Page 1

CLAUDIA MANG Ein paar Schritte zur端ck und voraus, Zeichnungen zu den Texten von Peter Turrini

ClaudiaM _BuchUmschlag2013.indd 3

10.11.13 14:01


ClaudiaM _Buch2013.indd 2

17.11.13 17:31


unartproduktion

ClaudiaM _Buch2013.indd 3

17.11.13 17:31


Dieses Buch widme ich meinen Sรถhnen LORENZ und PAUL

ClaudiaM _Buch2013.indd 4

17.11.13 17:31


CLAUDIA MANG Ein paar Schritte zur端ck und voraus, Zeichnungen zu den Texten von Peter Turrini

ClaudiaM _Buch2013.indd 5

17.11.13 17:31


Ist diese Müdigkeit die mich plötzlich überfällt der Mantel über alle Tränen meiner Kindheit? Sind diese Schmerzen die mich quälen eine Aufforderung noch einmal zurückzugehen? Ist diese Gleichgültigkeit die ich spüre wenn andere leiden die Angst zu ihnen zu gehören? Ich halte mich mit aller Gewalt gegen mich selbst aufrecht. 06 | 07 ohne Titel Schwarze Tusche auf Papier 40 cm x 29 cm

ClaudiaM _Buch2013.indd 6

17.11.13 17:31


ClaudiaM _Buch2013.indd 7

17.11.13 17:32


Als Jugendlicher stemmte ich manchmal einen Sessel mit den Zähnen hoch in der Hoffnung daß meine Schwächen von soviel Stärke widerlegt werden. Heute stemme ich mangels guter Zähne keine Sessel mehr. Die Art aber Stärke zu zeigen damit die Schwäche übersehen wird ist geblieben.

08 | 09

als Jugendlicher Schwarze Tusche auf Papier 40 cm x 29 cm

ClaudiaM _Buch2013.indd 8

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 9

17.11.13 17:32


Wie lange noch werde ich alles hinunterschlucken und so tun als sei nichts gewesen? Wie lange noch werde ich auf alle eingehen und mich selbst mit freundlicher Miene vergessen? Wie lange müssen sie mich noch schlagen bis dieses lächerliche Grinsen aus meinem Gesicht fällt? Wie lange noch müssen sie mir ins Gesicht spucken bis ich mein wahres zeige? Wie lange kann ein Mensch sich selbst nicht lieben? Es ist so schwer die Wahrheit zu sagen wenn man gelernt hat mit der Freundlichkeit zu überleben.

ClaudiaM _Buch2013.indd 10

10 | 11 wie lange noch Schwarze Tusche auf Papier 40 cm x 29 cm

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 11

17.11.13 17:32


Es hat ganz einfach angefangen. Irgendwo bin ich in einem dunklen Zimmer gelegen. Ich habe geschrien in der Hoffnung daß jemand kommt. Es ging ganz einfach weiter. Irgendwann hörte ich auf zu schreien. Ich habe so getan als würde es mir nichts ausmachen daß niemand kommt. Es geht ganz einfach weiter. Irgendwie habe ich mir angewöhnt auf alle Beleidigungen und Verletzungen so zu reagieren als ob. Als ob mich das alles nicht betreffen würde. Es geht ganz einfach nicht mehr weiter.

12 | 13 irgendwo Bleistift auf Papier 29 cm x 21 cm

ClaudiaM _Buch2013.indd 12

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 13

17.11.13 17:32


Die Kindheit ist ein schreckliches Reich. Die Hände, die dich streicheln, schlagen dich. Der Mund, der dich tröstet, brüllt dich an. Die Arme, die dich hochheben, erdrücken dich. Die Ohren, die dir zuhören, verstehen alles falsch. Die Decke, die dich wärmt, gehört deinem älteren Bruder. Die Wand, der du ein farbiges Zeichen von dir gibst, wird einmal im Jahr übermalt. Der Satz, den du endlich sagst, ist kindisch. Wenn du mit deinen Sätzen und Zeichen woanders hingehen willst, dann heißt es, das geht die fremden Leute nichts an. Wohin soll ich gehen, wenn die eigenen Leute so fremd zu mir sind? Ich gehe nirgendwo hin.

14 | 15 wandzeichnen Bleistift auf Papier 29 cm x 21 cm

ClaudiaM _Buch2013.indd 14

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 15

17.11.13 17:32


Was ich mir wünsche: Daß er mich an der Hand nimmt. Daß er mit mir zum Bauern milchholen geht. Daß er in der Küche neben mir sitzt. Daß er sich mitten unter die Bauern setzt und auf den Tisch haut. Daß er zum Elternsprechtag geht. Daß er mir antwortet wenn ich ihn was frage. Daß ich einen Vater habe den ich herzeigen kann. Mein Vater war ein Italiener. Er sprach wenig. Ging nie fort. Sperrte sich in seiner Werkstätte ein und schnitzte Barockstühle und Madonnen. Selbst in der heiligen Nacht wenn alle Bauernkinder an der Hand ihrer Väter zur Christmette gingen blieb er in der verschlossenen Werkstatt und arbeitete. Was ich mir noch immer wünsche: Daß ich ihn endlich treffe.

ClaudiaM _Buch2013.indd 16

16 | 17 ohne Titel Schwarze Tusche auf Papier 40 cm x 29 cm

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 17

17.11.13 17:32


Dies war ein Auszug aus dem Buch Ein paar Schritte zurück und voraus

Zeichnungen von CLAUDIA MANG zu den Texten von Peter Turrini. Erstveröffentlichung: 01.12.2013 Hardcover - Zeichnung und Lyrik Zeichnung und Lyrik erschienen in der Reihe EXTRAS 120 Seiten - 50 Zeichnungen Format 145 x 205 (Buchblock Querformat) Gestaltung: Patrizia Grassmann, Repros: MEDIArt Photographie| Andreas Uher ISBN 978-39011325-88-5 © unartproduktion Preis: EUR 23,00 Buchbestellung unter http://claudia-mang.mediart.at

Die ersten 50 Ausgaben werden von der Künstlerin signiert.


PETER TURRINI geboren 1944 in St. Margarethen in Kärnten, wuchs in Maria Saal auf und war von 1963 bis 1971 in verschiedenen Berufen tätig. Seit 1971 freier Schriftsteller, lebt in Kleinriedenthal bei Retz. Mit seinem ersten Theaterstück „Rozznjogd“ Uraufführung 1971 am Wiener Volkstheater wurde Turrini schlagartig bekannt. Es folgen Stücke, unter anderen: „Sauschlachten“, Münchner Kammerspiele 1972 „Josef und Maria“, Volkstheater Wien 1980 „Die Minderleister“, Akademietheater Wien 1988 „Alpenglühen“, Burgtheater Wien 1993 „Die Liebe in Madagaskar“, Akademietheater 1998 „Die Eröffnung“, Schauspielhaus Bochum 2000 „Ich liebe dieses Land“, Berliner Ensemble 2001 „Der Riese vom Steinfeld“, Wiener Staatsoper 2002 „Da Ponte in Santa Fe“, Salzburger Festspiele 2002 „Bei Einbruch der Dunkelheit“, Stadttheater Klagenfurt 2006 „Mein Nestroy“, Theater in der Josefstadt Wien 2006 „Jedem das Seine“ gemeinsam mit Silke Hassler, Stadttheater Klagenfurt 2007 „Die Minderleister“ Neufassung, Schauspielhaus Graz 2007 „Der Diener zweier Herren“ frei nach Goldoni, Theater in der Josefstadt 2007 „Die Wirtin“ frei nach Goldoni, Neufassung, Theater in der Josefstadt 2009 „Die Liebe in Madagaskar“ Neufassung, Stadttheater Walfischgasse Wien 2010 „Campiello“ frei nach Goldoni, Neufassung Theater in der Josefstadt 2011 „Silvester“, Stadttheater Klagenfurt 2011 „Endlich Schluß“ Neufassung, Theater in der Josefstadt 2012 Gedichtbände, Drehbücher, Reden und Essays Turrinis Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, seine Stücke werden weltweit gespielt. Im Suhrkamp Verlag erscheint eine umfassende Werkausgabe.

ClaudiaM _Buch2013.indd 106

17.11.13 17:32


CLAUDIA MANG 1974 in Innsbruck geboren. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Malerei und Grafik bei Arnulf Rainer und Franz Graf. Das Diplom schloss sie mit der Rauminstallation „femail cycle“ 2004 ab. Ihre Dissertation in Philosophie und Kunst- und Kulturwissenschaften zum Thema: „Die böse Frau. Die Dekonstruktion eines Bildes durch die zeitgenössischen Künstlerinnen Annie Sprinkle, Elke Krystufek, Niki de Saint Phalle, Pipilotti Rist und Valie Export“ beendete sie 2002 mit einer Auszeichnung. An der Universität Wien belegte sie die Fächer Philosophie, Psychologie und Pädagogik sowie Bildnerische Erziehung bei Herwig Zens und erlangte das Diplom 1999. Seit 1995 finden Ausstellungen und Kunstprojekt im In- und Ausland statt. Claudia Mang lebt und arbeitet in Vorarlberg.

ClaudiaM _Buch2013.indd 107

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 108

17.11.13 17:32


CLAUDIA MANG

ClaudiaM _Buch2013.indd 109

www.claudiamang.at

17.11.13 17:32


Ein paar Schritte zurück und voraus … Mit ihren Zeichnungen gelingt Claudia Mang die feinfühlige und treffende Verbildlichung der dramatischen Gedichte von Peter Turrini. Mang trifft mit ihren freien Assoziationen, mit ebenso freiem aber durchgehend radikal entschlossenem Strich die Seele der geschilderten Erlebnisse und löst im Beschauer noch mehr Betroffenheit aus, als es die Texte Peter Turrinis ohnedies tun. Mit Text und Zeichnung scheint das Böse, Grobe, Gemeine, Missbräuchliche, Ungeheuerliche in genialer Kombination in einem packenden ästhetischem Erleben „gnadenlos“ bewältigt zu werden. Dennoch gibt es keine Milderung, denn das Beschriebene wird jetzt auch noch sichtbar. Die Zeichnungen verstärken und lassen den Beschauer nicht mehr aus. Er will mehr darüber wissen und trifft auf Texte Turrinis. Besser kann es einem Autor nicht gehen, auch wenn er bereits weltberühmt ist. Texte, die Denkmäler werden. Die 30 Jahre jüngere Künstlerin Claudia Mang hat sie geschaffen. ULRICH GABRIEL

ClaudiaM _Buch2013.indd 110

17.11.13 17:32


1. Auflage Dezember 2013 Verlag unartproduktion www.unartproduktion.at A-6850 Dornbirn, Wallenmahd 23/C1/II 0043/5572/23019 office@unartproduktion.at Print in Austria Bildrechte

© Claudia Mang, Dornbirn

Zeichnungen 2002 | 2003 | 2004 | 2013

Portrait Turrini: Astrid Bartl

Texte

aus dem Buch von Peter Turrini: „Ein paar Schritte zurück“

Gedichte, Europaverlag 1988 (3. Auflage), Wien

Lebenslauf Turrini: www.turrini.at

Repros

MEDIArt - Photography & Agency

Uher Andreas, Bregenz

Gestaltung

Patrizia Grassmann, Lauterach

Dank

Peter, Ulrich, Lorenz, Paul, Patriza, Andreas, Ulrich

Bestellnummer: UP88 ISBN 978-39011325-88-5

ClaudiaM _Buch2013.indd 111

17.11.13 17:32


ClaudiaM _Buch2013.indd 112

17.11.13 17:32


Wie lange noch werde ich alles hinunterschlucken und so tun als sei nichts gewesen?

ISBN: 978-39011325-88-5

ClaudiaM _BuchUmschlag2013.indd 2

10.11.13 14:01

Ein paar schritte Zurück und voraus  

Mit ihren Zeichnungen gelingt Claudia Mang die feinfühlige und treffende Verbildlichung der dramatischen Gedichte von Peter Turrini. Ma...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you