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Das Nähen ist Studentenjob!

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Viele träumen davon, einen Teil des Studiums in den USA zu verbringen. Nadja Schneider hat sich diesen Traum erfüllt. Was sie am Baylor College in Houston, Texas gelernt hat und wie man sich clever bewirbt, könnt ihr in ihrem Erlebnisbericht lesen. Mehr dazu auf Seite 6

ZEITUNG

Ausgabe 05 5/05 ∙ Dezember 2005 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Die Muskeln spüren

Fragen, fragen, fragen!

Operieren statt Kanzleramt

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Eine willkommene Abwechslung im Theorie-Alltag: Im Wahlpflichtfach Sportmedizin erfahrt ihr nicht nur, wie Bewegungsabläufe funktionieren, sondern kommt auch mal selbst ins Schwitzen Schwitzen.

Bangemachen gilt nicht: Wer Initiative zeigt und das Vertrauen der Ärzte gewinnt, kann schon als Famulant viel lernen und darf mehr machen als man denkt. Janine Ender berichtet.

Wissen, wo der Hammer hängt

Tipps & Infos zum neuen Staatsexamen MEDI-LEARN

I

m Herbst 2006 wird erstmals der Zweite Abschnitt der ärztlichen Prüfung nach der neuen ÄAppO vom 27. Juni 2002 geschrieben. Wird bislang das im klinischen Studienabschnitt geforderte Wissen etappenweise geprüft, werden nach neuer AO das alte Erste, Zweite und Dritte Staatsexamen zu einer einzigen großen Abschlussprüfung zusammengefasst, in Studentenkreisen „Hammerexamen“ genannt. Die Prüfung findet am Ende des Studiums nach dem Praktischen Jahr (PJ) statt und besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsteil.

durchgeführt wurden. Dadurch werden Schwerpunktthemen der einzelnen Fachprüfer erkennbar, auf die man dann in der Prüfungsvorbereitung besonderen Wert legen sollte.

Lerntipps

1. Formulierung von Krankenberichten trainieren. Eine gute Gliederung ist die halbe Miete. 2. Sich frühzeitig mit möglichen Prüfungsinhalten vertraut machen. Eine Datenbank für die Analyse von Prüfungsprotokollen findet ihr unter www.medi-learn.de/protokolle www.medi-learn.de/protokolle. 3. Praktische Untersuchungen unbedingt ausführlich im PJ üben! Eine Kurzdarstellung der gängigen Untersuchungstechniken und exemplarische Interpretationen von Befunden finden sich im Anamnese-Teil des Bandes zum Hammerexamen aus der MEDI-LEARN Skriptenreihe.

I: Schriftlicher Teil

Im schriftlichen Teil stehen den ehemals 870 Prüfungsfragen des alten Ersten und Zweiten Abschnittes nur noch 320 Prüfungsfragen gegenüber. Für die Bearbeitung stehen 3 Tage mit jeweils 5 Stunden zur Verfügung. Während in den Staatsexamina nach alter Ordnung pro Frage im Schnitt 1,5 Minuten zu Verfügung standen, hat sich die Bearbeitungszeit mit 2,8 Minuten pro Frage fast verdoppelt. Es ist jedoch zu erwarten, dass die 320 Fragen weder gleichmäßig auf die Tage verteilt werden noch für alle Fragen die gleiche Bearbeitungszeit gegeben wird.

Prüfungsinhalte. Immerhin wird sich auch künftig knapp die Hälfte der Fragen auf einzelne Aspekte klinisch relevanter Themen beziehen.

Was soll ich lernen?

Studienbegleitendes Lernen

Eine Schwierigkeit bei der Vorbereitung auf das Hammerexamen besteht darin, dass sowohl im Gesetzestext der neuen AO als auch im Gegenstandskatalog die Prüfungsinhalte symptom- bzw. krankheitsbezogen und fächerübergreifend benannt sind. Derzeit spiegeln jedoch weder das Medizinstudium noch die verfügbare Prüfungsliteratur den Prüfungsstoff in dieser Form wider. In der Tradition der bisherigen Prüfungen war beides bislang nach Fächern gegliedert. Was also lernen? Erste Antworten auf diese Fragen zeigen sich in dem Gesetzestext der Neuen AO. Er findet sich unter www.medi-learn.de/ST0027. Weitere Konkretisierungen des Prüfungsstoffes ergeben sich aus dem Gegenstandskatalog des IMPP vom März 2005 unter www.medi-learn.de/ST0028. Eine genauere Vorstellung der Prüfung folgt schließlich aus dem so genannten „Pretest“, in dessen Rahmen das IMPP im Juni 2005 verschiedene Konzepte zur schriftlichen Überprüfung von Fallstudien erprobte. Einen ausführlichen Bericht über den Pretest findet ihr in der letzten Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung oder auch in den MEDI-LEARN Foren unter www.medi-learn.de/MT146 . Nicht zuletzt geben auch die Prüfungsschwerpunkte der vergangenen Staatsexamina Aufschluss über die künftigen

Nach dem Germanistikstudium ein Richtungswechsel zum Dr. med.: Im Interview schildert Thomas Raddatz seinen interessanten Lebenslauf. Seine Leidenschaft ist die Chirurgie.

MEDI-LEARN Skript zum Hammerexamen

Die Informationen und Hilfestellungen, die wir an dieser Stelle geben können, dienen freilich nur der groben Orientierung.

Der Stoff des 2. Staatsexamens nach neuer AO umfasst die rund 35 Fächer des früheren 1. und 2. Staatsexamens. Um diese enorme Stoffmenge zu beherrschen, empfehlen wir, bereits während des Studiums Altfragen aus den bisherigen Staatsexamina zu bearbeiten. Es ist davon auszugehen, dass die thematischen Schwerpunkte der Vergangenheit auch in Zukunft relevant sind.

Prüfungsvorbereitung im PJ

Für die Wiederholung des Prüfungsstoffes während des PJ empfehlen wir, sich einen Lernplan anzufertigen, der den Zeitrahmen für die einzelnen Stoffgebiete absteckt: Einigen Lerntypen ist ein festes Tagespensum anzuraten, flexiblere Typen sollten jeweils die maximal verfügbare Bearbeitungsdauer eines Faches notieren. Es ist wahrscheinlich, dass die für die Erarbeitung der einzelnen Gebiete notwendige Lernzeit einen ähnlichen Umfang wie in der Vergangenheit haben wird.

Lernen nach dem PJ

Nach dem PJ sollten vornehmlich Fragen bearbeitet werden. Wir gehen davon aus, dass die Verlage rechtzeitig geeignete Literatur herausgeben werden, die mit entsprechenden Lernempfehlungen von MEDI-LERAN ergänzt werden können.

II: Mündlich-praktischer Teil

Der zweite Teil der Prüfung soll nach neuer AO in Vierergruppen an zwei Tagen stattfinden. Die Fächerzusammensetzung entspricht dem alten Dritten Staatsexamen, d.h. Innere Medizin, Chirurgie, PJWahlfach und ein viertes, hinzu gelostes Fach. Jedem Prüfling soll pro Tag jeweils eine Stunde zur Verfügung stehen. In der praktischen Prüfung steht die Patientenvorstellung im Mittelpunkt. Dazu werden dem Prüfling vor dem Prüfungstermin ein Patient oder mehrere Patienten zur Anamneseerhebung und Untersuchung zugewiesen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Kandidaten wie im früheren Zweiten und Dritten Staatsexamen verschiedene Untersuchungstechniken zeigen müssen. Bei der Vorbereitung auf den fachlichtheoretischen Prüfungsteil stellt sich folgendes Problem: In der Regel erfährt man die Namen der Prüfer sowie das 4. Prüfungsfach erst relativ kurz vor der Prüfung. Eine solide Vorbereitung ist angesichts der kurzen Spanne zwischen Prüfungsmitteilung und Prüfungstermin kaum mehr möglich. Daher sollte man bereits während des klinischen Studienabschnitts auf eine gründliche Erarbeitung der relevanten Themen aus den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie achten. Während des PJ sollte man dann sein Wahlfach ebenfalls in die Prüfungsvorbereitung einbeziehen. Ein zeitökonomisches und gleichzeitig zielgenaues Lernen wird durch die Arbeit mit Protokollen mündlicher Prüfungen möglich, die an der eigenen Universität

Für die Vorbereitung im Detail möchten wir euch die neue Skriptenreihe von MEDI-LEARN empfehlen. Für den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung (vormals: Physikum) werden im Jahr 2006 zu allen Fächern Skripte erscheinen, die eine examensorientierte Vorbereitung auf dieses Examen nach neuer Approbationsordnung ermöglichen. Zusätzlich erscheint bezogen auf den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ein spezieller Band zum Hammerexamen, der als Premium-Content online verfügbar ist oder wahlweise auch in gedruckter Form bestellt werden kann. Mehr Informationen dazu findet ihr online unter www.medi-learn.de/skript. Im Skript „Hammerexamen“ aus der MEDI-LEARN Skriptenreihe werden der Gesetzestext der neuen AO, der Gegenstandskatalog sowie die in der IMPP-Pilotprüfung („Pretest“) gestellten Fragen dahingehend untersucht, ob und welche Hinweise auf die künftigen Prüfungsinhalte hier gegeben werden. Auf dieser Basis und unter Heranziehung der Analysedaten vergangener Staatsexamina werden die zu erwartenden Inhalte in ihrem voraussichtlichen Umfang benannt. Den Informationsteil haben wir durch Elemente aus unserer Repetitoriumsarbeit ergänzt. Auf diese Weise werden die zentralen Fragen der Lernplanung beantwortet. Ab Januar 2006 bietet MEDI-LEARN einen Kurs zur Vorbereitung auf das Hammerexamen an. Der Kurs ist so konzipiert, dass er bereits vor Beginn des PJ absolviert werden kann und damit eine gute Grundlage für die Nachbereitung während des PJ darstellt.

Infos Im Skript „Hammerexamen – das ist wichtig“ findet ihr alles Wissenswerte zum Hammerexamen, Lernempfehlungen von MEDI-LEARN, eine Analyse des IMPP-Pretests, detaillierte Informationen zur Lernplanerstellung, eine Anleitung zur Vorbereitung auf den schriftlichen Teil, Tipps zur Vorbereitung auf den mündlich-praktischen Abschnitt und ein komplettes Skript zu Anamnese und klinischer Untersuchung. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit in Print und Digitalform unter www.medi-learn.de /skript

Inhalt Mehr als nur Kreuzwissen Studieren und geprüft werden nach neuer AO: Andrea Cronen von der Ruhr-Uni Bochum schildert ihre Eindrücke. S. 09

News

Achtung, Pilzgefahr! Der eine schmeckt lecker, der andere kann die Leber zerstören: Leidenschaftliche Pilzsammler sollten sich Rat einholen. S. 05

Ungünstiger Trend Die DGK rät: Brustschmerz mehr als 5 Minuten – Notarzt rufen. Doch die Prähospitalzeit steigt dramatisch an. S. 11

Klinik

Gefährliche Trickser Ausgerechnet in den Fresszellen machen es sich besonders perfide Bakterien gemütlich. S. 05

Frauenherzen und Co. Geschlechtersensibilität ist in medizinischen Herzensdingen wichtig: Ergebnisse des Kardiologenkongresses. S. 07

Auge wird unterschätzt Ophthalmologie interessiert die meisten Studenten mäßig. Doch Linda Vilz erzählt von ihrem lehrreichen Praktikum. S. 12

Geschmökert

Kritisch beleuchtet In unserer Rezensions-Reihe haben drei Studenten dieses Mal Lehrbücher zur Psychiatrie unter die Lupe genommen. S. 04

Examen

Anstrengend, aber effektiv Marlies Lehmkuhl nahm an sechs Wochen Intensivkurs 2. Staatsexamen teil. Wie ein Repetitorium in Marburg abläuft, erfahrt ihr hier. S. 02

Studentenleben

Lücken schließen Studenten sind über die Eltern versichert. Gewisse Ergänzungen – nicht nur fürs Ausland – sind jedoch empfehlenswert. S. 10

Fun

Kreuz & quer durch die Medizin Eure Allgemein- und Fachbildung könnt ihr im Kreuzworträtsel testen. Und natürlich wertvolle Sachpreise ergattern! S. 11


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Surftipps

Auslandsstudium immer beliebter

Anstrengend, aber effektiv Intensivkurs 2. Staatsexamen

von Marlies Lehmkuhl

Die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland hat einen neuen Rekordstand erreicht. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes stieg sie um 7,1 Prozent oder 4.100 auf 62.200 an. Seit der großen BAföGReform 2001 ist es möglich, nach einem Studienjahr an einer deutschen Hochschule die Förderung in einen Mitgliedstaat der EU bis zum Studienabschluss mitzunehmen. Mehr Infos im PDF unter:

AGs helfen gegen Angst und Sprachbarrieren

www.medi-learn.de/ST0018

„Ärzte ohne Grenzen“ suchen Verstärkung

Jedes Jahr arbeiten rund 2.500 internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Projekten von „Ärzte ohne Grenzen“. Zusammen mit mehr als 10.000 nationalen Fachkräften sind sie als Freiwillige in 80 Ländern der Welt tätig, um Menschen in Not zu helfen. Für unterschiedliche Projekte werden immer wieder Fachkräfte benötigt. Wenn ihr an einer Mitarbeit interessiert seid, findet ihr hier alle weiteren Infos, Portraits und Erfahrungsberichte: www.medi-learn.de/ST0020

Virtuelle Formelsammlung

Die Münchener Formelsammlung der Medizin ist ein Projekt der Medizinischen Klinik am Klinikum Innenstadt der Universität München. In dieser Einrichtung findet ihr eine Auswahl wichtiger Gleichungen für theoretische Grundlagenfächer und die klinische Medizin. Dort könnt ihr einerseits nachschlagen und nach bestimmten Formeln suchen, andererseits aber auch unter Vorgabe der Variablenwerte automatisch rechnen lassen. Zur Nutzung der Formelsammlung benötigt ihr einen grafikfähigen Browser. Klickt: www.medi-learn.de/ST0026

Diabetes-Bericht

Nach Schätzungen ist bei rund vier Millionen Frauen und Männern in Deutschland ein Diabetes mellitus diagnostiziert worden. Die so genannte Zuckerkrankheit geht häufig mit Begleiterkrankungen und Folgeschäden einher und bedeutet dann für viele Betroffene eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, die Lebenserwartung ist teilweise deutlich verringert. Im neuen Heft der Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Robert KochInstitutes sind umfangreiche Daten und Fakten zum Thema Diabetes zusammengestellt. Mehr Infos im PDF unter: www.medi-learn.de/ST0019

Rund ums Antibiotikum

Antibiotika wirken gegen zahlreiche Infektionskrankheiten, die durch Bakterien ausgelöst wurden. Das Bekannteste ist das Penicillin. Auf antibiotikum.de könnt ihr euch über die über die häufigsten Infektionskrankheiten, wie z.B. Mandelentzündung, Mittelohrentzündung oder Blasenentzündung informieren und erfahrt mehr zu Einnahme, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Schaut vorbei unter: www.medi-learn.de/ST0023

Das MEDI-LEARN Schulungszentrum Elisabethbrunnen aus der Vogelperspektive

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ine Reise ins Ungewisse… Sechs Wochen Medizinisches Repetitorium in Marburg! Warum tue ich das? Nun, mein Ziel ist es, beim Zweiten Staatsexamen besser abzuschneiden. Und das nicht nur in Sachen Noten: Auch meine Ängste und Sorgen vor Prüfungen will ich abbauen können und meine Sprachkünste, die mich in mündlichen Prüfungssituationen das ein oder andere Mal im Stich gelassen haben, sollen ins Trainingslager. Kurzum: Ich wage die zeitliche und finanzielle Investition, weil ich denke, dass die Fertigkeiten, die ich über angeleitete Kurse in Form eines Repetitoriums erhalte, meine SelbstlernFähigkeiten überflügeln können.

Jetzt geht es los!

Die offizielle Begrüßung durch MEDILEARN-Geschäftsführer Thomas Brockfeld wird schnell inoffiziell: Aus „Herrn Brockfeld“ wird „Thomas“ und aus „Sie“ wird „Du“. Jeder von uns erhält ein Namensschild und zwei DIN A 4Kästen. Darin befinden sich zum einen die Unterrichtsskripten für die nächsten sechs Wochen und zum anderen die Tagesklausuren. Weil sich abends bei der Anreise noch nicht alle gesehen haben, machen wir jetzt noch reihum eine Kurzvorstellung mit Namen, Herkunft, Studienort und Zimmernummer, bevor uns Thomas mit seinem ersten Vortrag in sechs Wochen Lernarbeit einführt. Der Vortrag befasst sich mit Lernplanung und MC-Techniken. „Wie lerne ich eigentlich am besten?“ lautet der zentrale Satz. Wie unser Gehirn nämlich das, was wir uns merken wollen, am besten aufnimmt, darüber haben sich wahrscheinlich die Wenigsten Gedanken gemacht – ich mache da keine Ausnahme. Nach der Mittagspause wird es das erste Mal richtig ernst: Wir müssen zur Eingangsklausur antreten. Damit wir auch gleich das richtige Prüfungsgefühl bekommen, wird nicht geredet und alle sitzen getrennt voneinander. Nach 190 äußerst anstrengenden Fragen bekommen wir endlich den Lösungszettel in die Hand. Von „oh, wie schlecht“ bis „na ja, schon ganz gut“ ist alles dabei.

Straffes Programm

Im Prinzip sieht jeder Tag ähnlich aus: Beginn um 8:30 Uhr. Der Unterricht läuft bis um 13:00 Uhr. In den 2 Stunden Mittagspause sollte man ein wenig Zeit für die Tagesklausur einplanen. Diese Klausur besteht aus etwa 20 Fragen, deren Themen am Vormittag behandelt wurden. Sie ist also

eine gute Überprüfung, wie viel man aus dem Unterricht mitgenommen hat. Man kontrolliert sich selber, denn die Lösungen stehen hinten im ausgeteilten Heft. Je nach Abschneiden ergibt sich für die Teilnehmer ein unterschiedlich empfohlenes Nachmittagsprogramm.

MAN HAT DAS GEFÜHL, WIRKLICH IN EINER PRÜFUNG ZU SITZEN

Um 16 Uhr werden mündliche Prüfungen zum Thema des Vormittags simuliert. Auf einmal geht wieder alles per „Sie“. Die Mimik einiger Dozenten wirkt wie eingefroren. Manche Dozenten können sich so perfekt verstellen, dass man wirklich das Gefühl hat, man sitze in einer echten Prüfung!

Selbststudium und Erholung

Nach der Prüfungsrunde sind die Teilnehmer zum Selbststudium entlassen. In den am Anfang ausgeteilten Kästen befindet sich auch ein großer DIN A 3-Bogen, dem die für jeden Tag vorgesehene Kreuzeinheit zu entnehmen ist. Außer-

Blick auf die Stadt Marburg mit ihrer beeindruckenden Schlossanlage

dem sollten wir auch noch einmal durch das Skript blättern. Insgesamt gab es in den sechs Wochen drei freie Tage zum Erholen. Nur bei extremen Lücken in einem wichtigen Fach wird man von Thomas gebeten, sich an einem dieser „Studientage“ noch einmal das eine oder andere wichtige Thema anzuschauen. Dafür soll dann nach einem gemütlichen Ausschlafen höchstens der Vormittag genutzt werden, denn Pause muss sein! So ging die Zeit dahin und ehe wir uns versahen, standen das Bergfest und die damit verbundene Zwischenklausur auf dem Programm. Auf erneute 190 Fragen im Prüfungsmodus hatte natürlich keiner wirklich Lust, doch daran zeigt sich der individuelle Lernerfolg. Und danach wurde erstmal richtig gefeiert!

Ein bis zwei Mal pro Woche gab es eine AngstAG. Sie wurde jeweils mit Entspannungsübungen eingeleitet. Der Mentor übernahm die Rolle des Erzählers und drum herum eine Horde Studenten, deren Arme schlaff in der Gegend hingen, als seien ihre Besitzer wie hypnotisiert. Unser Mentor führte uns an karibische Traumstrände oder auf hohe Berge mit einem endlosen Blick über verwunschene Täler. Ein tolles Gefühl! Die gute Laune kam ganz automatisch und mit ihr die Gewissheit: So schwer ist das doch alles nicht, das schaffe ich schon irgendwie! In kleiner Runde versuchte man dann, seine Ängste zu schildern und anschließend Strategien zu entwickeln, diese zu umschiffen, so dass jeder von uns am Ende sein individuelles Anti-Angst-Programm mit nach Hause nehmen konnte. Daneben gab es noch eine Rhetorik-AG. Hier besprachen wir Dinge wie: Was erwarten die Prüfer von mir? Wie kann ich das Prüfungsgespräch steuern und wie wirke ich kompetent? Darüber hinaus haben wir mündliche Prüfungen gespielt und anschließend Manöverkritik der Zuschauer bekommen: Was war gut, was macht eher einen schlechten Eindruck? In einer großen Gruppe hatten wir dabei sehr viel Spaß und insgesamt war es eine ungezwungene Stimmung, in der keiner zu etwas gedrängt wurde.

AUCH DER UMGANG MIT LÜCKEN IN DER PRÜFUNG WIRD TRAINIERT

In regelmäßigen Abständen führte Thomas zusammen mit unserem Mentor Lernberatungen durch. In Vierergruppen saßen wir mit ihnen zusammen und legten zunächst unsere Kreuzergebnisse vor. Zusammen mit unseren eigenen Einschätzungen und Gefühlen passte Thomas die Strategien neu an oder ließ uns auf dem alten Weg. Man ging immer mit dem Gefühl hinaus, dass man das Examen so gut wie in der Tasche hat, wenn man sich an seine Worte und Empfehlungen hält – und das war ein sehr gutes Gefühl! Zusätzlich zu den eher allgemein gehaltenen mündlichen täglichen Prüfungen gab es extra angesetzte Termine, die unter realistischen Bedingungen abgehalten wurden. Dazu hingen Listen mit Angaben zu Zeit, Fach und Prüfer aus, in die wir uns für zwei Termine eintragen sollten. Auch das war hilfreich, um einerseits den Wissensstand an sich zu erfahren und andererseits, um zu erkennen, wie man mit Lücken in der Prüfung umgehen kann. Zusätzlich war es eine gute Lernerfolgskontrolle und ein Training zum Umgang mit Lücken in der Prüfung.

Sauna, Solarium, WLAN und Wäsche

Im Elisabethbrunnen (kurz E-Brunnen), dem MEDI-LEARN Schulungszentrum, in dem der Kurs stattfand, gibt es circa 30 Einzelzimmer, „IKEA-gemütlich“ eingerichtet mit Bett, Tisch, Kommode, Nachttisch, Kleiderschrank, Fernseher, Telefon und einem Waschbecken mit Spiegel. In einigen Zimmern gibt es so-

gar eine so genannte „Singleküche“ und einen Kühlschrank. Für ganz ungemütliche Tage oder gegen stärkeren Lernfrust gibt es im Keller eine Sauna, in die circa fünf Personen passen. Für gesunden Teint kann man sich unter das hauseigene Solarium legen. Da viele einen Laptop zum Kreuzen mitbringen, ist es praktisch, dass der ganze E-Brunnen mit WLAN ausgestattet ist, so dass man bequem vom Schreibtisch aus auch seine E-Mails abfragen und recherchieren kann. Für die Sauberkeit gibt es Reinigungskräfte, bei denen man zwei Mal pro Woche neue Bettwäsche und Handtücher bekommen kann. Und für ganz Gefühlsbetonte, die keine sechs Wochen auf ihren Schatz verzichten mögen, ist die eine oder andere Übernachtung gegen ein geringes Entgelt und nach vorheriger Anmeldung beim MEDILEARN Team auch möglich.

Ein gutes Betreuer-Team

Unser psychologischer Betreuer führte eingangs mit jedem ein Gespräch über die Erwartungen an sich selbst und den Kurs, und bot jederzeit seine Unterstützung an, in dringenden Fällen auch nachts. So mancher nutzte es durchaus, sich einmal den Lernstress bei ihm von der Seele zu reden. Das Ganze geschah dabei sehr diskret, was es wiederum sehr leicht machte, die Hemmschwelle zu überwinden und sich ihm anzuvertrauen. Dafür waren wir ihm sehr dankbar! Ebenso allen anderen Mitarbeitern: Thomas, der sich irrsinnig viel Zeit für uns genommen hat, Dieter, der Hausmeister, der im Notfall immer zur Stelle war, und natürlich die vielen tollen Dozenten bei MEDI-LEARN, die uns sogar in ihrer wohl verdienten Pause häufig Rede und Antwort auf unsere zahlreichen Fragen standen.

Der Aufwand lohnt sich!

Insgesamt muss ich sagen, dass sich dieser Kurs für mich enorm gelohnt hat. Das, was in der Universität fehlt und dort dringend Einzug halten sollte, nämlich dass ein Organ oder eine Krankheit von verschiedenen Seiten aus betrachtet werden sollte, wurde im MEDI-LEARN Kurs praktiziert. Die Tuberkulose behandelten wir beispielsweise in Pathologie, in Arbeitsmedizin, in Pädiatrie und, als wir es alle schon fast nicht mehr hören konnten, auch noch in der Inneren Medizin. Dann hat man es drauf! Kein Zweifel: Es war wirklich sehr anstrengend. Aber diese sechs Wochen waren genauso effektiv wie meine ganze restliche Lernzeit für das 2. Stex. Ich würde es jederzeit wieder machen, denn man ist durch dieses geführte Lernen wesentlich mehr bei der Sache und erfolgreicher! Fit für die Mündliche Prüfung? Die Fallbücher von Thieme helfen bei der Vorbereitung auf die Prüfung – wir verlosen drei Exemplare vom „Fallbuch Pharmakologie“: Einfach online Namen und E-Mail Adresse eintragen und schon bist du bei der Verlosung dabei: www.medi-learn.de/gw003

Weitere Informationen: Die Kursplätze für die Medizinischen Repetitorien in Marburg an der Lahn sind begehrt, doch bei rechtzeitiger Anmeldung sind die Chancen sehr gut, einen Kursplatz zu erhalten. Klickt euch hier zum Kursangebot mit Infomaterial zum Download: www.medi-learn.de /kurse


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ch hätte anfangs nie gedacht, dass mein Wahlpflichtfach in der Vorklinik ausgerechnet Sportmedizin werden würde, doch nach 13 ausgesuchten und nicht durchführbaren Wahlfächern lagen diese Nerven blank. Da meine Freundin und ich Fächer wie „Einführung in das Neue Testament“ oder „Einführung in die japanische Geschichte“ nicht unbedingt belegen wollten, haben wir uns schließlich auf Sportmedizin verständigen können. Dort gab es zwar eine Klausur am Ende, aber dafür wurde das Seminar als einwöchiger Blockkurs in den Semesterferien angeboten und konnte so auch mit keinem anderen Kurs zusammenprallen.

Montag: Laktat-Exegese

Am Morgen trafen wir uns alle im Foyer der Fakultät für Sportmedizin und warteten auf das fünfköpfige Dozententeam. Im Seminarraum stellten sich die einzelnen Doktoren vor und erklärten uns den ungefähren Ablauf des Seminars. Nach einer halben Stunde Verspätung kam dann auch der Professor und führte uns in die Untiefen des Laktathaushaltes ein. Zwar konnten wir nicht auf Anhieb viel Übereinstimmung zwischen der Vorlesung und dem erhaltenen Skript finden, aber insgesamt waren die Ausführungen leicht verständlich – zumindest für die Drittsemester. Der Vortrag hingegen war auch für vorlesungserfahrene Studenten sehr schwer zu verstehen. Für fünf biochemie- und physiologie-unerfahrene Erstsemester waren die Informationen über Brenztraubensäure und Laktatdehydrierung nicht immer so einleuchtend wie vorgesehen.

Kein Blaufilter beim Skifahren! Wahlpflichtfach Sportmedizin von Andrea Cronen

Dienstag: strampeln und frösteln

Am Dienstag hatten wir glücklicherweise Gelegenheit, praktische Übungen durchzuführen. Zwei freiwillige Studenten sollten auf einem Laufbandergometer bzw. auf einem Fahrradergometer verschiedene Belastungsstufen bewältigen und wurden dabei auf unterschiedliche Parameter untersucht. So erhielten die Probanden eine Atemmaske und mussten einen Blutlaktattest mit Ohrläppchenblut über sich ergehen lassen. Der Rest der Mannschaft saß auf Bänken und musste wegen der zuvor festgelegten Untersuchungsbedingungen (17° C) frösteln. Während der Untersuchungen konnten wir den Sauerstoffverbrauch und den CO2-Ausstoß der Freiwilligen direkt am Monitor verfolgen. Zwischendurch wurden verschiedene Vorgehensweisen bei der Leistungsdiagnostik beim Gesunden und Sporttreibenden erläutert und Begriffe wie rektanguläre Belastungssteigerung erklärt.

Mittwoch: Optik und Walken

An diesem Tag wurde alles Mögliche über das Auge und den Sehvorgang erzählt. Warum kann ein Schiedsrichter eigentlich gar nicht sehen, wo ein Tennisball aufschlägt? Warum gibt es Menschen, die auch noch Bälle zurückschlagen können, die ein normaler Mensch niemals treffen würde? Auch wenn am

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Anfang die Skepsis bei uns relativ groß war, ob Sport nun wirklich so viel mit Optik zu tun hat, wurden wir durch einige Experimente schnell eines Besseren belehrt. Zum Beispiel bekamen wir eine Brille aufgesetzt, welche die Sehschärfe auf ein bestimmtes Maß herabsetzte. Nun sollten wir bei einem rotierenden Tennisball an einer Bohrmaschine entscheiden, in welche Richtung er dreht. Die Trefferquote war ungefähr so hoch wie die Bestehensquote eines Abiturienten beim Physikum. Bei einem anderen Experiment hatten wir verschiedene SkibrillenFilter und ein Bild mit Mulden und kleinen Hügeln auf einer Ski-Piste sowie ein Testbild vor uns.

DIE IN ANATOMIE GELERNTEN MUSKELN MAL SPÜREN Der blaue Filter fiel glatt durch, während der rote eigentlich ganz gut war. Am Nachmittag wurden wir in eine Art Fitnessraum geführt, wo allerlei Sportgeräte zur Verfügung standen. Nach einer kleinen Einführung über Osteoporose und Funktionsgymnastik hatten wir dann eine gute Stunde Zeit, einfach mal alle Geräte unter Anleitung auszuprobieren und die in Anatomie gelernten Muskelgruppen auch wirklich zu spüren. Der Nutzen für die Klinik liegt auf der Hand, denn durch gezieltes präoperatives Training können zum Beispiel kniestabilisierende Muskeln gestärkt werden, sodass nach der OP weniger Probleme durch die langen Liegezeiten und der daraus resultierenden Muskelatrophie entstehen. Später am Nachmittag sollten wir am eigenen Leibe die Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems auf unterschiedliche Belastungsintensitäten erfahren. Dazu bekamen wir einen Pulsmesser umgeschnallt und starteten mit zwei angehenden Sportdiplomandinnen einen Marsch um die Uni ins Ruhrtal. Nach einer Aufwärmphase erklärten die beiden uns die Vorteile des Walkens gegenüber dem Laufen. Dies wurde natürlich auch sofort ausprobiert und der eine oder andere war doch recht erstaunt, wie weit seine Herzfrequenz durch das zügige Gehen gesteigert werden konnte.

Donnerstag: Entspannung ausprobieren

Die Ergebnisse vom Vortag und von den Ergometerversuchen waren ausgewertet und in Diagrammform verfügbar, sodass wir über die Unterschiede bei den verschiedenen Personen gut diskutieren konnten. Anschließend kam ein netter Herr von einer Versicherung, der uns etwa eine Stunde lang etwas unvorbereitet mit eine Fülle von Statistiken über Unfallkosten und Sportverletzungen überfiel. So richtig behalten habe ich nicht viel, aber das Klausurrelevante ist zum Glück bei mir hängen geblieben.

TROTZ MUSKELKATER: ENTSPANNT WIE NIE! Nach der Mittagspause fand man sich etwas außerhalb in einer Turnhalle ein, wo der mit Abstand beste Teil des Kurses stattfand. Hier konnten wir viele unterschiedliche Entspannungsverfahren selber ausprobieren und dadurch auch Vor- und Nachteile der einzelnen Übungen abschätzen. So manchem mit etwas niedrigem Blutdruck wurde klar, warum ein Patient mit Hypotonie solche Übungen besser nicht durchführen sollte, denn

bei Entspannungsübungen im Stehen mit geschlossenen Augen sind einige Studenten ein wenig ins Wanken geraten. Zu ernsteren Zwischenfällen ist es an diesem Nachmittag allerdings nicht gekommen. Am Ende konnten wir zu Recht behaupten, dass wir zumindest bestimmte Entspannungstechniken zu Hause korrekt wiederholen und Kontraindikationen dem Patienten anschaulich erklären können. Und: An diesem Tag waren wir trotz der vom Vortag verkaterten Muskeln entspannt wie nie!

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Freitag: Doping- und Klausurtag

Vor der Klausur wurde am Morgen die Doping-Problematik im Leistungs- und Breitensport diskutiert. Mit welchen Mitteln teilweise gedopt wird, hat mich doch sehr schockiert: Selbst ein normaler Hausarzt wäre in der Lage, einen Sportler unwissentlich oder wissentlich zu dopen, indem er bestimmte Medikamente verschreibt, die nicht selten auch bei Patienten mit beispielsweise Blutdruck- oder Herzbeschwerden verordnet werden. Da auch immer mehr Freizeitsportler zu leistungssteigernden Mitteln greifen, ist es auch für einen angehenden Arzt wichtig, über solche Methoden informiert zu sein, um nicht unwillentlich in das Sportgeschehen einzugreifen und sich eventuell sogar später verantworten zu müssen.

DIE KLAUSUR WAR GUT ZU SCHAFFEN

Nach der Mittagspause in der Mensa ging es dann zur Klausur. Abgucken war leider nicht drin, dafür hatten wir massenhaft Zeit: Zwei Minuten pro Multiple-ChoiceFrage! Immer wieder wurden wir vorher auf einige Sachverhalte extra hingewiesen, die wir zur Klausur können mussten, außerdem hatten wir einen Taschenrechner als Hilfsmittel. Aus dieser Sicht war die Klausur daher gut zu schaffen. Hat geklappt: Der Notendurchschnitt lag bei etwa 2,0 – durchgefallen ist keiner.

Lohnend für Klinik und Freizeit

So richtig medizinisch war mein Wahlpflichtfach nicht, denn das meiste bezog sich auf den gesunden Leistungssportler. Man kann jedoch einige Dinge für die Klinik ableiten, denn wenn man die Richtwerte für einen gesunden Sportler kennt, bekommt man schneller einen Eindruck, ab wann die Leistung nicht mehr im gesunden Rahmen liegt. Richtig anwendbar für das spätere Ärzteleben hingegen war der Teil über Funktionsgymnastik. Auch den Teil über die Dopingproblematik fand ich für die spätere Verschreibungsmoral als Arzt sehr gelungen. Bei der abschließenden Evaluation bemängelten wir den fehlenden Bezug zur Klinik und vor allem den Vortrag über Sportunfälle. Auch wenn es viele einfacher zu bestehende Wahlfächer ohne abschließende Klausur geben soll, hat sich der relativ hohe Lernaufwand in Sportmedizin gelohnt. Wenn sich auch nicht alles mit in die Klinik nehmen lässt, so kann man doch so manche Information mit in den eigenen Freizeitbereich einfließen lassen. Zum Beispiel einfach mal nach Hause walken, statt den Bus zu nehmen.

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Möller: Duale Reihe Psychiatrie

kurz notiert

von Steffi Klimm, Studentin der Universität Heidelberg (5.klinisches Semester)

Unterstützung für Krankenhausärzte

(idw) Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unterstützt die Forderungen der im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte nach besseren Arbeitsbedingungen und leistungsgerechter Bezahlung. Der Vorstand der DGIM bringt dies in einer offiziellen Stellungnahme zum Ausdruck. Die DGIM fordert unter anderem den Abschluss eines eigenen Tarifvertrages für Ärzte. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft setzt sich zudem dafür ein, die Streichung des Weihnachtsund Urlaubsgeldes zurückzunehmen und fordert eine Aussicht auf Erhöhung des Gehalts um 30 Prozent. Dies entspreche einer Annäherung an internationale Standards und verhindere eine weitere Abwanderung qualifizierter Kräfte ins Ausland. Mehr unter www.dgim.de

Mehrfach-Zucker gegen Krebs?

Titel: Psychiatrie und Psychotherapie Autoren: Möller, Laux, Deister Verlag: Georg Thieme ISBN: 3131285435 Preis: 49,95 €

Kurzbeschreibung: Das Lehrbuch Psychiatrie und Psychotherapie beinhaltet den kompletten Stoff der Psychiatrie inklusive Kinder- und Notfallpsychiatrie

(idw) Impfung gegen Krebs: Was wie ein frommer Wunsch klingen mag, ist ein durchaus realistisches Forschungsziel. Amerikanische Forscher sind bei der Entwicklung eines Krebs-Impfstoffes nun einen wichtigen Schritt vorangekommen. Ihr vollsynthetischer Impfstoff-Kandidat besteht aus einem Mehrfach-Zucker, einem Peptid und einem Lipopeptid. Es konnte bewiesen werden, dass ein solches Impf-Dreiergespann prinzipiell eine Immunantwort hervorrufen kann – sogar gegen Tumor-Antigene: Mäuse, die mit dem neuen Impfstoff immunisiert wurden, bildeten Antikörper gegen das Tn-Antigen.

Transportables Krankenhaus

(idw) Architektur-Studierende der TU Berlin haben ein mobiles Krankenhaus entwickelt. Zehn Container der Standardgröße reichen aus, um ein komplettes Minikrankenhaus inklusive seiner technischen Ausrüstung zu transportieren. Die Station beinhaltet verschiedene Untersuchungsräume, einen Röntgendiagnostikraum, einen OP und technische Anlagen für den autarken Betrieb. Ein wichtiger Entwurfsaspekt war dabei die Aufstellung der Station. Alles kann ohne großen technologischen Aufwand einfach und manuell errichtet werden. Der Entwurf „Red Cross²“ wurde anlässlich des UIA (international union of architects) Weltkongresses 2005 in Istanbul mit dem Borusan-Preis ausgezeichnet.

fettgedruckten Stichwörter im Volltext schnell an das Gesuchte. Die Tabellen und Schaubilder können einen teilweise aufgrund ihrer Fülle von Information erschlagen, so dass man nicht genau weiß, worauf man sich zuerst konzentrieren soll. Für den nötigen Überblick wäre eine Übersichtstabelle mit den wichtigsten psychiatrischen Erkrankungsgruppen und ihren Unterformen wünschenswert. Auch eine kurze Zusammenfassung bezüglich der Symptome, Diagnostik und Therapie zu jeder Einheit wäre hilfreich gewesen. Aufbau und Didaktik: Das Buch bietet hilfreiche Merkkästen und Merksätze, die auf wichtige Informationen hinweisen. Die flüssige und leicht verständliche Sprache macht den Nachvollzug einfach. Anhand von Fallbeispielen, Patienteninterviews auf der CD ist es möglich, sich in die „Welt der Verrückten“ hineinzudenken. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis, eine klare Strukturierung und ein sinnvoll aufgebautes Register erleichtern es dem

Leser, sich durch die Fülle an Informationen durchzuarbeiten. Relevanz für die örtliche Uni: Während des Lernens konnte ich Altfragen perfekt mithilfe dieses Lehrbuches lösen und hatte teilweise das Gefühl, dass die Fragen exakt aus diesem Buch stammen. Preis-Leistungsverhältnis: Das Buch kostet im Handel 49,95 €. Für Studenten ist das schon eine ganze Menge, in Hinblick auf seinen Umfang ist es aber auf jeden Fall seinen Preis wert. Fazit: Die Duale Reihe Psychiatrie von Möller ist ein sehr ausführliches Lehrbuch. Es ist ein Werk, in das man sich am Anfang erst einmal hineinarbeiten muss. Sobald man aber weiß, wie man damit umzugehen hat, schließt man es ins Herz. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw062

Tölle: Psychiatrie

von Peter Wollny aus Bad Hersfeld (12. Semester/PJ)

Titel: Psychiatrie Autoren: Tölle, Windgassen Verlag: Springer ISBN: 3540255125 Preis: 39,95 €

Kurzbeschreibung: Der Tölle/Windgassen Psychiatrie umfasst 441 Seiten und stellt umfassend das Fach Psychia-

trie samt amt Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Psychotherapie dar. Der Tölle/Windgassen Psychiatrie zeichnet sich dabei durch seine Praxisnähe aus. Zielgruppe: Das Buch richtet sich sowohl an Medizinstudierende als auch an interessierte PJler oder Assistenzärzte und andere, in der Psychiatrie oder Psychotherapie tätige Fachkräfte. Mit der Gegenstandskatalogzuordnung und der ICD-10 Klassifizierung bietet es den beiden erstgenannten Zielgruppen einen Zusatznutzen, der das Lernen oder die tägliche Arbeit auf Station unterstützen kann. Inhalt: Der Tölle/Windgassen ist sehr wissenschaftlich geschrieben. Einige Krankheiten werden sehr detailliert beschrieben, andere eher kurz und in Stichworten. Teilweise decken sich die Fakten nicht mit den vom IMPP geforderten. So stellt das Buch z.B. in Frage, ob es sich bei der Anorexia nervosa und der Bulimie um zwei eigenständige

Krankheiten handelt, das IMPP fragt dagegen in aktuellen Examina die Unterschiede zwischen beiden Erkrankungen ab. Gerade in Bezug auf die schriftliche Prüfungsvorbereitung sollte man daher Vorsicht walten lassen. Das Buch ist inhaltlich eher für Leser interessant, die mehr über die psychodynamischen Prozesse erfahren wollen. Angenehm ist der weitgehende Verzicht auf biochemische Grundlagen. Aufbau und Didaktik: Das Buch gliedert sich in drei Teile: Zunächst findet sich eine ausführliche Einführung in das Fach „Psychiatrie“: Unter anderem werden Methoden, Diagnostik und Epidemiologie dargestellt. Im zweiten Teil werden die psychiatrischen Krankheitsbilder dargestellt, bevor sich die Autoren der Behandlung widmen. Kapitel wie „Notfalltherapie und Krisenintervention“ oder „Rechtliche Bestimmungen“ runden das Buch ab. Zusätzlich findet sich im Anhang eine Fragensammlung zur Überprü-

fung des erlernten Wissens. Besondere Abschnitte werden farblich hinterlegt. Einige wenige Schaubilder untermalen den Text des Buches. Preis-Leistungsverhältnis: Dieses Lehrbuch kostet im Handel 39,95 €. Damit liegt das Buch preislich recht hoch, auch wenn der Umfang des Buches den Preis rechtfertigen kann. Fazit: Auch wenn der Tölle/Windgassen als Standardlehrbuch gilt, ist er schwer einzuordnen. Wer sich auf die Prüfung vorbereiten möchte, sollte sich dieses Buch zunächst ausleihen und testlesen. Wenn einem der Stil des Buches gefällt, wird er das eigene Bild der Psychiatrie prägen und lange Begleiter im Buchregal sein. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw568

Brunnhuber: Intensivkurs Psychiatrie von Birgit Werner, 9. Semester Uni Würzburg

Bier ist gesund

In kleinen Dosen zumindest, wie schon mehrere Untersuchungen festgestellt haben. Neu ist, dass die Brauereien auf den Wellness-Zug aufspringen und ihren Produkten gesunde Zusätze verabreichen: Xanthohumol (Xan Wellness) soll antioxidativ wirken, das MarathonBier (Klosterbrau Neuzelle) will die Leistungserhaltung des Organismus fördern. Und die Karlsberg-Brauerei vertreibt ihr Wellness-Bier namens Karla, das Blutkörperchenbildung, Zellwachstum und Eisenverwertung verbessern soll, sogar über Apotheken. Na denn: Prost und Gesundheit!

sowie Teile der Psychosomatik. Es dient nicht nur als ausführliches Lehrbuch, sondern auch als Kurzlehrbuch und Nachschlagewerk. Zielgruppe: Aufgrund seiner bis ins Detail ausgeführten Beschreibungen sämtlicher psychiatrischer Krankheitsbilder ist dieses Buch sehr gut für schon praktizierende Ärzte oder PJler geeignet. Als Vorbereitungsbuch für Studenten ist es jedoch nicht ganz optimal: Es bedarf einiger Vorkenntnisse für den nötigen Überblick. Hat man diese erworben, so kann man sein Wissen mithilfe der kurz gefassten Randtexte auf eine sehr effiziente Art und Weise vervielfachen. Für die besonders Interessierten mit ganz viel Zeit gibt es allerlei Schmankerl wie spannende Fälle, ausführliche Tabellen und auch eine CD mit Patienteninterviews. Inhalt: Das Buch hat sich als optimales Nachschlagewerk bewährt. So gelangt man entweder durch die kurzen Definitionen am Anfang, durch schnelles Überfliegen der Randtexte oder über die

Titel: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie Autoren: Brunnhuber, Lieb, Frauenknecht Verlag: Elsevier ISBN: 343742131X Preis: 29,95 €

Kurzbeschreibung: Der Intensivkurs Psychiatrie und Psychosomatik ist eine Überarbeitung des bekannten Kurzlehrbuchs. Es beinhaltet den aktuellen Stand der Psychiatrie mit Klassifikationssyste-

men und enthält viele Fallbeispiele und Merke-Kästen. Darüber hinaus sollen zahlreiche farbige Abbildungen die Thematik verdeutlichen. Die Inhalte der letzten zehn Staatsexamina sind am Textrand markiert, wodurch eine Prüfungsvorbereitung erleichtert werden soll. Zielgruppe: Das Lehrbuch richtet sich in erster Linie an Studenten im klinischen Anschnitt. Die ausführliche Darstellung und die vielen auflockernden Fallbeispiele rechtfertigen sicherlich auch seinen Nutzen im PJ. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich. Inhalt: Inhaltlich ist der Intensivkurs Psychiatrie streng gegliedert: Auf eine kurze Einführung in die Klassifikationssysteme folgt ein Kapitel über die psychiatrische Diagnostik einschließlich der Erhebung des psychopathologischen Befundes. Nach einer Beschreibung der Therapiemöglichkeiten wird den psychischen Erkrankungen anhand der diagnostischen Hauptgruppen der ICD-10 jeweils ein Kapitel gewidmet. Einige Kapitel sind sehr ausführlich ausgefallen, man sollte schon etwas

mehr Zeit einplanen, um die einzelnen Themenkomplexe durchzuarbeiten. Ein Querlesen wird durch den Aufbau der Kapitel ebenfalls nicht gerade erleichtert. Teilweise wird Bezug auf vorherige Kapitel genommen. Eine bessere Abstimmung der Kapitelinhalte wäre wünschenswert gewesen. Das Buch bietet eine Menge Detailwissen, das vom IMPP bisher immer wieder gerne gefragt wird. Der Intensivkurs reicht somit sicherlich für eine sehr gute Prüfungsvorbereitung aus. Die zahlreichen farbigen Abbildungen verdeutlichen und ergänzen den Text positiv. Didaktik: Eine große Stärke dieses Buches liegt ganz eindeutig in der Darstellung von klinischen Fällen und praktischen Tipps, mit denen sich psychische Erkrankungen gut merken lassen. Dadurch erscheint es mir neben der Vorbereitung auf das Staatsexamen auch für eine mündliche Prüfung gut geeignet. Durch die flüssige Sprache macht das Lesen zeitweilig sogar Spaß! Aufbau: Die Gliederung des Intensivkurses erscheint sinnvoll und übersicht-

lich. Durch die gelbe Unterlegung der Tabellen ist eine gute Abgrenzung zum Text erreicht worden. Allerdings ergeben sich durch sehr detaillierte Kapitel über Therapiemöglichkeiten zahlreiche Wiederholungen. Relevanz für die örtliche Uni: An unserer Uni wurde das Buch nicht gesondert empfohlen, obwohl die Autoren teilweise aus Würzburg kommen oder hier lehren. Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Intensivkurs Psychiatrie und Psychosomatik kostet 29,95 € – ein in meinen Augen gutes Preis-Leistungsverhältnis. Fazit: Der Intensivkurs Psychiatrie und Psychosomatik ist ein z.T. sehr ausführliches Lehrbuch, das sich dennoch für eine gute Prüfungsvorbereitung eignet. Es ist kein reines Kurzlehrbuch, dennoch gilt: Ein in meinen Augen wertvoller Begleiter! Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw759


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Gefährliche Trickser

Pilzgefahr

von Frank Luerweg, Uni Bonn

von Christian Weier

Vergiftungen mit Folgen

Bakterien nutzen Immunzellen zur Vermehrung

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resszellen, so genannte Makrophagen, sind effektive Waffen unseres Immunsystems, die eingedrungene Erreger verschlingen und verdauen. Manche Bakterien können diese Abwehr aber unterlaufen und sich sogar in Fresszellen vermehren. Zellbiologen der Universität Bonn haben in einer in der Zeitschrift „Traffic“ (Band 6, Heft 8, August 2005, Seiten 635-653) erschienenen Arbeit gezeigt, mit welchen Tricks die Mikroben arbeiten. Ihr Ergebnis: Die Bakterien verhindern unter anderem, dass die Erreger in den „Magen“ der Makrophagen gelangen, der ihnen Schaden zufügen könnte.

Alarm in der Pferdelunge!

Gerade ist ein Bakterium mit der Atemluft in die Bronchien gesaugt worden, und schon rückt die Immunabwehr an, um den Eindringling unschädlich zu machen. Angelockt von bakterientypischen Substanzen, welche die Mikrobe wie eine Wolke umgeben, finden die „Makrophagen“ genannten Fresszellen ihren Weg. Sobald sie den Eindringling aufgespürt haben, stülpen sie einen Teil ihrer eigenen Zellmembran wie eine Kapuze über das Bakterium, wodurch ein Membransack entsteht, in dem der Erreger eingeschlossen ist. Dieses „Phagosom“ (von griechisch „phagein“ = fressen) schnürt sich ins Innere des Makrophagen ab und ist nun der Ort, auf den sich das ganze Waffenarsenal der Fresszelle konzentriert: Das Phagosom wird mit Sauerstoffradikalen und Säure geflutet. Andere Membransäckchen, die Lysosomen, verschmelzen mit dem Phagosom und konfrontieren die Mikrobe mit hochreaktiven Verdauungsenzymen. Wenige Stunden nach den ersten Alarmzeichen ist von dem Bakterium nichts mehr zu sehen, die potenzielle Gefahr ist gebannt.

Vermehrung im Killer

So weit der Normalfall. Eine ganze Reihe von Krankheitserregern hat sich aber

darauf spezialisiert, genau diesen Teil der Abwehr auszutricksen und es sich ausgerechnet in jenen Makrophagen gemütlich zu machen, die eigentlich dazu da sind, sie zu töten. Einer dieser Erreger ist Rhodococcus equi. Dieses Bakterium kann in jungen Fohlen eine Lungenerkrankung auslösen, die der menschlichen Tuberkulose sehr ähnlich ist. So ist es auch nicht allzu überraschend, dass Rhodococcus equi mit dem Tuberkelbazillus (Mycobacterium tuberculosis) eng verwandt ist. Da Makrophagen das Hauptziel von Rhodococcus in der Pferdelunge sind, findet man dort während einer Infektion viele Rhodokokken. Im Bonner Institut für Zellbiologie haben Eugenia Fernandez und Marco Polidori in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Albert Haas untersucht, warum Rhodococcus equi in Makrophagen nicht getötet und verdaut wird, sondern sich dort sogar vermehren kann. Dabei konnte die Gruppe zeigen, dass die Rhodokokken nach der Aufnahme durch den Makrophagen eine Art Bremsklotz einlegen und die Verschmelzung der sie umgebenden Membranhülle mit den Lysosomen verhindern. Dadurch sind die Bakterien gar nicht erst den vielen Verdauungsenzymen ausgesetzt. Außerdem können die Bakterien auch die Ansäuerung ihres Phagosoms verhindern.

Manipulative Mikroben

„Insgesamt heißt das, dass die Rhodokokken ihre Wirtszelle manipulieren, es sich so in einer säure- und verdauungsenzymlosen Umgebung bequem machen und sich dort vermehren“, so Professor Haas. Innerhalb weniger Tage nach Beginn der Infektion sterben die Makrophagen an der Infektion: Sie fallen auseinander und entlassen die vervielfachten Erreger. Die Bonner Zellbiologen haben bereits vorher zeigen können, dass dieser Zelltod „nekrotisch“ ist. Das bedeutet, dass Zellbestandteile austreten und damit weitere

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Elektronenmikroskopische Aufnahme von zwei Rhodococcus equi-Bakterien Bild: Universität Bonn

Immunzellen anlocken und aktivieren. Letztlich kommt es zur Entzündung und Gewebeschädigung. „Es könnte sein, dass Rhodokokken das gar nicht so ungern haben“, meint Professor Haas, „denn dann können sie sich gleich einen vorbeikommenden frischen Makrophagen schnappen und sich darin wieder einnisten.“

Auch für Humanmedizin wichtig

Als nächstes wollen die Bonner Zellbiologen der Frage nachgehen, welche bakteriellen Eigenschaften dafür wichtig sind, die Verschmelzung von Phagosom und Lysosom zu verhindern, und wie das Immunsystem trotz aller bakteriellen Tricks normalerweise eine Infektion niederkämpft. Rhodokokken können allerdings auch in AIDS-Patienten Tuberkulose-artige Erkrankungen verursachen und zum Tod führen. „Das ist ebenfalls ein Aspekt, der für unsere Arbeit wichtig ist“, betont Haas. „Wir gehen davon aus, dass unsere Forschungen dazu beitragen können, die Tuberkulose beim Menschen besser zu verstehen.“ Anders als Fohlen brauchen sich jedoch die allermeisten Menschen vor dem Erreger nicht zu fürchten. „In jeder Schaufel Erde einer betroffenen Pferdefarm finden sich Abermillionen Rhodokokken, und trotzdem kommt es fast nie vor, dass einigermaßen gesunde Menschen daran erkranken.“

uch in diesem Jahr warnt die Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn vor dem hochgiftigen Knollenblätterpilz. Immer wieder überschätzen Hobbysammler ihr Wissen und nehmen versehentlich giftige Pilze zu sich. Rund 25.000 Notrufe erreichen die Giftzentrale jedes Jahr. Gerade jetzt im Herbst steigt der Anteil der Pilzvergiftungen wieder stark an. Die stellvertretende Leiterin der Informationszentrale gegen Vergiftungen an der Bonner Universitäts-Kinderklinik Dr. Carola Seidel mahnt alle Pilzsammler eindringlich zur Vorsicht: „Am besten ist es, die selbst gesammelten Pilze von einem Sachverständigen bestimmen zu lassen“.

Folge von Verwechselungen

Viel zu oft wird jedoch der Rat von Sachverständigen nicht eingeholt. Die Folgen davon sind Vergiftungen aufgrund von Verwechslungen. Wichtigstes Beispiel dafür ist der Knollenblätterpilz. Nicht alle seiner Arten sind gefährlich. Der harmlose gelbe Knollenblätterpilz ist jedoch für den Laien und Hobbysammler kaum von seinem Verwandten, dem hochgiftigen grünen Knollenblätterpilz zu unterscheiden. Obwohl die gelbe Art im Internet und in vielen Büchern aufgrund dieser Verwechslungsgefahr als ungenießbar oder sogar giftig gekennzeichnet ist, kommt es immer wieder zu schweren Vergiftungen. „Der Verzehr von nur einem Pilz reicht aus, um schwere Vergiftungserscheinungen hervor zu rufen“, warnt Ärztin Seidel. Nach einigen Stunden treten einem Magen-Darm-Infekt ähnliche Beschwerden auf. Nach ein bis zwei Tagen wird dann auch die Leber angegriffen. Im schlimmsten Fall kann die Leber komplett ausfallen und die Vergiftung tödlich verlaufen. Bei Verdachtsdiagnose stehen die Experten der Giftnotrufzentralen auch allen Medizinern zur Verfügung. Weitere Informationen finden sich unter: www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale

Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Peter Wollny, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Stephanie Landskron, Daniel Lüdeling (Cartoons) Berichte: Marlies Lehmkuhl, Andrea Cronen, Steffi Klimm, Anja Scheffler, Birgit Werner, Frank Luerweg, Nadja Schneider, Christiane Limberg, Janine Ender, Dr. Thomas Raddatz, Peter Dahlhausen, Linda Vilz Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de - Es gilt die Anzeigenpreisliste 02 2/2005.

Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

In den Staaten zu famulieren, einen Teil oder das ganze PJ zu verbringen oder auch das Absolvieren der amerikanischen Staatsexamina: Immer mehr Studenten wagen den Sprung über den grossen Teich, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (nicht nur) medizinische Erfahrungen zu sammeln. In den Foren haben wir jüngst einen aktuellen Bereich zum Thema USA eingerichtet, in dem ihr Gleichgesinnte trefft, mit ihnen diskutieren und eure Erfahrungen austauschen könnt. Klickt: www.medi-learn.de/MT158

Montag morgen, 8 Uhr

In den chirurgischen Ambulanzen landauf und landab gibt es viel zu tun, zu sehen und zu lernen für Medizinstudenten. Schade nur, dass man als Student nicht immer überall und gleichzeitig sein kann. Wir haben auch in den Foren eine kleine Ambulanz eröffnet, die sich dem Themenkreis von „Knochenkrach und Schraubenbruch“ widmet. Habt ihr Lust, euch an chirurgischen Fällen zu üben? Kein Problem: Tretet ein in die chirurgische Ambulanz und macht mit unter: www.medi-learn.de/MF18008

Medizin-Schmöker

Medizinische Lehrbücher gibt es für alle erdenklichen Richtungen und in den unterschiedlichsten Ausführungen. Doch nicht immer steht einem der Sinn nach harter Fakten-Kost. Leichtverdauliches, Schmöker-Bücher, Romane und Erzählungen, die sich am Rande mit der Medizin in eher schöngeistiger Form befassen, sind da eine willkommene Abwechslung. In den Foren findet ihr zahlreiche Tipps für die entspannende, anregende, aufregende, also in jedem Fall empfehlenswerte Lektüre unter: www.medi-learn.de/MF23570

Zellkultur und Co.

www.medi-learn.de/MF24474

Bildnachweis: Photocase, istockphoto, Artikelautoren, Uni Bonn, Stephanie Landskron

Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluß ist am 31. Dezember 2005. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und in der nächsten Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung bekannt gegeben.

Das neue USA-Forum

Du beschäftigst dich im Rahmen deiner Doktorarbeit mit Zellkulturen? Nun, dann bist du nicht allein, denn viele Doktoranden fertigen experimentelle Doktorarbeiten an, in denen Körpervorgänge an Zellkulturen simuliert werden. Doch Zellkulturen haben es in sich: Man muss sie hegen und pflegen, sehr sorgsam umgehen, keimfrei arbeiten – es gibt vieles zu beachten, damit die Kulturen „überleben“ und man die Experimente durchführen kann. Da immer mehr Studenten mit diesem Medium im Rahmen der Doktorarbeit konfrontiert werden, tauchen Fragen auf, die in den Foren schon ausführlich diskutiert werden unter:

IMPRESSUM

Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de.

Im Forum gelauscht

Diagnosenkette

Medizinischer Humor in der Vorweihnachtszeit

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eitere Cartoons, nicht nur zu Weihnachten, findet ihr auf unserer Partnerseite www.rippenspreizer.com. Eine eigene Galerie zur Vorweihnachtszeit ist die ideale Möglichkeit, dem einen oder anderen befreundeten Mediziner eine E-Card mit medizinisch-weihnachtlichem Motiv zu senden. Im Shop bei Rippenspreizer findet ihr zahlreiche spezielle Medizinergeschenke

und die Cartoongalerien laden zum längeren, belustigenden Verweilen ein. In diesen finden sich mittlerweile mehr als 600 Cartoons rund um den Alltag in der Klinik, den Rettungsdienst, berufspolitische Themen, Begebenheiten am Rande des Medizinerlebens und nicht zuletzt eine stattliche Zahl Cartoons zum Medizinstudium im Deutschland. Einfach vorbeischauen – Spaß garantiert!

In kurzweiliger Form die mit den medizinischen Fakten beschäftigten kleinen grauen Zellen auf Trab bringen könnt ihr in der Differentialdiagnosen-Kette in unseren Foren. Das Prinzip ist einfach: Eine Krankheit ist vorgegeben und ihr schreibt eine mögliche Differentialdiagnose als Antwort. Der nächste im Bunde greift diese Krankheit auf und liefert wieder eine mögliche Alternative. Lust mitzumachen und euch in die Kette einzureihen? Auf gehts unter: www.medi-learn.de/MF21712


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Weihnachten steht vor der Tür

Doch jed Jahr das gleiche Problem: „Was soll man bloß den Liebsten schenken?“. Wir wollen euch in dier Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung bei diem Problem ein we nig die Arme greifen. Die beiden Kol unter um der Mittelseite widmen sich dah nen er di Mal den Gchenkideen von un d für zukünftige und junge Medizine Als bonderen Service haben wi r. r euch die einzelnen Gchenkideen samt Bezugsquellen noch einmal On (teilweise mit Abbildungen) zu line samme gtellt. Ihr find die Seite unter nwww.medi-learn.de/gchenke200 55.

Das Nähen ist Studentenjob! Chirurgie-Tertial in Houston, Texas von Nadja Schneider

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merika! Schon immer hatte mich dieses Land fasziniert, und so war es für mich nahe liegend, einen Teil meines Studiums in den Staaten zu verbringen. Ich wollte mehr über die medizinische Ausbildung in den Staaten erfahren und herausfinden, ob es für mich eine Alternative zum Arztdasein in Deutschland darstellen kann. Nicht zuletzt, so dachte ich mir, würde es sich auch in meinem Lebenslauf ganz gut machen, Eigenschaften wie Flexibilität und Offenheit, Mut und Neugierde unter Beweis stellen.

Bewerbung in Houston

Lefutter für Mediziner

enste im KrankenEs soll zwar kaum noch Di an Zeit find, in haus geben, bei denen m auen, dafür gibt Ruhe in ein Buch zu sch ne, die gerade für  aber umso mehr Roma terant sind. Zujunge Mediziner sehr in „House of God“ ernächst sei der Kliker folgewerk „Mount wähnt, der mit dem Nach Pflichtlektüre für Misery“ ganz sicher zur . Nicht minder zukünftige Ärzte gehört s“, in dem Noah wichtig ist „Der Medicu einen Blick in ten Gordon auf knapp 700 Sei r lte erlaubt. Etwas die „Medizin“ im Mittela er bonders spanunterbekannter, dafür ab „Ruische Spende“ nend sind die Bücher die genannten Bücher und „Die Chirurgin“. Alle lichen sind bereits zu erschwing erhältlich – die Preisen als Taschenbuch k liegen damit bei Kosten für di Gchen 10 Euro. allen Büchern bei rund

Praktisch für den Klinikalltag

Wer lieber praktische Dinge schenken möchte, kann Medizinstudenten oder frisch arobierte Ärzte auch mit eine m Sthoskop (z.B. von Littmann oder DocChk) bchenken. Ein Reflexham mer (z.B. Troemner) gehört genauso wie die Pupillenleuchte und der Stauschlauch zur Standardausrüstung ein Studenten und Arzt. Originell für Ärzte ist auch die Idee, einen kleinen Stempel zu mache n, der Namen und Piepernummer enthält – somit läßt sich jede noch so unlerli che Unterschrift in den Unterlagen zuordne n. Die Preise der Gchenke in diem Bere ich schwanken sehr stark. Ein LittmannSthoskop schlägt mit rund 70 Euro zu Buche, während z.B. die Pupillenleuchte in der Regel unter 10 Euro zu haben ist.

Will man jedoch nicht ein halbes Vermögen ausgeben, nur um eine Famulatur oder – wie ich – ein PJ-Tertial in den Staaten zu verbringen und ebenso wenig die Strapazen von USMLE (United States Medical Licensing Examination) und TOEFL (Test of English as a Foreign Language) auf sich nehmen, so bleiben in den Staaten nicht allzu viele Alternativen offen. Es gibt in einigen Städten Schulen, in die man ohne Schwierigkeiten hineinkommt: In Houston, New Orleans, New York und Pittsburgh. Diese solltet ihr euch also einmal näher ansehen. Ich entschied mich für eine Bewerbung in Houston, das ist die preiswerteste Schule. Auf den Seiten meiner Heimatuniversität gab es zudem den Hinweis, dass Dr. Matthias Löbe, ein Herzchirurg des Deutschen Herzzentrums, der mittlerweile in Houston arbeitet, PJ-Tertiale und Famulaturen anbietet. Ich schrieb ihm also schon ein Jahr vor meinem PJ eine E-Mail. Er antwortete prompt und ich erhielt über die dortige Koordinationsstelle für ausländische Studenten die nötigen Bewerbungsunterlagen. Diese kann man sich auch auf der Homepage www.bcm.tmc.edu herunterladen, wenn man sich durchklickt zu den „Clinical Electi-

ves for International Students“. Hier findet man auch den „Academic Calendar“, aus dem man entnehmen kann, wann diese Wahlkurse stattfinden. Wichtig ist, dass sie sich mit unserem PJ-Tertial decken! Genaueres über Fehlzeiten und was passiert, wenn man dort ein Tertial früher anfängt oder später beendet als hier, kann man dem Merkblatt „PJ im Ausland“ des LPA entnehmen. Es ist ratsam, alles mit dem PJ-Büro der Heimatuniversität abzusprechen. Internationale Studenten dürfen nur zwei Monate am College bleiben. Außerdem wird empfohlen, dass man sich nur für die letzten zwei Monate eines Quarters (es wird in Vierteljahren, nicht in Semestern oder Tertialen gerechnet, was die Koordination ein wenig erschwert) bewirbt, weil erst alle Plätze an die amerikanischen Studenten vergeben werden. Unter Umständen erhält man erst sehr spät den Bescheid, dass man angenommen ist und es bleibt keine Zeit für die Beantragung eines Visums. Ich habe mich für drei Monate beworben und erhielt vier Wochen vorher meinen Bescheid. Wer nämlich nur 90 Tage in den USA bleibt, braucht kein Visum zu beantragen. Wer länger bleiben will, muss zur Botschaft. Im Internet kann man sich die nötigen Formulare dafür schon runterladen und ausfüllen. Die Bewerbung am College ist relativ unkompliziert: Man muss sich beim Arzt seine Impfungen und seinen „Medical Status“ bescheinigen lassen. Wer bereits im PJ ist, hat es einfach, denn dann erledigt das der Betriebsarzt des Krankenhauses. Weiterhin müsst ihr das Vorhandensein der nötigen finanziellen Mittel bestätigen. Schreiben vom Dekan und Zeugnisse bekommt ihr im Auslandsbüro eurer Uni. Für jeden Monat, den man dort verbringen will, füllt man eine Bewerbung aus, in der man auf einer Liste seine zehn gewünschten „rotations“ angeben kann. Man muss nämlich nicht drei Monate dasselbe machen, sondern kann jeden Monat in eine andere Abteilung, ja sogar in ein anderes Haus gehen sich diese sogar noch selbst aussuchen.

Typischer Freizeit-Ausblick: Rush-Hour in der amerikanischen Metropole Houston

Aber Vorsicht: Ich habe nicht für alle drei Monate meine Wunschrotation bekommen. Zwar verbrachte ich den ersten Monat wunschgemäß bei Dr. Löbe und im letzten Monat habe ich „keyhole surgery“ (minimal invasive Chirurgie) machen dürfen. Doch es scheint am Baylor College sehr verbreitet, dass alle ausländischen Studenten ungefragt in die Rettungsstelle des „Ghetto-Krankenhauses“ Ben Taub geschickt werden!

18 NÄCHTE UND ACHT TAGE DIENST. DAS KLINGT NACH „EMERGENCY ROOM“, ODER? Das Ben Taub ist eines der größten Trauma-Zentren der Südstaaten, aber es ist auch das Haus für Menschen ohne Krankenversicherung (und oft auch ohne Obdach oder Job). Die Rettungsstelle ist für diese Menschen oftmals die einzige Möglichkeit, medizinische Hilfe zu bekommen. Für den Arbeitsalltag bedeutet das: ZwölfStunden-Schichten von 7–19 oder 19–7 Uhr, wobei hier die Ausländer bevorzugt für den Nachtdienst eingeteilt werden. Ich arbeitete 18 Nächte und acht Tage, zwei freie Tage verblieben. Das klingt nach „Emergency Room“, oder? Wer es „hardcore“ braucht, bekommt es hier. Wer lieber auch was vom Leben in Houston mitbekommen will, sollte versuchen, etwas anderes zu machen.

Kosten und Logis

Zu Weihnachten gibt  was auf die Ohren Auch Mediziner sind musikalisch und so gibt  die ein oder andere Band, die nur aus Medizinern bteht. Seit vielen Jahr en bekannt ist die Mannheimer Uroband, die, wie der Name schon verrät, aus Urologe n bteht, die vornehmlich ihre Liebling sflüigkeit bingen. Wer eher auf die Notfall- und Rettungsmedizin und die Anästhie steht, dem ist die Band „Bas e Exc“ zu empfehlen. Texte aus dem Leben d Anästhisten und d Notarz t klingen zu bekannten Melodien. Alle CDs kosten zwischen 12 und 15 Euro.

Eine ine Kirche wie aus „„Unsere kleine Farm“ – und dahinter die amerikanische Moderne

Für den ersten Monat im Baylor College bezahlt man 150 Dollar, für jeden weiteren 100, so dass ich mit 350 Dollar für ein Tertial hier extrem gut weggekommen bin! Das College verpflichtet alle Studenten zum Kauf der uni-internen Krankenversicherung, die pro Monat rund 130 Dollar kostet. Das kann man leider nicht vermeiden, auch wenn man darlegt, dass man eine Auslandskrankenversicherung besitzt. In Houston gibt es auf dem Campus den Favrot Tower. Das ist ein zwischen den Krankenhäusern gelegenes Hochhaus, in dem man für 500 Dollar pro Monat ein Zimmer in einem Dreier-Apartment bekommt. Diese Zimmer sind zwar ganz gut eingerichtet, haben aber keine Fenster (!), kein Telefon oder Internet und keinen Fernseher. Ich habe mich lieber privat

unter www.roommates.com nach jemandem umgesehen, der einen temporären Mitbewohner sucht. Ich hatte Glück und fand für 270 Dollar ein Zimmer. Zwar sehr klein, dafür mit Internetanschluss und mit Fenster. Eine Straßenbahn fährt direkt durch das Medical Center, die Tickets sind günstig. Für 50-70 Dollar kann man sich außerdem ein Fahrrad kaufen, z.B. für bei WalMart oder Target. Es ist allerdings nicht sehr verbreitet, große Strecken mit dem Rad zurückzulegen. Das liegt wohl am Wetter: An einem Tag sind es sonnige 27 Grad und am nächsten regnerische sieben! Zudem hat Houston zwar nicht so viele Einwohner, ist aber sehr weit gestreckt – das Auto ist hier natürlich Fortbewegungsmittel Nummer eins. Freundlicherweise wurde ich manchmal abgeholt und heimgebracht.

Freundliches Klima, festes Schema

Kommen wir endlich zur eigentlichen Arbeit: Im OP herrscht ein vergleichsweise freundlicher Ton. Man darf der Schwester sogar auf den Tisch greifen und sich selbst eine Pinzette oder einen Tupfer nehmen! Ich habe nicht erlebt, dass bei Fragen irgendjemand einmal unfreundlich oder unhöflich geworden ist. Selbst der Operateur hat immer brav Bitte und Danke gesagt! Ein bisschen schwierig für mich war manchmal, dass die Amerikaner ein sehr festes Schema haben, wie sie die Anamnese und den Status erheben und dabei sehr viele Abkürzungen verwenden. Geht man anders vor, dann stößt man oft auf Missverständnisse oder hört, dass die Vorgehensweise so nicht korrekt oder schlecht ist. Das Chirurgie-Tertial in Houston war mein drittes und ich hatte in meinem Innere-Tertial meiner Meinung nach ausreichend Anamnesen erhoben. Deswegen war ich erst etwas irritiert. Aber die amerikanischen Mediziner kennen es nicht anders. Es ist ratsamer, sich anzupassen und die Dinge so aufzuschreiben oder zu diktieren wie gewünscht. Weiter geht es online im Digitalen Nachschlag. Alle Infos dazu gibt es im Infokasten auf Seite 12.


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uf dem Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) in Stockholm trafen rund 25.000 Kardiologen zusammen. Es wurde eine Vielzahl aktueller Erkenntnissen und neuer Entwicklungen präsentiert, die für Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten von wichtiger praktischer Bedeutung sind. Gefordert wurde auf dem ESC-Kongress der differenzierte Einsatz von Stents. Neue, Medikamenten-beschichtete Gefäßstützen („Drug eluting stents“, DES) ersetzen in der Behandlung von Gefäßverengungen immer häufiger die herkömmlichen Metallgitter, weil sie das Risiko neuerlicher Gefäßverschlüsse deutlich senken. Doch weil DES wesentlich teurer sind als nichtbeschichtete Metallstents, sollten sie differenziert eingesetzt werden. So kommt die BASKET-Studie (Basel Stent Kosteneffektivitäts Trial), die 826 Patienten sechs Monate lang untersucht hatte, zu dem Ergebnis: „In einem RealWorld-Setting ist der Einsatz von DES bei allen Patienten gegenwärtig nicht kosteneffektiv. Allerdings scheint der Einsatz von DES bei bestimmten Hochrisiko-Patientengruppen kosteneffektiv zu sein, zumindest bis die Kosten von DES signifikant reduziert werden.“ Bei etwa zwei Drittel aller koronaren Interventionen mit Indikation zur StentImplantation sei der Einsatz eines kurzen Stent für den Behandlungserfolg ausreichend und mit einer niedrigen Restenoserate verbunden, nämlich bei der Behandlung von Gefäßen mit einem Durchmesser von mehr als 2,7 Millimetern. „Die differenzierte Verwendung

Vielzahl neuer Entwicklungen Highlights vom Europäischen Kardiologen-Kongress von Christiane Limberg (DGK) hatte das jedoch nicht. Im Gegenteil: In der Vitamin B6- und der Folsäure-Gruppe gab es sogar mehr Komplikationen.

Adipositas wird zur weltweiten Epidemie

Bild: Mehr als nur EKG‘s schreiben - Aktuelles vom Kardiologen-Kongress

von kurzen DES oder herkömmlichen Stents ergibt Vorträgen auf dem ESC zufolge ein akzeptables Langzeitergebnis für alle behandelten Koronarstenosen, und zwar bei deutlich niedrigeren Behandlungskosten als beim routinemäßigen Einsatz von DES“, sagt Prof. Fleck.

Schwerpunkt-Thema Frauenherzen

Intensiv beschäftigte man sich auf dem ESC-Kongress mit dem Thema, ob Frauen heute ebenso auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung behandelt werden wie Männer. Es zeigte sich einmal mehr, dass Frauen mit Herzerkrankungen nach wie vor weniger Diagnostik und weniger Therapie erhalten, und insgesamt eine

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schlechtere Prognose haben als Männer. Es wurde zum Beispiel berichtet, dass Patientinnen bei entsprechenden Beschwerden eine um 20 Prozent geringere Chance auf ein Belastungs-EKG zur weiteren Diagnostik haben als Patienten. Patientinnen mit Angina pectoris werden nicht so intensiv behandelt wie Patienten, hieß es auf dem ESC-Kongress. Prof. Fleck: „Die Wahrscheinlichkeit einer Behandlung mit ASS liegt nach den zitierten Ergebnissen bei Männern bei 84 Prozent, bei Frauen nur bei 73 Prozent, die Werte für einen Behandlung mit einem Lipidsenker betrugen bei Frauen 47 Prozent und bei Männern 53 Prozent.“ Als eine Ursache für solche und ähnliche Unterschiede wird vermutet, dass Frauen seltener eine Koronarobstruktion haben. Dies konnte in einer Studie bestätigt werden: Während 37 Prozent der Frauen in der Angiographie keine signifikanten Verengungen der Koronarien aufwiesen, waren es bei den Männern nur 13 Prozent. „Geschlechtersensibilität ist also ein wichtiges Thema der Kardiologie“, so Prof. Fleck.

50 Prozent der Schlaganfälle und Herzinfarkte vermeidbar

Bei Patienten mit Bluthochdruck könnten die meisten Schlaganfälle und Herzinfarkte vermieden werden, wenn moderne Blutdrucksenker mit einem Lipidsenker kombiniert werden. Der Erfolg dieser Therapieoption wurde erstmals beim Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial (ASCOT) gezeigt. Bei dem ASCOT-Versuch wurden mehr als 19.000 Patienten mit Bluthochdruck therapiert, die ein gemäßigtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko aufwiesen. Die Endergebnisse zeigten, dass die Kombination von neueren blutdrucksenkenden Medikamenten das Risiko von Schlaganfällen um etwa 25 Prozent, von Herzinfarkten um 15 Prozent, von kardiovaskulärem Tod um 25 Prozent, und neue Fälle von Diabetes um 30 Prozent senkte – im Vergleich zur Standardbehandlung. Die zusätzliche Verabreichung von Atorvastatin reduzierte das verbleibende Risiko noch weiter, und zwar ungeachtet des ursprünglichen Cholesterinspiegels des Patienten.

Homocystein-Senkung beugt Neu-Infarkten nicht vor

Nicht erfüllt haben sich einer norwegischen NORVIT-Studie mit 3.749 Patienten zufolge die Erwartungen, dass eine Homocystein-Senkung mittels Vitamin B6 und Folsäure Herzinfarkt-Patienten vor einem neuerlichen Infarkt oder einem Schlaganfall schützt. Zwar wurden erwartungsgemäß die Serum-Homocystein-Spiegel durch die Kombitherapie mit Vitamin B6 und Folsäure deutlich gesenkt, und zwar von 14 auf 9 Mikromol/ Liter. Einen Einfluss auf das Infarktrisiko

Einen hohen Stellenwert hatten in Stockholm auch Fragen der Prävention. So hat eine internationale Forschergruppe im REACH-Register (Reduction of Atherothrombosis for Continued Health) die internationale Verteilung des KHK-Risikofaktors Übergewichts untersucht. „Demnach sind 41 Prozent der Menschen weltweit mit einem Body-Maß-Index (BMI) von 25 bis 30 als übergewichtig zu klassifizieren, und insgesamt 32 Prozent als adipös“, berichtet Prof. Fleck. Untersucht hatten die Forscher knapp 65.000 Menschen in 47 Ländern. Prof. Fleck: „Nur 27 Prozent der Untersuchten sind demnach normalgewichtig oder unter dem Normalgewicht.“ Während in Asien mit 54 Prozent und Lateinamerika mit immerhin noch 30 Prozent deutlich mehr Normalgewichtige leben als im Durchschnitt, liegen die USA (22 Prozent), der Nahe Osten (24 Prozent), Osteuropa (25 Prozent) und Westeuropa (26 Prozent) unter dem weltweiten Durchschnitt, was die Anzahl von Schlanken betrifft.

Metabolisches Syndrom und Diabetes: Zunehmend mehr Kinder betroffen

Eine rasch anwachsende Zahl von Kindern in der EU, so berichtete die International Obesity Task Force 2005 in Stockholm, sind heute von klassischen Gesundheitsproblemen betroffen, die traditionell häufig mit dem fortgeschrittenen Lebensalter in Zusammenhang gebracht werden: So haben in den EU-Ländern geschätzte 210.000 Kinder bereits einen Diabetes Typ 2 entwickelt. Folgerichtig war ein weiterer Schwerpunkt des ESC-Kongresses das metabolische Syndrom (MetS). Prof. Fleck: „Finnische Forscher berichteten nach der Auswertung von mehr als 10.000 Patientendaten, dass insgesamt 38 Prozent der untersuchten Männer und 36 Prozent der untersuchten Frauen bereits ein MetS aufwiesen.“ Innerhalb eines durchschnittlichen Zeitraumes von knapp neun Jahren zeigte sich, dass die Sterblichkeit aufgrund von Gefäßkrankheiten bei Männern mit einem MetS um 45 Prozent und bei Frauen um 73 Prozent erhöht war – gegenüber Männern und Frauen ohne MetS.

Liebevoll, praktisch

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Von digitalen Scheiben bis Alkohol

Wer eher auf digitale Informationen steht, liegt bei „medizinischen“ DVDs btimmt nicht falsch. Neben der Kultserie „Emergency Room“, von der bis dato Staffel 1 bis 5 erschienen ist, lieben zahlreiche junge Mediziner auch die schräge Serie „Scrubs“, die ebenfalls auf DVD verfügbar ist. Wer lieber einen Spielfilm schenken möchte, kann auf „Anatomie I“ oder „Anatomie II“ ausweichen oder den Kliker „Flatliners“ schenken. Bei Studenten ist nicht zuletzt durch Nikolaus-Veranstaltungen auch der Heinz Rühmann Kliker „Die Feuerzangenbowle“ beliebt. Letztgenannt Gchenk lt sich natürlich durch entsprhende Utensilien für das gleichnamige alkoholische Gränk erweitern.

Lernen ist teuer

Bonders geeign für zahlungskräftige nke, Verwandte sind darüber hinaus Gche die man sich als „Normalstudent“ n. im Semter einfach nicht leisten kan d , ett Skel nen eige beim Di beginnt geht mit rund 190 Euro zu Buche schlägt, n dige rbän meh m eine weiter mit Anatomieatlas (z.B. Promheus oder m Sobotta) oder Standardwerken wie eine oder gl erna Silb , nke (Kli Physiologiebuch Schmidt/Thews), und end mit einem Chirurgiebuch oder einem Buch für die Innere Medizin.

ESC-Kongress 2008 in München

Europas größte Medizinerveranstaltung wird 2008 wieder in München stattfinden. Prof. Fleck: „Deutsche Kardiologen haben in den vergangenen Jahren sowohl bezüglich der Teilnehmeranzahl, als auch bezüglich der Zahl wissenschaftlicher Präsentationen immer einen ganz zentralen Beitrag zum ESC geleistet. Dass der Kongress in drei Jahren wieder nach München kommt, motiviert uns natürlich ganz besonders, diesen Trend noch zu verstärken.“ Wer später Internist werden möchte, muss fit im Interpretieren von EKGs sein – wir verlosen drei Exemplare des Buches „EKG-Kurs für Isabel“ – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw390

Ein bichen Spaß muss sein

Natürlich lieben au ch Mediziner den Humor, der manch mal ruhig auch ein wenig derber sein da rf. Prominent Beispiel ist Rienspre izer.com – dort find  man neben 600 m edizinischen Cartoo ns zahlreiche Gchen kmöglichkeiten für Weihnachten. Ob di e eigene Cartoonte, ein Jahreskale nder mit speziellen Medizinercartoons oder die sogenannte n Wahnsinnsplakate. Wer lieber im Kleidungsbereich auffal len möchte, find bei Greenscrubs OP-Hau ben und Kasaks mit bunten Mustern un d in teilweise sehr schrägem Dign – mit Sicherheit der Hingucker im OP un d auf Station.


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Dezember 2005

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Fragen, fragen, fragen – ihr habt nichts zu verlieren! Famulatur in der Neurochirurgie in Freiburg

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von Janine Ender

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Wie war die Betreuung der Famulanten? Jeder Famulant wurde einer Station zugewiesen. Dort wurde ich hauptsächlich von den beiden Assistenzärzten betreut. Ich durfte bei allem dabei sein, was sie auf Station gemacht haben: Visite, Aufklärungen und verschiedene kleinere Eingriffe. Ich beiße mir bis heute in den Hintern, dass ich nicht mit mehr Nachdruck gefragt habe, ob ich mal einen ZVK legen, lumbal punktieren oder gar ein Minibohrloch machen darf. Ich hätte nämlich gedurft, nur ergab sich dann leider keine Möglichkeit mehr gegen Ende meiner Famulatur. Wie gesagt: erstmal muss man zeigen, dass man was drauf hat und wenn man das Vertrauen der Ärzte genießt, darf man solche Sachen machen. Fragen, fragen, fragen! Man hat nichts zu verlieren. Als Famulant hat man eigentlich Narrenfreiheit, deswegen durfte ich in den OP gehen, wann immer ich wollte. Die Betreuung war wirklich ausgezeichnet: Die beiden Assistenten meiner Station waren supernett, haben mir sehr viel erklärt und gezeigt und hatten eigentlich immer ein offenes Ohr für mich. Im OP habe ich jeden mit Fragen gelöchert, der mir über den Weg lief und so aussah, als würde er mir Fragen beantworten wollen! Besonders positiv möchte ich dabei den leitenden Oberarzt, Dr. Rosahl, hervorheben, der mir wirklich immer meine Fragen beantwortet hat. Selbst bei schwierigen Operationen hat er sich bisweilen die Zeit genommen, mir am Bildschirm die Topographie zu erklären. Gab es weitere Famulanten oder PJler auf Station im Haus? Ja, es gab eine PJlerin, die mir ebenfalls viel erklärt und gezeigt hat. Neben mir waren noch drei weitere Famulanten auf Station. Da die allgemeine Neurochirurgie insgesamt fünf normale Stationen und eine Intensivstation hat, haben wir uns gegenseitig keine Arbeit weggenommen. Wie war der Umgang im Team? Neurochirurgie ist ein extremes Fach, auf entsprechend extreme Charaktere trifft man hier mitunter: Unser Stationsarzt hatte teilweise schon einen sehr ruppigen Ton am Leib, war aber im Grunde trotzdem ein netter Kerl, von dem man viel lernen konnte – wenn man sich erstmal seinen Respekt erarbeitet hatte. Der Chef selbst ist sympathisch, wenn er gut gelaunt ist, doch im OP ist er ein ausgesprochener Choleriker. Im Grunde seines Herzens ist er aber ein guter Mensch! Ich habe mich alles in allem wirklich sehr wohl im Team gefühlt und wurde von den meisten gut aufgenommen. Nach einiger Zeit merkt man aber schon, dass insbesondere unter den Assistenten ein gewisser Konkurrenzkampf herrscht. Als Famulant hat man damit aber eigentlich keine Probleme. Was die Oberärzte angeht, merkt man auch schnell, wem man Fragen stellen kann und wem man eher ein Klotz am Bein ist. Richtig unfreundlich war aber nie jemand zu mir. Ganz besonders toll fand ich auch das Pflegepersonal auf meiner Station. Nachdem ich mich brav am ersten Tag jedem vorgestellt hatte, waren alle sehr freundlich zu mir. Das OP-Personal war, wie

man es wohl aus jedem OP kennt: Anfangs wird man erst einmal alle paar Minuten darauf hingewiesen, dass man sich gefälligst fern halten solle von allen blauen Tüchern. Nachdem ich aber auch hier ab und zu mit helfender Hand zur Seite stand, wenn die Springer gerade mal überfordert waren, war die Atmosphäre gut. Man sollte sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen, aber auch nicht so tun, als wüsste man schon alles über das Verhalten im OP. Fragen stellen kommt immer gut an! Welche Vorkenntnisse hattest du zum Zeitpunkt der Famulatur? Und welche Lerneffekte haben sich bei dir eingestellt? Ich hatte vier klinische Semester hinter mir, allerdings noch keinen Chirurgiekurs. Am hilfreichsten waren meine Kenntnisse in Chirurgie durch meine erste Famulatur, Neurologie durch den Neurokurs inkl. Untersuchungskurs und Pharmakologie. Während der Famulatur habe ich vieles gelernt. Zum Beispiel konnte ich vorher nicht mal ein CT von einem MRT unterscheiden, während ich nach den vier Wochen und zweimal täglich Konferenz T1-Aufnahmen von T2 unterscheiden kann, Kontrastmittelaufnahmen erkenne und auf den Bildern auch was sehe, z.B. Vorfälle, Stenosen, Tumoren, Ödeme, Blutungen oder Zysten. Im OP habe ich viel gelernt durch Fragen stellen oder Zuschauen: wie man bei bestimmten Operationen vorgeht, einige Besonderheiten der NCH und ein kleines bisschen Instrumentenkunde. Neurologisches Untersuchen konnte ich auch ein wenig üben, ebenso das Vorstellen von Patienten in einer Konferenz. Außerdem bin ich insgesamt einfach sicherer geworden im Umgang mit Patienten, Ärzten und dem Pflegepersonal. Also: Ich komme mir nicht mehr ganz so doof und störend vor!

Was war dein Aufgabengebiet? Im Prinzip das Übliche: Blut abnehmen, Zugänge legen, Verbandswechsel, Drainagen ziehen, Aufnahmen. Wenn man einen Patienten aufgenommen hat, gehört es dazu, den Fall auch kurz in der Nachmittagskonferenz vorzustellen. Ich halte das für eine exzellente Übung, sich auf die wichtigen Fakten zu beschränken und strukturiert vorzutragen. Beschreibe uns deinen Tagesablauf. Um sieben Uhr findet die Übergabe statt, bei der die Pflege kurz von den Patienten berichtet. Um halb acht ist der wichtigste Termin des Tages: die Morgenkonferenz. Da sind alle Ärzte inklusive Chef sowie einem Oberarzt aus der Neuroradiologie anwesend. Zuerst werden die Fälle aus dem Nachtdienst und Chirurgiedienst besprochen, danach gibt es ein kurzes Update über alle Patienten der Intensivstation, anschließend wird der OP-Plan für den Tag vorgelesen.

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Dr. Rosahl. Zwar übernimmt der Facharzt irgendwann die Assistenz, wenn die OP in die heiße Phase kommt, aber man darf eventuell am Ende nähen. Schildere uns kurz das Drumherum, Verpflegung, Unterkunft und Kleidung. Muss man alles selbst bezahlen. Das Personalcasino befindet sich gegenüber der Klinik. Ein Mittagessen mit Vorsuppe und Salat kostet 3 €, ein belegtes Brötchen in der Cafeteria zwischen 0,69 € und 2,10 € und ne Butterbrezel 70 Cent. Für Auswärtige besteht die Möglichkeit, im Schwesternwohnheim zu wohnen. Man kann sich natürlich auch was über das Studentenwerk suchen oder mietet sich zur Zwischenmiete in einer WG ein. Arbeitskleidung wird gestellt. Sogar mit Namensschild! Dein Fazit: Was war gut, was nicht? Ich hab mich super wohl gefühlt! Meine beste Famulatur bisher. Wenn ich könnte, würde ich morgen dort anfangen zu arbeiten. Ich hab viel gesehen, einiges gelernt und es war einfach nie langweilig! Man hat sich gut um mich gekümmert. Vielleicht war ich manchmal sogar eine kleine Hilfe. Ich wäre gern noch länger geblieben und auch die Ärzte hätten sich darüber gefreut, aber leider ging das zeitlich nicht. Natürlich hätte ich gern öfter am OPTisch gestanden. Aber ich verstehe auch, dass das nicht so leicht möglich ist. Sonst war alles gut. Allerdings empfehle ich dringend, eine solche Famulatur erst im späteren Verlauf des Studiums zu machen. Dann hat man einfach mehr davon! Fit in Neurologie – wir verlosen drei Exemplare vom Buch „Fallbuch Neurologie“. Einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw689

Infos zur Klinik Universitätsklinik Freiburg, Neurozentrum Abt.: Allgemeine Neurochirurgie Chefarzt: Prof. Dr. Zentner Sekretariat: Frau Weisel E-Mail: weisel@nz.ukl.uni-freiburg.de Tel: 0761 /270 50 12 Postanschrift: Neurozentrum Breisacher Str. 64 D-79106 Freiburg im Breisgau Internetadresse der Klinik: www.neurochirurgie.uniklinik-freiburg.de


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m Wintersemester 2003 ist die neue Approbationsordnung (AO) für alle Studienanfänger der Medizin in Kraft getreten. Seitdem gibt es viele Neuerungen beim Studieren, was einiges erleichtert, aber auch einige Probleme aufwirft. Zu den grundlegendsten Veränderungen gehören sicherlich das verlängerte Pflegepraktikum, die klinischen Bezüge, die schon in den ersten zwei Jahren verpflichtend sind, und das vorklinische Wahlpflichtfach.

Das Pflegepraktikum

Das Pflegepraktikum dauert nun nicht mehr 60 Tage, wie nach alter AO, sondern 90 Tage. Auch kann es nicht mehr nach 14 Tagen unterbrochen werden, sondern sollte mindestens 30 Tage umfassen, darf also insgesamt nur in drei Abschnitte unterteilt werden. Daraus ergibt sich eine gewisse Unhandlichkeit in der „Ferienplanung“, denn das Praktikum muss nach wie vor innerhalb der vorlesungsfreien Zeit bzw. vor Studienbeginn absolviert werden.

MEHR ZEIT, SICH IN DER KLINIK ZU ORIENTIEREN Wer Nachprüfungen in den Semesterferien absolvieren muss, sollte zu Beginn des Praktikums im Krankenhaus vorsichtig anzufragen, ob man eventuell die Wochenenden freigestellt werden kann. In der Regel ist die Pflegedienstleitung dahingehend recht kooperativ, da nicht die Arbeitstage, sondern die Praktikumstage insgesamt zählen (also auch die freien Tage!). Erweist sich eine Klinik als äußerst unkooperativ, immer daran denken: Ihr arbeitet unentgeltlich! Die verlängerte Praktikumszeit hat meiner Meinung nach den Vorteil, dass man mehr Zeit hat, sich in der Klinik zu orientieren und ein besseres Vertrauensverhältnis zu den Kollegen aufzubauen. Wenn man die Pflege an sich im Griff hat, kann man häufiger Ausflüge in den OP oder einen Blick auf die Visite riskieren. Meist sind die Ärzte froh, wenn sie den Studenten erst einmal kennen gelernt haben und ihm ihr Fachgebiet „schmackhaft“ machen können. Am besten fragt ihr die Schwestern und Pfleger eurer Station, an wen ihr euch wenden könnt, wenn ihr etwas anderes als die Station sehen wollt. Es muss ja nicht gleich der OP sein: Auch ein Verbandswechsel, eine Ultraschalluntersuchung, eine Coloskopie oder eine Leber-PE können sehr interessant sein. All diese Untersuchungen dauern nicht so lange und ihr könnt das Zugucken idealer Weise mit dem Patiententransport verbinden. Auch die Patienten sind meist froh, wenn sie „Begleitschutz“ von der Station bekommen, vor allem, wenn sie sich zum ersten Mal einer solchen Untersuchung unterziehen müssen.

Seminare mit Klinikbezug

Begleitende klinische Seminare können für Studenten sehr hilfreich sein, um sich physiologische Strukturen und ihren Nutzen für den Körper besser einzuprägen. In Histologie beispielsweise gewinnt eine eher belanglose und oft nur schwer im Mikroskop erkennbare Basalmembran einen ganz anderen Stellenwert, wenn man weiß, dass ein Karzinom in situ wesentlich ungefährlicher ist als ein Karzinom, das die Basallamina bereits durchbrochen hat. Auf diese Weise wird man zum Lernen ermutigt und vieles erscheint leichter. Ein wesentlicher Nachteil des Ganzen ergibt sich daraus, dass klinische Themen häufig nur knapp in vorklinischen Büchern abgehandelt werden und so nur schwer zugänglich sind. Die Prüfungen

Kein Patient kommt mit einer MC-Frage Erste Erfahrungen mit der neuen Approbationsordnung

Rheuma früh erkennen

von Andrea Cronen, Ruhr-Uni Bochum

zu klinischen Fakten halten sich – bisher zumindest – in Bochum stark in Grenzen, sodass neue Bücher nicht unbedingt nötig sind. Bisher gab es immer Zusammenfassungen und Bilder, die weiteres Material ersetzten.

KLINIKBEZUG IST BEREITS IM PFLEGEPRAKTIKUM VORTEILHAFT

Insgesamt finde ich die klinischen Bezüge aber eher wichtig als lästig, da man so seinen Blick bereits früh für die Klinik schärfen kann, beispielsweise bei Röntgenbildern. Dies kann schon während des Krankenpflegepraktikums von Vorteil sein, da man den einen oder anderen Begriff schon gehört hat und mehr als nur Bahnhof versteht.

Wahlpflichtfach nach neuer AO

Eine weitere Voraussetzung für den „Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ (ehemaliges Physikum) ist ein benotetes Wahlpflichtfach. Dieses kann relativ frei (14 Stunden insgesamt sind Pflicht) aus dem Fächerkanon der Universität gewählt werden, theoretisch sind sogar Tanzkurse möglich! Man sollte jedoch etwas wählen, was auch wirklich sinnvoll ist, sei es für das Studium oder für das spätere Ärztedasein. Möglich ist vieles: Zum Beispiel Plastische Chirurgie, klinische Neuroanatomie, Sportmedizin oder Ethik. Die Art der Leistungsprüfung kann für die Endnote sehr wichtig sein, da Referate oder Hausarbeiten mit der richtigen Literatur und mit genügend Zeit meist leichter zu bewältigen sind als eine schriftliche Klausur. Je nach Veranstalter der Seminare, Vorlesungen oder Praktika sind die Anforderungen und damit auch der Ausfall der Endnote sehr unterschiedlich! Es lohnt sich daher, sich bei Altsemestern zu informieren, wie das Praktikum bisher abgelaufen ist. Die jeweils erhaltene Endnote erscheint später auf dem Zeugnis, geht allerdings nicht in die Gesamtbenotung des Studiums ein. Je nachdem, wie viel Sorgfalt bei der Suche nach einem geeignetem Wahlpflichtfach aufgewendet wird, kann dieses den Horizont wesentlich erweitern, Anreize für spätere Qualifikationsmöglichkeiten liefern und somit auch gewissermaßen richtungweisend für den Beruf sein. Gerade jetzt, wo es für viele Professoren noch neu ist, vorklinische Medizinstudenten zu unterweisen, kann es zu Problemen kommen.

HARMLOS UND OFT INTERESSANTER ALS VORLESUNGEN Manch einer unter- oder überfordert die Studenten, andere möchten sie eigentlich gar nicht in der Vorlesung sitzen haben, während dritte es ganz toll finden. Grundsätzlich sollte man sich immer im Klaren sein, dass es sich hier nur um ein Wahlpflichtfach handelt! Klappt der erste Versuch nicht so wie geplant, kann man immer noch ein anderes Fach versuchen. Auf keinen Fall solltet ihr euch der Panik hingeben, andere Pflichtfächer vernachlässigen oder gar Vorlesungen deswegen verpassen! Das ist die Sache eigentlich nicht wert. Zudem verlaufen die meisten Wahlfächer recht harmlos und sind interessanter als viele Vorlesungen.

Die mündliche Prüfung

Eine weitere Änderung der Approbationsordnung ist die mündliche Prüfung. Sie ist beim Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung verpflichtend in den Hauptfächern Anatomie, Biochemie und Physiologie. Früher war die Fächerwahl etwas weniger festgelegt. Psychologie war in der Vergangenheit auch mündlich möglich, jetzt gibt es dafür nur noch 60 MCFragen bei der schriftlichen Prüfung.

PRÜFUNGEN GEHEN ÜBER „KREUZWISSEN“ HINAUS Gut ist allerdings, dass jeder in den Hauptfächern mündlich geprüft wird, denn dieses Wissen sollte in der Klinik auf jeden Fall aktiv verfügbar sein und nicht nur

kurz notiert

aus passivem „Kreuzwissen“ bestehen. Kein Patient kommt schließlich mit einer Multiple-Choice-Frage zum Arzt!

Früh über Neuerungen informieren!

Die Neuerungen sind also schon recht umfangreich. Es empfiehlt sich daher, sich so früh wie möglich mit der neuen Approbationsordnung zu befassen. Wem noch Scheine für Prüfungen fehlen, der sollte sich beeilen, denn es ist nicht unbegrenzt möglich, die „alten“ Scheine anerkennen zu lassen. Notfalls müssen Kurse nachgeholt oder ergänzt werden, was zusätzliche Zeit kostet. Die Studienberater stehen dem verunsicherten Studierenden aber im Zweifelsfall gerne zur Seite und suchen gemeinsam mit ihm eine Lösung.

(idw) Eine frühzeitige Diagnose der rheumatoiden Arthritis wirkt sich positiv auf den Verlauf der Krankheit aus und kann auch frühzeitige Erwerbsunfähigkeit verhindern. Bei der praktischen Ausbildung angehender Ärzte bestehen jedoch große Defizite, bemängelt Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann, Präsidentin der DGRh. Nur sieben der insgesamt 37 deutschen medizinischen Fakultäten verfügten über einen Lehrstuhl für internistische Rheumatologie. Kurze Praktikumszeiten und geringe Patientenzahlen führten zudem dazu, dass angehende Ärzte kaum Erfahrungen mit rheumatischen Erkrankungen sammeln können. Folge: Hausärzte erkennen das Leiden häufig nicht oder erst in fortgeschrittenem Stadium.

Blasenkontrolle für Querschnittsgelähmte

(idw) Querschnittgelähmte können oft ihre Blasenfunktion nicht mehr kontrollieren und sind auf Katheter, Windeln oder andere Hilfsmittel angewiesen. Am Universitätsklinikum Tübingen wird jetzt europaweit zum ersten Mal eine Operation angeboten, die diesen Patienten die Kontrolle über ihre Blasenfunktion zurückgibt. Möglich wird dieses durch die operative Umleitung: Nerven eines Rückenmark-Reflexbogens aus dem Oberschenkel werden auf den Reflexbogen der Harnblase umgeleitet. Durch die Auslösung eines Reizes am Oberschenkel kann die Blase über diese Umleitung dann wieder gesteuert werden.

Mordaufklärung durch Mitochondrien

(idw) Erstmals wurden in einem Massensuchtest nach Straftätern Mitochondrien-DNA-Muster untersucht. Im Ergebnis dieser Analyse konnte das Tötungsverbrechen an der siebenjährigen Maria J. aus Haldensleben aufgeklärt werden, das sich vor zehn Jahren ereignet hat. Damals standen Staatsanwaltschaft, Polizei und das Institut für Rechtsmedizin der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg bei ihren Untersuchungen vor dem Problem, dass es anhand der geringen verfügbaren DNA-Menge nicht möglich war, ein verlässliches Kern-DNA-Muster zu erstellen.

Der kleine Unterschied

(idw) Leipziger Forscher haben die Benutzung der Gene zwischen Mensch und Schimpansen verglichen. Ausgerechnet im Gehirn ist der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse am geringsten – zumindest was den Aufbau und die Aktivität der Gene betrifft. Und das, obwohl wir uns gerade durch Funktionen des Gehirns wie Sprache und Gedächtnis vom Schimpansen unterscheiden. Im Hoden variiert hingegen die Aktivität der Gene besonders stark zwischen den beiden Spezies: Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN). MEDI-LEARN Zeitung Online gibt es wöchentlich weitere interessante Artikel und Nachrichten rund ums Medizinstudium – mehr Infos unter: www.medi-learn.de e /zeitung


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kurz notiert

Organspende im Ausland

Damit die eigene Entscheidung zur Organspende auch im Ausland verstanden und berücksichtigt werden kann, veröffentlicht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Urlaubsreisende im Internet ein übersetztes Beiblatt zum Organspendeausweis in neun Sprachen. Es kann in den Sprachen Bulgarisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch unter www.bzga.de (Themenschwerpunkt Organspende) herunter geladen werden.

Kater-Gen macht Alkohol erträglich

Ebenso wie Menschen können auch Fruchtfliegen eine Toleranz gegen Alkohol entwickeln: Wissenschaftlerinnen der Uni Würzburg haben jetzt ein Gen entdeckt und treffend als ‚hangover‘ bezeichnet, das den kleinen Insekten dabei hilft, immer mehr Alkohol zu vertragen. Ähnlich könnten die Verhältnisse auch beim Menschen liegen, wie Henrike Scholz und Mirjam Franz vom Biozentrum zusammen mit Ulrike Heberlein aus San Francisco in der Zeitschrift „Nature“ berichten.

Mit Genforschung gegen Herzkrankheiten

(idw) Bei Arteriosklerose, Herzund Hirninfarkten können nur in rund der Hälfte der Fälle die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen und Fettstoffwechselstörung als Ursache identifiziert werden. Neueste Forschungsergebnisse legen nahe, dass daneben genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Zu den Aufgaben des Instituts für HerzKreislaufforschung der Universität Witten/Herdecke (UWH) gehört es, genetisch bedingte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Mehr: www.herz-kreislaufforschung.de

Transplantation trotz unterschiedlicher Blutgruppen

(idw) Premiere im Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg: Ein 50-jähriger Mann konnte als erster von der neuen Technik profitieren. Möglich macht dies die so genannte ABO-inkompatible Nierentransplantation, die in Deutschland bisher nur an wenigen spezialisierten Kliniken durchgeführt wird. „Mit diesem neuen Therapieangebot können wir die Anzahl der Lebendspenden erhöhen und die Wartezeiten bei geeigneten Patienten verkürzen“, erklärt Professor Dr. Jan Schmidt, Geschäftsführender Oberarzt.

Ecstasy kann das Gedächtnis schädigen

(idw) Hochdosierter und anhaltender Konsum der Droge Ecstasy kann zu Gedächtnisschäden führen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Fast die Hälfte aktueller und mehr als die Hälfte ehemaliger Ecstasy-Konsumenten wiesen Gedächtnisstörungen auf, die zum Teil noch fünf Monate nach Beendigung des Ecstasy-Konsums bei einigen Usern nachweisbar blieben.

Interview mit praktizierenden Ärzten Operationen statt Bundeskanzleramt Name: Dr. Thomas Raddatz Studienort: FU Berlin Studium: 1974 bis 1981 Facharztrichtung: Chirurgie Alter: 57 Jahre

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uf welch interessanten und beeindruckenden Wegen man zum Beruf des Mediziners kommen kann, beweist diese Ausgabe unserer Interview-Reihe mit praktizierenden Ärzten. Dr. med. Thomas Raddatz (Chirurg) stand uns Rede und Antwort berichtet unter anderem von seiner Leidenschaft Chirurgie. Beschreiben Sie bitte kurz Ihren studentischen Werdegang (Studienort, Studienverlauf, Studienzeit). Ich bin am 12. Oktober 1948 in Berlin geboren. Mein Abitur habe ich 1968 gemacht und habe dann an der FU Berlin Germanistik, Geschichte und Dokumentationswissenschaften studiert. Meine Magisterarbeit habe ich 1974 abgegeben und war von 1969-72 freier Mitarbeiter des Senders RIAS Berlin. 1974 habe ich dann das Studium der Humanmedizin an der FU aufgenommen und 1981 mit Promotion zum Dr. med. abgeschlossen. Mein Dissertationsthema: „Ultraschalluntersuchungen der Placenta und fetaler Körperstrukturen im Verlauf der Schwangerschaft“ bei Prof. Hoffbauer, Universitäts-Frauenklinik Berlin-Charlottenburg. Ich war von 1982-88 chirurgischer Assistenzarzt in Warburg, Kassel und Herford und Oberarzt der Klinik für Allgemein-

und Thoraxchirurgie am Klinikum Kassel 1988-89. Seit 1989 bin ich niedergelassener Chirurg in Vellmar bei Kassel. Meine Tätigkeitsschwerpunkte sind ambulante Operationen und Unfallmedizin. An welche Höhepunkte oder auch Tiefpunkte während des Studiums erinnern Sie sich noch heute? Beeindruckend und äußerst wirkungsvoll waren meine diversen Famulaturen in einer gynäkologischen Praxis, die in regelmäßigen Vertretungen gipfelten: Der Famulus Raddatz wurde von dem Praxisinhaber gleichberechtigt behandelt. Die gesamte Sprechstunde haben wir zu zweit abgewickelt und zweimal wöchentlich morgens in der Belegklinik operiert. Dabei wurden nicht nur praktische Kenntnisse entwickelt und gefördert, so ganz nebenbei entstand auch das „Feeling“ für den Arztberuf. Was haben Sie am Tag Ihres 3. Staatsexamens gemacht, nachdem Sie das Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen hatten? Ich habe mit meinen Kumpels ein paar Bierchen gezischt und dabei den Trauermarsch aus Wagners „Götterdämmerung“ gehört!

Absicherung im Krankheitsfall – was muss ich beachten? von Peter Dahlhausen, Deutsche Ärzte Finanz

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rankenversichert? Bin ich über meine Eltern. Ist mit meiner studentischen Krankenversicherung erledigt!“ Doch schon als Medizinstudent sind gewisse Ergänzungen unbedingt empfehlenswert.

Im Ausland

In den Semesterferien, während der Famulatur oder auch im PJ gehören Reisen in das Ausland zum studentischen Alltag. Hier ist der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung unerlässlich. Jeder Student besitzt zwar eine eigene Krankenversicherung. Diese gilt jedoch, wenn sie über eine gesetzliche Krankenkasse besteht, nur für Deutschland bzw. auch für die Länder, mit denen die Bundesrepublik Sozialversicherungsabkommen getroffen hat. Aber dabei werden meist nicht alle Kosten übernommen, da viele Ärzte dort Ausländer nur als Privatpatienten behandeln oder Leistungen in Rechnung stellen, die von der deutschen Kasse später nicht oder nur teilweise übernommen werden. Mit vielen Ländern, die von Medizinstudenten für Urlaubsreisen, eine Famulatur oder ein PJ ausgewählt werden, fehlen aber auch diese Sozialversicherungsabkommen. Das bedeutet im Klartext, dass das Kostenrisiko alleine beim Studenten liegt! Aber so eine Auslandsreisekrankenversicherung ist keine Vollkaskoversicherung: Versichert sind nur ärztliche Behandlung

bei akuten Erkrankungen, Unfällen und stationäre Behandlung sowie schmerzstillender Zahnbehandlung. Leistungen zu Vorerkrankungen oder für absehbare Behandlungen sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Anders als bei der gesetzlichen Versicherung in Deutschland tritt der Patient in Vorleistung und die Versicherung erstattet nachträglich die Rechnungen.

Tipp: Auf angemessene Regelungen für den Fall eines Rücktransportes aus medizinischen Gründen achten. Hier gibt es große Unterschiede, insbesondere bei der Höhe der Kosten, die das Unternehmen übernimmt. Und bei einem Rückflug mit einem Ambulanzflugzeug kommen schnell 100.000 Euro zusammen!

Lücken des gesetzlichen Schutzes schließen

Die meisten Studenten sind gesetzlich krankenversichert. Wer bessere Leistungen und/oder Leistungen wünscht, die die Kasse nur zum Teil oder gar nicht zahlt, der kann seinen Versicherungsschutz durch private Zusatzversicherun-

Mit welcher Motivation haben Sie das Medizinstudium begonnen? Die Frage könnte auch lauten: Warum habe ich mich um einen Studienplatz bemüht? Mein Germanistik-Studium verlief im Ende nicht gerade erfolgreich: Mein Doktorvater wechselte nach Wien, eine reelle berufliche Alternative im Bundeskanzleramt wurde durch die Guillaume-Affäre zunichte gemacht. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich niemals mit einem Studienplatz gerechnet und habe mich mehr aus Quatsch beworben. Als dann aber die Zusage kam, war mir schlagartig die Gunst der Stunde bzw. die zweite Chance bewusst. Wie bewerten Sie diese Motivation rückblickend? Sie hat sich über das gesamte Studium nicht nur gehalten, sondern auch gefestigt. Gedanken an einen Studienabbruch/wechsel traten zu keiner Zeit auf. Zur Motivation noch ein paar Worte: Im Studienverlauf ist man geneigt, die gesammelten Kenntnisse in Erfahrungen umzusetzen, mit anderen Worten „Doktorspielchen“ auf hohem Niveau, welches ein durchaus geeignetes Mittel der Selbstreflexion ist. So ergibt es sich fast automatisch, dass man dem einen oder anderen aus Familie oder Bekanntenkreis mit medizinischen Tipps behilflich ist. Das ist Motivation genug. Wie sieht der Alltag als Arzt für Sie heute aus? Die Chirurgie ist von allen klinischen Fächern für mich das reizvollste. Es gibt kaum identische Verläufe, und man arbeitet stets am Limit. Diese Herausforderung

gen ergänzen. Zum einen gibt es Angebote für die stationäre Behandlung, z.B. die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer mit privatärztlicher Behandlung. Von Vorteil für den Medizinstudenten sind hier Angebote für Mediziner in der Ausbildung zu besonders günstigen Konditionen. Zum anderen kann man Ergänzungstarife zur ambulanten Heilbehandlung abschließen, die es meist als Kombinationen wie Auslandsschutz, Brillenleistung, Heilpraktiker und Zahnersatz gibt. Es gibt aber auch Anbieter, deren Leistung sich beispielsweise auf Zahnersatz beschränkt. So kann man seinen Geldbeutel schonen und trotzdem wichtige Leistungen absichern.

Achtung Gesundheitsprüfung

Immer sind bei Antragstellung Gesundheitsfragen zu beantworten, von deren Prüfung der Versicherer letztendlich den zu zahlenden Beitrag abhängig macht. Denn anders als die gesetzlichen Kassen, die Jeden ohne Unterschied von Alter, Geschlecht oder Gesundheitszustand versichern (Solidarprinzip), ermitteln die privaten Krankenversicherungen für ihre Kunden einen individuellen Beitrag. Der ist von drei Faktoren abhängig: - Eintrittsalter: Je jünger, desto günstiger der Beitrag - Geschlecht: Frauen zahlen etwas höhere Beiträge - Gesundheitszustand: Vorerkrankungen können zu einem Angebot mit Beitragszuschlägen, vielleicht sogar Leistungseinschränkungen oder zu einer Ablehnung des Antrages führen.

brauche ich. Bedauerlicherweise haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stetig verschlechtert. Staatsdirigismus und wirtschaftliche Zwänge überlagern das rein Medizinische. Sie sind ja auch schreiberisch sehr aktiv. Woran arbeiten Sie gerade? Ich arbeitet gerade am Manuskript zu meinem Buch „Eine Krähe hackt der anderen...“, dessen Inhalt ich auch Studieninteressierten und Studenten zum Lesen empfehle. Die Schwächen des öffentlichen Gesundheitswesens und deren Fehlentwicklungen der letzten zwanzig Jahre schonungslos darzustellen, ist Hauptanliegen dieses Buches. Das Werk ist als Streitschrift angelegt, basiert selbstverständlich auf nachprüfbaren Fakten, verwendet aber populistische, hin und wieder auch polemische Stilmittel, um Betroffenheit auszulösen. Der Autor hat alle wesentlichen Stufen einer ärztlichen Karriere durchlaufen und gestattet Einblicke in die Praxis von Ärzten und Krankenhäusern, Kassen und Kammern, von Aus- und Weiterbildung. Dabei werden die Bereiche, die der Öffentlichkeit üblicherweise verborgen bleiben, kritisch offen gelegt und Zusammenhänge beschrieben, wo keine vermutet werden. Wenn Sie nach der Lektüre anschließend immer noch davon überzeugt sind, das Richtige zu tun, dann sind Sie wohl nicht aufzuhalten! Vielen Dank für das informative Gespräch!

Im Rahmen des Interviews verlosen wir zweimal die „Checkliste Chirurgie“ aus dem Thieme Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw015

Da jedoch Mediziner zu einer Berufsgruppe gehören, die auf Grund ihres Einkommens nach einiger Zeit versicherungsfrei werden, ist grundsätzlich anzuraten, möglichst frühzeitig (solange man fit und gesund ist) in die private Krankenversicherung einzusteigen. Gibt es ein Erschwernisangebot, sollte man mit dem Versicherer in Verhandlungen treten, ob z.B. zusätzliche Untersuchungen möglich sind, die die Schwere der Erkrankung abklären könnten, und/ oder ob eine erneute Überprüfung des Beitragszuschlags nach zwei oder drei Jahren möglich ist.

Sinnvoll: Option auf spätere Versicherung

Wer sich eine private Zusatzversicherung während des Studiums nicht leisten kann oder will, der sollte zumindest für einen überschaubaren Monatsbeitrag eine Option auf eine spätere private Krankenversicherung abschließen. Diese Option kann dann z.B. beim Berufsstart ohne erneute Gesundheitsprüfung ausgeübt werden. Zwischenzeitlich aufgetretene Erkrankungen oder eine generelle Verschlechterung des Gesundheitszustands bleiben dann unberücksichtigt!

Produkthinweis: Spezielle Infos für Medizinstudenten rund um die Krankenversicherung gibt es im Sponsored Room der Deutschen Ärzte Finanz bei MEDI-LEARN. Klickt euch einfach über die folgende URL in den Sponsored Room, in dem weitere Infos warten: www.medi-learn.de /ST0029


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Deutsche rufen viel zu spät den Notarzt von Christiane Limberg (DGK)

1995/96 hatte die PHZ noch 166 Minuten betragen. Besonders schlimm sieht es bei der erst im Jahr 2000 neu definierten Form des Herzinfarkts aus, dem Nicht-ST-Hebungsinfarkt: Hier liegt die PHZ sogar bei 540 Minuten.

Menschen mit einem akuten Herzinfarkt warten in Deutschland viel zu lange, ehe sie ein Krankenhaus aufsuchen, kritisierte Tagungspräsident Prof. Dr. Jochen Senges, Ludwigshafen, auf dem deutschen Kardiologen-Kongress in Dresden, bei dem rund 2500 Herzspezialisten zusammen kamen. Für den Behandlungserfolg ist bei einem akuten Herzinfarkt ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn von zentraler, oft lebensrettender Bedeutung, weil ein Blutgerinnsel im Herzkranzgefäß die Blutzufuhr zum Herzmuskel unterbricht, sodass dieser rasch abstirbt. Das beste Ergebnis lässt sich bei einer Behandlung innerhalb von einer Stunde („goldene Stunde“) erzielen. Tatsächlich beträgt in Deutschland jedoch die durchschnittliche Prähospitalzeit, also die Dauer vom Beschwerdebeginn bis zum Eintreffen im Krankenhaus, 225 Minuten. Prof. Senges: „Das ist meilenweit vom angestrebten Ziel entfernt.“ Daten des großen bundesweiten MITRA PLUS-Registers mit rund 30.000 Herzinfarktpatienten zeigen sogar eine kontinuierliche Zunahme der Prähospitalzeit im vergangenen Jahrzehnt: In den Jahren

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ach einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute, weil sonst der Herzmuskel abstirbt. Das beste Ergebnis bringt eine Behandlung innerhalb von einer Stunde. Tatsächlich beträgt jedoch in Deutschland die durchschnittliche Dauer vom Beschwerdebeginn bis zum Eintreffen im Krankenhaus 225 Minuten. Trotz starker Brustschmerzen wird mit einem Notruf viel zu lange gewartet, wohl um die Versorgung durch einen fremden Notarzt zu vermeiden, beobachten deutsche Herz-Spezialisten. Dringender Rat: Bei mehr als 5 Minuten Brustschmerzdauer sollte der Notarzt gerufen werden.

Vor allem patientenbedingt

Eine Studie am Herzzentrum Ludwigshafen konnte belegen, dass mit rund 60 Prozent der weitaus größte Anteil der Prähospitalzeit-Verlängerung durch patientenbedingte Verzögerungen entsteht. Vor allem ältere Patienten, Frauen und Patienten, die durch Begleiterkrankungen wie Diabetes und Schlaganfall ein besonderes Risiko für Koronarerkrankungen tragen, haben eine längere PHZ. Auch Patienten nach Bypass-Operation kommen später in die Klinik. Besonders alarmierend ist das Fehlverhalten von Herzinfarktpatienten am Wochenende und während der Nachtstunden. Trotz starker Brustschmerzen wird mit einem Notruf viel zu lange gewartet, um die Versorgung durch einen fremden Notarzt zu vermeiden. Hier besteht be-

Kreuz und Quer So geht es: Einfach das Kreuzworträtsel mit Hilfe der Gratis-Leseproben des Furger, Innere quick und des Müller, MEMORIX Notfallmedizin lösen. Findet das Lösungswort und tragt es online ein unter: www.medi-learn.de/kreuzundquer Links zu den Probekapiteln sind auf der gleichen Seite zu finden. 4

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Im Rahmen des Artikels verlosen wir 2 Premiummitgliedschaften in der Rettungscommunity Rippenspreizer. Einfach Namen und E-Mail-Adresse eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw945

Kontakt: Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK) Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK) E-Mail: limberg@dgk.org

14. Verband, der bei starken (z.B. arteriellen) Blutungen angelegt werden sollte, ohne „verband“ am Ende des Wortes (MEMORIX Notfallmedizin Seite 19) 15. Eigenname des Bakteriums, das ursächlich verantwortlich für die Borreliose ist; ohne Borrelia am Anfang (Innere quick Seite 278) 16. Mögliches Symptom der Hypokaliämie im Magen-Darm-Bereich (Innere quick Seite 240) 17. Zweites Wort des Eigennamens der klinischen Manifestation der Borreliose Stadium I (Innere quick Seite 278)

durch die Innere und Notfallmedizin

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sonders dringlicher Aufklärungsbedarf. Längere Prähospitalzeiten finden sich auch in Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte. Prof. Senges: „Weitere Kampagnen unter Einbeziehung der Medien sind dringend erforderlich, um unter anderem den Slogan „Brustschmerz mehr als 5 Minuten – Notarzt rufen“ in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern, den ungünstigen Trend zu stoppen und eine Verkürzung der Prähospitalzeit zu erreichen.“

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Senkrecht:

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2. Erstes Wort des Eigennamens der klinischen Manifestation der Borreliose Stadium I (Innere quick Seite 278) 3. Erstes Wort in der Abkürzung ARDS (Innere quick Seite 49) 4. Synonym für Herzinfarkt (MEMORIX Notfallmedizin Seite 207) 6. Weiterer Zustand des Herzens, bei dem eine Defibrillation indiziert sein kann, ohne „Kammer“ am Anfang des Wortes (MEMORIX Notfallmedizin Seite 81) 8. Medikament zur Sedierung beim Herzinfarkt (MEMORIX Notfallmedizin Seite 211) 9. Zweites Wort in der Abkürzung ARDS (Innere quick Seite 49) 11. Drittes Wort in der Abkürzung ARDS (Innere quick Seite 49)

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Waagerecht:

1. Katecholamin, das bei der Therapie des Herzinfarktes eingesetzt wird (MEMORIX Notfallmedizin Seite 214) 5. Brille zur Untersuchung des Nystagmus (Innere quick Seite 435) 7. Zustand des Herzens, bei dem eine Defibrillation indiziert sein kann (MEMORIX Notfallmedizin Seite 81) 10. Weiterer Zustand des Herzens, bei dem eine Defibrillation indiziert sein kann, ohne „Kammer“ am Anfang

des Wortes (MEMORIX Notfallmedizin Seite 81) 11. Weiteres Katecholamin, das zur Therapie eines Herzinfarktes eingesetzt werden kann (MEMORIX Notfallmedizin Seite 214)

12.Viertes Wort in der Abkürzung ARDS (Innere quick Seite 49) 13. Arterie, die bei starken Blutungen im Unterschenkelbereich abgedrückt werden kann (MEMORIX Notfallmedizin Seite 20)

Die Gewinner des letzten Rätsels lauten: Cordula Schäfer: 1 Klassik Skelett Stan Hans Meierbrink und Felix Hagen: Je 1 DocCheck Otoskop

Gewinnspiel: Im Internet unter www.medi-learn.de/kreuzundquer kannst du dein Lösungswort eintragen. Wir verlosen 15x das Buch „Innere quick“ und 15x das Buch „MEMORIX Notfallmedizin“. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis zum 31.12.2005.

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kurz notiert

Gen-Defekt legt Blutbildung lahm

(idw) Wissenschaftler vom Biozentrum der Uni Würzburg haben mit Kollegen aus Düsseldorf und New York ein Gen entdeckt, das eine wichtige Rolle bei der Krebsabwehr spielt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei Patienten mit der sehr seltenen Blutkrankheit Fanconi-Anämie ein Gen namens BRIP1 defekt sein kann. Wenn beide Kopien des Gens mutiert sind, führt dies zum Zusammenbruch des blutbildenden Systems im Knochenmark und zu einem erhöhten Krebsrisiko.

Ursache von Krupp bei Kindern

(idw) Ein erstmals im letzten Jahr beschriebenes Virus aus der Familie der Coronaviren, das CoV-NL63, könnte häufig die Ursache von unteren Atemwegsinfektionen bei kleinen Kindern darstellen. Darauf deuten Untersuchungen von Bochumer Virologen unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Überla hin: Über 900 Sekretproben von Kindern unter drei Jahren wurden auf das Erbmaterial des Coronavirus untersucht. Besonders häufig konnte das Virus bei Patienten mit der so genannten Krupp-Erkrankung, einer Kehlkopfentzündung, nachgewiesen werden.

Kopfläuse! Was tun?

Die Kopfläuse gehen in Schulen und Kindergärten ein und aus. Sie zu bekommen ist keine Sache der persönlichen Sauberkeit. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt unter dem Titel „Kopfläuse – was tun?“ ein Faltblatt zur Verfügung, das darüber informiert, wie man Kopfläuse erkennt, was man gegen sie tun kann und was Erziehungsberechtigte berücksichtigen müssen. Das Faltblatt gibt es in fünf Sprachen: www.bzga.de

Udo Lindenberg unterstützt Deutsche Nierenstiftung

(idw) Alles klar auf der Andrea Doria... aber auch alles klar mit den Nieren? Das Schicksal seines Doubles veranlasst Udo Lindenberg, sich aktiv für die Vorsorge von Nierenerkrankungen einzusetzen und die Deutsche Nierenstiftung bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Für das Double von Udo Lindenberg, das den Künstler auf seine Tourneen begleitet und einen festen Part im Bühnenprogramm hat, war die Diagnose einer fortschreitenden Niereninsuffizienz ein tiefer Einschnitt im Leben und warf viele Fragen auf. Auch Udo Lindenberg traf das Schicksal seines Freundes und Doubles stark. Er setzt sich seitdem stark für eine „Nieren-Awareness“ in Deutschland ein. Er unterstützte die Nierenwoche 2005, die unter dem Motto „Ich schütze meine Nieren. Erkennen und Vorbeugen“ stand.

MEDI-LEARN Zeitung 5xx im Jahr als Printausgabe und 1x wöchentlich als Newsletter. Mehr Infos zur Onlineausgabe findet ihr unter: www.medi-learn.de e /zeitung


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Aktuell

Lernen in der virtuellen Klinik Prometheus preisgekrönt: Das Projekt des Universitätsklinikums Tübingen gewann in der Kategorie „Digitale Medien in der Lehre“ den mediendidaktischen Hochschulpreis Medida-Prix 2005 in Rostock. Die virtuelle fallbasierte Lernumgebung für die Medizinerausbildung sicherte sich mit seiner vorbildlichen Umsetzung ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro. Insgesamt hatten sich 121 Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um die Auszeichnung beworben.

Fallbasiertes Lernen

Das Projekt Prometheus des Universitätsklinikums Tübingen ist ein internetbasiertes LMS (learning management system), das auf einem didaktischen Rahmenwerk in Form einer virtuellen Simulation der klinischen Ambulanzsituation der medizinischen Aus- und Weiterbildung basiert. Adaptivität, Interaktivität, Reflexion und Diskursivität bilden das pädagogische Grundgerüst der Plattform. In den Bereichen der virtuellen Klinik sind verschiedene Lernszenarien abgebildet. Fallbasiert kann in den Ambulanzen ein Krankheitsbild erschlossen oder vertieft werden. In der angegliederten virtuellen Bibliothek befinden sich systematische Tutorials zur Vertiefung, im Internetcafe kann über eine Forum- und E-Mail-Funktion asynchrones Tutoring oder kollaboratives Lernen stattfinden. Alle Szenen der Plattform haben ein intuitives, einheitliches Interface und eine grafisch verankerte Navigation. An jeder Stelle steht eine Hilfefunktion in Form eines virtuellen Experten zur Verfügung. Faktenwissen wird durch die virtuelle Realität zu klinischem Handlungswissen, der authentisch reagierende Patient ermöglicht, dass reale Erfahrungen eingebracht und zur Entwicklung der Expertise genutzt werden können.

Deutschland, Österreich und Schweiz kooperieren Die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V. (GMW) schreibt den jährlichen mediendidaktischen Hochschulpreis Medida-Prix aus. Der mediendidaktische Hochschulpreis wird abwechselnd vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dieses Jahr Schirmherr, dem schweizerischen Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) und dem österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk) ausgerichtet. www.medidaprix.org www.medidaprix.org, www.prometheus.uni-tuebingen.de

Deine Meinung ist uns wichtig! Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Unter www.medi-learn.de e /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 €. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

Freut euch aufs Auge!

Die kostenlose Extraportion MEDI-LEARN Zeitung

Blockpraktikum in der Ophthalmologie von Linda Vilz

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er erste Tag nach den Semesterferien: Die meisten sehen, mehr oder weniger gut erholt, ihrem Schicksal ins Auge und stellen sich dem Uni-Alltag. In meinem Fall bedeutet das: Kittel an, die Augenklinik ruft. Start: Acht Uhr morgens, Treffpunkt Hörsaal. Klingt ja noch ganz human. Moment, Hörsaal? Na ja, vielleicht zur Frühbesprechung mit den Ärzten, denke ich mir. Aber ist die nicht immer früher? Okay, beruhige ich mich. Sicher ist sicher, dann gehe ich halt vorsichtshalber früher hin.

Den ersten Eindruck gleich verpatzt

Mein Plan stand, doch die begrenzte Rücksicht des Busfahrers an diesem Morgen ließ mich den Bus verpassen und so kam es, dass aus 7.30 Uhr 7.45 Uhr wurde. Na ja, immerhin bin ich im richtigen Gebäude, dachte ich mir. Die Tür des Hörsaals war geschlossen, Stimmengemurmel drang an mein Ohr. Oh nein, Panik! Gleich am ersten Tag mal wieder zu spät, typisch für mich. Voller Hektik reiße ich die Tür auf und schaue erschrocken in 30 Augenpaare, die zu weiß bekittelten Körpern gehören und sich in Reih und Glied über mir auftürmen. Ich war mitten in die Frühbesprechung getrabt und stand direkt neben einem Oberarzt, der mir auch sogleich anriet, doch lieber noch mal draußen zu warten. Na, bravo! So viel zum ersten Eindruck. Kann ja nur besser werden, dachte ich. Etwas später kam die Ärzteschar heraus. Inzwischen waren auch die anderen Praktikanten angekommen, die Oberärztin begrüßte uns persönlich. Danach wurden wir in der Klinik verteilt.

EIN „GESCHICKTES“ HÄNDCHEN IN SACHEN ÄRZTEAUSWAHL Erstes Ziel: Die Ambulanz. Ich war allein einem Assistenzarzt zugeteilt. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, als er mich sah. Während ich mich auf den einzigen freien Stuhl setzte, der ganz hinten in einer Ecke stand, gratulierte ich mir innerlich, was ich doch für ein geschicktes Händchen in Sachen Ärzteauswahl hatte. Da saß ich nun in diesem dunklen, kleinen Raum und die einzige, mit der dieser Affe von braun gelocktem Assistenzarzt sprach, war die schwerhörige alte Dame mit altersabhängiger Makuladegeneration, die er gerade mit seiner Spaltlampe traktierte. Aber das Blatt sollte sich wenden. Kaum war die senile Patientin weg, rief mich der Arzt zu sich und erklärte mir, was er soeben untersucht hatte. Spaltlampe und Kopfspiegel kannte ich noch aus dem Untersuchungskurs im ersten klinischen Semester, aber jetzt durfte ich sie an echten Patienten ausprobieren. Er zeigte mir, wie an der Spaltlampe der Augeninnendruck gemessen wird, erklärte mir so einiges über die häufigsten Krankheitsbilder, die bei ihm in der Netzhautambulanz auftauchten, und ging auf alle Fragen ein, die ich ihm stellte. Ich schaute zu, wie Angiographien gemacht wurden, sah Glaskörperblutungen, Papillenödeme, Makroaneurysmen und Lasernarben im Augenhintergrund, lernte das OCT kennen und versuchte, die Bilder mit ihm zusammen auszuwerten.

Gegen Ende dieses doch sehr eindrücklichen ersten Vormittags in der Augenklinik verfolgte ich per Spion (Spiegel am Kopfspiegel des Arztes) sämtliche Untersuchungen des Oberarztes – der hat nämlich bei den Assistenzärzten noch das letzte Wort und auch den letzten Blick – und sah nun Augenhintergründe, die ich mir selbst im Traum nie so gut hätte einstellen können.

AUGENHINTERGRÜNDE, DIE ICH IM TRAUM NICHT HÄTTE EINSTELLEN KÖNNEN

Keine Reisekrankheit: das ICE-Syndrom

Zweiter Tag, wieder im Hörsaal, diesmal um 8 Uhr. Bin sogar pünktlich. Kurze Einführung zum Thema Tumore am Auge, dann geht es auf eine Station. An diesem Tag waren wir zu zweit, was gar nicht verkehrt war, denn so untersuchten wir uns gegenseitig ausgiebig an der Spaltlampe. Die uns zugewiesene Ärztin war sehr nett, stellte uns aber auch immer wieder Fragen. Dinge, auf die wir nicht kamen, beantwortete sie sofort oder sie wies uns an, sie in entsprechender Literatur nachzulesen, die sich auf Station befand und ihr anschließend davon zu berichten. Auch die PJlerin, die zeitweise im Zimmer war, erwies sich als sehr zuvorkommend und stellte sich gerne unseren Examinationsversuchen. Die meisten Patienten waren wegen einer OP auf Station und sollten noch einmal kurz gesehen werden. Bei jedem bat die Ärztin darum, sich doch bitte auch noch von „den jungen Kollegen“ anschauen zu lassen und glücklicherweise hatte nie jemand etwas dagegen. So sahen und machten wir am zweiten Tag etliche Spaltlampenuntersuchungen, Sehtests, Biometrien, Glaukome, diabetische Retinopathien, Katarakte, Hornhauttrübungen und vieles mehr. Highlight des Tages war eine Ultraschalluntersuchung bei einer jungen Patientin mit ICE-Syndrom (Irido-corneales endotheliales Syndrom), bei der eine Biometrie aufgrund fortgeschrittener Linsentrübung nicht mehr möglich war. Bei geöffnetem, oberflächenanästhesiertem Auge wurde ein Trichter auf den Augapfel gesetzt und mit sterilem Wasser gefüllt. Mithilfe eines kleinen Ultraschallkopfes bestimmte die Ärztin nun die entsprechenden Augenmaße. Wirklich beeindruckend!

OP in 6 Minuten

Dritter Tag, wieder Einführung im Hörsaal und ab in den OP. Wir bekamen unsere OP-Kluft zugewiesen und durften uns anschließend aussuchen, in welchem der vier OPs wir uns umschauen wollten. Sowohl Ärzte als auch Pfleger waren allesamt freundlich und hilfsbereit. Nach den ersten zwei Kataraktoperationen, die übrigens in einer Rekordzeit von sechs Minuten durchgeführt wurden, entschlossen wir uns, den OP zu wechseln und den Operationen des Professors zuzuschauen. Davon wurde uns zunächst durch eine OP-Schwester abgeraten mit dem Hinweis, dass dort sehr unangenehme Fragen gestellt werden könnten. Egal, schließlich wollten wir etwas lernen. Ab in die Höhle des Löwen! Kaum waren wir drin, kam prompt die Aufforderung, doch einmal den Hergang

der Katarakt-OP zu erklären, die wir gerade gesehen hatten. Die Art und Weise, wie uns diese Frage gestellt wurde und wie unsere Antworten dann weiter ausgeführt wurden, machten uns aber schnell klar, dass uns hier niemand etwas Böses wollte. Wir bemerkten ein außergewöhnlich großes Interesse, uns Wissen zu vermitteln und Unklarheiten auszuräumen. So etwas hatten wir in dieser Form bis dato nicht erlebt. Die Entfernung eines Basalioms hatten wir leider gerade verpasst, und auch eine Schiel-OP stand an diesem Tag nicht mehr an. Dafür sahen wir jedoch unseren Patienten vom Vortag wieder, der sich einer Glaskörperentfernung unterziehen musste. Zu guter Letzt wohnten wir schließlich einer Enukleation (Augapfelentfernung) bei, deren Anblick wahrlich etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber wer hätte gedacht, dass man den Bulbus durch eine Korallenkugel ersetzt, die man vorher mit einer Spendersklera überzieht? Durch Annähen der Augenmuskeln ist somit sogar eine Synchronbewegung mit dem gesunden Auge möglich!

Abschlusstag: Sehschule

In der Sehschule saßen erwartungsgemäß vorwiegend Kinder im Wartezimmer. Aber nicht ausschließlich: Das Spektrum reichte vom Oberlidhämangiom eines Babys über eine bitemporale Hemianopsie durch einen Hypophysentumor bis hin zu Nachuntersuchungen der Patienten, die am Vortag operiert worden waren. Bestimmung des Schielwinkels, Spiegelexophtalmometrie, Swinging-Flashlights, Stereotests, noch mal Spaltlampe, noch mal Kopfspiegel, noch mal Ultraschall und ganz, ganz viele Infos.

BOTOX IN DER

AUGENHEILKUNDE? Zum krönenden Abschluss wurden wir ins „Spritzenzimmer“ geführt. Darunter konnten wir uns erstmal nichts vorstellen. Spritzenzimmer deshalb, weil dort nur Botox gespritzt wird. Botox in der Augenheilkunde? Da denkt man eher an Plastische Chirurgie, doch es gibt viele Leute, die verschiedenste Formen von Gesichtsspasmen und -zuckungen haben. Demzufolge lassen sie sich hier nicht ihre Fältchen wegspritzen, sondern werden damit therapiert.

Auge wird unterschätzt

Entgegen allen anfänglichen Erwartungen – Augenheilkunde ist nun mal nicht das Gebiet, das das meiste Interesse eines Medizinstudenten weckt – war dies ein sehr schönes und lehrreiches Praktikum. Wirklich alle waren sehr bemüht, uns etwas beizubringen. Den sonst üblichen Zeitdruck bekam man so gut wie gar nicht zu spüren, in beiden Richtungen – von uns und von den Ärzten – wurden Fragen gestellt und beantwortet. Sollte ich es beurteilen, so hat es sich in jedem Fall gelohnt. Ich hätte nicht geglaubt, in so kurzer Zeit soviel zu sehen und zu erleben. Vier Tage sind ja nicht wirklich lang, aber diese waren voll von neuen Erfahrungen und boten einen guten Überblick über das Tagwerk der Augenärzte. Der erste Eindruck ist also nicht immer der richtige, deshalb: Freut Euch aufs Auge!

Leider sind Seitenzahl und Erscheinungshäufigkeit der MEDI-LEARN Zeitung begrenzt, so dass wir nicht immer alle Texte berücksichtigen können, die ihr uns zusendet. Genauer gesagt: berücksichtigen konnten, denn nun gibt es den DIGITALEN NACHSCHLAG bereits zum zweiten Mal mit weiteren spannenden Artikeln – aktuell mit dem zweiten Teil des Berichtes Houston – und Ergänzungen zu den Berichten der Print-Ausgabe. Der DIGITALE NACHSCHLAG steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung – einfach die folgende Seite aufrufen: www.medi-learn.de e /mlz-nachschlag

Nachschlag Online geht es weiter Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Studienstart

Die Grundsatzfrage Ist Medizin eigentlich das Richtige für mich? Nein, antwortet man sich vor jeder Prüfung. Doch Scherz beiseite: Wir geben Tipps und Hinweise für Studieninteressierte.

Ausland

Krawatte statt Birkis Auf der Insel arbeitet der Mediziner im feinen Zwirn. Welche Erkenntnisse Lena Tomaschütz im Darlington Memorial Hospital noch gesammelt hat, verrät sie euch in ihrem Famulaturbericht.

Tertial-Bericht USA Teil 2 Houston, we have no problem: Linda Vilz erzählt euch, was sie in ihrem PJ-Tertial in Texas alles machen durfte.

Klinik

Pionier-PJ Csaba Losonc zählte zu den ersten PJlern am neuen Lehrkrankenhaus der Uni Bonn, dem Klinikum Siegburg. Persönliches Fazit: empfehlenswert.

Ein kleiner Schnitt Doch an heikler Stelle: Für Vasektomie-Eingriffe benötigen Urologen viel Fingerspitzengefühl. Und zwar auch, was die Seele des Patienten betrifft.

News

Fehlerkultur etablieren Einen offenen Umgang mit Komplikationen und Behandlungsfehlern zur Erhöhung der Patientensicherheit: das fordert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCh).

Schwindel erregend Mit bildgebenden Verfahren haben Forscher des Uniklinikums Mainz die zentrale Schaltstelle für das Gleichgewichtssystem im Gehirn lokalisiert.

Fun

Drei kleine Nasen… …und ihre Wünsche: „Der Teddy aus dem Schaufenster.“ Eine kleine Geschichte zur Vorweihnachtszeit von Antje Pfütze.

Weihnachtslachparade… Im digitalen Nachschlag findet ihr darüber hinaus eine Weihnachtslachparade mit zahlreichen Cartoons aus dem Bereich Medizin, Rettungs- und Notfallmedizin. We wish you a funny Christmas!

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MEDI-LEARN Zeitung 05/2005  
MEDI-LEARN Zeitung 05/2005  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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