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Juni/Juli 2012

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Rubrik

Vom Uhu zum Schweizer Assistenzarzt Ich bin hängen geblieben MEDI-LEARN Redaktion

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ie vielen anderen auch, wurde mir im Studium rasch klar, dass ich in meinem Praktischen Jahr unbedingt ein anderes Land, eine andere Kultur und ein anderes Gesundheitswesen kennenlernen wollte. Bei meinen Überlegungen stieß ich schnell auf die Schweiz. Sie hat

Status stattdessen „Unterassistent.“ Als solcher „Uhu“ (böse Zungen behauptet gar, es wäre die Abkürzung für „Unterhund“) wurde ich nett begrüßt und bekam eine systematische Einführung. Die Hierarchien in der Schweiz sind flach und alle, vom Oberarzt bis zum Unterassistenten, duzen sich in der Regel. Typische PJ-Jobs fallen weg: Blutentnahmen, Anhängen von Blutprodukten und Antibiosen, Zugänge legen – all dies sind Aufgaben der Pflege. Auf Wunsch kannst du diese Dinge selbstverständlich trotzdem durchführen und die Pflegekräfte freuen sich immer über

ten wie Bern, Zürich oder Basel sind die Verdienstmöglichkeiten meist etwas geringer als in den ländlichen Gebieten.

„EIS GO ZIEH“ MIT ANDEREN UHUS Die Freizeitmöglichkeiten sind immens. Im Sommer bieten sich Ausflüge zum Wandern in die Berge, Städtebesuche oder Baden in den vielen Seen an. Fahrzeiten nach Italien und Frankreich sowie ans Mittelmeer sind kurz. Im Winter heißt es: Ski, Ski, Ski. Aber auch mit Snowboarden, Schneeschuhwandern oder „Schlitteln“ kann man seine Freizeit verbringen. Und abends gibt es „Fondueplausch“ ‒ gemeinsames Käsefondue-Essen auf einer

(Abendessen) oder „eis go zieh“ (etwas trinken gehen) mit anderen Uhus.

DER URIN SCHMECKT KOMISCH Bei der Abreise der Uhus gibt es häufig Abschlussparties, die auch von Assistenzärzten, Oberärzten und teilweise den Chefs besucht werden. Dadurch entsteht recht schnell ein persönlicher Kontakt – an kleinen Häusern natürlich mehr als an großen. Das Schweizerdeutsch ist am Anfang, besonders für Menschen aus Norddeutschland, schwierig zu verstehen. Viele Schweizer sind auf Wunsch bereit, Hochdeut sch zu sprechen.

Blick in die Foren

Medizin und Jura

Erst das Medizinstudium beginnen und dann Jura dazunehmen, oder umgekehrt. Was für viele verrückt klingt, haben einige Studenten in Angriff genommen: ein Doppelstudium. Von der Frage, ob die Uni das erlaubt bis zu praktischen Überlegungen nach der Vereinbarkeit der Anwesenheitspflicht in zwei vollkommen verschiedenen Studiengängen werden hier Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht: http://www.medi-learn.de/MF28513

Thread der Woche

Zum zehnjährigen Bestehen von MEDI-LEARN wird Woche für Woche ein alter Thread reaktiviert und die Nutzer dürfen in Erinnerungen schwelgen oder staunen ob der Dinge, die „in den guten alten Zeiten“ diskutiert wurden. Die Themenpalette erstreckt sich vom „Wintereinbruch“ bis zu den „Dingen, die man im Studium nie lernt, aber braucht“. Nutzer können sich alte Threads wünschen und diese dann in einer neuen Diskussion kommentieren. Neugierig geworden? http://www.medi-learn.de/MF261

Was wollt ihr einmal werden?

den Vorteil, dass dort Deutsch gesprochen wird, und bietet bereits im PJ eindeutig bessere Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu Deutschland. Ich habe mich damals per Post an vielen Schweizer Spitälern beworben. Heute ist dies sicher per E-Mail möglich und viel komfortabler sowie kostengünstiger. Aufgrund meiner nur marginal vorhandenen Kenntnisse der italienischen und französischen Sprache habe ich darauf geachtet, mich nur an deutschsprachigen Kliniken zu bewerben. Da Schweizer häufig sehr vorausschauend planen, sollte man sich nach Möglichkeit 18 bis 24 Monate vor dem PJ bewerben. Jedoch bieten sich auch oft kurzfristig Möglichkeiten, zum Teil wenige Monate vor PJ-Start.

MEHRERE ZUSAGEN ERHALTEN Meine Blindbewerbungen waren erfolgreich – ich bekam mehrere Zusagen. Letztendlich habe ich mich für die Spitäler mit den besten Bewertungen, dem höchsten Freizeitpotenzial und hohem Verdienst entschieden: Kantonsspital Aarau und Kantonsspital Glarus. Diese Häuser sandten mir vorab einen Vertrag und weitere Unterlagen, zum Beispiel zu Wohnheimzimmer, Parkmöglichkeiten und Freizeitangeboten zu. Um meine Arbeitserlaubnis brauchte ich mich nicht zu kümmern – das ist in der Regel Aufgabe des Arbeitgebers und stellt für Angehörige eines EU-Landes kein Problem dar.

HIER HEISSEN DIE PJLER „UNTERASSISTENTEN“ Die Schweiz gehört zwar nicht zur EU, trotzdem war die Einreise problemlos. Weil es PJler wie in Deutschland in der Schweiz nicht gibt, war mein

Unterstützung und bieten dabei ihre Hilfe und Erfahrung an.

AUCH INNERHALB DER SCHWEIZ GROSSE UNTERSCHIEDE Sowohl Assistenz- als auch Oberärzte haben immer ein offenes Ohr, beantworten Fragen jederzeit und gerne und führen je nach Arbeitsaufkommen selbstständig Teachings durch. Selbst während einer OP ist jeder je nach Situation bereit, Dinge zu erklären ‒ selbst leitende Ärzte und Chefarzt. Aber die Erfahrung lehrt auch, dass dies nicht in jedem Haus normal ist. Genau wie in Deutschland gibt es überall schwarze Schafe. Aber die im Internet an verschiedensten Stellen vorhandenen Portale zur PJ-Bewertung helfen bei der Entscheidung für die richtige Stelle.

BEZAHLUNG VON 800 BIS 2000 FRANKEN PRO MONAT Ich hatte in der Schweiz die Möglichkeit, selbst Patienten zu übernehmen und unter Supervision eines Assistenzarztes zu betreuen; durfte selbst Briefe diktieren und Visiten durchführen. Natürlich gehörten auch Aufnahmen – in der Schweiz „Eintritte“ genannt – zu meinen Aufgaben. Für die Eintritte sind eigentlich immer die Unterassistenten zuständig. Darin liegt viel Lernpotenzial, denn jeder pathologische Befund wird mit dem Assistenzarzt besprochen und geprüft. In der Regel bekommen Unterassistenten zwischen 800 und 2000 Franken (Wechselkurs: 1€ = 1.20 CHF; 1 CHF = 0.78 €; 21.05.2012) im Monat. Davon gehen noch der Betrag für die Miete des Wohnheimzimmers und nur ein sehr geringer Teil an Steuern und sozialen Abgaben ab. In beliebten Spitälern, besonders in Städ-

Berghütte. In der Regel trifft man immer mehrere Unterassistenten aus ganz Deutschland und der Schweiz, sodass man gemeinsam viel unternimmt. Das beschränkt sich nicht nur auf die Wochenenden; auch unter der Woche gibt es häufiges gemeinsames Nachtessen

Doch man hört sich schnell ein und beherrscht das Schwyzerdütsch jeden Tag ein bisschen besser. Ein typisches Missverständnis am Anfang ist z. B. „Der Urin schmeckt komisch“ ‒ Die Schweizer meinen mit „schmecken“ nämlich „riechen.“ Fortsetzung im Digitalen Nachschlag

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Verlag GbR, ISSN 1860-8590 Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn Telefon 04 31/780 25-0, Fax 04 31/780 25-262 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Christian Weier (V.i.S.d.P.), Jens Plasger, Dipl.-Päd. Kare Ahlschwede (Chef vom Dienst), Dr. med. Marlies Weier, Ines Behlert, Nina Dalitz, Kim Garnier, Miriam Goss, Peter Sporns, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Layout & Grafik: Fritz Ramcke, Kristina Junghans Berichte: MEDI-LEARN Redaktion, Birte Urban-Eicheler, Anna Voormann, Kornelia Preuß-Suske, Patrick Weidinger (Deutsche Ärzteversicherung) Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn, Telefon 0 64 21/17 32 60, Fax 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Dorfstraße 57, 24107 Ottendorf bei Kiel Telefon 04 31/780 25-0, Fax 04 31/780 25-262 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de. – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, www.flickr.com, Thomas Stoffels, baek.de Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter redaktion@medi-learn.de.

MEDI-LEARN hat zum dritten Mal eine große Umfrage gestartet, bei der du angeben kannst, in welcher Fachrichtung du tätig sein möchtest. Spannend ist die Diskussion dazu: Wenn die schon längere Zeit aktiven Teilnehmer berichten, wie sich ihre Wahl im Laufe der Zeit geändert hat und über die Gründe dafür diskutieren. Oder wenn sich der Kopf zerbrochen wird, warum vorklinische Fächer gewählt werden. Oder wenn bereits als Assistenzärzte tätige Nutzer über ihre praktischen Erfahrungen berichten: http://www.medi-learn.de/MF76799

Bücher-Tipps fürs Vorphysikum

Die Zahnmediziner unter den Forennutzern werden ebenfalls von der Frage nach den geeigneten Büchern für die Prüfungsvorbereitung umgetrieben. Um sich optimal auf das Vorphysikum vorzubereiten, suchte eine Nutzerin um Rat und erhielt eine Fülle von Antworten. Wer ebenfalls auf der Suche nach Bücher-Tipps für das Vorphysikum ist, kann sich Inspiration holen unter: http://www.medi-learn.de/MF65601

Kommunikation von Nebendiagnosen

Erfahrungsaustausch unter Assistenzärzten: Wie geht man mit Diagnosen um, die nebenbefundlich festgestellt werden, aber (noch) keine Auswirkungen auf die Gesundheit des Patienten haben? Im Forum wird darüber diskutiert, ob und wie man solch eine Diagnose mitteilt. Die Forennutzer tauschen sich dabei über ihre eigenen Erfahrungen aus und darüber, wie Nebendiagnosen plötzlich doch eine große Bedeutung entwickeln: http://www.medi-learn.de/MF78086

Das Herz

Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist am 31. Juli 2012. Die Gewinner werden regelmäßig im Internet unter www.medi-learn.de/gewinner bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

Detailtreue Anatomie zum Anfassen. Qualität von 3B Scientific. Preis:

35,11 €

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MEDI-LEARN Zeitung 03/2012  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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