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So nd era usg ab e AKTUELLE GESUNDHEITS-INFORMATIONEN FÜR KUNDEN DER MEDICOM PHARMA AG . 14. Ausgabe März 2001

FOTO: MEV-VERLAG/DPNY

Mit großem Sonderteil Vitalstoffe Vitamine • Mineralstoffe • Spurenelemente

Freie Radikale

Eine umfassende Darstellung der wesentlichen Vitalstoffe und ihrer Eigenschaften. Wie wichtig sind sie wirklich? Was können sie? Was sind Antioxidanzien? Wobei können sie uns helfen?

Was ist das? Wie entstehen sie? Warum schaden sie uns? Was kann man dagegen tun?

Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und Ballaststoffe

Warum Wasser so wichtig für die Gesundheit ist.

Was gibt es zu beachten?

Wasser – Quelle des Lebens


Editorial

Rätsel BSE – Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich? ielleicht können Sie das Wort „Rinderwahnsinn“ schon gar nicht mehr hören. Verständlich, wie ich finde, denn bei all den teils widersprüchlichen Meldungen in den Medien ist es schwer, den Überblick zu behalten, zu wissen, was stimmt und was übertrieben oder falsch ist.

Mit freundlichen Grüßen Ihre

V

Das Thema BSE wurde vielfach genutzt, um Einschaltquoten zu steigern oder Auflagen zu erhöhen. Neue Theorien zu den Ursachen von BSE und die möglichen Folgen für die menschliche Gesundheit wurden oft besonders erschreckend dargestellt, und neue Entdeckungen sehr dramatisch aufbereitet. Das verängstigte die Menschen zusätzlich. Denn BSE birgt noch sehr viele Unsicherheiten, denn die Wissenschaft konnte die Krankheit bisher noch nicht lückenlos aufklären. Da ist es klar, dass viele Menschen BSE als eine akute Bedrohung ihrer Gesundheit betrachten. Deswegen haben wir uns des Themas in Form einer Sonderausgabe angenommen. Wir wollen Ihnen mit dieser Sonderausgabe wissenschaftlich fundiert und frei von Übertreibungen eine neutrale Analyse des jetzigen Standes der Forschung zu diesem Thema liefern. Unsere Redaktion hat wirklich gute Arbeit geleistet, denn es ist ihr gelungen, dem Leser wirklich einen umfassenden Einblick in die Krankheit zu verschaffen. Lesen Sie in dieser Sonderausgabe, welche Gefahr wirklich von BSE ausgeht. Die Entstehung von BSE, warum BSE die Wissenschaftler vor Rätsel stellt, welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden und welche Produkte vom Rind das geringste und welche das größte BSE-Risiko bergen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Prionen?

Petra Wons Vorstand der Medicom Pharma AG

Unsere Redaktion hat sorgfältig recherchiert, welche plausiblen Theorien die Forschung zur Entstehung der Erkrankung bereitstellen kann. Wir wollen Ihnen neutral und ohne Übertreibungen die Risiken aufzeigen, die derzeit bekannt sind. Auch die Diskussion um die Übertragungswege der Rinderkrankheit BSE haben wir aufgegriffen. Darüber hinaus wird auch die Möglichkeit einer Ansteckungsgefahr für den Menschen besprochen. Wir haben versucht, Ihnen eine nachvollziehbare Argumentation zur Verfügung stellen, die Sie selbst in die Lage versetzt, das Risikopotenzial einzuschätzen. Ich hoffe, es ist uns gelungen, Ihre offenen Fragen zum Thema BSE zu beantworten. Außerdem finden Sie in diesem Heft noch etwas sehr Interessantes und Nützliches. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um den Wunsch vieler Leser zu erfüllen: einmal ausführlich die Wirkungsweise der einzelnen Vitalstoffe zu beschreiben. Das auf Ihren wiederholt geäußerten Wunsch hin entstandene Vitalstoff-Dossier ist schließlich so umfangreich geworden, dass sein Inhalt zu einer Vitalstoff-Fibel angewachsen ist. Sie können sie – wenn Sie möchten – aufbewahren und immer wieder hineinschauen, wenn Sie etwas nachlesen wollen. Hier finden Sie – einzeln aufgeführt und mit großer Sorgfalt erklärt – alles über die Wirkungsweise von Vi-

taminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Vielleicht finden Sie in anderen Büchern noch mehr Eigenschaften von Vitalstoffen; doch ich kann Ihnen versichern, dass unsere Wissenschaftler sehr eng mit der Redaktion zusammengearbeitet haben, um sicherzustellen, dass nur solche Informationen in diese Sonderausgabe gelangen, die nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft richtig sind. Ebenso informieren wir Sie über Themen, die direkt mit dem Thema Vitalstoffe in Verbindung stehen. Was sind Freie Radikale? Sollte man die Nahrung zusätzlich mit Aminosäuren ergänzen? Lesen Sie, wie Sie optimal mit natürlichen vitaminreichen Nahrungsmitteln bei der Zubereitung umgehen, um die Lebensmittel mit allen wertvollen Inhaltsstoffen, also möglichst verlustfrei auf den Teller zu bekommen. Dieses Heft ist zu einer wirklich besonderen Ausgabe geworden. Es freut mich Ihnen so viele hochwertige Informationen zur Verfügung stellen zu können. Diese Sonderausgabe aufzubewahren lohnt sich. Ich bin gespannt, wie sie Ihnen gefällt.


Inhalt

4

Ab Seite

Rätsel BSE – Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich? Ab Seite 4 lesen Sie alles über die

BSE — die Geschichte einer Erkrankung

möglichen Ursachen, die Folgen und den

(S. 11). Hier finden Sie alle wichtigen

Verlauf der BSE-Erkrankung. Wir beant-

Daten. Verbraucherrelevante Informatio-

worten Fragen wie: Was sind Prionen

nen „rund um die Wurst“ geben wir Ih-

(S. 8)? Und wir versu-

nen ab Seite 12 an die Hand: Ist BSE in

chen, den Unterschied

allen Teilen des Rindes zu finden (S. 13)?

zu Viren anschaulich zu

Welche Gewebe sind besonders durch

erklären. Wir sprechen

BSE gefährdet (S. 14)? Gibt es unbe-

über die Übertragungs-

denkliche Produkte vom Rind (S. 15)?

wege und klären über

Hier finden Sie die Antworten. Warum

die neue Creutzfeldt-

Pharmagelatine unbedenklich ist,

Jakob-Krankheit auf.

haben wir ab Seite 16 für Sie.

Von Vitamin A bis Zink

lichst komplette Übersicht über die wich-

Von Vitamin A bis Zink. Eine umfassende

im menschlichen Körper zu geben.

tigsten Vitalstoffe und ihre Funktionen

Darstellung der wesentlichen Vitalstoffe

Titelthema Rätsel BSE – Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

4

und ihrer Eigenschaften erwartet Sie ab

Freie Radikale

Seite 38. Auf insgesamt 41 Seiten haben

Vorurteile über Nahrungsergänzungsmittel 29

wir in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern versucht, Ihnen eine mög-

Ab Seite

38

22

Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Ballaststoffe

32

Vitalstoffe – Von Vitamin A bis Zink

38

Aminosäuren

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Wasser – Quelle des Lebens

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Rubriken

Wasser – Quelle des Lebens

Editorial Impressum Glossar

Unser Körper besteht zu 70 % aus Wasser. Das erklärt eigentlich schon, warum Wasser so bedeutsam für uns ist. Wie wichtig Wasser wirklich für unseren Körper ist wird jedoch oft unterschätzt. Denn eine unzureichende Wasserversorgung hat bereits schwerwiegende Folgen ohne dass wir gleich verdursten. Lesen Sie ab Seite 84, wie Sie Ihren Wasserkonsum am besten gestalten.

Ab Seite

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RÄTSEL BSE Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

FOTO: DPNY/PHOTODISC

Bis vor wenigen Monaten glaubten deutsche Verbraucher, sich in der Sicherheit wiegen zu können, in einem als BSE-frei geltenden Land zu leben. Das hat sich leider verändert, denn auch deutsche Rinder sind von BSE betroffen. In den vergangenen Monaten wurden die Diskussionen über dieses Thema mit großer Intensität und vielen Emotionen geführt. Wir wollen mit diesem Sonderthema BSE versuchen, Informationslücken zu schließen und die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurückzubringen.


Am 24. November 2000 wurde der erste BSE-Fall in SchleswigHolstein bestätigt. Seitdem hat sich die Zahl nachgewiesener BSE-Infektionen auf 28 (Stand 09.02.2001) erhöht. hnliche Symptome, wie sie heute an BSE erkrankte Rinder zeigen, beobachtete man bereits im 18. Jahrhundert in Großbritannien bei Schafen. Man bezeichnete diese Erkrankung als Traberkrankheit (Scrapie). Ein traberartiger Gang und das häufige Niederstürzen der Tiere sind symptomatisch für diese Krankheit. Auch Verhaltensveränderungen wie Aggressivität, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Bewegungsstörungen sowie ein Juckreiz, der zum Scheuern und damit auch zu Fellverlust führt, sind typisch für Scrapie. Eine eindeutige Diagnose der Krankheit ist jedoch erst nach dem Tod der Tiere anhand der Untersuchung des Gehirns möglich.

Wie kam es zu BSE? Die BSE-Misere begann Ende der 70er Jahre, als die Tierfutterhersteller in Großbritannien die Methoden zur Herstellung von Knochenmehlen veränderten. Knochenmehl ist ein Bestandteil von Tiermehl. Bis 1979 wurden Verfahren angewendet, bei denen das Material bei 3 bar Dampfdruck über einen Zeitraum von 20 Minuten auf 133 °C erhitzt wurde. Aus Kostengründen verzichteten die britischen Tiermehlhersteller ab 1979 auf diese hohen Temperaturen und erhitzten das Knochenmehl nur noch für 30 Minuten auf 80 °C. Was sie nicht wussten: Die Temperaturen reichten nun nicht mehr aus, um die BSE-Erreger zu töten. Die Erreger gelangten ins Knochenmehl und somit ins Tierfutter. Rinder wurden mit dem infizierten Mehl gefüttert und der Erreger löste BSE aus.

Sind die Schafe schuld an BSE? Man ging lange Zeit davon aus, dass sich das BSE der Rinder aus der ScrapieKrankheit der Schafe entwickelt hatte. Für diese Annahme spricht, dass in der vergleichsweise großen Schafpopulation Großbritanniens rein statistisch gesehen auch vermehrt unter Scrapie leidende Schafe sein mussten. Also gelangte auch ein vergleichsweise hoher Anteil kranker Schafe in die Tiermehlproduktion. Und: experimentell konnten Rinder mit Scrapie infiziert werden. Gegen die Annahme, BSE sei aus Scrapie entstanden, spricht allerdings folgendes: BSE gehört nicht zum gleichen Erregerstamm wie Scrapie; Rinder, die experimentell mit Scrapie angesteckt wurden, litten an einer anderen Krankheit als BSE-Rinder; und: die Gebiete, in denen BSE ausbrach, waren keine Schafweidegebiete.

Führte „Kannibalismus“ zu BSE? Eine andere Hypothese besagt, dass es BSE – ähnlich der CJD des Menschen – als eine sporadisch auftretende Krankheit bereits gab. Die Verfütterung von kranken Rindern über das Tiermehl an gesunde Rinder führte dann dazu, dass die Erkrankung epidemische Ausmaße annehmen konnte. Die Rinder fraßen mit dem Tiermehl ihre kranken Artgenossen und infizierten sich. So wurde durch das Mehl eines BSE-Rindes der Erreger auf mehrere Rinder übertragen. Für diese Hypothese spricht, dass sich die Inkubationszeit, die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, nicht veränderte. Das bedeutet, dass es sich nicht um eine neue, sondern um eine auch schon vorher bekannte Erkrankung des Rindes handeln könnte.

FOTO: PHOTODISC

Ä

Rinder in der Isolation. Tausende sollen wegen des Verdachts auf BSE getötet werden.

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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BSE

Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

GRAFIK: DPNY

dass eine Infizierung nur durch ein Prion, ein Protein nicht möglich ist. Sie nehmen an, dass das BSE-Prion eine sehr kleine DNA enthält, die auch sehr gut vom Protein abgeschirmt wird, und dass deshalb das BSE-Prion auch für Substanzen unempfindlich ist, die üblicherweise das Erbgut eines Erregers zerstören, ja, dass es sogar vor extremer Hitze sehr gut geschützt wird. Es gilt zwar als sehr unwahrscheinlich, dass Prionen DNA enthalten, doch der letztendliche Beweis, dass Prionen keine Erbsubstanz beherbergen, ist noch nicht erbracht. Es gibt Forscher, die deshalb

Wie vermehren sich BSE-Prionen in der Zelle?

FOTO: PHOTODISC

In der normalen Zelle (links) werden gesunde Prionen produziert. Diese wandern an die Zelloberfläche, wo sie verarbeitet werden. Man nimmt an, dass nur das Protein, das Prion zur Auslösung von BSE ausreicht. Von außen in die Zelle eindringende BSE-Prionen verursachen die Umwandlung der gesunden Prionen zu BSE-Prionen. Dies geschieht sehr wahrscheinlich nicht auf der Zelloberfläche, sondern im Zellinnern. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht,

BSE und die Folgen W

ie auch immer BSE entstand: Das zentrale veterinärmedizinische Labor (CVL) im englischen Weybridge beobachtete 1984 zum ersten Mal die bovine spongiforme Enzephalopathie – kurz: BSE. Bis 1987 lagen in Großbritannien bereits 442 Fälle von an BSE erkrankten Rindern vor.

Infolge der BSE-Krise brach der Markt für Rindfleisch fast vollständig zusammen, denn immer weniger Verbraucher verlangten noch Rind an der Fleischtheke.

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

das Virino-Modell (rechts) favorisieren. Sie glauben, der BSE-Erreger sei ein winziger Virus, der körpereigene Prionen verwendet, um seine Erbsubstanz zu verpacken. Diese Erbsubstanz vermehrt sich dann in der infizierten Zelle und verbindet sich erneut mit gesunden Prionen – und es entstehen BSE-Prionen. Beide Theorien würden erklären, warum keine Reaktion des Immunsystems auftritt. Denn die Struktur der „Verpackung“ - die Prionen - wird nicht als fremd erkannt. (Abbildung nach Weissmann, 1994)

Einen traurigen Höchststand erreichte die Krankheit 1992: 36.000 BSE-Rinder wurden in diesem Jahr entdeckt. 1996 begann sich die Zahl der Erkrankungen zu reduzieren, 8.000 BSE-Rinder waren es noch. 1999 dann noch 2.274; im Jahr 2000 sank die Zahl der gemeldeten BSEFälle auf 1.500. Diese Zahlen beziehen sich nur auf erkrankte Tiere in Großbritannien. Die Gesamtzahl der infizierten Tiere zu ermitteln ist nicht möglich; An-

gaben hierzu wären pure Spekulation. Die düstere Annahme einiger Experten, dass über 1 Mio. Tiere infiziert seien, ist ebenfalls nur eine Vermutung. Bis dato traten in England seit 1984 insgesamt 180.500 BSE-Fälle auf. Außerhalb Großbritanniens zählte man in Irland 600, in der Schweiz 364, in Portugal 475 und in Frankreich 247 an BSE-erkrankte Rinder. In Deutschland sind es derzeit 28 Fälle (Stand 09.02.2001).

Bekommen Affen BSE? Nicht allein Schaf, Ziege und Rind, auch andere Tierarten sind gefährdet, BSEähnliche Erkrankungen zu erleiden. Erkrankungen, die bei Katzen (feline spongiforme Enzephalopathie, FSE) und bei in britischen Zoos lebenden Hirschen


(chronic wasting disease, CWD) auftraten, scheinen ebenfalls durch eine Infektion mit Tiermehlzusätzen entstanden zu sein. Wissenschaftler versuchten, zu Forschungszwecken Menschenaffen mit dem Scrapie-Erreger zu infizieren. Dies blieb jedoch erfolglos – die Affen erkrankten nicht. Es scheint dem Scrapie-Erreger nicht möglich zu sein, die Artenbarriere zu den Hominiden – zu denen auch die Menschen gehören – zu überwinden. Nun soll an Affen auch untersucht werden, ob und gegebenenfalls wie sich BSE-Erreger über die Nahrung auf Menschen übertragen lassen. Im Deutschen Primatenzentrum in Göttingen werden zu diesem Zweck derzeit Affen mit Gehirnen BSE-kranker Rinder gefüttert.

BSE scheint keine Erkrankung mit den üblichen Ansteckungswegen über die Luft, über einen Körperkontakt oder durch Körperflüssigkeiten zu sein. In betroffenen Herden waren in der Regel nur 3 % der Tiere infiziert. Das spricht gegen eine Übertragung, wie wir sie von Bakterien oder Viren kennen, denn sonst wäre der Prozentsatz der infizierten Tiere wesentlich höher. Am wahrscheinlichsten ist eine Infektion über das Futter. Auch eine direkte Übertragung von BSE auf das Kalb noch im Mutterleib wird als denkbar angenommen. Die kurzzeitig diskutierte Übertragung über den Boden gilt mittlerweile als sehr unwahrscheinlich. Wissenschaftler sagen, Prionen könnten sich bestenfalls eine gewisse Zeit auf den Pflanzen halten, würden aber von diesen nicht aufgenommen. Sie können sich somit weder in Pflanzen noch im Boden vermehren. Auch bei der Untersuchung der Exkremente infizierter Rinder konnten keine BSE-Erreger festgestellt werden.

Was macht den BSE-Erreger so außergewöhnlich? Das Krankheitsbild und die Symptome von BSE kennt man, aber der Übertragungsweg der Krankheit ist nach wie vor nicht vollständig bekannt. Die Erreger von BSE erweisen sich als äußerst resistent gegenüber Verfahren, durch die sich beispielsweise Viren abtöten lassen. UV- oder auch Röntgenstrahlen zerstören den Erreger nicht. Das gab Wissenschaftlern schon sehr früh Anlass zu der Vermutung, dass es sich hier um einen Erreger ohne eigene Erbinformation (DNA) handelt. Denn die DNA würde durch eine solche Behandlung denaturiert – zerstört – und somit unschädlich gemacht. Auch eine Abwehrreaktion des Immunsystems der erkrankten Tiere konnte nicht festgestellt werden. Das bedeutet: Der Organismus der betroffenen Tiere scheint den BSE-Erreger nicht als Bedrohung zu erkennen.

FOTO: PAOLO KOCH/OKAPIA

FOTO: PHOTODISC

Bei Schafen ist schon seit langem eine BSE-ähnliche Erkrankung namens „Scrapie“ bekannt.

Wie stecken sich die Tiere an?

Die Krankheitsverläufe von BSE, FSE und CWD ähneln sich bei den verschiedenen Tierarten. Und auch die diagnostischen Erkenntnisse ergaben deutliche Parallelen. Untersuchungen zeigen einen Zersetzungsprozess im Gehirn, einen massenhaften Tod von Nervenzellen. Das Gehirn erkrankter Tiere weist regelrechte Löcher auf, sodass eine schwammige Struktur entsteht. Eine Beobachtung, die der Erkrankung ihren Namen gab (spongiform: schwammartig).

Wie verläuft die Erkrankung? Rinder erkranken meist, wenn sie zwischen 4 und 6 Jahre alt sind. Trotz der relativ langen Inkubationszeiten von mehreren Jahren durchläuft die Krankheit nach ihrem Ausbruch sehr rasch alle Stadien. 3 Wochen bis 6 Monate nach dem Auftreten der ersten Symptome endet die Erkrankung mit dem Tod des infizierten Tieres.

Wissenschaftler halten eine Übertragung von BSE über das Futter für sehr wahrscheinlich.

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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BSE

Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

Was sind Prionen? I

n den Gehirnzellen betroffener Tiere findet man Eiweißmoleküle, die man als Prionen bezeichnet. Diese Prionen kommen auch bei gesunden Tieren vor; im kranken Tier liegen sie aber verändert im Gehirn vor und werden dann als Proteinaceous infectious particles (eiweißhaltige infektiöse Partikel) bezeichnet. Die gesunde Variante nennt man auch „Proteins only“ (abgekürzt: Prion), englisch für „nur Eiweiße“. Nach dem heutigen Kenntnisstand wird die BSE-Erkrankung durch eine Veränderung dieser gesunden Prionen durch kranke Prionen hervorgerufen.

Warum sind Prionen so widerstandsfähig? Ein Prion kommt in seinem natürlichen Zustand in der Zellmembran vor und ist nicht schädlich – im Gegenteil. Man

Was unterscheidet kranke von gesunden Prionen ?

kennt seine genaue biologische Funktion zwar noch nicht, aber man vermutet, dass es Aufgaben bei der Signalübertragung von Nervenimpulsen hat, bei der Regulation des Kupferhaushaltes der Zellen mitwirkt, beim Abbau giftiger Substanzen beteiligt ist und dass es wohl auch den Zelltod beeinflusst. Prionen werden in verschiedenen Geweben des Körpers wie zum Beispiel im Gehirn, in der Lunge oder in der Milz produziert. Bei an BSE erkrankten Tieren gibt es aber nicht nur die normalen Prionen, sondern auch krankhaft veränderte Formen – das BSE-Prion. Die Aminosäurenzusammensetzung und die Reihenfolge der Aminosäuren ist bei gesunden und bei kranken Prionen identisch. Die Unterschiede können Sie aus der nebenstehenden Aufzählung entnehmen.

Was unterscheidet BSE-Prionen von den bisher bekannten Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren? Viren oder Bakterien

BSE

Immunabwehr

Keine Immunabwehr

Vermehrung

Vermehrung

Aus Protein und Erbmaterial, sichtbar im Elektronenmikroskop, empfindlich gegen Hitze, kann gezüchtet werden

Nur Protein, nicht im Elektronenmikroskop erkennbar, äußerst resistent gegen Hitze

Die nächsten Verwandten der BSEPrionen sind die Viren. BSE-Prionen unterscheiden sich dennoch deutlich von allen bekannten Viren. Wie Viren verursachen BSE-Prionen eine Infektion. Wie Viren können auch sie in den Körper eindringen und sich in ihm vermehren. Ungewöhnlich ist, dass der Körper sich nicht dagegen wehrt, obwohl der Organismus Schaden nimmt. Weil keine FOTO: PHOTODISC

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Reaktion des Immunsystems erfolgt, wird das Prion nicht vom Körper bekämpft. Das ist das neue und heimtückische Prinzip von BSE. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Viren ist, dass BSE-Prionen kein Erbmaterial (DNA) enthalten. Es ist allerdings auch möglich, dass die DNA der BSE-Prionen sehr klein ist und dass sie vom BSE-Prion extrem gut geschützt wird.

GRAFIK: DPNY

Infektion auf den verschiedensten Wegen Infektionsweg nicht bekannt

Erkrankte Prionen sind widerstandsfähiger gegen eiweißabbauende Enzyme. Die Anordnung, die „Faltung“ der Aminosäurenkette und die daraus entstehende dreidimensionale Struktur ist bei der gesunden Form anders als bei der kranken. Das gesunde Prion bildet zum überwiegenden Teil eine in sich gedrehte Struktur, vergleichbar mit einer Wendeltreppe oder einer Telefonschnur (alpha-Helix). Das kranke, veränderte Prion weist einen sehr viel größeren Anteil wellenförmiger Anordnungen auf (beta-Faltblattstruktur) – das Molekül ist dann so wellenförmig wie etwa eine Ziehharmonika. Gesunde Prionen befinden sich in der Zellmembran, in der Wand einer Zelle. Die veränderte Form – das krankheitserregende BSE-Prion – findet sich hingegen in großen Mengen im Zellinneren.

Offensichtlich werden gesunde Zellen, die mit einem kranken Prion infiziert werden, in ihrer normalen Arbeit gehemmt. Das ständige Auf- und Abbauen von Zellstrukturen läuft nicht mehr normal ab. Gesunde Prionen entstehen im Zellinneren. Die Zelle selbst produziert sie und kann sie mittels Phagozytose auch wieder abbauen. Die Phagozytose ist ein Mechanismus des Körpers, um Bakterien zu zerstören, aber auch andere unerwünschte Substanzen oder inaktive Zellbestandteile zu zerlegen. Bei infizierten Zellen findet der Abbau der kranken Prionen nicht statt. Zusätzlich scheinen die kranken Prionen Einfluss auf die gesunde Prion-Form zu haben, sodass diese sich ebenfalls in die krankheitsauslösende Form verwandeln. Die Zelle wird schließlich mit diesen veränderten Eiweißen überladen und hierdurch geschädigt. Es kommt zum Absterben der Zelle. Wenn in einem Zellverbund wie dem Gehirn mehrere benachbarte Zellen absterben, dann entstehen die für die Krankheit charakteristischen Löcher – das Gewebe wird schwammig.

Sind wirklich die Prionen schuld? Ob kranke Prionen die alleinige Ursache des Übels sind, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht 100% ig geklärt. In Expertenkreisen wird dies allerdings als


sehr wahrscheinlich angesehen, denn bisher konnten noch keine anderen Strukturen gefunden werden, die in so direktem Zusammenhang mit der BSEErkrankung stehen wie die Prionen.

Was ist nvCJD?

Entdeckt wurde sie 1920 von den Neuropathologen Hans Gerhard Creutzfeldt und Alfons Jakob. Inzwischen weiß man, dass die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome 20 bis 40 Jahre beträgt. Betroffen sind daher vor allem Menschen in einem Alter von mehr als 60 Jahren. Die Erkrankten leiden an Gedächtnisverlust, Wesensveränderungen, Muskelkrämpfen und Depressionen.

Seit wann gibt es nvCJD? Die neue Variante der Erkrankung nvCJD wurde zum ersten Mal 1996 in Großbritannien beobachtet, dem Land mit den meisten BSE-Fällen bei Rindern. Insgesamt 88 Personen fielen dieser Krankheit seither in Großbritannien zum Opfer. In Frankreich sind bislang 5 Erkrankungen aufgetreten. Das neue an dieser Krankheit ist, dass – bei einem Durchschnittsalter von 29 Jahren – vorwiegend junge Menschen betroffen sind. Die Kranken fallen anfangs durch aggressives Verhalten auf und haben Halluzinationen oder sogar Wahnvorstellungen. Dann stellt sich eine Demenz ein, und die Betroffenen leiden unter zuckenden Gliedmaßen. Die Hirnströme erkrankter Personen (gemessen mit Hilfe des EEGs, des Elektroenzephalogramms) bleiben lange Zeit unauffällig. Nachdem vor kurzem auch ein 74-jähriger Brite an nvCJD starb, gaben Forscher zu bedenken, dass einige vermeintlich an Alzheimer erkrankte Menschen möglicherweise an nvCJD leiden. In Deutschland gibt es bislang keinen Fall von nvCJD. Es gibt

GRAFIK: DPNY

Nun wäre eine um sich greifende RinderErkrankung bereits eine Tragödie; noch besorgniserregender ist jedoch der direkte Zusammenhang zwischen der Rinderseuche und einer neuen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD). Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen (CJD) traten weltweit bisher nur sehr sporadisch auf. Mit einer Häufigkeit von einem Fall jährlich pro 1 Mio. Personen gehört CJD zu den seltenen Krankheiten. Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine tödlich verlaufende, zur Zeit noch unheilbare neurologische Erkrankung.

Die genaue Diagnose einer Prionen-Erkrankung kann nur nach dem Tod der betroffenen Personen durch eine Autopsie des Gehirns erfolgen. Die Grafik zeigt, in welchen Gehirnregionen, bei welcher Krankheit die höchsten Erregerzahlen auftreten. Die linke Abbildung zeigt die Erregerverteilung bei der Letalen familiären Insomnie (LFI). Im rechten Bild ist zu sehen welche Gehirnbereiche vom Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) befallen werden.

bisher auch keinen Fall von klassischer CJD, von dem vermutet wird, er sei von BSE ausgelöst worden. Untersuchungen haben ergeben, dass die veränderten Prionen, die nvCJD auslösen, dem BSE-Erreger sehr ähnlich sind. Sie sind sogar dem BSE-Erreger ähnlicher als dem Erreger der klassischen CJD-Erkrankung. Das heißt, nvCJD ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Erkrankung, ein neuer Erregertyp, der aus dem BSE-Erreger entstanden ist.

Kann jeder an nvCJD erkranken? Wissenschaftler diskutieren derzeit unterschiedliche Risiken. Je nachdem, wie die gesunden Prionen zusammengesetzt sind, kann eine Erkrankung wahrscheinlicher werden. Personen, die an einer bestimmten Stelle ihres gesunden Prions die Aminosäure Methionin tragen, sind vermutlich stärker gefährdet als solche, bei denen sich die Aminosäure Valin an dieser Stelle findet. Die Forscher glauben, zu diesem Schluss kommen zu können, weil wesentlich mehr Personen mit nvCJD diesen Methionin-Baustein aufweisen. Vielleicht ist durch diese eine Aminosäure die

Ähnlichkeit mit dem BSE-Prion größer, und es gelingt ihm dann leichter, die Artenbarriere zu überspringen und gesunde menschliche Prionen krankhaft zu verändern. Da diese Form des Prions allerdings „nur“ bei 40 % der europäischen Bevölkerung zu finden ist, wären 60 % der Europäer besser davor geschützt, durch eine Infektion mit BSE an nvCJD zu erkranken. Ob Schwarzmalerei oder Realismus: BSE trat erstmals in den 80er Jahren auf, die ersten nvCJD-Erkrankungen beim Menschen wurden circa 15 Jahre später diagnostiziert. Der Höchststand der BSE-Neuerkrankungen beim Rind war 1992. So bleibt abzuwarten, welche Prognosen zur Entwicklung von nvCJD eintreffen. Bisher kann erst nach dem Tod der Tiere anhand einer Untersuchung des Gehirns festgestellt werden, ob ein Rind unter BSE litt.

FOTO: M.S. KIRK/P. ARNOLD, Inc/OKAPIA

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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BSE

Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

Creutzfeldt-JakobKrankheit

Kommt bei einem von 1.000.000 Menschen vor. Sporadisches Auftreten ohne bekannte Ursachen; Übertragungen waren teilweise durch die Verabreichung von Wachstumshormonen von an CJD erkrankten Personen erfolgt; 10 bis 15%

der Erkrankungsfälle werden durch spontane Veränderungen im Erbgut ausgelöst. Ausbruch der Krankheit nicht vor dem 45. Lebensjahr; Krankheitsdauer: 3 Monate bis 5 Jahre.

nvCJD

Bei der neuen Variante sind nicht nur Hirn und Rückenmark betroffen, sondern auch Milz, Man-

deln und Lymphknoten. nvCJD tritt meist bei Personen ab dem 29. Lebensjahr auf.

Kuru

Kam in Papua-Neuguinea bei Eingeborenenstämmen vor, die in religiösen Riten Hirn Verstorbener aßen. Das Wort Kuru kommt aus der Sprache der Eingeborenen und bedeutet Muskelzittern – eines der auffälligsten Krankheits-

symptome. Nach dem Verbot des Kannibalismus ist die Zahl der Fälle stark zurückgegangen. Heute ist die Krankheit praktisch verschwunden.

GestermannSträussler-Schinker-Syndrom

Im Unterschied zur CJD treten bei dieser Form zunächst Koordinationsstörungen auf, geistiger Verfall wird erst später beschrieben; es handelt

sich hier um eine ererbte Mutation; betrifft meist Menschen im Alter von 35 bis 55 Jahren; Dauer der Erkrankung: 2 bis 6 Jahre.

Letale familiäre Insomnie

Ererbte Mutation mit Schlafproblemen und Störungen des vegetativen Nervensystems. Im weiteren Krankheitsverlauf setzen Muskelzuckungen ein, und es beginnt ein fortschreitender Verlust der intellektuellen Fähigkeiten

(Demenz). Die Patienten im Alter zwischen 15 und 50 Jahren sterben in einem Zeitraum zwischen 7 Monaten und 2 Jahren nach Ausbruch der Krankheit.

FOTO: PHOTODISC

Der BSE-Test Erst nach der Schlachtung eines Tieres kann ein BSE-Test durchgeführt werden. Zweifelsfrei gültig ist auch bei diesem Test nur ein BSE-positives Ergebnis. Fällt ein Test negativ aus, kann dies heißen, dass das Rind nicht an BSE erkrankt ist und keine BSE-Erreger in sich trug. Es kann aber auch bedeuten, dass die Anzahl der Erreger noch zu gering war, als dass der Test sie ermitteln könnte. Denn erst 6 Monate vor Ausbruch der Krankheit ist die Konzentration der BSE-Erreger im Nervengewebe hoch genug, um im Test erkannt zu werden. Beim BSE-Test werden Stücke vom Stammhirn eines toten Rindes untersucht. Wenn das Tier an BSE erkrankt ist, liegt dort erfahrungsgemäß die höchste Konzentration an BSE-Prionen vor. Das

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Den Grund für BSE vermuten viele Experten in der Verfütterung von tierischem Protein im Tiermehl an Pflanzenfresser.

Gewebe wird verflüssigt und dann mit Antikörpern versetzt. Diese Antikörper sind so beschaffen, dass sie sich nur an BSE-Prionen heften können. Nach sechs bis acht Stunden zeigt sich das Ergebnis. Je mehr Antikörper eine Bindung mit BSE-Prionen eingehen konnten, umso deutlicher fällt der Test aus.

Im Sommer 2001 soll ein Test auf den Markt gebracht werden, mit dem BSE im Blut lebender Rinder festgestellt werden kann.

BSE-positive Schnelltests führen dann dazu, dass Nachuntersuchungen zur Bestätigung des gefundenen Ergebnisses durchgeführt werden. Da vermutet wird, dass Prionen auch im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten vorkommen könnten, wird an der Entwicklung neuer Tests gearbeitet, die es ermöglichen sollen, die Erkrankung bereits an lebenden Tieren zu erkennen. Im Sommer 2001 soll ein solcher Test zur Verfügung stehen.

FOTO: DPNY

Spongiforme Erkrankungen beim Menschen


FOTO: FOTOCLIP

BSE – die Geschichte einer Erkrankung Die sprunghafte Zunahme einer rätselhaften Erkrankung beim Rind und eine neue Variante der CJD hätten bereits in den 80er Jahren für die Politiker Grund genug sein müssen, schnell Maßnahmen einzuleiten, um größeren Schaden abzuwenden. och britische wie auch Politiker aus anderen europäischen Ländern verschlossen ihre Augen gegenüber diesem Problem. Erst Jahre nach den ersten Meldungen wurden Maßnahmen eingeleitet. 1988 - Die Verfütterung von Tiermehlen an Wiederkäuer wird in Großbritannien verboten. 1989 – Deutschland beschließt im Mai ein Einfuhrverbot für britische Tiermehle. 1990 – Es durfte kein „Risikomaterial“ (hierzu zählen Hirn, Rückenmark, Mandeln und andere potenziell hoch belastete Gewebe) mehr ins Tiermehl gelangen. Die Kontrollen waren jedoch relativ zaghaft. Es wird ein Ausfuhrverbot für britische Tiermehle erlassen. Eine europaweite Meldepflicht für BSEFälle wird eingeführt. 1994 – Im Juni wurde ein EU-weites Verbot zur Verfütterung von Tiermehlen an Wiederkäuer erlassen. Deutschland

reagierte bereits im März des gleichen Jahres. Allerdings war es hierzulande auch unüblich, Tiermehle an Wiederkäuer zu verfüttern. Außerdem ist den deutschen Futtermittelherstellern zugute zu halten, dass sie sich zumindest an ein Herstellungsverfahren gehalten haben, bei dem sowohl die Temperatur (133 °C) als auch die Dauer der Erhitzung (20 Minuten bei 3 bar) nach derzeitigem Kenntnisstand ein Abtöten der Erreger ermöglicht hätte; nach Expertenmeinung beispielhaft für Europa. 1996 – wurde von Seiten der britischen Regierung erklärt, dass ein Zusammenhang zwischen BSE und der neuen CJD nicht ausgeschlossen werden kann. Nun galt auch in Großbritannien wieder die Vorgabe, dass Tiermehle mit einer hohen Temperatur hergestellt werden mussten. Im selben Jahr spricht Deutschland ein Importverbot für britisches Rindfleisch aus, das im Sommer 2000 nach kurzer Diskussion teilweise wieder aufgehoben wurde. Pikant: Diese Entscheidung war von der Zustimmung Großbritanniens zur Währungsunion beeinflusst worden. So kann Fleisch von Tieren unter 30 Monaten verkauft werden, wenn es mit dem XELStempel (für: Herkunftsland Großbritannien) gekennzeichnet ist. 1. Oktober 2000 – Als Risikomaterial definierte Teile des Rindes dürfen nicht mehr in Lebensmittel oder Futtermittel gelangen. 1. Dezember 2000 – Deutschland erlässt ein generelles Verfütterungsverbot für Tiermehle. 1. Januar 2001 – EU-weites Verfütterungsverbot für Tiermehle, zunächst für 6 Monate. FOTO: PHOTODISC

D

Rinderbraten – seit der BSE-Krise ein seltener Anblick in Deutschlands Küchen.

Sicherheitsmaßnahmen Wie sicher Lebensmittel aus oder mit Rindfleisch heute sind, das kann mit letzter Sicherheit zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. Um mehr Sicherheit zu erreichen, werden die folgenden Maßnahmen ergriffen. So genannte Risikomaterialien (Hirn, Rückenmark, Milz, Mandeln, Augen und ein Dünndarmabschnitt) dürfen seit dem 1. Oktober 2000 nicht mehr für Lebensmittel oder Futtermittel verwendet werden. Per Verordnung vom 6.12.2000 sind an allen in Deutschland geschlachteten Rindern, die älter als 30 Monate sind, BSESchnelltests durchzuführen; inzwischen werden solche Tests bereits für 24 Monate alte Rinder anvisiert. Üblicherweise werden Rinder jedoch bereits im Alter von 20 Monaten geschlachtet. Auf EU-Ebene wurde im November letzten Jahres nur von Tests für notgeschlachtete oder krank geschlachtete Tiere gesprochen. Doch einen Monat später wurde beschlossen, eine generelle Untersuchung aller über 30 Monate alten Rinder einzuführen. Diese europaweite Testpflicht wird am 1. Juli 2001 in Kraft treten. Die EU denkt jetzt laut darüber nach, eine lückenlose Überwachung der Herkunft von Rindern oder anderen Zuchttieren einzuführen. Die biologische Ohrmarke für Rinder, entwickelt von der Erlanger november AG, erlaubt es, Identifikationsnummern, Geburts- und Aufzuchtsort, Geburtsdatum und andere während der Mast anfallende logistische Daten eines Tieres auf einem im Ohr implantierten Chip zu speichern. Der Clou: An diesen Chip sind zur biologischen Markierung kurze Eiweißfragmente gekoppelt. Ist der Chip einmal eingesetzt, baut das Immunsystem der Tiere diese Eiweißfragmente ab. Dabei entwickelt es spezifische Antikörper, die dann im Blut, in der Milch und nach der Schlachtung in jedem einzelnen Fleischstück nachgewiesen werden können: eine fälschungssichere Kontrollmöglichkeit.

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FOTO: FOTOCLIP

FOTO: PHOTODISC

Wurstsorten im Vergleich Handelsübliche Bezeichnung

Rindfleisch

Innereien vom Rind (bspw. Leber, Nieren, Herz, Bries, Hirn, Lunge und Zunge)

x x – x

– x x –

– – – –

Cervelatwurst Landjäger Mettwurst Rohe Schinkenwurst/ Schinkenplockwurst Salami Schinkenmettwurst Teewurst Truthahn-Salami Zwiebelwurst

x x x

x x x

– – –

x x – x x –

x x x x x x

– – – – – möglich

Blutwurst Geflügel-Leberwurst Leberpastete Leberwurst Sülze

– – möglich möglich –

x x x x x

möglich möglich möglich möglich möglich

Bierschinken Bratwurst Brieswurst Fleischkäse/Leberkäse Fleischwurst Frankfurter Würstchen Frühstücksfleisch Hirnwurst Jagdwurst Knackwurst Krakauer Nordeutsche Bregenwurst

x x x x x – x x x x x x

x x x x x x x x x x x x

Rostbratwurst Süddeutsche Mortadella Wiener Würstchen Weißwurst Zungenwurst

x

x

– – möglich möglich möglich – – möglich möglich möglich – möglich (Bregen/Brägen = Gehirn) –

x x x –

x x x x

möglich (Herz/Zunge) – möglich möglich

Wiener Schnitzel Nackenschnitzel Rouladen Frikassee

Kalb – x Kalb

– – – eventuell Bries

Ragout fin

Kalb

– x – und/oder Geflügel mit/ohne Geflügel –

Rohwürste: bestehen überwiegend aus zerkleinertem rohem Fleisch und Fettgewebe. Nitritpökelsalz wird verwendet, um die typische rote Farbe und das typische Aroma zu erzielen sowie die Haltbarkeit zu verlängern. Rohwürste machen einen mikrobiellen Reifungsprozess durch. Die meisten Rohwürste werden geräuchert. Rohwürste können schnittfest oder streichfähig sein. Je trockener die Rohwurst ist, umso haltbarer ist sie. Rohwürste können ungekühlt (über +10 °C) gelagert werden. MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Kochwürste Brühwürste

eventuell Kalbszunge oder -bries –

Fleischerzeugnisse

x

Rohwürste

Corned Beef Gemischtes Hack Mett Tatar

Gulasch

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Schweinefleisch

Kochwürste: sind hitzebehandelte Wurstwaren. Sie bestehen vorwiegend aus gekochtem Fleisch, Fettgewebe und Innereien. Brühwürste: sind in der Regel nur in erkaltetem Zustand schnittfest. Sie werden aus rohem magerem Fleisch und Fettgewebe unter Zusatz von Trinkwasser und Salz hergestellt. Brühwürste werden bei 70 °C und höher gebrüht. Die meisten Brühwürste sind mit Nitritpökelsalz hergestellt, einige Sorten können auch heiß geräuchert sein, zum Beispiel Würstchen.

x = vorhanden – = nicht vorhanden


W I S S E N S W E R T

Auch wenn es noch keine 100%ige Sicherheit gibt, so gibt es doch Ergebnisse aus verschiedenen Tierversuchen, nach denen einige Gewebe von Tieren als risikoarm eingestuft werden können. Durch die Übertragung von infizierten Gehirnzellen konnte eine BSEähnliche Erkrankung bei Mäusen hervorgerufen werden. Wurden gleiche Versuche mit Muskelfleisch oder Milch von an BSE erkrankten Rindern durchgeführt, so ließ sich bisher keine Erkrankung bei Mäusen auslösen. In der Milch von mit BSE infizierten Rindern konnten keine Erreger nachgewiesen werden.

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as bedeutet: Muskeln und Milch sind risikoarm. Es bedeutet jedoch leider nicht, dass sie mit Sicherheit BSE-frei sind. Da auch Milch eine fetthaltige Flüssigkeit ist, besteht die Gefahr, dass der fettlösliche BSE-Erreger auch einen Weg in die Milch finden kann – vielleicht nur in Mengen, die der relativ unsensible BSE-Test noch nicht erfassen kann. Zum Thema Muskelfleisch sagt der Erfinder des Prionentests, der Schweizer Molekularbiologe Markus Moser, dass die Schlachttechnik eine Gefahrenquelle darstellen kann. Nach Tötung des Rindes wird das Tier zunächst enthäutet. Anschließend wird das Rückgrat mit einer Kettensäge gespalten. Dabei entsteht ein Sprühnebel, der sich auf dem ganzen

Rind verteilt. Tests in England und in der Schweiz zeigten bereits, dass diese Rückenmarksflüssigkeit, die über die Schlachtwerkzeuge übertragen wird, auch Körperpartien infizieren kann, die eigentlich als BSE-unbedenklich eingestuft werden. Auch die Tötung der Rinder mit der Bolzenschusstechnik birgt eine gewisse Gefahr der Verunreinigung mit BSE-Erregern. Der Bolzen zerstört das Gehirn der Rinder. Nach der Tötung schlägt das Herz der Tiere noch circa 30 Sekunden lang. Das reicht aus, um durch den Bolzen zerfetzte Gehirnstücke im ganzen Organismus zu verteilen, sodass möglicherweise Körperteile, die als risikoarm gelten, risikoreiches Hirngewebe enthalten.

Ob und wie schnell eine spongiforme Enzephalopathie wie BSE von einer Art auf die andere übertragen werden kann, das hängt nach dem derzeitigen Kenntnisstand von verschiedenen Faktoren ab. Die Artenbarriere Wie groß sind die genetischen Unterschiede zwischen zwei Arten? Wie eng sind ihre Verwandtschaftsverhältnisse? Diese Aspekte legen fest, wie „hoch“ diese Artenbarriere ist. Umso enger verwandt und je ähnlicher zwei Arten genetisch sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Erreger von der einen Art auf die andere überspringen kann. Allerdings ist das nicht mit Sicherheit vorherzusagen, denn es hat auch schon Übertragungen von Erregern zwischen wenig verwandten Arten gegeben. Der Erregerstamm Wie sehr ist ein Erreger auf eine Art spezialisiert? Kann er sich leicht an veränderte Gegebenheiten anpassen? Die Übertragung auf einen Organismus einer anderen Art ist nichts anderes als das: Anpassung an veränderte Gegebenheiten. Der Infektionsweg Die Übertragung eines Erregers über die Luft durch Tröpfchen (Niesen, Husten) macht ihn infektiöser, das heißt, er kann sich schneller verbreiten als beispielsweise ein Erreger, der auf eine Übertragung über das Medium Blut angewiesen ist. Die Infektionsdosis Dabei geht es um die Mindestmenge eines Erregers, die notwendig ist, um eine Infektion auszulösen. Bei den an nvCJD erkrankten Personen war die Voraussetzungen für den BSEErreger „gut“. Er war in der Lage, die Artenbarriere zu überspringen und die nvCJD-Erkrankung beim Menschen hervorzurufen. FOTO: R. WAGNER/WDV

Ist BSE in allen Teilen des Rindes zu finden?

Wieso kann BSE auch andere Tierarten infizieren?

Der Griff in die Tiefkühltruhe geschieht jetzt nicht mehr so sorglos wie früher.

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BSE

Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

Welche Gewebe sind besonders durch BSE gefährdet?

Sehr hoher Erregergehalt Gehirn, Rückenmark, Augen

Hoher Erregergehalt Hirnflüssigkeit, Dünndarmabschnitt (Ileum), Lymphknoten, Mandeln, Milz, Nebenniere, oberer Dickdarm, Dura Mater (harte Hirn- und Rückenmarkshaut), Plazenta, Pinealdrüse (Zirbeldrüse: Hormondrüse im Zwischenhirn)

für Humanarzneimittel Europäischen ArzneimittelbehörDde teilterderAusschuss die Körperbestandteile der Rinder

Mäßiger Erregergehalt Knochenmark, Leber, Lunge, Nasenschleimhaut, Bauchspeicheldrüse (Pankreas), äußere Nerven, Thymus (Bries: zentrales lymphatisches Organ, das für die Entwicklung des Immunsystems von Bedeutung ist)

in vier verschiedene Risiko-Kategorien ein.

Erreger nicht nachweisbar

Erreger-Anzahl je Gramm Gewebe bei erkrankten Rindern

Bindegewebe, Blut, Brustdrüsen, Eierstöcke, Fäkalien, fötales Gewebe, Galle, Gebärmutter, Gerinnsel, Haare, Haut, Herz, Hoden, Knochen, Knorpelgewebe, Milch, Nieren, Samenblase, Schilddrüse, Serum, Skelettmuskulatur, Speichel, Speicheldrüsen, Urin

Bis zu 1 Milliarde Erreger Bis zu 1 Million Erreger Bis zu 10.000 Erreger Weniger als 10 Erreger Rückenmark/Nerven

Gehirn Augen

Niere Knochen Darm

Leber Herz Lunge

Knochenmark

Lymphknoten Milch

Die obige Grafik verdeutlicht das Risiko, welches von den verschiedenen Fleischkategorien ausgeht. Die BSE-Erreger können in vielen Geweben auf-

Fleisch/Blut

treten. Doch nach wie vor sind Hirn und Rückenmark jene Körperteile, die bevorzugt von BSE-Prionen befallen werden. GRAFIK: DPNY

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Im Gespräch

Gibt es unbedenkliche Produkte vom Rind? Sowohl für Lebensmittel als auch für Arzneimittel muss immer die Frage gestellt werden, ob überhaupt Risikomaterial für die Produktion verwendet wurde. Darüber hinaus hängt die Lebensmittelsicherheit in ganz entscheidendem Maße von der Ehrlichkeit der Hersteller ab. Jeder Verbraucher muss persönlich entscheiden, ob er es für unbedenklich hält, Rinderprodukte oder aus Rind gemachte oder Rind enthaltende Lebensmittel zu verzehren.

ben die angenehme Eigenschaft, sich im Laufe der Wundheilung von selbst aufzulösen. Das in Deutschland vertriebene Naturmaterial wird seit 1995 nur noch aus Argentinien importiert. Die Bundesländer Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Thüringen, RheinlandPfalz, Nordrhein-Westfalen und BadenWürttemberg haben bereits auf die Empfehlung des BfArM reagiert. Catgut machte bisher ohnehin nur 5 bis 10 Prozent des verwendeten Nahtmaterials aus. Auch wer vor kurzem operiert wurde, muss sich nicht sorgen – diese Regelung ist nur als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme zu verstehen.

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FOTO: PHOTODISC

nutzt wird, stammt von Rindern aus den erbraucher, die sich für den völligen Besonders streng geprüft: USA, aus Neuseeland oder aus AustraliVerzicht auf Fleisch und Wurst entPharmagelatine en. Das Bundesamt für Blutsera und scheiden, könnten nach Meinung von Impfstoffe, das Paul-Ehrlich-Institut, hat Experten einen Jodmangel erleiden, da Als nicht besorgniserregend Fleisch und Wurstwaren für gestellt sich die Situation in Bewöhnlich mit Jodsalz gesalzen zug auf Arzneimittel und werden. Man sollte daher darauf Nahrungsergänzungen dar, achten, dass öfter Seefisch oder die nach strengen SicherMilch auf dem Speiseplan steht. heitsanforderungen hergeAuch eine jodhaltige Nahrungsstellt werden. Hier gibt es seit ergänzung kann einem möglilängerem eindeutige Vorchen Jodmangel vorbeugen. Bei schriften, die zu erhöhter Siden Spurenelementen Zink, Eicherheit beitragen. sen, Selen und Kupfer wird die Bereits 1994 hat das BundesVersorgung ebenfalls durch völamt für Arzneimittel und Meligen Verzicht auf Fleisch erdizinprodukte (BfArM) ein schwert. Wird außer auf Fleisch Konzept erarbeitet, das die auch auf Milchprodukte verzichSicherheit von Arzneimitteln tet, dann könnte es auch im gewährleisten und insbesonFalle der Vitamine B2 und B12 Die für Arzneimittel und Nahrungsergänzungen verwendete Pharmadere auch die Einbringung sowie für Vitamin D zu einer krigelatine unterliegt in ihrer Herstellung besonders strengen Kontrollen von BSE-Erregern verhindern tischen Versorgungssituation für und Sicherheitsverordnungen. soll. Arzneimittel, die in irden Organismus kommen. Wer gendeiner Weise Material von Wiederals zusätzliche Vorsichtsmaßnahme bewirklich ganz auf Fleisch und Wurst verkäuern enthalten, werden unter Verwenschlossen, keine Personen mehr als Blutzichten will, könnte darüber hinaus auch dung so genannter Sicherheitspunkte spender zu akzeptieren, die sich zwischen seine Coenzym-Q-10-Versorgung verklassifiziert. Für verschiedene Prozess1980 und 1996 in Großbritannien aufschlechtern und sollte sich bemühen, seine Schritte wird jeweils eine bestimmte hielten. Als weitere SicherheitsmaßnahErnährung sehr ausgewogen zu gestalten, Punktzahl vergeben. Ein Arzneimittel me müssen ab dem 1. Oktober 2001 die um ausreichend Nährstoffe zu erhalten. muss dabei 20 Sicherheitspunkte erreiweißen Blutkörperchen aus allen BlutUm wirklich sicher zu sein, dass der Körchen, um als sicher zu gelten. Ab dieser konserven entfernt werden. Weiße Blutper alles bekommt, was er braucht, sollte Punktzahl wird das Risiko, das von der körperchen werden von vielen Organisadie Ernährung jedoch mit einem hochVerwendung dieses Arzneimittels austionen bereits seit langem wegen mögliwertigen Multivitalstoff-Präparat aufgegeht als niedriger eingestuft als das cher Unverträglichkeiten herausgefiltert. wertet werden. natürliche Risiko an CJD zu erkranken. Im Falle einer BSE-Infektion enthalten Auch Kosmetika enthalten oft Kollagen Für die Verwendung von Pharmagelatine die weißen Blutkörperchen möglicheraus Rindern, meist aus Kälbern. Die meisin Kapseln von Arzneimitteln und Nahweise die Erreger. Da noch Unsicherheit ten Experten halten es für unwahrscheinrungsergänzungen wird der Wert von 20 im Hinblick auf den Übertragungsweg lich, dass äußerlich aufgetragene SubSicherheitspunkten noch übertroffen. des BSE-Erregers herrscht, ist diese Vorstanzen eine Ansteckungsgefahr mit sich Sodass die Wahrscheinlichkeit einer Insicht durchaus angebracht. Als weitere bringen. fektion – selbst wenn infiziertes MateriVorsichtsmaßnahme empfahl das BunBlutprodukte aus Großbritannien werden al verwendet worden wäre – gegen Null desinstitut für Arzneimittelsicherheit in Deutschland bereits seit 1996 nicht geht. Das Risiko läge dann zwischen 1:1 (BfArM), auch chirurgisches Nahtmaterimehr verwandt. Blutserum, das zur HerMilliarde und 1:1 Billion – dreimal in eial aus Rinderdärmen nicht mehr zu verstellung von Impfstoffen oder Insulin genem Monat sechs Richtige im Lotto zu wenden. Die Fäden namens „Catgut“ haMEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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BSE

Wie gefährlich ist die Rinderseuche wirklich?

Warum Pharmagelatine unbedenklich ist

haben, wäre wahrscheinlicher. Das Bundesinstitut bestätigte in einer offiziellen Verlautbarung, dass alle Produkte, die zur Zeit in Deutschland im Verkehr sind und auf die der Sicherheitskatalog angewendet wurde, die Sicherheitsanforderungen in jedem Fall erfüllen. In der Medizin werden Rinderprodukte sowohl für die Gewinnung von Wirkstoffen (beispielsweise Insulin oder auch Wachstumshormone) als auch als Hilfsstoffe (Fette, Gelatine) eingesetzt.

Selbst im Falle der Verwendung von infiziertem Ausgangsmaterial würden allein die Herstellungsmethoden für Gelatine möglicherweise vorhandene Erreger mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eliminieren. Das Risiko, sich hierdurch mit BSE-Erregern zu infizieren, liegt im Bereich von 1:1 Milliarde bis zu 1:1 Billion – dreimal in einem Monat sechs Richtige im Lotto zu haben, wäre wahrscheinlicher.

Artikel, die aus Gelatine hergestellt werden, standen kurzzeitig in der Diskussion. Damit ist man jedoch – auch wenn die Besorgnis zu verstehen ist – weit über das Ziel hinausgeschossen. Denn Gelatine kann – schon wegen der Herstellungsverfahren – als sicher gelten. Bei der Herstellung wird mit aggressiven Methoden Kollagen aus dem tierischen Bindegewebe gelöst und in drei Einzelstränge zerlegt. Diese Gelatinemoleküle können sich nicht mehr zu einem Kollagenmolekül zusammenfinden. Sie bilden dann ein Gel aus vernetzten Gelatinesträngen, das bis zu 90 % Wasser enthält. Aus Schweinen gewonnene Gelatine ist besonders hell und klar. Sie ist sehr weich und wird daher vorwiegend bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet. Aus Rinderkollagen gewonnene Gelatine ist deswegen so wichtig für die Verwendung in Arzneimitteln und Nahrungsergänzungen, weil sie besonders elastisch ist. Um die Sicherheit von Pharmagelatine in Bezug auf BSE zu dokumentieren, reichten die europäischen Gelatinehersteller bereits im Juli 1994 ein umfangreiches Nachweispapier beim Bundesinstitut für Arzneimittelsicherheit (BfArM) ein. Und auch die Behörde attestierte, dass kein zusätzliches Risiko im Verzehr von Gelatine zu sehen ist. FOTO: PHOTODISC

Knochenschrot wird bei der Gelatineherstellung über einen Zeitraum von 4 bis 6 Tagen mit konzentrierter Salzsäure (pH < 1,5) behandelt. Diese Flüssigkeit verätzt außer Gold so ziemlich alle bekannten Materialien. Lebende organische Materialien oder auch Krankheitserreger können nach derzeitigem Kenntnisstand eine solche Behandlung auf keinen Fall überleben. Die pH-Wert-Skala reicht von 0 bis 15 und um Ihnen einen Eindruck von der aggressiven Schärfe dieser Flüssigkeit zu geben: Schon das einmalige Einatmen der aus dieser Flüssigkeit aufsteigenden Dämpfe würde zu allerschwersten Atemwegsreizungen führen, die einer sofortigen medizinischen Behandlung bedürften. Nach dieser rabiaten Säurebehandlung folgt eine Behandlung mit übersättigter Kalkmilch (pH ≥ 12,5) über einen Zeitraum von 45 bis 90 Tagen. Rinderspalthäute können alternativ mit Natronlauge in bestimmter Konzentration (0,3 N) anstatt mit Kalkmilch behandelt werden. Dass der ph-Wert bei dieser Behandlung hoch ist, bedeutet nicht, dass die Auswirkungen der alkalischen Flüssigkeit für das behandelte Material weniger drastisch sind als die der Säure – im Gegenteil. An diesem Ende der pH-Skala herrschen für organisches Material die gleichen Bedingungen wie am unteren: Keine derzeit bekannte biologische Struktur – geschweige denn, ein Organismus – überlebt eine solche Behandlung. Zusätzlich zu dieser schonungslosen Säure-Laugen-Behandlung findet anschließend eine Sterilisation des Gelatineproduktes bei Temperaturen von 138 bis 140 °C statt.

Auch staatliche Stellen stufen den Herstellungsprozess von Pharmagelatine als sehr sicher ein.

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Eine Studie zur Sicherheit von Gelatine kam zu dem Ergebnis, dass durch die Säurebehandlung 90 % der möglicherweise

vorhandenen Erregern vernichtet würden; die alkalische Behandlung reduziere die Erregerzahl sogar um 99 %. Die zur Gewinnung von Pharmagelatine ebenfalls eingesetzte Haut konnte bislang in allen Untersuchungen als erregerfrei eingestuft werden. Auch eine Kontamination dieses Rohstoffes während der Schlachtung kann ausgeschlossen werden, da die Haut ohnehin vor dem Zerlegen des Rindes abgezogen wird. Mögliche Verunreinigungen des Knochenmaterials mit Gehirn oder Rückenmark können zwar nicht ausgeschlossen werden. Sie sind aber a) nicht wahrscheinlich. Und b) werden die Knochen vor ihrer weiteren Verarbeitung zu Knochenschrot gereinigt. Diese „Heißwasserentfettung“ führt dazu, dass 90 % des im und am Knochen vorliegenden Fettes entzogen wird. Fett ist jedoch wichtig in diesem Zusammenhang, da sich der BSE-Erreger nur in fetthaltigen Geweben aufhalten kann. Oberflächliche Verunreinigungen durch BSE-Erreger dürften somit als äußerst unwahrscheinlich gelten. Die Gelatinehersteller verlassen sich jedoch nicht auf die Sicherheit, die schon der Herstellungsprozess liefert. Sie tragen zudem durch eine sorgfältige Auswahl des eingesetzten Rohstoffs zu einer Verbesserung der Produktqualität bei. So wird Material britischer Rinder bereits seit langem nicht mehr eingesetzt. Die Hersteller beziehen die Rinder aus Ländern, in denen nach Angaben internationaler Kontrollorganisationen noch kein BSEFall aufgetreten ist – unter anderem aus Pakistan und aus Südamerika. Auch Risikomaterial wie Schädel, Wirbelkörper und Rückenmark gelangten bereits vor dem Erlass der gesetzlichen Regelung nicht mehr in die Gelati-


BSE-Hysterie durch die Medien Die Besorgnis der Verbraucher um ihre Gesundheit ist verständlich und natürlich nachvollziehbar. Und diese Angst wurde auch von allen Medien bedient; man überschlug sich mit Horrormeldungen, das heißt, durch Aufmachung und Präsentation wurde das Thema BSE zusätzlich dramatisiert. Man ist dabei zu weit gegangen, denn sicher ist BSE ein sehr ernstes Thema, doch jetzt in Panik zu geraten, das ist übertrieben. Die Zahl der infizierten Rinder ist bereits deutlich zurückgegangen. Entsprechende Verordnungen verringern auch das Risiko, dass BSE-haltiges Material in Lebens- oder Arzneimittel gelangt, ganz entschieden. Bezüglich der Gelatine hat auch die renommierte Deutsche Apothekerzeitung Stellung genommen und in ihrer Ausgabe vom 08.01.2001 Gelatine aufgrund des Herstellungsverfahrens als unbedenklich eingestuft. Die „Stiftung Warentest“ nimmt sich in der Februarausgabe 2001 des Themas „Sicherheit von Gelatine“ an und stellt fest, dass ein BSE-Risiko durch Gelatine wegen des intensiven Bearbeitungsprozesses und der Sicherheitsanforderungen an die Rohstoffe höchst unwahrscheinlich ist.

tend als ,sehr, sehr nahe gegen Null‘ gehend bezeichnen, liegt das an dem aggressiven Herstellungsprozess, der darauf ausgerichtet ist, eventuell vorhandene BSE-Erreger abzutöten.“ BSE stellt eine Gefahr dar, aber keine akute. Nach wie vor ist das Risiko, an der ursprünglichen Form von CJD zu erkranken, um ein Vielfaches größer als das, an der neuen Form – nvCJD – zu erkranken. Die tickende Zeitbombe BSE endgültig zu entschärfen, das ist jetzt Aufgabe von Wissenschaftlern und Politikern.

Erste Erfolge im Kampf gegen BSE Die Wissenschaft konnte bereits erste Erfolge vermelden. Im Sommer 2001 soll ein Test auf den Markt gebracht werden, mit dem BSE auch an lebenden Rindern festgestellt werden kann. Eine Möglichkeit, die Krankheit beim Menschen bereits zu Lebzeiten nachzuweisen – bevor das Gehirn zerfallen ist –

entwickelte der englische BSE-Experte John Collinge. Zur Zeit muss zu diesem Zweck noch Gewebe aus den Mandeln entnommen werden. Es wird jedoch daran gearbeitet, einen Test zu entwickeln, der auch im Blut mögliche BSE-Erreger zuverlässig nachweisen kann. Dadurch könnte eine BSE-Untersuchung zur Routinekontrolle werden, die schnell und ohne operativen Eingriff durchgeführt werden kann. Bei mit BSE infizierten Mäusen ist es gelungen, dem Erreger den Weg ins Gehirn zu verwehren. Einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Adriano Aguzzi ist es an der Universität Zürich geglückt, diese Beobachtung zu machen. Sie wird natürlich weiterverfolgt werden. Denn würde man auch beim Rind oder beim Menschen erreichen können, dass der Erreger nicht ins Gehirn gelangen kann, dann hätte die Krankheit BSE einiges von ihrem Schrecken verloren. Schließlich betreffen die Auswirkungen von BSE vorwiegend das Gehirn.

FOTO: PHOTODISC

neproduktion. Qualitätssicherungssysteme und GMP („good manufacturing practice“, englisch für „gute Herstellungspraxis“) in den Herstellerfirmen machen eine Rückverfolgung der hergestellten Chargen und eine genaue Einhaltung der Herstellungsprozeduren möglich.

Auch der Leiter des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), Dieter Arnold, äußerte sich in diesem Sinne in der Berliner Morgenpost: „Wenn Experten die BSE-Gefahr von Gelatine wissenschaftlich zurückhal-

Die Forschung konnte bereits erste Erfolge erzielen und der Entschlüsselung des Rätsels BSE ein Stück näher kommen.

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Freie Radikale Was sind Freie Radikale? Wodurch schaden sie uns? Was kann man gegen ihre negativen Wirkungen tun?

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Vorurteile über Nahrungsergänzungsmittel Die sieben verbreitetsten Falschannahmen unter die Lupe genommen

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Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Ballaststoffe

Die Grundbausteine unserer Ernährung. Was gibt es zu beachten?

Von Vitamin A bis Zink Eine umfassende Darstellung der wesentlichen Vitalstoffe und ihrer Eigenschaften

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Wasser – Quelle des Lebens

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Gesundheit aus der Flasche. Wieviel Wasser braucht der Mensch?

Vitalst


VITALSTOFFE Hier erwarten Sie folgende Beiträge: Vorwort Freie Radikale Antioxidanzien – damit der Körper nicht „rostet“ Antioxidativ wirksame Pflanzenstoffe Vorurteile über Nahrungsergänzungsmittel Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Ballaststoffe Ernährung heute und vor 200 Jahren: Was hat sich geändert?

offe

20 22 25 28 29 32 37

Vitalstoffe– Von Vitamin A bis Zink Vitamin A B-Vitamine Vitamin B1 Vitamin B2 Niacin Pantothensäure Vitamin B6 Folsäure Vitamin B12 Biotin Vitamin C Vitamin D Vitamin K Vitamin E Coenzym Q10 Lycopin Ungesättigte Fettsäuren Gamma-Linolensäure Omega-3-Fettsäuren Calcium Magnesium Fluor Eisen Chrom Jod Kupfer Selen Mangan Zink

38 40 42 44 46 47 48 49 50 52 53 54 56 57 58 60 62 64 65 66 68 70 72 73 74 75 76 77 78 79

Aminosäuren

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Wasser - Quelle des Lebens Glossar

84 89


Der Gesunde weiß nicht, wie reich er ist (Altes Sprichwort)

Die Geschichte des Vitaminmangels ist so alt wie die Geschichte der Seefahrt. Denn die Unkenntnis dessen, was das Fehlen von Vitaminen in der menschlichen Nahrung bewirken kann, mussten viele Seefahrer mit ihrem Leben bezahlen.

nfolge der einseitigen Ernährung von Zwieback, Salz, Fisch und Fleisch litten die Matrosen unter einem schweren Vitamin-C-Mangel, am Skorbut: Sie verbluteten innerlich.

I

Ein zweites Beispiel: In den dreißiger Jahren glaubte man, in Südamerika sei es zum Ausbruch einer Seuche gekommen; doch der Erreger war unbekannt. Die Symptome waren folgende: Entkräftung, Durchfall und Dermatitis. Die vermeintliche Infektionskrankheit breitete sich rasend schnell unter der Bevölkerung aus. Doch die Vermutung, ein Krankheitserreger hätte die Krankheit ausgelöst, war falsch. Ein Mangel an Vitamin B3 (veralteter Begriff: B3; neu: Niacin) erwies sich als die tatsächliche Ursache. Man hatte in dieser Region kurz zuvor begonnen, das Hauptnahrungsmittel Reis zu schälen. Ahnungslos hatte man dem Reis damit die vitalstoffreichsten Schichten geraubt – das hatte den Mangelzustand und die Krankheitssymptome ausgelöst. Diese Beispiele erinnern daran, welch entscheidenden Einfluss Vitalstoffe auf unsere Gesundheit haben. Bei ihrer Entdeckung im 18. Jahrhundert wusste man noch ziemlich wenig über diese Substanzen. Es war klar, dass es sich um lebenswichtige Elemente der Nahrung handelte — weder Eiweiße noch Fette noch Kohlenhydrate. Man nahm an, jedes Vitamin sei chemisch der Gruppe der Amine zuzuordnen, und nannte die neu entdeckten Stoffe daher Vitamine. Ein Wort, zusammengesetzt aus Vita (Leben) und Amin. Die moderne Forschung lehrte uns noch mehr über die Eigenschaften und Wirkungsweisen von Vitalstoffen. Beispielsweise sind

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Früher wussten Ärzte wenig über den Einfluss von Lebensmitteln auf unsere Gesundheit. Auch die damaligen medizinischen Methoden wirken, verglichen mit den heutigen, eher brachial.

Noch vor 100 Jahren war die Ernährung im Durchschnitt besser. Heute haben wir zwar hervorragende medizinische Möglichkeiten – wir ernähren uns nur leider schlechter als damals und führen unserem Körper die Vitalstoffe, die er braucht, nur noch in unzureichenden Mengen zu.

nicht alle Vitamine den Aminen zuzuordnen, und einige Vitamine gelten heute nicht mehr als lebensnotwendig. Die fortlaufende Benennung nach Buchstaben hat dadurch Lücken bekommen. Zugleich musste die Liste auch erweitert werden, als sich herausstellte, dass einige Vitamine aus mehreren Stoffen bestanden. Insgesamt 13 Vitamine sind heute benannt. Darüber hinaus gibt es noch einige vitaminähnliche Stoffe. Vitamine sind für den Körper lebensnotwendige Stoffe. Man kennt zwei Gruppen: die fettlöslichen Vitamine, die vorwiegend in Pflanzenölen und in tierischen Fetten auftreten, und die wasserlöslichen Vitamine, die hauptsächlich im Fruchtfleisch von

Obst und Gemüse, aber auch in Getreide, Milch und tierischen Lebensmitteln zu finden sind. Doch wir brauchen natürlich, um gesund zu bleiben, nicht nur Vitamine. Denn auch Mineralstoffe, Spurenelemente, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe sind wichtige und unverzichtbare Bestandteile einer natürlichen, gesunderhaltenden Ernährung. Was unser Körper wofür braucht, das können Sie jetzt in der vorliegenden Sonderausgabe von MEDICOM nachlesen. Auf vielfache Bitte unserer Kunden wollen wir in dieser Sonderausgabe alle relevanten Vitalstoffe und ihre Eigenschaften einmal zusammenhängend darstellen.

FOTOS AUF DEN SEITEN 20 UND 21: PHOTODISC

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Freie Radikale Immer wieder hört man von den Gefahren, die Freie Radikale für unsere Gesundheit darstellen, und von den Wirkungen, die sie auf einen für unser Wohlbefinden ebenfalls sehr wichtigen Aspekt haben: auf unser Aussehen. Freie Radikale können den Körper in vieler Hinsicht nachhaltig schädigen.

Im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend, gegen was sich unser Körper tagtäglich zur Wehr setzen muss.


KURZ GESAGT Freie Radikale führen zu Reaktionen im Körper, die mit einer Oxidation, einem „Verrosten“ zu vergleichen sind.

Hektik, Stress und Umweltbelastungen machen uns angreifbar für unsichtbare Eindringlinge.

Was sind Freie Radikale? reie Radikale sind aggressive, äußerst reaktionsfreudige Sauerstoffmoleküle, die bei normalen Stoffwechselvorgängen des menschlichen Körpers als Abfallprodukte entstehen – ungefähr so wie Abgase beim Auto. Sie werden in Stoffwechselreaktionen gebildet, indem Atomen oder Molekülen ein Elektron entzogen wird. Die so entstandenen Freien Radikale sind bestrebt, das Elektronendefizit sofort wieder auszugleichen. Sie greifen Zellstrukturen an und entreißen diesen das ihnen fehlende Elektron. Allerdings werden unter bestimmten Umständen Freie Radikale sogar gezielt von den Körperzellen gebildet: um deren zerstörerische Eigenschaften zur Bekämpfung von Krankheitserregern zu nutzen. Bei Entzündungsprozessen und im Rahmen der Immunabwehr werden verstärkt Freie Radikale freigesetzt. Bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien entstehen jedoch die meisten Radikale. Schädliche Umweltfaktoren spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Entstehung von Freien Radikalen. So können Zigarettenrauch, Ozonbelastung, Luftverschmutzung, Umweltgifte, schädigende Strahlung und auch bestimmte Medikamente nachweislich die Bildung von Freien Radikalen auslösen. Der menschliche Organismus ist ständig einer Flut dieser aggressiven Freien Radikale ausgesetzt. Aber er ist selbstverständlich mit Abwehrmechanismen ausgerüstet: Mit dem so genannten antioxidativen und dem enzymatischen System (auf die wir weiter unten eingehen) schützt sich der Körper gegen Radikalangriffe.

Unter normalen physiologischen Umständen stellt die Produktion Freier Radikale für den Organismus keine Bedrohung dar, weil er sich gut wehren kann. Erst wenn erhöhter Stress, das allgegenwärtige Ozon, die Smogbelastung, eine Erkrankung, Medikamente oder andere Belastungen das Gleichgewicht zugunsten der Freien Radikale stören, wird die schädigende Wirkung der Radikale spürbar. Man spricht dann auch von „oxidativem Stress“.

„Oxidativer Stress” Diese und andere äußerliche Faktoren können zur Entstehung von schädlichen Freien Radikalen führen.

Schädliche Strahlung

Medikamente

Umweltgifte

Besondere Angriffspunkte für Freie Radikale sind ungesättigte Fettsäuren in Zellmembranen, Cholesterin und Eiweißstrukturen. Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass Freie Radikale nicht nur Zellmembranen und Proteine schädigen können, sondern auch direkt an der DNA, dem Erbgut des Menschen, Schäden anrichten, die letztlich in eine Entartung der Zelle münden können.

Wissenswert Sollten Raucher täglich ein MultivitalstoffPräparat nehmen? Eigentlich sollten Raucher aufhören zu rauchen. Doch um die Schäden des Zigarettenrauchs in Grenzen zu halten, sollten Raucher auf eine erhöhte Zufuhr vor allem von Vitamin C achten. Doch auch Vitamin E, BetaCarotin, Coenzym Q10 und Lycopin können den Körper im Kampf gegen die Freien Radikale unterstützen, die der Rauch einer Zigarette verursacht.

Ozonbelastung GRAFIK: DPNY

F

Wird der Körper häufig oxidativem Stress ausgesetzt, dann werden Veränderungen in den Körperzellen ausgelöst, die zur Entstehung bestimmter Erkrankungen beitragen können. Denn um ihren Elektronenmangel auszugleichen, reagieren Freie Radikale mit körpereigenen Substanzen, beispielsweise Zellumhüllungen (Membranen). Das Radikal lagert sich an ein Molekül in der Zelle an und „entreißt“ diesem ein Elektron; so überträgt sich das Elektronendefizit vom Sauerstoff auf das Molekül unseres Körpers, das damit selbst zum Freien Radikal wird. Dieses Radikal sucht nun seinerseits wieder einen Reaktionspartner, dem es ein Elektron abnehmen kann; es lässt somit weitere Radikale entstehen. Eine Kettenreaktion wird ausgelöst, in deren Verlauf viele Verbindungen und Zellstrukturen geschädigt werden. Deren Funktion wird dadurch erheblich gestört oder sogar ganz aufgehoben. Diese Kettenreaktion können Antioxidanzien stoppen.

Luftverschmutzung

Zigarettenrauch

FOTOS AUF DEN SEITEN 22 UND 23: PHOTODISC

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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Das enzymatische Schutzsystem

Vereinfachte Darstellung der Neutralisierung eines SauerstoffRadikals durch Vitamin E und dessen Regeneration durch Coenzym Q10.

Auch beim enzymatischen Schutzsystem spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Zwar stellt der Körper die Enzyme selbst her; er braucht aber bestimmte Mineralstoffe, die als Cofaktoren sehr wichtig für die Funktion der Enzyme sind und die diese erst in die Lage versetzen, ihre Schutzfunktion auszuüben.

GRAFIKEN: DPNY

Vereinfachte Darstellung der Neutralisierung von SauerstoffRadikalen durch das enzymatische Schutzsystem unseres Organismus.

Für Wissenschaftler ist klar, dass oxidativer Stress eine Ursache für ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Arteriosklerose, Polyarthritis oder auch Krebs ist.

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nsbesondere bei hohen Belastungen, mit zunehmendem Alter und bei falscher Ernährung wird unser Körper noch leichter angreifbar. Ein Übermaß an Freien Radikalen ist häufig auch die Ursache für frühzeitige Alterserscheinungen. Um sich gegen überflüssige Radikale zu wehren und sie unschädlich zu machen, ist eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Vitalstoffen sehr wichtig. Besonders die Carotinoide Lycopin und Beta-Carotin sowie die Vitamine C und E und das Vitaminoid Coenzym Q10 sind als erfolgreiche „Radikalenfänger“ bekannt. Diese Radikalenfänger nennt man auch „Antioxidanzien“. Eine große Anzahl wissenschaftlicher Studien hat gezeigt, dass Menschen, die besser mit Antioxidanzien versorgt sind, auch besser vor Krebs und Arteriosklerose,

Wissenswert Senioren fehlen oft Vitamine. Besonders männliche Senioren leiden oft unter einer Unterversorgung der Vitamine A, D, B1, Folsäure und Vitamin C.

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aber auch besser vor anderen Krankheiten geschützt sind. So ergab sich beispielsweise ein Zusammenhang zwischen einer besseren Vitamin-C-Versorgung und einer Schutzwirkung gegenüber dem Katarakt (dem grauen Star), also der Trübung der Augenlinse, die letztlich zur Erblindung führen kann. Die antioxidativen Eigenschaften der Vitalstoffe helfen dem Körper, gesund zu bleiben.

Das antioxidative Schutzsystem Der menschliche Organismus verfügt über zwei Verteidigungssysteme zum Schutz vor Freien Radikalen: zum einen über ein körpereigenes antioxidatives Enzymsystem. Zum anderen nutzt er antioxidative Vitalstoffe, die er über die Nahrung aufnimmt, um Freie Radikale zu neutralisieren. Die antioxidativen Vitalstoffe und das enzymatische Schutzsystem arbeiten dabei Hand in Hand. Zu den antioxidativen Vitalstoffen zählen vor allem die Vitamine E und C, Beta-Carotin und Coenzym Q10. Aber auch eine umfangreiche Palette antioxidativ wirksamer sekundärer Pflanzenstoffe (z. B. Lycopin und andere Carotinoide oder Bioflavonoide) gehört dazu. Diese Substanzen müssen stets in ausreichender Menge mit der Nahrung aufgenommen werden, um die antioxidative Kapazität dieses Schutzsystems zu erhalten.

Zwei enzymatische Systeme sind bei der Radikalabwehr von Bedeutung: das SOD/Katalase-System und das GPxSystem. Der Superoxid-Dismutase (SOD) kommt eine besonders wichtige Aufgabe zu, da sie überaus reaktionsfreudige Sauerstoff-Radikale, die während der Energiegewinnung entstehen, zu harmloserem Wasserstoffperoxid umwandelt. Diese „aktivierte“, immer noch sehr reaktive Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff wird dann in einem zweiten Schritt durch das Enzym Katalase unschädlich gemacht. Heute kennt man zwei Formen der SOD. Die in den Zellen in Mitochondrien angesiedelte Form ist vom Mineralstoff Mangan abhängig. Der häufiger vorkommende Typ der SOD benötigt in erster Linie Zink, aber auch Kupfer für seine Aktivierung. Somit ist eine ausreichende Versorgung mit den Mineralstoffen Zink, Kupfer und Mangan für die einwandfreie Funktion dieser Enzyme von größter Bedeutung. Auch eine ausreichende Versorgung mit Selen ist sehr wichtig. Selen ist unverzichtbarer Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase (GPx). Auch die GPx ist in der Lage, Wasserstoffperoxid zu entgiften. Ihre Hauptaufgabe erfüllt die GPx aber als Enzym, das Zellmembranen vor Freien Radikalen schützt. Die in der Zellmembran enthaltenen ungesättigten Fettsäuren können leicht durch Freie Radikale angegriffen werden. Ungesättigte Fettsäuren sind durch ihre spezifische chemische Struktur instabil. Durch den Angriff eines Sauerstoff-Radikals werden auch sie selbst zu Radikalen. Das löst in der Folge eine Radikal-Kettenreaktion aus, die man als „Lipidperoxidation“ bezeichnet. Die GPx ist in der Lage, diesen schädlichen Prozess zu stoppen, indem sie aktivierte Zwischenprodukte unschädlich macht. Die GPx ist nur mit Selen als Cofaktor voll funktionsfähig. Auf eine ausreichende Selen-Versorgung sollte man also unbedingt achten.


Antioxidanzien müssen dem Körper über die Nahrung zugeführt werden. Den Vitaminen E und C sowie dem Vitaminoid Coenzym Q10 kommt eine besondere Bedeutung als Antioxidanzien zu.

Auch das genetische Material, die so genannte DNA, die sich in den Zellkernen der Körperzellen befindet, wird von Freien Radikalen angegriffen. Versagen die zelleigenen Reparaturmechanismen, ist es möglich, dass das genetische Material durch Radikalangriff nachhaltig verän-

itamin E (chemisch: D-alpha-Tocopherol) fungiert gewissermaßen als „Schutzpolizei“ der Körperzellen. Angesiedelt in den Zellmembranen, verhindert Vitamin E gemeinsam mit der GPx den Angriff Freier Radikale auf die empfindlichen Fettsäuren. Es ist auch in der Lage, bereits entstandene „Fett-Radikale“ zu neutralisieren; es verhindert so ein Fortschreiten der Lipidperoxidation. Sogar Vitamin E wird während der Neutralisierung von Freien Radikalen selbst kurzfristig

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Wissenswert Woran bemerkt man einen Vitaminmangel? Eine Mangelversorgung über einen längeren Zeitraum äußert sich durch Störungen des Allgemeinbefindens. Man ist anfälliger für Infektionen, ist antriebslos, leidet unter Konzentrationsschwierigkeiten, Niedergeschlagenheit oder Nervosität. Auch brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel und ein schlechtes Hautbild können auf einen Vitaminmangel hinweisen.

Auch hinsichtlich der Verhütung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfüllt Vitamin E eine wichtige Funktion. Denn es schützt die im Blut zirkulierenden Cholesterinpartikel vor Angriffen von Radikalen. Radikalangriffe sind es nämlich, die dazu führen, dass LDL-Cholesterin oxidiert S = schützt U = unterstützt wird; es wirkt gerade hierdurch schädigend auf die Gefäßwand. Erhöhte LDLSo unterstützen sich Vitalstoffe gegenseitig beim Schutz unseres Körpers vor Freien Radikalen. Cholesterin-Werte im Blut gelten als Risikofaktor für das Entstehen von Arteriosklerose. Die charakteristischen Gefäßveränderungen bei der Arteriosklerose entstehen genau dann, wenn das LDL-Cholesterin durch Radikalangriffe verändert wird. Vitamin E schützt das LDL-Cholesterin und trägt damit zur Gesundheit der Gefäße bei. Oxidativer Stress durch Freie 1. Phase 2. Phase 3. Phase Radikale bei gleichzeitig schlechter Versorgung mit Gesunde Arterie. Fett- und KalkDer Blutfluss ist Antioxidanzien erhöht jeDie Innenhaut ablagerungen durch Kalkabdoch nicht nur das Risiko (weiß) ist dünn siedeln sich in lagerungen so für Erkrankungen des Herzund elastisch; der inneren Gestark gestört, Kreislauf-Systems, sondern das Blut kann fäßwand an; die dass jetzt ein ungehindert Innenhaut entwinziger Blutgefährdet auch die Gewebefließen. zündet sich. propf zum Gezellen und Blutgefäße im fäßverschluss Gehirn sowie die Netzhaut führen kann. des Auges. Deshalb ist auch im Zusammenhang mit MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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So ensteht Arteriosklerose

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Dauernd Erkältet? Vielleicht liegt´s am Vitaminmangel.

zum Radikal; es ist jedoch stabil und daher absolut unschädlich. Es „opfert“ sich quasi für unsere Zellen. Doch Vitamin C und Coenzym Q10 sind in der Lage, Vitamin E schnell zu regenerieren und es wieder bereit zu machen für die Neutralisierung weiterer Freier Radikale. Schon ein Vitamin-E-Molekül genügt, um etwa 100 Moleküle Freier Radikale unschädlich zu machen. Eine besonders wichtige Rolle spielt Vitamin E in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), den Sauerstofftransportvehikeln des Blutes. Denn die Zellmembranen der Erythrozyten sind gegenüber den Angriffen von SauerstoffRadikalen natürlich besonders exponiert.

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Antioxidanzien – damit der Körper nicht „rostet“

altersbedingten Gehirnerkrankungen (wie z. B. Alzheimer) und Augenerkrankungen wie Katarakt (grauer Star) eine gute Versorgung mit Antioxidanzien und besonders eine ausreichende Vitamin-EVersorgung wichtig.


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Vitamin C (chemisch: Ascorbinsäure) tatkräftig unterstützt. Vitamin E benötigt Vitamin C, um nach getaner Arbeit wieder regeneriert zu werden. Ist Vitamin E durch die Neutralisierung vieler Freier Radikale geschwächt, so stellt Vitamin C es wieder her, indem es ihm fehlende Elektronen zur Verfügung stellt. Vitamin C ist allerdings auch in der Lage, genau wie Vitamin E, selbst Freie Radikale zu binden, zu „entschärfen“ und somit oxidativem Stress entgegenzuwirken. Im Gegensatz zum fettlöslichen Vitamin E agiert das wasserlösliche Vitamin C jedoch im Blut und im Zellwasser. So kann es dort auftretende Freie Radikale abfangen, bevor sie überhaupt in Kontakt mit den Membranen kommen. Vitamin C ist eine unentbehrliche Unterstützung für Vitamin E im Kampf gegen Freie Radikale. Denn Vitamin C leistet einen wichtigen Beitrag dazu, das Risiko für das Entstehen von Arteriosklerose, Gehirn- und Augenerkrankungen sowie Krebs zu senken.

Aufgepasst Viele Vitamine und Mineralstoffe sind in ihrer Wirkung von einander abhängig. Deshalb ist es am sinnvollsten, sie in Kombinations-Präparaten einzunehmen.

Achtung, zerbrechlich! Licht und Luft zerstören Vitamine. Deshalb wirken sich lange Lagerzeiten ungünstig auf den Vitalstoffgehalt von Lebensmitteln aus. Auch der übermäßige Kontakt mit Wasser schadet den Vitalstoffen. Sowohl Vitamine als auch Mineralstoffe können ausgeschwemmt werden. Und Hitze bekommt vielen Vitaminen gar nicht.

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dert wird. Langfristig kann daraus eine Entartung der Zellen folgen – d. h., es Bereits in der Kindheit kann zur Entstehung von Krebs kommen. Auch in nehmen Vitalstoffe Eindiesem Zusammenhang fluss auf das Enstehen kommt dem Vitamin E eine und den Verlauf von wichtige Funktion zu. Im Krankheiten. Zuge der Immunabwehr werden von immunaktiven Zellen (Granulozyten) sogar gezielt Freie Radikale produziert, um Krankheitserreger abzutöten. Bei längerfristigen bzw. chronischen Entzündungen kommt es durch eine Überproduktion von Freien Radikalen leicht zu oxidativem Stress und zur Gewebeschädigung durch die Freien Radikale. Bei derartigen Entzündungserkrankungen (wie z. B. Polyarthritis) ist eine gute Vitamin-E-Versorgung sehr wichtig, um den oxidativen Stress einzudämmen. Bei der Bekämpfung von Freien Radikalen wird Vitamin E von

KURZ GESAGT

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Weitere Unterstützung erhält Vitamin E durch das Coenzym Q10. Coenzym Q10 ist seiner Funktion nach eine vitaminähnliche Substanz, die als Elektronenüberträger an der Energiegewinnung in den Mitochondrien beteiligt ist – der so genannten Atmungskette. Zugleich ist es ein sehr wirkungsvolles Antioxidans, das so wie die Vitamine E und C in der Lage ist, Freie Radikale unschädlich zu machen. Da bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien die meisten Freien Radikale entstehen, ist Coenzym Q10 in den Mitochondrien eines der ersten Antioxidanzien, das den entstandenen Elektronenverlust von Freien Radikalen wettmachen kann. Ferner ist es in der Lage, die Oxidation von LDL-Cholesterin zu verhindern — und es kann auch, wie Vitamin C, Vitamin E regenerieren. Schon bei Kindern darauf zu achten, dass eine ausreichende Zufuhr von Antioxidanzien wie Vitamin E und Vitamin C gewährleistet ist, scheint für das ganze spätere Leben von Vorteil zu sein. Prof. Dr. Hijazi und sein Team zeigten im Rahmen einer Studie, dass Kinder, die eine schlechte Vitalstoff-Versorgung hatten, ein erhöhtes Asthmarisiko entwickelten. Wohingegen Kinder, die viel Vitamin E und Vitamin C zu sich nahmen, wesentlich seltener Beschwerden durch Asthma hatten. Das lässt darauf schließen, dass bereits in der Kindheit Vitalstoffe wie Vitamin E und Vitamin C auf die Entwicklung von Krankheiten wie beispielsweise Asthma Einfluss nehmen.


Wie entstehen Freie Radikale? A

sie haben keine „Lust“ zu reagieren. Wird einem Sauerstoffmolekül allerdings durch Stoffwechselvorgänge ein Elektron genommen, bewirkt dieser Elektronenverlust, dass es sich in ein aggressives und sehr reaktionsfreudiges Sauerstoffradikal verwanDer Golgi-Apparat ist delt, das alles darandas Transportsystem der setzt, per Angriff auf Zelle. Er verpackt Moandere Moleküle sich leküle für den Transport das verlorene Elektron zurückzuholen. in benachbarte Zellen.

us der Reaktion von bestimmten Inven Kern, der von den negativ geladenen haltsstoffen der Nahrung mit SauerElektronen auf verschiedenen Umlaufbahstoff gewinnt der menschliche Körper nen umkreist wird – fast so, wie Monde Energie. Der Sauerstoff der Atemluft ist um einen Planeten kreisen. Chemisch stagewissermaßen der Motor allen menschlibil sind Atome oder ihre Verbindungen chen Lebens. Ohne Sauerstoff kann in den (chemisch Moleküle genannt) nur dann, Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der wenn sich auf jeder dieser Umlaufbahnen Körperzellen, keine Energiegewinnung genau zwei Elektronen bewegen. Ein Saustattfinden. Bei Sauerstoffmangel sind alerstoffatom jedoch besitzt ein „einsames“ le energieabhängigen StoffIn den Lysosomen werwechselvorgänge gestört: den von der Zelle aufDie Muskeln können nicht genommene Partikel arbeiten, Gehirn, Herz, Zellmembran Mitochondrium verdaut. Die MitoLeber und andere Organe chondrien sind die versagen den Dienst. Bei Lysosomen Golgi-Apparat „Kraftwerke“ der Zelle. unzureichender Sauerstoffzufuhr ist der menschliche Sie produzieren Energie. Organismus deshalb nur Der Zellkern enthält die sehr kurze Zeit überlebensDNA — den Träger der fähig. Allerdings hat SauErbinformation. Er senerstoff auch Eigenschaften, det kurze Kopien der die gefährlich für den DNA in das endoplasmenschlichen Körper sind. matische Retikulum, wo Der Organismus hat im dann die entsprechenLaufe von Jahrmillionen Zelle gelernt, Sauerstoff in einer den Proteine hergestellt kontrollierten Reaktion für werden. An all diesen energiegewinnende VorVorgängen sind Vitalgänge zu nutzen – verstoffe beteiligt, und alle gleichbar mit der kontrolZellkern Zellorganellen nutzen lierten Verbrennung von diese für ihre TätigkeiUran in einem Atomkraftten. Eine gute Vitalwerk. Man ist in der Lage, stoffversorgung spielt die bei der Spaltung des Uranatomes entstehende eine weitaus größere Energie nicht schlagartig Rolle für unser Wohlbefreizusetzen, sondern eine finden, als gemeinhin kontrollierte Abgabe der angenommen wird. Energie zu ermöglichen. Der Körper nutzt ebenfalls endoplasmatisches die bei der Spaltung von Retikulum Sauerstoff entstehende EnAngriff ergie und ist in der Lage, Freier Radikale sie behutsam freizusetzen und sie sogar chemisch festzulegen. Dennoch ist es im Verlauf der Evolution nicht gelungen, Elektron, das allein auf seiner Bahn kreist. den Sauerstoff völlig unter Kontrolle zu Um diesen Mangel auszugleichen, tritt ein bekommen und die negativen Wirkungen Sauerstoffatom stets in Verbindung mit eiZelle seiner Spaltung auf den Organismus vollnem weiteren Sauerstoffatom auf — und ständig zu beseitigen. Denn bei allen jedes Sauerstoffatom gleicht dem anderen Zellkern Stoffwechselreaktionen, an denen Sauerden Elektronenmangel aus. Daher auch stoff beteiligt ist, entstehen auch die so der Name O2. Dies Kürzel bezeichnet zwei genannten Freien Radikale. verbundene Sauerstoffatome. GRAFIKEN: DPNY

Die Zelle

Wie andere Elemente besteht auch Sauerstoff aus Elementarteilchen, den Atomen. Jedes Sauerstoffatom enthält einen positi-

In dieser Verbindung, die durch die gepaarten Elektronen stabilisiert ist, sind Sauerstoffverbindungen eher „träge“, das heißt,

Zellmembran

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Antioxidativ wirksame Pflanzenstoffe chon lange wird von Ernährungsfachleuten eine Kost empfohlen, die besonders reich an Gemüse und Obst ist. Zunächst wurde diese Empfehlung mit dem hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen begründet. Mit den Fortschritten der wissenschaftlichen Erkenntnis hat sich jedoch gezeigt, dass in Gemüse und in Früchten noch viel mehr Gesundes steckt: die so genannten sekundären Pflanzenstoffe. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Pflanzeninhaltsstoffen mit spezifischen, für den menschlichen Organismus überaus gewinnbringenden Eigenschaften. Hierzu zählen auch viele antioxidativ wirksame Substanzen.

FOTO: DPNY

S

Mit einer dieser Substanzen sind wir schon seit langem vertraut: mit dem Beta-Carotin. Lange Zeit war die einzige Bedeutung, die diesem Pflanzenstoff zugemessen wurde, seine Funktion als Vorstufe des Vitamins A. Heute weiß man aber, dass Beta-Carotin darüber hinaus auch als Antioxidans eine wichtige Funktion ausübt. Beta-Carotin ist in der Lage,

„aktivierten“ Sauerstoff (Singulett-Sauerstoff) unschädlich zu machen. Dieser Sauerstoff ist zwar selbst kein Radikal, kann aber leicht die Radikalbildung auslösen. Singulett-Sauerstoff trägt wegen seiner gesteigerten Reaktionsbereitschaft in besonderem Maße zur Bildung Freier Radikale bei. Darüber hinaus hemmt Beta-Carotin die Lipidperoxidation der Zellmembranen und ergänzt damit die Arbeit der Vitamine C und E und der körpereigenen Enzyme. Genauso wie die antioxidativen Vitamine trägt auch Beta-Carotin dazu bei, das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und der Entstehung des grauen Stars zu senken. Eine besondere Rolle spielt das Beta-Carotin in der Haut. Intensive Sonnenbestrahlung regt eine verstärkte Produktion Freier Radikale in der Haut an. Diese können Schädigungen und eine vorzeitige Alterung der Haut bewirken. Beta-Carotin ist in der Lage, sich in der Haut einzulagern und radikalbedingte Hautschäden zu verhindern. Beta-Carotin ist nicht das einzige Mitglied der Carotinoid-Familie, das derartige antioxidative Fähigkeiten besitzt. Beta-Carotin ist lediglich der bekannteste

Vertreter dieser großen Klasse von gelb bis rötlich gefärbten Pflanzenstoffen; sie sind mannigfach in Obst und Gemüse enthalten. Besonders bekannt für die antioxidative Wirkung ist neben dem Beta-Carotin auch das Lycopin aus Tomaten. Viele Studien geben überzeugende Hinweise darauf, dass eine gute Versorgung mit Lycopin mit einem reduzierten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden kann. Zwei weitere wichtige Carotinoide sind Lutein und Zeaxanthin, die besonders in der Linse des Auges und im Bereich der Netzhaut aktiv sind. In diesem empfindlichen Gewebe bilden sich leicht Freie Radikale, die von Lutein und Zeaxanthin abgefangen werden können. Eine weitere Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe mit antioxidativem Potenzial ist in den letzten Jahren sehr in den Mittelpunkt des Interesses der Wissenschaft gerückt: die Gruppe der Bioflavonoide. Viele Studien haben bestätigt, dass diese sekundären Pflanzenstoffe sehr effektive Radikalenfänger sind. Wie Vitamin E verhindern sie auch die Lipidperoxidation und die dadurch ausgelöste Radikal-Kettenreaktion. Besonders reich an Flavonoiden sind die Schalen und die Kerne von Früchten (z. B. Trauben) sowie grüner Tee und Rotwein.

Wissenswert

Lycopin, ein Carotinoid das fast nur in Tomaten vorkommt, gilt als besonders guter Radikalen-Fänger.

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Brauchen Leistungssportler mehr Vitalstoffe? Durch den intensiven Energiestoffwechsel von Leistungssportlern werden vermehrt Freie Radikale gebildet. Vor allem Beta-Carotin, die Vitamine C und E sowie Coenzym Q10 und Lycopin sind wichtig. Auch der Bedarf an den Vitaminen B1, B 2, B 6, Niacin und Pantothensäure ist bei Leistungssportlern erhöht.


Vorurteile über Nahrungsergänzungsmittel Wieder und wieder wird in der öffentlichen Diskussion und in den Medien der Nutzen von ergänzenden Vitamin- und Mineralstoffgaben angezweifelt. Auf welche Fakten stützen die Gegner von Nahrungsergänzungen ihre Ablehnung? Was spricht bei genauer Betrachtung tatsächlich für Multivitalstoff-Präparate? Und was spricht eigentlich gegen eine zusätzliche Aufnahme von Vitalstoffen?

KURZ GESAGT Wozu brauche ich zusätzliche Vitamine, wenn ich mich gesund ernähre? Ist das, was ich als „Pille“ nehme, genauso wertvoll wie ein Apfel? Hier finden Sie die Antworten auf diese und andere Fragen.

„Bei einer ausgewogenen

Natürliches und synthetisches Vitamin E im Vergleich

Ernährung wird der Körper ausreichend mit allen Vitalstoffen versorgt.

Vitamin-E-Serumspiegel (µ mol/l)

Tatsächlich ist bei einer ausgewogenen Ernährung nicht mit gravierenden Nährstoffdefiziten zu rechnen. Menschen, die den Empfehlungen der WHO entsprechend mehr als ein halbes Kilo Gemüse und Obst, dazu Vollkornprodukte sowie Milch und Milchprodukte verzehren, sind in der Regel besser mit Vitalstoffen versorgt als die Durchschnittsbevölkerung. Allerdings zeigte sich in Untersuchungen, dass weite Teile der Bevölkerung sich allein mit der Nahrung nicht die empfohlene Menge an Vitalstoffen zuführen. Diese Kenntnisse wurden der Nationalen Verzehrsstudie entnommen, einer Studie, die den Zweck hatte, einen besseren Überblick über die tatsächliche Versorgungslage der Bevölkerung zu erhalten. Als Mangelvitalstoffe stehen Jod und Folsäure ganz obenan. Im Durchschnitt wird nur die Hälfte der empfohlenen Jod- und Folsäuremengen mit der täglichen Nahrung aufgenommen. Bei vielen anderen Vitalstoffen liegt die tägliche Versorgung der Bevölkerung zwar im „grünen Bereich“, aber immer noch unterhalb der wünschenswerten Menge. Oft sind auch chronische Erkrankungen oder altersbedingte Verdauungsschwierigkeiten schuld

55 50 45 40 35 30 25

0

3

7

14

28

Zeit (in Tagen) 100 mg d-alpha-Tocopherol (natürliche Form) 100 mg dl-alpha-Tocopherol (synthetische Form) Natürliches Vitamin E hat verglichen mit synthetischem Vitamin E eine bessere Bioverfügbarkeit. Die Vitamin-E-Serum-Spiegel steigen durch natürliches Vitamin E an. Bei synthetischem Vitamin E erfolgt kaum eine Änderung.

an einem schlechten Vitalstoffstatus. Unzureichende Blutspiegel vieler Vitalstoffe wurden in vielen Studien festgestellt. Mit Ausnahme von Vitamin E gleichen natürliche und synthetische Vitamine sich als ein Ei dem andern.

Quelle: Kiyose et al Am J Clin Nutr 65 (1997)

Vorurteil 1

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Nachfolgend finden Sie häufig vorgetragene Argumente der Gegner von Nahrungsergänzungen, die wir für Sie wissenschaftlich beleuchtet und kritisch hinterfragt haben.

Vorurteil 2

„Künstlich hergestellte Vitalstoffe kann der Körper gar nicht verwerten.“ Die Art der Gewinnung beeinträchtigt grundsätzlich nicht die Verfügbarkeit und die Wirksamkeit von Vitalstoffen. Ob natürlich oder synthetisch: Die Stoffe sind identisch, und unser Körper erkennt gar nicht, ob sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind. Das konnte in unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt werden. In diesem Punkt besteht nicht der geringste Zweifel. Auch die Herkunft der synthetischen Substanzen spielt keine Rolle – es ist für den Körper absolut unerheblich, woraus beispielsweise die Substanz Vitamin C gewonnen wurde. Die chemische Struktur eines synthetischen und die eines natürlichen Vitamins C gleichen sich mehr als ein Ei dem anderen: Sie sind vollkommen identisch. Die Ausnahme stellt Vitamin E dar: Das natürliche Vitamin E ist dem synthetischen tatsächlich klar überlegen. Bei Vitamin E handelt es sich allerdings um eine Substanzgruppe. Und unter den verschiedenen Formen enthält das natürliche Vitamin E mehrere, die der Körper bevorzugt aufnimmt. Diese Formen werden auch bevorzugt in Blutlipide eingebaut, die das Vitamin E in die Zellen einschleusen. Eine Nahrungsergänzung sollte in jedem Fall die natürliche Variante des Vitalstoffs enthalten.

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Der Vergleich macht es deutlich: Unsere heutige Ernährung hat kaum noch etwas mit den natürlichen Nahrungsbedingungen der Menschen zu tun. Der moderne Mensch nimmt viel weniger Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe zu sich als sein Urahn. Das liegt zum großen Teil daran, dass heute viel mehr Fleisch gegessen wird.

Ernährungsgewohnheiten früher und heute – ein Vergleich Ernährung unserer Urahnen Folsäure (mg/Tag)

360

170

Vitamin C (mg/Tag)

600

80

Vitamin A (µg/Tag)

17

7

Vitamin E (mg/Tag)

33

8

Zink (mg/Tag)

43

10

2000

750

Kalium (g/Tag)

10,5

2,5

Natrium (g/Tag)

0,8

4

Ballaststoffe (g/Tag)

100

12

21

42

Calcium (mg/Tag)

Gesamtfett (% der

Vorurteil 5

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zugeführten Kalorien)

Vorurteil 3

„Gleichzeitig aufgenommene Vitalstoffe behindern sich gegenseitig; und die zusätzlichen Vitalstoffe kommen gar nicht erst im Blut an.

Diese Aussage ist falsch. Auch in unseren Lebensmitteln haben wir eine Vielfalt unterschiedlicher Vitalstoffe, die wir selbstverständlich gleichzeitig aufnehmen. Zudem ist bei einer Reihe von Vi-

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Obst und Gemüse sollte man so frisch wie möglich verzehren, dann ist der Vitalstoffgehalt am höchsten.

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Unsere heutige Ernährung

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lung für Vitamin C zwar bei 100 mg pro Tag, aber selbst Dosierungen von 3.000 bis 4.000 mg können allenfalls etwas Magen-Darm-Grummeln oder leichten Durchfall auslösen. Bei den fettlöslichen Vitaminen A und D sowie bei Spurenelementen wie Selen oder Fluor hat eine Überdosierung leichte Nebenwirkungen, die sofort wieder verschwinden, sobald der Vitalstoff abgesetzt wird. Außerdem dürfen diese Substanzen gar nicht in einer Dosierung in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden, die Nebenwirkungen verursachen könnten. Und die negativen Effekte treten erst nach regelmäßiger Zufuhr von überhöhten Dosierungen ein. Im allgemeinen ist eine Überdosierung bei normaler Verwendung gar nicht möglich. Selbst Menschen, die nach dem Motto „Viel hilft viel“ vorgehen, müssten regelmäßig viel größere Mengen eines Vitalstoff-Präparates zu sich nehmen, als die Verzehrempfehlung angibt, um diese Nebenwirkungen zu erfahren.

taminen und Mineralstoffen die Verfügbarkeit aus Nahrungsergänzungsmitteln sogar deutlich besser als die Verfügbarkeit aus Lebensmitteln. Das hängt damit zusammen, dass bei Lebensmitteln erst ein Zellaufschluss bzw. Verdauungsvorgang erfolgen muss, bevor der Vitalstoff aufgenommen werden kann. Besonders hochwertige Vitalstoff-Produkte enthalten die Vitalstoffe bereits aufgelöst in einer Soft-Gel-Kapsel – so hat es der Körper leichter, sie aufzunehmen.

Vorurteil 4

„Zusätzliche Vitalstoffe führen zu einer Überdosierung, die schädliche Nebenwirkungen hat.

Auch das ist falsch. Von fast allen Vitalstoffen können wir enorme Mengen verzehren, ohne dass irgendein unerwünschter Effekt auftritt. Sie sind auch in Dosierungen, die weit über der üblichen Zufuhrmenge liegen, absolut unschädlich. So liegt die Zufuhrempfeh-

„Studien haben ergeben, dass zu viel Beta-Carotin bedenklich ist.“ Tatsächlich wurden zwei Studien durchgeführt, in denen Beta-Carotin in hoher Dosierung zur Anwendung kam, aus denen sich eine Bedenklichkeit anscheinend schlussfolgern ließ. Es handelt sich um die so genannte ATBC- und um die CARET-Studie. Von ihnen versprach man sich, den Schutzeffekt des VitaminA-Vorläufers Beta-Carotin gegen Lungenkrebs zeigen zu können. Beta-Carotin entfaltet seine Schutzwirkungen insbesondere ganz am Anfang der Krebsentstehung; es verhindert die allerersten Zellschädigungen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Krebsentstehung ein langjähriger Prozess ist. Bis es zu einem Tumor kommt, der sichtbar oder fühlbar ist, vergehen oft mehrere Jahrzehnte. In diesen beiden Studien wurden langjährige starke Raucher und Arbeiter, die mit Asbest in Berührung gekommen waren, als Versuchspersonen gewählt, also Menschen, die vermutlich bereits eine ganze Anzahl weiter entwickelter Krebszellen im Körper trugen. In den Studien ergab sich, dass in der Gruppe, die Beta-Carotin als Nahrungsergänzung


erhielt, mehr Lungenkrebsfälle auftraten als in der Vergleichsgruppe, die kein Beta-Carotin erhielt. Es wäre jetzt allerdings vollkommen falsch, davon abzuleiten, dass Beta-Carotin krebserregend sei. Ganz im Gegenteil, diesen von Kritikern gern zitierten Studien stehen zahllose weitere Studien gegenüber, die die vor Krebs schützende Wirkung von BetaCarotin nachgewiesen haben. Dass die oben angeführten Studien nicht ebenfalls zu diesem Ergebnis kamen, liegt wahrscheinlich an der Auswahl der Versuchspersonen. Sie wiesen höchstwahrscheinlich bereits Krebsvorstufen auf und erhielten Beta-Carotin also viel zu spät, um noch von der krebsvorbeugenden Wirkung zu profitieren. Außerdem sind viele Experten der Meinung, dass die Beta-Carotin-Verabreichung in diesen Studien nicht nur zu spät, sondern auch über einen viel zu kurzen Zeitraum erfolgte. Die meisten Wissenschaftler sind deshalb der Meinung, dass die Versuchspersonen so viele Unwägbarkeiten in die Studie einbrachten, dass sie nicht geeignet waren, um den Schutzeffekt von Beta-Carotin zu untersuchen.

Vorurteil 6

Vorurteil 7

Unzählige Untersuchungen verweisen auf einen großen Nutzen von ergänzenden Vitalstoffgaben. So hat sich z. B. gezeigt, dass ein höhere Zufuhr von antioxidativ wirkenden Vitalstoffen die Oxidation von Cholesterin verhindert. Dadurch tragen die Vitalstoffe zum Schutz vor bestimmten Arteriosklerose-fördernden Prozessen im Körper bei. Hierbei ist neben einer ausreichenden Versorgung mit Antioxidanzien insbesondere die ausreichende Aufnahme von Folsäure sowie der Vitamine B6 und B12 von Vorteil, da diese die Konzentration des schädigenden Homocysteins im Blut reduzieren.

Dieses Vorurteil geht zurück auf Vorfälle mit Sportlern, denen eine Belastung mit Dopingmitteln nachgewiesen werden konnte. Diese Sportler versuchten, sich mit der Behauptung freizusprechen, sie hätten erlaubte Nahrungsergänzungen eingenommen, die angeblich mit Dopingmitteln verunreinigt waren. Eine solche Rechtfertigung war nur in Einzelfällen zu halten — dabei handelte es sich um Nahrungsergänzungen, die aus zweifelhaften Quellen aus dem Ausland bezogen wurden. In Deutschland offen im Handel erhältliche Nahrungsergänzungen müssen strenge gesetzliche Auflagen erfüllen, sodass eine Verunreinigung ausgeschlossen werden kann.

„Nahrungsergänzungen bringen keinen sind mit anderen Stoffen gesundheitlichen Nutzen.“ verunreinigt.“

„Nahrungsergänzungen

Außerdem ist bekannt, dass eine gute Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr die Knochenstabilität fördert und dass eine ausreichende Jodzufuhr die Funktion der Schilddrüse gewährleistet. Und es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren Nachweisen, die für eine Nahrungsergänzung auch bei ausgewogener Ernährung sprechen.

Die bei MEDICOM erhältlichen Nahrungsergänzungen werden zudem nach den noch strengeren Standards für die Medikamentenherstellung produziert; diese Sicherheitsbestimmungen schließen eine Verunreinigung völlig aus.

Wissenswert Haben Obst und Gemüse immer denselben Vitamingehalt? Nein! Bevorzugen Sie immer das saisonale Angebot an Gemüse und Obst in Ihrer Region. Das heißt, essen Sie das, was gerade erntereif ist. Kein Spargel und keine Erdbeeren im Winter, keine Apfelsinen im Sommer. Denn dann kommen sie aus Übersee oder aus dem Treibhaus. Und lange Transportwege beeinflussen nicht nur den Vitalstoffgehalt negativ – auch der Geschmack lässt dann meist zu wünschen übrig.

Angeblich verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel wurden vorgeschoben, um Leistungssportler von Dopingvorwürfen zu entlasten. FOTO: PHOTODISC

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Die Grundbausteine unserer Ernährung

Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Ballaststoffe Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen die Bedeutung der Hauptnährstoffe und ihre Funktion schildern.

Wissenswert

Eine gesunde Ernährung ist keine schnelle Angelegenheit. Genuss will Weile haben.

Ist Obst und Gemüse aus Bioanbau vitalstoffreicher? Nein, aber Lebensmittel aus biologischem Anbau wachsen ohne chemische Behandlung und ohne umweltschädliche Düngemittel.


Kohlenhydrate

Wissenswert Warum ist Vollkornbrot so gesund? Der Vitalstoffgehalt von Weizenmehlen hängt von deren Ausmahlungsgrad ab. Bei niedrig ausgemahlenem hellem Weizenmehl des Typs 405 beträgt der Verlust von beispielsweise Vitamin B1 fast 90 Prozent. Für eine vitaminreiche Ernährung sind Vollkornmehle mit einer hohen Typenzahl, beispielsweise 1.700 besser. Darüber hinaus enthalten Vollkornprodukte wesentlich mehr Mineralstoffe und Ballaststoffe.

Wir nehmen jedoch meist viel zu viele Einfachzucker und zu wenige komplexe Kohlenhydrate zu uns. Einfachzucker

MEDICOM-Tipp Wie gelangen Lebensmittel möglichst vitalstoffreich auf den Teller? Wenn Sie die Möglichkeit haben, kaufen Sie direkt beim Erzeuger – beim Bauern. Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Geflügel sollten gleich am Einkaufstag und kurz vor dem Essen zubereitet werden. Frische Nahrungsmittel nicht offen herumliegen lassen. Je weniger Kontakt zu Licht, Luft und Hitze, desto besser für den Vitalstoffgehalt der Lebensmittel. Am besten Obst und Gemüse kurz nach dem Einkaufen im Kühlschrank aufbewahren, dort hält es sich länger frisch.

Nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln, die viele Einfachzucker enthalten, erlebt man meist einen Energieschub — und einige Zeit später ein Tief. Dieser Ablauf kommt in Gang durch den schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, ausgelöst vom plötzlichen Überangebot an Kohlenhydraten.

FOTO: PHOTODISC

FOTO: AID e.V., MEIER

Kohlenhydrate sind, chemisch gesehen, einfache Verbindungen, die von Pflanzen aus Kohlendioxid, Sauerstoff und Wasser gebildet werden. Energielieferant für diese Synthese ist die Sonne. Die auf diese Weise in Kohlenhydraten festgelegte Energie nutzen Mensch und Tier zur Aufrechterhaltung ihrer Stoffwechselvorgänge. Kohlenhydrate sind neben Fett die wichtigsten Energielieferanten unserer Nahrung. Die einfachsten Kohlenhydrate sind Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Saccharose (Haushaltszucker). In komplexen Kohlenhydraten sind solche Einfachzucker untereinander verbunden; sie bilden damit eine Speicherform dieser Energielieferanten. Zum überwiegenden Teil werden die Kohlenhydrate – egal, in welcher Form sie aufgenommen werden — vom Körper in Glucose umgewandelt. Diese Glucose wird dann „verbrannt“; dabei liefert sie unserem Körper die Energie, die er braucht.

aus Süßigkeiten, Fertiglebensmitteln und Haushaltszucker kann der Körper sehr schnell resorbieren. Einfachzucker werden sofort ins Blut aufgenommen und dann schnell vom Stoffwechsel verarbeitet. Sie sättigen nicht anhaltend, sondern es kommt schnell wieder Hunger auf.

Der Körper reagiert mit einer starken Ausschüttung von Insulin, da Insulin für die Verwertung des Blutzuckers gebraucht wird. Es ermöglicht den Körperzellen die Aufnahme der Kohlenhydrate. Der Körper versucht, die hohen Zuckerwerte im Blut wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Bei einer sehr starken Ausschüttung von Insulin gestaltet sich diese Reaktion überschießend. Das bedeutet, die hohe Menge des Insulins im Blut führt dazu, dass der Blutzuckerwert schnell und auf ein sehr niedriges Niveau fällt. Das kann dann zu Unwohlsein und zu Hungergefühlen führen. Auch Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit oder depressive Verstimmungen können von raschen oder hohen Schwankungen des Blutzuckerspiegels ausgelöst werden.

Auch Fleisch, Fisch und Geflügel sollten Sie nicht länger als ein bis zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren.

viele Vitalstoffe im Waschwasser. Auf keinen Fall das geschnittene Obst oder Gemüse im Wasser liegen lassen.

Milch und Milchprodukte, aber auch Öle sind am vitalstoffsichersten im Kühlschrank aufgehoben.

Beim Putzen und Schälen nur das Nötigste entfernen.

Milch, Orangensaft oder Pflanzenöle bewahren Sie am besten in braunen Flaschen auf. So sind sie besser vor dem zerstörerischen Einfluss des Lichtes geschützt. Auch im Kühlschrank gilt: Alle Lebensmittel gut verschlossen aufbewahren, damit sie vor dem Sauerstoff der Luft geschützt sind. Ganz wichtig: Gemüse vor dem Zerkleinern kurz und gründlich waschen, sonst enden zu

Gemüse nicht stärker zerkleinern als erforderlich.

Ein knackiger Salat braucht viel Aufmerksamkeit, wenn alle Vitalstoffe erhalten bleiben sollen.

Temperatur und Kochzeit so niedrig wie möglich halten. Auf keinen Fall übergaren. Unbedingt ein langes Warmhalten von Mahlzeiten vermeiden, besser schnell abkühlen und dann wieder aufwärmen. Beim Aufwärmen nicht aufkochen. Achtung: Je öfter Sie aufwärmen, desto weniger Vitalstoffe bleiben am Leben. FOTO: DPNY

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Ballaststoffe

FOTO: AID e.V., MEIER

Darüber hinaus gibt es Hinweise aus der wissenschaftlichen Forschung, dass hohe Insulinspiegel langfristig Arteriosklerose fördern können. Komplexe Kohlenhydrate, wie beispielsweise in Vollkornbrot enthalten, werden langsamer ins Blut aufgenommen und verursachen keine raschen Blutzuckerschwankungen. Der hohe Gehalt an Ballaststoffen solch ursprünglicher Lebensmittel erleichtert und beschleunigt zudem die Darmpassage. Das kann sogar bedeuten, dass ein Lebensmittel den Körper wieder verlassen hat, bevor ihm im Darm alle Energie liefernden Bestandteile komplett entzogen wurden. Diese Vorgänge sind jedoch sehr individuell, und es lässt sich hierfür weder eine Faustregel noch eine bestimmte Nahrungszusammensetzung festlegen.

Nicht grundsätzlich verboten, aber mit Vorsicht zu genießen: Zucker und Co.

Versuchen Sie, möglichst nicht so viel raffinierten Zucker aufzunehmen, sondern Kohlenhydrate in ihrer natürlichen Form zu verzehren: als Vollkornprodukte und als Gemüse. Auch Karies kann – wie jeder weiß – eine der unangenehmen Folgen hohen Zuckerkonsums sein.

Ballaststoffe sind unverdauliche Nahrungsbestandteile. Früher glaubte man, Ballaststoffe seien unnötige Nahrungsbestandteile – Ballast eben. Geblieben ist nur der Name. Heute weiß man, wie wichtig sie für unsere Gesundheit sind. Ballaststoffe vereinfachen die Darmpassage und verringern die Verstopfungsgefahr. Darüber hinaus erleichtern sie den Abtransport schädlicher Substanzen aus dem Darm. Studien haben gezeigt, dass der Verzehr großer Mengen von Ballaststoffen das Risiko verringert, an Darmkrebs zu erkranken. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Obst und Gemüse enthalten einen hohen Anteil an Ballaststof-

Verluste von Nährstoffen, bezogen auf Herstellungsverfahren, Lagerung beziehungsweise Vorbereitung Lebensmittel

Verarbeitung

Nährstoffe

Verlust

Hülsenfrüchte (z. B. Bohnen, Linsen) Huhn Fisch Milch

Gekocht

Kupfer, Eisen, Zink

15-30 %

Tiefgekühlt Eingedost Pasteurisiert Ultrahomogenisiert Gebraten Gebraten Tiefgekühlt Tiefgekühlt Gekocht Gedämpft Gekocht Gekocht

Vitamin B1, B2 und Niacin B-Vitamine Vitamin C und B-Vitamine Vitamin C und Folsäure Vitamin B1, B6, Pantothensäure Kalium, Magnesium Vitamin C Vitamin C Vitamin B1, B2, Folsäure, Vitamin C Vitamin B1, Folsäure, Vitamin C Carotinoide Magnesium, Zink, Kalzium

10-40 70 10-25 15-30 35-60 25-30 45 25 50-75 30-40 20-35 25-40

Gekocht Gekocht Raffiniert

Vitamin B1, B2, B6 B-Vitamine Vitamin E

50 % 35-50 % 70 %

Lichtexposition für längere Zeit Konservenabfüllung Gekocht Gebacken und für 3 Tage gelagert Raffiniert

Vitamin E

30-60 %

Vitamin A Eisen, Magnesium, Kalium Vitamin B1, B6

20-30 % 25-40 % 25 %

Vitamin E, B-Vitamine, die meisten Mineralstoffe und Spurenelemente

50-95 %

Rindfleisch Schweinefleisch Erdbeeren Aprikosen Gemüse

Gemüse (z. B. Spinat, Blumenkohl, Lauch) Reis, poliert Hülsenfrüchte Pflanzenöle (z. B. Sonnenblumenöl, Sojaöl) Gemüse Vollkornteigwaren Brot Weizenmehl, Reis

FOTOS AUF SEITEN 35: PHOTODISC

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% % % % % % % % % % % %


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fen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass Ballaststoffe den Cholesterinspiegel senken, die Entstehung eines Kolonkarzinoms hemmen und den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Zwar ist auch bekannt, dass Ballaststoffe die Aufnahme von Mineralstoffen erschweren; andererseits enthalten ballaststoffreiche Lebensmittel durchschnittlich viermal mehr Mineralstoffe als ballaststoffarme Produkte. Die Mineralstoffversorgung ist also auch bei einem Verzehr von größeren Mengen von Ballaststoffen immer besser, da Ballaststoffe mit den vitalstoffreichen Lebensmitteln aufgenommen werden. Die Zufuhr isolierter Ballaststoffe, wie etwa von Weizenkleie, kann allerdings tatsächlich zu einer Verschlechterung der Mineralstoffversorgung führen.

Ballaststoffe sind kein Ballast, sondern besonders wertvoll.

Eiweiße (Proteine) Proteine sind nur selten Energielieferanten. Proteine nutzt der Körper als Baustoffe, aber auch für zahlreiche Steuerungsprozesse, um die Körperfunktionen in Einklang zu bringen. So sind auch viele Hormone und alle Enzyme Proteine. Proteine bestehen aus Aminosäuren. Der menschliche Körper ist in der Lage, aus 20 verschiedenen Aminosäuren Proteine mit den unterschiedlichsten Eigenschaften zu bilden. Es gibt essenzielle und nicht-essenzielle Aminosäuren. Die essenziellen Aminosäuren müssen wir mit der Nahrung aufnehmen. Die nicht-essenziellen Aminosäuren kann der Körper selbst bilden. Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukte und Eier sind reich an Proteinen. Aber auch

Wissenswert Wie viele Vitalstoffe verlieren Lebensmittel bei der Zubereitung? Je intensiver gewaschen, geschnitten oder gekocht wird, desto höher sind die Vitalstoffverluste. Das kann auch bis zur völligen Vitalstofffreiheit eines Gerichtes gehen.

pflanzliche Lebensmittel sind gute Proteinlieferanten. Um den Proteinbedarf eines Menschen mit einem Körpergewicht von 75 kg zu decken, genügen bereits ein Becher Joghurt, 2 Scheiben Vollkornbrot und ein mittelgroßes Stück Käse. Das verdeutlicht, wie sehr unsere Ernährung mit Proteinen überfrachtet ist. Das liegt natürlich daran, dass wir heutzutage fast täglich Lebensmittel tierischen Ursprungs verzehren. Die Einwohner von Industrieländern verzehren durchschnittlich das Zwei- bis Dreifache der empfohlenen Eiweißmenge. Das war mal anders: Noch Ende des 18. Jahrhunderts war der tägliche Verzehr von Kohlenhydraten in ihrer natürlichen Form noch wesentlich höher. Ballaststoffhaltige Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide spielten noch die Hauptrolle auf den Speiseplänen. Der Anteil tierischen Proteins an der Gesamtproteinzufuhr betrug damals etwa 6 %. Heutzutage sind es circa 65 % der Gesamtproteinaufnahme, die Lebensmitteln tierischen Ursprungs entstammen. Unsere Vorfahren verzehrten überwiegend pflanzliche Proteinträger – sie ernährten sich gesünder. Proteine und Aminosäuren sind lebensnotwendig und daher für den Menschen auch in größerer Menge zunächst nicht schädlich.

Wissenswert Rote, grüne oder gelbe Paprikaschoten – haben alle gleich viel Vitamine? Grüne Paprikaschoten sind reifer und deshalb auch vitaminreicher als rote und gelbe

Schon gewußt?

B

ei zu starker Erhitzung von ungesättigten Fettsäuren können die Gesundheit schädigende Stoffe entstehen. Sie sollten Öle, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, deshalb nicht zum Braten oder zum Frittieren verwenden, sondern nur zum Dünsten oder zum Anmachen von Salaten. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren findet man vor allem in ungehärteten pflanzlichen Ölen. Omega-3-Fettsäuren kommen in Fischen wie Makrelen oder Heringen vor. Diese Fettsäuren können die Blutgerinnungszeit verlängern und einige Blutfettwerte senken. Sie könnten dadurch positive Wirkungen bei Thrombosen und Herzinfarkten haben. Das würde die – trotz hohen Fettkonsums – ungewöhnlich niedrige Herzinfarktrate von Eskimos erklären. Hirnblutungen treten bei Eskimos allerdings wegen der verringerten Blutgerinnung häufiger auf. Einige wissenschaftliche Studien enthalten darüber hinaus plausible Hinweise, dass Omega3-Fettsäuren auch einen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben könnten und entzündungshemmend sind. Fisch sollte also ruhig öfter als bisher auf der Speisekarte stehen. Omega-3-Fettsäuren stammen aus Plankton und Meeresalgen, das heißt, dass Meeresfische die Hauptquelle für Omega-3-Fettsäuren sind. Mit Fischfutter gefütterte Zuchtfische enthalten viel geringere Mengen der so nützlichen Fettsäuren als Meeresfische.

Bei normaler Zubereitung liegen die Vitaminverluste in etwa bei: Vitamin A Vitamin E Vitamin B1 Vitamin B2 Vitamin B6 Pantothensäure Folsäure Vitamin C

25 % 15 % 30 % 15 % 25 % 25 % 40 % 30 %

FOTO: DPNY

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Fett Fett ist sehr energiereich. Es ist der Träger von essenziellen (lebensnotwendigen) mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie werden nicht nur für den Aufbau von Zellmembranen benötigt, sondern auch in wichtige Gewebshormone (Prostaglandine) umgesetzt. Diese steuern zahlreiche Funktionen wie die Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen, aber auch die Blutgerinnung oder Reaktionen des Immunsystems. Fette dienen zudem als Schutzschicht für Organe, z. B. die Nieren. Fette sind auch als Strukturfett im Gehirn von Bedeutung. Auch unter der Haut

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Wissenswert Eignet sich Tiefkühlkost für eine vitalstoffreiche

KURZ GESAGT

Ernährung? Den höchsten Gehalt an

Ein Gramm Fett liefert doppelt so viele Kalorien wie 1 Gramm Eiweiß oder 1 Gramm Kohlenhydrate.

Vitaminen haben selbstverständlich frisch geerntete Lebensmittel. Die Vitalstoffverluste während Blumenkohl zum Beispiel verliert binnen 3 Tagen Lagerung 50 Prozent seines Vitamingehaltes. Erntefrisch tiefgefrorenes Gemüse bietet meist mehr Vitalstoffe als das klassische Supermarktgemüse. Neben frischem Obst und Gemüse sind tiefgekühlte Lebensmittel die nächst-

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beste Wahl.

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Eine fettarme Ernährung liefert nur wenig fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, E, D und K.

Das Fettgewebe von Mann und Frau unterscheidet sich. Das weibliche Fettgewebe ist weniger straff. Das führt dazu, dass Frauen eher zur „Apfelsinenhaut“ oder Cellulite neigen als Männer.

kommt ihnen als Isolierschicht eine wichtige Bedeutung für den Wärmeschutz zu. Sie sorgen dafür, dass wir auch in Hungerphasen, die heutzutage allerdings eher selten sind, auf Energiereserven zurückgreifen können. Fettlösliche Vitamine wie die Vitamine A, D, E und K liegen in Fetten von LeMännliches Fettgewebe Weibliches Fettgewebe bensmitteln vor; sie könnDie Fettkammern der Bei der Frau liegen die ten ohne die Anwesenheit männlichen Haut sind Fettkammern vertikal von Fett in der Nahrung horizontal angeordnet. nebeneinander und biegar nicht aufgenommen Das Bindegewebe ist ten den Fettzellen mehr werden. Nicht zuletzt geelastischer. Die OberPlatz. Die Ober- und nießen wir Fette deshalb, und Lederhaut ist dicker Lederhaut ist dünner weil sie Geschmacksträger als bei den Frauen. als bei den Männern. in der Nahrung sind und weil ein fettloses Essen hoher Fettverzehr führt indirekt dazu, leicht „staubig und fade“ schmeckt. Dass dass weniger Kohlenhydrate, BallaststofÖl, Sahne und fettes Fleisch viel Fett entfe, Vitamine und Mineralstoffe aufgehalten, ist erkennbar, während der Fettnommen werden. Täglich sollten deshalb gehalt anderer Lebensmittel, wie beinicht mehr als 30 % der gesamten Enerspielsweise vieler Wurst-, Käse- und Kugiezufuhr Fetten entstammen. chensorten, meist unterschätzt wird. Ein

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der Lagerung sind enorm.


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E

rnährung heute und vor 200 Jahren: Was hat sich geändert?

In den letzten 200 Jahren ist der Verbrauch der folgenden Lebensmittel deutlich gesunken.

Der Verbrauch dieser Lebensmittel ist in den letzten 200 Jahren wesentlich gestiegen.

Der Anteil von Getreide in der Ernährung ist auf unter 30 % des früheren Verbrauchs zurückgegangen.

Vitalstoffarme, niedrigausgemahlene Mehle machen über 80 % des Getreideverbrauchs aus (18 % der gesamten Energiezufuhr).

Der Anteil von vollwertigen, hochausgemahlenen Mehlen ist auf unter 20 % des früheren Verbrauchs gesunken.

Die Zufuhr isolierter Zucker stieg von geringen Mengen auf etwa 110 g pro Person und Tag (etwa 11 % der gesamten Energiezufuhr).

Auch der Ballaststoffanteil in unserer Ernährung beträgt nur noch weniger als 25 % des früheren Anteils.

Der Fettanteil ist von vormals 10 % auf heutzutage etwa 36 % der Gesamtenergiezufuhr angewachsen.

Der Anteil der Kohlenhydrate ist von fast 80 % auf etwa 45 % der gesamten Energiezufuhr zurückgegangen.

Lebensmittel tierischer Herkunft liefern mittlerweile schon etwa 45 % der gesamten Energiezufuhr. Der Anteil der Proteine tierischer Herkunft in unserer Ernährung ist von unter 20 % auf über 65 % der Gesamtzufuhr gestiegen. Alkohol macht bereits 5 % der Gesamtzufuhr aus. Die Menge von nahezu ballaststofffreien Lebensmitteln ist auf das Fünffache gestiegen.

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Die ausgewogene und vollwertige Ernährung unserer Vorfahren führte natürlich auch zu einer sehr guten Vitalstoffversorgung. Fett spielte ebenfalls keine so große Rolle, es gab täglich genug Ballaststoffe und nur so viel Natrium wie nötig. Hätte man damals schon über die heutigen medizinischen Möglichkeiten verfügt – die Menschen wären wohl steinalt geworden.

Heute überwiegen in unserer Ernährung die ungesunden Nahrungsbestandteile. Zu wenig Vitalstoffe, zu wenig Ballaststoffe, zu viel Fett und zu viel Natrium. Und trotz unserer fortschrittlichen Medizin steigt die Zahl der Zivilisationskrankheiten und der von ihnen Betroffenen.


Vitalstoffe Von Vitamin A bis Zink Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen die wesentlichen Vitalstoffe und ihre Aufgaben vorstellen. Nach einer kurzen Einleitung zur Bedeutung von Nährstoffen werden wir Ihnen schildern, wie bedeutsam die Rolle von Vitalstoffen für unsere Gesundheit ist. Auf den danach folgenden Seiten stellen wir Ihnen jeden Vitalstoff einzeln vor. Sie erfahren alles über die Folgen einer unzureichenden Versorgung, aber auch über die positiven Einflüsse, die jeder einzelne Vitalstoff auf die Gesundheit ausüben kann.

Wissenswert

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Sind in Fertiggerichten noch Vitamine? Circa 80 Prozent unserer Lebensmittel sind in irgendeiner Weise industriell bearbeitet. Je intensiver die Verarbeitung oder Zubereitung eines Lebensmittels ist, desto größer sind seine Vitalstoffverluste. Andererseits gilt natürlich: Je weniger Verarbeitungsschritte ein Lebensmittel durchläuft, desto mehr Vitalstoffe enthält es noch. Die meisten Fertiggerichte sind vorgekocht. Dabei werden bereits viele Vitalstoffe zerstört. Werden die Gerichte dann zu Hause noch einmal aufgewärmt oder gar gekocht, geht ein weiterer Teil der Vitalstoffe verloren. Deshalb: Lebensmittel möglichst frisch zubereiten.


hne Vitamine geht gar nichts – sie regeln den Ablauf wichtiger Stoffwechselvorgänge im Körper. Bei allen wesentlichen Auf-, Ab- und Umbauprozessen sind Vitamine unmittelbar beteiligt. Für den menschlichen Organismus sind sie lebensnotwendig, deshalb bezeichnet man sie als „essenziell“. Insgesamt gibt es 13 Vitamine, die sehr unterschiedliche Aufgaben im Körper erfüllen. Keines dieser Vitamine kann der Mensch selbst produzieren, sie müssen täglich mit der Nahrung aufgenommen werden. Auch viele „Nicht-Vitamine“ üben für unseren Körper lebenswichtige Funktionen aus. So ist die beste Vorbeugung gegen Krankheiten — neben dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol — immer noch der richtige Speiseplan. Unzählige wissenschaftliche Studien beweisen, dass sich die Ernährung sehr nachhaltig auf die Gesundheit auswirkt. Man glaubt es kaum: Falsche Ernährung ist für die gleiche Anzahl von Krebstodesfällen in den Industrieländern verantwortlich wie der Nikotingenuss – jeder der beiden Faktoren führte bei jeweils 30 % aller Betroffenen zur Begünstigung einer Krebserkrankung. Interessant: Bestimmte Krebsarten treten in einigen Ländern besonders häufig, in anderen wiederum sehr selten auf. Japaner erkranken beispielsweise seltener an Dickdarmkrebs als Menschen aus westlichen Industrienationen. Der Grund hierfür ist die fettarme und gemüsereiche Kost in Japan, die reich an Ballaststoffen, Vitaminen und anderen Schutzstoffen aus Pflanzen ist. Demgegenüber fördert in den USA der hohe Konsum an tierischen Fetten und dunklem Fleisch das Darmkrebsrisiko. In Japan ist dagegen die Magenkrebsrate weitaus höher. Das liegt am übermäßigen Salzkonsum (zum großen Teil aus gesalzenem Fisch), denn Salz setzt den Magenschleimhäuten arg zu. Eine weitere regionale Besonderheit, die zu einer erhöhten Krebsrate führt, sind sehr heiße Getränke. Der in Südamerika beliebte Matetee erhöht, weil er sehr heiß getrunken wird, nachweislich das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Jeder kann vorbeugen. Je nachdem, wie wir sie gestalten, kann unsere Ernährung einerseits dazu beitragen, Erkrankungen wie Krebs zu verhindern, andererseits kann eine Fehlernährung auch die Entstehung von Krankheiten begünstigen. Es gibt krebsfördernde und krebshemmende Nahrungs-

Bitte beachten Wer ist besonders anfällig für einen Vitaminmangel? Senioren, die nicht mehr regelmäßig einkaufen gehen können oder nur schlecht kauen können und wenig Lust zum Kochen haben. Denn das führt leicht zu einer einseitigen Auswahl von Lebensmitteln. Menschen, die sich aus Unkenntnis, Zeitmangel oder Bequemlichkeit einseitig ernähren.

krebshemmende Wirkung liegen vor für Folsäure, Selen, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Letztlich ergeben sich bei Liebhabern von Gemüse und Obst auch positive Auswirkungen auf die Zusammenstellung der anderen Nahrungsmittel, die sie konsumieren, das heißt, sie nehmen unter Umständen weniger Fett oder weniger Eiweiß auf. Insbesondere in der Krebsverhütung spielen auch diese Faktoren sicher eine Rolle. Bei einem gesunden Lebens- und Ernährungsstil und, damit verbunden, einer ausreichenden Vitalstoffzufuhr wären jährlich weltweit etwa 3 bis 4 Millionen Krebstote weniger zu beklagen. Neben einer vitalstoffarmen Kost können auch Abneigungen gegen bestimmte Lebensmittel oder zusätzliche Belastungen wie Stress, Medikamenteneinnahme, chronische Erkrankungen, altersbedingte Verdauungsschwierigkeiten, Umweltschadstoffe oder körperliche Anstrengungen einen ungünstigen Einfluss auf die Vitalstoffversorgung des Organismus ausüben. Die dann möglicherweise auftretenden Mangelzustände können Gesundheit und Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Viele Menschen leiden infolgedessen unter Befindlichkeitsstörungen, ohne deren eigentlichen Ursprung zu kennen. Müdigkeit, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsschwäche oder sogar Depressionen können häufig auf eine schlechte Vitalstoffversorgung zurückzuführen sein.

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O

inhaltsstoffe. Eine ganze Reihe von Nahrungssubstanzen wurde bereits verdächtigt, krebsfördernd zu sein. So standen lange Zeit künstliche Süßstoffe am Pranger. Sie haben sich, in üblichen Mengen gebraucht, letztendlich jedoch als nicht krebserregend erwiesen. Auch dem Kaffee, der schon mehrfach in Verdacht geraten war, konnte man keine krebserregende Wirkung nachweisen – gleichgültig, ob mit oder ohne Koffein. Unvermeidbar ist infolge der Vielzahl krebsauslösender Stoffe, dass gewisse Mengen mit Lebensmitteln aufgenommen werden. Dennoch: Diese Substanzen sind nicht in dem Maße für das Risiko einer Erkrankung verantwortlich, wie wir vielleicht meinen. Viel gravierender wirkt sich der Mangel an Vitalstoffen in unserer Ernährung aus. So zeigten viele wissenschaftliche Studien, dass eine hohe Vitalstoffaufnahme vor den verschiedensten Krebserkrankungen schützen kann. Ein Mangel an Vitalstoffen aus Obst und Gemüse hingegen begünstigt Krebs. Der Schutzeffekt von Vitalstoffen aus Gemüse und Obst ist beim Dickdarmkrebs besonders ausgeprägt. Auch bei Tumoren der Lunge und der Atemwege, des Magens oder der Blase ist ein hoher Gemüse- und Obstkonsum mit einem niedrigeren Krebsrisiko verbunden. Man führt diese Schutzfunktion auf die erhöhte Aufnahme von Antioxidanzien mit Gemüse und Obst zurück. Aber auch für andere Inhaltsstoffe in Paprika, Möhren, Äpfeln & Co. liegen Hinweise auf eine schützende Wirkung vor. Effektive Antioxidanzien sind neben den Vitaminen C und E auch Carotinoide wie Lycopin sowie das Coenzym Q10. Hinweise auf eine

Personen, die gezwungen sind, regelmäßig Medikamente wie Antibiotika, Abführ- und Beruhigungsmittel einzunehmen. Auch die Antibabypille kann den Verbrauch etwa an Vitamin B6 steigern. Raucher erleiden leicht eine Vitamin-C-Unterversorgung. Menschen, die regelmäßig Alkohol konsumieren. Denn Alkohol verschlechtert die Aufnahme und Verwertung der Vitamine C, B1, B6 und Folsäure.

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Warum Vitalstoffe so lebensnotwendig sind

Menschen, die eine Diät halten. Je weniger Kalorien pro Tag, desto schwieriger wird es, den Vitalstoffbedarf zu decken. Ganz auf die Schnelle viel Fett und wenig Vitalstoffe zu sich nehmen. Fast-Food macht´s möglich.

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Vitamin A

Fehlt Ihnen Vitamin A?

wie Abwehrkraft

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Vitamin A und seinen Provitaminen zu knapp sein. Essen Sie kaum gelbes, rotes und grünes Gemüse?

itamin A ist gut für die Augen, hilft bei Hautkrankheiten und stärkt die Abwehrkraft. Im Zusammenspiel mit anderen Vitalstoffen hilft es den Zellen, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten.

V

Essen Sie Gemüse fast ausschließlich roh? Besteht bei Ihnen ein Verdacht auf Nachtblindheit? Verzehren Sie wenig Obst wie Pfirsiche, Aprikosen, Beeren?

Wieviel Vitamin A braucht der Körper?

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Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

0,5 0,6 0,6 0,7 0,8 0,9 1,1

1,1 1,0 1,0 1,0 1,0

grünem, gelbem und rotem Gemüse, Aprikosen, Honigmelonen, Mangos. Vitamin A findet sich ausschließlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs.

0,9 1,0

0,9 0,8 0,8 0,8 0,8

Schwangere

1,1 *

Stillende

1,5

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

Vitamin A, Beta-Carotin und Carotinoide Vitamin-A-Vorstufen sind z. B. enthalten in

w

m

w = weiblich

Herkunft - Funktion - Versorgung

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Das ABC der Vitamine beginnt beim Vitamin A. Es erhielt den Buchstaben A, weil es als erstes der fettlöslichen Vitamine entdeckt wurde. Eines der frühen Symptome von Vitamin-A-Mangel ist die Nachtblindheit. Dabei ist die Sehkraft im Dunkeln geschwächt. Vitamin A ist in der Netzhaut an der Hell-Dunkel-Anpassung beteiligt. Bei Bildschirmarbeit und bei häufigen Nachtfahrten sollte man besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin A (oder der Vorläufer des Vitamins) achten. Weltweit ist VitaminA-Mangel die häufigste Vitamin-Mangelerkrankung; sie führt bei vielen Kindern zum Erblinden.

Aprikosen sind reich an Beta-Carotin, das vom Körper in Vitamin A umgewandelt wird.

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mg pro Tag

Vitamin A schärft den Blick. Ob verschwommene Sicht oder Entzündungen – Vitamin A kann helfen.

Das eigentliche Vitamin A ist das Retinol, das sich in tierischen Produkten wie Leber und Eiern sowie im Dorschlebertran findet. Darüber hinaus können einige Carotinoide wie das Beta-Carotin als Vorstufe (Provitamin A) für Vitamin A dienen. Es kann in unserem Körper bei Bedarf in Vitamin A umgewandelt werden. Carotinoide finden sich z. B. in Möhren, Kresse, Spinat, Grünkohl, Aprikosen und Brokkoli. Vitamin A ist ein sehr vielseitiges Vitamin. Es unterstützt das Immunsystem und fördert die Infektabwehr des Körpers. Besonders wichtig ist Vitamin A für die Schleimhäute. Es beugt der Hautalterung vor und fördert das gesunde Wachstum von Knochen, Haaren, Zähnen, Haut und Zahnfleisch. Beta-Carotin kann freie Radikale abfangen und ist somit beteiligt an den Abwehrsystemen, die oxidativen Stress verhindern und den menschlichen Körper davor bewahren, degenerative Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Krebs zu erleiden.


Wissenswert

Vitamin A

Schwere Mangelzustände, wie sie in Entwicklungsländern häufig vorkommen, können zur Zerstörung des Auges und damit zur Erblindung führen. In StressSituationen und bei Krankheit ist der Bedarf an Vitamin A erhöht. Wenn Sie sich

oft der Sonne aussetzen, sollten Sie auf eine ausreichende Beta-Carotin-Zufuhr achten. Vitamin A darf jedoch nicht überdosiert werden. Der Körper absorbiert und speichert Vitamin A aus Lebensmitteln, sodass sich zu hohe Mengen Vitamin A ansammeln und zu Nebenwirkungen führen können. Dies gilt nicht für Beta-Carotin. Deshalb empfiehlt es sich, Vitamin A nur zur Basisdeckung zuzuführen und den restlichen Bedarf mit Beta-Carotin zu decken.

Augenkrankheiten: Vitamin A kann bei Problemen mit Nachtblindheit, mit verschwommener Sicht und bei Problemen mit Entzündungen im Auge (Konjunktivitis) helfen. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Vitamin A kann unterstützend bei chronischen Erkrankungen der Hals- und der Nasenschleimhaut eingesetzt werden.

Verwendung von Vitamin A Mangelzustand: z. B. Verdauungs- und Resorptionsstörungen, Darmerkrankungen.

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Sie fahren gut mit Beta-Carotin. Besonders im Straßenverkehr kann Nachtblindheit gefährlich sein.

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Vitamin A trägt zur natürlichen Gesunderhaltung der äußeren Schichten des Gewebes und der Organe bei. Nachtblindheit kann ein Hinweis auf einen Vitamin-AMangel sein. Später kann es zu anhaltenden Kopfschmerzen, verringertem Widerstand gegen Infektionen, Hauterkrankungen sowie zu trockenem und sprödem Haar kommen. Auch Nierensteine können auf einen Vitamin-A-Mangel hinweisen.

Ist es besser, nur Rohkost zu essen? Nein, besonders im Fall von Beta-Carotin (Provitamin A) kann sich das Garen positiv auf die aus dem Nahrungsmittel aufgenommene Menge auswirken. Das Dünsten von Möhren beispielsweise verbessert die Aufnahme des Provitamins.


B-Vitamine Wissenswert

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Zu wenig B-Vitamine Bei vielen jungen Frauen wird oft eine Mangelversorgung bei den Vitaminen B2, B6 und Fols채ure festgestellt. Dieser Mangel hat seine Ursache wahrscheinlich in Di채ten.


B-Vitamine

Wissenswert

Die große Gruppe der B-Vitamine gehört — zusammen mit dem Vitamin C — zu den wasserlöslichen Vitaminen. Sie finden sich vor allem in stark wasserhaltigen Lebensmitteln und weniger in fettreichen Nahrungsmitteln. Wasserlösliche Vitamine werden – mit Ausnahme von Vitamin B12 – nicht im Körper gespeichert, Überschüsse werden ausgeschieden. Sie müssen deshalb regelmäßig zugeführt werden. ie wasserlöslichen Vitamine sind in erster Linie Coenzyme, das heißt, sie sind „Helfer“ bei allgemeinen Stoffwechselprozessen. Ohne die B-Vitamine läuft so gut wie gar nichts in unserem „biologischen Stoffwechselbetrieb“. Dem „Vitamin-B-Komplex“ sind die folgenden Stoffe zugeordnet.

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Hochleistungs-Vitamine des menschlichen Stoffwechsels Wasserfest? Besonders die wasserlöslichen Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C können beim exzessiven Putzen von Obst und Gemüse leicht ausgewaschen werden. Das Gemüse nur ungeschnitten waschen und nicht im Wasser liegen lassen. Das Kochwasser am besten als Soßengrundlage verwenden.

Besonders reichhaltig an B-Vitaminen sind Bananen, Bierhefe, Brokkoli, Blumenkohl, Fisch, Getreide, Fleisch und Kartoffeln. Bei der zusätzlichen Einnahme von B-Vitaminen empfiehlt es sich, den Vitamin-B-Komplex insgesamt zu sich zu nehmen, da die Wirkung der Vitamine damit verstärkt wird.

Thiamin (Vitamin B1) Riboflavin (Vitamin B2) Niacin (*Vitamin B3/Vitamin PP/ Nicotinsäureamid) Pantothensäure (*Vitamin B5/Coenzym A) Pyridoxin (Vitamin B6) Folsäure (*Vitamin B9, Vitamin Bc oder Vitamin M) Cobalamin (Cyanocobalamin, Vitamin B12) Biotin (Vitamin H/Coenzym R) Alle wasserlöslichen Vitamine mit Ausnahme von Vitamin C gehören also zum Vitamin-B-Komplex. Einige der Kurzbezeichnungen (wie z. B. Vitamin B5 und B9) sind nicht mehr aktuell, nicht mehr auf der Höhe der wissenschaftlichen Benennung. Der Vollständigkeit halber haben wir sie aber dennoch aufgeführt. Die Substanzen, bei denen die Bezeichnung als Vitamin nicht mehr üblich ist, sind mit einem Stern versehen.

Wissenswert Verbraucht Zucker B-Vitamine? ür die Verwertung von Zucker benötigt der Stoffwechsel B-Vitamine. Denn sie sind an der Energiegewinnung aus Zucker beteiligt. Die These, dass zu viel reiner Zucker dem Menschen Vitamin B 1 raubt, ist allerdings falsch. Denn die BVitamine werden bei der Energiegewinnung nicht verbraucht.

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Die Kartoffeln lieber im Dunklen lassen. Das „lichtscheue“ Vitamin B2 bleibt so länger erhalten.

Müssen sich Vegetarier Sorgen um ihre Vitalstoffzufuhr machen? egetarier, die Milch, Milchprodukte und Eier verzehren, sind normalerweise gut mit Vitaminen versorgt. Viele Vegetarier wollen jedoch sichergehen und versorgen sich deshalb mit einem Multivitalstoff-Präparat. Sehr sinnvoll ist das bei Veganern, die sich nur von pflanzlichen Lebensmitteln ernähren, also auch keine Milch, Milchprodukte und Eier essen. Bei ihnen ist die Versorgung mit den Vitaminen D, B2 und B12 nicht gesichert. Auch im Falle der Spurenelemente Eisen, Zink, Kupfer und Selen könnte eine Mangelsituation für den Körper entstehen. Sie sollten deshalb in jedem Fall möglichen Vitalstoffmängeln mit Hilfe einer Nahrungsergänzung vorbeugen.

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Vitamin B1 Das Vitamin „für die Moral” itamin B1, auch Thiamin genannt, kann die geistige Einstellung eines Menschen positiv beeinflussen und seine positive Grundhaltung fördern.

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Fehlt Ihnen Vitamin B1? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Vitamin B1 zu knapp sein.

JA

Essen Sie wenig Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte? Essen Sie kaum Rohkost? Trinken Sie regelmäßig Alkohol? Ernähren Sie sich sehr einseitig? Führen Sie regelmäßig Schlankheitsdiäten durch?

Vitamin B1 ist wichtig für die Konzentrationsfähigkeit. In den Muskeln unterstützt Vitamin B1 die Umsetzung von Zucker in Energie. Es trägt zur Gesundheit der Haut bei, fördert das Wachstum und ist an der Verdauung beteiligt.

Wieviel Vitamin B1 braucht der Körper? mg pro Tag

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

w

m

0,2 0,4

Enthalten z. B. in

0,6 0,8 1,0 1,2 1,4

1,3 1,3 1,2 1,1 1,0

tierischen Lebensmitteln, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Mais, Pilzen und Trockenhefe 1,0 1,1

1,0 1,0 1,0 1,0 1,0

Schwangere

1,2 *

Stillende

1,4

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

44

Herkunft - Funktion - Versorgung

w = weiblich

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Thiamin erhielt die Bezeichnung Vitamin B1, weil es die erste Verbindung der Vitamin-B-Gruppe war, die von Wissenschaftlern isoliert werden konnte. Der Körper hat nur sehr geringe Speicherkapazität für Vitamin B1, sodass eine regelmäßige Zufuhr dieses Vitamins nötig ist, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Thiamin befindet sich in den Zellwänden von Nervensträngen, dort ist es an der Übermittlung von Nervenimpulsen beteiligt. Die Hauptaufgabe des Vitamins B1 ist die eines Coenzyms. Als Coenzym ist es Bestandteil eines Enzyms. Ohne sein Coenzym ist ein Enzym nicht funktionsfähig. Der menschliche Stoffwechsel entnimmt es der Nahrung und baut es ins Enzym ein. Vitamin B1 ist beispielsweise Teil eines Enzyms, das einen wichtigen Schritt im Kohlenhydratstoffwechsel und

im Eiweißstoffwechsel bewirkt. Ein Mangel an Vitamin B1 führt dazu, dass der Abbau von Kohlenhydraten an dieser Stelle des Stoffwechsels zum Stillstand kommt und sich sogar Stoffwechselzwischenprodukte bis hin zu einer giftigen Konzentration anhäufen können. Besonders empfindlich auf einen Vitamin-B1Mangel reagiert das Gehirn, da es ausschließlich auf diesem Stoffwechselweg Energie bezieht. Bei anhaltendem Vitamin-B1-Mangel kommt es zur BeriberiKrankheit. Vitamin B1 ist an allen wichtigen Stoffwechselprozessen des Nervensystems, des Herzens, der Blutzellen und der Muskulatur beteiligt. Es kommt nur in wenigen Lebensmitteln in größeren Mengen vor und fehlt leider in vielen Nahrungsmitteln, die wir häufig zu uns nehmen, gänzlich (z. B. in Industriezucker, Weißmehl, geschältem Reis, Ölen, Fetten und Alkohol). Ein hoher Konsum von Alkohol, Kaffee und Tee deaktiviert das Thiamin. In der Folge verbraucht der Körper sein gespeichertes Thiamin, was die Versorgungssituation verschlechtert. Auch intensives körperliches Training, Fieber, Stress, Verbrennungen, Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen, das Stillen eines Säuglings und das pubertäre Wachstum von Jugendlichen erhöhen den Bedarf an Thiamin. Wird der Körper in solchen und anderen Belastungssituationen nicht ausreichend mit Vitamin B1 versorgt, kann eine Mangelsituation entstehen. Bei hohem Medikamentenkonsum, der bei chronischen oder schweren FOTOS AUF SEITE 44: PHOTODISC

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Erkrankungen oft erforderlich ist, aber auch bei Einnahme der Anti-Baby-Pille sollte man ganz besonders auf eine ausreichende Thiaminversorgung achten. Wichtige Lieferanten für Thiamin sind Vollgetreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sowie Hefe; aber auch Schweinefleisch enthält Thiamin. Größere Mengen dieses Vitamins sind vor allem in ungeschältem Reis enthalten. Die bereits erwähnte Beriberi-Krankheit ist die bekannteste Mangelerkrankung

infolge einer Unterversorgung mit Vitamin B1. Sie äußert sich in einer Störung der Nervenfunktion und in vielen anderen Symptomen, wie z. B. in Form einer Herzschwäche. In Ostasien trat der Vitamin-B1-Mangel nach der Einführung von Reisschälmaschinen häufig auf, denn in der äußeren Schale von Reis ist besonders viel Vitamin B1 enthalten. Die Entfernung der Schale führte natürlich zu einer drastischen Verschlechterung der Vitamin-B1-Aufnahme. Auch beim Kochen von Lebensmitteln geht Vitamin

Kinder brauchen viel B1 Für Kinder ist es wichtig, gut mit Vitamin B1 versorgt zu sein. Viel Vollkornbrot und Kar-

B1 teilweise toffeln können helfen. verloren. In den Industrieländern tritt ein Vitamin-B1-Mangel meist bei Alkoholikern auf.

Verwendung von Vitamin B1 Mangelzustand: z. B. durch Alkoholismus, Verdauungs- und Resorptionsstörungen, Leberfunktionsstörungen Bei erhöhtem Bedarf: in der Schwangerschaft und der Stillzeit, bei Dialysepatienten.

FOTO: PHOTODISC

Vitamin B1

Wissenwert


Der Energielieferant der Zellen

itamin B2 heißt mit wissenschaftlichem Namen Riboflavin. Es kann einen Beitrag zum Schutz gegen Erkrankungen wie Krebs leisten, unterstützt das Körperwachstum, ist gut für Haut und Haare, und es ist für die Fortpflanzung erforderlich.

V

Fehlt Ihnen Vitamin B2? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ ist eine ergänzende Zufuhr von Vitamin B2 sinnvoll.

JA

Führen Sie häufiger Diäten zur Gewichtsabnahme durch? Nehmen Sie kaum Milch und Milchprodukte zu sich? Ernähren Sie sich vegan, also ausschließlich von pflanzlicher Kost?

Enthalten beispielsweise in

Herkunft - Funktion - Versorgung

tierischen Produkten, vor allem in Milch; auch in Gemüse, und in Pilzen

Vitamin B2 (Riboflavin) kommt hauptsächlich in Milch und in Milchprodukten vor. Man bezeichnet es auch als Milchvitamin. Darüber hinaus findet man das besonders lichtempfindliche Vitamin B2 in Fisch und auch in Kartoffeln. Wegen der Lichtempfindlichkeit von Vitamin B2 sollte man die „Erdäpfel“ immer im Dunkeln aufbewahren.

Wieviel Vitamin B2 braucht der Körper? mg pro Tag w

m

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

1,4 1,6

1,2 1,3

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

1,5 1,5 1,4 1,3 1,2

1,2 1,2 1,2 1,2 1,2

0,7 0,9 1,1

Schwangere

1,5 *

Stillende

1,6

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

Als Coenzym (Bestandteil einer in der lebenden Zelle gebildeten organischen Verbindung, die den Stoffwechsel des Organismus steuert) spielt Riboflavin eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel. Und es ist an der Sehleistung der Augen beteiligt.

0,3 0,4

w = weiblich

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Bei einem Mangel an Riboflavin, wie er besonders in der Dritten Welt leider häufig zu beklagen ist, kommt es zu vielfältigen Störungen. Mangelzustände sind vor allem an den Schleimhäuten (Entzündungen) zu erkennen. Vitamin B2 unterstützt die Energieproduktion und die Bildung gesunder Gewebe sowie die Bildung der roten Blutkörperchen. Es ist gut für gesunde Haut und für gesundes Haar sowie für feste Fingernägel. Riboflavin verschafft überanstrengten oder ermüdeten Augen Erleichterung. Es verbessert die Anpassung bei Dunkelheit oder grellem Licht. Das Vitamin hilft bei Problemen im Mundbereich, etwa bei einer rissigen und geschwollenen Zunge oder bei rissigen Mundwinkeln oder Lippen. Auch wenn der Mund spröde und trocken ist, kann die Zufuhr von Vitamin B2 helfen. Riboflavin wird gebraucht für die Bildung von Glutathion — eines der wichtigsten Antioxidanzien des menschlichen Körpers. Eine unzureichende Versorgung kann die Eisenverwertung im Organismus

46

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

und die gesunde Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen. Besonders bei schwangeren und stillenden Frauen können Mangelerscheinungen (vor allem spröde und rissige Haut an Mund, Lippen und Genitalien) auftreten. Daneben sollten Vegetarier, die ausschließlich von pflanzlicher Kost leben, und Menschen, die spezielle Diäten einhalten müssen oder auf Milchprodukte verzichten, auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B2 achten. In Lebensmitteln wie zum Beispiel Vanillepudding wird das Vitamin B2 wegen seiner appetitlichen hellgelben Farbe als Farbstoff eingesetzt. Erkennbar ist dies an der Bezeichnung „Riboflavin“ oder an der E-Nummer 101, die für Riboflavin steht.

Verwendung von Vitamin B2 Antioxidans: Die antioxidative Wirkung von Riboflavin bezieht sich auf den ganzen Körper. Für die Augenlinsen ist diese Wirkung ganz besonders wichtig. Eine ausreichende Riboflavinversorgung kann die Gefahr der Bildung eines grauen Stars (Katarakt) senken. Entgiftung: Riboflavin unterstützt die Leber bei der Entgiftung; es hilft bei der „Entsorgung“ von Chemikalien oder Umweltgiften.

FOTO: DPNY

Vitamin B2


Niacin

Der Energieüberträger

B3 – oder wissenschaftlich: Niacin – wird zur Energiegewinnung benötigt, und Ves istitamin wichtig für die Funktion der Nerven, der Haut und des Verdauungstraktes. Enthalten z. B. in Lebensmitteln tierischen Ursprungs, in Getreide, Gemüse, Bananen und Pflaumen

Herkunft - Funktion - Versorgung Niacin wurde erst 1937 entdeckt und ist damit ein relativ junges Mitglied des Vitamin-B-Komplexes. Ursprünglich als Vitamin PP oder PPF bezeichnet, wurde es später in die B-Gruppe eingeordnet, da es wie die anderen B-Vitamine Bestandteil von Enzymen ist. Es findet sich besonders in Leber, Vollkorngetreide, Erdnüssen, Avocados und Fisch. Niacin, das in Form von Nicotinsäure (die übrigens nichts mit dem Nikotin von Zigaretten zu tun hat) und Nicotinamid vorkommt, ist an der Reinigung des Körpers von Giften, Schadstoffen und Drogen beteiligt. Niacin spielt eine große Rolle im antioxidativen System unseres Körpers, besonders in der Leber. Zudem ist Niacin

gemeinsam mit Chrom für die Bildung des GTF (des Glukose-Toleranzfaktors) verantwortlich. Dieser GTF ist zusammen mit Insulin an der Regulation des Blutzuckerspiegels beteiligt. Ein Niacinmangel verursacht das Krankheitsbild von Pellagra, daher auch seine frühere Bezeichnung als Vitamin PPF (pellagra preventing factor). Die Krankheit äußert sich durch Hautveränderungen, Durchfall und Appetitlosigkeit.

Arteriosklerose: Nicotinsäure kann den Cholesterinspiegel senken und die Blutgefäße kurzfristig erweitern. Dieser Effekt ist nur durch sehr hohe Dosierungen zu erzielen und mit einigen Nebenwirkungen verbunden. Daher wird Nicotinsäure bei erhöhten Cholesterinspiegeln kaum eingesetzt.

Verwendung von Niacin

Wieviel Niacin braucht der Körper?

Mangelsituationen z. B. durch Fehlernährung, Erkrankungen des Verdauungstraktes, durch andauernde Medikamenteneinnahme bei chronischen Erkrankungen (z. B. bestimmte Schmerzmittel und Psychopharmaka)

mg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Erhöhter Bedarf: in der Schwangerschaft und der Stillzeit, bei einer Dialysebehandlung

Fehlt Ihnen Niacin? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Niacin zu knapp sein. Die Nerven behalten Niacin hilft dabei.

Essen Sie kaum Rohkost? Trinken Sie regelmäßig Alkohol? Ernähren Sie sich sehr einseitig? Führen Sie regelmäßig Schlankheitsdiäten durch?

Quelle: DGE (vereinfacht)

JA

Essen Sie wenig Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte?

w

m

2 5

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

15 18

13 15

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

17 17 16 15 13

13 13 13 13 13

7 10 12

Schwangere

15 *

Stillende

17

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft m = männlich

w = weiblich

FOTOS AUF DEN SEITEN 46 UND 47: PHOTODISC

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

47


Pantothensäure Das Anti-Stress-Vitamin

antothensäure oder Vitamin B5 ist das zentrale Vitamin im Stoffwechselprozess der Fette. Es fördert und unterstützt den Stoffwechsel aller Gewebe. Auf die Haut und auf das Haar wirkt es als so genannter „Anti-Grau-Faktor“. Pantothensäure fördert ein normales Wachstum, hält das Nervensystem gesund und unterstützt die Energieproduktion der Zelle. Überdies hilft es bei der Stressbewältigung.

P

Enthalten z. B. in tierischen Produkten, Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüsen, Pilzen und Melonen

Herkunft - Funktion Versorgung Der Name Pantothensäure leitet sich vom griechischen Wort „pántothen“ ab, das „von überall her“ bedeutet.

Wieviel Pantothensäure braucht der Körper? mg pro Tag

2 3

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

4 4 5 5 6

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

6 6 6 6 6

Lassen Sie sich keine grauen Haare wachsen. Pantothensäure hat den „AntiGrau-Faktor“.

Schwangere

6

Stillende

6

m = männlich

48

w

m

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Pantothensäure ist als Bestandteil von Coenzym A in Lebensmitteln enthalten. Das Coenzym A ist am Fettstoffwechsel und an der Regulierung der Hormonproduktion beteiligt. Damit ist Pantothensäure ein Schlüsselvitamin von großer Bedeutung. Pantothensäure transportiert kleine Moleküle, die beim Abbau von Zucker entstehen, und sorgt so dafür, dass aus diesen Energie gewonnen werden kann. Pantothensäure kommt zwar häufig in unserer Nahrung vor, die Aufnahme des Vitamins im Körper kann aber als Folge einer langfristigen Einnahme von Antibiotika, auf Grund von Reizzuständen im Magen-Darm-Trakt und bei starkem Alkoholkonsum beeinträchtigt werden. Auch bei Personen mit chronischen Lebererkrankungen können PantothensäureMangelerscheinungen auftreten. Diese sind begleitet von Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und MagenDarm-Störungen. Ferner kann es zum Erbrechen, zu Erschöpfungszustän-

den, zu geschwächter Immunabwehr und zu Schlaflosigkeit kommen. Pantothensäure ist mit ihrem positiven Einfluss auf Stress und weil sie die Energiegewinnung steigert sowie die Immunabwehr stärkt zu einem sehr beliebten Inhaltsstoff von Multivitalstoff-Präparaten geworden. Pantothensäure ist besonders wichtig für Haut und Schleimhaut, für das Nervensystem und für das Haar: Die Haut benötigt Pantothensäure zur Erneuerung der Hautoberfläche und während der Wundheilung. Auch beim Schutz der Schleimhaut von Mund, Rachen und Atemwegen spielt sie eine wichtige Rolle. Bindegewebe und Knorpel werden mit Hilfe von Pantothensäure gebildet. Und: Sie beeinflusst auch das Wachstum und die Pigmentierung der Haare.

Verwendung von Pantothensäure Bei Fehl- oder Mangelernährung: bei einer Dialyse, bei Alkoholismus Diabetes mellitus: Durch eine erhöhte Ausscheidung von Pantothensäure mit dem Harn kann es zu einer unzureichenden Versorgung kommen. Häufig findet Pantothensäure in der Kosmetik Anwendung. Sie dient hier dazu, die Haut feucht und weich zu halten, sie fördert das Zellwachstum und die Zellregeneration, und sie verhindert Entzündungen und Hautrötungen. In Shampoos und Haarspülungen schützt Pantothensäure das Haar vor mechanischen und chemischen Schäden, die beim Kämmen, Bürsten, Waschen, beim Legen von Dauerwellen, beim Färben etc. entstehen können. Pantothensäure glättet das Haar und verleiht ihm Glanz und Schimmer.

Fehlt Ihnen Pantothensäure? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Pantothensäure zu knapp sein.

JA

Essen Sie wenig Vollkornprodukte, wenig Hülsenfrüchte? Essen Sie kaum Rohkost? Trinken Sie regelmäßig Alkohol? Ernähren Sie sich einseitig? Führen Sie regelmäßig Schlankheitsdiäten durch?


Vitamin B6

Fehlt Ihnen Vitamin B6?

Unentbehrlicher Helfer im Proteinstoffwechsel

itamin B6 oder Pyridoxin ist für die Bildung vieler Proteine unentbehrlich. Beispielsweise für die Neurotransmitter (Botenstoffe) des Gehirns. Diese Botenstoffe beeinflussen unmittelbar unsere Stimmung. Werden sie in ausreichender Menge produziert, haben sie einen guten Einfluss auf unsere Laune und unsere Aktivität. Pyridoxin kann Haut- und Nervenerkrankungen vorbeugen und Übelkeit lindern. Und es ist von Bedeutung für die Produktion von Antikörpern und weißen Blutkörperchen.

Enthalten z. B. in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs, seltener in pflanzlichen Nahrungsmitteln: in Bananen, Sojabohnen und –sprossen, Walnüssen, Müsli und Vollkornprodukten. Pyridoxin aus Lebensmitteln tierischen Ursprungs kann unser Körper nahezu gänzlich aufnehmen und verwerten. Pyridoxin aus pflanzlichen Lebensmitteln ist hingegen nur begrenzt nutzbar.

Herkunft - Funktion - Versorgung Pyridoxin(-hydrochlorid) ist die Sammelbezeichnung für die Vitamin-B6-Einzelstoffe Pyridoxol, Pyridoxal und Pyridoxamin. Auch Pyridoxin ist — wie viele andere B-Vitamine — als Coenzym eines Enzyms am Stoffwechsel beteiligt. Ähnlich wie die Folsäure transportiert auch Pyridoxin Kohlenstoffatome. Besonders wichtig ist Pyridoxin bei der Entstehung von Aminosäuren im Eiweißstoffwechsel. Als Coenzym ist es an mehr als 100 Reaktionen des Aminosäurestoffwechsels beteiligt. Zudem wird es für die Bildung des Vitamins Niacin (Vitamin B3) benötigt und beeinflusst die Aufnahme von Vitamin B12 (Cobalamin). Pyridoxin ist wichtig für die Bildung der Gallensäure, des Blutfarbstoffs Hämoglobin sowie einiger Hormone. Es fördert in der Kindheit und in der Schwangerschaft die Zellspezialisierung. Von allen B-Vitaminen ist Vitamin B6 das wichtigste für ein gesundes Immunsystem. Vitamin B6 wird oftmals für die Anwendung beim prämenstruellen Syndrom (PMS) empfohlen. Ein Mangel äußert sich zuerst in Hautveränderungen und in nervösen Störungen. Später kommen Muskelschwäche und Blutarmut dazu. Weitere Mangelerscheinungen sind Wachstums-

JA

störungen, wunde Mundwinkel, Darmbeschwerden, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit und Anfälligkeit für Infektionen. In schweren Fällen kann es auch zu Eisenmangel kommen.

Verwendung von Vitamin B6

Essen Sie wenig Vollkornprodukte, wenig Hülsenfrüchte? Essen Sie kaum Rohkost? Trinken Sie regelmäßig Alkohol? Ernähren Sie sich sehr einseitig? Führen Sie regelmäßig Schlankheitsdiäten durch?

Prämenstruelles Syndrom: Symptome wie Stimmungsschwankungen, Ödeme, Akne, Empfindlichkeit der Brüste, die durch das prämenstruelle Syndrom ausgelöst werden, können bei vielen Frauen durch Vitamin B6 gelindert werden.

Erhöhter Bedarf z. B. während der Schwangerschaft und in der Stillzeit

Wieviel Vitamin B6 braucht der Körper?

Mangelsituationen: durch Alkoholismus, bei bestimmten genetischen Defekten, bei einer Dialyse. Bei langfristiger Arzneimitteleinnahme: Etwa L-Dopa, D-Penicillamin, hormonale Kontrazeptiva (AntiBaby-Pille) können eine Vitamin-B6-Unterversorgung auslösen.

mg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Anämie (Blutarmut): Bei Neugeborenen kann Vitamin-B6-Mangel zu Anämie und zu Krämpfen führen. Arteriosklerosevorbeugung: Bei erhöhten Homocysteinspiegeln kann Vitamin B6 in Kombination mit Folsäure und Vitamin B12 helfen, die Menge des Risikofaktors Homocystein zu reduzieren. Karpaltunnelsyndrom: Die Nervenstörung in den Händen, die sich in Schwäche, Taubheit und Schmerzen in den Fingern äußert, kann mit Vitamin B6 gelindert werden. Auch Kribbeln oder Gefühllosigkeit in Armen und Beinen und andere Formen von Nervenentzündungen können durch Vitamin B6 positiv beeinflusst werden.

w

m

0,1 0,3

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

Quelle: DGE (vereinfacht)

V

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Vitamin B6 zu knapp sein.

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

0,4 0,5 0,7 1,0 1,4

1,6 1,5 1,5 1,5 1,4

1,2 1,2 1,2 1,2 1,2

Schwangere

1,9 *

Stillende

1,9

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

FOTOS AUF DEN SEITEN 48 UND 49: PHOTODISC

So sieht das „Gute-LauneVitamin“ chemisch aus.

w = weiblich


Folsäure

Unverzichtbar für die Blutbildung

ist für die Bildung des Blutes und für das psychische und Faucholsäure körperliche Wohlbefinden ein unverzichtbares Vitamin. Folsäure ist bei der Übermittlung genetischer

FOTO: PHOTODISC

Informationen erforderlich.

Fehlt Ihnen Folsäure?

µg pro Tag

60 80

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

200 300 300 400 400

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

400* 400* 400* 400 400

Schwangere

600

Stillende

600

* Frauen, die schwanger werden* wollen oder könnten, wird angeraten, um Mißbildungen beim Säugling vorzubeugen (spina bifida: offener Rücken) ihre Nahrung mit Folsäure zu ergänzen. Eine Nahrungsergänzung mit mindestens 400 µg Folsäure sollte täglich eingenommen werden. Besteht bereits ein Kinderwunsch sollte spätestens 4 Wochen vor der Schwangerschaft begonnen werden, täglich zusätzlich 400 µg Folsäure einzunehmen. Auch während des ersten Drittels der Schwangerschaft sollte die Einnahme fortgesetzt werden. m = männlich

50

JA

w

m

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Essen Sie kaum Gemüse? Nehmen Sie die Anti-Baby-Pille? Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. familiäre Veranlagung, Rauchen, erhöhter Cholesterinspiegel)?

Enthalten z. B. in dunkelgrünem Blattgemüse, Möhren, Hefe, Leber, Vollkornprodukten, Avocados, Eigelb, Leber

Herkunft - Funktion - Versorgung Folsäure wurde in den 30er Jahren bei der Suche nach der Ursache der „BombayBlutarmut“ — einer Anämie bei Schwangeren — entdeckt. Auch heute noch gehört Folsäuremangel zu den häufigsten Avitaminosen (Vitaminmangelkrankheiten). Auch in den Industrieländern ist der Folsäuremangel weit verbreitet. Meistens sind schwangere Frauen davon betroffen.

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft?

FOTO: DPNY

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ sollten Sie sich ergänzend mit Folsäure versorgen!

Wieviel Folsäure braucht der Körper?

Folsäure wirkt im Gehirn und im Nervensystem, und es ist Bestandteil der Rückenmarksflüssigkeit. Zusammen mit Vitamin-B12 und Methionin ist Folsäure sehr wichtig für die Psyche des Menschen. In Verbindung mit den Vitaminen B6 und B12 baut Folsäure den ArterioskleroseRisikofaktor Homocystein — es kann die Gefäße schädigen — zu Methionin ab. Die wichtigste Aufgabe von Folsäure ist die Wirkung auf die Zellteilung und damit die Zellneubildung. Folsäure, genauer Folacin, ist eine Sammelbezeichnung für verwandte chemische Substanzen mit

gleicher Wirkung. Etwa ein Drittel der Verbindungen tritt in reiner Form auf und wird vom Körper vollständig verwertet. In Lebensmitteln tritt Folsäure allerdings in einer Form auf, die nur zu etwa 20 % verfügbar ist. Die Darmflora des Dickdarms ist zwar in der Lage, selbst ein wenig Folsäure zu produzieren, doch der Körper kann dieses selbst produzierte Vitamin nur bedingt verwenden. Folsäure muss also mit der Nahrung aufgenommen werden. Folsäure ist extrem licht-, sauerstoff- und hitzeempfindlich. Daher sollte man Lebensmittel nicht im Wasser oder an der Luft liegen lassen (vor allem nicht stark zerkleinert), nicht unnötig rühren, und man sollte Töpfe immer zudecken. Am besten einen Teil des Gemüses in Form von Rohkost essen und ansonsten nur kurz schonend dünsten. Bei falscher oder unachtsamer Behandlung der Lebensmittel kann leicht deren gesamter Folsäuregehalt verloren gehen. Besonders wichtig ist Folsäure für Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, da es für die Entwicklung des wachsenden Kindes von großer Bedeutung ist. Daher rät auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung diesen Frauen zu einer ergänzenden Folsäureaufnahme.


Wissenswert

Verwendung von Folsäure

Mangelsituationen infolge von Fehlernährung, hohen Verlusten bei der Nahrungszubereitung, gestörter Resorption wegen Darmerkrankungen, Lebererkrankungen, Alkoholismus, Dialyse Erhöhter Bedarf: in der Schwangerschaft und der Stillzeit, bei Arzneimitteleinnahme (z. B. Aspirin, Anti-Baby-Pille)

Anämie: Blutarmut aufgrund eines Folsäuremangels

Spiegel dient Folsäure der Vorbeugung von Arteriosklerose.

Arteriosklerose: Ein erhöhter Homocystein-Spiegel im Blut ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose und für Herzkrankheiten. Folsäure kann Homocystein in Methionin umwandeln und so den gefährlichen Stoff neutralisieren. Bei Menschen mit erhöhtem Homocystein-

Prävention vorgeburtlicher Schäden: Die Nahrungsergänzung mit Folsäure bereits vor der Befruchtung und in jedem Fall während der Schwangerschaft kann die Gefahr von Schädigungen des Embryos, besonders von Fehlentwicklungen am Rückenmark, herabsetzen.

FOTO: PHOTODISC

Folsäure

Folsäure ist das „Sensibelchen“ unter den Vitaminen. Langes Kochen und Warmhalten sind „FolsäureKiller“. Fastfood und Kantinenessen sind sozusagen die natürlichen Feinde der Folsäure. Reich an Folsäure sind hingegen dunkelgrünes Blattgemüse und Tomaten.


FOTO: PHOTODISC

Vitamin B12

Das lebenswichtige Vitamin, das in der Leber steckt itamin B12 oder Cobalamin ist an der Bildung der roten BlutkörperV chen beteiligt. Konzentrationsfähigkeit, Appetit und nervliche Belastbarkeit werden von Vitamin B12 beeinflusst. Vitamin B12 sorgt für gesundes Wachstum bei Kindern und steigert das allgemeine Energieniveau. Es ist das einzige Vitamin, das lebenswichtige Mineralstoffe enthält. Enthalten beispielsweise in

Herkunft - Funktion - Versorgung

Kalbsleber, Miesmuscheln, Lachs, Rinderfilet, Milch, Eiern und Käse. Da Vitamin B12 ausschließlich von Mikroorganismen gebildet wird, kommt es in sehr geringen Mengen auch in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut vor.

Weil Cobalamin ausschließlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs und in geringerem Maße auch in fermentierten Lebensmitteln vorkommt, sollten gerade Vegetarier, die auch auf Milchprodukte und Eier verzichten (Veganer), darauf achten, genug Vitamin B12 zu sich zu nehmen. Auf die Spur des Vitamins B12 kamen Wissenschaftler im Verlauf jahrelanger Forschungen zu den Ursachen einer bestimmten Form der Anämie (Blutarmut), der Perniziosa. Ein Mangel an Vitamin B12 wurde noch im 19. Jahrhundert zur lebensbedrohlichen Krankheit. Perniziosa endete meist mit dem Tod der Betroffenen. Als Vitamin B12 werden verschiedene Verbindungen bezeichnet, die alle ein Kobaltatom enthalten. Dem Spurenelement Kobalt verdankt Cobalamin auch seinen Namen. Der bei weitem höchste Gehalt an Cobalamin findet sich in der Leber. Mit großem Abstand folgen Fisch, Eier, Milch und Käse. Cobalamin wird für viele Stoffwechselvorgänge benötigt. Außerdem spielt es eine große Rolle bei der Zellteilung und der Zellvermehrung. Vitamin B12 beeinflusst auch den Folsäure-Stoffwechsel. Wenn ein Vitamin-B12-Mangel

mg pro Tag w

m

0,4* 0,8

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

1,0 1,5 1,6 2,0 3,0

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

3,0 3,0 3,0 3,0 3,0

Schwangere

3,5 *

Stillende

4,0

* Insbesondere zur Erhaltung der Nährstoffdichte. m = männlich

52

w = weiblich

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

MEDICOM FOTO: DPNY

Verwendung von Vitamin B12 Anämie: bei einer durch Vitamin-B12Mangel verursachten Anämie Arteriosklerosevorbeugung: In Kombination mit Folsäure kann Vitamin B12 erhöhte Homocysteinspiegel reduzieren. Homocystein gilt als Risikofaktor für Arteriosklerose. Mangelsituationen infolge von entzündlichen Erkrankungen der Magenschleimhaut — da der für die Aufnahme des Vitamins notwendige so genannte „Intrinsic Factor“ dann nur unzureichend gebildet wird; Erkrankungen des Verdauungstraktes, die die Resorption behindern. Streng vegetarische Ernährung: Rein pflanzliche Kost liefert kein Vitamin B12. Vitamin B12 kann in diesem Fall mit Hilfe einer Nahrungsergänzung zugeführt werden. Funikuläre Spinalerkrankungen: von Lähmungen begleitete Nervenerkrankungen, die durch Vitamin-B12-Mangel hervorgerufen werden

Fehlt Ihnen Vitamin B12? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ ist eine ergänzende Zufuhr von Vitamin B12 sinnvoll. Nichts für Vegetarier: Vitamin B12 kommt nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor.

JA

Sind Sie Veganer? (Ernähren Sie sich ausschließlich von pflanzlicher Kost?) Sind Sie über 60 Jahre alt? Hatten Sie eine Magenoperation? Leiden Sie an einer chronischen Magenschleimhautentzündung?

FOTO: PHOTODISC

Wieviel Vitamin B12 braucht der Körper?

besteht, werden die Folsäurespeicher im Gewebe in inaktivem Zustand gehalten, sodass zusätzlich ein Mangel an aktiver Folsäure entsteht. Pflanzliche Lebensmittel enthalten kein Cobalamin. Zwar stellen unsere Darmbakterien kleine Mengen von Vitamin B12 her, aber der Körper kann dieses Vitamin B12 nicht verwerten. Vegetarier, die auf Milchprodukte und Eier verzichten, sollten zur Deckung ihres Vitamin-B12-Bedarfs auf angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Der „Normalesser“ sollte folgendes beachten: Vitamin B12 ist sehr hitzeempfindlich, sodass erhebliche Mengen bei der Zubereitung von Speisen verloren gehen können. Milch verliert 30 % ihres Vitamin-B12Gehaltes, wenn sie zwei Minuten lang gekocht wird.


Biotin

Für Haut und Haar

iotin hat viele Namen. Es wird Coenzym R oder Vitamin H – wie „Hautfaktor“ – genannt. Es ist ein Bunverzichtbarer Bestandteil von vielen Enzymen, die im Zellstoffwechsel herausragende Aufgaben übernehmen.

Fehlt Ihnen Biotin? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Biotin-Zufuhr für Sie sinnvoll sein.

Leiden Sie unter brüchigen Nägeln? Leiden Sie unter Haarausfall? Trinken Sie regelmäßig Alkohol?

FOTO: PICTOR

JA

Essen Sie regelmäßig rohe Eier?

FOTO: PHOTODISC

Enthalten z. B. in

Wieviel Biotin braucht der Körper?

Vollkornbrot, Champignons, Eiern, gegarten Linsen, Hefe, Vollkornnudeln, Milch, Naturreis, Haferflocken, Vollmilch, Joghurt

µg pro Tag

Herkunft - Funktion - Versorgung

Reich an Biotin ist Eigelb, wohingegen das Protein Avidin im rohen Eiklar die Aufnahme von Biotin durch den menschlichen Körper verhindert. Daher kommt es bei langfristiger Aufnahme

Das Haut- und Haarvitamin Biotin trägt bezeichnenderweise auch den Namen Vitamin H.

von rohen Eiern zum Biotinmangel, der sich vor allem in Haarausfall und in Hautentzündungen zeigt.

Verwendung von Biotin Mangelsituationen z. B. infolge einer regelmäßigen Aufnahme von rohem Eiklar, bei Störungen der Absorption nach Dünndarmerkrankungen, bei einer Dialyse und bei bestimmten genetisch bedingten Enzymdefekten Haut-, Haar- und Nagelerkrankungen: Biotin wird unterstützend für die Gesundheit und die Schönheit von Haut, Haar und Nägeln eingesetzt.

Quelle: DGE (vereinfacht)

Das wasserlösliche Biotin ist in jeder Zelle des Körpers zu finden. Biotin kann von außen zugeführt, aber auch in begrenzter Menge vom Körper selbst hergestellt werden. Biotin ist wichtig für den Auf- und den Abbau von Fettsäuren. Ebenso ist es wichtiger Bestandteil eines Enzyms, das im Glucosehaushalt eine wichtige Funktion ausübt: Es sorgt dafür, dass auch im Hungerzustand aus körpereigenen Reserven genügend Glucose für die überlebenswichtigen Funktionen bereitgestellt werden kann. Alkohol, viele Medikamente – insbesondere Antibiotika – sowie aufwändig verarbeitete Lebensmittel entziehen dem Körper Biotin.

FOTO: DPNY

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

6 5-10

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

10-15 10-15 15-20 20-30 25-35

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

30-60 30-60 30-60 30-60 30-60

Schwangere

30-60

Stillende

30-60

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

53


Vitamin C

Fehlt Ihnen Vitamin C? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Zufuhr von Vitamin C für Sie sinnvoll sein.

scorbinsäure „alias“ Vitamin C ist das prominenteste unter den Vitaminen. Es wirkt gegen Freie Radikale, stärkt das Immunsystem und beschleunigt die Wundheilung. Außerdem kontrolliert es Stoffwechselfunktionen und hat Einfluss auf die Verwertung anderer Vitamine.

A

JA

Essen Sie fast ausschließlich gegarte Speisen? Sind Sie Raucher/in? Meiden Sie Rohkost, Obst, Fruchtsäfte? Trinken Sie regelmäßig oder sogar viel Alkohol?

Enthalten z. B. in schwarzen Johannisbeeren, Paprika, Brokkoli, Kiwis, Rosenkohl, Grünkohl, Erdbeeren, Orangen, Grapefruits und Kartoffeln

FOTO: PHOTODISC

Wieviel Vitamin C braucht der Körper? mg pro Tag

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

w

m

50 55

Der „rechte Haken“ der Immunabwehr. Vitamin C macht Freien Radikalen und Krankheitserregern im Körper das Überleben schwer.

60 70 80 90 100

Herkunft - Funktion - Versorgung

100* 100* 100* 100* 100*

Schwangere

110

Stillende

150

* Raucher: 150 mg pro Tag. m = männlich

w = weiblich

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Für Pflanzen und für die meisten Tiere ist Vitamin C gar kein essenzieller Stoff, den sie mit der Nahrung aufnehmen müssen sie können es selbst herstellen. Dem Menschen ist diese elementare Fähigkeit zur Synthese von Vitamin C im Laufe der Evolution abhanden gekommen. Doch er ist immer noch auf Vitamin C angewiesen. Eine Vitamin-C-freie Ernährung über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten führt 100prozentig zum Tode. Und: Wenn eines der anderen essenziellen (lebensnotwendigen) Vitamine fehlt, kann Vitamin C nicht seine volle Leistungsfähigkeit entfalten. Eine der weniger bekannten Aufgaben FOTO: DPNY

FOTO: PHOTODISC

Der „Immunprofi“

von Vitamin C ist es, biologische Wirkstoffe, unter anderem auch die Vitamine A, B1, B2, E, Folsäure, Pantothensäure und Biotin, vor der Zerstörung durch Sauerstoff zu bewahren. Vitamin C unterstützt die Abwehrkräfte unseres Körpers, indem es die Immunabwehr der Zellen fördert. Es steigert die Aktivität der weißen Blutkörperchen und der Fresszellen, die gegen Eindringlinge, wie etwa Bakterien, vorgehen. Zudem unterstützt Vitamin C die Bildung der Lymphozyten. Auch dies sind spezielle weiße Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen. Neben seinen Aufgaben im Immunsystem ist Vitamin C auch am Aufbau von Bindegewebe, Knochen und Zähnen beteiligt. Auch für die Bildung von Kollagen-Fasern ist es wichtig; es beeinflusst damit auch die Wundheilung sowie die Elastizität der Haut. Vitamin C fördert die Verfügbarkeit von Eisen aus pflanzlicher Nahrung. Eisen aus pflanzlichen Quellen kann schlechter aus dem Darm aufgenommen werden. Deshalb ist Vitamin C insbesondere für Menschen mit geringer Eisenaufnahme — wie Vegetarier — oder für solche mit erhöhtem Bedarf (z. B. Schwangere und Stillende) von Bedeutung. Vitamin C ist als biologischer Entgiftungsfaktor wichtig, und es hemmt die Bildung krebserregender Nitrosamine im Magen. Darüber hinaus ist es an der Bildung von Carnitin beteiligt, das für den Herzmuskel wichtig ist. Weiterhin hat Vitamin C Einfluss auf die Produktion von Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin, die alle unsere Aktivität steuern. Vitamin C ist in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Als wasserlösliches Vitamin reagiert es allerdings sehr empfindlich auf Sauerstoff, Licht und Hitze.


Wissenswert Schützt Vitamin C vor Erkältungen? Ein Vitamin-C-Mangel schwächt die Infektionsabwehr. Eine schwere Erkältungskrankheit kann die Vitamin-C-Reserven des Körpers völlig aufbrauchen. Deshalb kann Vitamin C die Schwere und die Dauer von Erkältungssymptomen mildern.

Wissenswert Ist Vitamin C aus Obst und Gemüse besser als das aus Multivitalstoff-Präparaten? Nein, der Körper kann

Vitamin C

Bei schweren Verletzungen: zur Unterstützung des Immunsystems. Harnsteine: Bei bestimmten Harnsteinleiden (Cystin-Harnsteine) kann eine Zufuhr von Vitamin C helfen. Osteoporose: Neuesten wissenschaftlichen Studien zufolge scheint Ascorbinsäure, so die chemische Bezeichnung für Vitamin C, auch für die Knochendichte wichtig zu sein. Mangelsituationen infolge von Fehlernährung, bei Alkoholismus, bei einer Dialyse.

Kollagenbildung: Vitamin C ist auch für die Bildung von Kollagen erforderlich. Es begünstigt die Entwicklung und Reifung des Knorpels.

Erhöhte Abwehr gegen Infektionen: Eine ausreichende Vitamin-C-Versorgung ist Voraussetzung für ein intaktes Immunsystem, sodass die Anfälligkeit des Körpers gegenüber Infektionen bei einem Vitamin-C-Mangel steigt. Einige Wissenschaftler behaupten, extrem hohe Dosierungen von Vitamin C könnten einen besonders hohen Infektionsschutz mit sich bringen und Alterungsprozesse aufhalten. Dies gilt jedoch nach wie vor als strittig.

ob Vitamin C aus einer Zitrone, einer Kiwi, einer Orange oder einer Kapsel kommt.

Alkohol- und Nikotinkonsum: Raucher haben einen um etwa 40 % erhöhten Bedarf an Vitamin C. Der Grund: Der Vitamin-C-Abbau wird durch das Rauchen beschleunigt. Darüber hinaus kann Alkoholkonsum den Bedarf erhöhen. Da Vitamin C für die Wundheilung von Bedeutung ist, sollte gerade bei Verletzungen oder Verbrennungen auf eine ausreichende Versorgung geachtet werden. Eine gute Versorgung mit Vitamin C ist für die Gesundheit des Zahnfleisches außerordentlich wichtig. FOTO: DPNY

FOTO: PHOTODISC

Verwendung von Vitamin C

nicht unterscheiden,


Vitamin D

Fehlt Ihnen Vitamin D?

V

itamin D ist unerlässlich für den Knochenbau, und es stimuliert das Immunsystem.

Enthalten z. B. in Fisch (besonders in Lebertran), in Eiern, Margarine, Käse, Milch und Butter

µg pro Tag

Leiden Sie unter einer chronischen Nierenschädigung?

10 * 10 *

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

5 5 5 5 5

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

5 5 5 5 10

Sonnige Zeiten für Vitamin D. Bei Sonneneinstrahlung produziert der Mensch es selbst.

Herkunft - Funktion - Versorgung

Schwangere

5

Stillende

5

* Die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde empfiehlt – unabhängig von der Vitamin-DProduktion durch Sonnenlicht in der Haut und von der Vitamin-DZufuhr durch Muttermilch bzw. Säuglingsmilchnahrung – eine zusätzliche Gabe von Vitamin D zur Vorbeugung gegen Rachitis. Dies gilt sowohl für gestillte als auch für nichtgestillte Säuglinge. Sie sollten eine Vitamin-D-Tablette von 10 bis 12,5 µg ab dem Ende der 1. Lebenswoche bis zum Ende des 1. Lebensjahres einnehmen. m = männlich

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose?

w

m

w = weiblich

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Sind Sie älter als 60 Jahre?

FOTO: DPNY

Wieviel Vitamin D braucht der Körper?

JA

Sind Sie selten in der Sonne?

Vitamin D wirkt genau genommen wie ein Hormon – der Mensch kann es bei Sonneneinstrahlung sogar selbst produzieren. Der von Kindern gefürchtete Lebertran verhalf Vitamin D noch zu einem anderen Namen: Lebertran-Vitamin. Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen; es ist in der Natur relativ selten zu finden. Seine Vorstufen, die mit Hilfe von Sonnenlicht zur aktiven Form des Vitamins D umgewandelt werden, sind dagegen relativ weit verbreitet. Die Vitamin-D-Formen D2 – Ergo-calciferol und D3 – Cholecalciferol – sind die beiden wichtigsten für den menschlichen Organismus. Das Vitamin D3 – das „Lebertran-Vitamin“ – findet man, wie der Name schon sagt, in größeren Mengen in Fischleberölen. Vitamin D sorgt für die Einlagerung von Calcium und Phosphor in die Zähne und die Knochen. Zudem schützt es die Knochen vor dem Entzug von Mineralien. Auch der Nervenstoffwechsel wird mit Hilfe von Vitamin D mit dem nötigen Calcium versorgt. Vitamin D nimmt auch Einfluss auf die Bildung und die Aktivität der weißen Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen. Vitamin D sorgt bei Bedarf (z. B. bei intensiver sportlicher Betätigung) dafür, dass mehr Phosphat für die Energiegewinnung zur Verfügung gestellt wird. FOTO: PHOTODISC

Ein Vitamin-D-Mangel führt zu „Knochenerweichung“ und zu Osteoporose. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Verdauungsstörungen und Nierenleiden, Schwangere und Vegetarier (insbesondere bei strikt pflanzlicher Kost) können einen Mangel an Vitamin D aufweisen. Ebenso Menschen, die sich zu selten in der Sonne aufhalten. Vitamin D darf jedoch nicht in beliebiger Menge zugeführt werden, da es bei zu hohen Dosierungen Nebenwirkungen auslöst. Wer mehr Vitamin D als üblich (Tagesempfehlung der DGE: 5 µg) zu sich nehmen muss bzw will, sollte einen Arzt befragen. Da ältere Menschen eine geringere Eigenproduktion haben, liegt die Tagesempfehlung bei ihnen doppelt so hoch, nämlich bei 10 µg. Vitamin D wird gezielt bei erhöhtem Risiko für Osteoporose oder bei bestehender Osteoporose in Kombination mit Calcium eingesetzt.

Verwendung von Vitamin D Rachitis: Vorbeugend sollte beim Säugling auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung geachtet werden. So kann der Entstehung von Rachitis vorgebeugt werden. Osteomalazie: Knochenabbau (-erweichung) wird beim Erwachsenen durch einen Vitamin-D-Mangel ausgelöst. Osteoporose: Zusammen mit Calcium beugt Vitamin D der Entstehung von Osteoporose vor. Mangelsituationen infolge von Störungen der Verwertung, beispielsweise bei Leberzirrhose oder bei Resorptionsstörungen im Darm Schuppenflechte: Vitamin D kann die Entwicklung von Hautzellen regulieren und damit den Krankheitsverlauf der Schuppenflechte positiv beeinflussen.

FOTO: DPNY

Das Sonnen-Vitamin

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Vitamin-D-Zufuhr für Sie wichtig sein.


Vitamin K FOTO: PHOTODISC

Wacht über das Blut itamin K ist an der Gerinnung des BluV tes beteiligt. Mit seiner Unterstützung werden Wunden schnell verschlossen, und der Blutverlust wird begrenzt. Enthalten z. B. in Rosenkohl, Kohlrabi, Blumenkohl, Fleisch, Vollkornbrot, Naturreis, Getreideflocken

Herkunft - Funktion - Versorgung Das K des Vitamins K steht für Koagulation — zu Deutsch: Gerinnung. Es gibt zwei Hauptformen dieses Vitamins: Vitamin K1 (Phyllochinon) findet man in pflanzlichen Nahrungsmitteln, während Vitamin K2 (Menachinon) von Bakterien produziert wird und von Mensch und Tier genutzt werden kann. Des Weiteren gibt es noch Vitamin K3 (Menadion, Methylnaphthochinon) und Vitamin K4 (Menadiol). Diese Vitamine stammen aus synthetischer Herstellung. Die wichtigste Aufgabe von Vitamin K: die Bildung der Gerinnungsfaktoren im Blut. Vitamin K erhält die ausgewogenen Fließeigenschaften des Blutes. Hat man eine Wunde, dann wird aus Prothrombin das Gerinnungsprotein Thrombin gebildet. Für diesen Prozess ist Vitamin K erforderlich. Durch die Einleitung der

Gerinnung verhindert Thrombin, dass das Blut aus Wunden ungehindert ausläuft. Auch für die Gesunderhaltung des Knochengerüstes ist Vitamin K notwendig. Zusammen mit Vitamin D ist es am ständigen Auf- und Umbau des Knochengerüstes beteiligt.

Verwendung von Vitamin K Säuglinge: Um Neugeborene vor einem Vitamin-K–Mangel zu schützen, kann es gleich nach der Geburt verabreicht werden.

Getreideflocken sind besonders reich an Vitamin K.

Vitamin-K-Mangelblutungen können durch einen Vitamin-K-Mangel oder infolge einer zu hohen Dosierung von gerinnungshemmenden Medikamenten (Cumarinderivaten) verursacht werden. Sie werden durch Gabe von Vitamin K behoben.

FOTO: DPNY

Wieviel Vitamin K braucht der Körper? µg pro Tag

Osteoporose: Vitamin K unterstützt die Produktion von Osteocalcin. Vitamin K trägt auf diese Weise zur Gesunderhaltung und zur Stabilität der Knochen bei.

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Haben Sie eine längerfristige AntibiotikaBehandlung durchführen müssen, oder nehmen Sie diese Medikamente in Abständen häufiger?

Quelle: DGE (vereinfacht)

Leiden Sie unter Osteoporose, oder haben Sie ein erhöhtes Risiko dafür?

FOTO: PHOTODISC

JA

Vitamin K wie Kohl. Das Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler ist variantenreich und enthält viel Vitamin K.

Nehmen Sie ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung ein?

4 10

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

Fehlt Ihnen Vitamin K? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ sollten Sie möglicherweise ergänzend Vitamin K zuführen; klären Sie Ihren Bedarf in Abstimmung mit Ihrem Arzt.

w

m

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

15 20 30 40 50

70 70 70 80 80

60 60 60 65 65

Schwangere

60

Stillende

60

m = männlich

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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Vitamin E Radikal-Fänger

der Oxidation mit Freien Radikalen. Zudem fördert Vitamin E die Durchblutung, erhält die Blutgefäße in gesundem Zustand und kann Blutgerinnseln (Thrombosen) vorbeugen. Äußerlich angewendet, trägt es zum gesunden Aussehen der Haut bei.

E neutralisiert Freie Radikale, aktiviert den Stoffwechsel, unterstützt Herz und Kreislauf Vunditamin schützt die Nerven, die Gefäße und die Gelenke.

Die Einnahme von Vitamin E in hohen Dosierungen (ab 100 mg) sollte mit einem Arzt besprochen werden.

FOTO: PHOTODISC

Verwendung von Vitamin E Enthalten z. B. in pflanzlichen Fetten und Ölen, Avocados, Nüssen, Sonnenblumenkernen

Herkunft - Funktion - Versorgung Mit Vitamin E bezeichnet man acht chemisch eng verwandte Stoffe – vier so genannte Tocopherole und vier Tocotrienole. Das wirksamste unter ihnen ist das Alpha-Tocopherol (natürliches Tocopherol). Die herausragende Eigenschaft dieses Vitamins ist die Fähigkeit, Zellwände vor der Zerstörung durch Freie Radikale zu schützen. Vitamin E schützt LDL-

Wieviel Vitamin E braucht der Körper? mg TA pro Tag w

m

3 4

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

6 8 10 13 14

5 8 9 11 12

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

15 15 14 13 12

12 12 12 12 11

Schwangere

13

Stillende

17

m = männlich

w = weiblich

Cholesterin vor seiner — schädlichen — Veränderung durch Sauerstoffradikale. Auf diese Weise trägt Vitamin E zur Funktionsfähigkeit eines gesunden HerzKreislauf-Systems bei. Weitere Schutzfunktionen übernimmt das fettlösliche Vitamin für ein anderes fettlösliches Vitamin – das Augenvitamin A. Denn so, wie Vitamin E außerhalb des Körpers pflanzliche Öle und Margarine vor dem „Ranzig werden“ schützt, tut es das auch im Körper. Es schützt Zellstrukturen vor

Anämie (Blutarmut): Bei hämolytischer Anämie stabilisiert Vitamin E die Zellwände der roten Blutkörperchen; es unterstützt so ihre Funktion und ihre Lebensdauer. Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Vitamin E reduziert die Oxidation von Cholesterin und verringert dadurch die Tendenz zu CholesterinAblagerungen in den Arterien. Rheuma: Entzündungen und Versteifungen der Gelenke können mit Vitamin E, unterstützend zu einer medikamentösen entzündungshemmenden Therapie, reduziert werden. Zudem kann mit der Gabe von Vitamin E meist die Dosierung von nebenwirkungsreichen Antirheumatika herabgesetzt werden.

Fehlt Ihnen Vitamin E? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Vitamin-E-Zufuhr für Sie sinnvoll sein. Verwenden Sie kaum pflanzliche Öle, wie etwa Weizenkeimöl?

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Vitamin E hält Herz und Kreislauf im Takt.

Mangelsituationen: verminderte Aufnahme infolge von Fettresorptionsstörungen (Störungen der Bildung von Gallensaft und Sekreten der Bauchspeicheldrüse), entzündliche Darmerkrankungen.

JA

Verzehren Sie Nüsse, Sonnenblumenkerne, Sesam oder andere Saaten nur sehr selten? Sind Sie vermehrt Belastungen durch Schadstoffe aus der Umwelt – etwa infolge von Smog, Ozon oder Autoabgasen – ausgesetzt? Leiden Sie unter chronischen Entzündungen (z. B. Rheuma, Arthritis, chronischen entzündlichen Darmerkrankungen)?

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Leistungssport: Eine intensive sportliche Betätigung kann zu oxidativem Stress führen, der durch Vitamin E reduziert werden kann.

Medikamente/Umweltgifte: Da einige Medikamente ebenso wie Umweltgifte die vermehrte Bildung Freier Radikale im Körper verursachen, kann Vitamin E hier Schutzeffekte entfalten. Vorzeitiges Altern: Vorzeitige Alterserscheinungen gehen meist auf das Konto schädlicher Einflüsse — etwa von Auto-

und Industrieabgasen, chlorhaltigem Wasser, Lebensmittelzusatzstoffen und Zigarettenrauch. Dank seiner antioxidativen Eigenschaften kann Vitamin E Schäden verringern, die durch ständigen oxidativen Stress entstehen.

FOTO: PHOTODISC

Auch starke sportliche Betätigung kann zu oxidativem Stress führen. Vitamin E kann auch dann die Freien Radikalen „entschärfen“.

Wissenswert Vitamin E wirkt wie eine Art „Rostschutzmittel“ im Körper. Seine Hauptaufgabe besteht darin, empfindliche Strukturen wie die Fettsäuren, Vitamin A oder die roten Blutkörperchen vor dem Angriff Freier Radikale zu schützen.

FOTO: PHOTODISC

Vitamin E


Kraftstoff für die Zellen oenzym Q10 verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit, unterstützt die EnergiegewinC nung unserer Zellen und ist besonders in Verbindung mit den Vitaminen E und C ein äußerst effektiver Radikal-Fänger. Enthalten z. B. in

Brauchen Sie Coenzym Q10? Bei schon einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte ein erhöhter Bedarf oder eine unzureichende Versorgung von Coenzym Q10 vorliegen.

JA

Hefe, Gemüse, Pilzen, Muscheln, Fleisch, Eiern und Milchprodukten

FOTO: FOTOCLIP

Coenzym Q10

Sind Sie über 40 Jahre alt? Treiben Sie Leistungssport? Nehmen Sie selten pflanzliche Öle oder Nüsse zu sich? Sind Sie öfter Stress oder Schadstoffen ausgesetzt?

Herkunft - Funktion - Versorgung

Die chemische Struktur von Coenzym Q10 ähnelt den Vitaminen E und K, und man könnte es deshalb zu den fettlöslichen Vitaminen zählen. Coenzym Q10 erfüllt darüber hinaus wichtige Aufgaben in der Zellmembran. Durch die Anwesenheit von Coenzym Q10 bleibt sie beweglich und flexibel und

Wieviel Coenzym Q10 braucht der Körper Empfehlung Unabhängige Ernährungswissenschaftler empfehlen eine tägliche Zufuhr von 30 mg Coenzym Q10.

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FOTO: DPNY

kann ihre Funktionen dann optimal ausführen. Es findet ein reibungsloser Transport von Nähr- und Vitalstoffen in und aus der Zelle statt. Einige Stoffe können wegen ihrer chemischen Eigenschaften die Zellwand durchdringen, andere Substanzen werden von spezialisierten Strukturen in der Zellmembran von außen aufgenommen und dann ins Zellinnere abgegeben. Coenzym Q10 ist wichtig bei der Regulation von Prozessen, bei denen die Kommunikation zwischen dem Zellinneren und dem Zelläußeren eine Rolle spielt. Haben die Zellen eines Organismus funktionsfähige Zellwände, dann ist natürlich auch dafür gesorgt, dass Medikamente schneller aufgenommen werden können und die lindernde Wirkung eines arzneilich wirksamen Stoffes für den Betroffenen schneller spürbar wird und Beschwerden früher nachlassen. Coenzym Q10 besitzt sehr gute und für die Zelle wichtige antioxidative Eigenschaften, das heißt, es ist wie Vitamin E oder Beta-Carotin in der Lage, Freie Radikale zu neutralisieren. Coenzym Q10 ist eine der Substanzen, die bereits in der Zellwand Freie Radikale unschädlich machen und gar nicht erst zulassen, dass sie

in der Zellwand oder der Zelle ihr schädliches Werk beginnen können. Außerdem kann Coenzym Q10 das Vitamin E, das beim Abfangen Freier Radikale selbst zum Radikal wird, wieder regenerieren. Die Q-Coenzyme kommen in den Varianten Q1 bis Q10 vor – der Mensch kann nur das höherwertige Q10 sofort in seinem Stoffwechsel verwenden. Der menschliche Organismus ist jedoch in der Lage, die Qs von niedrigerem Wert in das höherwertige Q10 umzuwandeln. Allerdings schwindet diese Fähigkeit zur Bildung von körpereigenem Coenzym Q10 mit zunehmendem Alter. Ab einem Alter von 35 Jahren ist es wichtig, auf eine ausreichende Coenzym-Q10-Versorgung zu achten, und viele Experten empfehlen, die Q10Versorgung des Körpers mit einer Nahrungsergänzung zu verbessern.

GRAFIK: DPNY

Coenzym Q10 wird auch als Ubichinon bezeichnet. Dieser Name entstammt dem lateinischen Wort „ubiquitär“, das „überall vorkommend“ bedeutet, denn Coenzym Q10 kommt in fast allen Zellen des menschlichen Körpers vor. Es wird in den Mitochondrien bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie gebraucht. Coenzym Q10 ist ein bedeutendes Element einer Kette von Stoffwechselprozessen, mit denen sich der Körper die in den Lebensmitteln steckende Energie nutzbar macht. Man bezeichnet diesen Prozess als „Atmungskette“.

So liegt Coenzym Q10 zwischen den Phospholipidschichten der Zellmembran. Coenzym Q10 neutralisiert bereits hier Freie Radikale – noch bevor sie in die Zelle eintreten können.


Wissenswert Das Coenzym Q10 ist der natürliche Muntermacher unseres Körpers. Im Laufe der Jahre sinkt der Q10Haushalt jedoch immer weiter ab, und wir sind auf eine Aufnahme von außen angewiesen.

Coenzym Q10

Verwendung von Coenzym Q10

Regeneration von Vitamin E beteiligt.

Herzerkrankungen: Einige wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Coenzym Q10 in hoher Dosierung bei Patienten mit Herzinsuffizienz die Herzfunktion verbessern konnte.

AIDS: Eine Nebenwirkung des AIDS-Medikaments AZT ist, dass es die Zahl der Lymphozyten des Immunsystems enorm reduziert. Eine wissenschaftliche Studie lieferte den Hinweis, dass Coenzym Q10 die Lymphozyten vor diesem schädlichen Einfluss schützt. Die zusätzliche Einnahme von Coenzym Q10 kann so die Lebensqualität der Betroffenen immens erhöhen.

Regeneration von Vitamin E: Bei Radikalangriffen ist es darüber hinaus an der

Körperlicher Stress: Verletzungen, Operationen und chronische Krankheiten erhöhen den Bedarf an Coenzym Q10. Coenzym Q10 kann helfen, die Zellfunktionen aufrechtzuerhalten.

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Wirkung als Antioxidans: Coenzym Q10 besitzt antioxidative Eigenschaften und kann die Oxidation von Cholesterin hemmen. Auf diese Weise kann es die Gesundheit der Blutgefäße unterstützen und Ablagerungen an den Gefäßwänden vorbeugen.


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Lycopin Die Kraft der Tomate ycopin ist der effektivste Radikal-Fänger, den uns die Natur zu bieten hat. Es unterstützt das LImmunsystem bei der Abwehr schädlicher Umwelteinflüsse und wirkt antioxidativ.

Tomaten und in Tomatenprodukten

Lycopin ist einer der wenigen Vitalstoffe, der durch intensive Verarbeitung für den Körper leichter zugänglich gemacht wird – seine Bioverfügbarkeit aus dem Lebensmittel verbessert sich. Werden Tomaten zu Tomatensuppe verarbeitet, dann kann der Körper das Lycopin leichter aufnehmen, als er das aus der gleichen Menge roher Tomaten könnte.

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Herkunft - Funktion - Versorgung Lycopin ist die Substanz, die Tomaten und rosa Grapefruits ihre rote Farbe verleiht. Lycopin gehört zur Gruppe der Carotinoide. Während Carotinoide in vielen Gemüsen und Früchten vorkommen, findet sich Lycopin in nennenswerten Mengen nur in der Tomate. Es hat sich in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen herausgestellt, dass Lycopin der Vitalstoff ist, der am aktivsten gegen Freie Radikale vorgeht und sie neutralisiert.

schaftler sind der Meinung, dass Lycopin in diesen Organen aufbewahrt wird, um empfindliche Teile des Körpers vor der zerstörerischen Wirkung der Freien Radikale besser schützen zu können. Die höchsten Lycopinkonzentrationen wurden in der Leber, den Hoden, der Prostata und der Nebenniere gefunden. Daher sollte eine tomatenarme Ernährung mit einer lycopinhaltigen Nahrungsergänzung aufgewertet werden.

Ob als Saft, als Suppe oder als Soße: In verarbeiteten Tomaten ist das Lycopin besser verfügbar als in frischen.

Enthalten vor allem in

Was geschieht mit dem Lycopin, das wir zu uns nehmen? Lycopin wird vollständig vom Organismus aufgenommen und kommt im menschlichen Plasma und in den Geweben in seiner natürlichen Form in höherer Konzentration vor als irgendein anderes Carotinoid. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Lycopin eine ungeahnt wichtige Rolle im antioxidativen System unseres Organismus spielt. In einigen Organen ist die Lycopinkonzentration besonders hoch. Die Wissen-

Lycopin ist von allen bekannten Vitalstoffen derjenige, der den aggressiven Singulett-Sauerstoff am effektivsten neutralisiert. Die besondere chemische Struktur von Lycopin ist es, die es diesem Vitalstoff wie keinem anderen ermöglicht, jene aggressive Form des Sauerstoffs unschädlich zu machen. Lycopin schützt die Zellen des Organismus sehr effektiv vor dieser Substanz, die ansonsten Zellstrukturen schädigen würde. Zudem können mit verschmutzter Luft eingeatmetes Stickstoffdioxid sowie Wasserstoffperoxid durch Lycopin unschädlich gemacht werden.

Brauchen Sie Lycopin? Die chemische Strukturformel von Lycopin

Wieviel Lycopin braucht der Körper? Empfehlung Unabhängige Ernährungswissenschaftler empfehlen eine tägliche Zufuhr von 6 mg.

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Lycopin zu knapp sein.

JA

Essen Sie kaum gelbes, rotes und grünes Gemüse? Essen Sie wenig Tomaten? Und wenn, dann meist roh? Besteht bei Ihnen ein Verdacht auf Nachtblindheit? Verzehren Sie wenig Obst wie Pfirsiche, Aprikosen, Beeren?

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Wissenswert Eines der Geheimnisse der so gesunden mediterranen Küche liegt in den Tomaten. Lycopin kommt fast ausschließlich in Tomaten und Tomatenprodukten vor. Es gilt als eines der besten Mittel gegen Freie Radikale.

Lycopin

Wirkung als Antioxidans: Lycopin kann Freie Radikale neutralisieren und bei Belastung des Körpers durch UV-Strahlung zur Gesunderhaltung der Haut beitragen. Krebs: Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei einer erhöhten Zufuhr von Lycopin das Risiko

für Prostatakrebs und andere Krebsarten geringer ist als bei Speiseplänen, die nur eine niedrige Aufnahme dieses Carotinoids ermöglichen. Umweltgifte: Wegen seiner antioxidativen Eigenschaften ist Lycopin in der Lage, vor Schäden durch Umweltgifte wie Stickstoffdioxid aus verschmutzter Luft und Wasserstoffperoxid zu schützen.

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Verwendung von Lycopin


Ungesättigte Fettsäuren Gamma-Linolensäure Omega-3-Fettsäuren nsere Nahrungs- und Körperfette sind aus Fettsäuren aufgebaut. In unserem Körper erfüllen Fette unterU schiedliche Aufgaben: Sie liefern Energie, schützen die inneren Organe und sorgen für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine. Fettsäuren lassen sich in drei Gruppen aufteilen Gesättigte Fettsäuren kommen vor allem in Butter, Kokosfett und Schmalz vor, aber auch in fetten tierischen Produkten wie z. B. Fleisch und Wurst. Zu viel gesättigte Fettsäuren können das Herzinfarktrisiko erhöhen.

FOTO: PHOTODISC

Einfach ungesättigte Fettsäuren finden sich besonders in Oliven-, Erdnuss- und Rapsöl. Sie

beeinflussen den Cholesterinspiegel positiv. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren kommen in pflanzlichen Ölen, aber auch in Fischölen vor. Einige von ihnen werden auch als essenziell bezeichnet, da der Körper auf ihre Zufuhr mit der Nahrung angewiesen ist. Besonders wertvoll für die Gesundheit: die Gamma-Linolensäure (z. B. in Borretsch-Öl) und die aus Meeresfischen gewonnenen Omega-3-Fettsäuren.


Gamma-Linolensäure Macht die Haut zart und weich ie pflanzliche Gamma-Linolensäure gehört zu den Dwichtigsten Fettsäuren, die für den menschlichen Organismus am sind. Sie zählt zu der Gruppe der Omega-6Fettsäuren. Diese sind unentbehrlich für die Steuerung vieler Körper- und Stoffwechselfunktionen.

Enthalten z. B. in Muttermilch, Borretsch-Öl, NachtkerzenÖl, Öl aus schwarzen Johannisbeeren

Herkunft - Funktion - Versorgung Gamma-Linolensäure hilft der Haut, ihre natürliche Barrierefunktion zu erfüllen. Auch Muttermilch enthält viel GammaLinolensäure, denn sie ist maßgeblich an der Entwicklung des Immunsystems von Neugeborenen beteiligt. Besonders reich an Gamma-Linolensäure ist BorretschÖl, das die Gesundheit der Haut unterstützen kann. Gamma-Linolensäure ist ein Strukturbestandteil der Haut; sie ist beteiligt an der Regulation des Zellwachstums und spielt eine große Rolle bei der Zellerneuerung. Wissenschaftler glauben, dass bei Neurodermitikern und Allergikern die körpereigene Produktion von Gamma-Linolensäure gestört ist und sich deshalb die typischen Mangelerscheinungen zeigen: trockene, rissige Haut, Rötungen und

Borretsch, mit botanischen Namen: Borago officinalis, ist ein altes Heilmittel.

Gesunde Haut ist glatt und elastisch. Sie übersteht den „Zupftest“ ohne Spuren. Spröde, trockene und rissige Haut hingegen bleibt beim Zupftest stehen; Dies weist häufig auf einen Mangel an Gamma-Linolensäure hin.

Juckreiz. Gamma-Linolensäure unterstützt außerdem die Funktionsfähigkeit und die Gesundheit der Gelenke. Gamma-Linolensäure ist in nennenswerter Menge (außer in Muttermilch) nur in wenigen Lebensmitteln enthalten. Es empfiehlt sich, bei Verdacht auf Mangelerscheinungen dem Körper mit Hilfe einer Nahrungsergänzung eine Extrara-

Brauchen Sie Gamma-Linolensäure? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Zufuhr von Gamma-Linolensäure hilfreich sein.

JA

Leiden Sie unter entzündlichen Gelenkerkrankungen?

tion Gamma-Linolensäure zuzuführen. Nahrungsergänzungen enthalten pflanzliche Öle mit unterschiedlichem Gehalt an Gamma-Linolensäure. Besonders reich an Gamma-Linolensäure ist das aus dem Samen der Borretschpflanze gewonnene Öl.

Verwendung von Gamma-Linolensäure Allergien/Neurodermitis: Gamma-Linolensäure kann allergische Reaktionen abschwächen, den Juckreiz mildern und die Empfindlichkeit der Haut bei Kindern und Erwachsenen positiv beeinflussen. Ekzeme: Gamma-Linolensäure kann das Hautbild verbessern und den Juckreiz beseitigen. Rheumatische Arthritis: Gamma-Linolensäure kann die Entzündungen und die Versteifungen der Gelenke vermindern.

Wieviel Gamma-Linolensäure braucht der Körper?

Leiden Sie an einer Hauterkrankung wie Neurodermitis? Oder haben Sie andere Hautprobleme?

Empfehlung Unabhängige Ernährungswissenschaftler empfehlen eine tägliche Zufuhr von 450 mg GammaLinolensäure.

FOTOS AUF SEITE 65: DPNY

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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Omega-3-Fettsäuren Die Kraft der Eskimos skimos sind wegen ihres reichlichen Fischverzehrs gesünder als die Mitteleuropäer. Daran haben insbesondere die EOmega-3-Fettsäuren einen großen Anteil, denn Fisch ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren, die für viele Stoffwechselvorgänge bedeutend sind. Die besonders hochwertigen Fischöl-Fettsäuren EPA und DHA kann der menschliche Körper nur in geringem Umfang aus der pflanzlichen Alpha-Linolensäure selbst bilden. Eine Ergänzung der Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren ist deshalb sehr sinnvoll.

Heringen, Thunfisch, Lachs, Makrelen, Heilbutt, Bachforellen, Hummer, Garnelen, Hecht und Miesmuscheln

Herkunft - Funktion - Versorgung Die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren sind die Alpha-Linolensäure, die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Sie werden im Körper für den Transport von Sauerstoff und den Aufbau und die Erhaltung der Zellwände gebraucht. Wenn die Zellen älter werden, verliert die Zellwand ihre Geschmeidigkeit, sie wird starrer. Dadurch wird ihre Funktion behindert. In unseren Breiten führt man sich infolge geringen Fischverzehrs meist zu wenig Omega-3Fettsäuren zu. Eine unausgewogene Ernährung, Diäten oder Verdauungsstörungen können ebenfalls zu einer schlechten Versorgung mit Omega-3Fettsäuren beitragen. In der Zeit des

Wachstums in Kindheit und Jugend sowie in der Schwangerschaft ist der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren aufgrund des raschen Zellwachstums erhöht. Über die Ernährung ist eine hohe Omega-3Fettsäurenzufuhr schwer zu erreichen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt an, dass Omega-3-Fettsäuren etwa 0,5 % der Energiezufuhr ausmachen sollten. Das entspricht bei einer Energiezufuhr von 2.000 Kilokalorien am Tag etwa 1 g Omega-3-Fettsäuren. Britische Gremien empfehlen sogar eine tägliche Zufuhr von 1,2 g. Dies ließe sich nur durch eine massive Erhöhung des Fischkonsums erreichen. Mindestens dreimal

Verwendung von Omega-3-Fettsäuren Vorbeugung gegen Arteriosklerose: Omega-3-Fettsäuren unterstützen die natürlichen Fließeigenschaften des Blutes und können insbesondere eine cholesterinbewusste Ernährung unterstützen. Darmerkrankungen: Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa können durch Omega-3Fettsäuren positiv beeinflusst werden.

Brauchen Sie Omega-3-Fettsäuren? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine höhere Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren für Sie sinnvoll sein.

Wieviel Omega-3-Fettsäuren braucht der Körper? Empfehlung Unabhängige Ernährungswissenschaftler empfehlen eine tägliche Zufuhr von 700 mg - 1000 mg Omega-3-Fettsäuren.

wöchentlich müßte dann Fisch auf Ihrem Speiseplan stehen.

JA

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. familiäre Veranlagung, Rauchen, erhöhte Cholesterinspiegel)? Leiden Sie unter entzündlichen Erkrankungen der Haut (z.B. Neurodermitis, Schuppenflechte)? Leiden Sie unter entzündlichen Erkrankungen (z. B. Rheuma, Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen)? Essen Sie selten Fisch, insbesondere fettreichen Meeresfisch?

FOTO: DPNY

FOTO: PHOTODISC

Enthalten z. B. in

Auch Krustentiere verfügen über einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren.


Wissenswert Omega-3-Fettsäuren kommen ausschließlich in Fischen, Muscheln und Krustentieren vor. Achtung: Nur Meerestiere sind sehr reich an Omega-3-Fettsäuren. Sie sind beim Menschen unter anderem für das Wachstum und in der Zeit der Schwangerschaft wichtig. Auch für die robuste Gesundheit der Eskimos sind die Omega-3-Fettsäuren zuständig.

Omega-3-Fettsäuren Allergien/Neurodermitis: Allergische Reaktionen wie Ekzeme können durch Omega-3-Fettsäuren gemildert werden. Der Juckreiz, die Schuppenbildung und die Empfindlichkeit der Haut können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen

durch die Einnahme von Omega-3Fettsäuren positiv beeinflusst werden.

Hoher Blutdruck: In höheren Dosierungen haben Omega-3-Fettsäuren eine blutdrucksenkende Wirkung.

Omega-3Fettsäuren aus Meeresfischen werden im Körper zu lebenswichtigen Botenstoffen umgebaut.

Depressionen: Eine Milderung von Depressionen durch Omega-3-Fettsäuren wurde zwar schon beobachtet, gilt aber noch als umstritten. Schuppenflechte: Hautentzündungen, Rötungen und Schuppenbildungen bei der Schuppenflechte können durch Omega-3-Fettsäuren vermindert werden. FOTO: MEV

FOTO: MAURITIUS

Rheuma: (Gelenkerkrankungen) Omega3-Fettsäuren können zur Gesundheit der Gelenke beitragen, indem sie überschießende Entzündungsreaktionen mildern. Die bei rheumatischen Krankheiten auftretenden Schmerzen, Entzündungen und Gelenkversteifungen können vermindert werden.


Calcium

Fehlt Ihnen Calcium?

Der Knochenbaustein alcium ist unerlässlich für den Aufbau des Knochengewebes und für das Wachstum der Zähne, und es wird bei jeder Muskelbewegung gebraucht. Es hilft, die Knochenfestigkeit zu erhalten. Infolge von starkem Schwitzen verliert der Körper viel Calcium.

C

Calcium kann sich insbesondere bei starker Sonneneinstrahlung positiv auf die Haut auswirken. Es schützt vor „MallorcaAkne“ – unangenehmen Hautbläschen, die bei intensivem Sonnenbaden entstehen.

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Calcium-Zufuhr für Sie wichtig sein.

JA

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose? Rauchen Sie? Trinken Sie regelmäßig viel Kaffee? Trinken Sie regelmäßig viel Alkohol? Meiden Sie Milch und Milchprodukte?

Milch und Milchprodukte sind besonders reich an Calcium.

Wieviel Calcium braucht der Körper? mg pro Tag

220 400

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

600 700 900 1.100 1.200

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

1.200 1.000 1.000 1.000 1.000

Schwangere

1.000*

Stillende

1.000**

* Schwangere über 19 Jahre: 1.200 mg pro Tag. ** Stillende über 19 Jahre: 1.250 mg pro Tag.

Enthalten z. B. in

Verwendung von Calcium

Käse, Grünkohl, Milch, Fenchel, Brokkoli, Lauch

Allergien: Calcium wirkt wie ein Antihistaminikum und kann auf diese Weise allergische Reaktionen — insbesondere solche infolge von starker Sonneneinstrahlung — unterdrücken. Dickdarmkrebs: Das Mineral bindet Gallen- und Fettsäuren im Dickdarm und verhindert so, dass diese Substanzen die empfindliche Schleimhaut reizen. Es gibt Hinweise darauf, dass dadurch das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, reduziert werden kann. Hoher Blutdruck: Ein Calciummangel kann zu einem erhöhten Blutdruck führen. n. Osteoporose: Eine gute Calciumversorgung kann (insbesondere in Verbindung mit der Gabe Vitamin D) Osteoporose vorbeugen.

Herkunft - Funktion - Versorgung

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Große Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, weisen eine schlechte Versorgung mit Calcium auf. Weil Calcium so wichtig für sehr viele Körperfunktionen ist, wird der Spiegel im Blut sehr streng kontrolliert. Bei mangelhafter Zufuhr durch die Ernährung ist der Körper gezwungen, seinen Bedarf zu decken, indem er unter anderem Calcium aus den Knochen herauslöst – was ihre Festigkeit beeinträchtigen kann. Das verdeutlicht, wie sinnvoll die zusätzliche Zufuhr von Calcium ist. Menschen, die wenig Milch und Milchprodukte verzehren, können ihre Calciumversorgung mit einer Nahrungsergänzung verbessern.

Calcium ist in erster Linie für den Aufbau und die Erhaltung von Knochen und Zähnen von großer Bedeutung. Aber auch bei einer Überempfindlichkeit gegen Sonnenstrahlen kann Calcium zur Vorbeugung dienen. Der Calcium-Haushalt hängt auch von einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D ab, da Vitamin D für die Einlagerung von Calcium in die Knochen unerlässlich ist. Auch für die Reizübertragungsfunktion der Nerven ist Calcium notwendig. Calcium sorgt dafür, dass die Muskeln sich zusammenziehen und dass das Herz schlägt. Und es ist an der Funktionsfähigkeit des Immunsystems beteiligt.

FOTOS AUF DEN SEITEN 68 UND 69: PHOTODISC

68

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Wissenswert

Calcium

Calciumkiller Fleisch- und Wurstprodukte sowie ColaGetränke enthalten viel Phosphat, das Calcium bindet und es dadurch für die Knochen in eine „unbrauchbare“ Form bringt. Auch Lebensmittel, die Oxalsäure enthalten, wie Rhabarber und Spinat, bringen Calcium in eine unlösbare Verbindung; Alkohol und Kaffee fördern die Calciumausscheidung über den Harn.


FOTO: DPNY

Magnesium Das Anti-Stress-Mineral as Mineral Magnesium ist im menschlichen Körper an nahezu allen Reaktionen beteiligt, bei denen Energie gewonnen wird. Auch die Muskeln wären ohne Magnesium unfähig zu arbeiten.

D

Eine unzureichende Magnesium-Versorgung äußert sich häufig in Form von Muskelkrämpfen. In StressSituationen, bei körperlichen Belastungen, bei Alkohol- und Nikotingenuss oder bei Medikamenteneinnahme ist der Magnesiumbedarf meist erhöht.

Eine Extraportion Magnesium kann man seinem Körper leicht verschaffen.

Enthalten z. B. in

Herkunft - Funktion - Versorgung

Sojamehl, Vollkornbrot, ungeschältem Reis, Weizenkleie, Sonnenblumenkernen, Schokolade, Linsen, Nüssen, magnesiumreichem Mineralwasser und in Spinat

Magnesium gehört zu den essenziellen Bestandteilen der Gewebe und Körperflüssigkeiten. 50 bis 70 Prozent des Gesamtmagnesiums sind in den Knochen festgelegt, der Rest verteilt sich auf alle Organe und das Blut. Magnesium aktiviert rund 300 Enzyme, insbesondere solche, die für den Eiweißstoffwechsel zuständig sind. Sinkt die Magnesiumkonzentration im Blut unter einen bestimmten Wert, dann steigert sich die Erregbarkeit der Muskeln. Auch Herzrhythmusstörungen können von Magnesiummangel ausgelöst werden.

Wieviel Magnesium braucht der Körper? mg pro Tag w

24 60

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

80 120 170 230 250 310 310

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

400 400 350 350 350

350 310 300 300 300

Schwangere

310*

Stillende

390

* Schwangere über 19 Jahre: 350 mg pro Tag. m = männlich

70

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Magnesium und Calcium müssen im Körper in einem ausgewogenen Gleichgewicht stehen. Vereinfacht gesagt, ist Calcium zuständig für die Anspannung, Magnesium für die Entspannung. Tritt eines von beiden in zu niedriger Menge in unserem Körper auf, dann kann es zu Muskelkrämpfen kommen.

Für Sportler ist Magnesium eines der wichtigsten Elektrolyte. Der durch sportliche Betätigung hervorgerufene erhöhte Magnesiumbedarf kann über die Nahrung nur schwer gedeckt werden. Ein Mangel an diesem Mineralstoff äußert sich in einer schnelleren Ermüdung, einer schlechteren Reaktionsfähigkeit und in Muskelkrämpfen. Viele Studien belegen die große Bedeutsamkeit einer guten Magnesiumversorgung für Sportler.

Fehlt Ihnen Magnesium? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte eine ergänzende Magnesiumversorgung für Sie sinnvoll sein.

JA

Essen Sie kaum Vollkornprodukte? Meiden Sie Milch und Milchprodukte? Leiden Sie häufig unter Muskelkrämpfen?

FOTO: PHOTODISC

m

Quelle: DGE (vereinfacht)

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Magnesium ist absolut notwendig für fast jeden biochemischen Prozess im Körper. Es ist zudem für die Bildung der Erbsubstanz DNA und deren Botenstoff RNA wichtig. Auch eine Beeinflussung von Bewußtseinsstörungen, Psychosen oder Depressionen durch Magnesiummangel wird von Wissenschaftlern für möglich gehalten. Besonders ältere Menschen; Alkoholkranke oder Menschen, die regelmäßig Alkohol konsumieren sowie schwangere und stillende Frauen leiden häufig unter Magnesiummangel.


Magnesium Wissenswert Magnesium hilft gegen Krämpfe und Verkrampfungen. Wer ständig unter Wadenkrämpfen leidet, könnte damit unterversorgt sein.

Krämpfe: Bei Muskelkrämpfen, Muskelzuckungen, Menstruationskrämpfen, „Ameisenlaufen“, erhöhter Reizbarkeit, Unruhe und Schlafstörungen kann Magnesium hilfreich sein. Magnesiummangel durch Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen: hauptsächlich sind das Hyperthyreose (eine Überfunktion der Schilddrüse), chronischer

Durchfall, Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus), Alkohol und nephrotisches Syndrom. Migräne: Gefäßkrämpfe, die zu einer Migräne führen können, konnten mit Magnesium in hoher Dosierung bei einigen Betroffenen gelindert werden. Stress: Körperlicher und psychischer Stress führt zu einem erhöhten Magnesiumbedarf.

FOTO: PHOTODISC

Verwendung von Magnesium


Fluor Stärkt die Zähne luor ist ein Spurenelement, das sich in der Erde, im Wasser, in Pflanzen und in Mensch und Tier findet. Fluorid beeinflusst vor allem die Gesundheit der Zähne positiv.

JA

Halten Sie nicht viel von schwarzem Tee? Leiden Sie an Karies?

FOTO: MEV

F

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ ist eine ergänzende Zufuhr von Fluorid sinnvoll.

Enthalten z. B. in

Herkunft - Funktion - Versorgung

Wieviel Fluorid braucht der Körper? µg pro Tag

72

Kariesprävention: Fluorid wird in der Zahnheilkunde in Form von FluoridTabletten und -Kochsalz innerlich, in Form von Mundspüllösungen, Zahnpasten, Gelees, Suspensionen etc. äußerlich verwendet. Osteoporose: Wegen seiner knochenhärtenden Eigenschaften wird Fluorid in der Therapie von Osteoporose eingesetzt.

w

m

0,25 0,5

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

0,7 1,1 1,1 2,0 3,2 2,9

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

3,2 3,8 3,8 3,8 3,8

3,1 3,1 3,1 3,1 3,1

Schwangere

3,1

Stillende

3,1

m = männlich

Fluor spielt eine wichtige Rolle bei der Kariesvorsorge.

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

FOTO: PHOTODISC

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Haut und Haaren. Über Nahrung und Trinkwasser nimmt der Mensch etwa ein halbes Milligramm Fluor pro Tag auf. Die Fluoridversorgung erfüllt bei den meisten Menschen gerade so den Mindestbedarf. Das Fluorid des schwarzen Tees kann der menschliche Körper besonders gut aufnehmen.

Verwendung von Fluor

und senkt so das Bruchrisiko der Knochen. Auch bei vielen anderen Körperprozessen spielt Fluorid eine wichtige Rolle. So hat es Einfluss auf die Bildung von Muskeln, Bändern, Bindegewebe,

Quelle: DGE (vereinfacht)

FOTO: DPNY

Leitungs- und Mineralwasser, Meeresfischen, Fleisch, Eiern und schwarzem Tee

Fast 95 % des Fluoridgehaltes des Körpers befindet sich in den Knochen und in den Zähnen. Fluoride härten vor allem den Zahnschmelz und machen ihn widerstandsfähiger gegen Karies. Darüber hinaus leistet Fluor auch einen Beitrag zur Knochenfestigkeit. Fluorid regt die knochenaufbauenden Osteoblasten an

FOTO: DPNY

Fehlt Ihnen Fluor?

... und sie hat gar nicht gebohrt. Fluor schützt die Zähne.


FOTO: DPNY

Eisen

mehrten Aufnahme von Vitamin C kann Eisen Abhilfe schaffen. Hohe Dosierungen unbedingt mit dem Arzt besprechen. Starke Menstruationsblutungen: Starke Regelblutungen und der damit verbundene Blutverlust können zu einem Eisenmangel führen. Eine eisenhaltige Nahrungsergänzung kann hier helfen. Hohe Dosierungen unbedingt mit dem Arzt besprechen.

Der Sauerstoffspeicher as Spurenelement Eisen ist lebenswichtig für SauerstoffDzahlreicher transport und -speicherung. Zudem ist es ein Bestandteil Enzyme, die bei der Energiegewinnung und bei

Müdigkeit: Fortwährende Müdigkeit kann ebenfalls ein durch Eisenmangel verursachtes Problem sein, sie kann aber auch andere Ursachen haben. Bitte mit dem Arzt besprechen.

der Entgiftung unseres Körpers eine große Rolle spielen.

Fehlt Ihnen Eisen? Schon ein angekreuztes „Ja-Feld“ könnte bedeuten, das eine ergänzende Eisenversorgung für Sie sinnvoll ist.

Ernähren Sie sich vegetarisch?

mg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Haben Sie starke Regelblutungen? Sind Sie blass, häufig müde und schlapp?

FOTO: PHOTODISC

Enthalten z. B. in Fleisch, insbesondere von Kalb und Rind, in Leber, Hirse, Vollkornprodukten, Linsen, Haferflocken, Hirse, Naturreis

Eisen kommt von allen Spurenelementen am h��ufigsten im menschlichen Organismus vor. Der größte Anteil befindet sich im roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und in den Muskelzellen. Die zentralen Aufgaben des Eisens sind der Sauerstofftransport, die Energiegewinnung, das Speichern des Sauerstoffs in den Muskeln, die Immunabwehr und die Produktion von Hormonen und Transmitterstoffen. Der Eisenhaushalt ist von der Erneuerungsrate der roten Blutkörperchen abhängig. Der größte Anteil des Eisens wird wiederverwertet, sodass pro Tag nur etwa 1 mg verloren geht, das neu zugeführt werden muss. Die Nahrung ist zwar reich an Eisen, es kann jedoch nur in beschränktem Maße für den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden. Eisen aus Fleisch ist besser verfügbar – bis zu 20 Prozent können aufgenommen werden. Vom Eisen aus pflanzlicher Nahrung können ungefähr nur 3 bis 8 Prozent aufgenommen werden.

Vollkornbrot statt Weißbrot essen – denn Eisen verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit.

Infolge der Menstruation sind am häufigsten Frauen im gebärfähigen Alter von Eisenmangel betroffen. Darüber hinaus ist die Versorgung in Schwangerschaft oder Stillzeit vielfach unzureichend. Auch häufige Blutspenden oder ein Blutverlust bei einer Operation können zu einer Mangelsituation führen. Vor der Einnahme von hochdosierten Eisenpräparaten sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen.

Verwendung von Eisen Blutarmut (Anämie): Eisenmangel ist der häufigste Grund für eine Blutarmut. Besonders in Kombination mit der ver-

Quelle: DGE (vereinfacht)

Herkunft - Funktion - Versorgung

w

m

0,5* 8

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

12 12

15 15

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

12 10 10 10 10

15 15 15 10 10

8 8 10

Schwangere

30

Stillende

20**

* Ausgenommen Unreifgeborene. Ein Eisenbedarf besteht infolge der dem Neugeborenen von der Plazenta als Hb≠-Eisen mitgegebenen Eisenmenge erst ab dem 4. Monat. ** Diese Angabe gilt für stillende und nicht stillende Frauen nach der Geburt zum Ausgleich der Verluste während der Schwangerschaft. m = männlich

w = weiblich

FOTO: PHOTODISC

JA

Wieviel Eisen braucht der Körper?


Chrom Wichtig für die Regulation des Blutzuckerspiegels FOTO: DPNY

hrom ist ein verhältnismäßig neues Mitglied in der FamiCCharakter lie der Spurenelemente. Erst 1957 wurde der essenzielle von Chrom für den Menschen nachgewiesen. Kennt man es landläufig nur als glänzenden Überzug der Zierleisten an unseren Autos, so wissen Ernährungswissenschaftler, dass Chrom auch wichtige Aufgaben in unserem Stoffwechsel erfüllt. Chrom hilft bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels, wobei der genaue Wirkmechanismus noch nicht bekannt ist. Darüber hinaus ist es offenbar an der Regulation des Cholesterinspiegels beteiligt.

Herkunft - Funktion - Versorgung

ist an der Regulation des Blutzuckerspiegel beteiligt. Chrom wirkt als Co-Faktor des Hormons Insulin und verstärkt dessen Wirksamkeit. Chrom ist auch für einen reibungslosen Fettstoffwechsel erforderlich. Man schreibt ihm deshalb auch gern eine unterstützende Wirkung bei Diäten zu, dafür gibt es allerdings noch keine wissenschaftlichen Belege. Bei älteren Menschen wurde häufig eine zu geringe Chromaufnahme festgestellt. Eine chromhaltige Nahrungsergänzung könnte hier für Ausgleich sorgen.

So wie Zink spielt auch Chrom eine wichtige Rolle bei der Verwertung von Kohlenhydraten. Bei unzureichender Versorgung mit Chrom sinkt die Glucosetoleranz des Organismus, denn Chrom

Darüber hinaus liefern neue Studien zusätzliche Hinweise, das Chrom auch im Immunsystem eine bedeutende Rolle einnimmt.

FOTO: DR. D. KUNKEL/CNRI/PHOTOTAKE NYC INDEX

Enthalten z. B. in Leber, Bierhefe, Weizenkeimen, Fleisch (in pflanzlicher Nahrung abhängig vom jeweiligen Gehalt im Boden)

Wieviel Chrom braucht der Körper?

Chrom ist in Hefe enthalten.

µg pro Tag

1-10 20-40

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

20-60 20-80 20-100 20-100 20-100

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

30-100 30-100 30-100 30-100 30-100

Schwangere

30-100

Stillende

30-100

74

Fehlt Ihnen Chrom?

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Quelle: DGE (vereinfacht)

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Chrom zu knapp sein.

JA

Verzehren Sie vorwiegend stark verarbeitete Produkte? Sind Sie Diabetiker/in?

FOTO: FOTOCLIP

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate


Jod Wichtig für die Schilddrüse

1

5

ist für die Bildung der Schildunentbehrlich. J oddrüsenhormone

Schildknorpel 2 3

Fischen, Meeresfrüchten, Seetang und — natürlich — in jodiertem Speisesalz

Schilddrüse

1. Rechter Schilddrüsenseitenlappen, 2. Arterie, 3. Luftröhre, 4. Vene, 5. Linker Schilddrüsenseitenlappen GRAFIK: DPNY

Enthalten z. B. in:

4

Jeder zweite Deutsche leidet an einer zu großen Schilddrüse, fast immer ist Jodmangel die Ursache.

Herkunft - Funktion - Versorgung

nehmen mehr als die Hälfte bis drei Viertel aller Deutschen nicht genug Jod zu sich. Das liegt daran, dass Jod in der Nahrung fast ausschließlich in Fisch enthalten ist, der leider zu selten auf unseren Speisekarten steht.

Wieviel Jod braucht der Körper?

Jod hat im Körper große Bedeutung für das Gewebewachstum und für die Zellteilung. Es beeinflusst zudem den Fett-, Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel.

µg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Verwendung von Jod Prophylaxe von Jodmangelerkrankungen: Jod beugt der Schilddrüsenvergrößerung (dem Kropf) vor. Radioaktivität: Jod kann bedingt vor bestimmten Schädigungen durch Radioaktivität schützen.

Fehlt Ihnen Jod? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Jodversorgung unzureichend sein. Jod ist das Spurenelement, bei dem die Versorgungssituation besonders kritisch ist.

Verwenden Sie im Haushalt kein jodiertes Speisesalz? Essen Sie kaum Milch und Milchprodukte?

Quelle: DGE (vereinfacht)

Meiden Sie Fisch?

FOTO: PHOTODISC

JA

„Meeresfrüchte“ sind gute JodLieferanten.

w

m

40 80

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

100 120 140 180 180

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

200 200 200 180 180

FOTO: PHOTODISC

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das vom menschlichen Körper gut aufgenommen werden kann. Fast der gesamte Jodhaushalt des Menschen (ca. 10 bis 20 mg) ist in der Schilddrüse gespeichert. Das aufgenommene Jod wird in der Schilddrüse konzentriert und in die Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin eingebaut. Von diesen beiden Hormonen werden wichtige Zellfunktionen im Körper gesteuert. Daher wirkt sich Jod auf den gesamten Stoffwechsel aus. Jodmangel führt zur Entstehung eines Kropfes (zu einer Schilddrüsenvergrößerung) und bei Neugeborenen zum Krankheitsbild des Kretinismus (zu einer geistigen und körperlichen Entwicklungsstörung, die etwa in der Hälfte der Fälle zu Taubheit führt). Deutschland, besonders Bayern, gilt als Jodmangelgebiet und daher als Gebiet mit erhöhtem Risiko für eine Kropfbildung. Nach unterschiedlichen Schätzungen

Schwangere

230

Stillende

260

Werte für Deutschland und Österreich m = männlich

w = weiblich

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

75


Kupfer

Fehlt Ihnen Kupfer? Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Kupferversorgung zu knapp sein.

JA

Meiden Sie Fleisch?

FOTO: PHOTODISC

upfer ist wichtig für die Atmung, K denn zusammen mit Eisen wird es für die Sauerstoffverwertung benötigt.

Verwenden Sie hoch dosierte Vitamin-CProdukte (über 600 mg/Tag)?

Enthalten z. B. in Leber (vom Rind, vom Kalb, vom Schwein), Hülsenfrüchten, Sonnenblumenkernen, Nüssen, Mandeln, Kakao

auch zur Glätte und zur Elastizität der Haut bei. Hohe Dosierungen von Kupfer bitte nur nach Absprache mit dem Arzt zuführen.

Herkunft - Funktion - Versorgung Kupfer aktiviert mindestens 16 Enzyme, von denen die meisten der Atmungskette dienen. Als Atmungskette bezeichnet man die Stoffwechselreaktionen unseres Körpers, die eine Energiegewinnung aus unserer Nahrung ermöglichen. Eines der durch Kupfer aktivierten Enzyme, das andere Funktionen hat, ist die Superoxiddismutase, die für die Beseitigung Freier Radikale im Körper zuständig ist. Ein weiteres kupferhaltiges Enzym ist die

0,5-1,0 0,5-1,0 1,0-1,5 1,0-1,5 1,0-1,5

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

1,0-1,5 1,0-1,5 1,0-1,5 1,0-1,5 1,0-1,5

Schwangere

1,0-1,5

Stillende

1,0-1,5

Quelle: DGE (vereinfacht)

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

Antioxidative Wirkung: Als Bestandteil der Superoxid-Dismutase ist Kupfer am Abbau freier Radikale beteiligt.

Ob schwarz, ob blond, ob braun — Kupfer bringt Farbe ins Haar.

FOTO: PHOTODISC

mg pro Tag

0,2-0,6 0,6-0,7

Blutarmut (Anämie): Zusammen mit Eisen kann Kupfer bei einer durch Kupfermangel bedingten Blutarmut eine Besserung bewirken.

Dopaminhydroxylase; es ist zuständig für die Bildung von Hormonen, die ihrerseits die Stimmung, das Reaktionsvermögen und die Stresstoleranz regeln. Auch das Immunsystem braucht Kupfer, daher wirkt sich ein Kupfermangel immer im Sinne einer erhöhten Infektanfälligkeit aus. Außerdem ist Kupfer als Bestandteil des Enzyms Lysyloxidase für die Verflechtung der beiden tragenden Bindegewebseiweiße Kollagen und Elastin verantwortlich. Kollagen und Elastin sorgen für die Struktur und die Elastizität von Knochen, Bändern, Knorpeln, Bindegewebe und Blutgefäßen. Kupfer trägt mit seinen Funktionen

Wieviel Kupfer braucht der Körper? Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Verwendung von Kupfer

Hülsenfrüchte enthalten viel Kupfer. FOTO: MEV

76

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

FOTO: PHOTODISC

Gibt dem Haar Farbe


FOTO: PHOTODISC

Selen Wichtig im Kampf gegen Freie Radikale elen wirkt antioxidativ, stimuliert das Immunsystem und kann den Alterungsprozess verlangSsamen. Deutschland ist ein Selen-Mangelgebiet.

Fisch, Fleisch, Sojabohnen, Vollkornbrot, Leber, weiße Bohnen und Milchprodukten

Herkunft - Funktion - Versorgung Selen ist ein wichtiger Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase, das wiederum für das Immunsystem von großer Bedeutung ist und Freie Radikale bekämpft. Selen greift also nicht direkt in die schützenden Mechanismen des Körpers ein, sondern wirkt indirekt über das Glutathionperoxidasesystem. Direkt wirkt Selen auf die Antikörperproduktion ein. Es stimuliert die so genannten Immunglobuline, die Krankheitserreger für das Immunsystem markieren. Bakterien oder Viren werden damit zur Zerstörung durch die Lymphozyten vorbereitet. Selen arbeitet mit Vitamin E zusammen. Selen ist besonders wichtig bei Stress, bei erhöhter Ozonbelastung und bei starker UVBestrahlung. Es empfiehlt sich eine ergänzende Aufnahme zusammen mit anderen essenziellen Vitaminen in einem

Multivitalstoff-Präparat. Selen sollte jedoch nicht überdosiert werden, da es in großen Mengen Nebenwirkungen aufweist. Ab 800 µg beginnt sich die Wirkung von Selen umzukehren. Um diesen Wert zu erreichen, müsste man allerdings mindestens ein Dutzend Kapseln handelsüblicher Präparate zu sich nehmen. Nach Absetzen der hohen Dosierung verschwinden die Nebenwirkungen wieder.

Immunsystem: Selen stabilisiert das Immunsystem. Antioxidative Wirkung: Wegen seiner antioxidativen Eigenschaften kann eine ausreichende Versorgung mit Selen vermutlich Krebserkrankungen vorbeugen. Schwermetallvergiftung: Bei chronischen Vergiftungen mit Quecksilber oder Blei kann Selen die Entgiftung unterstützen.

Verwendung von Selen Männliche Unfruchtbarkeit: Selen spielt als Baustein des Seleno-Enzyms eine wichtige Rolle bei der Reifung von Samenzellen — und damit für die männliche Fruchtbarkeit. Im Verlauf der Spermienreifung wird das Seleno-Enzym zu einem wesentlichen Bestandteil der reifen, funktionsfähigen Samenzelle. Besteht ein Selenmangel, kann sich keine funktionsfähige Spermienstruktur bilden, die Spermien sind unfruchtbar.

Wieviel Selen braucht der Körper?

FOTO: Y.NIKAS/TONY STONE

Enthalten z. B. in

µg pro Tag

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Selen zu knapp sein.

Ernähren Sie sich überwiegend vegetarisch? Leiden Sie häufig unter Infektionskrankheiten? Sind Sie vermehrt Umweltbelastungen wie Schadstoffen, Smog, Abgasen etc. ausgesetzt?

FOTO: PHOTODISC

JA

Als Vegetarier sollten Sie weiße Bohnen auf dem Speiseplan haben.

Quelle: DGE (vereinfacht)

Fehlt Ihnen Selen?

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

5-15 7-30

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

10-40 15-45 20-50 25-60 25-60

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

30-70 30-70 30-70 30-70 30-70

Schwangere

30-70

Stillende

30-70

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

77


Mangan

Fehlt Ihnen Mangan?

JA

Enthalten z. B. in Sojabohnen, Bananen, Erdbeeren, Nüssen (besonders Walnüssen), Vollkornprodukten, Haferflocken, Hülsenfrüchten, in grünem Blattgemüse, Früchten, Wurzelgemüsen und schwarzem Tee

Mögen Sie keinen schwarzen Tee?

Bedeutung extrem wichtig für das Enzym ist. Auch Eisen, Kupfer, Zink und Selen üben eine solche Rolle in Enzymen aus.

Herkunft - Funktion - Versorgung Mangan gehört zu den essenziellen Spurenelementen und wird vor allem für Enzyme gebraucht, die an der Herstellung von Bindegewebe, insbesondere von Kollagen, beteiligt sind. Um seine vier Untereinheiten zusammenhalten zu können, braucht das Biotin-Enzym, das für den Kohlenhydratstoffwechsel wich-

Mangan schützt das Nervensystem.

Wieviel Mangan braucht der Körper?

tig ist, Mangan als wichtiges Bindeglied. Bei Manganmangel treten Störungen der Fruchtbarkeit und des Skelettwachstums sowie Nervenstörungen auf. Zudem wirkt Mangan als Bestandteil der Superoxiddismutase — eines antioxidativ wirkenden Enzyms‚ — indirekt als Radikalenfänger. Mangan ist sozusagen der „Metallkern“ des Enzyms, der zwar winzig klein, aber in seiner

78

0,6-1,0

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-3,0 2,0-5,0 2,0-5,0

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0 2,0-5,0

Schwangere

2,0-5,0

Stillende

2,0-5,0

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Quelle: DGE (vereinfacht)

mg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

FOTO: PHOTODISC

M

Meiden Sie Vollkornprodukte?

Ein weiteres Enzym, das Mangan braucht, ist die Pyruvatcarboxylase. Sie verwandelt das Abfallprodukt Milchsäure wieder in Glucose. Milchsäure entsteht, wenn schnell Energie gewonnen werden muss. Dann wird die Glucose nicht ganz ausgenutzt, da dieser Stoffwechselweg zu langwierig ist. Wenn die Muskeln eines 100-m-Sprinters schnell viel Energie brauchen, dann wird die Glucose im Rahmen eines kurzen Stoffwechselweges, der ohne Sauerstoff auskommt und deshalb sehr schnell ist, nur zu Milchsäure abgebaut. Daher stammt auch der Begriff „übersäuerte Muskulatur“, den man oft hört, wenn ein Sportler sich zu viel zumutet. Auch die Muskulatur und die Organe eines kranken Menschen müssen oftmals ähnlich arbeiten wie das Gewebe eines Leistungssportlers, da aufgrund von Erkrankungen die Versorgung mit Sauerstoff verschlechtert ist. Damit die Restenergie der Milchsäure nicht verloren geht, wandelt das Manganabhängige Enzym Pyruvatcarboxylase diese wieder in Glucose um.

FOTO: MEV

angan ist unentbehrlich für die Hirnfunktion. Bei Manganmangel kommt es zu Störungen des Nervensystems.

GARFIK: DPNY

nicht vergessen!

Schon bei einem angekreuzten „Ja-Feld“ ist eine ergänzende Zufuhr mit Mangan sinnvoll.


FOTO: PHOTODISC

Zink Wichtig fürs Immunsystem Spurenelement Zink ist eines der wichtigsten SpuEs ist an über 200 Enzymaktivitäten beDteiligt.asrenelemente. Zink unterstützt das Immunsystem, da es für die Bildung bestimmter Immunzellen sorgt. FOTO: PHOTODISC

Wachstum und Pubertät: Der Körper benötigt in diesen Entwicklungsphasen besonders viel Zink.

Enthalten z. B. in

Immunsystem: Infektionen, die man auf eine geschwächte Immunabwehr zurückführen kann, können durch die Einnahme von Zink positiv beeinflusst werden.

Fleisch, Fisch, Leber, Linsen, Vollkornbrot

Herkunft - Funktion - Versorgung Zink ist das zweithäufigste Spurenelement im Körper. Es ist an der Bildung von Antikörpern beteiligt; und es ist der aktivierende Cofaktor des Thymusdrüsenhormons Thymulin, das die Bildung wichtiger Immunzellen reguliert. Zink ist auch für das „Gedächtnis“ unserer Immunabwehr zuständig — es erinnert das Immunsystem an schon da gewesene Eindringlinge, sodass es sie besser bekämpfen kann. Zink ist zudem unentbehrlich für den Aufbau roter und weißer Blutkörperchen, für die Wundheilung, für die Zellerneuerung und für die normale Wachstumsentwicklung von Kindern. Auch für die Funktionen des Gehirns, der Schilddrüse, der Leber und der Nieren ist Zink wichtig.

Wieviel Zink braucht der Körper?

Bei Stress verbraucht der Körper viel Zink.

mg pro Tag

Säuglinge 0 - 4 Monate 4 - 12 Monate

Verwendung von Zink Alkohol, sportliche Betätigung: Zink hilft beim Abbau von Alkohol und von Milchsäure, die bei starker Muskelbeanspruchung entsteht. Es sollte also bei Alkoholkonsum und bei sportlicher Betätigung auf eine ausreichende Versorgung mit dem Spurenelement geachtet werden.

Kinder 1 - 4 Jahre 4 - 7 Jahre 7 - 10 Jahre 10 - 13 Jahre 13 - 15 Jahre

Stress: Ganz gleich, ob körperlich oder seelisch — Stress entzieht dem Körper Zink.

Jugendliche u. Erwachsene 15 - 19 Jahre 19 - 25 Jahre 25 - 51 Jahre 51 - 65 Jahre 65 Jahre u. älter

JA

Ernähren Sie sich überwiegend vegetarisch? Leiden Sie häufig unter Infektionskrankheiten?

FOTO: DPNY

Bei schon einem angekreuzten „Ja-Feld“ könnte Ihre Versorgung mit Zink unzureichend sein.

Quelle: DGE (vereinfacht)

Fehlt Ihnen Zink?

w

m

1,0 2,0 3,0 5,0 7,0 9,0 9,5

7,0 7,0

10,0 10,0 10,0 10,0 10,0

7,0 7,0 7,0 7,0 7,0

Schwangere

10,0*

Stillende

11,0

* Ab dem 4. Monat der Schwangerschaft. m = männlich

w = weiblich

Sind Sie vermehrt Umweltbelastungen wie Schadstoffen, Smog, Abgasen etc. ausgesetzt?

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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Aminosäuren – sollten wir unsere Nahrung damit ergänzen?

Aminosäuregehalt* in Rindfleisch (Hüfte) und in Weizen (ganzes Korn) je 100 g Rindfleisch

Weizen

Alanin

1.620 mg

510 mg

Arginin

1.460 mg

620 mg

Aspartat

2.280 mg

700 mg

Cystin

D

er menschliche Körper kann aus den 20 verschiedenen Aminosäuren, die ihm zum Aufbau der Proteine zur Verfügung stehen, eine gewaltige Zahl verschiedenster Proteine mit ganz unterschiedlichen Stoffwechsel-Eigenschaften bilden. Man unterscheidet hierbei essenzielle und nichtessenzielle Aminosäuren. Die essenziellen Aminosäuren können von unserem Organismus nicht gebildet werden, das heißt, sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Die nicht-essenziellen Aminosäuren kann der Körper selbst herstellen.

FOTO: DPNY

Wegen ihrer entscheidenden Funktionen für den Stoffwechsel stellen Proteine für viele Menschen den Inbegriff eines lebensnotwendigen und muskelaufbauenden Nährstoffs dar. Die Frage ist jedoch: Brauchen wir wirklich mehr und mehr Proteine? Und: Müssen wir unsere Nahrung wirklich um zusätzliche Proteine oder Aminosäuren ergänzen? Um dies beurteilen zu können, muss man die Proteinquellen der Nahrung unter die Lupe nehmen und die Zufuhr und Versorgungslage der Durchschnittsbevölkerung kennen. Aminosäuren in Fleisch und Fisch sind vom Körper gut abbaubar.

80

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Wichtige Proteinlieferanten Insbesondere vom Tier stammende Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sind reich an Proteinen. Aber auch pflanzliche Lebensmittel, vor allem Getreide und Hülsenfrüchte, haben große Bedeutung als Proteinlieferanten. Für den Beitrag, den ein Lebensmittel zur Proteinversorgung leistet, ist natürlich seine Proteinmenge entscheidend. Auch von Bedeutung ist, wie gut unser Körper dem Nahrungsmittel die Aminosäuren entziehen kann und welche Aminosäuren überwiegend enthalten sind. So sind pflanzliche Proteine in der Regel schlechter verdaulich als tierische, da die pflanzliche Zellwand einem Angriff der Verdauungssäfte oftmals widersteht.

280 mg

290 mg

Glutamat

3.990 mg

4.080mg

Glycin

1.500 mg

720 mg

810 mg

280 mg

1.220 mg 1.980 mg 2.050 mg 610 mg 1.000 mg

540 mg 920 mg 380 mg 220 mg 640 mg

Prolin

1.170 mg

1.560mg

Serin

1.020 mg

710 mg

Threonin 1.100 mg Tryptophan 270 mg

430 mg 150 mg

Histidin

Isoleucin Leucin Lysin Methionin Phenylalanin

Tyrosin

Valin

810 mg

410 mg

1.320 mg

620 mg

*Die essenziellen Aminosäuren sind fett gedruckt.

Gesamt: Rindfleisch ca. 21 g, Weizen ca. 12 g Quelle: Souci, Fachmann, Kraut 1994

KURZ-GESAGT Eiweiße (Proteine) sind aus Aminosäuren zusammengesetzt. Fisch und Fleisch sind besonders reich an Aminosäuren, sie sind FOTO: PHOTODISC

Proteine sind uns allen als wertvolle und lebensnotwendige Nahrungsbestandteile bekannt. Sie sind nicht nur Bausteine des Organismus, sondern haben als Enzyme oder Hormone auch regulierende Funktionen. Proteine bestehen aus Aminosäuren.

jedoch auch in pflanzlicher Nahrung zu finden.


Zufuhr und Bedarf an Aminosäuren – eine ausgeglichene Bilanz?

FOTO: DPNY

Um aus den Aminosäuregehalten in Lebensmitteln etwas über den Versorgungsstatus zu erfahren, muss man ermitteln, ab wann der Aminosäurebedarf gedeckt ist. Die nachstehende Tabelle zeigt den geschätzten Bedarf an essenziellen Aminosäuren eines 70 kg schweren Erwachsenen.

Geschätzter Bedarf an essenziellen Aminosäuren eines Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 kg

Isoleucin

700 mg

Leucin

980 mg

Lysin

840 mg

Methionin und Cystein*

910 mg

Phenylalanin und Tyrosin*

980 mg

Threonin

490 mg

Tryptophan

280 mg

Valin

700 mg

*Methionin und Cystein bzw. Phenylalanin und Tyrosin kann der menschliche Stoff wechsel ineinander umwandeln. Quelle: Shils, Olson, Shike, Ross 1998

Vergleicht man die Werte der beiden Tabellen im Hinblick auf die essenziellen Aminosäuren, so zeigt sich, dass schon die relativ kleine Portion von 100 g Rindfleisch am Tag ausreicht, um den Bedarf an essenziellen Aminosäuren zu decken. Dabei darf man nicht vergessen, dass darüber hinaus täglich zahlreiche weitere Proteinquellen in Form von Getreideprodukten, Milch und Milchprodukten sowie einigen proteinreichen Gemüsesorten verzehrt werden. So können bereits kleine Mengen an Milchprodukten den Aminosäurebedarf decken.

FOTO: PHOTODISC

Täglicher Aminosäurenbedarf

Dadurch übersteigt in der Praxis die Gesamtzufuhr an Aminosäuren bei weitem den Bedarf. Dies wird sehr deutlich, wenn man die Versorgungssituation im Hinblick auf die Proteinzufuhr prüft. In den Jahren 1985 bis 1988 wurde in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie eine repräsentative Ernährungsstudie mit ca. 25.000 Personen durchgeführt, die in die Literatur als Nationale Verzehrsstudie (NVS) einging. Etwa ein Zehntel der Studienteilnehmer wurde anschließend mit klinisch-biochemischen Methoden untersucht. Im Rahmen dieser als Verbundstudie Ernährungserhebung und Risikofaktorenanalyse-Analytik (VERA) bekannten Studie wurde auch die Gesamtproteinaufnahme ermittelt. Die zur Proteinbedarfsdeckung eines „Durchschnittsmenschen“ täglich notwendige Gesamtzufuhr an verschiedenen Aminosäuren beträgt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 0,8 g pro kg Körpergewicht. Die wünschenswerte Zufuhr an Proteinen sollte 12 bis 13 % der gesamten Energieaufnahme nicht überschreiten, das heißt, ein 75 kg schwerer Mann sollte 56 g,

Auch bestimmte Obst und Gemüsesorten enthalten Eiweiße und damit auch Aminosäuren.

Schon kleine Mengen von Milch und Milchprodukten enthalten eine ausreichende Menge an Aminosäuren.

KURZ-GESAGT Die tägliche Nahrung deckt unseren Bedarf an Aminosäuren mehr als genügend – eine 60 kg schwere eine zusätzliche Frau 48 g Proteine pro Tag aufnehmen. Nahrungsergänzung Wie die Ergebnisse mit Aminosäuren ist der VERA-Studie erüberflüssig. gaben, werden diese Zufuhrmengen von der deutschen Bevölkerung bei weitem überschritten. So lag die tägliche Proteinzufuhr bei durchschnittlich 80 g – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Eine Ergänzung der in den Industrienationen üblichen Ernährung mit nichtessenziellen und essenziellen Aminosäuren ist aufgrund des hohen Stellenwertes von Lebensmitteln tierischen Ursprungs auf unseren Speiseplänen überflüssig.

Proteinzufuhr früher und heute Vergleicht man unsere Ernährungsgewohnheiten mit denen vom Ende des 18. Jahrhunderts, zeigen sich einige Veränderungen. So war beispielsweise die Kohlenhydratzufuhr damals besonders hoch und zeichnete sich durch einen hohen Anteil ballaststoffhaltiger Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide aus. Dies ist aus ernährungsphysiologischer Sicht positiv zu werten. Demgegenüber lag der Anteil von Proteinen und Fetten deutlich niedriger als heute und betrug für Fette etwa nur 25 g täglich (heute etwa 130 g) und für Proteine etwa 60 g täglich. Hinzu kommt, dass die Menschen damals andere Proteinquellen für ihre Ernährung

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

81


Aber bitte mit Calcium! „Tierische“ Proteine in großen Mengen entziehen dem Körper Calcium.

LIP OC OT :F TO FO

nutzten. Das Eiweiß stammte früher sehr viel seltener aus tierischen Quellen, es wurden überwiegend pflanzliche Proteinträger verzehrt. Während der Anteil tierischen Proteins früher nur bei etwa 6 % lag, langen wir heute deutlich kräftiger zu. Mittlerweile entstammen ca. 65 % unserer Proteine tierischen Lebensmitteln.

verstärkten Calciumverlust verantwortlich. Im Jahr 1994 ergab eine Studie, dass sich die Calciumverluste um die Hälfte reduzierten, wenn tierische Proteine aus der Kost entfernt wurden und der Proteinbedarf stattdessen mittels Getreide, Bohnen, Gemüse und Früchten gedeckt wurde. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass eine proteinreiche Ernährung nicht schädlich für die Knochen ist, solange sie von einer ausreichenden Calciumaufnahme begleitet wird: Empfohlen wird ein Calcium-Protein-Verhältnis von 20:1 (mg Calcium/g Protein). Dies hieße allerdings: Bei einer duchschnittlichen derzeitigen Proteinzufuhr von 80 g am Tag müssten wir 1.600 mg Calcium aufnehmen, eine Menge, die über die normale Kost nicht erreicht werden kann.

KURZ-GESAGT

Sicht kann das der Gesundheit schaden.

82

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

Eine ergänzende Zufuhr von Aminosäuren bzw. Proteinen macht aus wissenschaftlicher Sicht keinen Sinn. Nur bei bestimmten Krankheitsbildern, nach schweren Operationen oder bei Unterernährung ist eine Gabe von Proteinen notwendig. In diesen Fällen werden in der klinischen Ernährung spezielle Trinknahrungen mit hohen Proteingehalten verwendet. Die meisten am Markt erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel mit Aminosäuren enthalten nur so geringe Mengen der Proteinbausteine, dass man sich bereits mit 12 g Schweinefleisch, 29 g Weizen oder mit einem halben Glas Vollmilch die gleiche Menge zuführen könnte.

Aminosäuregehalt im Vergleich

„Viel hilft viel“ ist bei Aminosäuren die falsche Devise Proteine sind lebensnotwendig und von daher für den Menschen auch in größerer Menge zunächst nicht schädlich. Dennoch hat sich gezeigt, dass eine starke Erhöhung der Proteinzufuhr, wie sie durch den Wandel der Ernährungsgewohnheiten heute üblich ist, unerwünschte Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. So deuten Studien auf eine mögliche Erhöhung des Risikos für Osteoporose (Knochenschwund) durch eine zu hohe Proteinaufnahme hin. Verschiedene Untersuchungen konnten nämlich zeigen, dass eine hohe Proteinzufuhr zu einer vermehrten Calciumausscheidung mit dem Harn führt. Calcium ist aber der Mineralstoff, der im Knochen den mengenmäßig höchsten Anteil ausmacht. Er ist für die Knochenstabilität von außerordentlicher Bedeutung. Der Verlust von Calcium über die Niere ist indes von der Art der Proteine abhängig. Insbesondere die in tierischen Lebensmitteln enthaltenen In den Industrielänschwefelhaltigen dern wird zu viel Aminosäuren (z. B. tierisches Eiweiß Cystin und Methionin) sind für den gegessen. Auf lange

Brauchen wir Protein- bzw. Aminosäuren-Supplemente?

Schweinefleisch

Joghurt

Vollmilch

Goudakäse

je 100 g

(3,5 % Fett) je 100 g

(3,5 % Fett) (3,5 % Fett i. Tr.) je 100 g je 100 g

Alanin

1.250 mg

170 mg

Arginin

1.230 mg

140 mg

130 mg

980 mg

Aspartat

1.970 mg

310 mg

290 mg

1.780 mg

130 mg

780 mg

240 mg

30 mg

28 mg

k. A.

Glutamat

3.160 mg

760 mg

790 mg

6.280 mg

Glycin

1.150 mg

94 mg

76 mg

500 mg

800 mg

100 mg

95 mg

1.050 mg

mg mg mg mg mg

220 mg 360 mg 280 mg 90 mg 180 mg

1.340 mg 2.620 mg 2.790 mg 740 mg 1.460 mg

460 mg

340 mg

340 mg

Cystin*

Histidin

Isoleucin Leucin Lysin Methionin Phenylalanin

1.020 1.560 1.780 580 790

mg mg mg mg mg

240 410 310 100 210

Prolin

980 mg

Serin

910 mg

240 mg

210 mg

1.570 mg

1.010 mg 240 mg

170 mg 45 mg

160 mg 49 mg

950 mg k. A.

730 mg

200 mg

180 mg

1.480 mg

1.550 mg

300 mg

240 mg

1.850 mg

Threonin Tryptophan Tyrosin

Valin

*Cystin besteht aus 2 miteinander verbundenen Molekülen der Aminosäure Cystein. k. A. = keine Angaben Quelle: Souci, Fachmann, Kraut 1994


KURZ-GESAGT

FOTO: PHOTODISC

Die tägliche Ernährung enthält bereits genügend Aminosäuren, um den Bedarf unseres Körpers zu decken. Nur ganz bestimmte Erkrankungen können eine ergänzende Zufuhr von Aminosäuren erforderlich machen.


Wasser – Quelle des Lebens Nicht nur eine gute Versorgung mit Vitalstoffen ist lebenswichtig für den menschlichen Organismus. Auch die Zufuhr einer stets ausreichenden Menge von Wasser kann darüber entscheiden, ob wir uns

FOTO: PICTOR

FOTO: IDM

FOTO: INDEX

FOTO: ZEFA

gesund oder krank fühlen.


Länger als einen Monat kann der Mensch ohne Nahrung auskommen; ohne Wasser überlebt er keine 6 Tage. Kein Wunder — besteht er doch zu 70 Prozent aus Wasser. Der größte Teil davon befindet sich innerhalb der Zellen (intrazellulär), ungefähr ein Viertel davon füllt die Gewebezwischenräume (interstitiell) und 4 Prozent davon finden sich im Blutplasma. Im Verlauf des Lebens nimmt der Wasseranteil etwas ab, er sinkt jedoch nie unter 50 bis 60 Prozent der Körpermasse – der tägliche Wasserverlust muss also beständig ausgeglichen werden. Rund 2,5 Liter sind dafür täglich nötig, denn diese Menge „verbraucht“ der Organismus, um Körperfunktionen wie das Atmen, das Schwitzen und das Ausscheiden von Schadstoffen in Gang zu halten. Sportler und Menschen, die sich sehr salzhaltig ernähren, haben einen höheren Wasserbedarf, aber auch die Umgebungstemperaturen wirken auf den Bedarf. An besonders heißen Sommertagen kann der Wasserbedarf im Extremfall auf bis zu zehn (!) Liter ansteigen. Der fortwährende Wasserverlust muss also ständig ausgeglichen werden – am besten je zur Hälfte durch Getränke und durch Lebensmittel.

Gefährlicher Wassermangel Auf Wassermangel reagiert der Körper, schon bevor wir einen trockenen Mund oder das bekannte Durstgefühl verspüren. Wenn Sie sich öfters schlapp und ausgelaugt fühlen und Kopfschmerzen oder Übelkeit Sie plagen, leiden Sie womöglich unter einem Wassermangel. Die sind nämlich erste Anzeichen für die ernsthafte Gesundheitsgefährdung, die ein Wassermangel mit sich bringen kann. Schon ein Wasserverlust (eine Dehydratation) von 4 bis 6 Prozent führt zu deutlichen Leistungsminderungen (s. Tabelle). Dass wir diese Vorboten viel zu oft gar nicht als Hinweis auf einen Wassermangel deuten, liegt an der ausgeprägten Fähigkeit unseres Körpers zur Krisenbewältigung. Falls nicht genug Wasser von außen zugeführt wird oder unser Körper durch Fieber, Erbrechen oder Durchfall Flüssigkeit verliert, beginnt unser Organismus sofort, die

vorhandenen Wasservorräte zu rationieren, um den „Körperbetrieb“ aufrechtzuerhalten. Dabei hat das Gehirn Vorrang vor allen anderen Organen. Während sein Gewicht nur ein Fünfzigstel des Körpergewichts beträgt, erhält es fast ein Fünftel des zirkulierenden Blutes. Durch diese Rationierungsmechanismen des Körpers spüren wir das Risiko einer Dehydratation nicht sofort, sondern beginnen erst dann, Wasser nachzuliefern, wenn der Körper uns schon spezielle Notsignale sendet, zum Beispiel Mundtrockenheit, Durst oder auch Appetitlosigkeit. Bis dahin laufen viele Organe bzw. Organfunktionen jedoch schon auf Sparbetrieb. Und dieser Sparbetrieb kann Beschwerden verursachen, die viele Menschen nicht mit Wassermangel in Verbindung bringen, da sie keinen Durst verspüren. Viele Menschen gestehen dem Wasser leider nicht die ihm zukommende Bedeutung zu. Sie verkennen, dass Wassermangel schon Beschwerden verursacht, noch bevor man Durst verspürt.

Gesundheitliche Folgen Störungen des Wasserhaushaltes können die Gesundheit jedoch ernsthaft gefährden, zum Beispiel infolge einer mangelhaften Nierenfunktion, einer mangelhaften Entgiftung, der Gefahr von Nierensteinen, der Gefahr von Harnwegsinfekten, der Gefahr von Verstopfungen, einer Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes sowie von deren Folgen.

Wassermangel führt zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen: In einer geringeren Menge Wasser werden auch weniger Nährstoffe transportiert. Die Stoffwechseltätigkeit nimmt ab, und die Organe werden mangelhaft mit Blut versorgt. Mit dem Mangel an Flüssigkeit verschlechtern sich die Fließeigenschaften des Blutes, es wird quasi „dickflüssiger“. Es kann zu Durchblutungsstörungen kommen, die im schlimmsten Fall zu Infektionen oder zu Organfunktionsstörungen führen. Achten Sie also darauf, täglich mindestens 2 bis 2,5 Liter Wasser zu sich zu nehmen – auch, wenn Sie gerade keinen Durst verspüren.

Mineralwasser – Durstlöscher Nr. 1 Stellen Sie sich einen heißen Sommertag vor. Die Sonne brennt auf Sie hernieder, und die Kleidung klebt Ihnen am Körper. Schweiß rinnt aus allen Poren, und die Zunge klebt am Gaumen: Durst. Millionen Deutsche greifen in diesem Moment am liebsten zur Mineralwasserflasche. Das Warten Sie nicht auf hängt mit dem gestiedas Notsignal „Durst“ genen Gesundheitsund ErnährungsbeIhres Körpers. Achten wusstsein zusammen. Sie vielmehr darauf Denn schließlich weiß sich täglich 2 bis 2,5 inzwischen jeder:

KURZ-GESAGT

Wasser ist gesund sowie kalorienarm, und es gehört zu einer ausgewogenen Ernährung wie das tägliche Brot.

Folgen der Dehydratation

Wasserverlust in Prozent des Körpergewichts. Quelle: Bundesverband der Deutschen Erfrischungsgetränke e.V.

Liter Wasser zuzuführen. Das verhindert Beschwerden, die durch mangelhafte Wasserversorgung ausgelöst werden.

1–3 Prozent: Durst, Mundtrockenheit, Verringerung der Harnproduktion 4–6 Prozent: Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit, motorische Störungen, Herzrasen, erhöhte Körpertemperatur 7–11 Prozent: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Atemnot, vermindertes Blutvolumen, Unfähigkeit zu gehen Über 11 Prozent: Verwirrtheit, Krämpfe, Delirium Über 20 Prozent: Tod

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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GRAFIK: DPNY

Wie viel Wasser braucht der Mensch?


Mineralwasser – Gesundheit aus der Flasche ineralwasser ist ein exzellenter Durstlöscher und darüber hinaus ein guter Nährstofflieferant. Es enthält Spurenelemente und Mineralien, die im Wasser gelöst sind und somit gut vom Körper aufgenommen werden können. Ihre Menge reicht in der Regel allerdings nicht aus, um den Tagesbedarf zu decken.

M

H2O

Mineral/ Spurenelement

Funktion

Mangelerscheinungen

Calcium Tagesbedarf: 800 mg

Ist am Aufbau der Knochen und Zähne beteiligt und ist wichtig für die Blutgerinnung

Entkalkung der Knochen; Zahn-, Haar-, Nägelschäden

Chlor Tagesbedarf: 1,7–5,1 g

Ist Bestandteil der Magensäure und wichtig für die Verdauung

Beeinträchtigung der Bildung von Magensäure, Durchfall

Eisen Tagesbedarf: Frauen: 15 mg Männer: 10 mg

Trägt zur Bildung der roten Blutkörperchen bei, ist verantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut

Müdigkeit, Blässe, eingerissene Mundwinkel

Fluorid

Härtet den Zahnschmelz, verhindert Zahnbelagbildung; wirkt vorbeugend gegen Knochenbrüchigkeit (Osteoporose)

Wachstumsstörungen, brüchige Knochen und Zähne, erhöhte Anfälligkeit für Karies

Jod Tagesbedarf: 180 µg

Ist am Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone beteiligt, reguliert das Wachstum

Kropfbildung, verminderte Stoffwechselaktivität

Kalium Tagesbedarf: 3–4 g

Reguliert (zusammen mit Natrium) den Flüssigkeitshaushalt; ist wichtig für die Funktionsfähigkeit der Muskeln und Nerven; aktiviert verschiedene Enzymen; hilft das SäureBase-Gleichgewicht aufrechtzuerhalten

Muskelschwäche, sinkender Blutdruck, Appetitlosigkeit, Verstopfung

Magnesium Tagesbedarf: Frauen 300 mg Männer 350 mg

Verantwortlich für die Weiterleitung der Nervenimpulse an die Muskeln; aktiviert Enzyme für die Energiegewinnung

Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen, Krämpfe, Konzentrationsund Kreislaufschwäche

Natrium Tagesbedarf: 2–3 g

Wichtig für die Gewebespannung, die Muskelreizbarkeit und -kontraktion

Schwäche, Übelkeit, Muskelkrämpfe bis zum Kreislaufkollaps

Phosphor Tagesbedarf: 800 mg

Bestandteil von Knochen und Zähnen; ist am Aufbau von Enzymen beteiligt; Baustein der Erbsubstanz

Schäden an Skelett und Zähnen (treten allerdings sehr selten auf)

Zink Tagesbedarf: 15 mg

Spielt eine wichtige Rolle für die Zellteilung, für die Wundheilung und für das Wachstum

Verlangsamte Wundheilung, Haarausfall, entzündliche Hautveränderungen

Quelle: Elmadia, J./Leitzmann, C.: Ernährung des Menschen, Ulmer Verlag, Stuttgart 1998

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MEDICOM Sonderausgabe, März 2001


Vom Regen in die Flasche ...

Mineralwasser ist das einzige Lebensmittel, das amtlich anerkannt werden muss und kaum verändert werden darf. Was sich Mineralwasser nennen darf, legt die Mineral- und Tafelwasserverordnung fest. Die Qualitätsordnung setzt voraus, dass natürliches Mineralwasser aus unterirdischen Quellen stammt; ursprünglich rein und vor menschlichen Verunreinigungen geschützt ist; aufgrund seines Gehalts an Mineralien und Spurenelementen

I N F O / B E R A T U N G

Fragen rund um das Thema „natürliches Mineralwasser “ kann Ihnen die Informationszentrale Deutsches Mineralwasser beantworten. Interessierte können unter folgender Anschrift kostenlos umfangreiches Informations- und Bildmaterial anfordern: Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM) Solinger Str. 13 45481 Mülheim an der Ruhr Telefon: 02 08/4 66 64-06 Telefax: 02 08/4 66 64-07

Das Etikett: die Visitenkarte des Wassers

Mineralwasser – Gesundheit aus der Flasche

Auf dem Etikett müssen der Name der Quelle, der Herkunftsort und das Feststellungsdatum der geltenden Analyse ausgewiesen sein. Je älter das Analysedatum, desto beständiger ist die Zusammensetzung des untersuchten Wassers, denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass das Wasser in seiner Zusammensetzung beständig sein muss. Die Angabe der wesentlichen Inhaltsstoffe erfolgt in zwei Listen: einer „Kationen+-Liste“ und einer „Anionen–-

Mineralwasser ist nicht nur ein exzellenter Durstlöscher, sondern auch ein guter Nährstofflieferant. Es enthält Spurenelemente und Mineralien, die im Wasser gelöst sind und somit gut vom Körper aufgenommen werden können. Ihre Menge reicht in der Regel allerdings nicht aus, um den Tagesbedarf zu decken.

KURZ-GESAGT

„Enteisent“ auf dem Etikett von Mineralwasserflaschen bedeutet, dass dem Wasser aus geschmacklichen und optischen Gründen Eisen entzogen wurde.

FOTO: TONY STONE

Staatlich geprüft und anerkannt

ernährungsphysiologisch günstige Wirkungen hat; hinsichtlich des Gehalts von unerwünschten Stoffen (wie Nickel, Blei, Quecksilber) bestimmte Grenzwerte nicht überschreitet; in seiner Zusammensetzung und seinen wesentlichen Merkmalen im Rahmen natürlicher Schwankungen konstant ist.

Liste“ – das sind die positiv bzw. negativ geladenen Teilchen (Ionen), in die Mineralsalze zerfallen, wenn sie in Wasser gelöst werden. Außer Kohlendioxid darf dem natürlichen Mineralwasser nichts zugesetzt werden. Eisen und Schwefel dürfen aus optischen und geschmacklichen Gründen entzogen, Kohlensäure darf zugesetzt oder abgetrennt werden. All das muss aus dem Etikett klar hervorgehen. „Enteisent“ bedeutet übrigens nicht, wie irrtümlich oft angenommen, dass das Wasser dem Körper Eisen entzieht, sondern dass dem Wasser (aus geschmacklichen und optischen Gründen) Eisen entzogen wurde. FOTO: IDM

„Reines Wasser muss durch einen tiefen Stein“ – diese Werbebotschaft hat durchaus ihre Berechtigung. Denn die Bodenschichten, aus denen natürliches Mineralwasser gefördert wird, liegen in einer Tiefe zwischen 100 und 800 m. Den Rohstoff für das Mineral- wie auch für unser Trinkwasser liefert das Regenwasser, das durch das Erdreich und durch diverse Gesteinsschichten sickert. Während Trinkwasser aus den oberen Erdschichten gefördert wird, entstammt Mineralwasser aus wesentlich tieferen Bodenschichten. Es hat oft Passagezeiten von mehreren hundert oder gar tausend Jahren hinter sich. Beim Versickern durch Kies, Sand und Gestein wird es gefiltert und mikrobiologisch gereinigt. Auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten nimmt es Mineralstoffe wie Kalium, Natrium, Calcium oder Magnesium auf. Auch Spurenelemente wie Zink, Jodid, Mangan, Eisen oder Fluorid und Kohlensäure (die aus dem Erdinnern aufsteigt) reichern sich bei diesem Vorgang im Wasser an.

MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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H2O: Grundformel des Lebens

Mineralsalze und Spurenelemente wie Natrium, Calcium, Phosphat etc. zerfallen in Wasser nämlich in kleine Teilchen – in Ionen. Sie sind mit einer minimalen elektrischen Ladung versehen. Als Kationen+ (positiv geladene Teilchen, z. B. Natrium) und Anionen– (negativ geladene Teilchen, z. B. Phosphat) bauen sie ein Spannungsfeld auf, durch das es in den Zellen zu Austausch- und Stoffwechselreaktionen (Elektrolyse) kommt. Ohne Wasser als Medium wäre das alles gar nicht möglich.

Das Allroundtalent Das Element mit der chemischen Formel H2O ist Löse- und Transportmittel in einem. Es transportiert die gelösten Stoffe in alle Körperregionen. Seine „Schubkraft“ (der osmotische Fluss des Wassers) kommt durch Ladungsunterschiede zwi-

schen den Zellinnenräumen und dem Außenraum zustande. Diese Unterschiede erzeugen Spannungen an den Zellmembranen, die von der Zelle zur Energiegewinnung genutzt werden. Übrigens: Das „Körperwasser“ ist rund um die Uhr und unermüdlich im Einsatz – schließlich übernimmt es die führende Rolle bei der Regulierung sämtlicher Körperfunktionen. Der stete Wasserfluss sorgt dabei gleichzeitig als „Kühlmittel“ für eine gleichbleibende Temperatur im Körperinnern.

Ohne Wasser ist kein Heil. Goethe

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Mineralwasser. Der Guide zu 170 Marken aus aller Welt. Von Claus Arius, erschienen im Heyne Verlag. FOTO: MEV

asser ist zwar kein Nährstoff, aber es ist das wässrige Milieu in unserem Körper, das Stoffwechselvorgänge überhaupt erst möglich macht.

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FOTO: PHOTODISC

Was ist was ? und 350 Mineralwässer, 65 Heilwässer aus deutschen Brunnen sowie Quell- und Tafelwässer stehen dem deutschen Konsumenten zur Auswahl. Damit der Verbraucher den Überblick behält, legt die Mineral- und Tafelwasserverordnung fest, wie sich welches Wasser nennen darf.

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Heilwasser ist im Unterschied zu Quell- und Tafelwasser kein Lebens-, sondern ein Arzneimittel, das als solches zugelassen sein muss. Es soll mindestens ein Gramm Mineralstoffe pro Liter oder hohe Anteile wirksamer Einzelsubstanzen wie Eisen, Schwefel oder Jod enthalten. Anwendungsgebiete und Dosierungsanleitungen sind auf Bei einem hohen dem Etikett zu verNitratgehalt des Leimerken. Heilwasser tungswassers sollten ist normalerweise

KURZ-GESAGT

Schwangere, Stillende und Säuglinge Mineralwasser vorziehen.

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nicht für den dauerhaften Gebrauch bestimmt. Leitungswasser entstammt im bundesdeutschen Durchschnitt gesehen zu zwei Dritteln dem Grundwasser und zu einem Drittel dem Oberflächenwasser (aus Seen und Talsperren). Für den Verzehr muss es zumeist gereinigt werden. Mineralwasser ist das einzige deutsche Lebensmittel mit Nachweispflicht. Während für Leitungswasser nur gilt, dass es nicht gesundheitsschädigend sein

darf, müssen Mineralwässer ernährungsphysiologische Wirkungen aufweisen. Sie dürfen nur aus unterirdischen Quellen gefördert werden, die ursprünglich und rein sind, und sie müssen unmittelbar am Standort des Brunnens in Flaschen abgefüllt werden. Quellwasser hat seinen Ursprung (wie das Mineralwasser) in einem unterirdischen Wasservorkommen und darf nur direkt an der Quelle abgefüllt werden. Seine Qualität muss der von Trinkwasser entsprechen. Ernährungsphysiologische Wirkungen werden nicht verlangt. Tafelwasser ist kein Naturprodukt, sondern eine Mischung verschiedener Wasserarten (z. B. Mineral-, Trink-, Salzwasser-/Natursole und Meerwasser). Der Zusatz von Mineralsalzen ist genauso gestattet wie der Transport in Containern und Tankwagen.


Das Einmaleins der Fachbegriffe

Glossar A

Alpha-Helix Dreidimensionale Struktur von Eiweißen, ähnelt der Schnur eines Telefonhörers Alkalische Behandlungen mit Laugen (alkalische Reaktionen) mit hohem pH-Wert (8 bis 14) sind sehr aggressiv. Bei der Gelatineherstellung dienen sie dazu, mögliche Krankheitserreger abzutöten. Aminosäurenkette In einem Eiweißmolekül (Protein) sind Aminosäuren wie Perlen an einer Schnur aneinander gereiht. Sie bilden eine Kette. Durch Wechselwirkungen und Brückenbindungen zwischen den Aminosäuren bzw. deren Bestandteilen bildet sich eine dreidimensionale Struktur aus. Antikörper Wenn körperfremde Stoffe (Antigene) im Blut vorliegen, werden von den BLymphozyten (sie gehören zu den kleinen weißen Blutkörperchen) Antikörper gebildet. Antikörper sind Eiweiße (Immunglobuline), sie können Antigene binden und sie damit unschädlich machen. Antioxidanzien Mikronährstoffe wie Vitamin E, Vitamin C, Beta-Carotin, Coenzym Q10 und Selen; sie schützen den Organismus vor der Zellschädigung durch Sauerstoffradikale. Artenbarriere Zwischen verschiedenen Arten (z. B. Rind und Schaf) bestehende Unterschiede im Erbmaterial Arteriosklerose Schädigung der Blutgefäße durch Ablagerungen; diese können zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen. Autopsie Leichenschau, Untersuchung der Leiche zur Klärung der Todesursache; wird in Krankenhäusern zur Kontrolle der Diagnose und zur wissenschaftlichen Vervollkommnung der Medizin regelmäßig an den dort Verstorbenen durchgeführt. Avitaminose Vitaminmangelerscheinung, die durch unzureichende Vitaminzufuhr hervorgerufen wird Bakterien Mikroskopisch kleine Organismen von kugeliger, stäbchen- oder schraubenförmiger Gestalt. Die Bakterien vermehren sich durch Querteilung (Spaltung, Zweiteilung) oder Sprossung. Bakterien sind überall in der Luft, im Wasser und im Boden verbreitet. Aerobe Bakterien können sich nur in Gegenwart von Luftsauerstoff vermehren, während Anae-

B

robier keinen molekularen Sauerstoff benötigen. Fakultativ anaerobe Bakterien können sowohl unter aeroben als auch unter anaeroben Bedingungen leben. Beta-Faltblattstruktur Dreidimensionale Struktur von Proteinen, ähnelt einer Wellpappe oder einer Ziehharmonika Bindegewebe Stützgewebe aus Zellen u. Fasern, das zum Aufbau des Körpers dient u. Bänder u. Sehnen bildet Blutserum Bei der Blutgerinnung sich absondernde, klare Flüssigkeit aus Wasser, enthält gelöste Eiweißstoffe (Immunstoffe) u. Mineralstoffe BSE Abkürzung für Bovine Spongiforme Enzephalopathie, auch „Rinderwahnsinn“: Erkrankung bei Rindern; führt zu schwammartigen Veränderungen des Gehirns BSE-Prionen Sehr kleine Proteinpartikel, die als Verursacher von BSE angesehen werden. Prionen, die selbst keinerlei Erbinformation besitzen, können dem normalen, insbesondere in den Nervenzellen des Gehirns vorkommenden Prion-Protein durch Kontakt ihre krankmachende Gestalt aufzwingen. Dieser Vorgang kann sich wie eine Kettenreaktion fortpflanzen; er zerstört damit die betroffenen Nervenzellen. Erkranktes Gehirngewebe erscheint dann durchlöchert wie ein Schwamm (spongiform). BSE-Schnelltest Test, der Antikörper enthält, die BSE-Prionen binden. Je mehr BSE-Prionen in der Probe enthalten sind, desto deutlicher fällt der Test aus. „Catgut“ Wörtlich „Katzendarm“: Nahtmaterial für Chirurgen, das während der Wundheilung vom Körper aufgenommen wird und sich damit quasi „aufl��st“. Besteht entgegen der Bezeichnung meist aus Schafs- oder Rinderdarm.

C

CJD Creutzfeldt-Jakob-Disease, CreutzfeldtJakob-Krankheit: neurologische Krankheit, die meist ab dem 45. Lebensjahr auftritt und zum Tode führt. Krankheitsdauer: 3 Monate bis 5 Jahre. Symptome: aggressives Verhalten, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Demenz. Cholesterin wird vom Körper gebildet und ist auch ein Fettbegleitstoff in Lebensmitteln tie-

rischen Ursprungs; hat wichtige Stoffwechselfunktionen (Ausgangssubstanz für die Hormon-, die Gallensäuren- und die Vitamin-DBildung). Sehr hohe Blutcholesterinwerte können jedoch das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt erhöhen. Durch fettarme und ballaststoffreiche Ernährung in Verbindung mit viel Bewegung kann man hohen Cholesterinwerten vorbeugen. Cholesterin wird mit Eiweißen im Blut transportiert. Es gibt LDLund HDL-Cholesterin. Chronic wasting disease, CWD BSE-ähnliche Erkrankung von in Zoos lebenden Hirschen Coenzym Viele Enzyme bestehen aus einem Eiweißanteil und einem so genannten Coenzym, oft einem Vitamin der B-Gruppe. DGE Deutsche Gesellschaft für Ernährung DNA Englisches Synonym für DNS DNS Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure: wesentl. Bestandteil der Chromosomen, in dem die genetischen Informationen verschlüsselt sind EEG Elektroenzephalogramm, Hirnstromkurve. Die Kurvenform ermöglicht Rückschlüsse auf die Art der Gehirntätigkeit, z. B. auf die Verarbeitung von Sinnesreizen oder die geistige Tätigkeit. Alter und bestimmte Hirnkrankheiten verändern das EEG in charakteristischer Weise.

D E

Enzym Eiweißverbindung, die chemische Reaktionen im Stoffwechsel – wie zum Beispiel die Verdauung von Nährstoffen oder die Energiegewinnung aus Nährstoffen – ermöglicht Essenziell Lebensnotwendig. Essenzielle Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, bestimmte Aminosäuren und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie Wasser müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, da sie vom Körper selbst nicht hergestellt werden können.

F G

Folsäure Vitamin der B-Gruppe, das wichtig für die Blutbildung ist Glucose Traubenzucker Glutaminsäure Eine Aminosäure, ein Eiweißbaustein, der im Hirnstoffwechsel eine Rolle spielt. Glykogen Speicherform der Glucose in Muskeln und in der Leber Glyzerin Bestandteil der Fette (neben Fettsäuren)

H

Hämoglobin Roter Blutfarbstoff Harnsäure Abbauprodukt der Nukleinsäuren (stickstoffhaltige Substanzen) HDL-Cholesterin Schützendes Cholesterin. Diese Partikel dienen dem Transport des Cholesterins in die Leber, an den Ort des Abbaus. Hirnströme Durch die Tätigkeit der Hirnrinde entstehende feine Ströme, die mittels Elektroden gemessen und im Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet werden können MEDICOM Sonderausgabe, März 2001

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Histamin Gewebshormon. Wird aus der Aminosäure Histidin gebildet; es kann kleinste Blutgefäße erweitern. Hominiden Menschenartige; Vertreter einer Familie von Lebewesen, die aus dem heutigen Menschen und seinen Vorläufern sowie den Menschenaffen besteht. Homocystein Schwefelhaltige Aminosäure, die nicht der Nahrung entstammt. Entsteht im Stoffwechsel aus der essenziellen Aminosäure Methionin. Erhöhte Homocysteinspiegel im Blut zeigen ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose an. Hormone Körpereigene Wirkstoffe, die in Drüsen gebildet werden und Stoffwechselvorgänge steuern Hyperchrome Anämie Anämie aufgrund von Folsäuremangel Hypoglykämie Zu niedriger Blutzuckerwert Hypophyse Hirnanhangsdrüse; Ort, an dem wichtige Hormone produziert werden Hypotonie Niedriger Blutdruck Immunsystem Körpereigenes Schutzsystem gegen Krankheitserreger Impfstoffe Substanzen zum Schutz vor Infektionskrankheiten (Schutzimpfung). Impfstoffe können niedrig dosierte Krankheitserreger sein. Dadurch wird der Körper auf einen Angriff der echten Erreger vorbereitet, die er dann sehr viel schneller und ohne Symptome bekämpfen kann. Inkubationszeit Die Zeitspanne von der Infektion (Aufnahme des Erregers) bis zum Ausbrechen der Krankheit Insuffizienz Leistungsschwäche oder Funktionsunfähigkeit von Organen Insulin In der Bauchspeicheldrüse gebildetes Hormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert Jod Essenzielles Spurenelement. Ein Mangel kann zum Kropf führen. Jodsalz Jod(iertes Speise-)salz kann als wichtiger Beitrag zur täglichen Jodversorgung angesehen werden. Keratin Ein harter „Hornstoff“, eine Eiweißsubstanz in Haaren, Nägeln und Haut Knochenmehl Gemahlene Knochen, die durch Dämpfung entleimt wurden. Knochenmehl wird wegen seines Gehalts an Calciumphosphat als Düngemittel und als Beifutter verwendet. Kollagen Gerüsteiweißstoff im Bindegewebe, in Knochen und Knorpel; wird durch langes Kochen in Wasser in Leim überführt. Hauptbestandteil der Häute. Konzentrierte Salzsäure Wässrige Lösung von Chlorwasserstoff (HCl); sehr starke Säure. Die mit Chlorwasserstoff gesättigte konzentrierte Salzsäure (rauchende Salzsäure)

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löst die meisten Metalle unter Entwicklung von Wasserstoff; Edelmetalle werden nicht angegriffen. Lipolyse Freisetzung von Fett aus dem Fettgewebe Linolsäure 2fach ungesättigte Fettsäure Makrozytäre Anämie Infolge eines Folsäuremangels entstandene Anämie Megaloblastische Anämie Aufgrund von Vitamin-B12-Mangel entstandene Anämie (Blutarmut), die zu einer krankhaften Vergrößerung roter Blutkörperchen führt Membran Schutzschicht aller Körperzellen Methionin Schwefelhaltige Aminosäure Mineralstoff Nährstoffe wie Calcium, Kalium, Phosphor; auch Oberbegriff für Mengenund Spurenelemente (Eisen, Zink etc.) Mitochondrien Ort der Energiegewinnung in der Zelle, „Kraftwerke“ der Körperzellen Molekül Einheit selbstständig existierender Substanzen, die aus einem Element oder auch aus mehreren Substanzen aufgebaut sein kann. Fettsäuren sind z. B. aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzt. Neuro-Peptid In Gehirn und Nerven aktives Eiweißmolekül Neurotransmitter Nervenbotenstoff, der für die Signal- und Impulsübertragung im Nervensystem zuständig ist Noradrenalin Neurotransmitter und Hormon, das u. a. auf die Gefäßmuskulatur wirkt Nukleinsäuren DNS (Desoxyribonukleinsäure) und RNS (Ribonukleinsäure) sind die Informationen tragenden Moleküle, die genetische Informationen einer Zelle oder Teile davon aufweisen Nukleus Zellkern nvCJD Neue Variante der Creutzfeldt-JakobKrankheit, die dem BSE-Erreger entstammen soll. Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist 29 Jahre; es liegt unter dem Durchschnittsalter von Kranken, die an der klassischen CJD leiden. Symptome: aggressives Verhalten, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Demenz. Opiat-Peptid: Euphorisch stimmende Eiweißsubstanz (z. B. Beta-Endorphin) Oxidation „Verbrennung“ von Glucose und Fett in Körperzellen zur Energiegewinnung. Auch schadhafte Veränderungen von körpereigenen Substanzen durch Freie Radikale nennt man Oxidation. Parathormon Hormon der Nebenschilddrüse, das den Calcium-Stoffwechsel steuert Perniziöse Anämie Anämie (Blutarmut), die infolge eines Vitamin-B12-Mangels hervorgerufen wurde. Bleibt der Mangel bestehen, so führt dies zum Tode.

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Phagozytose Aufnahme fester Nahrungspartikelchen in die Zelle durch Einstülpung der Zellmembran Pharmagelatine Gelatine, die für die Herstellung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungen geeignet ist. Sie unterliegt strengen Qualitätsanforderungen. pH-Wert (pH; Abk. für lateinisch: „Wasserstoff-Stärke“). Ein pH-Wert größer als 7 bedeutet alkalische, einer von 7 neutrale und ein pH-Wert kleiner als 7 saure Reaktionen der Lösung. Phenylalanin Aminosäure (Eiweißbaustein), die wichtig für Gehirn und Nerven ist Plasma Der flüssige Teil des Blutes Prämenstruelles Syndrom (PMS) Beschwerden vor der Menstruation, häufig Kopfschmerzen, Depressionen, Unwohlsein Prolin Für das Bindegewebe wichtige Aminosäure Prostaglandine Körpereigene Hormone, die bei Entzündungen sowie bei der Gefäßverengung und –erweiterung der Gefäße wichtig sind Protein Eiweißmolekül Proteinaceous infectious particles (eiweißhaltige infektiöse Partikel); krankhaft veränderte Eiweißmoleküle in den Gehirnzellen Purin Bestandteil der Nukleinsäuren Radikal Aggressive Verbindung, die man auch Freies Radikal nennt; sie entsteht als Nebenprodukt im Energiestoffwechsel. Ribosomen Die „Eiweißfabriken“ der Körperzellen Serotonin Im Stoffwechsel aus der Aminosäure Tryptophan gebildeter Neurotransmitter, der die Stimmungslage beeinflusst Scrapie BSE-ähnliche Krankheit bei Schafen und Ziegen (Traber-Krankheit), die seit 200 Jahren bekannt ist. Scrapie ist nicht auf den Menschen übertragbar. Skorbut Tödliche Krankheit; ausgelöst von einem Vitamin-C-Mangel Sprue Ernährungsstörung bei Erwachsenen und Kindern (Zöliakie), die durch eine Unverträglichkeit des Getreideproteins Gluten (Klebereiweiß) gekennzeichnet ist. Therapie: Verzicht auf alle Getreidesorten. Stammhirn Mit Stammhirn werden die Gehirnabschnitte Nach-, Mittel- und Zwischenhirn bezeichnet. Von hier werden die beim Menschen unbewusst und unwillkürlich ablaufenden Funktionen gesteuert. Thyroxin Schilddrüsenhormon Tiermehl Hergestellt wird Tiermehl vor allem aus Schlachthaus-Abfällen, toten Nutztieren — vom Rind über das Schwein bis zum Huhn — sowie verendeten Haus- und Wildtieren. In

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Sagen Sie uns Ihre Meinung! Deutschland werden die Kadaver in den Tierkörper-Beseitigungsanstalten (TBA) zunächst in Stücke gemahlen, im Drucksterilisationsverfahren gekocht, getrocknet und zu FutterPellets gepresst. Trypsin Enzym der Bauchspeicheldrüse Tryptophan Für den Schlaf und für die Serotoninbildung wichtige Aminosäure Triglyceride Fettmoleküle, aus 3 Fettsäuren und Glyzerin aufgebaut Übersättigte Kalkmilch Aufschlämmung von Calciumhydroxid in wässriger Lösung Vegetatives Nervensystem Steuert die nicht dem Willen untergeordneten Körpervorgänge wie Herzschlag, Atmung und Verdauung Viren Krankheitserreger; bestehen aus einem oder mehreren Nukleinsäuremolekülen und sind von einer Proteinhülle umgeben. Haben keinen eigenen Stoffwechsel; können sich nicht selbst vermehren, sondern veranlassen von ihnen befallene Zellen (Wirtszellen), neue Viren zu bilden. Die Wirtszellen sterben dabei. Durch Viren hervorgerufene Krankheiten sind Schnupfen, Mumps, Pocken, Masern, Kinderlähmung, Maul- und Klauenseuche, Rinder-, Schweine-, Hühnerpest, Tollwut sowie zahlreiche Pflanzenkrankheiten, z. B. die Blattmosaikkrankheiten vieler Kulturpflanzen. Vitamine Lebensnotwendige Mikronährstoffe mit großer biologischer Aktivität als Co-Enzyme oder als Schutzfaktoren (Antioxidanzien) Weiße Blutkörperchen Medizinisch Leukozyten genannt. Es gibt verschiedene Formen; sie dienen vor allem der Immunabwehr. Wiederkäuer Tier mit mehreren Magenabschnitten; die Nahrung gelangt bei der Verdauung oft mehrmals in die Mundhöhle zurück. Beispiele: Kühe, Schafe. Zellmembranen Äußere Schutzhüllen der Zellen. Zöliakie Ernährungsstörung bei Kindern im Zusammenhang mit Klebereiweiß (Gluten); s. auch Sprue bei Erwachsenen. Zytoplasma Wässriger Zellinhalt

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So bewerte ich den Inhalt der MEDICOM Die Artikel in der MEDICOM finde ich Die Behandlung der Themen ist

zu lang

Die Themenvielfalt ist Die

sorgen für Klarheit

Erscheinungsweise ist

gerade richtig

zu ausführlich

zu gering

Die Infos der MEDICOM 1/ jährliche 4

zu kurz

zu oberflächlich

zu groß

gerade richtig

ausgewogen

kannte ich schon

zu häufig

Es sollten öfter Sonderausgaben erscheinen

sind unverständlich

zu selten

genau richtig

ja

nein

ist normal

gefällt mir gut

So gefällt mir die Gestaltung der MEDICOM Die optische Aufmachung In einer Ausgabe lese ich

finde ich langweilig bis zu 30 Min.

bis zu 60 Min.

Meine MEDICOM lesen außer mir

2 Personen

4 Personen

mehr Personen

Ich werde diese Sonderausgabe aufheben Ich lese noch andere Gesundheitstitel.

bis zu 90 Min.

1 Person

ganz sicher Nein

länger

3 Personen

vielleicht

nein

Ja, und zwar

Über folgende Themen würde ich gerne (mehr) lesen Ich interessiere mich besonders für Neues aus der Forschung

medizinische Themen

Operationsmethoden

Sport und Fitness

Ernährung & Gesundheit

gesundheitsrechtliche Themen

So beurteile ich die MEDICOM insgesamt Alles in allem bekommt die MEDICOM von mir die „Schulnote“ 1

2

Müsste man die MEDICOM kaufen, hätte sie einen Wert von

3

4

3,00 DM

Ich benutze folgende MEDICOM-Produkte

5

5,00 DM

Nobilin

Q10

Calcium Plus

Coenzym Q10

Folsäure

Multi-Mineral

Multi-Vital

Omega-3-Fettsäuren

Johanniskraut

Knoblauch

Kürbiskern

6

9,00 DM

Nobilin Lyco

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Borretsch-Öl

Lycopin

Magnesium

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Kur Biotin

Vitamin C

Vitamin E

Vita Venenkapseln

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Baldrian Hopfen

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Auch diese Produkte sollten bei Medicom Pharma erhältlich sein

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Liebe Leserin, lieber Leser, da wir ständig bemüht sind, die MEDICOM zu verbessern, bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Sagen Sie uns, wie Ihnen unsere Kundenzeitschrift gefällt. Einfach den Bewertungsbogen ausfüllen, ausschneiden und im frankierten Umschlag senden an: Medicom Pharma AG, Sedemünder 2, 31832 Springe. Stichwort: „Umfrage“. Sie können ihn auch gebührenfrei per Fax an 0 800/73 77 700 senden.

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