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stadtausgabe

August 2010 • 2. Jahrgang

lokale zeitung stadtausgabe august 2010

Anno ’58

Sonne, Sand und Sonnenbrand

Andy Düx

Urgestein der Mainzer Techno-Szene

Prüfende Blicke

Miriam Hepp-Schmidt sieht Brücken anders

All inclusive

Wenn auf Malle der Strohhalm im Eimer versinkt


lokale zeitung stadtausgabe august 2010

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• Editorial •

Manchmal muss es ein Hochseil sein Ausflug ist nicht gleich Ausflug. Wer jetzt im Sommer im Kletterpark landet, wird merken, dass so manche Erfahrung unter die Haut geht. Denn das Klettererlebnis in luftiger Höhe bringt so den ein oder anderen doch an seine Grenzen und über diese hinaus. Was vom Boden aus noch so aussah, als könne man es bewältigen, stellt sich in 5 und mehr Metern Höhe doch als unüberwindbar dar. Und wenn man es dann trotzdem schafft, hat man nackter Angst oder zumindest einem reichlich mulmigen Gefühl direkt ins Gesicht geschaut. Aber gerade die Grenzüberschreitung, das Wagnis in schwindelnder Höhe, wo man eben keinen sicheren Boden unter den Füßen hat, bringt neue Impulse. Der Ausflug wird über das positive Erlebnis hinaus zur heilsamen Erfah-

rung. Die Welt sieht von oben ganz anders aus als von unten. Nach der Grenzerfahrung hat man sich eine erweiterte Sicherheitszone erobert, mehr Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten gewonnen. Denn ohne solchen Zwang, die selbst gewählte Krise zu bewältigen, die ein gerade bestiegenes Hochseil auslöst, fällt es uns schwer, in letzter Konsequenz mutig zu sein. Wir verstecken uns meist lieber hinter jeder Menge Bedenken, schauen zwar mal um die Ecke, aber es muss schon einiges passieren, bevor wir uns wirklich trauen, Gewagtes anzupacken. Und einmal oben, führt der Weg eben nur über den Parcours wieder zurück auf stabilen Boden.

Barbara Reiser • Herausgeberin

Das lesen Sie in dieser Ausgabe:

Umwelt

Musik

Lieblingsstück

Nachtschwärmer

Wissensdurst

150 Liter Wasser für ein Bier Wie viel Wasser steckt in den Dingen? Darüber informiert die Ausstellung „Verstecktes Wasser“, die derzeit im UmweltInformationsZentrum zu sehen ist. Umweltpädagogin Marion Ude erzählt von den Hintergründen ...

Es hat sich viel in der Szene verändert Für alle die sich in Sachen elektronischer Tanzmusik in Mainz auskennen und jene, die sich professionell oder semiprofessionell als DJs oder Produzenten betätigen, ist er ein kompetenter Ansprechpartner ...

Eine Frage der Sichtweise Wenn man eine Umfrage machen würde, wer wohl der berühmteste Frankfurter ist, dann würde man sich wahrscheinlich wundern. Der Star stammt aus einem Bilderbuch von 1844, das mit mehr als 540 Auflagen in 40 Sprachen ...

Tanzen unter Denkmalschutz Geschichte ist, was man draus macht! Dieses Motto dürfte während der letzten Renovierungsarbeiten in der Wiesbadener Wilhelmstraße 36 Kaan Gökalps ständiger Begleiter gewesen sein. Kaan Gökalp ist Betriebsleiter ...

Jetzt hängt alles von dir ab Für ihre bahnbrechenden Forschungen zur genetischen Grundlage der Tumorentstehung bekam Dr. Elisabeth Gateff mehrere namhafte Preise verliehen. Von 1983 bis 1997 leitete sie als Professorin das Institut für Genetik ...

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• Kultur • Pengland bald ohne Land

Kultur braucht Raum D

ie Mitglieder des gemeinnützigen Vereins, der Design, Kunst und Kommunikation im Rhein-Main-Gebiet fördert, sind noch relativ entspannt, obwohl es bald genauso sein kann, wie es hier aussieht. Die Treffen des Peng demnächst auf einem öffentlichen Platz, weil der Platz, den sie hatten, ihnen genommen wurde? Der Traum des in Aussicht gestellten VW-Hauses ist nach dreimonatigen Verhandlungen mit dem Besitzer, dem Ordnungs- und dem Bauamt ausgeträumt. Das VW-Haus ist verkauft. „Ich hätte kotzen können“, sagt Ago Rurek, stellvertretender Vorsitzender des Peng. Die Pengler sind zuversichtlich, sie kennen das – einziehen, eine Weile bleiben, ausziehen. Ein Nomadendasein unter dem Damoklesschwert der potentiellen Vertreibung aus dem geliehenen Land - kein leichtes Unterfangen für Menschen die Kultur leben und in diesem Sinne ehrenamtlich arbeiten. Jedenfalls, es macht kreativ. Die „Operation Pusteblume“ ist angelaufen. Die netzwerkartige Suche nach leer stehenden Räumen in Mainz hat begonnen und damit auch die Idee, das Bewusstsein zu schaffen, dass “Kultur Raum braucht.“

Sie sehen entspannt aus, die „Pengler“ vor den eisernen Buchstaben, der mobilen CI (Corporate Identity) des Penglands, bei strahlend blauem Himmel am Mainzer Dom. Innerlich ist ihnen anders zumute. Das alte Lied: Raumprobleme. Nicht nur das Peng kann ein Lied davon singen. Tatsache ist, dass Kultur- und Kunstschaffende in der Landeshauptstadt mehr und mehr kämpfen müssen, um zu existieren oder um Räume zu finden, in denen Kommunikation, Kunst und Kultur lebbar und erlebbar sind. Möglichst ohne den Zusatz: Schleudersitz! Ausreichend Gelder für die Kulturbelange gibt es schon lange nicht mehr. Es muss gespart werden. Wo nichts ist, ist nichts zu holen. Diese Einsicht ist längst verinnerlicht, wo es um das nicht förderungswürdige Mainzer Kulturleben geht. Die Folge davon - die Szene verhungert, ihre kreativen Blüten verdorren und außer einem Bedauern der Verantwortlichen haben sie nichts zu erwarten.

„Alles was wir brauchen ist ein Raum. Wir würden ihn auch bezahlen. Wir haben uns immer selbst geholfen“, so Rurek, „Fördergelder von der Stadt brauchen und wollen wir nicht, weil wir unabhängig sind, dank der Mitgliedsbeiträge von hundertdreißig zahlenden Mitgliedern, mittlerweile in allen Altersstufen.“ Das Bild vom Peng in der Außenwahrnehmung so mancher Mainzer, das seien doch alles Studenten, verrückte Künstler und Bohemiens, lässt sich längst nicht mehr aufrecht halten. Die Ausstellungen, die das Peng zu verzeichnen hat, sind spannender und zeitgeistträchtiger als so manche Galeriepräsentation im Sinne des Mainstreams. Peng setzt Impulse, die Vielfalt und Intensität der kulturellen Veranstaltungen ist beispiellos und die Vernetzung mit über Tausend Followern und Freunden in Twitter und Facebook spricht für sich. Hier wird Kultur entwickelt, gefördert und authentisch gelebt. „Da sind Hunderte von Menschen, die das kulturelle Kapital aufbauen wollen, wonach die Stadt schreit“, sagt Rurek. „Wir setzen Impulse, geben Beispiele, damit sich was verändert, damit Menschen zusammenrücken, für einander

da sind, in welchem Bereich auch immer.“ Das Peng macht Raum für Kultur auf und ist raumlos. Absurd? Es gibt eine Menge Räume in unserer Stadt, die leer stehen und nutzlos verwittern, der Brückenturm zum Beispiel, oder das alte Gefängnis. Rurek weiß von fast fünfzig Räumen, die leer stehen: Die Stadt sagt, sie seien zu neunundneunzig Prozent vermietet. „Die Politiker schmücken sich mit unseren Ideen. Das Projekt Internetbrunnen zum Beispiel wird im Rahmen der Stadt der Wissenschaft 2011 von der Stadt Mainz unterstützt. Dabei geht es darum, spendenfinanziertes WLAN an öffentliche Plätze zu bringen und bis Ende 2011 die ganze Mainzer Alt- und Neustadt

zu vernetzen. Apropos Politker: Der Kulturstaatssekretär will sich für uns einsetzen“, sagt Rurek, „passiert ist bisher nichts“. Fakt ist, dass das Pengland am 1. Oktober ohne Land ist. Fakt ist auch, dass eine konstruktiv und innovativ wirkende Kultureinrichtung ohne Raum ein Armutszeugnis für unsere Landeshauptstadt ist. Wenn in Zeiten der Krise ambitionierte Kulturschaffende dazu angehalten sind, kreative Lösungen statt Geld zu suchen, so ist es doch zumindest wünschenswert, dass ihnen das Finden nicht allzu schwer gemacht wird. Wo ein Wille ist, sollte der Weg geebnet werden. •awe• Foto: Pengland

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• Leben am Wasser •

Die Theodor-Heuss-Brücke

60 Jahre und kein bisschen alt In unserer Serie „Leben am Wasser“ haben wir mit Miriam Hepp-Schmidt gesprochen. Die Bauingenieurin ist Sachgebietsleiterin im Wiesbadener Tiefbauamt und damit für die Wartung und Instandhaltung der Theodor-HeussBrücke verantwortlich.

N

ach dem Bau galt sie als schillerndes Beispiel der klassizistischen Ingenieursbaukunst. Die Theodor-Heuss-Brücke verbindet Menschen. Sie ist eines der wichtigsten Nadelöhre zwischen den Landeshauptstädten Mainz und Wiesbaden. Sie ist ein Schmuckstück und ein Wahrzeichen, das gleich nach dem Dom kommt. Viele Menschen, die sie tagtäglich überqueren, sind von ihr erbaut und genießen von ihrem Rücken aus den Blick auf das Wasser. Sie trotzt Kälte, Hitze, Regen, Schnee und Sturm, mehrere tausend Fahrzeuge rollen

täglich über sie hinweg. Jahr um Jahr lässt sie das alles geduldig über sich ergehen. Aber wie lange wird sie uns noch erhalten bleiben, bei den Belastungen, denen sie unaufhörlich ausgesetzt ist? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss. Alle Prüfungen bestanden Miriam Hepp-Schmidt kann genauestens Auskunft über den Zustand der Brücke geben: „Bei der letzten Brückenprüfung wurden nur wenige Mängel im Bereich der Verbindungen und Schweißnähte festgestellt. Also nur normale Verschleißerscheinungen, sonst war alles in Ordnung.“ Die Bauingenieurin ist Sachgebietsleiterin im Wiesbadener Tiefbau- und Vermessungsamt. Vor einem Jahr hat sie die Stelle von ihrem Vorgänger übernommen und ist seitdem mit vier Mitarbeitern für die regelmäßigen Qualitätskontrollen an der Brücke zuständig. Da die Theodor-Heuss-Brücke

zu zwei Dritteln zu Wiesbaden und zu einem Drittel zu Mainz gehört, teilen sich beide Städte entsprechend den Anteilen die Kosten. Alle sechs Jahre „Eine Brückenhauptprüfung findet alle sechs Jahre statt“, erklärt die Bauingenieurin und ergänzt, dass die Prüfung einem genauen Schema erfolgt, für das es sogar DIN-Norm gibt. Dabei werden die Flusspfeiler und die Uferbefestigung genauso akribisch untersucht wie das Stahlgerüst. Könnte Wasser von der Fahrbahn in den Metallunterbau laufen? Ist der Korrosionsschutz noch in Ordnung? Keine Schraube entgeht den aufmerksamen Augen der Ingenieure. Selbst die Verankerung der Beleuchtungsmasten wird geprüft. „Die Brückenprüfung wird öffentlich ausgeschrieben, Ingenieurbüros können sich um den Auftrag bewerben“, erläutert Miriam Hepp-Schmidt das Verfahren.

Miriam Hepp-Schmidt erklärt das Innenleben der Theodor-Heuss-Brücke. Zerstört, wiederaufgebaut, unverwüstlich Die jetzige Brücke ist eine Kopie des Vorgängers. Die Originalbrücke wurde am 30. Mai 1885 eingeweiht. Die Baukosten von 3,6 Millionen Goldmark sollten über einen Brückenzoll refinanziert werden. Als die amerikanischen Truppen im März 1945 auf die Stadt zumarschiert sind, haben die deutschen Truppen die Brücke gesprengt, um den Vormarsch aufzuhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst eine Pontonbrücke errichtet. Die Brücke wie wir sie heute kennen, wurde 1948–1950 in Anlehnung an die Originalpläne neu errichtet. Benannt wurde sie nach dem damaligen

ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der sie auch eingeweiht hat. Die Frage, wie lange es die Theodor-Heuss-Brücke noch geben wird, stellt sich für die Ingenieurin nicht. Sie verweist darauf, dass die Brücke gut gewartet wird. Zwischen 1992 und 1995 wurde das gesamte Bauwerk in allen Teilen umfassend erneuert. Wahrscheinlich wird sie uns alle überleben. An dieser Stelle hat es seit 2000 Jahren immer wieder Brücken gegeben. Und sollte es einmal nicht mehr die Theodor-Heuss-Brücke sein, so wird eine andere an ihre Stelle treten. •ag• Foto: Armin Gemmer

• Schambes, der Bär •

All inclusive W

ar’n Sie schon mal auf Mallorca? Oder „uff Malle“, wie’s im Profi-Prol-Jargon heißt? Ich komm’ grad von dort, hatte kurz entschlossen einen Last-Minute-ÜberraschungsTrip gebucht. Allerdings hatte ich schon ein bisschen Bauchweh, denn was man so hört über Malle, ist ja nicht gerade das Allerbeste. Und als mir gleich bei der Landung ein Pulk aufgekratzter Urlaubsheimkehrer entgegenschwappte, jeder gleichermaßen uniform wie unförmig in ein „total lustiges“ T-Shirt gezwängt mit der Aufschrift „Füße im Wasser, Arsch im Sand, Strohhalm im Eimer“, war ich schon bedient. Aber während ich noch überlegte, ob der Text eher durch die Zeile „Hirn im Arsch“ oder „Hirn im Eimer“ ergänzt werden sollte, wurde ich schon zu einem Transferbus manövriert, der mich zu meiner Überraschung zu einem todschicken All-inclusive-Hotel fernab vom Ballermann kutschierte. Offensicht-

lich gibt es auf der Insel auch Gegenden, die mit BallermannRomantik nichts am ausgefransten Sombrero haben. Umso mehr war ich gespannt, was mich hier erwartete. Die Hotelanlage war um ein hypermodernes Empfangszentrum angesiedelt und sah aus wie ein schnuckeliges Gussbetondörfchen mit folkloristisch angehauchter, abwechslungsreicher Formenvielfalt im Giebelbereich. Mittendrin gab’s drei verschiedene Restaurants, die, wie ich schnell herausfand, rund um die Uhr ein abwechslungsreiches Angebot parat hielten, um eventuelle Schwachstellen im Hüftbereich sofort nachhaltig wieder aufzupolstern. Davon wurde auch tatsächlich reger Gebrauch gemacht. Frei nach dem Motto „bezahlt ist bezahlt“, türmten sich auf manchem Teller gleich mehrere Gänge in abwechslungsreichsten Zusammenstellungen so abenteuerlich übereinander, dass es schon rein sta-

tisch sehr beeindruckend war. Zwischen den zahlreichen Haupt-, Neben- und Zwischenmahlzeiten konnte man, wenn man noch Zeit hatte, den verschiedensten Arten von Leibesertüchtigung frönen. Was ich allerdings ziemlich kontraproduktiv fand. Ich hing stattdessen lieber am Pool ’rum und beobachtete interessiert, wie ideal weiße Kleidung sich dazu eignet, die Unterwäsche ihres Trägers zur Schau zu stellen. Da gab es, natürlich rein aus ästhetischer Sicht, etliche echte Hingucker, aber auch einiges zu verkraften. Jedenfalls auch hier: jede Menge Abwechslung! Und wem am Ende eines solchen, in jeder Hinsicht ausgefüllten (um

nicht zu sagen vollgestopften) Tages der Sinn nach weiterer Zerstreuung stand, für den gab’s allabendlich zu diversesten Cocktails noch eine Show mit täglich wechselndem Programm. Kurz, man hat in jeder Hinsicht weder Kosten noch Mühen gescheut, um jedem Gast den Aufenthalt so abwechslungsreich wie nur irgend möglich zu gestalten. Und trotzdem kann man es scheinbar nicht jedem recht machen, wie eine Unterhaltung zeigt, die ich zufällig beim Auschecken mitbekam. Ein sonnenverbrutzelter, bräsiger Miturlauber mit unüberhörbar heimatlichem Akzent fand seinen Aufenthalt nämlich

Peter Beckhaus, Jahrgang 1956, ist selbstständiger Grafik-Designer in Mainz. Seine berufliche Ausbildung erwarb er an der Fachhochschule Mainz, wo er sein Studium als Diplom-Grafik-Designer abschloss. Peter Beckhaus war Schüler und langjähriger Mitarbeiter von Hans Peter Willberg, einem der bedeutendsten Typografen Deutschlands. Er arbeitet für Verlage in ganz Deutschland sowie für Institutionen, Firmen & mittelständische Betriebe, hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet. „totaal langweilisch. Jeden Daach die selb‘ scheiß Abwechslung!“ Na, dann… In diesem Sinne: wenn ihr das nächste Mal in Urlaub seid, macht’s Beste draus! Euern Schambes


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• Bßcher • Zwischen Wissenschaft und Wirtschaftsjournalismus

Eine Projektidee wurde zu einer ungewĂśhnlichen Buchreihe N

ach ihrer Promotion ging Dr. Andrea Beyer in einen Bereich, in dem Fachleute sehr wichtig sind, der fĂźr Wissenschaftler aber eine ganz neue Herausforderung darstellt. Als Wirtschaftsjournalistin fĂźr die Frankfurter Allgemeine Zeitung brachte sie den monatlichen Management-Newsletter heraus und lernte dabei als Branchenanalystin, wie man Fachwissen so transportiert, dass Fachfremde es auch verstehen. „Ich hatte das GlĂźck, eine tolle Chefin zu haben, die mir mit Lob und Kritik viel beibrachte“, erinnert sie sich an ihre journalistischen Anfangszeiten. „Manchmal war es schon frustrierend, die Artikel komplett rot zurĂźck zu bekommen“, schmunzelt sie. Was sie bevorzuge – das wissenschaftliche oder das journalistische Schreiben – das kĂśnne sie gar nicht sagen. „Beides macht mir viel SpaĂ&#x;, beides ist eine Herausforderung: Wie transportiere ich Wissen am besten?“

Um ihren Studenten die Praxis des Schreibens nahe zu bringen, entwickelte Andrea Beyer, Professorin fĂźr Betriebswirtschaftslehre an der FH Mainz, eine ungewĂśhnliche Idee. Anstelle einer Hausarbeit am Semesterende bekamen die Studenten die Aufgabe, Portraits zu schreiben – mit dem Ziel der VerĂśffentlichung. Das Projekt entwickelte sich zum Selbstläufer. Mit „Globalisierung hautnah – Expatriates im Gespräch“ ist jetzt das fĂźnfte Buch der Porträt-Reihe erschienen. 1992 kehrte sie als Professorin mit dem Schwerpunkt MedienĂśkonomie in die Wissenschaft zurĂźck. Erfahrungen mit dem Projekt „Am Anfang war ich schon skeptisch, ob das funktioniert“, sagt Andrea Beyer im Gespräch Ăźber

die Entstehung der Buchreihe. Aber am Ende sei sie sehr positiv Ăźberrascht gewesen. Auch darĂźber, wie gut das Projekt von den angesprochenen zu Porträtierenden aufgenommen und unterstĂźtzt worden sei. „Die meisten waren doch neugierig, was daraus wird.“ „Ich sage den Studenten immer: Das ist ihr Buch. Ich kann gerne meinen Senf dazu geben, aber entscheiden mĂźssen sie das.“ Tolle Diskussionen seien so immer wieder entstanden. „Ich habe mich sehr darĂźber gefreut, zu erleben, wie sensibel die Studierenden beispielweise fĂźr den Blickwinkel des Lesers geworden sind“, betont die Dozentin. Auch zu erleben, wie sie während der Projektarbeit die Freuden und Leiden der journalistischen Praxis kennen lernen konnten, die Erfolgserlebnisse und den Stolz Ăźber die VerĂśffentlichung ebenso wie die TĂźcken, etwa der detaillierten Textarbeit und dem Schreiben nach Zeichenangabe.

den ersten Teil habe sie direkt in einem durchgelesen. „Die ideale SommerlektĂźre!“ Ansonsten gehe sie gerne ins Kino und im Sommer schwimmen. „Die Standards halt“, sagt sie unprätentiĂśs.

Andrea Beyer verbindet verschiedene Bereiche. Wie verbringt sie am liebsten ihre Freizeit? Andrea Beyer lacht: „Naja, mein Beruf ist auch mein Hobby.“ AuĂ&#x;erdem gehĂśrt ein Teil ihrer Zeit ihrem 15-jährigen Sohn. Und sie liest sehr gerne, im Moment ist sie von Stieg Larsson in den Bann gezogen. „Eigentlich lese ich gar keine Krimis“, fĂźgt sie leicht verlegen hinzu. Aber der Tipp eines Freundes habe sie auf diese Trilogie gebracht und

Menschen in einer lebensfrohen Stadt Aus Kaiserslautern kam sie zum Studium nach Mainz. Und ist dann hier hängengeblieben. „Ja, wie so viele“, lacht sie. So geht es in einem Buch der Reihe um Mainzer Menschen. Aufgrund der groĂ&#x;en Nachfrage ist bereits eine zweite, Ăźberarbeitete Ausgabe von „Mainzer, Määnzer, Meenzer“ erschienen. „Klar, Porträts Ăźber Menschen in der eigenen Stadt interessieren die Leser natĂźrlich! Und so etwas gab es bislang noch nicht.“ Als lebensfroh empfinde sie die Mainzer auf jeden Fall, sagt sie auf die Frage nach dem Untertitel. „Man kommt rasch und unkompliziert mit den Leuten ins Gespräch“, beschreibt sie. •em• Foto: Privat

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Worms




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Neue Kaffeemanufaktur mit Erlebniscafé-Charakter

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Erleben, wie Kaffee ursprünglich schmeckt Am Mittwoch, den 4. August, öffnet die neue Filiale der Mainzer Kaffeemanufaktur auf der Breiten Straße in Gonsenheim ihre Türen. Mit aus den Filialen der Innenstadt gewohnter Qualität heißt das Café seine Gäste willkommen. Diese können Inhaber Norbert Becker und seinem Team sogar beim Rösten der edlen Bohne in einer speziellen Kaffeeröstmaschine über die Schulter schauen.

Das Feinkostregal bereichert das Angebot.

Norbert Becker freut sich auf seine neuen Gäste.

W

eil er den Automatenkaffee auf seiner früheren Arbeitsstelle gar nicht vertrug, machte sich der Kaffeeliebhaber Norbert Becker auf die Suche nach echter Qualität. Durch eine Fernsehserie über die ältesten Mainzer Betriebe wurde er auf eine Rösterei in der Neustadt aufmerksam – und kaufte fortan dort sein geliebtes Heißgetränk. Wegen seines Interesses bot ihm der frühere Besitzer Anfang 2003 deren Übernahme an. Die dann folgende Zeit

nennt er heute seine „Ausbildungs- und Lehrzeit“, in der er durch die Erfahrungen des Älteren und eigene die Kunstfertigkeit der Kaffeerösterei erlernte. Die Kunst des Kaffeeröstens „Meine Produkte haben mit dem üblichen Industriekaffee eigentlich gar nichts mehr gemeinsam“, betont Norbert Becker. Im Vergleich zu den maximal zwei Minuten Industrieröstung dauert dieser

Vorgang bei ihm bis zu einer Viertelstunde. „In dieser Zeit können Feuchtigkeit und Bitterstoffe aus der Bohne weitgehend entfernt werden“, erklärt er stolz seine sorgsame Vorgehensweise, bei der „nichts computergesteuert“, deren Ergebnis aber besonders aromatischer und magenfreundlicher Kaffee ist. Mit seinen im Laufe der Jahre entwickelten 26 Produkten möchte er den Ursprungsgeschmack des Kaf-

fees für seine Gäste erleb- und genießbar machen. Um ihnen die Kunst der Kaffeeherstellung bis ins Detail zu vermitteln, bietet er zukünftig auch Seminare an, bei denen die Teilnehmer erfahren, wie die Vielfältigkeit des Kaffeegeschmacks erreicht werden kann. Hochwertige regionale Produkte Ebenso wie an den Standorten der Innenstadt – Steingasse und Betzelstraße – bereichert die neue Mainzer Kaffeemanufaktur auf der Breiten Straße in Mainz-Gonsenheim ihr Angebot durch Feinschmeckerprodukte von höchster Qualität, wie beispielsweise

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Gewürze von Spirit of Spice, hochwertiges Olivenöl oder Nudelwaren ausgefallenster Geschmacksrichtungen. „Uns ist auch wichtig, dass wir selbst damit arbeiten und für unsere Kaffees und Speisen verwenden“, erklärt Norbert Becker. Die Kuchen werden bei hervorragenden Bäckereien der Region eingekauft, Fleisch- und Wurstwaren in der Landmetzgerei. Qualität ist eben oberstes Gebot in der Kaffeerösterei Geiling.



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DMSG und Auto Müller GmbH verlängern Kooperation Im Beisein der Schirmherrin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Rheinland-Pfalz, Ministerin Malu Dreyer, übergab Christian Müller, Geschäftsführer der Firma Auto Müller GmbH ein neues Dienstfahrzeug an den Vorsitzenden des DMSG Landesverbandes, Hubertus von Kluge. Dieses Fahrzeug, ein Opel Insignia, steht der DMSG nun als Leasingfahrzeug mit einer symbolischen Leasingrate von 1,00 Euro für zwei Jahre zur Verfügung. Danach wird es von Auto Müller gegen ein neueres Fahrzeug zu den gleichen Konditionen eingetauscht. Aufgrund persönlicher Erfahrungen mit behinderten und MS erkrankten Menschen, unterstützen Geschäftsführer Christian Müller und auch Verkaufsleiter Dieter Korfmann die wichtige Arbeit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und verlängern diese Form der Zusammenarbeit nun im Rahmen ihrer Möglichkeiten. red


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• Musik • Urgestein der Mainzer Techno-Szene: Andy Düx

Es hat sich vieles in der Szene verändert A

ndy Düx ist neben Thomas P. Heckmann eines der echten Urgesteine der Mainzer TechnoSzene. 1990 gründete er sein Lable „Overdrive Records“. Seit 1992 hat er in Mainz seinen Laden (seit 2009 in der Hinteren Bleiche 47), wo er altes und brandneues Vinyl unter die Leute bringt.

Wie lange bist Du nun schon DJ? Seit 1978 lege ich auf. Ist Dein Hauptberuf DJ, Produzent oder Ladeninhaber? Ich bin Selbständiger für alle drei Aufgabenbereiche. Wie wurde dein Hobby zum Beruf, bist Du zufrieden mit dem Ablauf? Ich habe einen typischen Werdegang. Wenn ich heute noch mal jung wäre, würde ich es wieder genauso machen. Ich bin mit dem Ablauf äußerst zufrieden. Alles begann wie bei den meisten mit New Wave und Punk. Dann wurde allmählich alles elektronischer und technoider. Zunächst legte ich in meiner Tanzschule auf. Als DJ wirst du dann plötzlich immer mehr gefordert, was die Styles und die Strukturierung angeht. Mit dem Wendejahr 1989 kam dann die erste Technowelle mit einem richtigen Movement dazu und schließlich der Techno-Boom, das hat mich geprägt. Wann hast Du das letzte Mal aufgelegt? Ende Juni in Saabrücken im Club Silo. Das war in einem riesigen unterkellerten Getreidesilo und perfekt für eine Technoparty. Was sind Deine Termine im August? Auf Facebook stehen immer alle Gigs rechtzeitig online. Wo bist Du derzeit ResidentDJ? Nirgends – nur in meinem Laden. Bis 2008 habe ich noch regelmäßig in der Safari Lounge aufgelegt. Mittlerweile ist es ruhiger geworden, ich genieße das. Mit wem arbeitest Du zusammen? Ich arbeite momentan alleine. Es hat sich viel verändert in der Szene – die Leute, die Musik. Teilweise hat man heute sogar eine ganz unterschiedliche Philosophie. Es ist schwieriger geworden zusammen an Projekten zu arbeiten. Elektronische Tanzmusik ist wie ein Baum, der eine Wurzel hat und viele Äste,

Für alle die sich in Sachen elektronischer Tanzmusik in Mainz auskennen und jene, die sich professionell oder semiprofessionell als DJs oder Produzenten betätigen, ist er ein kompetenter Ansprechpartner: Andy Düx, heute „irgendwo in den Vierzigern“, war DJ in berühmten Clubs wie dem Big Apple, dem East und dem Dorian Gray. junge und alte, aber manche haben die Äste abgeschnitten auf denen sie sitzen. Mir geht es vor allem darum die Wurzeln und den alten Baumbestand zu erhalten. Gibt es aktuelle Projekte? Seit dem 1. März gibt es „Overdrive Digital“. Dann konnte ich noch jüngst bei dem FilmProjekt „Zeitgeist Stammheim“ über den legendären Kasseler Techno-Club mithelfen. Ich habe diverse Interviews gegeben. Du bist Vater. Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren? Es gibt da bei mir eine strikte Trennung zwischen Business und Freizeit. Die Kinder finden meine Arbeit aber prima! Was legst Du am liebsten auf? Minimal und Dub Classics. Wenn ich im 50° auflege, spiele ich housige und spacige Sachen und 3-4 Klassiker von 1980 bis 2000. Ich liebe die kopflastigere Musik. Mir geht es um die Geschichte, die der DJ erzählt und um den Moment. Unkommerziell soll es sein. Was sind Deine großen Favorites in Sachen Techno-Culture in Rhein-Main? Sven Väth, Michael Münzig Funktioniert Dein Laden wie Dein eigener Geschmack? Alles was nur kurzzeitig hip und angesagt ist, zu verkaufen, geht nicht. Was sind für Dich die wichtigsten Clubs in Rhein-Main? Mainz: 50°, Wiesbaden: New Basement, Frankfurt: Cocoonclub, Robert Johnson, U60311, MTW Du hast ja in der Vergangenheit auch immer wieder auf Festivals aufgelegt. Wo gehört deine Musik eigentlich hin? Im Moment entwickle ich mich wieder zum Club-DJ. Wo liegt der Trend derzeit in Sachen elektronischer Tanzmusik?

IMPRESSUM Verlag und Herausgeber: Medien Verlag Reiser GmbH Kurt-Schumacher-Straße 56, 551274 Mainz Telefon: 06131/57 63 70 Fax: 06131/57 63 719 E-Mail: info@die-lokale-zeitung.de ViSdP: Barbara Reiser M.A. Bezug: über Promoter + je 500 Auslagestellen in den Innenstädten Redaktionsleitung: Tom Höpfner redaktion@die-lokale-zeitung.de

Deep House, die leichte Prise, Techno. Was hat sich seit dem TechnoBoom der 90er getan? Was beobachtest Du? Die elektronischen Klänge sind heute ein fester Bestandteil der Unterhaltungsbranche. Der Boom ist aber definitiv vorbei. Elektronische Tanzmusik ist heute eine Selbstverständlichkeit geworden und kein Novum mehr. Nur ganz selten entwickelt sich noch was wirklich Neues. „Neue“ Sounds sind in der Regel eine Kombination aus Altem. Was ist für Dich Lifestyle? Mit dem Auto zu einem Gig fahren. Gebrauchst Du den Begriff „Spirit“? Nicht mehr.

Was ist für Dich eine Community? Heute ist vieles anders als früher. Facebook ist für mich heute am ehesten eine Community. Kann man als junger DJ, der bei Dir einkauft, Karriere machen wie früher? Nein. Was sind Deine Interessen abseits des Techno? Filme und Familie. Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft? Das es noch ein paar Jahre so weitergeht und die Leute weiterhin mit Techno Spaß haben.

Das Interview führte Henning Berg. Fotos: Henning Berg

Redaktion und Fotos: Eva-Maria Albus, Henning Berg, Helene Braun, Armin Gemmer, Andreas Groth, Hubert Neumann, Anja Otto, Annette Pospesch, Katja Siberg, Ute Strunk, Angelika Wende Anzeigenleitung Mainz: Dennis Maier, Tel. 06131/57 63 712 Mobil: 0160/90 55 05 80 dennis.maier@dielokalezeitung.de Anzeigenpreisliste 01/2010 Anzeigendisposition und Verwaltung: Diana Becker, Tel. 06131/57 63 720 Art Direction: Stephan Weiß Herstellung: Christian Müller Druck: Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH Rathenaustraße 29–31 63263 Neu-Isenburg Gesamtauflage Mainz/Frankfurt/Wiesbaden: 92.000 Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen!


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Freizeittipps rhein-Main

Mainzer Weinmarkt 2010

Indian Summer in Mainz

26. – 29. 8. und 2. – 5. 9. 2010 In wenigen Wochen ist es wieder soweit: Vom 26. bis 29. August und 02. bis 05. September wird wieder eines der schönsten Mainzer Feste gefeiert. Bereits zum 78. Mal lädt der traditionelle Mainzer Weinmarkt zum Besuch ein. Seine Mittelpunkte sind wie immer die Weinstände im Stadtpark und der Rosengarten mit Künstlermarkt und Sektfest.

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eierlich eröffnet wird das drittgrößte Mainzer Volksfest, wie es die Tradition gebietet, am Donnerstag, den 26. August, um 18 Uhr auf dem Mainzer Platz von Oberbürgermeister Jens Beutel und der rheinhessischen Weinkönigin Sina Listmann. Die musikalische Umrahmung der Feier obliegt dieses Jahr den Sörgenlocher Musikanten. Great Wine Capitals Auf dem Konzertplatz im Rosengarten lädt das Great Wine Capital-Weindorf zum zweiten Mal zu besonderen Erlebnissen ein. In diesem Jahr

ist Argentinien zu Gast und stellt mit exquisiten Weinen, kulinarischen Köstlichkeiten und musikalischen Showeinlagen seine Region Mendoza vor. Argentinien zu Gast Die im Westen des Landes gelegene Provinz Mendoza ist das bekannteste und vielleicht beste Weinanbaugebiet Argentiniens und gehört daher wie Mainz zum Netzwerk der Welthauptstädte des Weins. Im sonnigen, milden, überwiegend trockenen Klima der Region gedeihen auf kalkreichen Sand- und Lehmböden beste Rebsorten für erlesene Weine. Wer an einer Blindverkostung argentinischer und rheinhessischer Weine interessiert ist: Mainzer Winzer laden samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr herzlich ein. Schlenderweinprobe, Live-Musik und Oldtimerfahrt Flanieren Sie gemütlich durch den Stadtpark und probieren Sie dabei die Weine, die acht verschiedene Winzer für Ihre individuelle Weinprobe anbieten. Das erfolgreich ein-

geführte SchlenderweinprobeTicket für 9,50 Euro kann bei den teilnehmenden Winzern gekauft werden. Wie immer ist auch für gute Live-Musik bestens gesorgt. An allen Tagen wird auf dem Mainzer Platz für Stimmung gesorgt, von Rock und Pop bis 80er Sound und Soul ist für jeden Geschmack etwas dabei. Am Samstag, den 28. August, wird traditionsgemäß ab 15 Uhr gespannt auf das Eintreffen der Oldtimer vom Mainzer-Automobil-Club e.V. gewartet, die ihre Rundfahrt dann beenden und anschließend auf dem Parkplatz am Favorite Parkhotel bestaunt werden können. Auch an die jungen Besucher ist wie immer gedacht worden. Sie dürfen sich auf der Kinderwiese am Flamingoteich auf der Hüpfburg, beim Torwandschießen und weiteren Spielen nach Herzenslust austoben. Und es wird ein Lesezelt geben, in dem gelesen, zugehört und in den Bücherkisten gestöbert werden kann. Samstags ab 15 Uhr und sonntags ab 12 Uhr. Künstlermarkt Wie in jedem Jahr findet am 28./29. August und 04./05. September im Rosengarten der mittlerweile weit bekannte Künstlermarkt statt. Sich Zeit zu nehmen, um die vielen verschiedenen Dinge zu entdecken, lohnt sich! Geöffnet ist der Künstlermarkt samstags von 15 bis 22 Uhr und sonntags von12 bis 22 Uhr.

PROGRAMMTIPPS Sektfest im Rosengarten Donnerstag, 26.08. und 02.0., 1 Uhr: Rainer Schindler – Mr. Flower Power Freitag, 27.08., 20 Uhr: Hey James – Rockiges aus den 70er, 80er und 0er Jahren Samstag, 28.08., 20 Uhr: Hey James – Rockiges aus den 70er, 80er und 0er Jahren Sonntag, 2.08., 12 – 22 Uhr: Künstlermarkt und Büchermarkt 15 Uhr: I Rudici – Orchester mit Wiener Caféhausmusik 1 Uhr: Pirm Jam – ein grandioses Gitarrenduo Freitag, 03.0., 20 Uhr: Is‘ was – Oldies, Rock & Pop, Hits zum Feiern von 16010 Samstag, 04.0., 20 Uhr: Mr. S and the Lotions – aktuelle Hits und echte Klassiker zum Mitsingen und Tanzen Sonntag, 05.0., 15 Uhr: Watatoe – Orchester aus Belgien, 20 Uhr: Flower Power Men Great Wine Capital-Weindorf – Partnerland Argentinien Samstag, 28.08., 15 – 18 Uhr, Sonntag, 2.08., 12 – 16 Uhr, Samstag, 04.0., 15 – 18 Uhr, Sonntag, 05.0., 12 – 16 Uhr: Blindverkostung argentinischer und rheinhessischer Weine

Musik auf dem Mainzer Platz Donnerstag, 26.08., 1 – 22 Uhr: MNO Freitag, 27.08., 20 – 24 Uhr: Move2Groove Samstag, 28.08., 20 – 24 Uhr: Is‘ was? Sonntag, 2.08., 18 – 22 Uhr: Jammin Five Donnerstag, 02.0., 18–22 Uhr: Jay Schreiber Freitag, 03.0., 20 Uhr: Is‘ was – Oldies, Rock & Pop, Hits zum Feiern von 160-10 Samstag, 04.0., 20 – 24 Uhr: Funky Freds Sonntag, 05.0., 18 – 20 Uhr: Flying Hats Schlenderweinprobe Für das Schlenderweinprobe-Ticket für ,50 Euro erhalten Sie bei den acht teilnehmenden Winzern je ein Glas Wein. Tickets gibt es im Vorverkauf bei der Touristik Centrale Mainz, Brückenturm am Rathaus oder im Mainzer Rhein ZeitungShop, Große Bleiche 17-23, oder während der Festtage bei den teilnehmenden Winzern.

Teilnehmende Weingüter: Winzerhof Biegler Weingut Kathrinenhof Familie Reichert Bodegas Ibericas Weingut Nitschmann-Knewitz Weingut Bernhard Bär Weingut Volker Barth Becker – Das Weingut Weingut Wedekind

Touristik Centrale Mainz Verkehrsverein e.V. Brückenturm am Rathaus, 55116 Mainz Telefon (0 6131) 2 86 21-0 Telefax (0 6131) 2 86 21-55 E-Mail: tourist@info-mainz.de Internet: www.touristik-mainz.de




Freizeittipps Rhein-Main

Mit dem Struwwelpeter auf Weltreise

Eine Frage der Sichtweise Wenn man eine Umfrage machen würde, wer wohl der berühmteste Frankfurter ist, dann würde man sich wahrscheinlich wundern. Der Star stammt aus einem Bilderbuch von 1844, das mit mehr als 540 Auflagen in 40 Sprachen erschienen ist.

Das Würfelspiel ist auch deshalb ihr Lieblingsstück, weil sie sich genauso für ferne Länder interessiert, wie seinerzeit Heinrich Hoffmann.

D

ie Chefin des StruwwelpeterMuseum Beate Zekorn-von Bebenburg beschäftigt sich schon seit über zehn Jahren mit Zappel-Phillip und Kollegen. Sie hat bereits Kinderbuchforschung studiert. „Das war Bestandteil meines Germanistik-Studiums und geht nur in Frankfurt“, erklärt sie. Nach dem Studium war sie Museumspädagogin und freie Mitarbeiterin im Museum für Völkerkunde in Frankfurt. Mit der speziellen Kombination von Museumspädagogik und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Kinderliteratur passte sie 1991 wie keine zweite auf die Stellenausschreibung des Struwwelpeter-Museums. Seitdem ist sie mit Leib und Seele ein Struwwelpeter Fan. Arzt und Psychiater Der Struwwelpeter-Erfinder Heinrich Hoffmann war eigentlich Arzt und Psychiater. Die Geschichten, die ihn so berühmt gemacht haben, hat er sich ausgedacht, um seine kleinen Patienten bei Laune zu halten, erklärt Zekorn-von Bebenburg. Und dennoch sind es seine Bücher, die ihn weltberühmt gemacht haben. Mitte der 1970er Jahre waren die Geschichten umstritten. Hoffmann wurde als ‚schwarzer Pädagoge‘ bezeichnet. Das erzieherische Element, das Figuren wie der Struwwelpeter durchleben, wurde damals als Androhung von psychischer und physischer Gewalt verstanden und als brutales Erziehungsprinzip gebrandmarkt. Die Museumschefin findet, dass

man Hoffmann damit unrecht tut und sieht eine ihrer Aufgaben darin, dies richtigzustellen. Für sie sind Figuren wie der Struwwelpeter, Hans Guck-in-die-Luft, der fliegende Robert oder der Zappel-Philipp allesamt sich auflehnende Revoluzzer. Sie sind anders. Für sie wollte Hoffmann einfach unterhalten: „Er fand die Kinderbücher seinerzeit schlichtweg langweilig und beschloss, selbst ein Bilderbuch für seinen Sohn zu schreiben.“ Das als privates Geschenk gedachte Bilderbuch sorgte für großes Aufsehen. „Es war einfach anders“, erklärt Zekorn-von Bebenburg den großen Erfolg. •ag• Foto: Armin Gemmer

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Urige Wälder auf Bergkuppen und in Schluchten, Felsen und Blockhalden, naturnahe Quellen und Bäche sowie ruhige Wiesentäler und Waldwiesen bilden die Schätze des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Der einzige Nationalpark Hessens ist mit einer Fläche von 57 km2 einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Mitteleuropas. Natur darf hier Natur sein. Die Laubwälder werden nicht mehr genutzt, es entsteht „Wildnis von morgen“. Wer sich auf spannende und erlebnisreiche Weise über den Nationalpark informieren will, ist eingeladen, das NationalparkZentrum Kellerwald zu besuchen: In der Erlebnisausstellung am westlichen Zipfel des Nationalparks können die Besucher spielerisch die Geheimnisse des Nationalparks entdecken. Inszenierte Räume und

11.05.2010 11:28:42

ungewöhnliche Ausstellungsstücke zum Drehen, Schieben, Kurbeln und Drücken garantieren spannende Einblicke in die werdende Wildnis des Nationalparks. Ein einmaliges 4D-Kinoerlebnis nimmt die Besucher mit auf einen Streifzug durch die werdende Wildnis. Man spürt den Wind der Wälder, das Wasser der Bäche und mehr... Nebenbei können die Gäste sich zu Wanderungen beraten lassen, die regionale Küche des Restaurants „GastRaum“ genießen und das hochwertige Angebot des NationalparkShops in Anspruch nehmen. Kinder können sich auf dem entstehenden WildnisErlebnisgelände austoben. NationalparkZentrum Kellerwald Weg zur Wildnis 1 · 34516 Vöhl-Herzhausen Tel. 05635 992781 www.NationalparkZentrum-Kellerwald.de


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lokale zeitung stadtausgabe august 2010

• Nachtschwärmer • Park Café: Neues Selbstbewusstsein und originelle Ideen

Tanzen unter Denkmalschutz Geschichte ist, was man draus macht! Dieses Motto dürfte während der letzten Renovierungsarbeiten in der Wiesbadener Wilhelmstraße 36 Kaan Gökalps ständiger Begleiter gewesen sein. Kaan Gökalp ist Betriebsleiter des Park Cafés und hat als gelernter Bauingenieur die Umbauarbeiten zwischen 2003 und 2006 selbst geplant.

S

eit April 2006 hat die im Wiesbadener Adressbuch 1881/82 erstmals unter dem Namen Hôtel du Parc verzeichnete Lokalität wieder ihre Pforten geöffnet. Gleichwohl war das Erbe für die neue Belegschaft gleich in doppelter Hinsicht alles andere als einfach anzutreten: Einerseits gehört das Haus in der Wiesbadener Vorzeigestraße der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Baurechtliche Auflagen prägten die Renovierung dort deshalb stärker als in Clubs andernorts (Stuckdecke, Empore). Andererseits fügte eine Schießerei zwischen zwei türkischen Clans vom April 2003 unmittelbar vor dem Park Café seinem Ruf zumindest zeitweise einige Kratzer zu. Facettenreichtum und Prominenz Heute präsentiert sich der Ort mit neuem Selbstver-

DJ Sherry trauen und originellen Ideen: Seit cirka vier Monaten ist die Küche wieder täglich in Vollbetrieb – seit Kurzem mit einer wöchentlich wechselnden internationalen Karte zu Wilhelmstraßen-untypischen, moderaten Preisen. Neu ist auch das Freitagsprogramm: Verschiedene DJs, allen voran ein Veteran des Parkcafés, DJ Sherry, beschallen dabei das Publikum, zu dem gelegentlich auch die Sängerinnen des deutschen Pop-Trios Monrose oder der Super- und Dschungelcamp-Star Daniel Küblböck gehören. Auf die Frage, was das Park Café für ihn so attrak-

tiv macht, antwortet Sherry: „Man merkt, dass über fünf Dekaden hier getanzt wurde.“ Für den Resident bei Planet Radio wird die Geschichte des Ortes spürbar. Wenn der Abend gut ist, lege er deswegen gerne bis in die frühen Morgenstunden auf. Einen besonderen Ruf genieße der Sonntagabend, so Peter Schmidt, der für die Pressearbeit des Park Cafés zuständig ist. Bei Hip Hop-, R&B- sowie Soul-Klängen tanzten die Gäste hier bis zum Sonnenaufgang am Montag, während die Linienbusse draußen schon den Beginn einer neuen Arbeitswoche ankündigten. Zum festen Repertoire hingegen gehören mittlerweile der „Students Club“ jeden Donnerstag und regelmäßig Semesterabschlussfeten. „From Students 4 Students“ lautet dabei die Idee, denn das Park Café ist als großes Tanzlokal mit Bar und Gastronomie nicht zuletzt „Arbeitgeber vieler Studentinnen und Studenten, die als Nebenjob im Servicebereich tätig sind“, bemerkt Schmidt. Gehobenes Clubbing für Jung und Alt Freilich gehen auch für das Park Café die Uhren im Sommer anders. So lassen beim Besuch der Lokalen Zeitung an einem warmen Freitagabend im Juli die Gäste bis nach Mitternacht

Clubbing in stilvollem Ambiente. und länger auf sich warten. Dann wird aber sogleich die Tanzfläche bevölkert und die schwingenden Tanzbeine machen der Historie des Ortes alle Ehre. „Manchmal“, erklärt Betriebsleiter Gökalp, „finden auch ältere Ehepaare den Weg in den Club, um zu sehen, was aus dem Ort geworden ist, an dem man sich zum ersten Mal tief in die Augen blickte.“ Für den Nachtschwärmer der Lokalen Zeitung steht fest: Wem Clubbing in stilvollem Ambi-

ente, eine gepflegte Garderobe und Service auf hohem Niveau sowie Hip Hop- und Houselastige Musik gefallen, ist in der Wilhelmstraße 36 genau an der richtigen Adresse. Wem diese Attribute eher suspekt vorkommen, sollte es sich überlegen. Die Mühe sowie der programmatische Ideenreichtum, mit denen das Park Café betrieben wird und erst recht seine Geschichtsträchtigkeit bleiben davon unberührt. •gro• Fotos: Andreas Groth

• Kultur • Kunst oder Blasphemie?

David Weiss und Angelika Wende befragten Künstler nach ihrem Grenzbegriff im Silbernen Salon

M

ainz – Darf oder muss sogar Kunst hässlich sein, wie weit ist Provokation erlaubt, und wo stößt man an die Grenzen der gesellschaftlich gültigen Normen? Die kontroverse Diskussion über „künstlerische Freiheit“ mündete in die Frage „Wo hat sie Grenzen?“ bei der Auftaktveranstaltung zur neuen Kulturreihe „Der silberne Salon“ mit den Moderatoren Angelika Wende und David Weiss. Geladen hatten die frühere ZDF-Moderatorin und der angehende Biologe Künstler unterschiedlicher Couleur aus dem Rhein-Main-Gebiet ins „Performance Art Depot pad“ in der Mainzer Neustadt.

„Du hast mich verletzt“, sagt Michael Vaccara, Tenor und Leiter der Opera Classica in Frankfurt, zu Bildhauer Apunkt Apeiron, der seine Werke selbst als hässlich bezeichnet. Ein Kruzifix, bei dem der Jesuskopf durch einen erigierten Penis ersetzt ist, ist nicht gerade das, was Vaccara als Vertreter eines eher konservativen Kunstverständnisses für angebracht hält. Es gehe nicht um Nacktheit oder Sex. Auch Michelangelo habe einen nackten David geschaffen, andererseits fragt Vaccara: „Was hat ein nackter Mann bei der Aufführung zum Fliegenden Holländer zu suchen?“ Apunkt Apeiron

hingegen sieht seine Werke als Möglichkeit zur Katharsis, der inneren Reinigung. „Ich befreie meine Seele und lasse alles Hässliche raus, was ich durch Presse und Fernsehen aufnehme.“ Physisch stelle die Verletzung die Grenze dar, psychisch sei die

Kunst frei.“ Peter Schulz, künstlerischer Leiter des pad, will die Provokation nicht als den alleinigen künstlerischen Maßstab gelten lassen. „Nimmt man die Provokation weg und es bleibt nichts mehr übrig, ist es keine Kunst.“ Die Grenze befinde sich

da, wo das Publikum nicht mehr mitmache. „Zensur ist das letzte, was Kunst braucht“, sagt die von DDR-Zensur gebeutelte Silvia Brünig, Inhaberin der Agentur „Kultur in Kontakt“. Als die Mauer fiel und sie nach Mainz kam, habe sie als erstes gehofft, dass ihr so etwas nie wieder passieren möge. Gleichschaltung ist der Tod jeglicher Kunst.“ Weiss und Wende spielten sich die Bälle zu, die Diskussion geriet lebhaft und äußerst kontrovers, ernsthaft, aber mit durchaus humoristischen Effekten versehen. •hb• Foto: Helene Braun


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• Biografie • Lebensläufe aus der Biografiewerkstatt Otto

Sonne, Sand und Sonnenbrand M

it dem wirtschaftlichen Aufschwung in den 50er Jahren wuchs auch die Reiselust der Deutschen. Als Zwanzigjährige besuchte ich gemeinsam mit einer befreundeten Familie zum ersten Mal Italien. Im August 1958 machten wir uns auf den Weg. Die Koffer schnallten wir oben auf dem VW-Käfer am Gestell des Dachgepäckträgers mit einer grünen Segeltuchplane fest. Am ersten Tag machten wir Station am Kochelsee, von dem aus mich der weite Blick bis zur Zugspitze tief beeindruckte. Unser Ziel war der Strand von Riccione, wo wir an der Adria zelten wollten. Bei dieser Reise fielen mir das arme Volk in der Po-Ebene auf und der Gestank, der im Innern des Landes in den Dörfern herrschte. Die Abwässer flossen auf die Straßen, denn es gab noch keine

Die langjährige Krankenschwester Helgard Fuchs, 72, erzählt in ihrem in der Biografiewerkstatt Otto erschienen Buch „Erzählen ist erinnern“ von ihren ersten Italieneindrücken Ende der fünfziger Jahre. Kanalisation. Meine Freundin und ich badeten oft im Meer, wobei wir uns auf der Luftmatratze einen tüchtigen Sonnenbrand zuzogen. Es waren herrliche vier Wochen, aber es war so heiß, dass man keine Lust hatte, irgendetwas zu unternehmen. Wir aßen viel Obst und auf Wunsch der Kinder jeden Tag Spaghetti. Außerdem schleckten sie fast ununterbrochen das leckere Eis. Einmal genossen wir in einem Fischerdorf Tin-

Helgard Fuchs

Italienreise 1958

tenfisch, den ich so kräftig mit Chianti herunterspülte, dass ich einen Schwips hatte. Während unserer zweiten Italienreise 1959 war das Wetter nicht so gut. Wir unternahmen Ausflüge in die bergige Provinz San Marino, wo wir an die Wolken stießen. In Ravenna bewunderten wir San Vitale, San Apollinaris und das Mausoleum des Theoderich. Bekannte unserer

Freunde besaßen in Verona ein wunderschönes Haus mit einem breiten Treppenaufgang, alles war aus Marmor, auch die Fußböden. Welch einen Reichtum barg dieses Haus! Familie Puccini aß typisch italienisch. Nach der Hauptmahlzeit gab es eine riesige Schale mit verschiedensten Sorten Obst und immer genug Wasser zum Trinken. In den Räumen war es trotz der Hitze angenehm kühl.

Als wir uns an einem sonnigen Tag im Meer tummelten, fand ich keinen Grund unter meinen Füßen und geriet in Panik. Tagelang mied ich danach das Wasser und sammelte stattdessen am Wellenaufschlag Steine und Muscheln. Eigentlich bin ich eine Wasserratte, aber nur, wenn ich mich jederzeit stellen oder am Rand festhalten kann. •Anja Otto• Fotos: Privat

• Gastlichkeit •

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Der Gast Hof Grün ist beliebt bei Alt und Jung

Grüne Oase in der Neustadt bietet viele Chancen V

om ersten Tag an war der Gast Hof Grün ein beliebtes Ziel und er entwickelte sich zum Renner in der Mainzer Neustadt. Zwar ist hier nicht immer alles perfekt, aber vielleicht kann man sich gerade deshalb besonders wohlfühlen. Das moderne Ambiente mit einer klaren und doch sehr gemütlichen Innenarchitektur spricht alle Generationen an. „Die Omi sitzt bei uns gleich neben dem Studenten“, berichtet Maria Rickert, Leiterin des Gasthofs. Und: Der Gast Hof Grün ist nicht bloß irgendein modernes Café oder Restaurant. Betrieben wird er von der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen

und Mitarbeiter ist die Arbeit im Service und in der Küche eine besondere Herausforderung, die sie hoch motiviert angehen. Dabei lernen sie auch, sich zu öffnen und auf andere Menschen zuzugehen. Außerdem gibt es Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Berufen, die hier eine berufliche Rehabilitationsmöglichkeit gefunden haben. Praktikantin Simone Ewald und Natmir Zendeli kümmern sich um das Wohl der Gäste. (gpe) und er bietet Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Für die 18 Mitarbeiterinnen

Noldas Café und mehr

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Gonsenheimer Café feiert Einjähriges

I

n Mainz weckt der Name Nolda süße kulinarische Emotionen. Schließlich liegt dieser Familie das Bäcker- und Konditorenhandwerk im Blut. Das stellen Hans-Joachim, Thomas und Sebastian Nolda auch in ihrem vor einem Jahr eröffneten „Nol-

Gebackene Kuchen wie bei „Muttern“ Viele Stammkunden besuchen den täglich wechselnden Mittagstisch, der nicht nur besonders lecker, sondern auch noch sehr günstig ist. „Manche Kun-

das Café und mehr“ mit verführerischer Kreativität unter Beweis. Hier in Gonsenheim auf der Breiten Straße 13 lädt das gemütliche Café mit dem besonderen Ambiente Dienstag bis Sonntag zum genussvollen Verweilen von 8 bis 19 Uhr (sonntags ab 9 Uhr) ein.

den können auch am Wochenende nicht ohne uns sein“, lacht Maria Rickert und erzählt, dass einige der Berufstätigen, die regelmäßig im Gasthof essen, auch am Wochenende gerne mal

mit ihren Familien zum Sonntagsbrunch kommen. •ust• Fotos: Ute Strunk

Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9:30 bis 18 Uhr. Mittagstisch von 12 bis 14.30 Uhr.

Pfarrstraße 13 · 55296 Gau-Bischofsheim Telefon (0 61 35) 30 43

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lokale zeitung stadtausgabe august 2010

• Politik •

Mainzer Parkhäuser auf dem Prüfstand

Was bekomme ich für mein Geld? Anlässlich der neuesten Parkgebührenerhöhung in den städtischen Parkhäusern hat die Lokale Zeitung sich auf den Weg gemacht, um in Stichproben einige Mainzer Objekte auf die Frage hin zu beleuchten, was man wo für sein Geld bekommt.

Eltern-und-Kind-Parkplätze im Kronberger Hof: vorbildlich Parkhaus Am Kronberger Hof 495 Stellplätze stehen auf sechs Parkdecks zur Verfügung, davon vier Behindertenparkplätze, die per Aufzug zwischen Parkdeck und Straße verbunden sind. Die erste halbe Stunde kostet 0,80 Euro, jede weitere angefangene halbe 1,10 Euro. Gerechtfertigt wird der Preis wohl durch die auf den Kassenautomaten zu lesende Bezeichnung „Premium-Parkhaus“. Unter dieser Kategorie werden die Parkhäuser Rathaus, Theater und Kronberger Hof seit der neuen Gebührenverordnung vom 01. Juli 2010 geführt. (Auf der PMG-Homepage ist allerdings nicht vermerkt, nach welchen Kriterien ein Parkhaus als „Premium“ kategorisiert wird.) Der Tageshöchstsatz beträgt 14 Euro, für die Nacht 5 Euro, für Theaterbesucher 5 Euro, bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten fallen 0,50 Euro an (auf der so genannten ‚Brötchentaste‘). Bei Kartenzahlung gibt es 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr, außerdem ist das Anmieten von Parkplätzen möglich. Die Zufahrt hat eine Höhe von 1,75 Meter und das Parkhaus ist 24 Stunden durchgehend geöffnet. Als offener Bau ist das Parkhaus Am Kronberger Hof tageslichthell, die Luft dementsprechend in Ordnung. Treppenhaus und Aufzug sind sauber und gepflegt, die einzelnen Decks wirken durch einige in Farben gestrichene Wände

E

in Argument für die Gebührenerhöhung von Seiten der Verantwortlichen ist der langfristige Plan der Stadtverwaltung, alle Parkhäuser barrierefrei zu gestalten. Konkret heißt das zum Beispiel, dass die Parkplätze breit genug werden sollen, um Rollstuhlfahrern die Nutzung zu ermöglichen. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass es weniger Parkplätze geben wird

als bisher, und es bleibt zu fragen, wie dies kompensiert werden kann. Ein anderes Argument ist der mit drei Millionen Euro defizitäre Haushalt der ‚Parken in Mainz‘ GmbH. Die PMG, eine Tochtergesellschaft der Stadt, begründet das Defizit mit dem Ankauf von zwei der Stadt gehörenden Parkhäusern und aufwendigen Sanierungsarbeiten an verschiedenen Objekten.

Eltern-und-Kind-Parkplätze in der Römerpassage: eher bedenklich

Stellplatzmaße im Parkhaus Bleiche: angenehm breit

Stellplatzmaße in der Römerpassage: zu eng

Einfahrt zum Parkhaus Bleiche: hell, sauber, geräumig

Parkhaus Römerpassage Diese Parkmöglichkeit bietet 181 Stellplätze, 11 Behindertenparkplätze sowie Eltern- und Kind-Parkplätze. Die Höhe der Einfahrt über die Emmeransstraße beträgt 2 Meter, auch hier ist durchgehend geöffnet. Die erste halbe Stunde kostet 0,80 Euro, die zweite 0,90 Euro, jede weitere angefangene halbe Stunde 1 Euro. Bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten gilt wieder die ‚Brötchentaste‘. Die Tageshöchstgebühr liegt bei 15,50 Euro, die Nacht bei 6 Euro. Auch hier gibt es bei Kartenzahlung 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr. Außerdem ist das Anmieten von Parkplätzen möglich. Beim Betreten fallen als erstes die schlechte Luft und die arg niedrigen Decken auf. Sicherheitstechnisch etwas fragwürdig erscheint es, dass sich der Eltern und Kind-Parkplatz direkt an einer Kreuzung bzw. Durchfahrt zur nächsten Etage befindet. Die Stellplätze sind sehr eng, sodass beim Ein- und Ausparken Vorsicht geboten ist.

Parkhaus Bleiche In den Sommermonaten Juni, Juli, August gibt es 50 Prozent Rabatt aufs Kurzparken. Das neue Parkhaus Bleiche bietet 227 Stellplätze und zwei Behindertenparkplätze im Untergeschoss. Die Einfahrt (2 Meter Höhe) ist über die BalthasarMaler-Gasse erreichbar und auch dieses Parkhaus ist durchgehend geöffnet. Zu zahlen sind 0,80 Euro für die erste halbe Stunde, für jede weitere 1 Euro, als Tageshöchstsatz 14 Euro, pro Nacht 5 Euro. Bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten fallen 0,50 Euro an. Bei Kartenzahlung gibt es 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr. Das neu gebaute Parkhaus Bleiche, das sich direkt an den MVB-Neubau anschließt, überrascht positiv mit seiner breiten Ein- und Ausfahrt, der geräumigen Bauweise mit hohen Decken, breiten Stellplätzen sowie einem blauen Gummiboden, der die Geräusche angenehm dämpft.

Parkhaus Am Taubertsbergbad Hier gibt es 767 Stellplätze und 21 Behindertenparkplätze. Die Zufahrt folgt über die Binger Straße / Wallstraße, die Einfahrtshöhe beträgt 2,10 Meter. Der Betreiber PMG verlangt für die erste halbe Stunde 0,80 Euro, für jede weitere angefangene halbe Stunde 1 Euro. Die Einfahrt ist hell und geräumig wie das ganze Parkhaus, das nicht durch Außenwände abgeschlossen, sondern zwischen den Parkdecks offen ist. Geht man allerdings 90 Minuten für 3,70 Euro schwimmen, plus eine halbe Stunde zum Umkleiden, zahlt man 3,80 Euro fürs Parken. Die Tagespauschale für Schwimmbadbesucher beträgt zwar 4 Euro, das nutzt bei einem Kurzbesuch jedoch wenig. Die ‚Rabattierung mit der Bahncard am Kassenautomat bis zu 45% der Parkgebühr‘ ist zwar auch nicht verkehrt, wenn man eine Bahnfahrt vorhat und im Besitz einer Bahncard ist, aber dem ‚normalen‘ Parker kommt das eher selten zugute.

Parkhaus Am Brand Das nicht zur PMG gehörende Parkhaus Am Brand verfügt über 910 Stellplätze, sowie Frauenparkplätze direkt neben Kassenautomat und Ausgang. Für Dauerparker beträgt die Gebühr bis zu 25 Minuten Parken 1 Euro, bis 50 Minuten 2 Euro. Stellplätze sowie Ein- und Ausfahrt sind nicht in Breite und Höhe angemessen in Ordnung. Die Decken sind relativ niedrig, die Atmosphäre ist trotzdem nicht unangenehm. Aufgrund der direkten Nähe zur Fußgängerzone ist die Lage sehr günstig. Die Parkgebühr ist leider, wie die meisten Mainzer wissen, hoch, sodass man bei zwei Stunden Parken mit 5 Euro dabei ist. Dafür gibt es, wie uns der private Betreiber Park Service Hüfner GmbH + Co.KG erklärt, rund um die Uhr zwei Ansprechpartner vor Ort, die Parkleitzentrale ist durchgehend besetzt. Das Personal wird speziell geschult, um in Konfliktsituationen zu deeskalieren, mit Beschwerden umzugehen und in Notfällen rasch und besonnen zu handeln. •em• Fotos: Eva-Maria Albus

Was können wir nach unserer – zugegeben unvollständigen – Begutachtung festhalten? Nun, es gibt angenehmere und weniger angenehme Parkgelegenheiten in der Mainzer Innenstadt. Wie wichtig die Atmosphäre einer PKW-Abstellmöglichkeit zu gewichten ist, ist natürlich eine Frage des persönlichen Anspruchs und Geschmacks, aber auch der Sicherheit. Was die zahlreichen Sonderangebote, Rabattmöglichkeiten und Tarifunterschiede betrifft, sind wir der folgenden Meinung: Dass das Parkticket 24 Stunden lang für das gesamte Stadtliniennetz der Mainzer Verkehrsgesellschaft mit bis zu 4 Begleitpersonen gilt, ist zum Beispiel eine praktische Sache. Oder, dass man im Parkhaus Theater an den Markttagen (Dienstag, Freitag und Samstag) von 7 bis 8 Uhr kostenfrei parken kann, ist ein Anreiz zum Marktbesuch und wird daher auch die Marktstandbetreiber freuen. Dass man im Parkhaus Bleiche in den Sommermonaten Juni, Juli und August auf ein Kurzzeitparkticket 50 Prozent Rabatt bekommt, ist eine schöne Idee. Allerdings – vielleicht geht es Ihnen ähnlich – haben sich uns folgende Fragen gestellt: Werden diese Sonderkonditionen unter ihren jeweils recht spezifischen Bedingungen in ihrer Vielfältigkeit nicht fast schon unübersichtlich? Und wann, wie oft und wie viel profitiert der ‚Otto-Normal-Parker‘ am Ende wirklich davon?


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Kolumne

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• Das Allerletzte •

• Nachrichten • Chess Classics in der Rheingoldhalle

Das Parkhaus-Paradox A

ls Bundes- und Landespolitiker hat man es wahrlich nicht leicht. Nicht umsonst kommt es in jüngster Zeit immer wieder zur Politikflucht. Aber gilt das auch für die Lokalpolitik? - Stellen Sie sich vor, Sie allein dürften für einen Tag die Geschicke der Stadt Mainz lenken, und just an diesem Tag stünde die Entscheidung an, ob die Parkgebühren im gesamten Stadtgebiet um fünf Prozent erhöht werden sollen. Nichts einfacher als das, denken Sie, denn als Autofahrer sind Sie natürlich von Natur aus dagegen. Sie aber sollen Ihr persönliches Interesse zurückstellen und auch jede Form der in solchen Fällen üblichen Günstlingswirtschaft. Sie wissen also nichts vom hintergründigen Macht- und Ämtergeschacher und sind in Ihrer Entscheidung ganz auf das Gemeinwohl gerichtet.

Also überlegen Sie: Wenn Sie die Parkgebühren nicht erhöhen, können Sie die teuren Parkhaus-Neubauten der letzten Jahre nicht abbezahlen und müssen sie entweder veräußern oder die dafür aufgewendeten Kredite umschulden. Wie Sie aber aus eigener Erfahrung wissen, macht eine Verteuerung des Parkens die Mainzer Innenstadt unattraktiv. Denn wer nimmt schon die aus den Parkgebühren entstehenden Mehrkosten in Kauf, wenn er sie anderswo, etwa auf der »Grünen Wiese« vor der Stadt umgehen kann? Über kurz oder lang bleiben also die Käufer aus, die Innenstadt verödet, was sich selbstverständlich auch auf die Parkhäuser auswirkt. Die können sich nämlich nicht mehr amortisieren. Sie sehen sich also vor ein ausgewachsenes Dilemma gestellt. Denn für was Sie sich auch

Schach vom Feinsten

entscheiden, beide Wahlmöglichkeiten führen zu ein und demselben unerwünschten Resultat und damit wieder zur Ausgangssituation zurück. Spätestens jetzt hätten auch Sie gute Lust, das Handtuch zu schmeißen und die Lokalpolitiker die Suppe auslöffeln zu lassen, die sie sich selbst eingebrockt haben. Doch Sie halten inne. Vielleicht existiert

ja noch eine weitere Entscheidungsmöglichkeit, fern der alten Denkmuster? Sie sind kühn und gehen am eigentlichen Problem vorbei: Wie wäre es beispielsweise, den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif einzurichten? Die Nutzung von Bus und Straßenbahn wäre dann frei wie in der belgischen Stadt Hasselt. Wie dort würden dann vielleicht auch bis zu 40 Prozent mehr Menschen nach Mainz kommen und wie dort die Umsätze des Einzelhandels steigen. Aus den Gewerbesteuereinnahmen könnte man dann die Parkhäuser abbezahlen und zu Kulturstätten umfunktionieren. Sie beginnen zu träumen. Aber halt, wenn es jede Stadt so machen würde? Was geschieht dann mit der Automobilindustrie, den Arbeitsplätzen, der Kaufkraft… und schließlich mit den Krediten für die Parkhäuser?

Vom 6. bis 8. August wird in der Mainzer Rheingoldhalle wieder von morgens bis abends Schach gespielt. Freunde des „Spiels der Könige“ können meisterhafte Partien zwischen erfahrenen Schach-Strategen, Schnellschach-Turniere, Simultanpartien, Nachwuchswettbewerbe sowie WM-taugliche offene Qualifikationen miterleben. Eröffnet werden die Chess Classics am 6. August um 16 Uhr mit dem traditionellen Simultan, bei dem vierzig Spieler gegen den amtierenden Weltmeister und die Nummer 1 der Weltrangliste Viswanathan Anand antreten. Ähnlich geht es beim gleichzeitigen Chess960Simultan mit Groß- und Weltmeisterin und WeltranglistenAchte Alexandra Kosteniuk zu, die gegen 20 Spieler simultan antritt. •red•

Solarinitiative Rheinland-Pfalz: Sonnenstrom von 100.000 Dächern

Die Sonne schenkt uns Energie! Auf Solarenergie zu setzen, macht sich bezahlt. Denn die Sonne schenkt uns Energie, ohne das Klima zu belasten, weil sie uns unbegrenzt zur Verfügung steht. Photovoltaik und Solarthermie helfen, private Energiekosten zu senken. Mit Investitionen in Solarenergie können Sie sogar Geld verdienen und dabei unser Klima schützen. Im Rahmen der „Solarinitiative Rheinland-Pfalz“ schafft das Land jetzt neue Anreize zur Nutzung der Solarenergie: Mit einer neuen Förderung für Dachsanierungen unterstützen wir Hausbesitzer bei ihrem Vorhaben, das eigene Dach für eine Photovoltaikanlage fit zu machen.

Margit Conrad, Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz

Mit einer internetbasierten Dachflächenbörse bringen wir Hausbesitzer und investitionswillige Anlagenbetreiber zusammen. Mit Energiegenossenschaften nehmen Bürgerinnen und Bürger die Energiezukunft ihrer Region jetzt selbst in die Hand. Mehr Informationen, wie auch Sie von der Solarenergienutzung profitieren können, finden Sie unter www.unserEner.de

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24.06.2010 16:35:29 Uhr


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lokale zeitung stadtausgabe august 2010

• Politik •

Beck und Wohnbau im langwierigen Rechtsstreit

Pachtzins für Alte Patrone bleibt weiterhin unklar N

achdem der erste Verhandlungstag vor der 12. Zivilkammer des Mainzer Landgerichts ergebnislos verlaufen war, einigten sich die beiden Parteien trotz ihrer Bedenken letztlich doch auf den Versuch einer gemeinsamen Lösung und akzeptierten den Terminvorschlag des Richters. Unklare Vertragslage sorgt für Diskussionsmarathon Im ursprünglichen Vertrag vom 25. September 2003 war ein Pachtzins in Höhe von 10 Prozent des erwirtschafteten Jahresnettoumsatzes festgelegt worden. Diesen kalkulierte man auf 375.000 Euro, woraus sich also 35.700 Euro Pachtzins ergäben. Nachdem nach einiger Zeit deutlich wurde, dass dieser veranschlagte Umsatz nicht erreicht werden konnte, führte man am 20. August 2005 eine Nachtragsregelung ein. Mit dieser wurde

Bis zum 31. August will man einer Einigung im langwierigen Rechtsstreit um den Mietvertrag für die Alte Patrone einen Schritt näher sein. Das haben die beteiligten Parteien zugesagt. Günter Beck als Pächter und die Mainzer Wohnbau als Vermieter wollen sich um eine Neuformulierung des strittigen Paragrafen 2 bemühen, in dem es um die Höhe des zu entrichtenden Pachtzins geht. Gelingt dies nicht, soll am 23. September das Gericht entscheiden. der den Pachtzins betreffende Paragraf 2 dahingehend geändert, dass eine Zinssenkung von 10 auf 3 Prozent vereinbart wurde. Die Gültigkeit dieser Nachtragsregelung stellt die 2009 umstrukturierte Wohnbau jedoch in Frage. Es gilt nun also

Krimi

Auch ein blindes Huhn …

herauszufinden, welche Version des Vertrags von beiden Parteien anerkannt wird. Angesichts der Sachlage scheint eine Neuformulierung des gesamten Pachtvertrages die konstruktivste Lösung zu sein. Angesichts der einigermaßen verhärteten Fronten scheint dies allerdings schwierig zu erreichen zu sein. Unterschiedliche Perspektiven Bei Aufnahme des Mietverhältnisses habe zwischen Vermieter und Mieter aufgrund der gemeinsamen Zielsetzung eine Konsenssituation bestanden, verdeutlichte Günter Beck. Priorität sei auf beiden Seiten gewesen, die Alte Patrone zunächst einmal aus ihrer damaligen defizitären Situation heraus zu holen. Daraus erkläre sich zum einen die Zusatzklausel im ersten Vertrag, den Pachtzins auf 8 Prozent zu reduzieren, wenn

Teil 15

Hubert Neumann Lucia wollte aufspringen und zum Fenster stürzen. Doch dann überlegte sie, ob es nicht klüger sei, Pfeiffer zuvorderst einmal gründlich auszuhorchen und die Person draußen vor dem Fenster, die der Verstorbenen ähnelte, aus dem Augenwinkel zu beobachten. Vielleicht war es ja auch die Tote selbst, die damit gar nicht tot war. Was wusste Lucia denn schon? Sie kannte Frau Pfeiffer doch nur von dem Foto, das ihr der Witwer vorgestern selbst überreicht hatte. Und von seinen spärlichen Kommentaren hatte sie sich auch kein Bild machen können, das für eine Grabrede ausgereicht hätte. Warum sonst hatte sie den Witwer heute noch einmal aufgesucht? Wer war also diese Frau? Und warum glotzte sie von außen durch das Fenster und machte noch nicht einmal Anstalten, sich zu verbergen? Lucia konnte sich keinen Reim darauf machen. Aber vielleicht war es ja auch eine Täuschung, die durch ihre Anspannung hervorgerufen wurde? Man sah manchmal Dinge, die gar nicht vorhanden waren, mit denen

man sich aber intensiv beschäftigte. Ihr fiel gerade kein Beispiel ein, doch sie hatte davon gehört. Wenn es also eine Täuschung war, was sah dann Helga? Auf was wollte sie mit ihrem Gezupfe und Gestoße aufmerksam machen? Lucia schwirrte der Kopf, ihre Hände zitterten. Sie war völlig verwirrt, wollte etwas fragen, brachte aber nichts anderes als unverständliches Gestammel heraus, dem sich undeutliche Fingergesten in Richtung Fenster hinzugesellten. Von nun an ging alles ganz schnell. Pfeiffer war schon auf sie zugestürzt, hatte sie am Mantelkragen gepackt und zog sie jetzt durch das Wohnzimmer in den Flur Richtung Haustür, während sie immer wieder »Ihre Frau, Ihre Frau…« stammelte. »Was wollen Sie denn?«, entgegnete er mit einem Schulterzucken, als würde er ihrer Äußerung keine Bedeutung zumessen, öffnete die Tür und warf sie wie ein Stück Dreck die Treppe hinunter. Helga hechtete hinterher. »Ich bin empört über ein solches

Verhalten, wirklich empört!«, sagte sie, als sie sich an ihm vorbeidrängte, um ihrer Freundin aufzuhelfen. »Ich werde Sie –« »Nichts werden Sie, Sie hysterische Tante! Ich werde Sie beide anzeigen, wegen Hausfriedensbruch und was mir sonst noch einfällt. Sie werden schon sehen!« Lucia hatte sich mittlerweile wieder aufgerappelt und ihren rechten Fuß in die Tür gestellt, damit er sie nicht schließen konnte. »Was erlauben Sie sich!«, schrie er, packte sie dieses Mal am Arm und schleuderte sie an die Hauswand. Der erste Hieb, in den Bauch, verschlug ihr den Atem. Der darauf folgenden Faustschlag ins Gesicht schmetterte sie nieder. Ein Stich im

binnen eines Jahres der erwartete Umsatz nicht erreicht worden wäre. Dieser Konsensgedanke sei auch der Grund für die Nachtragsregelung von 2005 gewesen, so der Kläger weiter. Inzwischen sei man nämlich mit den unerwartet hohen Nebenkosten konfrontiert gewesen und habe sich deshalb auf die Verminderung des Pachtzinses auf 3 Prozent des Umsatzes geeinigt. Günter Beck räumte allerdings ein, die Situation der gemeinsamen Zielsetzung habe wohl zu einer gewissen Nachlässigkeit bei der Ausarbeitung des Vertragstextes, d.h. der Formulierung der Neuregelung geführt. Welche Regelung soll gelten? Nun geht es vorrangig um die Frage, welche Vertragsversion von beiden Seiten als gültig anerkannt wird. Es wird eine neue Ausarbeitung des Paragrafen nötig sein,

um die momentane Situation der Widersprüchlichkeit aufzulösen. Günter Beck und sein Anwalt betonen, dass sie ausdrücklich eine öffentliche Klärung anstreben, da sie Mutmaßungen, hinter verschlossenen Türen Sonderregelungen auszuhandeln, entgegenwirken wollen. Relativ unklar bleibt bislang jedoch die Meinung der Wohnbau. Nicht nur bezüglich des konkreten Gegenstandes des Paragrafen 2 gibt sie sich skeptisch, ob es möglich ist, eine beide Seiten zufrieden stellende Lösung zu finden und weist darauf hin, dass es noch weitere zu klärende Punkte gibt. Im nächsten Teil des Rechtsstreits werden die Parteien die Position tauschen: Dann wird die Wohnbau mit der Frage nach dem noch ausstehenden Pachtzins als Klägerin gegen Günter Beck antreten. •em•

rechten Ohr durchbohrte sie. Sie ertastete lauwarmes Blut. »Das haben Sie jetzt davon!«, sagte er. Dann fiel die Tür ins Schloss. Lucia rutschte die Treppe hinunter, dorthin, wo Helga gerade stand. Die Bauchmuskeln, die den ersten Schlag eingesteckt hatten, brannten in einem Krampf, der jetzt einsetzte. »Hast du sie gesehen?« Helga kniete sich neben sie und musterte ihre Freundin, wie man einen Fremden oder einen unbekannten Gegenstand anschaut. Langsam suchte sie Lucias Hände. »Tut es sehr weh?«, fragte sie. »Hast du sie gesehen?«, wiederholte Lucia jetzt drängend. Ein paar Krähen sausten über ihre Köpfe hinweg. »Lass uns schnell ums Haus herum gehen. Vielleicht ist sie noch da!« Sie stand auf, so gut es ging. »Das tust du nicht!« Helga hielt sie fest und holte ein Taschentuch aus der Tasche, die über ihrer Schulter hing und wischte Lucia das Blut aus dem Gesicht. »Natürlich habe ich sie

gesehen. Ich habe dich doch –« »Ich versteh das nicht«, unterbrach sie Lucia. »Ich bekomme das nicht zusammen. Erst die Geliebte, die vielleicht gar keine Geliebte ist. Nein, erst die Stadtstreicherin, die der Verstorbenen bis aufs Haar gleicht und vielleicht gar keine Stadtstreicherin ist. Und jetzt das Gesicht am Fenster.« »Und diese Niedertracht …« »Das ist gar kein Ausdruck für sein brutales Verhalten!« »Stimmt. Aber das hilft jetzt alles nichts. Du musst unbedingt zu einem Arzt. Danach gehen wir zur Polizei.« »Wir haben doch nichts in der Hand! – Nein, ich werde heute Nacht noch mal hierherkommen.« Helgas Blick verlor sich irgendwo in der Leere. »Das wirst Du nicht!«, sagte sie und sprach so leise, dass ihre Worte zu einem unhörbaren Gemurmel wurden. Dann fasste sie sich wieder, schaute Lucia an und sagte: »Wir machen etwas ganz anderes! Wann ist denn die Beerdigung?«

Fragen: Wer war diese Frau am Fenster? Hat auch Pfeiffer sie gesehen und warum hat er so brutal reagiert? Was hat Helga für eine Idee? Hubert Neumann ist Historiker, Dozent für wissenschaftliches Schreiben und Autor. Für sein literarisches Schaffen hat er mittlerweile mehrere Preise erhalten, u. a. den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland Pfalz. Sein grotesktrashiger Kriminalroman „Lusthängen“ wurde von den Lesern der Wochenzeitung DIE ZEIT auf Platz 9 der Leser-Bestenliste des Jahres 2008 gewählt.


lokale zeitung stadtausgabe august 2010

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• Wissensdurst • Vom Glück eines selbstbestimmten Lebens

Jetzt hängt alles von dir ab M

an müsste den Leuten einfach viel mehr erklären, was Gentechnologie eigentlich ist. Stattdessen werden bloß Ängste geschürt“, sagt die emeritierte Genetikprofessorin mit fester Stimme. Die einseitige Medienberichterstattung beobachtet sie mit Sorge und einer gewissen Verärgerung. „Denn wie wollen wir denn die Probleme lösen, die auf uns zukommen? Es wird in der Zukunft immer mehr Menschen geben – wie können wir sicherstellen, dass alle satt werden?“ Elisabeth Gateff ist klug, sie betrachtet die Dinge differenziert. Natürlich ist die Gentechnologie noch nicht ausgereift, aber wie kann sie voranschreiten, wenn sie bloß bekämpft und verteufelt wird? „Alle Dinge haben zwei Seiten. Man muss eben abwägen. Und ehrlich: Wir greifen doch ständig in die Natur ein! Und ob man jetzt Chemie auf die Felder kippt...“ Die Dinge kritisch zu hinterfragen, liegt in

ihrer Natur. Dr. Elisabeth Gateff ist eben Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Das bedeutet aber auch, dass sie bei der Kritik nicht stehenbleibt, sondern nach Lösungen sucht. So hat sie für die Frage, wie man das öffentliche Ansehen der gentechnologischen Forschung soweit verändern kann, dass eine objektive Diskussion möglich ist, auch gleich einen konstruktiven Vorschlag: „Es müsste eine wöchentliche Fernsehsendung geben, in der die Gentechnologie erklärt wird. Man bräuchte dafür nur jemanden, der das entsprechende, fundierte Wissen hat und das Talent, es für jeden verständlich zu vermitteln.“ Der Weg zur Freiheit Konstruktive Lösungen zu finden, um Dinge gut werden zu lassen, hat sie mitunter schmerzvoll lernen müssen. In Sofia geboren, ist sie unter dem menschenverachtenden bulgarischen

Für ihre bahnbrechenden Forschungen zur genetischen Grundlage der Tumorentstehung bekam Dr. Elisabeth Gateff mehrere namhafte Preise verliehen. Von 1983 bis 1997 leitete sie als Professorin das Institut für Genetik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Es gelang ihr als erste, durch ihre Forschungsarbeit an der Fruchtfliege Drosophila nachzuweisen, dass der Ausfall eines bestimmten Gens für die Krebsentstehung verantwortlich ist. Regime aufgewachsen. Ihre deutschen Wurzeln und ihr freigeistig denkender Vater waren den Herrschenden Gründe genug, sie mit Argwohn zu beobachten. Als ‚Staatsfeind‘ eingestuft, durfte sie dann auch nicht studieren. „Dabei war das mein größter Wunsch. Warum sollte ich ein

Auch die Entwicklung ihrer kreativen Ader fördert die Wissenschaftlerin. Mit einer Freundin vollbringt sie derzeit dieses Kunstwerk an ihrem Haus. Staatsfeind sein? Das habe ich nie verstanden. Ich interessierte mich doch gar nicht für Politik!“ Irgendwann war ihr endgültig klar, dass sie dieses Land verlassen musste, wenn sie jemals froh werden und sich ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten wollte. Selbstbestimmt 1956 flüchtete sie nach Deutschland. Zuerst kam sie bei einer Tante in München unter. „Als ich nach allem dort angekommen

war, sagte ich mir: Jetzt kommt es nur auf dich an! Das war mein größtes Glück“, schildert sie ihre damaligen Empfindungen. Mit der ihr eigenen Willensstärke holte sie als erstes den Schulabschluss nach, da ihr bulgarisches Abitur nicht anerkannt wurde, erfüllte sich den sehnlichen Wunsch, zu studieren und ging anschließend in die USA, wo sie 1971 an der University of California in Irvine promovierte. •em• Foto: Eva-Maria Albus

• Umwelt • Verstecktes Wasser

150 Liter Wasser für einen halben Liter Bier Wie viel Wasser steckt in den Dingen? Darüber informiert die Ausstellung „Verstecktes Wasser“, die derzeit im UmweltInformationsZentrum zu sehen ist. Umweltpädagogin Marion Ude erzählt von den Hintergründen.

D

ie Deutschen sind schon sehr gut in punkto Wassersparen“, sagt Marion Ude. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch ist in den vergangenen Jahren auf 122 Liter zurückgegangen – aber das beschreibt nur die Menge, die wir zum Trinken, Waschen und Kochen verbrauchen. Doch wie viel Wasser brauchen wir wirklich? Um das zu beantworten, muss auch berücksichtigt werden, was für die Produktion von Waren und Lebensmitteln gebraucht wird. Die Menge lässt staunen: rund 4.000 Liter pro Person und Tag. Man sieht nur, was man weiß Das geht zum Beispiel bei

Mit dieser Verhältnisdemonstration will Marion Ude die Zahlen plastisch machen. Fleischwaren schon bei der Bewässerung der Futterpflanze los. In einem Kilo Rindfleisch stecken 15.500 Liter Wasser. Besonders Soja wird tonnenweise für die Futtermittelindustrie verbraucht. Das meiste wird in Brasilien produziert. Deutschland importiert rund 90 Prozent des benötigten Futters. Fleisch aus heimischer Tierhaltung, vorzugsweise biologische, ist neben einem bewussten Verzicht eine wir-

kungsvolle Alternative. Oder wer hätte gedacht, dass für die Herstellung von einem Kilo Baumwolle 11.000 Liter Wasser gebraucht werden? 85 Prozent davon zur Bewässerung der Baumwolle, die meist aus niederschlagsarmen Ländern kommt. Übrigens: Es gibt immer mehr Geschäfte, auch größere Ketten, die nachhaltig produzierte Mode anbieten – Ausschau halten lohnt sich!

Zum Nachdenken anregen „Wir möchten vor allem einen Aha-Effekt erzielen und damit ein Nachdenken über das eigene Konsumverhalten auslösen“, erklärt die Umweltpädagogin, die mit ihren Kollegen vom Umweltamt die Ausstellung vorbereitet hat. Dafür setzt sie lieber auf wenige, dafür prägnante Aussagen, die sich auf die konkrete Lebenswelt des Einzelnen zurückführen lassen. „Schließlich sollen die Besucher auch Chancen aufgezeigt bekommen, die Dinge umzusetzen“, betont sie. Sie arbeitet lieber mit positiven Ansätzen als mit dem berühmten „erhobenen Zeigefinger“. „Es geht ja vor allem darum, ein Bewusstsein für das eigene Handeln zu schaffen. Wenn man etwas über die Hintergründe und Zusammenhänge weiß, kann man abwägen“, meint Marion Ude. Da es der Umweltpädagogin wichtig ist, einen sinnlichen Zugang zu den Inhalten zu

erreichen, so prägt es sich besser ein, gibt es auch in der Ausstellung für jeden Besucher einen kleinen MitmachBereich, der das Thema auf verschiedenen Ebenen „begreiflich“ macht. Jeder hat es in der Hand „Wir können zum Beispiel auf Nachhaltigkeit achten, indem wir Lebensmittel kaufen, bei deren Produktion die Erhaltung der natürlichen Ressourcen berücksichtigt wurde. Eigentlich kann man immer nach dem Grundsatz gehen: Saisonal, regional – optimal. Und wer den Unterschied einmal geschmeckt hat, greift zukünftig schon deshalb lieber zum heimischen, frischen Obst und Gemüse. •em• Foto: Eva-Maria Albus

Die Ausstellung „Verstecktes Wasser“ ist noch bis 31. August im Umweltinformationszentrum, Dominikanerstraße 2, 55116 Mainz, jeweils Mo. – Fr. 10 – 18 Uhr, Sa. 10 – 14 Uhr, zu sehen. Tel. 06131-122121.


HOCKENHEIMRING

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PS-Event hochkarätiger Sportwagen

Es ist Tradition, irgendwann an einem Mittwoch im Mai geben die 8- und 12-Zylinder aus Maranello alljährlich ihre Tonproben auf dem Hockenheimring ab. Die Firma Ulrich aus Frankfurt/Main, offizielle Ferrari- und Maserati-Vertretung, hatte erneut zu einem begeisternden Stelldichein für hochkarätige Sportwagen geladen. Also waren nicht nur Ferrari- und Maserati-Fahrzeuge sondern auch die Marken und Typen aller potenziellen Konkurrenten am Start.

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bunt gemischte Ferrari, die gibt es schließlich nicht nur in Rot, bildeten die größte Streitmacht. Zu dieser Pistenmehrheit gesellten sich die diversen anderen Hochleistungswagen, so dass es letztlich mehr als 60 Wagen waren, welche die durch Regen etwas schwieriger zu beherrschende Formel 1-Grand-Prix-Piste unter die Räder nahmen. Dabei gab es naturgemäß einige Ausrutscher, aber weite Auslaufzonen ließen niemanden zu Schaden kommen. Durch die professionelle Gesamtorganisation von Dr. Helmut Mander und die klaren Lautsprecheransagen des

bekannten Streckensprechers Johannes Hübner waren kurze Fahrintervalle von jeweils 15 Minuten unter den gegebenen Bedingungen genau das Richtige. Das garantierte einen lebhaften Wechsel auf der Rennpiste – die RennstreckenEinsteiger mit ausgiebigen Fahrhilfen der Instruktoren, die fortgeschrittenen Hobby„Rennfahrer“ mit schnell wiederkehrenden Chancen, die Fahrlinie in den einzelnen Passagen weiter zu verfeinern

und mit Hilfe der Instruktoren zu optimieren. In den mit Teppichboden ausgekleideten Eventboxen kam eine angeregte „Rennatmosphäre“auf, wenngleich dieser Fahrerlehrgang ja erneut unter dem Motto stand, „den Umgang mit Hochleistungswagen unter hohen Sicherheitsbedingungen zu intensivieren, um ein verantwortungsvolles und routiniertes Führen dieser Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr zu fördern“. So stand es dann auch

in der vom AvD genehmigten Ausschreibung. Frank Ulrich nahm wie immer die Siegerehrung vor, denn es gab auch etwas zu gewinnen. Auf der einen Seite für die Platzierung beim Automobilslalom, der im großen Paddock aufgebaut war, andererseits für die Gleichmäßigkeitsprüfung auf der Rennpiste, die in 3 Gruppen mit jeweils ca. 20 Wagen gestartet wurde. Es hat sich herumgesprochen, dass es bei den Ulrich-Events neben

und auf der Piste professionell exakt organisiert zugeht und das überträgt sich dann immer auch auf die Teilnehmer, die wie immer ein diszipliniertes und faires Miteinander ablieferten. Autohaus Ulrich GmbH Schmidtstraße 51 60326 Frankfurt am Main Telefon 069/3003480 www.ferrari-ulrich.de


Lokale Stadtausgabe 7 2010