzündungen. Ein Mangel an Stickstoffmonoxid beschleunigt deshalb die Verkalkung der Blutgefäße. Es kommt zu Arteriosklerose. Freie Radikale sind an der Entstehung zahlreicher Erkrankungen beteiligt. Herz-KreislaufErkrankungen, Krebs und Parkinson sind nur einige davon. Um sich gegen überflüssige Radikale zu wehren und um sie unschädlich zu machen, ist eine ausreichende Versorgung des Körpers mit antioxidativ wirksamen Vitalstoffen sehr wichtig.

Die schnelle Sucht Was wird man eigentlich vom Rauchen? Vom Essen wird man satt, vom Alkohol betrunken und von Cannabis bekifft.

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ie pharmakologische Wirkung des Rauchens wird fachsprachlich „bivalent“ genannt. Gemeint ist damit, dass Nikotin, wie schon erwähnt, sowohl beruhigen als auch anregen kann. Raucher können gezielt steuern, welche Wirkung sie in dem Moment haben möchten, in dem sie eine Zigarette rauchen – und das ohne beobachtbare Ausfallerscheinungen durch einen Rausch. Bei jedem Zug aus der Zigarette bekommt das Gehirn durch das Nikotin einen Impuls, den es als Belohnungsreiz versteht. Raucht jemand 20 Zigaretten à 10 Züge am Tag, lernt das Gehirn 200-mal am Tag, sich gut zu fühlen. Dadurch verändert sich die Gehirnstruktur, und es werden immer mehr Nervenenden bereitgehalten, an denen das Nikotin andocken kann, damit man sich noch schneller noch besser fühlen kann. Bleibt das Nikotin aber plötzlich aus, fordern die Nervenzellen, dass es wieder zugeführt wird – es kommt zu körperlichen Entzugserscheinungen.

Die gute Nachricht: Die körperlichen Entzugserscheinungen sind gering. Die Veränderungen im Gehirn bleiben jedoch sehr lange, wenn nicht für immer, bestehen. Das heißt: Bei jemandem, der aufgehört hat zu rauchen und der zum Beispiel nach Jahren wieder eine Zigarette raucht, beginnt der Kreislauf erneut, denn das Gehirn hat die durch Nikotin ausgelösten positiven Gefühle nicht vergessen.

Die schlechte Nachricht: Nikotin ist, weil es fast sofort wirkt, eine sehr schnell süchtig machende Substanz.

„Für die Tabakabhängigkeit gelten grundsätzlich die gleichen Voraussetzungen wie für andere Abhängigkeiten auch – Alkoholabhängigkeit, Heroinabhängigkeit, Kokainabhängigkeit. Der entscheidende Unterschied zwischen der Tabakabhängigkeit einerseits und den übrigen genannten Abhängigkeiten andererseits ist das Fehlen der psychotoxischen Wirkung des Nikotins. Das heißt: Der abhängige Raucher verliert nicht seine Persönlichkeit, im Allgemeinen verliert er auch nicht seinen Arbeitsplatz, z. B. im Gegensatz zum Alkoholiker.“

Der „nüchterne“ Rausch des Rauches macht die Sucht so besonders tückisch. Man bemerkt sie zunächst gar nicht.

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Freie Radikale

Professor Klaus Opitz, Pharmakologe

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Der letzte Zug Abschied vom blauen Dunst „Die letzte Zigarette“ – welcher Raucher hat davon nicht schon mehrere geraucht?

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ie Zigarette ist für viele Raucher wie ein guter Freund. Wer aufhören möchte zu rauchen, kommt immer wieder in Situationen, die in seiner Erinnerung mit dem Rauchen einer Zigarette verbunden sind. Die geliebte Zigarette „danach“ ... nach dem Essen, dem morgendlichen Kaffee, einer besonders emotionsreichen Situation positiver oder negativer Natur – viele Raucher sind vor allem abhängig von ihren Rauchgewohnheiten. Über Jahre hat man sich „antrainiert“, bestimmte Momente mit einer Zigarette zu „würdigen“, Ärger und Stress zu begegnen, Geselligkeit zu genießen oder seinen Geist anzuregen. Diese enge emotionale Verbindung zwischen dem Raucher und seiner Zigarette macht es so schwer, das Rauchen aufzugeben. Dabei ist es unerheblich, ob der „gute Freund“ eine Zigarette, Pfeife oder Zigarre ist.

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Raucher können die Wirkung der Zigarette selbst bestimmen – durch die Art und Intensität, mit der sie rauchen. So kann Rauchen tatsächlich beruhigen oder anregen. Doch dabei betrügt der Raucher sein Gehirn.

„Das Rauchen aufzugeben, zählt zu den einfachsten Dingen überhaupt. Ich muss es wissen, ich habe es tausendmal getan.“ Mark Twain

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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg Wege aus der Abhängigkeit Preiserhöhungen, Gruselpropaganda auf den Zigarettenschachteln, Bahnhöfe, Flughäfen, Züge und Flugzeuge mit Rauchverbot – das Leben des Rauchers ist härter geworden. Trotzdem bleibt die Zahl der Zigarettenkonsumenten gleich. Doch rund die Hälfte aller Raucher denkt über das Aufhören nach. Tabakabhängigkeit hat bekanntermaßen sowohl körperliche als auch psychische Faktoren. Der körperliche Entzug ist jedoch weniger schwer wiegend als bei anderen Suchtmitteln und ist auch bei sehr starken Rauchern durch Nikotinersatzmittel zu entschärfen. Die körperliche Abhängigkeit äußert sich durch Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmängel, Nervosität, Unruhe und teilweise auch mit Verdauungsschwierigkeiten. Die psychische Abhängigkeit dagegen wird durch heftiges Rauchverlangen, das Unvermögen, in bestimmten Situationen auf das Rauchen zu verzichten, und durch die „Macht der Gewohnheit“ bestimmt. Wer ernsthaft das Rauchen aufgeben will, muss seine Alltagsrituale ändern. Das ist nicht so leicht und bedarf einer wirklich starken Motivation, eines guten Plans und des richtigen Zeitpunkts. Die meisten Raucher durchlaufen mehrmals einen Kreislauf, der durch die Stadien „Aufhören überdenken“, „Entschluss fassen“, „Aufhören“ und „Rückfallbe-


Weniger zu rauchen ist zwar ebenfalls begrüßenswert, denn letztlich werden dem Körper auf diese Weise weniger Giftstoffe zugemutet und der Organismus wird weniger geschädigt, es führt aber selten dazu, dass man der Zigarette schließlich ganz entsagt. Das so genannte „Rausschleichen” funtioniert beim Rauchen leider nicht. Vom Umstieg auf Lightzigaretten, die inzwischen nicht mehr so bezeichnet werden dürfen, ist abzuraten, weil sie sogar als gesundheitsschädlicher gelten, denn sie enthalten zwar weniger Nikotin, dafür jedoch mehr Kondensat. Der Ent-

Exraucher, aufgepasst: Bereits kleine Mengen Alkohol verstärken die als positiv empfundenden Wirkungen von Nikotin. Daher wird bei Alkoholgenuss mehr geraucht und ehemalige Raucher werden schneller rückfällig, wenn sie Alkohol trinken.

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wältigung“ bestimmt wird, bis sie es schließlich schaffen, das Rauchen ganz aufzugeben. Manche Raucher schaffen es schneller, oft braucht es jedoch drei bis vier Versuche, bis sich schließlich der Erfolg einstellt. Ganz wichtig ist es, auch einzelne „Ausrutscher“ nicht sofort mit einem Rückfall oder gar einem persönlichen Versagen gleichzusetzen. Sie gehören praktisch zur Raucherentwöhnung dazu.

schluss, ganz mit dem Rauchen aufzuhören, ist der beste. Damit er gelingt, muss er gut vorbereitet sein. Um Rückfälle zu vermeiden, ist es wichtig, sie sozusagen theoretisch vorwegzunehmen. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten, fragen Sie sich zunächst einmal: Warum? Das mag albern klingen,

aber wenn Sie nicht wirklich davon überzeugt sind, wird es nicht klappen. Schreiben Sie Ihre Gründe am besten auf: Ich höre auf zu rauchen: „für meine Gesundheit, für meine Haut, für meine Kinder, für mein Geld“ – oder was Ihnen sonst noch am Herzen liegt. Schreiben Sie auch auf, was für Sie dagegen spricht. Wie: „Ich brauche das Rauchen eben“, „Es entspannt“, „Was tun auf einer Party?“, „Macht schlank“ etc. Überdenken Sie Ihre Pro- und Kontramotive gründlich.

Stufen der Veränderung Nichtraucher bleiben

Fragen Sie sich nun: „In welchen Situationen kann ich auf Zigaretten verzichten?“ und „In welchen Situationen kann ich nicht auf Zigaretten verzichten?“

Versuch aufzuhören Rauchverzicht

Bestimmen Sie Ihren „Rauchertyp“, suchen Sie die passende Unterstützung und wählen Sie den richtigen Augenblick. Anhand der folgenden Informationen können Sie sich für die für Sie optimale Methode entscheiden.

Entschluss zum Rauchverzicht

Rückfälle hat nicht jeder. Es gibt auch Menschen, die von heute auf morgen aufhören zu rauchen. Die meisten brauchen jedoch drei bis vier Versuche, bis es endgültig klappt. Deshalb sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert.

Rückfall

Nicht an einem Rauchverzicht interessiert

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Über das Aufhören nachdenken

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Typentest

Automatikraucher

Rauchertypen und ihre Alternativen zur Zigarette Alternativen zur Zigarette: Der Griff zur Zigarette in bestimmten Situationen ist „antrainiert“, das heißt, wir haben unserem Gehirn beigebracht, in bestimmten Situationen danach zu verlangen. Doch was man „antrainiert” hat, lässt sich auch wieder „abtrainieren“, indem man stattdessen etwas anderes macht. Hier finden Sie einige wirkungsvolle Alternativen zum Rauchen in den genannten Situationen. Selbstverständlich gibt es nicht nur Rauchertypen der beschriebenen Form. Die meisten Raucher werden sich sowohl in dem einen als auch in dem anderen Typen wiederfinden.

Sie rauchen ganz automatisch, ohne darüber nachzudenken. Zum Beispiel beim Telefonieren.

Alternativen Entspannung (1) Bewegung (3)

Anspannungsraucher Rauchen aus Ärger, Wut, Unglücklichsein.

Alternativen Konfliktlösung (2) Entspannung (1)

Stressraucher

Ablenkungsraucher

Anregungsraucher

Sie rauchen vor allem unter Zeitdruck und bei starker Arbeitsbelastung.

Sie rauchen, um die Hand und den Mund zu beschäftigen, oder auch dann, wenn Sie sich verlegen oder unsicher fühlen.

Zur Beruhigung oder zur Konzentration wird zur Zigarette gegriffen.

Alternativen

Alternativen

Genussausgleich (4)

Entspannung (1)

Konfliktlösung (2)

Konfliktlösung (2)

Entspannung (1)

Alternativen Entspannung (1)

Schlankheitsraucher

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Rauchen, um nicht zuzunehmen, um nicht zu viel zu essen und zur Verdauung.

Geselligkeitsraucher

Genussraucher

Das Rauchen in Gesellschaft, bei Partys und in Kneipen gehört für Sie als kommunikative Komponente einfach dazu.

Sie „belohnen“ sich mit einer oder mehreren Zigaretten nach dem Essen oder in geruhsamen Pausen.

Alternativen

Alternativen

Bewegung (3)

Bewegung (3)

Bewegung (3)

Entspannung (1)

Konfliktlösung (2)

Entspannung (1)

Konfliktlösung (2)

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Alternativen Bewusste Ernährung (5)


4. 4. Genussausgleich

1.

Entspannung

Wenn Sie aufhören zu rauchen, wird Entspannung für Sie zu einem Zentralthema. Denn vorher haben Sie zur Zigarette gegriffen, um sich zu entspannen, und die Zigarette ist nun nicht mehr da. Im Grunde wissen Sie ja selbst, wie Sie sich optimal entspannen können. Sie haben es nur möglicherweise verlernt, weil da ja die Zigarettenpackung lag. Erinnern Sie sich: „Was entspannt Sie am besten?“

2.

Oft sind die wahren Genüsse des Lebens mit dem Rauchen überdeckt worden. Der Geruchssinn zum Beispiel. Wenn Sie mit dem Rauchen aufgehört haben, wird alles viel besser duften: die Blumen, das Essen, die Früchte. Geben Sie sich diesen Genüssen hin, achten Sie jedoch bitte darauf, nicht zu viel zu essen. Fragen Sie sich: „Was tu ich gern, aber viel zu selten?“ und tun Sie es jetzt. Gönnen Sie sich etwas, auch wenn es ein wenig kostet, denn Sie sparen ja sehr viel Geld dadurch, dass Sie keine Zigaretten mehr kaufen müssen.

Konfliktlösung

In schwierigen Situationen fällt der Griff zur Zigarette besonders leicht. Oft wird damit versucht, sich seelisch auszugleichen. Konstruktiv ist es, die Lösung des Konfliktes anzustreben. Statt sich also eine Zigarette anzustecken, fragen Sie sich lieber: „Was stört mich an dieser Situation? Was möchte ich erreichen? Wie kann ich es erreichen?“ Versuchen Sie Verhaltensweisen, die Sie vorher möglicherweise gar nicht in Erwägung gezogen haben – immer mit der Prämisse natürlich, andere Menschen nicht zu verletzen.

3.

5.

Bewusste Ernährung

Ihr Körper hat sich an eine ständige Zufuhr von Nikotin gewöhnt. Wenn Sie aufhören zu rauchen, stellt sich Ihr Organismus um. Dabei kann es schon passieren, dass Sie leicht an Gewicht zunehmen. Wenn Sie jedoch auf eine bewusste Ernährung und ausreichend Bewegung achten, wird sich Ihr Gewicht nach zwei bis vier Monaten wieder einpendeln.

Bewegung

Bewegung lenkt Sie von den Gedanken an die Zigarette ab und hilft Ihnen dabei, nicht stattdessen zu viel zu essen. Ein weiterer Grund, sich um die Fitness zu kümmern: die Blutgefäße. Beim Rauchen werden sie besonders strapaziert. Kommen dann noch Bewegungsmangel und falsche Ernährung dazu, kann es schnell zu einer Arteriosklerose, also dem schleichenden Verschluss der Adern, kommen. Dem kann man vorbeugen: durch Rauchverzicht, regelmäßige Bewegung und eine gesunde, fettarme Ernährung.

ILLUSTRATIONEN AUF DEN SEITEN 30 UND 31: NILS WASSERMANN

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Verschiedene Methoden Eine einzig wahre und richtige Methode, das Rauchen aufzuhören, gibt es nicht. Aber da schon viele Menschen damit aufgehört haben, gibt es einen reichen Erfahrungsschatz, was klappen kann. Wir stellen Ihnen die erfolgreichsten Methoden vor. Verhaltenstherapeutische Seminare

Allen Carrs „Easy way“

Akupunktur Methode: Der Akupunkteur setzt dünne Nadeln ins Ohr oder in den Rücken, die die Entzugssymptome und das Verlangen nach einer Zigarette abschwächen sollen. Wie die Hypnosemethode hat auch die Akupunktur nur bei manchen Menschen Erfolg, denn auch hier wirkt jemand von außen auf den Raucher ein. Das birgt die Gefahr, dass der Entschluss nicht durchgehalten wird, weil er nicht bewusst gefasst wurde. Kosten: 30 bis 60 Euro pro Anwendung (zwei bis sechsmal). Die Kosten tragen manche privaten Krankenkassen teilweise oder vollständig. FOTO: STONE

Kosten: 60 bis 150 Euro pro Einzelstunde. Die Kosten werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.

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Kosten: 85 bis 250 Euro für ein Gruppenseminar. Die meisten gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten zur Hälfte oder vollständig.

Methode: Der Raucher wird in Trance versetzt und in diesem Zustand mit Botschaften an sein Unterbewusstes unterstützt, die ihm helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Methode ist bei manchen Rauchern erfolgreich. Da die Motivation jedoch eher passiv als aktiv erfolgt, birgt diese Form der Raucherentwöhnung größere Gefahren für einen Rückfall. Besser ist es, sich selbst bewusst dafür zu entscheiden, das Rauchen zu beenden, und diesen Entschluss eigenverantwortlich durchzuhalten.

Der Wirkstoff Amfebutamon (oder Bupropion) ist schon lange als Antidepressivum bekannt. Die Wirkung bei der Raucherentwöhnung wurde durch Zufall entdeckt, als depressive Patienten, die das Medikament einnahmen, plötzlich aufhörten zu rauchen. Die Antiraucherpille kann vom Arzt verordnet werden, ist aber nur Rauchern zu empfehlen, die bereits mehrmals und erfolglos versucht haben aufzuhören, denn Zyban hat starke Nebenwirkungen. Kosten: Zyban wird nicht von den Krankenkassen bezahlt. Der Preis für die Tagesdosis entspricht einer Packung Zigaretten.

Methode: Die Teilnehmer lernen in Gruppen, wie sie ein rauchfreies Leben führen können. Erlerntes (Rauch-) Verhalten wird durch neues (rauchfreies) Verhalten ersetzt. Diese Therapieform gilt als sehr sinnvoll.

Hypnotherapie

Zyban

Methode: nach der Lektüre seines Buches und/oder einem sechsstündigen Seminar zu einem selbst gewählten Zeitpunkt aufhören zu rauchen. Ist das Seminar nicht erfolgreich, d. h., es wird weitergeraucht, bekommt der Teilnehmer sein Geld zurück. Glaubt man dem Bestsellerautor und Seminaranbieter Carr, ist es spielend einfach, mit dem Rauchen aufzuhören: Man muss es nur wirklich wollen. Und: Je mehr man raucht, desto einfacher ist es. Die Methode gilt als sehr erfolgreich. Das Buch ist manchen Rauchern vielleicht etwas zu plakativ und „amerikanisch“. Kosten: 347 Euro für den Kurs. Viele Betriebskrankenkassen zahlen einen Zuschuss zwischen 60 und 308 Euro. Manche Firmen bezahlen ihren Mitarbeitern den Kurs. Das Buch kostet zirka 8 Euro.

Schlusspunkt Methode: ganz ohne Hilfsmittel einen Zieltag setzen, an dem aufgehört wird zu rauchen. Raucher, die noch nicht versucht haben, sich das Rauchen abzugewöhnen, haben mit dieser Methode die größten Chancen auf Erfolg. Kosten: Es entstehen keine Kosten. Im Gegenteil: Sie sparen das Geld, das Sie sonst für Zigaretten ausgegeben hätten.

Versuchen Sie Ihre Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, ohne Außeneinwirkung durchzuhalten. Dann haben Sie die größten Chancen, dass es klappt.

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Nikotinersatzpräparate Zahlreiche Studien belegen die Wirkung der Pflaster, Kaugummis und Bonbons gegen die Entzugserscheinungen. Es gibt jedoch auch Gegner dieser Therapieform, die zudem immer nur unterstützend zu anderen Methoden verwendet werden sollte. Die Pflaster können unter Umständen Hautreizungen verursachen. Der Geschmack der Kaugummis kann zu Beginn der Anwendung zunächst gewöhnungsbedürftig sein. Stark abhängige Raucher sollten außerdem darauf achten, die Präparate hoch genug zu dosieren. Kosten: Pflaster 40 Euro, Kaugummi und Bonbons 4 bis 10 Euro pro Packung. Einige Kassen zahlen die Kosten in Einzelfällen und nach Absprache.

Rauchertelefon Die Hotlines begleiten „Aufhörwillige“ auf ihrem Weg in die Rauchfreiheit. Sie beraten in allen Stadien und helfen durchzuhalten. Eine totale Entwöhnung ist auf diesem Wege möglich.

Internetprogramme Mit ansprechenden Programmen wird den zukünftigen Nichtrauchern der Weg in ein Leben ohne Zigaretten geebnet. Tests zum Rauchverhalten vereinfachen die Auswahl der geeigneten Methoden, und Berater sowie andere Programmteilnehmer stehen zum virtuellen Gespräch bereit. Sinnvolle Hilfe zum eigenständigen Ausstieg aus dem Raucherdasein. Kosten: zwischen 20 und 40 Euro.

Hilfreiche Telefonnummern Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Nichtrauchen Tel.: 0180 5 313131, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (12 Cent pro Minute).

Der richtige Moment

E

in besonderes Augenmerk sollte jemand, der mit dem Rauchen aufhören möchte, auf den richtigen Zeitpunkt richten. Wählen Sie eine Zeit, in der es für Sie leichter sein wird. Sind Sie zum Beispiel ein Gesellschaftsraucher, suchen Sie sich einen Zeitpunkt aus, an dem Sie voraussichtlich wenig auf Veranstaltungen, Partys oder an anderen Orten sein werden, wo viel geraucht wird. Im Urlaub in den Bergen zum Beispiel. Rauchen Sie jedoch eher dann, wenn Sie sich langweilen, versuchen Sie am besten, Ihr Antirauchprogramm zu beginnen, wenn in Ihrem Leben viel los ist.

Krankheiten, die mit dem Konsum von Tabak in Verbindung gebracht werden Da sich die Schadstoffe aus dem Tabakrauch mit dem Blut im ganzen Körper verteilen, können sie auch dem gesamten Organismus Schäden zufügen. Einige Krankheiten, wie zum Beispiel das Raucherbein infolge der Arteriosklerose oder auch Lungenkrebs, Bronchitis und Kehlkopfkrebs, werden jedoch direkt mit dem Rauchen in Verbindung gebracht. Die Liste der Krankheiten, die in der Folge des Rauchens auftreten können, wurde aufgrund neuester US-amerikanischer Studien jetzt erweitert. Demnach kann Rauchen auch zu Krebs in Hals, Niere, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Blase und Magen führen. Weitere Erkrankungen, die mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden, sind Leukämie, Herzerkrankungen, grauer Star, Probleme der Lungenfunktionen oder des Mund- und Rachenraumes und eine gefährliche Erweiterung der Bauchschlag-

„Sehr wenige Konsumenten sind sich der Wirkung von Nikotin bewusst, z.B. dass es suchterzeugend und giftig ist.“

Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums Tel.: 06221 424200, montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr (Normaltarif für Ferngespräche).

MEDICOM-Tipp Nichtraucherprogramm vom „Netdoktor“ www.stayquit.de (25 Euro).

ader (Aneurysma). Zudem erhöht Rauchen das Risiko, an Multipler Sklerose, Schlaganfall, chronischer Gelenkentzündung oder an chronischer Darmentzündung zu erkranken. Interessant für Männer: Negativ kann sich die Schädigung der Gefäßwände auch am Penis auswirken, was zu Erektionsstörungen führt.

Zitat der Tabakindustrie, aus „Raucherentwöhnung leichter gemacht. Empfehlungen für Gesundheitsberufe“ (WHO)

(Memorandum von Brown & Williamson, unterzeichnet von H. D. Steele, 1978) MEDICOM 32. Ausgabe, Oktober 2004

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zusammenzuleben. Niemand wird bestreiten, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, doch Alkoholismus ist es auch und Adipositas, also Übergewicht, ist in der westlichen Welt heute Todesursache Nummer eins. Dennoch steht auf keiner Weinflasche, dass Alkohol tödlich sein kann, und auch Fastfood oder Süßigkeiten sind nicht mit Warnhinweisen gekennzeichnet.

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Täglich finden sich neue erschreckende Zahlen und Fakten über die Schädlichkeit des Rauchens in den Medien, die die Raucher aufschrecken lassen sollen. Doch jeder Raucher ist sich des Risikos bewusst, und die Schätzungen, dass in Deutschland jährlich zwischen 110.000 und 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben, machen einen Raucher nicht persönlich betroffen. Die Zahl ist einfach zu groß und zu abstrakt. Gibt es doch immer noch den Ausweg des: „Ja, viele Menschen werden durch das Rauchen krank und sterben sogar daran, aber eben nicht alle“. Ausflucht hin, Ausflucht her, jeder kann selbst entscheiden, was er tut, und sich für oder gegen seine Gesundheit entscheiden. Es gibt jede Menge stichhaltige Gründe, die gegen das Rauchen sprechen. Einige davon finden Sie in diesem Text, doch sind Polemik, Ausgrenzung und Intoleranz noch nie gute Mittel gewesen, um in einer Gesellschaft gut

Warnhinweise auf Zigarettenschachteln Angaben in %

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Ja

Werden Sie aufgrund dieser mit dem Rauchen aufhören?

4

Ja 5

Etwas 16

Vielleicht 13

Nein

34

79

Nein

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Gründe, jetzt ein rauchfreies Leben zu beginnen Nichtrauchen verringert das Risiko, eine Reihe verschiedener Krankheiten zu bekommen. Nichtraucher leben länger und gesünder. Nach zehn bis 15 Jahren Abstinenz ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, nicht mehr größer als bei Menschen, die nie geraucht haben. Nach zehn bis 15 Jahren ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, nicht mehr größer als bei Menschen, die niemals geraucht haben. Das Krebsrisiko verringert sich mit jedem Jahr, in dem nicht geraucht wird. Essen und Getränke werden besser schmecken und riechen. Die Haut wird reiner, der Teint wird frischer. Die Gesundheit und die Fitness verbessern sich wesentlich. Sie werden mehr Geld für Dinge zur Verfügung haben, die Ihnen wirklich gut tun. Sie tragen zur Gesundheit der Umwelt und der Ihrer Mitmenschen bei.

In einer demokratischen Gesellschaft mündiger Bürger sollte man jedem Erwachsenen das Recht zugestehen, seinen Vorlieben nachzugehen – solange er dabei nur sich selbst und niemand anderen schädigt. Dass Schwanger- und Mutterschaft nicht mit dem Rauchen vereinbar sind, versteht sich von selbst. Rauchverbote am Arbeitsplatz, an öffentlichen Plätzen, die nicht an der freien Luft sind, oder in öffentlichen Transportmitteln sind sinnvoll, damit keine Nichtraucher durch Passivrauchen geschädigt werden. Auch ein generelles Verbot von Tabakwerbung ist erstrebenswert, damit Kinder und Jugendliche nicht zum Rauchen verführt werden. Ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit käme jedoch einer Stigmatisierung gleich. Drastische Maßnahmen gegen das Rauchen zeigen deshalb auch wenig Wirkung. So zeigen Umfragen, dass die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen kaum einen Raucher zum Aufhören bewegen können. Nichtraucher fühlen sich jedoch in ihrem Verhalten bestätigt.

Drastische Warnhinweise auf den Packungen bringen wenig. Das haben Umfragen ergeben.

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Der öffentliche süchtige Raucher und die Gesellschaft

Verunsichern Sie die Warnhinweise?

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Ein wieder erwachender Geruchssinn bereichert das Leben des künftigen Nichtrauchers


Zusätze in Zigaretten

„Zum Glück für die Tabakindustrie ist Nikotin gewohnheitsbildend und einzigartig in der Vielfalt der physiologischen Effekte.“

Das große Geheimnis der Tabakindustrie

I

mmer wieder hat die Tabakindustrie versucht, Informationen über das Suchtpotenzial von Zigaretten zu verschleiern, und eigene Untersuchungsergebnisse, die dies beweisen, verschwinden zu lassen. Noch heute leugnet sie offiziell, was ihr inoffiziell seit langem bekannt ist: dass Nikotin abhängig macht.

(Forschungsbericht von Claude schwere und starke Raucher führen sich wesentlich mehr Nikotin zu, als auf der Packung steht, so die Forscher.

Teague, R. J. Reynolds Tobacco Company) Zitat der Tabakindustrie, aus „Raucherentwöhnung leichter gemacht. Empfehlungen für Gesundheitsberufe“ (WHO)

Aceton

Regierung auf, diese Zusätze zu (Lösungsmittel, Nagellackentferner) verbieten. Dass die Tabakindustrie Kritiker der Konzerne beschulsich bewusst an Kinder wendet, digen diese zudem, den ist ebenfalls aus Dokumenten (Detergens, Putzmittel) Zigaretten mehr Nikotin bekannt. „Kriegen wir sie (Lösungsmittel, Treibstoff) und zusätzliche Sucht*Urethan jung, kriegen wir sie fürs stoffe zuzusetzen, um Leben“ heißt es darin. Oder Naphtalen die Raucher vorsätzlich (Mottenschutzmittel) noch deutlicher: *Pyren süchtig zu machen. (Lösungsmittel) Einer der bekanntesten *Cadmium „Um den steigenden und Kritiker ist der ehemalangfristigen UmsatzzuPolonium *Dibenzacridin lige Vizepräsident für (radioaktives Element) wachs der Camel Filter Forschung und Entsicherzustellen, muss die wicklung beim ZigaretMarke ihren Durchdrintenkonzern Brown & (Unkrautvertilgungs-, gungsanteil in der Alters(hochgiftige Substanz) Williamsson, der zum Insektenbekämpfungsmittel) gruppe der 14- bis 24-JähriBeispiel die Marke „Lucky gen steigern. Diese AltersStrike“ produziert. 1993 gruppe vertritt liberalere Werte (Insektengift) wurde Jeffrey Wigand – weil und macht das ZigarettenKohlenmonoxyd er sich weigerte, das Suchtpogeschäft von morgen aus.“ (Memo (Auspuffgas) tenzial von Zigaretten zu steifür C. A. Tucker, Vizemarketingleiter gern – entlassen. 1995 ging er an bei R. J. Reynolds, 1975). Bislang hüten * als krebserregende Substanzen bekannt die Öffentlichkeit, was dazu führte, die Tabakfirmen die Rezepturen ihrer dass Tabakkonzerne an Geschädigte eine Produkte allerdings noch wie das CocaDiese sind nur einige wenige von der Vielzahl von Rekordsumme von 246 Milliarden Dollar Schadstoffen, die im Zigarettenrauch enthalten sind Cola-Geheimnis, weil sie die Zusätze nicht zahlen mussten. Der Film „Der Insider“ angeben müssen. hat Jeffrey Wigand weltweit bekannt gemacht. Fest steht, dass der Tabak mit AromaB U C H - T I P P S stoffen und Geschmacksverbesserern Japanische Wissenschaftler bezeichnen Peter Lindinger: aufbereitet wird. Darunter: Schokolade, auf der Grundlage einer neuen Studie die Lust und Last Lakritze, Kakao, Wein, Sherry, Ahornsiderzeitigen Angaben auf den Zigarettendes Rauchens, rup und Vanille. Da sich diese Zusatzpackungen als irreführend. Sie betonen, Fischer Verlag, stoffe besonders dazu eignen, Kinder dass die angegebene Nikotinmenge nicht zum Rauchen zu animieren, forderten jener entspricht, die tatsächlich auf€ 6,90 jüngst britische Gesundheitsgruppen ihre genommen wird. Insbesondere mittel-

Methanol

Ammoniak

Toluol

Nikotin

Arsen

DDT

Alexander von Schönburg: Der fröhliche Nichtraucher. Wie man gut gelaunt mit dem Rauchen aufhört, Rororo,

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€ 7,90

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Der Rausch des Rauches Cannabis – Modedroge Nr. 1 Für die einen ist es die ungefährlichste Droge der Welt – für die anderen ist es „Teufelszeug“ wie Heroin. Keine Droge polarisiert so wie das Haschisch- oder Marihuanarauchen, umgangssprachlich als „Kiffen“ bezeichnet.

D

as Rauchen von Zigaretten gilt als Einstiegsdroge für andere und stärkere Suchtmittel wie Alkohol und Cannabis. Fakt ist: Kaum jemand raucht Haschisch (das gepresste Harz der Cannabispflanze) oder Marihuana (die getrockneten Blüten und Blätter) ohne Tabak. So ist Kiffen ohne Zigarettenrauchen zwar denkbar, aber selten, und viele Menschen, die Cannabis konsumieren, rauchen auch. Das Gleiche gilt für Alkohol. Wer viel trinkt, raucht in der Regel auch. Dass Alkohol süchtig machen kann, ist allerdings wohl jedem bekannt. Kiffen gilt da eher als „harmlos“. Falsch, denn Cannabis kann bei regelmäßigem Genuss zu Veränderungen im Charakter des Konsumenten führen. Dies kann gerade bei sehr jungen Menschen verheerende Auswirkungen haben. Der Chef der Drogenambulanz am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf, Professor

Rainer Thomasius, warnt vor Cannabiskonsum, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen: „Eine Sucht mit dramatischen Folgen. Es treten psychische Störungen wie Depressionen und Wahnvorstellungen auf. Das Gedächtnis wird schlechter, die Abhängigen können sich nicht konzentrieren. Und Cannabis kann die Entwicklung bremsen. Wir erleben 22-Jährige, die auf dem geistigen Stand eines 15-Jährigen sind. Sie haben ihr Leben nicht mehr im Griff.“ Kiffen ist also, ganz besonders für sehr junge Menschen, alles andere als harmlos. Was vielen Befürwortern einer lockereren Handhabung in der Drogengesetzgebung in Bezug auf Cannabis vielleicht nicht klar ist: Aus dem Hippiejoint für langhaarige Friedensfreunde ist inzwischen eine hochpotente Droge geworden – sie ist heute etwa fünfmal so wirksam wie zu Flowerpowerzeiten. Der stärkere

Regelmäßiges Kiffen kann zu Depressionen, Wahnvorstellungen und Charakterveränderungen führen. Auch Gedächtnis und Konzentration verschlechtern sich durch regelmäßigen Genuss von Cannabis.

Rauscheffekt liegt an den heutigen professionellen Züchtungsmethoden, die die Cannabispflanzen regelrecht „veredeln“. Zudem, oder vielleicht gerade deshalb, haben sich die Konsumgewohnheiten und auch die Gruppe der Konsumenten verändert. Aus der geselligen Angelegenheit, unter Erwachsenen hin und wieder mal einen Joint kreisen zu lassen, ist ein Massendrogenmissbrauch unter Kindern geworden. Die neuen Konsumenten sind zum Teil Dauerkiffer, die im Alter von zwölf bis 13 Jahren damit angefangen haben, regelmäßig Cannabis zu rauchen. Liberale Eltern, die vielleicht selbst schmunzelnd an von ihnen gerauchte Joints zurückdenken und ihren Kindern daher ungern etwas verbieten möchten, was sie selbst gemacht haben oder auch weiterhin praktizieren, sollten sich mit den Fakten konfrontieren: Fünfmal so viele Cannabisraucher wie früher wenden sich heute jedes Jahr an die Drogenberatungsstellen. Cannabismissbrauch ist in Deutschland und auch weltweit zu einem großen Drogenproblem geworden. Die neue Generation von Drogensüchtigen steht nicht mehr, wie in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beschrieben, in sich zusammenfallend in der Öffentlichkeit herum, sondern sie sitzt in den Kinderzimmern und kifft bereits morgens und in der großen Pause. Psychisch labile Kinder und Jugendliche ruinieren sich auf diese Weise ihre Schullaufbahn und manchmal auch den gesamten weiteren Lebensweg. Ob sie das mit einer anderen Droge auch getan hätten, ist dabei nicht die Frage, denn gerade auch der Alkoholmissbrauch ist unter deutschen Schulkindern und Jugendlichen gang und gäbe. Aber es geht nicht darum aufzurechnen, was gefährlicher ist: rauchen, kiffen oder exzessiver Alkoholkonsum. Es geht darum, dass Kinder vor jeder Form von Drogenmissbrauch geschützt werden sollten, weil sie die Folgen ihres Handelns noch nicht selbst einschätzen können. Hilfe und Information für Eltern und betroffene Jugendliche bieten Drogenberatungsstellen, die es in jeder Stadt gibt und die im Telefonbuch zu finden sind. Weitere Hilfe bieten:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Infotelefon zur Suchtvorbeugung, Tel.: 0221 892031, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (Normaltarif für Ferngespräche). Bundesweite Sucht- und Drogenhotline, Tel.: 0180 5 313031, montags bis sonntags von 0 bis 24 Uhr (12 Cent pro Minute).


Vitalstoff-Rezept Ayurveda

Wie schon auf Seite 10 erwähnt, ist Ayurveda mehr als eine Massage mit Öl. Auch köstliche Speisen sollen den Menschen wieder ins Gleichgewicht bringen. Wir haben eine für Sie ausgewählt.

Gemüsegericht „Grüne Wiedergeburt“ (Für 2 Personen)

§

Nährwertangaben

FOT O: P HO TOD ISC

Masalas sind indische Gewürzmischungen. Sie können sie in orientalischen Lebensmittelgeschäften fertig kaufen oder selbst zubereiten. Dazu rösten Sie alle Zutaten, ausgenommen Paprika und Kurkuma, in einer beschichteten Pfanne ohne Fett an. Die Gewürze in einem elektrischen Zerkleinerer oder einer Kaffeemühle zermahlen und zum Schluss Paprika und Kurkuma zu der Mischung dazugeben.

§

Soma Masala mild

500 g 500 g 250 g 100 ml 3 EL

2 EL 2 TL 1 TL

Zutaten

§

Guten Appetit!

Blumenkohl Möhren Basmatireis Wasser frische Kräuter (z. B. Basilikum, Dill, Schnittlauch, glatte Petersilie) gehackte Cashewkerne Erdnussöl Soma Masala mild Salz, Pfeffer

(Pro Portion) Energie Eiweiß Fett Kohlenhydrate Ballaststoffe Vitamin A Vitamin B6 Vitamin C Vitamin E Magnesium Eisen Folsäure

345 kcal 10 g 7 g 59 g 9 g 1.970 0,5 100 1 104 4 67

µg mg mg mg mg mg µg

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Den Blumenkohl waschen und zerkleinern, die Möhren putzen und klein schneiden. Das Öl in einer Pfanne erhitzen, das Masala (siehe unten) zugeben und kurz andünsten. Für den Reis einen Topf mit Wasser erhitzen. Den Reis in das kochende Wasser geben und zirka acht Minuten sieden lassen. Währenddessen das Gemüse in die Pfanne geben und das Wasser hinzufügen. Das Ganze einmal aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen und langsam garen. In der Zwischenzeit den Reis abgießen und noch feucht zurück in den Topf schütten. Bei ausgeschalteter Platte noch weitere fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Das fertige Gemüsegericht mit den Kräutern und den Cashewkernen garnieren und mit dem Reis servieren.

§

Zubereitung


Die

Mittelmeerküche Genuss mediterran

Kaum einer, der noch nicht von ihr gehört hat: der gesunden und genussvollen mediterranen Küche. Und es stimmt wirklich, sie ist es: gesund, köstlich und abwechslungsreich.

S

ie ist sogar so gesund, dass ihre Wirkung jetzt im All getestet wird. Zwei Raumfahrer der Internationalen Raumstation (ISS) probieren zurzeit zwei Menüs gemäß Mittelmeerdiät aus, die Ernährungswissenschaftler für den problemlosen Genuss in der Schwerelosigkeit portionsweise und vorgeschnitten in Plastikbeutelchen verpackt haben. Mit dieser Kost ernähren sich die beiden russischen Kosmonauten fast gesünder als mit der Nahrung, wie sie heute in den Mittelmeerregionen tatsächlich gegessen wird. Die Ernährung der Menschen in Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland und anderen Ländern des Mittelmeerraums hat heute nämlich oft nur noch wenig mit der klassischen mediterranen Ernährung zu tun. Wie in unseren Breiten haben sich in den letzten Jahrzehnten auch die Lebensumstände vieler Menschen im Süden Eu-

ropas sehr stark verändert. Das Leben in stark übergewichtig (adipös). In Deutschden industrialisierten Regionen rund ums land sind es 16 Prozent. Gerade im HinMittelmeer stellt heute ganz andere Anblick auf die Zusammenhänge zwischen forderungen an den modernen Menschen, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 als es die eher langsamere Lebensform in ist das eine bedauerliche Entwicklung. der Vergangenheit tat. In der Regel bleibt War es doch die traditionelle Ernährungsauch den Mittelmeerraumbewohnern weise, die die Südeuropäer bislang so heute nicht mehr ausreichend Zeit, um gesund erhielt und sie auch wesentlich täglich einzukaufen und alle Mahlzeiten älter werden ließ als Menschen aus andemit frischen Nahrungsmitteln ren Kulturkreisen. zuzubereiten. Fertiggerichte und Fastfood haben auch im Süden EuKörpergewicht in Kilogramm ropas Einzug in die Speisepläne BMI = gehalten. Mit deutlich sichtbaren (Körpergröße in Metern)2 Folgen. Bedingt durch die Änderung der Ernährungsweise sind Beispiel: 75 kg : (1,67 m)2 = 75 : 2,8 = 26,8 auch in den Mittelmeerregionen immer mehr Menschen überge- Mit dem so genannten Body-Mass-Index (BMI) lässt sich wichtig. In Spanien zum Beispiel feststellen, ob Übergewicht vorliegt. Der Index sollte 19 und 24 bei Frauen und bei Männern zwischen haben heute 13 Prozent der zwischen 20 und 25 liegen. Oberhalb dieser Werte liegt leichtes bis Erwachsenen einen Body-Mass- mittleres Übergewicht vor. Bei einem BMI über 30 spricht Index (BMI) über 30, d.h., sie sind man von extremem Übergewicht.


Eine Studie in sieben Ländern an 12.000 Männern im Alter von 40 bis 59 Jahren zeigte, dass die traditionelle mediterrane Ernährungsform vor Herzerkrankungen schützen kann.

Krebs 35 Prozent aller durch Krebs verursachten Todesfälle können auf eine falsche Ernährungsweise zurückgeführt werden. Diese Krebserkrankungen sind vor allem in den Ländern Nord- und Osteuropas weiter verbreitet als in den Mittelmeerregionen.

Diabetes mellitus Die traditionelle mediterrane Kost erfüllt viele Anforderungen an eine Kost für Diabetiker, zumal diese oftmals gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen tragen. In der Kost sind reichlich Gemüse und Obst enthalten. Kohlenhydrate werden daher hauptsächlich in komplexer Form verzehrt – aus Nahrungsmitteln, die zudem noch sehr ballaststoffreich sind. Das traditionell reiche Fischangebot sowie die Verwendung von Olivenöl versorgen den Körper zusätzlich mit wichtigen ungesättigten Fettsäuren.

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Herzerkrankungen

scheidend ist jedoch auch, wie und in welcher Kombination diese Nahrungsbestandteile verzehrt werden, vor allem aber, dass sie genussvoll verzehrt werden. Getreideprodukte wie Nudeln oder Brot fehlen bei keiner Mahlzeit und bilden die Grundlage der gesunden Ernährung. Frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Jogurt, Käse und besonders Olivenöl stehen ebenfalls täglich auf dem Speiseplan. Es ist grundsätzlich gesünder, weniger Fleisch zu essen und die Zufuhr an tierischen Fetten zu reduzieren, wie es Ein traditioneller, einfacher und äußerst genussvoller Lebensstil hält die Menschen in den Mittelmeerregionen lange körperlich in der mediterranen Ernähund geistig fit rungsweise praktiziert wird. Fisch gibt es mehrmals pro Woche, seltener dagegen Übergewicht Geflügel und Eier. Besonders in fettreichen Durch ihren hohen Gehalt an kompleFischen stecken wertvolle Omega-3xen Kohlenhydraten und Ballaststoffen Fettsäuren. Auch das Olivenöl ist ein wertsowie an Obst und Gemüse hat die tradivolles und sehr gesundes Nahrungsmittel. tionelle mediterrane Ernährung eine Schließlich verfügt der Rotwein über vergleichsweise geringe Energiedichte gesunde pflanzliche Inhaltsstoffe wie Antund ist daher grundsätzlich gut zur hocyane (Bioflavonoide) und Oligomere Prävention von Übergewicht geeignet. Proanthocyanidine (OPC), die als Antioxidantien den Organismus bei der NeutraliWas macht die klassische sierung Freier Radikale unterstützen. Mittelmeerkost so gesund? Selbstverständlich ist nur ein moderater Konsum von Rotwein (nicht mehr als ein Die klassische mediterrane Kost besteht bis zwei Gläser täglich) auf Dauer gesund. aus vielen wohl schmeckenden Lebensmitteln – Obst und Gemüse, Getreide und Sie sehen: Grundsätzlich sind es weitgeGetreideprodukten, Milch und Milchhend naturbelassene Nahrungsmittel, die produkten, Fisch und Meeresfrüchten, Oliuns in der Mittelmeerküche gesund und venöl sowie Rotwein. All diese Nahrungsfit erhalten. mittel haben wertvolle Inhaltsstoffe – entFOTO: TAXI

Die klassische mediterrane Ernährung schützt vor schwer wiegenden Erkrankungen


Das Gute darin und was wie wirkt Die Mittelmeerküche ist regional unterschiedlich. Es gibt jedoch mehrere „gemeinsame Nenner“. Hier haben wir vier gesunde Elemente für Sie zusammengestellt

1.

Obst, Gemüse und Getreide

Kohlenhydrate und Ballaststoffe werden vor allem mit pflanzlichen Nahrungsmitteln aufgenommen, also über Obst, Gemüse und Getreideprodukte wie Brot und Nudeln. Bei Kohlenhydraten unterscheidet man zwischen einfachen und komplexen Kohlenhydraten. Zu den einfachen Kohlenhydraten gehören die Einfachzucker Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Galaktose sowie der Doppelzucker Saccharose (Haushaltszucker). In komplexen Kohlenhydraten sind solche Zuckermoleküle miteinander verbunden. Die Kohlenhydrate werden – egal in welcher Form sie aufgenommen wurden – vom Körper zu Glucose abgebaut oder umgewandelt und dann zu Energie „verbrannt“. Diese Energie benötigt der Körper für die Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen. In naturbelassenen pflanzlichen Lebensmitteln liegen die einfachen und komplexen Kohlenhydrate zusammen mit Ballaststoffen vor. Ballaststoffe sind sehr komplexe Kohlenhydrate (Ausnahme: Lignin), die von den menschlichen Verdauungsenzymen nicht aufgespaltet werden können. Trotzdem haben sie für den Menschen große physiologische Bedeutung und werden also zu Unrecht als „Ballast“ bezeichnet. Ballaststoffe sind vor allem in Gemüse, Obst, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten enthalten. Aufgrund ihrer Struktur werden

sie auch als Faserstoffe bezeichnet. Die Ballaststoffe bewirken, dass der Speisebrei nur langsam vom Magen in den Darm transportiert wird, was zu einer länger anhaltenden Sättigung führt. Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass die schnellverdaulichen Zucker vom Körper nur langsam aufgenommen werden, und führen somit zu einem langsameren und gleichmäßigeren Anstieg des Blutzuckerspiegels. Bei den Ballaststoffen unterscheidet man zwischen löslichen Ballaststoffen (wie z. B. Pektin und resistente Stärke) und unlöslichen Ballaststoffen (wie Zellulose oder Lignin). Die löslichen Ballaststoffe können den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen und außerdem Schadstoffe wie z. B. Schwermetalle an sich binden und aus dem Körper ausleiten. Außerdem dienen sie den Mikroorganismen der Darmflora als wichtige Nahrungsquelle. Im Gegensatz zu den löslichen Ballaststoffen können die unlöslichen Faserstoffe auch von den Bakterien der Darmflora nicht abgebaut werden und passieren somit unverändert den Darm. Sie sorgen so für eine lang anhaltende Sättigung, eine gute Verdauung und wirken vorbeugend gegen Dickdarmerkrankungen – vor allem auch gegen Dickdarmkrebs.

Die Mittelmeerkost ist reich an Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Deshalb ist sie so gesund.

2.

Fisch

Meeresfisch ist reich an wertvollen Mineralstoffen wie zum Beispiel Jod, das sonst nur in wenigen Nahrungsmitteln ausreichend enthalten ist. Auch Magnesium, Eisen und Selen sind im Fisch enthalten. Fettreiche Fische wie zum Beispiel Makrele, Lachs oder Hering enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die so genannten Omega-3-Fettsäuren, die vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können. Da Fisch in der Regel zu selten auf unserem Speiseplan steht, kann ein zusätzlicher Verzehr von Omega-3Fettsäuren über Nahrungsergänzungen sinnvoll sein.


Die wissenschaftlichen Grundlagen Die Forscher Ancel und Margaret Keys aus den USA starteten 1952 eine „Sieben-Länder-Studie“ zum Thema Ernährung. Diese sieben Länder waren das ehemalige Jugoslawien, Italien, Griechenland, die Niederlande, Finnland, die USA und Japan. Mithilfe von Ernährungsprotokollen wurden die unterschiedlichen Ernährungsweisen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebenserwartung der jeweiligen Bevölkerung untersucht. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Herzerkrankungen. Das Ergebnis: Die mediterrane Ernährungsweise, insbeB U C H - T I P P sondere die griechische und süditalienische Variante, kann koronaren HerzerkrankunJean Pütz, Monika gen vorbeugen und somit insgesamt die LeKirschner: Hobbythek benserwartung erhöhen. Zahlreiche weitere Mediterrane LebensStudien haben dieses Ergebnis bestätigt. elixiere Wein, Olivenöl, Knoblauch, Tomaten, Kefir, Aloe Vera € 9,90

Vitamine und Mineralstoffe

Vitamine und Mineralstoffe sind lebenswichtige Nährstoffe, die der menschliche Organismus bis auf wenige Ausnahmen nicht selbst herstellen kann und die deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamine und Mineralstoffe sind an allen wichtigen Vorgängen im menschlichen Organismus beteiligt. Sie sind deshalb unentbehrlich für den Menschen. Die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen kann sich hin und wieder recht schwierig gestalten und oftmals kann der Vitalstoff-Bedarf auch durch Belastungen wie z. B. Medikamentenkonsum, Rauchen, Stress oder mit zunehmendem Alter zusätzlich erhöht sein. Ein hochwertiges Multivitalstoff-Präparat kann bei Bedarf Ihre Vitalstoff-Versorgung verbessern.

4.

Öl und Wein

Die Fettsäurezusammensetzung der Nahrung hat einen bedeutenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren im Olivenöl hat positiven Einfluss auf die Blutfettwerte. Das kaltgepresste Olivenöl verfügt zudem über viel Vitamin E, das als effektives Antioxidans sowohl die ungesättigten Fettsäuren im Olivenöl als auch das Cholesterin im Blut vor oxidativer Veränderung schützt. Das Geheimnis des Rotweins sind die Polyphenole, allen voran die Oligomeren Proanthocyanidine (OPC) und die Anthocyane. Sie gehören zu der großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, deren gesundheitsfördernde Wirkung in den letzten Jahren immer öfter unter Beweis gestellt werden konnte.

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3.


Leserbriefe

Sehr geehrter Herr Hahn,

Liebe MEDICOM-Leser, möchten Sie kritisch oder zustimmend zu einzelnen Themen im Heft Stellung nehmen? Oder interessante Tipps zum Thema „Gesund werden – gesund bleiben“ an andere Leser weitergeben? Dann schreiben Sie uns! Unsere Anschrift lautet: MEDICOM-Redaktion, Sedemünder 2, Altenhagen I, 31832 Springe.

vielen Dank für Ihren Hinweis, den wir auch den anderen Lesern nicht vorenthalten möchten. In der Grafik handelt es sich lediglich um Richtwerte. Natürlich sollte man bitte nicht alles auf einmal trinken. Trotzdem ist Ihr Einwand sicher berechtigt. Wir freuen uns immer sehr, wenn die MEDICOM so aufmerksam gelesen wird und sich die Leser auch noch die Mühe machen, Themen zu vertiefen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß mit unserem Kundenmagazin und viele erfolgreiche Marathonläufe.

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Rubrik „Schon gewusst?“ Liebe Redaktion, in der letzten Ausgabe der MEDICOM habe ich etwas vermisst: die Rubrik „Schon gewusst?“ Gibt es die Rubrik nun nicht mehr? Das fände ich sehr schade, mich haben die Themen, die Sie dort aufgreifen, immer sehr interessiert! Ansonsten kann ich zum Magazin nur sagen: Weiter so – ich freue mich immer über die neue Ausgabe im Briefkasten.

Mit dem Trinken beim Marathon und Triathlon ist es so eine Sache: So pauschal kann man es wohl nicht beantworten. Es hängt in erster Linie vom Wetter und der Biologie des Sportlers und der Intensität der Belastung ab. Bei kühlem Wetter wären 4 l wohl ziemlich fatal – der nächste Busch wäre meiner! Beim „Marathon

des sables“ in der Wüste: o. k. Bei einem Tempo unter 3 h für die 42,195 km wäre der Wasserverlust eher größer. Viele Marathonläufer haben nach einem Wettkampf ca. 1–3 kg Gewichtsverlust, das entspricht in etwa dem nicht ausgeglichenen Wasserverlust. Insofern sind – zumindest bei Männern über 70 kg – die 4,6 l als Gesamt-Flüssigkeitsverlustmenge nicht ganz abwegig. Beim Ironman ist die Belastung pro Minute etwas geringer (niedrigere Pulsfrequenz), somit der Wasserverbrauch in gleicher Zeit etwas niedriger. Dafür ist die Zeitdauer zirka viermal so lang, sodass bei demselben Sportler über die Zeit theoretisch ein Flüssigkeitsbedarf von 12–16 l entsteht. 20 l scheint mir etwas zu hoch gegriffen. Man kann natürlich weder beim Marathon noch beim Ironman so viel trinken, dass der Bedarf ausreichend gedeckt wird – es entsteht daher fast immer ein Defizit, denn selbst wenn man ohne Ende trinkt – unter der Belastung ist die Aufnahmefähigkeit des Körpers begrenzt, die Flüssigkeit „läuft durch“, und es wird unangenehm. Daher lieber nach dem Wettkampf ein paar große Schlucke! Vielleicht haben Sie in Ihrer nächsten MEDICOM ein Plätzchen für diese Ergänzung. Mit freundlichen Grüßen Kurt Hahn aus Hamburg

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Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen kann keine Haftung übernommen werden.

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Wasser – Quelle des Lebens Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Beiträge über das Wasser in der Augustausgabe von MEDICOM waren außerordentlich aufschlussreich und interessant. Zu Ihrer Rubrik „Durchschnittliche Flüssigkeitszufuhr bei verschiedenen Sportarten“ habe ich jedoch im Hinblick auf die dort angegebenen Mengen einige Zweifel anzumelden. Ich bin selbst Marathonläufer und habe zusätzlich noch die Ärztin, Marathonläuferin und Deutsche Meisterin W40 2004 über die Ironmandistanz, Dr. med. Corina Peter, wegen der mit Einschränkung von Ihnen angegebenen zu hohen Durchschnittswerte (Zufuhr von 4,6 Litern beim Marathonlauf und 20 Litern beim Ironman) zu Rate gezogen. Frau Dr. Peter hat mir nun Folgendes mitgeteilt:

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Herzliche Grüße aus Lübeck Robert Hennen Sehr geehrter Herr Hennen, in der letzten Ausgabe fiel die Rubrik aus Platzgründen ausnahmsweise leider weg. Aber Sie werden sehen: Auch in dieser Ausgabe ist die Rubrik „Schon gewusst?“ bereits wieder im Heft. Erfreut haben wir auch Ihr Lob entgegengenommen. Dieses Mal lesen Sie in Ihrer Lieblingsrubrik, wie wir von Fehlern anderer lernen ...

Impressum Herausgeber:

Verlag, Redaktion, Gestaltung: Druck:

Medicom Pharma AG Sedemünder 2, Altenhagen I 31832 Springe Tel. 05041 78-0 Fax 05041 78-1169

DPNY communications Hofmann-Druck

„MEDICOM“ ist eine Kundenzeitschrift der Medicom Pharma AG; sie erscheint fünfmal jährlich. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.


Lösung:

Liebe Rätselfreunde, dieses Mal geht es um etwas, was durch einen gesunden Lebensstil zu vermeiden ist. Tragen Sie die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge in die nummerierten Felder ein. 1. Preis: ein Reisegutschein im Wert von 1.000 Euro 2. bis 4. Preis: je ein Ratgeber „Der Ayurveda Boom“, Egmont vgs Verlagsgesellschaft

Lösungen aus dem Mai-Heft

Und so können Sie gewinnen Haben Sie das richtige Lösungswort? Dann schreiben Sie es auf eine Postkarte, und schicken Sie diese an: MEDICOM-Redaktion, Stichwort „Preisrätsel“, Sedemünder 2, Altenhagen I, 31832 Springe. Einsendeschluss ist der 31.12.2004 (Datum des Poststempels). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter der Medicom Pharma AG und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. S C H O N

G E W U S S T ?

Wie wir von Fehlern anderer lernen Fehler ist Fehler – unserem Gehirn ist es egal, ob wir sie selbst machen oder nur bei anderen beobachten. Woran liegt das? Niederländische Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei eigenen Missgeschicken und denen anderer die gleichen Gehirnregionen aktiv sind. In einem Test wurden die Gehirnströme von Probanden gemessen, die selbst Fehler machten oder diese bei Kollegen sahen. Das Ergebnis: Sowohl das Bewegungszentrum als auch der so genannte vordere cinguläre Cortex, der als eine Art Alarmsystem im Gehirn fungiert, reagieren bei einem Fehler – auch wenn dieser

nur bei anderen beobachtet wird! Für das Lernen durch Beobachtung ist diese Reaktion des Gehirns sehr wichtig. Nicht nur „Learning by Doing“, sondern auch aufmerksames Beobachten kann somit entscheidend zum Lernerfolg beitragen.

Manchmal reicht einfach das Beobachten, um künftigen Missgeschicken aus dem Weg zu gehen

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Kreuzworträtsel


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MEDICOM – immer an Ihrer Seite „Ihre Gesundheit ist unsere Aufgabe“ – das ist unser Motto. Die MEDICOM steht Ihnen mit sinnvollen Produkten in Ihrem Alltag zur Seite. Wir wollen, dass Sie Ihren Tag mit der Gewissheit erleben, Ihre Gesundheit aktiv zu unterstützen. Mit den Produkten von MEDICOM können Sie Ihre Gesundheit sinnvoll unterstützen. Haben Sie Fragen zum Thema „Gesundheit und Vitalstoffe“? Die Mitarbeiter unserer wissenschaftlichen Abteilung werden Ihnen gern all Ihre Fragen in einem persönlichen Gespräch am Telefon beantworten. Auch unser Kundendienst gibt Ihnen gern Auskunft zu unseren Produkten. Sie erreichen beide unter unserer gebührenfreien Telefonnummer. Ihre Zufriedenheit und Ihre Gesundheit stehen bei der Medicom Pharma AG an erster Stelle. Unser Bestreben ist es, Ihrem Vertrauen, das Sie uns als Kunde entgegenbringen, in jeder Form gerecht zu werden – sowohl mit unseren hochwertigen Produkten als auch mit sinnvollen Serviceleistungen. Bei der Herstellung

Im Internet: www.medicom.de

unserer Produkte verwenden wir nur die hochwertigsten Rohstoffe. Die Herstellung erfolgt nach dem strengen GMP-Standard. Wenn Sie ein Produkt der MEDICOM erwerben, dann entscheiden Sie sich für Qualität. Bei der MEDICOM endet die Beziehung zum Kunden nicht mit der bezahlten Rechnung. Mit unseren Serviceleistungen – die weit über das Übliche hinausgehen – wollen wir Ihr Partner in Sachen Gesundheit sein: Sie bekommen als Kunde 5-mal im Jahr das Kundenmagazin MEDICOM. Sie erhalten auf all unsere Produkte eine Geld-zurück-Garantie. Sie erhalten Ihre Produkte innerhalb von 48 Stunden frei Haus gegen Rechnung. Sie können unsere Produkte per Post, per Fax, am Telefon und im Internet anfordern. Und als Sammelbesteller erhalten Sie einen interessanten Preisnachlass. Wir wollen alle Ihre Bedürfnisse in Sachen Gesundheit befriedigen und Ihnen in Ihrem täglichen Leben zur Seite stehen. Wir sind für Sie da. Wir sind Ihr Partner in Sachen Gesundheit.

Kostenlose Ernährungsberatung: 0800 7377730

MEDICOM Magazin – Rauchen - zum Abgewöhnen?  
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